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Full text of "Das in Naturund KunstSachen neueröffnete KauffmannsMagazin"

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on le r, P. J., Moscowitischer Kauffmann, d.i. ausführl. Beschreibun; 
:sSo, }mmercien, welche in Moskau etc. getrieben werden, Mit ein 
istri „Wörterbuch. J,übeck 1705. kl.8°. br. Seltene 1. Ausg. M. 15.— 
= in Natur- u. Kunstsachen neu eröffnete Kauffmanns-Magazin 
=Sine ausführl. Beschreib. aller Gold-, Silber-, Kupfer-, Messing- 
Wollen-, Leinen- u. anderer‘ Medicinalwaaren, wobei dann de 
vo solche Waaren wachsen u. herkommen etc. Hamb. 1708 












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Mitglied der Königl. Breu 
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Das in 


Matur /und Kunſt WMachen 


Neu ⸗eroffnete 


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Erklarung des 


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Kupffer Blats. 
vor andern hoch erhobeg/ 


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ihrer Herrſchaffts acht / in allen Laͤndern an/ 


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Ja / was egutes nur / aus ihren 
| Stän und Er / einftattlich Merckmahl werden? 


Wie Of-und 


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Wie hoch die Zau 


e auffgefſchrt. 
Daß auch der Uber ug / an Schiffen / Gold und Waaren / 
Run gleichfam in die Hand / ein jede Stunde laufft 
o lang man, nemlid) wi 
And ziner Hier aus Noth / 


„Minerva, und 
Verehrt der 


Damit dur) Ihre 
Und bleiben i 
Die Pallas wei 


Und wie die 


Mercursus beftel 
Und ſtehet alfo a 


durch die 


annfchafft 


Mercur die ihr zur 
vdömann und Kauffmann Wechſelsweiß / 


Handwe 


aͤtff die Wa 

Kumerfort im augen 

fi’ die 2 der Kunft dianufacturen / | 
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Randy Flüß und See befahren/ 
dort blog aus Wolluſt Fauflt. 


Schiff / gar ungemeine Proben/ | 
hr nunmehro unterthan. | 4 
Keich./ und. Eingeweyd der Erden / 

Sähoof gebiehrt / 


ich hab 


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Seiten ftehen/ 


acen mögen gehen/ 
hmen Preip. 


erckrecht anzulegen ey 


t/ die Handlung / Poſt und Fuhren / } 
uch der Pallas fr | N 
ter Macht / dei 
er Eintracht leb / 


Daß mit 
I fo ee die Welt in gut 


Der Serer feine Seid/ der Mohr 


And auch ber 
Zu unterft an 


Araber den 


Mit Perlen / wie ma 


Zum Zeichen d 
VBielmehr dap 
Man fönte ſolches a 
Da Staͤdte / Land 


man dadur 


Da in dem gangen Band regieren 
Ber) deren Sicherheit die Handlung wohl gedey. 


Ein mehres iſt Hier wohlni 
Dieweil died gantze 
Auf welchen jede 
pie hoch Natur 


Buch / 
mann kan ohne 


und Kunft / die edle Anndlung preift, 


eulich bey. 


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Handlung Bob ſich mehet / —5 
fein Gold verehre / 


klaren Weyrauch geb. 
den Ihron/ dafpielen eine Kinder/ 
n fonft mit Glas⸗Corallen thut/ 
af die Schaͤt / die Kanblung nicht vermindern) 
ch erwerbe Geld 

uch auf Friedens⸗Früchte deuten/ . 
und Gee / von Raub und Kriegen frey/ 


und Gut. _ 


güldne Zeiten/ 


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Muͤh erbliden/ | 





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PAUL JACOB MARPERGERS 2. 


in Katur⸗ und Funſt Sachen 


Fauı eröffnele gyasss 


NPauffmanns 


MAGAZIN. 


Worinnen eine 


ruejübrliche Beſchreibung / 
alter Gold / Silber / Kupffer / Weßing / 
Zinn / Stadt) Eifen/ Doll h/ Steine/€ Sti- 


Wollen/ Leinen / 
— —— | 


Viedicinal Waaren welche aus denen 
yen Reichen der Natur ihren, Urſprung ziehen / 


E denen Kauffleuten/ Materialiften und Apotheckern entwe⸗ 

her ihrer erſter Form undMateria nad) unberändert und ohne Zuſatz gelaflen/ 

der durch der Apothecker und Handwercks⸗Leute Fleiß / Kung und Invention 

umn andere at und zuſammen gefeget/und eigentlid) Compa- 
fitiones und Manufaäturen genennek werden ; 











Y 


Ser Ort / wo fol e Kaaren und Marerialia 
machfeng ndherfommen s die Zeit und der Preis ihres Finsund 
—— ;bie Sigenfehaft/dr und Weiſe der damitgeführten Handlung/ 
derſelben Rce⸗cht/ darauf gelegten Zölle/ und alles ee Alpbabetifcher 
Drdnung nad) here m verfändigen Kauffmann / Mate- 
laliſten und Apothecker fowol 3 atniß Weler Waaren leiten/ald auch 
— Bericht ertheilen kan / wie er ſich in feiner Handlung füge 
lich aufführen und Nachtheil verhüten könne, 
HAꝛXBURG, 
‚Su Yenjamin Schillern Buchhändleri in Dom. 
Cauenburg / gedruckt bey Chr. Alb. Pleiſſet / mot os Gong 





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r, P. J., Moscowitischer Kauffmann, d.i. ausführl. Beschreibung 
sınmercien, welche in Moskau etc. getrieben werden. Mit ein. 
ı Wörterbuch. Lübeck 1705. kl.8°. br. Seltene 1. Ausg. M, 15.— 
"in Natur- u. Kunstsachen neu eröffnete Kauffmanns-Magazin, 
Jine ausführl. Beschreib. aller Gold-, Silber-, Kupfer-, Messing-, 
 Wollen-, Leinen- u. anderer‘ Medicinalwaaren, wobei dann der 
vo solche Waaren wachsen u. herkommen etc. Hamb. 1708. 












Pgtbd. M. 15.— 
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PAUL JACOB MARPERGERS 
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Meu⸗eroffnete 


x SRaufinmmg- 
TAGAZIN. 









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5 Erklärung des Kupffer Blats. 
3027 Je Handlung deren Sitz / vor andern hoch erhobetz / 
Zeigt ihrer Herrſchaffts Macht / In alten Ländern an/ 
Dat weißt’ ſie durch die Schiff / gar ungemeine Proben/ 
sie Oſt⸗ und Weſten ihr nunmehro unterthan. F A 
Hier m 5 dev. Ihiere Reich,/ und. Eingeweyd der Erden / 
<a’ was ſie gutes nur / ans ihren Schooß gebiehrt / 
An Kraͤutern / Stan und Ert / ein ſtattlich Merckmahl werden/ 
Wie hoch die ae ch habe aufgeführte 
Daß auch der Uberfluß / an Schiffen / Gold und Waaren / 
Ihr gleichlam in die Hand / ein jede Stunde laufft / 
So laug man nemlich w dand / Fluß und See befahren/ 
Und einer hie aus Noth / doribloß aus Wolluſt kaufft. 
„Minerva und Mercur bie ihr zur Selten ftehen/ | | 
Verehrt der Handwerdsmann und Kauffmann Wechſelbwelß / | 
Damit durch Ihre Huͤlff die Waaren mögen gehen / 4 
Und bleiben inmerfort in augenehmen Preiß. | 
Die Pallas weiſt die Weg / der Kunft Manufadtusen/ 
Und wie die Hand and Wecrck recht anzulegen fey/ 
Mercurius beftellt / die Handlung / Poſt und Zuhren / N. 
Und ftehet alfo auch der Pallas treulich bey. 9 
F mit geſammter Macht / bet Handlung Lob ſich mehrt / 
nd fo durch fie Wie Weit in guter Eintracht leb / J 
Der Serer feine Seid / der Mohr fein Bold berehre/ 
\ Undauch der Araber ben Elaven Weyrauch geb. 
Zu unterft an den Thron/ dafpteten Kleine Kinder/ 
it Perlen / wie man fonft mit Glas⸗Corallen thut/ 
Zum Zeichen daß die Schäß / die Handlung nicht berminder/ 
Vielmehr dap man dadurch erwerbe Geld und Gut. _ 
an Eönte ſoiches auch auf Friedens⸗Fruͤchte deuten/ . 
DaCtädte / Land and See / von Raub und Kriegen frey/ 
Da in dem gantzen Pand regieren güldne Zeiten/ | 
Ber) deren Sicherheit die Handlung wohl gedey. 
Ein mehres ift Hier wohl nicht nöthig aus udrücden/ | 
Dieweil died gantze Buch) ein folder S latz heiſt / u, 
Auf welchen jedermann ‚kan ohne Muͤh erblicken / 
Wie hoch Ratur und Kunft / die edle Handlung preift, i 





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* PAUL JACOB, MARPERCERS — 


in Katur⸗ und Funſt⸗ Rache 


Fa eröfnele 2405; 


Nauffmanns 


MAGAZIN, 


Worinneneine 


Dusfuͤhrliche Betchreibung/ 
aller Gold / Silber / Kupffer / Meking/ 
Zinn / Su Eifen, Do h/ Steine/ € Sei⸗ 


Wollen / Leinen / 
— — | 


Medicinal Waaren welche aus denen 


dreyen Reichen der Natur ihren Urſprung ziehen / 
und von denen Kauffleuten / Materialiſten und Apotheckern entwe⸗ 
ı ver ihrer erſter Form und Materia nad) unberaͤndert und ohne Zuſatz gelaſſen / 
der durch der Apothecker und Handwercks⸗Leute Fleiß Kung und Invention 
im andere transformiret und zuſammen geſetzet / und eigentlich Compo⸗ 

| fitiones und Se — erden; 


Der Ort / wo forche Waaren und Marerialia 
wachſen und herkommen ; die Zeit und der Preis ihres Ein⸗ und 
Verkauffs; die Cigenfhafft/Art und Weiſe der damit geführten Handlung / 
derſelben Recht/ DR —— alles dasjenige Alpbabetiſcher 
Ordnung nach befchriebenmwit en verffändigen Kauffmatnn/ Mate- 
ialiften und Apotheder fowol 5 atniß Weler Waaren leiten/aldauh 
—— Bericht ertheilen kan / wie er ſich in feiner Handlung füge 
lid) zu und Wa - berhüten könne, 











20 Benjamin Sehllern Buckänleri in Dohn. 
| — akt bey Chr. An, Diele) 17 woß 





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-_ MAGNIFICIS, 


KVKoch⸗EDdlen / Welten und. 


Hochgelahrten / Hoch und 
| wohweifen Herren — 


alegermeern 
_ SYNDICIS 


Rahtmannern/ 


der drey Welt⸗beruͤhmten 


Reichs⸗ In und Han 


Stadte: 
LÜBECK, 
HAMBURGm 
BREMEN : 


,. 
Ubergiebet ber. Author 
Die⸗ 


. Dieſes u 
gegenWwaͤrtige Pet »erdffnefe 
Kauffinanns-MAGAZIN 

aus ſo bielmehr Dienft- ergebenſter De- 
votion und Schuldigkeit / 


als in demſelben 
Die in &iw. Magnificences und 
Moch-Edien Herrlichfeiten 


REPUBLIOVEN _. 
durch GOttes — en Segen 


Dero bobe Sande: Hätertiche Vorſorge 
annoch beharrlich 


Roritende COMMERCIA, 


die Veltigia det Sstajefkdi des alten 
Ganſeeatiſchen Bunds/ 
dergeſtalt mit tebendigen Sarben abge- 
mahlet und befchrieben werden / 
daß nicht ate gan RE 


nenfe 
bor die Senfehartung bier nuͤtzlicher 
Commerciorum hoͤchſt⸗berbunden / 
ſondern auch 
J = Eurer 


— — — — 








Euer Magnificences unb Voch . 
ESdlen Sherrlichfeiten | 
REPUBLIQVEN 


al& ſolche Emporia Und confiderable 
Handers-Städte anfiehet/ / 
aus weichem dem gantzen Heiligen 


Roͤmiſchen Reich 
groſſe Ehre und — Nutzen 


und noch Fünffrig —*235 — wieder hergeſtellten 
General⸗Frieden weiter entſpringen kan: 
daß alſo nichts mehr uͤbrig iſt / 
als dem Allerhoͤchſten demühtigft 
anzur —3— 


Surer —— und Hoch— 


Sdlen Herrlichkeiten 
Hochſchaͤtzbare — insgeſamt in 
beſtaͤndigen Wohlſeyn zu erhalten - 
Dero Hochſt⸗ lobl. Reſpective 
Buͤrgerſchafften 
dergeſtalt in Ihren Handel und ER 

zu Haus und in der Fremd / | 
zu Land und zu Waller / 
— benebenen zu ſchuͤtzen und ia) 
daßihre Corhercia] je laͤnger je mehr — 
⸗ 1, Se re 





Ihre Schiffe mitten durch die Wellen 
ficheren Lauff haben / | 
der Segen fich allenthalben einfinden/ 
Ihrer Städte Naurchbefeftigek/ 
Ihre Granten berſichert / _ 
un 


u 
alte ihre Bürger und Einwohner derge⸗ 


ſtalt begtücket werden mögen) / 
. daßriniederderferden - 
unter feinen Weinſtock und Feigenbaum / 


Zuforderft unter-Söttlichen Beyſtand / 


| . Mm | 
Eurer: Magnificences und Hoch⸗ 
Edlen Herrlichkeiten 
Preis⸗ wurdigem Regiment 
ein geruhiges und ftilles Leben 
Bu uhren koͤnne / 
welches in aller Demuht wuͤnſchet 


Magrißei Hoch Edle Veſt⸗ u 
und Hochgelahrte/ Hoch - und 


Wohlweiſe Herren) 


Surer Magnificences und Moch⸗ & 


Edlen Herrlichkeiten 


gehorſamſter und ergebenfter Diener/ 
Paul Jacob Marperger, 


Mitgliedder Köngl. Preugif.Socktät 


der Wiſſenſchafften. 


— —— 








— — Z | 
Korred 
anden 


GeneigtenLeſer. 


Ech demjenigen Verſprechen / 
DIWveclſches (in Der Vorrede Des andern 
P Theils unſers alſo genannten allzeit⸗ 









FW fertigen Handels⸗Correſponden- 
BR? tens) gethan worden, ptzfentiret ſich 
TUR anjeko vor dir unfer Neu⸗eroͤffnetes 


und wohl » verfebenes Kauff⸗ 
manne-MAGAZIN und groffe Material-Rammer / 
oder vielmehrein Luſt ⸗ Garten und Schau Pla der Natur 
und Kunſt / aufmelchen alles dasjenige (guar-nicht Deinen. 
Augen / jedach deinen Sinnen und Verſtand zu betrachten 
und zu bersundernoorgeftellet wird / was erfllich Die Natur 
inihren dreyen Reichen / als den Vegetabili, Animaliund 
Minerali, ſeltames und zu des Menſchen Nohtdurfft 
nuͤtzliches hervorbringet / der Kunſt Fleiß aber des Menſchen 
hernach zu ſernern Gebrauch weiter ausarbeiret/ und endlich 
ein volfommenes Kauffmanns + Geroölb zum oͤffentlichen 
Kauffdarteget. ... 
. Die Intention , welche man bey Ausfertigung dieſes 
Wercks geführer / ift unterfcyiedtich geweſen; zu vorderſt 
aber die auch in dem geringften Kräuslein zu bewundrende 
Allmacht des allem⸗weiſen Schöpffers (fondertich aber ie 
= 4 Gnade / 






Vorrede ·⸗·⸗mmx— 
dieer den duͤrfftigen Menſchen Dadurch erwiefen / 
de Der Weisheit / in allerley Meral/ Stein / 
olle / ꝛtc. kuͤnſtlich zu arbeiten gegeben)! an 
| gen: : Die andere Bewegungs Urſach mag 
Keblliguolere zu der wehren Kauffmannfchaffe jederzeit 
getragene Eftime und Sroßachtunggenennet toerden ; In⸗ 
fonderheit/ da wit uns vorlaͤngſt vorgeſetzet / alles dasjenige 
in moͤglichſter Kuͤrtze gu beſchreiben / was uͤber dieſe edle Pro- 





Er 
ur N . 
\ ’ 7 / 
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feſſion der Mercanzy , undälle diefelbe angehende Perſo⸗ 


nen/ Sache dlungen / möchte koͤnnen gefagt / 
oder zu der Ära —28 hc n 
wir dann allbereit mit ein und andern nüglichen Tra&taten 
/euitpen fo. genannten .allgeitsfertigen Handels⸗Cort 
Ipon ten / den. Problr-&tein der Buchhalter / Pets 
Dt Manufaeturen-Haugy der Kauffmanns⸗Boͤrß / 





den Moſcowitiſchen und Schwediſ⸗ en Kauffmann / c) hiers 
zu den Anfang gemacht / auch kuͤnfftig / ſo GOtt wil/ noch in 
weit mehrern Damit continuiren werden. Unter welchen 
tern nun ſchon gegenwaͤrtiges Kauffmanns⸗AMaxacin 
befindet’ an deſſen Nutzen ſo vielweniger zu zweiffeln / als 
ſelbiges nicht allein denen Herren Kauffleuten / Apothe⸗ 
ckern und Marerizliften zu ihren groſſen Vortheil / vielen 
andern Perſonen aber zu ihrer Speculation und Beluſti⸗ 
gung / jafelbft denen Herren Gelehrten / vornehmlich aber 


J 


denen / die ſichum die Einführung der Manufacturen be⸗ 


muͤhen / faft anentbehrlich ſeyn fan. REES 
.. Die Etymologie des Worts MAGAZINS, läßt fich nicht 
jeichtlich aus dem Lateinifchen oder Teutſchen (mol aber nach) 
des Furetiere feinen Di&tionario (deme auch Menage und 
Bochart beypflichten) aus dem Arabifchen Wort Macha- 
zin „welches einen Det oder Schatz⸗Haus heiffer,/ dahinein 
allerhand koͤſtliche Schaͤtze und Reichthuͤmer geleget werden.) 
herleiten / wiewol auch in unſerer gemeinen Redens ⸗ Art das 


Wort Magazin ſchon dergeſtalt im Gebrauch  daffaltni 
| “ wand, 


_r 


Votrede. 
mand mehr unbekannt ſeyn wird / was da heiſſe ein Magazin 
aufrichten (nemlich in Kriegs Zeiten einen ſolchen Vorraht 
an alerhand Victualian, Kriegs⸗/ und Mund:Provifion , 


‚ber Menſchen und Vieh / an einen gewiſſen Ort zuſammen 


hren / von weſchen die Armeeneine Zeitlang fabfiftiren 
koͤnnen) von dergleichen zuſammen geführten Vorraht nun / 
ob wol anderer / und zwar ſolcher Waaren / die taͤglich in 
Handel und Wandel unter Kauffleuten vorkommen / nen⸗ 
nen ihrer viel / ſonderlich die Frantzoſen / den Ort / wo ſie ſol⸗ 
be Waaren hinlegen / das Magazin. Wir Teutſchen heiſ⸗ 
ſens ein Gewoͤlb / vornehmlich / wann wegen beſorgender 
Feuers⸗Gefahr dergleichen Zimmer wuͤrcklich gewoͤlbet ſeyn / 
item ein Pack⸗Raum / Speicher / Krambude / Winckel oder 
Material- Kammer / nachdem nenilich eines jeden fein Gut⸗ 
duͤncken / voraus aber Die Qualitaͤt der Waaren / mit welchen 
er handelt / einen darzu bequemen / feuchten oder trucknen / 
offenen oder verfchlofjenen, dunckeln oder hellen Ort / ausſu⸗ 
chet underfordert. Der Beynahme des Neu exoͤffneten 
vollkommenen und wohl⸗ verſehenen Rauffmanns⸗ 
Magazins, wird dieſem Werck Darum gegeben / weil / unſerm 
Wiflennachı der wehrten Kauffmannſchafft niemahl info 
vollſtaͤndiges Werck über allerhand Wagren / als eben die⸗ 
ſes zu beſchauen eröffnet worden. Danů ob gleich viei bes 
kannte Authores von denen Künften und Handwerckern / 
von Commerciisund denen darinn vorkommenden Waa⸗ 
ven/ fonderlich aber von der Material-Handlung / geſchrie⸗ 
ben’ immaſſen ein ſolches derzu Anfangs dieſes IBerdfsprz- 
mittirte Fleine Catalogus ausweiſet / fohaben doch die mei⸗ 
ſten verfelbigen dasjenige Abfehennicht gehabt / welches wir 
uns in dieſem Merck zum Ziel vorgefeker/ nemlich / daß nechft 
der Känntnißder Material und aller anderer/ in Handlung. 
vorkommenden Wagren / auch zugleich denen Liebhabern 
der Rauffmannfchaffteinzufänglicher Unterricht von vielen 
andernbep der ——— vorfallenden und darmn 

5 e⸗ 


— 





Vorrede. 


dependitenden Dingen möchte gegeben werden; daß aber 
foiches pefünhen ſey / und alfodasgange Werck feinen Tiruf 


ein vollkommenes Senügenleifte/ fo Biene Dem geneigten Les 


ſer zu wiſſen / daß was die Einrichtung und Gebrauch dieſer 


unſerer Arbeit anbetrifft / erſtlich von dem Herrn Verleger 


beliebet worden / das gantze Werck Alphabetiſcher Ord⸗ 


nung nach in Form eines Dictionarii einrichten zu laſſen / 


damit die Hand des Suchenden das Defiderirte gleich fins 


den koͤnnte / und nicht etwan erſt eine Species unter ihremGes 
nere, als der Saphir unter den Edellteinen / der hweiſſe Vi⸗ 
triol / Vitriolum album, unter denen Mineralibus, Ze- 
doaria, der Zittwer / unter denen Radicibus, Sperma Ceti, 
WalkahtiunterdenenMgrinis,Mumiaodereinbalfamirteg 
Menfchen-Sleifch unter denen Animalibus (miebep andern 
Authoribus gefchieht ) müffe gefucht/ fondern gleich bey ih⸗ 
ren Anfangs Buchſtab / und zu welchen Gefchlecht eine fols 
che Waar zu sehen, fönnegefunden werden. ° Dabey dann 
ferner auch der Waaren ihreverfchiedene Genera , unddie 
Darunter begriffenen Species, voraus aber die ausführliche 
Defignation oder Verzeichniß derjenigen Waaren nicht 
vergeffen worden / welche entweder zu einer mohlbeftalten 
Material, Seidegs Wolle, Silber, Kupffer / Meßing-oder 
Eifen: Handlung unter eine Rubricgehören/als zum Exem⸗ 


pel / der Marerialift, foer einjunger Anfänger’ der fein Ma- 


terial-Gemölberftlich eröffnen und etabliren will / findet 
unter der Rubrichon Material - Waaren bis zoerley Ge- 
nera und Sorten derer er in feiner Handlung benoͤhtiget ift/ 


als ()] Partes Animalium, [2] Aromata , [3] Colores , 


[4) Condita, [5} Cortices, [6] Flores, [7] Folia & Her- 
bas, [8]Fru&tus, [9]JGummi,Lacrymas, Liqvores, Re- 
finas & Succos condenfätos,[10]Lapides pretiofos five 
Gemmas, [11] Lapides vulgares, [12] Ligna, [13] Ma- 
rina , [14] Metalla& Mineralia , [15] Olea deftillata, 
[16) Oleavulgaria, [17]Spiritus, [1$]Radices , [19] Sa- 
dia y 


* 


r - — En — 
— — a — — 


Vorrede. 


lia,(20] Semina, oder nach einer andern Teutſchen Abthei⸗ 
Jung / Wurtzeln / Kraͤuter und Blaͤtter Blumen’ Saamen / 
—3 zc. welche inggeſamt er ferner unter. einer jeden 
et fpecialRubric, (fo mie fie ihm in feiner Material- 
Kammermoͤhtig thut) verzeichnetantreffen fan. Alſo auch 
der Eiſen / Seiden und Wollen⸗Haͤndler / item der Kauffs 
mann mit fetten / flüßigen undgroben Waaren / und in Sum- 
ma ein jeder Kauffsund Handelsmann findet darinn / was 
ihm zur Anrichtung feines Gewerbs / voraus aber wegen der 
Kaͤnntniß ſolcher Waaren / und des Darunter vorgehenden 
Betrugs / Der rechten Zeit und des Orts / des Ein⸗ und Ver⸗ 
kauffs / Des Preiſes derſelben / ihrer Conſervation, und an 
derer davon dependirender Umftände halber / zu wiſſen noͤh⸗ 
tig ſeyn möchte. Bey welcher Beſchreibung man fich je⸗ 
doch der möglichften Kürse beflieſſen und mas überflüßig ges 
ſchienen / auch in fo manchen Kräurer-Büchern/Chymifchen 
oder andern Schriften weitlaͤufſtig beſchrieben worden / 
kuͤrtzlich zufammen gezogen/ jedoch fo / daß nichts nohtwen⸗ 
diges ausgelaſſen / vielmehr aber hin und wieder die Compo- 
fition und voͤllige Ausarbeitung diefer oder jener Waar 
sder Manufaktur mit bepgefüget worden / um dadurch aud) 
benen Curiofis, und welchen folche noch unbekannt feyn 
möchten Bergnügung zugeben. Bey dieſem allen hat man 
ferner miteingebracht / was dieſes oder jenes Land Königs 
reichoder Provingvor natürliche XBaaren / und auch por 
Manufaöturen ausgebe; auch was es wieder an derglei⸗ 
en dagegen empfange; in wie vielerley Sorten eine jede 
ſolcher Waaren beſtehe; was ihre wahre und aufrichtige / 
und auch ihre falſche und betruͤgliche Qualitaͤt ſey / welches ja 
abermahl einen mit Waaren handlenden Kauffmann nicht 
anders als hoͤchſt nuͤtzlich und — nkan; und wann 
auch zu ſolchen Waaren die Wiſſenſchafft / ſelbige wohl zu 
ſorciren / den rechten Preis / wie ſie mit Nutzenzu verkauf⸗ 
fen / zu zeichnen / und in Dem Gewoͤlb oder Bude wohl zu 


sangi- 


— — — — — — 


Vorsede. 
rangiren; zum Verkauff hervor zu putzen / und felbige in 
den Augen Des Räuffers anfehnlich zu machen gehörer / als 
hat man unter unterfchiedlichen Rubriqven’, melche ebens 
falsdavon gehandelt / und.alfo aud) in Diefem Stück denen 
Herren Rauffieuten gute Dienftegeleiftet: Bornanlıch hat 
° man unterder Rubric von Maaß und Gericht ihnen eine 
zimliche Anleitung, zur Reduction ausländifcher Ellen / 
Maaß und Gewicht / gegen ihre einländifche gegeben / wies 
‚ tool ſolches fo particulariter.nicht gefchehen koͤnnen (teil 
fonftfolche Beſchreibung ein eigenes Volumen.erfordern . 
würde) daß nicht nacheines jeden Orts Mercantiſten / zueis 
gener Nachſinnung / Calculirung und Erfahrung / eiwas 
folte übergeblieben und zurück gelaffenfeyn: Ein gleiches 
ift auch bepder Thara und deren Berechnung gefchehen / da 
mandie Thara und denRabatt, welchen Hamburg aufges 
wiſſe Waaren giebet / ordentlichund accurat fpecificiret? / 
und damit verhoffentlich manchen ehelichen Guͤter⸗ Com⸗ 
mittenten eiñen ſonderbaren Gefallen erwieſen. Unter 
dem Titul von Contrabande Waagren iſt angefuͤhret 
worden / worinn eigentlich ſolche beftehen / was di⸗ 
verfe Commercien⸗Tractaten (welche gewiſſe Reiche 
und Republigven desfalls unter ſich aufgerichtet) vor eine 
Specification hitruͤber in ſich halten; und mag fonft ein 
Kauffmann / dee Waaren aus fremden Landen zu Krieges 
oder SriedenszZeiten gu Waſſer oder Land. kommen laßt/ 
oder auch dahin abfendet / desfall vor hoͤchſtnoͤhtige Precaus 
tiones, zu Bermeydung feines fonft unausbleiblichen / und 
b — nicht wieder zu erſetzenden Schadens zu nehmen 
abe. 
Wann auch infonderheit bey Kauffmantifehaflt , da das 
Meum & Tuum verfiret / die Wiſſenſchafft dee Rechte 
faſt unentbehrlich ſeyn will und mie wir ohne dem inunfern 
bald zu erwartenden gelehrten und Juriifchen Kauffmann 
beweiſen / ein Eluger und erfahrener Kauffmann auch eine 
sine 


' - | 
— — — m - 


’ 
’ 7 —t ⸗ — 


— — — 


— 


Vorrede. | 
jimliche cognitionem jurium, welche (artem mercato- 
riam & ejus objecta als Perfonas, res& actiones) anges 
hen / haben muß, wann er gnders nicht viel Advocaten -&gs 
bühr ausgeben / oder indenen geringften Borfällen fich 
ihnen Rahts erholen / und zu Commisfionibus und Kauffs 
männifchen Arbitragen ‚oder auch zu ſolchen Dingen, in 
melchen Eluger Rath und Ausfpruch/ in dubieufen Hans 
deiss Sachen von ihmerfordert wird / untüchtig ſeyn will / 
alshaben wir bey allendeßfallsin Der Alphabenfhen Drds 
nung vorfallenden Terminis juridicis, welche die Kauff⸗ 
mannſchafft fonderlich angehen / fürglich doch begreifflich 
angeführet / was der berühmteften Rechts⸗Lehrer (die wir 
auch nur allein allegirt / der überflüßigen Allegaren aber 
uns gaͤntzlich enthalten/) ihre Mepnungdarüber feyy item 
Wwæas deßfalls in foro mercantili noch täglich obtinire/ und 

ad praxin gebrachtimerde. | 
| ß alſo hieraus der geneigtetefer genugfam beurrheilen 
kan / ob nicht dieſes unſer vollkom̃enes und neueroͤffnetes 
ls+ Magazin, ein Werck von groſſen Nutzen und Im- 
portantz ſeyn muͤſſe / deſſen fich Kauffleut und auch theils Ge⸗ 
lehrte, (weiche etwann was hier und dort in Handlungen 
paſſiret und unter den Kauffleuten ðtyli iſt / noch nicht allers 
dings wiſſen) mit Nutzen bedienen koͤnnen / wir gehen hier» 
bey auch remiſive, und führen unſern Handels Verſtaͤn⸗ 
digen und Mercantiſten in der Verzeichniß der Authorum 
zu allen denen Dvellenfelbft » aus welchen ein guter Theil / 
dieſer nuͤtzlichen Anmerckungen gefloſſen / wer bey dieſen ſei⸗ 
nen Durſt nicht loͤſchen kan / mag nach jenen hingehen / er 
wird aber verhoffentlich alddann dag unparteyiſche Urtheil 
faͤllen / daß alles nothwendigſte fideliter extrahiret / und 


nichts zurück gelaſſen worden / als was zu dieſem Werck / | 


nicht dienlich oder Doch zum menigftennicht hoͤchſt nothwen⸗ 
dig geweſen. Zwar bekenne ich mich/ (mie dann auch ein 
jeder modefter Author zu ıft) inDiefenfoim- 

| X por 


* 


0 Dome, 
portanten und meitläufftigen Werck zu einer Unvollfoms 
menheu die vielleicht von denen Scharfflichtigen hin und wies 
der möchte remargviret werden Homo ſum & nihil hu- 
mania me alienum puto;alleintver erſtlich meine gute In⸗ 
sention und Begierde der werthen Cauffman zudie⸗ 
nen, zweytens die Wichtigkeit und Weitlaͤufftigkeit dieſer 
Materiafelbft anfchauet,mird befennen müffen, daß info wies 
fer tauſend Waaren ihrer Befchreibung/ davon einer jedwe⸗ 
den das nothwendigſte zu erzehlen geweſen / und das meiſte aus 
fremden Relatienibus und Büchern hat muͤſſen hergenom⸗ 
men, undin Ordnung gebracht werden / ja da felbft ein Kauff ⸗ 
mann / der nur ineinerley Waaren / als Material oder Seis 
den Waaren / oderguchbey Manufacturen die Zeit ſeines 
Lebens verkehret / genug zu thun hat / alle dieſelbe / und dero Qua⸗ 
fitäten und Vortheil aus den Grundzu verſtehen) von mir 
noch fonderlich Fleiß augewandt worden ; tie Dann auch ein 
wohlbekandter gelehrter Mann / unferer Zeit beym Durchs 
blättern ded Manufcripts Das Urtheil gefaͤllet / daß es nicht 
ein Werck einesparticulairenScribenten/fondern gar eine 
Arben waͤre / welche den Beytrag und Fleiß einer gangen 





Societäterfordert/ dem ſey aber wie ihm wolle / weil ich me⸗ 


mahls in meinen Schrifften eitlen Ruhm geſuchet / ſondern 
GOTT uzufoͤrderſt danckbarlich zuſchteibe / daß er mir noch 
Geſundheit und Kraͤffte / auch die nothwendige Admini- 
cula gegeben / der Welt mit dem / mir von ihm verliehenen 
Talent zu dienen / als wird es mit auch gleichviel ſeyn / ob 
ein Neidiſcher Momus feine giſſtige Schlangen Zaͤhne 
hieran wetze oder nicht / wer es beſſer zu machen weiß / der 
feße Die Hand an die Feder / und laſſe feine Weißheits Bruns 
nen heraus flieflen / daß fein Neben⸗Menſch ſolcher genieſ⸗ 
fen koͤnne / es iſt ohnedem noch genug übergeblieben / ſo 
bey dieſer oder jener Rubric, oder Wort bey zu mercken 
ſeyn möchte / wie man dann deßfalls ſelbſt nicht in Abrede 


ſeyn will / daß derjenige der das gantze Werck mit * 
woll⸗ 


Vorrede. 


wollte durchſchieſſen laſſen / noch feine Notata dabey mas 
chen koͤnte / Diegmaht aber und da der Herr Verleger 
felbft die Kürgerecommenditer / auch groſſe Volumina 
wicht jedermanns Kauff / und vielen Durchzulefen unanges 
nehm fenny hat mannichtalles dörffen anführen / was nech 
hätte Fönnen angeführet werden / dabey aber auch gus 
= theils unmüglich und überflüßig wuͤrde geweſen 


Schließlichen ift noch als eine Anweiſung zum rechten 
und nüglichen Gebrauch diefes Werck vorzutragen / daß 
derjenige wercher ſich erwann im feiner Studier ı Schreib⸗ 
Siuben / oder Contoir, einen in gewiſſe Foͤcher und 
Schub⸗Laden / einundgbgerheilten Kaſten oder Schranck 
oder vielmehr ein ſo genanntes Tragbares Kauffmanns⸗ 

Magazifs-wolte machen laſſen / und (gleichwie ich der⸗ 


gleichen ſeibſt eines zur meinen eigenen Gebrauch in 24. 
————— den 24. Buchſtaben des Alpha⸗ 





bets / jede dieſer den wieder in 64. und alſo zu⸗ 
fammenin 1536. Faͤcher abgerheilet habe /) eine jede von 
ſolchen Schub:Laden mit einen Alphabers Buchſtaben bes 
zeichnen / und die unter folchen Nahmen gehörige Mate- 
rialia , fie beftehen gleich ex Mineralibas , Vegetabili- 
bus, Animalıbus , oder aus Compofitis ‚}jedeg feiner 
- Sorte nach dafelbft hinein ſammlen wollte / als zum Exem⸗ 
pel unter A. alle Theile von Thieren / oder Animalia,uns 
tee M. Mineralia, Metalla, unter C. Colores , unter 
S, Semina, item Salia und dergleichen / die Compofi- 
ta, als Tuch von allerhand Sorten gröbe und feine/ 
mit ihren beygegeichneten Preiß und Lands⸗Art / mo fie 
fabriciret werden. unter T./ Leder unter L. ꝛc. der wuͤr⸗ 
de ſich dadurch in Kaͤnntniß allerhand Kauffmanns⸗ 
Waaren / eine unvergleichliche Wiſſenſchafft zu wege 

,@, 5 Zu brins 


v 


Vorrede. 


bringen / und wann hernach die Beſchreibung derſelben 
in dieſem Buch ſollte darneben gehalten merden / dasjeni⸗ 
ge in der Kauffmannſchafft praftiven koͤnnen / was et⸗ 
wann vielen Kauffleuten / die lang mit Waaren umge⸗ 
gangen / unwiſſend und unbekandt ſeyn moͤchte. Wo⸗ 
mit den geneigten Leſer goͤttlicher Beſchirmung / mich aber 
zu beſtaͤndiger Wohlgewogenheit will recommendirt 
haben. Verbleibend / X. 














w * ‘ « ⸗ W ‘ 


"SCRIBENIEN, 


Weiche entweder gantz oder zum theil bon 
allerhand,Materialien und Kauffmanns Waa⸗ 














ren / von deren Recht / unterſchiedlichen Sor- 


ten / ihren Urſprung / Walitæt / und dem da⸗ 
mit —— Commercio, it von ſolcher Waa- 
ren Sebrauch / Compofition und Confervation, 
pon der Chymie , vielerhand Manufadturen / 
Kunft- Raritäten: und Antigvitzten- Sachen 
geichrieben / und deren man fichzumttheil 
in Diefen Wercke bedienet: 


IN FOLIO. 


Margvard de jure Mercatorum & Commersierum, Franc 
cof. A. 1672. | 
Valentin Natur⸗ und Materialen Kammer. 
Conradi Gefneri, medici Tigurini Hifloria Amimalium 
Nockius de arario, 
Horini Rechts:gelehrter Haus / Vater. 
Friderici Mülleri Lexicon Medico -galeno Chymico Phar: 
maceuticum, Francof. 1661. 
D, Jobannis Schröderi vollftändige und nutzreiche A⸗ 
ochecke / Krärmberg 4.1693. in Verlegung Johann 
Hoffmanns. 


* XX3 Georg 


F 23 (o.) 0 


Georg Nicolas Schurtz, neu» eingerichtete Material- 
Kammer. | . 


Georg Everbard Rumphii d ‚Ambrofinifche Raritaͤten⸗ 
Kammer Amſterdam 1705. . 

Muſæo Cojpiniano, Bolognæ 1677. 

Wormii Mujeum , Amſtelodami 1655. 

. Galceolarii Mufeumm, Veronk 1622. | 


"IN QVARTO, 


Weigelius von Künften und Handwerckern. 

Mallets Beſchreibung des gantzen Welt ⸗Kreyſes / 

EFranckfurt 1684. : 

Kbunrats Medulladeflillatoria, Hamburg. 1614. 

Wunfchens Memoriale Oeconomico-Politico-Praälicum. 

Garzoni Psazza Univerfale di tutte le Profefioni del mondo 
— 1610, Irem.teutfch zu Franckfurt gedruckt 
1658. | Ä 

Happelüi Relatignes Curiofe, Hamburg 1684: &.fegg. 

Biſtoriſche Remargven , Hamb. 1699. 8 feg4. 

Struvens Furisprudentz ı ober Verfaffung des Land⸗ 
üblichen Rechte, Leipzig bey Huͤlſſen 1706. 

Felibien de l’architellure , feulpture & peinture, Parif, 
1697. | Du 

Pareres ou avis & Confeils für les plus importants matie- 
res duCommerce, par Facqves Savary a Pari/.1688. 


cicholtii Dieteticon, Cölln ander Spree/1682. 


IN 


492 00) 
IN. OCTAVO. 


Antonil Fabri Europaͤiſche Staats ⸗Cantzeley. 

Matxens · teutſche Material · Kammer / Nuͤrnberg 
1687. | EN 

Palentins Heins, Gazophylacium Mertatorio Arichmeti- 
cum, Hamb. 1686: | | 

Savary volkommener Kauff⸗ und Zandelsmann / 
1676. | 

David Kellners Berg und Salz werd‘, Buch/ 1702. 

Leguide des Negosiants. . 


Martiniere neue Beife in Nordiſche Landfchafften / 
Hamburg 1675. » 

Qpintin von Weigʒens / Tractat yon Havereyen / mit Si- 
mon von Lewens Anmerckungen und —2 Ordb⸗ 
nungen / Hamburg bey Thomas von Wiering. 


D. Joachim Bechers Politifebe Difeurs von der eigent⸗ 
lichen Urſach Des Aufnehmens der LänderundRe- 
Publigven, Franckfurt bey David Zunner 1673, 

Mattbie von Erberg neu eröffnetes Aandels;Conroir; 
oder neu aufgefchloffenes Handels: Gewoͤlb/ KyYıjımy 
berg 1705. | 

Ars Tindloria Fundamentalis, oder gründliche Anwei⸗ 
fung sur Faͤrbe⸗Kunſt / 1703. 


Der eröffnete Ritter-Plag/ Hamburg 1706. bey Ben: 
Schiller. = 


“ * 


jamin Schi 


Neu eröffnete Kunſt⸗ und Schaz Kammer rarer und 
neuer Curiofireten / Hamburg apudeundem 1707, 


Le 


493. (0) 56% 


Le folide Trefor des merveillewx fecrets de la Magic Natu- 


relle & Cabalifligve du petit Albert. Gengv, 1704. 
Albaro Alonfo Barba Berg⸗Buͤchlein / Hamburg 1670. 
Philalethæ drey auserleſene Traätlein von, der Very 
wandelung der Metallen / Hamburg io. 


Tbomas Nicols Edelgeſtein⸗Buͤchlein / 1675. in Sam⸗ 


Ludovici Locatelli Meatro & Arcani, in Venetia1687. 








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x x % 
vr TEE TE 


HERSHIHPRTIETTE 


. A. 
Zu / oder Umb / wird inFrantoͤſiſcher Red⸗ und Schreib» 
Art ſehr offt unter Kauffleuten gebraucht / als cette mar- 
atand ife fe vend bien cher 4 Paris, dieſe Baar ift fehr theur 
zu Paris / elle fe vend à un Ech la livre , das Pfund 
wird umb einen Reichsthl. verkauft ; Bißweilen / bedeutet auch 
A, eine gewiſſe Perfon/als A. ift in dieſen Schiffumb 3. B.umb ein 25. 
part interefliret; A”. heift aud) Annus oder Ital. Anno das “fahr ; 
Item werden auch der Kauffleute Schuld- oder Handeld- Bücher / 
oder auch gewiffe Waaren zum Differengder andern damit mar- 
gvitet/al® Lit. A, Lit, B. &c. 

aää, bedeutet amalgama, was ſolches fey/ vide unter deffen eiges 
nen Benennung. i 
Aal / lateiniſch Angvilla, Franhoͤſ Anguille , ift eine befandte Art 
Fiſch / welche Hin und wieder in den frifchen Reviren und auch in der 
See / auf vielerley Weife gefangen und taͤglich friſch / oder getrud« 
net / eingefalgen und geräuthert bey Stüden und Tonnen voll vers 
Eauffet werden / infonderheit gefchiehet damit grofler Handel in den 
See⸗Staͤdten / als wofelbft dergleichen gefalgene Speifen /auf Schife 
fen und in Haußhaltungen mehr im Gebrauch / als in andern binnen» 
ländifchen Städten feyn / dahingegen aber auch diefe See« Länder 

den Scharbod mehr als andere Nationes untermworffen, | 
Den Aal⸗Handel an ſich felbft betreffend / fo ift folder Bon gerin⸗ 
ger Wichtigkeit / und gemeiniglich in ſolchen Händen / die fonft nicht 
groffe importante Handlungen haben / oder auch mit fetten und —* 
Waaren / als Speck / Butter / Trahn / Hering / Käfe und dergleichen 
umgehen/ damit der gemeine Bürgers«/ ſonderlich aber der Bauerde 
Mann/ wann er zur Stadt koͤmmi / gleich ber) ihnen was er zufeiner 
Rothdurfft fuchet / finden möge. In denen Apothecken hat man bon 
den Aal das Fett und andern Stucen mehr zum Arsneylichen Ges 
brauche / ſonderlich foll das Fett zu den Wunden taugen / die Haar 
wachſend machen / das Gehör wiederbringeg/ (wenn man nemlich etli⸗ 
de Tropffen von ausgebratenen Aal⸗Fett mit defillirten Anis» Del 
— in die Ohren troͤpffelt /) und auch die Hæmorrhoidem ſin⸗ 


rm. 
Yalburg/ eine zimliche TER in Norder⸗ Juͤtland / we⸗ 
» y gen 


2 Aal Aber 


en des Hering: Fanges fehr berühmt / wird ſtarck don den Lübifchen 
Schifern befahren / und viel teutfched Gut daſelbſt abgefeget. — 
Aaronswurtz / AaronisRadıx, vide Arum. " 
Abacus eine Römifche Rechen-Taffef / in welcher Rinnen ausge⸗ 
ng in denen Metallene Knoͤpffe ſtecken/ die ntan hin und wieder ſchie⸗ 
ben Fan / und folche faft auf die Art zu den Rechnen gebvauchet / wie 
heutiged Tages mit denen Rechen Pfenningen geſchicht. Welferus 
hat diefe Abacos ausführlich in feinem Bud) von denen Augsburgifthen 
Antigvitätenbefchrieben. Allhier führen wir te darum an/weil dieje⸗ 
nige / welche Raritäten- oder Kunft- Raınmern ſammlen / ſolche offte 
mahls fuchen / dergleichen Taffeln auch / wiewohl in etwas beraͤndert 
ſich noch heutiges Tags beym Empfang und weglieffern gewifler IBaa= 
ven in theild Krahm⸗ Laden noch wohl gebrauchen liefen / fonderlich / 
wann ſie nach Pythagorifcher Art in gewiſſe Facher mit Zahlen und 
Linien unterfchieden ) eingerichtet wären. | 
Abbiß / Teufſels Abbiſß / vide Mor/%s Diaboli. Zr 
Abel Mofchi , Bifam Körner / ihres Geruchs halber alfo genannt/ 
find Eleine braunlichte vauhe Körner /faft wie Nieren formiret/ kommen 
aus OR: und Weft-Indien/ und ſeyn der Saame eines Bewächfes wel⸗ 
ches die Botanici Althæam Ægyptiacam oder Alceam Indicam villo- 
ſam nennen. Göhaben diefe Körner Feinen fonderlihenNugen / ald dag 
etliche damit parfumirenmwollen/ andere foldheihres guten Geruch hal» 
ber/ welcher doch bald verſchwindet / zu Paternoftern , Hals und Arm⸗ 
Gehängen aufffhnüren. | 
Abies candida alba foemina, weiß Tannen⸗Baum / iftein bekandter 
Baum / deſſen Miftel Stelis genannt wird/ das fließige Hark von dieſen 
Baum wird vielmahls Vor Benedifchen Terpentin / das trockene vor 
Weyrauch gebraucht. Man hat auch Abiem rubram vel malculam , 
roth oder ſchwartzen Tannen-⸗Baum / deſſen Hark fehr dienlich iſt vor 
das Schwindender Glieder / und die Gicht. Die fo gennüten Tan—⸗ 
nen = Dolder / lateinifdy Turianes, welches des Tannen⸗Baums ober> 
fie Sprogleinfeynd/werden fehr viel wider den Scharbock und das Pd= 
Dagragebraudt. Die Taun⸗Aepffel Coni oder Strobili trocknen und 
aditringiren. 
Abiga, (eu ajaga,vid. Chamepytis Schlaffe Aräyelein. 
Abraͤhams baum / Agni cali arbor, agnus vitex. 
Abrotanum vulgare, mas, Stabwurtz / Gartenheil / wird von etli⸗ 
chen an flat des Zitwer⸗-Saamensgegen die Wuͤrmer gebrauchet. 
Abrotanum fœmina, Cupreflus vel Cyparillus hortulana, wachfen 
in Franckreich von jich felbften / bey uns aber muͤſſen fie in Gärten ges 
en iſt eine fehr heilfante Wurgel vor das Sieber / giftige - 
ufft / Gelbefucht und dergleichen / die daraus bereitete. Stüde Ind / 
' r as 


e 


Abf Acad 3 
das deſtulirte Waſſer aus denen Blättern und obern Spitzen / der Wein / 
das Conſery, und das Del. 

Abſinthium vulgare, gemeiner wilder Wermuth / ein bekandtes 
Kraut / deſſen Extract gut iſt wider den Schauer / der vor dem Fieber 
hergehet / erlöfchet auch den Durſt. Das Saltz aus der Wermuth⸗ 
Aſche filletdgs Brechen in böfen Fiebern / in den Apothecfen hat man 
dabon die Blatter und das Obere / welches man fuͤrnehmlich braucht / 
item das defillirte Waſſer / Syrup /Conferv, Galt /Extradt, Spiri- 
tum ‚Effenß / Tindturam, Troshifcos und oleum fomohl infundirt 
als deſtillirtes. | 

Abfinthium Ponticum, Hortenfe Romanum tenuifolium , inca- 
num nobile atyotanım minus, Pontifther oder Römifcher Garten» 
Wermuth /iftein Leber und Magen-Rraut / wird nunmehro aud) hin 
und wieder in Europa gefunden/ mehrentheildaber in denen Bärten ge= 

ogen. Man bereitet in denen Apotheken alle die Stüce daraus / die 
* den gemeinen Wermuth enumeriret worden. 

Abſinthium Santonicum vel Seriphium, Semen Cinæ, Mürm- 
—— — toͤdtet und treibet die Wuͤrme aus des Men⸗ 

en Leib. 
ak] ift ein Wort fo ben den Schiffern gebräuchlich / warn 
fie nemlich Winters = Zeit ihre Schiffe in den Hafen auflegen / und 
Segel und Thau mit ih, nad) Haufe nehmen / zum Zeichen / daß nune 
mehro die Seefahrt vor diefes Jahr gethan und befchloffen worden / 


welches vor diefen nach der alten Hanſeatiſchen Gee- Ordnung une 


Martini gefchehen mufte/igiger Zeit aber wird darauf nicht reflestiret/ 
und ift die Hoffnung des Gewinns fo angenehm / daß man auch mit« 
ten in den rauhen Winter/ Leib / Schiffund Gut / der wilden See an« 
bertrauet. 

Abthon Polytrichon, vid, adianthum aureum & rubrum. 

Abrreiben / heift auf dem Treib⸗Heerd das Gilber tom Bley 
fheiden. Abtreiber wird derjenige genannt / der ſolche Arbeit ver» 
richtet. 

— der Guͤter. vide Cesfo bonorum. 

Abwind Inftrumentum Filatorium , wird gebraucht / die Seide / 
Wollen⸗ oder Leinen-Barn mit abzuwinden. vide Seide, it. Infru- 


 mentAa, 


Acaciæ veræ fuccus , Egyptiſcher Schottendorn Safft/ kommt bon 
einen dornichten krummen Bannı/der in Egypten und Arabien waͤchſet / 
und weiffe Biumenträget ; Der Gafft aus den zeitigen Saamen ge⸗ 
preſt und eingefotten/ wird ( wie Diofcorides meldet ) Succus Hypo- 


-ciftidos genennet / er kommt zu uns heraus in Kleinen Blafen / weil ev 


aberfelten / oder auch gans trucken gebracht wird / als wird an deſſen 
® Wa Stelle 


6 - Ace | 

chen über deftillivet. Es muͤſſen aber die Wurgeln/Kräuter und Blue 
men vorhero wohl getrucknet werden / ehe man (ie in den Eßig leget / 
fonften verderben ſie / und der Eßig verſchimmelt / die Früchte / ald 
Hinbeeren / Erdbeeren und dergleichen / lüft man eine zeitlang in den 
Eßig beigen / biß (ie die hoͤchſte Röthe erlangen / alsdann lie man 
es durch ein Löfch- Papier lauffen / und verwahret es zum Gebrauch. 
Don einfachen infundirten Efigen / feynd gemeiniglich folgende im 
Gebrauch / ald Acetum flor. Anthos. Roßmarien-Bluͤth / Calendula- 
rum Ringel ⸗Blumen / Caryophillorum hortenlium Melden / Cortic. 
eitri Citronen Schalen / Frag. Erdbeeren / Lavendulz Labendel-Blu= 
men/ Menthæ Krgufemänge/ PapaverisErratici wilde Mohnbluhm / 
Rof. rubr. rothe Roͤſen / Rubi idai Hindbeeren / Rutz Kanten / Sam- 
buci Hollunderbluhmen / ScordüLachen⸗Knoblauch / Seillitie: Meerzwie⸗ 
bel / Violar. purp, blau Violen. Hierzu koͤnte man noch rechnen ſchlech⸗ 
ten und deftillirten Wein-Eßig. Von vielen Stücken zuſammen ge— 
feste und bereitete Eßig ſeynd: Acetum agreſtinum ſolutivum Eßig 
bon unreiffen Trauben » Safft/ Acetum Alexiacum feu deſtillatum A- 
lexiacum FF. Acetum Bezoardicum F F, Franckfurther Bezoar: oder 
Gifft⸗Eßig / Acetum antipeftilentiale Peſt-Eßig D.Zwö fleri. Acetum 
Theriacale Thimæi, Peſt Eßig D. Thimæi. Acetum pro Spongiis Cf= 
ſig die Schwaͤmlein einzuweichen. Acetum uterinum Mutter-⸗Eßig / 
deren Beſchreibung und Compoſition alle in des Schröderi vollſtaͤndi⸗ 
ge Apotheden lib. z. cap. 35. zu erfehen. 


Kinen ſtarcken Wein⸗Eßig zumachen. 


Man wirfft nur in das Fäplein ein Stück von Berften Brod/ fowird 
er in 2. Tagen fauer / oder man hengt das Marck oder den Kern von E⸗ 
pheu darein. Item ‚ Nehmet rein Roden Mehl / weichet es in ſtarcken 
Wein⸗Eßig / machet daraus eine Mafla, lafferdie im Bad + Ofen ba= 
cken / machet fie alsdann zu Pulver und weicher folches wiederum in 
Wein⸗Eßig / und foldhes zum dritten mahl. Sierauffoiche Maſſam 
in 2. Eymer Wein gethan / fo wird er alsbald anfangen zu fäuren: 
Dver weichet die Wurgel von Mangolt in Wein ein/ fo wird er alsbald 
fauer / thut uur aber hernach die Wurtzel von Kohl darein / ſo kommt er 
wieder in fein voriges Weſen / es wird auch geſchwind Eßig gemacht / 
wann man nimmt Cremor Tartari , und die Mutter von ſtarcken Wein⸗ 
Eßig / trocknet ſolche und macht eö zu Pulver / diefes vermiſche mit dem 
Cremore, thut es zuſammen in ein Glas / das oben weit fen / gieß ein⸗ 
wenig des fchärffften Wein⸗Eßigs darauf / laß es langſam damit eine 
trocknen /und folches wiederhole 10.0der iz. mahl / fo bekommeſt du end» 
lich ein Pulver / davon eine Mefler - Spige / in ein Pint halb Waſſer 
und halb Wein gethan / gleidy zur Stund foldes / nachdem cd wohl 
umn⸗ 


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4 
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j 


He 5 


onigerühret worden / zu guten Eßig machet. Oder nimm an flat des 
Weinſteins Tartarıym Vitriolatum fo wird es noch beffer. ltem. Laß 
den beften MWeinftein 0. oderıg. Tage in guten Eßig weichen / daf er (ic) 
wohl einziehe / trockne ihn hernach an der Sonne / leg ihn wieder 10. Ta⸗ 
gelang in Eßig / mache ihn alsdann zu feinen Pulver / hiervon ſaͤuret 
abermahl eine Heine Meſſer⸗Spitze voll / einen groffen Becher Wein in - 
gar furger Zeit. Item, Mehmet 1. Pfund der frifcheften groſſen Roſi⸗ 
nen /thnt die Stiele davon / undlegt ſie hernach ineinenerdenen glaſuͤr⸗ 
ten Topff in 2. Pintauten Wein⸗Eßig / laffet es eine Nacht auf warmer 
Afche weichen / des morgens ein wenig aufffochen/ warn ihr es nun dont 
Feur weggenornmen/ und kalt werden laſſet / fo ſeiget es durch / und ver» 
wahret es wohl in einer Tlafchen zum Gebraud. Item, Nimm 
Gifen oder Stahl/löfche felbiges s. oder s mahlin Eßigaus / ſo bekoͤmſt 
du einen fehr. beiffenden Eßig Oder werffe Salt / Pfeffer und Sauer» 
Zeig in Wein undrührees wohl um. Oder lege grofle Rup-Baum 
Wurktzel in Wein / ſo wird er ebenfalö zuguten Eßig. Aus Bier wird 
Eßig gemacht / wann man ſolches ſiedet / und wenn es heruach kalt wor⸗ 
den / Sauerteig / geroͤſtet Brod und gebrannte "fen darein leget. Aus 
Honig / Eßig zu machen / ſo waͤſcht man die Honig Geſchiere / oder die 
Raben mit Waſſer ſauber aus / laͤſt ſolches nachgehends einſie den / fo 
wird ein guter Eßig daraus. Wolte jemand aus Birn Eßig machen / 
fo nimmt er ſolche / wann ſie wohl reiff ſind / und laͤſt fies. Tage beyſam⸗ 
men auf einen Hauffen liegen / dann thut man fie in ein Gefäß / gieſt 
Brunnen oder Negen-Warler darauf / decket das Gefaͤß wohl zu / und laſt 
es zo. Tage alſo ſtehen / ſo wird guter Eßig daraus / ſintemal einjeder 
liqvor welcher von den Gaͤhren zu einer Fäulung kommen iſt / einen fluͤch⸗ 
tigen Branutweins Geiſt in ſich haͤlt / ſobald aber ſolcher Spiritus durch 
Laͤnge der Zeit ſich verlohren / und das Tartariſche Vitrioliſche Saltz an⸗ 
fängt zu herrſchen / ſo dringt es dem Ligvori die Eßig⸗GSaͤure / welche/ 
wann ſie wieder ſchwach zu werden beginnen ſolte / ſo darff man nur etli⸗ 
he Stüclein Gerſten Brod / oder auch Knoblauch⸗Saamen hinein 
werffen / oder man hänge nur in ein Säclein ein wenig Hefen hinein/ fo 
wird der Eßig gleich wieder ftard Cine fonderbahre menage allezeit 
Eßig mit wenigKoften in der Haußhaltung zuhaben/ ift auch diefe / daß 
man ein Faͤßgen des Wein» Eßigs etwann von 4. biß s. Stübichen fich 
anfchaffe / und hernach fo offt man zum maͤßigen Gebrauch) auf Speifen - 
‚vder Salat etwas auszapffet/ allezeit fo viel Waffers als man Eßig aus» 
gesapffet / wieder zu gieſſe / fohat mancontinuirfich guten Eßig / indem 
das zugegoflene Waſſer / weiles ich mit den Eßig vermifchet / auch zu 
guten Eßig gemacht wird, Guten Rofen-Efig zu nrachen/fo nehmen 
etliche 2. Pfund rothe / oder friſche weiſſe Damafcener Rofen / weichen 
felbige ia 8. Pfund des fchärffeften REIS /weunn es alſo Tag . 
+ acht 


| Ace Ach 


Pacht geftanden/ fo defitlirt mans durch einen gläfern Kolben in Sand/ 
and läfts folangegehen / biß die Rofen faft trocken auf den Boden liee 
gen bleiben/zu diefen abdeftillirven Eßig thue zur&ommer-Zeit ein halb 

fund frifche rothe Roſen / zu Winters-Zeit aber eindiertel Pfund tro⸗ 

ne / laß es etliche Tage beigen/ biß du die höchfte Roͤthe erlangeft/ als⸗ 
denn laß es durch ein Löfch- Papier lauffen / und verwahre ihn wohl zu 
nöthigen Gebrauch. Gleicher geftalt kan aus jeden Kraut Blumoder 
Frucht ein guter Eßig bereitet werden. 

In denen See⸗-Stäadten koͤmmt Jährlich viel Wein⸗Eßig aus 
Franckreich / mas der Gebrauch in Ein⸗ und Verkauff / item, die un⸗ 
— Maaß der Eßig ⸗ Faͤſſer ſey / das ſiehe unter dem Wort / 

ein. a ” 

Achat, iftein halb durchfichtig Edelgeftein / voller Lieblichkeit mes 
gen feiner mancherley Karben / fonderlich wann die Natur in Vorſtel⸗ 

ng unterfchiedlicher Figuren / ald Ihier/ Bäume / Fruͤchte Wole 
een ac. in denfelben fpielet. Wie dann König Pyrrhus einen ſolchen A- 
chatfoll gehabt haben / in welchen die neun Mufen oder Kunſt⸗Goͤt⸗ 
tinnen / * dem Apolline ſollen zu ſehen geweſen ſeyn. Der ſchoͤn⸗ 
ſte Achat kommt aus Indien und Sicilien / man findet ihn auch hin 
und wider in Teutſchland; feine Tugend ſoll ſeyn / daß er den Gifft / 
und gifftiger Thiere Biß wider ſtehe. Daher auch Baccius ſchreibet / 
daß der Adler dieſen Stein in fein Reſt trage / um feine Jungen vor 
gifftiger Thiere Biß dadurch zu praferviven. Seine Verfälſchung 
geſchſcht / mit Glas welches mit unterſchiedlichen Farben vermiſchet 
iſt / ſo aber leicht zu erkennen / weil der rechte Achat fo hart iſt / daß er 
ſich nicht feilen Läft / und Fein Schmutz oder Unreinigkeit an denſelben 
behangen bleibt. In der Käyferlihen Schatz⸗ und Kunft-Rammer zu 
Wien / iſt eine aus einem Achat gemachte Schale oder Schuffel zu fehen/ 
welche eine Wienerifche Elle weniger 2, Finger. in Diamerrohält / und 
darum fo viel höher zu zimiven ıft / weil in ihrer Höle gar deutlic) B. 
XRISTO. R. S. XXX. von Natur eingewachſen und zu fehen / weiche$ 
ja ein groß Anzeigen ift / ald wann gleichfam die Natur dieſes unge- 
meine Edelgeftein ihren Schöpfer vor andernhättedediciren und auffe 
opffern wollen. vid. Lambecii Bibl. Cæſar. lıb. i. fol. 25. 

Acini ‚find Eleine Beerlein / die entweder vor (ich felbft wachſen als 
wie die Hollunder » Beerlein / oder in was anders eingefchleffen ſeyn / 
alö wie die Heinen Körner in den Trauben / jedoch wird auch offtmahls 
die gantze Traube alfo genannt, 

Ackerbscillen Crichmumagrefte, 

Ackerbursgel Portulaca ſylveſtris. 

Ackercondrillen Chondrilla agrellis, 

Ackerknoblauch Scorodoprafon, 


Ack Act 9 


Ackerholder Ebulus, Sambucus agria. J 

Ackerkletten Lappa agreſtis ſeu campeſtris. 

Ackerlattig Lætuca agnina. 

Ackermilten Atriplex Mveſtris. 

Ackermann Acorus conditus. 

Ackermuͤntʒe Mentha agreſſis. 

Ackernept Nepeta ſylveſtris. 

Ackerſcabioſen Scabioſa arvenulis, 

Ackerſchnabelkraut Geranium arvenfe album. 

Ackerwurtʒ Calamentha, Acorus, Acorum. 

Ackerzwiebel Ornithogallum. 

Aconitum®#ardalianches, oder Doronicum, Paris herba Einbeer 

oder Wolfföbeer- | 

Aconitum falutiferum ‚vid, Anthora. 

Acorus verus,( dielfältig auch / wiewohl unrecht ) Calamus aro- 
maticus, Calmus oder Ackerwurtz genannt/ da doch ſolches ein gang an⸗ 
der Kraut ift) Fommt der Wurtzel nad) mit den Schwertel überein / hat 
aber längere und ſchmaͤlere Blätter / waͤchſt gerne an fumpfigtenDrten/ 

ift aber nicht viel mehr im Gebrauch / indem man unfern genteinen Eals 
mus dafur nimmt in denen Apotheken hat man darvondas Diacorum 
oder Calmus Patwerg. Item Acorum conditum & faccharo obdu- , 
ctum, den Extradt, Oleumund Sal acori, 

Acorus adulterinus, Pfeudoiris, gelbe Schwertel / Teich » Lilien / 
falſcher Calmus / Drachenwurtz / wachſen gern an ſumpfigten Orten/ 
und dienen wider das Raſe⸗Bluten / ſeynd anziehend und ftopffen / die 
Wurztzel davon iſt auswendig braun / inwendigroth / man braucht aber 
Viel lieber an deren Statt die neue fo genannte Ruhr » Wurtel / Ipe- 
caeuanba Radix, In denen Apotecken hat man von den Acoro adul- 
terino eine bereitete Magen-Ratwerg. 

Actien, werden in Holland der Berfauff derjenigen Capitalien ge 
nannt / die jemand in der Oft- sder Weſt⸗Indiſchen Compagnie hat/ 
diefe werden zuweilen durch die Mäcler feil gebohten / und fleiget 
oder fällt deroſelben Preiß / nach den etwann gute oder böfe Zeitun- 
gen aus Dfk » Indien über Land / oderauff andere Wege über Gpa- 
nien und Portugal / von der Holländer ihrer Handlung in Oft- In⸗ 
dien / und denen bon dannen erwartenden Retour - Schiffen einlauf⸗ 
fen ; welche Dann zuweilen von einigen Kauffleutenmit Fleiß erdichtet 
werden / alö ob etwann einige Retour- Schiffe unter Weges zu Grunde 
gegangen / oder von den See-Räubern weggehonmmen worden / oder 
dag in dem Lande felbit ein ſchwerer Krieg / der Compagnie zum 
Schaden und Nuchtheil entftanden ; Welches dann diejenige / die 

ſolche Action haben / furchtſam machet / dag Ile zum Verkauft refo'- 
5 viren/ 


— 


10 = Act Ada 


viren/ und dadurch das gemiffefte zu ſpielen gedenden/ und dan- 
nenhero oft vor 400.’ fl. verkaufen / wovor fie fonft / warn fie die 
Zeit undihr Glück abgewartet hätten / myphl soo fl. und nieht hätten 
dekommen fönnen / die ihnen nun folche umb billigen Preip abhandeln / 
verkaufen hernad) felbige / auff befleve eingelauffene Zeitung / (die 
fie ebenfa/s moncyesmahl nur erdichtet haben ) um fo diel höher / ſon⸗ 
derlich / wann die Oft-Indifche Schiffe wirklich nach Haufe kommen / 
und Zeitung mitbringen / daß der Kandel gut geweſen; Etliche ver- 
handeln auch ſolche Actien nicht gleich wieder / fondern warten damit 
die Zeit der Austheilung ab/ da dann die Compagnie zuweilen 40. 
und mehr pro C. quff 100. fl. Capital austheilet. Bey der Oſt⸗In⸗ 
diſchen Compasnie gehet dieſer Altien-Handet täglid) fort/ und ift 
eine jede derfelben von soo. Pfund Flaͤmmiſch oder 3000. fl. Capi* 
tal, welche A. 1703 im Augufto 562, pro Centum auff die Cammer 
der Stadt Amſterdam gegolten / das ift 16360. Florins oder Hol⸗ 
ländifche Gulden / vor soo. Pfund Flämmiſch oder 3000. fl. Capi- - 
tal, Bor den Krieg mit Franckreich A. 1672 galten ſie sso.pro Cen- 
tum ‚fo {ich 10500 Bulden betrug / nach der Zeit aber / und währen- 
Ben denfelben Krieg / galten fie nicht mehr / als z20. Daß fteaberje- 
higer Zeit fo hoch ſeyn / ift dem fonderbahren Segen GOttes zu ju= 
fehreiben / welchen ex über dieſe Oft-Indifche Compagnie ausgeichüt= 
tet / dahero fie eine Zeit her ſo groffe Partitiones thun fünnen. In 
Einkauff der Adtionen oder Adtien, gebraucht man ſich gemeiniglich 
eines Mäcklerd / und wann Die Parthen gefchloffen / foläffet der Ver— 
kaͤuſſer folche gleich auff dem Buch der Compagnie dem Käufer zu> 
fchreiben / unterzeichnet aud) zugleich unter feiner Hand / vor denen 
Hru Directoribus, eine Qyitance, Kraft welcher er fein Recht dem 
Kinfer überträgt / hingegen muß diefer die Parthey glei m Banco 
abſchreiben laffen / oder der Transport ift null und nichtig. Die 
Courtagio, Senferia oder Mãckler⸗Lohn ift gemeiniglid) s- Gulden / 
vor eine Adtie don soo. Pfund Flämmiſch / halb von dem Käuffer / 
halb von dem Verkäufer zu besahlen. 

Adtiv- Schulden ſeynd diejenige / die ein Kauffmann ausftehend/ 
und von andern Leuten zu forderiihgt. Paflıv-Schulden /die er ſchul⸗ 
dig ift / und als Debitor bezahlen muß. | 

Acuere oder äcnare ‚ein Ding ſtärcker machen / demfelben einen 
Stimulumgebeit ; Alſo wird dev Eßig mit dem Spiritu Nitri geſchaͤrf⸗ 
fet / wenn man Die auffloͤßliche Magteria will bereiten. Die Pilu— 
fen acuiret man Mit ı. bis 2. gr. Diagrydy Trochife, Alhand. und 
dem Gummi von Gamandra, 

Acus Marina ‚Meer: Radel/ ift ein Fisch / von welchen zweyer⸗ 
ley Arten gefunden werden / als der eine gang glatt / und der ander 

mit 





Ada Abi IT 


mit einer ſchuppichten Haut / jener wird Acus marina vulgarıs, Dieter 
Acus fgvammofa, item Acus Ariftotelis, Blennns ‚ Typhiline genen= 
net ; Beyde haben Äinen langen harten Schnabel find im übrigen lang 
und ſchmahl / ſie werden bey drittehalb Fuß lang gefunden. DieNa- 
turalien« Befihreiber haben viel Di puten über dieſen Zifch. 

Adamas ide Diamant, 

Adams Apffel Malum Adami iſt ein Gewaͤchs / deſſen Blätterden 
Eimonien/ feine Bluͤht aber den Citronen / undfeine Früchte den groſſen 
Pommerantzen gleichen / die auswendige Ehuleiftnicht alatt/ fon- 
dern ſchrubbicht oder voll Ritzen / infonderheithaben ſie nahe bey der 
Spitze eine tiefſe Grube / faſt alſo anzuſehen / als wann jemand mit den 
Ahnen dareif gebiffen hätte, Cafpar Hoffman ib. IT. Medic, Off, 
c. 151. nennet es Aurantium majus ‚ und befennet / ex wiffe nichtden Ur: 
fprung des Rahmens Pomum Adami. Er ſoll aber daher entftanden 
ſeyn / weil der Poͤbel in Italien dafür haͤlt / dieſes ſey Die Art der Aepffel 
des Paradiſes / don welchen der erſte Menſch Adam wider GOlles 
Verbot gegeſſen habe. | 

Adamas» oi Koft,, eine Art bon Ebenholtz / welches ſchwartz von Farb / 
und in der Härte sich einem Stein gleichet / wird häufig in Moſcau 
gefunden / und Adams-Holtz genannt. 

Addictio in diem iffeine Cautel , welche den Kauff- Contradten ein: 
berleibet wird / daß / wann innerhalb einer gewiſſen Zeit / vor das 
verkaufte und bedungene Gut / folte mehr gebohten werden / der erſte 
Kauft alsdann ungultigfenn folte, 

Additamentum ein Zufag zu einer Schrift / Rede oder Sach. 

Adeps, Schmeer / Fettigkeit / ſchlecht hinweg verſtehet man dadurch 
Schweinen⸗ Schmeer.j | | 

Adermenig Agrimonia. 

Ad Pondus omnium, wird fehr offt in denen Recepten gefunden/ 
und bedeutet / daß das left verfchriebene Medicament fo ſchwer an der 
Dot ſeyn fol / als die Vorige all zuſammen. 

Adiantum aureum, Mufcus Capillaris, Polytrichum majus, Guͤl⸗ 
den Widerthon / ift eine Art eines Mooffes / welches die Saar wachſen 
macht / und wider Die Zauberey Diener. In denen Apotecken hat man 
dasgange Kraut / mit Blättern und Blumen. 

Adtantum nigrum verum, Capillus Verreris, Frauen- oder Ve- 
nus- Saar / das befte kommt aus Franckreich, Diener in Lungen: 
Kranckheit / item, die Haar zufürben. Dieſes Kraͤut wächt gern an 
teliisten und ſchattigten Orten. In Apothecken hat men das Kraut 
und deffen Blätter. ' R 

Adiantum album, Empetron, Ruta muraria, Maur-Raute / Stein» - 
Kaute weil fie gern an Wänden und Mauren wächft/ dienet wider den 
Stharbock. Adi- 


+ 


12 Adi Adu | 
ee —— 
Adiantum rubrum, Triehomanes, Polytrichum oſficinarum, Ro- 
ther Widerthon / iſt an Kraͤfften der Maur-Raute gleich. 
Achungiren / zur Geſellſchafft oder zur Huͤlffe⸗einen zugeben / da⸗ 
hero kommt Adjunctus ein Helffer / item Adjutant, qvafı adjuvanseif 


Helffer. 

Erg eine Sache oder Rechuung vihtig machegy alles wohl 
einrichten. 

Adler» Stein / Lapis Ktites,feu Agyileus, Erodalis vel Eny- 
dros, item ‚Lapis prapnans, ift ein braun » gelber / runder und kna⸗ 
ckender Stein / groß und klein / und hat ein jeder Stein inwendig et» 
liche kleine Steinlein/ fo in Schütteln fich hören laffen / wiewohl etli= 
che auch Feine haben / diefe letztere Art follen Collyrii Lapides heiffen. 
Sie werden gefunden in den Indianiſchen Bergen / allwo ed abſon⸗ 
derfiche Adern und Fund-Gruben derfelben gibt. Ob man nun wol 
diefe Steine nicht viel gebrauchet / fo halten doch einige fehr viel im 
äufferlichen Fällen darauf / vornemlich mweil die Natur » Kündiger 
davon fehreiben / daß der Adler diefen Stein zu feinen Eyern in das 
Reſt lege / dieweil er ohne folchen feine Jungen nicht aushecken Fönne/ 
weswegen dann aud) felbiger von groffer Wirckung / zu Beförde- 
rung der Geburt/ gehalten / und in folder Hoffnung auc) theuer 
berfauffet wird. Der bornehmfte Unterfcheid dieſes Adler - Steins 
wird von dem / was er in (ich haͤlt genommen; Als da haben derer 
etliche einen andern Stein in ſich die man Callimosnennet ; Noch 
andere haben /an Statt des Steined/ Sand oder Erde / und werden 
Geodesgenennet. Drittens findet fich eine Art / welche Waſſer in ſich 
hält / und Hydrotitesgenennet wird. Endlich aud) noch eine Art / la- 
pis violaceus genannt / weil er wie Violen viechen foll. 

Adlerſteinklee Melılotus, 

Admodiren/ pachten. Admodiateur der einen Zoll oder Land: 
Gefälle in Pacht nimmit /und jährlich eine gewiffe Summa Geldes da⸗ 
vor erleget. 

Adonis Roͤſſel adonium lutenm, 

Adouciren heift inder Mahlerey fo biel/ als ein Stuͤck des Gemaͤhls 
etwas fchwacher und Lieblicher / aud) mit gelindern PinfelStrid) als 
die andern machen. | 

— Güter verſenden / heiſſt den nechſten Weg darzu er⸗ 
wehlen. 

Adſtringens, ein Mittel welches die Löchlein dev Gefaͤſſe in den Leib 

verſtopffet; Seine Krafitberuhet darinn / daß es trocknet / die Feuch⸗ 
tigkeit verzehret / und die Theile ſtaͤrcket. 
Advis, Rachricht / die ein Kauffmann den andern bon dem / was in 
Handels Sachen palliret / giebet / vid. Ai/oVrieffe. 
| “ Adul. 


Adu Net 13 


Adulteratio , adulteriren / die Wahren / fonderlid) Die Materialien 
peifälfchen / gvidpro qvo, Maͤus⸗Dreck vor Pfeffer geben. — 

Adurens ‚Pyroticum ‚ ein Chirurgifches Mittel / welches auff der 
Haut brennet; Dergleicheñ feynd (1) Velicantia , Blaſen-ziehende. 
(2)Efcharotica. (3) Cauflica, 

Egagroplla vid. Gemfenfugel. | 

Kgeros vid. Populus. Ä 

Ägyprifcse Bohnen/ FabaGrzca, FabaSyriaca, Schottendorn/ 
AcaciaMateh. Acacia Behomii. 

Ägyprifcher Schleedorn Acacia zgyptia, fpina arabica, 

Klutopus vid. Hifpidula. 


Zofipyles Jeynd hole ehrne Kugeln / mit einem kleinen Loch verſehen / 
durch welches man dieſelbe voll Waſſer fuͤllet / und hierauff ans Feuer 
leget / da ſie denn / fo bald ſie warm werden / anfangen ſtarck von ſich 
zu blafen / welches der / durch die Hitze ausgetriebenen und in den 
Waſſer ſteckenden groben Lufft zugefchwieben wird. | 

Aerometrum, ift ein Inftrument / nad) welchen man die Leichtigkeit 
ober Schwere der Lufft examiniret. Es ftehet in der Mitten eine 
Scheibe von Bled) / intaufend Theile eingetheilet /und mit einen Zeis 
ger / wie eine Uhr / verſehen / welcher durch vielerhand Fleine Machi- 
nen umgetrieben wird ; An einer Geite dieſes Inftruments ift eine 
lange gläferne Röhre / die gantz mit Obeckſilber gefüllet / und ander 
Seite / mo ſie offen ift / feſt verbunden wird / * Roͤhre wird umge⸗ 
ſtuͤrtzt in ein Gefaͤß / fo gleichfals mit Queckſilber bey nahe angefüllet 
iſt; Nahdem ſticht man unter dem Oveckſilber das Verbunde ab / fo 
fält das meifte heraus / und läfft oben ein Vacuum ; — nun die 
Schwere der Lufft zunimmt / je höher ſteigt das Qpeckſilber in dev Roͤh⸗ 
re / nimmt aber die Schwere ab / fo faͤlt auch das Opeckſilber nad) Pro- 
portion ſo weit herab. 

Erugo vide Gruͤnſpan. | 

Es Caldarium vide Glodienfpeiß. 

Aſchbaum Fraxinus, 

Afeblauch Porrum. 

Aſchroͤßlein forbustorminalis. 

Aſchwurtz / Fraxinella diftamnus albus, 

Ks viride vide Gruͤnſpan. 

Es uſtum, gebrannt Rupffer / kommt bon Kupffer = Blechen/ und 
wird mit Hülffe des Schweffels /und anderer Künfte zu wege gebracht. 
Wenn ed nach Kunft reverberiret worden / fo muß es ſich roth brechen 
laſſen / das gemeine hingegen bricht ſich ſchwartz. 

Ktites lapis vide Adlerſtein. 

Affen 


—— Aff Afe- 


— 


Affen Simis, Fr. desfinges, Die meiften Fonmmen aus Africa , were 
den dann und wann von den Schiffern mit gebracht / und verhandelt. . 
Affodyliwurs Aphodelus. z J 





Affolter⸗Miſpel Viſeum. 


3— 

Africaniſche Waaren ſeynd Gold / Perlen / allerhand Früchte 
und Materialien / Korn / wilder Thier Haͤute / Strauſſen-Federn / 
Elephanten-Zaͤhne / auch fo gar Menſchen / als welche wie das Vieh 
auffgekauffet / und nach America in die Dienſtbahrkeit verführet wer⸗ 
den: Die nad) Africa gehende Wahren ſeynd vielerhand Europäte 
ſche Manufadturen / von Seiden / "Wollen / Leinen / Eifen und Holtz / 
mehrmahlen auch nichts wuͤrdige Dinge/ die doc) mit guten Profit 
an die wilden Leutx verhandelt werden. Wie aber, dieſes Welt⸗ 
Theil ſehr groß und weitläufftig / alfo handeln auch dahin unterfchied- 
liche Europaifche Nationes, fonderlich hat Italien und Francreich 
einen groflen Handel nach der Barbaren und Eaypten. Die Holläns 
der / Dinen und —— befahren die andern Kuͤſten von Africa / 
welche an den groſſen Welt⸗Meer oder Oceano liegen / wie ſie dann 
auch hin und wieder auff den Africauiſchen See-Küften feſten Fuß ge= 
ſetzet / und Garniſenen und Colonien etabliret haben; Voraus iſt 
der Holländer ihr Caltel ‚ welches fie bey Capo bonæ ſpei, oder der 
äufferften Mittägifchen Spite von Africa / das Vorgebürg guter 
Hoffnung genannt / erbauet haben / berühmt / weil es ihnen trefflich 
zu ihrer Oft- Indifchen Schifffarth dienet / indem ſich die. Schiffe da⸗ 
ſelbſt mit frifchen Waſſer und Vickualien verſehen / die Kranden von 
ihrer Ste = Krandheit wieder erholen / und da fie nunmehro auf hal⸗ 
ben Weg gekommen / ihre übrige Reife defto beffer vollführen Fün= 
nen.” Das fruchtbahrfte Land in gank Africa ift Egypten / und zwar 
nur ah denen Örtern/ wo es der Nilus durchſtreichet / und durch fet= 
ne jährliche Ergieſſung und hinterlaffenen Schlamm die Erde fett 
machet / alfo dap die Egyptier aus ſolcher Uberſchwemmung / nach⸗ 
dein folche hoch oder niedrig / die Funfftige Fruchtbarkeit / welche ih⸗ 
ve Ader zu gewarten haben’ / abnehmen können. Die in Egypten- 
land fondersah: haͤuffig hervorkommende Früchte feynd/ beiten / 
Reiß / Zuder / Datteln / Caſſia und vielerhand Drogtifterenen oder 
Material - Wahren / fonderlich aber Mumien , oder gebalfanirte 
Menfchen- Eprper/ wiewol der Teufſel gemeiniglich fein Spiel bey 
der Überfahrt haben foll / daß er viel Ungemitter erreget / und dem 
a / welches ſolche Mumien ein hat / hefftig mit Sturm = Winden 
zuſetzet. 

Die groͤſte Haupt und Handels-⸗Stadt in Egypten iſt Cairo, ſonſt 
auch Memphis, oder Das Egyptiſche Babylongenannt / welche drey 
mahl groͤſſer als Paris in Frauckreich ſeyn fol / ſie wird — 

EUro⸗ 


DE | | BE. 
Suropäifchen und Africanifchen Kauffleuten/ fonderlich aber von vielen 
Mohren bewohnet / und foll mit famtihren VBorftädten uͤber 200000. 
Haͤuſer / groß und klein durch ein ander gerechnet/ in tich halten. Um 
Diefe Stadt herum Findet nıgn haͤuffig die Badöfen / in welchen die 
Egnptier die Hüner Eyerzu 2. biß 300.. Stüd in einen Ofen legen / 
da denn durd) eine darinnn gemäßigte Hitze in wenigen Tagen junge 
Hünlein dardus werden. Kine andere Stadt in Egypten Alexandria, 
von ihren Erbauer Alexandro Magno.alfo genannt/ift — Tages 
ein ſtattliches Rmporium, oder an der See gelegene Huandels- Stadt/ 
nach welcher die Frantzoſen / Hol-und Engelaͤnder groſſe Handlungen 
treiben / dieſer Stadt ihr Handels Gluͤckſeligkeit ſoll ihr gleich bey ih⸗ 
rer erſten Grundlegung / dadurch ſeyn zuvor vepfündiget worden / 
daß als man jest nad) Art der Bau⸗ Kunſt Linien gezogen / um dadurch 
den Umkreiß der Mauren abzuſtechen und zu bezeichnen / auch ſolche 
Linien oder Furchen damit ſie deſto kaͤnntlicher ſeyn moͤchten / mit 
Mehl beſtreuet / die Vögel haͤuffig und unter ſolchen viel fremde un- 
bekandte zu geflogen / und ſolches Mehl aufgezehretz woraus gemuth⸗ 
maſſet worden / daß dieſer Ort kuͤnfftig ein trefflicher Handels⸗Platz 
werden würde. Die ſogenannte Gold⸗Kuͤſte bey Africa / von den 
kleinen Gold-Koͤrnlein / welche daſelbſt haͤuffig in den Sand gefun- 
den werden / alſo genannt / ſtöſſet an das Königreich Guinea, Benin, 
Loango, Congo und Angola, und haben ſich dieſen Traum, die 
Holländer gleichfam als eigen vindicivet / durch das dafelbft an. 1537. 
unter Anfuhrung des Pringen Johann. Mauritii. don Rafau denen 
Portugiefen abgenommiene Caſtel 8. Georgii de laMins genannt / wel» 
ches lie nach der Zeit faft imprenable gemacht. Diefes ift eben die 
Gegend / wo ihre Africanifche Eonipagnie hin handelt/ und von wan⸗ 
sen tie jährlich viel Gold-⸗Sand / E rel Zähne/ Mohren Sclaven 
und dergleichen abholet. Was zwifchendiefer Bold» Küft und dem 
Porgebürge Bonz Spei lieget / gehöret unter Rthiopien / und dem 
Königreid) Monomotapa, und wird bon denen Portugiefen / als wel 
che darauf unterfchiedliche Forten haben / fleißig befahren.  Zwifchen 
Africa und Arabia / findet ſich der groffe Meer -Bufen des rorhen 
Meers/ fonft auch Sinus Arabicus oder Mare di Meca genannt / in die» 
fem Meer / welchen etliche von dem vothen Sand / der infolchen auff 
den Grund zu finden / den Rahmen geben wollen/ findet ſich eine gewiß 
fe Pflange oder Kraut Zuph oder Zupha genannt / welches ſowol gut 
zum Eſſen / ald auch zum Scharlad’sfärben feyn fol. Man findet aud) 
darinn die Corallen⸗Baͤumlein / fo häufig / daß (le als kleine Wälder 
anzufehen / offt auch fo hoch aus des Meeres Grund herauf malen / 
dag fie über denn Waſſer hervor gehen / und denen Schiffenden viel 
Gefährligfeiten erregen, Vor dieſen fol etlichemahl am Tureifchen 
hi \ 


J 


16 | Afr 


Hofe in Vorſchlag geweſen ſeyn / den Ithmum oder die Lands Enge / 
welche zwiſchen dem rothen und mittlaͤndiſchen Meer iſt / durch zu ſte⸗ 
chen / um dadurch dieſe beyde Meere zu vereinigen / unddadurd) ei 
nen biel nähern Weg nach Oſt⸗Indien zu haben / daß man nicht erſt 
gantz Africam / wie jetzunder die Holländer thun muͤſſen / umfchiffen 
dörffte / allein es iſt nachgeblieben / ausllrſachen / wie einige vermey⸗ 
nen / weil die Höhe des Indianiſchen und rothen Meers höher als des 
mittelländifchen befunden worden/ und man dannenheto / mann der 
Durchftich gefchehen / eine Uberſchwemmung des gangen Egnpten- 
ſandes hätte befürchten müffen / wiewol der gelehrte Jefuit Kircherus 
ex principiis Hydroftaticis und denen Demonftrationibus des Archi» 
medis , diefer Meynung gänslich widerfpricht; Glayblicher iſt / die 
Türcken haben die groffe Unfoften / welchen den Ithmum zu durchgra· 
ben erfordert würden / gefcheuet / indem die Durchgrabung auff 40. 
teutfche Meilwegs lang / und zwar da wo ed am ſchmahlſten ift / hätte 
gefchehen müflen; Etwan mogen ſie auch erwogen haben / daß / wann 
diefer Sund eröffnet wiirde / die Chriſtlichen Kaufleute mehr Nutzen 
als ſie / die Turcken ſelbſt davon haben möchten / indem ſie die Oſt⸗In⸗ 
diſche Waaren zu Schiffe bringen / und dadurch die Tuͤrcken bie Zölle 
zu Land / und die Frachten / welche jegt die Cameele tragen müuͤſſen / 
derdienen fönnen / berlieren würden/ fonderlich aber mag der Ehriften 
ihre Erfahrenheit inder Schifffahrt / die Tuͤrcken abgeſchrecket haben / 
daß ſie etwann beſorget / wie ſolcher geſtalt die Chriſten Meccam und 
Medinam ‚alö die Begräbnis und Geburtö-Derter ihres Lugen⸗Pro⸗ 
pheten Mahumets defto leichter finden / und jich deſſen einmahl bemãch. 
tigenmöchten. Einen gang andern Vorſchlag hat der Portugielifche 
Vice-Roy in Oſt⸗Indien AlphonfusAlbuquerguius auff die Bahn ges 
bracht /diefer/ damit er der Türdenihre Brod- und Schatz⸗ Kammer / 
nemlich Egyptenland / unfruchtbar machen möchte/ gab vor/ man folte 
inAbashıa einer gewiſſen Africanifchen Landſchafft / welche ver Nil· Flug 
durchläuft / dieſen Fluß / weilfolcher ſchiene höherals dasrothe Meer 
uliegen/ab und in das vothe Meer leiten /fo wurde dadurch Egypten⸗ 
andy als in welchen eö niemahls vegnet/ gant unfruchtbar/und wegen 
des graufamen Gandes und Sonnen Hite gang ausgedorret werden. 
Non den Muͤnhen der Africaner ift zu wiſſen / dap an vielen Orten 
Afriex: das geprägte Geld noch gant unbekandt/ fondern fie brauchen 
an deffen ftat vohes und gantzes Bold / welches Ile einander zumägen/ 
über diefes bedienen fie jich auch Kleiner Städlein von Kupfer und 
Gifen / welche fie nebft andern Waaren an Goldes ftat vertaufchen / 
doc fol man vor einigen Jahren in Abypinien geprägte Muͤntze eine 
eführet haben / auff deren einen Geite der Rahme und Tituldes grofs 
fen Neguz oder Priefter Johannis / nebft einen Eveug mit griffen 
hata⸗ 


Ar Agi 17 


Characteren zu ſehen iſt / anzuzeigen / daß dieſer Kaͤyſer ein Verthä⸗ 
diger deö Heiligen Creutzes ſeyn wolte. In Mauritanien ſeynd gül⸗ 
dene / ſilberne und kapfferne Muͤntz⸗ Sorten gangbar / und zwar hat 
man in Gold die Metecals, Welche an Werth ſo viel als ein Ducaten 
ſeyn; Von dieſen Metecals ſollen die alten die beſten / die neuen aber 
von den Juden verfälfchet worden ſeyn. In Silber findet man Die fo 
genannte Blangvilles, welche couranter als die Metecals ſeynd / und 
oͤhngefehr 4. Creutzer / 40. derſelben aber einen Ducaten oder 120. 
Frantzoͤſiſche Solsmaden.. In Kupffer ſeynd die Felours gangbar / fa 
eine Muͤnhe iſt / die etwann einen halben Pfenning wehrt / s. derſel⸗ 
ben machen eine Blanquĩlle. Die Einwohner zu Melli in Nigritien 
behelffen ſich / mftattder Muͤntze / mit Schnecken⸗Haͤuſern. 

Agallochum vide Alods Ligmum. J ur 
Axaricus, Lerchen « Schwamm / wächjfet anf fehr hohen Bäumen/ 

die faſt den Tannen gleich ſeynd / das Holtz aber iſt roth / und hat ei⸗ 
nei fchönen Geſchmack; Wie denn auch aus ſolchen ein Hark / welches 
fo Dich ald Teryentin iſt / flieſſet / felbiges heiſſen die Walliſer beet · 
fchinen. Der kerden- Schwamm an (ich ſelbſt map fchön grob / groß / 
ieicht / weiß / undan Geſchmack ſuͤß / hernach bitter feyn / damit/ wenn 
er mundirt und gefäubert wird / er dennoch in groſſen weiſſen Stüden 
bieiben könne. Von den Eleinen Stüden kan man deu praparirten 
Lerchen ⸗ Schwamm machen / und im Winter. chön ausfrieren laſſen. 
Einige theilen den Lerchen⸗Schwamm in das Männlein und Weiblein 
ein / das erſte iſt ſchwartz / hartündfeft/ und wann man es zerbricht / 
fehr faſigt; Das andere Hingegen weiß / rund / leicht und locker / bricht 
bald / und iſt daher beſſer als das Maͤnnlein. Dex beſte kommt aus 
dem Tridentiniſchen Lande / woſelbſt es viel Lerchen gibt. Im. 
der Medicin braucht man ihn / die ſaltzigte und waͤſſerichte euchtig⸗ 
keiten aus den Leib zuführen. Er wird auch unter Die Cardiaca ge: 
rechnet / iſt dahero vielmahls zum Thertad genommen worden. Cr 
purgiret mäßig. / und der Unrath / den ev abführet / gehet als ein 
leim fort. ; 

Agat vid. Achat. 

Ageratum, Coſtus hortenſis minor, Eupatorium Meſuæ, Men- 
tha Corymbifera, Balfamita minor, Leber = Balfam/ Malbaſier⸗ 
Kraut / laxirt/ und iſt gut wider die Gelb · und Waſſer⸗Sucht. In 
denen Apot hecken hat man das Gewaͤchſe mit Blaͤttern und Blu⸗ 
men / man nimmt aber an deſſen ſtattnur dad Eupatorium. 

Agio iſt der Auff⸗ Wechſel / den ein Kauffmann Auff · Geld gibt / ver⸗ 
ſtehe / derjenige welcher ſchlecht Geld hat / und gutes dargegen haben 
molte/ da er denn gehalten iſt / ein gewiſſes auff das hundert Auff · Geld 
zu geben / z. Eaauff ioo. Rihlr. wen drittheil-Stüd 25. his 30. ſo er 


100, 


— — — — — — = Ze 


— — “= * 


— — — — — —— 
— — * 


4 


ꝛöz3z3 Agl Annnn 
100, Rthlr. harte Species dargegen haben wolte; wer nun dergleichen 
Lagio über feine fchlechte Geld Summa nicht zu zugeben hat / der 
muß ſich folchen aus der Haupt⸗Summa feines ihlechten Geldes fürs 
gen laffen / in welchem Fall aber die Berechnung ſolcher Agio anders 
als in jenen per Regulam De-Tri Vor genommen wird / indem nehm⸗ 
lich bey Kürgung des Agio aus der. Haupt · Summa die bedungene pro 
Centum porn in den erften Satz mit angeführet werden. Vide ein 
mehrers hiebon in fo vielen Rechen⸗Buͤchern / item, unter den Wort 
Lagio. | 

Agley vid. Agbilegia. Ä 7 
i * ein Banım / gibt erſtlich denen Kauffleuten die Wolle / unter 
welchen ſon derlich die Polnifche Lamm⸗ Wolle Hoc) zfttmiret / haͤuffig 
auffgekaufft / und nach Franckreich verſandt wird / da ſie dieſelbige zů 
den feinen Wollen» Manufadturen gebrauchen ; Und zweytens das 
Fell / welches in Mofcau und der Tartarey von fo zarter feiner und 
theils Kohl· ſchwartzer Fraufer Wolle fällt/ daß mar an die Muͤ⸗ 

n feget / und, ſo lange ein Stud daran iſt / allezeit krauß und zierlich 

in gekrollt behalten fan. Es dienen auch die Lämmer⸗Fell zu den 
feinen Frauenzimmer Handſchuen. Und in dene Apothecken hat man 
unterfchiedliche von den Laͤmmern zubereitete Stuͤcke / welche —— 
fen Nutzen in bielerhandLeibs⸗Beſchwerungen gebraucht werden. Bon 
denen auff den Bäumen wachfenden Laͤmmern jiche unter dem Wort 
. Boranetz, 

Agnus Dei, somit bey denen Papiften die Altäre indgemein ausge⸗ 
zieret / obderfo jemand eines in Eleinever Form beſihet / ſelbiges ana 
Hals getragen / oder auch fonft (weil man ihnen eine fonderbahre 
Er zufchreibet) ehrerbietig verwahret wird / nach den bekandien 


Balfamus & Cera munda, cum chrifmatis unda 

Conficiunt Agnum, qvod munus dotibi magnum, 

Fontevelut natum, per. myſtica fandtificatum, 

Fulgura deſurſum depellit &omne malignum. . 

Peccatum frangit, utChriftifangvis,& angit, . 

Prægnans fervator , à Væ partus liberatur, 

Dona parat dignis, virtutem deſtruit ignis. 

Portatus munde de fluctibus eripit undæ. 

Es kommen aber dieſe Agnus Dei nicht anders in den des Kauf⸗ 
end und Verkauffens / als wenn etwann ein fon eyferigen: 
holiſcher ſolches zu feiner Devotion zu gebraudyen / odebaber ein 

courieufer Liebhaber ausländifcher: Raritäten ein von dieſen oder je⸗ 
nen Papft geweiheteö Agnus Dei in feiner Kunſt⸗ und Raritaͤten⸗ Tam⸗ 
mer zum Angedenden beybehaͤlt. Mit welcher Einweihung es fol⸗ 


gender 


— 


Aan Aar 


19 
der Geftalt zugehet: Der Sacrift des Papſts mit feinen Capellä- 
derbe Bet gehen: 2 / Cereum Pafchaldm ‚fo dag —— 
ne worden / vermiſchen ſolche unter ander Wachs / und 
hernach kleine Scheiben daraus / die man Agnes Dei nennet/ 
Seil ſie ra er es eines die Fahne tragenden Lammes ab- 
gebildet haben / diefe wächferne Scheiben nun werden den Papft am 
Oſter⸗Wittwoch in fein Gemach gebracht / alsdenn ſegnet er erft einen . 
fen Zuber voll Waſſer / und gieffet im folchen/ mit creutzweiß ge- 
gta — = en Er Ace oa 
alödenn ſegnet er aud) die Ma cheiben / und febe ich / mit 
einen einen Tuch umgethan / zu den Waſſer era 
die Wachs ⸗Scheiben / — pie Sammer —— 
been müſſen / hierauf werben ſolche von denen Daben — 
——— und ——— —— 
bon den Papſt abermahl einige e daruͤ —— d 
die — bereitet / und. werden des Gonnabends de Pi 


Agni Caſti vel Viticis Semen, Schaaf-Müllen / Keuſch· Baum / 
—* Gewaͤchſes gibts zweyerley Ges 
ſchlecht: Eines waͤchſt wie Straͤuche mit Purpur⸗ weiſſen Bluen / ein 
Geſchlecht aber iſt gan; ⸗Farb / die ie Blätter gleichen ſich den 
Weiden / weiß-grau/ haͤngen allezeit fuͤnff an einander / und bei — 
in zuulicher Menge ihre lben — welcher in 





Gröffe wie Pfeffer wächft, Saamen wird aus Welfch⸗ 
land verſchrieben / er wird uch um * gefunden / aber wenig. 
Dieſer Saame treibt den Urin eit / mehret die Wil, 


und fteuret den Veneriſchen — wes wegen er auch den muͤß i⸗ 
gen Pfaffen und Bann rar wird; Aus den Saamen 
machet man in denen Apothecken eine Emulſion, bie in Affedtibus fe- 
minalibus& gonorthais gebraucht wird / ſo bon —— des Saa⸗ 
mens hertühren / wie Fuge) denn auch den Hanff⸗ Saamen darzu re- 
—— — weil aber ſolcher Vim Numsotionch at/ ift er gefähr- 


* —— Kanpöl ſch du verjus, iſt der aus unreiffen 
* und durchgeſeigete Safft / welchen man in zu⸗ 
Are oder Bouteillen faffet / und im Fall er lange Zeit 
en einwenig frif Baum + oder Mandel⸗ 
en / fonft ſchimmelt er und verditbet, | 
— ſteinigt und ſaurer Weinſtein. 
n⸗Ampffer / Acetofarotunda, Oxalis rotunda. 
nen vel Agvifolium, Hex aculeata , baccifera , Rufeus ars 
boreus , Gtech⸗Bauum / Wald⸗Diſtel. Der Trand aug den Blätterg 
wirdin Geiten-Stedeu und Huftengebraudt. Rz Agri- 


20 Age Agt 
Agrimonia,Eupatorium qvafı Hepatorium græcorum, Aber oder 
Oper: Mennig / Leber · Kletten · Craut / wächft hin und wiebet auf dei 
Tiefen / ift ein bewährt Leber / Milg- und Bruff-Kraut. Su den Apo⸗ 
theden hat man babon das deftillirte Waſſer / und den Gafft aus den 
EN und Blumen/-den Syrup aus den Safft / und das Saltz aus 
der t. u 
Agrimonia Sylveftris, vide Anferina. 
‚Agrioriganum, vide Origanum.. Ä 
Agt⸗Seein / gelber Succinum citriaum, der weiffe album, vide 
Succinum, . .. X 
Agt⸗ Stein * Gagat⸗Stein / ſchwartzer Lapis gagates, Vom 
den Fiuß Gagat In Lycia alſo genannt / hei timlatkin Ambra 
nigra, auch wol Succinum.nigrum Franhöſ. Agathe, Spanifd) EI- 
zavie. Oft ein ſchwartzer / glatter und glängender Stein / von einer 
öligten Subftang / welche / wie Rulandus fagt/ auß den Felſen flieſſet / 
and Steim oi genennet wird / ober auch von ſubtilen Naphta / wel⸗ 
ches den Stein ſehr gleich iſt / odervon natürlichen flüßigen Erd⸗Pech / 
welches mit der Naphta uud den Stein⸗Ol einerley iſt. Der beſte 
Gagat-Stein iſt der / welcher / wann et an das Feuer gehalten wird / 
wie ein Berg Pech brennet. Kulandus ſetzet davon folgende Geſchlecht: 
(1) Thraeius lapis, teutſch ſchwartzer Agi⸗Stein. (2) Lirhanchrack, 
welches ein Erd⸗ farbiger Stein / aus Naphua und Berg-Ped) uſam⸗ 
men geronnen. Und (3) die Stein⸗Kohlen· Die Tugend d teins 
ſoll darinn beſtehen / daß wer n bey ſich trage / ſicher ſey vor 
naͤchtlichen en.“ Item, ſoll er auch anzeigen / welche Jungfer 
annoch ihre Jungferſchafft Habe oder nicht. Den gebrochenen 
Stein wieder zuſammen zu fücken / ſo beſtreich bie Studemit Lein-DI/ 
Halte ſie an das Feuer / und fie fo warm zuſammen. Daß des 
t-Stein wie fo weich werde / und man alle Formen in den⸗ 
felben deuten konne / fo leget man ihn nur in heiſſes unverfchäumtes 
Mache. Einen falfchen und doch dem wahren gang Agt⸗ 
Stein zu — ſo ninum Terpentin ſo viel du wilt / ſeud ihn in ei⸗ 
nen gläfern Pfännlein mit ein wenig Baum-Ol/ rühre es / bis es fo 
dick wird als ein ſtarcker Brey / geuß es alsdenn aus worinnen du 
wilt / laheds. Tage an der Sonnen ſtehen / fo wird ed klar und hart / 
daraus drehet und macht man/ was man will. Item, nehmt is. Eyer⸗ 
Dotter / klopfft ſie wohi mit einen Löffel/ that dazu 4. Loth Gummidra- 
Bicum, :. Loth Gummi Copal, die Gummi zerſtoß zu Pulver / und mi⸗ 
ſche fie unter die Eyer » Dotter / laß die Gummi wohl ergehen und 
euß es in einen wohl glafurten / laß eds. Tage ander Sonnen 
nunderharten /fo wirdesaldein Glas / fo mans veibet/ ziehet es 
auch Halmen. — 
>: * | Aha. 








* 


Aha Ala 21 


Ahaliab ein Sohn Ahiſamach / don Stamm Dan / ein künftlicher 
Meiſter in Erg- und Stein⸗ Arbeit / vide Bezaleel. 

Ahien werden aus den beften und feinften Stahl gefchmiebet / und 
zwar überaus glatt und rein inder Stangen / theils rund / theils vier⸗ 
eckigt / gegen der Spigen aber Spieß⸗eckigt / als denn auffdie Schleiff⸗ 
Mühl gebracht und in Stangen und Speere geſchliffen / nach dieſen 
en oder Degen-hart mit befondern Fleiß gehärtet / damit fie einen 

/ hierauf bringet man ſie noch einmahlauff Die 
Si — ſchoͤn hell poliret und völlig ausgemachet werden. 
Die Battungen der Ahlen feyndunterfchiedlich / und — wann ſie 
ſortiret / nicht —2 Ahien fondern Orth — et; foldennad 
nennet man —— —— der Ahlen Gap - A weil er die. 
Schuh⸗ Mader zum Steppengebraucen ; dieetwas e Doppel⸗ 
Orth / andere von zimlicher —* und Staͤrcke / Abſatz —* eh: 
fie an den Augel einen Abſatz haben/ und werden die fo genannte Abſaͤ⸗ 

Bean en ggg Ping eine noch gröflere und fehr ſtav⸗ 
2 Art der Ahlen / fo ebenfals bey den Anfang des Angels.einen Abfag 
haben / Bennet man "Sabre / el ie Abfähe ber Schuhe damit gelo- . 
chet / und fodann die hölgerne — — werden. Die al» 

und ſtaͤrckſte Ahlen Haben vornen in den Speer ein laͤngliches 

/ durch welches ein Neh⸗ „Riemen aeg zogen werden kan / und weil 

dich die Sattler derfelben am meiften bedienen / als führen fie den. 

Rahmen Sattler-Eifen. Nach diefen finden ſich noch zwey beſonde⸗ 

re ——— en der Ahlen / davon die eine gantz rund iſt / und weil 

ſie die Bud Binder nur allein-nugen / Buch⸗Binder · Ahlen heiflen; 

Die andere Gattung führet den Titul der Frantzoͤſiſchen und zweyſpi⸗ 

tzigen Ahlen / haben auf beyden Seiten Stangen und Speere in der. 

Mitten aber einen Knopff oder Abfap / und werden in Teutfhland 

nicht — ſondern —* en Franckreich und er. 
wit aud in Italien verführet. 

Ahorn · Baum / Acer. - 

Ahorn / Platanus. 

Ai / Ein Thier in Brafilien diefes Nahmens / ſonſt auch Ignavia 

oder die Faulheit genannt / indem es gan langſam —— und des 

Tages kaum uber so. Schritt weit kommen foll / daher es von den Hol⸗ 

laͤndern Luyart, von den Portugiſen Priguiza genennet wird / in ſei⸗ 

ner Heymath heiſſet es Ai · Sein Geſchrey ift wunderlich / und wird 

—2 / daß es die ordentlichen Viuſic ⸗Thoͤue / eine gantze Octax 
/ tu 

Ajupa vid, Chamapitis, d-Enpref, 

. — majus, vel ar Se Co majus, groffe Haußwurtz. 
Algbafter/ Alabaſtrites lapis, — denen Alten —— des 
gr» 


22 Ala 
Marmors gerechnet worden / welchen er auch 7 dem äufferlichen Auſe⸗ 
hen nach / vermittelſt ſeines Glantzes / und der zierlich durchgezogenen 
Adern und Striemen / ſehr wohl gleichet / an der Haͤrtigkeit aber viel 
weichet / wiewol auch nicht zuläugnen / Ba ein Marmor härter ſeyals 
der andere / in welchem Stücke auch eine Art des Alabafters.die ande». 
ve übertrifft / dahero denn vor Zeiten unterfchiedlidye Arten des Ala- 
"Bafters befandt gewefen / welche theils von den Ort / wo ſie gegraben/ 
theild von der äufferlichen Farb / ihre Benennung erhalten / insgemein 
aber in dreyerley Sorten beftunden/ davon die erfte weiß / die andere 
roͤthlich / die dritte grünlicht wars. von der legtern zuerſt zu melden / 
fo hat jie der ( in diefer Wiſſenſchafft wohl erfahrne } Boerius vor den 
unsannochbefandten / und in Meiſſen brechenden fo genannten Sera 
pentins oder Schlangen » Stein / welchem eine Bezoardiſche Krafft / 
und daß er feinen Gifft leide / zugefchrieben wird / daher: auch unters. 
fchiedliche Gefäfle von Bechern und Schüuffeln / infonderheit aber die 
fo genannte Eolic-Steine daraus gemacht werden / weiche / defto fug⸗ 
* auff den Leib zu legen / gewas ausgewoͤlbet Indy und fo (te in ars. 
men Waſſer wohl erhiget übergefchlagen werden / bringen ſie ins 
Stein: Schmertzen und Bauch» Grimmen empfindliche Linderung. 
Sie übertreffen / der Härte nach / den Alabaſter ſehr weit / daher ie 
auch / und zwar mit beſſern Recht / unter die Arten dev Jaſpis gezaͤh⸗ 
let / und die Lapides Nephritici. oder ſo genannte Gveiß-Steine vor 
die befte Art derfelben gehalten werben: Die andere und zwar etwas 
vörhlichte Art des Mabafterd wurde Onyx genannt / nicht daß ſie den 
harten Onychftein gleichen folte + fondern weil dieſes Wort einen Ra⸗ 
el bedeutet / und-der Stein einem: lebhafft-gefärbten Nagel an dev 
Sand eines gefunden Menſchen ſehr aͤhnlich ſiehet. Die dritte Art iſt 
die ſchoͤnſte und beſte / indem ſie zart / vein und fchön weiß / hisweilen 
aber auch graulicht iſt. Ohnweit Theben ſoll / wie gedachter Boetius 
angemercket / noch eine andere Art von. Alabaſter gefunden werden / 
weiche mit guͤldenen Punckten eingeſprenget iſt. In dem Arabiſchen 
Gebuͤrg hat man den Alabaſter am erſten gebrochen / nachmahl aber in 
Egypten / ſerner zu Damaſco in Syrien / und an unterſchiedlichen 
Drten in Italien, Heut zu Tage wird er auch Hin und wieder in Teutſch⸗ 
(and gegraben / fonderlich zu Nordhauſen / und in denen Hochfuͤrſtl. 
—2— Bamberg » und Hildesheimiſchen Landen / wie auch zu 
insheim / wofelbft fehr groſſe Stücke / eines halben / auch wol vier/ 
echs bis * Eentner ſchwer / umer denen Weinbergen ausgegraben 
werden / doc) iſt er als denn gank ſchwartz mit Sand und einer-unvei- 
ner Rinde überzogen / welche aber / wann ſie abgenommen wird / die 
Weiſſe und Reinligfeit deſſelben eutdecket / je veſter / weiſſer und mit 
vielen Adern der Alabafter gezieret iſt / je beſſer und ſchoͤner wird er * 





Ad 23 


halten / fo er aber nad) Art des Horns durchfichtig ſcheinet / iſt er ge⸗ 
meiniglid) gebrechlid und daher veraditlih. Die Nutzbarkeit des 
Alabaſters betreffend / melden Strabo und Plinius, da man daraus 
allerien ſchoͤnes Saͤulen⸗Werck / wie auch verfchiedene Geſchirre / ver 
fertiget habe / allein noch lange zuvor wuſten die Griechen und Roͤmer 
ſelbigen noch auff eine andere Weiſe zu nutzen / und ihre koͤſtliche Bal⸗ 
ſam uud Salben / womit ſie bey ihren Gaſtereyen ſich ſchmuͤckten / im 
Alabafternen Geſchirren auffzubehalten / fo daß auch viele der Mey⸗ 
nung ſeynd / es ſey das Gefaß / fo die Suͤnderinn über den Haupt uns 
ſers Henlandes (nachdem (ie feine Füffe daraus mit föftlicher Salbe 
gefalbet) zerbrochen / nicht don Blas fondern von Alabafter geweſen / 
wiewol das vielen wahrscheinlicher zu ferm bedundet. Heut 
zu Zage wird fonderlid in Rürnberg fehr viel Alabafter verarbeitet/ 
. und daranszierlice Crucifixe / auch andere wohl und fehr proportio- 
nirlic) gemachte Bilder gefchnitten / zierliche Leuchter / Krũge / Bes 
her und Flaſchen / mit ſehr ſcharff und fleipig gedreheten Gewinden 
verſehen / Schiffel und Schalen / Saltz⸗Faͤſſer und anders nugbares 
Geräth / infonderheit aber verfchiedene Gattungen bon Käftgen und 
Buͤchſen verfertiget / welche fie auch nach "Belieben mit unterſchiedli⸗ 
chen Farben zu zieren und zubeisenmwiffen. Der Abgang von diefer 
Arbeit wird gebrem et/ und zu Gips gemacht / damit alödenn die 
ſchoͤnſten Zimmer überzogen / mit — davon formirten Bildern 
ausgezieret / und zu vielfältigen Nutzen ferner angewendet werden. 
Man verfaufft ſolche Alabaſter ·Waar inRürnberg nach den fo genanne 
ten Guͤlden⸗Werck / aud) wol ſtuͤckweis / und ift infonderheit vor die 
fen viel Handeld nad) Spanien damit gewefen / von wannen eö weiter 
nad) Welt- Indien gegangen.- In Schweden und Dännemard ift 
auch noch zimlich etwas abzufegen / weil dafelbft Feine Meiſters / die in 
dergleichen Waaren arbeiten / gefunden werden. 
Alabaftri gennet man diejenigen grünen Kräuter / welche bie Blu⸗ 
men umgeben. N 
Aland» WOurs / Enulæ, radix Helenum, wächft aller Orten und 
imlich viel um Nürnberg herum / ſie wird Bläs weiß geſchnitten / und 
arck abgedörrt / ſonſt lauft jie gern wieder an/ und wird ſchimmlicht. 
Alsun / Alumen, qvafı dans lumen ‚wird bor eine Bitterfeit der 
Erden gehalten / und ift ein mineraliſch Salt / welches / wann es er⸗ 
hartet / faft einen Ehryftallgleichet; Es jeynd aber des Alauns s. ge> 
bräuchliche Gefchlechte / als / Alumenrupeum , Alunde Roche, diee 
feswird ſowol feiner Bortrefflichkeit- wegen vor andern alfo genennet/ 
als auch / weil es aus denen Felfen gebrochen wird. Alumen plu- 
meum oder pluwoſum, fonft aud) Amianthus lapis, Federweiß / Erde 
Flachs „genannt / wird in —— ſonderlich in and 
l 4 age 


— 


24 | Aa’ 


— — — — Den 
Saltzburgiſchen und Tyrol gebrochen / hat einen etwas zufanimen zie⸗ 
benden Gefhmad / dadurch es von dem Federweiß unterſchieden 
wird / alö welches gantz keinen Geſchmack hat / fo Verbrennet auch das 
Alumen plumolum durch des Feuers Gewalt / und gehet in die Lufft / 
das Federweiß hingegen iſt unuberwindlich / und kan ihm das Feuer 
nichts anhaben / wie man dann auch Garn davon ſpinnen / und Beu⸗ 
tel daraus machen kan / in welchen der Alaun ſchmeltzt / der Beutel aber 
unberletzet bleibet / der beſte Federweiß muß fein muͤrb / weiß / glatt / 
rob und leicht ſeyn. Alumen Scilſile iſt etwas ſcholligt / wird auch 
onſt plamoſum oblongum genennet. Zuccarinum oder Saccha⸗ 
rinum, Zuder-Alaun wird aus Alaun / Eyer⸗Weiß und Rofen-Waf- 
fer bereitet / und in Eleinen Zuder-Hüts- Formen formiret:  Alu- 
men Catinum , Weid-Afche / gehöret zwar nicht zu obigen-Minera- 
hen / indem es aus Holtz und einen gewiſſen Kraut / Waid · Kraut ge» 
nannt / eben wie die Pott⸗Aſche gebrannt / gelauget / und wieder ein · 
geſotten wird / jedoch haben wirs des Nahmens wegen hicher ſetzen 
wollen. Alumen Fecum, Truſchen⸗Aſch / wird von Wein⸗Hefen 
gebrannt / und zu einen ſcharffen Saltz calciniret. . Daß das Alumen 
Rupeum eine irrdiſche Bley-Minera, Kreiden Art ſey / welche durch 
den ſauren Spiritam ſulphuris auffgelöfet / und in ein drittes Weſen 
eoagaliret worden / beweifet Schröderus:in. feiner vollſtaͤndigen Apo⸗ 
thed lib. 3. cap. 14. wofelbft er ferner meldet / dag wie der Spiritussul- 
phuris die Mineram Martis friſſet / und in ein Vitriolum bringet/ alfe 
zernage er auch) die irrdiſche Bley-Mineram, daß ein Alaun daraus 
werde / es geſchiehet auch offt / daß Vitriolum und Alaun in einer Mi- 
nera gefunden werben / dannenhero auch die Kreide / wenn. mau ſie in 
‚ Spiritu fulphuris aufflofet und coaguliret / ein Alaun wird / ed wird 
aber der Stein-Alaun nicht nur aus Steinen und Alaunichten Erden / 
fondern auch aus den Maun-Arten vernsittelft der Infulion und Ko⸗ 
ung bereitet / wie folches fonderlich in dem groffen Schwedifchen A⸗ 
laun- Werd in Schonen gefchehe / davon beflehe der Länge nach unfern 
Schwediſchen Kauffmann p. 364. wofelbft wegen der Rauffmannfchafft 
mit Alaun angeführet wird / daß die Tonne Alaun von A. 1704. bie 
— da wir dieſes ſchreiben / is. bis ı7. Thaler Silber⸗Müuntz ver⸗ 
auffet worden / jeden Thaler Gilber-Münp zu 32. Stüver gerechnet / 
machet & 17, Thaler S. M. 27. Carolin 4. Stüver/ hierzu kommt noch 
bie Fracht an die Bauren / um die Tonnen an die See-Örtter /rals 
Malıno oder Aftedt/ zu führen / wofelbft ſie eingefchiffet werden / 
ſamt andern kleinen Unkoſten mehr/ in circa 2, Carolın 3. Stüber/ ehe 
eine Tonne Fan ins Schiff gebracht werden. Der Apotheder ihre 
Bereitungen und bereitete Städte aus den Alaun beſtehen in Cryfal- 
kilrung/ Calcination oder Brennung / Sublimation , — 
un 





Alb Alc, 25 
und dubti Machung. Die dadurch bereitete Stuͤcke ſeynd des Alauns 
Phlegma und der Spiritus / der ſuſſe Alaun⸗Spititus, Magıfterium 
oder Spiritusalumiflis mag iſtexiatus, Saccharum aluminis , dito ex- 
tradtum &c. — | : 

Albanum vinum, Wein von Alba / waͤchſt bey der Stadt Alba iin 
Päpftlichen Gebiet / und wird in Ron am meiften getrunden/ jedoch 
mehrderblandelsrothe.: =". 0 

Alber⸗Baum / Populus: - we | 

Alber-Anopff / Oculi populi, . 

Alb- oder Alpgarapffel⸗Wurtz / Eupatorium Diofeoridis, 

Alb Hahnen⸗ Fuß / Kanunculus Bulbofus. 

Alb · Sanſtkel / Sanicula Alpino. 

Alb⸗Gauch⸗ Blum / Cardamine Alpina, 

Alb⸗Roſen / Chamærhodendros, Alpina latifolia, 

Aib-Schoß / Lapis Lyncis, —— 

Alb· Schluͤſſel⸗Bluͤmlein / Auricula muris, Paralyſis Alpina. 

Album Græeum, weiſſer Hunds⸗Koth. WER 

Alcaheft, qyafı alcali eft, iſt bey den Chywicis dad allgemeine 

Menftruum ſolvens, welches tuͤchtig iſt / alle Eörper auffzulöfen / daß 
aber ein ſolch Menftruum ur zu finden ſey / Kan daraus bewieſen 
werden / weil kein Gefäß. zu inden / darinn es möchte auffgehoben 


werben. - J —J 

Alecali heiſſt eigentlich dad Saltz aus der Aſche des Krauts Kali ger 
zogen / kommt in groſſer Menge aus Egypten nach Venedig / uud 
wird daſelbſt zum Seiffen⸗Sie den und Glass Machen gebraucht / man 
koͤnte auch Gleichniß · weiſe ein jedes Kraͤuter + Saltz / ſo aus der Aſche 
der Kräuter gelauget werden / ein Alcali nennen. | 

Alcea , Sigimartö- Wurtz / Morgenftern / Augen-Pappeln/ wächft 
viel in Ungarn/ wird vor die Blödigkeit der =. am Hals getragen, 

Alees ſonſt auch Eqvicervum genannt / ein Thier mit geſpaltenen 
Klauen /.in der Groͤſſe wie ein Hirſch / in den Apothecken hat man da⸗ 
von das Horn und die Klauen / vide Elend. 

Alchymia, vide,Chymia, item Lapis Pbilofophorum , unter welchem 
Achtern Wort ausführlich von denen fo genannten wahren uud falfchen 
Achymiſten / ſonderlich aber diefer lehtern ihren bielfältigen Betrie« 
are arbanheNk/ und ein gantzer Catalogus derfelben angegeben 
wird. | | 
Alchimiſla, Leontopodium⸗ Brancha velpes, vel planta Leonis, 
Sinau qral Sonnen: Than / Loͤwen⸗Fuß / Bülden-Bänferich/ Ma: 
vie Mantel / wächft gern au naſſen Orten / die Blätter confolidiren/ 
heilen ziehen, zufanımen / äufferlich bedienen ſich deſſen die Jung⸗ 
frauen/ un die Brüfte hart und — machen / waͤnn ſie ne wii 

s € 


J 


— — — — —— 


—E Alk Ar 


— — — Em 
ein Tichlein in dent Decodto anfeuchten / und des Nachts daruͤber le⸗ 
en / ja die Geſchwaͤchte lartiven ſich gar damit ( daß / warn ſie ein 
d davon machen / und darein ſitzen ſolches Ihnen die Jungfer⸗ 
ſchafft wiederbringe. | — 
Alchitrum, Wacholder⸗ol / flieſſend Hartz / zuweilen heiſſt es auch 
præparirt Arſenic. N | 
Alchol eder Alcohol, daß allerfubtilfte und feinfte Pulver / ed ſen 
von Wurtzel / Kräuter oder Steinen / wovon es wolle/ zuweilen be 
deutet es auch einen hoch redtificirten Spiritum vini , vide Pulver, 
Alcibiadum, vide Bugufao. a; SE 
Alcoolifatio, iſt eine Chymifche Arbeit / harte und dichte Materia- 
lien in ſehr fubrileufd unbegreiffliche Pulver zu bringen‘ und die Gei⸗ 
ſter von den unreinen zu fepariven / daher kommts / daß man den re- 
Aificirten Wein⸗ Geift Alcool vini nennet. 
Aledtorius, vide Cappaunen⸗Stein. 
Alexandriniſch Anımey/ Ammium Creticum, 
Alexandriniſch Wermuth / Abfinthium Ponticum. 
Alexandriniſch Hartheu / Hypericum Alexandtinum. 
Alexandriniſch Senet / Fol. Seunæ Alexand. 
Alexipharmaca. Alexiteria, Gifft⸗widerſtehende Artzeneyen / der⸗ 
gleichen ſeynd: Rad. Angl. olsnity. Hb. carduibenedict. rut, Salv. 
bacc, funip.myrrh. Camphor. ſuccin. Terra lemu. ſigill. CC. Magiſt. 
Spin. viperar. Balf.fulph, Theriac, Mithridat. Spirit. Ebur, CC, ol, 
Cir. Rut. Salv. & RE 
' Alexipyreticum, vel Alexipyretos ; Sieber bertreibenide Artzeney⸗ 
en / dergleichen feynd: Rad, gentian. Cichor. Chin, Chin, Caflia ca- 
ryoph. coſt. ver, Lign, colubrin. Eff, abfinth. compos Cinnab. na- 
tiv. & antimonium, Sal. febril: Mynfing, Card, bened, Nitr, Tart. 
Vitriol.agva febrif.Mynf.&c, | JR Ä 
Alexiterium, bertreibet und gehet meiſtens die Gifft der Thiere an. 
Alfadidam , der Schaum von Silber / Rupffer oder Eifen. 
Algeroth heifft Mercurius Vitæ, itemSuccinum Antimomi. 
Altcanten / eine Stadt in Spanten / im Koͤnigreich Valentia geles 
gen. Gie treibt groffe Handlung mit Mandeln / Oi / Roſinen und 
andern Früchten / fonderlich mit ihren Vino Illicitano oder Alicanten⸗ 
Rein / weicher ſchwartz pon Farb / füß von Geſchmack / und ſtarck wie 
aller Spauiſche Wein ift. rn 
Alieniven/ Güter peräuffen/ entfremden / von abhanden bringen. 
Aliſma, Mentha Sarracene.."""- ° TH 


4 


‘ 


Alkannæ vel Anchuſæ Radix, fremde rothe Aſchen · Zungen⸗Wur⸗ 
hel / wird nicht viel in Artzeney / aber zu äufferlichen gewiſſen Farben 
in der Mahlerey und Wachs⸗ poliren haͤuffig verbraucht / es * aber 

| even 





Alk All 227 


deren gar unterſchie dliche / und zwar immer-an einen Ort beſſer als am 
andern/ aus Franckreich kommet ſehr viel / die gute wird uber Ita⸗ 
lien her gebracht / ſit wird zwar auch haͤuffig in Te nd / abſon⸗ 
derlich um Maͤyntz gefunden / Ntaber an der Farb untauchlich; Dieſe 
Wurgel will ſonderlich einen duͤrren Erdboden haben. 
Alkekengi Sofanum Veftcarium, Halie acabum, Juden⸗-Kir⸗ 
ſchen / Boborellen / rother Nachtſchatten / wird hin und wieder in Gaͤr· 
ten angetroffen. Dienet vor Stein⸗ und Rieren⸗Weh / die Wurtzel 
in Wein gehangen färbet denſelben roth. In den Apothecken hat man 
das deftillirte Waſſer / Tincturam, und die Trochifcos von den Ju⸗ 
den-Kirfchen 7 ſo mit und ohne Opio zubereitet werden. ! 
Alkermes j.VYide Chermes. — | 
‚Alleloja, videsseesofellas, | 
Allarmanns⸗ Harniſch / dad Männlein heiſſt Vitorialis longa, 
das Weible in Vidtorialisrotunda. | * — 
Alliaria, Alliaſtrum, Thlaſpidium Cornutum, Pes aſini, Scor- 
dotis, Knoblauch⸗ Kraut / Leuchel / iſt gemeiniglich bey den Zaͤunen 
und an Baͤchen zu finden / ſoll den Harn treiben / und den Gifft wider _ 


f Alligations-Rechnung ? Fari auch wol eine Sc 
nung tirulivet werden / maffen ſie in gewiffer Bernteng- und Zuſam⸗ 
menfeßüng unterfchiedlicher und im Preif oder Gehalt aud) difteren: 
ten Waare / ein unfehlbahres Reglement vorſchreibet / und ge 
wiß lehret / wie viel man zu einer etwann begehrten Qyancität don: ei» 
ner jeden Sorte folher Waaren nehmen) und durch einander ſchmel⸗ 
gen / gieflen / werffen oder vermifchen muͤſſe / daß etwann die Mare 
Silber ins feine fooder fo viel Loth halten / oder die Ahm / das Schiff: 
Pfund oder die Laſt / fo oder ſo biel durch einander gelten foll. Wie⸗ 
wol hieraus eben nicht folget / daß eine jede Bermengung zur Alliga- 
tion gehöre / oder daß da / wo eine Bermengung iſt / auch fo fort eine 
Alligation ſey / denn warn z Ei der Silber⸗Schmid unterſchiedliche 
Suber⸗Stuͤcke von unterſchiedlichen Halt nur bloß hin in den Tigel fe- 

bet und zuſammen ſchmeltzet / da ift zwar eine Bermengung aber doch 

keine Alligation , dann er bindet ſich ſttzo an nichts / fondern er findet 

nachmahls Vie Marck durch zinander fo fein ald ihm dieſelbe alle in 

einander geſchmoltzene Stüde geben können / und fo geht es auch in 

bloffer Bermifchungandere Waaren /ald Wein + &eträide und der⸗ 

gleichen ; Wann aber der ———— nuterſchiedliche Silber⸗ 

Stücke vor ſich hat / ex. gr- i Gtuͤck / davon die Marck io. Loth / und 

ein anders / wobon Die Marc ı7; Loth ins feine haͤlt / und will von die⸗ 

fen beyden Stuͤcken 30; Marck zuſammen ſetzen daß die Marck ins 

feine jun. Loth halten / da iſts gar eine andere Sacht / maſſen er Pin 
of alhier 


\ 
4 
\ 
* 
\ 


28 AIR“. 
Alfjier der Usa öder Alligation gebrauchen / und alfe juſt berechnen‘ 
maß / wie viel er von jedem Stuͤct befonders nehmen moͤge / daß der 
begehvte Halt vom’. Rorhunfehibahrerfolge. Iſt alſo im der ſchlech⸗ 
tein Bermengung ſchon bekannt / mie vlel Marck / Ahm / Laſt ac. von 
jeder Gattung ſo vermenget werden ſollen / verhanden ſeyn / in der 
Alligation aber muß noch erſt geſuchet werden / wie viel Marck / Ahm / 
Laſt ec dor einer jeden Sorte zu einem gewiſſen Werck genommen 
werden müffen. Hat demnach die Alligario mit Fug den Nahmen. 
Aliga oder aballigande, das ift / von Anbinden / ober willen Ver⸗ 
bindung / weil unterfchiedliche Zahlen in einer einigen Zahlsleich am 
verbunden / und mit derfelben conferivet werden / mir hierunter 
der Alligations - Auffgab (ich augenſcheinlich auffthun wird: 
dann ſchon eine bloſſe oder ungebundene Vermengung gar keine Alli- 
gation iſt / fo fan doch diefelbe als eine Vorbereitung und kunfftige 
Hand⸗Langerinn zur Alligation paflivet werden / zumahl da ſie alle⸗ 
mahl die Proben der geſchehenen Alligation machen / und wohl zuſe⸗ 
hen muß / ob auch alles richtig eintreſſe. Folgende Auffgaben ſtellen 
demnach vor / erſtlich eine a | 
Blrloſſe Vermengungs Rechnung. 
Als einer feget in den Tiegel 25. Mar Silber à 115. Loth/ under: 
Marek 1145. Loth / die Marek fein / wie Hält nun die Marck fein durch 
einander? — kac ia. Loth. 
Twiarck — Loth — Mark? Fac, a874. Loth. 
Mar — ah — . Marck? Fac. 725. Loth. 


30. Marck 360. Loth. | 
Ä Ergo. Mad — 12.20), 
—F Notandum. 


Trempein wird kein Abgang im Feuer confiderivt. 
Manna.Mark ro}. Loth/ z Mard di nz. Loth / und. Mard & 
15. Loth / zuſammen geſetzet werden / wie viel haͤlt dann die Marck fein 
durch einander? Facit 14. Loth. | 

Die reihte Alligation , welche von denen Gold-Schnieben die Beſchi⸗ 
ung des Tiegels genennet wird/ wiewol ſie eben nicht allein in Zu⸗ 
ſammenſetzung der Metallen / ſondern auch anderer Kauffmanns⸗ 
Waaren gebrauchet wird / verhält ſich folgender Geſtalt 

Ein Silber-Schmidt hatsorund ıLöthiges Silber / will davon ein 
Werck beſchicken / das zo. Marck wägen / undız. Loth (die Marck) 
ins feine halten folL/ wie vielmuß er von jeden Silber zu dieſen Werd 
in den Tiegelfegen? Facitız, Mare von dem id⸗ und is. Marck von 
demiy⸗Lochigen Silber. | In 


Bey dieſen ſchlechten Vermengungs · wie auch folgenden Alligations- 


nich ——— 


Sin der Operation der Alligation muß man folgender Beftalt ber» 


[1 — 
10. — 2. 
13, Lothf! rn Loth Pr „f . f 
Die Zahl worauf die Frage zielet/ und womit die übrigen ligfret 
oder verbunden werden follen / Cald hier 13.) fee born zur linden 
Hand / die verhandene Sorten aber / fo bermenget werden follen/ 
(als hier oben io. und ıs. Löthig) Melle nach der rechten Hand abmerts 
unter einander / ligiveund fubrrahite alödenn die 13. don denen unten 
chenden 15. und ſetze die überbliebene zwey zur Geiten der oberen 
(10,) ferner fubrrahire 10. bon nz. (meil 13. don 10, nicht genom⸗ 
menmwerden kan) und ſetze die reflivende 3. bey die Ünterftehentde ır. die 
2. gefundene Relidua oder Differenrien 2. und;. (thun zufammen «.) 
geben die Proportional-Zahlen zur Berechnung diefer Auffgaben/ und 
sollen fo biel ſagen daß wann man bon dem 10. Löthigen Güber 2. 
Loth — fo müffe man von deu 15. Loͤthigen 3. Loth dabey nehmen / 
etman: J * 
Loth — 30. Marck / — 2. Loth? F. u2. Marck von io Loͤthigen. 
. Loth — 30. Marck / — 3. Loth F. is. March von ız- Loͤthigen. 
1 Proba, —* 
1. Marck — 10. Loth — 12. Marck? age 
1. Marck — 15. Loth — 13, Mat? F. 270 Lo 
Sum, Mard thut z00. Loth. 
Ergo chũt Marck —13.Loßt durch einander. 
Unter vielen Merdlwůrdigkeiten /welche alhier anzuführen / der 
Aaum nicht verſtattet / notire nurfolgended: 
Bon denen 2 Zahlen / welche mit einer dritten Zahl ligiret werden ſol⸗ 
len / muß allemahl die eine Heiner die andere aber groͤſſer ſeyn / als die 
Zahl / damit bemeldte 2. Zahlen ligiret oder verbunden werden follen; 
Zum Exempel: Wenn jemand obbemeldte 2,Gtüd Silber Hoit’io, 
und ı5. Loth folcher Geſtalt / ohne Zufag noch beſſeren Silbers / ber» 
mengen wolte / dad die March fein.auff 115 1,3. ober. höher'konmen 
möchte / fo iſt ſolches zu thun unmüglich / dann weil die Marck des bes 
ſten Silbers Sn gen nueas, Loth haͤlt / wie fan dann 
folches / fo es mit noch einen ſchlechtern vermenget wird / noch mehr als 
ıs. Loht halten? Alſo — wann jemand mehr heſagte zwey 
Stüd.Silber oder Kupffers / fo zuſammen ſchmeltzen wolte / daß die 
Marck fein durch einander nur 0. Loth halten foll/ da iſt ſolches as 
bermahls nicht practicabel / dann weil die Marck des ſchlechten Sil⸗ 
bers ſchon 10. Loth fein hält / wie koͤnte dann ſolches / da es mit einen 
noch heſſern berſetzt wird / noch ſchlechter vder nur 9. Loth halten koͤnnen. 


Ein 


l 


30 | At | 
‚Ein mehrers bon vergleichen Alligations · Rechnung iſt in Yerrn Va- 


kentinHeins Gazophylacid Mercatorio Arithmetico p. zor. :&.feg. 
zu erſehen / wofelbft er ferner dev Alligations-Rechnung beſtes Haupt» 
Stuͤck pag. 702. inunterfhiedlichen folfirten Erempeln erkläret / wie 
nehmlich ( wenn man differentes Silber-Hat / und. dabon ein Werck 
auff den begehrten Halt zuſammen ſchmeltzen / und alſo daſſelbe / (fo 
groß oder ſchwer es immer werden Fan ) ausbefagten Silber verfertt- 
gen will/) ein kurtzer en Uberſchlag zu machen fey / von: welchen 
Silber man das mieifte nehmen / und was man davon ausſetzen oder 
behalten muͤſſe. Mehrere folvirte Alligations-Exempla.ugd Unter» 
richt zu folder / vide in Johann Hemelings felbft-lehrenden Er 
Buch) pag- 348: & ſeq. Item, in M. Reyhers compendteufen Re 
Büchlein, Feruer in Boscklers Arichmetica Militari. Undendlich bey 
Chriſtophoro Clavie in feitev Epitome Arithm, C.XXI, aus welchen 
wir denen Herren Kauffleuten / die etwann diefen Authoven wicht bey 
der Hand haben möchten / zu Gefallen./ folgended excerpirt: F 
Es hat einer zweyerley Wein / des erſten gilt die Maaß zu. Kreutzer / 
des andern 12. Kreutzer / wie viel muß er bon jeden nehmen A wenn er 
ſie vermiſchen will / daß die Maaß auflıs. Kreutzer komme? 
Werth Unterſcheid 
Des erſten zo: Kreußer ⸗ — a en 
mittelſten Werth ı5. Kreutzer. — 
Des andern iꝛ. Kreutze — — ne — 
Die Sammader Unterſcheid . 
tze einen Werth unter den andern / den Unterſcheid aber des erſten 

Hon dem mittel Werth zu unterſt / und den Unterſche id des audern von 

ben dieſen mittel Werth oben hinauff / mach die dumma der Unter⸗ 

ide s. uud ſchlieſſe 2. mahl nach der Regul De Tri. 


Wie die dumma der Unterſcheid s. gegen m. Maaß / alſo der Unterſcheid 
orl de an Gattung / item, der Unterfiheid sc gegeriz. der 
ande... U Seen Ze 
Die Probift diefe: Want 1: Maaß des erſten Weins gilt 20, Kreu⸗ 
her / was z. item, wann. Maaß = andern gilt 12. Kreutzer / was Zi 
an jenem Re ee“ 
| AT arrdiefen 78. Kremer * Kreuber. J 
Es hat einet zweyerley gemengt Silber / das eine gilt daß Pfund z0. 
Gold⸗Guͤlden / das andre 24, den mittel Werth Felktman-anff2s. feh 
alfoan: : Des erflen 30. iſt der Unterſcheid 4. 
en Mittel Werth. 2, 
Des andern 24... ‚Uuterfheib, 2: ;. = 
Summa der Unterſcheid . Mann 


ehe 


ie I 
“ie “rs 
J 


All 31 


Dann man nan ſchlieſt / 6; geben. * was 4. 


Item, was z, 


ſo lomũt dort heraud ʒ. ober 2, der erſten Gattung 1 zufarhen ? ‚ode 
hier — 3. 08803. der andern BatungS Pfund. 


Wann nun ein Mund des erffen gift zo. Gold⸗Guͤlden / was inerden 
3. gelten? Fac. ꝛo. Item , wann 1, Pfund des anderngilt 24. Gold: 


Gülden/ was gilt z. Facirs. dieſe zu 20. kommen es . 


Es gilt die Elle eines rothen Tuchs 4. Gold⸗Gülden / die Elle eines 
rünen s. und endlich die Elle eines ſchwartzen 10, Gold⸗ Guͤlden / von 
Biefen Tuͤchers alten zugleich will er so. Ellen haben / umaso. &old« 
Gülden / wie viel Ellen wird er von einer jeden Gattung folder Türs 
cher befommen? NB. In diefen und dergleichen Fällen ifk der Mit⸗ 
tel- — nicht gegeben / ſondern muß zuvor durch die Regul-De-Tri 
efunden werden / welches in gegenwärtigen Exempel alfo angehet: 
ann 30. qus diefen mancherley Tüchern gleichſam vermifchte Ellen 
430. Gold⸗Guͤlden gelten follen / was wird eine Elle gelten? fo. wirb 
ich befinden 5. Gold-Gülden / welches der Mittel Aerıh ift einer El⸗ 
en. zwiſchen den Werth des —— und theuren Tuchs. NE, 
an bier nicht ein dag Eee ender Preiß oder Werth heran 
kaͤmme / ſo waͤre die Frage nicht auff zu löfen / als wenn einer 
ſyraͤche / es will jentand von allen Tüchern so, Ellen uin zoo ober um 
900, Gold · Bülden haben / ſo waͤre es ee Rage dann 
wart so, Ellen 300. —— [den ſo gilt ı, a „welcher 
Preif geringer iſt als ——— Bohlfeilen Tuchs / derhalben eis 
leg rin Elfen von den mohlfellen Tuch ut 300. St. haben 
kan / geſchweige dann von dem wohlfeilern und theiiten zugleich? As 
bauch / warın so. Elen 906. GoldeG. gelten) fo wiedeine teu!. 
gelten / weicher Preiß groͤ 9 — der Preiß des theuren Tuchs / der⸗ 
en mirdeitter um 960. &: vielmehr als so, Ellen Be beat 
Zachs einkauffen / und alſo noch Öbkacher‘ wann am allen ii 
etlihe Ellen nehmen wolte. Aber auff obiges Exempel wieder zu 
men/ fo ſtelle nach gefundenen ——— einer Eile —— 
—— oben / und verbinde zuerſt mit einander bie Pre fen: ver 
6, und 10. . 
als / des eothen Tuchs Wert " p - Unterſcheid — 


‚grünen —— — —— — 


den nee * 
Hier⸗ 


32 All 


—— — — — —— —55—5— PTR" 
Hierauff ſprich / wann die Summa aller Unterfcheid io gibt so. Ellen / 
(dann ſo viel will er von dreyerley Tuch —— was wird ein jeder 
Uaterſcheid dor ſich / als +. 4. 2. geben / kommen heraus 32. Ellen 
des roihen / des grunen / uud »6.deöfchwargen / zufamppen so. El⸗ 
len um 480. Gold⸗ Guͤlden. Die Probe, wird naht hzgeader Ge⸗ 
ſtalt. 


Wann . Elle gilt 6. Gold⸗ Site, im diefes ift der efundene 
SPittel-Werth einer ans dreyerlen Tuchern gleichſam vermi hithten € 

D was werdenso.Cllen gelten? ? Facit 330. 
VWoann wir den. Werth des grünen Tuchönicht mi dem Der 
des ſchwartzen Ins de vorhen Tuchs verbunden hatten / ſo kaͤme 


PEN indung heraus / wir wurden aber guch audere Zah⸗ 
ngefunden,/.ı und alsdann gefprechenhaben: de 
i Der Werth des rothen Tuchs 4: gibt Unterſcheld ii 

— —, gruͤunen — ——— — him 
ni den — 0. ZEN — 


cn summa nach den Mitttel- Werth s. s. aller Unterſch 8. 


Warn nun die Summa aller Unterfchei 8 gibt so. Ellen —* wird 
ein jeder Unterfheidborjich 4. . chen / nehmlich 45. Elle des 
fothen/. 20. des grünen / und is Bes fhmarpen Zud. —— 
märe gaut aͤnzuſtellen / als / 


PR ‚Ele gibt 6. os so. Faeit, ‚489: Gold Giihen 


erner / — D-@älden4 ——* 
Sr au fen, —— 3 Pfeſſer / ———— Jugwer / 
en Nuͤß and Saffran / open jeden dad Pfund wie 
te nat —*5 in der Ordnung erzehlet worden /6 7. d..11. 12, 
16. [nlier , IE bit wird er dewnach & von einen be bekamen, 
daß er 400, P fund u —* Gold; Gu hetaus bringe * 
Zer muß aber uahl zubhn de ——“ eines Pfundengefunde 
werden / zu welchen geſchehen ſoll auf folgende —* 
a Be iten follen‘ 400. Gold⸗Guͤlden was wird 1. 
8 





— ld: Gulden oder 10, Jal. Yperhaber / wie 
eſagt / nee eij Verbindungen en onnen/. iewollen wir 
esftlich die Nägeleinanit Den ————— affran ver⸗ 
binden / darnach den Pfeffer it den Muſcaten-Rüſſen / und gleich- 
fals befonders mit den Safran / letzlich die Zimmetrinde mit den 
me —— gue a albie vor Augensiehet : 


d rt 


“7 | | | e Der 





All 3 
Der Bea 6. ihr Unterfcheid 1, , | 


— — er 7 2.6 
-—— Su 9 nn 1. - 
— — — Ingwer IL — — — 4.- 
— — — Biſcat-Rüß 12.. — — — IA. 
— nn OO 18, — 3 


— 43, 

Samma gegen den Mittel-ABerth ro, aller Unterfch. 32. - 
Darnach wollen wir fagen/ die Summa aller Unterfcheide ss. gibt 400. 
Prund / was werden die kleinen Summen einer jeden Waar infonder- 
beit / nehmlich 7. 8. 2. 4, 4. 7. geben ? Facitg73, Tb. Nägelein/ıoo. 
Pfund Pfeffer 4 25. Zimmet / so. Ingwer / yo. Mifcaten-Rüß/ und 
873. Saffran / welche zufammen 400. Pfund machen / deren ein jedes 
10, Julier foftet. Die Prob/ daß dieSumma ler Werthe (3.€.de8 
Werths der 373. Pfund Nägelein / der 100. Pfund Pfeffers x.) ge⸗ 
* — Gülden betragen wird gemacht wie.oben / inden man 

ieſſet: | 

1, Pfund Nägelein koſt 6. Julier, was 852, Pfund? 

Item, ı, Pfund Pfeffer koſt >. Julier, was 100, Pfund! x, 
Und endlich alle Quotien in eine Summa bringt. . 
NB. Es önnen in dieſerFrage noch mehr andere berfchiedene Verbin. 
dungen gemacht werden / wie in deren angefegten Exempeln erfcheinet/ 
als / der Mittel- Werth iftro.Julier, - 

Werth. Unterſch. Unterſch. Unterſch. Unterſch. 
6.19. 14 - € 


” — — 8, 


Der Raͤgelein 6.1. 2, 

Pfeffer „In 2. 6.19J- - 2 -%, 

Zimmet Äh 2. 6,19,1- - 6 . 6 
—4. 3. 


———— 


sum i. I4. 3. 1.14 
Muſcaten⸗Nuͤßie. | 4. 3. 1. 8. | | . 
Saffran 16.14. 3. 1.18.|- - ıl- .n„ 
Summa aller Unterfheid sı. 17... 17 17. 
Nu dem erften Exempel wurde ein jeder der dreyerfien Werthe ver 
bunden — jeden der drey letzten Werthe / in dem andern wurde 
erſte mit dem vierdten / der ander mit dem sten / und der dritte _ 
nitdem sten Werth verhunden/ darnach in dem dri tten der erfte mit 
dem fechften/ der ander mit dem fünfften/ und der dritte mit dem aten / 
in den vierdten endlich der erſte mit den fünfften / der ander. mit den 
bierdten/ und_der dritte mit den fechften / und alfo können inandern 


dergleichen Fragen viele von einander unterfchiedene Verbindungen 
gemacht werden / als z E. 
. C | Es 





24 Art 


—— ñ — — —ñ — — —— —— — 
Es wil einer eine ſilberne Statue 300. Pfund ſchwer haben / hiezu bietet 
man ihm zweyerley Silber an / des einen gilt das Pfund so. Gold⸗G. 
des andern 20. welche er alfo mit einander verntengen will / daß das 
Pfund auff 24. Gold-®. zu fehen komme / wie diel muß er demnach 
von jeden Silber nehmen / daß er zoo. Pfund bekomme / deren ein je⸗ 
des 24. Gold⸗Guͤlden koſte. Die Verbindung muß gemacht werden / 


als folget: 
——— Werth. Unterſcheid. 
Mittel⸗Werth 24. 
Des erſten Silber bon zo. Gold⸗Guͤlden iſt 4- 
Ses andern — — 20 — — — 6 


Summa aller Untelfeide ı0. - 


Darauff fprich / wann die Summa aller Unterfheide 10. gibt 300. Pf- 
was wird ein jeder infonderheit 4. und s. geben Facit 120. des er⸗ 
fien/ und 180, des andern Silbers / zuſammen zoo. dann weil:.‘Pfund 
ſoll gelten 24: Gold⸗ Guͤlden / fo werden 300. Pfund (mann man 24. 
mitz3co.multiplicirt) 7200. gelten / ſucht mannun ferner / waßızo. 
Pfund des erften GSilbers / deflen ı. Pfund 30. Gold⸗Guͤlden gilt/ aus⸗ 
machen / fo kommen für diefe 120. Pfund 3600. Gold⸗Guͤlden heraus; 
Und fo man ſucht / mag die 130. Pfund des andern Silbers / deſſen ein 
Pfund nur 20. Bold-Bülden koſtet / ausmachen / fo kommen auch hier / 
(wiewol nur ungefehr / nachdem 198. mit 20. multipliciret worden) 
3600. Gold⸗Guͤlden heraus / welche zu den vorigen 3600. addirt / Die, 
obige Summa 7200. geben. 


Sotgen noch einige Exempel / aus des Bockleri Arithmetica Militari 
genommen/ als: DE 0 

Man mwolte von dreyerlen Art Habern / davon der erfte einen Rthlr. 
der zweyte 13. Batzen / der dritte 3. Fl. gilt / gerne einen Habern ma⸗ 
cheu / fo 2. Gulden folte zuſtehen kommen / fragt ſich / wie ſolches ge» 
ſchehen könne? 


Mache erftlich einerley Münge/ nehmlich lauter Kreutzer. 


Aus 1. Rethle — — — 90, Kreutzer. 
18. Batzen — — — 72. — 
3. Fl. — — — 180, — 
l — — — Ho. — 


2. Fl. 
Hernach alligive/ wie folget: | 
90, Kr. don 120. Kr. bleiben zo. ſehe es bey ıso. Kr. 
120. - don ıso. - bieibendo. ſetze es bey oo. - 
72. - vonızo. - bleibenas. ſetze es bey iso. - 
120. - von iso. - bleihen.so. fegeesben 7... . 
| addire 


5 
= — nu 
- En nn — 


All 35 


addıre beyde Zahlen bey 130. nehmlich 48. und acit >g. man 
alſo nehmen so, Scheffel des erſten / so. des auderu/ 78. — 


Kr. 90. Kr. 60. Scheffel. 

120, 72. 60. 
| N 180. 30. Und 48. | thun >. 
datın 78.60. und wiederum 60. Scheffel fac. 193. Scheffel / ſolche mit 
120. Kr. multiplicirt/ fac. 23760. Kr. fo viel wird eg auch machen/ 
wann id) 90. mit 60. 72. mit 60. 180, Mit 78. multiplicire/ und die 
drey Produdta addire. 


Item, Ein Wein · Haͤndler will ein Zuder kauffen hon biererley Wein / 
einen zu Kreũtzer / den andern zu s. Kreutzer / den dritten zun. Kr. 
und den bierdten zu 18. Kreutzer / will aber alſo miſchen / daß die Maaß 
umız. Kr. komme / iſt die Frage / wiebiel er jedes Weins nehmen 
muͤſſe / daß er recht miſche? 

Alligire erſtlich | 


5. von ız. bleiben 7. feed bey — — — m 
ı2. von 18. bleiben 6. ſehe es ey — — — ; 
8. bon ı2. bleiben 4 ſehe öby — — — 1, 
12. bon ıs. bleiben 6. fee eben — — — 8, 
2. von ı2. bleibt 2. fee ed bey — 


ıs. bon ıs. bleiben 6. ſehe eö bey 


— 6. 
is. — 27. 4. 1. oder 12. 

Muß er alſo zuız. Maaß is. Kreutzer Wein nehmen s. Maaß von den 
andern dreyen / oder des 5. 8. und u. Kreuger Weins / jedes Kalb fy 
biel als des ı5. Kreuter Weins / oder wann er nimmt 2. Maaf 13, Kri 
Weins / miſchet er darinnen ı.Maof 5. Kr. Meins/ 1, Maapß 8, Kr. 
Weins / . Maaß u. Kr. Weins 
Item, Ein anderer Wein⸗Haͤndler hat ein Fuder Weins gekaufft um 
192. Fl. und ift der Wein aus zweyerley vermifcht/ nehmlich aus Wein 
— und is. Kreutzern / iſt die Frage / wie viel Maaß eines jeden da⸗ 

y ſey? 

Alhier muß ich erſtlich ſuchen / wie theuer 1. Maaß ſolches gekaufften 
Weins ( wie er ſchon vermiſcht) kommie / das iſt / ich mache das Fuder 
oder s. Eymer mit 100. Zu 960, Maaſſen / und ebenmaͤßig die 192.51. 
mit 60. zu 11520. Kreutzern / ſolche ıızo. Kr. dividive ich mit 960, . 
Maaſſen / fo Kommt ı. Maaß um ız. ——— | * 

° 2. 7} 


TIERE — 6. 
Die Vermiſchung ſoll koſten 12. Kr. | =. a. 


3% AU Alm — 
vnach alligive ich 12. Kreutzer mit s. und is. kommen auff 4.Maaf 
— Bose ein s. Maaß s. Kr. Wein / oder in kleinern Zahlen/dort 
2. Maaß albier 5. Maaf. Ä = u —— 
8. 6. 3. da . 

12, x oder 2. Maati. | 
Weiter ſage ich nach der Geſellſchaffts-Rechnung: sub 
10. Maaß feynd gemiſcht aus ]vworaus a60. 


oder / 5. Maaß gemiſcht aus Nuoraus 960. 
Facit beyderſeits 2 Maaß pre ee —— 

Allium , feu Theriaca ruflicorum, Knoblauch / ift gut wider die 
Colica und Darm⸗Gicht / und wenn man etwann ohugefehr etwas 
Gifftiges in den Leib bekommen / daher der befandte Vers : | 

Allia, Ruta, Pyra & Raphanuscum Theriaca, Nux 
Prftant antidotum, contra lethale venenum. 

Allium montanum, alpinum, anguinum, ferpentinum feu vi- 
&torialis, Sieg⸗Wurtz. 

Alltaun vide Mandragora. 

Almanach, Calendarium , ein Ealender / iſt auff einen Cantor ſehr 
nuͤtzlich zu gebrauchen / fonderlich Die fo genannten Schreib-Ealender/ 
da zwifchen einen jeden Mönatd-Tag Spatium gelaffen / oder felbige 
=. mit Papier durchfchoffen werden / auff weldyen man pro memoria 
eines und das andere / fonderlich aber die verfallene Wechſel / notiren 
Fan / zwar machen ficheinige darzu ein fonderbahred Monat⸗ Buch / da 
fie ein oder mehr Seiten jedem Monat einräumen/ aud) wol Deber und 
Credit formiren / hernachmahls in folches die Adtiv und Paflıv ver⸗ 
fallene Wechſel / das iſt / diejenige / welche ein zu cafıren / und hin- 

egen wieder zu bezahlen feynd / eintchreiben/ als ein Kaufſmann 
Otte den 24. Majı einen Wechfel/ der a Ufu, das iſt 14. Tag Nachſicht / 
bezahlen / geftellt gemwefen / acceptivet / fo fchreibt er folchen den 
onat Juni, und zwar auff den sten Tag deflelbigen Monats / ins 
Monat: Buch im Deber, daß er nehmlich den 24. Maji ginen ſolchen 
Wechſel gezogen von N. N. aus N.N,. groß fo viel hundert Rthfr. in 
Banco, Species oder Courant, auff 14. Zag Sicht dem N. N, der Præ- 
ſentant oder Träger des Wechſels geweſen / acceptivet hätte / welcher 
Mechfel diefen s. Junii würde verfallen feyn. Gleicher geftalt ver» 
fahrt er auch mit der Einfchreibung in Credit ded Monat-Buchs/ wann | 
ihn ein Wechfel von einen andern acceptivet worden ; Und alfo mach 


der Verfall⸗Tag einer jeden auff Zeit eingefaufften oder — 
| ‚ aa⸗ 


— i — — — — — 


— VA 
— — .. — — — 


Alm Alo 37 
Waaren⸗Poſt / und in Summa alles was in Kauffmannſchafft die Be⸗ 
—— künfftigen gewiſſen Tages betrifft / in ein ſolches Mo⸗ 
nat⸗Buch / oder fo es feinen Deber oder Credit erfordert / in einen 
Schreib Ealender notiret warden. Cs hataber mit dem Ealender- 
Weſen / feiter den nen eingeführten LeopoldinifchenStyl, Krafft wel» 
ches die Proteftivenden mit den Gregorianifchen faft übereinkommen/ 
noch diefe Bemerckung / daß einige ya gina und Länder / ald 
Schweden / Engeland und die Schweitz / noch immer den julianiſchen 
Calender bey behalten / und hierinn keine Veränderung / wie die uͤbri⸗ 
en Proteſtanten / machen wollen / welches dann in der Kauffmann 
hafft / von denen die nad) gedachte Länder handeln / auch feine Obfer- 
vauonerforders; Bor allen aber Rehet ein Kauffmann in feinen Ca⸗ 
lender offt nach den Gewitter / der Mond Wandlung und was etwarın 
mebr wegen feiner Schiffe / die die wilde Gee — / oder wegen 
der Fruͤchte auff dem Felde / und der Waaren halber in den Magazin, 
als dbey welchen allen die natürliche Zeit wegen der Wirkung und 
Krafft fo de daruber hat wohl und genaumill obferviretfeyn. Der 
Politifch mercatorifchen Zeit-Betradıtung / an welcher fovielgelegen/ 
und welcher Berfaummig oder gute Obiervation einen Kauffınann 
Schaden oder Nutzen bringen kan / anjebo zu gefchweigen. 

Almandine, ift ein Mittel-Stein zwifchen den Granaten und Ru⸗ 
binen / wiewol diefe legtere mehr Ihwarg-voth als die Almandinen 
ſeyn / insgemein hat man Alamandinen, welche zuweilen auch Ala- 
baodıken genennet werden / in gleichen Werth mit den Orientalifchen 
Granaten/ wiewol fie bey uns in Europa fehr wenigbefandt / und dan» 
nenhero in feinen fonderlichen Werth feyn; Plinius nennet ſie Troe- 
zenios, und fpricht / daß ihre rothe Farbe mit weiſſeu Flecken unter» 
mengetfey. 

Alnus vulgaris, Erlen⸗Baum / die Blätter davon ſeynd gut in his 
Gigen Gefchmulften / Podagra und Blieder-Bicht / wann man folche 
mut warmen Waſſer uberleget ; Unter den Fuß⸗Sohlen geleget / zie⸗ 
ben fie die Hitze / Schmergen und Müdigkeit aus. 

Alnus nigra, Frangula, Arbor fœtida, Faul⸗Vaum / Zapfen- 
Holtz / die erſten Schoßlinge davon in Waſſer auffgefotten/ und warm 
auffgelegt / ſtillen das Zahn⸗Weh. 

Aloẽe / iſt eine ſchwartze / harte und truckene Materia oder Gummi, 
deren Geſchlecht man drey in viererley — und ſollen alle bon einen 
Safft und Gewaͤchs herkommen / den beften heiſſen ſie Aloe Succotri- 
na, welcher ſchoͤn ſchwartz / glaͤntzicht und rein / auch gern zerbrech⸗ 
lich ſeyn fol; Hernach Aloe Hepatica, die folget nach der beften / die 
muß ſchoͤn braun / Hell und Reber-farb ſeyn / auch ſich gerne brechen laſ⸗ 
fen; Die dritte Caballina, die iſt — dann die beyden men 

ja] 3 om 


38 Alo 


davon rein abgenommen worden. So hat dieſe den Sand und He⸗ 
fen auch den Boden⸗Saztz bey ſich / derowegen ſie auch unr unter die 
Roß⸗Artzney zu gebrauchen / iſt ſehr ſchwer / und dann Aloe Lycita. 
oder licita, welche nicht ſehr gebraͤuchlich / ſiehet gelb und helle aus / 
alle 4. Sorten kommen aus Indien / wiewohl derſelben Gewaͤchs auch 
viel in Teutſchland gefunden werden. Wir koͤnnen aber darum nicht 
zum Gafft gelangen/ fondern müffen und der fremden Aloe aus A⸗ 
ſia und Arabia bedienen / in Italien und Neapolis/ Rom und in 
— findet man auch dergleichen Aloe-Gewächs / welches ſie 
emper vivum morinum nennen. Bon der Aloe ſchreiben einigeAu- 
tores, daß (fe nach Verflieflung hundert Fahren einen Stengel aus⸗ 
ftoffe und nachmahls gar zu einem Baum werde / wie ſolches Anno 
1599. zu Avignon fit ——— item, Anno 1647. zu Mompelier, 
beyderſeits mit Hundert jährigen Aloen geſchehen / die ins biß s.Ta- 
gen dergeſtalt in die Hoͤhe geſchoſſen / daß ſie einen Eichbaum gleich⸗ 
ten. Zu dieſen unſerm Zeiten / und zwar erſtlich vor wenig Jahren / 
ide in dem berühmten Boſiſchen Garten zu Leipzig / und neulich 
n den Gottorffifchen Schlos⸗Garten Aloen geblühet/ die noch lange 
nicht hundert Jahr alt geweſen / und no faft biß :. Zoll zugenom⸗ 
men / alſo daß man die Herfürſtoſſung faſt mit Augen fehen-Fönnen/ 
man ſchreibet aber ſolches fruͤhzeitige Bluͤhen / den Fleiß der Gaͤrt⸗ 
ner zu. Den Nuten der Aloe betrefſend / ſo machen die Americaner 
aus der Wurtzel einen Wein / die Blaͤtter brauchen ſie zu Dachzie⸗ 
geln / die auff Kohlen etwas gebratene Stück der Blätter zu Pflaſter 
der Wunden / welche auch der Aloe ihr ausgeprefter Safft heilet / 
bon den jungen Blaͤttern / wird ein Conferve gemacht / ſolche zu Us 
ſchen gebrannt/geben eine ſtarcke Rauge / die Stacheln der Aloe 
chen die Americaner zu Radeln / die Faͤſern an den Blättern / zu 
Flachs / dem verblühten Stengel zu Bau⸗Holtz / der zu und gebrach- 
te Aloe» Gafft/ muß fchön rein / glaͤntzigt / lucker / leicht/ und zer: 
— dabey ſehr bitter/ und nicht mit ſucco Acatiæ verfaͤlſchet 
eyn. 
Ms: Lignum, feu Agallochum, Xylo aloes, Paradiß-⸗Holtz / 
Aloes oder Creutz⸗Holtz / iſt fehr bekannt und berühmt / abſonder⸗ 
lich iu der Arshey/ waͤchſt in Indien / und iſt etwas ſchwer zubekom⸗ 
men / dannenhero es von dem Alten ſehr hoch und theuer gehalten / 
und eine Zeitlang vermeynet worden / es wachſe in den Paradieß / 
weil es nicht zu En geweſen / allein man hat befunden / daß feine 
Seltzamkeit die wilden und grimmigen Ihiere/ die ſich dabey auff- 
Iten/ verurfachet/ weil es vor folchen nicht anders/ als mit groffer 
eib und Lebens⸗ Gefahr zu haben gewefen/ heutiged Tages aber/hat 
man ed etwas häuffiger/ aus Ceyion, Pegu, borausaber aus der A 
- e ul 


rau⸗ 








Als Alp 39 
ſul Sumatra, der Baum/ fol in der Gröffe eines Oliven: Baums 
ſeyn / einige Autores melden / daß die Drientalifche Voͤlcker dies 
SHolk dem Gilber gleich achten und wägen / Kircherus, nennet e6 
Calamba, und meldet / daß man edan einigen Orten/in Oſt⸗Indien 
fo Häufig finde / daß jeden erlaubt fen ſolches zu hauen/ und alfo an⸗ 
fänglich guten Kaufis fen / hernachmahls aber werde es bon denen 
Braminen oder Indianiſchen Goͤtzen⸗Prieſtern —— welche 
es haͤuffig aufffauffen/aus Urſach / weil ſie wann ſich die Indiani⸗ 
ſche Werber mit ihren todten Männern ſelbſt verbrennen / ſolches 
Holtz ſtoſſen / und mit unter den Scheiter⸗Hauffen miſchen / in Mey⸗ 
nung / ihren Goͤttern ſey mit dieſen Geruch ſehr wohl gedienet / und 
werden bewogen / ihre Seelen dadurch gnaͤdig zu ſeyn / die Proba 
dieſes Holtzes iſt / daß es nicht gerne brenne / und auff Kohl⸗Feuer ei⸗ 
nen lieblichen Geruch wie Ambra von ſich gebe / dabey bitter / und 
bier und dar mit Reſina oder Hark unterloffen / auch ſchwartz⸗ grau 
anzuſehen / und knochicht ſey. Es muß auch dabey ſchwer ſeyn / daß 
es zu Grunde falle / wann man es in einen Becher voll Wein und 
Bier wirfft / treibet es aber oben / ſo iſt es ein Zeichen / daß die befte 
Krafft ausgekochet / welches eben das Holtz leichter / und die Farbe 
deſſelben heller machet. 

Aloy, iſt der Zuſatz in der Muͤntz / oder der Gehalt derſelben / ſonſt 
auch die Lige genannt. 
Alpari, oder au pair, iſt Geld um Geld / wann nemlich zwiſchen 
beyderſeits Wechſelnden / kein agio, oder Auffgeld gegeben wird / 
und geſchiehet ſolches nicht ſo wohl in Partheyen gegen einander 
Zug um Zug verwechſelter Gelder / wenn nemlich ſelbige an Gehalt 
einander gleich/ oder auch andere Conditiones, die ſolche Gleichheit 
machen / dabey vorgekommen / als auch in Cambio Reale, oder Wech⸗ 
ſel über Land / da mannichmahl die Muͤntze des Gebers / oderRe- 
mittentens ungleich / mit der Muͤntze iſt / welche der Nehmer oder 
Traſſent, an einen andern Ort wieder dafür bezahlen laͤſt / allein 
die darzmifchen kommende Zeit/ big die auff Wechſel genommene 
Gelder / wieder bezahlet werden. Item, der Ort mo ſolches gefchehen 
ſoll / nachdem folcher nemlich/ ein ls⸗Platz iſt oder nicht/die Bes 
fhaffenheiten die (ich an des Gebers⸗ oder Nehmers-Perfonen be: 
finden/ und endlich der Lauff der Handelung die Zeit und Conjun- 
cturen / machen daß offtermahls ein Wechſel alpari gefchloffen wird/ 
welcher zu anderer Zeit/und bey andern Umſt den wohl hätte agio 
bezahlen muͤſſen. 5 | 

Alpen⸗Knoblauch / victorialis longa, 

Alphabethum Chymicum, & Numerus Chymicus, ſeynd gewiſſe 
Char acteres, welche bey denen Chymicis an ſtait des A. B. C und der 
Zahlen gebrauchet werden, Ea Alraun⸗ 


40 Ar Alt 
aD nm [SS — —ñ ñ ñe ñ 
Alxraun· Wurtzel / Mandragorz Radix,die Mard-Schreyerge: 
ben vor / ed wachfe diefe Wurhel unter dem Galgen / und feyfehr 
ſchwer zu bekom̃en / indem fle beyın ausgraben einengroffen ſchwar⸗ 
tzen Hund bey ſich haben muͤſten / der bidt ausriſſe; Es müfte 
aber der jenige der fie graben wolte / "die Ohren wohl verftopffen/ 
dann fo er dieſe Wurtzel ſchreyen hoͤrte / ſtuͤnde er in Gefahr feines 
Lebens / durch dieſe Lügen ſperren ſie den Leuten Maul und Ohren 
auff / daß ſie ſolche ihnen hernach theuer abkauffen / und ſich überreden 
laſſen / es helffe vor die Unfruchibarkeit / und ſey auch gut ſich damit 
faͤſt zu machen / zu welchem Ende / fie einen locum aus dem Jofe- 
ho,1.7.c.25. anführen/ da es ebenfalld eines ſolchen Ceremoniel- 
Ten Ausgrabens einer Wurgel gedacht wird / wiewohl ofephus nicht 
meldet daß es det Mard-Schreyer ihr Alraun geweſen Diefes 
Wort Alraun / hat aus der alten teutichen Sprache feinen Urfprung/ 
dag Rune, oder wie das alte Saͤchſiſche Wort Heift Ryne, oder 
Gerüne/fo viel ald eine Heimlichkeit bedeutet / davon noch heutiges 
Tages in Riederſaͤchſicher Sprache / einen etwas in die Ohren ru⸗ 
uen / id eſt, leiß oder ſachte reden herruͤhret. Weil nun die alten 
heydniſchen mitternaͤchtigen Gögen-Priefter innen / die myfteria 
ihrer Religion/und fonderlich ihre Hexereyen gar heimlich und fille 
bielten/alö wurden (le daher Runen/ und endlich wegen bermeynter 
Vollkommenheit in ihrer Kunſt Adelruner genannt / woher hernach 
ekommen / daß nac den Rahmen diefer abgöttifchen Weiber / welche 
onderlich ſich der Weiſſagung vernuͤnfftiger Dinge ruͤhmeten / man 
Die ſemgen / die eines Spiritus familiaris halber/ beruͤchtiget waͤren / 
Alruͤncken genannt / unter welche dann die obbemeldeteAlraun- Mur» 
— bornehmlich der Glaube daran zu verbotenen Dingen/ da» 
en dev Teufel meifterlich fein Spiel hat, item,die fo genannte He⸗ 
cke⸗Thaler / Chryſtallen Eönnen gezählet werden, 

Alfınc,Morfus Gallinz, Huner⸗Darm / oder Salben / Huner⸗Biß / 
weiſſer Meyrich / Vogel⸗Kraut / ſtehet gern in fetten Boden / dienet 
für offene Schäden/und gegen die Entzundung der Wunden / es 
tragen auch ſolches die Kindbetterinnen/ welche gern die Milch ver⸗ 
— Hp wollen / unter den Ychfeln / oder legen es offt warm auff die 

Alterumtantum, wird gefagt / wenn der Zins den Capital gleich 
hoch auffgeſchwollen / oder ein Kauffman Thaler auff Thaler an feine 
Waare derdienen will. 

Althæa, Bismalva, malvaviscus, & ibiscus, Althee oder Eibiſch⸗ 
Wurtz / oder wilde Papeln / iſt ein Geſchlecht der Pappeln/ weißlicht / 
wollicht / und weich —ue die Wurgelift zäh und fchleimicht/ 
inwendig ſchoͤn weiß / waͤchſet gernein feuchten Orten / und wird von 


| denen 


At Ama | 41 


denen Materialiſten beydes das Kraut als der Saamen und die 
Wurtzel geführet / das Kraut ſammlet man im Majo und Junio den 
Saamen im Septemb. und die Wurtzel im Frühling und Herbſt. 
Der Saame ift gelb-braun/wie ein halberMond formiret/hat einen 
fhleimigen Geſchmack / aber feinen Berudy/der Althrz& Geſchlechts⸗ 
Arten (ind viererley/ ald Althæa arborescens, Althæa paluftris, Al- 
thza Theophrafti, oder abutilon Avicennz,und die fchlechthin fo ge⸗ 
nannte Alchza, Malvaviscus, oder bismalva wird diefed Kraut ge⸗ 
nennet/ weil ed alles De verrichtet / was fonft Die Malva thut. 
Diefed Krauts und Wurtzel befte Krafftbeftehet / in einem waͤſſerig⸗ 
ten Schleim / welcher in gefochten Waſſer genoflen/ die Schärffe in 
den Schlund zu mitig ren / dienet fonderlic wann gr in Heiſerkeit 
und trodenen Huften/mit einwenig Zuder genommen wird, 

Alumen, vide Alaun. — 

Aluta, unter dieſen Wort wird faſt jedes Leder berſtanden / bey 
denen Chirurgis aber nur das jenige Leder worauff ſie ihre Pflaſter 
ſtreichen 

Alysma, Dioſc. vid, Arnica. 

Amalgama, eine Vermiſchung des Metalls mit Qbeckſilber / um 
ſelbiges zu einen Klumpen zu bringen/daher font amalgamatio, oder 
amalgamiren/daßift/die vollklomene Metallen in HeineStäublein zu 
bringen/dann wann fie mit einander vereiniget feynd/ läft man das 
Doved-Gilber beygeringen Feuer abdämpffen / fo bleibet auff den 
Boden des Tigeld das pulveritrte Metall / welches bequem ift durch 
Die menftrua auffgelöft zumerden/ hierbey ift aber zu mercken / daß 
Eifen und Rupffer (ich mit dent Mercurio nicht amalgamiren laf 
fen / weil diefe Metallen unvein und irdiſch feund / dem Mercurio 
auch gantz nicht gleichen/ als welcher einer veinen und fubtilen fub- 
ſtantz if. Dieamalgamatio gefchiehet auff zweyerley Manier/ 
als (1.) durchs Feuer und zwar entweder durchs incineriren / oder 
severberiren / und gehöret hierzu die Auslöfhung eines glüenden 
Dinges in Wafler/oder (2) durch die Corrofion , und diefe wieder 
entweder durchs amalgamiren/ prxeipitiven/ raͤuchern / vaporiven 
oder cementiren/wozu noch gehöret die Beftreihung mit einen zer- 
nagenden ligvore. 

„Amaracinon, eine Salbe aus unterfehieblichen Oehlen und Gr- 
würgen zufammen gemifchet. ’ 

Amaracus, vid.Majorana, 

Amaracus Gal.vid, Matricaria. 

Amara dulcis, vid,Dukamara. 

Amaranten-Eolör / vid. Blau. | 

Amaranthus, Flosamoris, Zlor: Amor Tauſend⸗ſchoͤn Sammit- 

Es Blum/ 


42 Ama Amb 


Blum / wird in Luſt⸗Gaͤrten gezeuget / der Tranck von dieſer Blum 
wird in allen Bauch⸗Fluͤſſen ſehr geruͤhmet / die Wurhel auff ven 
Zahn gehalten / ſtillet die Schmertzen / der Zerſtoſſene Saamen / mit 
Mein eingegeben/mehret die Milch.⸗ 

Amaranthus Luteus, vid, Stoechas Citrina, 

Amarellen⸗Kirſchen / Ceraſa acida. 

Amber Araue/marum. Ä 

Ambra, Cine herrliche Eoftbahre und mohlriechende Materia , 
über deffen Urſprung mol zwantzigerley Meynungen bey denen 
Gelehrten gefunden werden. Denn einige halten; daffelbe vor 
- ein mohlriechendes Gummi / andere vor ein Excrement oder 
Auswurff — Indianiſcher Voͤgel / in deren Magen / (nach⸗ 
dem ſie viel wohlriechende Kräuter und Gewuͤrtz verſchlucket) die⸗ 
fer Herrliche Miſt ſoll excogvivet und ausgearbeitet werden. Noch 
andere vermeynen / es ſey eine Art eines Honigs / welches gewiſſe 
an dem Africaniſchen See⸗Ufer (ich auffhaltende Bienen zubereite⸗ 
ten / welches aber / wann es zuſammt ſeinen Wachs von den heff⸗ 
tigen Sonnen⸗Strahlen geſchmoltzen worden / in das Meer flieſſe 
dafelbft nach gerad erhaͤrte / undeine andere Farb und Geruch an⸗ 
nehme / und fo dann ferner zu Ambra werde. Wider andere urthei⸗ 
(en / der Ambra fey eine Art eined Pechs / welches von dem Grund 
der See ſich in die Höh begebe / und von den Gonnen-Gtrahlen 
hart gemacht werde / faft wieder Born-Stein/ oder die Corallen/ 
welche ihre Meynung fie dadurch beweifen / weil der Ambra wie 
ein Hark auff dem Feuer ſchmeltzet / und flieffend wird / welches 
Das Excrement eined Vogels nimmermehr thäte / ald welches über 
der Gluth / je länger je mehr eintrudnete und berdörrete / und 
nichts weniger ald ein Delvon jich gebe. Viel ſeynd der Meynung/ 
der Ambra fer) ein coagulirter fetter Meer-Schaum / Item, er kom⸗- 
me bon gewiſſen Fiſchen oder wol gar exfpermate Ceri, und 
was dergleichen Opiniones mehr ſeynd. Der Gelehrte Here 
Oelven , aber ein wirrdiged Mitglied der Föniglichen Preuſſiſchen 
Societät der Wiſſenſchafften / hält den Ambra vor ein Meteo- 
rum , und bemweifet folches in feiner daruber- arsgegebenen Latei> 
nifchen Epiftel mit folgenden Ratıonibus , weil nemlic der Am- 
bra „ infonderheit aber deſſen erſte Materia aus einen gar ſubti⸗ 
fen Weſen beftehe / als Eönne ſolche nicht anders / als aus der Lufft / 
feines Weges aber aus den Er und falgigen Schleimen 
des Meers feinen Urfprung ziehen / fomäre jaaud) die Coagulario, 
eines folchen Meteori , und deſſen Niederfallen auff die Erde / fo 
gar ungläublich nicht/angefehen / offtermahls egliche Pfund ſchwere 
Hagels die in der Lufft generivet worden / hernieber fielen / da 


® aber 


— —— — —— 





Amb 43 


aber iu den Ambra einigesGewũrm / Strohalm / oder Vogel» 
Schnaͤbel gefundenwürden / woraus etliche die Terreftrität des 
Ambrz behaupten wolten / fo koͤnte ein foldyer leichter Staub . 
‚und nihtörürdiges Zeug /»bon der Lufft feyn auffgerafft / und 
folglich mit der Delichten Mafla des Ambræ bereiniget worden / wie 
es dann vielmahls gar mit Froͤſchen und Mäufen gefchehen/ die 
die Luft folder Geftalt ergriffen / und in die Höhgeführet / oder 
es Eönte auch die See / warn folches etwann mit feinen fetten Saltz 
‚ oder Schaum / dergleichen nichtswuͤrdige Dinge don dem Ufer 
abgefpulet / felbige hernach warn der Ambra herunter gefallen / mit 
denfelben bon ungefehr vermienget haben / welches — muth⸗ 
maſſen / weil / · wann ſonſt der gemeinen Rede nach / die Vögel den 
Ambra, wann derſelbe am Ufer wachſen / oder daſelbſt antleben/ 
ſolte hefftig nachſtellen / nicht allein ihre Schnaͤbel und Klauen / fon» 
dern auch ihre Federn und Fleiſch daran würden ſitzen laſſen / fo a⸗ 
ber niemahls geſpuͤhret wuͤrde. Ferner kaͤme auch zur Beſtaͤrckung 
feiner Meynuug / daß der Ambra ein Lufft⸗Geburt ſey / dieſes hin⸗ 
zu / daß vielmahls in den Marckbrandenburg glaubwürdiger Leut 
Bericht nad) / ein rechter auffrichtiger Bernſtein lat. Succinum, 
Frantzoͤſiſch Ambre joune genannt / in harten Donner⸗Wetter / 
und bey groſſen Sturm-Winden aus den Wolcken gefallen / wel» 
her hernach anftatt eines Raͤucherwercks / eben wie der andere 
Bernftein / und zwar aus natürlichen Urfachen gebraucht worden/ 
indem der Luft-Schwefel / warn felbiger ein bon ihm beliebtes 
Subjedtum anteifft / felbiges tingiret / und zu einer ihm berwandte 
Materia machte. Der Bernftein felbft hätte ein dergleichen Ver⸗ 
wandtniß mit dem Ambra, und wäre unter ihnen nur dieſer Unter: 
ſcheid / daß der wahre Ambra mehrentheils in warmen Ländern/ wo⸗ 
ſelbſt alle Blumen und Gewuͤrtz ihre höchfte Vollkommenheit in ange 
nehmen Gerud) hätten/der Bernfteinaber in rauhen Nordlichen Laͤn⸗ 
dern / uud ander Falten Vſt⸗See gefunden würde / und dannenhero 
ein vielgrobere Subftanf; und unlautered Weſen haͤtte / geſetzt aber/ 
man wolte beyde vor ein Minerale oder Bitumen halten / woher es 
dan kame daß mitten in folchen Ländern / die weit don der Ste 
entlegen swären/ grofle Stüdens Bernſteins / und zwar an ſolchem 
Oertern aus der Erden gegraben würden / wo nicht die geringfte 
Veltigia oder Kenn-Zeichen eined Bituminoſiſchen Erdſafftes zu ſpuͤh⸗ 
ren waren. Mir laflen aber dieſe zweiffelhaffte Materiam billig 
snerörtert / weil bisanhero fo viel gelehrte Naturkündiger darin 
noch nicht uͤbere in ſtimmen koͤnnen / und fagen aniego nur bon det 
Qralitätdes Ambra, daß derjenige vor den beften und vor auff⸗ 
richtig gehalten werde / welcher äufferlich fein glat / und * 
ar 


\ 


44_ Amb 
Farb zwifchen Licht- und Caſtanien braun hat / dabey leicht und 
nicht mit andern Dingen. vermifhet iſt / wie man dann folden 
auch mit Beding Fauffen muß / daß man ihn aufbrechen doͤrffe / um 
zu ſehen / ober nichtmit Steinen odewanderer Materia et 
ſey. Es darff auch die Groͤſſe der Stücke nicht viel groͤſſer als der 
Erden Rüffe ſeyn / ſo muß auch die Farb in das Aſchgrau fallen / 
und weißlich durchmengte Striemen haben / wiewohl ſie noch viel 
brauner iſt / wann ſie friſch iſt / als wenn ſie trocken worden / 
jedoch iſt an ſolcher Farb nicht gar viel gelegen / wann ſie nur 
nicht gar zu ſchwartzbraun oder zu weiß iſt / ſondern ihre bermifch- 
te Farb zwifchen beyden bat / folte mıan aber argwohnen / daß fie 
an diefen oder jenen Ort möchte falfch feyn / fo dege man nur 
ein wenig davon auff ein warn Meſſer / wenn ſie alödenn ge» 
recht ift / fo muß ſie wie Wachs zerfchmelgen / aucd wenn das 
Meffer mohl heiß ift / gang verrauchen / wenn fie dann zerſchmel⸗ 
tzet / ſo bekommt fie einerley Farben / ob ſie gleich) zuvor bermifcht 
geſchienen / ſie muß ſich auch nicht wohl laſſen zu Pulver ſtoſſen / ſon⸗ 
dern an den Moͤrſer ankleben / dienatürliche zerloͤſet ſich nicht fo leicht 
in Waller / als die durch Kunſi bereitet wird / wann man auch 
jene in den Handen hin und her druͤcket / ſo wird ſie weich als Wachs / die 
nachgekuͤnſtelte aber zerbricht. Die Verfaͤlſchungdes Ambra geſchicht 
mit Aloes Holtz / Storax und Ladano, oder auch mit Benzoe / 
weiſſen Wachs / Baum⸗Mosß / Biſam und Zibeth. Die Kraͤffte des 
Ambra ſeynd / daß ſie waͤrmet und trocknet / das Gehirn ſtaͤrcket / und 
durch feine liebliche ſchwefflichte Ausdaͤmpffung die Geiſter erqpicket / 
in Specie dienet es in Ohnmachten / Schlag und Schwindel / iſt vor⸗ 
trefflich zur Erhaltung der Geſundheit und eines langen Lebens / ſie 
iſt ein rechtes Antidotum, ein treffliches Aphrodifiacon , uund ei⸗— 
ne hoͤchſte Stärckung des gantzen Leibes / dahero es auch pro.bafı 
derConfedtion Alkermes genommen wird. In denen Diſpenſatoriis, 
findet man ſo viel Compoſita, worunter die Ambra ein ingrediens 
iſt / daß man ſie nicht alle erzehlen kan / dafeynd Species Diambrx, 
Confectio Diambræ, &c. Alkermes, Ambrata, Conf. de Hyacin- 
tho, und viel andere mehr / deren Intention aller adSpiritus corro- 
borantes & excitantes gehet. Was die bereitete Stuͤcke des Ambræ 
betrifft / fo hat man ſoiche / theils in trockener / theils auch in naffer 
Form und Geftalt / in teodener hat man dad Pulver/ wiewohl 
ſolches nicht wohl Fan gemachet werden / man thue dann zweymahl 
fo vielZuderdarzu / und alödenn wird eseinherrliched Confortans 
vor alte Beute / abfonderlich wo manı. oder z. Tropffen Zimmet Del 
darunter nienget. In naſſer Form hat die Effeng davon den Borzug/ 
welche miteinen brennenden Spiritu,, zum Exempel / von Roſen / * 
da 


Amb 45 


da fermentiret worden / oder mit Citronen Spiritus bereitet wird / 
dahero denn dieſe Effeng fein roth zumerden pfleget / oder man 
fermentiret auch wohl die Ambram mit vegerabilifhen Sachen / 
und wird alddann ein herrlither Spiritus daraus /zum Exempel / 
warn man die Roſen zum Fermentiven einftöffet / fo thut man 
ein wenig Ambra darzu / alödann löfet ſich Die Ambra unter 
der Fermentation quff / und wird ein Spiritus Rofarum Am- 
bratus hon groffen Kräften daraus / vide hierbon mit mehren 
Schröderum in feiner vollftändigen Apoteck / lib, 3. cap. 29. 
Der Einkauffs⸗Ort des Ambræ vor unfere teutfche Materialiften iſt 
Holland/ wofelbft die Unge des beſten / za. biszs. Gülden/ von den 
ſchwartzen aberas. bis 20. Guͤlden / biöhero verfauffet worden. Wir 
verftehen aber unter dem beften / den fo genannten Ambra gryfea, 
von den Einwohnern der Inſul Madagalcar Porabar genannt/ 
gleichwie fie Hingegen/ denen jenigen der fchon eine Zeitlang auff dem 
Meer geſchwummen / und daher eiwasdundler und ſchwaͤrtzer wor« 
den / buabar, den allerfchlechteften aber der gang ſchwartz und 
boller Flecken iſt / auch feinen guten Geruch — Minabary hell» 
nen. Diefelegtere Art fol darum fo ſchlecht ſeyn / weil fie allbe⸗ 
veit einmahl von den Wallfiſchen verfhlungen / und da fie ihn 
nicht verdauen koͤnnen / wieder ausgefpien worden / wie dann 
der Waufifch fehr den Ambra nachftrebet / fo dag auch einmahl 
wie Nicolaus Monardes in Hiftoria Aromatum ‚und Erafmus Fran- 
eifei in feinen Indianifchen Lufl-Barten / p. 18% & ſeqq. meldet: 
bey dem Canarifchen Inſuln ein Wallfiſch fol feyn gefangen 
worden/ indeflen Bauch man 16. Portugielifche Arrobas , das 
iſt s72. Pfund Ambra gefunden / woraus gemuthmaſſet wor⸗ 
den / daß der Fiſch ſich darinnen gar zu fehr müffe überfreflen has 
ben/und daß er von den lieblichen Geruch gleihfam trunden gemacht / 
und andas Land getrieben worden. 

Ambra Effeng wird folgender geftalt gemacht / nimm Ambræ 
grylex ein Dbentin/Mufcus , ein Dbentin/ reibe beydes auf einen 
Marmorftein zu einen feinen Pulver / mit einen halben Pfund des bee 
ſten Zucers / auff diefes Pulver gief einen Spiritum Vini Tartarifa- 
tum, ſetze es zuſammen in gelinde Digeſtion eglicheTage/in einer ber⸗ 
fiegelten Phiole an die Sonnen-Gtrahlen / fo wird eine fehr Eräfftige 
Tindtur und Eſſentz daraus werden. 

Ambra Pulver oder Poudre wird gemacht / wann man nimmt 6. 
Unsen Bohnen Mehl / fo viel Holgmürmer-Mehl alled durch ein 
Sieb geſiebt / und 4. Ungen Cypreſſen Holtz z. Ungen Sandei / 2. 
Ungen Benzoe/ ı. Loth Storar / 2. Dventin Calmuß und fo viel fau« 
danım dazu thut / hernach dieſes abermahl durch ein feiden — 

| ſie het / 


46 Amb Ame F 


ſiebet / hierauff zuieder2. Pfund dieſer Vermiſchung / 4. Gran 

rauen Ambra, 1, Loth Biſem⸗Koͤrner alles geſtoſſen und durchge: 
tiebetimienget / folgends die gantze Maſſam in einen warmen ſteinern 
Moͤrſer nochmahl durchreibet / und in einer glaͤſern Flaſchen wohl 
verſtopfft verwahret. 

Ambra Waſſer zu machen / ſo nehmt Ambra gryfea J Oventin/ 
Mufcus 15. Qw. Zibeth 1. Qventin / alles in Moͤrſel wohl zerrieben / 
mit Roſen⸗Waſſer befprengt / und abermahl zerrieben / bis alles 
zu feinen Pulver worden / alödenn ſetzt ed in einen gläfern Flaͤſchlein 
s, Tag lange an die Sonne/ nehmt hernac 4. Pfund Pomerantzen 
Bluͤht-Waſſer / und eben ſo viel Rofen- Waller / Irem 4. Unten 
Benzoe⸗Waſſer/alles in einer Flaſche wohl vernficht/ und zum 
Gebrauch bermahret. — 

Ambroſia, vid. Tanacetum odoratum. 

Ambubaja, vid. Cichorium. | 

Americanifche Waaren/feynd vornehmlich Gold und Silber / fer⸗ 
ner allerhand Droguiftereyen unterfhiedliche Arten von Hole zum 
färben/und indie Ar&ney dienlih. Verginiſcher und Braſili 
Toback / Indigo ‚Zuder / trudene und gefalgene Ochfene und Kühe 
Haͤute / und was dergleichen Waaren mehr ſeyn / welche am beften/aus 
der Hollaͤndiſchen⸗Weſt⸗Indiſchen Compagnie, ihrer ausklommen⸗ 
den Lifta, wann jest ein Verkauft folder Weſt⸗Indiſchen Waaren 
verhanden ift/können erfehen werden. Aus Europa gehen wieder 
nad) America zu allerhand Manufadturen/ fonderlich viel Leinwand 
und etwas von Nürenberger Waaren. Die Nationen welche dahin 
handeln/feynd Spanier / Portugieſen / Englifhe/ Holländer und 
Frantzoſen / unter folchen haben die Spanier / als welche dig reich⸗ 
fen Provinzien beſitzen / und nad) ihnen die Portugiefen/ Ne einen 
guten Theil von Brafilien ein haben/ fo dann die Englifchen/ welche 
Virginiam und die Inſul Jamaicam beherrſchen / die gröfte Hande⸗ 
‚ung. Bon den Handel mit denGallionen/welde jührlic) aus Spa⸗ 
nien nad) America abfahren/ift zu wiflen / daß der Handel nad) Oc- 
cidental-Indien, fo weit daffelbe in den Gebiet des Königs von 
Spanien ift/ allen Nationen auffer feinen Unterthanen bey Leibes 
Straffe verboten/welches eben diellrſache iſt / warum die Fran zoͤſiſche 
Negocianten / und die jenige in andern Koͤnigreichen und Staͤnden / 
fo des Königs in Spanien Unterthanen nicht ſeynd / den Handel nicht 
anders ald durch die Spanier felbft treiben / welche jährlid in den 
Gallionen abfahren/ denen vertrauen fie ihre Waare um diefelben 
zu verfauffen/oder gegen andereketour · Waaren zu vertauſchen / wel⸗ 
ches denn auff folgende Weiſe geſchiehet. Die Indianiſche Flotte 
fähret faſt alle Jahr ohngefehr im Monat, Martio weg / „Die Cor- 


rolpon- 


* 
* 


Ame 47 


reſpondenten in Cadix, welche man die Waare zuſchickt / wann ſie 
dieſelbe in Spanien ſelbſt nicht verkauffen koͤnnen / geben ſolche unter 


die Hand einiger Spanier / welche mit der Flotte nach Weſt⸗Indien 


fahren / dieſe geben ihren Schein oder Hand⸗Schrifft von ſich / daß 
fie bey ihrer Zurückkunfft über den Verkauff oder Vertauſch dev 
Waaren /fo fie zu Puerto, Belo, verrichten / Rechnung geben wollen. 
Dieſes Puerto, Belo, ift der Ort / wo der Mard rei wird / und 
wohin die von Peruleos und andere ndianer jo die weit entlegen- 
ften im Lande feynd/vornehmlic aber die zu Lima und Panama ihr 
Geld und Waaren (welche beftehen in “old und fllbern Stenglin/ 
und Klumpen / item ‚ in Realen. welche dafelbften Stüd von Achten 
genennet werden/ in Perlen / Gold⸗Sand / Wolle von Vigogne, 
Campeche Holtz / welches zu färben dienet/Cacaound dergleichen zu 
verfauffen bringen. Aller Bortheil dieſes Handels beftehetdarinnen/ 
daß man zwey Dinge wiſſe / das erfte/ ob die Anzahl der Waaren / 
fo die Flotte nad) Puerto Belo bringt/ groͤſſer oder geringer ſey / als 
Die Kluntyen Gold und Silber / die Stüd von Achten/ und andere 
Waaren / fo diezu Peruleosund andere Indianer auf diefen Mark 
bringen: Dann wann fie nad) Puerto Belo, Gold / Silber und an⸗ 
dere Waaren brächten/die ſich höher belieffen/alö die jenigen fo die 
Spanier dahin gebracht / ſo ift gewiß / daß der Verkauf vor die Spa⸗ 
nier vortheilhafftig / und dabey viel zu gewinnen ſeyn würde : Die 
Urſache iſt dieſes / weiln die Indianer dieſe Maxime haben / daß ſle 
niemahlen ihr Geld und Waare wieder zurück nehmen / weswegen ſie 
dann alles vor wenigen hingeben: Alſo auch / wann die Spaniſche 
Waaren viel groͤſſers Werihs als die Indianiſche ſind / wird wenig 
daran zu gewinnen / und offt zu verlieren ſeyn / dann die Spaniſchen 
Negotianten ſeynd alsdann genoͤthiget / dieſelbe um einen geringen 
Preiß und wohlfeil weg zugeben / damit fe derſelben los werden / wie⸗ 
der in Spanien umkehren‘ und die Proviſion welche ihnen die frem⸗ 
den Neg otianten/ fo ihnen ihre Waare anvertrauet/ Zahlen müflen/ 

innen mögen/biefelbe ift nun mit demZoll zu Alcavala, Mädlere 
—* und Gewoͤlb⸗Zins in Puerto Belo, 7. biß s. pro Centum und 
auch s.bif 5. pro Centum vor die Proviſion wegen der güldenen 
und ſilbernen Stenglinund Klumpen Barres genannt/ und andere 
Waaren / die ſie auß Indien wieder zuruͤck bringen. Dieandere 
Sache welche zu wiſſen ſtehet / iſt dieſe / daß man ſich erkundige / wel⸗ 
che Waare mehr begehret wird / und den Indianern am nothwen⸗ 


digſten iſt. Denn es ſind etliche / derer fie nicht entrathen koͤnnen / 


"und offtma 


als Leinwat: Diefe Waare wird von den Indianern am erften 
weggenon daß alſo in dieſem Handel niemahls zu verliehren / 
—2 gewinnen ig. Was aber die andern en 

etrifft 


48 2. 1 
beteifft/welche ihnen nicht fo nöthig/ und die nur zu Zierath /oder ih⸗ 
rer Euriofität ein Genügen zu leiften/ dienen / kauffen ſie diefelben 
nichtals nur um den Reſt ihres Geldes und Wahre anzumenden/ da- 
mit ſie wie geſagt / nichts wieder zuruͤck führen duͤrffen / liegt alfo der 
Gewinn oder Schaden an Dieloder wenig Wahren/die in die Meſſe 
zu Puerto Bel», fo wohl auffdie Geite der Spanier / als Indianer 
gebracht werden. Wegen der Unkoften/die vordie Wahre, welche 
nach Puerto Belo geſchickt wer den/auffgehen/wird von Cadix aus / wo 
die Verzeichnis der Wahre gemacht wird/ s. oder 6. pro Centum 
Schiff⸗Lohn gezahlet.. Vor die Ausladung der Wahr ungefähr 6. 
pro Centum, vor den Zoll/ welche man dem König fhuldig/ und in- 
dulte,das ift fo ufel / ald Erlaubniß und Paß genanmt wird / zahlet 
mans. Achtort und 2. Realde plata, dor einen Ballen / welches unge⸗ 
fähr 2. und ein halb pro Centum machet.  Offt werden die Wahren 
bon Puerto Belo nadher Earthagena gebracht / das Schiff-Rohn Eos 
ftet vor ein Ballen ungefähr s. Francken / welches beynaheein halb 
ro centum bringet/ ed wird aber der Indianiſche Handel nicht al⸗ 
ein zu Puerto.Belo, und Earthagena/fondern auch inneu Spanien zu 
Buenos, Ayros,uflVeraCrux,melches das entlegenftefand iſt / ſtarck ger 
trieben/man koͤmmt alddann durch den Fluß Rio dela plata,und zah⸗ 
fet vor das Schiffer-Lohn / und andere Unkoſten ungefehr fo viel als 
von Eadir biß nach Pucrto Belo. Die Flotteaber/ welche nach neu 
Gpanien gehet/bleibet zummeniaften 2. Jahr aus/ und die Gallio- 
nen / welche nad) Puerto Belo fahren / kommen wieder nad) Cadix in» 
nerhalb 7. oder s. Monat/ denn ſie gehenim Monat Martioab/ und 
kommen im O&tober oder Novemb. eben deffelben Jahrs wieder 
an. Mach Buenos Ayros,und nad) Vera Crux,werden eben derGat⸗ 
tung Wahren/ ald nad) Puerto Belo gefandt / und auffer dem Gold 
und Silber/fo wieder zurüd gebracht wird/ladet man audy Cochenil- 
le und Indigo. ZuSevilien in Spanienift ein Haus auffgerichtet die 
Contratadtion/ welches beftehet aus einen Prafidenten und unter- 
ſchiedlichen Räthen/deren einige/die nad) America ausgeruͤſtete Flot⸗ 
te und Gallionen, die andere aber / das Juftig-Mefen uber den A⸗ 
mericanifhen Handel beforgen Die Appellationes bon diefen Tri- 
bunal gehen an den groffen Kath von Indien / der zu Madrit refidi- 
vet/alle Regiſter aber/welche nad) Weſt⸗Indien gehen/oder von dan⸗ 
nen kommen /werden in obbemeldetem Haufe derContraradtion zuSe- 
vilien,gehalte und dieſes darum / damit der Koͤnig nicht in feinenZöllen 
—* betrogen werden / wiewohl ſolches wenig hilfft / weil die Kauffleu⸗ 
te ſchon andere Auswege wiſſen / auch die jenige / fo Auffſicht über ſie 
haben ſolten / den profic fo gern mit ihnen theilen / daß derKoͤnig nicht 

ein vierten Theil davon bekoͤmmt / hon dem / was ihm ſonſt vonRechts 
| | wegen 


— — 
— — — — 


Ame | 40 
en gantz gebuͤhret haͤtte. Die Philippiniſchen Inſuln / welche 

ei —— China liegen / dependiren eben fo wohl ern 
Könige in Spanien/ (te Eoften aber faſt mehr zu unterhalten / als ſie 
einbringen / wie jie denn auch kein ſon derlich Commercium, als nur 
mitetwad Seidehaben. Man hat als eine fonderbahre Spannifche 
Politiqve obferviret/daß fle bißanhero das erabliffement der Manu- 
fadturen in Wet: Indien/ungeachtet ſolches Land vortreffliche Mate- 
zjalia dazu ausgiebet / mehr gehindert als befördert / und zwar dar⸗ 
um/meil die Indiauer überaus ihre commodität und Leibes-Zievath 
lieben/und dannenhero / wann (te ſolche nicht felber in dem Lande ha⸗ 
ben/folches von den Spaniern kauffen / und das gute Gold und Sil⸗ 
ber davor hingeben müflen/ auff weiche Manier man ſie zugleichtn 
der Unterhänigkeit haͤlt und. verhindert / daß (le zu feinen groffen 
Keichthum gelangen können. Die Galionen find eigentlich die jeni⸗ 
ge groſſe Kriegs⸗Schiſſe / welde die nah Weſt⸗Indien fahrende 
Kaufardey-Schiffe convoyren müflen / (le folten zwar feine Kauff⸗ 
manns⸗Guͤter einnehmen/allein die Begierde zum Gewinn uͤberwie⸗ 
get def — * Befehl / wie ſie dann auch offtmahls fo beladen ſeynd / 
daß / foman ſie angreiffen ſolte / ſie ſich nicht wuͤrden defendiren kon⸗ 
nen. Ihre expedition welche erſtlich die Kauffleute bey den groſſen 
Kath von Indien zu Madrit erhalten muͤſſen / koſtet von einer jeden 
Galion, nachdem fie klein oder groß iſt von. biß sooo, Reichsth. 
Unkoſten / woraus leicht — was auf dieſen Handel muͤſſe 
zu verdienen ſeyn. Es gehen aber die Galionen nicht weiter als nach 

Porto Velo, woſelbſt hin man alles Silber aus Peru bringet. 
Kauflardey-Flotte aber gehetweiter biß nach neu Spanien. Gedach⸗ 
teö Porto Velo iftein Flecken an den Americaniſchen Küften/ von fehr 
ungefunder und hisiger Lufft/ ıs. Meilen davon ift die Stadt Pana- 
ma,wofelbft man das Barren-Gilber/und andere Waaren von Peru 
zu Waſſer Hinbringet/ und von dar weiter zu Lande nad) PortoVelo, 
mofelbft wie ſchon gemeldt /.einer der gröften Maͤrckte von der gan⸗ 
gen Welt gehalten wird. Dann innerhalb 40. är0, Tagen/ werden 
über 20. Millionen Europäifher Waaren / welche man alle contant 
bertauffet / abge ſetzet; Sobald der Mardt geendiget/ ſo kehren die 
Galiogen wieder nach Carthagena / mwofelbft ebenfalls ein groffer 
‚Handel mit Indianiſchen Waaren gefhiehet. Hierauff gehen fie 
nad) der Hanava, die Rothwendigkeit zu ihrer beborftehenden Ruͤck⸗ 
Reiſe nach dem Bateriaude einzunehmen/mwelches (te dann gemeinigs 
lihinz, Monaten / biß nad) Cadix abſolviren können. Mas aber 
die Kauffardey Flotte andelanget/ hält ſich felbige zu Porto Ricco 
etwas auff/ um Dafelbft Verfriſchung einzunehmen Hierauff benicht 
ſie ſich nach Vera Crux, und ladet BR ihre Waaren / welche man ala 
® dann 


so Ame 


dann ferner biß nach der groffen Stadt Mexico bringet/folglich reifet 
die Flotte wieder zuruche nach dev Hanava, welche zuruͤckReiſe aber 
anders nicht/als im Monat April und September, wegen der alsdanız 
wehenden Norden Winde gefchehen kın. nögemein/ift der Ga- 
lionen ihre Keife aus und zu Haufe 9. Monat / der Rauffardey- Flotte 
aber iz. biß rs. Monat. Es Fönnen auch wohl mit derfelben einige 
Particular-‘Perfonen auff ihre Unkoften dahin gehen / (ie müflen aber 
erſt darzu Erlaubniß vom Könige haben/ und ich zu Sevilien in dems 
Haufe Contratadtion einfchreiben laffen / und alddann dörffen ſie 
doch nicht weiter / ald auff die Geiten bon San- Domingo, 
Honduras, Caracas & Buenos Ayres fommen. led Geld / 
welches recta von Indien an den König könmte/ wird in eine 
Galion eingeladen / und einen Königlichen Münt-Meifter unter 
Handen gegeben/ welcher vor jeder Reife dem König sooo. Reichs⸗ 
thaler bezahlet/und hergegen ein pro Centum von feinen unter Han⸗ 
den habenden Gelde wieder einbehält/welches weit ein miehrers aus⸗ 
beträget. Was der particulair-Rauffleute ihre Gelder anbetrifft/ 
koͤnnen fie folche einladen wo ffewollen/und muß ihnen der Sciffö-Ca- 
pitain allezeit davor Rede und Antwort geben. Es iſt auch eine ge⸗ 
wiſſe Aufflage/ Avarie genannt/auff alle aus Indien zurüce kommen⸗ 
de Waaren und Contanten geleget/diefe Auflage ift fo conſiderable, 
Daß fie alle die Unkoſten / welche auff die Ausrüftung der Galionen und 
der Flotte gehen/ungeacht (ch folche auff neunmahl hundert taufend 
Reichsthaler beläufft/tragen fan. Der jenige/ welchen der König 
zum General der Galionen erwählet / fchieflet gemeiniglich 80. oder 
100000, Reichsthaler dem König vor / welche ihm hernach in Indien 
. mit groffer Intereffe wieder bezahlet werden. Gleicher Geſtalt avan-- 
eirer auch ein jeder Schiffs⸗Capitain, nach proportion der Gröffe 
feines Schiffes dem König ein gewiſſes Geld / ſo ihm ebenfallsin In⸗ 
dien wieder bezahlet wird. Mit denen Galionen gehet auch zugleich 
ab eine Patache , welche ſich aber von denenfelben den Golfo de las 
yeguas wieder ſepariret / und nach der Inſul St. Margarerha gehet/ 
daſelbſt Perlen einzunehmen/wovon der König den fünfften Theil ge= 
nieffet. Vor einigen Jahren hat man etwan 70. Meilen von Lima 
neue Gold⸗Bergwercke entdecket / welche ein groſſes Einbringen / der 
König hataus folchen und aden andern den fünften Theil/ fo wohl an 
Bold als Silber und Smaragden. Die Gold- Minen zu Potofi, 
ſeynd die allerreichften/und giebt das einige Königreich Peru, jährlich 
eilt Millionen Reihöth. aus. Neu Spanien fünf Millionen/ ohne 
die andern Waaren / als da feynd: Smaragden / Gold und Silber / 
Cochenille,Zobad/Vigogne-WBolle/ Campefch-Hol& und Leder, In 
gank neu Spanien feynd Feine Weinberge / noch Oelbaͤunme zu ee 
| ungeach⸗ 


u. m. vw. J 7 


—— — — a. za 


— — — — — — —2 


Ame 51 


ungeachtet ſie daſelbſt wohl fortkommen ſolten / ſie werden aber darum 
verboten / damit die Spanifche Weine und Del deſto beſſer ihren Ab⸗ 





gang finden moͤgen. Von der Hauptſtadt Mexico, foͤnnen die Erd⸗ 


Beſchreiber nicht genug beſchreiben / was vor eine vortreffliche Stadt 
dieſelbe ſey / ſo wohl an Gebaͤuden / als ſituation, Reichthum / Handel 
und wegen ihres vortrefflichen climatis. Man koͤnne um ſolche zwey 
mahl des Jahrs einerndten / die Erde ſey gleichſam ſchwanger von 
Gold / Silber und Edelgeſteinen / und die Waſſer geben auch die Per⸗ 
ten in groſſer Anzahl / welches alles machet / daß man die jährlich aus 
Indien ziehende Contanten über so. Millionen ſchaͤtzet / welche aber / ſo 
bald ſie inSpanien aukommien / gleichſam / als durch viel Canaͤle wieder 
nach Franckreich / Engeland / Holland und Italien audflieſſen / und den 
Spaniern das wenigſte davon überbleibet. Eine merdwirdige 
Sache iſt es auch / daß / ſo bald die Flotte zu Cadix anfonmet / ſich da⸗ 
ſelbſt Leute finden / welche öffentliche proſeſſion machen / die Zölle des 
Königs zu defraudiren/ und fo wohl die baaren Gelder als Kauff⸗ 
mannfchafften aus dem Lande zuprarticiren. Man nennet ſie Me- 
tadors, und accordiren fie mit den Kaufleuten dergeftalt/ daß vor ein 
Gewiſſes fie die Mühe und Gefahr auff fich nehmen/ ihnen ihr Geld 
oder Waare/da wo (le es hin Haben wollen / ohne Zoll indie Stadt za 
tieffern/und dieſes gefchiehet auch fo ſicher / daß ſie niemahld mangvi- 
ren; Zwar fönte man ſolchen Peuten wohl genauer auffſehen / und ih⸗ 
nen ihr Handwerck etlicher maſſen legen/ allein/ weilman befunden/ 
daß es dem Commercio mehr Schaden als dem König Nutzen brin⸗ 
gen würde / ſo ſiehet man durch die Finger / das beſte Mittel wäre/der 
König verringerte etwas die Zoͤlle / ſo würde man lieber der Contra- 
tadtion ald den Metadors dad Geld gönnen: Indem man ben ih- 
nen in Furchten ſtehen muß / auf einmahl/wann fie folten ertappen wer» 
den / das jenige zuverliehren / was man in zehen fahren an den de- 
fraudirten Zöllen gervonnen. Diefes wäre der Spanier ihre Hand⸗ 
lung / die fie in Weſt⸗Indien haben/ die Engeländer beſitzen darin⸗ 


nen Virginiam, welches zu Ehren der Königin Eliſabetha (als die 


bis an dos Ende ihres Lebens eine Jungfer geblieben ) alfo genennet 
worden / dieſes Land bringt viel Tobad/und etwas Seide) die Haupt» 
ftadtheift James Town, oder Jacobs⸗GStadt / das daran grängende 
nen Schweden gehöret auch den Engeländern / und hat König Ca- 
zolus 11. den bekannten Dbäder William Pen,ein Stud davon vereh> 
ret / ſo er nach. feinen Rahmen Penfylvania geheiffen/ und die Stadt 
Philadelphia darein erbauet / wohin jich feit dev Zeit viel von den 
Ehiliaften/Dvader und andere dergleichen Fanaticos zu wohnen be⸗ 
geben. Es haben ferner die Engelander in dieſem Lande neu Nie⸗ 
derland / jest new Jorck genannt / —— zobad nn 
® 2 wir 


m 





52 Ame 


wird / die Haupt⸗Stadt hat gleichen Namen / nemlich neu Jorck und 
war dieſes / ſeither Anno 1655. da es die Engelaͤnder erobert haben. 
neu Engeland iſt Bristov, Pleymuth undLonden zufinden / woſelbſt 
ein ſtarcker Leder⸗Handel getrieben wird / neu Brittania {ff unter dem 
Rahmen bon Terra Laborador,oder Cortercal bekannt. Reu Rord 
und Suͤd⸗Wallis feynd 2. Provinsien fo gantz gegen Rord⸗Weſten 
fiegen/ und den ter be Engeland — Die Inſul Jamaica 
kam Anno 1555. unter Engliſche Boitmaͤßigkeit / die Haupt⸗ Stadt dar- 
in iſt Sevilla. Den Holländern gehoͤret in Weſt⸗Indien / und zwar 
in Guiana zu / ein’ groſſer Strich-Landes zwiſchen den Fluß Orino⸗ 
qve,und delas Amazones gelegen / von welchen (ie Anno 1669. den 
HerrnGrafen ven Hanau / auff D-Becherd Negociasion,einen diftrich 
von 30. Meilen lang/ und 100, Meilen breit verliehen/ es iftaber die 
Poſſeſſion. Rehmung davon aus unterfchiedlichen Urſachen nachge⸗ 
blieben wovon beſagter D. Becher in feinen Commercien-Tractat 
der Laͤnge nach zu leſen. Ferner beſitzen die Hollaͤnder in America, 
die Infuln St. Euſtachio und Saba, auff dem feften Land die Stadt 
Coro und in Gujana, die Colonien Boron Esqvio,Brevice, und A- 
perwacke. Die Frantzoſen haben (1.)nova Francia,Canada und A- 
cadia, über Florida. Sierauff das neue Land Louiſiana, (2.) den 
vöften Theilder Inſul Terra Neußwofelbft jie ihren Cabliau⸗Fang 
Gabenybon welchen jährlich etliche hundert Schiffe voll nach Franck⸗ 
reich gebracht werden/ item, haben ſie die Inſuln Anticotti und Sr. 
Jean, von denen Inſuln Barlovento, Anguilla,Martinigve,S. Bartho- 
lome, 5. Croix, Guadaloupe, und 5.Lucie. Die Hauptftadt in no- 
va Francia-ift Quebec, allwo der .. Stadthalter relidiret/in 
Acadia {ft PortReal. Die Portugiefen haben ein groſſes Theil von 
Braſilien / Anno 1500. entdedte folches Perrus,Alphonfus Capralis, 
Die KHauptftüdte darinnen feynd Tamaraca,Phernambuco, oder Olin- 
de, S, Salvator, wo des Vice-Roy feine Relidens ift/ ſie liegt an der 
. Baya, oder Meerbuien / de todos los Santos, oder. Allerheiligen. 
Braſilianiſche See⸗Kuͤſten feynd/Porto Siguro, Spirito fanto, S.Se- 
baftian und S. Vincent, welches legtere in derfelben. Begend feine 
Gilber⸗Gruben hat / es wird auch hiefelbft viel Anıbra ſo durch das 
Meer and Ufer gefchlagen wird / geſammlet / der übrige Handel diefer 
Portugieſiſchen Braſilianiſchen Städte und Provinzien / beftehet in 
Zucer/ Baumwolle / und Braſilien⸗Holtz. Das beruhmte Gold und 
Silber Bergwerck in America iſt zuhotoſi. von welchem die Spanier 
ehemahl zu tagen pflegten / daß zwey Theil Silber / und ein Theil Er⸗ 
de nur darinnen anzutreffen / in der Probintz neu Granada unweit der 
Gtadt Mufe, iſt ein >. Fels don den Ichönften Smäragden zu 
finden / bey) Panama, ſonderlich an den Perlen-nfuln: Cubagua und 
Ä Märgaricha, 


— — —— — — — 


Ame Amm 52 


Margaritha, werden viel Perlen ausgefifchet / fo faft den Orientali⸗ 
fchen an Schönheit gleichkommten. Bon Gewuͤrtz hat America nichts/ 
auffer viel Ingber / und eine gewiſſe Frucht Axi genannt/ welche an 


Schaͤrfſe den Pfeffer gleich kommt. In gewiſſen Americanifchen. 
Provingen follen fo groſſe Schaffe zufinden ſeyn / daß man ſich ihrer 
die Waaren uber Land zu tragen/gebrauchet/ item,finden ſich Aufter- 


tragende Bäume/auff welchem recht ſchmackhaffte Auſtern wachſen. 
Amethyftus , Amethift. Gin vöthliher durchſichtiger Stein / 
fommet aus Indien und Arabien‘ / und ift befler ald der Boͤhmi⸗ 
ſche / einige gebrauchen denfelben aus Aberalauben gegen die Trun⸗ 
ckenheit und Melancholeny/ die wahren Amethiſten werden fehr hoch⸗ 
ehalten / man Fındet aber auch viel falſche welche folgender Ge⸗ 
alt gemacht werden / man nimmt præparirten Flinten⸗ Gtein/ 4. 
Poth/ und 2. Roth ordinaire Mennige / vermiſchet beydes wohl unter» 
einander / reibet ferner darunter ıs. Gran der praparırten Magnefix, 
und zu Diefer noch 2. oders. Green der praparirten Zaffera/ folches 
wird zufammen in den Dfen gethan / und wie gebräuchlich geſchmel⸗ 
Get / fobefönnnt maneinenanfehnlichen Amethiften, Ein mehrerd 
hiervon ift in den ioten Theil der Kunft und Schatzkammer / vater 
Cur:ofitäten, itemin des Nicols Edelgeſtein Büchlein cap. 8. p. 73. 


Amianthus Lapis und Asbeflus Stein oder Erd⸗Flachs. ft 
ein zafelichter ſchwartzgrimlichter ſchieferigter Stein / welcher 
(ich wie Federn von einander veiffen läſt / dahero er auch bon eini⸗ 
gen Federweiß genennet wird / er ſoll von den Feuer nicht verbren- 
niet noch verzehret werden / dannenhero die Römer und einigeDrien> 
taliſche Voͤlcker / eine underbrennliche Feinwand daraus gemacht / 
in weicher vornehmen Leute ihre Leiber verbrand worden / damit die 
Aſche darin unvermenget mit der Aſche des Holtz-Hauffens möchte 
conierviretwerden/ wie aber foldyes Leinwand aus diefen Stein 
gefponnen werde / folchesiftheutigd Tags ein Arcanum , und un—⸗ 


ter die verlohrne Künfte zu rechnen / der befte Amianthus kommt 


aus Aſien / dann der aus Italien gebracht wird / iſt ſo kurtz und zer⸗ 
brüchlich / daß er ſich wie der andere nicht fpinnen laͤſt noch weni: 
ger kommt dad Alunıen Plumofum mit denfelben überein / als 
melches fo wohl von den Feuer ald gemwiflen Menftruis fan auffgelö- 
fet werden / dahingegen der Stein oder Erd- Flache beyden mi: 
derftehet / in der Artney / hat man ein Linimentum oder Gälb- 
lein don den Amiantho . welches eigentlich vor den böfen Grind ge- 

braudet wird. | 
Ammeos, Amios, Ammi-Verum, Cuminum Frhiopicum, 
Ammey;Saamen bemmt häufig aus Egypten über Venedig / Hip- 
D 3 pocrates 


Pr 


c 


54  Amm 


pocrates meldet / dag er in Egypten in Brodtgebaden/ und vor das 
Bauch⸗Grimmen und Unfruchtbarkeit gebrauchet werde / ev muß 
rein / friſch und wohlviechend feyn. : Seine Figur ift faſt den Kuͤm⸗ 
mel gleich / und fein Geruch wie Thymian / erwirdunter die bier 
Feine erwärmende Saanıen / oder Semina Calida minora ‚(welche 
feynd Ammeos. Amomi, Apy & Dauci ):gezehlet. 

Ammodiarc, vide Pachten. 

Ammomum Cordo , Rofa- Hierichunta, diefed Saamens gibts 
zweyerley groſſe Arten / deren die eine etwas Heiner und auch die be⸗ 
ſte iſt wiewohl jegiger Zeit offterö der Saamen falfch aus dem Lan⸗ 
de geſchicket wird/ der befte Eoninıt aus Meſopotamia iſt rund / groß 
ald Pfeffer oder Eubeben / man finder das Gewaͤchs auch inArme- | 
nien, aberohne Frucht / die Blumen ſollen ſich dem Origano glei= 
then / und wann es ja zuweilen Saamen bringet / felbiger doch 
nicht zum beften geartetfeyn/ einige wollen dies Gemwärhs fen die 
Roſe bon Hiericho, In Material-Handlungen werden bey uns nur 
zweyerley Gefchlecht/wiewohl Cluhus,deven drey beſchrieben / gefüh⸗ 
ret / der groſſe runde Saamen hat oben und unten ein Loͤchlein / vor 
dieſen brauchte man in der Artzney vor der Alten ihr Ammomum das 
Acorum, der Zeit aber die Naͤgelein oder Galgant. Was die ei⸗ 
— ſo genannte Rofa bon Hiericho betrifft / fo iſt ſelbige ein 

ewaͤchs / welche am Ufer des vothen Meers im Sand hervor 
wachſt. Gie beftehet / aus einen fat Handbreiten Stäudlein/ 
hat viele fich in einander flechtende / holgigte Aftlein/ kleine / laͤngli⸗ 
che und ſchmale Blätter / träget in der mitten runde Körner oder 
Fruͤchte / und iftinsgemein felbften vund / che fie fich voneinander 
thut / welches in warmen Wafler geſchicht / dap fie ſich aderin der 
— ie wie die einfältigenkeute glauben/aufithun folten/ 
ift eine Fabel / ſintemahl folches auch in andern Nächten / vpermuthlich 
durch des Winters Feuchtigteit geichichet / indellen manchen die 
Mard:Schreyers/ ein Hauffen Weſens von ihren Tugenden / und 
3— daß ſie abſonderlich denen Gebehrenden die Geburt be— 

oͤrdere. 

Ammoniacum Gummi, Am̃oniack / flieſt inAfrica aus einenKraut 
Ferulacea genañt / das beſte muß ſchoͤn weich / groß / weiß / gelb / und gra- 
nulirt ſeyn / dabey einen Bibergailiſchen widerwaͤrtigẽ Geruch Beben / 
und nicht fehr mit Rinden/Holg oder Sand vermengt / fondern rein 
und bitter feyn. Die Daraus bereitete Stuͤcke feynd (1) der gereinigte 
Ammoniack , welcher fich hernach in einen jeden mwällerigten Ligvo- 
re aufflöfet/ am beften aber in Terpentin / (2) das deſtillirtedle / wel⸗ 
ches durch einen Alembie oder Retort getrieben wird / 5) derSpiri- 
tus welches ein vortreffli Mittel das Geblüt zu reinigen / den 

Schar⸗ 


Ymm Amp 55 
Scharbock zu heilen / und die Verſtopffungen zu öffnen / €4) die 
Pilulen von Ammoniack , (5) der Relinofe , und (6) der Viscofe 
Extralt. 
Ammons Höenlein oder Cornua Ammonis, ein Art eines figu- 
rirten Steins. | 
„Ammunition, iſt Pulver und Bley/ zur Kriegs Artiglerie ge» 


Ampel Wuͤllkraut / Verbafcum Lychnite, 

Ampffer Acetofa Pratenfis. 

Ampffer mit knodigter Wurtzel / oxalis tuberofa fecunda. 

Anıfterdamiche Waaren / vide Holländifche, 

Amuleta ‚ werden diejenige äufferliche Artzney Mittel genannt / 
welche um den Hals / Armoder Bein gehangen werden / eineodes 
andere gewiſſe Krandheit zu heben / wiewohl es doch alles meh⸗ 
rentheils auff einen Aberglauben / oder halbe Zauberen hinaus laufft/ 
bey welcher der Nahme GOttes / und die Sprüche der heiligen 
Schrifft / ſehr gemißbrauchet / und auf dergleichen mit ſonderli⸗ 
chen Figuren gezeichnete Amuleta oft mehr aldaufein enffriges Be: 
bet / einen erfahrnen Medicum oder natürliche Arkney-Mitttel ge⸗ 
halten wird / insgemein findet man Engelifche Nahmen / als Mi- 
chael, Raphael , Gabriel darauf / welche vor Schug-Engel gehalten 
werden/ temSchlangen-Bildniffe / weil die aberglänbige Leute ſol⸗ 
he vor ein Antidotum, wider die gifftige Schlangen-Biffe halten/ 
man findet auch Ehymifche Amuleravon Gold und Silber / worauf _ 
man ſiehet des Allerhöchften Kob/ and Gebet zu denfelben/ dag er doch 
Die Arcana Naturz, ihren Indagatöribusund Nachforſchem / nicht laͤn⸗ 
ger wolle verborgen bleiben laſſen / wobey dann hundert Ænigmata 
und Hieroglyphica vorkommen / daß einer den Kopfflang genug darũ⸗ 
ber zerbrechen foll / ehe er fie wurde ausdeuten. Wir überlaflen ſol⸗ 
che Ehymifche Grillen und Philofophifthe Gold-Medaillen, denen 
Goldmachern / wo deren nod) einige zu finden ; unfer Kauffmann 
hat damit nichts ( alö fo weites inden Kunft und Medaillen- Handel 
binein Lauffen möchte) zu thun / noch viel weniger mit denen von den 
Dvasffalbern/ und alten Weibern/ oft ausgegebenen Amuletis, wel⸗ 
che mehrentheilsauff Betrügereyund Mißbrauch des Goͤttlichen Nah⸗ 
mens hinaus lauffen. Wer ein mehres Von Amuletis zu leſen begehrt / 
der ſehe D. WolfisScrutinium Amuletorum,, Julij Reichelts Profef- 
Koris zu Straßburg / differtat, de Amuletis, item, des Eraſmi Fran- 
ciſci Schrifften/ a. 

Amulireti / vid, Email, item Gemaͤhl. 

Amygdale, Nuces Grecz & Thafız ‚vid. Mandeln. 

Amylon, Krafft- Mehl / a / wird aus den beften Weihen ge» 

D 4 macht / 


56 - Amy Ana 
macht / und das Leinen-Zeug damit zu fteiffen / item auch zu Saar Pu= 
‚ der gebraudt. 

Anacardium Brafilienfe, fonft auch Elephanten Läuf genannt. 
Diefe ar heiſſet Anacardium , weil fie einem getrockneten Hertz 
an der Geftalt gleich kömmt / ſonſt iſt ihr eigentlicher Rahme Cajous. 
Cs iſt noch einander Anacardium, fodiefem gang; gleich koͤmmt / aufe 
fer daß der Hals oder die Drüfe fo oben heraus waͤchſt / nicht ſo kumm 
ſondern gerad und länger iſt / ſie wird bon Malabar gebracht. Es 
wãchſt auch eine Artin Sicilien / welche oben auf gleichfam eine ho⸗ 
be Krone hat / wiewohl ſie den Eigenſchafften nach mit dem-Malabari- 
fhen gargenau übereinfommt. Diefe Frucht hat einen Blutrothen 
dicken Saft wie Honig unter der Schale/ und in dee mitten einen 
Kern als eine Mandel/ fie fol wider die Wuͤrmer vortrefflich ſeyn. 
Noch eine andere Art dergleichen Frucht / wird auch aus Brajilien ge⸗ 
bracht / fobon einigen ebenfals Anacardium , und von andern Ca- 
jous genennet wird / ift aber mehr Nieren als Hergförmig. Die 
Confeetio Anacardina flärefet und bermebret dad Gedaͤchtniß. 

Anacollcma ‚ bedeutet insgeineineine Leimung / in der Medicini- 
ſchen bractiea aber /ift edein Mittel daß der Stirn appliciret / und 
gleichfam angeleimet wird/ damit ber Blut- Flug in der Nafenoder au 
den Augen geftillet werde. 

Anagallisterreftris rubra, Phoenicea mas, gauchheil Männlein/ 
nr Coerulea, gauchheil Weiblein / wächlet faftin alien Gaͤr⸗ 
ten/ in Händen gehalten / flillet ed das Nafen-Bluten. 

Anagallis Agvatica Beccabunga ‚' Sium‘Agvaticum , Maffer 
— Bachbungen / wird mit Nutzen gegen den Scharbod ge: 
raucht. 


Ananas ſive Nana. Dieſe Frucht wird weitläufftig von Wormio 
beſchrieben. Sie waͤchſet nad) Art der Dieſteln / hat lange ſchmale 
kleingekerbte Blätter / blaue Blüten / und träget oben auf / allezeit 
einen Buſch / der werner abgenommen und ın die Erde berfetet 
wird / das folgende Jahr wiederum eine folche Frucht hervor bringet, 
Gie wird faft fo groß ald eine Melone/ hat ein wohlgeſchmacktes 
Fleiſch / und angenehmen Geruch / allein fo es viel genoſſen wird / 
berurjachet es gefährliche Entzündung tm Hals / fo. ferne man es 
hingegen in Stäcen ſchneidet / und diefe in Spanifchen Wein er- 
meichet / ziehet diefer das Schädlichfte daraus an ſich / abereben 
diefes iſt aud) was den Geſchmack am lieblichſten madet. Denn 
hernach befommit der Wein denfelben Geſchmack / hingegen auch 
ſchaͤdliche Eigenſchafft / daß er Entzuͤndung im Hals verur⸗ 
N) | 


_ Anapallus, Bellony, velOpuntia, Ä 
Anato- 


Ana Alt $7 


Anatocifmus, heift der aufverfallene Zind-Gelder wieder gerech⸗ 
nete Zins / welcher von den Wucherern genommen wird. | 
Anatomiren / zergliedern / zerſtuͤcken / zertheilen / ſonderlich 
ein Todten⸗Coͤrper / und deſſen innerlich und äufferliche Theile / 
wohl befichtigen / wie ſolches gar bielfältig von Profefloribus Me- 
. dicinz auf Univerfitäten geſchicht / ob nun wohl diefes die Kauffleut 
und ifr Magazin nicht angehet / fo fuchen doch mandhmahl die 
otedfer und Materialiften/ folche Sachen die in die Anatomie ge⸗ 
hörend / (theils weil bey ihnen Nachfrag der ‚Medicin halber dar« 
nach gefchicht/ theils vor die Colle&teurs der Kunſt⸗ Kammern / und 
raren Cabinetten / theild auch zu Auszierung ihres eigenen Gewoͤlbs 
oder Materialien Kammer Anatomie Sachen / damit aber der ge⸗ 
neigte Lefer willen möge / worinnen folche eigentlich beftehen / fo wol⸗ 
len wir eine kurtze Erzehlung derer / in der vortrefflichen Leydiſchen 
Anatomie Kammer aufbehaltenen Anaromifchen und anderer Rari⸗ 
täten/hiemit vorftellen / und zwar ſiehet mau gleich zu Eingangs in 
befagte Anatomie Kammer. Die Köpffe von ꝛ. Elephanten / un» 
terfchiebliche Zieger / Panter Thier/ Rhinoceros, weiſſer Hirſchen / ei⸗ 
nes Thiers fo in Brahlien Tajacon genennet wird / und bloß bon Amei⸗ 
fen lebet / eined See-Pferds / Elends und anderer Kild / unge: 
meiner Thiere-Hänt / ferner eineAufter Schale fo o. Pfund wieger/ 
einen Wallfiſch Elends und wilden Schweins⸗Kopff / ein Crocodill; 
Rorwegifches Haus von Balden zufammen gefegt / einen Schnabel 
von einer Braftlianifhen Gang / etliche Indianiſche Pfeile / eine 
Trompete von Baum⸗Rinden / Mofcomitifchen Bogen / Pollnifche 
Stiefel / Bappifche Hofen/ zwey Hörner von einen wüden Ochſen / einen 
Haar⸗Schopff von einen Mofeowitifchen Moͤnch / eine Eofagvifche 
Baute/ ein Indianifches Hembd / Finniſche Schritt-und — 
ledernes Schiff / Chinenſiſche Waffen / eine Partiſane von einenFiſch⸗ 
Grat / ein Chirurgiſches Inſtrument Glofocomium genannt/ einen 
natürlich an einen Baum gewachfenen Geffel / ein Sceleton von einen 
ungebohrnen Wallfiſch / zwey Tieger Ihier / einen Beeren / einScc- 
leton von einen Adler/ ein Civer-Kage/ einen Vielfreß / ein Meſſer fo 
inEngeland gefunden worden / mit der Auffchrifft / bring um vie 
Hunde / verbrenne die Hündinnen / brate ihre ungen. 
In der Anatomig Kammer felbft ſieht man oben an der Dede unter: 
fhiedliche monftrenfe Gebeine / eglihe Wallfiſch⸗Zaͤhne / ein Scele- 
ton von einen Beeren/ Ä 
Rund herum ſieht man 
Ein Sceleton boneiner Kuh / Wolff/ Affen / Efel/ welcher auf 
feinen Rücken eine Frau trägt / die ihr Tochter Kind umgebracht/ 
tin Sceleton don eimer Katz / von — Maͤdgen von 7. Jahren/ Ye 
— ihr 


58 Ana 


ihr Kind umgebracht / von einen Tieger / vomeinen Bock / von ei⸗ 
nen Gärtner/ der fich felbft erhangen / von einen Beeren / Sirfchen/ 
von einen Thier / die Faulheit genannt / von einen See⸗Haſen / 
Hund / Pferd/ See⸗Raͤuber / Schaaf / wilden Bock / Vielfraß / 
von der Cathrina von Hamburg / die ihres Diebſtals wegen / ger 
hangen worden / von einen Mann / der auf einen Ochſen reitet / von 
einen Affen / Jagd⸗Hund / See⸗Hund / zwey Deferteurs, die noch 
mit ihrer Haut bedeckt / item ‚von eines Capitains Laqpeyen / der in 
Haag gehangen worden. | 

“ Um das Anatomie Theatrum ſieht man an 

Re ver Wand, 
Cine groffe Mumie, auf welcher das Bildniß / der Boͤttin Ceres 
eingegraben / den Kopf von einen Elephanten/ Wolff / Meer⸗Kalb 
nnd Meer⸗Reyher / fo den Wallfifchen nachftrebet / einen unbefand> 
ten Fiſch / Meer⸗Igel / 2. Thiere Taitons genannt / ein’ Membrum. 
virile eines Wallfifches / ein Gee-Schwerdt/ eine zubereitete Men⸗ 
fhen-Haut/ ein Thier die Faulheit genennet / einen felsanten Fiſch / 
fo indem Harlemer Meer gefangen worden / einen Rochen vor Ango⸗ 
la / einen Ameiß-reffer / einen Grocodill, eine Mannd-Blafe / in 
welche s. Dvartier Waſſer gehen / eine Manns-⸗Haut / auf Perga⸗ 
ment Art bereitet/ einen See⸗Hund / Arm / Fuß / und Kopfvoneis 
nen Miffethäter / das -Contrefair des Preuflifhen Meſſer⸗Gchlu⸗ 
ckers / ein Hembd von eines Menfchen-GBedärmen gemadt / ein 
Indianiſch Eichhorn Fell / eine gegetbte Frauen-Haut / ein See⸗ 
Kalb / ein Meer⸗Staar /ein Meer⸗Igel / ein Fifch der wie ein Bier⸗ 
Krug ausſieht / dieScelera von einen Kaninichen / wilden Schwein/ 
Affen / Hahnen und Tauben / eine groſſe Schild-Kröte / auf welcher 
ein unbefandt Ihier ſitzt zwey Stuͤck Wallfiſch⸗Baaren / ſo beyZirck⸗ 
See gefangen worden / dreygroſſe Schlangen-Hänte / einen Walk 
fiſch Schwantz und Rippen / eines neugebohrnen Kinds-Haut/z. In⸗ 
dianiſche Pferd⸗Haͤut / Chineſiſche Wuͤrmer / eine felsame Fifch-Blafe 
und Magen eines Fiſches / ſo bey Schevelingen gefangen worden / 
einen Manns und Schweins-Magen / etzliche Menſchen⸗Gedaͤrme / 
einige unbekandte Fiſche / einige Hirſch⸗Fell. 
In der groſſen Kiſte Nordwerts. Lit A. gezeich⸗ 

net / ſiehet man 
Eine Mumia eines Egyptiſchen Printzens über 1300, Jahr alt / den 
Schnabel von einen Vogel Rhinoceros oder Topau genannt / eine 
weiſſe Schachtel doll ungebleicht Egyptiſche Feinwath / eine Rolle 
Ehinefifch Papier / einen groffen Stein/ fo man einen jungen Maͤd⸗ 

en aus der Geite gefehnitten/ ein Eovallen-Bäumlcin / ſechs Steine 
o einen Mann ans der Blafe gefchnitten worden / eines m 

ogels 





Ana 59 


Vogels Schnabel einen groſſen Arabifchen Jaßpis / einen Topff / mit 
Chineſiſch Bier angefüllt / einen Indianiſchen Saͤbel / eine Roͤmi⸗ 
ſche Todten⸗Lampe / die allzeit brennet / einige Roͤmiſche Gefaͤſſe / 
einen Indianiſchen Krebs / eine Hand von einer Sirenen / einen 
Schwamm / fo in Harlemer Meer gewachfen /. einen Fuß. don einen 
Meer- Wunder / eine Braſilianiſche Eyder-Hautl einen Chineſi⸗ 
fchen goldnen Ring / ein Rhinoceros Kopff / zwey Flügel von einen 
fliegenden Fiſch / eine Urnamit Mumien Balſam / ein Tieger⸗Kopff 
ein Schweins-Kepff Borbiroufa genannt / fo Halb ein Hirſch / und Halb 
ein Schwein ift / ein Meer-Schweind-KRopft / Fluviatilus genannt/ 
die Haud und den Fuß von einer Mumie / ein Stein⸗Schwamm / ein 
Stein Heliotrope genannt /ein Rhinoceros Horft / eine Egyptiſche 
Bohne / ein gedrucktes Chineſtſches Buch / ein Donner-Keil / ein 
Arm bon einer Mumie / ein Dito gang duͤrre und —⸗ Per⸗ 
ſianiſche Tobacks⸗Pfeifſe. | 


Im Kaſten Lit B. 


Des Sceleton von einen Dieb / daran man noch alle die Mufcıdn 
ſehen kan / wie ſie von einander unterfchieden feynd. 


"m Kaſten Lit. C. 
Das Sceleton eines neugebohrnen Kinds / einer Mauß / eines 
Maulwurffs / die Adern aus einer Menſchen-Leber / ein Schrö- 
deroder on Hirſch / ein balfamirter Abortus , oder unge- 


bohrnes Kind. 

Im Raften Lit. D. 
Eine Egyptiſche Urn amit einer balſamirten unzeitigen Geburt / ei⸗ 
ne Schlange / ein Egyptiſcher Kaͤffer eine Gee- Spinne / ein Fiſch 
"Caprifcus genannt / eine Egyptifche Eule / ein Brod von einen unbe: 
kandten Mehl / ein Hanımer / mit welchen die Bilden in Nova Hol- 
landia Die Fremden todt fchlagen / eine balſamirte ungeiige Geburt/ 
die groffe Hertz⸗Ader des Menſchens. 

Im Kaſten Lit. E Be: 
Der Arm bon einer Egyptifchen Muntie / das Bein bon den diembro 
virili eines Wolffs / ein Adler Stein / ein Lapis Nephriticus, ein 
Stein fo in den Kopff eines See⸗Kalbs gefunden worden / dad Orga- 
num des Gehoͤrs / eines Wallfifches/ ein See⸗Hahn / das Bein von den 
Membro Virili eines Bibers-oder Caltors, Die Blafe eined Hunds/ 
item eines Manns / eine doppelte Bläfe von einen Fifche/ die Leber⸗ 
Adern / ein Trind-Befhirr bon eines Menfhen Hirn⸗Schale / 
ein Mohren⸗Kopff. Ein Sceleton von einen Igel / Froſch / Wiefel 
und Waſſer⸗Ratz / ein junger Egyptiſcher Crocodill, eine Schaͤf⸗ 

| fer⸗ 


650 Ana 
fer⸗Floͤte aus der Inſul Maliha, die Mutter aus einer rauch 


/ | m Raſten Lit. F, 

Ein hoͤltzern Bild des Egyptiſchen Goͤtzens Oſiris, Gohn des Jupi⸗ 
tersund der Niobe. Ein anderBild von der Goͤttinn Ilis des Oſiris 
Gemahlinn / wie ſie ihren Sohn Horus zu ſaugen giebet. Ein hoͤl⸗ 
—— Egyptiſcher Goͤtze welchen man bey Einbalſamirung der 

odten gebraucht⸗ / drey ſolcher Bögen von Stein / ein Trinck⸗Ge⸗ 
ſchirr aus einer Schild⸗Kroͤt Schale / Schlangen-Eyer / des Scelc- 
ton don einen Maulwurff / die Langen-Adern/ Diebs⸗Ohren / eine 
Diebs-Zunge/ ein Manns⸗Hertz und = ein Haͤutlein aus den 
menfchlichen Gehoͤt / ein Daume von einen Türdifchen"Bafla, 

m KRaſten Lit.G. 
Dos BilddesOfrispon Kupffer / eine Waſſer⸗Schlange / ein Arm 
eines Egyptiſchen Heldens / wie eine Mumia, ein einbalſamirtes Bein / 
ein hoͤlherne Lade / auf deren Deckel der Iis Contrelan eingegraben / 
inwendig aber das Hertz eines Egyptiſchen Printzens einbalſamiret 
lieget / ein Fiſch Shincus genannt / ein Rieſen⸗Bein. 
Im Raften Lit. H. 
Dad Gedärn und die Leber von einen Schwein / 2. Goͤtzen von 
Stein / ein Triuck-Geſchirr don durchſichtigen Marmor / ein 
Fiſch Remoragenannt/ eine unzeitige Geburt daben die Muſculn 


abgeloͤt. | 
| Im Raften Lit. I. 
Ein Sceleton eines Diebe / mit feinen Ligamenten aufgericht. 
J Im RKaſten Lit. K. 
Das Sceleton bon einem Kind von s. Monath / item ein neugebohrnes 
Kind / ſo einem Mohren gleich ſiehet. 
Im Kaſten Lit L. auff der Suͤder Seiten. 

Eine Mumia einer Egyptiſchen Prinzeſſinn / ein paar Pantoffelu bon 
Siam, einer Oſtindiſchen Eydex⸗Haut / das Contretait einerMalacgvi- 
ſchen Frauen bon ıso. Jahren / ein paar Ruſſiſche Schuh / 2. Japoni⸗ 
ſche Goͤten / der Kinnbacken von einen Emiſtole, ein Loͤwen⸗Kopff / 
eine Römifche Urna, in welcher der verbrannten Coͤrper ihre Aſche 
auffbehalten wurde / eine Frauen-Schaam / mit überaus langen 
Haaren / ein Römifcher irrdener Krug / ein Sianiſcher Goͤtz / von 
vergulden Silber / ein Chinenfifcher Topff / eine Büchfe mit weiſſen 
Puiver / fo die Haar austallen macht / ein Zweig von einen Baum / 
mit Stein umwachſen / ein paar Peruanifche Manns⸗Schuh / ein 
paar Egyptiſche Pantoffel / ein Oſtindiſcher Wurff⸗Pfeil / ein Oſtin⸗ 
diſches See⸗Pferd / ein fliegender Drach / und Fiſch / einige unhekand⸗ 

| te 


Ana 61 


te Fiſch / eine Rönrifche Todten⸗Lampe / eine Römifche Lampe / ein 
Stück Rhabarber, fo einen Hunds⸗Kopff gleich ſiehet / ein Korb voll 
Crocodill Eyer/ eine Tndiahifche Meer-Spinne / eine Manns⸗Le⸗ 
ber /in welcher ein Stein gewachſen / fo groß als eine Bley⸗Kugel / 
ein Schaaffs⸗Rippe mit drey Zweigen / dad Organum des menſchli⸗ 
chen Gehörs/ eine Dofe mit Mofcowitifchen und Indianiſchen Gold 
angefüllt/ die BluteYdern eines Menfchen / etliche gläferne Egypti⸗ 
fche Schröpff-Köpffe / das Sceleton von einer Schlangen / von ei⸗ 
nen neugebohrnen Kind / von einer unzeitigen Geburt von 4.Monath/ 
eine Schüffel mit ven Stein Offifragus genannt / einen Stein den 
mananden Ruͤck⸗Grad eined Menfchen gefunden / ein Glaß mit 
Ehinenjifhen Feigen / eine Kugel / Manfa genarfht / die manin den 
Magen einer Kuh —— eine groſſe Roͤhr von Braſilianiſcher 
Cafe, eine Schachtel mit einen — Stück Ambra, eine Ameri⸗ 
caniſche Bohne / ein Indianiſches Meſſer / ein Trinck⸗Geſchirr / von 
vergulden Indianiſchen Holtz / ein Kaͤffer / von den Capo Bonæ Spei 
ein Wolffs⸗Kopff / ein Trinck⸗Geſchirr von einer doppelten Hirn⸗ 
Schalen / einige Eorallen-Bäumlein / die Hirn⸗Schale von einen 
Strauß / das Bildnig der Göttin Fortuna, ein groffes Bein / fo 
man in einer so. Jaͤhrigen alten Frau ihren Leib gefunden/ Ehinenft- 
ſche Mauns und Frauen-Schuh/Sceleta don z. jungen Pferden/item, 
bon einen Findel⸗Kind / ein in Stein verwandeltes Brodt. 
m Raften Li.M. 

Einige zur Anatomie dienende Inftrumenta, Die Sceleta bon ei⸗ 
nem beruhniten Dieb /und von einen monftreufen Menfchen. 


In den Umgang unter dem Theatro Anatomico fies 
het man in dinen Schrand oder Behalter. 

Zwey Leguans , eine Schlange / ein Blindfchleud / einen Sala- 
mander / einen Scorpion von Eeylon / eine Hyacinthen Blum/ den 
König oder Führer der Hering / eine Spitz ⸗Maus / eine fammende 
Schlange / eine unzeitige Geburt von 4. Monath/ ein Ihier die 
Faulheit genannt / ein unzeitige Geburt von. Monath / ein Croco- 
dıllin dem Ey/ die Nachgeburt einer Frauen / in welcher man alle 
Theile ordentlich zufammen geleget / eine Geburt von 24. Tagen/ 
eine gräßliche unzeitige Geburt / eine kleine Katz / mit einem Kopff 
und, Leibern und s. Fürfen / eine vergiffte Schlange / eine Dito auf 
deren Haut lauter Briten zu fehen/ zwey Blätter bon wohlriechenden 
Oleander ‚ auf welchen 2. Silber- Farbe Sommer⸗Voͤgel zu fehen/ 
eine ſchwartze fledigte Schlange/ ein Feuer-Vogel / ein Eeyloni- 
fher Scorpion / eine fledigte Eydex / eine geftreiffte Dito / ein - 
Aſt von einen Nägelein- Baum / 2. gifftige Schlangen. 

: Fol⸗ 


62 ana | 
Folgends wird alles in Liqvoribus bewahrt. 

Das Eingewevd von einen See⸗Hund / in welchen die ValaSangvi- 
nis, mit Wachs angefüllt. Ein Theil von den Gedärki Jejunum ge= 
nannt / in welchen die Blut-Adern/ mit Dbed-Gilber/ und die Adern 
mit roth Wachs angefüllet. Drey andere Stuͤck von Gedärmen/ 
‚auf eben diefelbige Art zugericht, Ein doppelter Kopff von einen 

en. 


Ferner iſt auff ein Brett zu erfeben. 
Die Gebähr- Mutter eines Schaaffd / welche aufgedruchnet worden/ 
nachdem man das Lamm heraus genommen/ und deſſen Vafa Sangvi- 
nis mit Blut angefüllt. Das Bein und der Schendel einer Kat; mit 
feinen Mufculis,. *Die Gebähr-Mutter einer Frauen / die a. Tag 
des Kinds geneſen war / wobon man die Vafa Sang vinis ebenfalls mit 
Mach angefullet. DasMils von einen Kalb/ von den man dieMu- 
feulos genommen / und die Blut-Ader mit Wachs angefuͤllt / die 
Auricula des Hertzens / 2. Kalbs Mil mit Mercuriound Wachs an⸗ 
gefüllt/ die Tefticuli und Saamen-Gefäß / wie auch einige Theilvon 
der Bebähr-Mutter eineRub/dieGebähr- Mutter einer jungen Toch⸗ 
ter / wie auch die Membranz, hymen genannt/ ein Stüd von der 
Haut / in welcher man die Vafa mit Mercurio angefüllet / ein Manns 
Hertz / dergeſtalt zubereitet / daß man dafelbft Die FibrasMufculares 
fehen Fan / ein Stud von des Miltzes Oberfläche / dergeftalt zuge⸗ 
richt / daß man die Vafa Sangvinza deutlich darin diftinguiven fan/ 
eine Indianifche Eyder/ eine Schlang/ ein Eydex / zwey Manns-Nie- 
ren / ein Ameiſen-⸗Freſſer / ein Scorpion / einCrocodill, item aufge: 
trocknete Froͤſche. 
| Auff den andern Brett ſiehet man 
Die Nachgeburt einer Kuh / die Harn und Geburts-Theile einer 
Frauen / ingleichen die Wachgeburt auf eine befondere Manier zube- 
Teitet/ Arteriam Afperam bon einen Schaaf / item das Diaphragma 
dabon / ein Menfhliches Hertz / in welchen die Arterien mit rothen 
Wachs angefullt/ die Adern mit Qbed=Gilber/ferner die Nachgeburt 
von 2. Fuͤllen / mit den Rabel-Befäffen / ebenfalls mit roth Wachs er⸗ 
füllet/ / ein Menſchlich Hertz / eine Kröte mit ihnen Jungen / und eine 
Eydex in den Ey / eine See⸗Katz / eine unzeitige&eburt don 6. Mo⸗ 
nath / in deren Bruſt und Bauch man gar genau alle Viſcera, Einge— 
weyd / und Valas mit Wachs erfuͤllet / wie auch noch die Nabel⸗ 
Schnur erkennen kan. | 
In der folgenden Rammer ſiehet man 
Das Sceleton von einen enthaupteten Frantzoͤſiſchen Baron, ein Dito 
von einen Dbriften der Straſſen⸗Raͤuber ſihend auff einen nn 
Ge: 


Pe 7 00 


Ana ma 63 


See⸗Pferds⸗Kopff / drey in ihrer Haut aufgerichte Kinder / einen 
berühmtenStrallen-Räuber/und überden noch unterſchiedliche Thie⸗ 
re alle anatomirt/und ihre Scelera auffgerichtet. 

Anatron ift der Schaum der Materia, woraus man dießläfer ma⸗ 
chet / eigentlich die Glaß⸗Galle / es wird auch Anatron genommen / vor 
dasjenige weiſſe Ding / das aus Felſen / wie weiſſe Usnca waͤchſt / auch 
von etzlichen Nitrum genannt wird / dergleichen findet man viel um 
Jena. | 

Anchois, vid. Sardellen. 

Anckers / lat.Ancora, fi, Ancres, ſoll erſtlich Midas,Gordii Sohn/ 
wie Paufanias,Hiftor,lib.I, meldet/ und die Ancker mit 2. Haden/Eu- 
palmus, nad) Plinii Bericht / 1ib.7.cap.sc. erfunden»haben/ es dienen 
aber die Anckers denen Schiffenden/ um in Sturm und Ungewitter/ 
oder auch wann fie jetzt auff einer gefährlichen Rheide liegen/ ihre 
Schiffe damit befeftigen/ indem (te nemlich diefelbe in dem Grund 
der See werffen / woſelbſt fie (ich in den Sand einziehen / uud weil 
fie mit einen langen und ſtarcken Tauw an.das Schif angemadet 
feyn / daffelbe zugleich halten) / daß es von den Wellen nicht Ean fort 
getrieben werden. Dergleichen Ander/werden nun fehr viel in des _ 
nen See-Städten/ wo grofle Schiffarth ift/ verfertiget / die meiften 
aber in Schweden/ weil fie dafelbft des Eiſens eine groffe Menge 

Haben/man verkaufft ſie nach dem Schiff⸗Pfund / auch wohl Heine An: 
ckers / nach dem Geſicht und Stud weiſe. 

Andorn / Marrubium, album & nigrum. 

Andorn / riechender Staehijs. 

Androfaces, Cufcuta. 

Androfemum minus Hypericum, 

Anemone Kößlein/Anemone, ’ 

Anethum, Dill/ wird in den Rüchen-Gärten — Blätter/ 

Blumen und Wurtzeln davon/ killen den Kopfl-Schmergen/ dienen 
auch wider Gifft und Bauch⸗Grimmen. Der Dil-Saame/ iſt ein 
platter/ dünn und häutichter Saame / mit dreyen Striemen / eines 
Kharffen aromatiſchen Geſchmacks / und gleich einfchläffenden Ge⸗ 
ruchs. Das Kraut iſt lieblich Aromarifch/und hat in receſſu, ein Sal 
volatile oleofum dad gemäfliget iſt / dannenhero es in denenafledti- 
bus inteflinorum flatulentis gebrauchet wird / derfelben acidum zu 
deftrusren. 

Angelica Hortenfis, feu Sativa, heilige Geift Wurg/ ift fehr be- 
belandt / wächft aber nicht allenthalben/ die meifte und kraͤfftigſte 
koͤmmt aus hohen Gebirgen / abſonderlich aus Schleſien und Böhmen/ 
in Rerwegen / Jöland und Pommern findet man auch viel / item, in 
den hohen Schweitzer⸗Gebirge. Reben dieſer Wurtzel hat — 

au 





64 Ang Ant 


auch von derfelben ein Eöftlich Del/und: den Saamen. Die Wurgel/ 
welche im Herbſt gegraben / wird gerne wurmicht / abfonderlidy wo 
ſie nicht wohl geduͤrret / und troden in Wermuth eingewicelt ver⸗ 
wahret wird. Gieift fon fehr gut wider den Scharbod‘/ Seiten⸗ 
ſtechen / Zahn⸗Weh / und gifftige Lufft/die Branntmein- Brenner brau⸗ 
chen ſie biel den Branntwein damit abzuziehen. Der Saame iſt 
weiß und breit/hat einen flavden Gefhmad und Geruch. 
Anguria, vide Citrullus. | 
Animalia, Thiere / frangöf. des Animaux, kommen fo wohl leben- 
dig / als gewille Stüde derfelben/nachden fie getödtet feynd / in die 
Handlung / unter die Lebendigen zählen wir den Vieh-⸗Handel ınit 
Ochſen / Pferden / Maul⸗Eſeln· Cameelen / Affen / Papagoyen / und als 
lerhand Fiſchen / welche insgeſammt entweder in Laſttragende / zur 
Luft oder auch zur Nahrung dienende/können eingetheilet werden / die 
Theile von den Thieren ſeynd ihre Wolle/ Haare / Federn / Hoͤrner / 
Haͤute / Fett / Schmaltz oder Unſchlicht / ihr Fleiſch entweder friſch oder 
eingeſaltzen / oder geraͤuchet / von welchen allen in dieſem Merck / unter 
eines jeden eigenen Benennung Meldung geſchehen / hier diene nur 
von denen / in den Officinen / und Material Kammern gebraͤuchlichſten 
partibus Animalium zu wiſſen / daß die Vornehmſte Darunter ſeynd. 
EÆgagropike, Gemfen-Rugeln/ Alcis Cornu & Ungulæ, Elends⸗ 
Horn und Klauen / Cantharides, Spanniſche Mücen / Caſtoreum, 
Biber geil/ Cera alba, weiß Wachs / Coccionella, Cochenillen / Cor- 
nu cervi, Hirſch⸗Horn / dito raſura, geraffelteö/diro Cornu C. uftum, 
ebranntes Hirih Horn / Cranium humanum, Menfchen Hirnſcha⸗ 
n/Cingulum ecorio humano,Bürtel aus Menſchen Haut /  dentes 
apri, wilde Schweins Zähne/ dentes Caftoris, Biber⸗Zaͤhne / Hippo- 
potami, Wall oder See⸗Roß Zaͤhne / lupi Wolffs Zähne/ Fbur fofli- 
le, gegraben Einhorn/ Ebur integrum, Elephanten Zähne / Ebur ra- 
fpatum,gefeilet Helftenbein/Ebur uſtum, ſeu ſpodium, gebranntSJelf- 
fenbein/Hepar lupi, Wolffösfeber / Iehthyocolla, feu colla pifcium, 
Saufen Blafen / Mandıbulae Lucy Pifcis, Hecht⸗Zaͤhn / oder Kieffer/ 
Moschns, Biefam/Mofch' folliculi, Biefam Häutlein/ Mumia vera, 
balſamirt Menfchen Fleiſch / oculi eancrorum, Krebs Augen / oſſa de 
corde cervi, Hirſch Kreutz / oder Hertzbeinlein / ova Struthionis, 
Strauſſen Eyer / priapus Cervi, Hirſchruthe / P. Ceti, Wallfiſchruthe / 
pulmo vulpis præpar. Fuchs⸗Lungen / fangvis Hirci, Bocks⸗Blut / 
(ang. hnmanum præpar. Menſchen⸗Blut ſericum crudum, rohe Sei⸗ 
de / ſpinæ viperarum, Natter⸗Grad / ſtinci marini, Meer Eydexen / 
tali leporis, Hafen Sprung / telludinis fragmenta, Schildkpoͤt Pate 
ten/Zibethum, Zibeth. - j 
Anime Gummi,ift eined Indianifhen Baums Hartz / von welchen 
es 


Ani 65 


m— ñ—,s —— —— — —— — ——— —— 
es in groſſen Klumpen zuſammen als Wachs ſchmeltzet / und doch rein 
bleibet / kommt itziger Zeit aus Spannien / muß oͤligt / und gleichſam 
feiſt / und in groſſen Stuͤcken / und gelb ſeyn / auch einen lieblihen@e- 
ruch haben/und ſich gern brechen laſſen. Seine unterſchiedliche Sor⸗ 
ten feynd/gummi animæ fulvelcens und pellucidum,gelb/ durchſich⸗ 
tig / nigricans colophoniæ fimile, ſchwaͤrtzlich dem Geigen⸗Hartz 
nicht ungleich / und gummi pallidum und retorridum. Die India⸗ 
ner nennen ihn Jetaicia, und Die Portugieſen anime, ber) dem Alten 
iſt diefer Gummi unbekannt geweſen / wiewohl einige folchen vor ihr 

Eacam halten wollen/er muß auf den Kohlen wohl flieflend ſeyn die» 
ſes Gummi Krafft erſtreckt ih auf alle Werben» Krandheiten/ 
wann man [ich damit fehmieret/oder folches in Forin eines Pflafters 

- applicitet. Ran hat auch davon das detillirte Del/ welches wie aus 

andern reſinen geſchicht / durch eine retorte in Sand bereitet wird. 

Anis / Aniſum. Abſinthium dulce, iſt ein wohlbekandter Saa⸗ 
men / welcher nur blos ſammt ſeinen Oel gebrauchet wird / er waͤchſet 
an vielen Orten / abſonderlich in Thüringen und in Bamberger⸗ 

Land / wird in Herbſt zeitig / wann der Saamen ſchoͤn grob / vein 
von Stengel / und grün fällt / fo hält ex ſich lang / und wird baid ver⸗ 

kaufft / wann er aber alt / oder naß eingeſammlet worden / wird er 

ſchwartz. Den Schwind⸗und Lungen⸗ſuͤchtigen Leuten iſt der Anis 
ſehr gut / ſo benimmt er auch den ſtinckenden Odem / ſtillet den 

Darm⸗Fluß / und rothe Ruhr / c. Der Beſte und meiſte wird in 
Francken und Thuͤringen gezogen / es koͤmmt auch eine Art aus J⸗ 

talien über Benedig/ welcher aber viel kleinere Körner als der Teut- 
fche hat. Das von den Anis deftillirte Del/ hateine ftärdende und 

erwaͤrmende Krafft / zertheilet die Winde/und ift gut Vor das Bauch⸗ 

Grimmen / eben wie der Saame,wann daraus ein Tranck gefotten/ 
und gebraudet wird. Zu Schmalkalden / in Thüringen/ machet 

man aus den Anis / den Balſamum fulphuris Aniſatum, welcher ſehr 
gut vor die Lungenſüchtige iſt / vor einigen Jahren / iſt auch ein ge⸗ 

Saame aus Indien und Siberien gebracht worden / welcher an 

Geſchmack und Tugend dem. Anis faſt gleicht mmt/ und Deswegen 
der Stern⸗Anis genennet wird / weil er der aͤuſſerlichen Beftalt nach 
einen Stern prafentivet/ver Saame ſiehet faſt den Leinen⸗ Saamen 
gleich / was den Glantz anbetrifft / iſt aber wohl groͤſſer und hat einen 
gleichſam / aus Auis und Fenchel vermiſchten Geſchmack und Ge⸗ 
ruch / dahero er auch von einigen der Sineſiſche Fenchel genennet 
wird. An Tugenden koͤmmt er unfern teutſchen Anis bey/ wiewohl 
Pomet in den Anhang feiner materialien pag.ıo, fehreibet/ day er 
lieber ein Pfund dieſes Sinchfchen Anifes / als 10. Pfund gemeinen 
haben wolle. Es wird auch ein — daraus gemacht / * 

en 


66 Ani Ant | 


chen die Holländer/Anis Arak nennen/ wovon ein Picol dieſer Feucht 
(fo 120. Pfund hält) in Holland vor zo. biß zo. Rthl. verkaufft wird, 
Don den. Anis merde folgenden Vers: | 

Emendat vifum, ftomachum confortat änifu 4 

Anodyna, Schmersftillende Mittel / dergleichen feynd/ Crocus 
opium,und alle preparata au$ den opio und croco, item papav, er- 
rat. & fativ, Ol, lil. alb, hyofe. alb.hypericon,&c., | 

Anonis, vid. Orore-. . * 

Anſerina, Argentina, Potentilla, Tanacetum agreſte, agrimonia 
Gilveftris Gaͤnſerich / Silber⸗Kraut / ſoll das Bluten ſtillen / und vor 
den Durchbruch und rothe Ruhr helffen. 

Antagathes, Agtfein/ oder ein anderer hartziger Stein / welcher / 
wann er angeſteckt iſt / brennet und einen lieblichen Myrrhen⸗Ge⸗ 
ruch von giebet. | — 

Antemetica, Arhney⸗Mittel / welche den übermäßigen Brecheu 

‚ währen/und den Magen flärden/dergleichen feynd / Spirt. vini,und 
alle fpirituofa aromatica,terrz pingues mit etwas opie. 

Antbelmintica, Wuͤrm tödtendeund.abtreibende Argneyen/als da 

- find Rad. filic. Rhabarb, Sem, Zedoar. nicotian.flor, perſic. C.C. uſt. 
Corallin zthiops mineral, arcan, duplic, Mercurius dulcis, welcher 
vor das ſicherſte undgemifte Mittel wider allerley Art Würme ge- 
halten wird. Die höchfle Dofis davon ift/ein halb drachma mit Zu 
derin Milch genommen. — 
Anthera, feynd die oberften Eleinen Spigen / die in der Blumen 
mitten an Heinen und zarten Zäferlein hangen / wie das Gelbe in den 
Roſen / und weiffen Lilten zu fehen. —J 

Anthines, Ein von Kraͤutern / oder auch ſonſt bon andern Sachen 
wohlriechend angemachter Wein. 2 
.. Anthophyli, Cariophylli aromatici , vid, Antophylli. 

Anthora aconitum falutiferum, Napellus Meifis vel Avicennæ, 
ContrayeryaGermanica, Gifft⸗ Heil⸗Wurtz / mwächfet viel in. den 

- Schweiger Bebirgen/dienet wider allerhand giftige Kranckheiten / 
Ohnmachten und Wuͤrmer / wird anthora qvalı anti Thora genen 
net/weil eödengifftigen Kraut Thora, fo auffden Jtalienifchen Ber: 
gen wächft/und eben fo gifftig alö der Napell iſt / widerſtehet. 

Anthos, vid. Rosmerin. ; 

Anthypnotica,Ar&neyen welche den Schlaff vertreiben/ derglei⸗ 
chen feynd alle fpir. volat: urinofi und acres al$ fpir.C,C. cburis 
fangu, human, Iumbric. terreſt. fpir, falis arm: fal. vol. ole. &c. item 
der Thee,und Veronica, 

Anthyfterica, Artzneyen wider die Mutter Befchwer/ dergleichen 

ſeynd alle ſtarckſtiuckende Sachen / als afa fotida,Caftoreum marri- 

car. 





— © 


car, mercurial. melif, caſſa lien, fucein laud, hyfteric, myrrh. aqva 
hyfteri, elixir uterin. Crollii eflent, Carmin. fpir, Zedoar. balf, em- 
bryon ol, Sabin.&c. 

Antichreßis,ift eine Art eines Unterpfandes/ auff ſolche Condition 
egeben/ daß der Gläubige ſolches an ftatt der Zinfen folangege- 
rauchen möge/bis ihm das ae Geld erflattet werde / wie weit 

aber diefer Contract zugelaffen fey oder nicht / iſt bey den Herrn Me- 
vio in Diſcuſſ. levam inop. deb. c. 4.Sed.1r, n. 14. zu erſehen. 

Antidinica, Artzney die wider den Schwindel dienen/alsallearo- 

matica, und (pirituofa fragrantia, * 

Antihe&ticum Poterii; {ft eine aus Zinn gemachts Artzney / und ge: 

gen hedticam und die Kinder Blattern gut zu gebrauchen. 

“ Antimonium Crudum & Antimonii Minera, Spießglag/ wird 
aus ihren Ertz als ein dev Mettallifchen Natur fehr Verwandten 
corpore gefhmolgen/eö beftchet aus zweyerley Art Schweffel/ und 
wird fehr viel verraucht und verbraucht / alſo / daß der Rauch mehr 
als die andere Materia gilt, fo zurüc bleibet / man hat vor dieſen 
das beſte aus Ungerland und andern Bergwercken / auch über Saltz⸗ 
burg gehabt / anjetzo findet man ſolches nicht ſchlechter / in Marg⸗ 
2 Bareyth / und in Voigtland / ingleichen koͤmmt auch etwas 
aus Franckreich / Pohlen und andern Orten / wie ingleichen die 
Mincta; Das rechte Antimonium muß ſchoͤn gelb / ſpieſſicht und 
rein von Schlacken ſeyn / die Minera veich und ſchwer / und lauter von 
Kieſeln ſich befinden. | | 

Antimonium Vitrum, præparirtes Spiesglas / dieſes muß einen 

rothen / bisweilen hell / und auch dundel durchſichtigen Schein/ 
mie ein Glas haben / wird meiſtens in Engeland / Holland/ wie aud) 
in Galsburg gemacht / wiewohl daſſelbe allenthalben Fan gemacht 
werden / allein es trägt die Koften nicht aus. Die Schrifftgieffer 
brauchen fehr viel das Antimonium Crudum zu den Druder-Bud)> 
Raben. Denen Pferden unter das Futter gemenget / foll es den 
Schweiß treiben/und le dadurch vortrefflid) curiven. Unter denen 
prxparatis Antimonialibus , ift nehft dem Vitro antimonii, aud) 
der Regulus antimonii eommunis,, item Regulus Antimonii me- 
dicinalis, Regulus Martis Stellatus, über welchen Regulis insgt · 
ſammt / ſich die Schladen/ oder Scorız ſetzen / aus welchen das Sul- 
phur auratum Antimonü przcipitivet wird / welches ein rothes und 
Schweißtreibendes Pulver iſt / aus welchen auch eine Tinciur Fan 
geinachet merden/ man machet auch aus Galpeter und Antimonio, 
dus fo genannte Hepar Antimonii, und aus dieſen Crocum meral- 
lorum, aus deffen intuſion, Die vina Emetica,gder Brech⸗Wein / 4- 
quabenedidta Rulandi, Tartarus emericus Minf: und deraleihen - 
denen Medicis wohlbefandte Emetica, oder Brech-⸗Mittel mehr vera 
E — fertige 


J / 
Br 
Fr 


ii 


8 


* 


fertiget werden / bermi 
ſtoſſenen Spiesglas / un 


Antiqvitzten/fo hon 


Ant 
ſchet man drey Theil Sal 


peters mit den ge⸗ 


d detoniret es entweder einmahl / oder nach 


den Alterthum alſo genennet / werden mehren⸗ 
. bon ee. Herren / welche Kunſt⸗ Kammern auffrichten / geſu⸗ 


hls / wann ein Kunſt⸗Haͤndler dieſelbe zu verkaufen 


t / theuer genug bezahlet. Sie beftehen aber entweder in der Al⸗ 
| = ihren Kleidern/Haus-und Opffer-Beräthe/als da feynd unter je- 


nen/Obrengehänge und 


be/Schlüffel/Siegel und Xi 


Gefaͤſſe / aiß 
Bade ⸗Geſchirr/ Ger 
— cc 


zum Schreiben / als Wa 


ffeln / Rechen⸗Tiſche/ober In Rannen/Beden/ / 


Armbänder/Regiment-und Bifhofls-GStä- 
sae/Miefler undallerhand Arten Trauck. 
—— usgehö en Steinen/und der. 


leichen allerhand 
9: Taffeln / Rin- 


M Beilen/Rauchfäffern/ Altaven/ Begräbniß-GSachen/ Ram- 
| — und Thraͤnen⸗Gefaͤſſe/ item, in Pi oda womit die 


briften — wor 


etten / Plumbatæ —— 


nen Berfolgungs-Zeiten gepeitichet/und zum fer gezwungen wor⸗ 
den / jn npünſhe ee / und der= 


gleichen / n 
feil und Bogen. 


formirte Schriften / ‚welche von den Egyptiern herko 


eſen kommen auch zu den Antiqvitzten der Alten ih⸗ 
ve Waffen / Feld⸗ und Triumphs⸗ Zeichen / alte Schilde und Schleu- 


Hieroglyphifche auff Marmor Oder Metall 


Priefter Die Befchichte/die Welt-Weispeit/undan 
Dend-Bildern und Chara&teren verfaffet/ 
‚um mehrer Dauerhafftigeit willen / hernach in Stein oder Metall 


ge Sachen in allerhand 


liſcis zu fehen. Durch die Antigves modernes, 


mmen / deren 
dere denckwuͤr di 


gegraben haben. Dergleichen an denen in Rom —— Obe- 


Kirchen und andere Gebäude und Sachen / die hon 


ehen wir unſere 
der Gothen Zeit 
her 


J 
— — 


Ant Apf. 69 


ber erbauet worden/ vechte antigvesaber feynd eigentlich / mas von 
Der Römer und Griechen Zeiten uns übergeblieben. 

Antirrhinum,orantium, OsLeonis,Drant/ Bradenhaupt/ Teuf⸗ 
fels⸗Band / Hunds⸗Kopff / Krebs · Naſen / Dorant, wird in den Luſt ⸗ 
Gaͤrten gezeuget / und ſoll wider die Zauberey dienen. 

Antlia Pnevmatica, oder Lufft⸗Pumpe / dieſe Machine iſt eine der 
vornehmſten / fo zur Phyſica experimentali dienen / und erſtlich von 
einen gelehrten und fehriCurieufen Buͤrger⸗Meiſter Otto Guerike, 
zu Magdeburg erfunden worden. Hernach hat Herr Boyle, in En» 
geland viel daran geändert und gebeſſert. Endlich hat fie Herr 
Senguertuo, zugeiden zur Vollkommenheit gebracht. Wieeinefol- 
che Lufft- Pumpe gemacht werde/ davon beſiehe die den eröffneten 
Kitter-Sahl/ ınferirte Raritæt · und Naturalien-Rammer/p.m.ır7. 

Antophylii, Mutter⸗Raͤgelein / die feynd etwas gröfler/ ald die an⸗ 
. dern Gemüg-Nägelein/ machten aber eben an denfelben Baͤumen / 
auffer daß fie länger behangen bleiben / und dannenhero gröffer 


n. 

Antrodamanta, iſt ein Art eines Blut⸗Steins / oder vielmehr 
Magnets / weil er Eiſen am ſich ziehet / wann er auf einen Wegftein 
gerieben wird/gibt er einen Blutrothen Safft von ſich. Plinius er⸗ 
zählet noch andere Gefchlechte des Blut⸗Steins / ald da iſt Aæma- 
tites Ethiopicus, der Mohrenländifche/ welcher den Augen und aud) 
fonft vor unterfchiedliche andere Krandheiten mehr gut fen foll. 
Man findet auch Hæmatitem Arabicum, welcher auf den Webftein 
gerieben einen Saffran gelben Saft von (ich giebt/und Hæmatitem 
Elatitem,mwelcher fo lange er noch roh ift/alfo genennet wird/ wenn er 
aber gekochet worden/fo wird er miles genannt/ dieſe Art ift fonder- 
an den Brand gut/und beſſer ald der Kötelftein / oder ochra zu 
gebrauchen. Beſtiehe hievon ein mehrers unter dem Worte Hema- 
tites oder Blutſtein. 

Anvertraute Guͤter / vid. deponirte Büter. 

Aparine aſpera vulgaris Philantropos, Kleb⸗Kraut / Bettleröfdus 
fe/ waͤchſt viel unter dem Flachs / dieſes Kraut dienet die Wunden / 
item, Kroͤpf und Geſchwulſt zu heilen. 

Aparine lævis hepatica. vel hepatica Stellata, Mald-Meifter/ 
Stern⸗Leber⸗Kraut / waͤchſt gern in Gebirg / dienet ſammt feinet: 
Blumen / zur hitzigen Leber/Belb-Sudhtund Kraͤtz. 

Aperiens, dad eroͤffnet wird den Verſtopffungs⸗Mitteln entge⸗ 


gen geſetzt. 
Apes, Bienen (ind bekandte und höchftnägliche Thierlein. 
Spenden vid, Obfl.. 
I de Sina,vid. Pomerangen. k Ä 
m. € 3 Aphodil- 


70 Aph Apo 

Aßphodyl-Wurtz / Rad. Asphodeli. 

Aphronitrum, wird von einigen vor den Schaum des Salpeters 
genonimen, 

_ Apiaria, vid. 7a smimum, 

Apiaftrum,vid, Melia. 

Apii femen, Eppich Saamen / waͤchſt fehr viel in Teutfchland/ 
wird aber nicht fo viel ald die Wurtzel verfand/weiche fehr fauber muß 
gewaſchen / gedörret/ in Bufcheln gebunden / und in lüfftigen Kant= 
mern aufbehalten werden. 

- Apium Macedonicum, vel Saxatile Petrofelinum Macedonicum, 
Stein Eppich / Macedoniſcher Peterlein/ der Saame kommt unter 
den Theriac. e 

Apium und Petrofelinum Montanum, Berg Eppich / Hirfch- 
Peterlein / der Saame ſammt der Wurtzel iſt gut wider dent 
— befördert auch die Frauen» Blumen / und treibet den 

ifft. | 


Apium vulgare paluftre paludapium , Eleofelinum , gemeiner 
Eppich / Maffer-Morellen / wähft an fumpffigten Oertern unter 
den Bachbungen / wird gebraucht / in Verſtopffung der Leber / Milg/ 
Mutter/Monathzeit und Zabumeh / ı. 

Apophlegmatifmus , ift ein Mittel dad dem Schleim aus den 
Gehirn treibet / und beftehet entweder in einen Gurgel-Waſſer 
oder in einen Käu-Mittel Mafticarorio , oder in einer Salbe. 

Apoftem Kraut / vid. Scabio/z. 

Apothecker⸗Sachen. Diefe (nachdem derofelben einefo gar grofs 
fe Menge und DVerfchiedenheit ift / davon wir in diefen gangen 
erh die Vornehmſten derofelben / es feyn gleich Simplicia oder 
Compofita ohnedem ausführlich beichrieben/ ) laſſen ſich generaliter 
und obiger Rubric gemäß nicht beſſer befchreiben / / als wann man 
eine wohlverfehene Apothecke / wie felbige aus verfchiedenen Theis 
len beftehet / felber vorftellet / und zwar ift der oberſte Theil in ſol⸗ 
cher der fo genannte Kräuter-Boden/ anf welchen jährlich die frifche 
Kräuter fhon und ohne Verluft der beften Kraft gedörret / die 
Blumen denen Lebendigen nicht unähnlid eingeſammlet / die 
Wurtzeln vor allem Anſtoß von Wurmern und ſchimmlichten Ges 
ſchmack wohl verwahrt / die Saamen frifh und fonder einigem 
verdrießlich öhlhafften Geruch aufdehalten / und nebit den jährli- 
chen Früchten zum täglichen Gebrauch verwahrlid) vor Staub und 
anderes Schädlichfeit gefichert werden. Unter der Apsthede inden 
Kellern / und Gemwölben / werden aufbehalten / die jaͤhrlich von fri= 
fchen Kräntern hevüber gezogene Wafler / welche gank fchon/ 
he / und von dem Geſchmack und Geruch des Gewäaͤchſes / re 

Ä F er 


Apo HK 
über fie gezogen / bekraͤfftigt feyn müffen. Rechſt diefen findet ntaır 
auch hiefelbft die ausgeprefte Saͤffte und Wein / welche oben 
mit Mandel: Del begoſſen / und dadurch bon Verderbniß und 


fo genannten Anlauffen oder Corruption gejichert werden. Hier⸗ 
näcft mirffen ſichauch die gefochte und ausgepreßte Del/ welche aleich- 


’ ——ü 


falls nicht dick und truͤb / ſondern hell und unverdorben ſeyn ſollen / 


zeigen / wobey auch die Fettigkeit der Thiere / von Schimmel und an⸗ 
dern Verderbniß wohl verwahrt aufbehalten werden. Auſſerhalb der 
Apothecke / iſt das ſo genannte Laboratorium, und Chymiſche Zeug⸗ 
Haus mit unterſchiedlichen Arten der Ofen / welche auch verſchiedene 
Gradus des Feuers erfordern / verſehen. Hier aͤuſſern ſich die 
Brenn/ Kolben / Helm / Fuͤrlage oder Recipienten , Retorten, 
Schmeltz-Tiegeln / Gießbuckel / und weiß nicht was für Chymiſches 
Hand-Geräthe. Endlich gelangt man aus fo vielen Neben⸗Gemaͤ⸗ 
chern ſelbſt in die Apothecke / welche in fo weit den Preiß / vor al« 
len andern behauptet / als in’einer gemeinen Wohnung / die auf» 
gezierte Zimmer / vor ſchlechten Kammern / Gählern und Gemaͤ⸗ 
chern preiß und fchägbar feyn. Denen hineintvetenden / füllen die 


Keinlichfeit und fchäsbahre Auszierung der Gefäffe gleich die Au> | 


gen / und machen öffters hiedurch dasjenige angenehme / wofir 
ven Mund fonft eckeln folte. Die Raſe ziehet verfchiedenen Ges 
ruch an ſich / welcher / fo er nach —* / Ziebeth und Bieſam riecht / 
oͤffters den Wunſch Catulli verurſathen moͤchte / nemlich gantz und 
ar eine NRaſe zu werden / und obgleich zuweilen ein Geruch in der 
pothecke manchen unlieblich / fo ift doch folches dem zärtlichen Frau⸗ 


enzimmer zum öfftern die allerholdfeligfte und gefundefte Ausduffe - 


tung. Man erblicet ferner in der Apothecke verſchiedene Büch⸗ 
fen / welche in 'allerhaud Seuchen und Krandheiten / Heil und 


Wollfarth darreichen / fo daß niemand dieſes Platzes (ich eittüe - 


brigt glauben darff / daher das Sprichwort entftanden. 
Spott des Apotheckers niche/ 
Weils ihm au Buͤchſen nicht gebriche. 


In denen Zinnern und Porcellanen Gefaͤſſen werben die Syrup ober 


Zacker⸗Roob / oder Dickſaͤffte / Looch / oder beck⸗ und Lungen⸗Saͤffte / 
Roſmarien⸗Roſen⸗Aland / und andere Hoͤnig / ingleichen verſchie⸗ 
dene Julep „ Conſerven oder Kraͤuter⸗Zucker und anders mehr auf⸗ 
behalten. Die allergröffeften zinnerne und fteinerne Geſchirr enthal: 
ten in ſich die gröffefteu Heil-Argneyen und Gift» Mitteln / alöden: 
niemahls genug⸗ belobten Theriac / den theur=gepriefenen und felbft 
von Koͤnigen herſtammenden Mithridat / und noch andere ſol⸗ 
che fräfftige Gifft⸗Artzeueyen mehr / die man füglich Triumph 
der Peftileng / und auftegender — benennen moͤchte. Ich g 


7ẽ Apoo — 
he mit Stillſchweigen vorbey / die faſt unzehlbahre Menge der Pil⸗ 
len / Extracten Pulver / Kuͤchlein / Morſellen / Coͤnkectionen / 
und mehrere Artzney Arten / ingleichen der Oele / Salben / Pfla⸗ 
ſter / und Uberſchlaͤge / deren nothwendiger Vorrath nur denjeni⸗ 
gen uͤberfluͤßig und unnöthig vorkommt / welcher dev Kranckheiten ih⸗ 
ver Verschiedenheit und Bopheit unfündig. Das Eoftbarfte und faſt 
nüglihfte Theil der Apothecken /ift das fo genannte Corpus 
Chymicum , welches den Schaf und. befte Fund⸗Grube der gan= 
7 Apothecken vorſtellig macht. Hier ift Eräfftig concentrirt und 
ffters in wenig Tropffen eingefchloffen / was zuweilen in ein gantzes 
Pfund/ des einfahen Kräutleins und Simplicii vertheilet gewefen- 
Hier äuffern (ich Die Spiritus oder beft geveinigte Beifter / Ellenzen, 
Elixir, Tin&uren, Balſam / Del/ und felbft die Edelgeſtein an Werth 
und Wurde überfteigende Foftbahre Pülver / welche das Feur und 
Erfahrenheit des Apotheckers / denen Kräutern / Hölgern / Thie⸗ 
ren / Hoͤrnern / Bein / Stein / ja denen fonft fat unbezwingli= 
en Metallen und Mineraliſchen Coͤrpern felbft abgezwungen und 
ausgenöthiget hat. | 
‚Damit aber dev geneigte Leſer dieſe jetzt erzehlte / Simplicia & 
Compofita , alle mit welchem eine wohlbeftallte Officin verſehen 
feyn muß / deſto beffer erfehen / und wem etwann daran gele» 
en / feine Officin darnad) einrichten möge / fo fey davon Alpha- 
etiſcher Ordnung nad) / folgender Catalogus allhier einberlei⸗ 
bet / felbigen nach müffen in Gornehmen Apothecken fonderlich wel⸗ 
che etwaun in denen groffen Städten von den Magiftrat dependiven/ 
zu finden feyn. 
Aceta, Animalia , Animalium Partcs, Antidotä, Aquæ deſtillatæ 
Comp. Agra deflill,cum vino, Agvz deflillatzSimplices, Aquæ for- 
tes Aromata, Axungiæ, Balfama Candelx pro fumo, Candifata, Ce- 
rata, Cereviliz, Ceræ Variæ, Chymica, Cineres , Clareta; Col- 
Iyria Sieca, Condita cum Saccharo , Confedtiones purgantes, 
Confedtiones Saccharatz , Confervz , Cortices „ Elzo Saccha- 
ra, Electuaria, Corroborantia , Electuaria lenitiva,‘ Eledtüa- 
ria purgantia, Elixiria , Emplaftra,, Effegtie ligqvidz , Eſſen- 
tie Siccæ, Extradta compolıta , Extradta pilularum, Exttacta 
Purgantia , Extracta fimplicia, Extraordinaria. Farin, Fœculæ, 
Flores, Folia, Frudtus ‚Fungi, Qelatine Gemmæ, Gummata, Her-. 
bæ Hydromel , Julepi, Lac Virginis, Lapides pretiofi , Lapides' 
vulgares Ligna . & qu&iis adnafcuntur , Liqvores condenfati, 
feuconcreti, Looch, Magifteria, Medicamenta Chymica, Medica- 
mentaex Metallis, Medicamenta ex Mineralibus , Medicamentz 
Spagirico modo pr&parasa , Medulle, Mella, Mettalla , — 
IAalia, 


App 73 
ralia, Morfuli, Mulfa, Nafalia, Olea codta, & exprefla, Olca 
deftillata , Opiata, Oxymell Oxyfacch, Paftilli fumales , Pi- _ 
gmenta ‚ Pilulx pingvedines , Pomum Ambræ, Pulpx purgantes, 
Pulverescompofiti, pulveres comp. Purgantes, Pulveres fimplices. 
Radices, Refin® arborum, Refin& purgantes , Rohob. Rotulz, 
Sacchara, Saccharo candifata, Salia fadtitia, Salia nativa, Sa- 
pones, Semina, Seva, Sief-Syrupi fimpl. & comp. Solutio- 
nes , Species aromatic® , Species compofitz purgant. Species- 
decodtorum, Spiritus, Succi conereti, & condenfati, Succiligvidi, 
& infpiffati, Suffimenta, Suppofiroria, Terre Tindturx , Tra- 
gææ, Trochifci Vina , Vina deftillata, Vifci lignorum , Un- 
pventa. ee 
Die Infirumenta , welche die Apothecker zu ihrer Profeflion ges 
brauchen / und welchetheild zur Bereitung der Medicamenten/ theilö 
zu derofelben Behaltung dienen/feynd entweder bon Erden / Glaß / Me⸗ 
tall / Holtz / Leder oder Tuch / die gläferne Behaltniß Gefaͤſſe ſeynd die 
beſten / weil ſie weder zernagt no kr erg en, werden fönnen/ 
indem ſie aber nicht allzeit hard genug feyn / fo muß man ſich auch 
zumeilen andere bedienen / hiernechft hat man die irdene / welche 
ebenfalls ihrer Daurhafftigkeit wegen unterfchieden / unter ſolchen 
werden die Waldenburgifhe und nad) diefen die Marpurgifche- 
vor die beftengehalten / die Metallifche Gefäffe feynd zwar ſtarck / 
alfo dag nicht leichtlich etwas durchdringen fan / jedoch theilen jie 
ihre Siarnfchafften denen Spiritibus ſauren und fcharffen Sachen mit; 
fo daß man felbige dannenhero billig meydet / wo fie nicht befon» 
ders’ zu diefer oder jener Bereitung dienen / die Form der Inftru- 
menten {ft unterſchiedlich / nachdem es deren Verrichtung erfor» 
dert/ und der Zeug es zuläffet. Die gebräuchlichiten unter folchen 
ſeynd als folget. 

Agitaculum ein Rühr-Piftol / wann man trockene Sachen mit den 
De er /zum Exempel bey Berfertigung der Morſel⸗ 

/Pflafter/ x. 

Ahenum, ein Keffel / ift entweder aus Rupffer oder Mefing. | 

Alembicus, ein Alembic / oder Helm / hat einen Schnabel / man ſetzt 
ihn aufdie Kolben / die von Glaß feynd/ gemeiniglich gebraucht 
man ſie / wann man in Balneo Mariz etwas überziehet / fonften hat 
man auch dergleichen aus Kupffes zu den Rupffern=Blafen / die in» 
wendig verzinnt feyn. 

Membicus Coecus, ein blinder Helm / der feinen Schnabel hat/ 
wird gebraucht / zu denen Dingen / da nichts übergehen fol. 
Anpulla, a Krug / die beften werden aus Waldbürgiicher Erde 

verfertigt, 
GE; Arcula, 


74 po 


En — — — — J 

— ei Laͤdlein / in welchen man trodene Sachen ver⸗ 
wahret. 

Campana vitrea, glaͤſerne Klocke / durch welche man dei Spiritum 
sulphuris bereitet. 

Capfula,gedrehete Büchſen / darinnen man die Glaͤſer ſetzet / daß fie 
nicht brechen. | . 

Catillus, ein Roſt / wird in den Ofen gelegt / die Kohlen, drauff zu 


werffen. 
Carinus, eine Capelle / in welcher man fo wohl in Sand als in B.M.ar« 
- beiten Fan- Ä 
Circulatorium, ein Eireuliv-Gefäß/iftein Glaß darinnen man eineun 
Liqvorem circulirt / daß ſich daſſelbe fo aufgeſtiegen / wiederum 
nach unten begeben muß / dergleichen iſt der helican, man hat auch 
zwey Glaͤſer gemelli genannt / da des einem Schnabel in des 
andern Bauch gehet / und zu gleicher Arbeit dienet. 
ee ein Röffel, ſeynd entweder gantz oder durchlöchert zum Ab⸗ 
ſchaͤumen. 
Colatorium, Seige⸗Tuch / durch welches man feuchte. Dinge 


gieſſet. 

— a, — Glaß⸗Schale / ihr Gebrauch iſt zu unterſchiedlicher Ar⸗ 

eit noͤthig. 

Cornuta, Retorta. eitte Retorte, entweder aus Erbe oder Glaß be> 
reitet / da man dann mit dieſer in Sand / mitjener in offenen Feur 
arbeitet / man laͤſt auch wohl Kolben und Retorten von Eifen gieſ⸗ 
fen/ eder ninnmteineneifern Hafen / läft einen Deckel darauf ma⸗ 

- hen / der wohl ſchlieſſe / denſelben luuirt man feft an den Hafen/ 

"md fetet einen gläfeen Helm darauf / folder Topff dienet hernath 

am beften/ demSpiricum Salis Armoniaci, ingleichen die Flores 52- 

lis Armoniaci Martiales zu beveiten/ ebenfalls auch dieSpiritus Mi- 
nerales zu deftilliven- —A 

Cribrun, ein Sieb / durch weiches. trockene Sachen geruͤttelt 


werden. 

Crucibulum, ein Schmeltz⸗Tiegel / die zu denen LaboribusChymi- 

eis, höchftnäthig ſeynd / und danneuhero weil ſie ſtarck Feuer aus⸗ 
halten müffen_/ aus guter Erben müffen gemachet feyn. 

Eucurbira, Kolbe / folche ſeynd mehrentheils don Glaß /unddetilli- 
vet man die Sachen in B. M. dadurch / welche ihre Kraft leicht 
überfchicken. 

Diploma, iſt ſo viel als in B. M. etwas zu bereiten. 

Difeus Vitreus ein gläferner Teller oder Schale. 

Excipulum, eine Vorlage oder Recipiene, welcher dienet den über« 
gehenden Spiritum aufzufangen / ift entweder von Glaß oder Erde. 

je N | Fer- 


* 


Apo 75 


— — — *— 


Ferrum dieatum difeindendis vitris, ein Eiſen die Glaͤſer abzufchnei- | 


den/ vide Sigillare Hermetice. 

Fictile, ein irrdener Topff. 

Filtrum, iſt fo viel als Colus, wird aber bon Fließ oder Loͤſch⸗Papier 
gemacht / fo man in einen Trichter ſetzet und dem Liqvorem 
darein gieft / daß er in ein untergeſetztes Gefäß lich läutere. 

Forceps, item Tenacwa; eine Zange. . 

Infundibulum , ein Einguß⸗Trichter. 

Lagena, eine Flaſche. 

Lebes , ein Ziegeloder Pfanne. Ä 

Lima, eine Feile / mit welcher. man die Metallen in Keil-Späne 
bringet/ wie man dann mit dem Raſpen / die Horner und Klauen 


der Thiere / Holg und dergleichen harte Dinge Kein machet und 


bereitet. 

MolaChalybea , ftählerne Muͤhle / Metalle dvemitizu reiten/ und zum 
zarten Pulver zu bringen: # 

Malleus , Hammer. 

ManicaHippocratis ſpitziger Beutel/ welcher fo wohl aus Leinen ald 
Wollen Tuch gemachet wird / durch denfelben Eläret und läutert 
man unterfchiedlihe Ligvores, damit ſie von ihrer Unreinigkeit 
rein werden. J | 

Matratium, ift fo viel als eine Retorte , davon bey Cornuta au fehen, 

Marratium Cœeum, iſt / wann man ein Glaß in das andere fledit/ 


alſo daß das oberfte in das unterſte gehe darinn man dann 


digeriren fan. 
Mortarium, Moͤrſel / iſt entweder von Metall / Glaß oder Stein / in 
dem Glaͤſern bereitet man die Mittel / die leicht angreiffen / und 
bon Metall etwas an ſich nehmen, | 
Olla, Ollula, ein Hafen/Säfelein. 


Phiola, iſt ein Glaß das unten einen runden langen Bauch / und lan» | 


gen Halß hat/ man reitificıret in ſolchen den Spiritum Vini. 

Pila,Piltillum, ein Gtöffel / diefe hat man aus Holtz und Eifen/ 
und werden gebraucht harte Dinge zu zerſtoſſen / mit denen Hoͤltzern 
zerreibt man die Mandeln. 

Porphyriccs, ein Reib⸗Stein / aufwelhenmanallerhand Edelge⸗ 
feine/und anvere harte Sachen / nebenft zuthun eines Hartzes oder 
andern Waſſers zu einen dicken Brey / praparitet / auch wohl tru⸗ 
dene Sachen zu einen zarten Pulver darauf reibet. Hierzu gehöret 
auc) ein Länglicht fteinerner Laufer. 

Przlum , eine Preffe/ unter welcher man Delund andere Sachen ex- 
primiret und ausprefler / fonderlich diejenige die fo leicht durch 
Ausmwinden nichts bon ſich geben wollen. 


Pyra- 


: 


76 | Apo 


— — — — — ae — — — — 

Pyramis, Gieß⸗Poͤckel / dieſes dienet einen Regulum zu machen / oder 
auch andere Meitalla zu laͤutern / ſie iſt von Eiſen / oben weit / uns 
ten ſpitzig / wann man darein etwas gieſſen will / muß man ſie 
wohl mit Unſchlitt oder Talch beſchmieren / und wann ſchon das 
Metall darein gegoſſen wird / klopffet man mit einem Hammer 
oben um den Rand / ſo faͤllet der Kegulus an den Grund, 


rixis, hölgerne Büchſe / um die trockene Gachen darinnen zu der» 


wahren. 
Receptaculum, Vorlage befiche excipulum, 
Retorta, davon wird bei) Cornuta Nachrich 


\ tgegeben. 
- Rudicula , ein Ruͤhr⸗Stecke / ift ein länglichtes eiferned Stäng- 


lein. : | 

Rutabulum, ein RührsSHade / man gebraudt ed beym calciniven/ 
die Materiam hin und wieder zu rühren. 

Saceulus , ein Beutel von Leinwath oder auch von Leder. 

Scatula, eine Schachtel / in der man trockene Sachen verwahrt. 

Separatorium „ Scheider Trichter / feynd von unterfchiedlider 
Invention, 

Setaceum, Haar-Gieb iftgenugfam bekandt. 

Spatula, ein Spatel bon Siem oder Silber. 

Syphon ‚ein Heber gemeiniglich von Blech. | 

Tabula, ein Tabulir-Brett/ werden viereckigt ans Kupffer gemacht/ 
undgieffet man darauf die Kuͤchlein Manus Chrifti genannt/ oder 
aud) andere dergleichen. 

Tegula, eine Muffel / diefes ift ein Gewölb von Thon gemacht / 

unten einen flachen Boden / über ſich einer Spanne hoch / eine 

runde Decke / hinten und fornen zu / doch daß man eine Eapelle 
hinein bringen Fan / oben und andenen Geiten feynd viel Löcher 


emacht. 
— iſt eine Zange damit man die Schmelg-Tiegel aus den 
Feuer hebet. 
Tortular , eine Preffe. 
Tritorium, ein Trichter. 
Vitrum, ein Glaß. I 


'Volfella, Kohlen⸗Za 


nae: 
Urceus ‚, Urceolus, Krug/Rrüglein. 
Vafa dicata Secretioni agvarum ab oleis perEllychnium, Gefäf- 
fe von dem Waffern das Del mit Baum- Wolle abzuziehen. 

Vas cupreum ,Balneo Mariæ dicatum, ein Kupffern Gefäß zum B.M, 

Die Qvalitäten / welche ein habiler Apotecker an ſich haben ſoll / 

werden beym Schrödero in feiner bollftändigen Apotechen lib, 1.c, 17. 

folgender geftalt befchrieben. —JJ — 
n 


y 


Apo Agp | 27 


Ein Apotecker fol vor allen ein gottsfürchtiger frommer Wann 
ſeyn / in feiner Profeflion erfahren / Hug / der Lateiniſchen Spra⸗ 
he fündig. Er foll den Medieinifchen Zeug / fo wohl der einfa- 
chen / als auch zufammen gefegten Stuͤcke der Cin-und Ausländi- 
fchen Mittel wohl kennen / das befte und Aufferlefenfte kauffen / 
felbigeö dem Geſichte / Geruche / Geſchmacke / und Greifen nad) 
wohl examiniren / alles in gewiſſen Befällen verwahren / alle Mo⸗ 
nathe felbe durchſehen / und eine Wahl anſtellen. Er ſoll nicht geihlg / 
ſondern freygebig / friſch / gelinde gegen den Armen feyn / ſei⸗ 
ne Sichel nit in die Mediciniſche Erndte ſetzen / das iſt pra- 
&iciven / er foll nicht dem Spiel und Gauffen / noch der Liebe 
ergeben ſeyn / er ſoll (ich dem Magiftrar mit einen Eyd berbinden/ 
und die Taxation wohl inacht nehmen / nichts in denen Recepten 
ohne des Medici ordinaris Geheiß verändern / auch keine als ei⸗— 
nes gemachten Dodtoris Recepte annehmen / Feine Purgantien 
Opiata, und andere fhädliche Mittel / den gemeinen Maun ges 
ben / und der Doctorum Geheimniſſe feinen offenbahren. 

Apozema, {ft eben fo viel als ein Deco&um, 

Appropriata, ſeynd Medicamenta , welche einen gewiffen Theil 
und defien Krandheit zugeeignet werden / ald da ei Cepha- 
lica, Uterina, Hepatica, Hauptſtaͤrckende / von Mutterweh befrey⸗ 
ende / Leberdienende Artzeneyen. | ! | 

Apricofen, Frantzoͤſiſch des abricots, feyndeine Art der Pfirſich / 
wiewohl an Blättern/ Steinen und Couleurfle einander ungleich 
feyn/ manhat aberder Apricofen unterfchiedliche Arten / als Ma- 
la armeniaca minora & majora, groffe und kleine Morellen / di- 
to ex parte rubra, halb gelb und hab roth/ nucleo -dulci vel ma- 
la armeniasa candicantia, nucleo oblongo, dulci utin amygdalis mit 
füffen Kernen. : | 

Apri dentes, wilde Schweind-Zähne/ werden hin und wieder zuſam⸗ 
men geſammlet / und nad) den Pfund verkaufft. j 

Apri Radix, vid. Carlina, DE 

Aqræ, Waſſer / unter ſolche werden diefes Orts nicht verſtanden / 
Agva fontana, ee rl aqva putealis, Brunnen Waffer/ 
Fluvialis, flieffend Ba /glaciei Martie, Mergen Eißwaſſer / Agva 
Lacuftris, ftehend Waffer / aqva pluvia nivea, Regen und Schnee» 
Waſſer / AgvaTonitrualis, Donner Regen-Waſſer / Rosmafalis, 
Mayen Than/x. Als mit welchen unſere Kauffinanns Magazyn 
nichts weiter zu ſchaffen / als daß entweder ſolche zu denen Manufa- 
cturen / faͤrben / Transport der Wagren / kochen und abſieden derſelben / 
zu Schiffarth / Anlegung allerhand Muͤhlen und dergleichen gebrau⸗ 
het werden / ſondern die Rede iſt allhier von denen deſtiltten * 

ern 


RR Man: 
fern/und ſonderlich denen jenigen/ Die in / den Oflicinen oder Apothe⸗ 
eu gefunden werden / dergleichen ſeynd nun aus den Einfachen. 
Agva abrotani, Stabwurtz⸗ Waſſer / Abſinthii, Wermath / Acaciæ 
dor:Schloöen⸗Blůth / Acetoſæ, Sauer⸗Ampffer / Acerofellx, Buch⸗ 
Ampfer / Adianthi, Mauer-⸗Rauten / agrimoniæ, Odermenning / Albu- 
minis ovorum, Eyer weiß / Achimillæ, Sinau / Alkekengi. Judenkir⸗ 
ſchen / Althæ, Eibiſch Kraut/Alfınes, Hunerdarm/Anerhi, Dillen / An- 
elica, Angelic/Anıh,Anid/Apii Eppich/Aqwilegix, Ageley/Artemi- 

12 Beyfuß / Aſparagorum, Spargen / Aurantiorum florum, Pomme⸗ 
rantzen —— Naphæ, vel Namphæ genannt / Au- 
rantior.e cort. Pmmeraſzen Schalen⸗Waſſer / Aurieulæ muris, 
Mãusoͤhrlein / Brdanæ, Kletten- Iburg Bahlici;Bafilien/Betonicz, 
Betonien / Betulæ ſucci, Bircken-Safft / hillortæ, Natterwurtzel⸗Waſ⸗ 
ſer / Borraginis, Borragen Waſſer / ex toto, aus dem gantzen Gewaͤchs. 
Bugloſſæ, Ochſen-Zungen / ex toto aus dem gantzen Ge— 
waͤchs / Burſæ paltoris, Taͤſchel⸗Kraut / Calamentæ, Bergmuͤntze / 
Calami oſſie. Kalmus / Calcatripæ, Ritterſporn Calendula,Ringel« 
Blumenwaſſer / Capillorum veneris, Frauen-Haar / Caprifol. flor, 
Specklilien / Cardiaeæe, Hertzgeſpan / C.Benedicti, geſegnete Diſtel / 
Carvi,Wiefen Kuͤmmel / Cariophyllatæ, Benedicten / Cent, minoris 
Tauſend Guͤlden⸗Kraut / Centumnodiæ, Wegtritt / Cerafor: nigr, 
ſchwartze Kirſchen / Cerelolii, Korffel⸗Kraut / Chamæmeli, Camillen / 
‚Chamzpytios, Schlag⸗Kraͤutlein / Cheyri, Gold⸗Veylgen / Chelidon 
majoris, Schel-Rraut/Chelidon minoris, Scharbocks⸗Kraut / Cicho- 
riietoto, |, fl. etiam albis, aus dem gantzen Gewaͤchs / oder aus de⸗ 
nen weiſſen Blumen / Wegwarten Waſſer / Cinamomi communis, 
‚gemein Zimmiet / Citrı excort. Citronen / Cochleariz, Loͤffel⸗Kraut / 
Conſolidæ med. guͤlden Guͤntzel / Coriandri, Coriander / Crallula, 
er Be ucurbithe, Eurbiß/ Cuscutz, ThymGeiden/ Cyani 
tor,blaueKornblumen/C ydoniorum Opitten/Cymini. Welſch Küm⸗ 
mel / Kbuli, Attich Waſſer / Endivix,Endiven/ Enulæ, Alant / Egiferi, 
Pferd Schweiff/Eupatorii Avicen. Künigunden/Euphragix, Augen⸗ 
Zroft/Fabarum for. Bohnenbluͤht⸗Waſſer / Foeniculi, Fenchel / Flo- 
rum omnium lætaminis, allerley Blumen-Waſſer / Fragarız, Erd⸗ 
beer⸗Kraut / Fragorum, Erdbeer / Fumariæ, Erdrauch / Galegæ, Geiß⸗ 
Rauten Waſſer / Geniſtæ, Pfriemen⸗Kraut / Graminis ex rad. Gras⸗ 
Wurtz / Geranii, Storchſchnabel / Gratiolæ, Erdgallen / Hederæ Ter- 
‚reftr. Gundermann / Hepaticæ Nobilis, Edel Leberkraut / Hepatieæ 
ſſellatæ, Stern Leberkraut / Herniariæ, Bruch⸗Kraut / Hy oſeiami, Bil⸗ 
ſen / Hyperici,fohannis Kraut / Hyſſopi. Iſopen / Impetratoriæ, Mei⸗ 
fer Wurtzel⸗Waſſer / Lactucæ, Lattich / Lapati acuti, Mengel⸗Waſſer / 
Lavendulæ, Labendel / Lenticulæ paluſtris, Waſſer Biefen/ ae 
Lieb: 


Mad i 79 
Liebſtoͤckel / Liguſtri, Hartriegel / Liliorum alborum, weiſſer Lilien / 
Lil. Convall: Mayenblumlein/ Linariæ, Leinkraut / Lumbrieor, Re⸗ 
genwürmer/Lupul. Hopffen / Majoranæ, Majoran Waſſer / Maſe. 
eln / Matricariæ, Mithramy/Melilori;Steinklee/Meliffz,Meliffe/ 


Mellis, Honig. Menthæ erifpz, Krauſemuntze / Mentaftri, Roßmuͤnbe / 


Mercarialis,Bingelfvaut/Millefolii,Schaafgarben/ Morfus Diaboli, 
Teufels Abbiß / Naftureii, Brunnenkreß ⸗Waſſer / Nicotianæ. Toback/ 
NucumMufchatz, Mußtaten Ruß / Nuc. jugland. immatur, unzeitig 
Welſchnũß Waſſer / Nummulariz Pfennigkraut / Nymphax albe, 
weiſſe Seeblumen/Ori ganı, Doſten / Ono nidis Hau⸗Hechel / Pæoniæ, 
Gicht Roſen Waſſer / Papav.errat. Schallblumen/.Parierarix, S. Pr 
ters Kraut / Pentaphylli, fünf Fingetkraut/ Perſicariæ maculofz, fle⸗ 
Figt Floͤhkraut Waſſer / Perſicorum 9. Pferfigblüth /-PetaGlidis ex 
toto, Peſtilentzwurtz Waffer aus dem gangen Gewaͤchs / Petrofelini, 
Petrofilien/Pimpinelli,Bibernellen, Plantaginis; Wegreich / Pluvia- 
hs, Regen/Pomor. ſyly. Wildäpffel/Portulaca,Burgel&vaut/Prashi, 
Andorn/Primula veris, Schlätfel-Blunten/ Prünelle, Prunellen/Pul- 
monariz maculofx,fledigt Lungenkraut Waffer/Pulegii,Poley/ Py- 
rolz,IBintergrüu/ Qrerc. fol, Eichenblätter/Raphani Ruflici,Meer> 
rettich / ralgegemein Rettich / Rorellæ Sonnen Thau Roris majalis, 
Mayen Thau / Roris marini, Xosmarin / Rolar. Pallid.weis Kofen» 
Waſſer / rub: dir. roth. Rubi idæi, Hinbeer / Rutz, Kauten/ Sabine, 
Sebvenbaum / salriæ Salbey / Sambuci or. Hpfderblüth / Saniculz, 
Ganidel/Satutejz, Saturey/ Satirii, Stendelwurtz / Saxifragiz alb. 
weiß Steinbrech. Scabiofe, Apoflem Kraut / Scolopendrii, Hirſch⸗ 
zungen / 8cordü. Lachen Knoblauch / Scorzonerz, Scorzoner/ Scro- 
phulariz, Braunwurtz Kraut/ Scmpervivi, Hauswurtz / Senecionis, 
Kreutzwurtz Kraut / Serpilli, Kuͤhnlein / SigilliSalomonis, weiswurk/ 
Sıliginisd, Kornblumen/ Solarrı Kadıtfchatten/Spermatis Ranarum. 
Srofchleid, Tanaceti, Reinfaru / Taraxaci, Pfaffen Roͤhrlein Thymi, 
Thym / Tiliæ fi. Lindenbluͤt / T ormentille, Tormentill / Trifolii, Drey⸗ 
blat/ Trinitatis, Freyſamkraut / Tunicz Aor. Graß Regelein / Tuſſila⸗ 
Bi lattig/Valerianz,Baldrian Wofler/Verbafci ex fior Wul⸗ 
enfraut Blumen / Verbenz,Gifenkraut/ Veronicz,Ehrenpreis/ Vio- 
lar.cx flor. Veilgen / ex toto aus dem gaugen Gewaͤchs / Virgæ aurex, 
Heydniſch Wundkraut / Ulmariæ, Geisbart / Zedoarie Zittwer. 
Die mit Wein oder Branntwein koͤſtlich gebraunte Waſſer / deren 
Beſchreibung und Compofition in Schröderi vollſtaͤndigen Apotheck / 
lb, 2. cap. 38. zu finden/ ſeynd folgende: 
Aqva acoviftica Mindereri, Waſſer zum Gehoͤr / alba Puerorum, 
weiſſes Rinder Waſſer / Anhaltina, Anhaltiſch Waſſer / aniſi Belzeri 
scomponittes Anis· Waſſer / Antidotalis Alexipharma, D. P,Matthio« 
ii, 





mm 


= 


80 | Aqu | 


li,Anti fcorbutica Zwolfferi, Waffer wider den Scharbod‘/. dito. Ti- 
mzi , Apopledtica Zwolff. dito, Rothy-Schlagwafler/ Heroica Ti- 
mæei, heroiſches Schlagwafler/ Arthemifia Compofita, componirtes 
Benfußmwaller/Arthritica Zw. Gliedwaſſer / dit. Tilemanni, Apofte- 
matica Kohlreuteri,MWafferwider die Geſchwuͤre. Athmatica Waſ⸗ 
fer wider den kurtzen Odem / aurea Johann Langy gülden Waſſer / 
"Bezoardica Landgravii Bezoartifches Waſſer / Contra Calculum 
»Hüngar, Ungariſch Waſſer wider den Stein. Carbunculi,Carbundel 
Waſſer / Carminativa, Wind-Waffer. dino. Dorncrellii,dito Zw. dito 
. Döereri, ditoRolfines ad capillos denigrandos, das Haar ſchwartz zu 
farben / ad Catharros deficcandos, Maffer wider die Flüffe/ Cephali- 
- ca aromathica, Faupt Waſſer / dit. Arniſæi, dit.Schröderi, dit, Caroli 
V. dito Schweiterifch/dir. Anhaltifch/ex canibus, Yon jungen Huͤnd⸗ 
- lein/Cinamomi fimplex , ſchlecht Eaneel-Maffer/ dito eingeiftiges 
Zwolfferi, dito mit Bugloffen/ dit. mit Qpitten/.dit,Junckäi, : dit.Zw. 
dito Herculis Saxoniz, ſtaͤrckendes Zimmet⸗ Waſſer / aqua de Corde 
Cervi Hoffm. Hirſchhertz Waſſer / dir, Rolf. dito dreyfaches Junckij, 
dito wider die Ohnmachten Junkii, dit. ad pulſus Schillingii, Cordialis 
Hertzwaſſer / D. P. H. dito Pleifneri pro epithemate Cordis & pulſ. 
Hertz⸗ und Puls: Waſſer /Cordialis odorata Timæi, wohlri 
Sertzwaſſer Timæi, mirabilisad collapfas vires wunderbahres Krafft⸗ 
Woaſſer / Cosmetica Bierlingii Gchmiuck⸗Waſſer / Citri Bezoardica, 
Bezoardiſch Citronen Waſſer / de EyproPatavienfis, Paduauiſches 
wohlriechendes Waſſer / Damafcena odorifera Zwölft. wohlriechendes 
Waſſer / Angelica Dygbi, Engliſches Waſſer / dito Schillingij,Krafft- 
Waſſer Junkij, Damafcena Dereri, Digerens Timæi, Digerent⸗Waſ⸗ 
fer/Diuretica, Kern⸗Waſſer / Dyfenterica Dornerelli Anti Epileptica 
Hartmann, Schwer Gebrech⸗Waſſer / Anti Epilept. Zwöliſ. dit. Koͤ⸗ 
nigs in Denneniarck / dito der Koͤnigin / Pullor. aviumZwölft. Schwer 
Gebrech⸗Waſſer / Epileptica Langii,Puerörum Kinder⸗Waſſer / E- 
pileptica Dorncrelli,Embryon Balſamus, Kinder Balſam / Anti Febri- 
le D. B. Fieber⸗Waſſer / Febrile Timæi, Formicar. Tinctorii, Ameis 
ſpiritus, gutturalis Halswaſſer / epatica, Leberwaſſer / ad Herniam, 
wider den Bruch / Hirundinum Compoſ. Zwolff. Comporirtes 
Schwalben-Wafler/Hydrotica, wider die Waſſerſucht / Hypnotica 
Weckeri, Ruhe⸗Waſſer/ dit. Reinesii,Hyfterica Zwölff. Crollii, Marti- 
ti Mutter⸗Waſſer / Imperialis correcta,herbeſſertes Kaͤyſer · Waſſer / 
Ichiatica, Waſſer wider das Reiſſen in Gliedern / Lavendulæ com- 
poſita, componirtes Labendel⸗Waſſer / Laxativa Managettæ. Laxier⸗ 
Waſſer / Iign. Saſſaftas. c. cinamom. Timæi Limacum Magiftral, 
Lonàò. Looch ſani & experti Looch⸗Saamen⸗Waſſer / Magnanimi- 
tatis großmuͤhtiges Waſſer Maſtichina, Maſtix ⸗Waſſer / ad memo- 


zıam 





* 


, Aqv \ 8 
riam confortandam, das Gedaͤchtniß zu ſtäͤrcken / Meliſſæ compof, 
eomponirted Meliſſen⸗Waſſer / Mirabilis Wunderbares Waſſer / Ne 
phritica Amſtelod. Stein⸗Waſſer / dit. Mynſichti, dito Rolfinist, dir, 
Zwolff. dit.Marchionis, Odontalgiea fpecifica, Zahn⸗Waſſer / Oph- 
&halmica Junckii,Augenmaffer/Panis BrodtWaffer/Papaveriscom- _ 
pof. componirtes Mo ns WBafler/ Pedtorale Lothii, Bruſt Wafler/ 
Perlarum, Perlen’ / Phyfagona Zwolff, Winde Waſſer / Pic- 
carum comp, Componirtes Elſter⸗Waſſer / Pronixz comp, Compo- 
nirted Poonien Waſſer / Præſervativa Bierlingii, Präferbier Waſſer / 
Pretiofa confortaus,Stärdwaffer/ PolychreftaScorb, Rolf, Schar. 
bocks⸗Waſſer / ProphyladticaSylvii, Peſt⸗Waſſer / Protheriacalis 
Lond. Theriack⸗Waſſer / Pulmonaria coci, Lungen⸗Waſſer / Purgans 
ex Elleboro, Purgier⸗Waſſer / Salyiæ compof. Compon. Salbey» 
Waſſer / Sarſa parilla Rolff. antiſcorbutica Zwolff,. Somnifera 
Zwoltt, Ruhe⸗-Waſſer / Splenetiea, Miltz-Waſſer / contra ſputum 
fangv. wider Blut⸗ſpeyen / Stomachal. Ditmeri, Magen = Waffer/ 
contraterrorem, Schreck⸗Waſſer / Theriacal, ufual, gebräuchlich 
Theriack⸗Waſſer / Theriacal potentis Deckeri, de Tribus, von drey 
Theilen / Triſtantis Schröderi, wider Gram / Veltheimiana, Virtutis 
ad cxtra, auſſerlich Krafft-⸗Waſſer / Vitæ aurea Reinholdi, Lebende 
Waſſer / Vnæ mulierum Grulingii, Weiber Aqvavitz, Vitæ com- 
pof Deckeri, Comp. Lebens⸗Waſſer. | 
Die Deftillation Horbemeldter Waſſer gefchiehet aus grünen Kraͤu⸗ 
tern und zarten blumen / deren Krafft leicht verſchwindet / in Balnco 
Mariz. Aus denen aromatifchen und hihigen aber /deven Krafft nicht 
fo gar fluͤchtig ift / vermittelft einer Blafen / je leichter der Geruch eie 
nes Dinges oder Krauts ausrauchet / je geringeres und laulichter B. 
M. man habendarff / befonders aber Fan man ſich nur des Balnei Ma- 
riæ feines Vaporis bedienen / damit der wohl-viechende Geruch fonder 
Brandmahl gan herüber gehe/ und nichts von der balfamifchen Kraft 
verlohren werde. Will man die Wafler edler haben / fogicfle man 
die einmahl defillirte auf neue Kräuter / und deltillirs noch einmahl. 
Man kan auc) die Materialia vor der Difillation etliche Tage maceri- 
ven oder fermentiten / ein wenig gemein Salt oder Bier-Hefen dazu 
thun / befonders wann man die Sl verlangt. Wiltdu den Waffern 
und-Spiritibus ihre natürliche Farbe zu wege bringen / fo thue die 
Kräuter inden Alembıcum, daß das tropffende Waſſer darüber gehe/ 
allein ie dauren auf ſolche Weiſe nicht Lange. 
Gute Aqvæ vitz anzuſetzen / gebrauche man fol⸗ 
. gende Defcriptiones: ; 

Nimm Pomerangen-Schalen ein halb Loth / Kraufemüunge ein Sand 
voll / Romiſche Camillen⸗Blumen - fo viel / 
3. Loth / 


u 





ef Aqv 


3. Loth / Anis / Fenchel und Kümmel-Saamen jedes ı. Loth / Zimmet⸗ 
rinden 1. Loth / Muſcaten⸗Ruͤß ein halb Loth / dieſes alles groͤblich 
zerſtoſſen in Wein oder Braudtwein 24. Stunden eingeweicht / und 
hernach deſtilliret. Item: 

Wenn man zur Zeit der Meinlefe Trauben ſtampffet / und dieſelbe in 
ein hölgern Wein⸗Faß / fo mit eiſern Bänden verbunden / thut / here 
nad) in dad Spund⸗Loch eine Röhre von Zinn oder Kupffer/ in Geſtalt 
eined Kolben / ſtecket / und darauf einen Deltillir- Helm feget / ſo wird/ 
mann die Zeit kommt / daß der Wein gähret / ein Dampff (der ſich 
doch fonft verlieren wurde) auffteigen / gleich einem Agva virz, und 
foderfelbe noch einiges Phlegma bey ſich hält ſo verliert er doch fol: 
ches / wenn er noch einmahl überzogen wird / und wird alödann zu ei⸗ 
nen bollfommenen Aqva vitæ. 

| Zu ſchlechten Anis Brandtwein / 
Nimm auf ein achtel einer Tonne Korn = Brandtwein / (welches / fo 
man es nach medicinalifcher — rechnen will / etwann a8. Pfund 
austragen moͤchte /) 3. Pfund groblicht zerſtoſſenen Anis-@aamen/ z, 
Loth Biol-Wurs/ gemein Salt eine Hand voll / laß es mit den Brandt» 
wein eine Racht beigen / des andern Morgens deftillive es nach der 
Gebühr / bis das weiffe kommt / alödenn höre auf / und ſuͤſſe es mit 
Syrup / nad) Belieben/ laß es s. Zage im Keller liegen / bis es klar 
werde. Zu Fenchel-Brandtwein nimm 2. Pfund Fenchel-Saamen/ 
zu Rummel-Brandtwein eben fo viel / zu Machandel-Brandtwein 4. 
Pfund / zu Lorbeer-Brandtweiu 2. Pfund / zu Rosmarin ı. Pfund/ 
zu Wermuth dre viertel Pfund / zu Meliffen 4. Hand voll trocken 
Meliffen-Kraut/ zu Angelic drey viertel Pfund Angelicken⸗Wurtzel / 
zu Calmus;. Pfund Calmus / zu Zitwer x und ein halb Pfund Vene⸗ 
diſche Zitwer⸗Wurtzel / Hein gefchnitten / und eine Nacht eingebeitzt / 
zu Zimmet ein viertel Pfund / zu Negelein 10. Loth / und beyjeden/ 
wie oben gelehrt / eine Hand voll Saltz / und denn mit. Pfund Gy: 
rup diefes Achtel ſuͤß gemacht. 
| Den Syrup von ZucFer wohlzu kochen: 

So nimm 6. Pfund Farin⸗Zucker / iꝛ. Stoff oder as. Pfund Brunnen: 
Waſſer / das Weiſſe von s. Eyern / Elopffe es mit dem Waſſer durch / 
fchutte alödenn den Zucker hinein / mifche es / und fee es übers Feuer/ 
laß eö mit einander durchkochen / fo wirfft ich aller Unflath des Zuckers 
in Die hoͤhe / gieß es durch ein wöllen Tuch / fo bleibet das Unfaubere 
zurüd / laß das Durchgeilegene fo lang wieder Eochen / bis zur rechten 
Syrups Dide. Man kan auch / weil es noch warm ift / etwas Ge⸗ 
wuͤrtze gröblich zerftoffen / fo digl als man will/ einhängen / es gibt ei⸗ 
nen angenehmen Berud und Geſchmack. Bon diefen Syrup iſt drey 
bis 4. Pfund genug auf ein Achtel oder ıs. Stoff (welches 72. Pfund 
feynd) Brandtwein / denfelben zu verfüffen. Aller⸗ 





— — — — — 


Agp N 83 


Allerhand Sarben dem Brandtwein zu geben. 
Und zwar erftlih Grün / fo färbt man ſolchen mit Meliſſen / Bartf 
oder Bärenklau / Krauſemuͤntze / junge Apfel-Sproflen / alles frifi 
getrodnet / in ein Gädlein gethan/ und in die Vorlage gehändt. 
Braun oder roth färbt man mit Torna folis, rothe ee 
Wurgtzel / oder Sandel. Gelbe mit Gaffran/ Wurtzel Curcumz. 
Blau mit Korn⸗Blumen / alles einzuhängen und weichen laffen. Ne: 
— gibt man mit Gewuͤrtz⸗ Regelein. Zimmet⸗Farb mit 

immet. —— 
Unter den Nahmen der Elixir deltilliren etliche dieſelben folgender 


Geftalt / 3. E. I 

Anis + Elıxir. | 
Nimm Anis⸗Saamen drey viertel Pfund/ ſtoß es groͤblicht Flein/geuß 
rectificirten Brandtwein darauf ie. Pfund / laß es eine Nacht weichen/ 
thue 2.Loth Ingwer darben/ 2. und ein halb Mintlein Violen⸗Wurtz / 
Speife-Sals eine halbe Hand voll / Brunhen-Mafler 2 Pfund / de- 
ftillire es biß fein Phlegma oder weiſſes mehr koͤm̃t /und dies. Pfund 
abgezogen habft / alödenn koche 1. Stoff oder s. Pfund Brunnei-;Wafe 
fer mit ein halb Pfund Zucker / giefle ed zu den vorigen 2, Stoffen Spiz 
ritus, fo haft du die voriges. Stoffen wieder. - Ä 
| Zum Calmus ; Elixir. 
Nimm gefchnitten Calmus ein halb Pfund / gieß darauf 3. Stoffre- 
&ificirten Brandtwein/ laß ed eine Nacht beitzen / thue ein Pfund 
Brunnen-Wafler darzu / eine halbe Sand voll Saltz / 2. Roth Ingwer / 
deftillires. Pfund davon ab/ koche einhalb Pfund Zucer mit ı, Stoff 
Waſſer ab / und gieſſe es darunter. — 


Zu Angelicken  Elixir. 
Nimm ein halb Pfund Hein geſchnittene Angelicken⸗Wurhtzel / gieß 
darauf z. Stoff rectificirten Brandtwein / thue darzu 2. Loth Ingwer / 
Brunnen -Waſſer . Dvart/ Saltz eine halbe Hand voll / defhllirs wie 
das vorige / daß 2. Stoff abgehen / ſuͤſſe dieſelben mit ı. Stoff Waſ⸗ 
fer / und ein viertel Pfund ſyrupiſirten Zucker. 


| Zu Domerangen ⸗ und Litroner ;Elixir. 

Nimm ı0, Loth Pomerantzen- oder Eitronen-Schalen/ fehneide das 

Inwendige wohl aus / ſtoſſe ſie gröblicht / gieffe 3. Stoff Brandtmwein 

Daräuf/ thue darzu ꝛ. Loth Ingwer / eine halbe Hand voll Saltz / laß 

ed eine Nacht ſtehen / dann gieß ein halb Stoff Brunnen- Waller dar⸗ 

auf / deftillire 2. Stoff ab / ıhue alödenn ı. Stoff Waſſer mit einvier⸗ 

tel Pfund Zucker darzu. 

Auf dieſe Art können allerhand eintzelne Brandwein von Saamen / tro⸗ 
52 | denen 


n 


— Yan 


ckenen Kräutern / Wurtzeln / Gewürs und Schalen bereitet werden/ 
doch muß man es eine Nacht vorher beigen / che man es deſtilliret. 
Kin ander gut Aqvavitz 3u machen: 
Nimm Zimmet des beften 1. und ein halb Untze Ingwer 2. Lorh/ 
Calmus i. und ein halb Dvintlein / des Kleinen Balgants /Sewürg- 
Negelein/ Muſcaten-Nüſſe / Mufcaten-Blumen jedes ı. Qvintlein/ 
Violen-Wurtz 2 Dbintlein/ Brandtmwein ı2. Pfund / laß es eine 
Nacht ftehen / thue darzu ı. Loth Saltz / Brunnen-Waſſer einen hal⸗ 
ben Stoff / delillive 2. Stoff ab/ hänge darein frifch getrocknete Krau⸗ 
femünge / Meliffe / Raute / jedes ». Hände voll / warn es ſich grün 
enug gefärbet / fo nimm es aus / mache es mit ein Stoff Brunnen» 
aller) darinnen ein viertel Pfünd Zucker gekochet / füffe. 
Aqva corrodens, ift eigendlich einjeder faurer freflender Ligvor, 
als Eßig / item, deflillirter Eßig und dergleichen. 2 
Agva fortis, Scheide-Wafler beſtehet aus Bitriol und Salpeter 
folvirt allein das die gemeine Art daffelbe zu bereiten / ıft 
folgende / ninm 2. Pfund getrodneten Vitriol / ». Pfund Salpeter / 
zerreibs zugleich/und mifch eöydeltillirs in einer befchlagenenRetorten 
in offenen Feuer / denen Gradibusnad) / fo ifts in «2 Stundenfertig/ 
man nimmt auch bisweilen Alaun/ Brünfpan/item Salmiack und ge: 
mein Saltz darzu/ da es dann fo ſtarck Fan gemacht werden / daß man 
auch Bold mitaufflöfen fan / vide Schröders vollſtaͤndige Apotecke / 
lib.3.c. 23, Item in diefen Buch / das Wort/ Scheide⸗Waſſer. Die 
befte Probe des Aava forts ift / wann 2. Roth deſſen / ein Loth fein Gil: 
ber gaͤntzlich aufflöfen / gleichwie aud) die Prob eines gerechten Saltz⸗ 
Geiftes * mann 4. oder s. Loth dabon / mit ein wen.g Salpeter⸗ 
Geift geichärffet / ein Loth Bold folviren / wann der Spiritus Nitri ges 
recht ift / fo müffen deffen 2 Loth / 1. Loth Silber aufflöfen 
Agva Phagadenica, ift ein überaus herrliches Waſſer / und 
—— der letzte Ancker / daran man ſich in heiſſen und kalten 
Brand halten kan / feine Zubereitung beſchreibet Schröderus in der 
vollſtaͤndigen Apoteck / lib. 3. cap, 8.p. sız. unter. dem Wort Lapis 
Calcarius folgender geftalt. Rimmgemein Brunnen Wafler/ 20. Pf. 
gieß eö uber s. Pfund ungelöfchten Kalck /fügenoch darzu z. Ungen/ 
Arlenici, fintemahl das Arfenicum , die Schärffe des Alcali in Kaldy/ 
eben wie das Nitrum ſixum corrigiret /laß alles zufanımen aufwallen/ 
wann es nun wohlgefocht / thue darzu Mercurii dulcis, z. Ungen 
bievauff alleö wohl durch einander gerühret / fo fchlägt aller Kald zu 
Grund / da dann das klare nach und nach abgefihieden wird / ın 
a gieß hernachmahls 4. Unten Spiritus Vini , fo ifl es 
ertig. | 
Aqva Marina „ batfeine Tinctur qus einen theils 
thei 


— es) ..  — ——— - — 


Aqb Ara 85 


theils Veneriſchen Schwefel / wird nachgemacht mit Kieß / Salpeter / 
Burras, Bleyweiß und Gruͤnſpan / die Probe dieſes Steins / iſt in den 
Unterſcheid der Haͤrte / und durch das Anhauchen. 

Aqva Regia, Koͤniglich Waſſer heiſſet darum alſo / weil es eintig 
und allein das Gold auffloͤſet / welches vor den König der Metallen 
gehalten wird / die Balıs oder der erfte Anſatz des Aqva Regis, 
iſt dev Spiritus Nitri oder Aqvafortis , welches zu AqvaRegiagee 
macht mwird/ wann man Salmiack auff folgende Art hinein thut. 
Nimm s. Loth geveinigten Salmiacks / gieß ı Pfund Aqvaforts 
daruͤber / und ſetze es ineine Phioleaufden Sand / fonurein wenig 
warm iſt / damit dad Aqvafort allmählich dad Salmiack aufflöfe/ 
Ben das Gefaͤß nicht zu / damit ed nicht zerfpringe / meyde auch die 

unfte/ welche auffteigen/ wann das Agvafort in denSalmiad drin» 
get / dann esfeynd wilde Beifter die nicht fönnen coaguliret werden/ 
und feyad doch fehr fchädlich/ fo bald der Salmiack zergangen/fo ninım 
Das Gefãß aus den Sand / und wann es kalt worden / thue das Waſ⸗ 
fer in eine Phiole / undverwahrsmwohl. Item, thue ı. Pfund Ful- 
veriſirtes Meer⸗Saltz oder Salgemmz in eine Retorte, und gieß 
1. Pfund Spiritum Nitri oder Aqvafort darüber / deſtillirs hernach in 
Gand/ bis dad Saltz trocken auff den Boden der Retorten bleibt / 
und — Waſſer in einer / mit Wachs wohl verſtopffen 

iole. 
ein vel agrifolium. 

Agvila, ift bey den Chymiften Sal armoniacum , Galmiad 
zumeilen auch der Fechter genannt / diefen Nahmen führet aud) das 
Nirrum. 

Agvilegia, Agley wird in Gärten gefäet / dev Saamen ift bewerth 
in ſchweren Beblüt/ Pocken / und hihigen Rrandheiten / die Tindtur 
aus diefer Blumift gut dor dieScorbutifhe Mund-Fäule / der Eſſig 
davon hilfftgegen die Ohnmachten. 

Arabicum ,Babylonicum, feu Sarracenisum Gummi, Arabiſches 
Hartz / iſt faſt das allerbefanntefte und gebräuchlichfte Gummi da⸗ 
von groffe Qrantitäten confummiret werden / ed läft ich gern in Waſ⸗ 
fer zerſchmeltzen / da hergegen bey andern Gummi das Widerfpiel 
(ich Aindet. Einige Autores melden / daß ed bon einen freniden 
Zannen-Baum flieffe / andere daß es von einen Egyptifhen Schot⸗ 
ten / fo Acacia heiffet herkomme / zu und heraus wird es bisweilen 
gang flein zerſtückelt in groflen Faͤſſern gebracht / wiewohl felten 
ungefälfcht / und: zimlich unvein/ das gerechte Arabifhe Gum⸗ 
mi/ muß Elar und durchſichtig wie Glaß / grob und Hein / weiß / ha 
auch braunlich feyn / und ſich gern zerſchmeltzen laflen / auch in 
Mund einen füllen Geſchmack wor, / warn e& bitter/fo ift ee 

3 en 


86 Ara Arc - 
chen / daß es alt ſey / man berfälfcht ihn auch mit Kirfchen / Pflaus 
men / oder andern Reſinen / welches man aber leicht erkennet warn 
man ihn in Waſſer aufflöfet / dann der wahre zerflieſſet gleich / 
der verfälfchte aber nicht. Die Mittel die daraus bereitet werden / 
feynd wenig ın Bebraud) / fondern man nimmt gemeiniglidy an deſſen 
Stell / das Hark von Kirſch⸗ und Pfiaumen-Bäunten/ die Keſinam zu 
—— Seine Krafft erſtreckt ſich wider die rothe Ruhr / in einen 
dienlichen Ligvore aufgeloͤſt und über die Flechten geſtrichen / ver⸗ 
treibt ſolche. Die daraus zubereitete Stuͤcke ſeynd / das Pulver/ 
welches gemacht wird / wann man den Gummii in einen warmen 
Mörfel zerſtoͤſt und der gereinigte Gummi / verſtehe / wann er 
in Waſſer ſolvirt / colirt / und dick gemacht wird 

Arabiſche Coſtus⸗Wurtzel / / vid Coſtus, Arabicus. 

ArantiaPoma, vid. Aurantia. 

Arbiter, ein Schiedsmann / welcher ſtreitige Partheyen berträgt/ 
daher kommt Arbitrium boni Vıri, dad Butdünden oder der 
Ausschlag eines ehrlichen Manns / welcher Ausſpruch hernach Laudum 
genannt wird. 

Arbitraior, fft auch ein Schiedsmann / doch fo weit von jenen un⸗ 
terfchieden / daß bey ihm nicht ordenilichnach der Form des Kechtens/ 
mit Sa und gegen Sat die Sad) darff verhandelt werden / auch ſei⸗ 
nen Urtheil ber gewiſſer Poen zugeleben / von denen Parten nicht 
durch ein ordentliched Compromill verfchrieben wird. 

Arbor fotida, vid. frangula. 

Arbor vitæ Paradiliaca, vid. Thuia, Baum des Lebens / ift ein 
ſtarckriechendes mit einer voth ſchwartzen Rinde bedecktes Bäumlein/ 
fo erftlich aus America gekommen / nunmehro aber aud) bey unsge- 
funden wird / dasaus den Blättern deftillirte Waſſer und Del / ift 
änfferlich vor das Podagra gut. Ä 

Arbutus, Comarus, Erdbeer Baum / wählt häufig in Spa— 
nien und Welſchland / feine Früchte Memacylon geheiſſen / ſind 
als eine Haſelnuß / und wann ſie re ff den Erdbeeren nicht ungleich. 
Die Wurtzel ſoll gut vor die Peſt ſeyn. | 

Arcanım nennet Theophraftus daß befte erhöhte fünfte Weſen 
eined Dinges oder eines Dinges Tugend / die durch taufendfache 
Erhöhung verbeffert worden / epliche nennen auch ein Arcanum, 
einen Extract, msgemein berftchet man darunter ein Beheimnif/ fo 
dieſer oder jener vor jich allein weiß /und bejiget. , 

Archangel , ſonſt 5. Michael Archangelo genannt ift eine beruͤhmte 
Handels⸗Stadt / und die Niederlage aller Waaven/die Rorden um in 
Mofcau kommen / und wieder abgeführet werden. - Der Zollalihier 
träge jährlich ‚viel tauſend Reichsthaler ein Alte liegt an der — 

* | ee 


a za -o na m m» — 


Arc 87 
— ee 
See / am Ausfluß des DwinaßStroms / hat ein zimmliches Schloß und 
guten Hafen / in welchem die Engliſche / Holländifche und anderer Na- 
tionen Schiffe pflegen anzulaͤnden. Vormahls hielten dieSchiffe ih⸗ 
ren Cours durch den Sund in die Oſt⸗See / bis in den Hafen der Stadt 
Narva in Lieffland / von dar die Waaren über Land geführet worden / 
nachdem aber ſo viel und mancherley ſchwere Zoͤlle aufgeſetzet / hat 
man den 2. auf Archangel erwehlet / ihr Jahr⸗Marckt fängt 
ſich an / im Herbſt in Septemb. Monath / undendiget id) in Octobr. 
gegen welchen die Frũh⸗ Schiffe in Aprill, die Spaͤt⸗Schiffe aber in Ju- 
lio von Hamburg / Bremen und Holland ausfahren / und nachdem jie 
gut Wetter und Wind haben / um Norwegen und die Nord - Eap/ 
etwann innerhalb 4. Wochen in ärchangel angelangen/.dafelbft bis in 
O&obr.verbleiben / und fo dann wieder nach Hauß gehen / die Fruͤh⸗ 


- Schiffe hingegen reifenfhon/im Julio von dannen / nachdem nemlich in 


DerCertepartie, nit ihnen vieloder wenigkieg-Zeit veraccordiret wor⸗ 
den/und kommen wann Wind und Wetter füget/im Augufto zu Hauß / 
eö haben aber diefe Fruͤh⸗Schiffe — diejenige Waaren 
geladen / welche nach Abreiſe der Spaͤt⸗Schiffe im vorigen Jahr 
nach geendigten Jahr-⸗Marckt / in dem ſogenannten Nach-Handel 
noch —* und erhandelt worden / und den Winter über in Ar- 
changel beliegen geblieben / mau faget daß die Engeländer die er- 
fen ſeyn geweſen / welde aus Sturm berſchlagen / in die weiſſe See 
und folglıch in den Haben von Archangel gekommen / und mit den 
Ruſſen angefangen/ Handelung zu treiben / welches als was neues 
und fonderbahres an Mofcomitifhen Hof aufgenommen / und 
Daher denen Engeländern / damit fie hinführo wieder kommen moͤch⸗ 
ten/ groſſe Privilegia gegeben worden. Ein mehres hievon vide un⸗ 
ter dem Wort : Moſcowitiſche Waaren. 

Archeus, der Welt-Beift/ ift fonielald die innerlih wuͤrckende 
Hanpt-Urfach aller Dinge / welche allen Waaren die dev Menfch be: 
Dart / ihr Wachsthum giebet und befordert / in den Menſchli⸗ 
chen Leib felbft wird es das Principium Vitale genannt. 

Archiater, ein Königl. oder Fürfil. Leib⸗ Artzt. 

Architedtura, die BausKRunft wird zwar niehrentheild der Wiſ⸗ 
ſenſchafft diefer Kunft / aber dabey auch unterweilen der Werd 
ſelbſten gegeben / alfo daß man auch von manchen beweglichen 
Kunft-Stude fagen kan / es fey eine gute Architeätur darinn. Unſe⸗ 
re Kaufleute haben derfelben fo weit noͤthig / ald ihnen allerhand zur 
Kauffmannfchafft dienende Gebäue und Machinen / welche lehtere 
worinn ſie beſtehen / unter ihre eigenen Benennung fpecificiret wor⸗ 
den/) zubauen vorkommen koͤnnen / und wie fucht nicht wohl man⸗ 
cher Kauffmann / dem des Orts en. darzu favorilirt/ wie 

4 er 


88 Arc Arm 


erfeine Pack · Hãuſer und Speicher an das Waſſer füglich anbauen 
möge / damit feine Schiffe vor diefelbige anlegen / vermittelſt der 
dabey aufgerichteten Winden und Kraniche/ die Waaren einund ans 
laden / undalfo groffe Unkoſten / (die er fonft wurde machen müffen/ 
wann dergleichen Pad-Kaum/ nicht mit folcher Beqvemlichkeit ge= 
bauet wären/ erfparen mögen / fo iftsiaaud an den Bauen der Ge⸗ 
wolbder und Keller / und ſolchey Magaz ynen/ In welchen die Lufft und 
Licht den Waaren nicht fchaden / fondern vielmehr Vortheil brin- 
gen könne / fehr vielgelegen/ / daß wir alfo hieraus nochmahl con- 
cludiren / es fer faft nothwendig daß ein jeder Kauffmann / eine Me- 
x Connoiflance , diefer edlen Wiſſenſchafft der Bau⸗Kunſt 
abe. 

j Areium vid. Bardana, 

Areſel / Sorbus, Torminalis. 

Argemoner-Köffel Argemone. 

Argentum , Silber wird aud) Luna der Mond genannt / bon ben 
Laboranten aber Corpus Album, Fermentum Album, Lumen mi- 
nus , Mater, (utSolPater) Diana, am Himmel Luna, in der Höllen 
Proferpina und Lucina , vide Silber. | 

Argentum vivum, feu Hydrargyros, vide &ved-Silber, | 

Ari, feu Aronis Radix Yarond:Wurk / vide drum. ä 

Arilli, ſeynd ſo viel als cin, 

Ariſtolochiæ Fabaceæ, Radix kleine runde Hollwurtz waͤchſt vieler 
— und wird im Martio und Aprill auffgeſammlet / und einge⸗ 
trodnet. I 

Aciftolochia longa Vera, lange wahre Hollwurtz kommt aus 
Spanien / und Gicilieu / ſie mup fehr compact oder hart / und 
nicht wurmicht feyn / die gemeflene lange Hollwurtz wächft auch im 
Teutſchland hin und wieder / und heift Ofterlucey. 

Ariftolochiarotunda Vera, welſche runde Hollwurtz Fommt aus 
— Gebuͤrgen / muß ebenfalls / ſchwer hart / feſt und knockigt 

eyn. 

Ariſtolochia rotunda vulgaris ‚ runde teutfche oder gemeine Holle 
wurtz / wird gegraben in Fruhling und Herbſt / mug fchon gewaſchen / 
und der Sand heraus geſchwaͤmmet werdeu / ſie ift eine gute Gebluͤts⸗ 
Reinigung / treibet den Schweiß / und hilft auchder Engbrüftig- 
keit. Man hat auch noch eine andere Art Hollwurtz / vunde keine 
Dfterlucey/ Bruges, Hollmurg / Fumaria bulbofa, radice non cava 
minor genannt / die ebenfalls vor die Kräs und, Engbrüftigkeit fehr 
gut zu gebrauchen. 

Armena Bolus,, ift eine Art Medicinifcher Erde / fo aus der Tür» 
ckey gebracht wird. ' 


Arme 


m Ei u er 


Armenius Lapis, Lafurgder Armenier-Stein/ if grünblaulicht 
von Farb und bleich / er wırd deßwegen / weiler weich und ſandig / 
von denen Runft:Wahlern zu fhönen Farben gebraucht / und infon- 
derheit das fo genannte Coeruleum Montanum oder Bergblau 
daraus gemacht / man hat angemerdet/ daß er gern nebenft den 
Chryfoeolla oder Berggrim ftehe / auch eine purgierende Krafft an 
ſich habe / weßwegen man auch die Pillulas de Lapide Armenio in dies 
len Apotechen findet. Deren Compoltion in des Nieols Edelgeftein 
Büchlein p. 1:8. zu erfehen. 

Armoniac Gummi, vid, Gummi Ammeniacum. 

Armeniacum Sal, vid. Salmiac. 

Armoracia, RaphanusSylveilris Thlafpi majus Sinapi agrefte, 
Heydenreich / wilder Meer⸗Rettich waͤchſt allenthalben / die Wur⸗ 
Gel treibt den Harn / lindert den Gtein und dienet wider den 
Scharbock. 


Arnica,Lagea Lupi, Cryſanthemum, Caltha, Plantago Alpina, 
AlyfmaDiofc. Molverley wächft auf Bergen und Wiefen/dad Kraut 
fammt den Blumen treibt den Schweiß und Harn / macht bres " 
eben / zertbeilet die blauen Maͤhler / und vertreibt das Fieber. 

Arnogloffon. Plantago, 

Aromata, vid. Gewürg, 

Aromatifatio, warn die Arkney/ mit Zimmet Calmuß / Saffran / 
und Sandel⸗Holtz wohl viehend gemacht wird. 

Aron, Pfaffen-Pint / teutſcher Imber. 

Aronse Wurtzʒ / vid. Arum. 

Aroph, werden bey den Paracelfo die Blumen oder Flores 
aus Blut-Stein und Salmiack genennet. Sie ſollen in 4 tägigen 
Fiebern groffe Krafft haben. Es kommt auch zu dem Aroph des 
Faracelfi , das oleum luti, das iſt der Zartarifchen Materia , welche 
anden Nacht⸗Geſchirren klebet / welche durch calciniren und folvi- 
ten ferner zubereitet wird / wiewohl der Spiritus Urinz fo wohl præ- 
fervative als curative alles basjenigeleiftet/ was man fonft aus dem 
Menjhen-Steinverlangenfan. 

Arreit, eine Auffhaltung / Bekünmerung der Perfonen und 
Güter /arreftiven / aufhalten / einen nicht loß laffen wollen / fondern 
ihn oder feine Guͤter an einen gewiffen Ort zu bleiben zwingen / oder 
gebieten / gefchiehet den Kauff⸗ Leuten und Fuhr-Reuten vielfältig auf 
ihren Reiſen / wann ſie etwaden Zoll verfahren / die rechte Straſſe 
nicht gehalten/ oder contrabande Waaren bey ſich geführet /ohne Pag 
— oder Schulden gemacht / etwann in Verdacht ſtehen / daß ſie 
durchgehen wollen/und was dergleichen Urſachen mehr ſeynd / hey wel⸗ 
chen was Rechtens ſey zu beobachten y daß in ——— * 

5 ezeit 


— — 


Ruf / oder Mineraliſcher fetter verbrennlicher Safft / davon dreyer 


yo Are Arf 


fezeit cher eined Kauffmann feine Güter (mann folche wie die Præ- 
tenfion zulänglid) ) alö feine Perfon müflen arreftivet werden/ 
dann fo lang einer noch baare Gelder / Waaren / ausftehende Schul- 
den / liegende Gründe / und Bürgen hat / kan feiner Perfon mit kei⸗ 
nen Kummer oder Arreft beleget werden / wiewohl ſich einer auch mit 
diefen Worten in der Obligation darzu verbinden kan / als: Ich 
gebe meinen Gläubiger volle Macht und Gemalt / mic in Fall 


der nicht Zahlung / an allen Orten und Enden / wo er mid) an= 


treffen möchte/ mit Perfönlichen Arreft zu belegen / aus welcher id) 
vor gänslicher Abtragung des Capitals und Zinfen / nicht weichen 
will / ꝛc. welches faft eben fo viel als die Obligario ad Obftagium, 
die Verbindung zum Einlager iſt. Es Fan aber auch ein Schuld: 
ner ohne ſolche Verfchreibung / undeh noch einmahl die Schuld wo» 
mit ereinen andern verhafftet / verfallen / mit. Arreft beleget wer- 
den/ wanınemlich die Anzeigungen da ſeyn / daß er auf ſchwachen 
und flüchtigen Füffen ftehe / in Abgang feiner Nahrung gekommen / 


und bald den "Weg zum Thorhinaus ſuchen werde / oder daß er ſonſt 


ein liederliches Leben führte/ dadurch er anderer Leute But herdurch 
— — in welchem Fall / auch vor der Zahlungs⸗Friſt / die Execution 
aufflar Siegel und Brieff dein Creditori verſtattet wird/nur zu den 
Ende/ wann er etwann fonft nicht genugſame Verficherung hätte/ daß 
er dadurch in des Debitoris Gütern / eindingliches Recht evlangte/ 
Carpz, p. i. Conſtit. 17. def. 32. n.5. &fegg. wie dann aud) alfo 
die Juriftifche Facultät in Beipzig geantwortet : Dannoch aber und die⸗ 
weil viel vornehme Rechts⸗Lehrer dahin fchlieflen / daß wann peri- 
culum inmora, ein Arreft auch wegen ſolcher Schuld / die noch nicht 
fällig wohl könne gefuchet und erlanget werden / fo werdet ihr auch 
Krafft eines erlangten Arreftes billig den andern Arreftanten borgezo- 
gen.V.R,W. 

Arıha ‚heift der Gottes Pfenning / oder dad Armen⸗Geld welches 
man auf dieHand giebt einen Kauff oder Contra&, damit zu be> 
frättigen / oder. wann man einen. Advocaten oder Notarium alle 
nimmt / da man ihn dann arrhiret / oder etwas aufdie Hand giebt/ 
m Zeichen / daß er unfere und nicht die Gegen-Parthey bedienen 
oll. 

Arriviren / angelangen / dies Schiff iſt Gottlob in Salvo, iſt wohl 
an den gedeſtinirten Ort arrivirt / den feindlichen Rachſtellungen 
echappitt oder entwifchet. Er hat mir fein glückliches Arrivement 
kundt gemacht. Es ift mir ein ſonderlicher Cafus arrivirt / zu 
Sanden geftoffen / das arriviret nicht leicht / es trägt (ich felten zu. 

Arfenicum, zuteutfh Ratzen⸗Pulver / Huͤtten⸗Rauch / ift ein 


ley 


Arf Art | gı 


ley Arten zu finden /ald nemlich (1.) der weiſſe Arfenicum (2.) der- 
gelbe Citrinum , Rifigallum oder Auripigmenr genannt / und 
Bann (3.) Arfenicum Rubrum, rother Hütten Rauch oder rothe San- 
darach genannt / aus diefen dreven gebraucht man den weiſſen in der 
Artzeney am meiften / dengelben felten / den vothen am allerfelteften ; 
wer die erſte Art Esüffen will / der fehe zu daß er fhön- weiß Ehryftal- 
liſch / ſchwer / rein / Mildyfarbig und nicht glaͤſig ſey / denChryſtalliſchen 
bereitet man durch Sublimation aus Operment und Salt; / hingegen 
wächfet das Operment und derSandrach, und ſeynd in nichts unter: 
ſchie den / als daß der Sandrach in der Erden mehr gekocht worden/ 
alö der Operment , es ift aber der Arfenick ein ſchwefflichtes 
Subjettum und zugleih Metallifch / er beftehet aus einen Acıdo, 
Sulphureo pravalenıe, & faturato fuo metallo, man hat deſſen zwey⸗ 
erley Arten, natuͤrlichen und durch Kunſt bereiteten. Die Alten ha⸗ 
ben nur von den Natuͤrlichen gewuſt / und daſſelbe ift gelblicht geweſen / 
fie Haben es auch wegen des goͤldigten Glantz Auripigmentum geheiſ⸗ 
ſen / eben wie ſie den rothen Sandaracham genennet. Die durch Kunſt⸗ 
bereitete Arſenic werden Realgarica genennet / und dieſelbe ſeynd 
bald an der Farb weiß / wie der Acſenic, bald gelbe / wie das Auripi- 
gmenr, bald roth wie Sandaracha. Unter allen Gifften hat der Arſe- 
nic den Vorzug wegen feiner Schaͤrffe / ſo er in den Menſchlichen Coͤr⸗ 
per auslaͤſſet / welche Schaͤrffe aus den Cobalt durch die Sublimation 
auffgetrieben worden. Die Barbierer gebrauchen ſich des Arfenici, 
in Cauteriis und Amuleten / item , in böfen Krebö-Schaden/wel- 
man Noli me tangere nennet/ Paracelfus commendiret den 
Balfamum fuliginis , welcher nichts anders als ein Arfenic ift/ 
Operment und Sandaraca feynd dem Arfenico an Kräfften [hier 
leid). 
6 — /Cynosbatos, 
ArsritzenBaum /Sorbus. 
Arsrigen-Aepffel / Sorbum. 
Ars⸗Ruͤſſel / Sorbus Torminalis. | 
Artemilia latifolia, Herba regia , Beyfuß / S. Johannis Gürtel/ 
mwächft auff den Aeckern und Feldern / ift ein gut Mutter/ Harn / 
und GSteintreibendes Kraut / die darunter abergläubifcher weiß 
geſuchte Kohlen / heiſſen billich L apides Stultorum, | 
Artemifia tenui folia, vid, Marricaria,vel. Tanacetwen odor. 
Arthanita, ift daß Kraut der Radicis Cyclaminis, auf Teutſch 
Gäu-Brod / es hat breite und runde Blätter / etwas Purpur-färbig 
traͤgt auch Purpursrothe attliche Blümlein / die Wurtzel kommt an 
‚Kräften faſt mit der Radix Alari überein / wird unter die ſtärckſte 
Purgantia gerechnet / fo gar / daß auch das Ungventum.de Arthanita 
Ä mit 


92 Art 


mit Aloe nnd Ochſen⸗Gall vermifchet und aufdenlinter-Leib gerieben/ 
Aufferlich/purgivet / und den Kindern die Würm abtreibet. 

Arthetica, vide Chamepythis. 

Artheticum vel Arthriticum, ein Arener » Mittel/ welches den 
Nerven und Gelenden dienet. 

Arthriticum, vid, Primula beris. 

Artifi, Tragopogon. 

Artificialia, durch Kunft gemachte Sachen / welche der Menfchen 
Fleiß / Arbeit Mühe und Speculation durch fonderbahre Kunft und 
Erfindung zu Werd gebracht / und dannenhero entweder als groffe 
Raritäten / oder fehr nüsliche Inftrumenta / zum Gebraud) verwah⸗ 
vet/ oder auch wol in öffentlichen Kunſt⸗ und Rariräten-Ranimern zur 
Beſichtigung / Verwunderung und Erfättigung der Curioſitaͤt / dar⸗ 

eſtellet werden. Es ſeynd aber derſelben ſo vielerley Arten in der 
ahler⸗ und Bildhauerey / in Kupffer⸗Stechen / Ol⸗ und Miniatur- 
Mahlen/ Moſaiſcher Arbeit / Wachs- Poshiren / Metal⸗ Gieſſen / 
Bips-'und Leim = Formen / in Drechſeln / Stechen / Schneiden / 
Schleiffen / Glaß⸗Machen / Poliren / Verfertigung fopieler taufend 
optifchen und mechaniſchen Inftrumenten / groß und kleinen Machi- 
nen / in Rehen / Wircken / Sticken / Weben / Flechten / Färben/ 
Zubereitung allerhand Materialien/ Verfertigung gewiſſer Model- 
fen / in der Givil- und Militair ⸗ Bau⸗Kunſt / in Feuer⸗Kuͤnſten / Phy- 
ficalifchen Inftrumenten / Geographiſchen Land⸗Carten / Chymifchen 
Karitäten / und dergleichen / daß felbige unmüglich alle zu erzehlen/ 
wiewol das nochwendigfte davon unter ihren in diefem Werd beſon⸗ 
ders fpecificirten Benennung zuerfeben. 

Artiglerie, heiffen ber) Denen Armeen und Feld⸗Zuͤgen die Stüden 
und Mörfers / zu welchen die Kauffleut offt die Lieferung der Ammu- 
— * iſt / des Krauts und Loths / oder Pulver und Bley / auf 

nehnien. | 

Kerifehocken/ feynd dreyerley Sorten / ald Cinara maxima an- 
glica, velScolymusmajor, groffe Englifche Artiſchocken Cinara hor- 
tenlis foliis non aeuleatis , glatte gemeine Artifchoden / und Cinara 
aculeata, ſtachlichte / von etlichen werden jte auch Carduus altilius ge⸗ 
nannt. Ob nun wol die Artifchoden bey uns fehr gemein feyn / ſo 
bringen ſie doch hier zu Lande Feinen Saanıen / fondern ed muß folder 
anders woher verfchrieben werden/ wann er groß ſchwer und gefprengt 
iſt / fo iſt er gut / wiewol auch viel falfcher darunter Dermenget wird/ 
der den wahren nicht viel ungleichift. Der Boloneſiſche Artifhoden- 
Saamen wird vor den beften gehalten. Ä 

Aruifta , ein Kuͤnſtler /der nad) der Kunft feine Sachen / fonderlich 
in der Chymie, zu machen weiß, at 








Arum, 


Aru Afa 0 


Arum , Zehr⸗-Wurtz / Zeutfcher Ingwer / Magen oder Fieber- 
Burg / Pfaften » Pint / wachfet gern an feiften / fchattigten dundeln 
Orten / die Wurgel nuget zum Magen und Bruft / und treibet den 
Gifft. Sie ift zmeyerley Art Arum maculatum, maoulis candidis 
vel nigris, und Arum vulgare non maculatum , beyde Wurgeln bat 
man in denen Apotheden / die aber ihrer Schärffe wegen felten frifch 
‚gebrauchet/ fondern zubor getrocknet werden. 

Arundo faccharina, Calamus faccharinus , Indianiſch Zucker⸗ 
Rohr / vide Zucker. 

Arundo paluſtris, Canna vulgaris, gemeiner Rohr / Schilff / 
wächfet haͤuffig in ſtehenden Waſſern und Fiſch⸗Teichen. 

Arundo ſativa, Italica major, Spaniſch Rohr / wird in Welſch⸗ 
land in den feuchten Wein-Bergen gepflantzet / die gebrandte Rinde 
machet Haar wachſen. Es Font auch jaͤhrlich mit denen Oſt⸗Indi⸗ 
ſchen Schiffen eine groſſe Menge ſolcher Spaniſcher Rohr aus Oſt⸗In⸗ 
diſchen / welche von denen Oſt⸗Indiſchen Compagnien / von denen 
Kauffleuten erhandelt / und hernach eintzeln / oder bey Dutzent / nach⸗ 
Dem ſie etwann vorher mit ſtaͤhlern oder ſilbern / auch wol Elffenbeinen 
Knoͤpffen befchlagen worden/ verkaufft. | | 

Artʒeneyen / Medicamenta, feynd allerley Hülffs - Mittel wider 
die Krancheiten / und beftehen in innerlichen und äufferlichen Ge⸗ 
brauch / jene ſind z. E. Trunde / Milch oder Emulfiones,, Julep / Sy⸗ 
up / Eclegmata , Latwergen / Biſſen / Trochifei, Pulver / Morfel- 
fen / Pillen. Aeuſſerliche Medicamenta feynd / deftillirte Waſſer / 
allerhand Olca, Clyſtier / Salben / Linimenten/ Cerota , Pflafter/ 
Carapl. Saͤcklein und zwar nachdem die Kranckheiten des Leibes 
feyn / welche damit follen vertrieben werden / alfo gebraucht man zu 
den Mund Zahn-Pulver / Gurgel⸗Waſſer / Linimenten / Maftica- 
tor en/Räucherwerd ; Zu den Augen / Collyrıa,Salben/ Uberfchläg 
Cataplafmata; Zur Naſen / Rafen = Pulver / allerhand Geruch und 
Rauchwerck; Zum Ohren / Waller / Saͤffte Decoda, Sl/ Gal: . 
ben / Raͤuchwerck; Zur Mutter/ Clyſtier / Mutter - Zäpflein ; Zum 
Hindern / Clyſtier / Stuhl-Zäplein/ Ligvores, und fo fortan. 

As , ein Römifches Gewicht / item Theilungs-Art / nach welcher die 
Erben im Teftament eingefeget wurden / alfo der Heres ex afle war/ 
der hatte Die gange Portion ‚oder alled zufammıen. Dder XI. Un: 
gen / Deunx bedeutete XI. Ungen / Dextans X, Ungen / Dodrans IX. 
Ungen/ Bes VII. Umgen / Septunx VII. Untzen / Semis oder die Helff⸗ 

te VI. Ungen / Qyincunx V. Unten / Triens IV. Untzen Qvadrans 
IL, Ungen / Sextans 11, Ungen/ Uncia 1. Une. 
Afa oder Alla , hier unter werden zweyerley Gummi — 
gig 


94 Aſa Afc | 


als (1) Aa dulcis feu Benzoe , welches wohl⸗riechend iſt / und (2) Ala 
ſcetida oder Teufſels⸗Dreck / vide beffer unten 47% dl, 
Alariradix feu Nardus ruflica, Baccaris, Haſelwurtz / wird ine 
Herbſt gegraben / und Eentner weiß verkauft. Diefe Wurtzel trei⸗ 
bet die todte Geburt und Harn / dienet auch vor das Fieber und Eng» 
brüftigfeit. Das Kraut davon ift wohl⸗rlechend / hat runde Blaͤtter / 
fett wie Epheu / es purgiri die dicke Feuchtigkeit und Galle ſowol oben 
als unten aus / und iſt daher ſowol ein Purgans als Vomitorium. 
Schwangere Frauen muͤſſen ſich vor dieſer Wurtzel hüten / ſin emahl 
ſie ohne Schaden der Frucht nicht mag genommen werden. 
Asbeftus, asbeſtum, item Cariſtium, carbaſium, alumen fcajo- 
le und Salamandra, weil er im Feuer aushält/ genannt. Komme 
aus Indien / Arabien und Eypern/ in einer härınnen Geſtalt / und 
zwar bisweilen in weiffer / offt in Afch-grauer / nachmahls in gelb⸗ro⸗ 
ther oder auch wel in einer Eiſen⸗Farbe; mas die auswendige Släche 
betrifft / ſcheinet es zwar trucken/und Läffet ſich in gewiſſe Füden zeriheie 
Ten / hat aber doch inder Mitten eine Feuchtigkeit / welche leimicht und 
oͤlhafft und durch Fein Feuer. Fan gezwungen werden. Die Faden 
koͤnnen gefponnen und gewebet werden wie dernatürliche Flachs Es 
ftehen viele in den Gedanden / des Poli Veneti Erd⸗Leimen / und des 
Martinii asbeftifhe Pflanse im Königreich Taryu feyeinerley / wel⸗ 
ches ich den courieufen Leſer zu beurthe. len überlaffe / vide Amzanıbue 


Jap“. | | 
-  Asbeflifches Papier / welches jüch offt befchreiben / und Hernadh 7 fo 
oft mans ind Feuer wirft / von den Gefchriebenen wieder reinigen 
läßt / wird auf folgende Monier bereitet: Man zerftöffet den Asbe- 
ftifchen Stein/ in einer guten Qyanuität/ ineinen Morſer / fo lange 
bis nichts anders als das Flock Wollenzeug eriheiet/wann ſolches ge⸗ 
er foll man ein Sieb nehmen/ das aus eifernen Drat als ein 
Köftlein / oder welches noch befier / aus kupffernen gemacht feyn / 
alfo daß die Drat-Faden gantz dicht neben einander flehen/ auf dıefe 
Weiſe wie auf den gemeinen Papier-Fzormen zu fehen/ hernach ſoll 
man das Wollenzeug / nachden man es zuvor in das Waller 
eworffen / tapffev ummühren/ und wann es alſo gerühret / aufdas 
Sieh fchütten / bis die Wollne Materie in eine Papier: Zorn gebracht / 
eö muß aber geichmwinde damit umgegangen werden / weil fonft die 
Materia, alö welche miner «Lifch iſt / ſich bald wieder zu Grunde feget, 
Aſche / ein Fifch dieſes Nahmens / den einige Thymallum, Thy- 
mum vel Temelum nennen/ weil fein Fleiſch nach Thymian riechen foll. 
Aſche / aus berbrandten Holy oder Kraͤutern / vide Pott⸗Alche / 
tem Alcali. 


Afclepias, Vincetoxieum, 
‚ Acy- 


Aſc Afi 95 


Afcyron ‚ Hypericum. 

Aſiatiſche Waaren (ind allerhand Arten des Gewuͤrtzes / herrli⸗ 
ther Gummi , Seiden und Baunmollen Zeug / und anderer Früd)- 
teund Materialien mehr / die wirin dieſem Werck hin und wieder be; 
ſchrieben Haben / daß ſie aus Alien / vornemlich aber aus denen Oft: 
Indianiſchen Reichen Japan, China, Pezu, Ceylon und ſo viel unter- 
fchiedlichen Inſuln mehr kommen / deren theils ihre eigene heydnifche 
Könige haben/ theild unter der Holländer/ Engeländer und Portugie⸗ 
fen ihre Bothmäßigkeit ſtehen / welche jährlich um gantz Africa ihren 
Cours dahin nehmen / undanftatt der Guropäffchen Waaren (ald da 
feynd Weine / Bier und andere Betrande / feine Lacken / allerhand 
Krahm⸗ Waaren / mehrentheilsaber baar Geld) die unter der Rubrie 
Oſt⸗Indiſche Waaren Ipecificirte Waaren / wieder mit heraus fuͤh⸗ 
ren. Füuͤrnehmlich aber gibt Alla an etlichen Orten Gold/ Silber 
und Edelfteine aus / wie dann diefe letztere deswegen zum Unterfi eid 
Drientalifche genennet werden/ weil ſie alle anderean Schönheit über» 
treffen. . Man bringt auch aus Alta Elephanten-Zähne/ Seide / Tuͤr⸗ 
ckiſch Garn / aroffe Menge don Caton, Geidene Atlad und andere 
Stoffen / Eoftbare Tapeten / Sameel-Haar / Bifanı / vielerhand 
Manufadturen sc. welche in Smirna / Eonftanftinopel / Alexan⸗ 
dria / Tripolis in Syrien ıc. geladen / und über die Mittelländts 
ſche See durch Engeländer / Frantzoſen / Hollaͤnder / Genuefer 
und Venetianer / ja zuweilen durch die Tuͤrcken ſelbſt in Europa 
geführet werden 5 Und heifet man — welche nach jetzt⸗ 
bemeldten Ortern fahren / und daſelbſt Handeln / Levante-Fahrers / 
oder ſolche Leute / diegegen Oſten oder Auffgang der Sonnen zufahren. 
Bor einig 100. Fahren iſt diefer Handel gantz allein in der Venetianer 
Gewalt geweſen / weiche fo dann die Aitatifche Waaren hin und wie⸗ 
der in Europa verhandelt / ed mag auch die Stadt Vineta, welche an 
der Oft - Geegelegen/ und durch GOttes Verhaͤngniß untergan- 
gen / groffe Handlung mit ſolchen Waaren getrieben / und ſolche et» 
wann /uber die ſchwartze See durch Reuſſen und Polen heraus be⸗ 
kommen haben/ feither aber daß die Hollander und Engliſchen zur 
ee worden / und den Weg um Capo di bona Speranca gee 
funden / haben ſie die Handlung mehrentheild an fich gezogen / und. 
denen Venetianern wenig übergelaffen / die unterfchiedlihe Maap - 
und Gewicht / fammt denen in Aſia gültigen Geld - Sorten / wird 
künftig in unfern Aſtatiſchen Kauffınann der Länge nach zu erſe— 
ben feyn. Was vor diefen das in Alla gelegene vortreffliche Em- 
porium die Stadt Tyrus, mit welcher heutigs Tags Amſterdam 
möchte zu veraleichen feyn/ Vor ein groſſes Gewerb fo wohl zu Waſſer 
alsLand getrieben/folches zeiget das 27. Capitel EEE ie= 

\ is / 


96 Ai 
lis / daGott der HErr die Stadt Tyrus alfo anredend/eingeführet wird. 
DI yrus/du ſprichſt / ich bin die allerſchoͤnſte / deine Graͤnhen ſind mitten 
imMeer/und deine Bauleute haben dich auf allerſchoͤnſte zugerichtet / ſe 
haben all dein Tafel⸗werck aus gig yomsSanır gemadt/un die 
Eedern vomLıbanon führen laflen/und deine Maft-Baume daraus ge⸗ 
macht/ und deine Ruder von Eichen aus Bafan/ und deine Bände von 
Eiffenbein/ und die Eöftlichen Geftüle aus den Infulen Chitim, Dein 
Gegel war von geftidter Geiden aus Egypten / daß es dein Panniee 
wäre/ und deine Deden von geler Geiden und Purpur / aus den Iuſu⸗ 
len Eliſa Die von Zidon und Arvad waren deine Ruder⸗Knechte / und 
batteft gefchichte Leute zu Tyro zn fchiffen. Die Aelteften und Klugen 
von Bebalmuften deine Schiffe zimmern. AleSciffe im Meer und 
Schiff⸗Leute fand man bey dir / die hatten ihre Händel in dir. Die 
aus Perſia / Lybia und Lydia / waren dein Kriegs-Volck / die ibre 
Schild und Helm in dir aufhiengen / und haben dich fo fchöne gemacht... 
Die von Arvad waren unter deinen Heer vings um deine Mauren / und 
Pächter aufdeinen Thuͤrnen / diehaben ihre Schilde allenthalben/ 
von deinen Mauren herab — und dich fo ſchoͤne gemacht. Du 
haft deinen Handelaufden Meer gehabt/und alleriey Waare / Silber. 
Eiſen / Zinn und Bley auf deine Maͤrckte bracht. Javan, Tubalund Me- 
fech, haben mit dir gehandelt / und haben dirkeibeigene Leute / und Ertz 
aufdeine Maͤrckte bracht. Die von Thogarına haben dir Pferde und 
Magen und Maul-Efel aufdeine Märdtebradht. Die von Dedan 
find deine Kauff⸗Leute geweft/ und haft allenthalben in den Inſulen ge⸗ 
handelt / diehaben dir Elfenbein und Heben⸗Holtz verfauft: Die 
Syrerhabenbeydirgehohlet deine Arbeit mas du gemacht haft/ und 
Rubin / Purpur/ Zappet / Seiden und Sammet / und Cryſtallen auf 
deine Märdte bracht. Juda und das Land Iſrael haben auch mit 
dir gehandelt / und haben dir Weitzen von Minnith / und Balſam und 
Honig und Oel und Maſtich auf deine Maͤrckte bracht. Dazu hat 
auch Damafcus bey dir geholet deine Arbeit und allerley Waare / 
und ſtarcken Wein und koͤſtliche Wolle. Danund Javan und Mehu⸗ 
fal/ heben auch auf deine Märckte bracht / Eifen- Werd / Eajla und 
Kalmuß / daß du damit handelteft. Dedanhat mit dir gehandelt mit 
Deden/ darauf man ſitzet. Arabia und alle Fürften von Kedar har 
ben mitdir gehandelt mit Schaaffen/ MWiddern und Boden. Die 
Kanff-Leute aus Saba und Rama haben mit dir gehandelt/ und aller» 
ley Eöftliche Specerey und Edelftein / und Gold auf deine Märdte 
bracht. Haran und Canne / und Eden/ ſammt den Kauff-Leuten aus 
Seba / Aſſur und Kilmad / (ind aud) deine Kauff⸗-Leute geweſt / die has 
ben alle mit dir gehandelt mit Föftlichem Gewand / mit ſeidenen und 
geſtickten Tuͤchern / welche ſie in EöftlihenKaften/von Eedern gemacht/ 
und 


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— — — — — — 


— — —— * 
und wohl verwahret / auf deine Maͤrckte gefuͤhret haben. Aber die 
Meer-⸗Schiffe ind die fürnehmften auf deinen Märckten geweſt. 
Alſo bift du fehr reich und prächtig worden / mitten im Meer. 
Heutigs Tags Noriren in Alten / fonderlich aber unter den Türdt- 
ſchen Gebiet in der Handlung die Stadt Eonftantinopel / Smirna 
Alexandretta Seppo und Seyde. Eonftantinopel / die Haupt-Stadt 
des Türckiſchen Reichs iſt darum ihrer Situation zur Handlung wegen 
vortrefflich/ weil fie zwifchen den beyden Meeren/ als den Mittländis 
fchen/ und den fhwargen Meer oder den Ponto Euxino lieget/ und 
don Ruſſen / Zartern/ Perſianern / Armeniern / und den —2 
Staͤdten groſſe Zufuhr von ſolchen Waaren hat / welche die Chriſtliche 
Levante-ahrers beduͤrfftig ſeynd. Wiemwohl dieſe fo haͤuffig nicht 
nach Conſtantinopel als nach Smirna gehen / als woſelbſt die Orientg« 
liſche Waaren / wegen der haͤuffig aus Perſien ankommenden Caravaz 
nen beſſer als in Conſtantinopel zu bekommen. 


Die zu Conſtantinopel gebraͤuchlichſte Muͤntz⸗ 
Sorten ſeynd. 


Die Segvins d’or, oder Cherifſins, welche 243. Aſpres gelten. 
Die Parates oder Medins , diefe gelten 3. Afpers, 


- Ein Afper aber ift fo viel als 6. Deniers bon Frandreid. 


Die fremden Maͤntzʒen / welchein Conftantinopel 
Cours haben feynd : 


Die Piaftres Sevilianes, Mexicanes, und bon Perou die Cara- 
rouchs Affelanis, oder Abougvels, Abras, Tourqs, Izelottes, 
enetianifche Segvinsund Ducaten. 

Die Peruvianifchen Piaftres paflıren Vor 108. bis no. Afpres, wann 
fie gewichtig feyn / die andern nach Proportion Ihres Gewichts/ 
in den Wechfeln aber zehlt man is. bis 120. Afpers auff den Pia- 
fire = Stüd von Achten / in fo fern nur 10. derfelben 37. Drach- 
mas wagen. 

Die EN eine Tuͤrckiſche Reichs⸗Muͤntze / welche vor 
ı20. Aſpres pallirt / dieungefehr so, Holländifche Stüber oder so. 
Frauhoͤſiſche Sols machen. 

Die Allelanis Abougvels, oder Loͤwen⸗Thaler / bon Holland und In⸗ 
ſpruck gelten in5. Afpres, 

Die Abras . eine Pollniſche Münge gelten 5. eines Affelanii. 

Die Tourgs oder Tures, eine Art einer Lottringifhen Müng gelten 

3. eines Aflelanii, | 
Die Izelores 3, Aſſelanũ. | 
: ® er Die 


98 Aſi | 

Die s. Schilling Stüder von Franckreich / gelten dafelbft 4. Sols, 
6. Deniers und machten folcher i12. bor dieſen einen Piaftre Aflelanii, 
Seit einiger Zeit aber / ift dieſes Geld / weilfo viel falſche einge» 
fchlichen verruffen worden. | er | 

Die Venetianiſche Segvini, gelten 23. Affelanii oder 63.{b,deFrance. 

Die Ungatifche Segvins gelten 2. Affelanii, Ä 

Die Franhoͤſiſche Thaler feynd anders nicht gangbahr ald gegen Die 
en Abougvels, welche man inögemein zu so. Afpers 
rechnet. 

In Smirna werden lauter ſchwere Sevilianifche Stuͤck bon Achten 
erfordert / die man in Marſeille zu 6o. Sols, und darüber ein⸗ 
kaufft / wann man fie den Tuͤrcken in Bezahlung gibt/fo wägen ſie fol» 
che alle genau ab/ und Yon 150. zu 150. Drachmas, zehlt man ı7. Pia- 
ftres, welches 33. Drachma auf dem Piafter macht / daß man al- 
ea die leichten Piaftres folcher geftalt 4. bis s. pC. verlieren 
würde. 

Die Scheriffs bon Smirna , welches Gold-Stüden feynd / gelten 

22. Piaftres, zu Alexandria oder Scandrone, item zu Aleppo und 

Seyde ift der Piaflre a Bougvel, welcher den Affelanii faft gleich 

ift / und so. Afpersoder 44. biß Ar. Hollaͤndiſche Stüber oder sa. 

bis ss. Frantzoͤſiſche Sols werth iſt / indgemein feynd es die Per- 

flarter / welche das Wechſel Negotium , und deren Cours di- 

rieiren / nachdem fie nemlich biel oder wenig Geld / nöthig 


en. 
* Smirna iſt Aleppo ber vornehmſte Handels⸗ Platz / und wird 
abſonderlich groſſe Handlung mit Seiden / Cameel⸗Haar / Gall⸗Apf⸗ 
fel und Seiffe daſelbſt getrieben. Es werben aber die meiften Eu⸗ 
vopäifchen Waaren von Alexandrerta oder Scandrone einer 
Syriſchen Stadt / welche am Mittländifhen Meer gelegen / dur) 
roſſe Caravanen dahin gebracht / und fo ferner an die häuffig dahin 
ommende Perfianer/ Indianer / Araber und Turden verfaufft. 

Alıa ‚oder vielmehr Adfchiar bedeutet bey den Indianern insge⸗ 
meinallerleymit Salgund Eßig eingepeckelte Wurgeln/Kräuter/und 
Früuͤchte / ald Meer Portulac , Indianiſchen Spargen, Mangas und der⸗ 
gleichen/ dasjenige aber was unter den Rahmen Aha, infonderheit zu 
und,heutiged Tags gebracht wird / ift nichts anders als Turiones 
oder diejunge Schoͤßlinge / des groflen Zucker⸗Rohrs / welches don 
Cafp, Bauhino lib. 1, Pınac, Sedt. 3. Arundo Arbor genennet wird. 
Dieſes Zucker⸗Rohr ftöffet junge zarte/ doch zuweilen wol Armsdi⸗ 
de Schoffen hervor / diefelben gräbet man tieff aus der Erden / 
und Fochet fie ein wenig in Wafler / fo wie man mit den 

ier 


Afo Afp 99 


—— GR a tn 
eh zu Land thut. Ferner fchneidet man ſie in runde Scheiben/ bes 

prenget felbige mit Saltz / und leget ſie einige Tage in dieLufft / jedoch 
alfo/ dap ſie nicht gar zu trucken werden / darnach fchüttet man fie in 
Toͤpffe / und übergieft ſie mit Palmen Wein⸗Eßig / weicher zuvor mit 
grob geſtoſſenen Senff-Saamen bis auf die Helffte eingekocht wor— 
den / fothane Töpffe werden wohl verbunden / und zum Gebrauch 
auffgehaben / auch in fremde Derter verſendet wie man dann 
nunmehro einige davon auch zu und aus Holland zu ſchicken den 
—— gemacht / man ſtellet aber dieſe Aſia bey uns auff / als eine 
Raritaͤt / und iſſet ſie zum Gebratens / als dazu ſie fd wegen ihres ef» 
was ſcharffen Geſchmacks am beften fchicket. 

Afoti oder Azofi, an den Ausfluß des Tanais oder Don-Fluffes/ wo 
er ſich in denPaludemMxotim ergieſſetg / elegen / dieſe Haupt · Veſtun 
iſt von feiner jegt vegievendenC zaarifchen Majeſte erſt vor einigeshahe 
ven den Turden abgenommen worden / welche biö diefe Stunde dier 
feö ihres Verluſts um fo biel weniger vergeſſen Fönnen / weil diefe 
Stadt den Ruſſen überaus gute Gelegenheit giebet/init ir Schiffen 
das ſchwartze Meer zu durchſtreichen / ia gar bis an Conſtantinopel zu 
Ereugen/ und allzeit wieder eine Retirade nach Afoff zunehmen. Man 
fagt/ daß etzliche Meilen von diefer Stadt die Tartern ehmahls den 
Don⸗Fluß mitder Wolga’durd einen Graben haben ‚bereinigen 
wollen / um folder geftalt den Tuͤrcken den Einfall in Mofcau zu facili- 
eigen / und zugleich die ſchwartze und Eafpifhe See mit eiranderzu 
vereinigen / ſie wären aber von den Ruſſen Davon abgetrieben/und ihrer 
viel taufend erfchlagen worden / wiewohl fie nach der Zeit die 
Hand aufid neu and Werd geleget / und-einiger maflen/ die befand» 
te Folla Camouz zur Perfection gebracht. vid, Fowrzier. Lib, XII, 
Cap. VII. 

Afpalathus , Lignum Alpalatum, Rhodiefer Dorn oder Kol/fo 
den Ligno Aloes faft gleich ift. vid. Apbalarus, 

Aſparagi R. Spargen-Wurgel wird häufig in Teutfchland ſamt 
ihren fhönen rothen Saamen eingefammlet / das Gewaͤchs aber einig 
und allein in Die Speife genuget. Die Wurgel treibt den Urin/ 
bricht den Stein / und ;öffnet die Leber-Nieren und Harn-Blafe, 
Der Saame beftehet aus dundelvothen DBeerlein / einer Erb⸗ 
fen groß / welche unter dem aͤuſſerlichen Haͤutlein oder Huͤlſe / 
dren Eleine ſchwartze und fehr harte Kernlein / fo einen ſcharf⸗ 











fen Geſchmack haben“ Iten ſeynd / und inwendig aneinander 
Fr. fan OT 
Afper, € ——— /vid. Aſiatiſche Waaren. 


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Alperula vx 


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⸗ Alpha 


100 Aſp Alf — 
' Afphalatus, iſt ein Holhz / welches in Syrien waͤchſet / kommt auch 
aus der Inſul Rhodis,, re ed von einigen Rofpen-Hol& ge⸗ 
nennet wird / allein wir haben deffen ein gang ander Holtz / fo 
alfo benennet wird / dieſes davon wir jegt veden / hat einen ſubti⸗ 
fen lieblichen Geruch / inſonderheit wann 2. Stud auf einander 
erieben werden / es Vergleicht ſich auch etwas mit dem Paradieß⸗ 
oltz / unter welchen man viel Stüd zu finden pfleget / im übrigen 
ift gantz glatt / gleich / und ſchwer / und Fein oder Relına 
daran zu fehen / voraus aber brennet ed gern / wann esmit den Para⸗ 
dieß⸗Holtz bermiſchet wird. 
Afphaltus, Juden-Hartz / Juden-Leim / Juden⸗Pech / Bitu- 
men judaieum, iſt ſchwartz und ein duͤrres Gummi oder Hartz / wel⸗ 
ches an den Mare Mortuo oder den todten Meer / wo vormahls sodo- 
"ma und Gomorra geftanden/ aufgeſammlet wird. Plinius meldet / 
daß diefes Hark / warn ed angezündet wird / die Schlangen 
dertreibe. Einige Scribenten ftehen in der Meynung / als ob der 
Juden ⸗Leim aus China und zwar aus der Rinde eined Baums kom⸗ 
me/ weil dieSinefer und Japaner deffen fo viel gebrauchen / und aller 
ihren Haus⸗Gerath / ia ſo gar ihre Schiffe und Käufer mit dies 
{em Hark bereichen. Es muß aber dad Afphaltum Purpur⸗ſchwaͤrtz⸗ 
Licht / ſtarckriechend und glängend feyn / auch ſich gern zermalmere 
faffen. Wann es veritable und auffrichtig / fo iſt es fehr var und 
theuer / weswegen man wohl zufehen muß / daß eö nicht mit der 
Piffasphalto , oder auch den Schwedifchen ſchwartzen Pech / (als 
welchen eö fehr gleich ſieht / auffer daß es härter und nicht fo übel 
-riechet ) vermenget werde. Jetzt gemeldtes Piffasphaltum wird hin 
und wieder in Europa unter der Erden gefunden / bat einen ver⸗ 
mifchten Gerud) . tbeilöfchwark wie das Aphaltum, theildgelb> 
ücht / weiß wie Pech / feine Probeift/ daß es auf den Waſſer ſchwim⸗ 
une/ auch nicht viel Erdund fteinigtes in ſich habe / wann dieſes Piffas- 
“phaltum noch weich und flupig / fo wird ed Malcha genennet / und 
adillet alsdann fo häuffig aus der Erden / daß die Reiſende gleich> 
: {am dabon angepichet werden / eö wird von einigen Betrugern aufs 
edörret/ und an ftatt des Afphalti verkaufft / wiewohl fein ſtarcker und 
übler Geruch es leicht verraͤth. 
Afphodelus albus, Haftula regia , weiß Aphodill· Wurtz / treibt 
Harn und Monath⸗deit / iſt auch gutbor die Kraͤt. 
. Alla dulcis, feu Benzoe, ein liebliches Gummi / fo auf glühen- 
den Kohlen / einen überaus anmuthigen Geruch giebt / kommt aus 
Indien von der Inſul Taprobana und aud) aus: dia / und wird 
wie einige wollen in der Erden gefunden / andere hingegen mel» 
den / es flieffe von einen Baum /- und fey wegen dev ſich dabey 2 


Aſſ | ot 


haltenden Tieger-Thier fehr übel zu bekommen / diefes Gummi mup 
mit fhönen groſſen Koͤrnern gezieret/ weiß und Purpurbraun vermen⸗ 
get und hart feyn. | \ 

Afla fetida, Laferpitium, Teuffels⸗Koth ift ein Safft / fo bonei- 
nen Kraut Lafere , oder Sylphium genannt / geſammlet und aufge 
trocnetwird. Er kommt unterfchiedliher Farben aus dem Lande 
und zwar aus Syrien / feinen Rahmen Foœtida, hat er von feinen 
Geſtanck der faft unerträglich iſt dad Gewoaͤchs / aus deſſen Wurtzel 
der Teuffels⸗Dreck durch eine Preſſe gepreſſet wird / iſt von zwey⸗ 
erley Arten / die erſte iſt ſtaudig wie Waſſer⸗Felben / die andere 
iſt viel fruchtbahrer / und iſt ein Safft / der aus den Wurtzeln die⸗ 
ſes Gewäaͤchs / die dem dickſten Rettichen gleichet / gepreſſet wor⸗ 
den / iſt mehr einer Gummi als Hartz Art. Der reine der faſt 
wie Kneblauch riechet / und klebricht iſt / ſoll vor allen erwehlet wer⸗ 
den; berfaifcht wird er / durch Beymiſchung Mehls / Kleyen / und des 
Scrapin-Saffts/man gebraucht ſich deſſen inn⸗ und aͤuſſerlich / ſonderlich 
in Aufſteigen der Mutter / item in Peripneumonia, Huſten und Bruſt 
Beſchwerden / wobey jedoch zu mercken / daß ob er gleich in Mutter⸗Be⸗ 
ſchwerden gerühmet wird / er dennoch bey denen die daran labo- 
riren / durch feinen Beftand fo wohl ald der Mofchus durch ſei⸗ 
en Geruch Ohnmachten verurfache / woraus zu fchlieflen / daß ei⸗ 
nejede/an der Mutter Frandliegende Weibs-Perſon ihre eigene 
Idiofynerafiam habe / dannenhero egliche dem angezundeten Schwe⸗ 
fel/ andere angezundetes Pech oder Leder / die wenigften aber die Af- 
fam fœtidam belieben. Die aus dem Teuffeld-Dred bereitete Stüde 
feynd. 1. Die Pillulen. z. Pilulx fœtidæ. 3. Spiritus Hyftericus, 4, 
Emplaflrum foetidum. 

Alfecuriren auf Waaren / gefchiehet in denen Gee-Gtädten / und 
unter Rauffleuten ſehr offt/ wann nemlich jemand zur Gee/ es ſey nach 
Oſten oder Weften/ Güter wegfendet/ und ſich dabey befücchtet/ 
daß ihm zu ſchwer ſeyn möchte / die Pericul der See zu überftehen/ 
entweder wegen der fpäten und BL SEE NER — 
lich denen See⸗Fahrenden vieles Ungluͤck draͤuet; oder weil die Rei⸗ 
fe nach gar fernen und fonderlich ſolchen Ortern gehet/ woſelbſt die 
Schiffe viel Untieffen / gefährliche See-Orter / ald Strudel / Wir⸗ 
bei, Klippen und Maal-Steöme/ zu paflıren haben; Oder wegen 
der Inder Gee ſchwebenden Eaaperd und Barbarifchen Gee:Räuber/ 
welche die See unjicher machen / und vor welchen Schiff / Gut und 
Perſonen Gefahr lauffen / zu verderben oder genommen zumerden, 
In alien dieſen Fällen läffer man die Kauffmanns⸗Waaren und Gü- 
ter / welche man in einem oder mehr Schiffen hat / oder aud) wol das 
Corpus des Schiffe ſelbſt / in re man participivet / m 

3 ee⸗ 


2 | | 
Ger: Fahrende ihre Reiber / durch einen Maͤckler / denn man hierzu 
Commisfion gibt / veraflecuriren / oder fo man die Cou rtagio erſpa⸗ 
ven will / fuchet man felbft die Aflecuratores, wiewol folches nicht fo 
reputirlich / oder fo fuglich als durch Mäckler gefchehenfan. Denen 
Affecuratoribus (deren nah Befchaffenheitder Summı ‚die man af- 
fecuriren laffen will /.fonderlich wann folche groß ift / mehr als einer 
feyn muß / indem man jich auf Summen / Die über 1000, fl. ſich be⸗ 
lauffen / mit einem Alleeuratore nicht Vergnüget / ein Allecuratcur 
auch felbft nicht gern mehr als aufs hoͤchſte 000. fl. auf einen Schiff 
Gefahr lauffet/) gibt man 3. bis 4. und mehr pro centum , nachdem 
das Schiff weit weg / oder durch gefährliche Zeiten und Orter gehen 
muß / welches denn die See = oder Fand » Garten fanıtdenen Avifen/ 
und der Kauffleut eigene Correfpondeng ausmweifet. Man hat aber 
bornemlich bey Allecurangen acht zu geben auf die Winde / welche das 
Schiff zu folder Reife bedarf ; als ven Spanien. Fahrern ift der Oft» 
Wind / vom Lande wehend/ der ficherfte/ und alsdenn gibt man in 
Friedens-Zeitens. s. bis 7. von hundert hinwerts / hingegen >. bißs. 
von — herwerts / dazu ſie denn Weft-und Norden⸗Wind haben 
müſſen. Des Winters wird auch allezeit z.pro Centum mehr als des 
Sommers / nach Gelegenheit der Zeit / des Orts und des Krieges / 
gegeben. Im Sommers iſt es gefährlich Gibraltar zu paſſiren / we⸗ 
gen der Tuͤrckiſchen See⸗Raͤuber. Ferner wird auch in Beraflecuri- 
ren Reflexion gemacht / auf weite und unſichere Reifen / ald zum €. 
nach und Von Gvinea, oder der Levante, wird bisweilen biö zo. und 
mehr proCentum Premie gegeben. Auf naſſe / flieſſende und ver⸗ 
derblihe Waaren! wird nicht gern verſichert. So ift es aud) 

efährlich zu veraſſecuriren / auf die Güter welche unten im Schiff 

tegen / weil folche gern naß werden / die oben im Schiffliegende hin⸗ 

egen leichtli von den See» Räubern können genommen werden. 
Das Gebäu und Alter der Schiffe kommt ebenfals in Confideration, 
item, der Schiffer Capacität / glückliche Fahrten und gute Renom- 
mee. Schiffe die feinen Nahen führen / oder Schiffer die ihren 
Rahmen nicht vom ſich geben / finden auch Feine Affecuratores.. Go 
zeichnet auch niemand leichtlich auf — Reifen / als von Indien 
auf Italien sc. weil man ſchwerlich Wiſſenſchafft haben Fan / ob die 
Keife vollbracht / und alfo Die Premie gewonnen oder verlohren wor⸗ 
den. Gemeiniglic muß auch derjenige der verjichern laſſen will/ den 
aehenten Theil der verjicherten Summa felbft Gefahr ſtehen / ed wäre 
dann / daß er mit fpecial Confens feiner Allecuratorum davon entho⸗ 
ben würde. In der Police oder Berjicherungs-Brieff / (davon un⸗ 
terfchiedlihe Formularia in unfern allezeit fertigen Handelö-Corre- 
Cpondenten zu finden/) wird der Rahme des Schiffes und des S T 

j ' r 


af 103 


fers / auch woraufeözugehet / und vor weſſen Rechnung / aud) wie viel 
Daranfbenjeden Allecuratore verſichert worden / fpecificire. Nach 
der Stadt Mittelburg in Geeland ihrer Alſecurantz⸗Ordnung / gelten 
feine Allecurantien auf das Leben einiger Beute / oder der Perfonen/ 
auf Wettungen dev Reifen / oder dergleichen Erfindungen. Schiffe / 
Geſchutz und Kriegs-Munition müffen unter der Helffte des aufrichti⸗ 
gen Werthö derfelben verjichert werden ; Jedoch mag man von Ofl- 
Indien zur Wiederkunfft noch einmahl ſo viel verfichern laſſen / als bey 
der Ausreiſe. Schiffer / Piloten/ Boots-Befellen können ihren Lohn 
oder Miethe nicht verſichern laffen. Verderbliche Waaren / Kriegs» 
Munition , Gold und Silber / müffen in der Police erklaͤret werden. 
Alle Berjicherungen müflen von ordentlichen Richtern oder Notarien/ 
oder andern öffentlichen Perfonen / oder durch Elare Policen und Obli- 
gationes gefchehen / dabey dann die Maͤckler / welche die Allecurang 
geichloffen / zufehen müffen / daß die Policen recht ausgefertiget wer» 
den / und muͤſſen auch Abfehrifft davon behalten. Eine jede Verſiche⸗ 
rung über affecurirte Maaren hebt an von der Zeit da die verſicherte 
Paaren auf die Cay oder Wall gebracht worden / um bon dannen in 
die Schiffgeladen zu werden / und währet / bis daß ſolche Waaren in 
den deftinirten Haben angefommen/ und auf dem Lande frey und ſi⸗ 
cher auögeladen worden. Nach gefchehener Verficherung mag de 
Schiffs Reife nicht verändert werden. Bleibt ein Schiff Jahr und 
Tag / nachdem es veraſſecuriret / ( und von den Haben / da es gelas 
den/ ift geſchieden geweſen) aus / und daß man in mittler Zeit von 
den Ort / dahin Die Ladung definirt / Feine Zeitung / feiner Ankunfft 
wegen / erhält / fo wird Schiff und But / fo fern ed innerhalb Europa 
hat gehen follen / für verlohren gehalten / und foll man den Aflecura- 
toren desfals die Intimation thun / und 3. Monathernad) die Bezah⸗ 
lungforderu: Was aber auffer Europa gelegen / foll darzu die Zeit 
bon zwey Jahren obferviret werden. Alle Allecurangen / die drey 
Monat nad) Abreife der Schiffe binnen Europa / und s. Monat aufler 
demfeiben gefchehen/feynd von Feiner Würde. Schiffe / welche auffer- 
halb Landes arreflivet und untuchtig werden / don folchen foll man / der 
darinn geladenen koͤſtlichen und unver derblichen Waaren halber / erſt 
nad) 6. Monaten / oder wo der Arreſt auſſer Europa geſchehen / in ei⸗ 
nem Jahr / denen Aflecuraroribus einen Abandon hun ; Mitgros 
ben und verderblichen Kauffmannſchafften aber darffder Verficherte 
fo lange nicht warten. Die Adtion don Haberey muß innerhalb Eu: 
ropa inanderthalb Fahren / und auflerhalb derfelben in drey Fahren 
angeftellet werden. So aber der Schade nicht über ein von hundert 
ſich erſtrecket / ift dev Berjicherer deswegen Sarisfadtion zu geben/ 
nicht gehalten / imgleichen auch nicht -y die Guter / wel n I 
4 e 


104 Aſſ 


ſelbſt / ohne darzu kommendenUnglücks-Fall / verderben. Zeitun⸗ 
gen von Unglück muͤſſen den Verſicherern / fo bald ſie eingelauffen / au⸗ 

edeutet werden. Man kan auch Schiffe / Güter und Kaufſmann⸗ 
hafften die allbereit untergangen oder genommen feynd/ verſichern 
Laffen / wann nur derjenige / der verjichern Lafft / folches nod nicht ge> 
wuſt / weilfonft in widrigen Fall die Adecurang bon feinen Würden. 
Läflt jemand auf Güter verſichern / die er hernachmahls nicht weafenz 
det / oder die ihm nicht gefandt werden / fo mag er die bezahlte Yremie 
wiederfordern/ und dem Aſſeeuratori einen halben von hundert laffen. 
Der legte Verſicherer foll in der Alfecurang eben fo wol participiren/ 
eö fer) gleich Verluft oder Gewinn. Genommene und untergangene 
Schiffe und Güter abandonniren/ heifft ſolche dem Verſicherer nun 
mehro abtreten / worauf fie drey Monat hernach die Bezahiung der 
derjicherten Summa thun müffen. Ju Allecurang-Sadyen gehende 
oder fonımende / zu Lande oder uber ſuͤſſe inländifche Waſſer / weil 
daſelbſt die Gefahr fo gar groß nicht ift/ als zur Gee / ſoll man ſich 
richten / nachdem die KRauffleute ſich desfals ini Contrahren am bes 
- fen werden vergleicden können. Fuhrleute Fönnen ihre Wagen und 
Pferde anders nice ald auf die Helffte des Werths verſichern laflen. 
Ale Contracten von Berficherungen / weil ſie Contradtus bonz fider 
feynd / follen ohne arge Lift gefcheben / und der dawider handelt / nach 
Beſchaffenheit der Sache an Geld / Leib/ Chr und Leben beftvaffet 
werden. Wer aucd) feine Guter anunterihiedlihen Orten doppelt 
oder dreyfach verjichern laͤſſt um dadurch folche / im Fall’ dap ſie blei⸗ 
ben / doppeltuber den Werth bezahir zu Friegen / der foll die verafle- 
eurirte Summam ein drittel an die Armen / und zwey drittel an die 
Angeber verfallen feyn. Wären aber Güter ohne des Allecurirten 
Betrug und Willen an mehr aldeinem Dit verfichert / fogilt allein die 
erſte Afecurang i und ift die andere von feinen Wuͤrden / ald nur in 
fo weit / ad die Summa der erften Allecurang zur Bezahlung des 
Schadens nicht zureichet. Ale ſtreitige Allecurang Sachen follen 
durch die Commillarien der Alecurang- Kammer unterfuchet und ges 
vrtheilet / und bon ihren Ausfpruch ( wer damit nicht zu frieden) iu⸗ 
nerhalb 10. Tagen an den Bürgermeifter appellivet werden. Ein 
mehtes bon Allecurangen vide in unfern gelehrten &auffmann / item, 
in dieſem Buche unter dem Wort Avereyen. 

Afligniren / anweifen / heiffet / wann ich Titio 100. Rthlr. ſchüldig 
wäre / und ihn folche von Cajo, der niit 100, Rthlr. zu bezahlen ſchul⸗ 
dig / zuempfangen /anwiefe. SHieraber wird nun gemeiniglich eine 
Aflignation gefihrieben / die der Producent derfelben demjenigen / auf 
dem er aflıgnivet worden / zum Beweiß laffen / and) wol gar offter⸗ 
mahls noch eine Qyitung darzu über das empfangene Geld vonfich ge 

| en 


Aft 1oF 


1 BEORFEEGEUSAEn BEREICHERN 
ben mug. Bon dergleichen Aflignationen ift dad Sprichwort: Ai- 
fignation oder Anmweifung ſey feine Bezahlung / dann wann ſie nicht 
honoritet wird / fo geht man wieder zurüc aufden Ausgeber derfel= 
ben. Biöweilen wird der Asſignatus von dem/auf welchen er afligni- 
vet worden / wegen der aslıgnirten Summa mieder auf einen andern 
angewieſen / diefer weiſets wieder bon (ich ab auf einen oder mehr an⸗ 
dere / indem er die aslıgnirte Summa gang oder jertvennet anmweifet/ 
welche Anmeifung der Träger der Aflıgnation danıt fo lange folgen 
muß / bis der bommt / der die Asfıgnation zu ih nimmt / und Geld 
gibt / und diefes heifft man denn Scontro oder Giro, welcher in vie⸗ 
len Handels· Plaͤtzen fonderlich in Leipzig und Franckfurt inderMiek 
Zahl- Wochen fehr gebrauchlich iſt und den Kauffleuten zu groſſer 
Beyvemlichkeit dienet / weil fie dadurch mit ihren Debitoribus und 
Creditoribus per modum aſſignandi bald fertig werden / und etliche 
taufend Thlr. richtig machen und fcontriren (qvalirefcontriren/ auf 
den Wegeinander begegnen und abthun) koͤnnen / ohne daß fie einen 
Finger mit Beld-zehlen ſchwartz machen dörffen / eö gehöret aber eine 
fleifige Abwartung der Börfe » Zeit /und ein richtiges scontro-Bürh> 
lein darzu / in welches man feine Meß-Debitores und Creditores or⸗ 
‚ dentlic) in Deber und Credit / Buchhalteriſcher Weiſe nach / muß ver- 
zeichnet Haben / und fo bald eine Poft anoder von uns aflignivet wird/ 
muß ſolche auf des Allignantis oder Aflignaci Rechnung gleich zu und 
abgefchrieben werden / verſtehe in tantum als die Aflignation geſche⸗ 
hen / nicht eher aber in totum, als big der Scontro in allen Theilen/fo 
wol adtive als pasfıve , feine Richtigkeit erlanget hat. 
Altacus, ein Meer = Krebs / zum Unterfcheid des Fluß: Krebs der 
Cammarus genennet wird. | 

Allracan, die Haupt: Stadt der Nagaifchen Tartern / welche den 
Strich ziwifchen beyden Strömen Wolga und Jaick bis an das Caſpi⸗ 
fe Meer innenhaben. BeydieferStadtfängt ſich an diegroffe dur- 
te Heide/ welche mehr als 100, Meilwegs lang ift / und herrliches 
Saltz hervor bringet / welches aus denen hin und wieder ſich befinden» 
den Saltz⸗Pfuͤtzen geſammlet wird/ und zwar fo Elav als ein Ehryftall/ 
aud von einem überaus lieblichen Geruch; von folchen Fan / wer nur 
will / frey abholen / und befommt der Ezaar vor so, Pfund oder 2. 
Pudennicht mehr als Copack oder einen Schilling Zoll. Die Ruf 
fen pflegen groſſen Handel danıit durch ihr gantzes Land zu treiben/ wie 
es dann auch an der Wolga Strand wie Sand⸗Hügel anfgefhuttet/ 
undbon dar weiter verführet wird. Anno i554. ift diefe Stadt Aflra- 
chan von dem Czaar Ivan Bahılowitz ftürmender Hand / eben wie'Ca- 
fan eingenommen / die Tartern darausgejaget / und mit Ruffenbefe- 
getworden, Es wird in diefer u nicht allein von Rufen / Lan 
35 | ern 


106 Aſt Att 


dern auch Perſianern und Indianern (die jegliche ihren eigenen Marckt 
darinnen haben/) item, von Bulgariſchen / Crimmiſchen und Nagai⸗ 
ſchen Tartern / wie auch Armenianern / fo Chriſten ſeynd / mit aller⸗ 
hand Waaren / groſſe Handlung und Gewerb getrieben / daß alſo die⸗ 
fe Stadt Ihro Czaariſchen Majeſtaͤt jährlich eine groffe Summam / ja 
die Zölle allein über 120000, Rubel oder 240000, Nthf. einbringen. 

Aftrantia vel Aftruthium , vide Imperatoria. 

Aftreng / Oftrutium. 

Aftroites , Stern-GStein/ fonft auch Ceraunia, afteria', item aftro» 
bolus, gemma folis oder oculus cati, Katzen⸗Aug genannt/ wird 
hin und wieder in Alla Perg ft ein Befchlecht des Opals , wel- 
cher feine Stralen von ſich gibt wie ein Stern / item wie Die Sonne / 
dahero er auch Sonnen⸗Gtein genennet wird. Cr ſoll die Natur an 
ich haben / daß er Schlaff bringe/ und das Erſchrecken im Traum 
perhindere. Seine Härte iſt dermaſſen groß / daß Fein Giegel-Brä- 
ber fo leicht denfelben bezwingen / oder etwas darein graben Fan. 

Afur-blau / vide Ultramarın. 

Afylum, eine Frey⸗Gtadt / dahin ein banqverotirter Kauffmann 
feine Zuflucht nehmen/ und wann er von der Obrigkeit dafelbfteinen 
Schup-Brieffgelöfet / vor der Nachfolg feiner Creditorum ficher ſeyn 
kan. Dergleichen Aſyla hat nun faft einejede Stadt / Hamburg bat 
das berühmte Altona / Kübel Hat Meißling / Nürnberg Fuͤrth / und 
fo fortan. | 

Athanafıa, Tanacetum odoratum. 

Atincar, vide Borsr. 

Atlaß / Fr. Satin, ein befandtes Geiden-Zeug/ glatt oder ge- 
blümet / davon bie Italiãniſche vor diebeften gehalten werden / man 
bat auch Frantzoͤſtſchen und Oſt⸗Indiſchen Atlap / welcher legtere aber 
gar dünne und schmal iſt. 

Atramentumrubrum, Chalcitis , rothe Dinte / vide Dinte, 

Atramentum luteum, Miſũ, gelbe Dinte. 

Atramentum metallicum , grifeum , Sorii , grüue Dinte, 

Atramentum nigrum , melanteria, ſchwartze Dinte. 

Atriplex fativa vel domeſtica, Melte / Garten» Meite/ wird in 
Gärten unterhalten / und in Elyftiren und Fuß⸗Baͤdern gebraucht. 

Arriplex ſœtida, vulvaria, tragium germanicum, Scham⸗Kraut / 
ſtind ende Melte / dienet wider das Aufſteigen der Mutter. 

Attenuans, ein Arheney⸗Mittel welches die dicke / zaͤhe / kalte Fluͤſſe 

ilet. 
—18* atteftiven / dasjenige bezeugen / was man ſelbſt geſehen oder 
gehoͤret Hat / ſonderlich haben DI e Hrn. Kauffleute viel mit dergleichen 
Artelten por eigene und fremde Rechnung zu thun / wann le nemlich 
de 


Art Ava 107 


Schaden zur See gelitten / oder das gute oder fchlechte Befinden die: 
fer oder jener Waar bezeugen wollen. Selbſt die MWechfel-Proteften 
fennd ja dergleichen Notarial Arteften / Dadurch der Träger oder Ein⸗ 
haber des Wechſels bezeuget / daß er fein beftes gethan / daß derjenige 
dem der Wechſel zu Laſt gezogen worden / ſolchen acceptiren / oder fo 
er folden acceptiret / zur Verfall-Zeit bezahlen möchte / er habe ihm 
aber weder zu Haus finden / noch Die Acceptarion oderaud die Be⸗ 
zahlung von ihm erhalten koͤnnen / und zwar hätte er jene oder diefe 

Urſache vorgemandt/ welche alödenn zugleich dem Proteft inferivet 
wird. Schiffer / dieaus der Gee kommen / und dafelbft Sturmund 
Ungewitter erlitten / auch dadurch Schaden genommen / oder wol gar 
Schiff und Gut verlohren / bringen offt fo biel Ateſten mit / daß man 
— zu thun hat / felbige zu examiniren und durchzuleſen / ſonder⸗ 

ich warn ihr Schiffs-Volck noch darzu foll eydlid Mann vor Mann 
abgehöret / und deren Auflage Articuls-weife protocollivet werden. 

Attich / vide Ebulns. i . 

‘ Artiqve, wird alles dasjenige genannt/ was noch von dem alten 
Athen herſtammet. Plin.lib, 36, c. 23. neunet Colonnes attiques oder 
atticurges diejenigen Seulen / welche viereckigt waren / fo wie ſie noch 
heutiges Tages an dem Amphi-Theatro des Vefpahiani zu Rom zu er⸗ 


en. 

Attraätylis hirfutior, v. Carduus benedictus. 

Attrahens, ein Mittel welches die Feuchtigfeiten und Geiſter aus 
den Leib und der Haut ziehet. 

Avanciren/ voraus geben / Geld vorfchieflen / item gewinnen / in 
feinen Sachen vor ſich foummen/ Gluͤck haben / ſteigen. +Avanzo 
heiſſt auch der Saldo einer Rechnung / ald dag man fagt / der Herr hat 

noch fo viel beymirin Avanzooder zu gut / ich bin fein Debitor um fo 
viel. Mein Avanzo bor dieſes Jahr ift / nach gemachtemCalculo, 
aufdiefer Waar oder auf meiner ganzen Handlung / vermöge Bilanf/ 
1000. Rthlr. ıc. 

Avanies, nennen die Levante-Fahrerd / oder die nach der Tuͤrckey 
handlende Ehriftlihe Kauffleute / diejenige Befchwerligkeiten / wel- 

che fie von den Tuͤrcken ausftehen müflen / vide. hiebon des Ritter 
Chardins Perſianiſche Neife-Befchreibung p. m.3r. 

Avanture, ein felgamer ungewöhnlicher Zufall. Avanturier,, ein 
folcher der dergleichen Bluds- Fälle ſucht / ald etwann ein Schiff aus- 
ruftet / und damit nach Weſt⸗Indien oder auf die Africanifhe Küften 
fahren / und dafelbft verfuchen will / ob er mit Handlung oder See: 
Kauben etwas verdienen koͤnte. Güter oder Waaren auf groffe Avan- 
ture mit geben / heiflt wann ein Kauffmann einem Schiffer oder Bots⸗ 
mann / der nach Archangel, Spanien oder gar nach Indien — 

als 


ro8 Ava Aue 


Waaren mit gibt/ auf die Condition , daß / wenner dermahleins wies 
dertommit / er ihm die Waare fo und fotheuer bezahlen foile / bey wel- 
chen Accord degn gedachte Waaren dermaſſen hoch angefchlagen wer» 
den / daß das Intereſſe, Afecurang=Premie und Profit ſchon alled da⸗ 
beygerechnet / und die einige Condition nur dabey ift / daß wann dem 
GSee-fahrenden Mann diefe ihm auf groſſe Avanture mit gegebene 
Waaren durch See oder Feind genommen wurden / er dafür nicht re- 
Iponfable feyn darff / gleichwie er mol wäre / wenn er folche auffeinen 
eigenen Rifigo ‚ undalö fein erfaufltes eigenes But mitgenommen/und 
die Waaren vorher aufd genauefte bedungen hätte. 
Avarics, vide Averey. | 
Audion, eine Erhöhung des Preifes oder Geld-Bietend / item 
Vermehrung und Ausruff / differivet & fubhaftatione, oder von 
den Verkauff bey bremnender Kertze / dadurch daß diefe zwey letztere 
Arten / mehrentheils durch gerichtliche Autorität geſchehen eine Auction 
abet jeder / der über feine Güter ein Herr iſt / und dieſelbe zu Deralieni- 
ven Macht hat/anftellen Fan/nemlic daß derjenige / der etwann feineBi- 
bliothec, unnüse Kraam-Waaren und Haus-Gerath / Bormünder 
ihrer Pupillen unnöthige Mobilia, gern loß fchlagen wolten / ei» 
nen —. Tag dazu anſetzen / da die Waaren öffentlich an den 
Meiſtbietenden gegen baaresGeld loß geſchlagen und verkaufft werden 
ſollen / bey weichen Verkauff mancher junger augehenderStudent / 
Kauffmann und Haus⸗ Vater feinen zimuilichen Vortheil finden / und 
zum Anfang ſeiner Studien / Handlung und Haushaltung vor halbGeld 
kauffen kan / was er offt neu aus den Buch⸗Laden / von denen Groſſirern 
oder Handwercks⸗ Leuten ſehr theur / und vor das gantze bezahlen mü= 
ſte / nur hat ſich unfer junger Handelsmann dabey vorzuſehen / daß er 
ſich nicht den guten Kauff verleiten laſſe / und ſich dadurch mit aller⸗ 
hand offtmahls verlegenen und unabgaͤnglichen Waaren belade / wel⸗ 
che gleich Anfangs ſſeinen Kraam und Handlung in üble Renomec ſe⸗ 
ten / daß wann ev gleich darneben fchöne friſche Waaren angeſchafft / 
das Miptrauen darum nicht aufhöret / daß nicht auch alte verlegene 
darunter folten zufinden feyn / zudem verleitet auch vielmahls der 
‚Audtions-Preiß die Käuffer der maffen / daß ſie mehr zufammen ſchla⸗ 
gen/ als jie wieder abfesen konnen / qvod non opus eſt, afle carum 
et, fagtman in Sprichwort / was man nicht gewiß wieder berkaufft 
weiß / oder was einen Kauffmann in feiner Handlung/und einen Buͤr⸗ 
ger in feiner Haushaltung nicht Höchft noͤthig thut, das iſt / wann es auch 
um haib Geld und noch geringer Ente angeſchaffet werden / ſchon zu⸗ 
theur / daß alſo auch in der Kauff⸗Begierde ein junger Kauffmann ſich 
muß zu moderiren und maͤſſigen willen / findet ſich aber manchmahl 
ein Hazard, als es würden geſtrandete / oder in Concurs gelannneae 











Ave 109 


Güter und Waaren zur Sudtion gefegt/ und ein folder junger Anfän- 
ger hat dann allezeit ein Stüd Geld / (ſo er in dergleichen Avantu- 
ven anjuiegen gedendet) Inder Calla verwahret/ wie dann billich ein 
jeder dergleichen Haben folte /fo Fan offt ein ſolcher Kauff getroffen wer: 
den / an welchen ein groſſes zu profitiven / fonderlich wenn die gekaufte 
Paaren lsihtlich wieder zu repariven ſeyn / und (ich hernach gar füg- 
(ich unter andere Waaren unterftecken laffen. Bon denen groflen Au- 
&ionibus beydenen Oſtindiſchen Compagıtien, in Holland und Daͤn⸗ 
nemard ift zu wiſſen / daß ſolche kurtz nach der Ankunft der Oftindi- 
fihen Retour-Schiffe gehalten / durch die Gazetten publicirt/ und die 
Conditiones und Pundta dabey gefeget werden / welche die Käufers 
beyder Audtion follen zu obferviren und zu genieffen haben; ein meh⸗ 
res hierbon fuche unter den Wort Subhaftation, 

Avellana, v. Corylus, 

- Arena fativa, glatter Hader / der Saame mit etwas gepregelten 
Galg in einem Sädlein warn aufden Leib gelegt / ftillet das Grin 
men und Mutterweb, Ä 

Avena fterilis zgilops , tauber Haber / wächft offt wild am 
— / iſt zu den Geſchwaͤren und Fiſteln der Augen nicht un⸗ 
dienlid). 

Averey oder Haverey / lat. Avaria. Iſt eine unter Rauffleuten 
eingeführte loͤbliche Gewohnheit / bermoͤge welcher alle diejenige / die in 
einen zur Ste fahrenden Schiff und deſſen Ladung intreſſiret ſeyn / 
wann ſolches Schiff ſammt der Ladung zu ſchaden kommen / etwas 
daraus von den Feinden genommen werden / oder in ſo harten 
Sturm und See⸗Gefahr gerathen ſolte / daß einige von den einge⸗ 
ladenen Gütern ſchadhafft wuͤrden / oder das Schiff zu erleichtern 
über Bord müften —— werden / ihrer Mitt⸗Befrachters (de⸗ 
nen ſolche geworffene Güter zugehoͤret) erlittenen Schaden nad) 
Proportion müffen mit tragen helffen / welches dann entermes de laMa- 
rine Haverey genannt wird. Es iſt aber ſolche Haberey zweyerley / 
nemlich eine gemeine und groſſe. Durch die gemeine verſtehet man 
das Loots⸗Geld / welches ein Schiffer / wann er auf unbekannte Kuͤ⸗ 
ſten oder Oerter kommet denen Fiſchern oder andern Perſonen / 
ſo derſelben Rheyden kuͤndig ſeyn / geben muß / ſein Schiff und Gut 
in Sicherheit und in behaltenen Haven zu bringen / worüber dann Die 
Kauffleut gemeiniglic) den Schiffer Glauben auf feinen Eyd zuftellen 
muͤſſen / was er desfalls dafiir besahlet hat / es waͤre dann / daß man 
einigen ungleichen Argwohn auf den Schiffer haͤtte in ſolchen Fall 
würde er ſchuldig feyn / genugfanıen Beweiß desfalls beyzubringen/ 
wie vieler an Lootd-Geld ausgegeben und bezahlethabe. Man vers 
fichet auch durch gemeine Averey dasjenige /was die Schiffer / ſo in ei⸗ 

ner 


110 Ave 


ner Flotte fegein/ den Admiral ihrer Convoy vor fein Feuer und an? 
dere Unkoften gegeben / welches durch Verordnung der Heren Staa» 
ten von Holland/ ein Qyart pro Centum nach den Werth des gelade» 
nen Schiff⸗Guts ſeyn foll / wiewohl / nach einiger Meynung / ſolches 
nicht für gemeine / ſondern groſſe Haverey / die über Schiff und Gut 
gehet / gehalten wird / vid. Groots Einleitung l. 3. tit. 22. n 3. 4. & ibi 
notata. Ferner iſt auch gemeine Averey / was die Schiffer / wann 
fie einige Caſteelen vorbey ſegeln / es ſey in Rebieren oder Haven / item, 
vor die Schiffe heraus zu bringen / zahlen / welche gemeine Averey / Un⸗ 
koſten über die gemeine Kauffmanns⸗Güͤter ee 
und Werth der Guter Ddavon man einen Uberfchlag machet) und 
nicht über das Schiff / als welches hierzu nichts beyträgt. Und ob 
fchon hieroben erwehnet worden / daß das Loots⸗Geld vor gemeine 
Averey gerechnet werde /foift doch ſolches zu verftehen / warn dafs 
felbe ſich nicht uber s. Pfund Flamifch oder ı5. Reichsthaler belaufft/ 
wibrigen Falls iſt es groſſe Averey / und gehet beydes über Schiff und 
Gut / nach einesjeden Würde. Durch groſſe Averey verſtehet man 
insgemein / wann man einige Guter oder Waaren über Bord 
wirfft / oder Anders/ Kabels / Maften/ Thau / Troſſen / Tackel / 
und Gewand abhanet /I.1. & 3. D. ad). Rhod.de jactu Rachdencklich 
wird allhier geſagt / fo manab/ das iſt in Stuͤcken hauet / dann 
hierdurd) wird ausgenommen / was durch Ungewitter in Studen 
faͤhret / oder bricht / fowird dieſer Berluft unter Feine Aberey gerech⸗ 
net / alö welches darzu gemacht iſt / daß es gebraucht werden foll/ 
1.2.8. SiconfervatisD.ad |, Rhod. de jactu. Darum / fo der Schif⸗ 
fer die Anderoder Kabel durch Ungewitter oder auffeinen fteinigen 
Grund in Studen bricht/ oder fonften entzwey gehet/ wird ed vor 
Feine Averey gerechnet / ober auch fchon auf Befehl und Bütbefinden/ 
des in Schiff feynden Kauffmanns von den — ſandigen Grund / 
auf den beſagten boͤſen ſteinigten Grund gekommen waͤre / ſo muß 
doch ſolcher Verluſt nicht als eine Haverey bezahlt werden. Es ge⸗ 
hoͤret aber durch andere Mittel dem Schiffer / wegen feines geleiſte⸗ 
ten Dienftes / eine gutwillige Recompens ‚aber feine Averey / fo 
wird auch nicht vor Haverey gerechnet / was aus Unachtfankeit in 
Sturm oder andern Lngemitter über Bord fället / item , was 
auslecket / aud) nicht dasjenige / was naf oder verdorben wird inden 
Schiff / weil alle ſolche Schäden ungefehr gefchehen / und nicht 
verhütet werden können / wobey dann ein jeglicher den es trifft/ 
feinen Schaden felbft tragen muß / es waͤre dann daß folche durch 
des Schiffers oder feines Volds Schuld oder Verſaͤumniß wäre 
verurfachet worden/ in welchen Fall ev folchen den Kauffmann 
gut zu thun ſchuldig iſt: Hingegen kommet in die groſſe — 

ann 





Ave It 


ann ein Schiffer/ der gern der Convoy folgen wolte / und feis 
nen Ander fo geſchwinde nicht aufwinden kan / felbigen abfappete/ 
woelcheö gefchehen muß / um Schiff und Gut / (wann erdieConvoy 
verfänmen folte) nicht in Feindes Gefahr zu feen , jedoch muß 
ſolch Abhauen oder Abkappen mit Bewilligung der Kauffleut auf 
denSciffoder deren Gevollmaͤchtigten / oder in Ihrerbmefenheit mit 
Zuziehung und Berathfchlagung der übrigen Booß⸗Leuten geſche⸗ 
ben / auch muß der Schiffer im Auswerffen inacht nehmen / daß er 
die Güter auswerffe/ fo am Ihmwerften an Gewichten / und von den ge⸗ 
ringften Werth feyn / und waͤre es Sache / daß das Auswerffen/ 
Stranden / Abhauen oder anderer Schaden / durch den Schif⸗ 
fer verurfachet worden / weil er das Schiff überladen / oder nicht 
der Gebühr nad) geladen hätte / als auf den Oberlauffin den Boot 
oder fonft anderwärts / fo kommt ſolches ebenfalls nicht in Haverey / 
fondern muß allein zu Laft des Schiffers feiner Rheeder / und des 
Schiffs gebracht werden / ebenfalld würde ein Schiffer ſtraffbar 
ſeyn / der fein Boot / nachdem er folches in dev See auf fein Schiff 
genommen / mit Rauffmannd-Waaren anfüllte / folches — 
in Sturm über Bord werffen müſte / ſolches kaͤme auch nicht 
in Haverey / fondern der Schiffer wurde gehalten feyn/ den Scha» 
denzu bezahlen. In der Contribution des Schadens bon den aus» 
eworffenen Gütern kommen zwey Taxationes vor / als (1.) don ver» 
hrnen und ausgeworffenen / und (2.) bon geborgenen oder geret⸗ 
teten Gütern. Die verlohrne und ausgeworffene Güter werden taxi- 
vet/ wie ſie bermuthlich eingekauft worden / die behaltene aber 
nad) den Marckt da ſie follen verkauffet werden ; jedoch) ſtatuiret wies 
der Dargegen dad Wysbifche See⸗Recht / daß die ausgeworffenen und 
behaltenen Güter ohne Unterfcheid zufammen Pfenning gleich 
oder nach den Werth gefchäget werden follen / und zwar nach den 
Preiß an den jenigen Ort / wofelbit hin die ausgeworffene Güter zu 
verkauffen hätten follen gebracht werden/nach Abzug der Fracht und 
andern Ungelds / zu welchen dann gefüget wird / der rechte Werth 
des Schiffes / oder die verſprochene gantze Fracht des Schiffers/zur 
Wahl des Kauffmanns /und nad) Arbitrage der Schiffer und Kauff⸗ 
leut / welche es verfiehen/ und neutraloder unpartheyifchfeynd. Es 
wird auch bon einigen / der Haherey wegen ein Unterſcheid des Aug« 
werffens der Guͤter halben nach Proportion des Schiffes Reiß ges 
macht / hat ſelbiges / die Guͤter geworffen / eh es die Helffte der Reiſe 
verrichtet / ſo werden ſolche geworffene Guͤter nicht hoͤher gerechnei / 
als ſie an den Ort ihrer Einladung gekoſtet / ſeynd ſie aber uͤber der 
helffte geworffen / fo taxiret man ſolche / was fie an den Ort da ſie hin 
deſtinirt geweſen / haͤtte gelten können. Don den haaren Geld / mel» 
ches 


112 Auf 


ches in den Schiffen gefunden wird/ item, bon Pretiofis und Edelge⸗ 
feinen Hat man vor diefen wegen vieler bon denen Kauffleuten ange⸗ 
führten Urfachen feine Haberey bezahlt/ heutigs Tags aber müflen alle 
foiche Pretiofa mit zur Haberey contribuiren/ aus Urſach / weil 
durch das Güter Auswerffen das Geld falviret worden / item, weil 
es aud) Fracht bezahlt/ und man Connoiflementen nad) Art der Wech⸗ 
fel-Brieff eingerichtet/davon giebet/ die Ausfuhr des baaren Geldes/ 
als weiches gemeiniglich Verboten iſt dadurch zu bemänteln / nun 
wird aber vonallen den Waaren / wovon man Fracht bezahlet /aud) 
Haverey bezahlt / Ergo aud) von Geld. Es kommt aud in die 
Averey⸗Groſſe / was derSchiffer giebt oder jigeben verſprochen hat / 
einen See⸗Raͤuber der ſich ſeines Schiffs bemaͤchtiget / um ſolches wie⸗ 
der frey zu bekomnien / auch die in See⸗Streit Berwundete/befommen 
aus Aberey⸗Groſſe die uber Schiff und Gut gehet / die Erſetzung ih⸗ 
res Schadens. Kein Schiffer hat Macht Kauffmanns⸗Guͤter auf den 
Oberlauf zu legen/ ſondern iſt gehalten / dieſelbige zu bergen / und un⸗ 
ter die Lucken des Schiffs zu bewahren / widrigen Falls / fo ſolche Gü⸗ 
ter naß wuͤrden / oder verderben / oder auch uber Bord geworffen wuͤr⸗ 
den / muß der Schiffer den Schaden bezahlen/ weil von ihm præſum⸗ 
miret wird / daß er fein Schiff überladen habe. In Averey-Saden 
muß der Schiffer Action von Haberey wider diejenige anftellen/deren 
Güter falviret worden / und können es diejenige nicht thun / deren Guͤ⸗ 
ter verlohren gegaugen/ weigert er fich aber deſſen / jo kan er ex locato 
& Conducto, darzu gezwungen werden/ daß er Feine Guter aus dem 
Schiff folgen laſſe / ehe und bevor der gelistene Schade durch Con- 
tribution don Haberey / gutgethan worden / per.1.2.inpr.D,ad l. 
Rhod. Einniehres bon Havereyen / vid. beym Margvard, lib, III. 
cap. IV. dejure Havarız, item, Qvintin yon WeizenTradtat,hon Abe⸗ 
reyen / mit Simon don Lewens Anmerckung / ec. 

Auf dingen / in die Lehre gehen / einen Jungen zum Handwerck 
bringen / wie in dergleichen Fall die Aufdings⸗Contracten bey denen 
Handwercks⸗Zuͤufften verfertiget werden / davon ſeynd unterfchiedlis 
che Formularıa in dem andern Theil unſers Handels⸗Correſponden- 
tens zu erfehen. Diefes Wort Aufdingen /in die Lehre geben/wird auch 
in kleinen Staͤdten von etlichen Leuten gebraucht / die Ihre Kinder bey 
deffelben Orts Kramern / Holg/ Woll⸗ oder Tuch⸗Haͤndlern in Diene 
ften thun / daß ſie bey folchen / wie je zu fagen pflegen / die Handlung ° 
fernen follen / allein wie theils ſolcher eier ſeynd / fo werden au 
ihre Schülers / nemlich daß ſie nicht mehr lernen / als ven Bauren ei⸗ 
ne Elle Band / Hut oder ein paar Strumpffe anzuſchwatzen / auf den 
Kirchmeſſen herum zu lauffen/ und mit einer Karre das Land durch 
u iuweliven. Wiewol / wenn, mans _beym Licht bejichet / ein — 
| en⸗ 


Aug 113 
Pienning- oder Sand- Kramer offt einen vergnüglichern Tag / auch ein 
Holtz und Woll-Auffäuffer und grober Tud- Händler offt mehr baa⸗ 
res Geld als mancher vornehmer Stadt Kauffmann / Großirer oder 
fo genannter Bangvier hat / und fo leicht Feines Wechſels oder An. 
gnations (weil das Wechſel⸗Recht in Heinen Städten nicht introdu⸗ 
civetift/) darfgewärtigfeyn. Go haben ſie auch feinen See-Scha- 
den oder Bangverouten zu beforgen / und Eönnen wolgar zur Bürger» 
meifterlihen Wuͤrde ihres Orts gelangen / ob gleich Wechfelö-weife 
die Elle und Miſt⸗Gabel mit den Kegenten:Gtab in die Hand genom⸗ 
men wird. Da hingegen in groffen Städten ein Kauffmann wohl be 
mittelt und angefehen ſeyn muß / bis er ſich zu dieſer Chrezu gelangen 
Hoffnung machen Fan. Von denen Regvilitis,ehe ein zum Handwerc 
deftinirter Jung fan öffentlich vor der Amts ⸗ Lade aufgedungen und 
eingeſchrieben werden / auch was beym Aufdingen felbft vor Bebräu> 
che und Mißbraͤuche vorgehen /dabon fiche unfer neu=eröffnetes Ma- 
nufacturen » Haus / und die dafelbft allegirte Authoresund Policey 
Drdnungen. 

Augen Stein / der weile / fonft auch Oculus Beli oder Katzen- 
Aug genannt / ift ein halb durchiichtiger Stein / deffen Grund weiß / 
hat in der Mitten eine Schwaͤrtze gleich einen Aug-Apffel/ um wels 
Hesein Kegen-Bogen herum gehet/ alfo daß er einem menfchlichen 
Ange nicht viel ungleich ſiehet. Diefer Stein ift feiner Selgamteit 
wegen/ höher in Werth als der Achat , das Mort Lycophthalmus,mit 
welchen dieſer Gtein aud) vielmahls belegt wird / heiſt ſo biei als 
Wolfis-Aug / zumeilen werden (le auch fo fie drei folcher Aug- 
Aepfiel borftellen / Triophtalmos oder dreyaugige Steine ge= 
nennet. 

Yugen:Troft / Euphragia vel Euphralia, 

Augen⸗Wurtz / Valeriana Sylveflris- 

Augmentiren vermehren / dahers Augmentum ein Zuwachs / ders 
gleichen gefchicht / warn Kupffer mit Gallmey zu Meßing gemacht 
wird/ da ji ein mercklicher Zuwachs an Gewicht befindet / man 
fagt auch im Sprichwort / wer fe.ne Schulden bezahlt / vermehrt fein 
Gut / ale Bermehrung zeitlicher Guter / Die zugelaffener und ehrlie 
Ger weiß vornemnlich aber durch Goͤttlichen Gegen gefchicht/ift hoch zu 
achten / wer aber mit falfcher Maaß und Gemwicht/ DVerfülfdung der 
Waaren / Verfortheilung feines Nechften / durch Geitzen ur 
hern/ Schinden und Schaben / fein But zu vermehren gedendet/ 
der kan verſichert feyn / daß er es nicht auff den dritten Erben brin« 

gen werde. 

Augſpurger⸗Waaren und Handlung. Jene beſtehen mehren⸗ 
theils in fünftlicher Arbeit von ——— (wie dann Die u 

| | ug⸗ 


| Tr 
114 Asi 


— der Gold und Silber Arbeiter ihre hohe Schul genennet 
wird) in künſtlichen Uhrwercken / ſchoͤnen Schildereyen / und Kupffer⸗ 
Stuͤcken / (deren Kuͤnſtler aber ſeiter den letzten Frantzoͤſiſchen Einfall / 
da die gute Stadt Augſpurg unberantwortlicher Weiſe den Reichs» 
Feind in die Hände gefpielet/ und durch unerträgliche Cöntributiones 
rauſam erfchöpffet worden / fich mehrentheild nach andern Laͤndern / 
‚sonderlich nach Berlin gezogen in Parchet/weldher aus Baum⸗ Wolle 
fabrieiret wird / und weit und breit beruͤhmt iſt / und in etwas weni» 
en andern Manufadturen / welche jest erzehlte Waaren insgeſammt 
‚sie hin und wieder auf die groſſe Meſſen / fonderlich nach Leipzig und 
Franckfurt / wie auch groſſe Qyanticäten Staliänifchen Atlaß / Tafft / 
Sammit / rohe und gefärbte Seide verführen / und damit einen conh- 
derablen Handel machen / weil nicht allein faſt alle teutſche Höfe mit 
ſolchen Augſpurgen Silber⸗Waaren ſich verſehen / ſondern auch die 
Moſcovien Haͤndlers jährlich groſſe Partheyen davon einkauffen / 
und nah Moſcau ſenden / die Seiden⸗-Kramers provediren (ich 
gleichfalls in Meß⸗Zeiten bon der — ihren Italiãniſchen 
Seiden⸗Waaren / und auch auſſer den Meſſen kommen fo viel 
Memorialia nach Augſpurg an die vornehmen Haͤuſer daſelbſt / daß 
nicht weniger Parteyen gerad von Bea: aus verſchrieben / als in 
der Meßgekauffet werden / und weil Augſpurg wegen feiner Rache 
barfchafft mit Italien / ſich gleichſam zumMittel-Plas zwifchenT Teutſch⸗ 
land und Italien gemacht / als eurliven auch gemeiniglich die da⸗ 
bin gehende und gehörige Wechſel uber Augfpurg / alſo daß der⸗ 
jenige Kauffmann der ver Waaren in Italia Geld fchuldig / fo er 
an feinen Ort keine Gelegenheit a droiture dahin zu remittiven 
findet / ſolches über Augfpurg thut / woſelbſt ſich aud) die reifen- 
den Cavaliers , gemeiniglic mit Eredit und Wechſel⸗Brieff / ch (ie 
ihre Reife weiter fortfegen) verfehen laffen. DerübrigeAugfpurger 
Handel / erſtrecket fich durd) gan; Schwaben/ Tyrol/nahDefterreich/ 
und in Bäyerland/ und iſt weiter depfalls nichts fonderbahres zu be= 
mercken. Die Waaren welche wieder nad) zughurg gefuhret wer⸗ 
den / ſeynd Gewuͤrtz / Zucker / Ausländifhe Weine / vielerhand 
Leder / ſonderlich Corduan und Mofcowifhe Juchten / und aller» 
hand Fiſch und Faften Speiſe / welche wegen der herumgräntzen⸗ 
den Eatholifchen Länder guten Abgang finden. Die Müng in Aug⸗ 
fpurg / und das Wechfel Negocium kommt mit den Nürnbergi= 

ſchen faft überein. | 
Avifo-Drieff/ Lateiniſch / literæ intimationis, Ital. Spachium, 
Seansöfifch / lettres d’ avis genannt / werden nicht allein bey Mech» 
fels-Briefen gegeben / fondern auch ein jeder Brieff / der die Abſen⸗ 
dung eines Guts / oder den Empfang einer Waare /item, —— 
m⸗ 








Avo Auer irz 


— BA die SER... 
kommen oder Ablauffen eines Schiffes / oder fonft eine andere Han⸗ 
deis-Novelle "berichtet /. wird ein Avifo oder Benachrichtigungs⸗ 
Brieffgenennet ; die Formularia hierhon feynd in unfern allzeit ferti⸗ 
gen Handelö-Correfpondenten / item beymStypmanno de jure ma- 
ritimo P. 4. €. 9.n,66, item beyni Scaccia de Cambiis $,1. qvæſt. 5, 
n,77. & ſeqq. zuerfehen. | 

Avornus, Frangula, 
Aurantia malus, Pomerautzhzen. 

Aurantiorum Flores, Pomerangen-Blüth. — 

Auricula urſi, Sanicula alpina lutea, Primula odorata, Bäh- 
ren oͤhrlein / Baͤhr⸗Sanickel / wohlriehende Schlüffel-Blumen/ 
iſt ein gut Wund⸗Kraut / heilet auch die erfrorne Glieder / und dienet 
wider den Schwindel. | 

Auricula urfı, Myconi, Cœrulea, hieraus wird ein Maffet 
— welches ſehr gut iſt den Nieren und Blaſen⸗Stein zu zer» 
malmen. ” 

Auricula muris major , Pilofella major, Herba Coſta, groß Maͤuß⸗ 
— gülden Lungen⸗Kraut / iſt ſammt der Wurtzel ein güt 
> 2 und Bruſt⸗Kraut / dienet auch vor die Shwind und Lungene 

ucht · . 

Auricula Jud& Sämbucus vulg. a 

Aurin,ffein Centaurium minus, dito gtöß / Magnum ,R. Japont. 
vulgar. re 

Aurum Gold / wird bon denen Laboranten Corpus rubeum ‚Leo, 
HomoSenex, Lapis benedidtus, Filius Solis, Pater ignis, rubeus 
filnus, Lumen majus fermentum rubrum, &c. genannt / videhierhon 
ein mehres unter dem Wort / Gold. = 

Aurum foliatum inlibris Finum ‚item Aurum £oliatum Miſtum, 
Ziſch⸗ Gold / vide geſchlagen Gold — 

Aurum in mulſeulis vel Conchis, Muſchel⸗Gold wird bon ge» 
ſchlagen Bold-Blättern / (mit Junfern⸗Honig Hein zerrieben / und in 
Muſchein eingerhan) zubereitet / die Schreib-Künfkler und Mahler 
brauchen eözu ihrer Arbeit. | | 

Aururn Fulminans, hat unter allen Præparatis was fonderliches 
an ſich /wegen feiner donnernden Gewalt / es dienet auch in etlichen 
re und fonderlic in Bauch⸗Grimmen und der fallenden 

t. 

Aurum Muſicum, hat nichts als den Nahmen mit dem Gold ge 
mein wird aus Zinn / Wiſmuth. gelben Schwefel / und dergleichen zube» 
reitet / wie ſolches Kunkel im Anhang des andern Theils feiner volle 
ſtaͤndigen Glaßmacher⸗ Kunſt / war 05. beſchrieben / wird zum Glaß 
und andern Iluminir und Mahlwercken / : gebrauchet. Einige neh⸗ 

e men 


En... 


116 Aur Aus 


LLLL— iin 
‚men fünff Theil Zinn und fo viel Dved-Gilber / einen Theil Salarmo- 
niac, und einen Theil Schwefel / reiben es Elein / und diſtilliren e8 in ei» 
ner gläfern Phiole/ fowird die Subſtantz die an den Boden liegt/das 
Aurum fulminans feyn. 0: 

Aurum diaphoreticum, potabile, Tinctura Solis, wird vielfältig 
bon denen Chymicis in ihren Büchern gerühmet /esift aber mehren» 
theild Betrug dabey/ wie dann einsmahl ein gemiffer Laborant, lange 
2 folgendes vor die veritable Gpld-Tindtur fol ausgegeben 

en. m; u 
* R. Sacch, ufi „ ein und halbe Untze. 

Extrahe Tin. cum Spir, rofar. 3. Unße. 

Adde Ligvor. Perlar. z. Unge. 

Eſſ. Ambræ, eine halbe Une. 

Eine andere Mifce lehret folgende Compohtion, nehmt fichen alte 
Doppelte Ducaten / cementiret felbige mit feinen wohlbereiteten Sal 
gemmx, 8. 8.8. ineinen wohl verlurirten Tiegel/ der fauber und neu 
its hernach waſchet und trocknet es / und läffet es ſtarck alüen in 
Feur / in einenreinenund gang neuen Schmelg-Tiegel/ wann al» 
les wohl voth glüet / fo.löfchet es ab mit Bauın-Del/ und wiederho- 
fet alles dieſes fiebenmahl / fo werden die doppelte Ducaten calcinıret 
feyn/ und zu einen Pulver werden / daß wie ein Gaffvan färbet / wann 
man ed zwifchen den Fingern reibet. 

Aurum pigmentum, wird fehr vielfaͤltig berbraucht / und ift 
‚ ein giftig Minerale ‚meiles vomArfenico herrühret/ es findet ſich un- 

terſchiedlich / zuweilen ſehr ſchoͤn / rein / gelb und glangend ald Gold / 
bisweilen hart / grün/fteinigt/und kißlicht / welches aber nichts taugt / 
das befte haben wir aus Öſterreich / item aus Benedig/es muß muͤrb 
ſeyn / und (ich gern brechen laſſen. | , 
Aurum purgans, wird folgender geftalt præpariret. Nehmt s. 
Theil Blätter-Bold8/3. Theil Virrum Antimonii,3.TheilZuderfand 
alles wohl pulverißirt/ miteinander vermifcht/und in eine gläferneRe- 
‚torte gethan/ welche/ wann je mit ihren Helmund Borlag verfehen/ fo 
fanget an zu deftilliven / Anfangs mit gelinden und zulegt mit ſtarcken 

Feur / ſo wird alles in Geſtalt einer Feuchtigkeit ubergehen/in s. oder s, 
Stunden / die Doſis dabon iſt 3. oder 4. Tropffen / in einen zu der 
Kranckheit dienenden Vehiculo , ed purgiret gelinde. 

Aurum Sophifticum, kommt mit den wahren Gold / nur der 
Farbe nad) überein / wird aber im übrigen aus Grünfpan/ Tu- 
tia, Borras und Salpeter nach Chymifcher Kunft zubereitet. 

Ausbeute / ift was die Gewerde die bey einen Bergwerd in- 
tereflivet feynd/ nach abgezogenen Unkoften vor Uberſchuß haben) vid. 
Bergwerck. Aus 


Aus Baa 117 

- Musruff/vide Auction. 

AufternOfrex Fommen entweder frifch in Schaalen aus der&ee/ 
oder werdenaud in Faͤßgen eingemacht / hin und wieder in Teutſch⸗ 
land verführet /_und haben ſonderlich an Fürftlichen Höfen guten 
Abgang / es muͤſſen aber die eingemachte immer mit frifhe Bruͤh 
oder Laake (die aus ihren eigenen See / oder auch gemachten 
Saltz-Waſſer / in welcher etwas Citronen⸗Safft gemenget/ berei⸗ 
tet iſt) oder aber mit halb Eßig und Wein verſehen werden / ſonſt 
lauffen ſie an und werden ſtinckend / in denen See⸗Staͤden werden fie 
Tonnen und hundert weiß verkaufft / die Engliſchenhaͤlt man vor an⸗ 
dern delicat, an dem Suͤder Yätifchen Strand beyHuſem / iſt vor dies 
fen auch einftattlicher Ofter- Fang geweſen / fo aber etzliche Jahr 
her fill geſtanden und aus gemiffen Urfachen nicht geruhret wor» 
den. Was Doctor Becher in feinem Buch der närrifchen Weißheit / 
bon einer inOfterreich angelegten Auftern-Brut meldet/ ift dafelbft/ 
der Laͤnge nach zu lefen. Auf der Inſul Trinitado inAmericafollen ſich 
Bäume finden / (wie wohlan den Uferder See) auf welchen Auſtern 
wachen / wie dann auch Plinius ſchon zu feiner Zeit den ſolchen Aus 
flern-Bäumen zufagen gewuſt / vide Walther Raleg, in defeript Gua- 
janz, Anjetzo da wie gedacht / der Hollfteinifche Auſtern-Fang etwas. 
—— /haben einige Auſter-Haͤndlers in Hamburg angefangen/ 
leine Fahrzeug auf die Englifche/ ja gar unter die Franſche Küften 
zufenden /um von dannen Auftern nad) Hamburg holen zu laffen/wie 
dann deren Ankunft genugfam in denen Avifen notificiret wird. Es 
laſſen fich auch die Aufters aus den Schaalen ausgemacht / fehr friſch 
in einer Rinds⸗Blaſe verführen / wann man einwenig Salk/ Pfeffer 
und Fimonien-Safft dazu thut. 

Axungia, Schmeer / Schmaltz / ift das weiche Fett von unterfchied: 
lien Ihieren genommen vide Schmalg. 

Azoch, Azoth , heift bey den Blancard in de Theatri Chy- 
mici Vermehrung p. 154. ein Hark von Erk / auch der ſilberne 
Leim / es zergehet in der Wärme mie Butter/ und in der Kalt 
gerinnet ed / dieſes Hark; wann ed ohne Zufak digeriret / wird 
es ſchwartz / hernach weiß / und alsdann der Weiſen⸗Stein ge: 
nannt. 

Azofl, vide AG: 

B. 
Bta feynd die Peucht-Thürmean den See-Strand / und ge⸗ 
meiniglich auf hohen Promontoriis, da man des Rachts⸗ Feur oder 
Pech⸗Kraͤntze anzundet / daß fich die in der Seefchwebende Schiffe 
darnach richten mögen - „ Ä Ä 
| . H 3) Baara 


TE 
118 Bau Dar . 

Baara, eine merkwürdige Indiarifhe Pflange / oder vielmehr 
Wurgtzel die des Nachts / wie Flavius Jofephus von ihr meldet / fo heil 

als eine Lampe leuchten foll / ſie ſoll aber fo lang fleunter der Erden 
ftehet / ſehr gifftig ſeyn fo bald ſie aber ein wenig an der Zain go 
legen / unfchädlich werden/ und alödann fonderlid vor die Ra— 
it / wann fie an Hals gehangen wird/ ein trefflihes Mittel 

eyn. 

— vide Mari Radix. 

Bacharis, Baſilicum, Bachholder-⸗Baum. 

Bach⸗Lungen / Beccabunga. 

Bach⸗Muͤntze / Mentha aquatiea. 

Bacilli, heiſſen alle diejenige Materialia, die rund und länglich 
ſeyn / als z. E. die Raͤucher⸗Zaͤpfflein. 

Bacillen / Crithamum. 

Bad / vide Balzeum. 

Bad⸗Kraut / Leviflicom: F 

Bad⸗Schwamm / Fungus marinus, Spongia marina. 

Baͤr / Urlus, Frantz. Ours, ein grauſames / fluͤßiges phlegma- 
tiſches Thier / eines ſehr ſchwachen Hauptes / und ſtarcker Lenden. Die 
jungen Baͤren werden geſetzt in der gröften Kälte um Weynachten/ 
feynd anfänglich fehr klein wie eine Raß / und bid s. Tageblind. Wann 
fie Klein feynd/ feynd (le kurtzweilig / und Eönnen die Bäume hinauf 
Klettern und Foig fuchen / davon flegroffe Liebhabers feynd. Wann 
ein junger Bär ein Fahr alt ift/ fo weichet er don feiner Mutter / und 
Fan felbft generiren; Wann ev 2. Fahr alt / fo feynd feine Färthen 
ſchon gröffer zu fpühren ald der Bürinn feiner Mutter. In groſſen 
wuͤſten Wäldern / in welchen es viel Felſen / Klippen und Hoͤlen hat / 
wohnen (le fowol Sommers als Winters gern. Sie werden aufman= 
cherley Art gefangen/ am füglichften aber gefchoffen / wann man ſie 
auf den Kopff trifft / fo ift Knall und Fall eins. Er hateine ſolche 
Gtärdein den Taten / dag er einen Menfchen oder Hund / den er da⸗ 
wit faſſet / gleich erftiden fan. Die Bären: Haute / nachdem (ie 
ſchoͤn groß / und von ſchwartzen Haaren / werden wohl verkaufft / und 
gebrauchen (te die Schufter / die Winter⸗Stieffeln danıit auszufut= 
tern / die Kürfchner zu Mügen und Muffen / die guofle und vornehnte 
Herren zu Pferd» und Schlitten-Deden. In den äufferften Grän- 
Gen Lapplands / fonderlich aber in Brönland / findet man weiſſe Bä- 
ren / die grimmiger und ſtaͤrcker abs die ſchwartzen feynd/ ſie halten ſich 
viel auff den Etz auff / koͤnnen ſtarck ſchwimmen / ſeynd begierig auff 
dem Raub / welches die in Groͤnland zu überwintern refolvirte Hollãn⸗ 
deu wohl erfahren / da fie ihrer hinterlaffenen gefehriebenen Relation 
nach / die Zeit uber/ daß ſie in ihren elenden holgern Hütten auff No> 
» 25 va 

/ 





Bar Bal | 119 

va Zembla zugebracht / mehr mit den Bären / ald mit der Kälte und 
den Scharbock felbft zuftveiten gehabt. Noch heutiges Tages bringen 
Die nad Grönland auff dem Wauffch-Fang Fahrende manche ſchoͤ⸗ 
nie weilte Bären Haut mit heraus/ von groffen ſtarcken Bären / die 
fie auffdem Eif/ mit ihren guten Röhren erleget. In denen Apo« 
thecken hat man Vondem Bären das Fett / die Galleund das Auge/ 
das fett wärmet/refolviret/erweichet/zertheilet/ und wird gebrauchet 
in Haar ausfallen/fonderlich wann mans mit einer verbrannten Maus 
vermiſchet / und jich damit beftreichet / ed tauget aud) vors Zipperleine 
Schmettzen und Ohren⸗Geſchwuͤr / wann mans mit Wachs zu einen 
Pflaſter machet. Die Weiber gebrauchen in herausgeben der Mutter / 
fo ift auch das Fett von weiſſen Bären ein geheimes Schmind- 
Mittel... Die Galle wird innerliche gebrauchet in der ſchweren Noth / 
Keichen und Gelbefuht. In Finnland wo es vlel Bären giebt/ brau⸗ 
chen es die Bauren anftatt einer Panacea. Bon dem Bären Aug 
fügen etliche/ dap wann man ed an den lincken Arm binde/ ſolches 
Das 4-tägige Fieber vertreibe. 

Bärım-Dill/Meum. 

Baren Alsu/Branca Urfina, 

Bären Koch /ift was fih beym Schmelgen der Metalle/ wann 
das Werd zergangen / und das Unreine oben auff ſchwimmet / nicht 
will abſtreichen laffen/fondern der Arbeiter ihn helffen muß / daß es 
mit der Gloͤthe heraus flieſſe. 

Baͤren Lapp / Muſcus Terreſtris. 

Bären Sanickel / Auricula Urfina, 

Baͤren Wurtz / Radix Meu vel Meum, iſt an Geſchmack der An- 
gelica Wurtzel / das Gewaͤchs aber dem Dill oder Fenchel gleich / ie 
Dicker und wohlgewachſener die Wurtzel / je beſſer (te iſt / ſie dienet ſon⸗ 
derlich dem verderbten Magen und vor das Bauch grimmen. 

Bagage, lat. impedimenta ſeynd die Kleider / Cottre und Sachen 
wilche ein Reifender auff den Weg ben ſich führet. 

Bagatelles , nihtswürdige/oder doch fotche Dinge/die obgleich dem 
Preis /doch nicht den Rutzen nad). von importanee feynd / alfo hat 
mancher Galanterie-Rramer/ nichts als bagatellen die weder vor 
Froſt noch Hitze Hunger oder Durft dienen/ und doch gleichwol offt 
theurer als etwas rechtſchaffenes verkauffet werden. 

Balana, cin Stuhl-Zäpflein/Sted- Pillen. 

Balanee Libra, Bilanz, eine Waage mit zweyen Schalen/ gleich» 
wit hergegen ſtatera nur eine hat beyde feynd ein höchftuöhtiges 

Haus/Kramı und Gewoͤlb Inſtrument.durch welches die Schwere ei⸗ 
nes Dinges kan unterſuchet und erkannt werden. Beſiehe hiervon 
nutmehrern Das Wort: Waag / = Bilance, ne 
2» 4 alz- 


120 Hal 


- Balanus Myrepfica,glans unguentaria,eihe fremde Frucht faft wie 
ein Mandel» Kern. 
Baldgreiß / Senecio Erigerum,Carduacellus, 
Baldrath / ſperma Ceti,Flos Maris. 
Baldrian / vid Valeriana 
Ballæ ſeu Pilæ Marinæ, Meer-Ballen/fommen wie etliche meynen 
von einem Thier / andere geben vor es ſey ein Schaum des Meers / 
welcher ſich am Strande von allerley Meer⸗Hundeshaaren / kleinen 
Steinlein / Moos und andern Materien zuſammen ſetzet / hernach auff⸗ 
eſammlet / gereiniget / in Ballen zuſammen gemacht / und heraus ge= 
—* wird/man pflegt ſie vielfältig dor die Kroͤpffe zugebrauchen. 
Ballafıus, Balaflus oder Palatius, ift ein Edelgeftein / der eine blei= 
here Röhte oder Glantz als ein Earbundel: hat / und wird darum 
Ballaſius oder Palaftins genannt/weil ev gleichfan die Mutter / Woh⸗ 
nung und Pallaft ift/in welchen der Carbunckel / oder der rechte Ru⸗ 
bin gezeuget wird/er ift Viel blaffer und wäfleriger von Farbe / als 
der Kubin/aber eines genugſamen Blanhes/und dem Auge recht an⸗ 
genehm. Er wird oft in den Adern des Saphirs gefunden / durch 
deſſen Tinetur feine Rothe bläffer gemacht und tenıperivet wird. Von 
der Artund Weiſe / wie die Edelgefteine formiret / evnähret und ver» 
mehret werden/fchreibet Baccius alfo: Ein jeder Edelgeftein hat eine 
Mutter/die entweder bon eben felbigen oder einem andern Gtein ges 
macht ift/ in welcher Mutter er durch Abtröpffelung eines gewiſſen 
nährenden Saffts genähret wird/ eben wie ein Kind durd) das müt» 
terliche Blut in MutterzLeibe. Auff diefe Weiſe wird auch der Car⸗ 
bundel oder der Rubin gebohren/ genähret und vermehret in den E⸗ 
delgefteinen Palatius, als in feiner Mutter. Alianus im s. Buch de 
Hift, animal, fagt: Daß diefer Steinen einer/eines dandbaren Stor⸗ 
ches⸗Geſchenck geweſen fey/ welches er der Heraclca verehret habe 
dafuͤr dap fie ihm fein gebrochen Bein geheilet. Der Storch / fo 
bey finfterer Nacht zu einem Ort geflogen/ daein folder Stein lag/ 
und wie eine Fackel brennete/ hub felbigen auf / und bradteihn der 
Frau Heraclea, und warff ihr folden in ihren Bufen/ als ein Zeichen 
der danckbaren Erkenntniß / bor die Gunft/welcheer von ihr in Hei⸗ 
lung ſeines Schadens enrpfangen hatte. Die Folie, damit der Bala- 
fius beleget wird / ift meiſtentheils darauffgerichtet/ dap feine blaffe 
Farbe möge verbeffert werden. Er wird eben auff dieſe Weiſe wie 
der Rubin verfälfchet/und aud) an ebenden Ort / als der Rubin ge⸗ 
funden. Es ſind aber deffen unterfchiedliche Arten/ als etliche ſeynd 
fo vollkommen ald Rubin/etliche werden Rubine von den alten Felfen 
enennet / ſie haben aber die Farbe ald die Kubaflen. . Etliche von die⸗ 
en Steinen ziehen ſich nach der Farbe der Hiacynthen / und man ‘ 
nv 


— — — — — * — 


Dal - 12721 

— — — — — —— —— — —— — — 
noch nicht eins / ob ed Spinnellen ſeyn / oder nicht. Erfahrne Jubi⸗ 
lirer halten ſie nicht für Spinnellen/fondern für Rubaſſen / oder Ru⸗ 
bicels / oder Hiacynthen / jedod) (Ind deren etliche fo gut / daß ſie den 
Spinnellen gleich gehalten / und dafuͤr verkaufft werden. Man glaus 

bet daß der Balaſſus oder Palatius eben die Tugenden habe als der 

rechte Rubin / aber nicht fo kräfftig. Boetius meldet / daß er denzorn 

und boͤſe Begierde zaͤhme. Rulandus erzählet / daß ſo man die vier 

Eden eines Hauſes oder Weinberges damit bedeckte / ſo würden die⸗ 

ſelben von dem Donner / Ungewitter und Wuͤrmen befreyet ſeyn. 

Des Balafıı Werth und Preis belangend/fo iſt er viel wohlfeiler als 

derKubin.Linzfchott ſagt / daß einer/fo ein Karat oder bier Gran mies 

get / io. Ducaten werth fey.Ein Spinell aus den alten Felſen / ſo ein Ka⸗ 
rat ſchwer iſt / oder 4. Gran / uñ täffelig geſchnitten / iſt halb fo biel wehrt 

als ein Diamant von ſolchen Gewecht / fo er nemlich in feinen eigenen 

Glantz / und Roſen⸗ arbenen Schein —— wird / und ohne Flecken iſt. 

Ballen/ fr. Balots, in Schiffsladungen / Stuͤckguͤter genannt/ 
ſeynd in der Kauffmanſchafft / ein zuſammen gepackte / und mit Mat⸗ 
ten / Stroh und Strick vor Regen und Schnee wohlverwahrte 
Parthey Kaufmanns Gut / welches man über See und Land fhiden 
will / ſolches wird ehe man es den Fuhrmann oder Schiffer giebet/mit 
Des Kaufmanns / von dem es gekommen / oder nach den es gebet feinen. 
Handels Margve, und einen gewiſſen Numero gezeichnet/folches Zei⸗ 
chen und Numero in den Fracht⸗Brieff wiederholer/ auch wohl deſſen 
Gewicht / und die dafur bedungeneFracht beygeſetzt / ride hiervon das 
Wort Zeichen/ item ediren. 

Ballen⸗Binder / Packers / Stauers / Tragers / Karchen oder Em 
Karnfuͤhrers / Luͤtzen⸗Bruͤders / Wein⸗Schroͤders / Waag / Pack haus / 
Kran⸗Knechte / Bajuli, Crocheteurs, Gaigne deniers, Emballeurs ba 
Portefaix, diefe alle feynd ingefamt Diener / Handlatger und Ges 
bülffen der Raufmannfchafft / in fo weit diefelbe mit Waaren umge⸗ 
het/und werden wieder eingetheiletin ordentliche und auſſerordentli⸗ 
che/ jene theilö wider nad) dem Waaren / Schiffen und Handlungen 
bey welchen ſie umgehen / und worzu fie fonderlich ihrer darin haben» 
den Srfahrenheit halber gebrauchet werden ; bon jeden aber ordent⸗ 
lich zu handeln / ſo haben unter allen den erften Rang die fo genannten 
Ballen-Binderd/ welche allerhand feine und auch grobe Waaren in 
Watten / Leinwad / Wachs⸗ oder Pack⸗Tuch / in Faͤſſer und Kiften einzu> 
balliren / wohl vor Regen und Schnee zu verwahren / faͤſte zuzuſchnu⸗ 
ren / und die Waaren fo zulegen wiſſen muͤſſen / daß das. feineſte alle» 
zeit inwendig am beſten verwahret / keines das andere zudrücken / oder 
abreiben / Loͤher einbohren / zerbrechen / fett / naß oder unvein/ ſtaubigt 
oder findend machen / oder ſonſt auff — Weiſe verderben koͤn⸗ 

1 Ir 


ME: 5» Bal 





ne, Gie halten auch Rechnung über folch gepacktes Gut / wann und 


an welchen Ort ie vor diefen oder jenen Raufınann / diefe oder jene 
Waare gepadet/wie viel Matten/ Pack⸗Leinwad / Wachs ⸗ oder pad. 
Tuch Strick / Bind⸗Faden / Stroh ünd dergleichen fie darzu gethan/ 
was ihr verdienter Lohn daran ſey / welches alles wo eine ordentliche 
Packer⸗Geſellſchafft iſt / und groſſe Handlung bey reichen Kauffleuten 
borfällt / ordentlich / monatlich oder qvartaliter bon ihnen in Rech⸗ 
nung gebracht undübergeben wird / da fie aber nur zufälliger weife 
hingeholet werben / laſſen ſie lich gleich nach gethaner Arbeit bezah⸗ 
len / indeſſen halten ſie ihre ordentliche Börfe/oder Marck⸗Zeit / haben 
auch auſſer ſolcher ihren Verſammlungs-⸗Ort / Haus oder Keller/ da 
fie Die Kauffleute jede Stunde / oder wann ſie etwan nicht da wären/ 
doc den Drt angefchrieben finden koͤnnen / wo ſie in Arbeit ftehen/und 
zu ſuchen feyn; Sie halten aud) einen Unterfcheid in dev Arbeit felbft/ 
dann da legen ſich etliche blos aufs Stod- und andere truckene Fifch/ 
item, auff grober Waaren/ald Tobad und Hopffen/andere auff feinere 
Waaren / als Seiden / Wollen und Leinen packen / wiewohl billig ein 
jeder Kauffmann Die Waare mit welcher er am meiſten handelt/ auch 
felbft zu packen wiſſen folte / ald die Zuder-Beder ihr Zucker / die 
Nürnberger Haͤndler ihre Quingvaillerie,die Buchhändler ihre Bü+ 
cher / als deren einpaden/ einen gar fonderlihenHandgriffe und Bor: 
theil/und viel Muh erfordert. Die fogenannte Hering-Pacers/ in 
denen See-Städten/haben bon den Hering umpaden/felbigen aus zu⸗ 
— —— wracken / oder nach feiner Güte zu ſortiren / auffs neu wieder 
einzuſaltzen / mit friſcher Laak zu verſehen / und dergleichen / ihren Ra⸗ 
men und Rahrung / und ſtehen gemeiniglich in eines Ehrbaren Raths 
und der Kauffnianns⸗Zunfft Eyd und Pflicht / daß ſie kein falſches ber⸗ 
dorbenes ungewracktes Gut von der Hering Kaͤhe oder den Pack⸗ 
hoff wegliefſern / oder Durchfchleicheu laſſen wollen; hierzu gehören 
auch aller andern Waaren ihre beeydigte Leute / Befchauers / und 
Wrackers / als die Flachs und Hanff Wraders in Riga/die Leinſaats, 
Hopffen / Bretter oder Thielen / und andere Waaren Wrackers an an⸗ 
dern Orten / welche insgeſamt auff ihr Eid und Pflicht / die gute von 
den boͤſen Waaren ſepariren / und Die Wardirung oder proportion 
des Preiſes / einer gegen die andere ſetzen müffen. Stauers / Arru- 


meurs, werden die jenige genennet / welche die Wagren indenSchiff - 


zu recht legen/und ſolche dergeſtalt zu rangiren wiſſen ſollen / daß ſie 
feſt auff einander gepacket liegen / damit wann das Schif in der See 


durch Sturm und Ungewitter / von den Wellen hin und wieder ge» 


fchlagen wird/ folche Waaren ſich nicht verruͤcken oder überwerffen/ 
und folglich das Schif umftürgen koͤnnen / zu welchem Ende ſie alle- 
zeit das Schwerefte und Raſſe unten legen müffen/damit nn * 

olches 


mn — — 





Dal 123 


ſolches auff leichtere und truckene Waaren gepacket wäre/ und leck 
wuͤrde / folches den unterliegenen Waaren Schaden thäte / wielei= 
Der folder Geftalt/durch das übele Stauen/fehon viel taufend Tha- 
fer den Rauffleuten Schaden gefchehen/ von den Stauer Geſind aber 
sicht viel wieder zu holen ift. Traͤgers / Crocheteurs bon denledern 
Riemen mit einen Haken / welchen fie gemeiniglich an der Seiten 
£ragen/item,mweil fie viel mit der Trag-Bahr / oder auff den Buckel 
und Schultern tragen /alfo geitennet / feynd vechte arbeitfane und 
muͤhſelige Leute / dahero fie auch Gaigne deniers, oder Pfenning Ge⸗ 
winner genennet werden. Diefe ſeynd die in unterſchiedliche Claffes, 
( fondertich in denen Hanfee-Städten 7 und fpecialiter, in der bor= 
nehmften derfelben/ der Stadt Luͤbeck) ab und eingetheilet werden/ 
als da feynd die — oder Arbeits⸗Leute / die bey den Rigiſchen 
Schiffen / andere die bey den Copenhagniſchen / Königsberger / Dan⸗ 
tziger / Stockholmiſchen / Narviſchen und dergleichen Schiffen arbei⸗ 
ten / unter welchen dann keiner den andern in ſeiner Arbeit darff 
Eingriff thun / dieſe haben ihren borgefegten Altermann / der die 
unter ihnen borfallende Streitigkeiten richtet ihr Schutz⸗ Halter und 
Protector ift/ bey welchen fie auch / wann (te in die Zunft angenom⸗ 
men werden / ſich muͤſſen einfchreiben laffen/ in der Kaufleute Schüt- 
ting aber / als welche ihre.vechte Oberherren / bangen die Sratuta 
und Verordnungen / wie fi ein Träger gebührend gegen einen 
ehrbaren Kauffmann zu verhalten / und was er bor feiner Arbeit zu 
fordern habe/ entweder Stuͤck⸗ oder Laſt⸗weiſe / nachdem er die Waa⸗ 
re weit oder nahe / in oder aus dem Schiff / auf den Boden / in das 
Haus oder Keller / an und bon der Waag tragen und ſchleppen muß / 
welches alles feinen gewiſſen Taxt hat/ den fie nicht uͤberſchreiten / 
diel weniger mit Unhoflichfeit den Kauffmann / als von welchen ſie ihr 
Brot fuchen müffen/ begegnen dürften/eine foldhe richtige Ordnung 
und Eintheilung der Arbeitö-Leute ift nun überaus loöblich / theils 
weil man an ihnen beftändige / hausgefeffene/ / fromme Biederleute 
und Bürger hat/ von welchen man fich Feines Diebſtalls ſo leicht zu 
beſorgen / ald wohl an den Ortengefchicht/ da bald diefer/ bald jener 
Rüſſiggaͤnger muß aufgefuchet/ und zur Arbeit noch wohl gebeten/ 
sder-Doch theuer belohnet werden / der über dent mit dev Arbeit fets 
un Beicheid weiß/oder wann er etwas beruntreuet / oder verwahr: _ 
et / nicht fo leicht Fan zur Satisfation angehalten werden. Fer— 
ur ind dergleichen zunfftmäffige Leute / im Fall der Roth / weil ſie das 
beiten gewohnet/gut in Loͤſhung der Feuerd-Brunft / in Auflauf 
u Kriegszeiten/ daman allezeit Mannhaffte Bürger an ihnen hat) 
de man der Gefahr entgegen ftellen Fan, Luͤtzen-Brüders feynd 
in den Städten die Yuffwärterö/bey denen anfommenden m. 
enden 


124 u Bal 


heuden Poſt undFracht⸗Wagens / welche Bedienung gemeiniglich auf 
den Rarhhäufern / oder gemeinen Stadt-Caͤmmerey an den Meiſt- 
bietenden verkauffet wird / dannenhero dieſe Leute / ſolchen ihren Er— 
kauff hernach treflich Hoch heraus zuſtreichen und unter dem ewigen 
Vorwand / daß ihr Dienſt ihnen fo viel gekoſtet / die reiſende Perſo⸗ 
nen ohne Auſehen der Perſon ziemlich zu ſchaͤtzen pflegen / welches 
ohne hoͤflichen Wort⸗Wechſel auf beyderſeits ſelten abgehet / doch fine 
den ſich auch noch wohl beſcheidene Leute darunter / die ihre Muͤhe 
nach der Billigkeit ſchätzen / fo iſt auch hhr Amt der Kauffmannſchaft 
Dadurch erſprießlich / daß fie ſeßhaffte / beeydigte Leute ſeyn und vor 
die von den Poſt⸗Wagens ihnen gelieferte Sachen / Packeten und 
Coffres repondiren müůſſen / wann auch noch die Herren Wagen-Mei⸗ 
ſters in denen See-Städten/ nach den Exempel der Koniglichen und 
Fuͤrſtlichen fahrenden Poften/ ordentliche Aagen-Zetteld machten / 
und denen bloſſen Fuhrleuten / welche die angelegte Poft - Wagens 
führen/ folche Paͤckſchen nicht allein andertrauet wurden/ würde die 
Handlung noch mehrgefichert / und manches Paqpet unverlohren 
bleiben. Wein-Schroders / fr: encaveurs, nennet man die jenige/ 
welche die Weine aus den Schiffen/oder von den Karren und Fracht» 
Magens zu arbeiten / und bon dar in die Kellers zu bringen beftel« 
tet ſeynd / fie haben gemeiniglich darzu ihre ſtarcke Geile/ Schleif- 
fen/ Leitern / Heb⸗Baͤume und Riegels / ihr Vorgeſetzter ift an eini« 
en Orten der Wein: Schreiber / welcher über die in die Stadt 
ommende und wicder ausgehende Weine / Buch und Rechnung hal⸗ 
ten/und folches des Raths Accis wöchentlich nbergebenmuß/ oder 
e3 ift auch der Raths Vihirer „welcher an den von ihren verdienten 
Arbeitö-Lohn einen part mit genieſſet. An vielenDrten bearbeitet den 
Wein / wer lich darzu will gebrauchen laffen / doch halte ich daß or= 
dentlihe Mein-Schröders zu beftellen/ viel beffer ſey / weil folder 
geftalt die Herrn Weinhandlers wegen des Einkellerns ihrer Wei— 
ne deſto verjicherter feyn Fönnen. Waag / Pad-Hausund Krane 
Knechte ſeynd im den De Kauf⸗Hãuſern beftellet/ die 
Gewichte auf und von der Waagſchal zu heben / das Packhaus rein 
und fauber/ und die dahin gelegte Güter in auter Ordnung zu hals 
ten/ den Tag ihres Einbringens und Ausholens in gewiſſen Fällen 
zu notiven/ den Kran mit welchen die Güter aus den Schif acho> 
ben werden zu regieren / ihnen allen ift vorgeſetzt der Waag-Mei⸗ 
ſter / oder Pack⸗-Hof und Kauff-Haus Schreiber / auch wohl der al» 
teſte Güter Beſtäter / und was etwan ſonſt vor officia deßfalls in die» 
fer oder jener Handels-Stadt aufgerichtet und eingeführet worden. 
Endlich koͤnte man auch als der Kaufleute nuͤtzliche und nöthige Of» 
fentliche Diener und Handlanger/ die fo genannten — 
ie 


. Ball . 125 


die Peute/ welche mit der Schnelle Waage waͤgen / und jedes mahl 
auf Erfordern mit ihrer Wage in der Kaufleute Häufer kommen / 
und die den Fuhrleuten aufzugebenude Kaſten / Faͤſſer und Packen über- 
ſchlagen) rechnen / welche Arbeit dann von ihnen mit gar leichter 
Mühe verrichtet wird/und eine groffe Commodität in Handels Staͤd⸗ 
ten mag geuennet werden. 

Balneum, ein Bad/B.M. Balneum Marix, B.V. Balneum Vapo- 
ris, beyde dienen denen Chymiften,bornehmlich aber den Apothedern 
und Laboranten in ihren Chymifchen Arbeiten. 

Balſam / PBalfamum. Cine weiheflügige mehrentheild wohlrie> 
chende Materia, entweder von Natur oder Kunftzu wege gebracht / iſt 
vielerley Arten ald Balfamum indiecum Nigrum & Album’, meiffer 
und fchwarger Indianiſcher Balſam / flieffet aus einen Heinen 
Bäumlein / welches wie etzliche fchreiben/ nurallein bey der Stadt 
Alcair in Egypten foll anzutreffen feyn / woſelbſt diefe Baͤume in ei⸗ 
nen ſonderbahren Garten / hoͤchſt ſorgfaͤltig ſollen gewartet und. bee 
wahret werden; allein man findet dergleichen auch um Jeruſalem / ſon⸗ 
derlich aber in Oſtindien / woher faſt der meiſte Balſam / durch die 
Hollaͤnder und Spanier zu uns heraus gebracht wird / die Groͤſſe die⸗ 
ſes Balfans-Baums ſoll nur zwey Ellen hoch / und die Blätter 
rund / alöder Majoran oder Klee- Blätter / ander Farb weiß = grün 
feyn / und follen fie Winter und Sommer alfo bleiben / der edle 
Balfam-Gafft / wird im Martio fehr mit groflen Fleiß abgewartet / 
damit nichts verſaͤumet werde / und eisen ſie das Baͤumlein mit 
einen Mefferlein / laſſen fodann ſolchen Foftbahren Balfam durch eine 
Baum-Molle insGeſchirr abtropffen/diefer ift ſchwartz / und der ande: 
re / als weilte / ſoll aus den Kraut oder Blättern geſammlet werden / 
welcher von etlichen Opobal Samum genennet wird; die Verfaͤlſchung 
des ſchwartzen Balſams geſchiehet / wann das zweyte Zweiglein 
nicht mehr tropffen will / fo ſchneiden ſie ſolches ab / und ſieden es 
aus fo lang bis (le es zur Krafft und Dicke des Balſams bringen/ 
alsdann miſchen fie ſolches darunter / und verkauffens alfo vermengt 
derch einander. In den Officinen hat dad Wort Balfamum viel Be> 
deutung dann (1.) wird einedicfe Materiam, als eine Salbe alfo ge= 
nannt / und diefe ift am gebräuchlichften / als nemlic der Roſen oder 
Schlag⸗ Balſam / (2.) pflegt man aus Gummi und Hark mit Spiritu 
Vini ſolchen flieffenden Balfam zu deftilliven / als e. g. Balfa- 
mum Nervinum, lieder - Balfamı / G.)ein Schmierwerd‘ di- 


der alö Del/ flieffender ald Salbe/ Schmier-Balfam genannt/(a.) 


haben die flieffende Saltz dieſen Rahmen auch befoimmen/alöBalfamus 
Salis gemmz, Stein-Galb/ Balſam / (s.}feynd fonderliche Proceffe 
in der Chymie ‚die diefen Rahmen haben / als Balfam Sulphuris, 


Sangvinis 


126 Bal 
Sangvinis humani, &c. Die Leiber / womit man die Del zu dem 
Balfamen vermenget / ſeynd / (i. weiß gereinigt Wachs / welches 
aber die Balſam gar zehe machet / (2.) ausgepreſt Muſcaten-Oel / 
bor und an ſich ſelbſt / das iſt nicht gereinigtes und auch gereinigtes / 
das zum andern mahl ausgedrücket / und mit Spiritu Viniund Roſen⸗ 
Waller ſeines Geruchs beraubet worden / und dieſes iſt beſſer / wie 
bald ſoll gemeldet werden / (3.) gewaſchen Kaͤlber-Marck / (4) ge⸗ 
reinigte Manna, (r.) duͤnne und flieſſende Mixturen / alſo kan 
man zur Peft-Zeit aus Theriack Balſam machen / in den Schlag / aus 
der Elephanten⸗Lauß Confection, item kan auch der Peruvianifde 
Balſam an ſtatt eines Corporis gebrauchet werden. Das Oleum Nu- 
cis Moſchate, als den beften Leib zu den Balſamen wohl zu berei⸗ 
ten / fo nimm deſſen fo viel dir beliebet / koche es mit einer eiſern 
patelle mit Dem decocto Herbæ Rutæ, ſo viel als darzu noͤthig 
iſt / bis daß das Oel ſeinen Geruch gaͤntzlich — / nachdem es 
aber eine ſjärckere Härte alſo angenommen / (maſſen dann je härter 
und fefter dad Oleum Nuciſtæ expreflum , als das rechte Corpus 
zuBalfamen ift/ je mehr Fan man aud) von den deftillirten Del hernach⸗ 
mahls eintragen/ und werden die Balfante aud) edler und kraͤfftiger / 
weildie ganze Kraft und Wuͤrckung der Balſam / von den detillirten 
Dehlen herrühret/) fo trockue es in gelinder Warme oder Sonne / das 
mit es defto mehr feinen Geruch verliere; andere nehmen weiß 
Wachs und frifch ſuͤß Mandel-Del/ mit Spiritu Vini , digerirens 
3. Tage / und nachdem fie inB. M. alle Feuchtigkeit davon abgezo- 
en/ brauchen fie den hinterſtelligen Leib zu Balſam / diefen fügen fie 
* des Dings Extracd fo ſie begehren / und vermiſchen alsdann 
mit ſelbigen das Del gleichfalls / es iſt aber die Proportion zwiſchen 
den Del und Extract dreyfach / nemlich J. Del F. Extract. Die ge⸗ 
braͤuchlichſte Balſame in denen Officinen ſeynd. 

Balſamum Angelicæ, Angelic Balſam / Aniſi Anis-Balſam Ca- 
ryophillorum. Negelein⸗Balſam / Cinanomi Zimmet-Balfam/Citri, 
Zitronen-Balfamı/ Cubebarum Eubeeben-Balfam / Lavendulx fqe 
vendel-Balfam / Macis Mufcaten Bluͤh⸗Balſam / Majoranz, Majo⸗ 
van-Balfanı/ Menthz HRüng-Balfam / Nucismofchatz , Muſcaten 
Ruͤß Baiſam / rorismarini, Roßmarien⸗Balſam / Rofarum, Roſen⸗ 
Baiſam / Rurz, Rauten-Balfam/ Succini, Agtftein-Balfam / Zedoa- 
rix , Zitwer-Balfan. Zuſammen gefepte und auf unterſchiedliche 
Krandheiten eingerichte Balſame ſeynd. j 

Balfamus Apopledticus Crolii, dito Michaelis, dito cum conf, 
anacard ‚dito Egſũ, dito Gedanenf. oder Dankiger/ Placotimi,dit@, 
Colleg. Roman, dito mit Confedt. Alkermes, dito Döreri, dito 


Zwoltieri pro viris & fminis, Schlag: Balfam/ Bezoardicus belti- 
lentialis, 


Bal. 177 


‚entialis, Bezoardifher Peft-Balfanı / Balfamus contra Colicam, 
wider das Baud- Grimmen) eontra Catharros , Fluß⸗Balſam / Balf. 
Epilept. wider die ſchwere Roth / Antipeft. fcu Loimicum Zuölff, 
Peft-Balfam/ dito ver reiche / dito bor arme Leute / Balf.Stomacha- 
le Junckii,, dito HadrianiMynfichti , dito contra verti ginem Schal 
leri, Schwindel-Balfam / diefer Balſame alle ihre Zubereitung und 
Compodfition it zu erfehen aus deöSchröderi bollftändiger Apotheck / 
lib. 2. cap. 40.und 41. dedeinigen Schlag-Balfanıs oder Balf. Apo- 
pledt. Crolii Compof. allhier anzuführen/ fo ninmm ausgepreft Mufca- 
ten-Del 2. Unsen/ ſchwartz Ambra 2. Dventin / graue Amber) 2. 
Dventin / des beften Bifams 1. Qbentin/ Zibeth 2. Dbentin/ Del 
von Zimmet halb Schrupel / Majoran und Lavendel ä halb Dventin, 
Negelein 6. Gran / * einen halben Schrupel. Machs mit q. 
eines Indianiſchen Balſams zu einen Balſam / wann das Mufcaten- 
Del in Mörferlein zerlaffen/fo thue Ambrz das —— Gewicht / mit 
einen oder mehr Troͤpfflein Zimmet oder Bernſtein⸗ Oel darzu/mifche 
es wohl durch einander / hernacher trage auch den Biſam ein / der hor⸗ 
her mit KofenSpiriru zerrieben / desgleichen auch dem Zibeth / trage al⸗ 
les wohl untereinander/ und wann es alſo auffs gelindeſte gewaͤrmet / 
ein wenig wieder kalt wird / ſo thue Balſami Peruviani fo viel darzu 
daß es eine rechte Härte erlangt / und verwahr ihn an einen kaltenOrt/ 
damit ſich der B.Peruvianusnicht wieder dabon abſcheide. Dellil- 
lirte Balſame ſeynd nichts anders als deſtillirte Spiritus, die mit ei⸗ 
nen Theil Oel / aus Hartz Gummi, Gewüuͤrtz / und dergleichen bermit⸗ 
telſt des Spiritus Vini gebracht worden. Dergleichen werden an 
obbemeldten Ort beym Schrödero beſchrieben / Ballamus Vitæ Rebeng- 
Balſam / dito Suscinatus, oder von gelben Agtſtein / dito Heslingii, 
Balfamus Albus, meiffer Balſam / B. dorfale, Vor die Gicht und 
Laͤhmheit der Blieder/ Bal. Antipodagricum, wider das Podagra / 
Balf. Nervinus, Nerven-⸗Balſam / Bal. Antiarthriticus, Zipperleins⸗ 
Balſam / B. Antiparalyticus, Gicht⸗Balſam / Balſ. Mneme-Cephali- 
eus, Gedaͤchtniß⸗Balſam / ec. 
halſamum indicum novum, vel Peruvianum, Indianiſcher Bal⸗ 
ſam iſt von ſchwartz rother Farb / eines ſehr angenehmen Geruchs / et⸗ 
was ſcharff und bittern Geſchmacks / kommt aus Neu Hiſpanien in Weſt⸗ 
Indien / und wird in unſern Apothecken Balfamum Indicum genannt / 
der etwas dick und ſchwartz iſt wird Xylo Balſamum, oder Balfa- 
mumindicum vulgare nigrum genannt/ man famnılet ihn aus den 
Stüdendes Rumpffes und den Xeften / wann man felbige mit Waſſer 
* da dann dieſer gemeine ſchwarte Balſam oben zu ſchwimmen 
pfleget. 
Balamum verum, Syriacum, Balſamelæum, opo Balſamum, Balſa- 
mum 


un... 


128 Bal Ban 


ö — — — —ñ⸗— —— 
mum de Mecha, iſt eigentlich eine Art des Egyptiſchen Balſam / der 
aus den verletzten Baum⸗Rinden / und beſchnittenen Aeſtlein hervor 
flieffet/wann man ein Troͤpfflein deſſen in laues Waſſer fallen laͤſt / fo 
breitet er fichüber die ganze Fläche aus / wann aber das Waſſer wie: 
der kalt worden/ fo ziehet er ſich wieder zuſammen / tropffet man ihn in 
Milch / fo coagulirt ev ſolche /tropffet man ihn aufein Wollen Tuch / 
fo hinterläft er Feine Flecken; durch diefe Zeichen / wird er bon Oleo 
Zacconispruni Hierichuntiei, und dem Del aus Maurit.nien unter⸗ 
ſchieden / er wird fo hoch gehalten / daß der Fuͤrſt des glücklichen Ara- 
biens, deme auch Mecha — alle Jahr dem Tuͤrckiſchen Kaͤyſer 
nebenft andern Geſchencken 4. Pfund diefed Balſams verchret / ev 
verdienet unter allen Delen und Balſamen den Borzug / den Febrici- 
tanten und Feichenden / iſt er ſonderbahr dienlich / er Hilfft den Lungen⸗ 
füchtigen und erwedet dem Appetit, weil er aber gar felten unberfälfct 
‚zu und kommet / als nimmt man an deſſen fatt unter den Theriack die 
Gewuͤrtz⸗NRaͤgelein / oder des Agtftein-Deloder Balfamum Toluta- 
num, der dann auch den rechten Balſam am nächften kommit / und den 
Peruvianum weit übertrifft. ar 
Balfamum de Tolu ‚oder Tolutanum ift ein Balfamifcher Gafft 
vothlicht in Gold⸗Farb / riechet ſehr lieblich fat wie Jasmin , kommt 
aus America aus der Proving Tolu, mwofelbft er ebenfalls bon Baͤu⸗ 
men / die ſich faſt den Fichten gleichen gefammlet wird / er wärınet und 
trocknet / reſolviret / dienet vor Wunden/und vor die Bruſt / den Anſe⸗ 
hen nach iſt dieſes der Balſam / den man Balſamum de Honduras nen- 
ret. Einen überaus köſtlichen Wund-Balſam zu machen / der auch die 
Weyd oder innerliche Darm⸗ Wund / welche bisanhero vorincurables 
gehalten worden / heilet / ſo nimm auf gemeine Weiſe deſtillirtesOoleum 
Vitcioli, gieß einenSpiritum Vini allgemaͤhlig darauf / bis es getoͤdtet / 
alsdann deſtillirt man es mit einander heruber/und braucht davon etz⸗ 
liche Tropffen als ein fonderbahreöConfervariv, Aus deutCapiteMor- 
tuo, aber ziehet man einSalk/ und folviret ſolches in einen Waſſer / 
worinn man will/ und diefes ift ein Wunder⸗Waſſer / oder vielmehr ei= 
ne Art des Elixir Proprietatis Paracellı,und des pulverissympatherti- 
ci des Digbai, - Einige warn ſie das Oleum Vitriolimitden Spiritu 
Vini abgetödtet und zur Confilteng gezogen/ alfo daß ein ſchwartzes 
Pech zurück bleibet/ fo folviren fie esalsdann in AqvaRegis, da dann 
die Solution roth wird / die wird wieder abftrahiret/ in defhillirten 
Waſſer (olvirt/ fo tingirtes das Waſſer fehr hoch/ und giebt Feces, 
die man fcheidet/ und das Waſſer wieder zum Saltz inſpiſſiret / wel⸗ 
ches Solviren und Coaguliren dann fo offt geſchicht / bis Feine Feces 
mehr in den Salt zu finden. 
Banco, ein gewiffes Haus ingroffen Handels⸗Staͤdten / vornehm⸗ 
lich 





- A 
— — — — 


Ban | 129 


—— ñ — —ñ—— ñ— — — r — — 
lich aber in Amſterdam / Hamburg / Ruͤrnberg und Venedig / woſelbſt 
die Kauffleute ihr Geld hinbringen / ſolches durch die daſelbſt verord⸗ 
nete Caslırer in&mpfang nehmen / und durch die Buchhalters hernach / 
auf ihre in Banco Büchern habende Rechnung (id) in Credit zu gut 
fchreiben laffen / worauf denn ihr Geld in aller ficherheit in folcher 
Banco deponiret lieget/ und ihnen / denen deponentibus ftehet frey 
ſolches wann (te wollen entweder baar daraus zu holen / oder bon ihr . 
ver Rechnung ab/und einen andern denjte vor Waaren oder Wech⸗ 
fel ſchuldig feynd/auf die Seinige fchreiben zulaffen/ und diefes heiſt 
man in Banco zahlen/ gleich wie nun einen ſolchen Kauffmann der 
Rechnung in Banco hat/ebenfalld von andern / vor Waaren und’ Wech⸗ 
ſel / welche ſie ihm moͤchten ſchuldig ſeyn / in Banco die Bezahlung 
geleiſtet und auf feine Rechnung geſchrieben wird / alſo findetein 
wohlvermögender Kauffmann dadurch) immer an der Banco einen 
Scontro, durch welche er bezahlen/und bezahlet werden Ean/ohne dag 
er nöthig habe / Die Hände mit dem Gelde ſchmutzig za machen / oder 
zu beſorgen / daß ihm das Geld in ſeinen Haufe geſtohlen / oder in 
Empfang / bhoͤſes Geld möchte unter den Guten zugeſchoſſen were 
den / über demfoconferviren dergleichen Bangqven , fonderlic) die 
Hamburger das gute harte Silber-Geld/ in der Stadt/ fie geben den" 
Couranten Stadt / und ausländifchen oder fremden Beld/ den Preiß 
wornach es gegen Bauco Geld zu æſtimiren ſey / wiewohl hierzu die 
Handlung ſelbſt / und nachdem ein oder die andere Sorte bon Geld 
geſuchet wird / das meiſte beytraͤget. Von den Verkauff der Waaren 
iſt zu wiſſen / daß deren einige aus alter Gewohnheit her / in Banco, 
andere in Courant berkaufft werden / wiewohl wann der Preiß darnach 
beftimmet iſt / ſich auf — Sorten von Geld / (welches in Ham⸗ 
hurg eine groſſe Beqbemlichkeit iſt) accordiren läfl. Cine aus« 
führliche Beſchreibung der Banqren, und was vor ein groſſes 
Arcanum, darunter verborgen liege / vide in unſern kuͤnfftig zu erwar⸗ 
tenden Commercien Rath. | 
Band Rubans, feynd von feiner Seide / entweder glatt ober ges 
wiſett oder laconirt / das iſt mit einer oder mehr Coloͤr⸗Seide / 
Bold der Silber nach gewiſſen Muftern durchwuͤrcket / breit und 
ſchmal / ſtarck von Seide / oder auch duͤnn / manhataud Floret / 
Wollen / Cameel · Haaren / und einen Band / welche alle / ſonderlich 
die Seiden Band nunmehro in unſern Teutſchland fo gut als in Franck 
veich gemacht werden / wann man unſern Pofementivern/und Bo⸗ 
tenwurdern nur beſſer mit den Verlag unter die Armen greiffen / und 
felbige/fonderlich da ſie jegt die Reformirtegrangofen umund bey (ich 
ben/zufolcer feinen un reichen Band-Weberen encouragiren wole 
te / die Vand au ſich felbft werben — — und er 
ey 


130 | Ban 


bey Elln oder Parifer Stab und Stüdenerfaufft. Engeland / Hei 
fand und Franckreich / fendet jährlich jehr viel Sand nad) Teutſch⸗ 
land / welchedaber mit der Zeit / wann unfere teutſche Manufadtu- 
riers, (ich beffer angreiffen folten / zimlich dörffte vermindert 
werden, 
‘ Bangverotier $onBanco rotto den zerbrochen/ ausgeleerten Wech⸗ 
ſel⸗Tiſch / oder Geld-Caffa, alfo genannt / wird gefagt/ don einen fol- 
chen Kauffmann / der auögehandelt/ in Schulden verfallen / feine 
Creditores und die eingelauffene MWechfel-Brieffe nit bezahlen 
Fan / feinen Eredit mehr hat/ durch die Jultig verfolget / von allen 
Eeiten gemahnet/ und feine Schulden zu bezahlen, hart angeftrenget/ 
fa von feinen Creditoribus dergeftalt berfolget wird. / daß er endlich 
Haus und Hoff / Contoir, Magazin, Laden/ Kram und Gewoͤlb / famt 
der Stadtund feinen Wohn-Drt verlaſſen / das Thor aufden Ruͤ⸗ 
een nehmen/ und in ein fremdes Territorium ſich reteriren / das 
ſelbſt um Schug-Brieff anhalten / ich entweder ferner hin kuͤm⸗ 
merlich ernehren / entweder neue Handlung bon unten auf oder 
auch eine andere Profeflion anfangen / oder mit feinen Creditoribus, 
weiler alddann auffreyen Fuß ift/accordiren muß / ob fie ihn wie⸗ 
der zu dem Seinigen kommen laffen / Dilation zu Bezahlung fei- 
ner Schulden / oder einen ehrlichen Nachlaß am denfelben/ oder 
auch) neue Hülffe und Vorſchub / zu feinem wieder Auffommen geben 
wolten / welche legtere Conditiones er aus Ehriftlihen Mittleyden 
noch wohlerhalten möchte / wanner fonft ein beliebter ehrlicher auffe 
sichtiger frommer Mann gewefen / der des Landes und der Gtadt 
Onera lang getragen / viel in Rauffmannfchafft verfehret / ſich gu= 
te Freunde erworben / feines ihme sugefoffenen Ungluͤcks durch 
_ Pangveriten/liederliches und heilloſes Leben/nicht felbft einellvfach ge= 
wefen/ fondern ihme ſolches aus bielen erlittenen See Raub / Brand/ 
Waſſer / und andern zufälligen Schaden/ als daß er diel Banqvero- 
ten/ ungetveue Bedienten / und andere — boͤſe Zufaͤlle mehr 
gehabt / zu Handen geſtoſſen / dabey aber bey feinen Austreten noch 
einen ehrlichen baaren Pfenning mit ſalviret feine Handels⸗Buͤ⸗ 
cher auch mit ſich hinweg genommen / und alſo denen Creditori- 
bus nichts überblieben / daraus fie Nachricht (ich erholen koͤn⸗ 
ten / wo ſie ihren Regrefs fuchen follen / oder daß feine Umftände fo 
befchaffen / daß er ſich mit der Zeit felbft wieder aufhelffen / und in gu= 
ten Stand fegen kan. Diefe Conliderationes alle / moͤchten / wie gedacht 
ihme die freye Zurückehr facilitiren/ wo nicht gar die hohe Lands⸗ 
brigfeit ihme ein Qyingvenell, Moratorium, Schuß/ und freyen 
Pap-Brieff zu ſchicket / welche die Heren Creditores als dann wohl 
unangefochten laſſen muͤſſen / geſchiehet dieſes alles nicht / ſo geht es 
| “ an 





| Ban 131 
an das gerichtliche Verfiegeln feiner hinterlaſſenen Guͤter / Schrifften 
undE * fo wohl beweglicher als unbeweglicher / an das Bekuͤm⸗ 
mern ausftehender Schulden/an die Verfertigung eines ordentlichen 
Inventarii, an die Conflitution eineg Curatoris bonorum, an die 
Citation derer Creditotum, an einen öffentlichen Verkauff der hin» 
terbliebenen Effedten und nach formirten Concurs ‚an die Repar- 
tition, maß jeder derer Creditorum ‚pro rata feiner orderung ha⸗ 
ben ſoll / verftehe / wann zuerſt die privilegirten Schulden/als der 
Fifeus, Die Gottes und Arnten=Säufer/ Dienft-Boten/ und diejenige 
welche etwann vor Haus-Miethe / oder fonft aus einen andern Capi- 
te einer privilegirten Schuld / fonderlich an einigen Orten / die 
Ehfrau / ratione dotis , und dergleichen / nach diefen die Hypo- 
thecarii, dad Ihrige davon abgezogen / was alsdann überbleibt/ 
gehöret bor die nudes Chirographarios, und diejenige / welche nur 
mündlich ihre Forderung einbringenund bemweifen Fönnen. Bey fols 
ther Gelegenheit flreichen nun die Adbocaten / Gerichts und Con- 
eurs Bediente / das gewiſte / mancher fifchet auch in trüben Waſ⸗ 
fer; die noch berhandene Waaren werden wohlfeil verkaufft / und koen 
mehrentheils in Juden⸗Hãnde / und zuleht wird unfers Bangveroti= 
ters Rahme ans ſchwarhe Brett geſchlagen / und denfelben gleichſam 
zu ewigen Tagen / Macula infamiæ angehangen / die nicht fo leicht 
wieder auszuloͤſchen iſt / und ſo hiel fen gefagt von einen orbentli. 
chen / und manchmahl auch durch Unglüchs-Zafl zugeſtoſſenen Ban- 
gyeror, Eine andere Urſach des Bangverotiveng / haben diejenige 
welde alle Tag herrlich und in Freuden elebet / viel bangvetivet/ 
Haus / Contoir, und Magazin Zußrt nische tin Tag hinein 
‚gehandelt/ ohne Raifon, —2— azardirt / Buchhalters und Bes 
diente ſchalten und walten laſſen / (ich indeſſen eines guten Tags in ale 
ler Uppigfeit / Soffarth/ und Fleiſches Luft gepfleget / der Frauen 
Kleider-Pracht / den erwachfenen Kindern in unmapigen Geld Aus⸗ 
geben und Verſchwenden / den Zügel gelaffen / ſich aufs Spieler 

elegt / unborjichtiger Weiß das Ihre ausgeborgt / die Hande 

ng negligivet / bon derfelben niemahls Feinen rechten Verſtand 
oder Begriff gehabt/ mit liederlicher Gefellfchafft / zu let aber 
> mit Juden umgegangen / welche Verfluchte Nation efn pitziger 

ohr⸗Slab iſt / der denjenigen / der ſich darauf lehnet / die Haͤnde 
durchbohret / und ſobald nicht in einesChriſten⸗Haus über die Schwel⸗ 
le gehet / als fie auch den Fluch mit (ich hinein bringet / ſolche 
muthwillige / und zumeilen auch borfegliche ‚Bangverotiers , (ſon⸗ 
derlich wann fie ehliche Tage vorher noch biel Contanten aufneh⸗ 
wen / und damit zum Thor hinaus gehen damit fie nur ferner» 
hin wohl möchten zu leben haben/) on keines Beklagens / vielmehr 

4 


aber 


132 Dan - DBap 
aber der Straffen werth / die ihnen an eib/ But /Ehr und Leben /fo 


viel Hoch verftändige Rechtö-Lehrer und Geſetzgeber didtiret haben/ 
als daß erftlich ihr Nahm ans fchwarge Brett gefchlagen / (ie vor In» 
fam und aller Ehren⸗Aempter verluftig erkannt werden/ wie zu ſehen 
ex, Licetautem, ı. verf valdeenim..inflit, qviexgvibus Cauſis ma- 
numit, oder man gibt fie / fo man ihrer habhafft werden Fan / locopi- 

noris ‚ihren Gläubigen an die Hand per textinart. 39. lib. z. Landr. 

eihbild.c. 27. Zobel.e. diſſer. 2o. König in Proceſſ. c. 138. n. 11.8, 
Aber nah Sachfen Recht: Dadannein folder Släubiger Macht hat 
denfelben fo lang in Gewahrſam zulegen / bis er durch feine Arbeit und 
Dienfte /oder auf andere Weife die Schuld abgetragen. Coler. de 
Procefl' execut, p. 1.c.3.n.16e0, an einigen Orten wurden ſie gar an 
einem Pranger geftellt/ ımd ihnenein lediger Korb inden Mund gege« 
ben/vide Alex. ab Alex.Genial. cap.ıo. oder ein Zettel auf die Bruſt ge⸗ 
hefftet / mit der Aufſchrifft: MuthwilligerBanqveroutirer / in novif- 
fimis Reſolutionibus, Gravaminum Provincialium de A. 1661. Tit. 
von juſtitien-Sachen h. 78. herorduete der Ehurfürft zu Sachſen / daß 
dergleichen Decoctores zur Schande einen gelben Hut tragen ſolten / 
„die Wort lauten alſo: Und da ein Fallit in gedachten beyden Staͤd⸗ 
„ten oder anderer Drfen unferer Rande / feinen Glaͤubigern nicht 
„vollſtaͤndige Sa En koͤnte / gleichwohl aber ſich zur gutwilligen 
„Remiffion und zur Erlaſſung der Saft vermögen thäte / auf ſolchen 
„Fall fol er zwar auf freyen Fuß geftellt werden / jedoch einzeitlang nach 
des ordinarii re nr meer rs: feines in Rachlaͤſſig⸗ 
„keit und Verſchwendung geführten böfen debens einen gelben Hug 
„tragen / umandern feines Gleichen beſſer als er Haus zu er / ein 
„Beyſpiel damit zugeben / vide ein mehrers von dergleichen Materia 
Unter den Wort / Cefro Bonorum, 

Bangvier ‚ein vornehmer Cambilt oder Wechßler / bon denen 
in vornehmen Handels⸗Staden aufgerichtetenBangven alfo genannt / 
als mit welchen fie des vielfältigen Geld Ab-und Zufchreibens halber 
viel umzugehen pflegen / insgemein vage ſich diefes Titels an / die 

jenige Kauff-Leut welche bjel mit Wechſeln umgehen / ob ſie gleich an 
rtern wohnen da Feine Bangven aufgerichtet ſeyn / daß aber ein je⸗ 
der kleiner Handels-Potentat / der mit der Elle und Pfund Ge— 
wicht jubilivet / den Nahen eined Bangviers gern in feinen jucken⸗ 
den Ohren hören/ undauf denen an ihn lautenden Brieff lefen mag / 
ift der Corruption unferd Seculi zuzufchreiben / als in welchen alle 
Titul aufhöchft geftiegen/ indem der Schreiber einesSchreibers/des 
Secretarii fein Sccretarius , undein fhlehter Verwalter / Amtmann 
heiſſen will. 

Baptfecula, Cyanus, 

| Ba- 


Bar Sof 1 

Barattiren / tauſchen / Waaren gegen Waaren verftechen/Permuti- 

ren / einen Baratto treffen / einen Tauſch thun / vide Tauſchen. 

Barba Caprina, Ulmaria. | 

Barchent / wird mehrentheild aus Baunmvolle gemacht / doch fo 
daß der Zettel aus Leinen / der Eintrag aber aus Wolle beftehet/ und 
iſt Der Barchent unterſchiedlicher Arten / dick und dunn/grob und zart/ 
breit und ſchmal / nachdem man ihn zu etwas anzuwenden verlan⸗ 

Es würden auch die Barchent⸗Weber / den ſo genannten Zwillich / 
omeſin / auch allerley Beet te Bett-Zeuge/unter allen Barchenten 
aber iſt der Augfpurger — 

Bardana Major, groß Kletten / Grind-Wurhel / Bardana, 
ſ. Lappa Major, waͤchſt hin und wieder auff den Kirchhöfen 
und anden Zäunen / fie thut es in doppelter doſi, der Sarfaparilla 
an Kräfften nach/dienet zur Bruft/vertreibet&lieder Weh / und line 
dert das Podagra. Vor diefem hat diefe Wurtzel auch Perfonata 
geheiflen/weil mit ihren Blättern vornehme Perfonen ihr Antlik bes 
en warn ſie auf den Schauplas geftiegen/ und nicht erkannt feyn 
wolten. 

Bardana Minor, Fleine Kletten/ Spitz Kletten / Pardana [.1.ap- 
pa Minor, dienet vor Vie Kraͤtze / zertreibet auch die Geſchwulſt / das 
— auf den Krebs⸗Schaden gelegt / ſoll die Hitze deſſelben aus⸗ 
zichen 

Barme/ein gewiſſer Strom⸗Fiſch / welchen einige bor der Alten 
ihren Mullum halten wollen/die in fteinigten and veinen Bächen ge» 
fangen werden/ feynd die Beften. 

Barre de fer, frang. eine eiferne Stange. j 

Barſch / Perca, une Perche, eine Art Fiſch / dieſes Rahmens wird 
eingetheilet in Stod-Barfch / weil er ſich gerne unterden Stöden 

unter den Waffer aufzuhalten pflegt/ und in Kaul-Barfch fo perca 
— rotunda genennet wird / beyde Arten ſind zur genüge be⸗ 
andt. 

Bafılicum, Baſilien / ocymum medium, der beſte Saamen zu den 
fo genannten Baſilico gentili, kommt aus Italien / wann man zudiel 
an diefed Kraut riechet/foll es in Gehirn Scorpionen zeugen / melde 
auch durch Kunft können daraus zu wege gebracht werden. Es if | 
ein Haupt und Hertz ſtaͤrckendes Kraut / thutgut den traurigen und 

melancholiſchen Keuten/veiniget die Lunge/ treibet die Monat-Fluffe 
md Beburt/wann man diefes Kraut weil es noch frifch ift/zerftöfft/ 
ſjwiſchen zwey warme Ziegelfteine leget / und folche in Pferd-Mift ein 
Monat lang bergräbt/ fo werden Scorpionen daraus. 
Bahılicum, ein Egyptiſch Saͤlblein / aus Wachs / Pech und Karg. 
Bafilien a fyriacum, i 
3 a- 


7 


134 Baſi Baͤu 


Balıs,der Grund und Fundament eines jeden Dingeö/BasReliefs, 
vid. Bildhauerey. 

Daft von Bäuen/dienet zu bielerhand Manufadturen / aus den 
nn macht man Scif- und Brunnen-Geil/ und die fo genannten 

atten zum Waaren einpacken / welche bey gangen Schiffs-Ladun⸗ 
gen voll aus Lieffland und Mofcau kommen / in Indien hingegen/ 
tem, in Africa, fonderlic) in der Provintz Angola wiſſen ſie den Baſt 
fo vortreflich zu Verarbeiten / daß ſie gantze Kleider/Zapeten/ Tiſch⸗ 
Deden und dergleichen davon machen / die wie dad fchönfte Geiden 
Beug anzufehen. vid. die Mandelslohiſche Reiſebeſchr. /pag- 199 

Baſtard Sandel/Sandalum fpurium. ı 

Baſtard Weyrauch/Pfeudo olibanum. 

Baſtard Wein/ ſpurium vinum, iſt ein halber PeterSimenes / 
und hat faſt alle feine Eigenſchafften. Vinum Secco, oder Sect / iſt 
weiſſer / ſtaͤrcker und pigvanter als Peter Simenes. 

Bathengell / groß / Teucrium, dito klein Chamædrys, Serratula, 

Batrachites Lapis, vide Kroͤten⸗Stein. 

Bau⸗Holtz⸗Materia, macht vielmahls einen conſiderablen Hans 
del unter denen Kauffleuten / indem ſie entwe der an gantze Admiralitaͤ⸗ 
ten / das benoͤthigte Schif⸗Bauholtz an Maſten / Plancken / Krumholtz / 
Balcken / c. oder zu Cwil⸗Gebaͤuen / ſo viel Balcken und Bretter / an 
Eichen und Füren/ oder Tannen-Holtz / zu lieffern und zu fourniren 
haben / ein mehrers hiervon vide unter das Wort Holtz. 

Baͤume / Arbores, ſeynd unterfchiedliche fremde und einheintifche/ 
fruchtbahre und unfruchtbave / foftbare und feltne oder gemeine / Ei⸗ 
chen / Tannen / Bircken / Buͤchen / Erlen / ſamt allerhand Fruchtbaͤume 
und dergleichen / welche mehrentheils in den Holtz⸗ Handel und indie 
Wiſſenſchafften der Gaͤrtner hinein lauffen / dieſes Orts nur von et⸗ 
lichen ausländifchen ſonderbahren und theils Wunder-Bäumen zu⸗ 
gedencken. So findet ſich in America ein Saum Quauhtlalatzin ge⸗· 
nannt / deſſen Frucht wann ſie zeitig worden / dergeſtalt hart bon eine 
ander — als mann ein donnerndes Geſchuͤtz losging / in ͤbrigen 
iſt dieſe Frucht vor vielen Kranckheiten dienlich / jedoch muß zubor 
ein Feines Kraͤutlein welches daran ſitzet / darbon genommen werden/ 
ſonſten ed den Menſchen die ſchwere Noth verurſachet. Ein ande⸗ 
zer Baum in America giebt eine weiſſe Milch / welche von brennen⸗ 
der / und uͤberauß hitziger Eigenfchafft iſt / fo dap ſie ohne Schaden 
‚ nicht kan eingenommen werden / Aufferlich aber auff den Nabel ge⸗ 
ſchmieret / ſoll ſie zu vielen Gebrechen gutfeyn. In Frauckreich und 

talien ſoll es gewiſſe Ruß-⸗Baͤume geben / die biß um Johanni kahl 
ehen / hernachmahls aber in einer Racht / Laub und Fruͤchte tragen. 
n der Gegend der Stadt Macao in China wachſen eine Art Baäu⸗ 

me/ 


Bat 135 


me / weldhe man wegen der Härte ihres Holges die Eiferne nennet/ 
wie es dann auch an Farbe / Härte und Schwere/den Eifen in allen 
gleich koͤmmt / auch in Waſſer zuboden findet. In der Inſul Cey- 
ſon findet ſich ein Baum / welcher des Nachts einen hellen Glantz von 
ſich gibt / den man auch von weiten erkennen kan. Roc) ein anderer 
Baum in den Koͤnigreich Malacca, hat die Eigenſchafft / daß deſſen 
Holtz und Blaͤtter / die gegen fee ftehen /einftvenges Gift 
feyn/ die jenigen aber / fo (id) gegen Auffgang wenden / ein herrlich 
-Antidotum oder Gegengifit. Ein anderer Baum auff den Malaba- 
rifchen Küften/ift fo groß und dick / daß die Indianer bon den Stam̃ 
einen fo groſſen Nachen oderKahn machen Eonnen/ in welchen biß 30. 
Oxhoͤfft Wein liegen fünnen. In den Königreich China, waͤchſt 
eine Baum⸗Frucht Pecci genannt/einer Caſtanie nicht ungleich / deſ⸗ 
fen Kern einen annehmlichen weinfäuerfichen Geſchmack hat/und zu⸗ 
(eich von der Krafft iſt / daß wann man folden mit einen Stüdlein 
Kupfer in den Mund nimmt / das Kupffer alfobald davon zermale 
met/und ſo weich ald Breymwird/dannenhero dann auch diefe Frucht 
die Kupflerbrechende genennet wird. Kin anderer Baum trägt 
Früchte die fo weiß und fett wie Talg feyn/alfo dag man aud) Lid 
ter davon machen kan / welche nicht wie andere ſchmutzig feynd / oder 
einen übeln Geftand haben. Noch andere Baum- Früchte findet 
man die ein herrliches Mehl geben/aus welchen fich ſchoͤnes und wohl 
eſchmacktes Brod backen läft. Roch andere haben Blätter aus welchen 
hr feine Tücher gemachet werden. Im Gebiet deö groffen Mo- 
gols ift ein Baum deffen Wurgel giftig / die Frucht Hingegen das 
herrlichfte Antidotum oder Gegengifft iſt. Das Föftlihe Baum 
Holz welches die Indianer Calamba, die Portugiefen aber d’ aqvi- 
la nennen / wird feines herrlichen Aromatifchen Geruchs wegen) fehr 
theuer und zwar bey Pfunden verkauft. Der bekandte Palm⸗ oder. 
Gocos-Baum/ hat eine Rinde weldhe die Indianer anftatt des Pas 
pierdbrauchen. In der Inſul Ferro, ftehet ein Baum / auff welchen 
alle Morgen der Thau des Himmels / (ich fo häufig nieder laͤſſet / 
dag die Einwohner den gantzen Tag uber genug Waſſer davon haben. 
Bon dem höchftnüslichen Baum Maguey , haben wir bereits unter 
feiner eigenen Benennung / wie ingleichen auch bon den Cocos und 
Palmenbäumen gehandelt. 
Baum⸗Bohnen / Anagyris. 
Baum Epheu / Hedera arberea, 
Baumfalck / Dendro Falcus, 
Baum Farren / Polypodium, Filix quercina. 
Baum $lechten/Pulmonaria arboreſcens, Lychen arborenm. 
Baumfolder⸗Ruͤben / Napus, Bunias, 
J4 Kr 


136 Bau 


Baumigter Wiefen:Zlee/Trifolium fruticans, 

Baum⸗Moos / Muſcus arborum usnea, 

Baum⸗Oel / wird von Oliven gepreſt / koͤmmt aus Portugal / 
Spauien / Franckreich und Italien / und faſt aus allen warmenLaͤndern / 
in Faͤſſern oder Schläuchen von Bockfellen / wird nach eines jeden 
Orts Gewonheit auf; unterfchiedlihe Manier verkauft / wie ſolches 
mit mehrern unter den Wort Oleum oder Ol zu erfehen. Galftrig 
Baumol wieder zu vecht zubringen/ ſo miſcht man darunter Glas» 
Alaun/oder aber fied-heif Maffer / wann man es an Die Sonne oder 
Feuer fept/fo thuts deögleihen. Wer OL brennen will inder Lam⸗ 
pe/und doc des Rauchs will überhoben feyn/ der nete den Döcht in 
Weineſſig / oder man thue deftillirten Zwibel-Gafft in die Lampe / 
und 203 [oben darauf / fo wird es feinen Kup ſehen. Wohlrie= 
hend DL zu machen / fo ninnm.Elein gefchnitten Ambra 1, Qventin/ 
Storax calamita 4. Loth/Rofen Ol ein —* Loth / etwas Zimmet und 
Nägelein/ miſche es in einem Glafe unter einander bergrab eö her⸗ 
nach wohl zugemadht in einen haufen Roß⸗Miſt s. Tage lang/ nimm 
e ee heraus und koch es 2. Stunden lang/und ſeihe es hernach 

ur 


Baumigter Nacht · Schatt / Solanum fruticofum 

Baumwolle / Bombax, wächſt haͤuffig auf Madagafcar in Sici⸗ 
llen / Malta / Eypern und um Siuyrna herum / die beſte fommt von 
Malta. Es giebt aber dieſer Zeit vielerley Sorten Wolle / nemlich 
Cypriſche / die it ſchoͤn weiß/zart/vein und lang/wird da herum mei⸗ 
ſten gekaufft / darnach die Corofanifche/die ift feiner/länger und zar« 
ter/aber Enollicht. Nach diefer kommi die Barbariſche / die ift zopficht/ 
gelb und unrein/alsdann die Smyrniſche / die ift die Geringfte un- 
‚ter den andern / und giebt öffterd darunter auch fehr feine/ / wiewohl 
fie bisweilen voller Unveinigkett und Körner ſtecket. Bor diefen Hat 
man fie nicht ſo haͤuffig zu holen gehabt / ſie waͤchſt auffniedrigen 
Baumlein, haben viel Zweiglein / und dundel gelbe Blumen oder 
Bluͤthe / welche inwendig Purpyr-Farb/und die Frucht ſiehet ald eine 
haarichte Ruß / darinnen lieget der Saame mit zarter Wollen um« 
wickelt / waͤchſt nicht gerne auff fetten Boden / will ftettig Dürr Wet⸗ 
ter haben/wird in drey biß vier Monat zeitig/alldar mäften fie dag 
Vieh von den Kern/um Lichtmeß gehen die Schiffe von Venedig in 
Soria das erſte mahl nach der Wollen / das andere mahl im Julio 
nach der Barbarey / im April nacher aqva mortua, in Martio geheg 
die Pilgram Schiffe / im Auguſto die Galeen nach Alexandria. Man 
bat auch in Italien angefangen Baummollen zu pflantzen / nemlich zu 
Cornetro und derer Orten. Wie die Indianer die Baumwolle 
fpinnen/ befchreibet Happel. in feinen Relat, Cur, part, 2. Pag0, IB 

‚fe 


Bau Dec 137 


felbft er auchmeldet/ das allein in der Stadt Aanghai über zwey 

mahl hundert tauſend Weber wohnen / die nichts anders thunals 

Baummollen Tücher machen. Der Verkauf gefchiehet in Bamco- 

Geld und nach Pfundverhandelt / mit :s. Monat Difconto, Die Tara 

ie 4. — Cent, in doppelten Saͤcken iſt der decourt ebener maſſen 
ppe | 

Baur Ertz / wird in den Bergwercken ein kenntlich und gediegen 
Ertz genennet. 

Bauren Senff / Thlaspi oder Semen Thlaſpios, iſt ein kleiner 
laͤnglich runder / ſchwartzbrauner Saame / welcher im Munde gehal⸗ 
ten und gekaͤuet / nebſt einiger Schleimigkeit / einen ſcharffen Ge⸗ 
ſchmack gleich den Kreſſen⸗Saamen hinterlaͤſt / iſt anfangs etwas roͤth⸗ 
lich anzuſehen / welches bey deſſen Einkauffung in acht zunehmen / und 
fonderlic nach dem friſchen / roͤthlichen / ſcharffen und faubergereinig- 
ten zu trachten / wiewohl ſelbiger nicht allezeit bey denen gemeinen 
Saamen⸗Kraͤmern zu holen iſt / als welche offt eine Art Kreſſen oder 
andern Saamen dabor ausgeben / oder zum wenigſten alte verlegene 
Waͤare verkauffen; weswegen auch alle andere Saamen vielmehr 
bey redlichen Leuten / als bey dergleichen Landſtreichern ji ſuchen 
ſeynd. Es wird dieſer Saame auch unter den Theriae gebrauchet / 
auch wegen feines ſubtilen and flüchtigen Saltzes / gegen die rothe 
Ruhr und Waſſerſucht / item, daß er den Stein zermaline und den Lie 
tin treibe/ gerühmet. Das Kraut wovon der Bauren Genff ge⸗ 
ſammlet wird / nennet man Befem Kraut / lateiniſch Thlafpi, mit wel⸗ 
herr Rahmen faſt alle Kraͤuter / die ihren Saamen in Taͤſchlein tra» 
gen / benennet werden. | 

Bauren Apft / Apium ruflicum vel paluſtre. 

Bdellium, helehon, Malathram, Maldacon, Madelcon,hatfeinen 
teutſchen Rahmen. Galenus lobt den Scythicum. Plinius den Bactria⸗ 
num, Diofcorides den Saracenicum, welcher aus Sarraca, einer Stadt 
des glückfeligen Arabiens koͤmmt / das meifte diefed Gummi wächft 
in Aſien und wird bon einen dornidhten Baum fo Malashia heift 
— riechet wie Myrrha, aber gar ſchlecht / iſt bitter von Ge⸗ 

hmack / zum Theil durchſichtig / wann er friſch / muß erfett ſeyn / und 
ſich gern brennen laſſen / dieſes Gummi wird offt mit Wachs vermen⸗ 
get / iſt aber leicht zu erkennen. Das jenige ſo bitter ſchmecket und 
wann es zerbrochen wird / recht oͤlicht iſt / auch leicht als Wachs zer⸗ 
gehet/und ohne Unflath iſt / das iſt das Beſte. 

Beccabunga, Anagallis aqvatica, laver Berula, Bah-Mafler- 

.- 


Beehica, feynd Artzneyen / welche den Huſten vertreiben / oder 
auch Herurfachen / jene feynd rad. ircor. malv. polypod, glycyrrhiz. 
3, Elixir 


138 Dec Bed 


Elixir pedtorale, Eff, Afthmathi ; Spir: Xci. anifat. Vinum anifar, 
Becker / hiſtores, fr. Boulangers, müffen billig als folche Leute die 
viel Korn einkauffen/ in unfer Magazin introduciret werden / fon» 
derlich warn unfer Kauffmann / zugleich einen Proviant Commif- 
ſarium abgeben/ oder aneinen ſolchem Ort wohnen folten / da eine 
fonderbare Art von Brod gebacken würde/ welche wie die Lübecker 
Bifeuit, oder Zweyback bey) ganken Tonnen boll weg gefandt/ oder 
auch zur Schiffs⸗Proviſion eingefauffet wird. Unter dem Wort Brod 
ift allbereit dieſer Materia halber einige Meldung geſchehen / allhier 
foll nur ratione der Becker / noch gefaget werden/dap ſie ihrem Ver⸗ 
kauf / oder vielmehr die Gröffe und Gewicht des Brods / nach den 
tbeuren und wohlfeilen Einkauff des Korns zurichten haben/und de 
ihnen beytheuren Korn⸗Kauf / das Brod nur fo undfo viel Pfund 
oder Loth fchwer /zu baden ift — worden / daß ſie hingegen 
bey wohlfeilen Zeiten / nicht auch bey ſolchen Gewicht (wie leider 
aus Mangel guter Policey an vielen Orten geſchicht) verbleiben / 
ſondern der Armuth / und gemeinen Buͤrgers Mann / auch die gu⸗ 
ten Jahren / und den verliehenen Segen GOttes müſſen genieſſen 
laſſen / und dad Brod nad) Proportion des Korns / (mie ſolches in 
einigen beſondern Tabellen, und zwar in einen gewiſſen Tractat 
von Brod baden gar deutlich vorgeſtellet und ausgerechnet zu erſe⸗ 
hen / ) auch vergroͤſſern muͤſſen / fo ſie anders nicht in die löblichen 
Policey- Ordnungen gefegte Straffen verfallen / und ihres Brods 
oder wohlgar des Becker⸗Amts verluftig / oder wann fte unter ei» 
ner feharffen — wohneten / einer harten Leibes⸗ / ja gar Les 
bens⸗Straffe gemärtig ſeyn wolten. Wie dann nad) einer in obange⸗ 
zogenen Tractat angeführten Relation, die Becker zu Siracufa fol» 
aender Beftalt geftraffet werden/ / daß man nemlich / ihren Hals zwi⸗ 
chen zwey Bretter/ wie in einen Stod einzwinget / darauff dad un» 
gemichtige von ihnen gebackene Brod /bey ihren Kopf auf das Brett 
leget / und sie hernach in ſolcher pofitur durch einen Stadt⸗Knecht in 
der Stadt herum führen / und vor ihnen ausklingen läft / dieſes 
wäre der jenige/der das Brod zu klein gebaden. Zur bürgerlichen 
und haushalterifchen Rachricht ſey nur dieſes noch gemeldet / daß 
durch vielfältigeö Probe backen befunden worden/ daß s. Pfund gu⸗ 
teu Rocden Mehls / mit der Augumentation des Waſſers / Galpes 
und eined Stuͤckes Gauerteigs/ 7. Pfund gut Brod/ und alfo so. 
Pfund Mehls 126. Pfund / oder nad) Abgang z. oder 3: Pfund Kleyen 
123. Pfund Brod geben koͤnnen / allein vor diefer Materia ein mehres 
in unfern Funfftig zu erwartenden vollfommenen Policey⸗Rath. 
Bedarungi, Ocymum. 
bedeguar, Cynosbatos. 
— Been⸗ 


Dee Bei 139 


Been⸗Wurtz / diemweifle Wald-Lychnis, und Polemonium die 
rothe aber Wald Mann-Gold / Limonium genannt / kommen aus 
Franckreich / und auch aus Alıa, waren dor diefen fehr ſtarck / nunmehro 
aber nur wenig in Gebrauch/ man pflegte felbige fehr unter die Artze⸗ 
neyen zu nehmen / nun aber werden an deren fatt andere erweh⸗ 
let / und gebraucht / welches aber in der Handlung nicht alfo ange- 
bet / ſie muffen nicht geftoffen / fondern fchon weiß / die andere ave® 
roth / und lang / und knockigt feyn / und weil ſie fo holtzigt erfcheinen/ / 
iſt die Muthmaſſung / daß ſie vielleicht zur Unzeit gegraben worden / 
ſonſten wollen ſie feuchte und mooſichte Erden haben / die weiſſe 
Been⸗Wurtzel kommt an der Groͤſſe der Bertram-Wurkel ſehr nah / 
iſt auswendig graulicht / und inwendig etwas weiſſer / hat anfaͤnglich 
faſt gar keinen Geſchmack / zuletzt aber / laͤſt ſie eine zimmliche Bit- 
terkeit zuruͤck. Die rothe Been-Wurtzel wird in runden Schei« 
ben wie die Jalappa zu uns gebracht / iſt auswendig braun / und inn⸗ 
wendig rothlicht / faſt wie Rettich anzuſehen / wann ſie erſtlich aus der 
Erden kommt / die beſte iſt hoch an der Farb / wohl getrocknet / und 
— den adſtringirenden Geſchmack auch etwas Aromatiſches 
an ſich. 

Beer / Urfusein wildes Thier dieſes Nahmens / vide Bär, 

Beer⸗Lapen oder. Truttenfuß⸗Saamen / Semen Mufci Terre- 
ſtris, wächftaneinen mooſigten langen Kraut / welches offt in ei⸗ 
ner Lange 6. und mehr Ellen hat / man findet ſolches wachſen auf 
Hügeln / Berg und Felſen / und giebt es manchem Ort fehr viel / 
aber des Saamens Fan man wenig haben / welcher fo Hein als Fein 
Staub ift / hat eine gelbe Farb / und plagt wann er in ein brennendes 
Licht gefprengt wird / wann der Saamen zeitig ift / welches im 
Brad: Monarch aefchiehet / ſo bekommt das Kraut Zäpfflein wie die 
SHafel-Stauden/ dis fchneidet man famt den Kraut ab / und legts in 

roſſe Schüffeln / Kefleln und Becken / machts dürc und Flopfiets 
eraus / diefer Saame Fan an vielen Krauckheiten gar wohl genu= 
get werden / zu Frandfurt am Mayn braucht man ſolchen in die 
Pillen zu ſtreuen / damit jte ich nicht anhengen. 

Beern⸗Klau / Zaben/Branca Urfina. 

Beidel-Oflar , diefe Frucht wächfet aufeiner Pflange in Egypten/ 
an dem Fluß Nilo in fnmpffigten Ortern. Es foll diefer Pflantzen 
zweyerley Art geben / eine welche vundlichte oder Nieren⸗foͤrmige 
Fruchte hat / die etwas gröffer als Tauben-Eyer feynd /und deren in⸗ 
wendiges in einer weiſſen Wolle und Heinen breiten Saamen beftehet/ 
welcher Lactucken⸗Saamen gleich kommt / die andere deren Fruchte 
einen gelblichten Rinfen-fürmlihen Saamen haben. Aus beyder Wol⸗ 
Je werden Madrasen gemacht / darauf die Egypter — * 

antze 


140 Bei Ben 
Pflantz iſt voller Milch die man ausdrucket undgebrauchet/ um denen 
adgezogenen Thier-Fellen die Haare auszubeigen. In der Medicin 
hat dieſes Gewaͤchs auch feinen Nugen/ dann die Blätter geben Pfla⸗ 
fer vor Falte Geſchwuͤlſte / und mit der Milch werden die Flechten auf 
der Haut vertrieben, 
Bexfuß / v. Artemifia. 
Bein / und beinerne Manufacturen / vide das Wort Anochen/ item 
Horn und Heiffenbein. 
Bein⸗Bruch⸗ Steinlein / vide Ofeo Cola, 
Bein⸗Holtʒ/ v. Liguſtrum, Alba Liguflra. 
Bein-Wolle /Symphytum, Verbaſeum. | 
Beiß-Rohl/ Beef-Kohl/ Beta, Bleta, Cicla, Betamajor vis 
ridis cofta alba latifolia, groffe Feine rothe und weiſſe Beete oder 
Beiſſe / man hat auch ein Befchlecht fo Bette⸗Carden / frantzoͤſiſch Ber- 
ee-Carde genennet wird / nicht darum / als wenn es ein Geſchlecht der 
Diſteln wäre / ſondern qyaſi Beta Picarda, Picardiſche Beete / weil 
die beſte in Picardie wächfet/ in der Küche gebraucht mans zu Kraͤuter⸗ 
Suppen / die ausgefchnittene Rippen werden entweder gekocht / und 
mit Fleiſch⸗Bruͤh zugericht/oder auch mitZucker eingemacht / und eben 
wie die Cardon⸗Stengel tradtiret. 
Beleinnites, von einigen Tüden- item Luchſen⸗Stein genannt/ iſt 
einesFingers lang/an der Geftalt und dicke wie dad End eines Pfeils/ 
auswendig meiftentheild einer braunen und dundeln Farb/ inwen⸗ 
dig hohl/ bisweilen aud) voller mardigten Subftang / oder auch boll 
Sands / er wird hin und wieder in Teutſchland gefunden/auch auf den 
Berg Ida, davon er den Rahmen Dadtylus Ideus hat / feine Tugend ift 
daß er zu Pulver geftoffen/ und eingenommen/ für ſchweren Traͤumen / 
und Zauberey bewahrt / in den Apothecken wird er gemeiniglich La- 
pis Lyncurius genannt / ſonderlich / wann er durchſichtig und gelb⸗ 
licht wie Bernſtein iſt. Um Hildesheim werden weißlicht / grau / 
und gleichſam mit Meßing überzogene angetroffen / bey Altorff in 
Rüuͤrnberger Gebiet findet man ſchwartze / ſolche werden von den gemei⸗ 
nen Leuten Donner-Keile genannt. 
Bellis major & minor, Sylveſtris & hortenfis, Primula Veris, flei⸗ 
ne Maß⸗Lieben / Gaͤnſe⸗Bluͤmlein / Zeitloſen pratenſis minor, md 
hin und wieder auf den Wieſen / iſt ein gut Leber / Miltz / Bruſt / Wund / 
und Gicht⸗Kraut / der Salat von dieſen Kraut tauget denen / die et= 
wann in der His oder nach groffer Bewegung einen Falten jaͤhen Trunck 
‚gethan / da dann gegen die davon zu beforgende Zufälle dieſes Kraut 
ein herrliches Experiment iſt. 
Benedicten⸗Roſen / Benjamins · Roſen Poxonia, 
Bene- 


——— —— 


Ben Ber 141 


Benedieren Sonne } Caryophyllata. 

Beneficium Juris, eine Wollthat des Rechtens / deren haben die 
Kauff-Leut fehr viel fonderlich die Die Meffen befuchen / item daß ih⸗ 
ren Handels⸗Buͤchern / ein groffer Beweiß zugeftanden wird/ etc. 

Bengalifdyz Leinwand) wird zum Theil aus einen Kraut gemacht / 
welches ſich gleich andern Garn fpinnen läft/ die Bengaler wiſſen 
bortrefflide Manufadturen daraus zu machen / welche in Indien 
ſelbſt inhohen Preiß gehalten werden / in der Gottorffiſchen Kunft: 
Kammer jiehet man ein Städ don diefer Pflantze / welches ein Qpaſt 
ungefehr einer Spannen hoch beſtehend aus lauter dünuen Strahlen 
kaum eines Meffer-Rücens breit / unten an Stengel herum hat es 7. 
oder s. Blätterwie Schilff anzufehen. | 

Benzoin, Benivi, Benivinum, Belzoinum, Afa duleis, wohriechen⸗ 
der Aland / iftein gelb Kelina, riechet lieblich / flieſſet Leicht und laͤſt 
(ich gern brechen / tropffet aus gewiſſen fehr groffen Bäumen / warn 
man in deren Rinden hauet / man bringt dieſes Gummi zweyer⸗ 
fey Arten zu und / das eine welches ſchoͤn weiß und gelb / das an⸗ 
dere / welches dicker / ſchwaͤrtzlicht und hart ift / und allerhand Re- 
erementahat / wann der Benzoinfchon hell / voller weiffer Flecken 
ift / bald den Weyrauch gleichet / angenehm viechet / und ihn nichts 
frembesbeygemifchet ift/ fo ift ev gut / der befte waͤchſt in Malacca, der 
geringere inSumatraund Java, er ſolviret ſich in einen guten re&tifi- 
eirten Spiritu Vini, item in Ohl und Eyerweiß / wo mans nur-in die 
feuchte Lufft ſtellt. 

Berberis Saurach / Reiſſel⸗Beeren / BerberisSpina Acida, oxya- 
canthus Galeni, wird in den Gärten gezogen / dieſe Frucht ſtaͤrcket 
den Magen und Leber / ift gut wider das Blutauswerffen / und vo= 
the Ruhr / die mittlere Rinde des Holtzes / fo Bugia heiſſet / braucht 
man zur Mund-Fäule / warn ſie eingemacht wird / fo kuͤhlet fie in 
hihigen Fiebern/ eben wie ihr Tartarus oder Effentialifcheg Salb/ 

wird in Suppen / Tränden und Juleppen gegeben. Die davon be⸗ 
veitete Stücke feynd / erſtlich die eingemachte Früchte an ſich ſelbſt / 
bon welchen die Steinlein fein fauber ausgenommen / und als ande» 
re Früchte condiret werden/ (⸗) der flieſſende Gafft / der aus den 
frifhen Beeren gedrudet wird / (3.)der Syrup/ (a.) dieZältlein 
aus den Safft und Zucker / (s.) die Trochifei, welche in das Elect. Rof, 
Meſuæ fonımen/ und (6.) der Rob bon den Keiffel-Beeren. 

Berchtolds Badener-Waaren/ komen aus einen Städgenfo in den 
Galgbürger Land gelegen/ und beftehen in allerley Holtz⸗Waaren / als 
Schachteln und Poppenzeug. . 

Berg/ heiffet bey den Berg⸗Leuten / basienige — 

oder 


142 ! Der 


oder felbft abgefallene Geftein / was nicht Ertz oder Stein hält/ 
item bey dem Unterhargifchen klein und groͤblich Ertz 

Berg · Art allerley farbigt Geſtein und Art / ſo etwann Anzeigung 
zu Ertz giebet / und bey) oder mit den Ertz bricht / als Blende / Spath⸗ 
— Hornſtein / Eiſenſchuß / Bley⸗ſchweiff / Glimmer und 
dergleichen. 

— ——— Peterlein / v. Petrofel montan. 

Berg-SinchelFaeniculum erraticum, Berg⸗Durchwachs / Perfo- 
liatamontana. 

Berg⸗Blau / Caeruleum Montanum wird aus den Lapide Arme- 
nio oder Lafur-GStein in a. Sorten / immer eine feiner als die andere 

emacht / die befte fo am erften abgenommen wird/muß hoch an der 
Karbyfein und vecht truden ſeyn / mit den übrigen wird das Berg⸗Gruͤn 
oft — welcher Betrug aber / durch das bloſſe Gefuͤhl bald zu 
entdecken iſt. 

Berg⸗Gruͤn / Viride Momanum, ſo auch Stein oder Schiffer⸗ 
Grün genennet wird / item Chryfocolla iſt eine natürliche fteinigte 
Erde / welche in den Ungariſchen Gebuͤrgen befunden wird / fie ift 
dreyerley Sorten / fein/ mittel und gemein / das beſte muß trocken / 
ſchoͤn gruͤn und koͤrnigt feyn/dadurch man das natürliche/don dem aus 
Gruͤnſpan und Bleyweiß nachkünſtelten / unterfcheiden Fan. 

Berg-Rorh/Arfenicumrubrum, Cinober, Cinabaris nativa, 

Berg-Säffte feynd zwoͤlfferley Arten/ ald Afphaltum, Jüdiſch 
Pech / oder Juden⸗Leim / Pillasphaltum, GteinO| oder Naphta, ga- 
galos oder Agat⸗Stein /Azabache,Ampelites,Maltha,Piedra,Thracia, 
Stein⸗Kohlen / Boͤrn⸗Stein / wohlriechender Ambra, Campher , alle 
dieſe Berg⸗Saͤffte oder Hartz / ſeynd das oͤloder Fettigkeit der Erden / 
dann ob ſchon etzliche der Meynungſeynd / daß der Canıpher dagGum- 
mi oder die Thraͤnen eines gewiſſen Baums / der Ambra ein Excre- 
ment des Wallfiſches ſey / weil zwiſchen dem Ambra und Sperma Ceti 
ein groſſe Gleichheit iſt / fo hindert doch dieſes Feines wegs / daß ſolche 
Subftangen oder Weſen / nicht ſolten einen Schweiß gleich ſeyn / der 
gleichfam von der Erde herfür kommt / und diefe Säfte fo Berg- Harp 
genennet werden/ machet. 

Br Bene ift eine Berg⸗Art wie Katzen⸗Silber / gläntet fein/ 
und ift fett wie Geiffe. 

Bergwercke / geben an Metallen und Mineralien denen Kauffleu⸗ 
ten zu ihren Handel und Wandel / denen Handwercksleuten aber zu 
ihren Manufadturen viel nüpliche Marerialia, ald Gold / Silber / 
Kupffer / Zinn / Eiſen / Bley / Queckſilber / Wißmuth / Cobalt / Victriol / 
Schweffel/Marcafir, Antimonium,&c. Die berühmteften und reich⸗ 
fien Bergwerde ſeynd / die Peruvianifcen in America / ſintemahl das 

gan⸗ 


Her 143 


gange Peru Holler Silber Bergwerck ift/alfo dag ſich die Einwohner 
dDafelbft/fonderlich die Spanier berühmen dürfften/ der Boden wor: 
auf ſie giengen waͤre gantz von Bold und Silber. Ein gewiſſer Spani⸗ 
fcher Scribent Girava meldet/ daß unmeit der Stadt Qvito,Gold» 
Gruben wären/ welche mehr Gold ald Erde in ſich hielten / welches 
einiger Maffen daher abzunehmen/weil bey der Spanier Ankunfft in 
America / fie der Indianer ihre Haufer mit guldenen Blechen bede⸗ 
det gefunden/fo war auch viel von ihrem Haus⸗Gerath pures Gold / 
fonderlich aber der vornehmſten Peruvianer ihre Maffen/ welche von 
Gold und Silber gemacht waren / die vornehmſte unter allen Peru- 
vianifchen Gold⸗Gruben ift indem Berg Potoli, in welcher 20000. 
Menfchen täglich arbeiten / und wohl 400. Klaffter unter die Erde 
fahren müffen / welches dann die graufame Menge Bold und Sil⸗ 
Ders zu Wege bringt/fo der Königin Spanten Jaͤhrlich aus Ameri⸗ 
ca bekoͤmmt. Nechſt obigen Americanifchen Bergwerden/hat auch 
Japan trefflih Silber aber wenig Gold⸗Gruben / Arabien hat hinge: 
gen deren defto mehr / wiewohl heutiged Tages nicht fo reich ausge- 
end / als vor dieſem. In denen Perfifchen Gebirgen/ wieauc in 
China findet man ebenfalls Gold und Silber Bergwerck / voraus 
aber inGvinca, und zwarnicht weit vom Gee-Gtrande/dahero auch 
die Holländer denfelben die Gold⸗Kuͤſte nennen/und mit dieſer Föftlio 
chen Waare / gegen allerhand Europaͤiſche Manufadturen / welche 
fie an die Schwartzen gegen gegraben und auch in Sand auffgelefe: 
ned Gold vertauſchen / einen nuplichen Handel treffen. “in Monomo- 
tapa und Angola foll ed auch trefflich Gold und Silber Bergwerck 
geben/ fo aber weil diefe Länder in der Barbaren Händen/ und tieff 
in das higige und wuͤſte Africam hinein fich ziehen / nicht fonderlich 
befandt feyn. Unfere Europäifche Bergwercke betreffend / fo ſeynd 
wohl unter ſolchen die — an Gold und Gilber / die Unga- 
riſchen / Saͤchſiſchen / Hartziſchen / Schwediſchen und Norwegifchen/ 
als von welchen allen Jahr aus Fahr ein’ guter Vorrath an Bold 
und Silber gezogen/ und zu der hoben Landes-Dbrigfeit/ und der 
Intereflenten Nutzen verwand wird. Des wine ae erften 
zugedencken / fo brechen bey Schemnig veihe Silber / Glas⸗Horn⸗ 
und weis güldene Erte/ingleichen auch Glantz und Bley/ nebenft ei- 
nigen Kupffer⸗Ertzen / Kieß und Marcafiten. Zu Cremnitz brechen 
viel Kupffer/ item, Gold und Silber/aud) Antimonii, Ertz / Schweffel 
und Victriol-Kiefe. Alt-und Neufohl hat ſchoͤne Kupffer Berg: 
werd/wie auch Bold» und Silber⸗Ertz / imgleichen Bley / Glantz und 
Kieß / es findet fich auch dafelbft ein Cement-Maffer / fo das Eiſen 
zu KRupffer machet. Um Eafchau und Eperies / wie aud) um Mongatz 
ſeynd por Alters bielerley Sorten yon gewachſenen Gilber gefunden 
wor⸗ 


144 Ber 


worden / finden jich auch noch felbiger — reiche Bergwercke / wer⸗ 
den aber nicht gebauet. In den Churfurſtenthum Sachſen ſeynd 
dor Alters die beruͤhmteſten Silber Bergwercke von gantz Teutſch⸗ 
{and geweſen / heutiges Tages aber mehrentheils in Abgang kommen / 
doch brechen noch jest ziemlich veicheMineralia zu Gt. Johann Geor⸗ 
gen Stadt/ imgleichen zu Pockau / Neuſtadt / Schneeberg / Zwickau / 
Sqhwarhenberg / Elierlein / Geyer / Ehrn⸗Fridrichsdorff /Drehbach / 
Freyberg / Marienberg / Annaberg / Beerenſtein und Weiſſenthal. In 
den Herzogthum Braunſchweig und Lüneburg/ ald auf den berähnie 
ten Hark Wald/ findet man an bielen Orten schöne Berg-und Hüte 
ten- Merck als erftlich zu Mangelholtz auf Roͤffland und zwifchen _ 
Elhingeroda und Werningeroda / mwofelbft viel Eifen Stein gebro= 
ehen/ und eiferne Defen davon gemacht werden /bon Jifenburg aus 
auf der Hoͤhne / ſo ein felſiges Gebürge iſt / brechen ſehr vielerley 
Gattungen wilde Mineralien, als ſchwartzer Taldy/ Gänsdred/und 
Fiſch⸗ Schuppen ; gleiche Arten finden jich auch um den fo genannten 
Slocks⸗Berg / in Schuppen-Ihal/ gegen Ellrich zu. Zu S. Andreas: 
Berg hat es ſchoͤne Silber⸗ und Bley⸗Bergwercke / woven vor einiger 
it die Catharina und Reufangs⸗Zeche fehr Aoriret hat / indem man 
dafeldft voth guldifch Ertz gebrochen / wovon der Eentner so. bis 100. 
Mare Silber gehalten. Auffer diefen feynd auch zu Zellerfeld / Claus⸗ 
Thal / Schulenberg / auf den Hahnen⸗Klee / und der Bocks-⸗Wieſe / 
ffatliche Bergwercke an Kupffer / Bley und Silber / in den fo genann- 
ten Communion - oder gemeinſchafftlichen Bergwercke / der Rum⸗ 
meld-Berg bey Goßlar genannt / werden in groffer Menge Bley: und 
Silber⸗Erhe / wie auch Kupfer / Vitriol und Schweftel-Kieffe ger 
drochen; Diefed Werd hat nun ſchon viel Jahr her horiret / und iſt 
jederzeit mit groſſem ai gebauet worden / alſo daß davon 2. Hüte 
ten / alö die Ocker⸗ und Kangfamer » Hütte / (allwo ein guter Ubere 
fhuß von Silber / Bley und Schweffel / wie auch Vitriol / gemacht 
wird/) haben koͤnnen gefordert werden. In den Königreih Schwer 
den brechen an unterfchiedlichen Orten veiche Kupffer- und Silber: Er« 
be / fonderlich zu Gaalberg/ wo die veichen Gilber - Gruben und 
Schwmeltz⸗ Hutten feynd. Ber) dem Melen-Gee finden (ich unter⸗ 
ſchie dliche Eiſen⸗Kupffer⸗ und Meßings⸗Brüche. Ju den Daler⸗ 
Sebuͤrg bricht ſehr viel reiches Kupffer⸗Ertz / woraus Das beſte Kupf⸗ 
fer gemacht wird / daſelbſt wird auch das Eiſen⸗Ertz in groſſer Menge / 
wie auch allerhand Sorten von Kieß gebrochen. In Norwegen 
bricht um Chriftiania und der Gegend herum reich Silber / wie auch ei⸗ 
niges Gold-⸗Ertz / wovon dad Silber⸗-Ertz viel gediegenes oder ges 
wachſen Silber mit ſich fuhret. Die übrige in Europa / und zwar 
erftlich in unfern Teutſchland beruůͤhmte Bergwercke feyud in Tyrol / zu 

| Holl / 


Ber 145 
ge EEG Er BIER UFER EHRE EEE TREE TEE za — 
Hall / Schwatz und Rattenberg / in Bayerland beym Klofter Wald» 
Sachſen / im Marggraffthum Bareyth / zu Gold⸗Eronech / in Voigt⸗ 
land / um Schlaitz / im Hertzogthum Bergen / um Dencklingen / und 
am Siege⸗Strom / in der Graffſchafft Wittgenſtein / unweit Fedin⸗ 
gen / auf den Weſter⸗Wald bey Daden / im Heßiſchen Territorio, 
bey —— und um Schmallalden / in den Darmſtaͤdiſchen 
bey dem Dorff Rodt / im Mäynsifchen aufden Speffard / im Wuͤr⸗ 
tenbergifchen um Kniebiß und Freuden⸗Stadt / inder Schweitz / in 
unterfhiedlichen Cantons / fonderlih im Walliferland / im Hertzog⸗ 
thum Zeig bey Weyda und Neuftad an der Orla / in Thüringen an 
. garbielen Orten / in Schleilen / Böhmen / Mähren / und im Anhäls 
tiſchen imgleichen / fo hat auch Groß - Britannien / ſonderlich aber 
Spanien treffliche Bergwercke / die aber / weilte in America genug 
Gold und Silber haben / nicht gebauet werden. Auf der Inſu Cey- 
lon, item im Königreid) Congo, Peru, und Gvinea findet man bief 
Schmaragden / in dem Königreich Golconda aber Diamanten-Mi- 
nen / die Inſul Madegafcar hat viel Eifen und Zinn / Gilber wenig/ 
Gold noch weniger / an Bley aber garnichts / daher «8 dann kommt/ 
daß biefelbe Einmohner einen bleyernköffel höher als einen filbern ztti- 
miren. In der Inſul Sumatra fol fo ein reiches Gold⸗Bergwerck 
ſeyn / daß man auch einmahl in einem Jahr 10000. Pfund Goldes 
daraus gezogen ; durchgehends aber findet man dafelbft fechferiey 
Gortenvon Mineralien / welche unter denen Buchſtaben A. B.C, Di 
E. F.nach Holland gebracht werden / und haͤlt von folchen daserfte 6. 
auch7. Marck Silber / jedes Marck Silber aber im Scheiden ſo viel 
God als das Silber werthift/ das andere hält + Marck / das dritte 
:. vud ein halb Marck / das ste ı.undein halb Marck / das.sterz.Roch/ 
und das fechfte 6. auch 4 Loth / und allemahl fo viel Bold ald das Sil⸗ 
der werth iſt. In Neu Auterica aufder Inſul Penfylvania gegen der 
Mittags Seite nad) Virginien zu / an den Schiff⸗reichen Delavar- 
Fluß / ſeynd Felſen / welche sank weiß wie feiner Sand⸗ Stein anzu⸗ 
ſehen felbiges Geſteine aber ift gang derb ein efprenget mit einen 
neißegelben Kieß / mann mans aber nur gang gelinde voftet / fo ſchlaͤ⸗ 
get das Hold gediegen aus / alfo daß in der Prob in einen Eentner so, 
Murd Gold — werden; Imgleichen finden (ich auch daſelbſt 
Kuyffer⸗Ertz / fo gantz dundel-braun fehen / wovon aber Eentner in 
der Prod:. Centner Kupfler halten. Aber wieder auf unfereteutfche 
Bergwercke zu kommen / fo wird in denen Saͤchſiſchen Bergwerden 
eine jede Fund⸗Grube / die auch Zeche genannt wird / in 4. Schichten/ 
undeinejede Schicht in 32. Kure abgetheilet/ daß alfo eine gantze 
Fund⸗Grube 128, Kure oder Theile hat/ es feyndaber folche Kure keis- 
ne wefentlihe fondern nur eingebildete Be von ſolchen 128, Ku⸗ 
xen 


146 | Ber 


xen iſt einer der Erb⸗Kuxe / davon derjenige / auf deſſen Grund und 
Boden folche Fund-Grube lieget / die Ausbeute zu genieflen hat / je⸗ 
doc) ohne einigen Unkoften / die übrigen 127. Kuren werden unter die 
Gewercken / nemlich diejenigen fo Antheil haben / in gleiche und une 
gleiche Theilegetheilet / von der Ausbeut gehöret der Hohen Landes 
Obrigkeit der zehende Theil / undvon übrigen auch offtmahlsStollen / 
Neundes oder halb Reundes. Die Ausbeut wird insgemein qvar- 
taliter ausgetheilt. Jede Fund⸗Grube oder Zeche hat ihren Schicht⸗ 
Meifter / der gleichfant laſpector dariiber / und die Rechnung führen 
muß / dieferzeichnet wöchentlich die Unkoſten auf / und verfertiget die 
Unkoſt⸗ oder Zubuß«Zettel nach Proportion eines jeden Gewerdes 
Antheil / welche Zettel unter die Bergleut folcher Zeche ausgetheilet 
werden / die dafür die Bezahlung empfangen / an etlichen Orten ges 
fchihet es alle a. Tage / bisweilen werden auch den Gewerden / fo et» 
liche Meilen entlegen / die Zubuß-Zettel qvartaliter zugeftellt /da in» 
deſſen der Schicht-Meifter oder ein anderer Agent den Verlag thut. 
Der Keceſt einer Fund-Grube oder Zeche iſt z. E. folgender Geftalt: 
Die Fund⸗Grube hat von ihren Anfang die gange Zeit über zu bauen 
gekoſtt — — — —. — — — 9% fl. i2. gr. 
Hingegen ift an Ausbeut die Zeitüber gegeben — _ 4373. fl. 6. at. 
Verbleibet Recefs diefer Zeche — — 40603.fl. 6. gt. 
Wogegen aber der Vorrath jeder Zeche zu betrachten ift / indem man= 
che Zeche / nachdem ſie groß / z. bis 3000. fl. und mehr Borrath an uns 
je eig Ertz liegend hat. Diefe und dergleichen Bergwercks⸗ 
Rechnungen durd) Exempla deutlicher zu machen / wollen wir aus Sr. 
Chriflian Scheßlers Arithmetiſchen Haupt⸗Schlüſſel folgende Auf⸗ 
gaben hier einfügen / als: 
Bey einer Zech oder Fund» Gruben feynd an wöchentlichen Unkoſten 
aufgegangen 22. fl. 14. gr. 3. pf. if die Frage / wie viel Unkoſten oder 
Zubug auf ı2. Kuxen kommen? Facit 2.fl. 3. gr. | 
127. Kuxe thun zz. fl. t4. gr. 3. pf. was ı2.Ruxe? Fac.2.fl.3.gr. 
Weil aber mehrentheils jede Fund-Grube unter etliche Bewerder in 
ſehr ungleiche Theile getheilet ift / da nemlich mandyer 95. oderı7. ein 
anderer ı. oder 13. Kux hat / als kan ſolche Rechnung auffolgende Art 
compendieustradtivet werden / nemlich vechne erſt / wie viel aufeinen 
Kur kommt / diß gefchihet wegen des Erb⸗Kuxes. 
127. Kuxe geben 22.fl. 14. gr. 3. pf. was 1. Kuxe? 
Fact — 3.90. 9. pf. 
Diefe 3. gr. o. pf. werden zu z2. fl. 14, gr. 3. pf, addirf / thut 22. fl. 18. gr. 
auf 128. Kuxe. 0 
. 128, Kure 


Der 447 














28. Kure tuun — — — — — fl 18. gr. 
ER ee Ne ae a ri. fl. 9. gr. 
ze. — — — — — — — s.flrıy. gr. 
— nn — ee . 
» u — — — nr. 
un. — . TI — rgr. 


- - - - - "Imre 


| — 58 3.98. 9.Pl._ 
⸗»4J. Kixe — — — — — 22uagr. ioã. pf. 
Da man dann ferner alles leicht nach berechnen kan / zum Exempel: 


die Unkoſten auf 173. Kux. 


Hiervon thun 16. — — 2.fl. 18. gt. 
.Kux — — 3.90. 9. pf. 


3. Kux — — 1.97. 103. pf. 
Facit 3. fl. 2. gr. 24. pf. 
Item, eineFund⸗Grube gibt nach allen abgezogenen Unkoſten qvarta- 
liter s21. Thaler 13. gr. Ausbeut / iſt die Frage / wie viel derjenige / fo 
73. undein halb Kux Antheil hat / auf feinen Part befommen müße? Fa- 
cit 26. Thaler / 3. gr. 237. Pf. 
NB. Bey der Ausbeut wird der Erb⸗Kux mit gerechnet. 
Item, auf einer Fund-Grube wird qvartaliter 234. Centner Kobolt / 
den Eentnerä 4. fl. 6. gr. und 2, Centner 173. Pfund Wißmuth / das 
Pfund äs. gr. gefördert oder gefchmelget/davon wird derZehende und 
Stoll⸗Reundes entrichtet / i die rag / was denen fäntlichen Ge⸗ 
werden zur Ausbeut Überfchug bleibet/ fo dieſes Qyartal in allen ssı.fl, 
7.1.6. pf. Unfoften aufgegangen? Facit 293. fl. 6.gr. 6.pf, 
1. Gentner Kobolt — 4. fl. 5. gr. was 234. Centner? 
thut 1002.fl. 18. gr. | 
Pfund Wißmuth — s. gr. was 2. Centner 173. Pfund? 
thut 90. fl. 10. gr. 
hierzu _ — _1002, fl. 18. gr. 
macht in allen 1093. fl. 7, gr. 
biebon das iote Theil 109, fl. 7. gr. 
Ref. 984. fl. — 
ferner Stol-Neundes oderz. 100. fl, 7. er. 
874.fl. 14. gr. 
Unkoſten — ssı. 1 7 n 6.pf. 
Facit 29.fl. 6. gr. 6. pf. 
Ke2 Die 


ai 
u 








148 Her 


ö EEE — SEHE T FE ET ER EEE BEER EEE TE 
Die bei) einem Bergwercke unumgänglich erforderte Perfonen ſeynd / 
1. der Berg-Hauptuann / 2.der geheime Berg- Kath / 3. Die Bergs 
Käthe/ 4. der Ober-Bergmeifter / s.der Bergmeifter/ 5. der Ze⸗ 
hender / 7. des Zehenders Gegen⸗Schreiber / 8. der Austheiler/ o. 
Berg-⸗ Schreiber / 10. Berg: Gegen Schreiber / u. Ober⸗Ge⸗ 
fhmorner / ız. Geſchworner / »3. Rachfahrer / 14. Berg⸗Steiger / 
1,. Schiht-Meifter/ 16.der Erſte von der Knappſchafft / ı7.derünger 
re von der Knappſchafft / 18. die Berg⸗Hoaͤuer / is. die juͤngern Berg⸗ 
leute / 20. die Hund⸗Schlepper oder Karren⸗Laͤuffer / 21. die Haſpel⸗ 
Zieher. NB. diefelegtere vom fechözehenden an inclufive zehlet man 
uicht unter —— ſie gehoͤren aber doch zum Bergwerck. 

den Puchwerd jeynd nur z Beampten / der Ober · Puch · Steiger 
Ind ordinaire Puch⸗Steiger. Im Huͤttenwerck werden nachſte⸗ 
hende Berg⸗Beampte ge hlet / al$ 1. der Hütten-Reuter / 2. der 
Hütten» Schreiber / 3. der geſchworne Brobirer / 4.Gilber-Bren- 
ser / 5. Hütten-Meifter/ s. Schmeltzer / 7. Abtreiber/ 8. Borläufe 
fer/ 9. Roſt⸗Brenuer / 10. Hütten-Factor . 1; Hütten: Märter und 
Kohlen-Meffer. Was aller diefer‘Perfonen ihr Ant ſey / ift fürglich 
aus des eröffneten Ritter⸗Platzes dritten Theils / im Tractat von Berg» 
werden zu erſehen. Unſerm Kauffmann fan ed genug feyn / daß / wenn 
er in Bergwerd mit intereshivet / und etwann hier oder dort einige Ku⸗ 
xen an fich gebracht Hat / er Hier die Berechnung derfelben levnes Im 
übrigen fo ev mit Bley / Zinn / Kupffer / Glett oder dergleichen han · 
delt / oder Talch und Victualien vor die Bergleute lieffert / hat er mit 
dem Bergwercks Factoren zu thun / der ſchon gute Abrechnung mit 
ihm halten wird. 

Berill / hebraͤiſch Tarshish, item Jafpech, lateiniſch Birillus Tha- 
Jasfıus five Marinus/ Italiãniſch Agva Marina genannt/ ift ein durch⸗ 
fichtiger Edelgeftein / einer bleich = gelb-grünen Farbe / welche recht 
See: oder Meer-grün zu ſeyn ſcheinet / und gleichfam bon der Vermi⸗ 
fhung des blau und gelben herruͤhret wird unterfchiedlicher Arten ge- 
funden / als erftlich von obbemeldter Meer-grumner Farb / zweytens 
etinag bleich-gelb / da er dann Chryfoberill von dem Gold⸗ Glantz ge⸗ 
nennetwird; diedritte Art / ſo noch bleich=gelber / heiſſt Chryfopras; 
Die vierdte Hiacinthizontes , von feiner Hyacinth⸗Farbe; die fünffte 
Kroides, wegen der KRupflev-Farb; die fechfte Art werden / weiljie 
faft Wachs⸗gelb ausſehen / Cerei ; und die jiebende von der Ol-Farb 
Olcaginei genennet ; Auffer diefen foll noch eine andere Art ſeyn / wels 
che den Chryſtallen gleich ſiehet / wie dann noch heutigs Tags die Ita⸗ 
aner alle Chryftallen / welche einige Farben in ih haben / wegen des 
Pieder-Scheind der Windel oder Eden/ Berillen nennen. Es 
werden aber die beſten derſelben an den Berg Taurus, item in gr Cu: 

phrat / 


Der Def 149 


phrath/ auch hin und wieder in Teutſchland gefunden. je fchöner der 
Berill von Farben / jehöher wird er eftimiret. Seine Berfälfhung 
gefchicht folgender Beftalt: Nimm fein pulverifirted Es uſtum, ver» 
mifche eö mit pulverifirten Chryſtall oder Glas / fehe ed einen Tag. 
lang im Ofen / fo haft du einen Berill. NB. ein Qbentin Kris ufli i 
genug zu einem Pfund derandern gläfern Mafla, 

Bernftein / item Agt» oder Börnftein / Latein. Eledtrum, item 
Ambra vel Ampar. & Succinum ‚ Perſiſch Carabe, Agyptiſch Sacal, 
Frangöf. de ’ambre jaune genannt / wird häuffig in Preuffen und 
Lieffland / Dennemarck und Schweden gefunden. Iſt einer fetten 
und hartzigen Subftang / durch) die Gewalt der Sonnen⸗Hitz zu einen 
weiß-farbigen Stein zufammen geronnen / bat eine balfamifche 
Krafft / undgibt einen wohl⸗riechenden Geruch von ſich. Boctius 
machet viererien Befchledht diefes Steins / als (1) einen weiflen/ wel« 
gen felten durchſichtig / sh en Geruchs / und eine bal« 
famifche Krafft bey ſich führe. (2) Gelben Agtfkein/ gleich dem 
Golde / meiftens durchſcheinend / in welchen man gemeiniglic) kleine 
Wuͤrmlein findet. (3) Einen Agtftein mit mancherley Farben gezie» 
vet / dundelund durchfcheinend. (+) Einen ſchwartzen und fledigten 
Agtſtein / mitvielen fchlechten Farben. Gin anderer Author, Mar- 
tinusRulandus, rechnet 4 andere Geſchlechte des Agtſteins / als (1)Suc- 
einam gravidam deſſen / wie er fehreibt / ſiebenerley Geſchlecht ſeyn 
ſollen. (2) Succinam liqvidam vel pellucidam, dieſer habe 13. Ge» 
ſchlecht. (3) Succinam craflamnon pellucidam, von diefen wären 
ır. Gefhledht. (4) Succinam mixtam cum aliis fuccis, deſſen er 10: 
Geſchlechte vorftellet. Vide ferner von den Bernftein unter dem 
orte Succanums. . Ä 

Bertram⸗ Wurtzel / Radix Pyrethri, wird häufig in Böhmen 
gefunden / wiewol die Blume mit der / die in. Italien wächft / nicht 
übereinfommt. Die befte kommt aus Alta / iſt eines beiflenden und 
brennenden Geſchmacks. Gie wird auch fonft Speichel Wurg ger - 
nannt / weil ſie im Mund gekauet / den Speichel nad) ſich ziehet. Ihr 
Kraut ſiehet den Chamillen nicht ungleich. Die Wurpel/ wann (ie 
gut ſeyn ſoll / muß friſch / ſtarck und wohl gedörret ſeyn / und ſich nicht 

Beſtaͤter / der Kauff⸗Leut ihrer Büter/ feynd in wohl angerichteten 
Kauf » und Handeld-Städten zu groflen Nutzen dev Kauffmannſchafft 
angeordnet/ und recht ordentlich von denen Vorſtehern und Alteften 
der Kauff⸗Leut in Eyd und Pflicht genommen / auc der Wichtigkeit 
ihres Amts wegen / allein darzu authorifiret / daß fo wohl Kauff⸗ 
als Fuhr⸗Leut durch fie ordentlich mögen bedienet werden/zu welchen: 
Ende in folhen Handels ⸗ Be / wo geoffe Zu:und Abfuhr zu 

3 tal: 


150 Bef 


Lande ift / mehr ald ein Güter-Beftätter ſich findet / jedoch alfe 
daß jeder fein gewiſſes Land oder Provinp allein zu verwalten hat/ 
und in denfelben / ihme Fein Eintrag von den andern gefchehen 
mag / als der Leipziger Guͤter⸗Beſtaͤter / mag Feine Breßlauer / diefer 
Feine Krandfurter Güter verdingen / fondern jede Fuhr⸗Leut willen 
ber welchen Beftäter (te ich anzugeben haben. In einigen andern 
Handels ⸗Staͤdten ift folches eben Fein ordentliches Amt / fondern es 
verwalten gemeintglic die Wirthe bey welchen die Fuhr⸗-Leut eins 
kehren / folche Wirthe um ihren neu angefommenen Bäften nach der 
befehwerlichen Reife etwas Ruhe zu ſchaffen / nehmen die Fracht: 
Brieffe / und tragen ſolche denen Kauff-Leuten in die Haͤuſer / fie 
gehen auch wohl vor die Fuhr⸗Leute auf die Zol-Stuben um daſelbſt 
ihrer Einfuhr halber Richtigkeit zu machen / folglich holen ſie die 
Fracht von denen Kauff-Leuten ab / und follicieiven zugleich derFuhr⸗ 
Leut wegen um die Zurüc-Ladung / ed mögen aber gleich ſolche 
Beftäter / ordentlich eingefegte / (und welches bitlich in allen 
KHandels-Städten feyn folte) in Eyd und Pflicht genonimene/ oder 
nur bloffe Gaſt⸗Wirthe feyn / fohaben jie doch beyverfeits folgende 
fieben Stüde in Obacht zunehmen / ald (1.) daß fie den Fuhr-Peuten 
diejenigen Maaren (welche in dem Kauff-Haus oder Doüanen 
viſitiret und befehen werden folten) in ihren Haͤuſern abzuladen/ 
nicht zulaflen / ſintemahln nicht allein die Confifcation der Waaren / 
welche folcher geftalt in Haufe abgeladen zu ſeyn / befunden würden/ 
darauf ftehet / fondern auch Wagen und Roß würde berichren ges 
ben / wie ſolches durch fo viel Fdicta, Refcripten und Ausfprüche ver⸗ 
oͤrdnet worden / (2.) Daß fie ſich in derDouanne oder den Kauff⸗Haus / 
wann die Waaren abgeladen werden / zugegen finden / und zwar um 
zweyer Urſachen wegen / als erſtlich umzuſehen / ob die Ballen und 
Kiſten wohl conditioniret ſind / oder ob ſich Streitigkeiten / wann et⸗ 
wann einige naſſe und von einen Zufall verderbte Waaren darunter 
- wären / zwiſchen den Kauff⸗-Leuten denen die Waare zuſtehen / und 
den Fuhr⸗Leuten die ſolche gefahren / ereignen möchte/ ſelbige alsdann 
beyzulegen; die andere / um die Ballen und Kiſten an einen ſichern 
und truckenen Ort legen zu laſſen / damit dieſelben erſt nach geſchi he⸗ 
ner Abladung keinen Schaden leyden mögen. G.) Daß ſie ſobald als 
die Waaren in der Douanne abgeladen / den KauffeLeuten / welchen 
dieſelbe gehoͤren / die Zoll⸗Zettul / damit fie ſolche retirivenlaffen/brin- 
en: Es wäre auch beſſer daß ſie dieſelbe bon Stund an zu den Kauff⸗ 
euten / wie die fleiffigen Factorn zu * pflegen / lieffern lieſſen. 
Dieſe Mühe wurde ihnen nicht vergebens feyn ; Sintemahl ſie zu⸗ 
gleich von den KRaufl-Leuten vernehmen koͤnten / ob ſie einige Waa⸗ 
ven an diejenige. Örter wohin die Fuhr-Leut wiederuni kehrten / zu füh- 
ven 


Pet 15X 


ren hätten. (4.) Daß ſie die Kauff-Leut offt befuchen / um von ihnen, 
zu vernehmen/ ob fie nichteinige Waaren indiefe oder jene Proving 
oder fremde Länder zu verſchicken haben / und in welcher Zeit fie der» 

felben haben können. Die (s-) —— iſt / daß man / warn den 
Fuhr⸗ Leuten Rucd-Ladung gegeben wird / keinen mehr. old dem andern 
tavorifire oder etwann den letzkommenden / dent erften/ eines Kleinen 
Vortheil halber / vorziehe dann auffer dem / das folches nicht vecht iſt / 
und die Vernunfft will / daß der erft ankommende vor den letzten ſei⸗ 
‚nen Wagen laden foll ; fo handelt auch ein folcher Wirth wider fein ei» 
en Interele ‚indem der Fuhrmann / wann er ſiehet / daß fein Fadtor 
untren gegen ihm handelt / demfelben zu verändern / und einen ans 
dern inökünfftig zu feiner Verrichtung zu erwehlen / Anlaß nimmt / ja 
durch Öffentlicye Klage / bringt er ihn wohl gar um feine Repura- 
tion und Verwaltung ; fo muͤſſen aud) Die Wirthe/ welche Fuhr⸗Leute 
beherbergen / und derenCommilliones verrichten /nicht nachlaͤſſig ſeyn / 
ihnen gleich Ladung gegen ihre Ankunfft fertig zu Halten / damit wañ jie 
ankommen /und die gebrachte Guter abgeladen / ſie zumlängften nur 
eine Racht in Wirths⸗Haus fill liegen dorffen / und ded andern Tags 
gleich wieder fortfahren koͤnnen. Das ſechſte iſt / daß die Beftäters 
oder Factors über die Waaren / welche ſie aus den Provincien und 
fremden Laͤndern / von den Kauff⸗Leuten empfangen / und diejenige wel⸗ 
ehe fie wieder verladen / ein richtiges Regiſter halten / damit ſie jederzeit 
wann ſich Streit darüber ereignen ſolte / davon Red und Antwortge⸗ 
ben können. Endlich fo muͤſſen ſie auch verſchwiegen ſeyn / und an an⸗ 
dere Kauff⸗Leute was dor Waaren ankommen / wem ſie zugehoͤren / 
und was vor welche / ſie in die Provincien und fremde Lander ſchicken / 
nicht ausplaudern / weil ſolches bielen Kauff-Leuten zu groſſen bræ- 

judig gereichen koͤnte. J 

Reta alba & rubra, gemeiner Mangolt oder Roͤmiſcher Kohl / 
und rother Maugolt oder rothe Ruͤben / werden beyde in Kraut⸗ Gaͤr⸗ 

ten gezeuget/ und haben auch einigen Rutzen zur Artzeney. 

Betel ift ein Oſtindianiſch Kraut / weldes von. den Perf- und In⸗ 
dianern fiets in Mund gehaltengnd gekäuet/und faft eben fo häuffig als 
ben uns Europäern der Toback gebrauchet wird / ſie machen aber folches 
erftlich mit einer Art Ruͤſſe Aracca genannt / und lebendigen Kalch zu 
recht/und geben dabei) vor. / daß ſie dadurch einen lieblichen Othem be⸗ 
kamen; es enthalten ſich aber deſſelben die geringen Leute damit mar 
nicht meynen dörffe/ als wolten jiejich auch unter die galante Melt 
rechnen / item die eine Trauer haben / was aber das ſchlimmſte bei) Die» 
ſca hetel iſt / daß weil ſolches mit lebendigen Kalch zugerichtet / ſol⸗ 
cher die Zühne anfrift/ daß offt junge Geſellen / die noch nicht das zwan⸗ 
tzigte Jahr erreichet / wen:g Zähne er in Dund.haben. : 

R4 eto- 


152 Ber Dem 


Betonica,Betonten/feyndbraune/ und auch Wiefen-Betonien/Ser- 
ratula genannt. Die Blumen dienenzum Haupt/treiben den Harn / 
und widerftehen den Bifft/ fie werden aud) gebraucht vor die fallende 
Sucht und Lungen⸗Geſchwaͤr. 

Betonica oder Vetonica, altilis Coronaria, vide Cariophylins 
hortenfis, 

Betonica vulgaris purpurea , feu officinarum , {ft ein überauß 
beilfam Kraut / in gar vielen Leibö-Gebrechen / fo das auch Plinius 
hb. 27. 0.8. davon ehreibt dies Haus / in welchen Die Betonica ge= 
funden wird / fey ſicher vor allen boͤſen Kranckheiten / vornemlich dienet 
eö in den Wunden des Haupts / wie auch in Zerftoflungen/ / wann man 
das Kraut zergbetfcht/ und faftig aufflegt / befler aber iſts manpreß 
den Safft friſch aus / und koche ſolchen mit genugfamen Honig zur ge⸗ 
bührendenConfifteng /thue hernach ein wenig BalfamumPeruvianum 
dazu /und gebrauche ihn an ftatt des Pflafters. In denen Apothecken 
bat man davon das dellillirte Waſſer / die Conferv, den Syrup / das 
Pflafter / Unguemum, und das Sal. 

Bettlers⸗Caͤuſe / Bardanaminor. 

Bettekarden / vide Beiß⸗Kohl. 

Betula oder Betulla, Bircken⸗Baum / das Waſſer davon treibet den 
Schweiß / iſt auch gut vor den Stein / Scharbock und die gelbe Sucht. 
Es geſchiehet auch viel Handel mit den Bircken⸗Holtz / als deſſen ſon⸗ 
derlich in den Nordifchen Ländern viel zu finden/ und bey gantzen 
Schiffs⸗Ladungen voll/ nach denenSee-Städten/mwo dad Brenn-Holg 
theuer und var ift / überbracht wird. - Der Schwanm fo an den Bir⸗ 
denwähft/ ftillet das Blut/ deſſen Pulver in die Naſe gezogen/ 
und in die Wunden geftveuet/ / hemmet mit geofler Verwunde⸗ 
rung dad Blut jo heraus flieffet. An etzlichen Orten machet man ein 
Gerränd / von Honig / Birden-Gafft oder Waſſer / und Weinftein/ 
fo. fonderlic) denen die. von Stein Beſchwer haben / dieulid) iſt. 
Man fchreibet vor gewiß /daf die Tartarn im Merk Monath nur 
BirdenSafft oder Wafler trinden/ und davon das ganse Jahr 
geſund bleiben / es löfchet auch den Falten Brand / wann man ein Tuͤch⸗ 

in darein neget und aufbindet / item ift ed ein Diaphoreticum, da$ 
aus den böfen Beblüt / alled durch den Schweiß austreibet. 

Beutel⸗ Tuch / wird F von denen Muͤllern das Meel durchzubeu⸗ 
teln / und auch zum Tapeken nähen / und andern fünftlichenArbeit ge⸗ 
braucht / iſt bor diefen allein aus Franckreich kommen / nad) dieſen aber 
zum erſten mahl zu Kalbe in Schwaben / und hierauf ferner in Sachſen 
und andern Orten Teutſchlauds nachgemachet werden, 
Bewxegliche Suͤter / Kes mobiles, fahrende Haab oder Fahrniß 
werden genenuet / alles fo von Natur beweglich/ und was man Tragen 

un 


[ra DH FE TED 3 a en 


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Bey De 153 


und bewegen fan / oder auch feiner Natur nach fich felbften bewegt und 
fortgehen kan / als da feynd baar Geld’ Schau: Pfenninge/Silber&e- 
ſchirr / eingefammiete Fruͤchte / abgehauen Holtz / ausgegrabene Kohlen / 
Steine / und Erste / die beindliche Waaren in Kram⸗Laden / Schif⸗ 
fe / welche privat-Leuten zuſtehen / die Kelter / Fiſche in Teichen 
und Haltern / fo nicht zur Zucht gehalten werden / Miſt welcher. 
nicht zum Acker⸗Bau gebraucht / fondern verfauffet wird / Hause 
rath / Kleider, Vieh / wann ſchon folches den Pacht-Mann alöEifern 
übergeben wäre / wiewohl mas oben von Kram⸗Laden geſagt / nur 
auf gewiſſe Fälle / / zumahl auff die Succeſſion zu ziehen / da ſie 
mit unter die bewegliche Guter gerechnet werden / fonft aber und fo 
pielden Punct der Caution betrifft / werden Kram und Buch⸗Laden 
Bibliothecen und dergleichen / vor unbeweglich geachtet /vid. Dn. 
Carpzov. 1.1.19. alfo daß auch ein Beſitzer ſolcher Güter bon Beftel- 
fung eined Vorſtands frey iſt. Das übrige Recht beweglicher Guter 
iſt / daß ſie / eben wie Nomine und Jura jemand mögen zum Unterpfand. 
auch ohne Berichtlichen Confens gegeben werden / und wird in Con- 
eurfu nur allein auf die Priorität der Zeit gefehen / wiewohl ſich auch 
darin nad) deflelben Orts Staturen zu richten / worinn dergleichen be» 
wegliche@uter gelegen feynd. Dahero auch die Redens⸗ Art entftan- 
den/ gvodmobilıa oflıbusdefundii,i.e. damicilio ejus inhæreant, 

vid. Carpz, P, 2. Conftit. 14. def.3. 
Beyfuß/ Artemilia, ein wohlriechendes und in unfern Gärten 

fehr befandtesRräutlein. j 
Bezalcel,ein überaus groffer Künftler in Bold / Silber/ Holt und 
Steinſchneider Arbeit. Worzu er immediate von GOTT mit den 
Geift der Weißheit begabet worden / feiner wird gedacht in 2. Buch 
Moſis an zi. Cap. da GOTT zuMofe fprach : fiche ich habe mit Rah⸗ 
menberuffen / Bezaleel, den Sohn Uri, des Sohns Hur don Stamm 
Juda /und habeihnerfüllet mit den Geift GOttes/ mit Weißheit 
und Verſtand und Erkaͤnntniß / und mit allerley Werck / kuͤnſtlich zu 
arbeiten / an Gold / Silber / Ertz / tünftlid Stein zu ſchneiden / und 
einzuſetzen / und kuͤnſtlich zu zimmern an Holtz / zu machen allerley - 
Werck / und ſiehe ich habe ihm zugegeben / Ahaliab den Sohn Abiſa- 
mach von Stamm Dan, und habe allerley Weiſen / die Weißheit ing 
Hertz gegeben / daß fie machen follen / alles was ich div geboten ha⸗ 
be/ x. welches dann auch alſo erfuͤllet worden / wie hiebon das 35. und 
36. Capitel / gedachten 2. Buch Moſis mit mehrern zu lefen / ein 
gleichfalls / Caber doc) nicht wie kezaleel) hochbegabter Meifter mug 
auch Hiram yon Tyro gemefen feyn / deſſen inı. Buch der Könige am 
7. Capitel gedacht wird / daß ihn dev. König Salomo habe holen laf 
fen/ zu arbeiten allerley Ertz⸗Werck ar heiligen Gefälle und —— 
s iden 


15 BEN. >|] EEE 
then zum Tempel gehörig / deren Specification der Laͤnge nach in ges 
dachten >. Eapitel zu erfehen / aus welchen unfere Virtuoſi; Künftler 
und Handwerder das Morale ziehenmöchten / daß alle Weißheit von 
GOTT den HErrn / und allegute Gaben von oben herab kommen / 
dag er der HErr / allein derjenigen ſey / welcher mache daß ihr Merck 
wohl gelinae/ und wie er die Confufion und Verwirrung unter die Ar⸗ 
beiter des Babvlonifchen Thurm⸗Baues gebracht /alfo auch gar leicht» 
lich ihre Wiſſenſchafft zur Narrheit /und ihrer Arbeit —* ma⸗ 
chen koͤnne / ſonderlich wann ſelbige nicht die Abſicht Goͤttlicher Ehre / 
einen ehrlich und zugelaſſenen Gewinn / die Liebe zum Vaterland und 
den Rechſten führet / auf eigene Kraͤffte ſich verläft / Segen /Reich« 
thum und Anſehen / aus eigener Vernunfft / Müh und Fleiß (mie Pe⸗ 
tens mit feinen fifchen ) erzwingen will / oder gar fein Gluͤck durch 
verbotene Wege und Marerialis,item durch Verlaͤumdung undSchans - 
dendes Nächften feine Arbeit‘/ Entziehung feiner Rahrung/ Ausferti= 
gung ärgevlicher und zur Suͤnde Anveigung gebender Dinge zu etabli- 
ven / und ſich alfo.in dev Welt par force reich und groß zu machen ſu⸗ 
chet / welches gewißlich eine wahre Abbildung / vieler Künftler und 
Handwercks⸗ Leut heutigs Tags ift /jaein Spiegelmag genennet were 
den / in welchen fie ihre Unvollfommenbeit / wie auch das Stück⸗ 
werck ihres Wiſſens /und endlich ihre Ehriften- Pflicht täglich zu ber 
mercken haben. | 
Bezetta Rubra, Frauenzimmer Schminde/ rothe Baden undLeff⸗ 
Gen zu machen / vide Coccionella. 
Bezoar ve! Bezohar iſt ein Art eines Steins / der in Perfien/aus 
gewiſſen wilden Boͤcken Beifen oder Gemſen gefchnitten wird / ift 
ungefehr wie eine Niere geftaltet/ etwas gröffer ald die groͤſte Boh⸗ 
ne / und an der Farbe gantz ſchwaͤrtzlicht grün / diefe Steine wer 
den Bezoar Steine genennet / und fo Funftlich nachgemachet / daß viele 
Dadurch bewogen worden / gar zu zweiffeln / ob jemahln dergleichen 
Stein aus einen Thier gefchnitten worden/ und nicht vielmehr alle 
durch Kunft ſopræpariret werden / dem ungeachtet aber ift an etlichen 
davon nicht zu zweiffeln / daß ie dasjenige ſind wobor Ile ausgege⸗ 
ben werden. Die befte Kennzeichen find / wenn diefe Steine mitten 
hohl ſind / woferne fie ein Rräutlein mitten inne enthalten/ hält man es 
auch noch bor ein gut Zeichen / wo aber ein fefter Kern darinnen iſt / 
hat man billig Verdacht darauf. Die Medicinifhen Kräffte in Aus» 
treibung der Unreinigkeit / (ind bey dieſem Stein wenn er ähtift/ / 
unvergleichlich. In Weſt⸗Indien werden aus verfchiedenen Thie⸗ 
venauch Steine gefchnitten / welchean Tugenden und Kräften dem 
Orientalifihen Bezoar swar ahnlidy/aber nicht gleich ſeynd. Der Ge⸗ 
ſtalt nach (ind Die Weſt⸗Indiſchen viel gröffer und —— 
un 


De Is$ 
und der Farbe nach gantz heil/ gelblieptbraun. Ein rechter Oricn- 
talıfcher Bezoar , welcher den Borzug vor allenhat / fo wohl in der 
Würckung als in Preiß / muß den Oliven an Farbfaft ahnlich/und von 
ſchoͤnen Glautz ſeyn / auch in Reiben /oder pulverißiven / ſchwartzgrun 
werden /uberdiefes etlich mahl uberhautet / mürb und öffters hohl 
feyn. Die Proben werden unterfchieden gemacht / wann er mit ei⸗ 
nem fpisigen Eiſen nicht bald eroffinet wird / foll er ‚gut ſeyn / oder ſo er 
auf Papier mit Kreide vorher geſchmiert / ſich gruͤn reibt / wird er 
auch noch paſſirt / will man auch dieſen Stein in ein Waſſer werffen/ 
und daß er es alsdann gleichſam ſiedend macht / fo iſt er auch gut/und 
wird vor unverfalſcht gehalten DerOccidentaliſche hat eben auch feine 
Proba, nur dag er rauch und grau / und Feinen Glantz hat / wiewol diefer 
ihm wohlund leicht zu machen ift/ feine Y’roba iſt dapınan an Ge: 
wicht doppelt fo viel ald desandern nimmt / undgibts den Patien» 
ten ein / um ausder Wirckung zu ſehen / obergerecht und gut ſey. 
Plinius meynet / eö fey der Bezoar,die Augen der Hyane, ald welche ei⸗ 
nes fteinigten Weſens feynd/daher er tie auch gemmas Hyaniæ nennet/ 
andere bermepnen der Bezoar Stein, feydiezufammen geronnene 
Ihränen eines Hirſches danıı wann die Hirſche im Frühling die 
Löcher der Schlangen durchſuchen / und felbige durch den Othem ih⸗ 
rer Rafen heraus ziehen/ hernach zu Reinigung ihres Leibes fol- 
che aufffreſſen / folauffen fie gleich damit zu einen frifchen Waſſer / und 
weiten ſich fo lang darin / bis fie mercken daß der Schlangen-Bifft 
überwunden ift/ in mittler Zeit ſchieſſen Durch die Krafft oder Gewalt 
des Gifftes / in ihren Augen ein Haufen Thraͤnen hervor / welche wann 
fie erhärten / der herrlichſte Bezoar, oder die beſte Artzeney vor das 
Gifft ſeyn follen. Dieverfälfchte Bezoar Steine / werden aus klei⸗ 
sen Stücden von Steinen und Pech kuͤnſtlich zuſammen gefüget/ 
item aus Schalen / Kreiden / Aſchen / duͤrren Gebluͤt / und klein ge⸗ 
yulberten Bezoar Steinen / diefe werden hernach mit einen Liqvore 
incorporiret; manbereitetihn auch aus Zinober / Spieß⸗Glaß und 
Dved:Silber/ welche Species Durchs Feur kuͤnſtlich zuſammen geſetzt / 
und tingiret werden. Der Occidentaliſche Bezoar, zum Unterſcheid 
bon jenen / welcher der Orientaliſche genennet wird/ kommt von ber 
CapriCerva Ocoidenrali ‚einen Peruanifchen Thier / fo denOrientali- 
fchen in allen gleich fichet / nur daß es feine Hörner hat / deffen Gtein 
ift eben fo wohl wie der andere / Haut⸗ weiß zufanmen gemwachfen/ 
und gröffer dann der Orientaliſche von auffen Rauch und Afdh- 
farbigt/ weiß/ ſchwartz / und dundelgrün. Cr hat mit den Orienta- 

Aifchen faft gleiche Kräfte. Man bringet auch einen Bezoar aus 
Neu⸗Hiſpanen / dev aber was geringer ift ala der Peruanifhe. 
Thomas Bartholinus meldet/ daß ev einen felchen De 

\ en 


156 Des Die 

ſchen Bezoar gefehen / der fo groß geweſen als ein Menfchen- 
Kopff von brauner Farb / glatt und glängend / welcher 64. Ib. 

ewogen. 

— — werden alle Gifft treibende Mittel genannt / nicht eben 
wegen des darzu kommenden Bezoar Steins / ſondern weil fie mit fol» 
chen das Bifft und die Malignität aus den Menſchlichen Leib aus zus 
treiben / gleiche Macht haben. 

Biber & Bibergeil / vide Caforeum. 

Biber: Compagnie der Engeländer in Nord-America / ift von 
Print Ruprecht fundiret worden / und hat bis anhere ihren Parti- 
cipanten dad angelegte Capital mit veichen Gewinn erſtattet. 

Biberklee / Beta Sylveſtris, Limonium pratenfe, 

Biber⸗Kraut / Cent, minus, 

Biber Suͤtlein / Scrophularia minor. 

- Bibernell / Pimpinella, 

Bibſten⸗Kraut / Hyofeiamus, 

Bickbeer / Myrailli. Zr 

Bicklinge / Harengi paflivel infümati,geräucdhter Hering / wer⸗ 
den haͤuffig in den See⸗Staͤden die guten Hering⸗Fang haben / 
fonderlich in Holſtein zu Kiel / Eckenfoͤrd / Flenßburg / in gantz 
Juͤtland / am haͤuffigſten aber in Holland und Engeland gemacht / 
Ind in Tonnen und Stroh eingepacket / auch Tonnen und Stroh⸗ 
Korbweiß verkauft / und weit und breit zu Waſſer und Land ver» 
führet/ unter allen hält man die Kieler und Englifche Billing vor die 
beften/die fo genannte Syick⸗Heringe ſeynd unter den geräuicherten Die 
beften. Man hält die Buͤcklinge vor ungefunder als die Paͤckel⸗He⸗ 
ringe / ſintemahl fie hart verdaulicher als die gefalgene Herin⸗ 
ge Se und gallfüchtige und. verbrandte Feuchtigkeit imLeib ver⸗ 

urfachen. | 

Yhier/ Cerevilia , dela Biere , der Teutfihen und Rord-Ränder.ge« 
möhnliches Getraͤnck / deſſen Rahmen Etymologia von Cererc, 
der Böttinn des Getraͤydes herkommt / dann weil des Blers vor⸗ 
nehmſtes logrediens das Geträyd / als Weitzen / Gärften / ober 
Haber ift / der davon gekochte Saft dad Bier aber manden in den 
Kopff zufteigen / und den guten Kerl zu Boden zu füllen pfleget / als 
iſt es von ** Gewalt Cereris vis, und folglich. Cerevilia genennet 
worden / es ſeynd aber die Bier vielerley Arten / unterſchiedlich von 
Geſchmiack / Farb und Tugend / und dieſes alles. nach der Lands und 
Waffer Art / wonnd aus welchen ſie gebrauet werden / da fennd 
einigeBier dick und unlauter / andere Bar und dunn dieſe ſuͤß / 
jene bitter / einige ſtarck / die andere ſchwach / offt kommt es auch fo 
genau aufdir Qualität eines ſolchen Biers / was den Ort —— 

anbt · 





= Bi e 157 
— — — — —— — — — — 
anbetsifft / an / daß in einer Stadt ein Bier guten Geſchmacks in einen 
Haus kan gebrauetwerden / welches in denandern Haus nicht gefche- 
ben kan / alfo hat man auf den Schloß zu Rageburg niemahls den 
Rummeldeuß fo gut ald in der Stadt brauen koͤnnen /ob man gleich 
diefelbige Brau-Meifterd / Geraͤthſchafft / ja fo gar das Waſſer aus 
der Stadt Brunnen dazu genommen. Wegen der Ingredientien. dfe 
zum Bier kommen / iſt erftlic wegen des Waſſers zu wiſſen / daß je 
reiner daſſelbe ſey / je leichter es die Kräffte des Getreydes und des 
Hopffens annehnıe ; wegen deö Getreydes / hat man zu bemercken / 
daß man zwar aus allerhand Frumentis Bier brauen könne / doch 
ſeynd anlage ih Weiten und Bärften / dann was Rocken und 
Haber anbelangt / geben davon fchlimme Bier / deßwegen man felbige 
nicht anders als zur Zeit der Theurung zu gebrauchen pfleget 5 das 
dritte Ingrediens zum Bier / iſt dev Hopffe / dieſer hat eine Krafit zu 
verdünnen / zu eröffnen/ und durch fein Bitterkeit abzuſpuͤlen / auch die⸗ 
jenige L.iqvores denen ev zugeſetzet wird / vor Faͤulniß zu bewahren/ 
und gleichwie der Hopffe billich vor das befte Condiment des Biers 
paflirt/ als handeln die ſehr betrieglich / ſo an deflen ſtatt Poft oder 
Poſt⸗Kraut / welches Ciſtus ledon foliis rosmarini ferrugineis von 
Bauhino genennet wird / in dad Bier hinein thun/ um ſolches da⸗ 
Durch Kärcher / aber auch ungeſunder zu machen. Die Artund Weiſe 
Das Bier zu bereiten / iſt unterſchiedlich / etliche nehmen viel 
Malg / andevewenig / alfo gefchiehet auch mit den Hopffen / daß def- 
fen wenig oder viel zugethan wird / nad) eines jeden Gewohnheit und 
Belieben / die ganze Arbeit des Bier⸗Brauens nach gemeiner Art 
ift fünfferley / ald Infuho, Codtio, Colatio , Conditura „ Fer- 
mentatio, Repofitio. Anfangs läffet man das Waſſer in der 
Brau: Pfanne jeden / gieflet daſſelbe über in die Meeſch⸗Boͤdme / und 
mifchet das gemahlene Malg nad) gerade darunter / fo ift es Meeſch / 
dieſen Meeſch fchläget man Stüd-weip indie Brau-Pfanne / damit 
derfelbe darinn/ unter fletigen Umgrühren/ kochen möge / dev alfo ge> 
Eochte Meefch wird bad in die Zapff-Bödme gebracht / und abge- 
zapffet oder gefeiget / fo heitfet er alddann Wuͤrtze / indeflen wird der 
Hopfe gekocht / anfangs mit fhlechten Waller / darnach gieſſet man et» 
was Würze hinzu / und laͤſſet ihn mehr kochen / was aber die übrige 
Würztze betrifft / diefeget man eingeln immer nach / damit fie durchge⸗ 
hends etwas von des Hopfens Bitterkeit empfange / und alfo zu Bier 
werde; diefes neue Bier ſetzet man von einander in viel Bödmen/ dar 
mit es abkühle / wann es aber noch laulicht wie ein frifch gemolckene 
Milch ift / fo wird es mit Berme oder guten Bier-Hefen A / da⸗ 
mit es gähren möge / und nach 2. oderz. Tagen wird es gefaſſet. Won 
Diefer gemeinen Weiſe gehen diejenige ab / welche die Infuſion oder 
Ein 


J || NRGERFERIENRERVERERCHER 
Einmeefchung mit ſiedenden Waſſer für genugſam halten / und des⸗ 
wegen die dritte Arbeit oder Kochung des Mee ch auslaffen / wodurch 
zwar die alfo bereitete Bier mehr Kraft behalten/ hingegen aber lang» 
famer klar werden. | 
Das fo genannte Churländifche Stein-Bier / welches fehr geſund 
por den Stein gehalten wird / zu branen / brauden die Chur änder 
folgende Manier: Erſtlich wird das im Brau⸗Keſſel ſtarck gefottene 
Waßfer im Bolg/ darinn zuvor das Maltz ausgeſchuͤttet worden/ hin⸗ 
ein gegoſſen / und mit einen faft Arms dicken Holg / welches unten mit 
vier Hölgern Creutz⸗ weiſe verſehen ift/ fo lange umgerühret / bis es 
fo fteiffgemorden/ daß das Holtz darinnen anfgericht ftehend bleibe; 
Mann diefes geſchehen / werden nad) Proportion der Groͤſſe so. bis 
40. Kiefel-Steine unter den Brau⸗Keſſel gang gliend gemacht / wel- 
che man hernach mit der Gabel einen nad) den andern inden Keſſel hiu- 
einwirfft / doch alfo/ dap dieſelbe fleißig mit der Gabel durch und durch 
umgeruͤhret werden / und alfo das Biernicht verbrennt ſchmecke; Fer⸗ 
ner wird der ſtarck geſottene Hopfe in ein ander Faß / auf denen darzu 
eingelegten/ und mit Stroh bededien Hoͤltzern / aufgeworffen / wober) 
dann das in vorigen Bolg fermentirte Malg gefchurtet wird. Letz⸗ 
(ich wird diefes in einen Trog ab/ und in voriger Bolge wiederum eins 
gelaffen / weicher zubor vein auögefegt worden/ warn es nun lauchlicht 
Dorden iſt / wird die Heebe eingeworfſen; Alſo werden zu vier Ton 
nen Bier s. Lauff oder Loof Maltz / das iſt anderthalb Scheffel / und 
der Hopfe nad) Proportion genommen. Diefed Stein-Bier ift fehr 
gelind / weißlich bon Farbe / füft wie der Nimwaͤgiſche Moll. 
Wer aber den Menſchen die Kunſt des Bier-Brauens alſo gelernet / 
davon ſeynd unterſchiedliche Meynungen; Die Poeten fabuliren / es 
ſey der Gott Bacchus geweſen. Diodorus Siculus ſchreibts dem Agy⸗ 
ptifchen Konig Oliris zu / der foll in dev Welt herum gezogen feyn/ und 
denen Leuten / die feinen Wein-Wachs gehabt / das Bier alfo aus 
Gerften zu bereiten / gewiefen haben. Die bicti oder Schottlaͤnder 
machten vor dieſen emen Trance flore Cytiſi, aus der Blüthe des 
Klees / welcher anfangs in der Inſul Cythno gefunden worden. u 
Ißland ſollen Zrunnen gefunden werden / deren Waſhſer einenrechten 
Bier-Belchmac hat. _ Die Qyaliczten eines guten Biers befichen 
in folgenden : daß es erſtlich ſchon klar fey / dann wann ſolches nicht waͤ⸗ 
ze / ſo verſtopffet es des Menſchen Leib / verurſachet darinnen Wind 
und Blehungen / vermehret auch das Phlegma. Zweytens wird auch 
erfordert / daß ed aus guten Maltz gekocht FA denn je beſſer die Frucht / 
je beſſer auch das Bier. Drittens ſoll es wohl geforten ſeyn / damit ed 
defto leichter verdauet werde / und alfo der Katar deſto gemaͤſſer fey/ 


dann welches übel gefotten/ blahet den Leib auf/ und — 
rim⸗ 











Ä Bie — 159 
Grimmen. Sp iftaud) 4. eine fonderbahre Tugend anden Bier/ dag 


es wohl ausgegähret/ und von den Hefen gereiniget ey. Man 


macht aber einen Unterfcheid inter cereviliam primariam , mediaın & 
tenuem. zwifchen ſtarcken / mittel und ſchwachen Bier ; das erſte die⸗ 
net denenjenigen / welche viel arbeiten müffen / daͤmit fie dadurch bey 
Kräfften bleiben; dieandern beyde werden über Tifch/ fonderfich aber 
Das ſchwache von denen/ die viel Wein trincken / aebraucht. Die 
hochgefaͤrbte Bier haben allezeit mehr Hitz bey ſich als die blaffen. Ob 
auch wol faft alle Bier einen unter ih gemeinen Geruch haben / da- 
durch man fie bon andern fluͤßigen Dingen unterfheiden Fan / fo findet 
fich doch ben jeder Art ein abfonderlicher / alfo Fan mar das Weitzen⸗ 
Bier leichtlih an den Geruch von dem Bärften-Bier unterfcheiden; 
das Torgauiſche Bier hat einen Gewuͤrtzhafftigen Geruch ; einige 
Bier ſeynd mit einen falshafften Geſchmack begabet / welche Bier aber 
ſehr trucknen / und den Durft mehr erwecken als ftillen. Nach den 
Lauff des Alters ändert (ich auch der Bierihr Temperament, dann je 
älter (ie werden / je wärmer ſeynd ſie / je junger je Fälter / angefehen 
daß der waͤſſerigte Theil foin ihnen iſt / mit dev Zeit (ich berzehret und 
abninımt/ und dadurd) das übrige fräfftiger wird / hingegen treiben 
die gar zu alten zwar den Urin, feynd aber dabey dem Magen / Nies 
ven / Nerven undallen fehnigen heilen des Leibes zumtder ; daß al- 
fo der jicherfte Weg iſt / Biere. von mittelmäßigen Alter zu trincken. 
die Bier / welche auf gepichten Faͤſſern Itenen / halten fich zwar 
länger / nehmen aber den Pech⸗Geſchmack an ſich / und fteigen dadurch 
zu Kopff/ werden aud auf den Peche längerjehigiger. Dennein: 
fachen Bieren werden entgenen gefeet Cerevilix Conditæ feu Medica- 
tx die Rräuter-Bier / dieſe haben ihren guten Nutzen nach den ein» 
fachen Stüden / welche man hineinthut/ als da ſeynd zuforderſt Wer⸗ 
muth / Hirſch⸗Zunge / Benedict⸗ oder Negelein⸗Wurtzel / Roßma⸗ 
rin / Salbey / Lavendel / Betonien / Aland / Iſop / Meliſſe / Poley / 
Wacholderbeer und dergleichen / ſothane Specerey wohl abgetrucknet / 
leget man entweder in das noch gährende Bier / und läſſet ſie damit 
abgaͤhren / oder man hängt ſie nach der Gaͤhre mit leinen Saͤcklein in 
die Tonne / damit die Kraft davon ind Bier ziehe; gleichwie aber der⸗ 
feichen Kräuter- Bier weniger als die fchlechte nehren / alfo feynd ſte 
ige mehr Medicinales, und dienen nicht fo fehr vor die Gefunde/ 
als diejenige / die mit einen langwaͤhrigen Zufall behafftet feyn. 
Diein Teutfchland berühmtefte Biere/ Alpbabetifcher 
Ordnung nach feynd als folgen: I 
Aldorffer Hier bey Nürnberg / ift ein wohlgefchmact und gefundes 
Bier/ deffen ſich die Herrn Studenten wohl zu bedienen — 
| e 


160 Die Ä 
Die Braunſchweigiſche Mume ) welche fo ſtarck /Eräfftig und wohl 
Seſchmack / das jährlich davon egliche Laſt / (es hat aber eine jede 
gaft 12. Tonnen’) nad) Oftindien verfand/ und daſelbſt mit guten Ru⸗ 
gen verkaufft werden / dabey dann diefes das merckwürdigſte / daß 
dergleichen nach Oft = Indien geführte Bier unter Wegs etlichemahl 
fauer werden / fonderlich wenn ſie die Eqvinoctial Linea paſſiren / in 
Oſi⸗ Indien aber ankommende / ihre völlige Suͤßigkeit und guten Ges 
ſchmack wieder erlangen / eben als wenn (le erſt friſch wären gefaffet 
worden / ja fie erlangen durch ſolche lange Reife / und ofitmahlige 
Neränderung eine weit flärdere Hitz und beffern Geſchmack / als (te 
zubor niemahls gehabt. 
Das Bartiſche Bier in Pommern / welches ebenfalls weit und breit 
perführet wird / und ein Fuhlendes Bier iſt. 
Das Brabandifehe Bier follden Scharbod verurſachen. 
Das Bernauiſche Bierinder Mard-Brandenburg / dem ed / we 
Her an Malt noch Hopffen / noch an fattfaınen Kochen mangelt / ift ein 
fchwartz braunes / ſtarckes / bitteres / doch gefundes Bier / weil es den 
Magen erwaͤrmet / die Dauung befordert / und den Leib erweichet / 
wird haͤuffig in Berlin getruncken. 
Das Brandenburgiſche Bier aus der Stadt Brandenburg iſt dem 
Kuppinifchen an Qyaliczten faft gleich. | 
Das Berlinifehe gleicht faft dem Bernauiſchen / ſonderlich wann man 
den Meefch Eochet ; fo wird es auch gefchwinde klar / und dauret wohl/ 
und ift voraus der Berliner Kupen ⸗Bier berühmt / welches man im 
Martio brauet / und im Junio erſt ausgefchendet wird/ iſt fehr 
ſtarck / aber dabey annehmlich. Wann au Zerbſter Art an dem Ber⸗ 
inifchen Bier dev Meeſch nicht gekochet wird / fo lohnt es zwar veichli» 
cher / Elavet aber langfamer. 
Das Bredaiſche Bier wird aus Gerſten⸗Maltz / aber auf eine fon- 
derbahre Art gemacht / indem man nemlich das Maltz bey gelinden 
Teuer trocknet / daß es dem Lufft⸗Maltz nicht viel ungleich ſieht / her⸗ 
nach wird ein Zuſatz von Weitzen darzu gethan / wie auch etwas Haber 
und Buchweitzen. | 
Der Brůhan von Halberſtadt / bon dem fagt man / daß derjenige/ 
welcher diefe Art Bier zuerft in Halberſtadt gebrauet/ Bruͤhan ges 
heiffenhabe. Es iſt ein Fräfftiges/ und deu Durft wohl flillendes Bier/ 
welches leicht durch den Harn gehet / daher die Halberftädter / fo es 
täglich trincken / wenig mit den Stein und Podagra behaftet / und ob 
eö wol auf der Bruft etwas fchleimet / fo überwinden doch feine Tugen⸗ 
gen diefen Mangel / dahero auch die befandte Vers von diefem Bier 
entflanden : \ 
Grandia ſi fierent toto conviviaaelo | 
Broihanam fuperis, Jupiter ipfedaret, Bre⸗ 








Die 161 


Bremer Bier / iſt roͤthlich / und wird auch weit und breit / ſonderlich 
viel nach Holland verführet. A. C. 1272. foll es zum erftenmahl/ und 
zwar mit der Bremer groffen Nusen/ feyn verführet worden / weil 
damahls Hamburg und die andern die Kunſt zu brauen noch nicht recht 
gelernet hatten. 
Breßlau hat feinen berrlihen Schoͤps / davon ein luffiger Kopff dies 
fe Knittel Vers gemadit : 
Scheps caput aſcendit, nee fcalis indiget ullis, 
Seflitat in ftirnis , mirabilis intus in hirnis, 
O Scheps! Scheps! telibenterbibit omnis plebs. _ 
Don diefes Bierd Nugbabrkeit hat Herr Muͤhlpfort einen eigenen 
Tractot gefchrieben. | 
Sr in der Pfalg ift auch feines guten Biers halber be» 
ruhmtt, | 
Corveyer Bier in Meftphalen ſoll fröliche Leute machen. 
Coͤllniſch Bier am Xhein ift dem Brabander vorzuziehen. 
Das Cotbußiſche Weitzen-Bier ift alfo befchaften / daß man es in 
Mangel eines guten Brühans brauchen Fan 
Der Duffitein/fo zu Koͤnigslautern im Hertogthum Braunfchweig 
gefotten wird / hat feinen Rahmen & Topho ‚von den ſchwartzen Toph 
oder Schwammſtein erlanget / durch welchen der Fluß / woraus man 
dad Waller zum Brauen fchöpffet / hinflieflet. Eitel Weizen gibt 
den beften Duffftein / im Fall man Gerften darunter menget / fo wird 
er geringer / von Hopffen mug gang wenig hinzu gethan werden; den 
räuherihten Schmack nimmt er von dem Stroh an / mit welchem er \ 
aus Mangel des Holtzes / gebrauet wird. Dengemeinen Urtheil nach 
gehet er dem Halberftädifchen Brühan an Geſchmack und Tugend weit 
vor / fonderlich weil er weniger fchleimt. 
Das Danziger Doppel-Bier ift weit und breit beruͤhmt / es ift dich 
wie ein Syrup / nehret diejenige wohl / die deilen gewohnt (Ind / den 
ungewohnten aber erweckt ed einen gar Man hatauch daſelbſt das 
fo genannte Junckern⸗Bier / und auffer diefen noch wol dreyßigerleny 
andere Gorten/ ſowol in der Stadt gebrauete, als auslandifche Bier/ 
fonderlic aber werden ganze Schiffs⸗Ladungen voll Lübecker Bier das 
hin gefandt/ und vor Rummeldeuß verkaufft. 
Daßifch Bier / im Braunfchweiger Lande / wird der Aund genañt / 
weil es erftlich / wann mans getrunden/ im Leibe kurret und murret / 
hernach aber laxıret / daß mancher Feine Apotecke bedarf. 
Zu Delffe in Holland wird auch gut Bier gebrauet. 
Sckernfoͤrder Bier in Holftein ift auch berühmt / fonder Urſache / 
voun diefen wird erzehlet / daß als A. 1503, der Cardinal Reymundus 
dahin gekommen / und: weil ihm — Bier wohl geſchmeckt / — 
avon 





162 Bie 


Davon getruncken / ſelbiges ihm aber des Nachts etliche Stuhlgänge 
gemacht / da hab er dieſem Bier den Rahmen Cacabella gegeben / da 
es vor dieſen Ovakelteis geheiffen. | 
Dad Einbeckiſche — fubtil und durchdringend / anfangs ſchme⸗ 
cket es bitterlich / bald darauf ſcharff; Es treibt den Urin und die Gal⸗ 
le / weswegen es auch in der Gelbſuchtund Fiebern geruͤhmet wird. 
Das Erfurtiſche iſt gar ein geſundes Bier / ungeachtet ed aus einem 
trüben Woffer gebrauet wird. — 
Das Eilenburgiſche in Meiſſen iſt gleichfals nicht zu verachten. 
Das Engliſche Bottel⸗ Bier iſt aller Ehren werth / es wird gemacht / 
wann man ed friſch in Bouteillen faſſt / und ein Stuͤck etliche blaue Ro⸗ 
ſin und etwas Citronen⸗Schalen darein thut / und hierauf wohl ver⸗ 
macht im Keller ſetzet. 
Filandriſch Bier verdient groſſes Lob ſonderlich das Doppelt ⸗Bier. 
Forſter⸗Bier wird in den Staͤdtlein Forſt in der Nieder⸗Laußnitz 
gebrauet/ if ein zimlich berühmtes Weitzen Bier. 
Sarley wird zu Garleben exhordeo difticho , alis den groffen zwo⸗ 
reyhigen Berften gebrauet / welcher felbigem Bier eine ſtarck nährene 
de Kraft gibt / und dieweilmannur gar wenig Hopfen hinzufeset / fo 
behäit das Bier einen füpligten fehr angenehmen Geſchmack / fanıt ei- 
ner durchlichtigen braun-gelben Farb ; es paflirt für eines der beften 
undgefundeften Bier / und ift dafür ſchon vor langen Fahren erfannt 
worden. Nebenft diefen ſtarcken und doppelten Garley wird auch ein 
gemeiner Garley aus Heinern Gerften gefotten / welcher aber nicht fo 
edel als jener iſt. Dem doppelten Garley zu Ehren hat Heinricus 
Meibomius, Profeflor zu Helmſtaͤdt gar ſchoͤne Vers gemacht/in wel- 
chen er diefed Biers Tugenden fonderlich herausſtreicht / ja ſolches 
gar dem bein gleich zu ſetzen ſich bemühet. Vor dem dreyſig jähri« 
gen Teutſchen Krieg foll dieſes Bier in fo grofler Menge gefotten wor» 
den feyn / daß täglich etliche hundert darmit beladene arte nad) 
den benachbarten Ortern abgegangen/ worvon die Stadt Garleben 
nicht geringen Nutzen gezogen. N 
Dem Goßlarifhen Bier geben einige die nächfte Stelle nach dem 
GBarlebifchen / weil es bei) denen / die folches viel trincken / feinen 
Stein wachfen lafft. Anfangs ſchmaͤcket es füß / bald aber darauf laͤſt 
eö auf der Zunge einen Wein» Gefchmad fpuhren. | 
Das Hamburger Bier ifteines fo lieblichen Geſchmacks / daß e3 weit 
und breit / fo gar bis in Dennemarck und Norwegen / verfuhret wird/ 
und meynt man in dem benachbahrten Holftein Feine ſtattliche Mahl⸗ 
it ohne Hamburger Bier ausrichten zu können. Es wird aus 
eigen auch Berften- Malt bereitet, Treibet den Urin / machet ei⸗ 
ne lebhaffte Farhe / aber pielgetrundgen / ein Eupfrigt — 
| eu⸗ 


Bie 163 


—— ——— — — — — — — — — 
Keuterling wird zu Hall in Sachſen gebrauet; iſt an Geſchmack 
Wein—⸗ſaͤurlig / und hat die Tugend / den Urin mercklich zu treiben; 
er Fan nicht lange dauren / weiler nicht auf gepickten Fäffern lieget. 
Aniefensch aus Suͤſtrau / wird in fonderlihen Werth gehalten. 
Luͤbecker Bleich » Bier ift auch fonderlich guten Geſchmacks / aber 
hitzig / eö dienet den verkaͤlten Magens / und ift in folhem Ruhm. in 
einigen Städten in der Oſt⸗See / daß auch ganze Schiffö-Radung vol 
dieſes Biers dahin verführet werden. Es wird auch noch eine andere 
Art von Bier zu Lübeck gebrauet / welches man See⸗ Bier nennet/weil 
es ſich zur See trefflich wohl halten Fan ; dieſes Gee-Bier / wie es dent 
Zerbfter- und Magdeburger an guten Gefhmad im gerinaften nicht 
weichet / alfo ift es aud) feiter einigen Jahr her fehr nach Oft= "Indien 
efüchet worden / wie dann die Dänifche Oft: Indifche Schiffeiährlich 
Bebenf der Braunfchweiger Mume auch einige Laften dieſes Lübifchen 
Gee-Biers mitnehmen. en . 
Lauffer Bier / aus dem Städtlein Lauff/ Närnbergifcher Juris: - 
— hat weit und breit in Schwaben und Francken einen guten 
uhm. — | 
Das Städtlein Lippen in Hinter-Pommern eignet fich wegen feines 
guten Biers das Necht zu / daß / wer die Neige von Bier ausgetrun= 
dien / von dent frifchen wieder zu trinden anfangen muß / welches die 
Ponmern das Kippenifche Rechr nennen. 
Don dem Liefflaͤndiſchen Bier / welches man eben wie das Chur⸗ 
fändifche mit glüenden Feld-Steinen brauet / rühmen einige Scriben- 
ten / daß ed (ehr gelind den Schweiß treibe / und Vor den Scharbock 
überaus gefund fey. 
Minder-Bierin Weſtphalen / ein zwar ſchwaches und den Nah⸗ 
men mit der That führendes Bier; wird fehr den Krancken / ſonder⸗ 
(ic) den Febriciränten zur Abkuͤhlung recommendiret, Es follen daf 
felbe ſonderlich die Studenten zu Rinteln gern trinden / Dannenhero 
ein dafelbft mohnender Iuftiger Bier⸗Schencke / wann er frifch Min» 
der-Bier bekommen / uber feiner Keller: Thür zu fchreiben pflegte: 
Venite ‚venite , bonus Mindenfis & novem oculi, Kommt herzu 
ihr Burſch / hier iſt gut Minder⸗Bier und Neunaugen / mit 
welchen ſchoͤnen Latein er indeſſen ſeinen Gaͤſten den Beutel gefeget. 
Magdeburgiſches Bier kommt faſt demZerbſter gleich / und wird 
viel nach Hamburg verfuͤhret. 
Das Naumburgiſche Bier iſt in Sachſen ſehr beliebt. 
Prager Bier hat weit und breit ſeine Abnehmers / und wird ſo gar 
bis Nürnberg gefuͤhret / und daſelbſt des Sommers getruncken. 
Roſtocker Bier / naͤhret wohl/ ſtaͤrcket den Leib / und gibt dem Men⸗ 
ſchen ſonderbahre Kraffte; es laͤſſt — ſonderlich das Mertzen⸗ 
2 


Bier 


164 Bie 


— — — — — — — — — — — —— — 
Bier einige Jahr aufbehalten; hat überdem einen herrlichen Ge⸗ 
ſchmack und ſchoͤne Farbe. 
KRummeldenf zu Ratzeburg in Medelnburg gebrauet / ift ein 
rechtes Labſaal der Krancken / undeine Erghickung des Sommers in 
heiſſen Tagen. Es wird deſſen viel nad) Luͤbeck verführet / bon wan⸗ 
nen ed wieder nach der Oſt⸗See tranfportivet wird. 
Ruppiner Bier ift veich von Malt aber wenig von Hopfen / dahero 
esnicht fehr bitter. Seine Farbe ftlicht-voth / wegen feiner dicken 
Subftang gibt es viel Nahrung / und vor müpige Leute faft zubiel / für 
dieſe aber iſt das Ruppinifche fo genannte Speiſe⸗Bier ein fürtreffe 
el und faft von Farbe und Klarheit einem Spauiſchen 
ein gleich. 
Salzwosdlifeh Bier / wird auch unter bie guten Bier gerechnet / und 
faſi dem Garley gleich gehalten / auffer dap er wegen mehrern Hopfen 
etwasbitterer iſt. 
Schleſien hat an vielen Orten / ſonderlich zu Schweidnig/ Steinau 
und Strigau / gut Bier. RN 
Zu Troppau und zu Tefehen wird ein Weisen-Bier gebrauet/ da⸗ 
don daß legtere Maznotz genennet wird / und follen Die im Gebuͤrg 
wohriende Wallengen einen fo groſſen Gufto daran finden / daß ſie es 
dem Spanifchen Wein vorziehen / und gemeiniglich zum Heydudi- 
fchen Tantz in der Schende dadurd) animiret werden. | 
Torgau im Churfürftenthum Sachſen brauet aus einem ſchwartzen 
Maler ein überaus wohlgeſchmackts Bier/ fogut Geblüt machet / und 
mit feinen wuͤrtzhafftigen Geſchmack das Hergz färdet. 
Das Wirtenbergifeye Bier ift dem übelgefochten Rheinischen Bie⸗ 
ten gleich / und von wenig Kräfften. 
Das fo fehr berühmte Zerbfter Bier wird zu Zerbſt in den Anhälti- 
ſchen / den Herbſt und Winter gefotten ; ift wenig bon Hopfen / lieb- 
Lich von Geſchmack / löfcht den Durft wohl / und laxivet bey einigen/ 
Ealt-magige Perfonen können das Zerbfter Bier nicht wohl ohne Wein 
vertragen / weil das Waffer gewiſſer Brunnen in Zerbft / aus welchen 
man brauet/ eine fonderbahre Kält und Härte in ich hat dahero es 
dann auch wol bey einigen eine Sıranguriam zu verurfachen pfleget ; im 
übrigen behält es feine Stelle unter den beften Bieren in Teutichland/ 
* auch hauffig in freunde Länder / und fo gar nach Oſt⸗Indien ver⸗ 
andt. 
Bieſem Mofchus, eine wohlbefannte Materia, kommt aus den Ra⸗ 
bel eines Thiers / welches faſt einerZiege ähnlich ſiehet / und iſt der Bie⸗ 
em nichtes anders als ein Eyter einer Geſchwulſt / welches das arme 
hier ſehr qbaͤlet / bis ſolches durchbricht / wie es ſich denn gemeiniglich 
an einen harten Stein reibet / und alſo das Bieſam Eyter daran ſpri⸗ 
hzet / 





— — 


Bie— 165 


Get / fo hernach aufgeſammlet wird. Es kommt auch noch der Bie⸗ 
ſam von einen andern Thier / welches einen Reh gleichet / dieſem Thier / 
fo bald es gefangen worden / entziehet man alles Beblüt/verwahretfol- 
ches wohl / hauet hernach das Fleifch in kleinen Stuͤcken / zerſtoſſet es im 
einen Steinern Mörfer / gielfet das Blut darauf / und läffet es alſo 
zuſammen truden werden / alsdann wird ed wieder klein gemacht / 
und in des Ihierd Haut wieder eingethan / worausalsdann klei⸗ 
ne Saͤcklein gemachet / und alſo berkauffet werden wiewohl aud) 
mit diefen viel Betrugs borgehet ; Die Proba ded Bifams befte> 
bet darinn daß er ſchwartz⸗ grau / nicht naß auch nicht, dünne ſey / 
und einenfehr ftarden Gerud habe / in bleyern Büchfen laͤſt er 
fi) am beften conſerviren. Wann deffen Gerucd etwas verloh⸗ 
ren / fo Ean ihn derfelbe wieder gebracht werden / warn man ihn 
24. Stunden lang inein heimlich Gemach hänget. Der Effeit des 
Sifams ift / daß er waͤrmet / trocknet / dünn machet / zertheilet / das 
Hertz ſtaͤrcket / wider Gifft und Hauptweh dienet / wie dann der 
Ambra Moſchata, auch nur in einer geringen Doſi genommen / alle 
Vifcera corroboriret / denen Catharren wehret / wann man ihn unter 
Schnupfftoback menget / dem ſchwachen Gedaͤchtniß iſt er dienlich / in⸗ 
dem er unter dieConfedtioDiamofehi dulcis genommen wird/inPhre- 
nitide dienet des Peroti Epithema Cephalicum, welches beftehes 
aus Mofeho,Campher und Rofen- Waffer/mit der Tinctur vonrothen 
Sandel⸗Holtz impregnirt und bereitet / in der Melancholia, Le- 
tharge, Caro und Apoplexia, item in Epilepfia Motibus convul- 
fivis, und Convulfionibus, welche wenig vom Morbo Sacro u» 
terſchieden / hat man allerhand Mittel / in welche der Mofchus ge» 
nommen wird / in Vertigine oder Schwindel / iſt er nicht zu ver» 
achten/ wann man ihn unter die Nafe und auf das Haupt ſtreicht / 
den Augen ift er dienlich albuginem fubtilem zu abſtergiren / und de> 
—— auszutrocknen / wann man ihn nemlich in Fenchel⸗ 
auflöfet / und in das Auge troͤpffelt / in Conſtriclione Pu- 
pillæ, in principio fuffuhonis, in Lippitudine, und in Lachrymis 
involuntariis fan man ihn ebenfalld gebrauchen / den Mugen 
theilet er liebliche Atomos mit / welche demſelben ſtaͤrcken /und die 
Verdauung befordern / er dienet in Bruſt-Beſchwerden / Lungen 
Sucht / Afthmate,, Huften und Phtiſi, in Deligvio Animi, und 
Ohnmachten / in melancholia hypochondriaca, befommit er der fe» 
ber und den Wilg wohl, in Cardialgia,Naufea,Colica,in Roth von den 
Gpulwürmern/ Affedtu Hyfterico prolapfu & defgenfu uteri, ferner 
yenerem zu ſtimuliren / undendlih in Giht-Schmergen / iſt def- 
fen Gebrauch keines wegs zu unterlaflen / hingegen follen ſich die— 
genige des Mofchi enthalten / —— zum Raſen-Bluten / ur 
J 3 u — 


166 Bie Bil 


Fluß und Blut ausfpeyen / viel geneigt feyn / weil der Mofchus 
das Gebküt nur noch mehr in Bewegung ſetzet / weil er auch durch 
feinen lieblichen Geruch die Mutter an ſich ziehet / ald applicivet mar 
folchen am beften / denen mit der auffteigender Mutter behaffteten 
Weibs⸗Perſonen / von unten auf/ damit der Biefem durch feinen ſtar⸗ 
den Geruch die Mutter wieder zurück ziehe / wiewohl einige Medicä 
dabor halten / daß es beffer ſey / daß er in dergleichen Fall gar weg ge= 
laffenwerde. Der Einkauffdes Mofchi oder Biefams/ gefchiehet in 
Holland und Engeland / dann weil dad Bieſem-Thier in China 
und andern Dftindifchen Provingien gefangen wird / als ftehet auch 
der Handel damit in denen Oft-"Indifchen Compagnien ihren Haͤn⸗ 
den / welche gemeiniglich unterfchiedliche Sorten zu verkauften haben / 
die Uutze zu 14. bis zo. Hollaͤndiſche Güͤlden. - 

Bieſem⸗Knopf / Carduus Sphærocephalus. 

Bieſem⸗Thier / Mufeicapreolx, Gazella Indica, vid. Muſtus. 

Bilantz , Balance, eine Waag-Schale / bey den Kauffleuten aber 
der Auszug Ihrer Schulden und ee ausihren Haupt⸗ 
und Handels-Büchern / nad) Buchhalterifcher Kunft/ verſtehe want 
folcye Bucher auf Italiaͤniſcher Manier / das ift/ indoppelten Poften 
geführet worden / da alddann der Bilantz in Debet und Credit gleich 
aufgehet; wo aber folhes nicht iſt / fo hat man billich Die Muthmaſ⸗ 
fung / daß falſch übergetragen worden / vid. ein mehres in unfern Pros 
bier-Steinder Buchhalter. Es hat aber ein folder Bilanız feinen 
unterfchiedlihen Nutzen / fowol zum Schluß als Anfang einer Hand⸗ 
fung / weil nemlich aus folchen des gangen Handels Zuftand / und was 
des Kauffmanns fein Capital, Borrath an Waaren und baaren Gelde 
Adiv-und Pafliv-Schulden ſeynd / auch welche von beyden die andern 
übertreffe / leichtlich Fan erfehen werden. In Separations - Gterb- 
und Bangqverots- Fallen dienet ein folcher Bilantz zu befferer Abthei⸗ 
lung der Intereflenten/ zum Fundament in Concars-Saden / und ei⸗ 
nenjeden Kauffmann infonderheit / bey Erblickung feines Bilanızes, 
um neue Speculation über feine Handlung zumachen. Es wird auch 
zu Lion in Franckreich der MWerel-Scontro in Marck-Zeiten Bilantz 
genennet / deſſen Eröffnung / wieSavari meldet / den sten Tag in der 
Meß ihren Anfang nimmt / und bis auf den letzten Tag des Monats 
continuiret / und zwar folgender Geſtalt: die Kauffleut bringen auf 
den Ort des Mechfels ihren Bilantz von Debet und Credit, das ift/ fie 
fchreiben aufeine Seite/ was man ihnen fehuldig/ und auf der andern/ 
was ſie ſchuldig / ſie melden ſich alsdenn bey denen / welchen fie ſchul⸗ 
dig/ an / erbieten zu überfchreiben / und geben zum Schuldner ein o⸗ 
der etliche / welche ihnen gleiche Summa ſchuldig / ſolches fchreiben (te 
einer gegen den andern aufihren Bilantz , und alfo ift in dem Monat 

| die 


% 


—— 


Bil 167 


die Parthie überfchrieben / das iſt ſo biel / als die Schuld bezahlt / und 

bleibet auf Gefahr derjenigen / welche ſolche aufgenommen haben; Auf 

Diefe Manier gefchehen die meifte Zahlungen / zu Ende des Monats 

aber bezahlen diejenigen / welche mehr ſchuldig feynd / per Cafla oder 

mit baaren Gelde. Welcher Kauffmanu nicht auf den Platz erſchei⸗ 

— oder feinen Gebollmaͤchtigten hinſendet / wird vor Banqrerot ges 
en. 

Bilder / ſeynd entweder bon Stein oder Holtz gehauen / von Thon 
poflirte / aus Gold / Silber oder andern Mgtallgegoflene / gemahlte/ 
in Kupffer geftochene / aus Gips / Wachs / Dragant oder Meel for- 
mirte / oder auch durch Funftlichen Anzug auf andere Weiſe verfertig» 
te. Bon deren jedeit ihrer Art wir jest befonders (fo weit ſie nemlich 
den KRauffleuten unter Handen kommen) handlen wollen. Belan- 
gend erftlich die von Stein / Holg oder Thon — Bilder / ſo wird 
ein Kauffmann (weil ſich dieſen Handel die Bild⸗Hauers allein vindi⸗ 
ciren) nicht viel damit zu thun haben / ed wäre dann / daß er eine Par⸗ 
they derſelben fertig an ſich erhandelt hätte / und ſolche wieder mit Pro- 
fit abfegen wolte / oder daß er gewiſſe Eopeyen von Statuen nad) den 
derjüngten Maapftab gemacht / zu verfauffen / hätte / welches dann in 
Gold / Silber / Meping / oder andern Metall / gar wohl geichehen 
au / fonderlich wann es Antiqven,, das ift / folche Stücke feynd / wel- 
he unter den Virtuofen und Kennern der Antigvirxzten hoch æxſtimiret 
werden / worzu auch noch kommen möchten / die in Catholifchen Or: 
ternfehr beliebte Bilder derHeiligen / als aufmelchen / eben wie auf 
zierliche Paternofres oder Roſen⸗Krantzen ein zimliches verwandt 
wird. In Kupfer geftochene Bilder werden / mas die Abbildun 
der Heiligen betrifft/unter den Römifch-Eatholifchen in —— 

ehalten; unter den Proteſtirenden aber / die Abbildung eines Groſ⸗ 
* Generals, Koͤnigs oder vornehmen Herrns / welcher ſich durch ſei⸗ 
nie Thaten oder hohes Anſehen in der Welt beruͤhmt gemacht / wie den 
diefer Handel anjetzo / obmwol in vieler gemeiner Leutund Land » Päuffer 
ihren Händen / fehr profitable vor diejenigen iſt / welche ſolche Bilder 
verlegen / und ausfertigen laffen. ine andere Art der Bilder: 
Handlung ift auch die fo genannte Brieff- oder Schadhtel: Mahlerey/ 
welche in Rurnberg und Augſpurg von gewiſſen Leuten ſtarck getrie- 
ben wird / und hernad) unter den gemeinen Leuten ihre Abnchmers fin» 
det / voraus aber beftehet ein groſſer Handel in den Rupffer-Stücen 
und Land⸗ Carten / welche ebentals einige Land Lanffer in Ruͤruberg / 
Leipzig / oder gar in Amſterdam einkauften / und hernach zu groffen 
Nachtheil der in Bürgerlichen Stand gefeflenen Buch⸗ und Kunſt⸗ 
Haͤndlers / wieder verhandeln; welchen Unweſen nicht weniger ais de: 
nen inder Stadt und auf den Land — Colporteurs / Re 
4 Traͤ⸗ 


168 Bil Bif 


—— fo genannte Savoyarden und Tablet⸗Kramern von der O⸗ 
brigfeit folte gefteurer werden. Die von Gips / Tragant oder Meel 
formirte Bilder und Poppenwerd ſeynd / was die erften anbelangt, 
wenig in der Kauffleut Handen / fondern werden von denen Gips: Bile 
ber Machenden felber Gtüd-weife verkaufft; die fo genannten Pop⸗ 
pen oder Doden aber von Tragant und Meel / item von gepapten Pa⸗ 
pier / führen vielfältig die Rauffleut / fonderlich die mit Nürnberger 
Waaren handeln / weil diefe Waar / nach dem gemeinen Sprichwort/ 
Hürnberger Hand geht durch alle Land / big gar in Indien be⸗ 
Fandt geworden / und faft Fein Ort iſt / da nicht um Weynacht⸗Zeit 
dergleichen Poppen-Waar / weldhe Gülden oder Thaler weiſe / auch 
wol bey Pfund eingekauffet wird / zu verkaufen ſtünde. Angekleidere 
Poppen oder Bilder haben mehrmahls die Schneider und Galanterie- 
Kramers / welche von den Mode-Rleidern ihren Profit ſuchen / und 
dergleichen Poppen darzu expreffe aus Franckreich bringen laffen / um 
denen Liebhabern neuer Trachten die frangöfifche Hof⸗AÄrt defto beffer 
borzuftellen / zu kauff; eö werden auch ſolche unter allerhand Pofituren/ 
fonderlic un MWeynacht-Zeit faft in jeder Stadt verfertiget/ und dar- 
Inn von denen / die ihren Kindern einige Ergeglichkeit machen wollen/ 
nicht wenig Geld angeleget. \ 

Bıllon de garance , vide Grapp. 

Bilſem Kraut / Hyofciamus, 

Bims-Stein / Lapis Vulcani, item Pumex genannt / iſt ein ge⸗ 
meiner ſchwammigter Stein / welcher aus. Itallen kommt / und da⸗ 
ſelbſt von dem Vefuvio ſoll ausgeworffen werden. 

Binetſch / Spinachia, Spinacea. 

Bingel⸗Kraut / Mercurialis. 

Bingen:Rofen / Pcœonia. 

Bins⸗Auge / urtica mortua. 

Bintzen⸗Graß und Riedt / Gramen junceum. 

Bircken⸗Baum / Betula, 

Birck⸗Wurtz / Tormentilla, 

Biſam / Mofchus ‚vide Bieſem. 

Bifmalva v, Althæa.. 

Bifmuthunı, Marcafita, Wißmuth / iſt ein Auswurff oder Fxere- 

ment in Zeugung der Metallen / es raucht in Feuer gern weg / fo daß 
nur wenignachbleibet / vide Marcafr. 
‚ „ Biftorta major, Radice minor, Intorta, Magis intorta, Alpina 
maxima, Media minima, Schlangen-Kraut oder Naterwurtz / Krebs⸗ 
Wurtzel / Serpentaria, Colubrina , Dracunculus mas wächft gern 
auf feuchten Boden / ift eine Schweiß und Gifft treibende Wurtzel. 

Biftre oder gekochter Ruß / ifteine Farb / welche folgender — 
gemacht 


Bir Dla 169 


gemacht wird: Ihue in einen glafurten neuen Topff ein Theil Ofen» 
Ruß und zwey Theil Maffer / lap ſolches Fochen / bis das Waſſer bey» 
läuffig auf die Helffte zur Conſillentz eingefotten / dann zwings durch 
ein Tuch / und gieß folchen Safft in Muſcheln / und laß ihn trocknen. 

Bittere Mandeln / Amygdal« amarz, 

Bitterwurtzʒ / Gentiana. Ä 

Bitumen ‚ insgemeineinejede Fettigkeit der Erden / fo zähe und 
leicht brennend iſt. 

Bitumen Judaicum, vid. Aßbalum., 

Black · Kuͤttel oder Fiſch / Sepia. 

Blanc d’Efpagne , oder dad Spaniſche Weiſſe / iſt eine Schmincke / 
die aus Zinn-Afche nad) der Kunſt præparivet wird, 

BlaptiSecula, v. Cyan. 

Blattwurtz / Tormentilla, 

Blatt Byzantine, Ungvis odoratus, Indianifhe Muſchel⸗Scha⸗ 
ken oder Schnecken⸗Haͤußlein / werden vor Luft an dem Rothen Meer 
gefammlet / und riechen wie Biebergeil. 

Blattaria , Sthaben-Rraut / Bold Rnöpfflein / Verbafcum lepto- 
phylium, iſt ein wider die Entzündung der Augen / item , die Haar 
gelb zufärben / und die Motten aus den Kleidern zu vertreiben / fehr 
dienfames Kraut. Ä | 

Blaͤtter / Folia, deren werden bon denen Materialiften unterfchied« 
liche geführet / als Folia dictamni Cretici, Cretiſchen Diptams, Indi, 
Indianiſche Blätter / Lauri, Lorbeer⸗Blaͤtter Senz, Sems⸗Blaͤt⸗ 
ter / ac. Vide hievon eine ausführliche Verzeichniß unter dem Wort 
Kraͤuter. Auſſer oberzehlten Frucht: Blättern führen auch nod) viel 
andere Waarenden Nahen Blätter / als geſchlagen Gold / Gilber 
und Metal / die Blätier in den Büchern/ wekhe fonderlich in der 
Kauffleut Haupt: und Handeld-Bücher wohl müflen fauber / accurat 
bezeichnet / unradiret / und wann fie voll gefchrieben / oder aus dem 
Journal in das Haupt-Bucdrüber getragen wird / wohl auf ein ander 
beziehend / und den Tranfport bemerchend feyn. 

Blatter⸗Zug / Flammula Jovis, 

Blattern⸗Holtz / Lignum Guajacum. 

Blaue Farbe / Color coeruleus, Franköf. Bleu, Ital. Corlefte, 
Turchino, wird mehrentheils durch) Kunſt gemacht / und die Materia 
dazu ausden Bergen gegraben / wie folchesunter den Wort Malta- 
zuerfehen. Wann aber dieſe Farbe viel irrdiſches bey (ich führet/und 
ſich niht wohl reiben / viel weniger zum Illuminiven gebrauchen laffen 
will / als muß derfelben auf unterfchiedliche Weiſe durch Kunft fols 
gender maflen geholfen werben / nimm blaue Stärde ein Theil/bor- 
ras zwey Theil / dieſes zuſammen — Pulver E 

1] nu 


170 Ä Bla 


macht/ aufeinen Reibftein gerieben / fo giebt ed eine flüffige Mahler: 
Farb. Item nehmet Torna Sohs, weichet ed eine Nacht in Urin/ veibet 
es des Morgens / und bermifcht es mit ein menig lebendigen Kalch / 
nachdem ihr die Farbe heil haben wollet / ſolviret es mit Urin / ſoll 
fie glängend ſeyn / thut ein wenig Gummi Arabicum darzu. 
Aus denSilber eine Him̃el⸗blaue Farbe zumachen / procedirt man 
folgender geftalt: Nehmet Bleche von feinen Silber / fo groß als ei⸗ 
nen halben Thaler / uñ fo duͤñ als Papier/thut fie zu einen Pfund ſcharf⸗ 
fen Eſſig / und 4. Roth Salarmoniac klein pulveriſirt / ineinenneu der» 
glafürten Hafen / mache denfelben mit einen gewächften leinen Tuch / 
oben wohl zu/ und ſetzt es ıs. oder zo. Tage unter einen warnen Pferd⸗ 
Mift/ fo findet ihr die allerfchönfte blaue Farb / aufden Blechen han⸗ 
gen / die fchabet herab / laſt fie trocknen und-brauchet fie. Item 
nehmtet eine Untze fein Silber / fo durch das Scheidewafler calcirürt 
iſt / Salmiack z. und ein halb Dventin/ Efig fo viel ald genug iſt / meu⸗ 
get es unter einander / bis der Zeug aufden Grund findet / alsdann 
gieſſet den Eßig ab/ thut diefe geſunckene Materia ineinen Rolben/ 
dverfchlieffet ihn wohl / und laffet es alfo zs. Tage ftehen/ fo habt ihr 
faft einen guten Ultramarin damit zu mahlen / item nimm Salmiack 
ein Theil/ Kupffergrün oder Gränfpan 2. Theil / ſtoſſe beyde Stück 
zu Pulver 7 Vernuich es mit ein wenig Bleyweiß / hierauff mit 
Weinſtein⸗Ol / ſehe ein einen wohl verftopfften und ebten Glaſe 
mit den Brodt in einen Back⸗Ofen / da dann fo bald das Brodt geba⸗ 
en iſt die Farb auch wird fertig feyn. Item, nimm gebrannt Kupf⸗ 
fer und Wein-Hefen / jedes 4. Loth / ungeſchmeltzen oder lebendis 
gen Schweffel 2. Loth / ſtoß alles zu Pulver / vermiſch es mit Eßig 
oder Harn / thue es in ein wohl verftopfft berglafurted Gefäß / la es 
1s. Tag alfo ftehen / fo wird ſie gut feyn. Item ‚nimm bie blauen 
KRorn- Blumen / pflücke fie ab / ſtoß itein einen Mörfel / drucke den 
Safft durch ein ſchoͤnes Tüchlein / lege alddann weiſſe Tüchlein 
darein / daß der Gafft (ich hinein ziehe / thue es in ein ſauber Geſchirr / 
und fo du es brauchen wilt / temperirs mit Gummi, Item, nimm eis 
ne zart geriebene Kohle / und Bleyweiß / veib eö mit Lein⸗Ol wohl uns 
tereinander. Item, nehmet 4. Untzen Braſilien⸗Holtz / und ein halbPfund 
Indigo, laffet es mit einander ſieden / in 2. Pint⸗Waſſer / thut dazu ei⸗ 
n gr gemein Alaun / in dieſen Wafler das Holtz gekocht / fowird es 
on blau. " 
Die blaue Farb und deren Anſatz / (fo wie fie die Faͤrber / wel 
che Seide / Wollen / und Leinen / blau färben wollen gebvauchen/) 
beſtehet ſammt ihren Anmerckungen in folgenden. Erſtlich / wird 
die beſte blaue Farb mit Weyde / oder auch mit Indigo, welcher 
aber nicht fo gut als die Weyde iſt / gemacht wann man beyde 
zum 


Pla 171 


zum Färben zufanımen gebrauchet/ fo muß man nicht über ſechs 
Pfund defleiben/ anf jeden Ballen Wende zur Bermifchung brauchen/ 
ja auch nicht eher / alöbis ste zuvor erſt in der guten Kuͤppe / und zwey⸗ 
en erften Aufwärmungen bereitet worden / ſo muß aud) der Indigo 
erſt mit der Port-Afcheremperiret werden ; zu der Voüede,welches in 
Franckreich auch eine Art von Wende ift/abernicht von fo groſſer Krafft 
ift ein Pfund Indigo zu 100. Pfund Voücdegenug. Es bedienen ſich 
auch einige Färber zur Berhöhung der blauen Farb des Indianiſchen 
und Bratilien- Holtzes / wie auch der Orfeille, dadurch felbe Farbe ver⸗ 
faͤlſchet wird/und übel zu gebrauchen / dannenhero fie auch den Faͤrbern 
gang und gar zuverbieten. Hingegen kan die blaue Farb viel fchöner 
gemachet werden; wann man den Zeuch/ nachdem er ſchoͤn gefärbet und 
wohl getpühlet worden/ durch laulichtes Waſſer allein /.oder mit ein 
wenig Alaun gehen Läßt/ beffer aber ift eö vor die Zeud) und Farben / 
wann folche mit zerlaſſener Seiffen gewalcket / und hernach von ge⸗ 
dachter Seiffen wie der gereiniget und befreyet werden. Die Turgvin- 
Farb und noch Höhere blaue Mittel⸗Farben koͤnnen ebenfalls viel ver⸗ 
höhet werden/ wann man ſie durch einen Sud und folgends durch eine 
Cochenill- Flotte gehen läßt. Hingegen werden die Himmtelblaue und 
andere blaue Farben von niedrigen Mittel-Farben dadurch grau⸗ 
fiht / und verlieren den Blank oder Schein der blauen Farb. 
Die Kleyen und faure Waſſer / ob folche fonften gleich gut feyn / den 
blaugefärbten Zeuchen ihre Sprödigfeit und Fett zu benehmen / wann 
man ihnen etwann ferner eine andere Farbe geben wolte / fo feynd 
fiehingegen zur Verhöhung der blauen Farbe nicht zugebrauchen/ 
weil ſie zu ſehr trucknen / und in den Haaren der Zeuchen ſtecken bleiben/ 
auch ſelbige fleckigt machen / und verhindern / daß ſie nicht wohl fönnen 
geſchoren oder friiyet werden / weil dad Mehl vom Krafft· Waſſer / 
welches eine Klebrichkeit in den Zeuchen oder Tuͤchern hinterlaͤßt / 
verurſachet / daß ſelbige nicht fo gelind und weich werden / als ſie 
wohl ſeyn ſolten. | 

Kine gute Blau⸗Kuͤppe anzuſtellen / fo gebrauche 

| folgende Defeription. 

Weiche Waſſer in einen Keflel / und: thu darinn 4. oder s. Sand 
voll Weisen Kley / nebenft 4. Pfund PottsAfche / wann folches zergan⸗ 
gen, und etwann eine gute Stund gefotten / fo feet a. Pfund Krapp 
arzu / den laffet zergehen Fund etwann eine viertel Stund ſieden / 
hierauf das Waſſer in die Küppe gefchlagen / und ſolche auf 2. Span- 
nen nach damit angefüllt / hernach Die Kuͤppe zugedeckt / der Anſatz bon 
Indigo und Weyd iſt von jeden 6. Pfund und z. PfundPott⸗Aſche / ſol⸗ 
ches in einen Heinen Keſſel warm Waſſers gethan / und bey einer hal⸗ 
ben Stunde mit ſtetigen Umruͤhren ſittſam kochen laſſen und als dann 
| unter 








172 Bla 


unter dadandere gebracht. Cine Indigo-Farbe auf Indigo allein an» 
zufegen / muß eine Schärfe mit Pott-Afche gefotten werden / mit Zu⸗ 
fchlagung 4. odevs. Hand voll Kleyen / und etwannein halb oder drey 
viertel Pfund Krapp / ſolches alles laſſt eine biertel Stunde ſie den / als⸗ 
dann zugeſtellt und gefallen laſſen / hierauf den Indigo im Reib⸗ Keſ⸗ 
fel Elein wie Mehlaabgerieben / von der Schärfe hineingegoflen / un= 
ter einander gemifchet / gefallen laſſen / das lautere in den Blau⸗Keſſel 
abgegoffen / auf den übrigen Indigo wieder Schärffe / und das fo lau⸗ 
ge gegoffen / bis Feine Farbemehr daraus zu bringen. Wolte mar 
indem Satz mit Indigound Weyd das Gewicht des Weyds verdop⸗ 
peln / und den Indigo anflatt angegebener s. Pfund nur ein Pfund 
Schwer beyſetzen / wuͤrde die Küppe deftobefler/ und der Obrigfeit Ver⸗ 
ordnungen mehr gemäß werden / welchem die erfigemeldtelndigo-Fars 
bezumider Läufft / dahero fie auch nicht zu dem Ende angeführet wor⸗ 
den / ald wären fie vor ſich felbften viel tuͤchtig / alleinift die Prapara- 
 tions-Arbeit daran gut / und Fan der Indigo dermaffen auch zum Zufag 
des Wends gebrauchet/ und dieſer damit gefchärffet werden wie dann 
auch beydiefer Farbe/ wann man fie ja alfo gebrauchen folte/ ein alter 
Sat; oder Grund zumSud von nöthen ift. Endlich ift nöthig zu wiſſen / 
daß / weilalles Roth leichtlich verändert werden Fan / man zu Verhũ⸗ 
tung deö Fledensam Tuch / den Krapp entweder ſehr ſparſam zung 
Blauen gebrauchen / oder wol gar davon laffen folle / dann eö doc nur 
die Farbe fälfchet und anf Violerziehet : welches / wann es mit Willen 
gefchehen ſoll un das hohe Blaue wohl heraus zu bringen / beffer mit 
einer Purpurrichten Farbe / wie die Cochenille gibt / getieffet wird. 
Die vermifchte Farben von den blau find: Bleu blanc, bleu naillant, 
“ bleu päle, bleu-mourant, bleu mignon, bleu cclefte, bleu zeine, 
bleu turquin, bleu de Roy, fleur deguesde, bleu pers, aidego und 
blen d'enſfer. Aus der bermifchten blauen und der Frantoͤſiſchen 
Scharlach⸗ Farbe wird gemacht die Koͤnigs⸗Farbe (ouf Frantzoͤſiſch 
Couleur de Roy) Couleur de Prince und Amarante, wann die Farbe 
mit der Curcuma oder Teramerita heil gemacht wird/ wie aud) Cou- 
leur pensee und Violet, wann felbigenicht hell gemachet if. Man 
bedienet (ich aber gar ſelten folcher Bermifchung / wegen des hohen 
Preyfes der Farben/ und Eönnen diefe Farben viel beffer und wohlfei⸗ 
fer. mit der Rothe und Cochenille , ald mit den Scharlach⸗Koͤrnern be⸗ 
reitet werden. Don der Dermilgeng des blau: und Carmoſin⸗ 
zothen wird die Purpur⸗ Farbe / Colombin , Amaranta Carmoilii, 
und Violet Carmoihii gemachet. Won eben biefer Vermiſchung / 
wann die Zeuche oder Tuͤcher etwas weniger mit Allaun und Wein⸗ 
Kein gekochet worden / erhält man ferner folgende Farben:; 
Als gris-argente , oder Silber »Farb/ gris delin , gris en 
u un 


Bla 17 


und grisvineux, Ferner werden auch von den Farben dieſer zweyen 
Vermiſchungen allerhand Arten des griscarmoiln und andere Arten 
Carmoſin / zu welchen die braune Farbe gebrauchet wird / gemacht / und 
grislavande, gris de lauge, gris de ramier, gris plombẽ, couleur 
d’ardoife, painbis, und triſtamie. Man nennet aber diejenigen Far⸗ 
ben Carmoſin / welche mit der Cochenille gemacht werden. Von der 
Mittel⸗Farbe des blauen und halb Scharlachenen werden folgende 
Farben gemacht / als: paſsẽ/velours, l'amarante, letane und la rofe 
feche, oder Bleich⸗Roſen⸗Farb / allein man bedienet (fc) der Karben 
von dieſer Mittel⸗Farhe nicht / wegen des hohen Preiſes der Schar⸗ 
lach⸗Koͤrner / ſo zur Compoſition der einen dieſer Farben / gebrau⸗ 
chet werden. Von der Mittel⸗Farbe des blauen / und der Car⸗ 
molinsrorhen Mittel⸗Farbe wird die Amarante, la tanè, la roſe 
ſeche, la penfee, oder Dresfaltigkeitd-Blumen Farb und le pafle 
velours,, es muß aber zu den zwei) legteren Farben etwas weniger 
von der Roͤthe als Cochenille gebraucht werden / weil der Drey⸗ 
faltigkeit- Blumen Farb / und die pasfe velours rößlicher, / als 
die andern/ gemachet feyn wollen. Es Eönnen auch von eben 
Diefen Mittel-Farben das gris-brun und fur-brun gemachet werdeit; 
— iſt auch / daß warn dev Faͤrber von Färbung einesStüd 
ges noch etwas Subftantiofcg in ſeiner Blau⸗ Kuͤppe uͤberbehalten / 
daß er ſolche noch zu Bleu blane, oder Bleu naiſſant, und alſo wie alle 
andere Uber-Reſt der Güde und Buͤder / zu den Farben gebrauchen 
kan / zu welchen ſie ihm nuͤtz und dienlich werden; Nur muß lich bey ei⸗ 
ner blauen Küppe borgefehen werden / daß ſie etwann zubor nicht im 
Sud übertrieben / und alfo dadurch garftig und veränderlich gemacht / 
oder derjelben zuviel Pot⸗ Aſche beygeſetzet worden / welches die blaue 
Farbe grün und falfh machet. Folgen noch einige Defcriptiones, 
wie eine — blaue Farbe zu Seiden und Wollen anzuſtellen / und was 
dor Handgriffe dabey müffen in Obacht genommen werden / und zwar: 
lich in per blauen Seiden-Farb. R. Eine halbe Metzen Büchene 
Aſce rein auögelichtet / und mache eine Lauge davon von drey Eymer 
nd» oder Regen⸗Waſſer / thue es alsdann in eine hölgerne Tub⸗ 
mit einen Dedel dicht zugemacht / thue davein 2. Hand voll Weis 
en! einachtel Pfund Krapp / ein Achtel weiſſen Weinſtein 
in geftoffen / ein Pfund Pott⸗Aſche / ein halb Pfund Indige Quadi- 
malio fein geftoffen / ruͤhre es mit einer Kruͤcken wohl um / das muſt 
duthunalleız. Stunden 14. Tage an einander / bi daß der Guß von 
deine Finger gran ift / alsdenn h färbet (ie / und wann (te ſchon fertig, 
iſt / muſt du ſie doc) alle Morgenrühren. Wann du nun färben wilt/ 
fo made die Seide naß in warmer Lauge / ſo friſch geledet / wringe ſie 
aus / und alsdann indie Farbe geſtoſſen; du muft aber ein Brieff 


drin: 


174 Bla J 
drinnen hencken / wie die Faͤrber pflegen zu thun / auch dabey noch eine 
Küppe haben wie die Blau-Rüppe/ die voll geleckter Laugen gemacht / 
mann du dann die Seide vonder BlausKüppe wringeft / fo ſpuͤhle fie 
in diefer geleckten Laugenreinab/ und wringe (te vein aus / dann im 
flieflenden: Waſſer gefpuhlet / gefchlagen / getrocknet und gerefilets 
Mann du aber färbeft / fo mache ſie erſtlich naß inder Spühl-Rüppe/ 
fo darffſt du der erſten Lauge miht 5 Hieraus kanſtu machen viererleny 
blau / von dunckel⸗ in licht⸗blau / nachdem du die Geide lange in der 
Farbe liegen laͤſſeſt; Wann ſich die Kuͤppe ringert / ſo kanſt du ſie fül⸗ 
len aus der Spühl⸗Kuͤppe / und lecken fo viel Laugen wieder daveins 
MWannaberdie blaue Kuppematt wurde/ fo thue darein ein viertel 
Pfund Indigo Qyadimalo Hein geftoflen / ein halb Pfund Pott⸗ Aſche / 
. Loth Krapp / 1. Hand vol Meisen-Kleyen/ ein halb Roth weiſſen ge: 
offenen Meinftein ; das muß s. Tage ſtill ſtehen / und aleız. Stun» 
dengerühret werden / dann faͤrbe wie zuvurt. - 
; Kine gute Blau⸗Kuͤppe anzuſtellen. 
Nimm erſtlich einen Topff / welcher einen Eymer Maffer Hält / fe: 
ge ſolchen aufs Feuer / thue darein ein Hand voll Stein-Kald / z. 
PfundIndigo, 1. Pfund Pott-Afche / Taf es zufarıımen eine Stunde 
kochen / und laß etwas weichen / mache denn einen Keffel vein von ei⸗ 
ner Tonne Waſſer / thuedarein 2. Pfund Erapp/ 2. Pfund Kleyen / 
3. Pfund Pott:Afche/ und laß es ein wenig auflieden/ dann in eine 
Küppe gegoſſen / und den Indigo, fo inden Topff / durch ein Sieb / im⸗ 
leichen auch die Lauge / ſo in den Topff / durch ein Sieb gelaffen/ in die 
ippe gethan/ allein der Indigo muß wohl durchgefreffen feyn / und 
die Küppe aufgefüllet mit Waffer/ dichte zugededet/ ein Feuer dar 
anter genachet / daß es fein warm wird /aber nicht zu heiß / als dann 
alle zwey Stunden umgerühret/ bis daß e3 zu Merck kommt / fo faͤngt 
er anzu flieflen / und wenn er anfangt aus den gelben zu fehen/ fo kanſt 
du darauf färben / aber du muſt gang; veine Hände haben / fo nicht fett 
ſeyn. Mann du aber — Hi haft / ſo muſt du die Küppe wie⸗ 
derun verſtaͤrcken mit Pott-Afchen / aber nicht zu viel oder zu wenig/ 
fonften verdirbt die Kuͤppe / du muſt auch auf einmahlnicht zu viel faͤr⸗ 
ben / fondern etwas warten / und jedesmahl die Kuppe aufrühren/ 
wann du gefärbet haft. : 
Kine ſchoͤne Beuvret zu der Blau⸗Kuͤppe / wañ fieniche 
| will zue Wirckung kommen / iſt dieſe: 
Pin ein biertel Pfund Krapp / ein viertel Pfund Pott⸗Aſche / zwey 
Handvoll Kleyen / laß es zuſammen aufſieden / und gieß es in die 
Blau⸗Kuͤppe / und rũhre es wohl um / fo ſoll es wohl zur Wirckung 
kommen / und da bie Kuͤppe zu fett yon Aſche / fo. heuge ein Sale 
ur ee 2 se - mit 


Bla 175 


mit Weitzen⸗Wehl darein / ſo wird es alle Fettigkeit ausziehen; man- 
gelt äber derKuppe etwas anders / ſo nimm vor ı. Schilliag Sulpeter/ 
thue den darein / es ſoll alsbald zur Wirckung kommen / ſonſten iſt ein 
wenig Hefen von Bier auch gut/ welches die heſte Kemedia, eine Kuͤp⸗ 
pe zu Werde zu bringen, - Ä 

Auf wollen Zeug einegutelndig- Farbe anzuferzen. 
Sülle erftlich einen Keſſel mit er / laß es aufſteden / thue alsdann 
Pott⸗Aſche hinein / und wann es damit aufgefotten / eine Schüffelvoll 
Kleyen / und drey Hand voll Roͤthe / laß es wieder eine viertel Stun- 
de ſieden / alsdann zugefteilt uud das Feuer weg gethan / Damit es 
fallen möge ; Hierauf ſtoß den Indigo gang Hein wie Mehl / und gieß 
Schärfe darzu / laß den Indigo darinn fallen / und gieß dad lautere 
davon ab in den Blau⸗Keſſel / Hernach abermahl neue Schärffe auf den 
Indigo gegoffen / und ſolchen fallen laffen / und int den Blau⸗Keſſel ge⸗ 
than / und diefes fo lange / bis Fein Indigo mehr da iſt. Item, nimn 
auf ein viertel Pfund Indigo.ein und ein halb Pfund’ Pott-Afche / eit 
viertel Pfund Roͤthe / 3. Hand voll Weitzen⸗Kleyen / laß es eine hälbe 
viertel Stunde zuſammen fieden / und alödann niederfchlagen.. Hler⸗ 
auf nimm das lautere von diefer abgefottenen Brühe / und reibe ein 
viertel Pfund Indigo fein far / alsdann muft du einen Sat; oder alten 
Indigo, oder frifhen Weyd haben / ſolchen in den Keſſel heben / und 
den —— Indigo darzu gethan / fo wird es in 24. Stunden ei⸗ 
ne gute Farbe werden. — 

Eine gute Kuͤppe anzuſetzen. 

Thue erſtlich darein einen halben Metzen Weitzen⸗Kleyen / darnach den 
Werd / wieder z. Pfund Krapp / darnach den Keſſel voll Waſſer / 
es Stund ſie den / darnach ſchlage es über in die Kuͤppe / laß Ich 
bis die Küppe kommt / darnach thue den Keffel wieder vol Waſſer / 
und laß jleden /und wenn die Küppe da ift/ fü fchlag das Waſſer in die 
KRüppe / und laß ſtehen / decke ſie warm zu / und lag ſtehen 2. Stunde/ 
pers Re wieder darnach alle Stunden / bis fie blau gibt / magft 
innwendig hineinthun fo viel du zu färben haſt 3. oder 4.PfundIndigo 
und; Pfund Pott-Afche / laß ſtehen und farbe daraus / wenn du gefaͤr⸗ 
bet haft / ſo ruͤhre ſie / decke ſie zu / und laß 2. Stunde ſtehen / darnach 
faͤrbe wieder / es muß auch Kald hinein / weil ſie deſſen viel braucht / 
ein biertel boll oder ein halbes / du niuſt es auch alle z. Stuud ſtehen laſ⸗ 
fen/ und dann wieder rühren/ und Kalch geben. 

. Blaue Korn⸗Blumen / Cyanus, Flores fıliginis cœrulei. 
BlaueRofinen/Uvzpaflemajores. | 
Blaue Schluͤſſel⸗Blumen / Pulmonariamaculofa ‚Symphitum 

maculoſum. — | F 
| Blau 


176 Bla Ble___ 
Blaue Creutz⸗Blume / Polygala qvinta corrulca, 

Blaue Gilgen / v. Iris noſtras. 

Blaue Meer⸗Wurtzel / REryngium cœruleum. 

Blaue Wolffs⸗Wurtz / Napellus, Thora, aconitum eceruleum. 

Blaue Gauchheil / Kollmar⸗Kraut / Anagallis fœmina. 

Blaue Violen / Melanixz, Cybeliæ Martiæ. 

Blau Maͤnderlein / Chamædrys vulgaris. 

Blauer⸗Kraut / Herba ſtrumea, Batrachium. | 

Blau Chondrillen / Chondrilläacoerulealatifolia, , 

Blau Augentroſt / Euphrafia cœrulea. A 

Blau Gottes⸗Gnad / Gratia Dei cœrulea. 

: Blau Winde /.Convolvulus corruleus, 

. Blau Haſen · Koͤhl / Sonchus levis’flore cœruleo. 

Blau Mauß⸗Ohrlein / Auricula muris coerulea. 
un Blau Schnabel- Kraut / Geranium cœruleum 
4 Blau Waldreb / Clematis carulea, » 

* Blanc Maßlieben / Belliscorulea, ie — 
Blauer wilder Saffran / Cnicus cceruleus. 
Blech / weiß berzinntes und ſchwartzes oder unberzinntes / wird 

viel in Schweden / Sachſenund der Marck⸗ Grandenburg fabriciret, 

Es gehen gemeiniglic 450. Platen auf ein Fäglein. 

„Blende / ift eineglängende Berg-Art / ſchwartz und auch gelb/ fo 
Fein Metall führet / und den Bergmann offt blendet / ift unterfchied« 
lich / als licht-gelbe Blech Blende bricht gern beym Glan. 

Bley / Plumbum, ein unbollfommenes Metall / fo aus einem un⸗ 
reinen Sal / ungekochtem Mercurio und irrdiſchen Schweffel befte- 
het / undleicht andere Metallen verderbet ; die Chymici nennen eöSa- 
turnum Es ſind dreyerley Arten / eines fo weißlicht fit / das ander 
ſchwaͤrtzlich / das. dritte gantz ſchwartz; alle drey Arten werden in 
Zeutfchland gefunden / in Engeland gibts ebensfaldviel Bley. Aus 
dem Bley wird die Mennig/ Minium genannt / item Kugeln / Waſ⸗ 
ſer⸗Roͤhren / und viel andere nugliche Dinge mehr gemacht. Vide ein 
mehres von dem Bley unter dem Abort Plambum. Ra. 

Bley Blicca, item Pleilyam, ein Fiſch dieſes Nahmens faft den 
Braffen gleich. 

Bleyweiß / weiß und ſchwartz /Ceruffa alba & nigra , wird des 
Jahrs ſehr viel verthan / und an unterfchtedlichen Orten gemadht/ 
das ſchoͤnſte und befte Fonnmt von Venedig / iſt auch noch eins fo theur 
als das Holländiſche / es wird auch zu Nürnberg und Franckfurt ges 
macht / wann eöfchön hart und Schnee-weiß iſt / fo hat das weiſſe 
feine Probe ; das ſchwartze wird auch nachgekuͤnſtelt / fcheinet aber/ 
daß man in Teutſchland noch nicht Hinter den rechten Grund kommen 


e 


koͤn⸗ 


— — zu 


— 
* 


De Blu 177 


———— en 
Fönne. Das fchönfte kommt aus Engeland/ muß nicht fandig auch 
nicht gar leicht / noch bruͤchig ſeyn. Eßi auf Bley gegoffen/ gibt auch 
ein gutes Bleyweiß / und, Bleyweiß felbft / ineinen eifeen Löffel oder 

chirr / über — warme Aſche geſetzt und wohl umgerührt/ 
wird endlich zur Mennige. nv. 

Bley⸗Glantz / Plumbago. | 

Bley⸗Pulver läft ih am beſten machen / wann man das Bley 
in einen irtdenen oder eifern Gefäß zergehen laͤſt / hierauff Eleine ger 
ftoffene Kohlen darunter mifchet / welche nachmahis wieder davon 
abgewafchen werden / auffdiefe Manier fan man eh einen Centner 
Bley zu Pulver machen als eine Uns in Moͤrſer / dieſes Bley— 
Pulver gebrauchen vielfältig die Töpffer um damit zu verglaſu⸗ 
ven. Gebrannt Bley / Plumbum uftum, wird gemacht warn mar 
Bley zu dünnen Blech fhlägt / und machet damit / wie auch mit 
dem gemeinen Schweffel / in einen Topff ein Stratum Super Stratum 
Läffet es ausbrennen / fo wird ein braunes Pulver daraus / welches 
öffters abzuwafchen / und wohl zu trucknen iſt / wird zu Pflaftern vor 
alte Schaͤden gebraucht. Von mehrern præparatis us demSaturno 
oder Bley / als Schiefetweiß / Sandix, Malſicots Lithargyrium, 
Saccharum & Ballamum daturni, &c, vide jedes unter feiner eige⸗ 
wen Benennung. a N 

Blitum Meyer / Hahnen ⸗Kamm / Blitum album & rubrum, dienet 
wider dierothe Ruhr. J | 

Block bedeutet ein unformliches grobes Stück Holtzes / oder 
Marmors, fd wie er aus denen Carrieres oder. Marmor Stein⸗ 
Gruben / gehauen wird / man fagt auch einen Block Bley / oder 
Zinn / wie ſolches nad) dem Ausguß / den Kauff⸗Leuten zu verkauffen / 
unter Händen kommt. 

Blumen Flores, frangöftfch des Fleurs. Seynd unterſchiedlicher 

Arten / und werden theils von denen Materialiſten als zur — —— 
liche und auch Yon denen Gaͤrtnern und. Blumen: Händlern / als 

Blumen/ die man zur Haushaltung / oder zur Luft und Curiofi- 

tät gebrauchet / geführet / jene ſeynd Flores Anthos, Roßmarien⸗ 

Blüh/ Balauftiorum, gefüllte Granaten-Blüh /Borraginis Sorrabi⸗ 

Blumen / Bug loſſæ, Ochfen-Zungen-Blumen/ item Betonica,Bellodia 

hortenfis,&o, ran —A 

Flores Carthami , wilder Saffran / Safflor / Chamomillæ Roma» 

nz , Röntifche Ehamillen / item Calendule Centaurii minor, 

Cheiri, Cichorũ Confolid& majorisregal, Cyani. | 
Flores Dauci vulgaris, Enul& , Kpatic® albæ, nobil, Fabarum, 

Farfaræ, Flammulx, Geniſtæ, Hyperici, Jacez. | 
Flores Lavendulæ, Labendel⸗Blumen / — Alborum & — 

val⸗ 


L 


.178 Blu 


er L——— ——— — ——— T—x 
yallium, Meyen-Blumen / Lilliorum Convall. Sale condit. 
L.oti albi,rubri, Lupuli, Malvæ hortenf, f. arborex alb, rubr. 
vulgar. Matricari&, Meliloti alb. Citrin Mymphææ Albæ, Pxo- 

niæ Papaver, albi etrat | | 

Flores Perficorum ‚ Pferſiſch⸗Bluͤh / Primulæ veris. en 

‚EloresRolarum albarım & rubrum, ‚feine vothe Roſen / incarnat. 
ſeu damaſcenarum, placent ſale condit. 

Flores Sehœnanthi Comm, & Elect. Cameel⸗Heu⸗ Blumen / Spiece 

Ccelticæ, Marien Magdalena Blumen / Spicæ Noftratis, Spick. 

‚Flores Stœchados Arabic Stechas⸗Blumen / Salvix ‚Sambuci, 
Scabiofx. 

Flores Tanaceti Tiliæ, Tuniexhertenlis ſ. Caryophill, 

Flores Violarum blaue Beil / Verbaſci albi, ulmariz urtice mortuæ, 
Fl, alb. ſ. Milzadell. purpureo, 

Aus obbefagten Blumen allen feynd 4. dor andern berähmt / und 

werben Cordiales oder Hertz⸗ Blumen genannt / diefe ſeynd Borra- 

gen, Ochfen-Zungen/ Rofen/ und Violen / aus den Blumen maht man 
allerhand decodta, deftillata,Patwergen/Infuhones,Salben/Pflafter/ 

Extracten / Tincturen / Eſſentzen / ꝛtc. 

Die zur Haushaltung / Curiofität und buſt in denen Sitten gehals 

tene Blumen / feynd abermahl hundert ja taufendfältig / mit deren ei» 

nigen Anno 1637. und 38. ein ſo confiderabler ( ja faft einer anfteden- 
den Seuche gleich/ närrifcher Handel/) in denen Niederlanden ge» 
trieben worden / daß damahlöder Werth einer einigen Zulipanen/ 
den Werth des Golds undGilbers nach Proportion weit übertroffen/ 
weil nicht allein gemeine / fondern aud) viel reiche Leute von diefer 
närrifchen Kauffmanuſchafft eingenommen waren / fo daß aud) die 
Peber ihre Web-Stühle / und alles was ſie hatten / zu Gelde gema« 
chet / und an die Blumen *2 viel haben ſchoͤne koͤſtliche Haͤuſer / 
trefftiche Land⸗Guter verkaufft / und groſſe Summen Geldes / weiche 
fie aufinterefle ausgeliehen / wieder —— und an dieſe Blu⸗ 
sen Kauffmannſchafft verwendet / eine jegliche Blume / Die etwas be⸗ 
jonders von Farben geweſen / belegte man mit einem befondern Rah⸗ 
nien/ unter welchen eine Semper Auguftus genannt / don ben Blumi⸗ 
ften vor 4000. Miederländifcher Guͤlden / oder goo. Keichöthaler 
verkauft worden / ja ſie war endlich gar um Fein Geld mehr zu kauf⸗ 
fen / ‚weil deren man fagte / nur zwey in gang Holland / ald die eine 
zu Amſterdam / und die ander zu Harlem zu finden waren / vieler an⸗ 
dern Slumen anjeho zu geſchweigen / deren einige um 1000, Guͤlden 
derkauffet worden / fo daß es lich damahls anſehen ließ / als ob dieſe 

Kauffmannfcafft unendlichen Gewinn bringen würde / weil man 

fonderlich nieinahls von Schaden. dabeyhörete / fondern einjsglicher 


= tin EEE | 


Blu 179 
Gewinn hatte / wann gleich eine ſolche Blume Hundert und mehr mahl 
verkaufft wurde. Darneben mar ed auch foeine blinde Kauffmann. 
ſchafft / daß manche Blume an zwantzig Perfonen verfauffet wuͤrde / 
deren kein einiger die Blume jemahls geſehen. Endlich fielaber die: 
fer Blumen- Handel plöglich / und aufeinmahl dahin / nachdem ihrer 
vieldarüuber ruinirt/ viel aber die inder Zeit von der Wahnfinnigs 
keit folcher Blumen⸗Narren zu proßtiren gewuſt 7 reich dabey ge« 
worden ; heutigs Tags kommt unfern Materialiften und Rauff-Reuten/ 
noch vielmahls eine Commillion zu handen / bor groffer Herrn 
Luf-Höfe allerhand rares Blunen-Zwibel/ Gewaͤchs undSaamen/ 
aus Ftalien oder Spanten zu verfchreiben / wiewohl wann wir unfes 
ver teutfchen Kunft-Bärtner / fonderlich der Nürnberger / Leipziger / 
Hamburger und Lühecker / ihre auögegebene Catalogos ( über die bey 
ihnen befindliche Blumen⸗Gewaͤchſe) anſchauen / gar leicht erhellet/ 
daß ſich davon genugfant in Teutfchland findet / daß man folche aus 
Holland oder Italien zu verſchreiben / nicht eben nöthig hat. Dies 
ſes zubemweifen/ wollen wir —— kleine Specification derjerigen 
Blumen-3wibeln / die allein bey einen Kunſt⸗ und Luſt⸗Gaͤrtner in der 
Gtadt Hamburg anzutreffen ſeynd / communiciven / folche feynd 


nun und zwar an 
Fruͤhe Tulipanen. 


Admiral Krientjen. Admiral Reinicrs. Alphonfus, Aurora, Apel- 
lis Werck. Apellis Afflcopey. Bifard aurora, Bilard Dageraet. Bi- 
fard plaifant. Biſard Religion. Bifard Borre. ‚Befte Dorothea d’Hol- 
lande. Beftejeri Catlein, Blienborger, Branzio. Colonella, Can. 
ton. Duc premier, Duc nova, Ducord. Ducgeneral. Don Fre» 
derich. Dina. Endracht. Euphrafıa verbeterd. Fenix von Rotter- 
dam. Flammula Veneris. Guldebloom. Gemarmede Carboll, Ge- 
neralSchanderbeck, Graeffloris. Groot Meſter van Malta. Greb- 
ber, Julia, Lac paragon. Lac Standart, Lac.von Grieoken. 'Lac 
d’moor. Morlion boll. Nompareile. Orannie Mercure. Orannie 
Morlion boll. Orannie Molfewick, Paragon Apellis d’befte, Para- 
gon Apellis qvakel, Paragon Claermont. Paragon v; Enchuyfen 
nova, Paragon Guldebloom, Paragon Guldebl,met witt, Paragon 
Merhardt, Paragon d’Meter. — Koopman, Paragon Quakel. 
ParagonNova. Paragon vonNelt. Paragon Salamander. Plato, 
Pafle d’Amour. Pierefchott, Poftillion. Purper en wittJan David, 
Proncker Parfaita. Rifehde Sonne. Rofabelle. Superintendent. 
Tarter Cham, Venus. Viceroy. Verenderde. Graefl, Witte Regu- 
lier. Witte Merveille,. Witte Claermond,; Weſlies. Wapen van 


Holland. ur 
Ma | Späts 


180 | Blu 

Ä . Späte Tulipanen. 

‘Adonis. Adonis optimus. Arent. Adolmynus, Advocaet, Admi- 
ral Boggart, Admiral Baart, Admiral d. Man, Admiral d. Groot. 
Admirald.Paries. Admiral d,Ruyter. Admiral Gauda. Admiral 
Lufthoff. Admiral Tromp. Admiral Richelieu. Admiral Heuffeler, 
Admiral Schanderbeck. AdmiralLiefken, AdmiralWinfot, Admi- 
ral von Gent. Admiral vonHorn, Admiral, von Seeland. Admiral 
v, Wien. Admiral v.Delfft. Admiral Zirce. Agaet Aragon, Agace 
oriental, Agrippus, Altefferojal, Amazon, Antemarien. Alphon- 
ſus. Audenaer, Audenaer boll, Baguette KayferFricderich, Ba- 
guette Renard, Bagnette grooten Cadett, BagnetteSaltaen. Ba- 
guette Ravifante nova. Bellona. Belle Arachne, Belle d.Brüffel, 
Belle Comteffe. Belle Laura. Belle Diane, Belle Gabricll. Bifard 
Balliou. BifardArdent. Bifard Bourgogne. Bifard feu rojal. Biſard 
ducd.Calabre. Bifard duc d. Luxemburg, Bifard duc d. Orfchott, 
Bifard Ampell, Bifard pafle Ampell, Bifard orannie bontlöf. Bifard 
odifchalky bontlof. Biſard Dorothea, Bifard Borneville. Bitard Bi- 
Tehopp. Bifard Jupiter, Bifard — Eliſabeth. Biſard Mon- 
firum. Biſard guldenVlies. Biſard Penſionarius. Bifardy door, Bi- 
ſard palto royal. Biſard Harler. Biſard appollonia. Biſard Cato. Bi- 
ſard Vilemort. Biſard Vuyleanus. BiſardNobleſſe. Biſard angloiſe. 





Bifard Hodemacker- Bifard Maferien. Bifard Ambaſſadeur royal. 


BifardClaris. Bifard Konig der Mooren. Bifard plompert. Bifard 
Duras. Bifard Hector. Bifard Bateram, Bifard Siffen Tabbert, Bi- 
fardSufanne, Bifard Venus. Bifard orannie geflammt, Bifard Car- 
linde, Bifard Nompareile. Bifard Jafpede orient. Bifard Renom£e, 
Bifchopv.Paris, Boosvelt. Brabanfon Carnat, Brabanfon Konig, 
Brabanfon d. daemes. Brabanfon Spoor, Bruyn v.peflien, Bruyra 
purper Beuyre, Botterman. Bajazett, Beate. Celinde, Cantel- 
ma. Caflandra, Cedonolly. Celidia, Coniginv, Engeland. Co, 
nigin v. Preuflen, Conig v.Perfen, Conig Adonia, Corigs Juweel, 
CronaRojal. Centifolia. Cromwell. Conftantinus Magnus. Dob- 
beide Adcler. Dobbelde Printz Eugenius. Dobbelde bunte ord, 
Dobbelde gelbe. Dobbelde Claermond. DobbeldeCantzeler. Dob- 
beide Earmofien. Dido, donLovis, Dorothea d.Hollande. Doro- 
theaqvakel, Dorothead. Anvers. Duc d. florenfe. Duc d, Savoye, 
ENEft. Formofa. Ferdinandus. Florinde, Fionell befte fort. Fa- 
tall, Folis ſtriato fl, orange, Folis ſtriato H. labelle, Folis friato A, 
rubro, Folisflriatofl,albo, Forefan Aftrea. Forefan grootenTurck. 
Gabriel. Gabrielnova. Galba. Galathea. Gratiofa, Galantenova, 
Galiarde, Gauda, Gaudelackens, GeflammdeDuc, Geflamde Schor- 

| ſten· 


Sr 





Blu ıBı 


— —— — — ——— — —r — — — ——— —— — 
ſtenfeger. Geflamde van Teiſſen. Geflamde Jaſpis. Geel en roth v. 
Rüffell, Geel en roth v. Emden. Geelenrothd, Haen. Geel en roth 
v. Harlem. Geel en roth v.Haag. Geelenrothboode. Geele boode 
QOvakel. Generaliflimo, General Brangion, General d. man. Ge- 
neral Doctor balten, General Mollerpott. General Standart, Ge- 
neralv.Holland. General v. Wien, General Wittrug, Geele Fley- 
ten, Gerinabi. Gerockte Tonge. Goliath. Groote Vorft, Groste 
Pipinus. GrooteCato. Groote Monarch, Guftaphus Adolphus, 
Graefv.Holland. Graef v. Argyle. Gemeenpers. Gemarmede Ja- 
Fpii. GemarmedeIfabell. Gemarmede Eyck. Geelekron buntlaub; 
Gulde goes. Hagenaer, Hartzhorn, Herbert. Helena v. Cameling, 
Horologimacker. Hugenotte, Hartog Alemode, Ifabell. Jäger, 
Joncker. Juftinianus, Jupiter, Juftitia. Kayferin. Kayfer von Jap- 
pany. Land Juwell, Landfchopboll. LabelleJaute, Latur. Le 
grande. Mirabelle, Merveilled. frans, Mofcowiters. Maximus, 
Marcus Aurelius, Margves Le gannes, Mercnrius. Molterpott, 
Morlionpicoet. Monftröfa Fl, Rubro, Monftröfa Rojal. Narbo- 
nafer. Nicanus. Nimphen, OrannieCron. Oft-Indien-Fahrer. On- 
. ‚gerfcheCronen. Paſtor Fido. Panca, Palatia, Pallais d. Hollande, 
Pafle Citadelle, Paflebelle. Pafletout, PafleRoos. Primo Vezier, 
Pamphilio. Printz Wallis. Perfemacker. Peers morlion. Periet A- 
lexander. Preferpina. Piaron, Pheenix Artfen, Pyramidale, Prin- 
ecflion Amalia, Prometheus. Purper en Witte gefltmmt. Purper 
v.Bufchop, Pucelle d, orleans, Paragon Arant. Päragon d. Efpa- 
gu. Paragon vondergoes. Paragon Auguftus, Paragon d, grack. 
ParagonCGronwerck. ParagonDavid. Paragon fyt rojal. Paragon 
groter. Paragonflorifon. Paragon gauda qvakel. Paragon Alexan- 
der. Paragon grebber, Paragon griecken, Paragoh Jeron. Para- 
gonMiletto, Paragon Liefken, Paragon Müller, Paragon neu- 
nar, ParagonScipio, Paragon Schwiemende. ParagonSpitzen- 
berger. Paragon Terlon, Paragon v, Enckhuyfen, Paragon Ver- 
borg. Paragon Vigeboom, Paragonlafpe. Roy d, Egypten. Rex 
Negros. Regina. Romulis, Rootgans, Rector. Refewicker, Ro- 
demont blaurug. Rotte beet, Rotzilla. Saphier. Sante Jan, Sci- 
pie Schilders Schorftenfeger. Semper Auguftus, Saybloom, 
Schwiemende Jan Geritz, Targvinius. Tages. Teiger. Triumphe, 
Triton. Torney befte van drie. Tantalus, Terlon. Venus Schulp. 
Veufe. Verloper,; VerkerdeDuc, Vefpafranus, Vefta. Vefta rojal. 
Veniffimo, Vlaminus. Unigve La Croix, Uytroop. Witte Admi- 


sald.man. Witteöchwaen, Witte Standart, ‚Witte Tornois. |Wit- 
tcCron yerguld, 


M3 Blaue 


x 


182 Blu 
Blaue Orientalifche Hyacinthen. 

Alexander Magnus. Admiral; Apollo. Alteffe Rojal. Antemarien, 
Befle Daphne. Blaue Trofs. Bellarminus. BemindeFl,pleno, Bly- 
hoff. Belle Helena. BelleCanter. BlaueLanghals, Carolus Ter- 
tius Fl, pleno. Crülle boll, Cronaprimo, Cönig Ludewig, Crona 
Rojal. Croon von Braband. Dageraet. Dobbelde Arent Eugenius, 
Gauda, Galantes. Grand Louwis. Grand Vezier, Generalisfimo, 
Grand Mercurius, Gekronde Juffer, HelderWolck, Hedtor, Im- 
Per Infante d’Efpagne. Januarii, Julia. Mercurius, Mira- 

elle. Mofcowiters. Non plus belle, Pafletout, Porcelaine, Pafle 
porcelaine. Pamphilio. Poft Feftum. Polianthus Lavendel, Satur- 
nus. ’t Königliche purper, Torismonde Fl, pleno, Vice Julia, 

Weiſſe Orientalifebe Hyacinthen. 

Albelle Fl. pleno. Adonia blanck. Ange bianck. Batzeba Fl. pleno. 
BömfcheCröm. Craflus. ConigsCron, fir. William. Conftan- 
tia. Diane. Helena. Harder, Helicon. Kayferliche Perl. Lucretia, 
MarefianFl.pleno. Princeffe. Pluym. Plumage. Phafant, Stan- 
dart Fl.pleno. Trippel Croon. Teckely, Witte Merveile. Witte 
Reefe, Witte Crülle boll, Witte geperlde, Witte Clorinde, Witte 


Wolck. 
Narciſſen. 

Vielbluͤmigte Tazetten. After Major. Africanus major aureus. An- 

dromeda. Algier major. Algier minor. Algier Calici pleno. Baſel- 

man primus. Bafelman fecundus. Bafelmann Jaune. Conſtantino- 

pelFl.pleno, Galathea, Goud geel. Grande Rondelette, Hoeffna- 

gel. Haenkam. JauneDaeme. Imperatricinova. Innocente. L’E- 

fperong. Merveileux. MedioLuteCalicipleno, Multiflor Efpely. 

Multiflor Nazarener, Pergon Argier major. Perfeus, Sultaen Fl. 

pleno. Simonisprimus. Simonistertias. StellatusSulphureo, Ta- 

zettealbo. Tertius matthioli, Witte Standart. VBielblümigte Jon- 

quilly. Jonquillieafimpl.major, Jonquillien fimpl. minor. Fl. pleno 

Incomparablisgelb-did gefüllt. Nompareily gelb gefüllt. Van Sion 

gelb gefüllt. Rofeus Odoraty weiß gefüllt. Necksmiaor, Nantjes 

major. Nantjes minor. Touronicus odoraty. RotundoFl,albo. 

RotundoFl.Luteo, CompanulaFl.albo. Zückende, 

Corona Imperialis. 

Fl.Rubro Maxima. Fl.Luteo. Fl. LuteoRubento. Fl. OrannieSul- 

phureo. Fl.Rubro foliisflriatisargenteis. Fl.Rubropleno, El.Ru- 

bromajor, Fl. Rubro minor. 

Frittillaria. 

Agvitanica, Fl, Luteo, Fl.LutheoSulphureo, Fl.rubro, FI, albo, 

Fl.Va- 


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—2 


ana a m. 


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Bis 


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IS ME = SEE VE Zu Zn iu Zr» ZU 2 u 2° 


Blu 183 


Fl. Variegate. Fl.nigro, Fl.pleno. Fortuyn. Merveileux, Wabell, 
Viperien. 

“ Iris Anglice bulbo[a. 

Flore albo. Flore albo pundtate, Lavendel geflammt, Lavendel, 
Porcelain, Rojal. Viceroy. Blaue. Blaue Camlor, Perell. Perell 
geflamt. Brunpurpur. Brun purpur Camlot. 


Iris Hifpania bulbo/a. 
Afch-graue geflaint, Feuillemort. Brunblau, Blau. Blümerant, 
Witte. Gelbe. Viceroy. Porcelain, Serpentina. Centifolii. Iris 
Florentina. Iris Sufıanna, Irisperfica. Iris Tuberofa. 
Gladioly. 
BizantinusFl.Rubra, BizantinusFl, carneo, Communis Fl. purp, 
Commwnis Fl. albo. 


Noch unterfebiedliche Arten Ay 
BelgicusFl,albo. BelgicusFl.ceruloo, men ceruleo ellate, 
BelgicusFl.carneo. Belgicus Fl. albo pundtato, BelgicusFl. purpu- 
reo. BatroidesPl.ceruleo. BatroidesFl;carneo, Batroides Fl, pal- 
lido ceruleo. CupreflinusFl, purp. Mofcarius major, Mofcariusmi- 
nor, PeruvianusFl.albo, PeruvianusFl.ceruleo, Torcois Fl, al- 
bo. TorcoisFl. ceruleo, Stellatus Fl; ceruleo, 


Martagon oder Krull⸗Lilien. 
Fl.albo, Fl.albo pundtato, Fl.luteo pundtato. Pomponii. VonJe- 
rufalem, Von Conitantinopel. Hemeriocalis, Purpur precox ma- 
jor. SCH PKIRREOE minor, Flore pleno. Virginianum, 





Jr 


Lilium. 
Album ord. Album pleno. Cruentum ord. Cruentum pleno. A- 
lexandrium, Per . DensCanynusFl, albo, Dens CanynusFl, 


purpureo. Leucojum bulbofa Fl. pleno, Leucojum majus Fl, fim- 
pliei. — minorFl, fimplici, 
Cracus. 

Automnale Fl.ceruleo, Automnale Sativ, angl, Vernale Fi. albo. 
Vernale Fl. albo Lincis Violaceus. Vernale Fl, argenteo. Vernale 
Fl,ceruleo, VernaleFl.Ifabell, Vernale Fl,Luteo, Vernale Fl, au- 
reopurp, Vernale Fl. Silverlacken. Vernale FlgVariegate, Verna- 
leFl, Gemarmelde, Vernale Fl, Viceroy. 


Colgicum. 
— Columbien, Fl, pleno geflam̃t. Fl,pleno.purp. Fl, 
albo. Fl.luteo, Jangeritz, Latur. Purper geflamt, Von Portu- 
gal. Vernale, 


M 4 Ra- 


184 Blu 
| Ranunculus. 
Admiral v, Conftantinopel, Grade Ture. Grande pivan. Mon- 


ſtrum. Monftrum geflamt, Merveileux, Merveileux Fl. Luteo, 


Roma geflamt, Spericus, Spericus geflant. Bifard incomparable, 
Bifard monftrum, Witte monftröfa, Sang du beuff, Picotdiane, 
PicotImperial, PicotReine Victoria. Turckfchen Tulpan. Turek- 
fchen Tulpan geflaint, Grande Trofs. Van den hout geflant. Pe- 
nagere. Citronato, Cleur de Roos, i 


. Annemone, | mr 

Albigoife. Amarantus. Amarantus geflamt. Adonis, Berfabea, 
Belle Ample. BelleComteffe, Belle parifienne, Belle Africa. Belle 
Virginella. Bifard Rojal, Bifchop v„ Münfter. Blaue Flagge. Bon« 
net Cardinal, Concordia. Cxfariene, Cardinal barbarien, Cana- 
rii blau. Calofle. Charlesfecundus. Daphne. Darius. Delitiofa. 
Extravagant nova, ‚Fraep.d. Abordt, Graverta, Grätiofa. Graeff 
floris, Hertzog, Hertzoginne, 'Hermaphrodite, Infantede Tu- 
xrien. Imperatrici, Innocente geftamr. Julia, Macedonia geflamr, 
Mirabelle. Orannie Roos. Prefedent, Pavo major, Polfche Mücrz. 
Prins Conty, Qvalıblau. Regaterouge. Rofeus. Spiendeur. Sil- 
vandra, Thedina. Triumphante nova. Treſſora. Violette dob- 
belt. Uniqved.Ruyter. Witte proncker. Witte diane. 


Blumen-Kohl Saamen / SemenFlore Caulis kommt faft nir⸗ 
gends als in der Inſul Cypern zur rechten Zeitigung/esift ein kleiner 
runder Saame / etwas graulicht/ und faſt denCappes⸗Saamen gleich/ 
‚man muß aber wohl zufehen daß er friſch / nicht verfälfcht /und von der 
rechten Art ſey / weßwegen aud) die Materialiften,, mann fie folchen ein⸗ 
handeln / ſich ein Atteſtatum bon denjenigen Qgten und Handels⸗ 
Leuten müffen zeigen laflen / von wannen er endet wird / daß 
er nemlich auffrichtig / friſch und von dem Jahr fey / wann (ie 
anderft ihren Glauben bey denen Gärtnern und andern ehrlichen 
Leuten nieht verlieren wollen / wie dann die Materialiften an eini⸗ 
gen Drten/ abfonderlich in Franckreich davor ſtehen / daß es ein friſcher 
Saame ſey / der daſſelbige Jahr noch auffgehen werde / man findet auch 
ſonſt noch ein andere Art Kohl-Saamens / welchen die Lateiner / Se- 
men Oleris Arri nennen / iſt ein runder ſchwartzer Saame / eines bit⸗ 
tern und ſcharffen Geſchmacks / deſſen Kraut man Braſſicam Fimbria- 
tam nennet. Es wird ſolches vor ein ſonderbahr Mittel in Scorbu- 
sifhen Stein-Schmergen gehalten / wiewohl einige wann e3 nicht zu 
haben /den Sted:Rüben Saamen / welcher Bumas heiffet an deſſen 
Stelle nehmen. | . 

Blumen- Kraut / v. Sykamaria, 





Blue: 


\ 


| EEE 6  „ ee 
— —— 


Blu Boc 185 


BSlut⸗Wrtz / iſt roth gülden Ertz. 

Blut⸗Graß / lſchemum. | 

Blut⸗Kraut / Polygonum ,Blitum ‚Centinodium. 

Blut⸗Stein / Lapis Hxmatites, der feine welcher Blutrothfeyn 
ſoll / kommt aus Africa, der in Teutſchland waͤchſt / ift zwar roth / aber 
ſchwartz⸗roth geftriemet / und gleichfam ſpießig / iſt ein voth ges 
tochter Eifen-Stein / meiftens auch ſchwartz geſtaltet / wird aber 
Doc in Reiben roth / in Böhmen gibtö deren die Menge / es 
kommen aud) einige aus Spanien. Cr hat eine groffe Berwandt- 
ſchafft mit den Magnet-Stein / wie er dann zuweilen auc das 
Eifen an ſich ziehet / man findet nicht allein nachgekünftelte Blut» 
Gteine / fondern aud) Baftarte davon / worunter der bornchmfte 
der fo genannte Schiftus, welcher den Blut-Gtein fehr gleichet/doch 
aber hieran von demfelben Fan erkannt werden / daß der Schiftus ſpi⸗ 
tzig / und wie ein Keil anzufehen / ſich auch in gleiche Taffeln zerfpal- 
get / und daher Lapis ScifGlis genennet wird / der Blut⸗Stein hinges . 
gen in ſtumpfſen Stuͤckern ift / und in unebene Stüder zerfpringet/vi- 
de Hematites, item Antradamanta, 

Bluts⸗Tropffen /Sangvi forba. | 

Blut⸗Wurtʒ / Tormentilla , geranmm hæmatites, Roftrum 
gruneum, — 

Boborcllen, v, Alkekengi Baccæ. 

Bork- Felle / damit wird ein groſſer Kandel / fonderlih aus 
Eurland und Lieffland nach den See-Städten getrieben / eö ift eine 

indende aber.courante und gute Waar / welche bei) Dechern ver» 
auffet / und begierig bon den Corduan-Bereitern/ und Weißgaͤrbern 
5* wird / dieſe letztere / willen auff Roͤmiſche Art / dieſelbe 
o wohl zuzurichten / daß fie wohl ehr ein gut paar Bock-⸗Fell / wel⸗ 
ches ſtarck und doch dabey wohl geſchmeidig und gleich dick von Leder / 
auch ohne Schnitt und Löcher iſt / vorz. bis 4. und mehr Reichsthaler 
verkaufft haben / von den rohen Bock⸗Haͤuten werden auch die Haa⸗ 
re / abſonderlich die fein lang ſeyn / genutzet und mit guten Profit an 
die Paruquen⸗Machers verkauffet. 

Bocks Bart / Tragopogon, harbula hirci, Tragopogon purpu- 
ro Cæruleum porri folio qvod artifici vulgo C. B. Tragopogon. 
Lob. alterum, Matth. hortenfe, Haberwurtz / Bocksbart / mit hrau⸗ 
nen Blumen / welche im Garten muß gebauet werden; Sonſt waͤchſt 
auch ein ander Geſchlecht mit gelben Blumen wild / TragopogonDio- 
Scoridis genannt. Man braucht Hievon nichts als die Wurtzel / welche 
die Frantzoſen Salſiſix nennen. 

Bocks⸗Bart / Fungus Ramofus, iſt eine Art von Erd⸗Schwaͤm⸗ 
-men / wie eitel Hörner / oder wie did en einander gefette Zweiglein 
5 eines 


I HE. >11 ZIEL Bo— 
eines Baums anzufehen ; Man braucht fie inder Küchen zum Salat / 
oder auf Fleiſch zu kochen. 

Boc's-Dorn/ Tragacanthum ‚vel Tragantum, 

Bock⸗Horn Saamen / Fœni graci Semen, oder Griechiſch⸗ 
Heu wird viel in Teutſchland geſammlet / und Centnerweiß ver⸗ 
kaufft / der Saame muß ſchoͤn groß / hart und duͤrr / und heil gelb an der 
ne er wird imJulio und Augufto auffgefammlet. DieFuhr⸗ 

eut brauchen deſſen fehr viel zu ihren Pferden / die Griechen 
heiffen dieſen Saamen. Bucera oder Ageoceras, derjenige ſo roͤth⸗ 
lichoder braun ausſiehet / iſt ſchon zu alt und -untaugfid) / in der 
— y wird er zu den Clyſtiren und erweichenden Auffſchlaͤgen ge⸗ 

raucht. 

Bocken⸗Wurtz China. 

Bocken⸗Holtʒ / lignum ſanctum. 

Bocks.Peterlein /v. Pimpinella. 

Bocks⸗Hoͤdlein / Teſticulus Hireinus. 

Bocks⸗Geil / Tragorchis, 

Bock⸗Weitzen / Ocymum cereale. 

Bodmerey / lat. Fœnus Nauticum, Ufura Maritima, Pecunia 
trajedtitia, frantz. Bodmerie genannt / wird gefagt/ warın ein Schiffer 
in einen frenden Haben kommende / dafelbft Gebrech an Geld ley⸗ 
det / Calfo daß er entweder fein Schiff nicht ausbeffern / oder folches 
zur neuen Reif verproviantiven fan) und hierauff Geld von einen Kauff⸗ 
mann auffnimmt / und zwar zu hoher lntereſſe und Lagio, dafürerdan 
Boden feines Schiffes verpfändet / das ift eine ſolche Handfchrifft 
(Bodmerey-Brieff genannt) von fich ftellet / in welcher fein Schiff/ 
But und Perfon / folang vor das entlehnte und auff Bodmerey ge» 
nommene Geld haften fol / bis er in einen gewiſſen benahmten 
Termin , und zwar nad) Ankunft in diefen oder jenen Haven fol+ 
ches wieder würde erleget haben / was von dergleichen Bodmereyen/ 
die Hamburgiſche Statuta, tit. 18, part. 2. verordnen / ift ans folgenden 
> Articulis zu erfehen. 
ı. Soll kein Schiffer an den Ort / da die Rehders und Schiffs⸗ 

Freunde —* und gegenwaͤrtig ſeynd / mehr Geld auf Bod⸗ 
merey nehmen / als auf fein eigen Part, fo er im Schiff hat / wer aber 
in diefem Fall dem Schiffer mehr auf Bodmerey austhut / als ſein 
Part ſich erſtrecket / der mag lich an des Schiffers Perfon und Guͤ⸗ 
ter allein erholen / und die andern Schiffs⸗Rehders ſeynd darzu zu 
antworten nicht ſchuldig: Dieſes concordirt mit dem ss. Articul 
der Haͤnſiſchen Schiffs⸗Ordnung / vid. Loccenium lib, 2. cap. 6. 
‚ Rinmtein Schiffer bey den Rehdern und Schiffs⸗Freunden / nach 
Inhalt des vorgefegten Articuls, oder aud) fonft auflevhalb Landes / 
Beld 


Bod 87 


Geld anf Bodmerey / fo ſoll allewege derienige / welcher die ältefte 
Pfand» Berfchreibung beweißlich einzuwenden hat / praferivet und 
vorgezogen werden. WE. ab: 

3. Im Fall aber ein Schiffer aufferhalb Landes fein Schiff höher mit 
Bodmerey befchweren wurde / ald das Schiff / die Fracht und 
Schiffs · Geraͤhtſchafft ſich erſtrecket und wehrt ware / fo feynddie 
Schiffs · Freunde darzu zu antworten nicht fhuldig/ fondern es moͤ⸗ 
gen diejenigen/ fo das Geld auf Bodmerey ausgeihan / bey den 
Schiffer und deſſen Büter/ nad) Inhalt der Verſchreibung / fi) ih⸗ 
res Rechtens fernererholen. 

4. Würde einiger Schiffer vorfeglich/ ohne vorhergehende Roht / in 
fremden Panden/ das Schiff mit NB. unziemlichen Bodmereyen bes 
ſchweren / derfeibige foll/ wann er alihier wiederum angelangt / vor 

- einen unehrlichen Mann gehalten/ auch in diefer Stadt und deren 
Gebiet nicht geduldet werben. 

5. Thaͤte jemand einen Schiffer, Geld auf Bodmerey/ und dad Schiff 
wiurde genommen / alſo daß der Schiffer deſſelbigen Schiffs / nach 
angewandten müglichen Fleiß / nicht fönnte wiederum maͤchtig wer · 
den/ fo ſoll der Schiffer fol Part / welches er verboͤdmet / es ſey das 
gantze Schiff oder ein Theil deffelben/ denjenigen, / ſo das Geld auf 
Bodmerey auögethan / transportiren und überweifen ; Im Fall 
aber bewiefen werden könnte/ daß der Schiffer ohne DringendeNoht 
das Schiffoder einen Part deffelben/ höher mit Bodimeren beſchwe⸗ 

et hätte / als das Schiff oder ein Part (mann es zum beſtimmten 
fen glüchtich ankömmt / nad) erfahrner Schiff⸗Leut unpartey⸗ 
licher Erkaͤnntniß / ſamt der verdienten Fracht) wehrt geweſen / ſo ſoll 
egen denn Schiffer/ wie im vorhergehenden Articul geor duet / dere 
werden / und der / oder diejenigen / ſo das Geld ausgethan / 
nichts deſtoweniger aus feinen Guͤtern ſich ihres Nachſtands zu er⸗ 
holen befugt feyn/ vide Loccenium lib, 2. c. 6. $.9. 
. rad Bodmerey⸗Geld ift man nicht ſchuldig eine Haberey zu be- 
I x. En 
Das Wisbyſche See⸗Recht / Artic. 35.41. 69.70. wie aud) das Kol» 
Ländifche/ ſtatuiret in Bodmerey⸗Sachen folgendes: Iſt fin Schif⸗ 
fer auſſerhalb Landes in Noht an Geld / und kan keine Bodmerey fin⸗ 
den / ſo mag ev verkauffen die eingeladene Güter; Er iſt aber dafür 
ſchuldig / folche binnen ia. Tage nad) feiner Ankunfft dem Kauffmann / 
dem ſie zugehoͤret haben / wieder zw bezahlen / und zwar / wie ſle ſolten 
gegoiten haben / an den Platz / da ſie hin deſtinirt gewefen ; hingegen 
genteßt er der Schiffer / auch volle Fracht dabor/ gleich/ ald wann er ſie 
mitgebracht hätte; Hätte aber der Schiffer den guten Wind verle⸗ 


gen/ und wäre dadurch in ſolche Noht gekommen / oder daß er er I 
aus 


188 Bod Bog 


Kauffmanns Gut ſonder Noht verkauffet hätte / ſo ſoll er den Kauff⸗ 
mann allen verurſachten Schaden zu bezahlen fhuldigfeyn. 

Aus obbemeldten allen erhellet / daß ein Schiffer / im Fall der Noht / 
wol Geld auf Bodmerey nehmen moͤge / wann es die Erhaltung des 
Schiffs und Guts alſo erfordert / und daßer weder Wechſel auf feine 
Rehders ziehen kan / oder auch keine Waaren im Schiffe hat / die er 
verkauffen koͤnnte; Wobey dann ſonderlich zu bemercken / daß der 
jüngfte Bodmerey⸗Brief allezeit denen / die älter ſeynd / ( wann anders 
dergleichen verhanden ;Dorgezogen werde; Zur Urſach führen einige 
an/ weil durch das letztere Bodmerey⸗Geld / das Schiff iftbefordert 
worden / daß eshat aus dem Haben auslauffen können: hingegen fo ih⸗ 
rer viel aufein Schiff zugleich Bodmerey⸗Geld gegeben hätten / nicht 
aber dem Schiffer/ fondern dem Kauffmann auf feine Ladung / und die⸗ 
fer folche Ladung vor die Bodnierey-Belder verobligiret haͤtte / fo hät» 
te unter allen Bebern der Bodmeren-&elder / Feiner vor den andern 
einige Prafereng oder Borzug / es mörhte gleich der eine ältere/ ober 
der andere jüngere Bodmerey⸗ Briefe haben / fondern fie werben alle 
einander gleich gehalten/ denn alfo ift —— in der Amſter⸗ 
bamiſchen Bodmerey-Rammer/ Vinn ad PeckL,L.p.o5. Cine mit 
den Bodmerey- Brief gleich/ ia faft noch mehrere Kraft hadendes In- 
ftrument, ift auch ein fo geuannter Byl-Brief/ oder die Obligation, 
welche über Gelder / die zum Schiffbauen hergefchoffen worden / gege⸗ 
ben wird / dann ein dergleichen Byl⸗Brief geht vor Bodmerey / wel⸗ 
ches machet / daß offt diejenige die Geld auf Bodmerey gethan / dabe 
Gefahr lauffen/ / wann nemlich ein Byl-Brief vorhanden / ob fie glei 
folches zur Zeit ded gegebenen Bodmerey⸗ Geldes nicht gewuſt hätten. 
Ein mehrers von diefer gantzen Materia videheym Stypmanno de jure 
nauticop.4. Cıf. | 

Bogen/ Arcus, Fr. un Arc, Hi ein bekanntes Geſchoß / welches um 
Damit nad) der Scheibe zu fhieflen/ an vielen Orten Teutſchlands noch 
gebraucht wird. Es werden aber dergleichen Bogen von Kupffer / 
Staal oder Holg gemacht / zierlic) eingeleget / mit ſtarcken Sennen 
verſehen / und alſo die Pfeile davon loß gedruͤcket wie dann ſonderlich 
in Ernſt / Streit / Schlachten und Scharmüseln die Tuͤrcken und Zar: 
tarn wohl damit umzugehen wiſſen. in Kauffmann hätte deren et» 
wan noͤhtig / warn er nach diefer barbariſchen Nationen ihren Laͤndern 
handelte. Auſſer dieſen werden zur Luſt geſucht die Arm⸗Bruͤſte / die 
fo genannten Palefters, die Fuchs und Geſchoͤß / und etwan in 
die Kunft-Rämmern der Alten ihre unterfihiedliche Arten von Pfei« 
len / Köchern und Bogen. | —— 

Bogen Papiers) ſeynd in einen Buch 25. in einem Riß 00o. in 
einem Ballen sooo. | | 

Boͤh⸗ 


— Z— I Eee 


Boh Bol 189 


Boͤhmiſche Waaren / ſeynd Wolle/ Korn / Vieh / Hopffen / etwas 
Wein und Leinwand / allerhand Metalle und koͤſtliche Steine / ſonder⸗ 
Lich die ſo genannte Boͤhmiſche Diamanten / Amethyſten / Saphiren / 
Smaragden/ Jaſyis und Granaten / welche letztere faſt noch beſſer als 
die Orientaliſche feynd. Aus Bayern und Sachſen befümmt Boͤh⸗ 
men Galß/ von Leipzig / _ und Breslau/ viele andere zu des 
Menfhen Rohtdurfft gehörige Waaren / aus Oeſterreich / Mähren 
und Ungarn Bein. Die Haupt⸗Stadt in Böhmen ift Prag / wo⸗ 
felbft der Kayferlihe Böhmische Stadthalter und viel andere Boͤhmi⸗ 
fche Magnates refidiren/und vor diejenige/ welche den Prager Marck 
befuchen/ oder fonft in Prag ihre Handlung erabliret haben / ein guter 
‚Profit zu hoffen. Wievolldie Stadt Prag von Juden fey / werden 
diejenige / die dafelbft bekannt feyn / bezeugen können / welches Ge» 
ſchmeiß alle Handelfchafft und der armen Ehriften Schweiß und Blut 
an 8 ziehen / und denen Eingebohrnen den Profit vor den Maul weg⸗ 
nehmen. 

Bohnen) Fabz feynd vielerley Arten und Farben/ auch Einsund 
Ausländifche/ unter welchen legtern vornehmlich die Cofle - Bohnen zu 
sechnen feynd. | | 

BoletiCervini, Hirfhbrunft 
-  Bolognefer-Yiündlein werden ihrer Kleinig⸗ und Geſchicklichkeit 
halben/ fonderlich von den Frauenzimmer beliebet/ und offt theuer ber 
zahlet/ wiewol man auch hin und wieder in Teutſchland / ſonderlich in 
Ruͤrnberg / dergleichen Art Kleine Hündlein aufziehet. 

- Bolognefer-MWaaeen/ vide Italiaͤniſche. 

. Bolognefer-Mürjte oder Saucifles de Bologne , werben viel bon 
den Stalldnern verkaufft / welche folche/ wie die Rede gehet/ zum Theil 
aus berreckten Pferd- oder Eſels⸗Fleiſch / oder auch in Teutfchland bey 
den Schlähhtern machen laffen / und felbige hernach vor aufrichtige 
Saucifles de Bologne Verfauffen/ vide Bonomifche Wuͤrſte. 

Bolus iſt ein Arkeney-Mittel/ härter als eine Latwerge / wird aber 
—— / weiln es gar leicht ins Munde zergehet. In denen 
Apoteden liegen ſie zwar nicht —** ſie werden aber auf Verſchrei⸗ 
bung gleich gemacht / und zwar aus Latwergen / weichen Pulpis und 
Pulvern/ dieman zu einer miinderflieffenden Dicke bringet / die ſich 
leichtderfchlingen läßt 5 3. e. Nimmeingelegter Aland⸗Wurtzel zer⸗ 

offen balb Qu. Refin.Scam. gr,vij. Tartar,Vitroalar, gr.viiij. mifche 

olches mit blauen violen Syrop / fo viel nöhtig auf einmahl zu einen 
Biſſen / man fan auch wol etwas Zucker darzuthun. Vide hierbonmit 
miehrern Schröders vollftändige Apoteck / lib. 2. c. 42. 

Bolus Armena oder Armeniz, Armeniſcher Bolus oder Rohtſtein / 
kommt nicht nur aus fremden / fondern auch aus vielen Orten ir A 

' mifchen 


290 Bol Bon 


miſchen Reichs / und ift unter allen ein fchlechter Unterfcheid im Anſe⸗ 
hen ; Der gute wird aus Armeniazu und gebradht/ welchen die Herren 
Medici BolumOrientalem nennen ; er follvein/ohne Sand/und gleich - 
fanı wie ein Talck oder Geiffe glatt anzugreiffen ſeyn / dabey foll ew 
ftard an der Zungen hängen bleiben / und leichtlich blaß roht fallen/ 
auch endlich wie Butter zergehen. — 

Bolus alba &rubra findet ſich hin und wieder in Teutſchland / er 
wird ſehr wohlfeil verkaufft: der rohte kan nicht als mit Sand ver⸗ 
faͤlſcht werden / der weiſſe aber muß klar / rein und zart fallen. Erwird 
faſt eben wider den Gifft gebraucht wie die Terra Sigillara ; die Bar⸗ 
biever brauchen folchen zu ihren Defenfiv- Pflaftern und Dürr-Bän« - 
dern. Wic diefer Bolus gefäubert und zubereitetwerde/beflehe aber» 
mahl Schröders vollftändige Apoteck 1.3. c. 2. | 

Bombax, Cottus, Xylon,Goflypium, vide Baumwolle. 

Bombix, Frantzoͤſiſ. vers afoye, Seiden⸗Wurm / welcher Seide 
fpinnet/ und aus Kleinen Eyern (die noch Eleiner ng re 
im April hervor kommt; anfänglich ſieht er aus als eine Heine ſchwar⸗ 
GeXaupe/ undift fo klein / daß man ihn kaum erbliden Fan ; wann nun 
fo gleic) Feine Maulbeer-Blätter (ald welche der Geiden - Würmer 
beite Koft feyn) zu haben/ folegtman diefe kleine Wuͤrmlein fo lange 
aufjungeLactuci-Blätter / bis ſie bon Tag zu Tagein wenig grö 
werden / und endlich Maulbeer-Blättervor (le zu bekommen/ bey wel⸗ 
eher Wahrung fie dann mercklich wachſen / ſchoͤn weiß / undfaft eines 
Heinen Mannes Fingers lang werden / da (le fid) dann endlich zum 
Spinnen begeben/ welches man merdenkan/ warn jeden Kopff in Die 
Hoͤhe heben/ Seide aus ihren Munde gehen laffen / und hin und wie⸗ 
der fchon anfpinnen wollen/ worauf man ihnen die Belegenbeit darzu in 
einer Papiernen Tuͤten / oder an indie Höhe geftellte Befens beveitet/ 
da ſie (ich gleich eiuſpinnen / nichts mehr genieſſen und innerhalb;. Ta⸗ 
gen ſich in ein gantzes rundes ſeidenes Eylein verfchloffen haben; dieſes 
wann 685: Tage hernach in lauligten Waſſer abgehaſpelt wird / ſo er⸗ 
ſcheinet zu letzt der —— Wurm in Geſtalt eines Dattel⸗ 
Kerns gans braun/ in diefer Form liegt er z bis 4. Tag / da er ſich aus 
feinen braunen Bälglein ausbruͤſt / und ein ſchoͤnweiß Sommer ⸗Voͤge⸗ 
lein mit e. Fluͤgelnwird / welches ſich mit feines gleichen hierauf paaret / 
und alsbann das Weiblein etliche hundert kleine gelbe Eyer legt / die 
hernach ſchwartz / und kuͤnfftig Jahr neu Seiden⸗Wuürmer daraus 
werden / vide ein mehrers unter den Wort Seide, 

Bonität die Guͤtigkeit einer Waar / oder ihre Kraft und Tugend. 

Bononifche Wuͤrſte Sauciffes de Bologne, fonft auch Cervelate⸗ 
Mürfte genannt/ werden bin und wieder (mann nıan nur diebehörige 
Ingredientien darzu thun will) auf folgende Manier gemacht» Nehmt 

4 


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Bon Bor 191 


ne — 
4. Pfund Schwein⸗Fleiſch / 3. Pfund Rind-Fleifh/ı. Pf. Kalbfleiſch / 
und einhalb Pfund friſch Speck / das Fleiſch muß alles gantz Flein ge« 
hadt/ und dad Sped Flein gefchnitten werden / tut alles zufammen 
mits.Loht Pfeffer / 4. Loht Ingwer / 1. Loht Rägelein und ı. Loht Mu⸗ 
ſcaten⸗Ruß / alles Elein geftoflen/ Salt eben fo biel / hernach ſtopfft es 
in Schwein⸗ oder Rinde Darm / und laͤßt ſie trocknen; hierauf 3. Wo⸗ 
chen lang in Rauch aufgehangen / und alsdann in einer truckenen 
— aufbernaßrt. Item / nehmt zs. Pfund fett und ma⸗ 
ger Schweinfleiſch durch einander / anderthalb ‘Pf. Saltz / und 3. Loht 
zerftoffenen Pfeffer / mit einer Maaß guten weiſſen oder rohten Wein / 
und ein Pfund Schweins⸗Blut / knetet und ruͤhret alles wohl durch 
einander/und ſtopfft esdann in die Därmer / welche manaber mit ei⸗ 
nem Teller⸗Tuch umwinden muß / daß ſie nicht bärften: So muß man 
(ie auch nach der Groͤſſe / als ed gut beduͤncket / mit Bindfaden unter 
binden / und an die Lufft oder im Rauch haͤngen / daß Ile trucknen / wann 
fie trucken / ſo reibt man fie ein wenig mit Baum · Oel / und thutſte in ein 
irrdenes Gefäß / und bedeckt ſie wohl / fo können ſie ſich lange halten: 
m / nimm groſſe Schweins⸗ Daͤrmie / wie zu Leber⸗Wuͤrſten / 4. Pf. 
weins⸗Braten / 4. Pf. mager Rindfleifch/s. Loht Saltz / hacke al⸗ 
les gar klein / alsdann ſchueide auch 2; Pfund Speck / . Loht zerknir ſch⸗ 
ten Pfeffer / mifche alles durch einander / fuͤlle es in die Daͤrme / druͤcke 
es feſte ein / beſprenge es mit Saltz / binde ed zu / und hänge es im 
Rauch / beſtreiche es ebenfals mit Baum-Del/NB. man muß die Wuͤr⸗ 
ſte / wann ſie gar feſt gebunden / mit ein Stecknadel durchſtechen / da⸗ 
wit das Saltz durchgehen kan. Hier muͤſſen wir / wie allbereit unter 
dem Wort Bönonifhe Würfte gedacht/ noch einmahl anführen / wie 
gar betrüglichtheils Italiaͤner mit dem Cervelare Wuͤrſt⸗ machen um⸗ 
gehen ; ſie gehmen nemlich/ fo bald ein Pferd oder Maul⸗Eſel bey ih⸗ 


nen verrecket / des verftorbenen Thieres Fleiſch / baden es klein / fat 


tzen und pfeffern es / und ſchickens nach Teutſchland / mit dieſen Wor⸗ 
ten; Quefto € aſſai büono per li Tedeschi; Dieſes iſt gut gnug 
por die Teutſchen; des finnigen Schwein-Fleifches zu gefchmweigen/ 
welches ebenfald in Teutſchland und Italien in manche Knack⸗ und 


. Corvelar-Wurft einfpagieren muß. 


‚ Bonus Henricus , guter Heinrich / oder flolger Heinrich / item, La- 
patum-undtuofum, dieſes Kraut famt feiner Wurtel ftillet die 
Schmertzen / heilt Wunden / veiniget die ungen / und wird zu den 
Clyſuren gebraudt. 

, Boramez oder Schaff- Kraut / ein ſonderbahr Gewaͤchs in der wil⸗ 


den Tartarey / der Saamıe ift den Melonen-Saamen nicht ungleich - 


jedoch nicht fo laͤnglicht; es ſchieſſet auf mit einen ſtarcken Stengel et 
wann 3, Fuß hoch / oben auf denfelben waͤchſet die Frucht — 
wel⸗ 


192 “ Bor 


welche einem Schaaff an Fuͤſſen / Ohren / Kopff und Schwang und 
gantzen Leibe überaus gleich ſiehet / anftatt der Hörner hat es lange 
Haar / fo den Hörnern an Geftalt faft gleich kommen / es ift umgeben 
mit einen zarten Felle / deſſen ſich die Einwohner zu ihren Nutzen be» 
dienen ; waun diefe Frucht reiff wird / beginnet der Stengel zu ver» 
fanlen / fie felber aber ein rauhes Fell zu bekommen / gleich als wäre es 
voller zarter und Eraufer Wolle; das inwendige Fleiſch ift für / und 
leichet dem Krebſen⸗Fleiſch / und wann man in die Frucht fchneidet/ 
o flieſſet ein blut-vorher Gafft heraus; daß es aber allein bon den 
Woͤlffen und andern wilden Thieren begehret werde / wie etliche wol» 
len / folcheö Fan man nicht eigendlich —— doch iſt dieſes gemwiß/ 
daß es / ſo lange man Kraͤuter umher findet / in feinem vollen Weſen 
bleibt / wann aber die umwachſende Kräuter bergangen / und bon dies 
fen Borametz gleichfam aufgefreflen feyn / fo verdorret es gleichfald/ 
und ſtirbet bor Hunger / dahero ed einige unter ein lebendiges und em⸗ 
pfindliches Kraut rechnen wollen / aber ſolches zu glauben iſt nicht noͤ⸗ 
thig / dann die Natur hat noch andere felsamere Dinge hervor ge» 
bracht / daß man dieſes Gewächs nicht alfobald vor ein Miracul aus⸗ 
fhreyen darff. Es hat Wolle / ſolche haben auch andere Gewoͤchft / 
abfonderlichdie Pferſichen. Es blutet / ein folder rother Safft fiu⸗ 
det ſich auch in den Granat⸗ und bielen andern Äpffeln. Es gleichet 
einem Lamm in allen / man findet auch) andere Kräuter > die da einen 
vollkommenen Menfchen abbilden /und zwar in beyderley Geſtalt / an⸗ 
dere gleichen andern Thieren; gleichet doch die Frucht eines India⸗ 
niſchen Baums gank völlig einem Drachen / aus welcher das ſo ge⸗ 
nannte Drachen Blut geſammlet wird. Dieſes iſt das ſeltzamſte / wie 
nemlich dieſes Borametz die umſtehende Kräuter gleichſam aufzehre / 
daß ſie verdorren / eben als warn er feinen Aufenthalt und Rahrung 
dabon hätte / worüber die Gelehrten ihre Koͤpffe vielfältig zerbrochen / 





— — 


und endlich davor gehalten / daß ſolche Anziehung des Gaffts anderer 


Kräuter von dieſen Boramez durch eine verborgene Magnetiſche 
Krafft gefchehe / aber. Kircherus mwiderleget ſolche / und meynet / 
diefer Zoramez gleich allen andern Kräutern nicht mehr" ats’ feinen 
Safft zum Unterhalt fuche. —B 

Borax Veneta, Venediſcher Borak/ bon den Spaniern Atincar, 
item Chryfolica genannt / ift insgemeins unter Künftlern und Hand⸗ 
werchöleuten betandt / der fchönfte ſoll ſeyn grob / weiß / ſchoͤn / hell 
und durchiichtig / kommt von Benedig / man bringt ihn auch aus Hol⸗ 
land und Engeland / er will aber nicht allerdings verrichten/ was jentt 
thut; Aus der Inful Eeylon bringen die Holländer auch viel heraus. 
Einige melden / daß er ber den Zurbetifchen Gebuͤrgen in flieffenden 


Waſſern des Mitteländifchen Meers gefunden werde, Es ge | 


» ve mn. m m > — 


| Bor | 193 
chen folchen die Gold⸗Schmiede / das Bold und Silber damit zu Lö» 
then / da ed dann beyder Gold⸗Loͤthung grünlich wie ein Salpeter 


wird; Feines Silber greiffter allein an / fo aber Kupffer untermiſchet 
iſt / thut man Glas⸗Galle darzu / und alsdenn bleibtergang weiß; er 


ſoll aud) den Metallen deu Fluß geben./ und in der Arhener dienet er / 
die Geburtzubefördern. Paracelfus fchreibet / daß der beſte Zorax 
aus Alaun / Saltz / Salmiac und Weinftein / jedes gleichbielgenoms 
men / calciniretiwerde, Emige nehmen der beften nud haͤrteſten Bes 
nediſchen Geiffen / ſchaben jie gantz dünne / und laſſen ſie zwifchen 2, 
Papiere an der Lufft wohl dürve werden / dann reiben lie ed zu Pul⸗ 
ver / thum es in ein unglafurtes Haͤfelein / ſehen es auf ein: fanfftes 
Kohl⸗ Feuer / und laſſen es allgemach in den Hafen verbrennen / bis 
keine Feuchtigkeit mehr darinnen iſt / ſo iſt dieſer Seiffen⸗Borax als⸗ 
dann gerecht und ſehr ſchoͤn zum Loͤthen / es lieget aber alles au der 
Seiſſe / daß ſie recht gut ſey. 

Borgen / auf Credit oder Zeit geben / wird in Teutſcher Spra⸗ 
che von zweyerley Contraätenund Handlungen gebraucht / als erſtlich 
da einer dem audern bewegliche Güter leyhet / welche nach gewiſſer 
Zahl / Maaß oder Gewicht geliefert werden / dergleichen feynd baar 
Geld / Korn / Wein / Bier / Eiſen / Zinn / Bley/ ꝛc. um eben der⸗ 
gleichen pi in gleicher Gute und Werth zu beſtimmter Zeit wies 
Der zu haben / in welchen Fall das entlehnte Gut fo bald. des Entleh⸗ 
ners eigen wird / daß er folcheö veraͤuſſern / veralieniren / und feines 
Gefallens nutzen und verbrauchen / oder fonft einem andern hingeben 
mag / nur daßer Dagegen ſchuldig / dem Leyher ingleichen Werth und 
Bitte ſo viel zu beftinimter Zeit wieder zuerftatten. Dieandere 
Weiſe ift / da einer dem andern ein beweglich Gut ald Kleider / Bet» 
ten / Bücher oder andern Hausrath / item, etwann ein Pferd an einen 

ewiſſen Ort zu reiten / ac. umſonſt (dann wofern man vor ſolchen Ge⸗ 
ae ein gewiſſes Beldgibt / fo iftes ein Mieth-CGontradt,) leyhet / 
nur eine Zeitlang zu gebrauchen / und: hernach dem Leyher folches un« 
verlegt und unverringert wieder zu zuſtellen. Borgen in der Kauff- 
mannſchafft und täglichen Handlung wird genennet / wann einer einem 
andern eine Waare verkauft / und die nad) bedungenen Preiß dafur 
gebührende Kauff:Summam nicht gleich Dagegen empfänget / fondern 
den Kiuffer (entweder. weiler fein guter Freund/ oder ein junger Ans 
fänger ıft/ der das erkauffte Gut erft feibft wieder zu Geld. machen / 
und fodann aus denrerlöften Geld ſelbiges erft bezahlen will /) einige 
Wochen oder Monat Zeit gibt / nad) deren Berlauff er das ihm auf, 
Credit gegebene. Gut erſt bezahlen mag / welches vor manden/ der 
nicht allzu wohl in Oalla verwahret / eine groffe Commadität if / weil 
er dadurch feinen Kram lartirgaund — die Maͤrckte N 
. R un 


* 


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— — 


194 Bor 
und offt auf der auf Credit genommenen Waar ein ehrliches verdie⸗ 
nen./ und ſelbige hernach nach feiner Beqbehmlichkeit/ und fo zureden 
den Berkäuffer mit feinem eigenen Gelbe bezahlen fan / zumahl wann 
er die Waar inzimlichen Preiß gehabt / undle ihm nicht zu theuer ift 
angefchlagen worden / mie etwann wol zu geſchehen pfleget / andenen 
die nicht vor baar Geld fauffen Fönnen / dabey aber auch nicht groſſen 
Credit, indeffen aber doch die Waare nöthig haben / und alfocın Aug 
zumachen / und folche in hohen und über couranten Preiß annehmen 
aüffen / welches manche junge Kauffleute dermaff: n unterdruͤcket / daß 
Nie Zeit ihres Lebens nicht gedeyen fönnen / und wann ſie zumahl dabey 
nicht fleißig feym / ein koſtbahr uud wollüftig Leben führen/ihrer Hand» 
thierung nicht vernünftig abwarten / endlich zum Thor hinaus laufe 
fen und Zangverot machen müffen / welches dem Credit erſt ben rech⸗ 
ten Hertzens · Stoß giebet / daß feiner ſo leicht mehr borgen / und lieber 
feine Waar ( wie dann auch zu cahten ftehet ) behalten / als ſolche auf 
ein ungewiſſes / und an den Erſtkommenden bingeben will / und fo ed 
ja gefehiehet/ daß man einen ſolchen borget / fo müffen entweder fufh- 
Fante Bürgen oder Unterpfände dartıber geſetzet / und Wechſel unter⸗ 
zeichnet werden (welche alödann paratam executionem ber) Verfall 
Zeit haben/ undnicht/ wie die Obligationes, aufdie lange Band koͤn · 
nen verſchoben werden / wodurch aber der Aufborger / der manchmahl 
die Waar / uͤber welche er den Wechſel paſſirt / noch nicht verkaufft / 
aufeinmahlruiniven wird/)ober ed müffen auch die Waaren um ſo viel 
pro Centum über den newöhnlichen Preiß bezahlet werden/ theils dem 
Credit-fuchenden dadurch abzufchröden / dap er Die Waaren liegen 


laſſe / theils / wann folcher a folte banqverot machen / und heut oder 
morgen zum accordiren kommen / daß in Regard des uͤberſetzten Preis 
ſes / man fuͤglich nachlaſſen / und nicht ſo viel Schaden daran leiden 
moͤge; Iſt alſo das Borgen und Waaren auf Credit kauffen / heutiges 
Tages eine beſchwerliche Sache / fowol auf Seiten des Verkaͤuffers / 
Ewelcher manchmahl fein a fo lang nicht entbehren Fan / ſolches 
auch öfft wieder umzufegennöhtig hat etıwan auch mit feinen Waaren 
Vveriegen i / und noch froh ſeyn muß / daß ihm nur einer felbige 
auf Termin abfauffe >) theild auf Geiten des Kãuffers / welcher ſich 
daburch in die Reputation ſetzet / daß er nicht allzuwohl in Calla 
verwahret ſeyn / dabey theuer einkauffen / und wo er kuͤnfftig fernerhin 
Credit haben will / bey Verfall⸗Zeit prompi beöglen up. Vor ei⸗ 
nigen Jahren waren bie Holländer im Borgen fehr faciles, imgleichen 
auch die Frangofen / und könnte mancher Kauffmann leichtlich aufs, 
12, und mehr Monat Waaren in Paris und Amſterdam von ihnen be> 
bommen / fonderlichfoldhe Waaren / welche etwanı aus der Mode ge⸗ 
Eomnen/oder ber) groſſen Qyansitäten mit den Ketour · Schiffen * 


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— — — — — 


Bor 195 


— — — — — —— —— — — — — 
langet / und doch gleichwol bon borigen Jahr her noch ziemlich im Bora 
raht waren ; welche feichtigkeit des Credits manchen Kauffmann (mia 
etwan bey etlichen nod) heutiges Tages zu gefchehen pfleget) angefri⸗ 
fchet/ daß ſie ohne einige Confideration, wo (le folhe Maaren herna 
wieder abfegen möchten/ groffe Qyantitäten zuſammen gefchlagen/ o 
auch gar Wechſels daruber gezeichnet/ hierauf ging die Reiſe nach der 
Leipziger Meſſe zu/ da waren alddann die Wechfel- Briefe zu — *— 
verfallen / kamen auch etwan noch neue darzu / die man etliche Wochen 
vor der Meß zu Haus (in Hoffnung eines guten und contanten Ver⸗ 
kauffs / auch daß die Schulden / die man in Voriger Meß ausgeborget / 
wohl eiugehen würden) ausgegeben hatte. Die Meß hingegen ließ 
ſich — an / und bie Waaren/ die offt etliche Hundert Thaler Fracht 
und3olallein/bis ſie hinauf gebracht worden/gefoftet hatten/lagen auf 
den Hals / da ging ed dann an ein Berborgen an Ehriften und Juden / 
fonderlichaber an die ſaubere Pragers / ß ar / daß wann nur ein hun⸗ 
dert Thaler baar Geld auf die Waare blickete / gleich vor 300. Rihlt. 
wehrt an Credit dazu (ob zwar um 30, Oder 40. pro Centum überfeßet 
gegeben wurden. Diefenahmen es nun — hin / gedachten es aber 
ihr Tage nicht zu bezahlen / und kamen auch die kuͤnfftige Meß nicht wie⸗ 
der / unfer Leipziger Händler möchte fie fo zierlich in fein Leipziger» 
Mards- Verrichtungd » Buch oder Schuld « Memorial eingeo 
fchrieben haben / als er immer wolte / fie blieben aus / oder fo fie ia 
wieder kamen / und Leipzig nicht entbehren koͤnnten / fo —— ſie 
doch nicht eher / man hätte ihnen dann aufs neue wieder ſo Viel geborget / 
wie es dann leider faſt zu einem Geſetz und einer elenden Kauffmanns⸗ 
Maxime gemworden/ daß mancher Schuldenet nicht ehe das Alte bejab- 
len will / manhabe ihm dann fo biel aufs neue wieder Credit gegeben/ 
dadurd) aber mit dergleichen Leuten niemahls vein zulaldiven ift / bis 
fie endlich gar darüber ſterben und verderben / und das alsdann bey 
ihnen noch Auöftehende völlig verlohren wird / woben fich dann der 
Creditor mit dem fo viel Fahr her gethanen Überfegen feiner Waa⸗ 
sen vergnugen muß. Allein / dergleichen lumpen Handel / ober wol 

nicht mehr fo ſtarck / als vor dieſen (da der Credit in Ftanckreich und 

SHolland noch ſtaͤrcker / als heut zu Tage war) im Schiang gehet / hat 
verurſachet / dag hin und wieder ein jeder wohl zuflehet / wo er feine 
Waate hinborget / und ſtehe ich faſt bey mir an / ob gemiffer maſſen die 
Abnehmung des ts nicht mehr der Handlung profitire als ſchade / 
dann ein jeder mu nun befleißigen / ehrlich zu klein anzufan⸗ 
gen / maͤßig zu leben / das Wenige / was er hat / zu raht zu halten / weih 

er weiß / daß ihm niemand fo leicht etwas creditiret. Die Kauffleute 
ſelbſt haben ſo viel laͤngere getreue Dieners / da zuvor jeder Jung / der 
kaum feine Dienft ⸗Jahr vollendet / Kein / und fein ._ 

| 2 geſau⸗ 


— 


196 Bor Ä 
gefangen. Betrachtet man noch darzu die fchlechte Juftig / welche in 


vielen Reichen und ändern ift/ da ein Yusländer fein Recht über ſei⸗ 
nen Debitoren/ der ein Unterthanift / in Schuld⸗Sachen bekommen 
Fan/ fondern gleich hören muß / dev Koͤnig / der Furft und Kerr / wolle 
‚feine Unterthanen nicht exegviret/ vielweniger ruiniret haben / fo faͤllt 
der Muht vollends dahin/ neue Poften auszuborgen/ weil der zweifel⸗ 
haffte oder böfe Schulden Conto in den Haupt- Büchern noch allgu Diel 
Debet vonder alten und vorigen Zeit her ſtehet; und gefegt / daß einer 
oder der ander/ um nur groß im Verkehren angefehen zu werden / noch 
geden/ der zugelauffen kommt / leichtlich hinborgte / fo kan fein Rachbar / 
- der weiter ausſiehet / ſolches leicht geſchehen laſſen warm er bedencket / 
daß das Ende doch endlich die Laſt tragen / und der Leichtglaͤubige auch 
feicht betrogen werden koͤnne: Fide fed cui fidas vide, traue / ſchaue 
aber zu wern/iftein wahres Sprihwort. Nachdem auch heuti 
Tages in groffen Handels⸗Staͤdten der Rabatt , welcher auf gewiſſen 
Waaren gegeben wird/ an flatt des Credits eingeführet/ (wovon aus⸗ 
führlich unter dem Worte Radars zu lefen) fo ſtehet es darum nicht alle 
‚zeit bey den Käuffer/ ob er lieber das volle Beld geben / und bie Zeit 
von 6.7. auch wol ı2. oder 3. Monat wolle auslauffen laflen/ fondern es 
* bezahlen / und iſt fo ein Kabatt oder die zweydrittel pro Cent pr. 
onat/ die man giebet/ mehr ein Formale und eingeführte Gewohn⸗ 
heit / das Kauffen und Berkauffen zu facilitiren / als ein Neceſſarium 
oder indifferens Regvifitum, daß man den Rabatt entweder 
oder auch Die Zeit auslauffen laffen möge; Wer in Credit oder ſelbſt 
in guten Mitteln ſihet / von dvempr=fumiren die Rauffleute/ daß er fein 
Geld beſſer nuͤtzen könne, als daß evs, pro Cent jährliche Interefle auf 
die gekaufften Waaren geben folte/ und entſtehet dahero gleich die Su- 
Kpicion ‚des nicht feſt im age / wann man von Yuslauffen der 
gefaufften Poſt reden wolte. Aber wieder auf das Ausborgen zu kom⸗ 
mien / fo hat ein Verkaͤuffer nicht allzeit Kaͤuffer vor füch / denen zu bor⸗ 
gen nicht zu rahten ſtehet / weil bey der Berfall-Zeit an der Bezahlung 
zu zweifeln ift/fondern es praefentiven fich auch Käuffer/denen die Rech⸗ 
te zu borgenberbieten/ fo man widrigenfalls Feine Richterliche Zülffe 
Der Bezahlung halber haben will/vergleichen feynd nun nach dem Lübi⸗ 
chen Recht / alle Frauens⸗Perſonen / es wäre dan/dap ſie Kauff⸗ Frauens 
waͤren / und ſich als ſolche bor dem Kat hätten zeugen laſſenʒ Eine Kauff⸗ 
Frau aber iſt dieſe / welche aus⸗ und einkaͤufft / offene Läden und Fen 
haͤlt / mit Gewicht / Waag / Maaß und Ellen auswieget und mi 
Arg.jus Lub. lib. 3. tit. 6. art. eꝛ. Ferner die Kinder / die noch unter 
vaͤterlicher Gewalt ſtehen / als welche ſich mit der Exception oder Auße 
flucht des Macedonianifchen Rahtſchluſſes beheiffen Fönnen / und alfo 
Das aufgeborgte But oder eutlehute Geld zu bezahlen nicht De, 
eyn ’ 


X 





Bor i97 
feynd/ es wäre dann/ daß der Vater oder Anherr folches Aufborgen 
feines Sohnes oder Tochter bemilliget / oder feinen Willen hernach 


darzu gegeben Hätte; in ſolchen Fällen können die Rinder/ wann ſchon 


Die Ratihabitio des Vaters wider ihren Willen erfolget wäre / dieſer 
Exception fich nicht bedienen / Brunnem, ad], ult, C. de S. C. Mace- 
don, inmaffen auch ſolches in nachfolgenden Fällen nicht fatt findet = 
(1) warın die Rinder folch entlehntes Geld / in ihren oder ihrer Eltern 
ſcheinbaren Nutzen / wie auch zuihren nohtdürfffigen Unterhalt und 
Kleidung angewandt hätten ; oder (2) wann jemand denen Kindern 
Bas Geld oder Die Bücher / item / denen Studiofis die noht duͤrfftigen 
Kleider auf Univerhtäten geborget haͤtte welches aber dem Glaͤubiger 
zu beweifen oblieget / Zangerus de except, p.3.c.12.n.58. unerachtet 
Der Sohn ohne des Baterd Willen und Willen aufUniverhitäten wä« 
ze / inmaffen Eltern von der Obrigkeit darzu können angehalten wer⸗ 
den / das jie ihren Kindern / welche ſchon feine Studia haben / und zu hd» 
hern Studiis geſchickt feyn/ die behörige Mittel ihren Vermögen nach 
Barzu herreichen müflen / Brunnem. adl,5.C.deS.C. Macedon. (3) 
So die Kinder mit Miffen und Willen ihrer Eltern Kauffmanns⸗ 
Waare handelten / und diefelbe ſolch Aufborgen hernach genehm hiel⸗ 
ten/ oder (4) die Kinder alfo befchaffen wäremy/ daß ſie für Parres fami-' 
lias (das iſt / die nunmehro aufferhalb ihrer Eltern Gewalt wären) ſich 


bectrüglich ausgegeben/ auch vermuhtlich dafür angefehen und gehalten: 


werden koͤnne n / hätten aber die Creditores wol gewuſt / daß die Kinder 


noch) in ihrer väterlichen Gewalt waren / welches die Rinder beweiſen 


müſſen / Zanger,Cit.lococ, i2. n. 26. & ſeqq. folhenfalld koͤnnten ſie 
das Geld oder die Bezahlung nicht wieder fordern. Ferner und vor⸗ 
Das (s)Hat obgemeldtes Recht nicht ſtatt / wann derienige/ welcher das 
Geld herleyhet / noch unmündig oder minderjährigift / und felbft in 
väterlicher Gewalt flehet / wie auch (s) wann die Kinder Caftrenfia: 
ader qvafı Caftrenfia peculia, (das ift ſolche Güter / die fie felbft ent⸗ 
weder im Krieg/ oder duch ihre Kunſt und Fleiß erworben haben) be’ 
figen/ weil ſie / mas diefe Peculia betrifft/ als patres familias angeſehen 
werden) 1.1.8. fin.1.2.C.deS, C. Macedon. (7) wann der Goßt ein 
Goldatift/ 1. fin.C. cit. tit. oder (s) wann er / nachdem er bon bäterlie 
er Bewalt befreyet / die Schuld agnokciret/ und die Bezahlung ver- 
Frochen / oder nureinen Theil aufdie Schuld bezahlet / haͤtte er aber 
den Gläubiger ein Pfand gegeben/ ohne weitere'ausbrüdliche Agno- 
ſcirung der Schuld / fo möchte der Creditor zwar das Pfand behalten/ 
wann aber folches zu Tilgung der gantzen Schuld nicht hinlaͤnglich wa⸗ 
re / folchenfalls konnte er aud) ein mehrers nicht fordern. Dieſes iſt 
uwodh zu erinnern / daß ob ſchon die Kinder diefer Exception ſith aus 
drücklich begehen / fie ſowol als ihre — künfftige Erben / ua: 
| 3 an 


— 


108 Bor | 
2 mm — —— ———— 
annoch vorfchügen koͤnnen. Solten fie aber vermittelft Endes derfel- 
ben renuncirt haben, fo iſt das ſicherſte / daß fie ihren Eyd halten/conf. 
Str.Synt. eiv, Ex, 20. tHiys. es waͤre denn / das fie der Creditor zum 
Eydſchwur gefährlicher Weiſe veranlaſſet hätte. - 
Don der Bezahlung eined geborgten und auf Zeit gefaufften Gu⸗ 
tes oder gelehnten Geldes / iſt was die Müng betrifft / zuwiſſen / daß 
der Schuldener eben dergleichen Müng-Sorten / ais er vorher em: 
pfangen / wie dergeben muͤſſe / ev habe gleich anfaͤnglich ſchlimm oder 
auch gut Geld empfangen / daß dannenhero allemahl auf die Zeit / wann 
Das Borgen gefchehen/ muß geſehen werden, in fo viel es Die innerliche 
Güte des Geldes/ an Schrot und Korn / oder Behalt und Gewicht be= 
trifft ; ſolchen nach / wann der Thaler zur Zeit des Borgend und An- 
lehns am Gewichte 2. und an der Büte 1a. löhtig geweſen / zur Zeit 
aber dev Wiederbezahlung am Gewicht und Li ga etwas fehlte/ ſo mug 
Der Debitor den Abgang am tt erfehen/ Riehter Decif. zz, n. 10. 
27. & ſeq. jedoch wann einer fchlimm Geld aufgenommen, ſolches aber 
eleihwol vor voll ausgegeben und angewandt * iſt er nachmahls 
gu öch wieder zu erftatten gehalten / ob ſich fchon immmittelft die 
ung geändert haͤtte / cit. Decif.n.23. Da ingegen/ wanneinerleicht 
Geld am Gewicht und Gehalt enipfangen/ fo Ban er warn zur Zeit der 
Wie der⸗Erſtattung das Geld oder der Thaler ſchwerer / und am Ge» 
halt oder an der Liga beffer iſt / den Uberfchuß davon abziehen ; man 
aber das Geld zum Exempel der Thaler’ an der innerlihen Büte als 
am Gehalt und Gewicht / wieer mar zur Zeit ded behns / bleibet/ deffen 
Gütigfeit aber ſteiget oder fällt / aldz.e. zur ZeitdesAnlehng / hätte 
ein fpecies Thaler 24. gute Brofchen gegolten/ zu der Zeit aber/ da der 
Debitor bezahleh muß / gilt der Thaler 30. Grofchen/ fo fan der Schul⸗ 
dener den Überfchuß abziehen / undift genug / wann er fodiel Stück 
fpecics Thaler wieder bezahlet/ weiche das er rgte Quantum ausma⸗ 
chen / dahingegen / wann zur Zeit des Anlehng ein fpecies Thaler zo, 
Sroſchen gegolten/ hernacher aber gefallen, fo Fan der Debitor folchen 
nicht anders / als nach jeigen Wehrt / oder wie er zur Zeit der Wie⸗ 
der-Bezahlung gang und geb iſt / in der Zahlung anfchlagen/ und muß 
alſo den Abgang wegen Bergeringerung der Munge erfegen; wäre 
aber ausbrüdlic verabredet worden / in was für Mung-Sorte die 
Wirder-Bezahlung gefchehen ſoll / zum Exempel / an Rehle, oder Dix 
caten Stud vor Städ / fobleibtes ben folcher Zufag billig / und wie 
der Schuldener die Ubermaaß nichtabzichenkan/ alfe ift er nicht ſchul⸗ 
dig / wann der Thalerin valoregefallen / den Abgang wieder zu erſe⸗ 
hen / weiln/ mas intrinfecam bonitatem betrifft / fie in diefen Paſſu 
auf die Zeit des Contracis. wie oben gemeldet / gefehen wird, ‚Wan 
auch etwan dergleichen Devalvario oder Verringerung der r 


=. Bor Boͤr ‘199 
— — — — — — — — — — — — 
vfel den Valorem betrifft / beborftünde/ fo Fan der Schuldener doch ſol⸗ 
he Muͤntze dem Creditori in der Zahlung micht aufdringen / vid. Dn. 
Lncker. ad tit. de reb. cred. th. zi· Ein mehrers von Borgen und 
was darzu gehoͤret / vide unter dem Wort Kauffen. 

Beriza, v. Mondkraut. 
Bornſtein /Carabe, v. Saccinum. ’ 
Borragen Blumen / Flores Borraginis, ft. Herf-Blumleitt/Bu- 
— verum genannt / ſeynd ſchoͤn Himmelblau / werden in Teutſch⸗ 
nd/ ſonderlich um Rünberg / in groſſer Qyantitdt gefunden / hernach 
aufgedorret / und in warmen trocknen Kammern aufbehalten Die 
gekochte Blätter davon erweichen den Leib / lindern den Huſten / in 
Geingenrkt erfreuen ſie das Hertz. Die mit Zucer uͤberzogene 
Russel befeuchtet / und benimmt den Aberwitz in Fiebern den Saa⸗ 

men in Wein gebraucht / mehret die Milch. | 
- Borras, vide Borax. 
Borres / Boretſch / Borrago, 1° | 
Boͤrſe / BurfaPublica , ein öffentlicher Ort in einer groflen Kauff⸗ 
und Handeld-Stadt / wo die Kaufleute des Tapes einoder mehr» 
mahl zuſammen kommen / und von ihren Handels Angelegenheiten 
Unterredung pflegen / unter folchen Börfen fennd nun fonderlic die 
Londiſche Amfterdammer / Eopenhaggner/ Hamburger / Luͤbecker 
und Leipziger / vornehmlich aber die An er ihrer Strucdtur wegen 
berühmt / als bon welcher Guicciardinus in feiner Befchreibung Ant» 
swerpens meldet / daß ſie mit fchönen Thürmen / ftattlichen Uhrwer⸗ 
cken / vier Hanpt-Pforten/ einen trefflichen ſchoͤnen inwendigen Platz / 
und ſchoͤnen Gallerien verſehen / auf weichen allerhand Krambuden / 
und ſonderlich die fo genannte Schilders-⸗Pand / mit raren Schil⸗ 
dereyen — ; Die erſte Fundation dieſer Boͤrſe geſchahe 
A.C.igʒi. und weil zu Bruͤg in Flandern ein gewiſſer Pla / auf wel⸗ 
chen ſich Die Kauffleute verſammleten / von einem nahgelegenen Haus 
(der adelichen Familie derer von der Beurſe zuftändig) die Boͤrſe 
wegen ;. in Stein eingehanener Geld-Beutel genentet wurde / als 
behielten die Antwerper bey Erbauung ihrer Börfe dieſen Nahme 
gleichfals / welchen hernach auch die Enalifchen angenouiuen / als fi 
das Fundament zu ihrer koſtbaren Börfe geleget / wlewol Die Ko, 
niginn Eliſabetha durchaus Haben wotte/ daß man diefen Ort nicht 
die Börfe / ſon dern den Königlichen Wechſel nennen folte, Der 
Platz / auf welchen in der beruͤhuten Reichs⸗ und Handrls⸗Stad 
Rürnberg die Kaufflente ſich verſammlen / wird der Herren⸗Mar 


⸗ 





nd und iſt folcher nichts anders / als ein Stid von dem groſ⸗ 
en Warck / auf welchen allerhand Vidtualien verkaufft werden; weit 


gber dabey die Kauffleute bey vegenhoftigen Wetter nicht — 
| | 4 e 


208 Bor Bot | 
wie an andern Orten ftehen Fönnen / ald möchte das an eben dieſen | 
Warck gelegene alte Kürfhner- Haus / wann felbigesabgebreden, 
würde / einen trefilichen Platz zur Erbauung einer ſchoͤnen Borſe 
darſtellen koͤnnen. Br Er ar 
Borſt⸗Saamen / Semen agnı Caſti. 
Bortenwuͤrcker / vide Poſementirer. I 
Rotanici werden diejenige genennet / welche der Pflanhen und 
Kränter ihre Ratur Tugend und Wirckung Benennung und Une, 
terſcheid wohl willen and erkündigen/ und Fan man folche Betanicos | 
auch die/ welche von den Kraͤutern und Pflangengefchrieben / füge, | 
lich in z. Claſſen abtheilen; zu der erſten gehoͤren / diedenen Vege, 
eabilibus nur den bloſſen Nahen gegeben / und ihre äufferliche 
Form und Geftalt zu befchreiben pergnugt gewefen/ ald Baubinus „ 
Sluſius, Cordus , Lobelius, ‚Alpinus gethan : indieandere Caſſe 
möchten geſetzet werden diejenige / welche medicẽ von den Kräutern 
gehandelt / und vornemlich ihre Kraͤffte und Wuͤrckungen unterſu⸗ 
chet / unter welchen herbor lenchten Fabornæmontanus, welcher 
zwar weitlänfftig/ doch aber confufe und ungewiß geſchrieben / D.Si- 
mon Pauli hat zwar zierlich / aber nicht genug / und D. Cafpar Hoff- 
mannus auf Galenifheftt und Weiſe gefhrieben ; Karrichter in 
feinen Teutfchen ee ift in die Fußſtapffen des Paracelli 
getveten/ und hat eine gena® Art gewiefen/ die Kräuter zu ſammlen 
und zu verwahren / wie daun auch Paracellus felbft einKranter-Bud), 
eichrieben/ were ſelblges nur Klein ift/ fo 3eiget es doc) die rechte. 
99 wie man dieſen Studio oblfegen Toll. Unter den alten Botani- 
cis iſt der erſie Dioſcorides geweſen / welcher Hiſtoriam Vegetabilium 
Syftematice borgeſtellet / dieſen iſt gefolget Galenus, welcher faſt al⸗ 
les aus dem Doſcoride ausgeſchrieben / welchen hernachmahls die 
Araber gefolget / Matthiolus hat einen Commentarium, Amatus Lu- 
fitanus ‚aber animadverfiones in Diofcoridem gefchrieben. Vide 
ein mehrers hiebonunter den Wort Kraͤuter. . -, | 
- Botrys, Trauben⸗Kraut / Tuͤrckiſcher Beyfuß / Bufonum herba, 
iefed Kraut währet der Säule /ift gut zur Bruſt und Huſten / 
schwind-umd Lungenſucht ic... +. N 
Botttel⸗Bier zu machen / fo nehmt ein gut gemein Weiß-Bier / 
Das ohne Hopffen gemacht iſt / as ſchwaͤchſte ift am beften hierzu / 
wann es nun im Faß beriohren ſo ja Kt man es aljobald in Botteln 
b / thut in eine jede Bortelein paar Nägelein / eiiioder anderthalb 
htZucker / etwas Citroneu⸗ Schaalen / ein wenig Violrwurtz / weil das 
Bier dahon ſchmackhafft wird / und auch wol kin paar groſſe Roſinen / 
es muß aber dieſcs Bier gleich getruſcken wetden / weil es ſich nicht 
lange hatt. Ma Smart — u ade. wen 


1 
— 








Bou- 


— ——— — EN 





— — —— — — — 


Bou Bra 201 
— — — ———— — — — 7 at Mer tr en ET —— 
Houtenles, Flaſchen / die gläfern/ werden bey ı00. bon den Glas⸗ 
Huͤtten gekauft. 
Boutigve , eine Werckſtatt der Handwercks⸗Leute und Krant-fas 
den der Kaufleute / Boutigve alouer, Kram⸗Laden / der zu vermie⸗ 


ten ift. | : 
— eine Miſtel / welche mehrentheils auf den Eichbaͤumen 


chſt. 
Brabandiſche und Flandriſche oder Spaniſch⸗Niederlaͤndi⸗ 
ſche Waaren und Handlung / dieſe war dor dieſen / ehe Holland 
roß geworden / in ſehr conſiderablen Stand / alſo daß auch die Han⸗ 
e⸗Staͤdte ein beruͤhmtes Contoir zu Brüg in Flandern aufgerichtet/ 
und die berühmte Stadt Antwerpen ſich u fönte / dag fie dasſe⸗ 
nige aewefen / was ihund Amſterdam ift/allein des Duc d’Aiba feine: 
Tyhranney / und Philippi II. Königs in Spanien ungeitiger Religions- 
and Reformation=Epfer / auch weil man in Flandern die Handwer⸗ 
der unter gewiſſe Züunffte reduciren / und neue Accifen auf Brod/ 
Fleiſch und andere Nahrungs» Mittel auflegen / die jungen Hand» 
wercks⸗Burſche auch mit Gewalt zum Krieg zwingen mwolte / viffen 
nicht allein die Handlung von dieſen Kandern weg/ fondern auch gar 
die jleben bereinigie Provingıen von Spaniſcher Devorionab/ fo daß 
jetiger Zeit diejenige Handlung in Hollaud Horiret / welche vormahls 
In Flandern hat nrüffen gefucht werden. Die wenige See⸗Handlung / 
weiche die Flaͤminger noch haben / gefthiehet auf Spanien / von wan⸗ 
nen (fe Wolle / Wein und andere Spanifche und Mttericanifche Maas» 
ten holen / und an deren Statt wieder ihre Manufadturen / welche hin 
und wieder inden Spanifchen und vereinigten Niederlanden gemacht 
werden / dahin bringen / als da ſeynd / allerhand feine und fonderlic) 
die Cammer⸗Leinwand / welche Ju Cammerich / Gent und Mecheln 
gemacht wird / vielerhaud Bold und Geidene Stoffen / ſchöne Tape⸗ 
berenen von Bruͤſſel / weiſſe Zwirnene Spitzen von Udenarde und Me⸗ 
cheln / Camelot oder Cameel⸗Haaren Zeug / Baracan und allerhand 
eſponnene und gefaͤrbte Wolle zu Tapeten / überaus feinen Spitzen⸗ 
Kirn / welche jegt erzehlte Waaren insgefamt and) fehr häuffig nach 
Franckreich gehen / und Dagegen von den Antwerpern (als welche / 
vermittelſt des Schelde Fluſſes / noch einige kleine Schifffarth Haben) 
ein / Brandtwein und audere Fransöfifche Früchte und Manufa- 
&uren/ eingefauffer werden. Die von Brüffel und Gent handeln 
mit denen Parifer Kaufleuten über Land / und befuchen die Parifer 
und andere Frantzoͤſiſcht Meſſen / gleichwie Hergegen die angränkende 
Srangofen haͤuffig mit ihren Waaren wieder nac) Flandern und Bra⸗ 
band kommen. Die Licenter oder Zölle werden in Flandern nach 
den Werih der Waaren / zu welchen Ile ne Kauffleut nn ge⸗ 
Has 


} * 


202 | Bra 


ſchaͤßet. Maaß und Gewicht in Braband betreffend / iſt ſelbige 
folgender Geſtalt eingerichtet / und zwar erſtlich in Korn thut eine Ant⸗ 
werperbaſt ʒze. Viertel deren 523. eine Amſter damer Laſt machen / das 
Viertel hält 4. Mukens / und ze. Viertel thun einen Sad Haber. 
Zu Bruͤſſel rechnet man ar. Sad auf die Amſterdamer Laſt / wann an⸗ 
ders das Korn gut iſt. Zu Malines oder Mecheln thut die Amſter⸗ 
damer Laſt es. Viertels. Die Laſt Louvain oder Loͤwen iſt von 
37. Muddes, jede Mudde hats. Halſters. Zu Breda und Seven⸗ 
bergen rechnet man die Laſt Korn auf 335. Viertels / und auf 29. bor 
den Haber / die 13. Viertels machen 18. Sack / oder ein Rotterdannner 
Hut. Die Rocken Laſt wird zu Bergen Opzom auf 34. Viertels / 
und die Haber Laſt zu eo Viertel gerechnet. Die Laſt bon Bois Ic 
Duc oder Hertzogenbuſch macht 205. Mouvers, und. 8. Mouvers 
einen Kotterdamer Hut. In den Spanifchen und Fransöfifchen 
Flandern und zwar erſtlich r Gent in Flandern / hat die Laft Rocken 
ss. Halſters / und in den Habern 38. ız. Halfters thun 1. Mudde oder 
6. Sack / Sack 2. Halſters / der Einkauff gefchicht nad) Halſters oder 
Mudde,. Die kaſt zu Bruͤgge wird aufırz.Yutin Rocken / und 145 
in Habern gerechet. Die Laſt zuSt.Omer iſt von 223. Razieres. Zu 
Dirmmyden rechnet man in Weißen die Laft auf 305. Razieres und zu 
24. ver dem Haber /1. Raziere ift 2. Rotterdamer Gcheffel. 15. Ra- 
zieres von Duͤynkirchen machen einen Rotterdamer Hut) die See 
Maaß iſt von. Razieres, melde 280, Pfund mögen. Zu Sraveline 
rechnet man die Laſt auf 223-Razieres in Rocken / und zu i83J. in der Ha⸗ 
ber-Maaf. Im Luͤtticher Land hat bie baſt 96. Setiers , jedes Sc- 
* tierse.Muddes. Zu Tongern rechnet man auf die Rocken Lafl ıs. 
Muddes und auf die Haber Laft 14. j 

Das Gewicht in Braband mie ſolches (ch gegen anderer Städte 
‚ und Ränder ihren Gewicht verhalte ift aus der Redudtions-Zabell un⸗ 
ter dem Mort Maaß und Gewicht in diefent Buch zuerfchen ; hier 
ſteht nur noch zubemerden daß 


[ 2öven 
| Bruͤſſel 
oo. Ih Antwerper Hertzogenbuſch 100, {b. 
thun zu | Mredein | E 
Arſchott 
Bergen Öpzoom + .Tb. 
Unmut =; «= = = 9, Ib. 
Brügge » = » » 100.1b. 
Gent a = #9 ,s:s ss 108, ib. 


Das 


— — 


Bra 203 


- Das Schuipfund vou Antwerpen ift 300. Tb. Die Charge 400, Ib. 
oder z. Ballen Der Wagen oder Chariöt ısr. Ib. Dar Stein 


2.16. 
D.e Muͤntz in Braband und Flandern /beftchet in Pfund / Schil⸗ 
ling ) und Groot⸗Flaͤmiſch / welche eingetheilet werden / in Curante 
und in Wechlel-Münge /diefe letztere / welche auch Permishion- oder 
Permishie-Geld genennet wird / differivets}.p Cent. gegen Courant- 
Geld / alfo daß 100. Holländifche Bulden oder Pfund Flänifch Permif- 
fie-Geld 1085. Courant Holländifher Gulden oder Pfund Flaͤmiſch 
machen. Es ſeynd aber obbemeldte PfundFlaͤmiſch nur eingebildete/ 
und ans 6. fl. oder aus izo. Stüvern oder 240. Grooten zuſammen ge⸗ 
feste Pfunde / hingegen hat man in Braband und Flandern wuͤrckliche 
geprägte Müngen/ als da ſeynd Ducaten welche a. fl. 16. Stüber/ Du-' 
catons welche 3. fl. 10. Schilling / Paragons oder Reichsthl. welche 
3, fl. s. Studer oder 96. Groot / Schelling oder Schilling Flaͤmiſch 
welde 5. Stüber oder Patars oder ız. Groot /und dann gemeine Stü> 
ber oder Patar welche 2. Groot oder s. Deuten/ oder 16. Pfenninge gel⸗ 
ten / der Patagon oder Neihsthl. bon der Wechſel⸗ oder Permiflie- 
Miüns zu ss. Stüber oder Patar gilt sr. Stüder Courant- Geld / we⸗ 
niger oder mehr. Die Handels-⸗Buͤcher werden in Pfund/ Schillings 
und Groot Flaͤmiſch / auch wohl in fl. Stuͤper and Pfennings gehale 
ten/ wiewohl man Feine gemuͤntzte Gulden hat. Weil auch Antwer⸗ 
pen / Bene / Bruͤſſel und Riſſel groſſe Wechſel⸗Plaͤtze ſeynd / ale 
wollen wir den Wechſel⸗Cours von Ölchen allhier noch nut anführen/ 
ſolcher iſt nun | 
Yuf Franckreich so. biß 100. Groot Flamiſch vor einen Reichsthl. 
bon 60. Sols tournois. 
u | Venedig benso.bif 100. Broot bor Ein Ducaten von 24. Groot 
ı Banco, 


Auf Spanien von 8o.bif 30. Gr:berein Ducat bonz>s.Marrevad, 


Auf Portugal von 4o bif so Br. borı. Cruzade de 400. Rees. 
Auf — von so. biß 100, Br. vor ı, Piaftre bon 5. Lires oder 100, 
Soldi. 
Auf Livorne bonge.biß 100, Br. vor ı. Piaſtre hon 6. Lires oder 120. 
Soldi, 


— — von so. bif 90. Gr. Vor 1.Flor.de 5. in Wechſel⸗ 
| eutzer. | | 
Auf Nuͤrnberg ben 70. biß se. Br. Vorı. Flor, hon 6. Ereugerd 


Courant, 
Auſ Sngeland bon 26. biß 33.f. flämifch vor ı. Pfund Sterftmg. 
Auf Holland von 100. bißızo, Pf. Flämifc dor 100, Pf. Flaͤmiſch 
jedes von s. fl. | Auf 


204 Bra 
ni — bon 33. biß 37. Sols vor 1. Daelder von ze. j. 
ü ! 


Brackendieſtel Eryngium. 

Brackenhaupt / Anthyrinum. 

Branca urſina, Spondylium Vulgare hirſutum Acanthus vulga- 
ris, oder Germanica Baͤrncklau / Berwurtz / iſt einKrant/deffen Wur⸗ 
tzel weiß und wohlriechend / waͤchſt auf feuchten und naſſen Wiefen/ 
iſt eines aus den s. erweichenden Kraͤutern / waͤrmet / trocknet und er⸗ 
öffnet/ / dahero man es viel zum Clyſtiren und Cataplasmatis gebrau« 
het. In Pohlenund Littanen wird einTrand‘/ den man Bartſch 
nennet/ folgende Beftalt davon gemacht: R. Des Wind-trodenen 
Krauts/ ſo biel es dir beliebt/ hade es klein thue es in einen Keffel/ 
gieß eine gute Quantität Brunnen Waflers darauf / laß ed fo lange 
Eochen,/ bis das Waller einegrünsweißlichte Farbe geminnet / und 
ſtarck nach den Kraut ſchmecket / alsdenn feige es durch in ein vein 

oͤlherues Gefaß / thue einen ziemlichen Theil Saurteig hinein / und 

Bes goͤhren / wann es ausgegohren / fo nimmt man davbon fo diel 
man will / ſchlaͤgt ein jaar Eyer darein / und ſiedet es als eine Bler⸗ 

ppe / will man / fo Fan man auch ein oder zwey Blaͤttlein Salbey 
darein werffen. | — | 

Branca urfina Italica, Melfh-Bärndlau/wird in Welſchland / bey 
uns aber in Apotecker-Gaͤrten angetroffen. 

Brandenburgiſche Waaren and Handlung / hierunter verſte⸗ 
hen wir bloß allein die Alte Neue / Mittel und Ucker⸗Marck / (nicht 
aber fo viel endert groſſe und Volckreiche Provincien / welche dem 
Preußiſchen Scepter unterworffen / und welche ſich von den Pregel⸗ 
Fluß in Preuſſen an / bis über dad Hertzogthum Cleve hinaus an 
Holland erſtrecken) dieſe obbemeldte Marcken von welchen dieMite 
tel⸗Marck auch die Chur⸗Marck geneñet wird) wie ſie hin und wie⸗ 
der ſtattlich peupliret / an den Oder / Havel⸗ und Spree-Fläffen G-, 
tuiret / und welches das vornehnifte iſt / mit der Königlichen Preuſ⸗ 
fifchen Refideng-Stadt Berlin gezieret ſeynd (welche Stadt unter 
der glorwürdigften Regierung Seiner jest-herrfchenden Koͤngli⸗ 
chen Majeftät FRIDERICI des Erften Ehriftlichen Königs in Preufs 
fen/ und Dero in GOtt⸗ruhenden ri Hn. Vaters / Chur⸗ 
fuͤrſt Friderich Wilhelm des Groſſen / eine Mutter und Gäug- 
amme der freyen Künfte and Mechanifcher Miffenfchafften / fone 
derlich ein ſicheres Afylum fo vieler taufenden Refugirten Pfaͤltzer 
und Frantzoſen geworden) geben aus ſolchen Urſachen leichtlich zu 
ermeſſen / daß ihnen ſowol an Natur / als Glüͤcks⸗ und Konft-Gaben, 
(deven tnogeſamt die Kauffmaunſchafft benoͤhtiget iſt) ein groſſet 
UÜberfluß müſſe zugewachſen ſeyn. Von den erften / — F 

ib Maͤrcki⸗ 


— — u in er 


Bra 205 
Märdifchen Lands⸗Früchten anfãnglich zu veden / fo bringen die 
vielfältige Flüffe und Gee eine groſſe Menge Fifche hervor / die 
theils geräuchert und eingefalgen / häuffig auſſer halb Sandesver- 
fandt werden / und alfofchon einen guten Theil der Kauffmanne 
ſchafft ausmachen. Rechſt diefen: kommt das liebe Getreyd an 
Rocken / Waͤitzen / Gaͤrſten und Habern / in fo groſſer Abondance in 
dieſen Rindern hervor / daß abermahl damit feine geringe Hand⸗ 
fung auſſerhalb Landes getrieben wird. Was den Wein-⸗Wachs/ 
fonderlic um Potsdam betrifft / ift derſelbe faft jährlich durch aött- 
lichen Segen fo reich dag der gemeine Mann um ein gar ſchlechtes 
Geld Wein trinden/ und ſolchen noch darzu aufferhald Landes ber» 
fenden kan / wie dann jährlich eine groſſe Quantität davon verſchi⸗ 
- det/ und wol gar von einigen eigennusigen Leuten mit den Franke 
Rein vermählet wird / nach den gemeinen Sprichwort: Lands» 
Wein wilt du ſchweigen / ſo ſolt du zum Frantzwein einfteigen, 
Sieder einigen Jahren her / hat man auch Maulbeer⸗Baͤume / de⸗ 
ren bey a4000. um Potsdam herum ſtehen / zu pflangen augefangen / 
— Seiden⸗Wuͤrme zugelegt / und davon eine ziemliche gute 
usbeute roher Seide befommen / andern Teutſchen Ländern zum 
Exempel / daß man nicht nöhtig habe / aus fremden Laͤndern mit 
groſſen Unkoſten zu holen / was in eigenem Lande ſelber kan erzielet / 
und davon fo viel hundert arme Wittwen und Waͤyſen (durch ih⸗ 
ren dabey zu findenden Verdienft) ernahres werden. Wann auch 
in allen zum Wein⸗Wachs geneigten Rindern der Mandel⸗Vaum 
gerne Frucht bringet / als hat man in diefen Märdifchen Provina 
cien / jonderlich ber) Frandfurt an der Oder / fchon eine glückliche 
Probe davon gefehen/ und oft in einen Dorff etliche Scheffel Mans 
deln / die den Provenciſchen an Fettig⸗ und Suͤßigkeit nichts nach» 
“gegeben / einfammlen koͤnnen. a / damit die gütige Natur ihr 
reiches Horn des Uberfluß über dieſe Zander rechtſchaffen ausfchüt» 
ten möchte /-fo hat fie derfelben eine Art Erde gegeben / welche wir 
unter den Rahmen Terra Novi Regni allbereit in diefen Werck / 
ſamt ihren Etſect und Fünfftig daraus zu erwartenden fonderbaren 
Rutzen / beſchrieben haben / wann nur der preißwuͤrdige Erfinder 
derſelben / (welcher fid) durch feine gelehrte Schriften um das Ba> 
terland fonderlich wohl verdienet und bekannt gemacht) in feinen 
loͤblichen Intention/ (die er ſowol zur völligen Ausbereitung/ des in 
dieſer Erden verftedten fonderbahren Nusens/ als auch in feinen. 
faft zur Perfection gebrachten Opere de Hiftoria Naturali Branden- 
burgica, rühmticht erwiefen) Erafftigft möchte fecundiret werden. 
Es mangelt auch den Märdifchen Probincien an einen ſchoͤnen Ans 
hruch zu reichen Bergwercken nicht / indem nicht weit bon * 
wa 


206 Fra 


wald. in dem Gebürge dafelbft/ ſchon ſolche Veftigia gefunden wor⸗ 
den / daß / warn (ich einige Entrepreneurs darzu angeben möchten/ 
diefelbe ihr anzulegendes Geld vielleicht mit reichen Wucher wie 
der fönnten zu erheben haben. Des hin und wieder im Bande ſich 
findenden unterirrdiſchen Bernfteind/ welcher aus denen fuccis ter- 
reftribus birtuminofis coaguliret / fehr häuffig in Graben und Auf 
wühlen der Erde gefunden wird ; wie auch der vielen Medicinali- 
ſchen Kräutern/ anjego zu geihmeigen, inmaſſen folche in des Eltz⸗ 
holgens Flora Marchica ausführlid) beſchrieben feynd. 
Die Manufadtirren belangend / womit obbemeldte Märdifche 
Provincien ziemlichen Nahrungs: Vortheil eriagen/fo fennd ſolches 
erſt Die ordinaire und aus der Laudwolle gemachte Tuͤcher / die grofe 
fen Abgang indenen Gee-Städten Hamburg und Lübed finden/ 
auch dafelbft/ wann jie roh hinkommen / böllia zubereitet / und fo 
weiter nach der Oſt⸗See / auch wol gar bisin Moſcow verhandelt 
werten. Nechſt diefen kommen die Berliner Manufadturen vom 
fchöner Staal-Arbeit/faubern Creponen, foftbaren Gold⸗ und Sil⸗ 
bern⸗Stoffen / auch etwas feinen Lacken / von alerhand gewebten und 
—— Struͤmpffen / Ktaminen, Sergen und dergleichen in Con» 
ıderation. Seit einigen Jahren her hat man auch Staal zu ma⸗ 
chen angefangen / und wie Seine Koͤnigl. Majeftät in Preuſſen / nach 
ihrer angebohrnen Lands ⸗ baͤterlichen Mildigkeit / ſehr portitt iſt / ih⸗ 
rer Unterthanen und des Landes Wohlfart zu befördern / alſo ſeynd 
dieſelde auch leicht zu bewegen geweſen / daß fie viel taufend Rthlr. 


En Etabliflement diefer Manufadturen vorgeſchoſſen / allein es hat 


olches nicht reußsiren wollen / wie dann das gantze Werck bald wies 
der in ſtecken gerahten. Beſſer fuccedirt die zu Neuftadt an der 
Doß aufgerichte Spiegel-Manufactur, welche fo biel nicht arbeiten 
kan / alö ſie / fowol in⸗als auſſer halb Lands zu verkauften weiß. 

Was aber die Mardifche Commerciaum ein merckliches befordert / 
ift die vortvefliche Bequemlichkeit / welche man in denenfelben zung 
Transport der Kauffmanns⸗ Guͤter findet / als daß man erſtlich aus 
der Elbe in die Havel / don der in die Spree / von der Spree nach 
Berlin / und von dar weiter aufeben diefen Spree⸗Fluß durch den 
von Ehurfürft Friederih Wilhelm den Groffen angelegten neuen 
Graben indie Oder/ und fo ferner in die Oſt⸗See / oder auch in die 
Oder aufwärts in Schleſien und Mahren / und folglich leichtlich im 
die Donau kommen fan; welches eben eine Palage ift / die nicht ale 
fein D. Becher / fondern auch vielen andern klugen Köpffen groffeSpe- 
. eulationes zur Ausbreitung der Teutſchen Commercien gegeben 
hat/ davon ein bon mir gleichfalld concipirtes und verhoffentlich zu⸗ 
laͤngliches Projet in meinen Fünfftig zu erwartenden Preußiſch⸗ 
Brandeuburgifhen Kauffmann wird zu enfehen ſeyn. Die 


‘ 


nr Sea 
Bra 207 


Die Muͤntz⸗Sorten in denen Märdifcen und vielen andern 
Brandenburgifchen Provingen feynd den —— gleich / nem: 
(ich daß der Reichsthaler in 24. gute Groſchen / der Groſche wieder 
in 4. Dreyer oder 12. Pfennig eingerheileswird / und gelten albier 
die fo genannte z. Oder 16. Grofchen-Stüd / doch nur Preußiſche / 
Saͤchſiſche und Füneburgifhe zu voll; der Specie Rthlr. wird zu 
»%. Höchflız- der Specie Ducat zu 33. Rthlr. oder 2. Rthlr. ı6. Gro⸗ 
fen angenommen. | 
Mit den Maaſſen und Gewichten hat es folgende Befchaffenheit : 
2. Laſt Korn ift 3. Wiſpel oder s. Malter/ ein Malter ız. Scheffel/ ı. 
Winſpelz4. Scheffel / 1. Scheffel 4. Viertel) 1. Viertel 4. Metzen / 
1. Mehe 4. Mäßgen ; 1. Viertel Croßniſch Maag hat ı4. Maͤßgen. 
1. Biertel Mein Croßniſch Gebind hat drittehalb Eymer oder 100. 


Quart. 
. Kuͤpe Bier hat 2. Faß oder 4. Viertel / i. Faß hat 2. Viertel oders. 
Tonnen / i. Viertel anderthalb Tonne / eine Tonne 96. Quart. 
D e Wasren / welche wieder in die Marck⸗Brandenburg einge⸗ 
fuͤhret werden / ſeynd allerhand Gewüͤctz / feine Hollaͤndiſche und En⸗ 
iſche Tächer/ Bold und Seidene Brocaden, feine Stoffen / vieier⸗ 
* Frantzoſiſche Galanterien / rare Mobilien, mehreriey Arten 
von Vidtualien un Delicatellen, ausländifche Weine / Butter / Kaͤß / 
Stockfiſch —— Baum⸗Oel / Roſinen und andere Specerey- 
Waaren mehr / welche alle/ wie leicht zu erachten / an einen fo fplen- 
diden Hof / als der Königliche Preußiſche Hof iſt / eine groffeCon- 
fumption und Debit fomolbey Hof felbft / als bey den vielen ſich in 
Berlin aufhaltenden Ambafladeurs , Envoyes und indern groffen 
Herren finden ; Es wiſſen ich aber vor andern die häuffig in Berlin 
etablirte Italiaͤner mit diefen Handelund Anfchaffung fremder Ga⸗ 
fanterien/ Vretualien und Delicateflen, fo wol aus ihren Vaterlande / 
als aus Hamburg / fehr wohl zu beheiffen / wie dann die 4. mahl die 
Weoche nah Hamburg gehende Poſt-⸗Wagen md Kutfchens / allezeit 
überhäufft beladen / mitdergleichen Waaren wiederfonmen. Was 
die ordinaire Handlung in oberzehlten Waaren betrifft/ iſt dabon die 
rechte Niederlag Srandfurt an der Oder / wofelbft indeffen 3. Mefs 
fen/ ald Reminifcere, Margarerhen und Martini/ die Pohlen / Schle⸗ 
fier/ Sachſen / Pommern und Hamburger fowol ihre Lands · Fruͤch⸗ 
te/ als fremde Waaren und Manulacturen zur Genuͤge hinbringen / 
und wieder gegen einander abſetzen. Der Pohluiſche Jude bringt 
dahin feine Lamm⸗Wolle and Federn / der Schleſier fein Leinen und 
Tücher / der Sachs ingleichen / ſamt vielen Seiden⸗Waaren / die - 
Berliner ihre Creppnen, Eraminen und Staal⸗Arbeit / die Maͤrcker 
naar. ch J ihre 


— 


208 - Bra 


ihre Tücher der Hamburger fein Gewürg/ Del/ Wein / Drogvilte- 
seyen, Juchten / Indigo / Fiſchbein und dergleichen; Hingegen 
nimmt er wieder mit ſich zur uͤck viel Maͤrckiſche und Schleſtſche Tü⸗ 
cher / Leinwand / Lammwolle / die von Hamburg aus viel nach Rouan 
in Franckreich geſchickt wird / rohes Garn und Federn / daß alſo die⸗ 
ſes Franckfurt ein ſehr conliderabler Handels:Drt in den Märdie 
fchen Landen / oder den Churfuͤrſtenthum Brandenburg mag genannt 
werden. Zwar feyndilederder Zeit in Berlin auch 2. groſſe Jahr» 
Maͤrckte / als auf Lætare und Allerheiligen angeordnet/ allein/ ob ſol⸗ 
che / weil Franckfurt fo nah / und der Martini⸗Marck gleich darauf fol⸗ 
et / item / vieler anderer Urſachen mehr / die wir jetzt geliebter Kuͤrtze 
ca erzehlen vorbey —— dem Land nuglich ſeyn / wird Die 
Zeitlehren. Die inund bey der Mitte Mard liegende Staͤdte / als 
Ruppin / Wittſtock / 2c. haben gemeiniglic) ihren Handel a droiture 
er Hamburg und Luͤbeck / und holen Fonderlic aus diefen letztern 
Ort / mit ihren eigenen Wagens / Kap/ Butter/ Schollen/ Klipfiſch / 
‚Hering / Iheer / Ihran / Sohl-Leder/ Juchten / Corduan und dere 
gleichen zum menfchlichen Leben bedurfitigeRohtdürfftigkeiten mehry 
dahingegen fie ihre Maͤrckiſche auch wol Schleſiſche Tücher faſt wo⸗— 
chentlich bringen / die hernachmahls von dannen weiter nach der Ofte 
Gee berfandt werden. ——— | Zr 
Bramde:Proben / iſt das Gtüdgen Gilber / fo der Wardein 
ans den Brandt-Stüde fchlägt/ um zu fehen / ob es recht gebrannt. 
Brandt⸗Silber / wird das Gilber — / welches der Sil⸗ 
ber-Brenner aufıs. Loth ıs. Srenfein gebrannt. Brandt-Gilber 
befchicken / heiffet in ver Müns / dem Silber Kupffer zufegen/nems 
lich auf jeden Werk Brandt⸗Silber wird 1. Loth 3. undein halb 
Dventin Silber zugefest. W — Ze 
Brandtwein / Vinum aduftum , $rangöf. Eau de vie, wird auf 
unterichiedliche Weiſe gebvennet/ nemlich aus Getreyde / als Wei⸗ 
tzen / Rocken Maltz / und dann auch bon Bier-Hefen oder Barmen. 
Diejenigen / welche aus —— ſolchen deſtilliren / nehmen einen 
groſſen Kıffe! / ſetzen felbigen übers Feuer / und warmen darinnen 
ohngefehr s. Eymer Waſſer / doch muß das Waſſer nicht ſieden / ſon⸗ 
dern nur wohl heiß werden / darnach thun ſie einen halben Scheffel 
Maltz in einen groſſen Kübel oder Faß / und gieſſen des heiſſen 
Waſſers darauf / ruͤhrens wohl um / gleichwie man zum Biere 
Bauen das Walszurührenpfleget / alsdann thun ſie einen halben 
Scheffel gefhröteten Weizen oder Rocken zu den Malz im Kübel 
oder Faß / und rührens mit dem Maltz abermahl wohl um / daß 
nichts knollich oder kluterich darinnen bleibe; Ferner laſſen ſie des 
gedachten heiſſen Waſſers ohngefehr zwey Eimer voll im u. 
| den 


Bra 209 


ſieden / welches dann auch auf das Getreyde in den Kuͤbel oder Faß 
gegoſſen / der Kübel feft zugedecket / und alfo bey drey oder vier 
Gtunden gelaflen wird; nad) dieſer Zeit eröffnen fie den Kuͤbel oder 
Faß / und fühlen die Materie darin mit ein oder mehr Zubern 
Falten Waſſers ab / daß man fie mit Hefen oder Barmen ſielien kan/ 
‚und er a es alsdann gar wohl um / was knollich oder Elöfich iſt / 
‚das reiben ſie mit den Händen entzwey / und flellen eö dann mit fri⸗ 
ſchen Hefen oder Barmen / fie ſeyn gleich von Bier oder Wein / wie 
‚man fonft Bier zu ftellen pfleget / und laſſen es drey oder vier Tage / 
bis es ſich wieder fendet / gaͤhren / und wohl zugedeckt ftchen ; und 
damit ift die Materie zum Brennen oder Deltilliven bereitet. Wol⸗ 
len nun die Branutwein- Brenner defilliven/ fo rühren fie erſtlich die 
‚Materiam in Koͤbel oder Jap wohl durch einander / damit fie nicht zu 
Dick bleibe/ fondern fein dunnmwerde/und füllen damit ein Eupfferne und 
inwendig verzinnte Deltillier-Blafe / welche in einen Deftillir- Ofen 
verkleidet feyn muß / daß ſolche Blaſe ungefehr drey Viertel voll wer» 
de / und ein Viertel leer bleibe / feuren hierauf in den Ofen unter der 
Blaſe an / und wann die Materie darinnen beginnet warm zu werden / 
fo pflegen fie dieſelbige mit einen hoͤltzernen Ruͤhr⸗Spatel ſtets umzu⸗ 
zühren/ und ſon derlich unten auf den Boden / damit nichts anbrenne. 
Warn nun nach ſtetigen vielfältigen Umruͤhren / der Ruͤhr⸗Spadel 
unten (fo man daran fühlet) heiß geworden / alſo daß fie eine Hand an 
ihmenicht halten können / alsdann wiſſen fie / daß es Zeitift / den 
kupffernen Detillier-Helm / welcher, mit feinen Röhren durch ein Faß 
kaltes Waſſer geht/ auf gedachte Blafe zuſetzen / und denfelben an den 
Fugen mit feinen zuzuſchmieren / oder mit einen Tüchlein oder Pa⸗ 
pier/ darauf Kleiſter geftriechen ift / zubelegen:; ft ſolches gethan/ 
und beginnet dev Helm heiß zu werden / fo ſtecken fie den Ofen voll 
Holtzes / und ſtopffen die zwey Ofen⸗Loͤcher unten mit Steinen zu / das 
mit das Feur nicht zu ſtarck treibe/un die Deſtillation zu dich lauffe. Im 
Fall der Roht ſchmieren fie auch wol Leimen um die verftopfften Stei⸗ 
ne. So es aber / wann das Feuer gar zu ſehr gedämpfft / zu maͤhlig 
lauffet / fo lüfften fie ſolche zwey Ofen-⸗Loöcher etwas aus / bis die Dellil- 
lation eines Stroh⸗ Halms dick lauffet. In dieſen Grad laſſen ſie es 
alſo für ſich gehen / fo lange der Herübergang gutes Geſchmacks iſt / 
und Krafft in ſich hat / welches ſie dann durch das offt Koſten en 
Fönnen. Wann nun alle Krafft heraus gedeitillivetift / fo laſſen ſte 
das Feuer abgehen / und geben dabey gute Achtung/ daß die Vorlage 
oder der Krug/ darinn die Deft:llation enipfangen wird / nicht über» 
lauffe / fondern zu vechter Zeit auögegoffen werde / auf daß nichts zur 
GSpillefomme. Haben ſie noch mehr Materie übrig / ſo deſtilliren ſie 
dieſelbigc auch durch die Blaſe / wie jetzt der erſten geſchehen / und 
wann 


— 


210 | Bra 


wann (le nun die drey Blafen ausgedeſtilliret haben / ſo iſts gemeinig⸗ 
lich genugſam zu einer Redification oder Laͤuterung in dieſer Blaſen 
zu thun; niit ſolcher Laͤuterung nun / verfahren flealfo: Erſtlich ſcheu⸗ 
ren ſie die kupfferne inwendig verzinnte Deſtillier-Blaſe / ſamt darzu 
ehoͤrigen Helm / mit den Roͤhren gar fein ſauber und rein / und damit 
olches deſtobeſſer geſchehen Fönne/ fo unmwinden ſie einen fangen Ste⸗ 
cken mit leinen Haͤderlein oder Werd / damit wiſchen fie die Röhren 
wohl aus / und ſpuͤhlen neh darzu mit frifchen Waſſer nach / das trei⸗ 
ben ſie ſo lange / bis das Waſſer durch die Roͤhre ſo hell und klar / wie 
es hinein gegoſſen worden / wieder heraus lauffet. Wann nun der 
Zeug gar fauber gemacht iſt / fo gieffen fie ihren Branntwein des erften 
Ganges in die Blafe/ je länger jebefler / denn je leerer die Blaſe iſt / 
fe mehr gehet ihnen an Branntwein ab / ſchuͤtten alfo noch eine halbe 
Metze Saltz darein ; mann foldes zuvor wohl geglüet ift/ fo ift es de⸗ 
ftobeffer. Etliche Händen ein Saͤcklein voller Büchener-Afchen hin⸗ 
ein / an ftatt ded Saltzes / denn von den Salgoder Afchen fchlägt (ich 
alle Unreinigkeit / die im Branntemein ift/ nieder zu Grunde / und ma⸗ 
chet / daß der Branntwein in diefer andern Deltillation lauter und 
hei herüber gehet / und eine gute fchöne und klare Farbe bekommet. 
Ferner thun fie nochein Stengel drey oder bier Bibernell und Wer⸗ 
muht / auth wol Lorbeeren und Wacholderbeeren ein paar Hände vol 
darzu / denn diefe Species geben den Branntwein einen lieblichen Ge» 
ſchmack / als er fonft haͤtte warn er nur allein ohne ihre Zuthuung waͤ⸗ 
re deftillivet worden. Darnach ſetzen fie ſtracks / ehe fie Feuer in den 
Dfen unter die Blafe machen/ den Deltillier-Helm auf die Blafe/ ver⸗ 
lutiren die Fugen wohlund fleißig / richten auch die Röhre durch das 
Faß oder Tonne / mitſkalten Waller / und legen Gläfer oder Krü- 
gt vor / fenren alsdann in den Deftillier-Dfen die Rohlenan/ und warn 
er Helme bis an die Röhren beginnet heiß zu werden / fo ſtopffen ſie / 
fo bald es zutriffen anfängt / unten die Ofen⸗Loͤcher zu; und wo es et» 
wan zu fehr lauffen wolte / machen ſie die Rauchloͤcher des Ofens / fo 
oben um die Blaſen herum (ind / gleichfals zus Sie halten aud) für 
bequem/ daß man ftets grobe leinene Hadern in Falten Waller genetzt / 
sben auf den Dettillir- Helm lege/ denn diefe Abkirhlung des Helms for 
wol / auch daß des Helms Röhren durch ein Faß oder Tonnen mit Fals 
ten Waſſer angefüllet/ geben/ dient darzu / daß die hitzigen Geiſter / 
fo durch das Feuer aus den Branntıdein aufgetrieben / fein Sr 
abgekühler / und der Branntwein nicht brennlicht noch übelſchme⸗ 
end werde ; und je gelinder Feuer fie hierzu brauchen, jebeffer iftes. 
Sie pflegen auch den Ubergang offtmahls zu koſten / damit / wann der 
ſtarcke Branntewein herüber ift / und das Schwache zu kommen be> 
ginnet/ ſie zu deſtilliren aufhören / und die horgelegten und vorgeſetz⸗ 
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ten Geſchirre Hinwegnehmen/ auf daß der ſchwache nicht wieder unter 
den ſtarcken Branntwein lauffe / und die Deftillation pertheilt werde ; 
den guten Branntwein ſchůtten ſie inein Faͤßlein / Krug oder fonft in 
ein —8 — wie es ihnen geräuig, und behalten ihn zu fernern@ebraud) 
gang wohl vermachet / daß der Spiritus nicht berrauchet; Wann fie 
abgeläutert haben / fo gieflen jie dad Waſſer oder Phlegma, fo nach der 
Läuterung hinten in der Blaſen geblieben / bald Heraus und hinweg/ 
denn es fonft in die Blaſe fehr ein zufreſſen pfleget. Das Waͤihen⸗Ge⸗ 
treydiggibt am meiſten und den beſten Branntwein / darnach das Korn 
oder Rocken / aber ſolcher wird in der Deſtillation bald anbraͤndig / als⸗⸗ 


Dann der Garſte / dev Haber gibt am wenigſten / und den allerſchlech⸗ 


teſten Brauntwein / das Maltz aus Gaͤrſten gemacht / gibt auch guten 
Branntwein / doch aber Maltzig. Wann mau ein wenig Haber mit 
unter den Wäigen miſchet / als etwan den ſechszehenden Theil, ſolches 
iſt ſehr bequem / und gibt ſehr guten Branntewein. Die Branntweine 
Brenner laſſen das Getreyde nicht klein mahlen / fondern nur ſchroten / 
und beuteln das Mehl daraus. Den Kübel oder Faß / darinn fie das 
Getreyde anfangs anmachen / und zur Deſtillation bereiten / muͤſſen 
gar ſauer ſchmecken; ſeynd ſie nicht ſauer / fo ſchmieren fie dieſelben 
mit Sauerteig. Dies iſt die Art und Weiſe Branntwein aus Ge⸗ 
treyde zu brennen. Von Bier⸗Hefen oder Barmen brennen die 
Branntwein⸗Brenner den Branntwein alſo: Bier⸗Hefen oder Bier⸗ 
Barmen iſt ein irrdiſch / dickes / ſchweres Ding / das ſich im Bier nie⸗ 
derſencket / und unten auf dem Grund des Faſſes ſetzet / warmer 
und trockener Natur / und aufblehender Eigenſchafft / es wird aber 
davon / wie von Wein⸗Hefen auch geſchicht / ein guter Branntwein ges 
deſtalliret / und zwar folgender Geſtalt: Sie gieſſen die Bier⸗Hefen 
in die Füpfferne inwendig berzinnte Blaſe / To in dem Deſtillir⸗Ofen mit 
Leimen eingeklebt ift/ doc) daß die Blafe etwan den dritten Theil leer 
bleibe / und machen ein Feuer mit Holtz in dem Deftillier-Ofen / und . 
rühren mit ver Ruhrfcheid / (ſo fornen etwas breiter als hinten / und 
aud) etwas lärtger als die Blafetieff ift) die Materie wohl um / auf daß 
fie nicht aubrenne / rühren auch fo lange / bis die Hefen oder Barmen 
wollen aus der Blaſe übderlauffen/ als dann ziehen fie eilends das Feuer 
aus den Ofen / damit die Flamme nicht mehr fo geſchwind treiben Fan/ 
ſetzen den kupffernen Deſtillier⸗Helm aufdie Blafe/ richten des Helms⸗ 
Röhren durch eine Tonne oder Faß / mit frifchen Waffen. "Die Zus 
gen deſſelben an den Röhren verkleiben fie wohl mit guten Beim / oder 
uinlegens mit einen leinen Tuch oder Papier / darauf Kleiſter geſtrie⸗ 
chen/ oder iefchlagen auch) nur einen leinen Lumpen / der in Hefen ges 
tunckt iſt / darum / legen für die Röhren des Helms ein Receptaculum, 
Krug/ Glas / oder ander Geſchirr / — laſſen ſie es bey einen la 
2 euer 


212 Bra 


———— — — —r— — —— —ñ—— — — 
Feuer / mit gebuͤhrlicher Regierung des Grads immer maͤhlig gehe 
und tropffen / dis ſich alles Dasjenige/ was fpiritualifch in den Hefen F 
heruber gedeftillivethat/ welches ſie dabey mercken können: Gielafferı 
ein wenig in ein Schuͤſſelein lauffen / und gieſſen es ins Feuer / waun es 
nun ziſchet / und nicht mehr ein bloß Brauntweiniſches Feuer uͤber ſich 
faͤhret / ſo laſſen fie das Feuer abgehen / und gieſſen dasjenige / welches 
fie in die Kecepracula oder vorgeſetzte Geſchirr aufgefangen haben / im 
ein Zäplein/ oder fonft ander Gefäß / daß ſie wohl verwahren / damit 
ihnen die Spiritus nicht evaporiven oder verrauchen koͤnnen wasnun im 
der Blafen/ wann ſie den Helm abgehoben haben/ dahinten blieben iſt / 
das gieflen fie etwan ineine groſſe Butte oder Trog aus / denn es die⸗ 
net gar wohl unter andere Schwein-Maft zu mifchen / ud Schweine 
Damit zu maͤſten; Darnach gieflen (ie wieder andern Hefen indie Bla⸗ 
ſe / und procedirenin allen / wie — ——— worden / und dies thun 
die alfo zumdritten⸗ oder viertenmahl / bis ſie per deflillationem ſo 
Viel geſammlet haben / daß es genug zur Laͤuterung ſey. Alsdann 
ſcheuren oder ſaubern ſie die Blaſen / Helm und Roͤhren fein rein / wie 
üvor berichtetworden / und nehmen Naͤgelein / Ingwer / Calmus / 
—— Pfeffer und ander Gewuͤrtz mehr / nachdem ſie biel 
Unfoften aufiwenden wollen/ klein zerfchnitten und zerknirſcht / ohnge · 
fehr alles zufanımen eine gute geoffe Handvoll / mengen etwas Saltz 
darunter. Gtliche nehmen auch calcinirten Meinftein darzu / ſchüt⸗ 
gen es zuſammen in die Blafe/ gieſſen algdann die obgedachte deftillir- 
te Subllanz darüber ſetzen den elm aufdie Blafe / richten Die Roͤh⸗ 
zen durch das Kuͤhl⸗Faß / verkleiben die duge des Helms / legen Re- 
ceptacula für. die Röhren deffelben / treiben mit gang gelinden Feuer 
den Spiritum herfuͤr / ziehen ihmalfo von der Phlegma ab / bis (le ans 
Seſchmack mercken / daß das geringe oder zu viel Phlegma hernad) 
Fommet/ fo hören fie auf / nehmen die VBorleg-Gefäfle hinweg / und 
verwahren den Branntewein in ein Fäßlein / Krug oder dergleichen 
Befchirr/ welches ſie wohl vermachen/ und alfo haben ſie einen vechten 
guten Brannteweinbefommen. Es pflegen die Branntwein-Bren» 
ner wol Achtung zu geben/ daß das euer recht regieret werde / daß ed 
ſtetig / fein gelinde und nicht zu ſtarck gehe / ſonderlich wann man bie 
Hefen deftillivet/ dann von zu ſtarcken Feuer ſchieſſen die Hefen hefftig 
zu den Röhren des Helms heraus/ in die Borlage/ und koͤmmt Scha⸗ 
den davon. Sie kommen aber folchen Schaden alfe vor: Wann (ie 
mercken / daß vornen zu den Röhren des Helms ein Rauch beginnt her⸗ 
aus zu gehen) fo ift das Feuer zu ſtarck / und gehet zu heiß / da rucken ſie 
ſolches flugs hinweg / oder dämpfen es / fonften fcheuß Die Materie 
ſtarck hernah. In der erſten Deflillation nehmen (le zur Feurung 
neben den Kohlen / auch klein gehauene Scheitlein Holtz und alte — 
en 


Bra 213 | 


pen / Stöde oder Klösleln von den Wurtzeln der Bäume / aus den 
Waͤldern / die fein alt und faul feynd / und lange Feuer Halten; aber 
zur andern Deftillation oder Läuterung gebrauchen fie zur Feuerung 
sur ſchlechte Kohlen. Die Branntwein-Brenner hüten (ich im Laͤn⸗ 
tern/ daß ſie ja den Röhren des Helms / dadurch die Deltillation herd 
aus gehet/ unten beymRecipienten oder borgeſehten Geſchirren / mit 
Feinen Licht oder Feuer zu nahe kommen / ſonſten entzunden jie ſich ſtrack / 
und wird alled in dev Blafe brennend / ja offen die Blafe/ den Helm / 
uñ was (ie faſſen / alles aufStüden/ gleid) ald wann es Büchfen- Pulver 

wäre/ und würde alfo die Mühe und Unkoſten / fo angewendet worden/ 
vergeblich feyn, Zur Behalt-und Berwahrung des Branntweins / neh⸗ 
men die Brenner nicht gang neue Faͤßlein / Rrüge oder dergleichen Ge⸗ 
faͤß dann wann man den Branntewein darinn geuft / fo ziehen folche 
Gefäß den Spiritum des Brannteweind an fich / und der Branntwein 

wird ſchwaͤcher davon / fondern jie brauchen folche Gefäß oder Geſchirvr 

darzu / darinnen entweder ſchon zuvor Wein geweſen / oder dieſelben 

fonft mit lauliht warmen Waffer angefüllet / etliche Tage gelegen 

ſeynd / in ſolcher zeucht der Spiritus nicht fo fehr/ als in die andern; aber 

enug von der Art und Weife Branntewein zu brennen. 

Der größte und conliderabelfte Branntwein⸗Handel gefchichet wol 

zwifchen Franckreich und denen Gee-Gtadten / welche ihre Schiffe 

nach Bourdeaux, Nantes undRochelle fenden / und bon dannen groffe 

Parteyen ded Franken Branntweind (welcher aus Wein gebrannt 

wird) herholen laffen / von welchen Branntwein-Handel dann folgen⸗ 

des zumerden: Erſtlich fo kommt folcher meiftentheils in groffen Fu- 

taillen oder Befäffen/ die man Bottes Oxhöfft und Pieces nennet / nach⸗ 

dem daß ſie nemlich weniger oder mehr nad) der Viher Maaß in ich 

balten/ und in den Rande, wo fie gebrannt werden/ die Gewohnheit iſt. 

Der Branntwein/ der bon Bourdeaux, Cognac, Isle de Rhe und Nan- 

tes kommt / wird aller in Stücfen oder Pieces eingethan / deren eines 

mehr haͤlt / als das andere/ als etwan so. go bis 90. Vergesoder Vier» 

tel. Ein Viertel iſt 2. Stuͤbgen oders. Quartier / welche Viertels man 

alt dann zu Bariqves oder Oxhoͤfft reduciret / und zwar folgender Ge⸗ 

ftult: Als 3 

Zu Rochelle,Cognac , Islede Rhe, und in demLande bon Aulnix halt 


ein Orhöfft oder Bariqve ⸗ 27. Verles. 

Zu Nantes in Bretagne und Anjou ⸗ 29. Veltes, 
Zu Bourdeauxumddieler Orten inGuyenne >» 32. Verges, 
Zu Bayonne und deffen umliegenden Orten . 32. Verges. 


In Provence und Languedoc verfaufft mar den Branntwein nach dem 
QDuiutal oder Centner mit ſamt den Holtz / Faß oder Furaille, 


23 Zu 


214 Bra | 
Zu Anıfterdam und in andern Hollaͤndiſchen Staͤdten macht das 
Drxhöfft zo. Viertels. ! 
In Hamburg und Lübe 30. Vierteld. 
Zu Embden 27. Viertel, . — 
Zu Bruͤg in Flandern nennt man die Verges, Seſters / hon 16. Stop / 
den Stop zu fo und fo viel Schilling. i 
Zu Londen und in unterfchliedlichen Englifchen Staͤdten / rechnet man 
nach Gallons, und ger das Oxhöfftsz. Gallons, und die Tonne 252. 
Gallons, 1, Gallon hat 4. Pintes don Paris. 
Das Mingle Frank- Branntwein wiegt zu Amfterdam 2. Pfund 4. 
Ungen/ und dad Viertel 14. ‘Pf. plus-minus , folder geftalt müfte 
das Oxhöfft 420. Pfund waͤgen. TE 
Die Stüden Branntwein / weldye zu Bourdeaux berfaufft werden/ 
halten gemeiniglid) so. bis 30. Biertel/ und rechnet man 32. Bier: 
. tel vor das Oxhoͤfft / das Viertel macht dafelbft viertehalb Pots / 
aufein Hein wenig nach / und alfo das ganze Oxhoͤfft von z2. Ver- 
gesungefehr so, Potd. Mas über so. Viertel je Bourdeaux af 
einen Stud ift/ nennt man Exces , bor weldyen (ich die Zollner o. 
Solspr, Viertel Zoll bezahlen laffen / und dieſes auffer den Zoll/ 
welchen man vor dieso. Viertel beym AYusfenden eines Stuͤckes be⸗ 
zahlen muß / als 


Vor lesDroits’du Convoy - ı6. Liv. 10. Sols, 
Vor die 0. Sols par Tonneu - 1. — - 
NB. Welches Faß⸗Geld aber ſeither den Rißwickiſchen Frieden 
aufgehoͤret. 
Vor die Droits du Courtage 1. — 10. 
Vor die Droits des Comptablie 5. — 10. 





— —— 


Welche Droits insgeſamt betragen 24. Liv. 10. Sols 
vor ein Stud vonso, Viertel, 


Yuf diefe 24. Liv, 0.Solsfürget der Käuffer dem Verfäuffer 7. Liv, 
3. Sols, und zahlet alfo der Verkaͤuffer nicht mehr als 17. Liv. 7. Sols 
desDroits Vor so, Verges , zu verſtehen / wann es auſſer der Zeit ber 
Bourdeauxifchen Jahrmaͤrcke iſt / inder Zeit ſolcher Jahrmaͤrcke aber 
ſeynd die Zölle etwas geringer / eben fo wie die Wein und anderer 
Waaren Zoͤlle. Es ſeynd aber jährlich zwey Märde in gedachten 
Bourdeaux, der erfte fängt an den ı. Marti, der andere den ıs. Octobr. 
und währen beyders. Tage. Diejenige / welche Branntwein bren- 
nen / füllen folchen felten in Oxhöfft oder Poingons, aus Urſach / weil :. 
Bariqves oder Poingons, mehr als ein groß Stüd oder Pipens Faß ko⸗ 
fen würden/ fomol wegen des Holtzes und Macher⸗Lohns / als auch 
wegen der Fracht; wiewol noch unterfchiedliche Perfonen Z * 

| Brannt⸗ 


Bra 215 


Branntwein aus der erften Hand Eauffen / folchen hernach nach i hren 
eigenen Belieben in Oxhoͤfft Poincons, Tierfonsund Anders abſtt⸗ 
eben laflen / entweder um folchen defto bequemer nad) den Nordifchen 


Ländern oder auch in die Inſuln von America und Canada abführen 


zu fönnen / etwan auch folche Käufers / die kein gantz Oxhoͤfft oder 
Stück bezahlen können / mit foldhen kleinen Gefaͤſſen deſto bequemer 
zu accommodiren. Was aber von Franckreich nad Flandern und 
Holland abgehet/ das ift / wie fhon gemeldet / in Pipen oder Stüd- 
Faͤſſern / von 70.di8 100, Viertel / um dadurd Fracht und Furailles 
zu erfparen / weil ein groffed Stüd- Faß nicht vielmehr als ein Fleine® 
Fracht foftet / und rechnet man aemeiniglich drittehalb Stuͤckfaß oder 
Brannteweind-Pipen/ borein Faß oder a. Orhöfft Wein/ welche vor 
eine halbe Laſt gezehletwerden. Die beften Frantzoͤſiſ. Branntweins 
feynd Die von Cognac, Rochellegnd Nantes, die von Bourdeaux aber 
die ſchlechſten; man macht auch einige Sorten fehr ſtarck / die nennt 
man alödann Trois qvints ‚ odertrois cingviemes , dreyfunfftel/in 
Szolland aber Borloop / oder Vorlauff / diefe gelten F- mehr/ als die 
ordinaiten/ und fteigen oder fallen im Preiß / nachdem viel oder we⸗ 
nig Wein geweſen / oder folche in fremden Rindern ſtarck gefucht wer⸗ 
den ; Der ordinaire Preif von 27.29, oder 32. Viertel ift bon 30. bis 
auf i80. Liv, oder Pfund Tournois , fo fehr Fan diefe Waare fleigen 
und fallen. Dietrois qvint kommen 3. theurer / und dienen gemel» 
niglid) die geringen Branntwein damit zu verſtärcken. Die Parfu- 
meurs gebrauchen ſich derfelben zu ihren Ungarifhen Waller, Der 
Verkauff der Branntewein gefhicht zu Amfterdam/ nach Pfund Flaͤ⸗ 
miſch pr. 30. Biertel/ und Eoften felbige manchmahls. bis 9. Liv. Flä⸗ 
mifch/ manchmahls auch bis zo. Liv. fo fehr fteigt und faͤllet dieſe Waa⸗ 
re; gemeiniglich wird 1. pro Cent wegen prompter Bezahlung dabey 
wg wann man flux contant bezahlet. Zu Hamburg gefchies 
Det en ſowol der Berkaufft des Frantz⸗ Branntweind in Pfund Fla⸗ 
miſch / welche daſelbſt achtehalb H. oder drittehalb Rthlr. machen. 
Die Verge oder das Viertel dat 2.Stübgen oder s. Duart. In Luͤbeck / 
weil daſelbſt feine Banco iſt / verkauft man die Branntwein in c« urant 
Geld Dereingehende Zoll vorı. Oxhoͤfft Branntwein in Hamburg 
ift 30.8 Lubifsh _ ZuBrehmen/ Copenhagen und Embden gefchichet 
der Verkauf desfBranntemeins nach Neichöthaler. Die Courragie 
des Verkaufs und Einkaufs der Branntewein iſt in Amſterdam ız. 
Gtüver pr, Stud / weiche halb der Küuffer und halb der Verkaͤuffer 
bezahlt... In den legten Frantzoͤſiſ. Kriegen / da die Handlung auf 
Franckreich verboten war/ hat man in Holland angefangen/ viel Korte 
Branntwein zu delilliven/ welchen gr: bey Ahms verkaufft / die Ahm 
4 zu 


216 | Bra 
zu s. Steckans oder i28. Mingles Amſterdamer Maaß / die Courta- 
gie war ebenfals 2. Stüber pr. Ahın. Das Vihrer-Lohn in Amſter⸗ 


dam ift vermöge der Herven Staaten bon Holland ihres Placcats 
bon zı. Januar. 1704, 


Vor i. Stüd von so. Viertel 3. Gtüber. 
Vor sı. bis 79. 6. Gtüber. 
Dor 30, bis 100%. 12, Stuͤver. 


Die Reduction des Branntwein-Preifed geſchiehet in Amſter dam / auf 
eine gar kurtze Manier / ohne daß man die Regulam Detri darzu noͤh⸗ 
tig haͤtte; 3.e. eöhätteeiner gekaufft io. Stud Brauntwein / haltende 
50. Viertel zu 24. TB. Flaͤmiſch / pr. zo. Viertel oder ein Oxhoͤfft / ſo 
multipliciret man nur den gegebenen Preiß der zo. Viertel durch 4. 
Stuͤver / hernach auch die Anzahl der gefundenen Viertel mit demje⸗ 
nigen / was bon der Multiplication des Branntwein-Preifes mit die 4. 
Gtüber = gekommen / bringt folches hernach zu Bülden und Stü> 
vers / fohatınan die begehrte Reduction, ald 


Der Preis des Branntw. iſt 24.WB. flaͤm. vor .Oxhoͤft von zo. Viert. 
multipliciret durch 4. Gtüber. 


kommen 916. Stüber. 


Oder ſo ich die. halbire 4.fl.ı6, Stüver vor den Preiß eines 
Viertels. 


multiplicirt hierauf diesso. Viertel durch 95; Stuͤber / oder durch 42 
fl.16. St. fo bekommt ihr 2640. Gulden zum Facit. Die Urſach / war⸗ 
um man alfo procediret/ ift dieſe / weil das Tb. Flämifch gilt s. fl. oder 
120. Stüber/ und diefe viermahl 30. in (ich halten / daß alfo fo z. E. das 
Oxhoͤfft oder zo. Biert. nicht mehr koſtete /_ald ı. Tb. Flaͤmiſch oder 
120. Stüber/ die 30. darinn dividirt 4. Stüber pr.r. Viertel bringen 
wuͤrden / koſtete nun das Oxhöfft 2. TB. Slämifch/fo hatte man dor den 
Wehrt dieſe Biertelös. Stüverund fo fortan; Man könnte auch die 
sso. Viertel durch 24. Tb. Flämifch multipliciven / und das Product 
durchs. abdividiven / fohätte man auch nad) obigen Exempel 2640, 
Gulden; Die Urſach diefer Operation ift/ weilein tb. Slämifc) / fo 
6. Florin oder Hollaͤndiſche fl. das fünfte Theil aus 30. Viertel iſt. 
Zu Bourdeanx gefchicht die kurtze Keduction des Branntwein-Preif 
folgender Beftalt: als / eöhätte einer gekauft 10. —— o. 

et: 





Bra | 217 


— — — — nn nn 
Viertel zu i20. Tb. Tournois box 32. Viertel Bourdeauxiſche Maaf/ 
fo multiplicire die ⸗ sso, Viertel 

mit den Preiß ⸗ 120. Liv. borjede 32. Viertel. 


kommen 66000. mahl 73. Deniers. 
Rehmt hieraus das achte Theil s2so. mahl s. Sols, 


aus den 5. wieder dad Diertel. 2062, Liv.ıo, Sol. Tournois vor 
ö die 50. Viertel 


Folget eine Modell, nach welchen man wiſſen kan / wie die zu Bourde” 
aux eingefauffte Branntewein zu Amſterdam müffen verfaufft werden- 
Zum Erempel/man hätte ». Stüd Branntwein / haltende 55. Viertel 
B 120, Liv. pr, 32. Viertel in Bourdcaux eingefaufft / fo würden ſich 


ſolche betragen = ⸗ ⸗ Liy.243, 15. — 
Be Die Unkoſten zu Bourdeaux feynd: 
Droits du Convoy - Liv. 16. 10. 
Courtage — 1. 10. 
Droits de la Comptablie — 5.10. 


Liv. 23. 10. 


Auf dieſe Summathut der Verkaͤuffer 


demKaänffer gut ’ = 3 
Reſt vor dem ausgehendendoll der so. 
Diertel ⸗ Liv. 16. 7. 


Rabatage, & entrée & ſortie duChay 
oder qvay, das iſt / Binderlohn und 
vonundaufdie Qyaye zubringen » 1. 4 

An Bort zubringen und Stauerlohr 
odersArrumage ⸗ — s8. 

— an den Maͤckler — 5 

Exces oder Ubermaß / Zoll von denen 
ıs. Viertel / die in dem Stud mehr 


geweſen. à 9. Sols par verge 6c. u. 
1. Blech ohen auf den Spund . — LI 
Sum. der Unfoften . u 








Liv, 268, 15. — 
Hierzu Provifion dor die Einfauff3-:Summa 
und verſchoſſene Unkloſten äz.pC. = Te 7. 6, 


» 


Koͤmmt in Frangöfifh Geld Liv. 274. 2 © 
Diefe274, Liv. 2.Sol, 6,9. Tournois thun ↄi. Thaler 22.6.6. $. und 
- — D 5 zu 


218 Bra 


zu 753. Brot Flämifch nach dem Wechfel-Cours incourant Münge/ 
gegen r. Thaler von so. Sols reducitt / machen fie Solländifche 
Münke/ oe . a fl. 174. i5. Stüver. 
Hierzu die Unfoften bon Bourdeaux bis 
Amfterdam. 
Alfecuran߻Premie bon fl.ijo. 3. prCent und 
21. Stüber vor die Police Le 1*. 
Fracht / Fretoder Nolis 24. — 
Chauffes 4, fol, avarie ordi- 
naire 8, fol. - — 1. 
Courtage 6. ſ. Tonnclage 6.1. 
Viehirer - Lohn;. ſ. - — 1 
- Convoy, Paßport u. auszuladen 3. 4. 
| fl. 14. 2. — 


— 


fl. ısg, ı7. — 
Hieraus das —. um PfundFlaͤmiſch zu machen = zu 9. 6 
ſagt nun feruer — — 
6. Viertel Bourdeauxiſche Maaß / J 

s. Biertel Abgezogenen vor Coulage oder fo auslecket 


à 73.proCent, 


sefitt so. Ruhten / welche etwan Fönnten verkauft werden 
zu 164. Liv Flämiſch / die 30. Viertel thun fl.ıss. — — 
Hiervon abgezogen:.proC. borguteund 
prompte Zahlung ⸗ fl. 1. 19. 
Brief-Port und Commisſion oder Pro- 
vifion von fl. 195. 42. pto Cent >» 4.1. 
fl. = 6. 12, — 
\ ' Ref, fl. 123. 8. — 
Nun rechnet man Einkauf und Unkoften 
Als oben thun fl. 188. 17. 
Der Berlaufttbeträat fl. 188. 8. 
iftalfoYeruft ° fe — 9.Gtüber. 
Gleicher geftalt Fan man auch die zu Rochelle und Coignac , item die 
zu Nantes erkauffte Branntewein calcuſiren / nur daß an einen Ort die 
Unkoſten anders / als an andern ſeyn. | 
Folget ein anderer Entwurff einer folchen Rechnung und Caleulation, 
und zwar über ı. Stuͤck Branntemein/ fo in Marfeille eingekaufft / und 
nach Amſterdam tevfandt worden/ welches in Amſterdam so. Viertel 














voll 


— — —— — — —— — 


- 


Bra 219 


TI — 
poll gehalten / und in Marieille 1300. Ib. frey an Bort geliefert gewo⸗ 
gen/ als nemlich das Holtz oder aß zoo, Tb.fo nad) Poidsde Marc 


ä 1233- pro Cent thut ib. 162. — 

vi 1oo.tB. ber Branntw thun ebenfaldPoidsdeMarc Tb. 594. — 

1300, [b.ä 1213. proCent thun Poids de Marc 1056. IB. 
500, Tb. Poidsde Marfeilleä 12. Liv. Tournoisdz 100.J{B. 

frey an Bort geliefert/ thun ⸗ Liv. 156. — 

Provifion ä 2.pC.fl. 3.2.6. Brief Port und an⸗ 

dere Unkoſteni7. ſ. 6.8. 4. — 

Liv. 160. — 


welche i00. Liv. Tournois machen nꝛ · Thal. zu 60. Sols 
Dieſe äsz. 8. Flaͤmiſch pr. Thaler thun . fl. 109. 6, 8. 
| A 


io à 3. pro Centum ⸗ :» 18% 
Allecurang bon ızo,fl.a6.proCent.. = 7. 4. — 
Unfoften bi Amſterdam. 


Convoy von so. Viertel abgezogen 12.pC. Leckage 
bleiben s2$- Vergesän Stüber pr. Viertel 
thut ⸗ ⸗ fi. 2. 12. 8. 
J. pr. Augmentation — 17. 8. 
1,pC.dorıss.fl. u. por dzSiegel ꝛ.ß. — 17. 8. 
Fracht à 1ꝛ0. fl. pr. Laſt Chauſſes & Avarie 30. — — 
Kuͤperlohn 6. ß Courtage 12. j. viſiern BL, 4. - 
Don Schiff zu bringen ı5. ß. Armen⸗Geld 
4.8. in Keller 4. J J— 1. 3. — 
Keller⸗Mieth oder Haur — —i0.- 
Den Verkauff in Becken durch Zettels kund 
zu machen ⸗ ⸗ — io. - 
pr. 1. Rthlr. den Meiſtbietenden » 2. 10. — 
15. pro Cent ind Becken thut von i60.fl. 2. 8. — 
i 2. 172. 8. 


nalen fl. 1. 6. 8. 





Kun ſetz ich ferner 
co. Viertel haben ungefehr 7.pC.Leckage thut aufso. 4x- 
43. abgezogen/ | 
Reft, x. Biertel zu ıs. Tb. Flämifch vor 30. Viertel fl. 177. 12. — 
abgezogen 1. proCent dor prompte Bezahlung 1. j. 8 
Reliven fl. 175. 16. 8. 
Der Einkauffund Untoften komnen als hieroben fl. 16. 8. 8. 


— — — — 


Bleibt vor Profit u. — 


220 ‚Bra 


Aus diefen beyden Modellen läßt fich an allen Orten/ wo Brandtwein 
verſchrieben und empfangen werden/ gar leicht mutatis mutandis fer 
hen / was an ſolchen —— oder verlohren wird / in Anſehung des 
Preiſes dazu man ſolche einſetzen will / und der Unkoſten ſo man dar⸗ 
auf zu berechnen hat. 

Die Art des Verkauffens der Brandtwein in Holland betreffend/ 

gefchihet folche auf vier unterfchiedliche Weife / als nemlich erftlich 

vor baares Geld / wann man nemlich die Brandtmwein / fo wie fie aus 

den Schiff oder aus den Kellern kommen / baar aus der Hand / oder 

im Beden kauft / und wird hiebey baar Fauffen oder bezahlen genen» 

net / wann man zum langften innerhalb 6. Wochen nach den getha> 

nen Kauf bezahlt / in welchen Fall man noch 1. proC. Rabat por 

prompte Zahlung zu genieffen hat. | 

Die andere Manier ift auch comptant, jedoch unter Kauffmaͤnni⸗ 

ſcher Taxation , nehmlich daß man dahin fiehet / daß die Brandt» 

wein ihre gewifle Krafft / Staͤrcke und Probe haben / wo ſolche ſich 

nicht findet / ziehet man von z. bis *$. aufzo Viertel von ihren or- 

dinairen Preiß ab / wobey man denn die F. oderF. oder was fi 

ſonſt der Brandtwein zwiſchen dieſen ſchlechter befunden / auf die 

Faß aufſchreibet / und dieſes thun zwey geſchworne Maͤckler / davon 

der eine durch den Kaͤuffer / der ander durch den Verkaͤuffer genom⸗ 

men wird / koͤnnen nun dieſe beyde wegen der Taxation nicht zu recht 

kommen / ſo nehmen ſie einen dritten darzu / der den Ausſchlag thue? 

welches ſich dann Kaͤuffer und Verkaͤuffer muͤſſen gefallen laſſen. 
Man muß aber dabey wiſſen / daß dergleichen taxirte Brandtwein 
gemeiniglich. Pfund Flaͤmiſch mehr gelten mit der Taxation, und 
muß der Verkäufer hiebey feine Rechnung machen / daß wann ſie 
nicht gut Kauffmanns-⸗Gut ſeyn / man ſolche vielmahls von 3. bis *7. 
taxire / welche 3. auf ein biertel Pfund Flaͤmiſch / die "3. oder 3. B. 
Flãmiſch weniger kommen / als ſie ſonſt ſind verkauffet worden; als 
3. E. fo der Verkaͤuffer ſie anfangs zu 10. Pfund Flaͤmiſch verkaufft 
haͤtte / fo würde er nun nicht mehr als 1845. oder 16. Pf. Flaͤmiſch da⸗ 
vor bekommen / indem jedes z. vor 2i- ſo. Flaͤmiſch angeſchlagen 
wird welches 3. bon 20. ſo. iſt / alſo daß *g. machen iuft so. ſo. welche 
3. Pfund Flaͤmiſchthun / hingegen ſeynd auch gewiſſe Brandtwein/ 
die nicht ein halb Pfund Flaͤmiſch / welches $- macht / Taxation er» 
tragen ; Wer nun aufdiefe Manier feine Brandtwein verfaufft / der 
kan den Käufer obligiven / das Geld vor die Brandtwein / ehe er ſol⸗ 
ehe empfängt / gleich oben baar aufden Spundt zu zählen. 

Diedritte Manier die Brandtwein in) Holland zu negociren heiſſt 


Mair«» 


\ Bra 221 


Marche Ferme , oder beftändiger Kauf / und ift nichts anders als 
Braudtwein auf Liefferung verkauften / das iſt / folche zu einer gewif- 
fen Zeit (welche mit den Mäckler / der die Parthey gefchloffen / con- 
trahiret worden) zu lieffern verſprechen / bey welchen Contradt/ der 
von beyden Contrahenten zugleich unterfchriebei wird / der Verkäufe 
fer Macht hat / daß er um die Brandtwein Anforderung thun kanu / 
wann er will; Zum Exempel / er hätte contrahivet/ daß ihm follen 
Brandtwein gelieffert werden vomJanuario A, 1706. au / bis Januar, 
707. fofaner das gange 1706te Jahr durch / welchen Tag es ihn be= 
liebt um die Unfoften anfordern / wenn er fienemlich comptant bes 
zahlt ; Hingegen ift auch der Verkäufer bemächtigt / daß waun die Zeit 
des Contradts nunmehro verfloſſen / er ihm die Brandtwein zu em⸗ 
pfangen / zwingen kan / fo er nun nicht bey Cafla oder fonft im Stan» 
de ift / folche zu empfangen, fo gibt der Berkäuffer denen Richtern der 
Kauffleut (Echevins) eine Suppligve über / und hält bey ihnen an/ 
Daß er feine Brandtwein öffentlich verkauften möge / welches man 
neunt / verkauffen par appointement ; was nun daran und bey diefen 
publiqven — und verlohren oder gewonnen wird / 
das iſt bor des Kaͤuffers Rechnung / der dem Verkaͤuffer gut thun muß / 
was Die Brandtwein weniger ſeynd ausgebracht worden / als ex (le 
ſonſt hätte bezahlen müffen / wann er den unter ihnen gemachten Con- 
tract nachgelebet hätte. Diefe Art des Verkaufs nun / eben fo wie 
auch alle andere / die auf Zeit geſchehen / feynd gemeiniglich von zr. 
bis 30. Stud / das Gtüd zu so. Viertel gerechnet / wiewol man den 
Preiß nur auf zo. Viertel oder nach Oxhoͤfften einrichtet / und von ef 
ner Monat⸗Zeit zum andern ein viertel oder drey achtel Pfund Flaͤ⸗ 
miſch auf zo. Viertel miehranfchläget/ fo bald nun folche Zeit verfallen / 
fragt der Verkaͤuffer dem Kaͤuffer / ob er die Brandtwein ſelbſt em⸗ 
pfangen / oder durch einen andern empfangen laſſen wolle ; fo er ſie nun 
ſelbſt empfängt / fo ifi der Handel damitzu Ende / empfaͤngt erfie aber 
nicht / fo gibt er eine Alſignation oder Überweifung aus / durch welche 
er ſolche einem andern zuempfangen afligniret / dieſer weiſt es wieder 
auf einen andern / bis endlich einer kommt / der ſolche in Empfang 
nimmt; und folche Uberweifungen Fönnen offt durch zo. und mehr 

Hände gehen. 
Die vierdte Manter Brandtwein zu Fauffen / beftebet in Primes, ent» 
weder daß ſie höher oder niedriger in Preiß laufen. A. ſehende daß 
den. April. die Brandtwein gelten marche ferme, por den Monat 
Julium 203. Pfund Flaͤmiſch / glaubende aber dabey / dag ſie viel⸗ 
leicht zu folcher Zeit mehr oder weniger gelten möchten/ fo gibt ev fo - 
piel Florins prime por jedes Stud an B, damit folder an ihm erhal» 
u... + f 2 en 


* 


212 Bra 


ten ſeyn moͤge / ihm die Brandtwein zu einen gewiſſen Preiß zu lief⸗ 
fern vom erſten April, an / bis zum erſten Jalii; Zum Exempel / ich 
hätte mir vorgeftellet / daß der Preiß der Brandtwein zu 20. und ein 
halb Pfund Flaͤmiſch vor den Monat Julium wäre / fo gebeich 7. oder 
8. fl. prime vor dad Stud / damit derjenige/ der die Prime empfaͤngt / 
gehalten fey / mir eine benahmte Qvantität Brandtwein vor den ge⸗ 
accordirten Preiß alddann d lieffern / und zwar vom erften April. an/ 
bis 1. Julii zu 20. Pfund Flaͤmiſch vor 30. Viertel / fo indeſſen Die 
Brandtwein folten zı. Pfund Eoften / fo muß er doch ſolche / Krafft 
meiner gegebenen Prime, vor zo. lieffern / da ich dann / wann id) fol- 
che comptant zu ei. Pfund Fl. verkauffe / 3. fl. gewinne / fo ich nicht 
mehr ald 7. fl. Prime gegeben / habe ich aber s. fl. gegeben / fo gewinne 
ihnurz. Es werden aber obbemeldte Primes pour la hauſſe oder 
vor die Auffteigung genannt ; die Primes pour la baifle gefchehen fol⸗ 
gender Beftalt/ 3. E. id) fupponire / daß der Preif der Brandtwein 
wäre March£ ferme , dor den Monat Julii 20, und ein halb Pfund Fl. 
wann id) nun glaube/ daß ſie als dann Faum ı9. und ein halb Pfund gel« 
ten werden / fo gebe ic) jemand 6. bis 7. fl. Prime vor dad Stud) daß 
er gehalten ſeyn moͤge / folche den erften Julii Tag zu 20. und ein halb 
Pfund Fl. von mir anzunehmen / fo ich mich alddann in meiner Mey⸗ 
nung nicht betrogen / und daß fle den 1. Julii 19, und ein halb Pfund 
Sl. gelten / foordonnire ich demfenigen/ der die Prime ——— 
daß / vermoͤge Contracts, er die Brandtwein zu 20. und einhalb Pfund 
Fl. ſoll in Empfang nehmen / und gewinne alsdann a4. fl. aufs Stück / 
fo ich s. Florins Prime gegeben / und nur 3. fl. fo ich 7. fl. gegeben. Es 
—— aber wenig dergleichen Contracten als nur mehrentheils in 
riegs⸗Zeiten / und da die Brandtwein var ſind / und ihre Ankunfft 
ungewiß iſt vor. Cs werden aber nicht allein dergleichen Primes 
auf Brandtwein / fondern auch auf Pfeffer / Thran / Caffee, Oſt⸗In⸗ 
difche Adtien/ und andern dergleichen Waaren und Adtiones gegeben. 
Braſilien⸗Holtz / fonften auch) wol Campechi-SHolg genannt / kom̃t 
aus Bratilien / einer Landſchafft in Weſt⸗Indien gelegen / von einem 
Baum / welchen man dort zufande Araboutan nennet / der mit ſei⸗ 
nen Aften und Zweigen unfern groffen Eich⸗Baͤumen nicht ungleich / 
aber einen viel dickern Stamm hat / maffen etliche wol 3. Klaffter im 
Umkreiß haben/ ihr Laub foll den Buchsbaum ⸗Blaͤttern gleich feyn/ 
und der Bann ſelbſt mit groſſer Mühe koͤnnen zerſpalten und gefaͤllet 
werden; welche Haͤrtigkeit des N diein den Amfterdamifchen/ 
Hamburgifchen undandern Zucht⸗ Haͤuſern figende böfe Buben am be> 
ften kennen lernen / wann fie ihre Armen / um ſolches zu vafpeln/ (da⸗ 
hero auch das Zucht- Haus Rafpel-Haus genennet wird) brav daran 
ſtrecken muͤſſen / und fagt dannenhero eingemiffer Scribene nicht — 
eben 


— ET ES 2 En A 


+ 


Bra 223 


eben / daß das Frautzoſen⸗Holtz zwar viel leibliche Seuchen heile / aber 
das Braſilien⸗ Holtz thue noch viel gröffere Zeichen / indem es die 
KRranddeit des Gemuͤths curire / und böfe Buben fromm machen koͤn⸗ 
ne. Sonſten wird Unterfcheid gemachet / von dem foaus Spanien 
kommt / und aus Engeland gebracht wird / worunter erfteres alle: 
mahl bor beffer gehaltenwird. Auch (ind noch zweyerley roth Holtz / 
eines fo ordinariroth Holtz / und anderes welches St. Martens⸗Holtz / 
als geringſtes unter allen gehalten wird. Das feinſte aber unter den 
Braſilien⸗ Holtz wird Fernambuco (Von einer Stadt gleiches Nah⸗ 


‚ end / um welcher Gegend ed wächfet) genannt; es ift in mittelmaͤſ⸗ 


figen Staͤmmen / und hat im Kauen eine liebliche Suͤßigkeit / das be⸗ 
ſte ift daran / daß ed ſchoͤn roth / und alleandere rothe Brafilien-Höl- 
Ger / welche roth färben / übertrifft / dannenhero es aud) in Preiß 
viel theurer ald gemein Bräfilien« Hol& fommt. Blausfärbend 
Braſilien⸗Holtz / fo auch dafelbft waͤchſt / ift an Stamm pielftärdter; 
es wãchſt auch gelb-färbendes / fo man aber biel ſchoͤner / junger und 
elber uber Zyrolund Salsburg haben fan. Im Ginfaufen des 
raſtlien ⸗ Holtzes muß man wohl zuſehen / er man Fein altes Holtz / 
an welchen der Kern verfaulet / oder ein ſolches bekomme / deſſen 
Krafft von den Saltz⸗ oder See⸗Waſſer allbereit ausgezogen worden. 


Das Faͤrben mit den a... wird den Schön-Färbern in 
t 


allen Farb: Ordnungen verboten / theild weil es eine falfche Farbe iſt / 
theils weil es ein freind Materiale , durch welches viel Geld aus dens 
Bande gezogen wird / ia esiſt fo gar den Schlecht- Färbern zu gebrau⸗ 
hen verboten / weil man ihnen fonft auch den Gebrauch des Allauns 
und Weinfteind zulaffen müfte / als ohne welches (le das Brafilien- 
Hols nicht nügen könten / welches aber eine falſche Farbe giebet/ hin⸗ 
gegen ift es gutund bewehrt / wann ed mit Gall⸗Apffeln / Sumac,Ro- 
doul, Fovie , Kupffer⸗Waſſer und Grünfpan zu den fchwargen Far» 
ben gebraucht wird / alwo es fehr guten Nutzen ſchaffet / indem es die> 
felben zarter und fchöner / auch die Zeug zu tragen bieltuchtiger ma⸗ 
het / weswegen man dann felbiges nicht allein * nöthig zu ſeyn 
befindet / fondern aud) in den grauen und Wurtzel⸗Farben / derſeni⸗ 
gen Zeuche / von welchen die Elle nicht uber zo. Kreuger zu ftehen kom̃t / 
als aud) zu dem andern / fo zum Unterfuttern angewendet werden/ 
and Davon die Elle nicht über einen halben Thaler foftet / zugebrau- 
hen erlaubet / alfo daß dadurch der Preiß ihrer Farben / fo viel im⸗ 
mer müglich / Verringert werden möge ; weiln aber folches die 
Schoͤn⸗Faͤrber mißbrauchen / und die blaue Farbe darmit verfaͤl⸗ 
fchen / oder ſelbiges anftatt der Weyde darzu nehmen / als wird ſol⸗ 
ches bloß den Schlecht⸗ Faͤrbern zu gebrauchen erlaubet / weil ſolche 
Beinen Allaun oder Weinſtein bey ſich haben dörffen / und alfo * 

nicht 


224 Bra 


—— > 
nicht mißbrauchen können. Judeſſen Fan man auch die Farbe von 
Braftlien-Hols gar leicht mit der Köthe/Bourre oder Cochenille nach⸗ 
machen / dadann folche Farbe nicht viel theuver kommit / als die von 
Braſilien⸗Holtz / welches doch eine falfche Farbe ift. 

Braſilien⸗Taback / vide Tabad. . 
Braſſen / Bramma, Frantzoͤſ. Braſme, ein befandter Fiſch dies 
ſes Rahmens. | 
Braflica alba vulg, Kohl⸗Kraut / Crambe , ift ein befandtes/ und 
ſowol zu Speis als Artzeney dienliches Kraut / indem es etwas laxi- 
get / und auch ſonſt eine Salpetriſche und Balſamiſche Krafft an ſich 
hat / vide Kohl. 
Braſſica alba capitata, Caulis capitulatus, weiß Kopff⸗Kohl / Cap⸗ 
pis⸗Kraut. * 
Braſſica campeftris, Lampſana, Feld⸗ oder wilder Kohl / der 
Safft davon in die Naſen gezogen / reiniget das Haupt vom Schleim. 
 „Braflica cauliflora, Blumen⸗Kohl / iſt unter den Kohl⸗Kraͤutern 
das geſundeſte. 

Brꝛaſſica marina, Soldanella, Meer⸗Kohl / waͤchſt gern am. Ufer 

des Meers / und iſt dienlich vor die Waſſer⸗Sucht. 5 
Braune Farbe / wird gemacht vermittelſt der Wurtzel / Rinde 

und Blättern des Rußbaums oder Schalen der Rüffe/ fo beyde eine 
gute zarbegeben. Es koͤnte auc wol eine gute braune Farbe mit 
Schorſtein ⸗Ruß gemachet werden / allein weil felbiger einen üblen 
Geruch von ſich giebet / als foll man denfelben bloß zu den Tuchern 
oder Zeuchen von Feüilles mortes, Haar⸗Farb / Poilde boeufs, und 
andern Gattungen bon diefer Mittel⸗Farbe gebrauchen / als zu wel⸗ 
chen er am dienlichften ift / und eine beſſere Farbe giebet/ als die 
Rußbaum⸗Wurtzel. Man kan aud) den Ruß zudem Verdd’olive, 
oder zuteutfch / der Oliven⸗Farbe gebrauchen. Die Garoüille, fo 
eine Farbe zwifchen braun und grau machet/ uhd auch der melirten 
Wolle einen ſchoͤnen Glantz giebet/ fonderlich weil ihr Mangel durchs 
Walcken ſich verbeffern läffet / Fan ebenfals zugelaffen werden/ doc) 
nur bey folhen Wollen / fozu Melirung auf grisde Rat kommen fol» 
len / aber fonft zu feinen Zeuc) oder anderen Farben. Man hat auch 
noch) die Trentanel, Malherbe , Fultel, und einige andere Materias 
lien mehr / welche eine Farbe / fo zwifchen gelb und braun ift / geben/ 
damit man aber die vechte braune Farbe heraus bringe / fo mifchet 
man den Ruß darunter. Aber diefe und andere Karben / fo davon 
gensachet werden / kommen viel fchöner und beffer heraus / wann ſie 

mit Goude und Rupbaum-WBurgel bereitet werden; und weil die z. 

erften gar übel riechen / auch dem Geſichte derjenigen / von welchen jie 

gebrauchet werden / ſchaͤdlich feyn/ als ift es am heſten / daß * 

ind: 


X 


Bra 225 


m——— ——— —— e —⸗— —— — —— 
insgemein zu gebrauchen/ nicht zugelaſſen werben. Aus der brau⸗ 
nen farbe werden Feine vermifchte Farben bereitet / ohngeachtet diefe 
einfache Farbe indie Compofition pieler doppelten oder bermifchten 
Farben kommet. —— 
Muſcaten / Farbe auf Wolle zu färben. 
Rimm;. Pfund Allaun / ein halb Pfund Weinſtein / laß das Tuch 
anderthalb Stunden ſieden / thue das Tuch heraus / laß es kuͤhlen / 
nimm anderthalb Pfund Viſet · Holtz / oder gelbe Blumen / z3. Pfund 
Grapp / 1. Pfund Gallas / thue das mit einander im Keſſel / und la 
es anderthalb Stunden ſieden / und drehe es wohl über den Haſpel / 
und fo ed roth genug / fo thue es heraus / und Fühle es wohlab / dat» 
nach thue wieder hinein 2. Pfund Kupffer⸗Waſſer / und fo du es mit 
warmen Waſſer einmweicheft / ein wenig miehr/ thue es im Keſſel / und 
das Tuch fo lange darzu / his es genug iſt / darnach fpühle es. 
Item, nimmgrune Welfhe-Nup-Schalen 2. oder 3. Megen/ober . 
Ruß⸗Wurtzel / behe ſie in Keſſel / und wann es ſiedet / fo thue dag, 
Tuch über den Haſpel zuſanmen gezogen hinein / bald aber wieder 
heraus / und kuͤhle es / hierauf laß die Materien wieder aufſieden / 
und das Tuch abermahl hineingethan / laß es eine halbe Stunde da⸗ 
mit ſieden / ziehe es wieder heraus / kuͤhle es alödann nimm 1. Pf, 
Gallas / 3. Pfund Srapp / thue ed famt den Tuch im Keſſel / laß es 
eine Stunde ſieden / nimm das Tuch heraus / und wohl BeENDd 
nimm wieder ein ober z, Pfund Kupffer⸗Waſſer / ſolches im Keffe 
gethan / und wohl aufgerühret/ und dad Tuch hinein / das Feur 
wohl getrieben / und ſtelig umgeruͤhret / bis ed vecht dunckel zung en/ 
alsdann geſpuͤhlet. i 
Lregelsbraun zu färben. 
Rimms;. Pfund Alaun/ 2. Pfund Weinſtein / laſſt es im Keffelaufs 
. fleden / thue das Tuch hinein / laß es 2. Stunden fieden / thue das 
Tuch wieder heraus / und nimm s. Pfund Brapp/ ein halben Mepen 
Weitzen⸗Kleyen / thue eö mit eingnder im Keifel / rühre es drey atef 
Stunde wohlherum / bis es jieb-heif wird/ darnach das Waſſer 
hinweg / und wiederum friſch Waller im Keffel/ und ı. Pfund Gal⸗ 
las / und das Tuch eine Stunde darein ſteden Inffen/ darnach das 
ud) heraus / und thue wieder. in Keſſelz. Pfund Kupffer⸗Waſſer / 
und das Tuch) wieder umgewunden / biged dich duͤucket / gnug zu feyng 
alsdann fpühle es aus. 
34 Zimmet: oder Muſcaten⸗ Farbe. 
Nimm 2. Pfund Allaun / ein. halb Pfund Weinſtein / und etwad 
ſcharffe Laugen / laß das Tuch eine Stunde wohl darinnen ſieden / als⸗ 
dann das Waſſer weg / und quber Ru im Keſſel gethan / Babe 
e 


! 





226 Bra 
die blota benz. Pfund Sommerroth 7 und gebrannten Weinſtein / 3. 
fund Grien- Schalen / laß diefes alles mit einander fieden / und das 
Zudeine Stundedartun legen ; etliche machen eBein wenig gebleicht / 
soann du edaber Dämpffen wilt/ ſo brauche 2. oder z. Pfund Kupffer⸗ 
Waſſer / und Muſtere darin / ſo Haft bu gute Mofcaten-Farb. 

Ga ! inderetYiufcat su färben. Zu 

Siede erſtlich das Tuch in Allaun und Weinſtein wie das rothe / dar- 
nach krappe ed nur halb roth / und thue die Gallas in die Krappe auf 
20, Ellen ein Vierling / du muſt es machen wie das rothe / oder nur 
halb roth / du muſt es nicht zuviel roth machen / darnach * es durch 
Das Kupffer⸗Waſſer / bis es dunckel genug iſt / darnach ſpuͤhle es aus / 
uud ziehe es durch die Guͤlbe / ſo wirſt du choͤn Muſcat faͤrben. 

| PBISEFT gemacht’ 

Wann das Tuch aus der X te gefärbt iſt / in gelöfchten Kalck / da 
Man dann Fernebuck hinzu thut / Taf eö aufiieden / hernach fo ziehe das 
Tuch ein oder mehrmahlen durch / ſo wirſt du braun⸗roht haben; viel 
(ind ihrer / die brauchen Laugen von Pott⸗Aſche aber warn fie ed nicht 
meiftern / fo faͤlt es fehr in die dunckele Farbe / der Kalck ift lieblicher/ 
ivenn du nur fein langfam damit umgeheſt / dann er flechet ſehr wann 
du es nicht in Obacht nimmft. | 

Rebe oder Aaar: Farb, 

Iſt unterfchtebtich / bald licht, bald roͤhtlich / bald gelb/ indeſſen ſeynd 
alle dieſe Farben jedermanns Kauffs / und fchlägt Feine um; Diereche 
te Saar Farb färden etliche von Exlen- und Rüß⸗Schalen / und Ei⸗ 
hen-Spähn / wann ſie grün ſeynd / aber es faͤlt weg wie ein Staub. 
Rimm zur Abfudz. und ein halb Pfund Allaun / s. Pfund Weinſtein / 
faßes anderthalb Stunden wohl ſieden / und gleß das Waſſer weg. 
Etliche geben den erften Sat mit Gallen und Kupffer⸗Waſſer / als⸗ 
dann das gelb undrohtgefeget. Item, nimm 7. Pfund Roͤht / mache es 
roht / hernach fo kanſt du ed auf die elbe ſetzen / ſoll es aber nur gefärbt 
werden / fo ſehe das Kupffer⸗Waſſer in Gallas darauf / fo wirft du 
allerhand Farben haben. 
| b Negeln⸗ braun. = | 
Darzu hänge klahr Semmel⸗Mehl übers Feuer / und laß es wohl 
warm werden / alddann nimm auf ı. Pfund Waare 4. Loht Alaun/ 
gepulverten WWeinfteinz. Loht / laß ed zuſammen aufwallen / alsdann 
die Waare davein gethan / und eine Stunde darinnen umgewunden/ 
ge gekuͤhlet und ausgefpühlt / darnach wärme wieder rein Waſ⸗ 
er / und thue zu 1. Pfund Waare 4, Loht Fernehock oder roht Holtz / 
—* eine halbe Stunde ſieden / thue die ausgeſpuͤhlte Waare darein/ 
gebeite ſie fo lange bis ſie roht gegug ſey / fo nimm derns / vwu 


— 





Bra 227 
Im die Farbe 2. Loht Vitriol aufiedes Pfund Waare / laß ſolches voͤl⸗ 
lig drinn zergehen/ und arbeite dann die Waare aufs neue fo langes 
drinnen / bis ſie genug annehmlich ift / als dann fpühle es aus. 

Zu Mufcus- farbe, 

Nimm auf 1.15. Wolle 4. Loht Kupffer⸗Waſſer / 4. Loht Alaun / 4. 
Loht Weinſtein / 4. Loht braun Holtz / 4. Loht Roͤhte zum Ausma⸗ 
en wederum braun Holtz / Roͤhte und Kupffer⸗ Waſſer jedes 4. Loht. 

Braun Singerhut / Digitalis purpurea. | 

Braun Fleiſch⸗Blumen / Triticum vaceinum. B 

Braune Flechten / Pulmonariaarboreg, 

Braun⸗Kraut / v. Verbafum. 

Braun Maͤnderlein / Chamædrys. 

Braune Roſen / Malvaarborefcens, 

Braun Schwertel / Gladiolus ſegetalis. 

Brauner Persrlein/ v. Aium. 

Braun Sorgen / Herba trinitatis, Viola flammea. 

Braun Muͤnderlein / Chamzdrysgvercula, | 

Brauner Augentroft / Odontites, Euphrafia altera, 

Branner Weigen/ Triticum nigrum peregrinum, 

Braun Heckerich / Rapifirum purpureum, 

Braunſtein / auch wol Magnefia genannt / kommt aus Piemont, 
waͤchſet auch in Teutfchland in den Meißniſchen Erg-Gebirgen. Man 
gebvauchet denfelben zur Reinigung ded Glaſes, ald welchen man die 
grüne und blaue Farbe dadurch benimmt / dannenhero er mit Zug ei» 
ne Seiffe / welche das Glas reniget / Fan genennet werden / dann fo 
man ben diefer Magneſia oder Braun-Gtein nur ein wenig mit den 
geſchmoltzenen Glas vermenget / foreiniget es daſſelbe von aller frem⸗ 
den Farbe / und machet das Glas helle; nimmt man aber der Magne- 
Gen zubiel / fo befommt das Glas eine Purpur-Farbe/ wie hiebon 
mit mehrern Merret infeinen Anmerckungen uͤber das erfte Buch 
von Neri Glas⸗Macher⸗Runſt p. 208. fan geleſen werden. Vi= 
de Zaffara.; 

Braun⸗Wurttz /v. Scroßbularian. 

Braun Wallwurs / Symphitum majus flore purpureo. j 

Bremer Waaren und Handlung / diefe erſtrecket fich in die Oſt⸗ 
und Weſt⸗See / als in welchen beyden die Bremer Schiffe vielfältig 
anzutreffen feynd. Es ift diefe Stadt eine don den alten Hanſee⸗ 
Gtädten / und liegt an den Weſer⸗Strohm / zwifchen Hamburg und 
Embden / etwan 14. Meilen vonder See. Ihr Land⸗Handel nach 
Teutſchland / ſonderlich nach den Braunſchweig⸗ Lüneburger Land und 
Weſtphalen / iſt fehrconüderabel; Sie hat viel Anfechtung ihrer. 
Freyheit halber / bon den König in Sen die en ei? 

| .. dung 





223 Bre 


dung der Zeit muß heim geſtellet werden. Zu Bergen in Norwegen 

erhält ſie noch einiger maſſen den Luſtre des daſelbſt etablirten Han⸗ 

ſeatiſchen Contoir ; So iſt ſie auch vielmahls gluͤcklich auf den Wall» 
eis Fang geivefen/ alſo das ihre Schiffe veich beladen nach Haufe ge: 
Kommen. 

2: in Bremen und gang Weſtphalen / wie auch in der Graffſchafft 

Pe und Delmenhorft gangbahre Muͤntz⸗Sorten ſeynd / 

| t: 

s, — hat 1. und ein halb Doppelt oder 3. endelte Bremer 
MWarckſtuͤck / oder 24. do — oder enckelte Schillinge / oder ſechs 
Kopff⸗Stüuͤcke / oder 72. Brot / oder 360. Schwaar. 

s, on. al ift 48. Groote / oder +. Kopff-Stüd / oder 240, 


Schwa 
s. in Mirdftüc ift 2. Kopff⸗Stück / oder 24. Groot / oder 120. 
waar. | 
— halb — iſt ein Kopff⸗Stuͤck / oder ız, Groot / oder 60. 


i1. doppelt & hilling ift 3. Groot / oder v.Schwaar. 
1. endelt - illing iſt ». und ein halb Groot / oder 7. und ein halb 


Schwa 
1. Kopf-Gtüd iſt ız. Groot oder so. Schwaar. - 
s, hart Oldenburger Kopff-Stüd hat so. Schwaar 
Die harten Spanifchen/ Daͤniſchen und Snalifben KopffStuͤcke 
elten jeder 15. Bremer Groot. 

root iſt s. Schwaar. 

. ‚ Schwaar 2. Pfennige. 

= at auch dafelbft lerkand gemängte halbe / gantze uud doppel- 
ni — wie auch Flinrichen / deren is, auf einen Reichs⸗ 
thaler ge 

2. Creutz⸗ sa ira thut 55. Groot. 

s, Alberts ss. Groot. 

x, Real oder Stuͤck von Achten iſt so. Groot. 

3. Bern⸗Thaler ift 69. Groot. 
a. Koͤnigs- oder Died Thaler iſt 77. Groot. 

Metzer Gold⸗Guͤlden iſt ein Reichsthaler 14 Brot: 

a. gemeiner Gold⸗Guͤlden s. Ort. 

1. 2. Tlänsifch iſt 2. und ein halber Reichöthaler. 

Ansfterdan wird von Bremen ausgewechfelt / daß man hieſelbſt 
gibt 115. bis 130. Rthlr. bon 72. Groot / umin Amfterdam wieder zu 
empfangen 100. Rthlr. von so. Stüver. 

Dos Bremer Gewicht ift3.pro C. leichter ald das Amſterdamer / 
daß man alfp qufdielen Fuß ſagen fan 100. Ib, Amterdamer thun 


103, 


Dre 229 
03. 1b. Bremer und ein wenig mehr / oder 100. Iß. Bremer thun 
97. Tb. Amfterdanmer. 

Brenn-Spiegels / haben einen groffen Rutzen / and Finnen an⸗ 
ſtatt eined Feuer Werd / un don fern damit anzuzänden/gebrauche 
werden. Alfo verbrannte Archimedes der Römer Schiffö-SFlotte ine 
den Syracujifchen Haben mit einer folhen Brenn-Spiegel. Pro- 
clus that ein gleiches zu Eonftantinopel / als des Viraliani Flotte dieſe 
Haupt-Stadt'belägert hielt. Kaͤyſer Ferdinandus IN, fol einen 
Brenn-Spiegel gehabt haben / der augenblicklich gebrannt / alfo 
daß man damit Buchftaben aufs Folk hat brennen können ; ja es fol 
gar deſſen Opticus Mattmuͤller mit einen von Eiß gemachten Breite 
Spiegel dergleichen Anzändungen gethan haben. Am allerhoͤch⸗ 
ften aber hat es in dieſer Kunft und Wiflenfchafft/dergleichen Brenn 
Spiegel zu verfertigen/ der Herr bon en ebracht / 
welcher nicht allein Brenn⸗Spiegels bon ungemeiner Groͤſſe / ſon⸗ 
dern auch von ungemeinen Effect verfertiget / alſo daß man in gar - 
wenig Zeit Eiſen und Stahl damit ſchmeltzen koͤnnen / nicht ander 
als wenn le vor den ſtaͤrckſten Geblaͤß geweſen wären. 4 

Breßlau / vide Schlefifehe Waaren und Handlung; | 

Brerrer/ Thitlen oder Dehlen / werden von Eichen / Tannen/ 
Ruß⸗ oder andern Bäumen gefhnitten / entweder auf einer bon den 
Waſſer oder durch Pferden getriebenen Saͤge-Muͤhl / oder audy 
durch Menfchen-Hände. Der Nus und Die Nohtwendigkeitder 
Bretter / wiefolche faft jederman bekandt / alfo ift auch der Handel 
damit ſehr eonfiderable , nicht eben des Air Verlags wegen / in⸗ 
dem diefe Waar allenthalben noch zimlich wohlfeil / Bee in 
See⸗ (und denen bey groſſen Hoͤlhungen gelegenen) Stätten / zu 
haben / als wegen der graufanen Qyantität/ die Jaͤhrlich zur Seel 
fonderlic aus Schweden und Norwegen / nad andern‘Plägen ver⸗ 
faudt wird / voraus von denen fo genannten Fuhrnen- Brettern / aus 
Tannen⸗Holtz gefchnitten / die gemeiniglich nach Imöffftern vder ie. 
Gtüden verkauft werden / nachdem ſie nun lang oder kurtz / breit 
oder fhmal / dic oder dünne feyn / nachdem ift auch ihr Preiß hoch 
sdergering. Die Bretter oder Thielen welche aus Schweden kom⸗ 
men/ theilt man in gantze Boden-Bretter / halbe dito, ordinaire Ge- 
fle, Nordlaͤndiſche / Weſterwyckſche / Ealınarifche und Gottlaͤndi⸗ 
ſche. Wrack⸗Gut iſt dasjenige / was ausgeſchoſſen wird / weil (te 
entweder Loͤcher haben / geſpalten / zu kurtz oder zu ſchmahl ſeynd. 
Die Rußbaͤumern Bretter werden nad) den Fuß⸗Maagß verkaufft / 
die fhönftenfomnten aus Franckreich und Preuſſen / und werden 
fehr viel in denen See⸗Staͤdten / ald Hamburg und Luͤbeck / zu aller» 
hand künſtlichen Cabinetten / Spinten / Schreib-Tifchen und andern 

Haus⸗Geraht verarbeitet. P 3 Die 


130 Bre Bro 
Die Reguln melde die Gäge-Müller beym Bretter · Saͤgen in acht 
zu nehmen haben / find/ dag die Holg-Blöcher gleich ‚aufgelegt / und 
Die Bretten nacht an einem Ort did / an den andern dünne/ oder fonft 
ungleich gefchnitten —— wurden ſie aber Diefelbe verderben / fo 
müften (te ſolche zu bezahlen / oder einengleichen Bloch zu verſchaffen 
ſchuldig ſegn. Wann aud) die Bretter gefchnitten / follen (te die⸗ 
felben-wiederumlegen / wie der Schrot oder Bloch anfangs gewe⸗ 
fen / damit man fehen koͤnne / ob nicht die.mittlere oder andere Debe 
len davon hinweg genommen / aud) follen ander Sägen alle Zaͤhn 
vollkommen / und deren nicht zuwenig ſeyn. Es ſoll auch der Boden 
In den Sägmühlen wohl verwahret feyn / daß keine Sagſpaͤne ing 
Waſſer fallen / ſintemahl die Fiſch⸗Waſſer Dadurch verödet und per= 
wuftet werden. | - 
Zricken oder Reunangeh/ eine Art maronirter Fiſch / an Geſtalt 
faft den Heinen Yal gleich / kommen häufig aus Liefland/ Ponimern/ 
Bremen / den Luneburgiſchen und Mecklenburger ande / werden im 
Teutſchland fehr viel / fonderlich aber an Eathokifchen Orten zur Fa⸗ 
ſten⸗Speiß verbraudt/ und in Eleinen Barilsoder Fäffern eingepackt / 
und hernach zu 3. bis s. Rthlr. (nachdem fie nemlic) weit hinauf ing 
ig: Ai pe das Baril verkaufft. Ein mehres vide unter 
den Wort Lampreren. .» ur — 
Brillen und Perfpeätiv. Diefe Waare in Handlung zu führen/ 
kommet eigentlich denen Kunſthaͤndlern zu / weilnicht fomol gemeine 
Brillen und Perfpedtive, als auch bon denen Gelehrten und Seefah⸗ 
wenden dielerhand Tubi, Ferngläfer / Microfcopia , Magifche Later⸗ 
nen / Brenn-Spiegel und andere Optifche Glaͤſer gefuchet werden / 
welche. dann hin und wieder und faft nirgends beffer / als in unfern 
Teutſchland (mie wir davon ein Exempel in unfeen neu-eröffneten 
Manufacturen⸗Haus pag. 217, angeführet/) zu finden feyn, Was 
die gemeinen Brillen und Perfpe&hiv anbetrifft / werden derfelben ſehr 
biel in Nürnberg verfertiget/ und Dugent Futral und Stuͤckweiß an 
die Kramers verkauft; etwan 100, Brillen-Bläfer Vorso. Kreuber/ 
oder 6. infiebendehalb Laden Brillen pr. ı.Rthlr. item von denen bew- 
fülberten zu 6.8. 10. oder 12. Stüd in einer Laden / ſechſtehalb folder 
Ladenpr.ı.Rthle. Feine Brillen in hölgern rag dad Dugend zu 
38. Kreutzer / in —— Futtral zu 70. bis 75. Kreutzer / mit un⸗ 
terſchiedlichen Zeichen / als benwilden Mann oder Meerweiblein by- 
zeichnet. 
hriza, v. Secula, Secale. 
Ktrooat iſt ein ſchoͤuer Seidener Stoff / ſchwer von Seide / oder 
auch von Gold und Silber / wird haͤuffig in Franckreich und Helland 
gemacht / und fehr diel Geld dariun confumirt/ und aus Teutfchland 
geſchleppet. | Brod 


— E— TE 7 ⏑ ———— nr 


„Bro 231 

Brod kommt zwar mehr den Beckern / als Kaufleuten za / jedoch 
nehmen auch dieſe vielmahlsdieLiverang / dag Brod vor eine ganke 
Arme: zu verichaffen/ aufſich / dadann der Einkauf des Korns unde 
Mehls / daß beydes nicht muchlicht / fondern geſund und friſch 
fey/ und gut wohlſchmeckend Brod.gebe/ (mie alfo vorandern der Re⸗ 
valiſche Rodenthut /) wohl zuobferviren iſt. Man hat auch Pancz 
Biſcoctos, Frantzoͤſiſche Bifcuits, Teutſch Zwieback genannt/ welche zw 
Proviantirung der Schifie/ and) wol der Armeen, Enderlic aber dev 
Guarnifonen, gebraucht und angefchafft werden. Das von Zucker / 
Ser und feinen Mehl fo genannte Mofeowitersund Ulmer⸗Brod / ge⸗ 
hoͤret mehr unter die Confecduren / als daß es den täglichen Rocken⸗ 
Waitzen⸗Brod folte 2 werden. In Alien und Africa wird 
viel Brod aus Neid gebacken / in Braſilien aus gewiſſen Wurhelu / 
. Aipi und Maniot genannt / welches Brod ſehr geſchmackſam ſeyn / und 
ſich lang halten ſoll. Von der fo genannten Mandiocca oder Jucen- 
Staude ihrer Wurgel / wird faft durch gantz America Brod geba⸗ 
cken / welches ih zwangig Tahr und Länger halten kan / und doc) alle⸗ 
zeit feinen Geſchmgck behält / auch fo delicat iſt / daj die Europaͤer 
ſelbſt ihres weiſſen Waihen⸗Brods gar leicht vergeſſen In Virginien 
macht man Brod aus Eicheln / welche auch wol ehemahls bey und in 
Teutſchland in A Hungers⸗ Roht darzugebraucht worden. In 
denen Moluckiſchen Inſulen iſt ein Baum zu finden / welcher Früch⸗ 
ge trägt/ in welchen reines: weiſſes Mehlzu Anden) fe zum Brodbaden 
fehr dienlich iſt Vid. Happel, Relat, Cur. part. 2, pag. 76. item in 
dieſem Bud) dad Wort Becker. | ! 

Broderie , Stickwerck / geftichte Arbeit iſt dreyerlen Arten / als 
flach / erhoben’ und dann aufbeyde recht gemacht / alſo daß die Figur 
auf einer Seite / wie aufder andern zu —* iſt. Solches Sticken 
1058 ſewol mit Garn oder Seide / als auch mit Gold und Gil» 

er / wor aufwol offters die koͤſtlichſte Perlen und koſtbarſte Steine 
gehefftet werden/ und iſt es in Wahrheit ſehr wunderlich / daß ver» 
mittelſt einex bloſſen Radel allerley Figuren in der vollkontmenſten 
Zeichnung abgebildet / und die Farben ſo artig in einander meliret 
un verſtochen werden koͤnnen / daß ſie der Fünftlichfte Mahler mit feinen 
Pinfel nicht beffer zu vertreiben vermag / Inden ſie der Natur gang 
ahnlich kommen / daher auch ein guter Geiden-Stider / und ein in 
der Kunſt wohl geubtes Franenzimmer / der Mahlerey notwendig 
wohl erfahren feyn / auch die Calorit und Schattirung der Farben 
seht verſtehen muß. Heutiges Tages werden. unterſchiedliche Sa⸗ 
chen von geſtickter Arbeit verfertiget/ ald gantze Manns⸗ und Frauen⸗ 
Kleider / Tiſch⸗ und Bett⸗Decken / Schabaracken / Mep-Gewand 
und dergleichen / welche Eee Tage füuftlicher und a 
4 tv 


132 Bro Bruu— 
ser auszuarbeiten / ſowol die Hand des Perlenſtickers / als des Kunfle 
geuübten Frauenzimmer ſich befleißiget. Zu beklagen iſt nur / daß 
auch in dieſem Stuͤcke unfere Trutſche Alamode-Brüder mit ihrer 
Landsleute Arbeit nicht zu frieden ſeyn / fondern alles aus Franckreich 
wollen verſchrieben Haben / welches: abermahl jührlidy viel taufend 
Thalerd aus dem Lande bringet / und dadurch manchen ae 
Perlen-Stider / sder auch einen fi damit ernährenden ehrlichen 
Be en das Brod ge zu gefchweigen / wie auch von 
Geſpinn des Gold⸗ und Silber⸗Drats nicht weniger Menfchen/ 
als von der Verarbeitung deſſelben ihre Rahrung haben koͤnnen. 
Es wollen aber alle Broderien oder: geſtickte Sachen von Gold und 
Silber fleißig in Papieren eingewickelt / und an truckenen Orten wohl 
verwahret 33 wann fie anders nicht anlauffen und fleckigt werden 
ſollen. Auch hat ſich ein Galanterie⸗Haͤndler / oder wer ſonſt mit dere - 
gleichen Waaren handelt / wohl für zuſehen / daß er nicht zu groß Ca⸗ 
pitalin dergleichen bordirte Waaren ſtecke / weil das Macher ⸗·Lohn 
re iſt / derGold undSilber⸗ Drat aber theuer und koſtbar / nĩ wann 
lcher einmahl bernehet / nicht um die Helffie mehr zu nuͤtzen iſt. Hat 
Jemand Liverang darinn zu thun / fo ſehe er wohl zu / daß er vorher die 
Probe davon dem Herrn der Liverang einliefere / und fo ſie anſtaͤndig / 
ſich eine Beſcheinigung darüber geben laſſe / damit ihme die andern 
darnach verfertigte Stüce nicht verworſſen werden / oder beliegen 
bleiben/ welches zu manchen feinen groſſen Schaden gereichen koͤnnte. 

Brombeer / vide Rubus Vulgaris, 

Brontia oder Ombria Donner-Strahl / Item groffer Krötenftein/ 
iſt ein gelber Stein/ welchen man daflır haͤlt daper mit dem Regen⸗ 
oder Donner- Weiter vom Himmel herab falle / manchmahl in der 
ne einer halben runden Kugel item in dev Gröffe eines Eys / etli⸗ 
ehe feynd gelb / etliche grün und etliche braun. Seine Tugend fol 
ſeyn / daß der ihn beyfichträgt/ fleghafft im Kampffe ſey. Das Koͤ⸗ 
nigreich Daͤnnemarck bringt dor andern eine groffe Anzahl diefer 
Gteine hervor / fie find faft wie ein Knopff / denman in die Kleider 
ſetzt / geftaltet/ und weil ſie fo garhäuffig gefunden werden / aldfeynd 
einige Naturkundiger / fonderlich aber Ferrandus Imperatus und 
Wormius durch dDiefen Stein bewogen worden / zu glauben / daß auch 
unter den Steinen einige Sorten feyn/ die eben wie Die Pflangen und 
Baͤumeihren Saamen haben / dadurch jle fortgepflanget und erhal⸗ 
ten werden, 

Bruch-Sein/ Ofiocolla. 

Bruch: Kraue/ Sanieula, 

Bruch⸗ Wurtz / v. Agrimonia, Perfoliata. 

Brunellen / Prunella, Frantzoͤſiſch Brignoles, lommen häufig in 

“ an⸗ 


Bru 23} 
fangen ſchmalen Käftgen/ fo 7. bis s. Pfund md en / welche wieder in 
groſſen Räften gemacht werden / die Eleine Räfloen geben anderthalb 
Pfund Tara, aus Frandreid ; ſeynd nichts anders / als gefcheeite 
Pflaumen / ausmweldhender Kern genommenmorden. Giemerden 
in Nürnberg und andern Diten Teutfchlandes aus denen fo genann« 
ten Un 5*— Zmwetfchen gemacht / und zwar ſo gut / daß wir der 
—32 nieht nöhtig haben. Vide Prunus, item Pflaumen. 

Brunier-&old ift — — welches mit einen Wolff⸗ oder Hunds⸗ 
Zahn / oder mit Blutftein glatt oder glängend gerieben fl. Wann 
man berguldted Metall bruniren will/ netzt man den Blutftein in Eſ⸗ 
fig; polirtman aber Holg/ fo mit Silber-oder Gold-Blättlein bele- 
get worden / fo müffen die Zaͤhne gantz trucken feyn. 

Brunnen⸗Kraut / Lichen Perrzus. 

Brunn: Kreß / Naſturt. Agvaticum. F 
Brufcum, vel Brufcus, item Ruſcus, Bruſci Semen, Maͤus⸗Dorn⸗ 
Saamen / beßehet aus groſſen Körner / fo den Jujuben nicht viel une 
gleich / Haben aͤuſſerlich eine duͤrre Schaale / worinnen zwey weiſſe an 
einander — Kern liegen / deren jeder wie eine groſſe Erbs / aber 

auf einer Seiten plat anzuſehen iſt. 

Bruſt⸗Beer ſchwarhte / Fructus Sebeſten, Jujubz , kommen aus 
Egypten / Syrien und Alexandria / ſeynd klein zuſammen geſchrumpft / 

wartz / und haben ein ſolch ſchleimiges und zaͤhes Fleiſch / daß auch die 
Syrer und Egyptier einen ſtattlichen Vogel⸗Leim aus der Frucht ma⸗ 
chen; ſie halten ſich lang werden aber gar mager / man muß ſie ſauber 
halten / und je zu weilen mit Bier wundren. | 

Brutto, unfauber/ unlanter/ oder vielmehr eine eingepackte Waar / 
welche famt den Faß oder dev Kiſte / in welcher ſie eingepackt ift/ / gewo⸗ 
gen wird / dahero ſagt man / dieſe Waare hat Brutto i. e. ſamt den 
Packgut oder — ſo und ſo biel gewogen / fo bald aber das Ge⸗ 
wicht eines ſolchen Pad Guts abgezogen / oder an ſtatt deſſelben fo viel 
pro Centum oder pr. Stüd ug! (mwelcheö man Thara nennet) ges 
geben wird / fo heißt dte Waar alödann Netto, Videhiebon ein meh⸗ 
eesunter den Wort Thara. | 

Bryoniz Radix, vel Vitis Alba, Stickwurtz Zaun-Rüben/ Hunds⸗ 
Kürbis, ſtinckt fehr/ wann ſie friſch durchgeſchnitten wird/ welches der 

arcke Sal Volatile, fo in folcher verborgen / verurſachet / iſi ein wohl» 
anntes Gewaͤchs / und wächft gern an Zäunen und Hecken / blühet 
faft den gangen Sommer über / bis in den Herbſt / und fängt bald an; 
ab nichts befonders an diefen Gewaͤchs / ald die Wurtzel / welche im 
Herbſt gekaufft / Pletz⸗weiß gefchnitten / und geſchwind aufgedörret 
wird. Man macht daraus auch eine Fecula, foaber nicht abgehet. 
Dieſe Wurtzel wird ſonſten en Scharbock gerühmt / wie 
| j ſie 


224 Bry Buc 


ö— — — ——— tg 
ſie dann auch zu dein beruhmten Engliſchen Scharbock⸗ Maffer koͤmmt. 
Sie erlangt auch zuweilen eine unglãubliche Groͤſſe. 
_ Bryonia, Mechoacanna-Alba, 
23 uben-F.äus/ Lappa minor, Xanthium. 
Bubenſtreel / Dipfacus, Labrum Veneris. | 
Beacardia, ein Art bon Steinen / fo wie ein Hertz / oder vieltnehr 
wie ein Muſchel ausſiehet / ſie werden offt fo groß / ald ein Ochfen- 
Hertz gefunden/ an Farbe den Mufcheln in allen gleich. 
Buchampfar / Acetoſella. 
Buchbaum / y. Fagus. 
Buchdrucker⸗Schrifften / werden aus einer aus Meßing / Bley / 
Kupffer / Stahl und Antimonio oder. Spießglaß zuſammen ge⸗ 
ſchnieltzten Maſſa eintzeln / und alſo jede Buchſtaben oder Schrifften 
beſonders gegoſſen / es muß aber zubor einjeder Buchſtab / feiner 
orm und Groͤſſe nach / auf das ſchaͤrffſte und reineſte in Stahl ge⸗ 
chnitten / und alſo gehärtet werden / daß man ihn in Kupffer einſen⸗ 
een kan / welchen man dann die Matricem oder die Mutter nennet / 
weiler das Modell und die Form ift/ worinnen der Buchftab nad 
Belieben viel hundert taufend mahl gegoffen werden kan ; es ift aber 
die Kunſt / ſolche Buchſtaben felbft in den Stahl zu fchneiden / unter 
den Schrifft-Bieffern heut zu Lage fehr Sun. daß gar wenige hie- 
bon gehndliche Wiflenfchafft haben. Dieſe Matrices ſetzet man in ein 
beionders Inflrument , gieffet die vorbeſagte gefhmolgene Maflam 
darein / nimmt mit den Saden den Buchſtab heraus / von welchem 
an den Buß hinweg bricht /fodannı wird der Buchfab auf den Stein 
geſchliffen / aufden Windelhacen zufammen gefeget/ aufgebreitet/ 
und der Fuß mit einen holen Hobel ausaeftoffen / alsdann in das 
Schiff gerichtet / Padeweiß zuſammen gebunden / und den Bud 
druckern eingehändiget. 
Die fürnehniften Drucker ·Schrifften ſeynd ſowol in lateiniſch⸗ als 
teutfcher Sprache folgende: (1) Regal, (2) Verfal, (3) Miflal, und 
(3)Sabon Fratur , (r) Grobe Canon, (6) Kleine Canon, (7) Ro- 
man oder Doppelt Mittel/ (8) Teuerdand oder DoppelCicero, (9) 
Text, und (10) Paragon Fradtur, (u) TertiaFradtur und Gchwa- 
dacher / (12) Grobe und Kleine MittelFradtur und Schwabader/ 
(13) Grobe und KleineCicero Fractur und Schwabacher / wie aud) 
(14) Cicero Conrant, und (17) ReinländerFradtur , (16) Grobe und 
KleiteGramond oderCorpusfraäurund Schwabader / Grobe und 
KleinePeritFradtur und Schwabacher / (17) Nompareil Fradtur und 
Schwabacher / (13) PerlFraktur/ (19) Rubin Fractur. (zo) Mil- 
(al und Sabon Antigva, (z1) Grobe und Kleine Canon Antigva, (22) 
Roman oder Doppel Mittel Antigva, (23) Doppel Cicero Antiqva, 
| (+4) 


Bue 235 

(24) Text Antiqua, (35} Paragon Antiqya, (26) Grobe und Kleine 
Tertia Antigva, (27) Grobe und Kleine Mittel Antigva, (28) Gro⸗ 
be und Kleine Cieero Antigva, (29) Grobe und Kleine Garmond An- 
tigva, (30) Petit Antiqva, (z31)Nompareil Antigva, (32) Perl An- 
daqva, (33) RubinAntiqva. Damit wiraber mit allzu langer Er: 
gählung den geneigten Leſer nicht berdrießlich fallen / fo erirrern wir 
nur hierbey kuͤrhlich / das alle jetzt benahmte Schrift / fo wie (fe unter 
den General Titul der Fraltur und Antiqva angezei 9 alſo auch 
Curfiv zu finden; des Ehraͤiſch / Jabbiniſch / ——66 Syriſch / 
Chalde iſch / Samaritaniſch / und Athiopifhen Schrifften / wie auch 
der Medicinaliſchen und Calender⸗ Zeichen / der Muſicaliſchen No⸗ 
ten / Diſtinclionen / Spatien / Röslein und vielfältigen Zierahten / um 
Leiten und Finale dabon zuſammen zu ſetzen / zu geſchweigen. 

Baͤcher / Libri; Frantzoͤſ. des Livres, mit ſolchen geſchicht auf bie⸗ 
lerley Arten ein groſſer Handel / indem einige Buch⸗Haͤndlers ſich 
bloß allein mit ihren Verlags⸗Buͤchern vergnuͤgen / und felbige ge⸗ 
gen haares Geld berhandeln; andere aber ihr Verlags⸗Gut gegen 


andere Bücher berſtechen / undein ſo genanntes Sortiment ſich zůle⸗ 


‚gen / damit ſie / bey Nachfrage / mit verſchiedenen Buͤchern verſe⸗ 
Ben’ und die Liebhabers damit bedienen können ; noch andere bedie⸗ 
nen ſich beyder Vortheil / und verhaudeln einige ihrer Berlags-Bür 
her allein gegen Geld / andere aber verwechſeln fie gegen anderes 
Gut / und weiß desfald.einjeder Buch⸗Haͤndler am beften/ was fei- 
nem Handel am vorträglichften und erſprießlichſten ſey. Es wird 
aber von einem klugen Buch⸗Haͤndler erfordert / daß er bey vorha⸗ 
benden Berlag eines Wercks felbft Flüglich urtheilen koͤnne / ob ſelbi⸗ 
ges der Orten / woer feinen Handel treibet / abgäuglich und zu ver⸗ 
fen ſey / ob in der Materia nichts befindlich / welches dem Staat 
‚oder der Nation, mit welcher ev jein meiftes Verkehr hat / nachthei⸗ 
(ig; weswegen dann höchft nohtig iſt / bey gelehrten Leuten fic Dies 
fer wegen Rahts zu erholen / in Erwegung deilen an vielen Orten oh⸗ 
ne Cenfur und — ——— zu drucken / nicht erlaubet if. So 
fürſichtig aber ein Buch⸗ Händler in feinem eigenen Verlag ſeyn muß / 
I ihm auch nicht minder fürjichtig in — anderer 
er zu ſeyn / damit er ſich mit ſelbigen nicht zuviel uͤberlade / und 
ſolche endlich / bey ermangelnder Nachfrage / wann es nicht gute Bü- 
er / ſo anderweit abzufegen / in die fo genannte Maculatur ſchlagen 
müſſen. Anbey iſt auch ferner für einen Buch-Haudler ein hochſt⸗ 


noͤhtiges Stüd / diejenige alte Bücher / weiche bei) den Berlegern/ 


oder auch bey Buch⸗Haͤudlern felbft nicht nieht zu bekommen / dabey - 

aber in hohen Wehrt / und von denen Herrn Belehrten fehr gefuchet 

ſeyn / wohl zu kennen / und felbige bey alten Bücher —— 
N ß 


236 Buc 


oder auch in denen Bibliotheqren auf zu ſuchen wiſſen / zumahlen hier⸗ 
innen oͤffters ein Buch⸗Haͤndler ſich dengroͤſſten Ruhm und wichtig⸗ 
ſten Gewinn erworben; und dienet hiebey ſonderlich zur Rachricht/ 
baß er die Zeichen der alten und Kunſt⸗berũhmteſten Buch⸗ Haͤndier 
und Drucker / welche ſie ihren Wercken auf dem Titul⸗Blat vorge⸗ 
druckt / als gute Editiones wohl bemercke / und felbige vor andern zu 
uanterfcheiden wiſſe. | 
Buch-Aalten / gehört in fomeit unfern Kauffmannd-Magazyn 
inferiret zumerden / ais er mit den Maaren ürfigehet / welche unter 
den Kaufleuten in Handlung kommen / und entweder von ihnen auf 
Zeitgegenbaar Geldoder andern Waaren / Tauſch⸗ und Permuta- 
tions- weiß / eingethan werden. Dieſemnach feget ein Kauffmann 
ale feine zu Anfang feiner Handlung (ich befindende Waaren / Debi- 
tores, an Capital, wie ſolches unter dem Wort ußenzario mit meh⸗ 
ren angeführet worden. Bey den Einkauf der Waaren vor baareb 
Geld werden ſolche Debitores an Caffa ; fo fle auf Zeit erfaufft wer» 
den / fteilt man ſie Debitoresan denjenigen / bon dem man fie bekom⸗ 
men / oder welcher jieund zugefandt ; werden fie aber gegen andere 
Waaren vertauſcht / und dat bende Summen gleich aufgeben / oder 
dap eine Waar fo viel beträgt als die andere / fo heiſt es / Waaren 
Debent , oder follen an Waaren ; wobey dann / was die weggegebrne 
und wieder dagegen befommene Waaren an Qyalität/ Qvantitat und 
Preiß geweſen feyn/ fpecificiret wird; Findet ſich daß gegen die 
weggegebene Waar ein Theilan Geld / dad andere an Waaren gege⸗ 
ben worden / fo heift ed: 
Folgende follen. Rthlr. — — An — 
Als: Caſſa Conto habe ich gegen die an N. N: geliefferte Waaren 
pon ihm laut Accords an baaren Beldebeformen = + Rehlr, — 
Waaren · Conto habe fh ferner don ihm an andern Waaren bekom⸗ 
men A: SER . W pr. Rthlr. — 
Betragen aber die von mir empfangene Waaren mehr als meine da⸗ 
re alſo daß ich einen Theil Gelds zu geben müffe/ 
heiſt es: . 7 
Waaren · Debent. Rthlr. — — An folgende 
Als: an Caſſa Conto habe ich auf die bon N.N. empfangenen Waaren 
an baaren Gelde zu geben müffen E . Re. — 
Waaren Conto noch habe ich ihm ferner an andern Waaren geges 
ben / als = ⸗ ⸗ pr. Rthlr. — 
Werden von unfern Waaren einige in Commiffion atı jemand auſſer⸗ 
halb Landes verſandt / ſolche vor unfere Rechnung zu verkauffen / ſo heit 
es Lages unter N. N. zu N. ſoll an Waaren⸗-Conto alhier vor fo viel 
als ich dahin in Commiſſion verſandt. — 
ende 


Buec 237 


Sende ich Waaren nach der Meß / oder gebe ſie in Cargaſon jemand 
über Sand und Seemit / fo heiſt es: 
Keipziger Meß oder Cargalon Conto nah Riga ſoll. An Waaren 
nto Vor fo viel als dahin bon nieinen hieſigen Waaren abgefandt. 
aß ich Waaten / die über See kommen / veralſecuriren / oder es ge⸗ 
n fonft Unkoften vor Macher ⸗· und Arbeitö-Lohn darauf / fo Heiftes: 
aren follen an Calfa, fo ich folcheö baar auſsgeleget / oderan N. N. 
der die Unkoſten / Premie, oder Fracht vor meine Waaren ver» - 





J. 
n mir Waaren in Commiſſion zugeſandt werden / fo ſetzt man 
e Factura derſelben in ein Commiſſion · Waaren Refeontro-Bud in 
Empfang / und hingegen wieder in die Ausgab / was bon ſolchen 
Waaren nad) und nad) berfaufft worden/damit man aus denllberreſt / 
wann nehmlich der Verkauff oder das Wieder-Verfenden bon der 
Sinnahmabgezogen wird / fo gleich fehen koͤnne / was noch in reh- 
duo bleibet / und alfo feinen Principal fo viel beffere Rechnung davon 
abfiattenfönne. Gleiches Refcontro-Buch muß aud) über die bon 
uns weggefandte Commiflion-Maaren gehalten werden / damit man 
Daraus ſehen koͤnne / ob unfer Fadtor die ihme zugefandte Waaren alle 
richtig berechnet / und wieviel aunoch bey ihm in Lager unberkaufft 
borbanden. Uber die hier zur Stelle / in unfern Gewölb oder Mas 
gazin ſelbſt gegenwärtige eigene Waaren/ ein Refcontro-Bud) zu hale 
ten/ läßt ſich in allerhand Material Seiden und Eifen Krahm⸗Waa⸗ 
zen/ nicht wol anders ald auf die Manier thun / welche wir in unfern 
Probier-Stein der Buchhalter vorgefchrieben haben; Indeſſen koͤn⸗ 
ven einige Brogiver/ dieetwan nur 10. oder ꝛꝛerley Gerten von Waa⸗ 
zen haben, foiche wol unter gewiffe Rubrigven in ein Reſcontro⸗Buch 
bringen/ als Ciſen / Leder / Wein / Branntewein / Korn Conto und 
dergleichen /und dafelbft zu⸗ und abfchreiben / was täglich an folchen 
Waaren ein-und verkauft wird / fo hat man in dem Haupt⸗Buch nur 
einen generalen Waaren-Contonöhtig/ es waͤre dann / daß man aus 
Curieuhtätzu Ende des Jahrs gerne "eben molte / was man 3. E. an 
Eiſen / an Leder / an Korn / xc. und alſo an jeden inſonderheit verdienet 
haͤtte / wiewol ſich ſolches aus gemachten Calculo leicht extrahiren / und 
ahne ſolche Weitlaäufftigkeit doch wol finden läßt / es waͤre dann / daß 
man in dergleichen Waar mit jemand in Compagnie geſtanden / oder 
ihm von dem Verkauff Red und Antwort geben müſte / oder daß man 
fonft andere Ablichten hätte/ eine befondere Conto über dieſe oder je= . 
ne Waar zuführen. Insgemein hältein Kauffmann oder Krahmer 
tu feinem Gewoͤlbe eine jo genannte Strazza, Cladde, Klitter/ Sande 
oder Memorial-Buchy/ in welchen er oder die Geinigen/ / was an Waa⸗ 
sen täglich weggeholet und nicht gleich hezahlet / oder auch uffehalb 


gs 


28. — But 


des Bandes berfandt wird / fleißig aufzeichnet / ſonderlich was es ges 
wogen / wie viel Elen es gehalten / was vot ek: und eye | 
dabey bedungen/ was —7 / durch welchen Diener ed abge 
holet / und durch welchen Fuhrmann oder Schiffer es verſaudt / auch 
was für Lohn dabey bedungen / wie ess gezeichnet und numeritet wor» 
den. Dielesalfoinder Cladde ftehend / wird hernach wöchentlich 
oder monatlich durch den Buchhaltegden Haupt-Büchern einberleibet/ 
aͤnd zwar alles nach Ftaliäntfcher Manier journalifivet. Was nicht 
meritirt auf eigene Conto gebracht zu werden / trägt man auf Conto 
prodiverfis, ſchreibt auch auffelbigen wieder ab/ warn folche Maaren 
mieber gebracht oder bezahfet werden. Ein Waaren⸗Schuld· Buch 
in einen Krahm eder Gewolb zu halten/ finde ich auch allerdingsraht» 
jam / daß man nehmlich/ fonderlic in den Seiden-Handlungen/ wert 
man mit Vielen Bürgers-Lenten/ Schneider undandern K einigkei⸗ 
ten zuthun hat / eben die Haupt⸗Buͤcher mit folchen Poften nicht be⸗ 
ſchwere / fondern jeden Chalanten und Schneider. / der etwas aus⸗ 
ninmt/eine Rechnung halte / was er von Zage zu Tage befemmen/ 
und wann hierauf etwas oder auch alles bezahlt wird / fehreibet man 
eö darunter/ und ziehets don der debitivenSumma ab/ oder man hält 
auch ordentlich Debet und Credit nach eines jeden Belieben. Ju die⸗ 
ſes Buch müffen aber alle Abend aus der Cladde, die dafelbft unter ein⸗ 
ander ſtehende Poren / hier aufihre gewiſſe Rubrigven gebracht wer» 
den/ folchergeftalt hat man die Haupt⸗Bücher nicht anders zu beſchwe⸗ 
gen/ alönit groffen Real-Poften / und bleibet die Kramerey allein / 
findet jich auch ohne dent beym Schluß des Jahrs und Inventario, was 
an Waaren gewonnen oder verlohren worden ; Die contante oder baa⸗ 
te Pofung wird zuſammen in einer Caſſes oder Lade geivorffen/ zu En» 
de der Woche oder des Monats überzehlet / und alsdann der groffen 

Handels Calla folgender Beftalt in Debe: gebradit : Fu 
Cala fol Kthle. — — m Waaren / fo dato bey Uberzehlung der 

baaren Röfungs-Cafla darinnen gefunden worden. 

Der Gewinn oder Verluſt auf einer jeden Special-oder Genetal« 
Haaren Rechnung / wird zu Ende des Jahrs beym Schluß ⸗ Bilantz / 
auch wol zu der Zeit/ warn eine Waare gaͤntzlich verkaufft / und damit 
aufgeräumet/ oder diefelbige von Lager gefchaffet worden/abgefchriee 
ben/ und zwar folder Geftalt / daß wann nehmlich auf einer Waare 
gewonnen worden / und ihre Kechnung in dem Haupt⸗Buch (derftehe/ . 
ann man zubor die noch unverkaufft befundene Waaren den Ein» 
auffö-Koften nach / derofelben mit dieſen Formalien in Credit ge⸗ 
hracht: Neuer SörresgderWasren- Rechnung. Debet an alle 
Waaren Conto pr. ſo laut Inventario noch —— befunden wor⸗ 
den ) mehr Credit als Debet laufft / man alsdaun ſetzet: Alte Waa⸗ 
| ren⸗ 


Buc Bug 239 


ö — ⸗ — — — 
zen-Rechnung/(fonemlich ein meuer Fuͤrtrag gefchehen)foll an Ge⸗ 
winn und Berluft/fo dies Jahr auf den General-Waaren Conto, oder 
auf dieſer oder jener Waat in fpecie gewonnen worden/ fo ich hiemit 
pr.Saldo diefer alten Waaren⸗Rechnung abfchreibe. Und alfo auch 
viceverfa wann aufder Waar verlohren worden / wird Gewinnund 
Verluſt Debet, und die alte / oder aud)Special-MBaaren-Rechnung 
Credit, vor das was an ſolcher Waare verlohren worden / ꝛc. Vide 
Biebon mit mehrern unfern allezeit fertigen SHandeld-Correfponden- 
ten/ item den Probier-Stein der Buchhalter / allwo dieſe Wiſſen⸗ 
Schafft des Buchhaltens ex profello und weitläufftig tractiret wird, 

Buchlattig/ Buchſpick / BuchFohl/ Pulmonaria Gallien. 
Buchsbaum / vide Buxus. 

Buchweitzen / Heydelkorn / Frumentum Saracenicum, iſt eine Art 
des Korns / fo gleichſam in Heine Baͤlglein oder Büchlein eingefchlof> 
fen/ woraus mehrentheild Brüg gemachet / die hernach bey Tonnen / 
Scheffeln und Himpen verkauffet / und häuffig in denen Haushaltun⸗ 
genund auf den Schiffen verſpeiſet wird. Sie muß fchön rein, geob 
und nicht muchlicht bon Geſchinack ſeyn. 

ner, Do geräuderte Hering / vide Bickling. 

Buͤffel⸗ Ochſen / Buffeli, werden in der Tuͤrckey / ſonderlich in 
Moldau und Wallachey viel zum Ziehen gebraucht / ihr Leder i dich 
aber ungleich undunfchmeidig. In Indien wird das Buͤffel⸗Fleiſch 
viel gegeſſen / es ſoll aber gemeiniglich eine Dyſenteriam oder rohle⸗ 
Ruhr erweden. Rn “ Ä 

Bufones, Kröfen. | 

Bufoninus Lapis, vide Arörenftein/ item Brontia, 

Busloſſæ flores, item Anchufa genannt/Ochfen-Zungen-Biumen/ 
wachen wild and ingroffer Menge in Teutfchland / fie werden anf» 
en Hauffen⸗weiß verſendet; wann ſie fchön fhwarge 

lau / fo ſeynd ſie noch friſch / und Halten fih lange an der Farbe; dies 
sen fonberlich wider den Gifft / und zur Yerg-Stärdung ; der Saa⸗ 
me in Wein getrunden/ vermehret auch den Säugenden die Wild. 

Bugloflum'Glo, Lycopfis, wild Ochfen-Zung / waͤchſt häuffig am 

Wegen und Zußfteigen ; Die aus den Rinden der Wurhel gemachte 
rohte Butter ift gut im Fallen / und por langwährigen Huſten. 

Bugula, v. Confolida medid., 

‘ Bulbus, Bulbofa, feynd alle diejenige Blumen und Gewaͤchſe / 
— Wurgel oder Zwiebel runde Koͤpffe haben / als Lauch / Tulpen / 
ien. 


Buphthalmum, Oeulus bovis, Chryfanthemum , Tenuifolium, 
Chamzmelum Chiy ſanthemum, Rinds· Auge / waͤchſet auf fandig- 
sen Feldern; die Blaͤtter in Wein geweicht / treiben den Harn / und 
ſtillen das Rieren⸗Weh. Bu. 


240 | Bur But 
Burin,, ein Frantzoͤſiſcher Grabſtichel. 


Burres, v. Borax, 
Burfa feu Perapaftoris, Thlafpi fatuum, Täfchel Kraut / Hirten⸗ 
Saͤckel / ift ein zufammen ziehendes / lopffendes und gutes Abunde 


Kraut. 
- Brften/ ſey bielerley Arten / ald Haar. / Kleider: , Schuh · und 
Krap-Bürften ; werden bon fhwargen und weiflen Schweins · Bor⸗ 
fien gemacht / dabon die beften aus Preuffen kommen / in Rürnberg 
feynd die fo genannte Schachtel⸗Borſten / die den Schuh⸗Machern 
dienlich feynd / bekandt / felbige werden alfo genennet / weil man (te 
in Schachteln einmachet / mit des Meifters Zeichen bemerdet / nu- 
meritet/ und hernach weit und breit bis gar in die Turckey berſchicket. 
Die Schweind-Bürften von alleriey Farben zu färben / fo wäfcht mars 
fie erftvein/ legt fie in Alaun⸗Waſſer / bis (ie ein wenig gelb werben/ 
alzdann nimmt man geftoflene Röhte / fo viel als genug ift / legt es in 
Epßig / und hengt einen Keffelmit Waſſer über das Feuer / thut die 

bgemattete Roͤhte darein ſamt den 34 und wann es anfaͤngt zu 
fieden/ fo nimmt mand vom Feuer / laͤſſtz kalt werden / und waͤſcht es 
in reinen IBafler aus. Will man fie grün oder blau färben / ſo ſie det 
man (te in Alaun⸗Waſſer / thuts hernach / wann fie noch warm ſeynd / 
tn ein Waſſer von Scotano und Saffran / wann manjte will geld ha⸗ 
ben / oder fo fie blau feyn follen / in Hollunder⸗ oder Attich⸗Beer / oder 
blau Lielien⸗Safft / oder in Wafler von Gpangrün und Kupffer⸗ 
brau / warın man ſie grün haben will. 

Bufti , vide Bildhauerey. | 
Yurrer / Butyrum, Frautzoͤſ. da Beute, eine ſehr eourante Waar / 

wird vielfiltig bey groſſen Parteyen eingelaufft / und hernach bey 
Zonnen und halben Tennen wieder abgeſetzt; in denen See⸗Staͤdten 
hat man / bey Ankunfft der Schiffe / viel Butter zu gewarten / welche 
ausfremden Rändern einen weiten Weg her verfihrieben werden / als 
aus Irrland / Dennemad und Schweden / ſonderlich aber kommt viel 
Butter von Wieburg aus Finnland / welche Butter insgefamt ſehr 
fett auf den Speifen gehalten wird ;_die fo genannte Hof⸗ Butter komt 
- bon denen groffen Solfeinifchen Meyereyen / wofelbft mit denen 
Meyern oder fo genannten Holländern / die felbige unter Händen has 
ben / Jahr⸗ Kauff gemacht / und ein gewifler Preißpr. Tonne bedun⸗ 
gen wirds diefer und der Hollaͤudiſchen Butter gebraucht man ſi 
vielfältig aufden Brod / ihres lieblichen uud ſuſſen Geſchmacks / au 
fhöner Farbe wegen / welche aber mehrentheils durch Kunft zumege 
——— er des Sommers derſelben nicht natürlich iſt. Die 

utter an ſich ſelbſt wird abgetheilt in Soumer⸗ und Winter / oder 
tn Mäy- und Stoppel Butter / wann nemlich die Kühe Die —* 


But - | 241 
Blumen und Kleber⸗Weyde haben / oder ich mit den Stoppeln auf 


dem Felde / und.mit harten Stroh- Futter des Winters in den Gtäl- 
fen bebelffen müffen/ welche beyde Zeiten eigentlich den Unterfcheid 

der Couleur und ded Geſchmacks an der Butter machen. 
Das Butter⸗Gewicht betreffend / fo wird folches folgender Maffen 
in Hamburg eingetheilt/ als: Dänifche/ Schwedifche und Hollſtei⸗ 
niſche oder KHofe-Butter / in Eleinen oder ſchmalen Band / da dann 
netto wägen muß ı. IE. ı6. LIb. oder 224. Tb. eine halbe TE. s. FTB. 
ober ıız. 1. ein viertel TE. 4. EIB. oder ss. Tb. ein achtel TE. oder 
Züngen zs.Tb. Frießlaͤndiſche Butter / groß oder bucket Band/ 
wiegt netto 1. Th. z0.2[b. oder zso. Tb. eine halbe Te. 10. Lfb. oder 
140. 15. ein viertel TE. s. EIB. oder 70.16. ein achtel TE. Tüngen 
ober Töngen wiegt z5. Tb. 1. TE. oder ein halbes Tüngen folte nur 
netto wägen ı7. undein halb Ib. wird aber berechnetauf rs. Tb. Ab⸗ 
ſchlag vor das Holt oder Thara iſt ordinaire vor eine gange ſchmale 
Tonne 42. W. vor eine halbe Te. 28. Tb. vor ein viertel TE. 14. Tb. 
por ein achtel TE. s. Tb. und nad) advenant des KHolkes wol 9. Tb. in« 
dem man / wann dad Holtz etwann zu dick befunden wird / nicht alle= 
mahl ben obgefegten ordinairen ziälag verbleibet / fondern der 
Billigfe ach etwas mehr kürtzen laͤſt. Cine Tonne groß oder bu» 
det Band / fo netto 1. Schiff⸗Pfund / e80. Tb. oder zo. 5 Ile t / hat 
Thara dor 1. gantze T. a0. Tb. vor eine halbe 26. Tb. vor ein Viertel 
16.15. und vor ein Achtels. Tb. Betreffend die Berger- Butter / fe 
wird vor die ganpe Tonne 35. Tb. vor die halbe Tk. 21. Tb. undvoreis 
nen * 6. WB. Abſchlag gerechnet. Iſt demnach alhie nur beſonders 

mercken / daß dasjenige / was eine ſchmale Tonne / mehr als 224. 

‚und eine buckte Tonne mehr als zso. Tb. reine Butter wiegt / Uber⸗ 
Gewicht genannt wird / und nad) dem Preiſe davor die ganze Tonne 
bedungen worden/ berechnet / und über dem Bedingpro rara bezahlet 
werden muͤſſe / gegentheild/ was an 224. und zo. 5 fehlet/ wird Un⸗ 
ter⸗Gewicht genannt’ und gleichfald gerechnet / mas ed austrage / 
auch der Belauff von dem Geld / davor eine ganke Tonne bedungen 
worden / abgezogen. Wem es anders zurechnen beliebet / machet 
nicht viel Wercks von Hinzuthun des Uber-Gewichts / oder Abneh⸗ 
men des Unter⸗Gewichts / fondern feget nur zur Regul born entweder 
224. [b. oder 280. Tb. nachdem es eine ſchmale oder bucfigte Tonne ift/ 
mitten Die Summa/ wobor die Tonne vein Butter bedungen/ und hin» 
ten/ wie viel Pfund rein Butterdie Tonne halte/ es befinde fich gleich 
über oder untern Gewichte / ſo kommt das begehrteFacit. Man Andee 
auch fonften in denen Ofhicinen Butyrum rubrum & viride, rohte und 
grüne Butter/ welches aber nichts anders feynd/ ald gewiſſe Salben/ 
zu welchen der meiſte Theil BE REN In der Chy- 
, mie 





en 


242 Bur Cab 
ie kommt dor Butyrum Antimonii, welches ein Liqvor oder Eißhaf⸗ 
ter Safft / aus dem Antimonio und Mercurio ſublimato iſt. 
Buxus oder Buxum arboreſcens, Fruticofa, Föliisrotum dioribus, 
Chamepyxos Trag. Buchsbaum ein befanntes Stauden⸗Gewaͤchs / 
hat ein hartes feiſtes ſchweres gelblichtes Holtz / welchen weder die 
Zlule / noch Würmer/ noch das Feuer / fo leicht fchaden koͤnnen / es 
gruͤnet immer/ wächfet gern an rauhen fandigten Orten, In denen 
Manufadturen braucht mand / allerhand Tobacks⸗Doſen / Meſſer⸗ 
| alen/ Kamme und feinen Hausgeraht daraus zu machen ; inder 
Ardheney hingegen hat es wenig Rutzen / wiewol ed einige den Kraͤfften 
hachmnit dem Ligno Guajaco vergleichen wollen / ſo aber feine Probe 





hält. 
Byl⸗Briefe / vide Bodmerey. 
| €. | 
De Bolch / ein Fiſch dieſes Nahmens / wird aufder Kü- 
ſte von Terra Neuf gefangen/ und bon den Fiſchern in zweyerlen 
attungen unterfthieden/ als in dem grünen oder frifchen / und in den 
froctenen und dürren ; den trockenen Bold nennen ſie denjenigen/ 
welcher bequem zum doͤrren iſt / und fich lange hält. Diefer wird zwi⸗ 
fchen den Inſuln del: Aflomption und Cap Breton gefangen. Der 
weiſſe oder grünne wird indgemein nad) Paris gebracht / und auf der 
voffen Band gefangen / deven dann dafelbft eine fo grofle Menge zu - 
nden ift/ daß die Schiffe kaum darauffahren fönnen. Die Zeit des 
groͤſteu Fangs iſt im Herbſt und Wein⸗Monat / und geſchicht daſſelbe 
mit Hölslein/ die fo dick als ein Federkeil / und mit einem Angel ver: 
* ind / an weicher man zum Anbiß ein Stuͤckle in von der Bolchs⸗ 
eber/ fanıt einem Stuͤcklein Hertz ſtecket / deſſen Haut einen Glantz 
von ſich giebet / welcher den Bold oder Kabliau / wann er denſelben ſie⸗ 
het / an ſich zeucht / alſo / daß ein guter Fiſcher derfelben drey oder vier⸗ 
hundert in einem Tag fangen wird. Es iſt aber diefer Fifchfang ver⸗ 
drielich und mühefam/mann der Fifch in der Band bleibet/ und nicht 
oben auf den Waſſer ſchwimmet. Die Neulaͤnder oder Tarrancufs- 
Sahrer/ (alfo nenne man diejenige / fo aufdiefen Fifchfang ausge: 
gehen) bringen alte Jahr aufdie zweyhundert und funffzig kleine Schif⸗ 
fe an die Frantzoͤſiſche Kuͤſten und iſt zu verwundern / wie ſie dieſen 
iſch um einen fo geringen Preiß / in Betrachtung der groſſen Unko⸗ 
en und der Gefahr / darinn ſie ſich wegen der langen Fahrt begeben/ 
berkauffen können. Es iſt aber der Cabliau nichts anders / als ein 
roſſer Stockfiſch / von den Frantzoſen Merlu qvafı Marislucius ein 
eer- Hecht genannt / weil er den Kleinen Fiſchen in dev Gee eben als 
die 


Cab Cac 243 


die Hechte nachſtehet. Ein ſolcher Cabliau wird zu weilen 2. bis 3. 
Ellen lang / wie ſolches an denen in Holland und Hamburg friſch zu 
Mardtgebraditen zu erfehen iſt; Aut den Rüden feynd fie (hmwarg- 
grau/ an den Seiten und Bauch aber Silberfarb / wann er quer durth⸗ 

efchnitten wird / fo glänget fein Fleifch neben den Ruͤckgrad in Fine 
* als z.Phosphori oder 2. Katzen⸗ ugen. Die bey Schottland 
und unter Norwegen gefangen werden / die werden dafelbft geriffen/ 
eingepadt/ und unter den WahmenLaberdan zu und gebracht / oder 
nıan trocknet fie dafelbft an der Lufft und zwar gemeiniglich aufden 
Klippen/ dannenhero fie hernach Klipfliſch Heiffen/ dieweil aber folder 
Klippfiſch wegen der Austrocknung gang hart / und ohne Schlager‘ 
nicht mürb werden fan / als nennet man ihn hernach Fuftuarium oder 
Stockfiſch Die Bütigkeit in der Speiß belangend/ fo haben die alten 
Römer den friſchen Eabliau gar hoch gehalten / und ihm nach dem 
Stöhr die nechfte Stelle zugeeignet/ ſonderlich / wam er ſich in mari 
puro aufgehalten/ undeine reine Nahrung genoffen / da er alsdam an 
zu des Fleiſches mit denen Saxatalıbus oder Fels⸗ Fiſchen ſtrei⸗ 
ten kan. 

Cacao und Cocos-Nuß / dieſe Frucht waͤchſet in America, iſt etwas 
Heiner ald die Mandeln; Der Kern wird mit einer ſchwaͤrtzlichen 
Haut verfchloffen/und wird gebrauchet denTrand oder dieChocolade 
daraus zu machen/welchen die Einwohner deffelben Landes ungemein 
fieben/ dahero ſie auch diefe Frucht fo hoch halten/ daß fie derfelben ſich 
gegeneinander / wie wir des Geldes / zuhandeln gebrauchen. Es 
muß aber niemand die Cacao mit der Cocos- Ruß confundiren / al$ 
welche gar ein ander Gemwächfe ift/ und in Oft: Indien gefunden wird, 
Denn die Cocos-Muß ift fehr groß / offts. bis s. Zoll hoch / und 3. bis a. 
dicke / hat eine ſchwartze überaus harte und dicke Schaale / die ſich gar 
ſauber ſchnitzen laͤſſet / inwendig ift ie mit einem angenehmen kuͤhlen⸗ 
den Waller angefüllet / fowie Meth und Mandeln ſchmecket / wie 
auch mit einem Kern / den die Jndtaner auspreffen / und den Gafft 
gebrauchen / Reiß und andere Zugemüfe damit zu Fochen, Wann 
diefer Kern duͤrre wird/preffen fie ein Oel daraus / ſo infampen und auf 
Galat gebrauchet wird. Es iſt diefe Ruf auffen hernoch mit einem 
Involucro umgeben/ welches aus lauter gelblicht braunen Haaren / die 
feft aufeinander Eleben/ wol drey bis vier Finger dick zufammen gefe> 
Getift / alfo daß die gange Ruf mit diefer auffern Schaale offt gröfler 
iſt / als ein Menfchen- Kopf, Diefe Haare werdengebraudt Stride 
und Seile / ja gar Schiff⸗ Thau daraus zu machen/ vide Nuces Indicas. 
Was dieChocolade anbetrifft / fo wird ſelbige aus Jndien zu und ges 
bracht / etwan auch in Europa von denen / Die die Ingredientien darzu 
haben / und nis der. Compolition EN! zubereitet / 

2 wie» 


244 Cac End 


wiewol auch viel Betrug mit folcher vorgehet / und offt bon den Cho- 
coläde-Krämern eineMafla aus etwasCacap, Zuder und Mehl / Saf⸗ 
fran und Eyer zufammen gefchlagenwird/ welche aber bey weitendie 
Kraft nicht hat / dieanden Veritablen zufinden. Welches aber die 
befte Chocolade fey / davon feynd die Scribenten differenter Mey⸗ 
nung / etliche Halten die Kuchen vor die beften / andere die vieredigte 
oder gerollte Stüce. Der befte Chocolade muß nicht allzu füß feyn/ 
nicht bitter / nicht zu fehr nach Pfeffer oder Naͤgelcken ſchmecken / here 
nach muß er auch einen angenehmen Geruch Haben ; Sie muß hart 
und trucken feyn ; wann ſie mit dem Meffer gefchnitten wird / oder 
wann man ſie in Stüden zerbricht / müffen Fleine weiffe Flecken dar» 
inn feyn/ und Striemen-weiß durchlauffen. Ubrigens muß dieCou- 
leur braun feyn/ mie fagen/ daß ſie einen kräftigen Geſchmack nad) 


den Cacao haben muͤſſe / welcher Süf bitterlid) ift/ allein es gehet Hier 


wie mit allen Compofitis , in welchen eines allezeit amftärdften pra- 


valiret uud hervor fchmedet. 


* 


Cachieine Art Steine in America, weiß und weich / wie Alabaſter. 
Gie führen aud) fake Bley mit ſich / und feynd viel in dem 
Eilber-Erk-Bängen anzutreffen. | 

Cachu, werden die ſtaͤrckende wohlriechende Mufcerdulx genannt/ 
welche aus der Terra Catechu folgendermaffen zu beveitet werben: 
Nimm Faponifche Erde 1.Loht grauen Amber s. gr. Biſam 6. gr. Zi⸗ 
bet 2. gr. miſche eönach der Kunft / willman fie von Geruch ſtärcker 
haben / fo vermehret man die Dofin des Ambræ oder Mofchi , man 
reibt aber die Ambra mit Canarien · Zucker wohl ab / thut Mofchum 
und Zibeth darzu/ und dann die Terram Japonicum beneben etlichen 
Tropffen Spiritus Vitrioli oder Succi Citri, und machet mit Tragant / 
welcher miteinen Agva Angelicz oder Spir, Rofarum folvirt ift / eine 
Maflam, daraus man hernach obgemeldte wohlriechende Mufcerduias 
formiret/ fie dienen fonderlic das Haupt zu ſtaͤrcken und einen wohl» 
ziechenden Athen zu machen. 

Cadegi indum, v. Malabathrum, — 

Cadmia, Cobaltum, Muͤcken⸗Gifft / Müden «Pulver / wird aus 
Der Materia oder Minera, von welcher die Schmalte calciniret wird/ 
gemacht / kommt unterfhhiedener Farben / und ift keine gewiſſe zu er⸗ 
wehlen/ indem jie biöweilen alle gut / bisweilen alle fchlecht würden. 
In Johann Georgen Stadt wird deflen fehr viel gebrannt. 


Cadmia Foſſilis Metallica, Galmey weiß und grau/ wird mehren 


theils durch das Scheiden des Bleyes von dem ind / als der Rauch / 

welcher jich auhängt / von den Mepig-Brennern gemengt und ber: 
braucht / abfonderlich von denen/ die aus Kupffer Meßing (hmelgen. 

Es wird deſſen viel bey Schmelgung des Bleyes gefunden / allwo (ich 

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Der Spiauter allein zur Gallmey oben anhänget. Gonft wirdaud der 
Gallmey als ein Ertz und Stein vielfältig in Teutfchland gefunden/ 
und Calaminaris Lapis, oder beffer Cadmia nativa metalli expers ges 
nannt. Der befte kommt von Aachen / und führet Beinen Bley Blankf. 
was aber von Goßlar oder aus Meftphalen kommt / hat einen Bley» 
Blank bey ſich. Es gibt der Sorten zweyerley / einer iſt weißlicht/ 
Der ander grau⸗gelb / werden alle beyde genuͤtzt nur dag jener Bold- 
reicher als der ander feyn fol. In der Argeney braucht man dem 
præparirten oder Flein-gemachten Gallmey zu austrucdenden Streue 
Pulbern / wann ſich jemand einen Wolff geritten/oder die kleinen Kin 
der wund ſeyn. Es wird auch die bekannte Wund⸗Salbe aus Gall⸗ 


miey / Wein⸗ Eßig und Baum⸗Oel zu alten Schaden ſehr gut gehal⸗ 


ten / item noch ein ander Pflaſter / als das ſo genannte Zelten⸗Pflaſter 
oder Emplaſtrum € lapide Calaminari daraus gemacht. Mercklich iſt 
es / daß wann der Gallmey allein gebraucht wird / die Narbe an den 
Wunden roht werde / warn er aber mit Oel und Fett vermiſchet wird / 
ſo wird ſie weiß / wie die andere Haut 

Caduciren heißt beym Bergwercken / wann einem ſeine im Retar- 
dat berſtandene Kuxe aberkennet worden. 

Cæmentatio. Cæmentum heip̃t bey den Chymicis fo biel / als ſtra- 
tificiren / das iſt / einen metalliſchen Coͤrper mit einen Cement 8. S. S. 
ſtratum ſuper ftratum ein Zeitlang ind Feuer ſehen. 

Caffe, vide Cofft. 

Cajou , diefe Ruß wird auch in Brafilien häufig gezeuget / und 
bon einigen auch Acajou genennet/ fie iſt Afchenfärbig / hat eine dicke 
Sthaule/ die innen ſchwammigt / und mit einen fo (harten Del —* 
fuͤllet iſt / daß wann einer unborſichtiger Weiſe hinein biſſe / ev ſich Zah⸗ 
ne und Rippen gefährlich verletzen würde / gleich als wann er ſolche 
verbrennete / hingegen ift der weiſſe Kern in der Nuß / welcher noch mit 
einer gelblichten bitten Schaale uͤberzogen / ſehr wohl geſchmack. Un⸗ 
ter diefer Nuß wächfet allegeit noch eine Art eines Apffels / einige ver⸗ 
meynen / wiewol falfch/ der Apffel wachſe erſt / hernach die Nu. Aus 
dem Apffel wird im Moͤrſer ein weiſſer Safft ausgeſtoſſen / der wohl 
zu trincken iſt / und ſo truncken machet als Wein. 

Caijuͤte / des Schiffers Zimmer oder Kaͤmmerlein / hinten im 
Schiff / in welches ſich die vornehme Paſſagiers / die zu Waſſer reiſen 
wollen / gemeiniglich mit bedingen / und vor folhe Commodität ein 
mehrers an Fracht bezahlen. 

Calabrifch Saltz / Sal Gemmæ. 

Calamentha, Menta ſativa rubra, Nepeta, Ackermuͤntʒz. 

Calaminaris Lapis, vide Cadmia. 

Calamintha, Nepeta Montana, ug ee 4 

3 die 


246 | Cal 

die Blätter dienen vor böfen Magen/ Bruft und Leber / das Saltz / der 

ak / und die Spec. Diacalaminth, feynd zugemeldten Bebrechen 
enlich. 

Calamintha montana, v, Nepeta, 

Calamus Aromaticus, ſeu Acorus verus, Calmus oder Ackerwurtz 
iſt eine wohlbekannte Wurtzel / welche friſch und trocken denen Mate- 
rialiſten bey viel hundert Pfunden zugeführet wird./ der wahre Cala- 
mus Aromaticus kommt meiftens aus Egypten und Syrien / und ift 
ſehr rar. Der befteift/ welcher dicke frifche Stengel hat und von den 
Heinen Neben-Sprößlein wohlgefüubert iſt wie dann fonderlich hier⸗ 


auf in denen Schachteln zu fehen. Er ift auch beſſer warn er auswen⸗ 


dig rötlich iſt und inwendig ein weiſſes Marck hat / weldhes / fo er 
altwird/ gelb ausſiehet / und mehligt wird / glei ald warın ed vom 
Pürmern zerfreffen wäre. 

Calcatrippa, Confolidaregalis arvenlis, Flos regius, Ritterfpern/ 
dies Kraut ſamt den Blumen) treibet die Frauen-Zeit/ Harn und Ge⸗ 
burt/die bor die Waffer-und Gelbſucht. 

Calcedoanier, jtem Carchedonier⸗Stein / Chalcedonius , iſt ein 
alb durchſichtiger Gtein/ einer dundel feurigerohten Farb) und gar 
art.’ Pliniusrechnet ihn unter die Art der Kubinen / die Orientali- 

ſchen feynd die beften/ und faft einer ne Himntel blauen 
Farb / mit Weiß vermifcht/ etlihehaben eine annehmliche Röhte/ und 
und warın fie gegen die Sonne gehalten werden / ftellen ſie gleichſam 
durch den Widerfchein ihrer Farben/ einen Regenbogen vor. Ihre 
Berfälfchung gefchicht mit Chryſtall und Silber⸗Kalck / warn beydes 
in einen Schnieltz⸗ Ofen einen Tag lang zuſammen gefhmolgen wird. 
Gemeiniglich brauchet man die Ehalcedonier zum Pittfchafften oder 
Giegeln/ weil jie gar vein abdrucken / und fein Wachs an (ich ziehen. 

Calcinatio, eine Löfung und Veränderung der Chymiſchen Eörper 
in Kalk oder Pulver durch ein fichtbarlich oder unfichtbarlich euer; 
das jüchtbarlicheift unfer ordinair Fener/ welches durch verbrennliche 
Materien, als Holtz / Kohlen / ꝛc. unterhalten wird: dasunlichtbare ift 
das Feuer im Scheid⸗Waſſer / und zerfreſſenden mineraliſchen Gei⸗ 
ſtern. Es hat dieſe Calcination ſechſerley Manleren / ſo entweder 
durch Feuer / vornehmlich aber vermittelſt eines mineraliſchen ver⸗ 
richtet werden. Die erſte Manter in Calcimren ſchaffet dad Queck⸗ 
filber/ wird auch auffer den Eifen bey allen Metallen in Gebrauch ge⸗ 
nommen. Dieſes heiffet gemeiniglid) Amalgamatio , ift fo viel ges 
fagt/ als etwas zu einem Klumpen bringen. Dieandere Art gefchicht 
durch faubere Beifter / ald da feynd Agva tortis, Vitriol-@eift/ Eßig / 
Salpeter / Allaun / Salt ; folche Heiffet ſonſt prcipitiven / eine Schei« 
dung mit Riederfihlagen. Die dritte Art wird vermittelft — freſ⸗ 

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Cal 247 


ſenden Pulvers verrichtet/ ald Schwefel/ Galpeter /Vitriol, Koch-und 


Weinſtein⸗Saltz; man nennet diefe Stratification oder Cementation, 
da zwifchen dad Corpus, ſo cementirei wird / — um die andere 
bon freſſenden Pulver gemacht iſt. Die vierte geſchicht durch den 
ſcharffen Rauch von Qbeckſilber / Eßig / Staͤrck-Waſſer / wie aud) ber⸗ 
wittelſt der aufſteigenden Duͤnſte bey Deſtillirung der Waſſer und 
Branntewein ; Man nennet dieſes eine Fumigation, oder Andün⸗ 
flung. Die fünffte gehet durch blofles. Feuer / und heiffet Incinera- 
tio, Verbrennung zur Aſche. Die fechfte nimmt den Reverberir- 
Dfen zu Huͤlffe / und wird Reverberatio, das ift mit den ſtaͤrckeſten 
Teuer) etwas in ein Kald verfehren/benahmet. Die Calcination ſchi⸗ 
det (ich beffer aufdie Mineralia, ald auf Die Vegerabilia und Animalia, 
weil man diefe durch das fchlechte Verbrennen zu Afche machen Fan s 
Die Mineralia aber und Meralla erfordern ein fehr heftig wuͤrckendes 
Feuer / wie ſolches Die Praxis lehret. 

Calculus ‚eine Rechnung / Uberſchlag / Franköfifch Calcul,heifit bey 
den Kauffleuten/ wann ſie über eine verichriebene ABaare oder Manu- 
factur ihre Rechnung machen/ was ihnen ſolche bis zu Ort und Stelle 
geliefert/ wann alle Unkoſten Arbeits-Lohn / Materialia und Ingre- 
dientia, Provifion, Fracht / Interefle, Mechfel-Differeng / Zoll Accis _ 
und dergleichen gerechnet worden/ Die Waare zu flehen komme / und 
wie Biel le endlich / wann (ie 0. oder mehr pro Centum darauf verdie⸗ 
nen wollen/ auf die ſelbe ſchlagen müffen. Zum Exempel/ es lieſſe et- 
ner Branntewein von Bourdeaux nah Amfterdam kommen / fo würge 
er nohtwendig feineCalculum nach denModelt(welches unter den Wort 
Branntwein in dieſem Buch angeführet) machen müffen/ wann ev ac- 
curat wiſſen wolte / wie viel ihn das Viertel in Anıfterdam netto 

eliefert/ zu ftehen konıme. Mer folches nicht thut / mag hernach zu⸗ 
eben / ober / aldeiner / der feine Rechnung quatlich gemacht / nicht 
mehr Schaden ald Profit bey der Waare habe. 


Caleulatur-Buch wird auf Contoirs dasjenige genennet / in welches 
man einen calculum zu entwerffen / und zum Gedaͤchtniß aufzuheben 


fleget. 

Calender / vide Allmanach. 

Calendula, vide Caltha. 

Calix, calices feynd die Augen/ die bor den Blumen kommen / als 
da ſeynd die Alberzapffen / oder die Baͤlglein / in denen anfangs die 
Blumen/ und hernach der Saame eingefchloffen wird. 

Callimus, Adlerftein. 

Calmus Acorusverus, vide Calamus Aromaticus. 


Caldıa vulg. chryfantemum, Solfegvium aureum , Ringelblum / 
a 24 Wars 


248 Br Cal Sam 


Wartzen⸗Kraut / dieſe Blumen ziehen etwas zufammen/ treiben auch 
Schweiß und Gifft. 

Caltha Paluftris, Dotter-Blume/ Kuh⸗Blume / waͤchſt auf fumpf- 
en Wiefen/ ehe fich dieſe Blumen aufthun / Fönnen fie mit Salt⸗ 

fer und Eßig eingemacht/ und flatt der Eapern gegeffen werden, 

alx, vide . 

Camaͤnderlein / chamædrys, chamxdreos officinarum, 

Cambio, change, ein Wechſel / lettra di cambio, lettre de change 
ein Wechſel⸗Brief / vide Wechſel. 

Cambiſte, vide Banquier. 

Cameels⸗Heu oder Stroh / 8Schornantum, Sqvinantum. 

Camera obfcura wird entweder in einen Zimmer præſentiret / wel⸗ 
ches gang vermachet iſt / daß fein Tages-Licht / aldnur durch ein Fein 
Loch / vor welches man ein rund gefchliffenes Glas feget/ hinein fallen 
kan / da dann an einen gegen diefen Glas über an die Wand re 
genen weiſſen Tuch oder Papier ſich alle auflen auf der Straffen gehen- 
de Perfonen (wann anders die Sonne ſolche befcheinet ) umgekehret 
auf den Köpffen prefentiven / welches gar luftiganzufehen. Oder es 
finden ſich bewegliche cameras obfeuras , welche durch Oprifche Kunſt 
denen Hineinfehenden allerhand artige Objedta vor Augen ftellen/ wie 
ſie dann Häufig von denen fo genannten Savoyarden herum getragen/ 
und den Kindern vor Geld gewiefen werden. Den beften Ruten aber / 
den man aus einer camera obfcura haben kan / iſt daß man duch Huͤlff 
derſelben gar leichtlicyeine vor ſich habende Landfchafft / Palläfte und 
— Sachen / nach den Leben / item auch Bilder und Kupffer⸗ 
ſtuͤck abzeichnen kan / womit folgender geſtalt procediret wird: Es 
wird nemlich ein langer biereckigter Kaſten von Pappe oder anderer 
leichten Materie gemachet / und vorn ein Glas zur camera obfcura, 
wie gewöhnlich eingefeget / an der gegen uͤberſtehenden Seite wird 
rückwerts ein Spiegel alfo angelehnet / daß erfowol mit den Boden 
des Kaftens/ ald mit der Hinterfeite einen Winckel von 4. Grad mar 
het. Uber dem Spiegelift eine groſſe viereckigte Oeffnung in dem 
Dedeldes Kaſtens / auf welche ein zwifchen einen Rahm aufgefpanne« 
tes und mit Del-Papier geträndetes Papier geleget wird. Wann 
nun dieſe camera obfeura mit dem gefchliffenen Glas gegen ein helles 
Objectum gefeget wird / mahlet es ſich gang natürlig auf den Del- 

apierab/ allein man kan es nicht fehen / manüberdede denn ſowol 
ſich ſelbſt / ald die Tafel/ worauf das Bild erfcheinet/ alſo daß gang fin⸗ 
ſter um däs Auge ſey. Der berühinte Hr. Profeflor Sturm zuj Alt 
dorff/ hat diefe Machine gar deutlich in feinem Collegio curiofo vor⸗ 
gebildet, | | 
Cameus, vide Serdomich, 


Camils 


Cam Can 249 


Camillen/ Chamxmelum, Chamomilla, 

Camotes vel Batatas heiffen bey den Spaniern gemwiffe Wurtzeln 
die Tabernemontanus Sifarum Peruvianum Perudianifche Zucker⸗ 
FBurselnennet / ſie ſeynd ein allgemeine Koft der Indianer / werden 
aber anito in Teutfchland gepflanet. r 

Eampel-Rofen/ Lychnis Coronaria, Thryallis, 

Campetch oder Campeg- Holz fommt aus America , und wird 
zum Färben aebraudıt. | 

Camphora ‚ Campffer / iftein Gafft oder Zehren eined Baums/ 
welcher bey den Apotheckern unter die Gummi gerechnet wird / er 

Fonint aus Oft-Indien. Man fagt/ daß der Leopard den Campher 
ſehr liebe / fo daß er gleichfam denfelben bauet / hütet und bemadht/ 
damit er nicht weggenonimen wird. Der Baum ift wieein Ruß⸗ 
Baum in der Gröffe anzufehen/ und rinnet der Campher alfo von den 
Stämmen herab / welcher hernach gereiniget / und in runden Schei⸗ 
ben gegoflen wird. Wir finden in Campher groffen Unterfcheid/ als 
dieweil er in theils Orten nur aus den Blättern praparivet / bey an 
dern aber nurgleich fublimiret / und bon den Staͤmmen rein abge- 
nommen wird; er muß ſchoͤn heil und weiß feyn/ und ſich gerne zerrei⸗ 
ben laſſen / dabey auch auf der Zungen einen hitzig und brennenden 
Geſchmack und ſtarcken Geruch haben ; fonft foll man / den alten Ge⸗ 
brauch nach / Pfeffer-Rörner oder Lein⸗Saamen darzu legen / damit 
er nihtverriehe. Das Elixir oder Spiritus vini Camphoratus hat 
Schmeiß-treibende Krafft / hilfft auch in der Peft fowol zum praefer- 
viren als curiten. - Die Japonier bringen allen ihren Campher ver: 
mittelft der Deftillation aus dem Holtz / wiewol ihnen die Yrtund 
Weiſe fehlet / ſolchen zu purificiren/ dahero jle auch den ihrigen wohl⸗ 
feil verkauffen / den reinen hingegen theuer einkaufen. Der wahre 
Campher / wann man ihn auf ein zerfchnittenes warnıeds Weitzen⸗ 
Brod leget / fo wie es aus den Ofen kommt / ſo zerſchmeltzet er / der fal- 
ſche aber wird darauf geroͤſtet. Wann man den Campher ftöffet / fo 
muß man den Mörfer und Stöffel mit füllen Mandel: Olbeftreichen. 
Er widerftehet der Fäulung und den Gifft / daher gebraucht man fel- 
in der Peft / und andern böfen Kranckheiten und Fiebern fchr 
offt. 


Der Spiritus vini Camphotatus ift bekannt / als welder alte 


Schmersenlindert. In denen Apotheden hat man das Campher⸗ 
Dl/ den Ligvorem, Eflentiam, Elixir und Trochifcos, | 
Canal , eine Röhre / item , die Meer-Engeizwifchen Engeland und 
Franckreich. | 
Canarien⸗Saamen / Phalaris, 
Canarien⸗Secten / eine Art Weins / fo aus denen Canariſchen 
Inſuln kommt / und beſſer re Xeres-Sectift; die m 
5 Ä gelän: 


* 


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250 Can Cap 


eländer haben groffen Handel damit / holen ihn felber mit ihren 
chiffen ab / und verführen ihn hernach weit und breit herum. 

Cancamum ‚ft eine Lacryma eines Arabifchen Baums / der 
ge den Myrrhen-Baum gleichet / und wird zum Räuchern ge» 

vaucht / iſt auch ein fonderliches Milg-Mittel / und. Dienet vor Die 
blöden Augen. 

 Cancri, Krebfe/ werden unter die Cruftacea exanguia gerechnet/ 
das ift / unter fchaligtes Fiſchwerck das Fein Blut hat; «8 i aber das 
Wort Cancer eigentlich dad Genus, unter welche Cammarus der See⸗ 
Krebs / und Aſtacus der Strom- oder Fluß ⸗Krebs mit allen ihren 
dirten begriffen werden; bon dieſen letzten iſt zu wiſſen / daß ſie am be⸗ 
ften in denen Monaten ſeynd / in welchen Fein K. zu finden / nach den 
befandten Verß: Menfis in qvo non eft R, debes comederecancer, 
In der Brandenburg ift der Krebs » Fang fehr groß / wie dann auch 
die meiften Apothecker don bannen ihre Krebs⸗Augen zu verſchreiben 
pflegen. 

Candelarja, 1 

Candelaregis, S v. Verbafcuma. 
Candixen / ein Frucht / Blum / Sewuͤrtz oder Wurtzel / nad) Zu⸗ 
cker⸗Becker⸗Kunſt in gelaͤuterten Zucker dergeſtalt zubereiten / daß ſie 
als Zucker⸗Candy blinckere / und ſich Jahr und Tag conſerviren laſſe. 

Candiſch⸗Heu / Schoenanthum, 

Canna,, ein Rohr oder Schilff / dergleichen bey uns die fo genann⸗ 
te Spanifche Rohr eder Spatier-Stöd ſeynd / die aus Oft» Indien 
kommemn ed wird auch darunter verſtanden Caflıa filtula, davon an ſei⸗ 
nen Ort gemeldt. 

Cannabis, vide Henff / der Saame davon macht die Hüner fett/ 
daß fie des Winters viel Eyerlegen ; er wird aud) gebraucht in Saa⸗ 
men- Fluß / Seiten-Weh / gegendie Würmer und den Huſten. 

Cannabina agvatica mas, v. Ewpatorium Abicenna. 

Cannel / v. Cinamormtem ‚ Zimmet. 

Cantharides, vide Spaniſche Muͤcken. 

Eapellen / deren lich die Chymiften zur Reinigung der Metallen/ 
und um diefelben zu probiren / gebrauchen / werden folgender Geftalt 
gemachet: Ninnn Afche von leichten Holt gebrannt / ſchuͤtte ſie in ein 
rein Sieb / und gieß Waſſer darauf / daß ſich die Aſche in den Sieb in 
einen unter geſehten Zober ſchleime / ſo bleiben die groben Kohlen und 
Sand in den Sieblein / alsdann gieß uͤber die durchgeſchlemmete Aſche 
Waſfer / daß es hoch darüber gehe / laß es 2. Stunden lang ſtehen / 
daß ſich die Fettigkeit und das Salalcali ins Waſſer ziehe / dieſes Waſ⸗ 
fer gieffe ab, und anderts wieder darauf / rühre es um / laß es flehen 
wie zuvor / und dieſes wiederhole fo lange / bis Fein —— PA 

aͤrf⸗ 


Cap 251 


Schaͤrffe mehr in der Afchen zu verfpühren / alsdann nahe Kugeln 
oder :Ballen aus dieſer ar fchleinmeten Afchen/und truckne ſie entweder 
atı der Sonnen oder in den Ofen. Item , nimm Kälber:oder Schaaff⸗ 
Beine / welche die beften ſeynd / weil ſie fein Marck haben / diefe bren⸗ 
ne / daß ſie wohl weiß werden / alödann pulverifive ſie / und ftäube fie 
durch ein härenes Siebelein / ferner veibe ed auf einen Neibe »Stein 
zu einen zarten Mehl / fo ift die Bein-Afche fertig zuden Kapellen. 
BD. und Gräten geben die beften Aſchen / wenn man fie haben 

an. Es dienen aber dergleichen Capellen / daß wann die Probierer 
ein gemengtes Silber / nebenſt Theile reines Bleyes in dieſelbe ſetzen / 
und inerhigten Probier-Dfen fo lange ſtehen laſſen / bis das Bley von 
der Hitze berzehret / und in die Lucken der Eapelle Friecht / wohin es 
“ dann allen Zufag des Silbers mit ſich nimmt / daß das Silber - Korn 
allein ſtehend bleibe. 

Eaper / Armateur, ein See: Räuber / ift den Kauffleuten mehr 
- befandt als lieb. 

Capillamenta, feynd die Heine Zäferlein / die in der Blume mitten 
hervor fchieflen. 

Capillarisfilicula, Trichomanes. 

Capillus Veneris, Adianthum nigrum, Ruta muraria, Frauen 
Saar / iftein Kraut fo aus Welfchland fommt/ und zu einer Lauge 
gebraucht wird / nach welcher die Haar fchön und did wachfen follen; 
ſchoͤn grün aufgetrucknet / und keinen dumpfigten Gerud) 

aben. 
Capita, die Haupter an denen Gewaͤchſen / worinnen der Saa 
enthalten ift. | | 

— der Hauptſtuhl / Summa eines Kauffmanns ſeines Ver⸗ 
moͤgens. | 

ns chelidonia, Fumaria bulbofa, 

Cappaunen⸗Stein / lateiniſch Alectorius genannt / iſt durchſich⸗ 
tig / und in der Groͤſſe einer Bohne / wird in den Magen eines Hah⸗ 
nes gleich einen Chryſtall oder lautern Waſſers Sander; etliche 
ſeyd auch braunlicht von Farb / und mit blut⸗ rohten Adern vermengt: 
warn man fie in den Mund hält / follen ſie / ihrer Solarifhen Krafft 
halber / fo fie bey ſich führen / ſieghafft machen. Sie feynd gar rat / 
und ſelten anzutreffen. 

Cappern und Cappern⸗Rinden / Capparum cortices, werden 
von der Wurtzel abgeſcheelet / und kommen gemeiniglich aus Alexan- 
dria, item aus Apulien, Die Cappern an ſich ſelbſt wachſen in Welſch⸗ 
land / Spanien un andern Orten es gibt Heine und groſſe; die beſten 
fonımen aus Genua , Candia und Cypern, die geoffen aber von Alc- 
xandria; die fchönften werden in Eßig / die uufgeinbaven in Sal 

ein⸗ 


252 Cap Ear 


eingemmacht ; kommen beyde Sorten aus den Sand / die Spanifcheha- 
ben feine Stengel/ und feynd dabey gröffer ats die taffänit ir 
man bey und in Teutfchland die fo genannten Dotter »oder Küb-Blu- 
men / Talthæ paluftres, welche haufig auf ſumpfigten Wieſen wach⸗ 
fen / ehe fie ſich noch aufthun / abpflückenund in ein einmachen wolte) 
wurden ſie eben fo als Cappern ſchmaͤcken; je ungergdetfchter und 
härter auch die Cappern ſeynd / je beſſer feynd fie/ die zergbetfchten 
feynd verdorben; die Italiänifche werden durch die Stiele von den 
GSpanifchen ——— fol 
Capparis fagabo, Leguminofa, fafche oder Bohnen = Eappern/ 
dieſe — Pi . —* — — a u Bi 
Capreoli , fennd die verdrehete Bande etli r Gewaͤchſe / vermit⸗ 
telſt welcher ſie ſich um andere ſchlingen. 9 
Caprifolium, Matri fylva, Lilium inter fpinas, Waldwinde / Geiß⸗ 
Blat / Speck⸗oder Zaun « Lilie / und Caprifolium Germanicum, Pe- 
rielymenum vulgare, beydes wird oͤffters in Garten gehaͤget / aus 
den Blumen ein Sl / aus den Beeren ein MWund-Balfam gemacht. 
Caput monachi, v, Taraxacum. 
Caput mortuum Todten⸗Kopff / ift der hinterftellige dicke und 
Te Zeug / der in den Deftillivenbefonders der Mineralien zurüd 
eibet. 


CarabevelCarobe, Siligqva dulcis, G. Johannis-Brodt / Bold: 
Hoͤrnlein / Candiol oder Soden⸗Brod / mwächfet häuflig in Egypten / 
Carobe alla groſſa, iſt ein ein Gewicht / Ster genannt / oder 1z⸗. Tb. 
in Benedig. | 

Caraguata Guacu , eine Pflange in Braſilien / aus deren Blättern 
das befte Tuch gemacht wird / foden Leinwauds Faden gar weit über« 
trifft ; aus den Stengel ſelbſt ziehet man weiſſe Fäden / welche der 
Baum Wollen gang nicht weichen; fo man auch die Wurdel / wie 
auch die friſche Blätter der Pflangen zerſtoͤſſt / und ind Waffer wicft/ 
fo werden bie Fiſche davon krafftloß / daß fie alfobald oben Khmins 

men / und ich mit Haͤnden greiffen laſſen. 
arannæ Gummi , hat feinen teutfchen Nahmen / aber er iſt ſehr in 
Gebrauch / iſt ein fett und oleoſiſcher Gummi, welcher gelb⸗ſchwarh 
außfehen muß. Er kommt jederzeit weich aus Indien/ und bat feinen 
lieblihen Geruch / fondern gang vermifchten Geruch ; Aus Nombre 
de dios und Carthagena kouimt viel an / aber mit Blätteru und Unreie 
nigkeit fehr gemengt. Dieſes Gummi Krafft iſt gleich nit Tacama- 
haca, auch noch wol — alſo daß / mad Tacamahaca nicht curi- 
ret / die Caranna thut. an ſolviret ſolches in Ol / und bereitet Pfla⸗ 
ſters und Qyint Eſſentz daraus, | 

Caravanen / ſeynd groſſe Geſellſchafften veifender Kauffleute / um 

vor 


— = — — — — — — — 


Car | 253 


vor den Strauch⸗ Raͤubern defto ſicherer zu ſeyn; fie ſeynd fonderlich 
in Aſien ſehr gebräuchlich / ald welches Land (megen der groflen Wuͤ⸗ 
fieneyen / ſtreiffenden Zartern und Arabern / auch anderer Barbari» 
ſchen Voͤlcker halber) fehrunficher durch zu reifen iſt weswegen fich 
dann vielmahls etliche hundert Kauffleute mit ihren Pferden und Laſt⸗ 
tragenden Cameelen zufammen thun / und zuweilen unter der Con- 
voyen ihre Reiſe folcher geftalt fortfegen / aud) wol ein Haupt unter 
fich erwählen / welcher der Führer und Richter von der gantzen Geſell⸗ 
ſchafft iſt; Die Cameel werden darum viel gebraucht / weil eines fo 
viel ald 3. und miehr Pferde eig ſich auch mit fchlechten Sutter 
vergnügen laffen / undin den Wüfteneyen/ da Wafler-Mangelift/ 
etliche Tage Durſt leiden koͤnnen; das Betränd der Kauffleute wird 
gemeiniglich in ledern Säden oder Bock⸗Fellen geführet. — 
der Hihe reiſet man auch mehr des Nachts als bey Zag; bey ſieben 
Eameelen / welche wie Die Roppels Pferde hinter einander hergehen / 
if allegeit ein Cameel⸗ Treiber / und Hält ſich auch der Kauffmann mit 
feinen Dienern nechft den Cameelen / die ihm zugehören / auf/ damit 
ihm bey der Racht heimlich keine loßgefchnitten oder weggenommen ° 
werden ; unter Wegs finden jich wol gebauete Herbergen / in welchen 
aber nichts als die bloſſe Kammern zu finden / in welche ſich die Kauff⸗ 
leute / fo gut fie koͤnnen / einlogiven / und von den Vorraht / welchen 
fie bey jich führen / Eochen und zehren mögen. 

Carbafüs, iſt ein fein abgekragted Tuch / welches die Chirurgi viel 
. gebrauchen / und Corbey oder Kurbey nennen. Vide hiebon auch et⸗ 

wasunter den Wort Chermes. " 

Carbey / Carum, Carbium, Carvi, 

Carbon humanum Paracelli , ift der Occidentalifche Zibeht / durch 
lange Digeftion aus Menſchen⸗Koht bereitet / bis er einen iieblichen 
Geruch befommit. 

Carbunckel oder Carfunckel / Carbunculus, ſoll des Nachts 
leuchten / und roͤhtliche Stralen von ſich werffen / eö ift aber derglei- 
en Stein bisanhero noch von niemand gefehen worden / es möchte 
dann der Rubin darunter verftanden werden / unter deffen Benen> 
nung ein mehres hiebor zu lefen. 

Cardamomum [impliciter dictum, gemeiner Cardemomen / Car- 
damomum majus oder Grana Paradifi, Cardamomum medium, & 
Cardamomum minus, Millegetta, Malagetta, groffe/ mittel.und 
Heine Cardamomen und Paradieß-Körner / von diefen feynd die 
groſſen felten in Gebrauch / auffer daß man etliche unter den Pfeffer zu 
mifchen pfleget. Sie werden in der Arheney hin und wieder zmar- 
auch gebraucht / aber nur gar wenig. Gie feynd braun / und noch 
dreymahl fo groß als die einen Körner, Die rechten wahren Car de⸗ 

moͤm⸗ 


254 Car 
moͤmlein kommen aus Cananor ‚Java und Sumatra, mie auch aus Cey- 
lon und Candia, diefe ſeynd klein / eckicht und haben einen ſtarcken 
lieblichen Geſchmack und Geruch. Darneben hatınan noch eine Sor⸗ 
te / welche in der Groͤſſe den erſten faſt gleich fehen/aber an Geſchmack 
gantz matt / und zum theil gang nichts nutz ſeyn / werden aber fehr dar⸗ 
unter gefunden / wann man ſie ausgeſchlagen bringen laͤſſt. Alle Car⸗ 
domoͤmlein machten in Schelffen / daraus müſſen fir erſt gefchlagen 
werden. Die Heine Cardomomen behalten den Preif am Gerud 
und Geſchwgck / und wer (le ausgemacht einkaufft muß wohl Achtung 
darauf haben. Die letztere feyndfehr gut / auch den Magen/ Haupt 
und Gedaͤchtniß zu Hürden / und vor den Schwindel zu praierviren/ 
wie (le dann fonderlich auch gegen die Colic und Mutter-Schwachhei- 
ten geruhmet werden. 

Cardanomum maximum, fonft auch Grana paradifi genannt/feynd 
dreyedigte kleine Koͤrner / auswendig roͤhtlich⸗ braun / inwendig gang 
weiß / eines ſcharffen und beiſſenden Geſchniacks / dem Pfeffer nicht 
Biel ungleich / auffer daß ſie etwas gelinder und nicht fo hitzig ſeynd. 
Gie werden / weil ſie viel wohlfeiler ald der Pfeffer zu haben / von et= 
lichen betrieglichen Gewürg-Krämern unter den geftoffenen Pfeffer ges 
menget / weswegen derjenige / der Gewuͤrtz Kauft, allezeit wohl thur/ 
wenn ers ungeftoflen kaufft. Das Gewaͤchs / woran die Grana Para- 
difi wachſen / wird Malaguetta genannt / — die Frantzoſen die 
Frucht felbft Maniguette oder Maligette heiſſen. 

Carderſchen / beftchen auseinen etwas dicken Leder / woburd auf 
eine gewiſſe Art gebogene Dräte und Hacken Zeil-weiß geftedet und 
beveftiget werden / ſolches Leder wird auf ein viereckigtes Brett ge⸗ 
nagelt / und dann zum Gebrauch verkauft. Der Unterfcheid der Ear- 
detichen beftehet theils in deren Groͤſſe / theild in deren Staͤrcke und 
find einige derfelben 30.50. bis 100 Zeilig ; die ſtarcke Cardetſchen bes 
ftehen theild aus Meping / theild aus ftarcken eifernen Hacken. Es 

ebrauchen ſich auch die Zuh- Macher der fo genannten Carten⸗We⸗ 

r⸗ und Tuch⸗Macher ⸗Diſtel / welche aber zur ſtarcken Arbeit 
viel zu ſchwach ſeyn und dannenhero vor beſchriebene müffen ges 
braucht werden. Denen Cardetſchen ſeynd nicht unfüglich an die Sei⸗ 
te zu ſetzen Die Rieht / welcher ſich alle / die mit der Weberey umgehen / 
zu ihrer Arbeit gebrauchen müſſen / es iſt aber an guten Meiſtern / die 
folche verfertigen / hin und wieder ein fo groſſer Mangel / daß mancher 
Borten⸗Wircker wol zo. Meillauffen muß / ehe er eines zu ſeinen Ge⸗ 
brand habhafft werden kan ; diefens Unweſen wäre auch dadurch abzu⸗ 
beiffen / wann man gute Meifter ans denen Orten / wo fie zu finden/ 
verſchrieben / und durch diefelben ſo viel Tungen zulernen ließ / als 
das Land damit zu befegen genug wären. .. N 





Gar- 


Car | 255 


Cardiaca, Meliffa fylveflris, Marrubrum, Agri palma, Hertz⸗ Ge· 
ſpan / waͤchſet gern an rauhen Orten / bluͤhet vom Julio bis ſpaͤht im 
Herbſt. Man gibt deſſen Safft mit Milch den Kindern im Herh⸗ 
Geſperr ein; das Kraut in Waſſer gefotten und getrunken / eröffnet 
Leber und Milk. Ä 

Cardiaca medicamenta, cardialia , Arkeneyen die entiweder einge- 
nommen oder äufferlich applicivet werden/ das Hertz zu ſtaͤrcken / ſeynd 
folgende : Radix Scorzonera, fol, Melifl. Rosmarin. Salv, Spic. 
Caryophil. aromata, c,c, phil. Ebur fe ign. us de corde cervi. corall 
perlar. unicornu verum, bezoard, folis fpecific, cordialia , ambra 
mofchus, eſſent lignor, tindt, corall. fpir. flor. tilie rofat. ceras, nigr. 
flor. lavend. aqva magnanimitatis, aqva apopledtica, &c. 

Cardisoder cadis, eine Art Wollen-Zeug ein wenig beffer ald Raſch / 
meiftentheils zum Unterfuttern gebräuchlich / kam erſt häufig aus 
Franckreich / wird aber jegt in unterfchiedlichen teutichen Städten 
nachgemachet. | | 

Cardonen / cinara fpinofa, carduus acaleatus, Spanifche Car: 
den / Die Stengel dabon Fan man eben wie die Artifchoden-Stengel 
abmeifen / und zur Speife gebrauchen. 

Cardopatium, , v. Carlinan. 

Carduus benedidtus, Eardobenedicten oder Acanthus germani- 
cus , Attractilis hirfutior , gefegnete Dieftel / wird hin und wieder in 
den Gärten erzielet; die Blätter nügen dem Hertzen und der Bruft / 
treiben Schweiß und Gifft / feynd auch kraͤfftig wider allerhand Fie⸗ 
ber / es werden auch Daraus zubereitet das gebrannte Wafler / Spiri- 
tus, Safft / Saltz / delillirte. öl / Conferv, Syrup/ Extra&tum, 

Carduus Maria vulgaris, lacteus, albus, Leucographus, Spina 
alba hortenfis fılybum, MarienDieftel/’Srauen-Behe-Dieftel/wächft 
uugebauet von ſich felbft/ und iſt ein Schweiß-und die Monatd-Zeıt 
— — | 2 

Carduus ſtellatus, calcitrappa, Gtern : Dieftel / Weg⸗Wallen 
beydes Kraut und Saamen feynd gut vor der ef 

Carduus fullorum Diplacus, Weber-Dieftel / ift zweyerley / wil⸗ 
de und zahme / dieſe wird in Welſchland gebauet / die wilde wächfet 
aus ſich felbft / an fandigten und rauhen Orten hervor. 

un .. s — / a / Artifchoca, Scoly- 
mus aculeatus,, die Stirhle davon in Fleiſch⸗Bruͤhe geko t/trei 
den Stein / und mehren den Saamen. be gekocht / treiben 

Carduus vulgaris, en Dieftel/ Weg -Dieftel/ ift allenthal« 
ben anzutreffen ;. der Saamte davon in Wein gekocht und getruncken / 
beilet die Scorpion⸗-Stiche. 

Cargaſon, eine Schiffs⸗Ladung oder auch nur derjenige Theil Waa⸗ 
ren / 


>» 


256 Car 


A 2.1 EIER GER SESEHBOEHSERN NER OERNNEN 
ven / weldyecin Kauffmann in ein Schiff hat / warn dergleichen Waa» 
ren in Commiflion an einen andern Ort über Die Gee gefandt / oder 
dem Diener / umfolche zu verkauften / mitgegeben werden / ſtellt man 
es indem Handeld-Buc) unter den Titul Carga/or Conto, 

Caricæ pigues, ſiehe Feigen. 

Caritides, v. Palma. | 

Carlina, apriradix, Eberwurtz / ift zweyerley / als (1) carlina vulg. 
feu major leuca cantha, chamæleon niger. vulgar, gemein groß oder 
ſchwartz Eberwurtz / (2) carlina humilis, chamzleon albus, Fleinoder 
weiß Eberwurtz / wächft auf Bergen und Hügeln in der Schweitz und 
Thüringen. Einige Pradtici machen darans ein Extradtum, welches 
vor das Spannen der Nerven gut iſt vid Eberwurtz. Es ſoll die- 


ſes Gewaͤchs von Carolo Magno, demerften dieſes Rahmens Roͤmi⸗ 


fchen Kaͤyſer / ſeyn benennet worden / weil deflen Krieges⸗Heer durch 

* —— Erinnerung vermittelſt dieſes Gewaͤchs don der Peſt be⸗ 
eyet worden. | 
Carluck / bey ven Ruffen fo viel ald Haus Blafen. 
Carminativa, feynd Mittel, welche die Winde und Blehungen 

Leibe zertheilen / dergleichen feynd.- Chamomill, Anif, Zedoar. Ga- 


lang. Diaphor. Aq. carminativa, Dorncrell. Spit. Zedoar, Theriacal 


Spir.ſal.armoniac.aniſ. ol. anif. aneth. fpecies diacymin, fummitat, 
anethi eledt.dedacc, laur. &c, 

Carmin oder Carmein / eine fehr zftimirte und koſtbahre Schars 
fach: Farbe / wird in Perfien aus denen fo genannten Rermes⸗Bee⸗ 
von / welches in Teutfchland St. Johannis-Blut heiffen / verfertiger/ 
wie dann auch in Rußland die Mahler aus diefer Mareria eine ange» 
nehme Purpuv-Farb mit Epig/ Eitronen-Gafft und dergleichen zube» 
reiten wiffen/ welche einigermaſſen uͤbereinkommet mit des Zwolfferä 
feinen Magifterio granorum Kermes, vide hiervon ein mehred unter - 
den Wort Chermes, 

Carmoiſin⸗Farb / vide Cramoyfy. 

Carnatio ift ein Terminus in der Mahlerey / die Fleiſch⸗ Farb / und 
nackende Theil des Leibes / dadurch vorzuſtellen. 

Carneolus, Sardus iſt ein rohtgelbigter Stein / halb durchſichtig / 
bleichfaͤrbig und dunckel⸗roht / wann er polirt wird / iſt er ein ſchoͤuer 
und ziemlich koſtbahrer Stein ; die nicht zum Schneiden taugen/ wer« 
den unter andere Materialien verkauft. Cr kommt aus Sardinien / 
Egypten und Arabien / der fchlechte aber aus Söhnen undSchleſien. 
Der befte Carneol muß roht wie Blut/ und etwas durfcheinend mit ſei⸗ 
ner Roͤhte feyn / derbleich und nachlaffender auch etwas gelblichter 
Roͤhte / iftnicht fogut. Die Krafft dieſes Steins belangend / foll In 


— — — — 


® 


Car : 257 


ein frifches Geblütund fröliches Hertz machen/ auch zu Pulver geftof- 

fen/ undin Wein eingenonimen / die überflüfige Monat-Zeit bey» 
veiben. 

Carpefıum, v.Valeriana, v. Cubebx, | 

Carpo balfamum v. Balfamum, 

Carriere, Steingruben/ Steinbruch / die Italidner nennen es Ca- 
va, Petrarezza,, fonderlich die Gruben/ woman den Marmor 
bridt. 
| — zum Spielen / werden nunmehro auch ſehr häufig in _ 
Teutſchland / ſonderlich zu Lübef gemacht / und Groß⸗weiß verkauft. - 
Carthamus ſ. Cnicum, us, Crocus fylv.. wilder Saffcan / wächft 
überflügig in Franckreich / — und Teutſchland / ſonderlich um 
Strasburg und Speyer. Der Saamen davon purgirt/ feine Blu« 
men werden bon Betruͤgern gebraucht/ den rechten Saffran damit zw 
verfaͤlſchen. Das Extractum Diacarthamum, feu Cnico pharma» 
cum führet das Gemäffer aus/ und reiniget das Haupt und Magen. 

Cartons feynd groffe zuſammen gepapte Papiere Bogen / welche zu 
bielerhand Dingen gebraucht werden _Die Kaufleute mit Süten 
machen Hut⸗Futter / Kanten und Band / auch anderer Balanterie« 
MaarensFuttral daraus. Diebeften kommen aus Holland. Unter 
allen Handwerdern brauchen die Buchbinder / Tuchfcherer und 
Kuͤrſchner die meiften Cartons, | 

Carum, carvum, cuminum pratenfe, weiſer Feld⸗Matt oder Wie⸗ 
ſen⸗Kuͤmmel / iſt ein kleiner etwas gefrümmter brauner Saame/ eie 
nes ſcharffen Geſchmacks und guten Geruchs / welcher den Magen/ 
Haupt und Gedaͤchtniß ſtaͤrcket / die Winde zertheilet / und der Colie 
und Stein⸗Schmertzen ſtillet. Man hat davon dreyerley Sorten/ 
als Teutſchen / Nordiſchen und Engliſchen davon dieſer letzte der be» 
ſte iſt welchen der ſchaͤrffere und feine Geſchmack von felbften unter» 
ſcheidet / ift auch groffer / als beyde erfteren Sorten. Cumin wird 
auch Kömifcher fonften auch Haber⸗ oder Kramer · Kümmel genannt/ 
dieſer iſt bleich von Auſehen / kommt aus Italien / waͤchſet aber in A- 
puien, iſt von Geruch faſt ſtreng und widerwaͤrtig / konmt in langen 
Sidenzu uns / und wird zu 100. h.mitsẽ. Rabbat verkaufft. Ce 
iſt einer aus den 4. groſſen warmen Saamen / taugt auch in der Me- 
lancholey, und verrichtet in Schwindel groſſe Wunder. Das Oſe- 
um carvi ſtillatitium dienet / Die verſchloſſene Winde zu zertheilen / et» 
liche Tropffen unter das Clyſtier gethan / gibt denſelben eine vim car- 
minativam eben wie das Kuͤnmel / Rauten und Lorbeer-Oel. Puch 
bedienen ſich die Branntewein⸗Brenner ſich ziemlich des Kümmtels. 

Caryatides ſeynd in der Mahler⸗ und Bildhauer⸗Kunſt Weiber / 
die niit langen Roͤcken hekleydet / deren Bildniß man ſich zu den Gr 

R daͤuen 
| 


258 Car 


a ie a a a 
bäuen an ſtatt der Seulen bediente / diejenige / welche Körbe mit 
Früchten auf den Köpffen trugen/ wurden caniferz oder Ciſtileræ ge⸗ 
uennet. | 
Caryophylli Aromatici ‚calafur, carunfel, vide Naͤgelein. 
’ Caryophilli Flores, Rägelein-Blumen / fonımen in fo weit indie 
Handlung / dap wie wir ſchon unter den Ibort Blumen angemerdet/ 
vor diefen die Thorheit der Bir fo Hoc) geftiegen / daß fie wol 
ehe eine folide Handlung fahren laſſen / und ſtch auf diefen nichtigen 
Blumen⸗Haudel — Noch dieſe Stund wird manche ſolche 
Blume vor ziemlichen ‘Preis berkaufft / fo gar daß auch einige auscn- 
zieufite eine Verzeichniß darüber halten/ wie ſie bon Jahren zu Jah⸗ 
ven fteigen und fallen/ von ihren Rahmen aber feynd gans lange Ca- 
talogi im Drud/ aufdenen einige der vornehmften Raͤgelein etwan 
folgendermaffen benennet werden : 
Aſia (hat gegolten Ao.90. 4. fl. Hollaͤndiſch / Ao. 91. 6.fl. A0.o2. a. fl. 
A0.93.3.fl A0,94.3.fl. A0.97.4 fl. Ao. 98.4. fl.und fo fortan/ / 
da ſie bald etwas geftiegen/ bald verringert) Africa, Aleppo, Ad- 
miral, Aurora, Adelaer, Artufa, Andromede, Amflterdam, Ameri- 
ca, Alcif. 
Belle Europa, Belle Laura, Bourbon, Belle Diana, Bauer, Baliou, Bel- 
le Warande, &e. en 
Cedo nulli, Celadonia, Ciliftin, Cramer , Cing Royal, Eing Tromp, 
Coridon, Cardinal, Curieufe, &c, Ä 
Diamant, Darius, Delphin, Daphne, 
Floris ſant Flora, 
Gravida Gouda, grooten Atlas, glourieufe Generaul. 
Harlem, Hollande,Hooge Bom. 
Juvel incomparable, Julius Cæſar. Jafon, Imperial, Julia, 
Königs-Kron, Kayfer, Kayferinn, 
Lieffde, Lüneburg , Lufthoff. 
Mars, Monftrum, Madame, Merveilleufe, Mazarin, Mohrinne, 
Naccre, Nero, Naflau, non plus belle, 
Orpheus, Olyfchlager, Oriflamme. 
Plato, Phoenix, Phaeton, Palais, Printz Georg, Præſident. 
Rofa, Roos amant, Regina Cleopatra, Reine d’ Efpagne, 
Schonhovia, Seeven Provinzien, 
Tereves, Triumphant, Tergois Tulbant. 
Victoria Utrecht, Van Ryn, Vonthoff, Veerhäus. 
‚ Caryophyllata, Sana munda, Herba benedidta, Benediet-Rraut. 
Caryophilus hortenfis, Vetonica tunica, Rägelein/Gras- Blumen. 
‘ Caryotx,v. Palma, 


. Cala, eine Geld-Kifte oder dade / dahero Calliver derjenige genen 
| | | | net 


Caſ 259 


net wird / der die Geld⸗Einnahm und Ausgab unter Händen hat. In 
denen Krahm⸗-Buden hat man gemeiniglich unter den Tiſch eine 
Schub ·Lade / in welche das baar Geld durch ein Loch / foin deu Tifch 

eſchnitten / eingeworffen wird / dieſes nennet man die baare Loͤſungs⸗ 
aa und wird wöchentlich oder Monatlich überzählet/und der groß 
fen Handels⸗ Caſſa die darinn befundene Summa mit diefen Worten 
journaliter einberleibet: Cafla foll. An Wasren Conto pr. fo 318 
Ende dieſer Woche oder Monats inder baaren CLoͤſungs⸗Calſa 
gefunden worden, Die ſchoͤnſten Geld-Stöden und Caſſen wer» 
den in Nürnberg von Eiſen gemacht / mit vielen fehr Eunftlichen 
Scloͤſſern verfehen/ alfo / daß lie dor Feuer und Dieben jiher ver 
wahret feyn ; man verkaufft ſie dem Geſicht und Gewicht nach / nach⸗ 
dem nehmlich die Kaͤuffers ſich darzu einfinden. 

Casſia Fiſtula, Siligva purgatrix, ar Brod. Die Fi» 
fiel oder Purgicr-caflien, find fange Hulſen⸗ Fruͤchte / einen Fuß lang 
und mehr/ tund wie eine Wurſt / werden / wenn ſie duͤrre ſind / gang 
ſchwartz. Innen ind ſie mit einen Marck angefüllet/ foeine gar ane 
genehme Säure hat/und gelinde laxiret. Der Baum / worauf die 
Frucht waͤchſet / wird in feinen Ländern ſo hoch wie ein Nuß-oder 
Mandel-Baumgehalten. Der befte findet ſich in Oſt-Indien / der 
mittler in Braſilien / der fchlechtefte in Eanpten. Der Saame gleis 
chet fich den Molffd-Bohnen. Diefe Röhren Caſſia müffen ſchwer 
ſeyn / und nicht ſchlottern / dabey in einen frifchen und guten Keller 
aufbehalten werden / damit ſie nicht trucken werden / man muß auch 
fleißig acht haben/ dag ſie nicht anlauffen/wo fie aber ja wären ſchinnn⸗ 
licht worden/ muß man fie fauber wieder abwifchen/ aud) wol gar mit 
ein wenig Baum:Del beftreichen. | 

Caflia caryophillata, Nägelzimmet muß wie Gemurf Prägel en 
ſchmecken und riechen / iſt nicht in ſtarcken Gebrauch / ohne was die * 
derbeder gebrauchen. Er koͤmmt aus bantam und China in Kaͤſtgen / 
welche inwenig mit Palm⸗Blaͤttern ausgeſetzet / zu uns / waͤgen etwan 
zo. bis 40. Pfund/ es wird aber groſſer Betrug damit getrieben / da⸗ 
hero er an einigen Orten nicht darff oͤffentlich verkaufft werden : Sie 
ne einen ſtarcken Geſchmack haben / und laſſen ſich lang gut bee 

alten. F 

Caſſia Lignea, Mutter⸗Zimmet / fallt und waͤchſt unter den ordi- 
nairen Zimmet / die ſie aud in felbigen Landen caflıam ligneam odo- 
ratam nennen/ weil folche anmuhtigam Gerud) ift / und die Mutter» 
Ziwmmet weit uͤbertrifft. Erift aber öfters fo fchlecht von Geſchmack / 
als ander gemein Holt / und dahero nichts wehrt / wird ben Pfunden 
verkauft. Die MuttersZimmet hat in Mund einen zähen Schleint/ 
und iſ haͤrter ald jene / hat aber doch F einen ſchoͤnen | 

| Ka — 


/ 


260 Eaf- ) 
es gibt darunter Roͤhrlein / fo gang keinen Geſchmack haben / und un» 
terichiedlicher Farben feynd/ theils heil wie Zimmet / andere dunck⸗ 
fer/ die dritte Sorte gantz braun:hell did und dünne. In Jndien 
wächft auch eine Art caflia, davon ein Trand cafline genannt / ge⸗ 
macht wird / der z4. Stunde vor Hunger und Durft preferviret: 
Calſſiæ foltum, vide Malabathrum. BR. 
Caffonataoder caftonara wird ber) denen Materialiftett/ der unfei⸗ 
ne Zucker genennet / vielleicht wegen der Rüften/in denen erüberges 
bracht wird/indent ſolche zu Rateinifch ciſtæ genanntwerden. Andere 
neunen ihn Saccharırm Mitcellaneum, weil er von vielerley Zzucker ver⸗ 
menget iſt / insgemein wird er in den See⸗Staͤdten Pulver⸗vder Pou- 
dre Zucker genennet / iſt weiß und braun/ wird bey Pfunden verkaufft 


in Baneo mitsz. Rabbat. 

Caflytha, v. cuſcuta. 

Caſtanien / caſtaneæ nuces & glandes, dieſes Gewaͤchs / welches 
aller Orten / abſonderlich um und gegen Martini, und den heiligen 
Chrift-Tag befannt und zeitig wird / findet jich ſowol in Teutfch: als 
fremden Landen / nur daß ſie nicht fo groß und mild werden / als die 
elfchen. Der Baum wächft fehr hoch und greifft mit feinen Ae⸗ 
ften weit um ſich / trägt Blatter wie NußLaub / aud etwas breiter/ 


- untenhevum zerfärftt. ’ In Welfhand machen (le aus den zahmen 


4— 


Gaftanien / welche ſchoͤn glatt und vollenkommen fallen / doch noch 
zweyerley Sorten / und haben daneben auch wilde/ welche rauch / klein 
und hart / dahingegen die andern mild/füß und lieblich von Geſchmack 
(ind: welche ſie ohne Zweifel wol ſelbſt behalten / und und Teutfchen 
ihre wilde Art verfuchen laffen. Am Rheinſtrohm gibt es derCaſta⸗ 
nien dit Menge / aus dieſer Frucht kan ein ſehr dauerhafftes Brod / 
{ann ſie nehmlich vorhero zu Mehl gemacht / gebacken werden / wel⸗ 
ches ſehr wol futtert / das Holtz davon brennt nicht ſtill / ſondern ſprin⸗ 
get altenthalben davon / wird far in einigen Landern zu Ratten / 
Brettern und Wein: Ziffern gebraucht. In der Medicin braucht 
man die Caftanien dor alier hand Bauchflüffen/ Cdel / Erbrechen und 
Blut-Ausmwerflen / ac. Aufferlich dienen fte zu den Berhartungen und 
Gefchwirren der Brüfte ; das Mehl davon mit einen Eßig zu Brey 
gemacht / und umgefchlagen/ curirt den tollen Hunds⸗Biß / wann es 
mit Salt und Honig aufgelegt wird. En 
Caſtor, Biber iftein Thier/welches auf Erden und in Waſſer lebt/ 
und Fruͤcht⸗Baͤuni⸗Rinden und Fiſche iffet. Unter denen don diefen 
Thier genommenen Theilen/ift fonderlich in denen Apotecken und den 
Artzeneylichen Gebrauch bekannt das fogenannte 

Caltorium, oder tie etliche wollen/ die Tefticuli caltoris, die man 


ausſchneidet / reiniget und wohl trocknet / und alsdann an einen _ 
tigten 


Caſ 66 


tigten Ort aufhaͤnget / da ſie dann bis in das ſiebende Jahr gut blei⸗ 
ben/ihre Berfälfi ung geſchiehet mit Gummi Ammoniaco , welchen 
man mit Biber-Bebluht und Bibergeil fubigiret / in ein Bläslein 
thut/ und trocknet / oder man thut die Wieren des Bibers in ein Blaͤs⸗ 
lein/ und trocknet fie/ man Fan aber wegen diefed Betrug folgen- 
den Unterfcheid merken : Die wahren Teliculi oder Hoͤdlein 
entfpringen beyde von einen Anfang/ die verfälfchten aber fennd meh⸗ 
rentheils gröffer. Go haben die wahren auch einen ſtarcken unan» 
genehmen Geruch / ſcharffen / beiffenden bittern Gefhmad / und ein 
zerbrechliches Weſen / welches fich bey den falfchen nicht findet/die uber 
das noch) viel Sand und gerieben Brod offt untermenget haben / auch. 
wol gar kleine Studlein Bley / damit ſie nur ihr Gewicht ausbrin⸗ 
gen. Hier kan ich nicht umhin/ die Meynung etlicher Scribenten anzu= 
führen/ welche vor eine bloffe Fabel halten / dag der Biber-Beilaus 
denen Tefticulis des Caftors kommen folte/ welche doch / wie ausder 
Anatomie erhellet/ fo Hein als der Hahnen ihre waͤren / auch fo hart an 
den Ruͤckgrad klebẽ / daß man ie fonder@efahr desLebens dieſen Thier 
nicht nehmen koͤnnte: hingegen beweiſen ſie / daß das Caſtorium biel⸗ 
mehr ein Geſchwulſt / oder mit einer dicken Haut uͤberzogener Beutel 
der Schaam ſey / an denen allzeit ein ander kleinerer haͤnget / der mit 
einen oͤhligten / fetten durchdringenden Liqvore angefüllet iſt / der aber 
der in den andern gefunden wird / ſey dick und trockne ſich ſelbſt zum 
Pulver / dahingegen der in den kleinen Beutel immer fluͤßigt bleibe ; 
dent fen aber/ wie ihm wolle / fo bleibet doch dasCaflorium ein nützli⸗ 
ches Stuͤck inder Medicin, fonderlich in Mutter-Kranckheiten / Stran- 

ulatu ureri, da man ed entweder vor die Naſen halt/ unter die Ach⸗ 

elu/ oder über den Nabel bindet. 

Caftor-fre werden aus Biber-Saaren gemacht / Fommen fehr 
viel aus Engeland und Franckreich / werden in Halbe und gantze Ca- 
nn a / und diefelegtere zus. bis s. Rihlr. das Stüd ver⸗ 

aufit. | 

Caftrang.ula, v. Scrophylum majus. 

Cafuar ift ein Vogel / welcher aus der Inſul Summatra bey Oft: 
Indien gebracht/ und dafelbft Emer genannt'wird. Man findet de- 
ren unterfchiedlich/ welche in Menagerien in Holland und Srandreich 
lebendigerhalten werden, Nach dem Strauſſen ift er einer der aller» 
groͤſſe Vögel / ſchwartz und jiehet behertzt aus. Er wird aus den 
Molucciſchen Inſuln und andern Orten Oſt-Indiens gebracht. Sei⸗ 

ne Eyer ſind gar ſchoͤn / und nicht gar viel kleiner / als die Strauſſen⸗ 
Eyer/ aber von dünnen Schalen. 

Catalotica medicamenta ſeynd Mittel/ welchedie aroffe Narben 

wegbringen und gleich machen / gc osfepix pompholyx cınis tabac, 
; | 





ceruf. 


362 ‚ Bat 
cerufl. zs, uft, O. uflum vitriol, alb. uft. fabinaconchz calcinat. Mer- 
eur, pracipit, ungv, /Egyptiac. fimpl, Spir. Vin. laß. medicamen- 
tos, &c, Bar 

Catapafma, catapaftum, ein trucken pulveriſirtes Mittel/ Die Haut 
zu reinigen/ wiewol ed auch vor all dasjenige genommen wird / womit 
man die Haut beſtreut oder befprenget. 

Cataplasma, ein lindernder oder erweichender Umſchlag / oder ein 
Pflaſter / welches zertheilet/ wird gemacht aus Medicinifchen Sachen/ 
die gepulvert feynd/ item aus grünen und trockenen Kraͤutern / Wur⸗ 
tzeln / Blumen/Saamen/Del/ Fruͤchten / Schmaltz / Mehl / Broſamen 
und dergleichen / man macht ſie nach Geſtalt der Sachen entweder 
mit oder ohne Feuer / als in dieſem Fall / wann man ſie preſt aus grü⸗ 
nen Kraͤutern / und andere Liqvores darzu thut / und ſolche mit ſelbi⸗ 
gen bermifchet/ daß jle wie ein Mußlein werden; bey dei Feuer Eochet 
mandie Sachen in einen zu denen Cataplafmaten dienlichen Ligvore, 
oder die fafftigen Fruͤchte / daß (le weich werden / als dañ drucket man fie 
Durch ein zartes Tuͤchlein / und miſchet ihnen andere Sachen ber) / am 
beften ift es wann man trockene Sachen wohl pulverifirt/und die grü⸗ 
ne zerftöffet und fochet. Die Cataplafmara fhlägt man laulicht über/ 
ausgenonmmen die Znacollemara und Sinapiimos. In denen Apoteden 
werden zwar nicht tertig gefunden / doc auf Begehren gemachet fol: 

ende Cataplafmata, ald: Cataplasma cephalicum in Deliriis, Um» 
lag um das Haupt in Wahnſinnigkeit / catapt, Hypnoticum D. Rei- 
nelii, Schlaffbringende cataplasmata , catapl, refolutivum Forelli, 
catapl, contra &ruorem wider geronnen Blut / catapl. laxativum, 
Laxir- cataplasmata, catapl,de Nido Hierundinis pon einen Schwal- 
ben⸗Neſt / catapl, antifebrile hors Fieber cat. adcontufiones & Lr- 
vorem faciei, wider blau geftoffene Flecken auch im Angejicht/car. cor- 
diale zum Herken/ cat. ad Bubones, zu den Peſt-⸗Beulen / cat. inſigne 
ad Enterocelen & alias Rupturas five Hernias, cal. pro carbunculis, 34 
den Sarbundelen / car. emolliens & difeutiens , Erweichendes und 
Zertheilendes/ cat. fpleneticum Zw. zum Miltz / catapl miraculo- 
fum velpurgans, purgivendescataplaima , cataplıf, advomitum, 
Uberfchlag wider das Erbrechen / cat. anodyn Schmerseftillendes 
catapl. catapl, contra dolores feorbuticos, die Schmertzen * 





bock zu lindern/ car. Eſcharam tollens biduo, ut ſponte at. D. 
Spiegelii, cat, Nobile fuppurans fcrophulas, cat- antifebr tapl, 
refrıgerans, Fühlendes catapl. repellens, zurüctreibended cataplal- 
adHxmorragiam wider das Bluten/ cat. ad Tumores duros artuum, 
wider den Glied⸗Schwamm / cat, ad ambuftaex qvalibetre, Brannt 
eateplafmata, catapl, excellensin Tumoribusfeirrhofis maxillarum, 


qvi 


| Cat 263 
defin cancrum vergunt, wider böfe Bruſt⸗Geſchwulſte / daraus der 


Krebs werden will/ anacollema frontale Stirn⸗Uberſchlag. 

Catapotia, feynd Pilulen/ die man gank — 

Cataputiæ Semen, Majoris & minoris, Purgier⸗Koͤrner / Spring⸗ 
Koͤrner / deren gibts dreyerley Geſchlecht / nemlich groſſe / kleine und 
mittelmaͤßige / welche letzten die beſten und gangbareften ſeyn / wiewol 
ſolches Gewaͤchs gefaͤhrlich in den Artzeneyen zu —— / wird es 
Doc von denen Aertzten und Quacfalbern vielfältig und offt mit groſ⸗ 
fer Berwunderung ein und verkauft. Die Fleinen haben wir in 
Teutſchland genugſam wachſend / ſie find aber felten im Gebrauch / die 
groffen und mittlern hingegen werden aus Welfchland verfchrieben/ 
abfonderlich von Tripoli / die gutenmüffen hart / vollkommen / weiß 
von Kern und ohne Unraht feyn. 

Catechu, vel catfchu, vide Terram — | ‚ 

Cathzreticum, ein Arheney-Mittel/ durch welches das überflügige. 

Kleifch verzehret wird/ dergleichen feynd allefcharffe beiſende Sachen / 
welche/ ob ſie wol mit der Natur der Epuloticorum nicht uͤbereinkom⸗ 
men / dennnoch zufälliger Weiſe eine Narbe machen / z. E. Alız, Petras 
Hos, æs uſtum, Galen. lib. 5. de S. Fac. c. ır. 

Cathartica, Purgier-Mittel / ſonderlich das unterwärtd wuͤrcket. 

Caton / oder vielmehr Coron / Baummolle/ Baummollen-Zeug/ 
kommt hauffig aus Oſt⸗Indien / und wird bey gangen Ballen von der 
Dft-Indifchen Compagnie gekaufft / ift einige Jahr her eine fehr cou- 
rante Tracht zu Manns und Frauens Schlaff⸗Rocke geweſen / man 
macht zwar auch Baumwollen⸗Zeug in Teutfchland/ aber nicht vonder 
Feinheit / wie in Oft-Indien. Indeſſen leidet der Leinwand Handel 
darunter / weil das Caton⸗Zeug viel beffer undfauberer (als die ges 

druckte Leinwandt / die gleich glatt wird/ und im Waſchen feine Farbe 
verlieret) zu tragen iſt. | | 

Cattaria, v, Nepeta, 

Cauda egvina, v.Eqvifetum, | | 

Cavelung, vide Gabelung. | 

Eaviaro, Mofcomitifch Ikari , ifteineingefalgener Stohr-Rögen/ 

komint viel aus Moſcow / und wird häuffig nach Italien verfuhret/und 
daſelbſt vor ein Lecker⸗Biſſen gehalten/ wie dann Paulus Jovius I. de 
Rom Pifc. hezeuget/ daß Pabſt Julius II, ein groß. Belieben darzu ges 
tragen’ weil es den verlohrnen Appetit zum Effen wieder erweckt / und 
zugleich den Wein wohlſchmeckender macht: Er wird aber mit ein 
wenig Eßig / Del und Zwiebeln zugericht/ und hernach aufgeroft Brod 
aeftrichen / und fogegellen. Die Juden / weil ſie meynen / daß der 
Gtör unter die glatten fFifch zu rechnen / die fie nicht effen duͤrffen / laſſen 
zu Capha, einer Stadt anden Fluß Tanais ein caviarium aus Karpen- 
R4 Roͤgen 


—— 


64 | Cav Cel FBT 
— bereiten / und weil ſolcher roht ausſiehet / als wird er — 


rorubro, oder roſſo, jenes abercaviaro negro genannt. 

Caviren/ gut fagen/ Bürge werden/ dahero kommt caution, Bürg- 
£eiftung/ item Cavent, einer der Bürg geworden ift. 

Caulisäft der Stengel eines Gewaͤchſes / zwifchen den Aeftlein und 
der Wurtel. | 

Cautò fürfichtig/ ift hoch nohtwendig in der Handlung. 

Cautela, eine Berfichtigkeit/ ein Ding das zu merden ift/ wird ſehr 
oft incontra&ten und Handelungen in Betrachtung gezogen. Bon 
denen Cautelen in Kauffen und Berkauffen / ſiehe in diefem Bud) un⸗ 
ter dem Wort Kauffen. 

Cauterium, cauflicum, cauterizans, Ffcharoticum „ wird wegen 
feiner Krafft alfo genennet/ weil ed die Haut und das Fleiſch brennet. 

Caymanus ift Ef wie ein gemeiner Stein/ den man in den Bächen 
findet/ wiewol einige fagen/ ev fonıme aus den Magen des Erocodils. 
2 Indianer und Spanier brauchen ihn wider das biertägige 

eber. 

Cedern / Cedern⸗Holtz iſt ein Baum / von welchen das Holtz we⸗ 
nig in der Artzeney / viel aber in Handelungen gebraucht wird / indem 
man daraus allerhand Fünftliches Schrein-und Drerel-Werd ma⸗ 
bet. Dis Holp hateinen lieblichen und fchönen Geruch der Baum 
waͤchſt in Oft- Indien und vielen andern Orten mehr / ob aber ſolches 
alle die rechte Eedern- Bäume / und mit denen annoch ftehenden 23. 
Bäumen auf den Berg Libanon zu vergleichen feyn/ ftehet dahin. m 
deflen werden ſie noch / wie vor diefen/ inhohen Ehren gehalten / abſon⸗ 
derlich finden wir hin und wieder ind. Schrift / daß Koͤnig David felbi- 

e in groſſen Wehrt gehabt. Die Egyptier brauchten den Eedern- 
fit zur Erhaltung der fonft verweßlichen Eörper / und Salamon 
Das Cedern⸗Holtz zu den Tempel-Bau/ die Heyden aber ihre Gögen 
daraus zu fchnigen/ damit folche deftolänger aushalten/ und nicht/ wie 
ander Holtz von den Würmern zerfveflen werden möchten. 

Cedria, cedrıum, cedrinum , wird ohne Uuterfcheid genommen 
theild vor dad Oel von Ceder⸗Baum / theildaud vor dad Hark oder 
Refina, welches aus ſolchen Baum tropffet. Diefes Hark hat die Ei⸗ 

enfchafft an ich / daß davon die lebendige Eörper verfaulen/ die ver⸗ 
fe bene aber frifch bleiben / dahero es der Todten Leben genenn 
wird. 

Cedern⸗Oel / cedroleum, 

Cedern⸗Frucht / cedrides. 
Cedisen/ abtreten / einen ſein Recht / ſein Haus oder Prætenſion cedi⸗ 
ren / Bonis cediren / Guͤter abtreten / vide ceßro banorum. - 

Celopa. P.jalappa. — — 

Cel- 


m — * — — — — — 


Cel Cep | 265 


rCelufeh Nard / Spica celtica. 

Cementatio ift eine trockene Zernagung / durch welche ein Metalli- 
fher Eörper mit freffenden Saltzen ftratifieiret und gebrannt wird/ 
da dann das bloffe Gold und Silber deſſen Macht aushält/ und nicht 
in einen Ralf verwandelt wird/ fondern indem die unzeitige Meralla 
dergeftalt verzchret werden/ werden diefe beyde nur reiner. 

Cementum, ein zernahendes Mittelaus 4. Theil Ziegel-Mehl / x. 
Theil geſtoſſen Speiß⸗Saltz / 1. Theil gebvannten Kupffer⸗Waſſers / 
Durch welches die zernagende calcination verrichtet wird. Helmon- 
tius nimmt es auch vor den Leim / damit man die Gläſer und Alembi- 
eoslutiret. | 

Cenar ifteine Art Steine / dabon man die ſchoͤne Schaalen und 
Shürffeln macht / welche Chineſiſche Gefäß genennet werden. 

Centaurium minus, centaurea minor, Rhapontica vulgaris,Febri» 
fuga, Hein taufend gülden Kraut / wächft gern an duͤrren Orten/ der 
Gipfel mit den Blättern und Blumen / führet aelinde aus die Galle / 
Schleim und Gewaͤſer / und dienetfür die Verftopffung. 

Eenener/ Frangöf. Qyinral. Lateiniſ. Ponduscentenarium,ift an 
vielen Orten 100. an andern no. oder nz. TB. in Spaniens. Robis / 
davon eine 30. Tb. und alfo der gantze Spanifche Eentner 120, Tb. hat. 
In Eonfantinopel/ Alexandria und Aleppo / item in Cypern und 
Rhodis / hat der Eentner 100. Rotulos, in Gicilien thun 6. Rotuli , 
deren jeded zo. Untzen hat/ einen Eentner. Zu Breplau beftehet der 
Eentner aus s. Steinen/ jeden zu z2. Tb. und hat alfo der Eentner das | 
ſelbſt 160. Tb. 

' Centrum, eines jedes Dings Mitteloder Mittel-Punet. 

Centum, hundert/ pro centum auf das hundert / Frantzoͤſiſt pour 
cent. 

Centum capita, Eryngium. 

Centum morbia numularia. 

Centum nodiaPolygonum,. 

Cepa, Zwiebel feynd unterfchiedlich/ald cepa vulgaris, des oignons 
ouciboulles, Zibollen 3 cepula oder Sommer⸗Zwiebeln / diefe feynd 
rund und lange/ roht und weiß / groß und klein / die Wurtzelmacht kei» 
ne Abſetzling deswegen ſie allein durch Saamen vermehret werden/ 
cepa fishlis, Winter⸗Zwibeln / weilman fie gegen den Winter faet/ 
das man im Frühling junge Zwiebeln habe. Sıewerden auch Spalt⸗ 
Zwiebeln/ wegen ihres Bollens / der ſich oben fpalten laͤſt / genennet. 

Cepaflerilis, vel afcalonica Schalotten / diefe fommen niemahls 
zum Saamen/ fondern müffen duch ihre Bollen fortgebracht werden. 
Die Zwiebeln inögefamt / feynd zur Speiß und aud) in die Artzeney 
dienlich. Die Wunden / fo Mann Meſſer / mitwelchen — 

geſchee⸗ 


| 200 2 Cop Cer 
gefcheelet worden / gefchnitten werden / heilen nicht leichtlih. Kine 
Schrifft mit Zwiebel-Safft gefhrieben/ Fan anders nicht / ald über 
den Feuer gelefen werden. 

Cephalica Medicamenta feynd die Argeneyen / die man zum Kopff- 
Weh gebraucht / ald da feynd rad. Poeon, Galang, Valerian. Zedoar. 
herb. major meliff, puleg. ſalv. ferpill. for, cheir lil. conval, peon. 
tiliæ, Spir. e. e. fucc. fpir, ol. laur, rut. falv. fpic, balſ. apoplect. Em- 
plaftra cephalica Haupt-Pflafter. 

Cera, vid. Wachs. 

Cerafa, Kirſchen / Ceraſorum Gummi, das Hark davon / iſt nicht 
fonderlich brauchbar / und wird gemeiniglic) unter den Arabifchen 
Gummi gemiſcht / hernach die Haar damit wegzuägen gebraucht/ der 
Weichſel⸗ oder Kirſchen⸗Hartz muß braun-hell ſeyn. Die Kirfchen 
an ſich ſelbſt werden eingetheilt in unterſchiedliche Sorten / als rohte 
und ſchwartze / groſſe und Heine / Spanifche / frühzeitige / faure und 
ſuͤſſe / in zweytraͤchtige / Eyer / Glas / Vogel / Hertz / Träubel/ Man- 
ftel-und Purgier-Kirfchen. Das ſchwartze Kirſchen⸗Waſſer und der 
Spiritus daraus / ift bortreflich vor die fallende Sucht / böfe Lufft / 
Schlag und Lähmung der Zungen. Ferner ſeynd in vorerwehnten 
Gebrechen dienlich die Tindtur und Extract de Diamarenatum 
fimpl. & comp; und der Liqvor aus den Rinden zu Anfang des Fruͤh⸗ 
lings per Defcenfum deftilliret. Ä 

Cerata, vel cerota, vide Pflafter. 

Ceratia, filigva edulis, Johannes Brod / deffen im Griechifchen 
Tertbenmkuc.ıs.cap. imıs. v.gedaht wird. © 

Ceraunias, insgemeinDonnerfeule genannt/mweil viele dafür gehals 
ten/ als ob folche Steine wuͤrcklich in denen Orten / wo der Donner 
eingefchlagen/ gefunden würden/ ſeynd theils —— / theils grau/ 
theils ſchwartz / und daben fo hart / daß man fie kaum mit einem Eiſen 
zwingenkan. Bey den Alten/ denen der Gebraud) des Eifens zu 
denen Waffen nicht ſowol / ald und heutiges Tages bekannt gewefen/ 
hat man folche Steine zu Opffer-Meffer / Beylen und Streitham⸗ 
merngebraudt. Vide ein Mehrers hievon unter dem Wort Juden⸗ 
Stein. 1 

Ceraunio chryfis, ift fo biel ald aurum fulminans Platz⸗Gold. 

Cerefolium ; cherefolium , fativum & fylveftre, Kermwel oder 
Körffel/ ein bekanntes Kraut / fozur Speiß und Argney dienlich. 

Cerotonia, ſiliqua dulcis, 

Cerotum oder ceratum, ein Mittel von Wachs / welches man Auf 
ferlich übirfchlägt/ vide Pflafter. , | 

Cerre Partyen feynd die ſchrifftliche contracten, welche man mit 
denen Rehdern oder Schiffern / deren Schiff man befrachtet / aufrich · 

tet / 


ne Cer Eef 267 
tet / wohin daſſelbe gehen / was es laden / auch wie viel Liege-Tage und 
Fracht es haben ſolle / die Formularen ſolcher certe partyen, vide in un⸗ 
fern HandelöeC orretpondenten. Ä 

Cervelate Würft/ vide Bononifche Wörfte. 

Cervicaria, Hals» Kraut. 2 

Cervi fpina, feu fpina infectoria. 

Ceruſſa, vide Bleyweiß / item Schieferweiß. 

Cervus , ein Hirſch / deſſen Leibes Iheilmehrentheils in denen OF- 

ficinen zu Artzeneylichen Gebrauch zubereitet werden/wie folches weit⸗ 
läufftig in Schröders vollſtaͤndigen Apotheck lib. s. ı. Claſſ. unter 
dem Wort Crfus, item in diefen Bud unter dem Wort Airfche 
Zorn zuerfehen. Das Hirſch⸗Leder / welches die Meif-Gärber ges 
meinigli auf Saͤmiſche Art bereiten/ und hernach zu Camiſoͤlern 
und Hofen verbrauchet werden / fuchet man ftüchweig bey den Jaͤgern 
an groſſer Herrn Höfen/ wo viele Hirſche gefället werden zufannnen/ 
und bedingt fie / fo gut man einig werden Fan / nachdem ſie groß oder 
£lein / noch unverletzt oder voll Kocher ſeyn / welche letztere nicht an⸗ 
ders als zu Handſchuhen fönnen gebraucht werden / deren ſonderlich 
Engelandjahrlicheine groffe Qvantität ausgibt / davon dad Du⸗ 
Gent bis 2. Tb. Sterling und höher oft verkaufft wird. ine ſchoͤne 
auf Spanifche Art ausgearbeitete Hirfh- Haut iftaud) fehr cammod 
und daurhafftig zu tragen/ und nachdem te an Leder vein/ egal und 
geichmeidig gearbeitet / ift den Bock⸗Fellen weit vorzuziehen. 
Die QrintEifeng aus des Hirſchs und andere Thiere Marck zu zie: 
hen / fothue eine Qvantität deffelben / fo in den vollen Mond geſam⸗ 
let worden/ ineine Retorte, doch daß felbige bis auf den dritten Theil 
ledig ſey / ſetze es in einen Sand Dfen / lege einen Recipienten daftır/ 
mache Feuer darunter / vermiehre foldyes gradatim, und deltillivg ſo 
lange / bis nichts mehr übergehen will / hernach redtificire dieſes de- 
ftillirte Ol zu unterfchiedlichen mahlen mit ein wenig calcinirten Bis 
triol / thue ein wenig Salis fixi von eben denfelben Ihiere darzu / fo 
haft du ein Arcanunı oder frafftiges Mittel / alle Geſchwulſten und 
Sqmertzen des Podagrz zu vertreiben. | | 

Ceflio bonorum , Abtretung der Güter / betrifft auch manchen 
Kauffmann / der unglücklich oder unvorſichtig gehandelt / und end» 
lich wann er anders der Verfolgung feiner.creditorum und dem Ge⸗ 
faͤngniß entgehen will / zu diefenm flebili beneficio feine Zuflucht neh⸗ 
men / und feine Bürer und Waaren insgeſamt verlaſſen / und denen 
Glaͤubigern übergeben muß ; es gefchiehet aber folches gantz form⸗ 
lich / daß nemlich ein ſolcher mit Schulden verhaffter Mann / der or» 
dentlichen Obrigkeit anmelde / wie es nemlich mit ihm dahin gekom⸗ 
men / daß er feinen Glaͤrbigern aus diefer oder jener Urſache er 

a 





268 Ceſ Ce 


(als z. E. daß er Feuer⸗ / Waſſer⸗ / oder Sees/ Banqverott-, oder an⸗ 
dern dergleichen unverſchuldeten Ungluͤcks⸗Schaden gehabt) nicht 
merr gleich und recht thun koͤnne / weswegen er demuͤhtigſt wolte ge⸗ 
beten haben / daß er zur ceſſion mögegelaffen / und alle feine credito- 
res auf einen gewiffen Tag / warn die ceſſion gefchehen Fönte / möchten 
vorgeladen werden / worauf dann die citation an alle feine credito- 
res, ſo viel erderen namhafft gemacht / ergehet / in einen gewiſſen 
Termin zu erfcheinen / an welchen Termin der mit Schulden verhaff: 
te eine Specification feines ganzen Vermögens / aller feiner bewegli⸗ 
hen und unbeweglichen Güter / feiner Kram: Waaren / baaren Bel» 
des und ausfteheuden Schulden (die Lehn⸗ und Fidei eommill, Bü: 
ter / in fo fern der Schuldener bey feinen Leben Feine Wügungen dar⸗ 
aus zu heben gehabt / fonften folche gleichfals mit abgetreten werden 
muͤſſen / ausgenommen/) übergiebet / und dabey endlich beſtaͤrcket / 
das er feines Erinnerns mehr nicht / ald das was er hier angegeben/ 
in Bermögen habe / woraufer ſolche Güter und Brieffſchafften alle 
übergeben und abtreten muß / welche dann einem (bon der Obrigkeit 
mit Gutbefinden der Creditorum) gefekten curatori bonorum über 
geben werden / der Die Adminiftration derfelben zur Fünfftigen Be⸗ 
rechnung haben foll/ wann dieſes geſchehen / wird zwifchen denen credı- 
toribus uber die Schuld- Forderung / ob ſolche richtig ſey oder nicht/ 
wie and) aber die Priorität geftritten/ und wann durch Rechts⸗kraͤff⸗ 
tige Urtheil folcheö ausgemacht / fo werden fie aus den gefanunten 
Vermoͤgen / fo weit folches zureichet / befriediget / ob nun gleich fol- 
che Guter zu Bezahlung der Schulden nicht zureichen / fo können ſie 
lich darum doch nicht an die Perfon ihres Schuldeners halten / fon- 
dern feine freymillige ceflion erwirbt ihm das Beneficium ‚ daß er auf 
frenen Fuͤſſen bleibt / und alles Anfpruches fo lange ſicher iſt / bis er 
wieder zuandern Mitteln gelanget / ja er hat alddann noch das benefi- 
cium competentiz ‚ daß man ibm ber) Erlangung einigen Vermoͤ⸗ 
gens fo viel laſſeu muß / als er zu feinen Unterhalt nöhtig hat / leidet 
auch durch die ceffion feine Berletung feiner Ehren / wiewol doch eine 
Fleine Nora zurück bfeibet / ſonderlich wann die ccflio ritu ignominio- 
fo zugehet / daesfo gar ohne Befhimpfung nicht ablaufft. Ein meh» 
red hiebon jiche beyy dem Carpz. p. 2. cap. 22. indefinit, 

Ceflionarius ‚ heift derjenige / dem ein Recht auf eine Schuld oder 
Obligation übergetragen worden. _ 

Ceterach herba , feu fcolopendrium verum , Milg- Kraut / oder 
die wahre Hirfch-Zunge / wächft auf lauter hohen Gebürgen / bringt 
feinen Saamen / wird im Septembr, eingefamnilet. 

Cerus vel cete ‚ein Wallfiſch / hiebon wird gebraucht os fepix, das 
Tifchbein / lapismanati , foll einiger Meynung nad) das os petrofum 
von 





Cha Eba 269 


vom Wallfiſch ſeyn / es iſt aber bielmehr ein Stüd bon der See⸗Ku⸗ 
be / welche von den Spaniern Manati, weil ihre zwey vordern Fuͤſſe 
leichſam wie Hände ausfehen / genennet wird. Die Ruhlt von dem 
zallfiſch iſt vor wenig Jahren als ein hohes Mittel vor die Rohte 
Ruhr (ihrer leimichten Krafft wegen / womit ſie die Ausgaͤnge der 
Adern verftopffet/) bey uns in Europa bekandt worden. Gin mehreg 
vom Wallfifch vide unter Sperma cers, und dem Wort Wallfiſch. 
eretolium, Koͤrbel⸗Kraut / dienet zu Speife und Arkeney/ der 
Saame ift dünn und aufgefpiget/eines etwas fcharffen Befhmads. 
„Chaland , ein Kundomann / der einen Kauffmann offt abzufauffen 
pfleget. Chalandiſe, die Kenntniß die ein Kramer unter den Penteı 
in« und auſſerhalb der Stadt hat. 

Chalcedonier / ein Edelftein dieſes Rahmens / vide Calce⸗ 
donier, — 
boeleis. iſt ein den Kupffer gleich zerbrechliches nicht ſteinichtes 
Mineral, zaͤrter dann das Sory, und grober dann das Mily, wird mit 
der Zeit aus denSory , und insgemein Arramentum rubıum, Pyrites 
zrofus, Hattroht Atrament, genannt; edfcheinet eine Art Kupffers 

u ſeyn / waͤchſt and wird niemahls beveitet/ hat lange glängende 
Striche und vermiſchte Befchaffenheiten / indem es aditringiret/ 
and fo ſcharff iſt / daß fie das Zleifch brennet / und ein Rufen hinter 
ſich lãſſt; wo man fie aber brennet/wird ſie gelinder / (te kam fonft zum 
Theriac / jetziger Zeit aber nimmt man lieber dafür calcinirten Wis 
triol bis zur Roͤhte / oder gar Spiritum Vitrioli. 

Chalybs, vide Stahl / chalybis limatura, gefeilter Stahl. 

Chamz cypariffus, vide Cuprefus berba, 

'Chamzdrys nobilis, calamandrina urpurea , triſſago qvercula. 
Edelgamanderlein / klein Baht⸗En ed, Erd-Weyrauch / Vergiß 
mein nicht / wird ſonderlich vor den Scharbock und das Podagra re- 
commenditet; In denen Apothecken hat man das Waſſer / Saiß / Son⸗- 
ferv und Extract davon. 

Chamæleagnus, Myrtus Brabantiea, Thee Europæum ſeu Mor- 
trate, Poſt. | " i 

Chamzlema, Hed. Terreftris, | 

Chamzleon Ver. carduus fphzracephalicus mofcatus , groffe 
Eberwurg. | | I | | 
* Chamzpythis Ajuga, Abiga, Arthritica, Iva, Arthetica, Schlag» 
Kraͤutlein / Feld⸗Cypreß / Je laͤnger je lieber / wird gegen den Herbſt 
eingeſammlet / und aufgedoͤrrt; muß ſchoͤn grün und fein von Ge« 
ruch ſeyn / ſonſt wird er nicht paſſirt. Man macht Waſſer / Pillulen 
de iva arthritica, Saltz / Extract, Confery und Syrup daraus. 
 Chamehuja, vide Onych⸗ Stein. 


—— 


270 Cha 
Chamelxa, Germ. Mezereum, Lorbeer⸗Kraut / Scheiß⸗Lorbeern / 
Kellerhals / iſt ein Strauch anderthalb Ellen hoch / mit biegigen Aſten / 
die Blätter ſeynd mie Lorbeer⸗Laub / die Blumen Leib⸗farbicht und 
wohlsriechend / daraus Beeren werden / ſo erſtlich roht / hernach 
ſchwartz / und wie. Pfeffer beißig ſeynd / waͤchſt auf dem waldigten 
Bergen / wird auch in die Gaͤrten gepflantzet. Die Rinde von: den 
Aften und die Beeren purgiren heftig die Galle und das Gewaͤſſer. 
. Chamelxa tricoccos, Mezereon Arabum, Zeyland/ ift eineStan* 
de einer Ellen hoc) / Hat Blätter wie der Ol-Baun/ doch Heiner/ftin» 
end / brennend/ ſcharff und beiffend aufder Zungen; liegt in ſtei⸗ 
Fe /und waͤchſet wild an vielen Orten in.Spanien und 
ranckreich. BR a 
Chameleon, iftein Art einer Eydex / aufs hoͤchſte zehen Zoll lang / 
eö foll don der Lufft leben / und feine Farbe nach Belieben verändern 
können / damit es von den Jaͤgern nicht erkandt werde > Allein beydes 
ift falfch / weil man ſchou obfervivet/ daß es Fliegen und dergleichen 
Geſchmeiß frifft/ die es mit feiner langen fpisigen Zungen / au wel⸗ 
cher gleichſam ein zäher Leim Elebet / fchnell zu fangen weiß; das au⸗ 
dere hat daher feinen Urſprung / es hat diefes Thier an ſich eine graue 
Farbe / enifärbet ſich aber wieein Meuſch / ſowol nach Veränderung 
der His und Kälte / als nach Befchaffenheit der Paflion. Yndenen 
Kunſt⸗Kammern wird ed manchmahl ausgeftopfft gefunden, 
Chamomill& Romanz, Romiſche Chamillen⸗Blumen / feynd zur 
Genuͤge befandt / ſie thun aber nichtalle Jahr gut / und gehen offt aus, 
Die Einſamlung gefhichet fpaht im Herbſt; fonft werden auch die 
Chamillen eingetheilt in zweyerley Arten/ davon die erfte in ſich 
fchlieffet gemeine Chamillen / Hermel / chamomiilla vulgaris, cha- 
imamelum vulg. leucanthemum arvenfe, anthemis vulgo, die ande⸗ 
ve Art/Römifche oder Edle Chamillen / chamomilla Romana ſeu 
nobilis, chamæmelum Rom, hortenſe, parthenium anthemis, ſeu 
leucanthemis odorata. Die gemeine wachſen hin und wieder auf den 
Brah-ädern/ die Römische werden im Gärtenerzielet; das Kraut 
bon beyderley Chamillen erweichet / laxiret / ſtaͤrcket das Haupt /.x. 
das aus den gemeinen Ehamillen deftillirte blaue Saphier : Ol / und 
das aus den Roͤmiſchen Chamillen⸗Blumen dellillirte gelbe Ole / die⸗ 
nen wider den Stein und die Colic. | — * 
Champignons, fungi pileolo lato orbiculari candicante, eine rt 
bon Erd⸗GSchwaͤmmen / werden häufig auf den Mifl-Betten in den 
Küchen-Bärten gefunden. , em 
Chapelet, ein zrangofifther Rofen » Krank oder Pater nofter, fie 
erden aus Gold / Silber / Helffenbein / Corallen und aus Holg ge⸗ 
dreheten Kügelein zuſammen geſchnuͤret / und dienen denen Eatholi⸗ 
ſchen zu ihrer Andacht. | Cha 


Do 


Eha Ehe 271 


Charadter ‚ Sigillum , ein Kennzeichen / vide Zeichen. 

Charge, eine Ladung dieein Schiff oder Wagen aufgenommen. 

Charta, Papier,/ charta ſigillata, papier timbre, geftenipelteg 
Papier / vide Papier. | 

Charta Bianca, eine Vollmacht / oder vielmehr ein unbefchriebes 
ner weiſſer n Papier / an dem nur desienigen der ihm gibt fein 
Rahme unt eben / der ihn aber empfängt ſolchen als eıne Voll⸗ 
madt füllen fan. | | 

Charten-Diftel/ v. Dip/acus. 

Charte⸗Partien / vide CervePartyen, 

Charuufel / v. Cariophylii aromat. 

Cheiri, v. Lerojum luteum, 

Chelidonia & chelidonium majus, Hirundinaria, Schwalben- o⸗ 
der Gold⸗Wurhtzel⸗ / Schöll - Kraut/ mit diefen Kraut follen die 
Schwalben ihren blinden Jungen das Bejicht wieder bringen; iſt ſehr 
gut dor die Colic und Mutter⸗Beſchwerden. 

Chel:donium minus, Fıcaria, Scrophularia minor, flein Schoͤll⸗ 
Kraut / Feigwartz⸗Wurtz / Scharbocks⸗Kraut / als wider welchen es 
ſonderlich dienet. | 

Chelappa, v. Falappa, | 

Chelonitis oder groſſe Kröten-GStein/ wird bon dem Plinio bes 
ſchrieben / daß es ein koͤſtlicher Stein ſey / wie eine gedrehete Schne⸗ 

cke; er wird auch ſonſt Brontiagenannt/ item Ombria, weil man dafür 
haͤlt / daß er mit den Donner oder Regen auf die Erde falle. 
- Chermes, Kermes ſonſt auch Scharlach⸗Beer / wegen des in ſich 
habenden koͤſtlichen Scharlady- Farben » Gafftö / item Granum Tin- 
&torium, Arabiſch aber Kermes genannt / ift eine Frucht / welchein 
der Groͤſſe als grober Pfeifer / aufeinen feinen Sträuchlein in Pohlen 
und Böhmen waͤchſt / die befte aber kommt aus Spanien/ es findet (ich 
auch deren viel in Franckreich / wiewol die Authores dieſes Gewaͤch⸗ 
fes halber noch nicht einig find. Aus folhen Beeren nun kommt der 
Chermes⸗Safft / woraus die berühmte köftliche Confedtio Alchermes 
mit und ohne Biefem fonderlid) zu Montpelier in Franckreich / wie 
auch in unfern teutfchen Apothecken / (jedoch unter Aufflicht der Hrn. 
Phyficorum) gemachet wird; der Gafft und die Contectio muͤſſen 
ſchoͤn von Farben / und der Safft bitteres Geſchmacks feyn. Wonder 
nen Chermes-Beern oder Kornern / ſchreibet Eichftadius de con- 
fectione Alkermesp, 16. und ı7.folgender Geftalt: Chermes ift der 
alte Coccus Baphica oder Färberscoccus. Der Straud) oder Baus 
iſt eine Battung der Gtein-Eichen / welche daher coccifera, cocci- 
glandifera genennet wird / und hieraus wird die Chermeſin⸗ / Pure 
pur: und Scharlach⸗ Farbe bereitet. Wann dieje Beeren allzuzeitig 

| Wera 


172 Ehe 


— — — — — — — —— 


werden / ſo wachſen Wuͤrmlein darinnen / die davon fliegen / wo ſie 
nicht durch gute Aufſicht der Hüter erſchlagen und behalten werden/ 
ſolches zu verhüten / zerdrüchen die Farber die Beerlein nicht/ fondern 
benetzen diefelbige mit Eßig oder weiffen Wein / ⁊c. In denen A- 
dis Philoſophicis Anglicis Menſ. Decembr. Aõ. 1666. Obſerv. VII. 
wird der Modus, wie dieſes Korn geſammlet und præpariret werde / 
folgendes Innhalts beſchrieben / nemlich daß es ein Ausgewaͤchs ſey / 
welches auf der äuffern Fläche eines Holtzes und deſſes Blättern / ſon⸗ 
derlich fehr haͤuffig in Languedoc wachfe/ und gegen dad Ende des 
Maji Dafelbft eingeſammlet werde ; die Grana oder Körner feynd doll 
rohten Saffts / welcher fomol zur Medicin als zur Wolle und Gei» 
den⸗Farb gut iſt / zu diefen lestern ende wird das zeitige Kermes⸗ 
Korn aufeinen Tuch ausgebreitet / und erftlich / fo lange es noch faff- 
tig / 2. oder drey mahl des Tages untgefehret und gerühret / damit 
ed nicht erhitze / nachgehends/ und warn zwiſchen den Kornern ein roht 
Pulver zu erfcheinen anfängt / wird folheddurd ein Sieb davon ges 
fchieden / und das Korn wieder auf das Tuch ausgebreitet / biß aber- 
mahl dergleichen rohtes Pulver erfcheinet / da man es abermahl ſie⸗ 
bet / und das folange / bis es Fein Pulver mehr gibts im Anfang/ 
wann die kleinen Korner ſich anfangen zu vegen / weldyes dann ge- 
woͤhnlich gefchichet / werden folche mit Eßig befprenget / und zwi⸗ 
fchen den Händen gerieben / nad) diefen aber Eleine Kügelein daraus 
formiret / und zu trocknen an die Sonne geleget / wann dieſes mit Ef 
ſig begieffen folte unterlaffen werden / würden alle Staub-Rörnlein 
zu Muͤcken werden / welche ein oder zwey Tage herum flattevn / und 
endlich mit veränderter Farbe tod herab fallen / ohne Geſchmack einie 
er Bitterkeit / die vorher an denen Körnern doc, fehr merdlich war, 
Die leeven Huͤlſen des Korns / nachdem faft alle deſſen innerfte Sub- 
Hang / in dieſen vohten Pulver beftehend / heraus ift / wird mit Mein 
befeuchtet / und an die Sonne geleget / nachmahls / und wann fie wies 
der duͤrr / werden ſolche in einen Sieb durch vielfältiges hin und wie⸗ 
der ſchuͤtteln abgerieben / daß fie alsdann glaͤnhend werden / hierauf 
fuͤllt man ſie in kleine Saͤcklein / und mitten darein ſo viel an Propor- 
tion des Pulvers / als das Korn gegeben hat / nemlich den zehenden 
oder neunten Theil des Gewichts der Koͤrner / und nachdem des Pul» 
vers mehr oder meniger ausfällt / iſt auch der Abgang und Verkauff 
des Korns groͤſſer. Bernizius im 1. und I. Jahrgang Ad. N. C. 
gibt von dieſen Scharlach⸗Koͤrnern folgende Nadr.cht: Polygonum 
zu teutfch Weg⸗Graß / iſt zweyerley befandt / ein groſſes und Kleines) 
and fennd auch noch wol von beiden verfchiedene Arten / die eine da- . 
bon hat Camerarius unter den Nahnen Polygoni Poloniei Coceife- 
a beſchrieben / and nach ihm Bauhinus, neiulich Pohlnifches Weg ⸗ 
Gras 


Che. 273 


le — 
Gras / fo Purpur⸗Koͤrner trägt/ die ſe Körner ſeynd nıcht des Kräut- 
leins eigenes Gewaͤchs oder Saamen / fondern hangen an deffelben 
Wurtzel / und zwar nur an einigen / zumahlen nach verschiedener Lan⸗ 
des⸗ Art verſchie dene Boden / und beſondere Jahrs⸗Zeiten und Wit⸗ 
terungen/ und nach Beſchaffenheit derfelben Diefe Körner häufig oder 
tiel zu finden. Sie feynd aber blut-roht/ an der Bröffe einen Hanff⸗ 
Korn gleich / und haben einen — Safft / und Würntlein von 
eicher couleur in ſich. Ihr Nutzen und Gebraud; ift dadurch er⸗ 
aden worden / daß man gemerckt / wie die Huͤner / fo dergleichen 
Wuͤrmer und Koͤrner eingefreſſen / hernachmahl hoch⸗ roht gefärbte 
Excrementa don ſich gegeben. Carieus iſt / was obbemeldter Autor 
über den Rahmen Carmaſin reſlectiret / daß es bielleicht zuerſt Car» 
baſin geheiſſen / und gleicyfan vor die haupt Seiden-Farbe gehalten 
worden ; es fcheinet aber dieſen im Wege zu ſtehen / daß nicht ſowol 
Griechen alöAraber den Rahmen Kermes denen andern befandten 
Körnern aueıf gegeben / und fonderlich die Araber folches noch Heutir 
es Tages fobenenuen; in Teutſchland heifft es das gemeine Bol 
obannis-Biut/ und zwar aus den Urfachen / weil obbefagte Körner 
um Die Tage des Solftitii, auf welden fonft S. Johannis Feft ein- 
zufallen pfleget / amdiefen Rraurgen gefunden werden / dap man ſie 
aber ins befonder Pohlnifche Purper » Körner benennet / ift bloß da- 
durch veranlafiet worden / weil ſie nicht alleinin folchen Lande haͤuffi - 
ger als anderswo gefunden werden / fondern auch ihr Gebrauch zum 
Särben am erſten dafelbft unterfuchet worden, Das Feld/ wo ſie 
am häuffigften wachfen / ift um Warſchau herum / nod) mehr aber in 
der Ukraine und andern fandigten Wuͤſteneyen / wo ſie das arnıe 
Land⸗ Volck gar behutfam vonden Kräutlein abzuftreifien weiß / und 
die groffte Wurmhen (welche leichtlicd aus den Huͤlſen ausgehen) gar 
—— auf Ballen zuſammen druͤcken / welche dann beſſere und 
zumahl mehrere Farbe geben / und auch im Verkauff hoͤher bezahlt 
werden; es kauffen aber ſolche mehrentheils die Americaniſche und 
Türckiſche Kauffleute / und färben damit ihre. Wollen / Seiden und 
Leder⸗Waaren / fonderlich den Saffian und die Roß⸗Schwaͤntze; es 
kauffen eö auch wol die Holländer / und vermengen-es ‚unter die Co- 
ehenille, weil ed alsdann die Farbe um ein merckliches höher machet. 
Obbemeldter Authorbeweifet aud) / daß die heutiges Tags fo koſtbah⸗ 
re Carmeſin · Farbe / item die befandte Carta di fpagnia, und die aug 
der Tuͤrckey fommende Pezzettedı Levante; aus diefer Materia ge⸗ 

machet werden. Vide ein mehrers unter dem Wort Cramoyfi. 
Cheyri, Keyrĩ, Leucojum, werden in 4. Claſſen eingetheilt / als + 
Leucojumincanum (folio in cano) hortenfe, incanum maritimum, 
Luteum folio hifuto, EEE welche Leucojen oder gele 
be 


274 Ehi 


EEE BEE SE EEE —— 
be Regel Violen alle unterfchiedliches- Geſchlechts ſeyn · In denen 
Apothecken hat aan das Conierv, Waſſer und Oleum cheirinum, wel⸗ 
ches in Mutter Befchwerden den W ern ſehr dienlich iſt. 

 Chicha, iſt bey den Americanern ein Trand / der aus ihren Maiz 

emachet / und eben wie bey uns das Bier zum gemeinen Trincken ge 

raucht wird. 5 it 

Chineſiſche oder Sinefifche Waaren und Handlung / deren al» 
bereit unter der Beſchreibung der Oſt⸗ Indiſchen Waaren einige 
—— —* / geben nur dieſes noch gu bemercken / daß gleich» 
wie das Königreich China ein überaus groſſes und vold-reiches Land 
ift / welches inıs.Provingen / als Pecheli oder Pecking , Xanlı, Xen- 
fi, , Xantung, Honan, Suchuen , Hugvang, Kiangfi , Kiangnan oder 
Nauking, Chekiang , Fokien,Qvangtung, Qvangfı, Qyeuchen und 
Januan, abgetheilet wird / alfo auch daffelbe von allerhand zur menſch⸗ 
tichen Rohtdurfft erforderten Dingen einen groffen Überfluß ausge · 
de / fonderlichan Gewuͤrtz / GSeiden/ Eaton / Droguiſtereyn / Baum⸗ 
yad Zeid-Früchten /und dergleichen / vornemlich aber an vielerhand 
Manufadturen / welche haufig von denen Holländern und Engelaͤn⸗ 
derngegen andere Europaͤiſche ober auch Alatifche Waaren erhans 
delt / und reich zu und in Europa übergebracht werden. ie 

Mönsen in China ſeynd niht geſchlagen oder geprägt / fondern es 
werden die Waaren bezahlt mit Stüden Silbers / welches faft wie 
ein Schifflein formirt / und unterfehiedlichen Gewichts uud Valeur 
ſeynd; mann manan der Güte des Silbers zweifelt / fo ſchneidet 
man davon ab / und iſt ſonderlich bey den Handel mit den Ehinefern 
nöhtig / jeberzeiteine Gold⸗Waage mit jich zu führen / damit man 
nicht betrogen werde; Uderdem haben ſie eine vunde kupfferne Mün- 

ge / miteinem Rech in der Mitten / um ſolche anzuhängen / diefe Art 
don Müngen ift mitbielen Charadteren bezeichnet / fie if did / und 
wachen v0. einenSolsde france , und 10.Sols den io. Theil ihres Tha. 

{ers / welchen le Leam , die Portugiefen in Indien aber Tael nennen, 
ein —* Thaler gilt ohngefehr +. Frantzoͤſiſche Pfund/ 2. Sols und 
2, Pfenning. | 

Die Haupt und Käyferliche Refideng » Stadt in gan China iſt Pe- 
king ‚ welches die Refiden gegen Norden bedeutet / zum Unterſcheid 

eines andern Königlichen Sitzes gegen Süden / Nanking genannt/ 
auffer dıefen ſeynd noch in denen andern dor erzehlten ıs. Provingen 

fehr groſſe / herrliche und volck⸗ reiche Städte / die alle treffliche Hand 

{ung und Manufa&kuren / infonderheit aber überaus gute Policey har 

ben / welche dann nicht wenig zu der commercien ihren Flor und Auf 

uehmen dienet; fo rühmen ſi auch die Ehinefer / dap ſie in kluger Er⸗ 
findung 2. Augen / die Europder nur eines / die übrigen _— 


ur — — — — — — — 4— * 





Chi 275 


WEITE ERDE RT RZ SO 
aber gar keines hätten/ ja ſie wollen gar die Buchdruder und Artigle- 
rie · Kunſt erfunden haben / und geben vor / ald wenn ſie beyderley 
ſchon von etliche taufend Fahr her befeffen ; allein man ſtellet dieſe Pra⸗ 
lereyan ihren Ort / und ift vielmehr verjichert/ daß wir Europaͤer / 
und ſonderlich Die Teutſchen Die Erfinder dieſer beyden Wiffenſchaffen 
am erſten in unſern Welt⸗ Theil geweſen ſeyn und dazu von den Siue. 
fen gang nichts abgeſehen / fondern vielmehr dieſe Wiffenfchafften zu 
ihren hochſten Grad und männlichen Alter gebracht / da felbige noch in 
Ehina gleichſam in ihrer Kindheit uniherſchweiffen. Was auch end» 


lich ihre Manufadturen betrifft/fo befennen wir / daß die Chineſtiſchen 


Handwercksleute an denen in ihrenLande gebraͤuchlichen / und von fo 
bielı00, Fahren her excolirten Manutacturen keinen Fleiß ſparen/ 
aber darum nichts præſtiren / daß ihnen nach zu machen , unmöglich 


ſeyn folte / warn nur die darzu erforderte lngredientia in Teutfch- 


land ſowol als in China ſolten zu bekommen ſeyn; ein Zeugniß deſſen 


fan die bey und nunmehro täglich ehr empor kommende Kadier- Ar 


beit feyn / die weder am Blank / Invention noch Daurhafftigkeit der 
Dft- In diſchen im geringften weichen darff. An Seidenen Stoffen 


Haben ſie auch nichts voraus / und mo bleiben endlich fo viel taufend an- 


dere künftliche Manufadturen/ welche unfere Europder machen und er» 
funden haben / davon bey den Ehinefern altum filentium & craffa 
ignorantia iſt. Vide hiebon / wie auch von der gantzen Ehinefifchen 
Handlung / ein mehrers in des Ritter Chaumonts,Chardins, Theve- 
nots, Neuhoffs / Meuſchuͤtzens / Mandelslohs / Taverniers, 


Monconũs und anderer ihren ChinefifchenReis-Befchreibungen/ 


item, in Athanafıi Kırcheri China illuffrata , in Eraſmi Francifei Oft» 
und Weſt ⸗ Indianiſchen Luft: und Staats⸗Garten / ıc. | 

China, chinæ, ieber-Rinden / iſt eine feiter etlichen Jahren bey 
uns in Europa wider das Fieber bekandt gewordene Medicin, aus 
Ehina kommend / daher ſie auch den Rahmen führet. Es ift eine die 
ce (hwargibraune Rinde / bitter und anziehend von Geſchmack/ der 


Baum / von welchen diefe Rinde genommen wird /foll in Oft-ndige 


niſcher Sprache Gannanaperidc Heiffen / die Rinde führt den Nah» 
men china chinæ,, item cortex Americanus, Peruvianus, Sinenfis, 
febrifugus, Palo de calenturas, Kinkinna, Pulvis Jefuiticus, ihre 
Krafit und Wirdung iſt / dap ſie der Faͤulung währet / den Schweiß 
treibet / und fonderlich ein herrlich Specificum Yor dag nachlaſſende / 
item, 3. und 4. taͤgige Fieber iſt. 

China,.oder Pocken⸗Wurtzel / kommt aus Oſt⸗Indien / wird 
auch fonftSmilax aſpera Chinenſis genannt / und in die feine/ mittel 
Gattung /und gemeine ſortirt / Diefe letztere taugt nichts / die mittel 
Gattung nur wenig / die feine aber / — ſie ſchwer und refinor 

* au 


276 | Ehi Chr 
“auch nicht leicht jerfhnitten werden kan / und inwendig nicht zu roht 


wie die Mexicanifchen und wilde / fondern röhtlich in weiß anzufehen 
ift / auch nicht wurm⸗ſtichig / oder die Löcher daran mit Gummi Tra- 
ganr., wie etliche Betrieger im Gebraud haben / wieder verſtopffet / 
und — mit Umbr. und Venediſcher Seiffe vergleiſtert ſeyn / iſt 
vie beſte / ſie trucknet ſehr / treibet den Schweiß / und heilet Die Waſ⸗ 
ſerſucht / kommt auch mit der Sarfaparilla in vielen Stücken über ein/ 
wie man dann ebenfals von dieſer ein heilſames Decoctum machet. 
Chineſiſche Dinte / ſonſt auch Tuſch genannt / wird folgenger 
Geſtalt gemacht: Nehmttrockene gang rei Bohnen / macht fie 
zu Kohlen / und ein Pulver daraus / vermiſcht ſolches mit Waſſer / in 
welcher Arabifcher Gumini zerlaffen worden / und macht davon eine 
Maffa , die druͤcket hernach in Formen / und lafft fie trocknen. Item 
nehmt eine Unge Ruß-Schwartz / zwey Qventin Indigo, ein halb 
Dventin Fiſch⸗ Schwaͤrtze / reibt alles. mit halb Waſſer und Milch / und 
ein wenig Gummi Arabicum untereinander / und machet Täfelein 
daraus / man muß aber zuvor dir Ruß ⸗Schwaͤrtze in einen erdenen 
Topff läutern / um ihr alle Feiſtigkeit zu benchmen. 
CShirographum, eine Handſchrifft / Creditor chirographarius, ein 
folcher der nichts anders ald ein bloſſe Schuld⸗Verſchreibung / und fein 
Pfand von feinem Debitore in Händen hat. 
Chocolade, vide Cacao. 
Cholagogum, eine Medicin, die die gelbe Gall purgitt. 
Chondrilla marına , cichorium bulbotum , Meer « Ehondrill/ 
ner ern an See⸗Ufern / foll vor die Kröpffe und die Guͤlden⸗ A⸗ 
der beiften. 
Chriftall / vide Crysallus. 
Chriſt⸗ Apffel / follen (mie in denen Epherneridibus Naturæ cu- 
rioforum decade ı, anno. 2. item in decade 3. anno, ı. zuerfehen/) in 
der Chriſt⸗Nacht allein / und fonderlid um Nürnberg herum gefun- 
Den werden. 
Chriſt⸗ Wurtz / Chriſt⸗Knotten / Heleborus Niger. 
Chriſtian⸗Wurtzel / Altragalus glandula. 
Chrylanıhemum, caltha. 
Chryſanthemum, Latifolium, Arpica. 
Chryfocolla, Berggrün/ oder gleichſam Gluten auri, Gold⸗Leim / 
der beſte wird in Ungarn gemacht / man fiudet dreyerley Sorten in 
Handiung / und wird jede derſelben / dem Geſicht und Wehrt nach 
vertaufft. Die Ratur dieſes Minerale iſt veneriſch / ſaltzig und ſal⸗ 
petrich / es wird auch abgetheilt in naturlihed und durch Kunſt zube · 
reiteieö/ unter jenen iſt das Armeniſche das beſte / nechſt dieſem das 
Macedoniſche und Cyperiſche / wiewol man auch deſſen in — 


a“ 


Chr 177 


nd. A 
Schleſten und Ungarn hat / das Zubereitete wird entiveder aus den 
natürlichen gefaubert und zubereitet / oder auch aus Kinder⸗Urin ge> 


mad. | 
Chryfopoeia, iſt das Theil derSpagyrie oder Chymie, welche wei» 
fet/ wieman aus unvollkommenen Metall duch Hülffe des Mercurii 
Philofophorum, wahres Bold machen fau. Ob diefe Kunft in na- 
tuͤrlichen Kräfften oder Vermögen beftehe / wird noch ſehr gezweifelt. 
Chryfolit oder Boldftein/ chryfolichus , ifteine Art eines Edelge- 
fteins/ von einer furtreflichen Gold⸗Farb / und dabey fehr hart. Die 
Altenhaben ihn vor einen Topasgehalten / es iftaber ein Unterfcheid 
Darunter/ die beften Ehryfoliten Eommen aus Mobrenland. Er wird 
nachgemacht / wann man mit 2. Ungen Berg⸗Chryſtalls / 8. Ungen 
Mennige vermifchet/ denen manız, Gran des Saffran-Beiftes/ mit 
Eßig gemacht / zufüget/ und hernad) das ganze Gemiſch in einen Ti». 
gel wirfft / folhen mit einenirrdenen Dedel aufs befteverlutiret/ hier⸗ 
auf in einen Töpfer Brenn-Dfen ſetzet / und darinn fo lange ftehen 
Läft bis ungefehr andere irrdene Befäffe gebrannt werben / fo wird 
man hernach eine gläferne Materiam finden / welche / wann fie auspo- 
liret / einen [hönen Morgentändifchen Chryſolit vorftellen kan / oder 
nimm gebrannt Kupffer / Mennige und Ehryftall / zu feinen Pulver 
geſtoſſen / und viermahl fo vielgebrannt Zinn / thue es in einen ſtar⸗ 
den Calcinir-Topfl/ und fegees ein Zag lang in den Ofen ; dieſes Pul⸗ 
ver laͤßt ſich leichtlich ſchmelhen / deswegen map das Feuer nicht allzu⸗ 
ſtarck fenn/ und muß allezeit in einerlen Grad erhaltenmwerden. 
Die Geſchlechte der Chryſoliten feynd dreyerley/ das erfte / welches 
der rechte Chryſolit / iftein gar harter / herrlich Sonnen⸗gläntzender 
Edelgeſtein / welcher / wie Albertus Maenus ſagt / feine gröflefte 
Schönheit des Morgens fehen Läßt/ zu anderer Zeit des Tages aber 
u cht ſo ſchoͤn iſt. Die andern zwey Gefchlechter dieſes Steins ſeynd 
ſchlechter als der vorige / der eine heiſſet Chrys- Flectrum, der andere 
Melichryfus, beyde dieſe Rahmen geben eine Goldfarbe zu verſtehen. 
Aber dieſe Steine ſeynd nicht ſo hart / und weicher als die vorige. In 
Alıa, ſonderlich in der Provintz Bactria. werden zu weilen Chryſolten 
gefunden / welche etliche Pfund ſchwer ſeynd / wie dann auch der Käy⸗ 
fer Rudolphus einen ſolchen Stein / der 2. Ellen lang geweſen / ſoll ge: 
habt haben. Die Eigenſchafft dieſes Eöftlichen Steins / beſtehet unter 
andern darinn / daß er in hitzigen Fiebern unter die Zunge gelegt / den 
Durſt loͤſche item der Melancholey und fallenden Sucht wehret / da: 
beniffer auch vollkommen hart / und Fan durch die Hitze des Feuers 
dahin gezwungen werden/ daß er eben wie der Saphir feine natürliche 
Farbe verlaft/ und zueinen fchönen Diamant wird 
Ovidiusimandern Buch der — dichtet ſehr re 


> 


278 Chr: 
na * Sonnen· Magen von Chryſolit gemacht gewefen / wann er 
veibet : % 


Aureus axis erat,temo aureus, aurea ſumma, 

Curvatura rotz, radiorum argenteus ordo. 

Perjuga Chryfolithi pofiteqve ex ordine gemmz 
Clara repercuffo, reddebant lumina Phœbo. 

Chryfopras,ift ein durchſcheinender grüner Stein/mit einen Bold» 
Blange. Die Alten haben alle diefe Steine / welche einen Goid⸗ 
Glang hatten / Chryſolith zu nennen pflegen / von den Griechiſchen 
Wort Xguros, Bold/ und dahero feynd der Prafen, Topas und Be- 
rill, welche mit güldenen Strahlen / und derChryfopras , Chryfopa- 
tius Und Chryfoberylius , welche eben dergleichen Glan und Schein 
mit ihrer Brüne vereinigethaben / mit einerley Rahmen genennet. 
Der Chryfopras, oder Bold-Prafem / hat den Bold-Blan miteiner 
Lauchgruͤne / er ift dem Angeſichte fehr angenehn / und wird höher ges 

Iten/ als der Prafem, fo gar / daß er auch / wie inder Offenba hrung 

hannis am zı. Capitel im zo. v. zuerfehen / ewürdiget wird / ein 

rund⸗Stein der Mauer des neuen Jerufalems zu feyn / welche 
Srund⸗Steine der heil. Auguftinus in feinen Erklärungen über die 
Palmen folgender geftalt ausleget: Der erfte rund war einJafpis, 
das ift Gt. Peter / der andere ein Saphier,dasift St. Paulus / der 
dritte ein Chalcedonier ‚ das ift St. Johannes / der vierdte ein Sma- 
sagd,dasift St. Jacob der Bröffere / der fünffte einSardonich, dag 
ift St. Yacob dev Kleinere / der fechfte einSarder , dasift St. Ans 
dreas / der Kebende ein Chryfolich, das iſt St. Matthäus/ der achte ein 
Kerill, das iſt St Simon / der neunte ein Topas, das ift St. Barthor 
lomäus / der zehnde ein Chryfopras, das iſt St. Thomas / der eilffte 
ein Hyacinth, das ift St. Philippus / der zwölffte ein Amethift, das ift 
Gt. Judas der Bruder Simonis. Mann er von den zwoͤlff Thoren 
diefer Stadt redet/ deren jedes aus einer gangen Perl war / fagt er: 
Daß durch dieſe Thore verftanden werde / Chriſtus das unbefleckte 
Lamm GOttes / welcher in dem Evangelio Gt. Johannis amıo. Cap. 
v.9. (ich felbft nennet die Thüre der Schaafe / jemand durch ihm 
eingehen wuͤrde / der wuͤrde ſelig werden/ und ein und ausge« 
hen/ und Weyde finden, 

Ehryjtall/ vide Chryfallus, | 

Chumpi iftein Stein / von Art des Smergels / mit Eyſen ver⸗ 
mengt / wird häufig in America gefunden, 

Chybur bedeutet fo viel als Schwefel, 

‚Chymia, chemia, chimia, die Scheide-Runft / ift eine ſolche Kunft/ 
bermittelft welcher das Reine von den Unreinen gefchieden wird / oder 
diefe Kunſt ift eine thuende und arbeitende Miffenfchafft / der 
raturlihen. Dinge / Phyfica Pradica genannt. Man ar 

et 


fe (ie auch dk Alchymifche Kunſt nach den Arabern / welche / wann (ie 
envas fürtedfliches wollen anzeigen/ das Wörtlein Al hinzuthun / das 
inter ihnen ſo viel als Gott oder groß heiſſet. Andere haben fie Al- 
chamyitifche Kunſt genennet / und hiedurch anzeigen wollen / daß 
Cham nach der Sündfluht alle Wiſſenſchafft und Kunfte aufd neue 
wiede: erfunden/ und herbor gebracht habe. Bisweilen nennt man 
fie au die Spagirifche Kunſt / dadurch Die edeifte Arbeit derfelben/ 
nemlth die Scheidung und Zufammenfegung/ verſtanden wird/ weil 
manıuch derfelben Operationes. ohne äufferliches Feuer nicht verrich⸗ 
tenka / dann dieſes erwecket das innerliche Feuer in den Mixtis , als 
gibtnan ihr aud) den Rahmen der Pyrotechnifchen Kunft ; Wann 
manie die Hermetifche Kunſt nennet/ bezeuget man dadurch ihre An- 
tiqviitoderhohes Alter / und wann ſie die Deſtillier- Kunſt genannt 
wirderklaͤret man die gemeinefte Operationes derfelben. Der ge⸗ 
lehrtHerr Harsdörffer vedet inden ı6. Theil feiner Mathematifchen 
Ergufftunden von der Chymia folgendermaflen: DieChymia ode» 
Schmltz-Kunſt / hat einen fo groflen Rugen in dem Menfchlichen Lee 
ben/ dß faſt nichts treflichers Fan erdacht werden ; Gie zertheilet die 
angleise Theile / veiniget die Unbollkommenen / ſammlet das Zer⸗ 
ſtreueti vermehret das dienliche / erhöhet die Beifterlein/ und machet 
Das Hiralende und Vergängliche gleichfam unvergaͤnglich / indem 
alles Berweßliche abgeſondert / und nur ein Beit davon erhalten 
wird. Ihnediefe Schmeitz⸗ Kunſt oder Scheide-Runft  dannChy- 
mia heißnichts anders / ald die Feuchtigkeit von einem Dinge abfon» 
dern und uszichen) if alle Naturfündigung ohne Grund und ſichere 
sprobe/ da,alfo den Riebhabern derfelben begegnet / was jenen Soͤh⸗ 
nen / welchenihr Vater auffeinen Todbett eröfinet/ daß er eineu Schatz 
in feinen Werberg verborgen / den Ort aber nicht bedeuten koͤnne / fie 
folten ſolchen ach ſeinen Tod ausgraben; Ob fie nun wol ſolchen durch 
Umgrabung ds Weinbergs nicht gefnuden/ fo haben fie doc) vermit⸗ 
telſt ſolcher Arbit dın Weinberg fruchtbar und wohltragend gemacht. 
Alto haben rlihChnmiften Bold gefucht / folchen Schatz aber nicht 
gefunden/ hingegn ater viel andere Kunftftücklein iu der Artzeney / zu 
der Menfchen Behndkrit dienlich/ erforichet/ welche ſolchen Sonnen» 
Metall gleichwuͤrdg zu ichten. Die Alten haben einen Vorſchmack 
gehabt / von dieſei gerthmten Schmelg-Runft oder Chymia , und 
doch die Mittel darzi dienan heut zu Tage hat/ nicht gewuft. Wie 
hoch ſie Hypocrates geraltek ift zu leſen in feinem Buch von der Alten 
Artzeney / wofelbft ev alſo ſch — zu rag en zu —* 
lichen Safft / welcher ſich von dem 
vermiſchten nicht abfondern laͤh als durch das Feuer / x. Galenus 
Ib, 1,fimpl. Med. c. 19. fagt/ dakr die gr feines Lebens wolte ger 
| 4 atı 










be; 


230 Chy _ 

auf wenden / zu erlernen / wie doc die Vermiſchung aller Elementari* 
ſchen Sachen von einander zu fcheiden 7: wie nian den Rohm don der 
Milch in dem Butter: Faß ſcheiden kan/ ꝛc. Und in dert Buch den 
den Theriacfagter: Daß das Feuer viel Sachen beſſer mache als 
fie an ihnen felber nicht feyn. Wann man bauen will/ muß mar zubor 
die Steinbrüche umreiſſen / und das Hole in dem Walde fällen; alte 
muß man auch ein Metall / Kraut oder Wurgel zuvor zertheilen und 
in feinem erſten Anfang ſetzen / bevor man eine andere Sache dirbon 
zubereiten kan. Der erſte Anfang aber-/ welcher ſich ee in 
allen Geſchoͤpffen weiſet / ift ı. Saltz / 2. Schwefel/ 3. Quedjilber /und 
in diefe Theile toͤnnen ſte auch gefchieden und abgefondert werdenmweil 
le eine mittelftändige Natur Haben/ zwifchen den leiblichen und eif 
lien Sachen / z. E das Holt wird verbrennet / undtriffet feineRäffe 
bon ſich / wann es grüne ift/verurfacht es auch einen HärdernKau)/als 


wañ es trockener ift. Der Schwefel oder dzel in den Holtz / iſt ein ver⸗ 


brennliche Feuchtigkeit / welche die Higeund die Flamme verurichet / 
folange ſolche Nahrung dauret. Drittens iſt übrig die Aſche oder 
dad Saltz / fo nachgeendigten Brannt liegen verbleibet, | 

Daß der Menſch bon Erde genommenfeysift dahero unmiebeiprech» 
lid) zu beweifen/ weil er wieder zur Exde werden muß / und dRchertn 
gefalgenen/geronnenen uf Mercurialifehen Geblüten undFewtigkeis 
ten/ das Saltz mug ein Uhrftoff ſeyn / weil es fein Weſen nichberdn- 
dert / man treibe es auch nit dem Feuer / wie man wolle ; dalas ift 
das letzte was das Feuer von den Äſchen Hinterläffet / und Frbleibet 
alsdann auch in feinem Mefen ; der Mercurius berbleibetsleichfals 
in feinen Weſen / aus welchen man nichts alsfeine Feuchtäkeit / die 
fein felbfiftändiger Stoff ift/ ziehen kan / fo verzchrerich auch der 


| —— oder das Chymiſche Oel / ohne Kinterlaffung Miges Kenn: 
geichens. | | 


Etliche andere wollen nicht geftehen / daß alle Secherin diefe drey 
Anfangs oder Uhrſtoffe entſchloſſen / oder aufgelferderden Fönnen/ 
weil manaus den Marmor und allen Steinen frin sl oder brennen= 
den Schwefel bringen fan / und hatten für untvranmortlich / daß die 
Lufft und das Wafter unter Veränderten Nahuen drElementen Stels 
lehabenfol ; bey fo zweiffelhafften Sachen if diegrage / ob man ſich 
Chymiſcher Argeneyen bedienen fol? wirantmiten : was auf der 
Erden gefunden wird / ift den Menfchen uRar eſchaffen / und ent- 
m: derreine Rahrung oder eine Argener/ oder Gift; Die Artzeney 
nähret nicht wie. Speife und Tranck / ſadet auch nicht wie der tödli« 
He Gift / ſondern verzehret und räuiet hinweg die überflüßige und 
ſchaͤdliche Feuchtigkeiten ; folches an zu leiften / können (ich Die Ge⸗ 
lehrten nicht vergleichen / und woln die Galeniften a 

ie 


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0 SB 
die Paracelüiften durch’ gleihftändige Sachen die Genefung auswir⸗ 
den / das Sprichwort fagt / man muͤſſe Boͤſes mit Böen vertrei⸗ 
ben / es haben aberdiefe beyde Mennungen keinen widrigen Ber» 
Fand / indem die Rrandheit von den Rranden zu rreiben/ und dieſem 
durch gleichftändige / jenem durch widrige Sachen muß aeholffen 
werden. Die Metallenfennd von des Menfhen Natur weit unter: 
fihieden / und ob ſie wol auf das fleifiafte bereitet. werden/ laflen fie 
doch ihre Ratur nicht verändern / hingegen aber ſeynd die Kräuter? 
Fruͤchte und Saamen des MenfchenEigenfchafften vielgemäffer/ und 
ränmen aus den Wege / was an feiner Geſundheit hinderlich iſt: Hier⸗ 
- aufift zu antworten / daß derjenige/ welcher das Bute von dem Boͤſen 
nicht weiß zu unterfcheiden / aleich ſey einem Koch / der die Galle in 
einen Fiſch nicht kan heraus nehmen / und gibt dem Fiſch Schuld/ daß 
ex fo bitter fen / ob er gleich von Zucker eine Brühe daranmadıe. Was 
durch das Fener gereinigt und Fubrilifivet wird/ kan in. geringerer 
Maaß geſchmeidiger und Eräfftiger wircken und werden auch die 
Kräuter Ehnmifch bereitet/ und die MineraliemohneZubereitung bon 
denenGalenifengebrauhtsalsder Schwefel zu den Gebrechen derLun⸗ 
gen / das Queckſuͤber für die Neapolitanifihe Krankheit / Einnober 
wider den Schwindel / der Stahl⸗Wein / das Magnet-Pfafter ꝛc. 
. und dienet ſo gar der Vipern / und Schlangen-Giftt in der Argeney/ 
c. Wie viel ſeynd fcharffe Siffte die zu unferer Nahrung dienen/ 
Granaten / Citronen / Lemonien / Senff / Zwiebeln’ Knoblauch / x. 
Fönnen heut zu Tage von der Küchen nicht mehr ausgeſchloſſen werden/ 
und nützen auch in etlichen Fällen den Kranden. Der Beift / welcher 
gleichfam das Leben ift/ muß durch die Doͤrrung der Kräuter nicht 
verlohren / ſondern erhalten und genuget werden; dieſes lehret dieChy- 
mia, und thut in den unheilſamen Krandheiten natürliche Wunder⸗ 
wercke / deven Erfahrungulle Schein⸗Urſachen zurück treibet ; kurtz 
zu fagen / die Schmelt- oder Scheide: Kunft lehret die Bermifchung 
aller Elementarifchen Sachen” abzufondern / ind wicder zum Ge⸗ 
* brauch. der ſicheren und heilſamen Argeneyen zu mifchen / allermaffen 
folchestäglich ih der Natur gefchiehet/ und zwar unvollfemmen in 
Thau / Hagel und Schnee ; vollkommen aber in den Erdgewaͤchſen / 
Kräutern / Metailen und Thieren allerley Arten. Die End-Urfad) 
dieſer Kunſt ift / mit Artzeneyen die Befundheit zu erhalten / und die 
verlohrne wieder zu bringen/ alfo dag ſolche Mittel viel heilſamer / 
del lieblicher zu nehmen / mehr Wirckung / und in geringerer Anzahl 
ficherer zugebrauchen feyn / melches die gemeine Äpotheckerey nicht 
leiſten kan. Gleichwie nun einem Sänglinge durch die Artenen/ 
welche die Mutter oder Saͤug⸗ Amme nimmt / Fan geholffen / und def 
felben Leib gereiniget werden / ulfo 2 auch Vermittelft des — 
= | 5 ven 


| 
282 Chy 
tens das eingeſetzte Metall nicht zerſtoͤhrt oder vernichtet / fondern zu 
dienlicher Bolikommenheit gebracht / eine fo viel (ubtileve Wirckung 
zu verrichten ; Zu bemweifen aber / daß diefe Kunft in der Natur ge- 
‚gründet fen / fo kan man einen Zuber oder Geyer nehmen / denſe 
unit fetter Erdeu / darinnen keine Steinlein ſeynd / füllen/ und in dem 
Regen unter den Himmel / jedoch nicht in die Sonne / fegen / fo wird 
fi in einen Monat finden / daß darin zu fehen.C:) Heine. Kegen- 
Pürmer und Schneden / der Thier⸗Reiche (regnum animale’) vor⸗ 
bildend. (2) KRräuterund allerhand Unkraut / dad Reid) der Erdge⸗ 
wächfe weifend. (3) Kleine Gteinlein/ dad Metallen-Reid) (regaum 
minerale) bemerckend: Wann man nun diefe drey davon abfondert/ 
und warmes Maffer über den Reſt geuft / feßet es wieder ein Monat 
in den Regen und freye Lufft/fo wird nichts mehr daraus wachſen; F 
alfo das fette Saltz der Erden die Urſache des Wachsthums / mit wel« 
chen der HErr Ehriftusfeine Apoftel verglichen / March, 5. 
Damit wir aber einen kurtzen Entwurf dieſer gaugenKunft Horftellen/ 
ſetzen wir hier nachfolgende Tafel : ’ 

Amalgamationem _ 
Solutio-\ Caleina- | Corroflone == 


ne gb tionem per Stratificationem 
fit per \lgmitione |Fümigationem 
Cinerefallionem 
Reberberationews 
 \Extrathionem Defiecationem. 
Generay Alten” | Sicca 
Chymial liter \frone \humi 
eonfiflit ER Tritorium 
in | am Chart ım 
“ : 1 fi A f * 
‚jexbaie- er ltr ——— 
Coagu | Fiome — one 5 Digeflionem 
latione (Coctione deligbio |Putrefattionem 
ge fr org“ | irculationem 
= " ISpecia- |Modo intermedio 
â— jter per menfirna propria 


Ob nun diefed wolnicht gar füglich Fan geteutfchtet werben / wollen 
wir doch einen Verſuch thun / zu beweiſen / daß unfere Sprache aud) 
h diefer Kunſt nicht ſtumm iſt / wann und nur die. Neugierigkeit nicht 

oviel fremdes einführte; diefenınach heiſt es: 
Ehymia, die Scheid⸗ oder Schmeltz⸗Kunſt / welche lehret / das ber⸗ 
miſchte (corpus mixtum) auflöfen durch die Kochung/ caleination gt, 
| — | nannt 


J 3 s 


_ | es: | 283 


aunnt / und durch die Ausziehung ( per extradtionem,) Wiederum 
lehret ſie / das geſchiedene fanunlen/ und kunſt-richtig vermiſchen / 
per coagulationem. | | | 
Die Kochung ift nichts anders als eine Pulverihrung / fe durch das 
Chymiſche Kunft » Feuer geſchiehet / entnehmend die zufällige und 
nicht die wefentliche Feuchtigkeit / weiche alle Theile zufammen halt/ 
wann aber das Pulver fo fleinwie das Mehl und der Staub / fo wird 
es Alcool genennet / dieſes Wort wird auch gebrauchet von den ſubti⸗ 
leſten Beifterlein des Weins. s 
Die Kaldung oder Pulveriſirung / welche auch Zerftaubung Fan ges 
nennet werden / gefchiehet auf zweyerley Weiſe / durch die Zerfrefe 
[ung / (per corrofionem, ) und durch Feurung / (per ignitionem.) 
Die Zerfreflung (corrofio , erfolget auf viererley Weiſe / (i) vermit⸗ 
elſt des Queckſilbers / genennet Amalgamatio oder Erweichung / und 
zeſchiehet mit allen Schien⸗weiß geſchlagenen Metallen / ausgenom⸗ 
nen Eiſen / das keine Verwandtſchafft mit dem Quveckſilber hat. 
Geſchiehet die Aufloͤſung durch die Abſtürtzung (per præcipitatio- 
em) oder Ubergieſſung des Scheide⸗Waſſers / dadurch die Metall 
erfreſſen / und den Kalch gleich gemacht wird; durch das Wort 
Scheide⸗Waſſer wird auch deftillirter Eßig / Alaun-⸗Waſſer / Vie 
riol⸗Safft und alles verſtanden / was aufloͤſet und kalchet. 
Beſtehet die Auflöfung durch zerfreſſende Pulver / cementationem 
der Nratificationem, die man unter und auf die Metall-Schiene oder 
Sleche ſtreuet / welchesfelbe zerfalchet. 
. Erfolget and) eine Raldy:artige Auflöfung durch die Räucherung/ 
per fumigationem) mann das Metall zu Heinen Schienlein gefchla« 
en / und über feharff-dampffende Sachen gehendiet / und durch dee 
en feuchten oder trockenen Rauch zerfreflen und verkalchet wird. 
Die Durchfeurung ee) ift eine Kalchung / welche das Metall 
ermittelft deö Feuers auflöfet auf zweyerley Weiſe. 
. Durch Veräfcherung (per cinerefadtionem, ) warın das Erdge⸗ 
yächs oder Thievdurch ein hefftiges Feuer zu Afchen verbrannt wird. 
. Durch die Gegen-Hitze / (per reverberationem) welche in einen bee 
‚ders darzu gebaueten Ofen / alles auffer den Metallen auflöfet und 
erfalcher ; hieher gehöret auch die Austrodnung / (defiecatıo,) 
ann die Feuchtigkeit ausgezogen wird. 
Yie Kaldyung oder calcinatio löſet die Metalle auf / daß fid) die 
5chärffe derfelben / beftehend in einem lufftigen Saltz / verlieret / und 
aß das faure dadurd) verſuͤſſet wird ; etliched wird durch die Kal 
ung fehärffer / wie der Alaun/ Schwefel ꝛc. 
Yiefer Raldung Nohrwendigkeit erhellet in — der Artze⸗ 
men / waun man die Magiſſeria machet / welches gar ſubtile a \ 
| Mm 


284 € Al — 
ſeynd / darinnen die weſentliche Tugend und Wirckung kraͤfftigſt er hal · 
ten wird. | | 
Die Auszichung {extraXtip) geſchiehet durch allgemeine oder abſon⸗ 
derliche AÄAufloͤſung des fürgegebenen Stoffs / und iſt die allgemeine 
Aufloͤſung dreyerley: ı FmAuffteigen (aſcenſione,) =. int Abſtei⸗ 
en (defcenhone,* 3. in Zwiſchen⸗Mittelung (intermedio.) 

ie Auffteigung iſt entweder troden oder feucht/ die trockene Wird ge» 
nennet Erhöhung/ (fublimatio,) der Abfteigung Trieffung ( deftil- 
latio.) 
Die Erhöhung (ublimatio) iſt eine Ausziehung der trockenen und 
ſubtilen Theile / wohl erhöhetdurd) das Kunſt⸗Feuer / dem Befchirr 
oder Gefäß anflebend / ed muß aber das Gewächs zuvor bereitet feyn/ 
damit es das Feuer fublimiren oder erhöhen Ean. 
Die Trieffung (defillatio) ift eine Ausziehung der feuchten Theile / 
welche durch das Kunft : Feuer auszudänpffen gezwungen. werden / 
gleichwie die Köche ihre Hafen mit Stuͤrtzen oder Dedel verwahren/ 
und ınan die warmen Eſſen zu bedecken pfleget Adap die auffleigenbe 
Dämpffe jich in Waſſer entfchlieffen / wieder herunter trieffen ; dieſes 
geſchiehet nungerade durch dengeraden Helm Alembic ) oder über 
zwerg durch den krummen Helm Retorcum , und. wird gebraucht zu 
denen Sachen / welche ſchwerlich zu entgeiftern feyn. Wann eine 
Sache niehrmahlheriüber gezogen wird / nennet_ man es redtificatio- 
nem oder Rechiftändigung / die Wirckung deſſelben zu vermehren. 
Wann man aber den auögezogenen Safft nochmahls über das hinter- 
flellige geuft/ und deitillivet / wird es geheiflen conobatio, die Uber⸗ 
ſchuͤttung. Und ſo viel von der auffteigenden Ausziehung in der Chy- 
mıa oder Schmeltz · Kunſt | 
Die Abfteigung oder der Abfall ift entweder Falt oder warm / indem 
die gröbern Theile von den fubtilen gefondert werden / durch das 
Feuer oder Seigerung / vermittelft eines Trichters / Papiers / Tuchs 
xc. genannt Filtratio , zu teutſch Durchſeihung | 
Solches gefchiehet auch durch eine Abfloͤſſung (peedeligvium) über 
Marınor oder über einer Glas Platen / dadurch der Rald) und Saltz 
abgefondert wird. | 
Die Zwifchen-Mittelung ift eine Ausziehung oder Sonderung der 
‚ fubtilen und gröbern Theile / beftehend auf dreyerley Weife/ (+) durch 
die Kochung (per digeftionem,) dergleichen in des Menfchen Magen/ 
in gemäpigrer Hite / die Speife kochend / daß das dienliche in alle 
die Glieder / das undienliche aber.durch den Harınund Stuhlgang 
austreibend. Etliche nennen es macerationem , wegen der grofich 
Dergieichung. (2) Durch) die Faäulung / indem die Feuchtigkeit das 
Trockne vberwindet/ wie die Kunflin einem Monat ſowol als die Na⸗ 

. wi 


F 


eir Cic 285 
tur kan zu wege bringen. (3) Durch die Umtreibung (per cırculatio- 
nem) welches gefchichet in einen zwey-öhrigen Gefaß/ der Pelican ge- 
nennet / darinn fezet man nun / was man durch das Bad oder Mailer 
umtreiben will, Hieher gehöret dir Gierung oder Jehrung / fermen- 
tatio, obwoldie Sonderung der reinen und groben Theile dadurd) 
fo genau nicht geſchiehet. j | 
Die abfonderliche Ausziehung der Gäffte gefchiehet vermittelft der 
Menftruen / ſo ſich dazu ſchicken / und folches auf fo mancherley Wei 
fe / daß es hier zu beichreiben / viel zu lang fallen würde. 

Die Zufammenvinnung / (coagulatio,) als der zweyte Haupt⸗ Theil 
offt benannte» Schmeltz⸗Kunſt / beftehet in Erhartung der flieffenden 
Sachen / ader in Entdampffung/ (exhalatione,) in Verkochung (de- 
coctione,) in Zufanmenfrierung oder Dickmachung \congelatione,) 
wie die Ehriftallen gefrieven / durch Feſtmachung (fixatione,. dap 
man das Flüchtige aufhalt / zr. " a 
Bon denbetvieglihen Aldhymiften und Gern⸗Gold⸗Machern vide 
hinten unter den ort Lapu Pbilofophorums. ı . » ine 
Ciearrizans,, ein Mittel / das eine Rarbe ein Wundmahl machet/ 
dergleichen feynd diejenige / welche nicht nurallein Dis / was einflief- 
fet / fondern aud) den Humorem, der ſelbſt in Fleiſch ift / verzehreny 
das auffolche Weiſe dad Fleiſch ſich in eine Haut verwandele. Gie 
trocknen fehr / haben ein grobes Weſen / und verftopffen. ; 
Cicer, fativum, rubrum, nigrum & fylveltre, Kuͤcher / Zifer/ 
Erbſen / man braucht ſie beydes zur Speife/ als in der Medicin ; fie 
weichen / lindern und brechen den. Stein / das Mehl ift gut zum Unt- 
fchlag / vor freffende alte Schaden. | - Ä 
Cichorii radıx, folfeqvium , intybus, ambubeja;, Wegwarten / 
Hintlaͤufften / Cichorienwurtz / wird ſehr viel und faſt nirgends fo 
ſchoͤn als um Rürnberggezogen ; Man braucht ſie warin in der Sup⸗ 
pen/ und auch kaltanftat des Sallats mit Eßig und Ol / da fie dann 
zumlichFühlen / aud) die Stein-Schmergen iudern In Handelung 
wird die aufgedoͤrrete / item Die mit Zucker uberzogene Wurtzel / ne⸗ 
benft den Saͤauen / gar viel verkauft. Die Wurgel muß im Augu- 
fto und Septembr. ausgegraben werden. Cs wird fonft auch dieſe 
Wurtzel in wildeund zahme abgetheilet / und werden dıe zahmen cı= 
chorgadomeltica, oder cichorea fativa und ſeris, die wılden aber 
Wegwarten / Wegweiß / cichorium ſylveſtre, folfegqvıum, genen» 
niet ; Diefe letztere Art fol der Zigeuner gröffted Geheimniß ſeyn / ſich 
gegen alle Berwundung zu bewahren / und das Feuer auszulöfchen. _ 
. Cichorium verrucarium, chondrilla verrucaria, Wartzenweiß / 
Wegweiß / Ehondrille / wird meiftentheils im Garten gezeuget; Bon 
den Saamen ı. Löffel boll z3. Tage lang im abnehmenden Mond einges 
z nom⸗ 


4} 
286 ee Ein 
nommen / vertreibet alle Wargen / dieſes thun auch die Blätter im 
Galatgegeffen / oderaufferlich damit beſtrichen. 

Cicus, Schierling / Wuͤterich / waͤchſt an fihattigten Orten / an 
ben Gräben / und hinter den Zäunen ; die Blätter und Wurtzeln feyn 
iunerlich toͤdlich / Äufferlich aber vor den Krebs / übrige Mils / groffe 
Brüfte/ und zu den Augen-Argeneyen dienlich. Es hatdiefes Kraut 
einen üblen Gerud) / und warın die Schäaffe davon freffen / fofterben 
dies Die Athenienfer gebrauchten bormahls deffen Safft in Öffentli« 
chen Berichten / um ihre GStaatd-Befangene damit ums Leben zu 
zur / wie ſolches Socrates mit feinen Schaden erfahren / der auch 
dergleichen Sckierlings⸗Safft einſauffen müffen / dahero hernach das 
Sprichwort entftanden : Cicutam bibere ; wiewol einige veriney⸗ 
nen / daß eö kein Schirlings-Safft gewefen/ fondern vielmehr ein zu⸗ 
ſammen geſetztes Gifft / Cicuragenannt / gemefen fey. Ä 

Cicutaria odorata, v. Mirrhis. Ä 

Cidre ‚ Sicera , ausgepreflter Apffel » oder Birn-Safft/ wird haͤuf⸗ 
fig in Schweißerland / Franckreich und Engeland gemacht / und fon» 
derlich in dieſem legtern Lande fo hoch gehalten daß fie auch deswegen 
den Wein + Bat unterlaſſen / und foldyen I ihren Cidre gering 
ſchaͤten. Wie aber eine gute Cidre oder Apffel-Moft zu bereiten / leh⸗ 
retJoh. Evelyn, ein Mit⸗Glied der Englifchen Societät/ in feinem 
Traclat dearboribusfylvaticis, of Foreſt · Tees. 

Cina, v. China chinæ. 

Cinabrium nativum, & fadtitium, Frantzoͤſ. Vermillon, natürli⸗ 
eher oder Berg: und gefünfteltev Zinober / wird aus Oveckſilber ges 
macht wann man nemlich zwey drittel Oveckſilber und ein drittel 
Sulpharis nimmt / hierauf durch fublimiren / fhmänımen und wa⸗ 
fchen mit ſcharffen Eßig dem Queckſilber die ſchwefelichte und bleyi⸗ 
ſche Materia eines theils beninnmt.: Die Probe des 3:nobers iſt / daß 
manı. Loht davon auf ein eiſern Blech * ſolches aufgluende Koh⸗ 
len ſetze / dieſelbe wohl anblaſe / wann alsdann ein recht gelblichter 
Dampff davon gehet / ſo iſt er gut und gerecht. Ein mehres hievon 
vide unter dem Wort Zinober/ item unter Queckſuber. 

Cinamomi Arbor, Zimmet ⸗Baum / oder Caneel⸗ Baum / deſſen in⸗ 
nere Rinde insgemein Zimmet⸗Rinde / Zimmet-Caneel / Cinamo- 
mum, Canella , die aͤuſſere Caſſialignea ſeu odorata genannt wird, 
Wie dann dieſe letztere an Geſchmack und Geruch faſt mit dem Zim⸗ 
met uͤbereinkommt / und ebenfals / wie dieſer / eine Haupt⸗ſtaͤrckende 
und den Gifft widerſtehende Artzeneyiſt. Man hat auch eine weiſſe 
fremde Rinde / ſo weiſſe Zimmet⸗Rinde / Canella Alba, von andern 
Lignum aromaticum, item Cortex WVimetanus (weil fie von Wil⸗ 


helm Wintern aus Magellanica zu erſt hergebracht worden.) or 
ne 


be u > 4— 


Ein: Eir 287 


net wird. Dieſe iſt ſcharff und Wuͤrtzhafft / dienet den schwachen Ma- 
gen/ wider die Eolic/ Scharbod/ Cachexiam und Waſſerſucht. Ein 
mehres hievon ſiehe unter dem Wort Zimmet / wird bey Pfunde ver⸗ 
kaufft / mits?. Rabbat. 

Cioaria, Strobel⸗Dorn / Artiſchocken. | 

Cinis-Afche iſt ein graues Pulber das bon Verbrennung entzuͤnd⸗ 
licher Sachen zuruͤck bleibet/ und beftchet aus Saltz / welches man aus⸗ 
augen kan / und einer todten Erde. 

Cipollacio , eine alſo von den Italiaͤnern genannte Art Marmor⸗ 
keins / von welchen hin und wieder in Italien groſſe Colonnen, aber 
'eineStatuen zufehen. . Er ift ancouleur faft den Serpentin-GStein 
leich / wiewol fein Gruͤn noch etwas heller ift / und auch etwas ind gel» 
e faͤllt / —— mit ſchwartzen und viereckigten Flecken / von un⸗ 
erſchiedlicher Groͤſſe. Die Zubereitung dieſes Steins geſchiehet 
beit / wie an den Porphyr und Serpentin. In den Varicamifchen 
Harten zu Kom tft eine Niche von diefen Stein zu fehen / welche Mi- 
;hael Angelo angegeben ; die wahrfceinliche Meynung ift/ dag dies 
er Stein die Artdesijenigen Marmors ſey / welcher zu’ Tiberii und 
Augulli Zeiten in Egypten gefunden / und Auguftum & Tiberium 
Marmor genennet worden. . fo hart ats der Porphyr zu ſchneiden / 
u welchen man heutigeö Tages keine genugfam gehärtete Infirumen- 
a finden kan / denfelben damit zu zwingen. Zwar foll Ao, u6. der 
Zertzog Cofmus bon Medicis , nachdem er unter Verfchiedenen Mars 
nor⸗Stüůcken auch etliche Stüden Porphyrs gefunden / aus welchen 
rein Fontaine-Beden machen laffen/ auch einen ans Kräutern defil- 
irten Gafft erfunden haben / mit welchen der damahlige fünftliche 
Stein-und Bildhauer/Francilcus Tadda , feine inftrumenten derges 
alt Härten koͤnnen / daß er dieſes Becken / welches drittehalb Rraues 
der Ellen in Diametro ——— vollenden koͤnnen. Allein / es 
cheinet / dieſes Geheimniß ſey nach der Zeit wieder berlohren wor⸗ 
ven/ weil man heutiges Tages wenig Leute findet / die in Porphyr ar⸗ 
yeiten. Zwar ift auch der Porphyr nicht mehr fo Häuffig zu finden/ 
veil die Gruben / wo Dr gebrochen worden/ verlohren end / und 
ıur noch etliche Stude hin und wieder ſich aufthun / die man fo aut 
3 man kan/zu diefer oder jener Arbeit appliciret. a 

Circkel / circinus, Frantzoͤſ. compas, feynd entweder gemeine 
der Proportional-Eitdel/it. ſolcheCirckel / an welchen man den einen 
suß ausſchrauben / und entweder Pundtier-Käder / oder Reif « Zei 
ern an deren Stelle hinein fchrauben fan; ob nan wol hin und wieder 
ch Circkel⸗Machers finden/ fo feynd doch diejenige / welche einenac- 
uraten / ober wohl eingetheilten Porportional - Circkel und andere 
Aathemauifche laſtrumenta, als Allrelabia, Qyadranfen/ nur 

Id 


288 Eir- Eit 
— — Sur I mer FT ur or En ns EEE m a 

Stäbe und-dergleichen zu machen wiffen / fehr var /.baf fie auch dahe⸗ 
zo nicht gemeine Handwercksleute / ſondern Mechanicr wollen. ge- 
nennetwerden/ und ſich ihre Arbeit wohl bezahlen laſſen. 

Circulare , heifft einen Ligvorem indie Digeftion ftellen/ daß der 
flüchtige und geiftlihe Theil ſich allezeit erhöhen und wieder 
nieder, fallen, / uhd alfo gleichfam durch einen Circkel zur Voll⸗ 
kommenheit gelangen könne / weswegen auch unterſchie dliche Circu- 
lir-Gefäffe in Gebrauch ſeynd. — 
Cirſium, v. Buglofas. 2. - ER 
Ciſſern / ciceri albi & rubri. Be 
- Ciftus ladanifera , Ladanum⸗Baum / iſt ein Staͤudlein / ſo laͤng⸗ 
lichte ſpitzige und ſchwartz grüne Blätter / und weiſſe Bluͤht hat wie 
Fleine Rofen; aus feinen Blättern ihwiget ein .Gwnmi, an Farbe 
dunckel⸗gruͤn / welches angezändet fehr wohl raͤucht heifft Ladanum, 
und fommt aus Africa / Cypern und Candia zu uns ; dieſes Ladanum 
eröffnet / zeitiget / zertheilet / iſt auch gut vor die Fluß und rohte 


uhr. e — 
Eiſten⸗Rxoͤßlein / ciſtus mas & formina, (13, Species.) 

‚ Cıtragoyv. Meliſſa- 
Citronen / mala citria, chachimeli, cedromela, eine bekaudte 
Frucht / kommt in länglichten Kiften aus Spanien und Italien / und 
wird in Teutſchland viel don den Ttaliänern und einigen Gewuͤrtz⸗ 
Krämern / in den See-Gtädten aber von denen fo genannten Li.nos 
nien⸗Kaͤuffern geführet ; man kan / wann (te häufig. ankommen / die 
Kiſte / in welcher s. bis soo. Studefeynd/ vor etliche Thaler kauf⸗ 
feay es iſt aber wohl zu zu ſehen / daß tie nicht angefaulet / weiles eine 
dh! übelzu confervivende Waare ift / die in tructenen dunckeln Kel⸗ 
lexn und Gewoͤlben / jede Citron wohl mit grau Papıer bewickelt / will 
aufoehalten /und fleißig darnach geſehen werden/ daß man die ans 
gekommene ausnehme / damit ſolche die gefunden nicht mit anſtecken; 
je groͤſſer / dünn⸗ſchaligter und ſchwerer die Citronen ſeynd / je beſſer 
haͤlt man ſie / die allzu groſſen / dick⸗ſchaligten / und nad) ihrer Pro- 
portion nicht gar zu ſchweren / haben biel todtes Marck ben ſich / ſeynd 
auch nicht ſehr ſauer / und vergleichen ſich den Citronat⸗Apffeln. Son» 
ſten werden auch die Citronen⸗Kern / Schalen und Saft viel in Ma- 
terial-Handlung geführet / imgleichen die fo genannten Poͤckel⸗ oder 
eingeſaltzene Limonmen / wiewol diefe (eben wie die Kitronen) wann 
nicht viel Zufuhr ift/ offtmahls fehr ſparſam zu befonimen. 
Citronen⸗Ovendel / lerpyllum cıtratum, | 
Citrullien / oder Zitrullien= Kern / angurien, kommen bon einer 
Frucht / die einem Kürbis gleicher/ über Welſchland heraus; ſie 
müffen fon weiß / friſch von Kern / und nicht bitter oder öligt feyn, R 


Cit Eli 289 

Citrus, Malus Medica, Cirronen-Yaum. 

Civilegium, {ft ein Beweiß / melden eine Stadt-Obrigfeitihren 
Kaufleuten gibt / dap lie ihrer Stadt Bürger und Einwohner feyndy 
weil nun gewiſſe Städte unter ſich alte Pa&ta haben / daß ihre Bürger 
reſpective gegen einander follten Zollfrey feyn / oder auch andere Pri- 
vilegia zugenieffen haben/ fothun an theild Orten die Kauffleute nicht 
übel / daß lie in ihren Gtadt=Archiven , oder wo es fonft zu inden / 
nachſchlagen / undihre alte Privilegia, wodurch ihrer. Handlung eini⸗ 
ger Vortheil zumachen könnte/ wieder in Bang bringen laffen. 

Clareta, ift fo viel ald albumen ovi, das 804 im Ey. 

Claretum, ein ſtarck gewuͤrtzter Kraͤuter⸗Wein / ſonſt auch vinum 
oder potushyppocraticus genannnt / wird gemeiniglich von den beſten 
Spaniſchen Wein und Gewuͤrtz zubereitet. 

Claret, Terpentin, Therebintina. 

Clarificatıo , ift eine Abſchaͤumung ober Laͤuterung des unreinen 
Schaums von den flieffenden Dingen/ fonderlich im Koden ; Es ge⸗ 
ſchicht auf viererley Art / entweder an und vor ſich in demman die 
Hefen eines Dinges läßt ſincken und ſich niederfesen / ald der fuccus 
Rofarum limonam, &c. oder esgefchicht im Kochen an der Sonne 
und Feuer / als fuccus pomorum dulcium & acidorum pro confe- 

&tione Syrupi de pomis Meſue. oder man thut im Kochen entweder 
das Weiffe von Ey oder Wafler darzu / wann zum Exempel/ Zucker 
oder Honig clarificirt und abgefchäumet wird / zumeilen wird Cfig 
Di .. / zuweilen clarificivet man auch durch miederholtes 
utchfeigen. SE 

Clarivenift ein Wort/ welches bey dem Orefundifchen Zoll in Daͤn⸗ 


nemarck gebraucht wird / und heißt fo viel / als den Zoll vor die Schiffe 
entrichten. 


Clarellati cineres, vide Pottaſche. 

Ciematis Daphonides, v. Vinca pervinca. | 

Clematis urens, Flammula fcandens, brennende Wald⸗ Rebe / Bla⸗ 
fen:zichende Wald Rebe / wächftin Hecken und an den Zaͤunen / iſt 
ein Blafensziehendes Kraut / die Blaͤtter werden in Fiebern zu den 
dipapiſmis oder zu denen aus Senff zubereiteten ſcharff⸗ ziehenden 
Mitteln gehraucht. | 

Clematitisindica, Colubrinum lignum, 

Clincant, oder Raufch-Bold/ wird aus Meßing verfertiget/ wann 
ngemlich ſolcher zu Blätter/ ald Papier fo dünn gefchlagen/ hernach zu⸗ 
fanmen gelegt/ und indichen Papier verfchichet wird / wann aber fol« 
Hes noch dünner/ und zu gar fubrifen Blättlein / wie das gefchlagene 
Gold geſchlagen / und auch in dergleichen Büchlein eingetheilet wird/ 
fo werden die gefchlagene —— oder Meiall · Gold — 

| aus; 


D 





Car. 


290 Cli Es 





— G — nn 
aus; ſolches wird ſehr haͤuffig zu Augſpurg gemacht; Was unter 


dent Schlagen abfällt/ davon macht man das Mufchel-Metall-Bold. 
An Venedig wird aud) eine fo genannte Purpurine don den Meßing 
gemacht / welcher dienet/ die Kutfchen zu vergülden/ item das Avantu- 
rine der Jubeiirer und Glasmacher. 

Clinopodium maj, origanum minus Silveftre, groß Wirbe-Dofte/ 
Hein Wohlgemuht/ ift ein Kraut / fo den Harn und die Frauen⸗Zeit 
treibet/ auch gut vor das biertägige Sieber if. 

Cloſter⸗Beer / uvamarina, uva erifpa. 

Clylter, clifma, Enema, ift ein flüßiges Mittel/ welches in den Hin⸗ 
dern oder auch in die Mutter / durch ein Rohr oder Sprüge eingelafe 
fen wird. 

Cnicusfativa, Chartamus, 

CnicusSilveftris, Carduus Benedidtus, 
© Coagulatio, eine Zufanmen-Rinnung/ warn nemlich harte Thei⸗ 
fe durch Kochen / mit einen bequemen Menitruo , in gelatinam oder 
Gallerte gebracht werden. Oder coagulatio deutlicher zufagen / iſt 
ein Hart-und Feſtmachung derjenigen Dinge / die zubor weich und 
flüßig waren/ und ſolches durch Die Verzehrung ihrer Feuchtigkeit. 

" Cobalt, Müden-Bifft/ Muͤcken und Ragen-Pulber/ vide Cadmia, 

Coccionella,feu Coccinilia, Cochenille , eine föftliche rohte Pur⸗ 
pur · Farb / ſeynd Fleine aufgetruchnete oder auf edoͤrrete Muͤcken / in 

er Groͤſſe wie Bett⸗Wanden / welche / wann ſie zerknirſchet werden / 
eine fchöne rohte Farb oder Safft / den die Färber gebrauchen / von 
ſich geben; man ſammlet folche häufig in Weſt⸗Indien / da fie lich 
auf etlichen Baumen / welcheden Feigen-Bäumen gleichen / aufhal⸗ 
ten/unter welche die wilden Indianer einen Tuch ausbreiten/und her» 
nach diefe Thierlein herunter fchüttelny da fie dann bald fterben / und 
diefes ift die fo theure Eochenille; Man darff aber nicht wehnen / als 
ob Weft- Indien nur allein fo eine koſtbare Waar befäfle / nein / ſon⸗ 
dern es kan ſich unfer Teutfchland eben deffelben an feinen Polygono 
minori ruͤhmen / an deflen Wurtzeln um Gt. Johannis rohte Körnlein 
gefunden werden / welche das gemeine Bold Johannis⸗Blut nennet / 
und viel aberglaͤubiſche ceremonien damit hat ; diefe aber andießei- 
te geſetzet / fo ſeynd ſolche rohte Koͤrnlein nichts anders / als ovula oder 
conceprus kleiner Vermiculorum, welche bey warmen Sonnen⸗ 
Schein ausgebruͤtet / und endlich lebendige Würmlein werden / die 
einen Blut-oder Purpur- Farben Safft bey jich führen / mit welchen 
man Seideund Wolle färbenkan. Etliche nennen diefe Farb Car» 


mefist meſin / weil dieſer Wurm ir Punica Lingua ſoll Carmes oder Coccus 


heiſſen / daher fie auch / wiewol unrecht dafür halten/Chermes und Coc- 
Sus fern einerley Art / allein jenes Fommitvon llicc, dieſes aber waͤchſt 
an 


Coc 298 
an den Wurtzeln des Polygoni, daher die Sachen / die inCocco ges 
färbt feynd/ Coccinez, die aber in Chermes gefarbt / Chermelin ges 
nennet werden. Die Türcken und Armenier/ welche diefen Coccum 


bon den Pohlnifchen * viel zu kaufſen pflegen / farben damit Tuͤ⸗ 
cher / Seide und das deder / welches jle Sattian oder Saphian nennen/ 
auch Pferde⸗Maͤhnen und Schwaͤntze. Etliche Apothecker gebrau⸗ 
chen auch den ausgepreſten Coccus⸗Safft / an ſtatt des Saffts von 
Chermes, nach Meſuæ Deſeription, ʒu der Confection- Alkermes / welche 
Dann nicht geringere Krafft haben ſoll / als die aus Franckreich zu ung 
gebracht wirdy ſintemahl der Safft aus den Cocco /, fo in llice wächft/ 
und zu Montpellier geſammlet wird / au Medicinifchen Tugend und 
Würckung / bon den Unfrigen nichts unterfchieden/ / maſſen beyde eine 
SHerg-ftärdende Artzeney ſeynd / und die Spiritus Virales erquiden. 
Man Fan auch aus obbemeldten Körnern / vermoͤge des Spiritus Ro- 
farum ‚odern einen andern beliebigen Menftruo, eine herrliche Hertz⸗ 
ftärcfende Tindtur bereiten/ die man nicht allein vor ſich fondern auch 
mit andern, Hertz-ſtaͤrckenden Mitteln vermenget / gebrauchen kan. 
Die Mahler bereiten auch eine Laccum daraus / entweder mit Citro⸗ 


me Safft / oder eitter Lange mit Alaun / thun etwas Gummi Arabici 










darzu / und gebralchen es hernach zu den Gummi Farben. Mit ges 


ein fein præparirt / und unſern Cocco / Fan 
man gebuhrender Artein ſchoͤn Florentiner-! —— 7— die nicht ge⸗ 
rlach Tuch oder Carmoiſin / oder 
Es wird and) heutiges Tages / 
Das ſo genannte Barımin/ die Kom ginn aller Farben / daraus verferti⸗ 
get / davon bis anhero das Loth noch um etliche Ducaten verkauffet 
worden. Es ſoll die Bereituug deſſelben nicht groß unterſchieden ſeyn / 
bon der Pr&paration des Magiſterii Von Chermes-Körnern / dabon 
Sr. Zwolflerus in feinen Animadverfionibus in Pharmac, Auguft, 
Meldungthut. Aus dem Coccus⸗Safft / mit Citronen⸗Safft friſch 
extrahiret / bereitet man auch das Papier zur Schmincke / Charta di 
Spagnia genannt. Die Bezetta rubra, oder das rohte Schminck⸗ 
Tuch / iſt ebenfalls mit dieſen Safft imprægniret; wann man das 
Tuch in ein Waſſer / Mein oder Spiritus vini tundfet / und damit das 
Geſicht veibet / fo machet es eine ſchoͤne rohte Farb. Wann man an 
ſtatt des Scharlachs eines von anfern Tuͤchern mit unſern Cocco je 
färbt/überlegt/ fo ift folches eben fo gut / dad Ausfchlagen dev Pocken 
und Blattern zu befordern. An etlihen Orten gebraucht man auch 
diefed Tuch / Die Epithemata damit auf das Herk zu lindern. sry 
Welber tragen auch von — Tuch einen Gurtel um den Leib / 
die Frucht zů ſtaͤrcken / oder den monatlichen Fluß zu hemmen. Ein 
mehres hiebon ſie he unter den Wort — 


2 





Coc» 


Coccognidy Semen, Keller-Hald-Saamen/ kommt von einen Ge⸗ 
ſtraͤußlein / fo nicht fehr hoch waͤchſt / aber voller Blätter ift; wann 
die Blärtlein gekäuet werden / geben ſie einen Gafft wieein Gummi, 
ſolches Gewaͤchs wird auf den Bergen und Hügeln in Wäldern ge- 
funden. Es wird bey Handelungen nur der Saamen (welcher rund 
und noch ſo groß als der Hanff iſt) geführet/ ſiehet grau / und brennet 
auf der Zungen wie Feuer. Die beſten kommen aus Italien von Piſa 
und Rom / um Reapolis ſeynd ſie ebenfals ſehr gemein. Die Wur⸗ 
gel foll fo ſchaͤdlich feynd / dap ein Menſch / der ſie genieflen folte/ 
darüber fterben müfte. Ä iR 

Cocculz feci, feu Coceuli de Levante, Kockel⸗oder Fiſch⸗ Koͤrner / 
ſeynd runde Aſch⸗graue hole Koͤrner / in der Groͤſſe wie Lorbeer/und 
fehr leicht von Gewicht / fommenaus Aftadon unterfchiedlichenDOrten/ 
und ift bis dato noch unbefannt/ weſſen Gewaͤchs Frucht fie fenn. Man 
braucht ſie vor das Podagra, itemdie Laͤuſe zu tödten und Fiſch zu fan⸗ 
gen/ ald welche (te gleichfam tell machen / wann man dieſe Coccu- 
lasmit Bilfen-Kraut-Saamen und andern darzu gehörigen Stücken 
vermiſcht / und ins Waſſer mirfft. | 

Coceuus indicus, Fiſch⸗Toll⸗Koͤrner. 
Cochinella velcochinilla, vide Coccionella. 
Cochlearia, vide Loͤffelkraut. 
Cocos Nuſſe / vide Cacao. 
Cœruleum montanum, vide Berg⸗ Blau. 

Coffe, Cave oder Coffi, Bon, Choava, Chaube, ift.ein aufgefchoffen 
Gewaͤchs / wie Erbfen oder Bohnen / diein Schaalen oder Scheiffen/ 
ungefehr die Gröffe einer Lorbeer haben / und bleiben felbige fo lang 
an den Bäumen hängen bis ſie vonfich felbft anfangen zu berften ; fie 
wachfen fehr häufig ın den beglüdten Arabien / und zwar in offenen 
flachen Feldern / ohne daß lie angebauet werden. Wann ſie gepflüs 
eRet ſeyn / werden ſie von den Landleuten indie Stadt gebracht / man 
hat remargviret / daß jährlich mol zs000. Säde / jeglider von 300. 
Pfund ſchwer / von den Cameelen ins Land getragen / und berfauffet 
werben. Uberdiesgehen noch viel 1000. Gäde mit der Caravana 
nach Aleppo / Damafco und andern Dertern. Etliche meynen / daß 
ehe die Araber die Coffe Bohnen verkauften / oder aufferhatb- Bandes 
berſchicken / ſie diefelbe erft durchs Feuer gehen laffen / oder in ein ſie⸗ 
dendes Waffer legen / eben / wie man fonft diefes von der Saat des 
Thees, dag alfo die Ehinefer und Japonier damit umgehen / zu fagen 
pfleget/ um zu verhüten / daß ſie an andern Orten nicht koͤnnen gefäet 
und fortgepflangetwerden. Die Art und Reife den Coffe zu bren⸗ 
nen / ift diefe: Mannimmt bon den Coffe-Bohnen 2. ober 3. Pfund 
> aufeinmahl denn ie minder man nimmt / Je befler Fönnen die Boh⸗ 
| s nen 


Coh TEE?) 


— — — 


nen gebrennet werden) leget ſie in eine kupfferne Pfanne / und machet 
ein lufftiges Teuer darunter / von lauter Kohlen / die keine Flamme 
geben: wann ſie warm zu werden anfangen / ruͤhret man ſie mit ei⸗ 
nen eifernen Löffel oder Spatel um / damit fie alle gleich braten koͤnnen / 
fo Lange/ bis fie mählig halb gebrannt feynd / und die Eaftanien- Farb 
bekommen / nach) dieſen fest man fie vom euer / und wann ſit genug 
ebraten feynd/ riechen fie wie geröftet Brod. Hieraut wirft man 
fe in einen Morfel/ und ftöffet ſie zu Pulver / fo fein / daß es wie ein 
Mehl ausſiehet / hernach jiebet man ed durd ein Sieb / damit nicht ei⸗ 
nes grob das ander fein ſeyn möge / wiewol man in der Lebante dieſes 
nicht achtet / ſondern das grobe ſowol als das feine gebrauchet. Al⸗ 
lein die Tinctur kan ehe aus einen feinen / als groben Pulber heraus 
gezogen werden. Man muß mercken / daß der geroͤſtete Cotfe, wann 
er noch warm / ſo geſchwinde als man fan / muͤſſe geſtoſſen werden / 
dann ſonſt verdirbet er von der Lufft / indem das Alkali, das in den ge⸗ 
brannten Bohnen ſtecket / und nichts anders als ein Saltz ohne Saͤu⸗ 
re iſt / den Meiſter zu ſpielen anfaͤnget darum muß man dieſen Cofle 
forgfültig verwahren/ und in Zinnerne Zalfchen oder Bläfer/ die man 
feſt zufchranben fan/ aufheben. Einige pflegen faſt ein gleiches Pul⸗ 
ver von allerley Erbfen/ Bohnen/ Wacholder- Beeren / Roggen und 
Waitzen præpariren / welches von vielen getruncken wird. Allein 
Diefes ift bey weiten nicht fo ſchmackhafftig und nahrſam / ald das Pul» 
ver / ſo von dengebrannten Coffe-Bohnen gemachet wird / obgleich 
jenes nicht eben ungefund/ oder zu verachten iſt. 

Cohobatio, eine öfftere Wieder-Aufgieflung oder wiederholte De- 
ftillation, als 3. E. wann man bon einer Sache einmahl was abgezogen 
hat/ daß man das Abgezogenerdieder aufdie borige Remanent geußt / 
und abermahl abziehet / eöhat aber dieſes zweyerley Zweck / als 1.) 
daß die Materia , deffen Krafft man verläugnet/ durch foldye offt wie⸗ 
derholte Uberziehung/ allemahl etwas mehres bon feinen Kräfften den 
Menftruo mittheile/ und was in der erften Deftillation nicht geſchie⸗ 
den worden / in der andern und dritten ausgelecket werde / z. E. das 
defhillirte Fenchel⸗Waſſer wird der hinterftelligen Materia in kupffern 
Grapen darum wieder aufgegoflen / damit e3 das Oel deſto reichli⸗ 
cher ansziehe/ (2.) daß auch Die Materia etwas bei (Ich behalte / und 
das mas in Ligvorenoc) flüchtig iſt mit den Fixen vereiniget werbe/ 
zu dem Ende wird der Spiritus vini fo offt über das Sal Tartari ges 
goſſen / und abgezogen/damit daffelbe fluͤchtiger / und das Magiftermm - 
kraͤftiger werde / maſſen die Fixen-Galte ſich gar gern mit den fluͤch⸗ 
tigen bereinigen. 

Colare durch einen ſpitzigen Beutel oder Tuch lauffen laſſen / wel⸗ 


ches mit waͤſſerigten Sachen geſchiehet / in Trockenen aber braucht 
man das Sieb. 23 Cok 


204 Col Eöf 

Colchicum album, Hermodadtylus legitimus orientalis , ift eine 
Wurtzel / wieein Hertz formiret/ inund auswendig weiß/ feſt / ſchwer / 
Laßt ſich aber leicht zu Pulver ſtoſſen / und iſt am Geſchmack ſuͤß und 
lieblich / auch dabey purgirend / und die böfe Feuchtigkeit aus den Glie⸗ 
dernziehend/dahero dann auch Pillen daraus gemacht werden / Pilu- 
læ arthriticz, feu de Hermodadtylis genannt / imgleichen das Extra- 
&um und Hermodadtylata Patavina zu allen Glieder-Weh und Po- 
dagra &c, 

Colchicum commune, colchieum autumnäle , commune Hermo- 
dadtylus Spurius, Miefen-Zeitlofen/ wachen auf naffen Wieſen / die 
Wurtzel iſt innerlich genoffen gifftig/ Aufferlich aber angehänget/ wi⸗ 
der die Peft dienlich. 

Collationiren eine Schrift gegen die andere/die Copey gegen das 
ie halten / und ſehen ob es von Wort zu Wert gleichlau⸗ 
tend je). 

Colligvatio, Liqvatio, Fufio, heiffet eine Ligvatio, Zerlaflung oder 
Zerſchmeltzung derjenigen Dinge/ welche durch des Feuers Hihe flüfs 
fig werden/ und zergehen koͤnnen. 

— eine Artzeney⸗Mittel / welches zuſammen leimet und 

ilet. 
Collopiſeium, Ichtioeolla, Haus-Blafen / kommt viel aus Mo⸗ 
ſcow / Ungern und Oeſterreich / von einen 9— Hauſen genannt / die 
weiſſeſte ift die beſie / doch muß ſie ſich gerne brechen laſſen. 

Collyria Sicca, vide Trochifi. 

Collmar:Araut/ Anagallis Femina. 

Colocynthis, Cologvinten. " 

Coͤllniſche Erde / eine roht⸗ſchwaͤrtzlichte Farbe / die aber leicht 
verſchießt / und immer röhter wird. | 

Coͤllniſche Waaren feynd mehrentheils der Rheinische Wein/ 
Floret-Band und unterfchiedliche Abollen-Manufadturen/ welche das 
ſelbſt fabriciret/ und hernach hin und wieder in Teutfchland verfaufft 
werden. Es iſt auch die Stadt Coͤlln eine Stapel: oder Niederlag- 
Gtadt/ worbey dieden Rhein hinunterfahrende Schiffe anlegen/ ei- 
nige Tage ftille liegen / und ihre einhabende Weine den Bürgern zu 
Coͤlln feil bieten müffen. : 

Die Coͤllniſche Muͤntze belangend/fo hatı. Rthlr. a8. Stüber/oder 
. 3. Coͤllnniſche Albus , oder 2F- Brabandifhe Gülden / oder s. 
Sailing Slämifh/ oder 96. Broot Flaͤmiſch. 
12. Gilden Coͤllniſch thuts. Rthlr. : 
s. Pfund Flaͤmiſchthut s. Bilden courant oder 120. Stüber/ ober zo, 
Schilling Flämifch / oder 195. Albus. 


. Schil⸗ 


Coͤt Col 295 


— — - — 


1. Schilling Flaͤmiſch thut s.Stüber/ oder ız. Groot Flãmiſch / oder 
o%- Cöllnifche Albus. 

1. Stüber thutz. Groot Flaͤmiſch oder 13. Albus. 

s. Sthilling Brabandiſch ift 5. Morchen. 

2. Schilling dito iR ein Albus, 

ı. Mard ift s. Albus. 

» Pfenningift 2. Heller. 

z.Bland ift 2. Albus. 

1. Fettmaͤngel ift s. Heller, 

3. Albus iſt ı2. Seller. 

a. Schilling iſt s. Heller. 

1. Radder⸗Albus iſt 4 Fettmaͤngel oder 32. Heller: 

1. Radder ⸗Schilling iſt ıs. Keller. 

». Plappert iſt 4. Albus. 

s. Herin-Bülden iſt 64. Albus. 


Die Coͤllniſche Maaß betreffend / ſo wird insgemein bie Coͤllniſche 
Elle der Hamburger / Leipziger und Franckfurter gleich gehalten / und 
kan ee in der Reduction wis mitbefagten Ellen verfahren 
werden. 

Colonien, Pflank-Städte / haben zum Theil von der freywilligen 
Migration der Bölder (entweder ganher Nationen, oder aud) nur ges 
wiſſer Familien, wann nemlich felbige ihre rauhe und alte Wohn⸗Pla⸗ 
&e verlaſſen / und ſich andermwerts in beffere und fruchtbare Länder nies 
dergelaffen ) zum Theil auch von denen Zeiten der anwachfenden 
Macht der Griechen und Römer ihren Urfprung genommen / als wel» 
che beyde mächtige Nationen vielfaͤltig in die von Feind eroberte/ oder 
durch den Krieg verheertefänder / arbeitfanne Bauers-Peute mit 
Weib und Kinder gefandt / um ſich in foldhen congveftirtenfändern 
anzurichten/ ihnen auch wol einige Kriegs⸗Voͤlcker mitgegeben/folche 
Probink und eingenommenesd Land unter der Roͤmiſchen Botmaͤßig⸗ 
keit deftobefler zu erhalten / welches ausdenen auf ſolche Eolonien ges 
fhlagene Munsen abzunehmen da auf der einen Seite 1. oder e. Och⸗ 
ſen / auf der andern aber ein Priefter zu fehen / der die Pflugfchaare 
führets Man jiehet aud) auffolhen Muͤntzen Signa Militaria, welches 
ein Zeichen ift / daß folche Eolonien ihren Urfprung von denen Vere- 
sanisoder Alten zu Ruh gefesten Soldaten genommen / wo aber die 
Pflugſchaare allein erfcheiner/ ift ed eine Anzeig / daß nur gemeines 
Dold ineine andere Landfchafft / um dafelbfl das Feld zu bauen/ae- 
fchicfet worden. Alſo fandte Die Agrippina de Neronis Mutter/ 
weil ſie gern Rheiniſchen Wein trand‘/ eine Partey Wintzers nad) der 


Gegend / wo itzt Coͤlln am Rhein ſtehet / daß ſie daſelbſt are | 
Ä | J— ie 


* 


— — — — 


296 Col 
die ſie vbermuhtlich aus Italien mitgebracht / pflantzen und bauen fol- 
ten. Dieſe Colonie hat ſich hernach dermaſſen ausgebreitet / daß 
Colonia Agrippina, oder die groſſe Stadt Coͤlln daraus entſprungen. 
In dieſer Land⸗ und Feldbaues Abſicht / weil dieſer die Kauffleute nur 
allein angehet / haben wir allhier das Wort Colonien angeführet/ weil 
zu diefen unfern Zeiten noch groffe Dinge durd) die aus. Europa nad) 
America, Afıa und Oft: Indien gefandte Eolonien/inder Kauffmann⸗ 
fchafft ausgerichtet werden / fa die Chur-Brandenbnraifche Länder 
zeigen uns ein augenfcheinlic Exempel / wie die daſelbſt angerichtete 
Schweiger/ Prälger:und Frantzoſen Eolonien/ dem Bande in Pflan= 
kung des Weyds / Weins / Anifes/ Tobacks undanderer dergleichen 
Früchte / item in Erablirung herrlicher Manufadturen / groffen Ru» 
gen gefchaftet / fonderlich aber feyud die don denen Hollaͤndern und 
Engeländern in America aufgerichtete Pflang-Städte oder Eolonien 
fehr confiderabel, von welchen Hr, Doct. Becher in feinen Commer- 
cien· Tractat viele partieuliere Nachricht hinterlaffen / und zugleid) 
auchbey Veranlaſſung derfelben angezeiget/ was eỹ desfals auch un⸗ 
fern Teutſchen Lands⸗ und Kaufleuten zu gut / zu chun / waͤre inren- 
tioniret und — —3 da keine Nation zum Re⸗ 
giment und Militz⸗Weſen / itemzum a und denen Medhani- 
fchen Künften fo — als die Hochteutſche Nation wäre / fo gar / 
daß auch aus derſelben andere Nationes Gubernatores in Indien er⸗ 
wehlet. Und weil ohne dem in Teutſchland ein Uberflug an Men⸗ 
ſchen / Muͤßiggaͤngern undarmen Leuten wäre / die gern in ein beſſer 
Land ſich fuͤhren lieſſen / da ſie ihr Brod verdienen koͤnnten / als bemü⸗ 
hete ſich der gute Mann rechtſchaffen / um vor Teutſche Leute derglei⸗ 
chen Plaͤtze in America aufzuſuchen / da ſie unter Engelands oder der 
Herren Staaten bon Holland Privilegio und Schuß eine Colonie hät« 
ten aufrichten fönnen. Wie aber ſolche feine gute Intention und biel⸗ 
fältige Bemuͤhung allzeit traverſiret und Krebsgängig gemacht wor⸗ 
den / ſolches iſt aus bemeldten Tractat von Commerci:s der Laͤnge nach 
zu leſen. Solte dieſer D. Becher (an weichen Teutſchland / wieder 
‚Author der Vorrede des neu⸗aufgelegten Tractats der Naͤrriſchen 
Weisheit meldet / einen Mann gehabt / den es der Egyptier ihren 
Mercurio, der Griechen ihren Archimedi, der Lateiner Bi Vitru- 
vio,und der Araber ihren Geber entgegen ſetzen können ; heutige Ta» 
ges wieder aufſtehen / und die graufame Vernachlaͤßigung der Com- 
mergia ſehen / und wie ihre Direction ſolchen Leuten in die Hände gege⸗ 
‚ben werde/ welche eben fo viel davon / als ein Bauer vom Ebräifchen/ 
verſtehen / fo wurde er noch mehr (ich Ärgern/ und alle Hoffnung zu der 
ZeutfchenCommercien ihrer Berbefferung verlohren geben. 
Colophonium , Geigen⸗Hartz / kommt her von Harp und Zerpen- 
tin / 





Eol | 297 


tin / aus welchen ed gemacht iſt; vorhero Fanmit Nutzen das Del und 
Spiritus dabongezogen/ hernach erſt von deme / was zurück geblieben/ 
das Colophonum / bis es eine dunckelbraune Farbe bekommt / gekocht 
werden / ſolche Kochung des Colophonii muß in freyer Lufft geſchehen / 
ſonſt zündet es die Gemaͤcher an. Der ſchoͤnſte und beſte wird von 
Terpentin gemacht / das helle wohl⸗riechende und welches im Rauch 
Den Weyrauch nachahmet / iſt der beſte. Es wird auch von etlichen 
reſina fricta (ein zerbrechliches gelbes Weſen / welches in der Deſtiſa- 
tion jeder Hartze zurück bleibet/) genennet. Das bon den Colopho- 
nio zubereitete Dei ſtillet trefflich Die Schmergen/und Fan in⸗ und äuß 
ſerlich gebrauchet werden. | 
Coloquinten⸗Aepfel / Wild-Rürbis/ Colocynthis, ein fehr bit: 
ter Gewaͤchs / deſſen Blätter gank rauch und Afch-Farb / die Frucht 
kommt ſpaͤt im Herbſt / wird rund / wie ein Ballen/ blühet gelb / wie 
dann die Frucht / welche erftlich gruͤn iſt / auch Citronen⸗Gelb wird/ 
und inwendig lucker und leicht / mit vielen Kernen gezieret und beſe⸗ 
Er Sie hat in Teutſchland niemahls gut thun wollen / der Zeit 
ommt te aus Egypten und Indien / und wachten deren zweyerleh 
Sorten / aldein Männlein und Weiblein / davon jenes / wie Dodt. 
Rauhwolff fchreibet/ auch / dieſes aber alateift. ihrer Bitterfeit 
wegen / worinn dieſe Frucht alle andere Materialia übertrifft / ift ſie 
gut vor den Würmern und Mäufen zu erhalten / die Aepffel oder 
Srucht-Ballen / welche abgefcheelt zu und heraus kommen / müffen 
ſchoͤn voltenfonmen/ gan und nicht Fleinfeyn. Das Mare dar- 
aus purgiret die fchleimifche/ melancholifhe und waͤſſerigte Feuchtig⸗ 
Feiten / fonderlich führet dad Infufum Trochilcorum den zaͤhen 
Schleim und die Galle aus, 

Colubrina; v.Biltorta. 

Colubrinum, velSerpentarium Lignum, Grießholtz / bor dieſes 
wird mehrentheild das Lignum Nephriticum genommen / zwar findet 
ſich aud) ein fo genannte Lignum Serpentarium, ob es aber aufrich® 
tig ſey / und alle die Virturesan ſich habe/ welche die Auchores demſel⸗ 
ben zuſchreiben dap es nemlich Würmer und Schlangen tödte / die, 
boͤſe Schleimigkeiten bey den Menfchen auöführe / folches läßt man 
aufdie Probe ankommen; Indeſſen wirdvon denrechten Ligno ere 
fordert/ daß es fein compadt und ſchwer / heil/ gelb und glatt von An⸗ 
ſehen ſey / dabey einen überaus bitteren Geſchmack an ſich habe. 

Colum, ein Durchſchlag / oder fein Haaren oder Seiden⸗Sieb. 

Columbaris Ver bena. 

Colutea, colutea veſicaria, Linſen⸗Baum / falſche Semet-Blätter/ 
kommen aus Frandreich/ Blätternund Saamen purgiren über und 
unter ſich / werden aber fälfchlicher Weiſe vor dig vechten Semet— 
Blätter ausgegeben. Ts | Co- 


298 Com 
Coma iftbey den Gewaͤchſen fo viel alö die öberfte Spitze. 


Coma aurea, v.Stoechas citrina. 

Combuftid, Berbrennung/ wann man nemlich durch Verbrennung 
die Eörper in einen Kalck bringet. | 

Comellibilia, Eßwaaren. 

Commiſſion· Waaren / fennd entweder ſolche / die man bor ander 
rer Leute Rechnung zu berkauffenoder einzufauffen hat / oder die man 
andern Leuten zuſchicket / oder ihnen / vor unfere Rechnung einzufaufe 
fen/ Ordre ertheilet; Die Belohnung wegen der Muͤhwaltung wird 
Provifion genennet/ folche ift ı. bis 2. pro cent, wann aber der Fadtor 
del credere ftehet / das iſt / daß er bor die Zahlung deraufzeit ver⸗ 
kaufften Waaren Bürgeift / fo accordiret man wol 3. procent, und 
iſt eö denen / die Waaren in Commiflion verfenden/ allezeit am raht⸗ 
ſamſten / daß ſie a mit ihren Factoren oder Commiflion- 
Habern accordıren/ weil fonft unter dem Schein an böfe Bezahler ver- 
Kauft zu haben / biel Unterfchleiff vorgehet: man hat aud bei) man- 
chen Fadtoren die Bequemlichkeit / daß man folder geftalt / wann er 
Hor die auf Zeit verkauften Waaren del credere ftehet/ under ſelbſt 
- ein bemittelter Mann ift/ gegen Abfürgung 3- oder 3. procent, pr. 

Monat vor die Zeit/ daß ſolche Poften fonft noch zu Lauffen hätten/ fel- 
bige einziehen / oder auch gar auf die noch underfauffte unter ihm lie⸗ 
gende Waaren/ gegen Erſtattung gebührender Interefle , die Helffte 
oder 3. voraus trafliven Fan. / welches denen wohl zu ſtatten kommet / 
die ihr Geld nicht Lange entbehren fönnen/ und ſolches oft umzufegen 
nöhtig haben / weil fonft in entftehenden Fall mancher bey ſolchen Com- 
miflion-Maaren-Berfenden / mehr Schaden ald Nutzen in feiner 
Handlung empfinden folte/ wie dann durchgehends der gleichen Ver⸗ 
fenden der Waaren in Commiflion nicht hoch zu rühnen ift/ wann es 
nemlich in Waaren gefchiehet / darauf nicht groß zu profitiven / weil 
alsdann die Unkoften / Fracht und Proviſion, item das Intereſſe des 
Geldes / mehr wegfrißt / als Profit darauf zu holen. Cine andere 
Bewandtniß hat es mit den Waaren / die uber See nad) fernen Lan⸗ 
denvon groſſen Capitaliſten verſandt werden / die mit ihren eigenen 
Capital handeln / ſelbſt den Kiligo lauffen / und ſich endlich nad) Laͤnge 
der Zeit/30. bis 40. und nieht pro centum Profit verſprechen koönnen / 
oder die der Waaren fo viel haben/ daß ſie folche nohtwenig auſſerhalb 
Laudes verſchicken mürlen / weil ſie ſolche nicht alle vor der Thuͤr ver⸗ 
Fauffen/oder aufgroffe Meflen und Jahrmärdte damit reifen können, 
Es wird aber aneinen Fadtor fo wol in Ein⸗als Verkauf fremder 
Sommiſſion⸗Waaren / Treu / Fleiß / Sorgfalt / Berftand/ Praxis, und 
zur Roht ein gut Capital erfordert; die Treue / daß er vor bie — 
auff⸗ 


— Com 299 
kauffte Waaren nicht mehr / und bor die Verkauffte nicht weniger in 
Rechnung bringe / als er dafür gegeben oder empfangen / daß er vor ſei⸗ 
nen Principal fo wohl zuſehe / als er haben will / daß andere / denen er 
feine Waaren in Commiſſion ſchicket / vor ihm zuſehen ſolle; Daß er 
die Unkoſten menagire / mit fremden Geldern und Waaren nicht un⸗ 
richtig umgehe / die eingegangene gleich üͤbermachen / und ſolche nicht 
ſelbſt etliche Monat zu ſeinen eigenen Nutzen gebrauche. Der Fleiß 
wird an ihnen erfordert / daß er ſich bemuͤhe / die beſten Kaͤuffers / oder 
wann er Waaren einkauffen ſoll / die beſte Gattungen und den genau⸗ 
ſten Preiß derſelben aufzuſuchen / und den Committenten nicht lange 
in Einsoder Verkauff aufzuhalten. Zu welchen beyden viel Vorſorg 
und Verſtand noͤhtig iſt / weil macher Committent, welcher Waaren 
verfchreibt/ in groſſen Schaden Fan geſetzet werden / wann er nicht ge⸗ 
bührend und zu vechter Zeit/ oder feiner Ordre gemäß/ bedienet wird. 
Go muß auch ein Factor die ihm zugefandte Commiffion-Maaren 
wohl zu fortiren/ inguter Pfleg zu halten / dierechten Kaͤuffers / und 
den Ort / wofolhe ohne Schaden müffen aufbewahret werden / zu 
choifiren wiſſen / und ſolches alles durch die Praxin, welche er bon lan⸗ 
ger Zeither in Bedienung dergleichen Commiflion ſich zu wege ge⸗ 
bracht / und durch welche auch die jicherften und beften Abkaͤuffers au 
fein Haus und Handlung — ſeyn. Sein Credit muß ihm auch 
den Einkauff der Commiſſion-Waaren / zu welchen er Ordre hat / faci- 
litiren. Und endlich thun ihm auch die Capitalia noͤhtig / wegen des 
Vorſchuß / den er manchmahl auf Güter, die ihm einzukauffen com- 
mittiret worden / thunmup / weil vor folche vielmahls die Remeflen 
erſt nach weggefandter Rechnung und Faltura erfolgen / offtmahls 
ſeynd auch ſchwere Fracht⸗ Gelder zu bezahlen / oder/ wie vorher ſchon 
gemeldet / wird einen ſolchen Factoren einen Vorſchuß auf ſolche unter 
ihm liegende Commiſſion-Waaren zu thun angemuhtet. Was in 
Commillions Sachen die Führung der Rechnung betrifft / wollen ſol⸗ 
he ebenfals gang accurar gehalten werden/ weil anderd der Commit- 
tent aus feines Factors liederlichen / unvichtigen und unfleifigen Rech⸗ 
nungen Urſach nehmen möchte/ die Commiſſion demſelben zu entzie= 
hen/und mit gutem ug zu urtheilen / daß wie er ich im Schreiben 
nachläßig aufführte / alfoauch feine andere Handels > Verrichtungen 
beſchaffen ſeyn muͤſten. Es hältaber ein Factor anfanglich ein Com- 
miſſion· Maaren=Refcontro-Bud) / wie das Formular darzu in un / 
ſers Handels⸗Correſpondentens erſten Theil angewleſen worden / 
und werden darinn auf des Committentens ſeiner Commiſſion- 
Waaren⸗Rechnung Debet, die —— in Credit aber die davon 
verkauffte felbft behaltene / ausgelieferte oder zurück geſandte Waa⸗ 
ren geſetzet. In den Hauyt⸗ Buͤchern halt man abermahl den Com- 

mit: 


fr 


J 
300 Com 


mittenten eine Conto du Tempo und Conto Corrente, auf jenes traͤgt 
man in Debet die vor des Committentens feine Commisſion-Waaren 
ausgeſchoſſene Unkoſten / vor ihn bezahlte Wechſel und Asſignationes, 
item die auf ſeine Ordre als baar eingekauffte Waaren/x. In cre- 
dir hingegen / was vor feine Commisſion -Waaren bey deren Bere 
Eauff gleich baar eingegangen/ oder nach der Hand von denen Debito- 
ribus, die auf Zeit gekaufft, bezahlet/ und alfo von der Zeit-Rechnung 
ab / auf die Corrent-Rechnung getragen worden / wie ſolches in unfern 
Probierſtein der Buchhalter fe oh zu erfehen. Im Einkauf 
fen der Waare wird mehrmahls nur eine Corrent-Rehnung gehal⸗ 
ten/auf deren Debet man den Belauff der tor unferd Committentens 
Rechnung gekaufte Waaren / ſamt unfere darauf verfchoffenen Un» 
foften und Provifion, in den credır aber die dafür von ihm angefchaffe 
te Gelder oder Valuta ſetzet. Seynd wie ſelbſt Committenten / fo 
muͤſſen wir eben fowol eine Refcontro-Rechnung / in den Refcontro- 
Paaren-Buch/ über unfere an N.N, verfandte Commisfion - Mage 
ven / an ihm felbft aber in unfern Haupt Büchern eine Corrent-und 
Zeit Rechnung halten / davon jenemit denen vor und baar eingenoms 
menen und ausgezahlten Beldern/ diefe mit denen auf Zeit-Verkauff- 
tenumgehet. Wann Committenten und Factores ein ander Gegen⸗ 
Commisfion-Naarenzufenden / fohalten fie in ihren Büchern mio 
und fuo contn corrente, mio und fuo conto di Tempo Die erften 
Arten ſeynd über die bon gegebene / dieandere ber Die Dagegen em» 
pfangene Commisfions- Gelder und Waaren. Ein mehrers von dies 
fer Materia vide unter dem Wort Fattor. 

Compagnie-Aandlung/ Mafcopey, Lateiniſ. Societas, Frantzoͤſiſ. 
Sociere, wird unter 2.3. oder mehr Perfonengeführet / die ihre baare 
Gelder in gleicher oder ungleicher Summa, auch wol ihre Waaren/ 
Schulden oder Begen-Schulden zuſammen legen / und fich aufviel 
oder wenig Jahr / auf eine gange oder nur auf eine gewiſſe Handlun 
auf diefen oder jenen Ort gerichtet/ uber alle oder auch nur auf gewi 
Waaren / und auf gewifle unter ihnen abgeredete Conditiones, inund 
auch aufferhalb Landes/ mit einander verbinden/ und durch die Hand⸗ 
lung und Commercia (fonderlic wann erft ihre Capitalia vereiniget / 
und es alddann heiffet: Vis unita fortior Jihren Ruten fuchen wollen. 
Zunitheilgefchiehet auch wol eine folhe Compagnie-Handlung / da- 
mit ein unerfahrner/ angehender und junger Handelsmann / einen äl- 
terern und verftändigen Pra&tico dadurch möge zugefellet/ und gleich 
ſam in die Lehr gegeben werden; Oder wann Reiche und Armen zus 
ſammen kommen / daß derjenige / der groſſes Kapital hat / und gern 
Damit mehr Profir, ald wann es auf Rente geleget wurde/ erjagen wol« 
te / ſolches einen zu ich genommenen Compagnion , der nicht diel ee 

pita 


Com 301 


pital Hat, zu Händen ftellet/ daß er damit vor ihrer bender Nusen den 
" Gewinn entweder gleich / oder nur aufgewiffe Theil zu theilen) han⸗ 


dle / feinen eigenen oder auch beyder Rahmen zur Unterfchrifft in den 
Briefen und Documentis gebrauche/ und wegen ded Beneficii , daß er 
der Reiche fein Geld hergiebet/ und ſolches arbeiten laͤſt er der Arme 
Hingegen feinen Fleiß und Mühe anwende / und folches in Compen- 
fation dagegenfebe/ welches die Frantzoſen Societ€ en commandite, 
denjenigen aber / der folder geftalt arbeiten / und feinen Fleiß an ftatt 
Capitals in die Compagnie tragen muß / Complimentarium nennen. 
Dfft treten auch e. Rauftleute in Compagnie zuſammen / damit (ie eine 
ander hülffliche Hand leiften/ und mit 4. Augen und Händen beffer als 
mit zweyen ſehen und arbeiten koͤnnen. Dergleichen Compagnien/ 
wann die Compagnons gleich gefinnet / friedlich und ſchiedlich als 
Brüder (ich vertragen / ein Herk und einen Sinn haben / und den 
Teufel der Uneinigfeit weit von ihren Contoir und Magazyn entfernet 
ſeyn laffen/ fehr nüglich / commode und loͤblich ſeyn / ſonderlich bey 
Kauffleuten/ die biel mit der IKaaren Ein-und Verkauff / vor eigene 
und Commisfions-Kechnung / mit Reifen auf Meflen / und öffentli- 
chen Ausfchnitt umgehen/ da der eine zu Haus die Scripturen und das 
Contoir, der andere aber die Börfe und Handwercks⸗Leute / das Pack⸗ 
haus und Magazyn, die Meffen und Jahrmärdte wahrnehmen Fans 
wo aber folche Einigkeit ſich nicht findet / oder daß einer den andern 
commandiren/ die Herrfchafft nach dem gemeinen Sprichwort (qui 
a Conıpagnon à maitre ) überihn haben / oder wann fie beyde verheh⸗ 
rahtet / ders Eigennutz und Weiber-Zänderey zu viel Gehör einraͤu⸗ 
men will/ da ift beſſer / daß einieder allein bleibe/ als folcher geftalt in 
Compagnie lebe. 
Ehe aber eine ſolche Compagnie angetretenwird / handelt man vors 
erfte über die Conditiones, die dem Eompagnie-Contradt follen eine 
berleibet werden / ald (1.) wegen Cinlegung beyder Compagnons 
Handelö:Eapitalien / wegen deö Orts / „00 Das Contoir, Magazyn 
und Kramladen ſeyn foll/ ob die Unterſchrifft in ein oder beyder Nah⸗ 
men gefchehen foll/ wer den Ein-und Verkauff / und wer die Scriptu- 
ten dirigiven/ die Reifen auf fich nehmen / und auf weſſen Unfoften 
folcheö gefchehen foll; wert das eingekommene Koſt⸗und Lehr⸗Geld 
vor die Fungens foll zugehören / wie es mit der Bedienten Unterhalt 
und Salariis zu haften/ ob die in währender Compagnie einen Compa- 
A anererbte / oder fonft durch Heyraht oder Schendungen zuge: 
ommene Gelder in die Societät follen geleget werden / und wie hoch 
ſolche zu berinteresſiren / wie biel jeder tährlid foll befugt feyn / aus 
der Handlung zu nehmen / ob jie gleich / -oder einer vor dem andern 
mehr an Gewinn und Verluſt zu partisipiven haben / ob einer der 
GCom- 


— 


302 Com 


Compagnous frey ſtehe / in währender Societaͤt aparte Handlung ‚zu 
treiben; wer die Handeld-Bucher führen / und die Caſſa halten ouly 
wie es mit den jährlichen Inventario, item bey der Scparation mit den 
auöftehenden Schulden / verhandenen Maaren und baaren Gelde / 
auch aufbegebenden Todesfall mit des Verſtorbenen hinterlaffenen 
Erben zu halten/ und dergleichen mehr /; worubergange Formularia 
u Handelöd-Correfpondenten erften Iheil p-416. fegg zu er: 

ſehen. | a 
Iſt aber ein Contract bey der ganken Kauffmannfchafft / der den 
Kechtögelehrten viel zuthun machet / fo iſt es gewiß der Societät- 
Contract, und die darin fehr offt jich eräugnende Vorfälle. Der 
weltberuͤhmte Juris Confultis ‚, Sr. D. Stryck / in feinen Tradtat de 
Cautelis Contradtuum, giebet von folchen Societaribus unterſchiedli⸗ 
che Definitiones, wir wollen aber nur Diejenigen beybebalten / Die un« 
fern in Compagnie ſtehenden Kauffleuten.nuglich feyn Fönnen : dieſem 
nach machen nicht jede gemeinfchafftliche Kauffmanniſche Handlungen 
eine Socıetät/ fondern nur diejenigen / aus welchen handgreiflich ab⸗ 
zunehmen/ daß unter den Kaufleuten eine Compagnie-Contradt be⸗ 
fichen müffe.. Marqvard, de jure Mercatorumlib, 2, cap. ı1. n, 6, & 
feg. Daun weil eine jede Societät Factiiſt / muß ſie nicht prefumiret/ 
fondern probivet werden: die ſtaͤrckſte Prefumption aber / welche 
man desfals haben. mochte/ iſt wann die Kauffleute ihre geſamte Nah⸗ 
men allebeyde/ oder fo viel ihrer in Compagnie feynd/ zugleich unter» 
ſchreiben / dergleichen Societät dann bon den Frangofen fociete colle- 
Kive genanntwird. Diealler bornehmſte Sorge zweyer in Com⸗ 
agnie zufammentretender Kaufleute foll feyn/daß fie wegen der Thei⸗ 
ung des jährlichen Gewinn oder Beriufts/ gewifle Padta aufrichten/ 
wie biel jeden Davon nad) Proportion feines Einlag⸗Capitals / oder 
feiner inder Handlung habenden Muhmaltung zukommen fol / dag 
aber der eine allein den Nugen oder Profit ſich zueignen / den andern 
aber den Schaden aufbürden wolte/ ſolches ift ungultig/ und wird fo- 
eietas Leonina genannt / da der Stärdere den gröften Theil / jafaft 
alles behält/ und den Schwächern das Nachſehen oder Die harte Kne⸗ 
chen/ das ift deu Schaden laͤſt; wiewolper fpeciem donationis, ned) 
wolein reicher Compagnon, der feinen arıtıen Aflocie gern aufhelffen 
wolte/ folche Theilung machen/ und deu Schaden allein zu tragen/auf 
(ich nehmen Eonnte / in welchen Fall eine foldeSociere gültig wäre. 
Wie aber / wann derienige/der an ftatt Kapitals feine Muͤhe und Fleiß 
einlegte / nach geendigter Compagnie und gezogenen Billantz nichts an 
Verdienſt finden koͤnnte / ſolte darum der Reiche fein gantzes Capi- 
tal zu ſich nehmen? die Rechte ſagen ja / dann wie den Reichen ſein 
Geld keinen Nutzen getragen / fo hat der Arme auch nichts hie 
übe 


Com 303 


— — — — — — — — — 
Mühe (die jenes feinen Capital entgegen geſetzet wurde) zu prætendi- 


ren / es wäre dann / daß er bey aufgerichteten Societätd-Contradt, Dies / 
ſen Fall precaviret/und ſich eine gewiſſe Proviſion zum wenigſten aus⸗ 
bedungen hätte. Wegen des von einen der Geſellſchaffter aufgenom⸗ 
menen Geldes / ob ſolches der andere Gemeinder mit bezahlen folle/ 
iſt abermahl der NRechtö- Lehrer Meynung / daß fo dereineScciusin 
feinen Rahmen nur allein contrahiret / ſolches auch nur alleinunter» 
gefchrieben / der andere Socius nicht dafur gehalten ſey / weswegen 
Dann ein Creditor forgfälttg feyn folte/ indie Obligation einzufegen/ 
daß er diefeßelder zum Behuff der gemeinen Handlung oder zuFortſe ⸗ 
tzung der mit Titio getroffenen Mascopey entlehnet / und Beet! daß 
der Creditor dieſe Præeaution zu gebrauchen verfäumet hätte/ fo ſolte 
er (ich doch fleißig erfündigen / ob von denen Waaren oder Geldern/ 
welche er dem einen Socio gethan/ etwas In der Eompagnie Nutzen ge> 
ſſen / in ſolchem Fall wäre fein Zweitel/ der Compagnon müfte mit« 
ezahlen / ob gleich fein Eompagnie-Wahme nicht unterfchrieben wcaͤ⸗ 
ren. Item / ſo einoder mehr Socii ihren Compagnon der Handlung 
borzuftehen aufgetragen hätten/ in folcden Fall wäre der oder diefelbe 
gleichfalls deffen Factum zu præſtiren ſchuldig; fo ſie jich aber unter 
einander gleich Hielten/ und Feiner den andern miehrewalt einräume 
te/ auch nicht in ihren Contra&t verabredeten/ daß des einen feine ein- 
feitige Handlung fie wolten gültig feyn laffen/ und genehm halten / in 
ſolchen Fall kan derjenige / der einen Handelö-Befellfchaffter etwas 
geereditiget / die andere nicht darum befprechen/ es wäredann / datz 
das creditirte zu ihren Nutzen mitgekommen ware. Zumerden ift 
auch / daß ob gleich ein Befellfchaffter mir Einwilligung feiner Socio- 
zum, mit einen Fremden contrahiret hätte / felbige dochnicht weiten 
als fo weit lich ihr Einlags⸗Capital erſtrecket darum pflichtig ſeyn / 
1.4. ff. pr. de exercit art. weswegen dem Creditorizu rahten / daß er 
dem Befellfchaffter/ der mit ihm contrahiret / auch feine übrige Haab 
und Güter verſchreiben laffe / damit / wann fein Haudels⸗Capital 
nicht zureichet/ er in feine übrige Güter feinen Regrefs habe / oder daß 
er ihm auch den Beneficiö Divifionis renunciren laſſe / um ihm dadurch 
deftomehr ın ſolidum zu verbinden. Ferner thun auch Handels⸗ Ge⸗ 
ſellſchaffter / jede zu feiner eigenen Sicherheit wohl / daßp ſie ſich einan⸗ 
der Macht geben / ihre Debitores infolidum zu verklagen / und desfals 
einer dem andern alle zuftehendeJura und Actiones, und alſo faculta- 
tem in ſolidum agendi cedire. Ein mehrers von Societät:Contra- 
&tewvide bey dem offtmahls angezogenen Sn. Stryckio, in feinen 
Tradtat de Cautelis Contradtuum ‚Se. Il. cap. X. item apudDn, 
Marquardum lib. 2.c.XI. dejureMercatorum. 
Comparisen/ erfheinen/ somparitio , eine Cinfindung — 
nter⸗ 


304 Eom 


Unterredung / die unter Rauffleuten über Sachen / die Handlung be> 
treffend/ foll gehalten werden. 

Compaß/ Franhoͤſiſch la Bouffole , ift ein gewiſſes Inſtrument, 
deſſen jich Die See⸗Leute bedienen / welches auch von denen Kauffleu⸗ 
ten/ die Rehders feyn/oderihre eigene Fahrzeuge in der See halten/ 
einigermaſſen muß verftanden werden. Es ift aber folches gemiei- 
niglich von Folk gemacht / rund oder dieredigt / von s. bis 7. Zoll / 
inwendig in diamerro, der Boden ift mehrentheils loß / damit man 
ſolchen Hinwegnehmen koͤnne / ohne das Glas / foftatt des Dedels die⸗ 
net / zuberühren. Der Boden und der Deckel ſollen wohl — 
gefüget ſeyn an den Kaſten / damit Feine dicke Lufft hineinkomme/ 
den Ende klebet man dich Papier rund herum / oder macht es dicht 
mit Wachs zu. Mitten aufden Boden wird eine zarte Spitze von 
Meßing perpendicular eingefeßt/ aufwelcher die Magnet-Nadel Lie- 
get/ welche von guten Stahl feyn foll/ in Form einer lang=gefchobenen 
Raute / die auf der einen Seiten (ich ſpitzig endige und auf der andern 
eine Lilie habe / diefe Lilie wendet (ich —* nach der Rord⸗Seiten / 
verſtehe / wann die Nadel gebuͤhrend mit dem Magnet beſtrichen wor⸗ 
den. Mitten auf dieſer Nadel muß eine wohl⸗geloͤhtete Meßinge 
Kappe oder Heiner Deckel ſeyn / perpendicular, und wie ein Regel aus⸗ 
gehölet/ damit felbigeaufder Pinne an allen Seiten gleich balancire/ 
die Nadel fügt manan ein rund did Papier/s. bis 6. Zoll in Diametro, 
auf daß ſie frey in den Kaften fchwebe. Die Mitte des gemeldten 
kleinen Deckels / ſoll gerade in Centro ſeyn / über welches man ihm 
quer lauffen laͤſt / damit die Nadel gantz ebenain den dicken Papier ſich 
lege. Beſagte Nadel muß auch an beyden Enden mit kleinen Meßin⸗ 
gen Naͤgeln verniehtet ſeyn / wofern ſie lange bey Kraͤfften bleiben ſoll / 
dann wann man ſie mit —— Papier anhefftet / wie etliche Unver⸗ 
ftändige thun / fo wird ſie roſtig / und verdirbt / weil nichts der Natur 
des Magneten fo ſehr zu wider iſt / als der Roſt. Weil nun der Ma» 
guet die Eigenfchafit hat/ daß deſſen eine Seite gegen dem Nord⸗ Pol / 

ieandere gegen den Suͤder⸗Pol ſich wendet; in der Beftreichung 
der Radelaber / diejenige Spitze / welche mit des Magnets Norder⸗ 
Geite oder Rord⸗ Pol beſtrichen / ji gegen Süden / die ander hinge- 
gen die mit den Güder-Polbeftrichen/ (ich gegen Norden ziehet / als 

ft auch hierin fleißig acht zu haben / daß man in Beftreihung der Ma⸗ 
gnet-Nadel (ich nicht berſehe / fondern darzu die vechten Handgriffe 
von geubten Compaß · Machern erlerne. 
Einen See- Compaß zu probiren / ob er juſt ſey fo muß man auf 3. 
Stüd Achtung geben / erſtlich / daß die Scheibe / wie gemeldt / gleich 
ſchwebe / zum andern / daß ſie ſich nicht zu geſchwinde noch zu langſam 
bewege / zum dritten / und welches das fuͤrnehmſte / daß die Radel en 

ö 





e Com | 305 


geit auf einer Seiten ſtehe / und obman ſchon die Buͤchſe verwendet / 
daß ſie doch allezeit gegen Rorden gehe; welches man auch in einem 
verſchloſſenen Gemach leicht wird ſpuͤren koͤnnen / warn man nemlich 
die Buchfe an einen Ort ſtellet / und ſiehet / wo bie Nadel hinzeigetz 
Hieraufferner ſie an einen andern Ort ſetzet. Iſt nun der Compaß 
gut / ſo wird Die Radelallezeit ſich wie derum nach der borigen Wand 
ober Stelle des Gemachs wenden / wo nicht / ſo iſt es eine gewiſſe An⸗ 
zeigung / daß er nicht recht / ſondern mangelhafft ſey. Es kan auch 
dieſe Buchfe gar leichtlich zugerichtet werden / daß man die Stunden 
(wieman auf den kleinen Sonnen⸗Zeigern zu thun pfleget) darauf fer 
hen koͤnne / dadurch man dann ihrer Güte deſtobeſſer verſichert wird, 
Man muß ſie auch wohl verwahren/ daß kein Lufft noch Staub hinein⸗ 
falle; item/ dap kein Eifen / Stahl over Diamanten dabey gehalten 
Averden. Sintemahl man in gewifle Erfahrung hat / daß ſie davon 
verdirbet / undentweder ſtill ſtehet / oder ſich nicht vecht beweaet und 
geiget. Dev Magnetftein/ mit welchen man die Nadel oder Zeiger 
- an einem Ende beſtreichet / muß gut und ſtarck ſeyn daß ev Nägel 
oder groſſe Nadeln an ſich ziehe/und jie auch von weitem / wann ... 
auch unter einem Tiſch waͤren / zu ſich — Solchen Stein mu 
man allezeit mit Eifenfeil- Spänen bedecket Halten / und wann ma 
Das Zünglein oder Radelder Buͤchſen darmitwill beftreichen / nıu 
man die Seite/ mit welcher man es beftreichen will/ erſtlich probiren. 
Dann ed hat der Magnet Kopff und Schwang an ſich / das ift/ daß rich 
die eine Geitegegen Norden / und die andere gegen Mittag wendet z 
da man dann ubel wurde verforget feyn / wann man gemeldtes Zunge 
fein mit der unrechten Seiten hatte beftricyen / derohalben man gute 
Achtung darauf zugeben / und die vechte Seite alfe zeichnen/ und im 
Auge behalten muß / daß man ich nicht inder Eile vergreiffe. Auch 
ift es nicht genug / daß man den Magnet nur ſchlecht an das Zünglein 
reibe oder ſtreiche / wie der meifte Theil zu than pfleget / ſondern man 
mug mit einem Meſſer oder fonften etwas von Eifen oder Stahl / wel» 
ches gar fauber und rein/ und etwas ſcharff ift / aufdie Seite gemaͤch⸗ 
lich ſchlagen davon der Magnet dann / wie eine dünne Wolle bon ich 
idt / alsdann foll man erſt dus Zünglein Damit beftreichen / fo wird es 
% gewiß / daß man ſich daruber Verwundern muß. or 
Conpatibilia, feynd Dinge/ die ich wohl zufammen ſchicken. 
Compenfiten/ erſetzen / evfullen / das jenige / was man genoffen/ 
oder worinn man einen Schaden zugefget/ ſolches anderwerts wieder 
erfeben/ einbriugen/compenfiven, 
. Competensjudex ‚ der rechtmaͤßige Richter / vor dem man fliehen 


muß. 
- Complimentarius, ein a na in Handelung / ober A 
| » 


; R — — 
306 Com Eon 
ſolcher / der in fociet€ en commandite ſtehet / das iſt / in einer ſolchen 
Gefellſchafft / da ein ander das Geld ſchieſſet mit welchen der com⸗ 
limentarius hernach Handlung in feinen eigenen Rahmen zwar trei⸗ 
t/ indeffen aber doc) den Profi mit jenen heilen muß. 
Compolition, eine Verfertigung / Zuſammenſetung / ſonderlich in 
der Medicin vieler Materialien. 
—— dicht / eng / genau zuſammen gebunden / geſchrieben / 
epacket. | ' 
⸗ — — ein freundlicher Austrag / vorgefallener Streitigkei⸗ 
ten / da beyde ſtreitende Parteyen durch eines freywillig von ihnen er⸗ 
Eieften Scheid⸗ Richters / Lateiniſch Arbiter genannt / willführlichen 
Ausſpruch alfo entfchieden werden / daß Beine Partey hinführo ander 
andern/ der ftreitigen Sache halber / fo unter ihnen gewefen/ etwas zu 
prætendiren hat/ wozu fie ſich dann fchrifftlich Durch einen contract zeh 
die Sache noch don dem Schledsmann entfchieden wird) verpflichten 
and diefe fchrifftliche Verpflichtung wird compromis genannt / vide 
die Formularia hiervon in unfern Sandelö-C orrefp. 
Conaria, coni, coccalia, Pinca, | 
Concept , einiin Sinn erſtlich abgefafter / und hernach zu Papter 
oder auch ins Werck gebrachter Entwurff / über eine Sache / die man 
dorzunehmen und auszuarbeiten / ober auch auszuführen gedencket / 
—— aber Hinderniſſen und Schwuͤrigkeiten / auch wol gute 
eiegenheit und Befoͤrderung darzu findet. Unter der erſten Bat» 
tung And diejenige zuzehlen / welche Hr. D. Becher in feiner weiſen 
Karrheitordentlich nach einander erzehlet / und welche wir nur/ in fo 
weit felbiger die commercia betreffen/ allhier anführen wollen : Es 
waren aber ſoiche der Frantzoſen vorgenommene Oſt⸗ Indiſche Com⸗ 
pagnie in Madagaſcar, die Hollaͤndiſche Colonirung in Tabago und 
 Guiana, D. Bechers Aufrichtung eines neuen Hanau in Weſt⸗Indien / 
Hertzogs Frie derichs von Holſtein weltkuͤndige Ambaſſade nad) Mo⸗ 
ſcow und Perſien / davon beym Oleario in ſeiner Perſianiſchen Reis⸗ 
Beſchreibung zu leſen; des Koͤnigs von Frauckreich Durchſchnitt / in 
die Mittel⸗See zu kommen / ohne die GStraffe zu pashiren ; Kayfer 
Caroli Magni Graben bey Nürnberg / die Donau mit dem Mayn 
und Rhein zu vereinigen ; Item des Grafen 8 von Hohenloh Eoncept/ 
die Donau mit dem bein zu big ; der Tartarn / Foſſa Camuz, 
die Wolga und das Mare Cafpium bey Afof mit dem Ponto Euxino 
an bereinigen/ (wiewol dieſes nach der Zeit feinen Effe&t foll erreichet 
heben die vonD. Becher aufgerichtete Kaͤyſerliche und Bayerifche 
iden-Eompagnien / ejusdem Kaͤyſerl. Kuuſt⸗ und Werck· Haus in 
Wien; der Grafen don Zinzendorff Gold⸗Fabrica zu Neuburg au 
den Inn; D, Bechers Legarur- Werd / ejusd, Introduction der Ma- 
nufa- 





Eon '307 


EEE —— — — — — — 
'nufadtoren in Teutſchland / und Verbietung fremden; Neufrille in 
. Anfterdam Pfeffer-Propolium , eines andern Tutia Propoliung ; 


Elers Rheinifcher Wein-Handels Daniel Kraffts Hopffen⸗Handei 
inBayern: Nideld Maulbeer-Baum-Pflangen/aufden Kraut-Berg 


‘zu Harlem; ejusdem Perfpectiv auf 20. Teutſche Meilwegs zu fehen; 
Wilhelm Schröterd Aufterbrut in Defterreich ; Reußners Schwe- 
diſche Waſſer⸗Kunſt / das Waffer über den Brunden-Berg in Stock⸗ 


Holm zu ziehen; Touffons Schiff zu Rotter dam; Merlenni Schiff 


unter dem Waſſer: Goͤhnholtzens Mayngifche Waſſer⸗Mühl das 


Engliſche Schiff mit 2. Keelen; Lieffrings Invention, um Gold aus 


den Sand in Guinea zu bohren; Galeni Spaniſches Seiffmachen 


von der Hagens Kunſt / die Perlen weiß zu machen. Zu weichen irri⸗ 
gen und fruchtlofenConcepten man noch zehlen möchte / die noch taͤg⸗ 
Fi) an bornehmer Herren Höfen vorkommende Vorfchläge / mel 
gemeiniglic verborbene Kauffleute/ betrugliche Alchimiften/ muͤßige 
und des Faullentzen gewohnte / etwan auch anderwerts entlauffene 
nichtswůrdige Leute / auf die Bahn bringen / (ich dabey gleich groſſen 
Vorſchuß / ſonderbahre Ehren-Pradicara , Aufrichtung neuer Cole» 
gien / in welchen ſie ihre Cameraden / die mit ihnen gleiche $edern tra⸗ 
gen / introduciren koͤnnen / ausbitten; wann dann num ein gütiger 
Bandöherr / welcher die Wohlfart feines Landes und feiner Unterthẽ 


. ‚nen gern befördert fehen wolte/ ihnen ſolches concedivet/ und zwar auß 


den Verfügniß/ weitkeine Leute verhanden/ welcher dieſer Betrüger 
ihreungereimte / underftändige und auf ihren eigenen Rugen abzies 
lende Concepten zuanatomiten wiſſen / fogehet es ungefcheuet unter 
des Landsherrn Nahnnen/ auf ſolche Invemionen/ fhädliche Concepten 
und Neuerungen aus / welche die Unterthanen zum hoͤchſten graviren/ 
vasjenige / was noch gut geweſen / und ſie beſſer zu machen verfprochen/ 
täglich berſchlimmert / unzulaͤßige Monopolia, Propolia Exactiones, 
und in Summa ſolche Exorbitantien ausbruͤtet / dadurch der hohen 
Obrigkeit ei ſelbſt —*— der Bürger Nahrung ge⸗ 
ſchwachet / der Armuht viel Seuffzen ausgepreſt / und endlich des Lane 
des⸗Herrn eigenen Beutels nicht gefhonet wird / welcher reichlich bin» 
ten / und das Fundament zu dieſer Leute ihren Lufft⸗Schloͤſſern ma⸗ 
chen muß / wie wir deſſen an der bovangeführten Neuburgiſchen Gold». 
Fabriqve, Neufville Pfeffer-Propolio, Elers Rheiniſchen Weinhan⸗ 
del / Ludwig Ernſts Augmentirung der Capitalien zu Marſte in Hol⸗ 
land / (welche Caſus alle in des mehrmahls angeführten D. Bechers 
weiſſen Rarcheit ausführlich beſchrieben / und annoch vielen andern 
mehr) genugſame Exempla haben. ä 
SCSonẽeept Papier / wird das grobe und wohlfeilſte Schreib· Papier 
genannt / auf we a era Contra —— 
| 2 en 


—— 
fem und hernech corrigivetwird / ehe man ſolchen ind teine und auf 
fauber/ offt auch geſtempeltes Papier abſchreibet. 
Conchæ, vide Muſcheln. Fe 
Conchites, Schneden-Stein/ ift eine Art figurirter Gteine- 
Conchylium,conchaindica, iſt eine Art von langen Mufcheln/ die 
An Rarden-trächtigen Seen waͤchſt / und.don Narden lebet/ Dannen« 
hero auch die Schaalen gleichen Geruch befonuntn / etliche confundi- 
‘gen conchylium und Purpuram oder Buccinam, aber mit Unrecht / ſin⸗ 
emahljenes zu den langen / dieſes aber zu den runden Muſcheln ge 
. oͤret .. *22 
Conerrfus creditorum, findet ſich bey bangverotirten oder Ver» 
armten Kaufleuten gar oͤffters ein / da nemlich ihre Hinterlaffene ik 
ter inventitet/taxivet/ fabhaftiret/ und die daraus gekommene Sum- 
‚maunter die Creditores, ihrer Priorität nach / und fo weit ſolche zurei- 
qen will / ausgetheilet und reparuret wird. . . 
Condenfans, ein Mittel/ welches die Loͤchlein der Haut zuſamme n⸗ 
iehet/ dergleichen feynd waͤſſerige und kalte / ſchwach zuſammenzie⸗ 
bee und adftringivende herbes Gie werden deu dünt-machenden 
itteln entgegen geſetzet. I. 
: Condenfare, ift eben fo viel als inſpiſſare dick machen / da bie fubeil- 
ſte Theil der Feuchtigkeit verzehret werdhen. 
- Conditnenta, begreiffen unter ſich ſowol die Gewuͤrtze (aromata) 
ald andere Iugredientien / dadurch die Speifen afaillonirt und 
fchmacHafft gemacht werden/ es feynd aber folche condimenta entwe⸗ 
der compofita , zufammengefeßte./ oder fimplicia einfache. Diefe 
crommen wieder/entwweder aus denen Vegerabilibus, Animalibus oder 
Mineralibus: die aus denen Vegetabilibusfommen / feynd entweder 
Radices Wurtzein / als Ingber / Zwiebel / Kuoblaud oder Cortices 
Kinden/ ald Zimmet-Rinden oder Folia, Blaͤtter / als Lactuck / Saur⸗ 
ampfler/ Portulac oder Flores Blumen / als Saffran / Borragen / 
Kreflen und Eappern / oder Fruͤchte / als Pfeffer/Mufcaten-Rüffe/Res 
elein/ Eardemom / Genf oder Saͤffte / als Zucker / Oel / Erig/ 
greſt / ac. Aus den Thieren hat man das Honig / aus den Minera- 
lien Salg. Unter die vermiſchte condimenta rechnet man eine groſſe 
Mengevon Tuucken und Salfen/ welche bei den Alten gebraͤuchlich 
— intindus oderembammata falviara mit Salbey bereitete/ 
Sepata mit Zmibeln/alliaramit Knoblauch / acerariaaus Salat · Kraͤu⸗ 
tern / — —— Kaͤſe / Ruͤſſen und einigen 
Kraͤutern / mit Eßig / Pfeffer und Del dereitet / garum vel garus wur⸗ 
de die Peckel von allerhand geſaltzenen Fiſchen und Sieifeh genannt: 
oder wie Plinius will / dasjenige ligvamenexqvifirum , welches man 
anfangs and den Eingeweid des Fiſches Gari, mit, Be 


— — — — — 


Con | 309 
bat/nachgehends hat man die Gedaͤrme des Scombri darzu gebraucht / 
endtich iſt es bey den Inteſtinis piſcium nicht geblieben / ſondern man 
hat angefangen / gantzer Fiſche ſich zu bedienen / und aus den kleinen 
Apuis oder Aphyis ein Garum verfertiget / welches fie hernach noch mit 
andern Sachen mehr vermengt / und dannenhero kan das fo genannte 
condimentum decompoſitum, als das Oenogarum mit Wein / Hy- 
drogarum mit Waſſer / Oxygarum mit fig / Elæogaruim mit Oel / 
Piperatum mit Pfeſſer / Hemation, zu welchem bey den Einſaltzen 
nicht allein das Eingeweide / ſondern auch das Blut der Thiere genom⸗ 
men worden / garum colore mulſi veteris, war fo dünne gemacht 
daß ed einen alten Meth gleichte/ und getrunden werben könnte / Ga- 
zum ex pifeibus fqvamofıs ward aus fehuppichten Fifchen / infonder» 
heit wegen der Juden verfertigt/ weilfelbige die Gara aus glatten Fi⸗ 
ſchen ihres Geſetzes wegen nicht gebrauchen dDürfften/ ja einige berei⸗ 
teten auch garum catharticum, welches als eine Arheney den Leib pur- 
girte. ‚Diedritte Art ihrer condimenten mar Muria , diefe wurde 
nicht aus dem Eingeweyde / fondern aus den Fleiſche der Fifche felbft 
zubereitet/ und war nicht eine-bloffe Laack oder Pödel / fondern das 
Fleiſch mufte wie die Vilcera bey dem Garo mit dem Salhe zugleich 

hmelgen / eöwarenaber hiezu nicht alle Fifche bequem / ſondern 
nur etliche/ infonderheit brauchte man darzu die Thynnos five Thu- 
mnos, deren Muria vor die trefflichfte gehalten wurde. Die Muria 
ex Sardis war wegen bielev Schuppen und Bräten geringer/ac. Die 
vermiſchte condimenten nad heutiger Art ſeynd Acetarıa die Galat 
als Latuck / Endivien / Portulac, Kreffe/ Winter-Kreffe / Rapüngel / 
Saurampff / Saurklee/ Kervel/Pimpinell/ Selleri/ Fenchel / Spar⸗ 
gen und Hopffſpargen / Zucker ⸗Wurtzel / cichorien, Gurcken / Borra⸗ 
gen/ Ochſen⸗Zungen / Türckiſche Bohnen / Indiahifcher Kreſſe und 
dergleichen. Embammata ſive intinctus Tuncken / dieſe werden ent⸗ 
weder ſimplici miſtione durch bloſſe Vermiſchung bereitet / als die 
Tunck aus Wein und Zucker / Pfeffer und Butter/ x. oder man ber» 
fertiget ſie mediante contritione. ald die Tunde aus gericbenen 
Brunnkreß / Loͤffelkraut Meerrettig/ Senff und Moft/ Ingwer / Eis 
tronat und dergleichen. It. haben ſie in denen Apotecken dad h genañte 
Triſimt Salſamenen⸗Pulver / vder condimentum generale aus etli⸗ 
Gen Gewürgen zuſammen gemenget / als z. E. nimm Pfeffer und 
Ingwer / jedes s. Loth / Muſcaten ⸗Ruß / Zimmet und — jedes 
a, Coht/ dieſes alles wohl durch einander geftoffenund geſiebet / fo hat 

man eine Mixtur zu allerhand Wuͤrtzung dienlic. 

Condiren/einmachen/ heißt / wann man die Sachen in fyrupifirten 
Buder/oder Honig / damitiieum fodiel angenehmer in Geſchmack 
ſeyn / und ſich Länger Halten follen/ — / uud hernach un 
3, 


310 Con 
Gebrauch verwahrt. Es ſeynd aber zum Einmachen tauglich die 
Wurtzeln / Rinden / Stengel/ Früchte / Nuͤſſe und etliche Blumen / bey 
deren Einmachung man bey den harten und bittern zu confideriren 
bat / daß ——— etliche Tage vorher in kalten Waſſer macerire / 
alle Tage friſches Waſſer zu und das alte abgieſſe / bis fo lange fie 
weich / und zum Kochen bequem werden/ wiewol man fie aud) wohl 
—— bat / daß man nicht ihre beſte Subſtantz durch dieſes Ein⸗ 
waͤſſern ausziehe / und der bloſſe todte Leib zum Einmachen dahinten 
bleibe; einigenehmen auch wol ſtatt des gemeinen Waſſers Laugen / 
maceriren die Materialia darinn / und füllend hernach mit gemeinen 
Mafferwieder ab. DerLigvor, womit mandie Sachen einmacht / 
ift/ wie ſchon gemeldt / clarificirter und fyropifirter Zucker / zuweilen 
auch Honig und Saltz⸗ Laack oder Saltz ⸗Bruͤh / Poͤckel genannt. Der 
Zuder zum Einmachen wird folgender Geflalt clarificivet: Man 
nimmt zu 3. Pfund Zuder das Weiſſe von s.oder s. Eyern / zerbricht 
hierauf den Zuder in gröbliche Stüde / thutdenfelben in einen Mef- 
fingen Keffel / gießt darüber den achten Theil ungefehr einer Maas 
reinen Brunnen-Waffers / alddann zerklopfft nıan das obbemeldte 
Eyerweiß / daß es einen weiſſen Schaum gebe / mittlerweile fegt marı 
den Zucer in den Keffel/ über ein gutes Kohl- Feuer / und läffet ed ein 
wenig aufwallen/ alddann fhütterman den obgemeldten weillen Eyer⸗ 
Schaum in den Zuder / damit ſolcher alle Unreinigkeit von fich Laffe/ 
laͤſſet es noch ein wenig einen Wall thun / ſchaͤumet ihn hernad) mit ci» 
uer durchloͤcherten Kelle ab/ oder feihet ihn durch ein weiſſes Wollenes 
Tuch / fchuttet ihn wieder in ein reines Keffelein/ und laͤſſet ihn bis zur 
Syrop-Diche weiter einfieden. So man nun wiffen will / ob er ge⸗ 
nug gefotten/ darff man nur etwas deffelben auf einen -eifernen Spatel 
| ſolchen in die Lufft ſchweucken / fo Rieben als dann Fleden/wie 
Spinnenweben in die Hoͤhe / undalödann iſt er recht gefotten / widri· 
genfals bekommt er Feine rechte Conſiſtentz oder Härte. Man kan 
auch wol ein oder etliche Tropffen auf kaltes Eiſen oder Zinnern Teller 
fallen laſſen / wann es alsdann bald ſtehet / und nahe beyſammen blei⸗ 
bet/ und nicht von einander flieſſet / auch klebricht und zähe iſt / fo iſt es 
genug. Hierauf nun die Sachen und zwar erſtlich die Wurtzeln / als 
3. E. Cichorien·Wurtzeln einzumachen / fo nimm die Wurtzeln friſch 
gegraben / waſche und ſchabe ſie wohl rein / hernach in der Mitten nach 
der Länge geſpalten und den Pettig ausgenommen / ſiede fie in heiſſen 
Waſſer / bis die Bittredabon gekommen / und jie wohl weich morden/ 
eich hernach das Waſſer ab/ und lege fie aufein Gieb / vder fauberes 
ined Tüch / daß es fein trockne / hernach Foche mit demfelben Decocto 
oder Waſſer gleich viel Zucker auf / bis zu einer Syrups⸗Dicke / ſolches 
gieß auf die Wurtzeln /, welche vorher in ein glaͤſern Gefäß fein * 
u geleg 


ur Zn «on 


Eom 31 


gelegt ſeyn müllen/laßes 24. Stunden ſtehen / beſiehe alsdann / ob der 
Ey up dunn geworden / ſo gieß denſelben ab / koche ihn abermahl zur 
noͤhtigen Dicke ein / und die ſes wiederhole fo offt / bis du ſieheſt / daß es 
keine Feuchtigkeit mehr annimmt. Die Rinden / als Citronen und 
Ponerangen-Schaalen/ werden gleichergeſtalt / wie die Wur tzeln eine 
emacht. Die gelindere Fruͤchte / als z. E. Kirſchen / Johannis⸗ 
raͤublein / ec. werden mittyrupifirgen Zucker oder Honig begoſſen / 
und ſo lange — bis die Feuchtigkeit weg iſt / ſonſt verderben 
ſie bald; Die haͤrtern Fruͤchte / als Citronen / Quitten und derglei⸗ 
chen / muß man erſt gelind machen / die bittre aber angenehm / die Li⸗ 
monien und Oliven thut man in Saltz⸗Lacke. Unter den gelinden 
Krüchten / wollen wir einen Borfchlag machen mit Johannes⸗Beer⸗ 
lein / hierzu nimm zur. Pfund ein halb Pfund geläuterten Zuder / laß 
es miteinander wohl jieden/ bis es dick wird / hebe «3 alddann bom 
euer / und wann es ein wenig erkaltet / ſo gie es inein berglaͤſetes 
Geſchirr / laß es etliche Tage offen ftehen/ und binds alsdann wohl zu; 
der Safft noch einige Feuchtigkeit an ſich / fo.muf er aufs neue ge⸗ 
cht werden. Berberes-Beerlein einzumachen / thut man erſt die 
Körner daraus / alddanndie Hilfen in eine gläferne Schaale / und 
Mehl⸗Zucker daran/ ſo viel als nöhtig / rühreed miteinenhölgernen 
Spatel drey Wochen lang/ alle Tageeinmahl um / fobleiben ſie gut / 
beffer aber ift es wann man mit ſolchen wie mit den Johannes⸗Bee⸗ 
‚wen verfähret. Von den ſauren Kirfhen preft man erftlic den Gafft 
aus / fest folden über das Kohl⸗Feuer / und nimmt halb fo viel als er 
gewogen/ feinen Zucker / läfit es mit einander ſie den / und ſchaͤumet den 
Unflaht wohl ab / kochet ihn alsdann bis zurgiemlichen Confifteng ein / 
da dann auch zugleich eine ſchoͤne Roͤhte mug beybehalten werden / 
nimm als dann Kirſchen / ſo aber in einem trucknen Wetter müffen ſeyn 
abgepflücket worden / ſchneide die Stieie bis an die Helffte ab / und lege 
fie in den anuoch ſie denden Safft / laß fie mit einander ein oder zween 
Wall thun / rühre fie aber nicht um / damit fie fo biel moͤglich / gautz 
bleiben / ſchaume ſie unter ——— Sieden wohl ab / nimm ſie als⸗ 
dann mit einer durchloͤcherten Kelle aus den Safft / lege ſie in 
eine glaͤſerne oder irr dene Schaale / laß beydes die Kirſchen als Sy» 
rup erkalten / thue ſie nachmahls in ein Glas / und gieß den Syruy 
darüber/ wo er wieder duͤnne wird / ſo gieß ihn ab / und ſiede ihn aufs 
neue / zur gebührenden Dicke. Gleichergeſtalt Hält man ſich auch mit 
andern Früchten/ von denen man die Schaalen mit gelinder Mube 
ohne Meffer folgendermaffen abmachen fan: Min gemeine Lauge/ 
wirff darein ein Stuͤcklein Pottaſch / wann es zergangen/ und bie Lau⸗ 
ge kalt iſt / ſo thut man die Frucht darein / laß ſie ein wenig darinn lie⸗ 
gen / ſo kanſt du mit einen Tuch / Die — gemaͤhlich hernach * 
4 u 


zi I Com 
ben. Die Dvitten wohl einzumachen / und ſelbige mit einer ſchoͤnen 
tohten Farb aufzuheben, fo nimm die fehönften Quitten / fo viel als dir 
beliebt/ ſcheele und huͤlſe fie fauber aus/ wich ſie in kalt Wafler/ made 
unter währenden Ausweichen den gebührenden Syrup darzu / nem⸗ 
lich fo viel Zucker / ald ſchwer die Dbitten wiegen / und fo biel Pfund 
Zucker du haſt / ſo nimm zu jeden Pfund deflelben ein Roͤſſel Brunnen⸗ 
Waſſer / laß es wohl mit einander ſieden / wann es nun wohl geſotten 
und abgeſchaͤumet / ſo thue die Quitten und den Safft zuſammen in eis’ 
nen verglaſurten hohen Topff/ ſetze ſie an ein gelindes Feuer / decke (te 
dicht zu/ daß nichts aus daͤmpffe / laſſe es alſo ſtehen / und ruͤttele ſie ja 
nicht / bis man mercket / daß ſie eine ſchoͤne Farbe bekommen / alsdaun 
ſiede ſie geſchwinde ab / bis die Quitten muͤrb / und der Safft gallricht 
wird / und hebe fie alsdaun auf zum noͤhtigen Gebrauch. Aus den’ 
Quitten wird auch bereitet. Due 
Quitten⸗Brod / nehmt hierzu wohlsreiffe Quitten 7 die fein gelbfaͤr⸗ 
big fennd/ ſchaͤlet (fe / und fchneidet Die Körnerund Gehaͤus heraus / 
ſie det fie alddann in einer Pfanne mit Brunnen⸗Waſſer fo lang / bis ſie 
anfahen vom ſich felbft zu zerfpalten und aufzuberften / treibet ſie hier⸗ 
auf durch ein Sieb oder Durchſchlag / und nehmet alödann zus. Pfund 
Gafft 3. Pfund des allerbeften feineften Zuckers / ſtoſſet ed wohl durch⸗ 
einander/ feget esüber on lindes Kohl · Feuer / laſſet eöfochen / und 
rühret es ftetö mit einen hoͤltzernen Spatel um / bis es genug gekocht / 
- welches daran zu erfennen/ wann nichts mehr an der Pfannen hängen 
bleibt; will man zu letzt / wann es jegteiniieden will / ein wenig Be- 
wuͤrtz / als Zimmet / Rägelein/ MufcatenRüffe / oder auch Eitronat 
darzuthun/ wird eö deftobefler. ee 
Weiſſe Outeren-Marmelade zu machen / fo nehmt die Quitten /lafit 
fie recht mürb in ſied⸗heiſſen Waſſer kochen, fchälet fie hernach / und 
legt ſie bey Geits/ hierauf nehmt rohte Quitten / fchälet jie auch / neh⸗ 
met die Körner aus/ und feihet den Safft durch / hernach wieget die 
mürben Quitten/ wann ihr ſie zubor dünne von den Hülfen geſchnitten 
habt / und nehmet etwas mehr feinen Zucker / als ſie wägen/ maͤſſet den 
Buder mit den rohen Quitten-Gafft/ und laffet ihn ftehen / ſchaͤumet 
ihn wohl ab / undthut alddann die Ovitten-Schnitte hinein / laſt alles 
fieden/ bis es zur Ballert wird/ alddann vermacht es in Gläfer. 
Rohre diuitten« Marmelade , bereitet erftlich die Quitten durd) 
Schaͤlen und Auskoͤrnern / werfft fie in kalt Waſſer / damit ſie ihre 
Farb behalten/ fchneidet fie hierauf in dünne Stuͤcke / und werfft ſie 
allezeit wieder ind Waſſer / alsdann nehmet zu jeden Pfund dieſer 
Quitten⸗Schnitte 3. Pfund Zuder/ leget hierauf eine Lage Zuder in 
Die Pfanne/ und dann eine Lage Schnitte / und machet es fofort/ bis 
fie alle indie Pfanne geleget feyn/ feet abergu / daß die oberfte ve 
=> * 





Eon 313 


von Zuder ſey / und die Quitten damit bedecket werden / feßet es her⸗ 
nad) zumgelinden Feuer / und decket es wohl zu/wann ihr nun merchet/ 
das ſie můrb werden/ und rohte Farbe zu gewinnen anheben / fo laſſet 
te ſtarck aufjieden/ bis alles recht Far werde / und der Syrup galle> 
richt / alsdann hebt ihn auf in gläferne Gefälle. 
Sruͤne Nuͤſſe zu condiren/nimmt man diefelbige / und durchbohret 
(Ve mit einen fpigtgen Holt; / macerirtö —* 9.0der 10. Tage in kal⸗ 
ten Waſſer / alsdann kocht man ſie / daß tie Lind werden / trodnet und 
wuürtzet ſie / beſteckets mit Zimmet oder Nägelein/ und kochts mit Ana- 
Zeh and Waſſer / qrant. fatis; zum Exempel / die Welfchen Rüffe 
Affen um St. Johannis⸗Tag / ehe ſie inwendig hart/und die Schaa⸗ 
fen geünen/ abgebrochen werden / nehmet hernach ein ſpitziges Holtz / 
ſtechet damit die Rüffe durch die grüne Schale rings herum voller£d- 
cher / damit ſie defto beſſer durchlieden mögen / werflet ſie hernach in 
faulicht Waffer/ laffet fe uber Nacht darinn liegen / ſiedet ſie hernach 
des andern Tages in feifchen Waſſer auf/ thuts vom Feuer / und laßt 
fie in einen Durchſchlag wohl abtropffen/ferner thut ſie wieder in friſch 
Brunnen DBafler/ laßt ſie fo lange darinn liegen / bis man feine Bit⸗ 
terkeit mehr daran ſpuͤren kan / zuletzt kochet man ſie in weiflen Wein / 
and nimmt zu hundert Wüffen den achten Theil einer Maaß / und auch 
ſo viel Waſſers / oder ſo viel zu beyderlen von nöhten: Etliche thun 
auch wol/ fo viel als einer Ruf groß/ guten Salpeter darein/ die Ruͤſſe 
damit deftobeffer durchzubeitzen / und auch die Bitterkeit auszuziehen/ 
warn man aber feinen Salpeter hat / fo nimmt man nur einer halben 
Ruß groß Salt darzu. j 
Nachdem man nun jiehet/ daß obbemeldter miaffen / bie Nuͤſſe bald ge⸗ 
nug gekochet / alſo / das fie faft bon einander gehen wollen / fothut man 
fie heraus / und laͤßt fie auf einen faubern leinen Tuch abtropffen und, 
abtrockenen / hernach ſpicket man fie mit Citronat · Schaalen / Zimmet 
und Raͤgelein / laͤſſet den Zuder mit ein wenig zugethauen Waſſer über 
ein Kohl⸗Feuer zergehen / und mann die N ae wohl getrocknet/ und in 
ein berglaſuürtes Geſchirr gelegetworden / fogieflet den Zuder über 
die Rüſſe. NB. Zu einem Pfund Nüffe muß man dreyviertel Pfund 
Zuder nehmen/ und wann dev Zucker über das Geſchirr Laulicht gegoſ⸗ 
fen/ follman das Geſchirr fo Lange offen ſtehen laſſen / bis alles erkaltet; 
doch mug man auch nach etlichen Tagen befehen / obder Zuͤcker dünne 
werden will / da man dann denfelben abgieflen und zu rechter Härte 
mieder fochen muß. _ 
Die Geſchirr wohl zu verbinden/ muß man erſt ein Papier mit Wachs 
über Kohlfeuer wohl beziehen / ſolches alsdann überlegen / und noch 
darzu eine Blafe ind Papier überbinden. 
Die Blumen macht man ein/ Indem ” an ſelbe ſyrupiſirten * 
gieſſe 


314 Eon 


gieflet/ ed werdenaber gar wenig gantz auf ſolche Art eingemacht/nem- 
Lich nur Citronen / Pomeranben-Blüht / und bisweilen Roſen / aus 
den andern macht man nur Conferven. Etliche beftreichen Die Blu⸗ 
men mit Eyer⸗weiß / und fireuen alsdann Zucker darauf / ſetzens in 
die Sonne/ und behalten auf folche Weiſe die Blumen bey ihren Zar- 


beit. 
Blaue oder gelbe Violen einzumachen / fo pflücket man die Blätter 
fein fanber und rein don den Knoſpen ab / nimmt hernach Zucker in ei⸗ 
nem Tiegel/ gieſſet etwas Waſſer / darinn Aepffel geſotten / darauf) 
ſetzet ihn ans Feuer / und laͤßt ihn ſieden / bis er ziemlich dick wird / hier⸗ 
auf nimmt man ihm dom Feuer / und thut die Violen hinein / ſetzet es 
alsdann wieder aufs Feuer / und läßt es etwas dick werden / rühret es 
aber dabey nicht viel / damit die Farbe nicht berſchleſſe / fo muß man 
auch nicht zu viel oder zu wenig Zucker nehmen. Das gemeinſte Ge⸗ 
wicht iſt zu einen Pfund Blätter 2. Pfund Zucker / des Waſſers darff 
auch nicht zu viel feyn/ nur daß der Zuder mählig Fan aufgelöft / und 
wiederum zur rechten Confifteng inſpiſſiret werden. 
Die rohte Rofen kan man mit gemeinen Waſſer etwas mürb Eochen/ 
warn fie vorher / wie die Violen von ihren Knoſpen und gelben Saa⸗ 
men geveiniget fenn/ da dann der befte Handgriff das Gelbe Heraus zu 
bringen / diefer iſt dap man die Blätterinein Sieb thue / und durch 
langes Nütteln eines bon den andern abfondere / warn ſie nun fein 
murbe gefocht/ fo nehmt ſie heraus / und leget ſie in ein Haͤren Sieb / 
das ſie wohl ablecken. Unterdeſſen aber nehmet eutweder rein Brun⸗ 
nen-Wafler oder des Decocti von den Roſen / fo viel euch duͤncket noͤh⸗ 
tig zu ſeyn / thut den Zucker nach gebührenden Gewicht darein / und 
Fochet ihn zu einer ſtarcken Conliſtentz / warn er genug hat / ſo thut die 
Roſen⸗Blaͤtter hinein / (welche in vorigen Kochen weiß geworden und 
laßtſie ein oder zweymahl damit aufmallen/ hebet ſie dann bom Feuer / 
und laßt ſie voͤllig erkalten / eh ihr ſie in ein Glas oder Geſchirr thut 
und verbindet. NR, Wan kan die Roſen weiß laſſen / oder auch wie⸗ 
der roht machen / wann man etliche Tropffen Spiritus Vitrioli darauf 
gieſſet / es muß aber deſſen nicht zu viel ſeyn / ſonſt benimmt ſolcher den 
Roſfen den angenehmen Geſchmack. Etliche zerhacken die Blaͤtter 

ans klein / ſie ftchen aber feiner / wann man ſie gantz laͤſſet. 

ufrifche Citronen⸗oder Pomerantzen⸗Bluͤh nimmt man andert⸗ 
halb Pfund Zucker / in einen Tiegel / gieſſet eine Maaß Aepffel⸗Safft 
hinein / laͤſſet ihn aufſteden / hernach thut man die Bluͤhte hinein / und 
laͤſts fo lange fieden/ bis der Zucker fo dick wird/ ale ein Syrup / hebt 
eö hierauf ab / laßts kalt werden / und verwahrt es wohl mit Wachs / 
Papier und einer Blaſe. 
Die gebraͤuchlichſte Condita oder eingemachte Sachen in denen = 

. ci· 


Eon J15 
ficinen feynd: Condit, Rad.Angel, eingemadhte heil. Geiſt⸗Wurtz / 
eondita aurantia poma integra , acin partes diffe&ts, eingemachte 
Pomerantzen gankoder zerſchnitten / Aurantiorum flores Pomeran⸗ 
hen⸗ Blüuht / dito cortices Pomerantzen⸗Schaalen / C. Berberes fine 

arill, ausgekoͤrnt Erbſich / Borrag.rad. Ochſen⸗Zungen-Wurtz / Ca- 
lam, aromat. Calmus / Caſſia Caßien / ceraſa amara bittere Kirſchen / 
eichor. rad. Wegwart⸗ Wurf / citria poma Citronen gantz und zer⸗ 
fchnitten/citriamaxima cum carne,Qitzonat/eitriaficca, trockener Ci⸗ 
tronat/ctrieortices eingemachte Citronen⸗Schaalen / dito Flore Blu⸗ 
mien / conſolid.maj.rad.eingemachte Wallwurtz / corna Welſche eine 
gemachte Kirſchen / cydonia Quitten / cynosbati baccæ eiugemachte 
Hagebutten / Enulæ rad. Alandwurtz / Fringy rad. Manns⸗Treu / La- 
&ucz Hiſp. caules ſicci trockene Latut / mala armeniaca præcocia eins 
emachte Morellen oder Mamelucken / meſpilla integra gantze Mi⸗ 
eln / myrobolani belliricæ, chebulæ, citrinæ, emblicæ, dieſe wer den 
insgeſamt eingemacht aus Indien gebracht / nuces Indicæ ſcilicet mo- 
ſchatæ, cum involucris gange Muſcat⸗ Nuͤſſe mit Schelffen / dito fine 
involue, ohne Schelffen / muces juglandes. Welſche Nüffe / Perlica 
Pferſich / Pimpinelle rad, eingemachte Bibernellen / Piper nigr. 
fchwarger Pfeffer / Prunafylveftria eingemachte Schlehen / Prunaci- 
tria eingemachte Spilling / Pyra mufcatella eingemachte Zuckerbeer⸗ 
lein / Rhabarbarıum Rhabarbar/Ribes Johannes-Träublein/ Saryry 
rad. eingemachte Stendelwurg/ Scorzonerzrad. Schlangen Wurs/ 
ScorbaeingemachteSpeyerling/ Zedoariz rad, eingemachte Zittwer/ 
Zingiber Chinenfe Ehinefer Ingwer / dito gemeiner / ıc. 
Condition, eine Bedingung / conditionaliter etwas über ſich neh⸗ 
men / vedenoder fchreiben / daß mau nur gewiſſer geftalt daran wolle 
bunden feyn; Man fagt auch / ein wohlsoder übelsconditionirte$ 
Sur, das ſchoͤn friſch / wohl eingepackt oder auch fchadhafft ift. 

Condudtor, der ein Haus / Kram⸗Laden odev Gewoͤlbe miehtet/un- 
de condudtio, der Beftand/ die Miehte. Vide Miehten. 

Confe&t, Srangöflfch Confitures, mit Zuder überzogene Sachen / 
werden bon denen Confecet⸗Beckern nad) der Kunft zubereitet / und 
zwar in einen Mepingen oder Kupflern Confect⸗Keſſel / über einen 
Dfen/ in welchen Feuer ift / uber welchen Ofen der Confect⸗Keſſel ei⸗ 
ner queren Hand hoch an einen Strick hänget/ alfo / daß man ihn ſtets 

in und wieder ſchwaͤngen kan / in folchen trieffet nun immerfort dicker 
yrupifirter Zuder hinein, der jich an die in dem Keffel liegende Din⸗ 
ge anleget/ und nachdem durch des Feuers Site feine Feuchtigkeit ſich 
verzehret / endlich gleichſam zu einer Zucker⸗Rinde wird ; Es feynd 
aber die Sachen / welche auf dergleichen Art bereitet werden / Saa⸗ 

men / gefchälte Kerne Gewüurg / Wurtzeln / Rinden und OH 
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316 Con 


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und das Oberftevon Kraͤutern / wiewol dieſes letztere gar felten ge= 
febicht. Steben ift zu mercken / dap etliche Saamen erft in Epig/ als 
E. der Eoriander/ müffen macerivet werden / ehe man ſolche über 
Jehen kan. Wann man bittere Sachen confieiren will/ muß manſie 
borher verbeſſern / nad) der Art/ die wirbey den eingemachten gemel⸗ 
det / meiſtens werden erſt Die Sachen mit Staͤrckmehl und hierauf 
erſt mit Zucker überzogen/ dahero zwey Conlect ſeyn / ald aus lautern 
Zucer und Minderfein/ und dann aus Stärdmehl und Zuder/ deren 
Bereitung ift/ ald fo'get: 

Rimm entweder Eoriander/ Anis oder Fenchel ⸗ Saamen / oder Ca⸗ 
neel in laͤnglichte Stoͤcke geſchnitten / oder Mandeln abgeſchaͤlt / oder 
was du ſonſt wilt / ungefehr ein halb Pfund oder Metze nach Belieben / 
faubere alles rein / mache einen folvirten Zucker darzu / welcher nicht 
barff deſpomiet ſeyn / ſondern nur durchgeſeihet / lege den Saamen 
in den Confedtier- Keſſel / wuͤrff ihn / daß er an fich ſelbſt erwaͤrme / gieß 
alsdann von Syrup einen halben Löffel voll darauf / und beſtreue es 
mit einer Handel vol Wäigens Mehl / veibe es über dev Wärme mit 
der Band wohl durch / damit der Keffel unten auf dem Boden eine 
Krufte bekomme / trockene ed mit den Werffen wohlab / halte weiter 
an mit dem Aufgieffen bey wenigen Mehl⸗Eintragen und ſtarcken Rei⸗ 
beu/ damit keine Klumpen bleiben/ nebft gelinden Werften und ſteter 
Abtrodnung/ bis das Corpus einen dicken Rod bekommt / alsdanu 
{aß es drey Zag in der Wärme trocknen / nach Verflieſſung derfelben 
Fauft du die Crifpatur aufteagen / dies geſchicht mit ſtarcken Wurff in 
die Hoh / und der Zucker muß Syrups⸗dicke haben / welcher durch ei · 
nen Röffel / der ein Löchlein hat / oder durch ein Trichter mit einem 
Stocklein verftopffet/ hoch - auf das Corpusfället/zu derzeit aber 
muß wenig oder kein Mehl gebraucht werden. Die glatten Man⸗ 
deln und Bifem-Kugeln werden nur in Keffel Hin und ber geſchoben / 


und nicht in die Höhe geworffen / der Knauften » Zuder bedarff die 


ſtaͤrckſte Werflung. 
Die Weiſe / wie mandie Sachen candiren foll/ift nicht biel unter fchies 
den von der Weife einzumachen / auffer / daß inder einen die Zucker⸗ 
Bruͤh etwas dicker iſt / damit der Zucker in Chryſtallen wachſe / und die 
Sachen überziche. Die gehraͤuchlichſte Zuder-Eonfect in theild Of- 
ficinen feynd: j | 
Confeclio amygd. dulc. überzogene ſuͤſſe Mandeln/ amygd.amarum 
bittre Mandeln/ anifı überzogene Anis / Laxadtivi Purgier-Anid- Zus 
dfer/ calami arommtici überzogen Calmuß / cardæmomi minoris Car⸗ 
damomen-⸗Confect / carvi überzogenen Kummel / caryophillorum 
überzogene Mägelein/ eichorei rad. überzogene Cichoryen ⸗ Wurg/ 
cinz fantonici fem. lumbrieorum Wurm⸗ Saamen / cinamomi Zint- 
met⸗ 


Eon 317 


met⸗ Confect / coriandri überzogen Eortander/ magnimit groffer Cri- 
fpatur,corporis fine anima feu confedtio mofchardina, mo’chata 
Bifen-Zuder/ cubebarıum überzogene@ubeben/Dauci.cemm, über 
zogen Wild · Moͤhren · Saamen / Erucz femen übergogener weiſſer 
Senff⸗Saamen / Faniculi überzogen Feuchel / Lavendula flor , Ps 
dendel-Blumen-Eonfert / Macis überzogen Mufcat-Blühte / Majo- 
ranæ ſemen Maforan-Saamen / Pimpinell rad. überzogene Pimpi⸗ 
nell⸗Wurtz / Pincarum überzußerte Pimper-Nüffe / Zedoariz Zit⸗ 


wer · Confect u. 
Candirte Sachenſeyn: —— 
Confeclio acori, candiſirter Calmus / Aurantior cort. candirte Po⸗ 
merangen-Schaalen/ earyophyllorum candirte Naͤgelein / cinamo- 
mi caridirter Zimmet / citronata ſeu cort. eĩtri major, candirter Ef» 
tronat / citr. cort.i.e.minor eandirte Eitronen-Schaalen/Macis can- 
dirte Mufcaten-Blüht/ macis moſehata candirte Muſcaten / Zingi- 
beriscandirter Ingwer. Hieher gehören auch die Safft-Rofen und 
Violen⸗Zucker. | 
Mehrere Arten bon Confedten „ die auffer den Officinen bon den Zus 
er ⸗Beckern oder Condiroren / Frantzoͤſiſch Confiſſeurs genannt / zus 
bereitet / und gemeiniglich auf bornehnier Herren Tafeln und groſſen 
BSaſtereyen zum Rach⸗ Tiſch aufgeſetzet werden / ſeynd theils in Schroͤ⸗ 
Derd vollſtaͤndigen Apoteck / theils auch in ſo viel Koch⸗Buͤchern / ſpe · 
cifiret / zu erfehen / wobey dann auch zugleich Die Ingredientiaund 
Handgrifft angemwiefen werden/ woraus und wie folche zu Verfertigen 
ſeyn. Unfern Kauffmann und Material-Händler moͤchte zu weiten 
auch) eine proftable Pieferung zu Handen floffen / oder weil heutiges 
Tages viel trockene Confites te) als Apricofen , Pflaumen und 
dergleichen aus Franckreich begehret werden, vor ihm ein Hein Profit- 
gen dabey zu machen feyn/ dag er folche müfte fonrmen laffen / weswe⸗ 
geh wir diefe und die vorhergehende Materiam bon denen eingemach⸗ 
ten Sachen / etwas ausführlich beſchrieben. Eine gewiſſe Art Stei⸗ 
nern Confedts wird in Be an den Tyber⸗Fluß — / welde 
den rechten Confect an Geſtalt gantz gleich ſeyn foll ; Diefes wird zwar 
zur Curieufitdt don denen Reifenden mit herausgebracht / ob es aber 
wärdlid ein Spiel der Ratur / oder ein Poſſen ſey / den die Italiaͤnet 
den Fremden veiffen/ wann ſie etwan dergleichen fteinern Zuckerwerck 
bon Gips in einen Form machen, und folches hernach / wenn es erhäre 
tet/ an das Ufer des Meeres legen / und alſo ihre Kurtzweil damit treis 
ben/ ſolches läßt man an feinen Drt geftellet feyn. er 
Der Alten ihr Confett oder Rachtifch / Bellaria genannt / warniht 
bon folcher Importang / weil ihnen der Zucker damahls noch nicht be⸗ 
Banntgewefen/ und die Zucker⸗Beckerey eine gang neue ae ift; 
war 


zu8 Eon 

Zwar haben ſie Saccharum' nativum , Sr gebegenen Zuder ge- 

braucht/ weilaber derfelbe fehr var war) alfo wuften ſie nicht nach heu⸗ 

tiger Manier damit umzugehen / vielweniger deffen Tugenden wohl 
anzuwenden/ alö welche vornehmlic) darinn beftehen / daß 1.) der Zu- 
der aufler feiner natürlichen Süffe/ feinen fremden Geſchmack / viel» 
weniger einen Geruch habe / dannenhero er auch den Geſchmack und 

Geruch der Dinge/ iu welchen er gebraucht wird/ nicht übermältiget. 

Die (2.) Tugend iſt feine glanzende Weiſſe / welche die Farb der can- 

difirten Fruͤchte nicht veraͤndert / fondern dieſelbe durch⸗ſcheinend 

macht. Die(;.) if feine Härte und trockene CSähftenk / dadurch es 
die ausgeprefte Säfte leicht an ſich ziehet / und-in einer truckenen 

N behalten kan / wie man foldes an den Quitten und Marmeladen 

ehet/ die vermittelft des Zuckers fo bequem als Mareipan- Teich wer⸗ 
den / auch fo beſtandig trucken bleiben / daßſie die Lufft nicht einmahl exe 
weichen kan / wie man ſiehet an denjenigen Dingen / die mit Honig und 

Melazzo oder ſchwarzen Syrup zubereitet worden. TZALT ER, 

Die aufbornehmer Leute Tafeln heutiged Tages gewöhnliche Confe- 

&uren/ werden infolgende acht Clalles eipgeiheile/ alsdafeyn  ; 

I, Fructus Recentes, —* Früchte / ſowol von Baumen als hon Krãu⸗ 
tern; dieſe verdienen zwar den Nahmen bon Confedt eige 
nicht/ gleichwol / weilfelbige / wann eö die Jahr-Zeit leidet / auf 
den Nachtifch mit aufgeftellet werden/ fo muß derfelben an dieſem 
Ort billig Meldung geichehen. Tee er 

II, Fructus conditi liqvidi, niit Zucker eingemachte weiche Confettu- 
ven/ ald da feynd Pomerangen/ Eitronen / Indianiſche Ruͤſſe/ 
Wall⸗Ruͤſſe / Mandeln’ Birnen/ Aepfel / Quitten/ Mefpeln/ Pfixe 
fchen/ A Pflaunen/ Kirfchen/ Weintrauben / Hagbutten/ 

Staͤchelbeer / Hinnbeer und Johannis⸗Beeren. | 

JIL, Fructus conditi fıcci , truden eingemachte Confetturen / 

ennd die oberzehlten Früchte a ausgenommen die In⸗ 
dianifche Ruͤſſe und die Mefpeln ; ſintemahl diefelben nur feucht 
eingeleget werden. Aufler denen condiret man auch trucken die 
ſtaͤrckſten Stengel von Spaniſcher Latucke / auch wol zu weilenGur- 
den und Melonen. | | | 

IV, Confervz,Eonferben / als da feynd die Conferva hon rohten Kor 
fen/ von weiſſen Rofen/ / von Pommerantzen ⸗Bluͤht / von Eitronen⸗ 
Bluͤht / von Jaſmin / Violen und Borrage. Ferner die Confervz 
aus den Fleiſch der eingemachten Pomerantzen / Citronen und an⸗ 
dern Confeturen, 

V. Conſectiones Saccharatæ mit Zucker überzogene Sachen / als da 
ſeynd überzogene Mandeln / Zimmet / Naͤgelein / Cardamomen / 
Cubeben / Coriander / Fenchel / Anis und Garwe / wiewol einige 

un⸗ 


\ 


Eon: 319 


- unter dieſen wenig geachtet/ und mehr für eine Arheney / als für eim 
Confe&t gehalten werben. 

VI. Confe&tioniscandifatz, candifirte Sachen / unter denen fennd eini- 
ge/ dieihrengtürliche Geſtalt behalten : Als da fennd halbe Pome⸗ 
rantzen / halbe Citronen / langer Zimmet/ grüner Citronat / grüne 
Latücke grüne Roſmarien; andere ſeynd zerſtücket / und in eine 
andere Geſtalt verändert; als da ſeynd Pomerangen + Kronen / 
Pomerantzen⸗Kraͤntze / Pomerantzen⸗Sterne / Citronen⸗Berge 
und dergleichen. | | 

VII, Paz & Gelatinz, Paften/ Marmeladen/ Geleen / Schadtel- 
Saͤffte / rohte Pafte von Genua, ſchlecht und mu⸗kirt, weiſſe Pafte 
von Genua, ſchlecht und muskirt, Schachtel⸗Safft von Kirſchen / 
von Johannis · Beer / von Himbeer / von Ouitten / Gelee oder Gal⸗ 
ret von Citronen und andern guten Saͤfften / wie auch von Hirſch⸗ 
horn / auf welchenman infonderheit den Kranden zum Beften viel 

Fleiß anwendet. | 
VIIi. Panis Martius, Marzipan / diefer wird ordinair aus Mandeln 
bereitet / es fan aber auch aus Piltacien Pinien und SHaffel-Nüffen 
gefchehen/ nur daß man hierbon mehr Stücke zugleich brauche. . 
Alles obangeführted Zuckerwerck / 0b es wol den Geſchmack / Augen 
und Geruch überaus ergetzet / fo nügeted doc) der Befundheit gar we⸗ 
nig/Bellaria qvidem funt ſatietatis ſolamina ; Das Confedt Diener 
zum Troſt Denen/ die ſatt — und doch gern mehr eſſen wol⸗ 
len. Aber eben durch dieſe Verleitung überlaͤdet man den Magen / 
und machet ihm eine Undaulichkeit / dannenhero Varro in Satyr. Me- 
nĩpp. recht wohl geſchrieben:· Bellarıa ca maxime ſunt melitta, quæ 
mellitanon funt. Dasjenige Confect iſt am beſten gezuckert / wel 
ches nicht gezuckert iſt / ſintemahl das Confect und die Daͤuung mit 
einander in gang ungleicher Geſellſchafft ſtehen. Obgleich auch unſer 
Zuckerwerck nicht aus Zucker allein beſtehet / ſondern zugleich aus ans 
dern Dingen/ die an ich Hertz⸗ſtaͤrckend und kuͤhlend feyn / fo machet 
Doch der Zucker das größte Theil daran / deflen übermäfßiger@ebrauch 
auf mancherley Weiſe ſchadet / ald daßer den Magen-Mund relaxis 
ret / Winde verurfachet/ den Appetit zum Effen beninimt/ Durchlauf . 
und fchwarge Zähne machet / Scharbock und Fäulnig des Wundes / , 
item Auffteigen der Mutter caufıret/ ja wann man des Taverniers ſei⸗ 
nen obferv, ind. orient, p. m, 133, glauben foll/ fo foll der Zucker nah 
dreyßig Jahren gar zu einen Gifft werden / wiewolder Autor,dabey 
meldet/ daß ers nurbon andernin Bengala alfo erzehlen hoͤren / weswe⸗ 
gen wir es auch vor Feine Wahrheit ausgeben wollen. Hingegen iſt 
der mäßige Gebrauch des ZudersdensLeibe eine Nahrung / gibt gut 
Beblüht und Spiritus, ift dienlich den alten ſchwachen gr — 
ranck⸗ 


u —— 
320 Con 


Kranckheit abgematteten Leibern / lindert die Zufaͤlle des Schlund 
und der Lungen / heilet aͤuſſerlich die friſche Fleiſch⸗Wunden / zc. 
Confifeiven/ Frangötkfthconfifqver, heißt fremde und einhe imiſche 
Maaren und Guter/ die entweder ein oder aus/ item auch durch / oder 
den Feinden zu/ und von verdächtigen Orten her zuführen / verboten 
ſeyn / etwau aud) folche Buter/ von welchen der Zoll nicht richtig bezah⸗ 
let worden/ oder die nicht aufrichtig Kaufmanns: Gut oder fonft ver» 
fälfcht feyn/ und was dergleichen Uxfachen mehr feyn möchten 5 ihren 
Eigenthums⸗Herrn oder denen / die ſie feinentwegen fuͤhren / als Schif⸗ 
fern und Fuhrleuten abnehmen / ſelbige den Fiſed oder Armen⸗Haͤu⸗ 
fern zueigenen / und gang oder zum Theil behalten / nichts oder nur 
etwas weniges/ auch wolgar gegen Erlegung gemifler Straffe davon 
wiedergeben / oder aud) die confifcirte Waar oder dad. weggenom⸗ 
mene neu⸗gemuͤntzete und verbotene Geld ganz behalten / und deu Ei- 
genthuͤmer noch zum Uberfluß ſeines Schadens / eine gewiffe Geld: 
oder Leibeö-Straffe dictiren / welches legtere dann gemeiniglich ver» 
urfachet/ daß diejenige) denen ihre Waaren folchergeftalt von rechts⸗ 
wegen conffciret worden, ſich nicht einmahl drum anmelden/ fondern 
gern noch fill darzu ſchweigen / wie es ihnen dann auch allerdings zu 
tahtenftchet/ damit folder geftalt durch die Straffe ihr Schaden nicht 
noch gröffer werde. | 
Es hataber ſolche Confifcation nicht ſtatt in folgenden Fällen / ald 
wann erſtlich Schiff-brüchliche Güter bon den Wellen der See and 
Land geworffen werden/ dag man diefelbe/ wie leider mit den gröften 
Unrecht an vielen Orten gefhicht/ noch darzuconfifciren / und alfo der 
nen (durch Schiſfſdruch ohne dem genug betrübten) Kaufl » oder See⸗ 
fahrenden Peuten noch mehr Betrubniß machen mwolte / infonderheit 
mag das ein recht unchriſtliches Gebet ſeyn / welches an etlichen See 
Derternim Gebrauch iſt / daß nemlich GOtt ihren Strand (verftche 
ai Schiffbruͤchlichen Guͤtern) gefeguen wolle / worinn ſie Vielleicht 
auf jenes Pocten feine Wort: Res filci eſt ubicungve narar , nit 
aber auf das Dänifchye Low⸗Buch / lib. z. c. 63, oder auf die Pommeri⸗ 
ſche Bandes-Privilegia ihre Abſicht haben / in welchen S. (dem Hand⸗ 
thierenden Kauffmañ / ec.) verordnet / daß ob das Schiff⸗hruͤchige Gut / 
ohne erforderte Huͤlffe / gleichwol geborgen wuͤrde / ſolches dennoch den 
beſchaͤdigten (entweder in natura )oderaudy/ wann es verkauft / der 
gelöfete Wehrt / gegen ein Trinck⸗Geld oder billige Erkänntlichkeitt 
innerhalb 3. Jahren wieder folte ausgefolget werden. Rad) den Roͤ⸗ 
miſchen Känferl, Rechten ift es gleichfals verboten / Schiſſbruͤchige 
Güter aufzufammlen/und ſich zu zueignen / 1. ı.1,qvo naufraginmm ın 
PAI. ult. fi. de incend. ruin. naufr. weil/ wie Julianus in I. -qvi levan« 


di ff, ad L, Rhod. dejactu und Juflinian- $. fin. Inſt. de rer. divif, a 
m. 


Een u 
wohl anführen / diefentge welche ihre Güter zur Erleichterung des 
Schiffes auswerfien/ nit der Weynung feynd / als warn fie folcdher 
gar (ich begeben wolten/ fondern ſie feynd gleich einen / der eine allzu 
groffe Laft träget / und ein Theil deſſelben fo lange niederleget/ bis er 
Das übrige an Ort und Gtelle gebracht / hernach aber wieder umkeh⸗ 
ret / und es nachholet. Ein mehres von der Ungerechtigkeit und Un⸗ 
billigkeit des Strand-Rechtö vide apud Dn, Margvard, de jure Mer- 
catorum lib. Il, cap. 1V,$.8. & ſeqq. 

Ferner ſeynd diejenige Waaren Feine Confiſcation unterworffen / 
welche in Abweſenheit des Zollners ohne Bezahlung Yes Zolls (ſonder⸗ 
lich wann man / wie hoch ſolcher geſeht ſey / nicht hat wiſſen koͤnnen) 
durchgefuͤhret werden / wann anders, nur die Durchfuhr angemeldet/ 
und ein gewiſſes Geld zum Zoll deponivet worden/ und fo es (ich ja zu⸗ 
grüge / daß wegen verfahrnen Zolls die Güter confilciret würden / fo 
hoͤret doch die Confilcation auf / fo bald der Zöllner hernach den Zoll 
Davor angenommen / und daß Angeben der Waar zugelaffen hat. 
Seynd die Zölle aber unvechtmäßiger Weiſe angeleget / ſo gilt gar 
Feine Confifcation, wann gleich ſolche Zoͤlle unangemeldt ſolten vor ey 
gefahren werden / nach der bekannten Negul: Ceflante caufa ceſſat 
atiam effecius. Gleicher geſtalt mag auch ein Schiffer / wann er gu» 
ten Wind hat / wol die Segel aufziehen / und mit feinen beladenen 
Schiff wider Zoͤllner Willen davon fahren/ wann er nur —— 
render maſſen / den Zoll zu entrichten/borher ſich angeboten hat; Trůͤ⸗ 
ees ſich auch zu / daß Kauffleute von denen Zoͤllnern auf das Eiß ges 
ihrer, und mit falfchen Perfuahionibus hintergangen würden / oder 
die Schiffer und Fuhrleute betrieglich gehandelt hätten / fo Fan ſolches 
nach dieler Rechtslehrer Meynung / den Kauffmann nicht fchaden / 
wiewol leider dad Gegentheil mehr als zu viel gefchiehet / auch bey 
dem Mevioart. 6, tit. 3. lib. 2. n. 31. & ſeqq. Star. Lubec. die Frage 
ausführliche tractiret wird · Ob und wann Adione exercitoria, 
ein Kauffmann oder Exercitor wegen des Schiffers oder Fuhr⸗ 
manns Verfehen/ ſchuldig oder gehalten ſey? Ferner ift ed auch 
einiger Meynung nad) unrecht / dag wann ein Kauffmann nur einen 
Z heil feiner Waaren angegeben / den andern aber verfchwiegen / er 
darum beyder Theil/ ſowol des Angegebenen ald Berfchwiegenen fole 
te verluftig feyn/ wie ſolches die Zoll⸗Beamte ſtatuiren wollen / welche 
auch mandhmahlzugelaffene un freye Waaren / wegen der darunter ver» 
meyneten unzulaßigen und unfreyen zu confifeiven pflegen / und zwar 
ſolches Krafft des an einigen Orten übel eingeführten und noch ſehr in 
Zweifel gezogenen Geſetz; unfreye Güter machen unfreye Schiffe / 
oder unfreye Schiffe machen unfreye Guͤter / welches / wie weit es 
Rechtens ſey / oder welcher geſtalt 5 in verwichenen Jahren gr 
ur aufs 


322 Eon 
aufgerichteten Commeicien-Tradtaten moderiret worden/ weitlaͤuf⸗ 
tig dieſes Ortd anzufuͤhren unferd Vorhaben nicht iſt / weil an oban 
gezogenen Ort de Jure Mercator. den Lange nach dabon zu lefen ;_ im⸗ 
leichen auch wa vor Argumenta man haben müffe / che der Kauft 
eute Guͤter wegen berfahrnen Zolls / Tonnen confifcivet werden/ 
nehmlich daß der Zöllner beweife/ dag der Kauffmann (1) betrieglis 
ther und vorſetlicher Weiß den Zoll verfahren / (2) daß er vor diefen 
ſchon gewohnt geweſen ſey / bey der Zollſtaͤdte durchzufahren / und alſo 
den Zoll wol gewuſt habe / ()) daß der Zoll einen ſouverainen Herrn / 
oder zum —— einen ſolchen zugehoͤre / welcher mit ieh. 
denfelben angeleget/ dann wann ſolches nicht waͤre fo würde abermah 
die Straffe der Confilcation Feine ſtatt finden. Der befte Raht ifl/ 
es ſetze ein Kauffmann um eines geringen Zolls willen / ſich und feine 
Güter nicht in Gefahr / und wann er gleich auch privilegivet wäre, fo 
iſt ex doch gehalten / ſich anzumelden/ und feinen Paß-Brief/ Freyze⸗ 
tel oder Certification vorzuweiſen / wie desfals denen Bolländifchen 
Schiffern / welche den Oreſund pasfıren/ in Helſingoͤr auf den Koͤnigl. 
Zollhaus / nach der Certification, welche fie aus Holland mitbringen/ 
im Verzollen ihres Schiffs und einhabender Warren Glauben bey⸗ 
gemeſſen werde/ ſolches iſt anderwaͤrts fchonangeführet. Imgleichen 
auch in vieler Rechtsgelehrten Schrifften die Frage abgehandelt wor⸗ 
den: Ob ein Potentat, welcher mie einen andern im Krieg be 
griffen / eines neutralen Fuͤrſtens feine Unterthanen / die Fahre 
nach denen Seindlichen Orten perbieren / und ihre dahin ges 
hende Guͤter / fonderlich/ wanns Feine Contrabande feyn / con- 
fifciren oder wegnehmen Eönne? wie ſolches in diefen legten 
Kriegen vielfältig geſchehen. Am rahtſamſten ift es vor diejenige/ 
welche ſolcher ni tin Zweifel der Sicherheit / wegen ihrer ob gleich 
neutralen Handlung ſtehen / daß ſie den er und die völlige Rach⸗ 
richt / wie ſie ſich in ſolchen Fall zu verhalten haben / von ihrer Obrig- 
Reit erbitten/welche dann ihren Unterthanen desfals fichere Fahrt zu 
herſchaffen / (wo ſie anders Kräfftegenug darzu hat) fchon bemühet 
feyn wird. Was bey dem allgemeinen Reichs⸗Verbot / daß feit- 
währenden Krieg mit Franckreich / Feine Frantzoͤſiſche Waaren zu 
Waͤſſer und Land folten eingeführet werden / auch was dabey vor Line 
ordnungen / fonderlich oben im Reich an deu Zell-Städten vorgegan⸗ 
en/ wie folches endlich remediret/ und die contrabande Waaren von 
denen zugelaffenen unterfchieden; auc was desfals an Kaͤyſerl. Hof 
und bey der Neichd-Verfammlung zu Regenfpurg verhandelt wor 
den/ ſolches ift indes Antonii Fabri Ruropæiſche Staata-Cantzeley part. 
1, fafcic, 3, pag. 205, zu lefen. 
Endlich / fo werden auch viel Wagren darum conffeiset / weil ſie ge ⸗ 
Zr gen 


Eon 323 


en das Verbot und Policey-Drbnung/ald da ſeynd ſtinckende Fiſche / 
Gerbotene Manufadtuven und dergleichen/ eingeführet werden. 
- Confortans, confortativum, Hertz⸗ſtaͤrckende / Krafft-bringende 
Mittel/ dergleichen feyud Rofen/ Roſniarien / Melis, Aqva Magaa- 
niimitatis, agvarof.folis, nitr, perlat, theriaoa coleſſis, Elix, citri, 
ungu. cord, Weick Magiſt. ſuee. dulc. u.d. gl. 

‚ Congelatio, eine Berinnung/ wann der Keib oder bie Materia, wel⸗ 
che das Feuer zuvor flieſſend gemacht / wieder hart gemachet wird/ 
und zuſammen gerinnet/fonderlic/ wann fie an der Falten Lufft ſtehet. 

Eonifcher-Spiegel wird entweder bon Metall gegoffen/un hernad) - 
poliret / oder von Holtz oder Gips formiret/ darauf mit Papter bezo» 
gen / und weiter daraufmitFFrauen⸗Eis beleget. Es werden derglei⸗ 
ihen Spiegel auch gemachet in Formvon Pyramiden / viereckigten / 
vieleckigten und runden Geulen/ und thun eben dergleichen Effeit als 
die Coniſchen. 0 

Connoiflement, ein Fracht · Brief zur See / der den Schiffer über 
die in feinen Schiff geladene Guͤter gegeben wird: Es werden aber 
gemeiniglic) folder Connoiflementen 3, gleiches Inhalts gemacht / 
und bon den Schiffer unterzeichnet/davon das eine der Schiffer ſelbſt / 
Die 2.andereder Befrachter oder der Kauffmann / der die Güter eins 
ſchiffet / behält/ und felbige hernach feinen Factor an den Ort / wohl 
die Güter definiret feyn / in Brief zuſchicket / damiter auf Borzeie 

ung ſolcher Connoiffementen die Guter von den Schiffer abfordern. 
oönne; Es verpflichtet ſich aber der Schiffer in ſolchen Connoifle- 
menten / daß er die darinn fpecificirte Güter ale wohl conditionirt 
empfangen / und daß er ſolche / ſo ihm GOtt behaltene Neifegibt/an. 
N.N.liefern wolle / dafuͤr ihm zur Fracht fo und fo biel ſoll bezahlet 
werden / vide unterſchiedlicher Sprachen Connoiſſementen in unfern 
Sandeld-Correfpondenteit. er Aal | 

Congvaflare, grob in Moͤrſer zerſtoſſen. 

Conrads⸗Kraut / Hypericon. | - 

Confervare oder confervifare, erhalten/ ein Conferv machen. 

Confervz ift eine Compofition,, welche aus Blätter und Blumen 
mit Zuder vermengt/ gemacht wird/ und weilman ſolche bis zum Ge« 
braud) verwahret / dannenhero conferv& à confervando genennet 
werden / dergleichen feynd in denen Officinen die gebräuchlichften : 
Conferv. abfınchy Romani & fummitatibus, Wermuht⸗Zucker / Aca- 
ciæ flor. Schlehen-conferv, Acetofx fak Suurampffersconferv. Ace- 
toſellæ fol. Buhampffersconferv,sAnthos-Rofmariensconferv. Be- 
sonicz Betonien? Borraginis Borragen / Buglolle Ochſen⸗Zungen / 
calendular. fol, Kingelblumen/ card. bened- (um, Cardobeuedicten / 
eitri pulpæ & for, Eitvotiatscopterv. von den Innern und Blühte/ 

23 R ⸗ sochleas 


24 Eon 


eochleariz fol, Pöffel- Kraut / confolide maj. Wallwurtz » Blumen- 
Zuder/ Euphragiz ſumm. Augen-Zroft/ fumariz fumm, Erdrauch / 
Salegæ fumm, Beif-Rauten/ Geniftz for. Pfrimen⸗Bluͤht / Heder. 
terreltr. comp. aug. Bundel-Keben/ Lavendulzx flor. Lavendel / Li- 
lior, alb, flor. weiffe Lilien) Lilior. convall. Mayen-Blümlein/ Majo- » 
ranz ſumm. Majoran/ Malvæ fl, Pappeln/ Melifix fl, Meliflen/ Men- 
tha Muͤntz / Nymph.alb, fl. Gee-Blumen/Papav. errat. for. Schnell» 
Blumen / Portulace Burgel-Kraut/Pxonizfl Gicht-Rofen/ Perfi- 
eor, A. Pferſig⸗Bluͤht / Primul. veris Badengeil/ Prunellx fi. Prunele 
{en / Puleg. ſumm. Poley / Rofarum albarum weiß Rofensconferv, 
dito rubearum, recens & antig. neuer und alter rohte Rofen-conferr, 
carinarum f, ſylveſtrium wilder Roſen / Salviæ fl. Salbey / Sanıbuci 
A, KHolder-Blüht / Scabiofe Scabiofen/ Scordy Waſſer⸗Knoblauch / 
Tiliz A, Linden⸗Bluͤht / Tuniex A.Nagelbiumen / Tushlag. Hufflate 
tig⸗Blumen / Veronicæ fl, Ehrenpreid:conferv, Viol.Beylen-conferv, 
Aıle dieſe Species, wann (le follen conferviret werden / zerftößt man 
erſtlich in einen ſteinern Mörfer/ und miſchet hernach den Zuder dar. 
unter / deffen Proportion unterfchieden iſt dann zuden Früchten und 
mucilaginofen Sachen wird er gedoppelt/ zu den trockenen dreufach/ 
famt etwas deltillirten Waſſer genommen. Die Blumen und Kräu= 
ger werden frifch conferviret/ wann ſie aber allzufeucht/ Fan man ſelbi⸗ 
e einwenig in Schatten trocknen. Etliche machen mit Blumen und 
derStratum fuper Stratum, und flellens alsdann in die Sonne ; 
andere machen einen Julep / und eonferviren alddann durch deſſen 
Vermiſchung; man kan aud) nach Belieben die Blunten und Kräuter 
Bein zerfchneiden/ und dann mit Zuder conferviren. Die Wartzeln 
muß man erft kochen / als dann zer ſtoſſen / oder aud) durch ein Tuch drü- 
den. Das Fleiſch der Früchte wird ebenfald erft ducch ein Tuch ge⸗ 
druͤcket / und alddann conferviret. 
Conligniven ift fo viel als addresſiren / dem Fadtor oder Speditori 
‚ einen Ballen oder Kifte Guts configniren/ zufenden/ zuftellen / und 
Ordre geben/ was er damit thun fol. 
‘ Confolida aurea, vel virga aurea. 
Confolidamajor, un 
‘ Confolida media, Symphytum med, Prunella carula, Bugula, 
@ülden-Bünfel / ein fehr bewehrted Kraut vor Verfiopffung der fe« 
bery Milgund Harngänge. / 
- Confolida minor, Prunella,. | 
Confolida Regalis, Calcatrippa, 
‘ Confolida Rubra, Tormentılla, 
Confolida Sarracenica, Virga aurea, 
Confort, ein Mit- Verwandter / Kandeld-Compagnon oder Ge- 
ſellſchaffter. | Con- 


Eon 325 
Conftringens, ift eben fo viel al$ obftruens oder ftopffend. 
Confumiven/ verzehen / verbrauchen / dahero der Confumptions- 
Zoll / von dem was in der Stadt ausgetrunden / berzehret oder dere 
brauchet wird, 
.  Contant, comptant, baar Geld/ vor baar Geld Fauffen. 
Conterfey velcontrefait, Electrum, item ein gemahltes Zildnif. 
-  Contingent der Theil/ der einen an einer Sache Fan zukommen. 
Conto, eine Rechnung / deren gibts nun bey den Kauffleuten in ih⸗ 
ven Handeld-Büchern fehr biel/ als conto courant, einlauffende bag» 
ve Gelder-Rechnung/ conto dicompagnia, GeſellſchafftsRechnung / 
conto di Tempo, Zeit-Rechnung über Güter / die auf einige Monat 
Zeit erkaufft worden / conto & meta, Rechuung zur Helffte über gemife 
fe Waaren und Handlung /compte du gain & perte, Gewiun-und 
Verluſt⸗Rechnung / ıc. 
Condtoir, eine Schreib-Stube/in welcher die HandelsScripturen 
expediretwerden/ wie folches zierlich ausmeubliret/ rein gehalten und 
beichaffen ſeyn mürffe / vide in den andern heil des allzeit fertigen 
Handels⸗Corteſpondentens. 
Contrabande Waaren differiven bon denen berbotenen/bafi diefe 
niemahls doͤrffen in Kauffmannſchafft geführet/ oder zum wenigften 
nicht öffentlich) und an jedermann verkauffet werden ; Contrabande 
hingegen feynd nurallein bey Rrieges-Zeiten/ uud zwar nad) gewiſſen 
Drten zu verführen/ unfrey / ben Friedens⸗ Zeiten aber mögen felbige 
‘ wieder ungehindert pasſiren. Man netinet auch contrabande Waa⸗ 
ven diejenige/mwelche wider dad Verbot einer Landes⸗Obrigkeit / wann 
felbige nemlich die Manufadturen gern in ihren Lande felbft erabliven/ 
oder die rohen Waaren nicht ausführen laffen will/ entweder old Ma- 
nufadturen don fremden Derternein/ oder alsſrohe Materialien aus 
Ben Bande ausgeführet werden / wie alfoin der Schwedifchen Zoll⸗ 
Rolle mehr ald 100. Sorten von Waaren vor contrabande erkläret 
werden / welche alleverboten feynd einzuführen / weil Seiner Königl. 
Majeſt. in Schweden ernftlicher Wille ift / (auch allbereit ein guter 
Anfang darinn gemacht worden) daß dergleichen Waaren in dem Kö» 
ren felbft ſollen falricivet werden/ welches dann nach denen in un⸗ 
fern neu-eröffneten Manufacturen⸗Haus gegebenen. Maximen und 
Reguln unfer Teutfchland ebenfalld obferviren ſolte / fo würde 
das Commercium bald ein ander Geftalt gewinnen / und der armſeli⸗ 
ge Zuftand der Handwercks⸗Leute eine merckliche Veränderung ber 
men. ; : Ferner werden auch einige fonft zulägige Waaren 30 con- 
trabanden, wann ein Land oder Stadt derfelbenhochft:uöhtig hat/ und 
man ſelbige dennoch dem Verbot zu wider / heimlich auspradticiret/ 
oder feindliche Waaren / — / die zur Uppigkeit dienen / * 
= 3 eicht⸗ 


226 Eon 


feichtlich zu entbehren feyn / dagegen eingeführet / dadurch aber det 
Feind imfeinen Commercio ſtaͤrcket / alſo daß er hernach aus folchen 
die befte Krafft ziehet/ den Rrieg lang und mir Macht Ju continusgen/ 
ie wir deſſen ein mercklich Ereripel an Franckreich haben / welches 
nichts fo fehr ald die Sperrung feiner Handlung fräncet'/ ja das 
Teutſche Beld / welches vor diefen Franckreich vor feine Manufadtu - 
ren gezogen / machet/ daß ed die Teutfchen befriegen/ undinfteten Al⸗ 
larm halten können. Es werden aber eigentlich unter denen zu Kries 
geö-Zeiten den Feinden zuzuführemberbotenen/ und dannenbero con- 
wrabund genannten Waaren begriffen/ allerley Kriegs: Waffen / grob 
und Heined Geſchuͤtz / Schieß⸗Pulver / ja fo gar Schwefel und Sal⸗ 
peter / aus welchen folches tödLlichesRrant gemacht wird/item allerley 
Metal und Schiffs⸗Zimmer / Holtz / Hanff / Pech und Theer / aus 
‚welchen Gefchüs und Waffen / Schiff und Schiffs-Geraͤhtſchafften 
Herfertiget werden/ wie ſolches perl. 2, Cod. quæ res export. non deb, 
Guid. Pap. deeif, 371. Auth, de jud. inter gent. paft, 2.9.8. & 9. 1 
weitläufftiger aber in denen zwifchen unterſchiedlichen Europäifche 
Potentaten errichteten See-Tradtaten zu erfehen / ſonderlich aber in 
den 2, Artic, deö Ao, 1555, zwiſchen Seiner Koͤnigl. Majeft. in Franck⸗ 
reich / Ludwig den XVI. und den Sanfee» Städten errichteten Sees 
Tradtat, in welchen ald Waaren von contraband fpecificiret werden 
allerhand Rriegd-Manition, Feuer⸗Waffen / nahmentlih Canonen / 
Muſqueten / Feuer⸗Moͤrſer / Feuer⸗Kugeln / Petarden Sranaten/ 
Kraͤnhen / Aftatent/ Fourchetten / Bandelier, Pulber / Lunten / Sal⸗ 
peter / und allerhand andere Arten von Gewehr / als Picken / Degen/ 
Pickelhauben / Sturm⸗Huͤte / Kuͤris / Hellbarten / Wurffſpieſſe / und 
dergleichen / fo. zum Krieg dienlich / wie auch Pferde / Tauwerck 
und Segel⸗Tuch / welches zu nichts anders / als zu Schiffs⸗Segeln 
kan gebrauchet werden. Sie ſollen aber frey führen mögen. Kork 
und allerhand Sorte Granen / Hũlſen⸗Früͤcht und andere Dinge/ zu 
des Menfchen Leben Dienlich / wenn nur die Städte und Pläge/ dahin 
fie ſolches führen/ von Ih. Koͤnigl. Majeft. nicht attaquiret feyn / und 
daß fle ſolches aus eigenen freyen Willen dahin führeten / ohne daß fle 
bon Ih. Koͤnigl. Majeſt. Feinden darzu gezwungen waͤren / oder die 
fihmit Gewalt ihrer Schiffebedienten / warn felbigeretwan in ihre 
Hafen einlauffen/ in welchen Fall / wanırfolches geſchehen / folte den 
Commendanten von Ih. Koͤngl. Majeft. Schiffenitren fteheny: all ſol⸗ 
che Branen und andere zu den menfchlichen Lebensdienlühe Sachen / 
zu behalten / jedoch gegen Erlegung deren Wehrt nach der Elimz- 
tion, fo Darüber ſoll gemacht werden/ ıc. 12 Ki 1 Wr Be 
In der Ao, 162. Den s.Novembr. gemachten Hollaͤndiſchen Be 
nung /und zwar damahls / als die ſieben ae 


— ————— — —— 


— — En 327 
des vVrotectoris Cromvels Zeiten / mit Engeland in Krieg begriffen 
waren / und ein Berbet erging / daß feine zum Krieg dienliche Waa ⸗ 
zen nach befaaten Königreicy Engeland weder bon der Herren Staa⸗ 
ten eigenen Unterthanen / noch aud) anderer Potentaten folten Enge» 





land zugeführet und hberbracht werden / da wuͤrde ausdruͤcklich ver ⸗ 


ordnet / daß nicht allein alle Correſpondentz oder Gemeinſchafft mit 
den Einwohnern von Engeland durch Briefe / oder auch ſonſt auf an⸗ 
dere Weife/ (verſtehe / welde den Staat zum Nachtheil gereichen 
koͤnnte) folte aufgehoben feyn / fondern auch fein einiger Menſch / er 
möchte auch ſeyn / wer ev wolle/ ob er gleich auch ein Fremder und kein 
Eingefeflener dieſer Landen wäre, folte fich erfühnen , den Englifchen 
einige Zufuhr von Bebens- Mitteln / Orlogs⸗ und Schiffs - Behuffen 
ausdenen vereinigten Niederlanden zu thun / bey Straffe/ daß er als 
ein Feind des Staats / ohne einiges Anſehen / folte geſtraſſet / und noch 
darzu alle Schiffeund Guͤter / diebefunden würden/ daß (fe dahin ab» 
fahren folten/ confifcivet werden. Zu welchem Ende $.4.allenStaae 
tiſchen See⸗Capitainen Ordre gegeben würde / alle desfälls berdäch⸗ 
tige Schiffe anzuhalten und aufzubringen / ſonderlich aber diejenige / 
welche nicht die raume See kieſen und halten / ſondern ſich längft dem 
Englifcen Küften auf. denen Bangvenund Untieffen befinden laſſen 
würden. — —— 
Vach der Ao. 169. zu Copenhagen (da Dannemarck mit Schweden in 
Krieg begriffen war) gemachten Koͤnigl. Verorduung / wurden (1) 
für contrabande Waaren gehalten / allerhand Munition, Gewehr / 
Pulver / Lunten / Salpeter / item Sattel und Pferde⸗ Zeug / ſamt Pfer⸗ 
den; ferner Eichen Schiffs⸗Zimmer / mit allerhand Schiffs⸗Mate - 
rialien, und Gerähtfchafft/ old — Tackels / Tauwerck und 
alles was zum Orlog / Belägetung/Blocavirung oder andern. Arma- 
tur zu Land und Waſſer noͤhtig. (2) Allerhand Victualien von Eß⸗ 
und Trinck⸗Waaren / als auch allerhand grob und klein Saltz / ohne 
allen Unterſcheid / nichts davon ausbeſchieden / als allein allerhand 
Wein / Branntewein und Specereyen / ſowol auch diejenige Hering⸗ 
Tonnen und Saltz / ſo nach der Narva, Reval und Nieſchantz gefuͤhret 
wurden/ als don wannen der Handel nach den Moſcowitiſchen Sander 
und Städten müfte getrieben werden (danıttnemlich ſolchtr deſtobeſ⸗ 
ſer und ungehinderter feinen Lauf und Fortgang haben möchte) wel⸗ 
che beyde Sorten fonderlicher Confideration. halber audgerorttmen/ 
und nach bemeldten Rarve und den Lieflaͤndiſchen Staͤdten frey einzu⸗ 
vergoͤnnet worden. (3) Wurden auch unter: contrabande 
Waaren gerechnet Gallmey / Kupfer’ Meßing und was ſonſt zur Be⸗ 
forderung allerhand Manufadturerfund Arbeit dienen könnte / welche 
in Schweden und deffen Laͤudern und Städten gemacht / 
4 gewe⸗ 


226 Eon 


leichtlich zu entbehren feyn / dagegen eingeführet / dadurch aber det 
Feind in ſeinen Commercio ftärdet / alſo daß er hernach aus folchen 
die beſte Krafft ziehet / den Krieg lang und mit Macht Zu continusgen/ 
wie wir deſſen ein mercklich Exempel an Franckreich haben / welches 
nichts fo ſehr als Die Sperrung ſeiner Handlung frändet‘/ ja das 
Teutſche Geld / welches vor dieſen Franckreich vor feine Manufadtu - 
ren gezogen / machet/ daß es die Teutfchen befriegen/ und in ſteten Als 
larm haltenkönnen. Es werden aber eigentlich unter denen zu Kries 
geö-Zeiten den Feinden zuzufuͤhren berbotenen / und dannenhero con+ 
wrabend genannten Waaven begriffen/ allerley Kriegs: Waffen / grob 
und Heined Geſchuͤtz / Schief- Pulver / ja fo gar Schwefel und Sal⸗ 
peter / aus welchen ſolches tödtliches Kraut gemacht wird/item allerley 
Metall und Schiffs⸗Zimmer / Holtz / Hanff / Pech und Theer / aus 
‚welchen Gefhüs und Maffen / Schiff und Schiffs-Geraͤhtſchafften 
verfertiget werden/ wie ſolches per 1.2. Cod. quæ res export. non deb, 
Guid. Pap. decif, 371. Auth, dejud. inter gent. paft, 2.9.8. & o. u. 
weitläufftiger aber in denen zwifchen unterfchiedlichen Europäifche 
Potentaten errichteten See-Tradtaten zu erfehen / fonderlich aber in 
den 2. Artic, des Ao, 1557, zwiſchen Seiner Koͤnigl. Majeft. in Franck⸗ 
reich / Ludwigden XVI. und den Banfe» Städten errichteten Gew» 
Tractat, in welchen ald Waaren von contraband fpeeificiret werden 
allerhand Kriegs-Manition, Feuer⸗Waffen / nahmentlih Canonen / 
Mufqueten / Feuer⸗Moͤrſer / Feuer⸗Kugeln / Petarden/ Granaten/ 
Krängen / Aftaten/ Fourchetten/ Bandelier, Pulver/ Lunten/ Sat 
peter/ und allerhand andere Arten von Gewehr / als Picken / Degen/ 
Pickelhauben / Sturm⸗Huͤte / Küris/ Hellbarten/ Wurffſpieſſe / und 
dergleichen / ſo zum Krieg dienlich / wie auch Pferde / Tauwerck 
und Segel⸗Tuch / welches zu nichts anders / als zu Schiffs⸗Segeln 
kan gebrauchet werden. Sie ſollen aber frey führen moͤgen Korn 
und allerhand Sorte Granen / Hulſen⸗Früͤcht / und andere Dinge / zu 
des Menſchen Leben dienlich / wenn nur die Städte und Plaͤtze / dahin 
fie ſolches führen/ von Ih. Konigl. Majeſt. nicht attaquiret ſeyn / und 
daß ſte ſolches aus eigenen freyen Willen dahin führeten / ohne daß ſie 
von Ih. Koͤnigl. Majeſt. Feinden darzu gezwungen waͤren / oder bie 
ſich mit Gewalt ihrer Schiffe bedienten / wann ſelbige etwan im ihre 
Hafen einlauffen/ inwelchen Fall / wannſolches geſchehen / ſolte den 
Commendanten von Ih. Koͤngl. Majeſt. Schiſſen frey ſtehen / all ſol⸗ 
He Granen und andere zu den menſchlichen Leben dienliche Sachen / 
zu behalten / jedoch gegen Erlegung deren Wehrt nad; der Eltimz- 
tion, fo daruͤber ſoll gemacht werden / etc. Bi ELIE 1 
In der Ao.ısyz. den +. Novembr. gemachten Hollaͤndiſchen Verord⸗ 
nung /und zwar damahls / als die ſieben ae a ie e 


— — ei 3 97 
Des Yroteltoris Cromwels Zeiten / mit Engeland in Krieg begriffen 
waren / und ein Verbot erging / daß keine zum Krieg dienliche Waa⸗ 
zen nad) befagten Königreich Engeland weder von der Herren Staa» 
ten eigenen Unterthanen / noch aud) anderer Porentaten folten Euge- 
kand zugeführet und uͤberbracht werden / da wuͤrde ausdrücklich ver ⸗ 
ordnet / daß nicht allein alle Correfpondeng oder Gemeinſchafft mit 
den Einwohnern von Engeland durch Briefe / oder auch ſonſt auf an⸗ 
dere Weiſe / (verſtehe / welche dem Staat zum Nachtheil gereichen 
koͤnnte) ſolte aufgehoben ſeyn / ſondern auch kein einiger Menſch / er 
moͤchte auch ſeyn / wer er wolle / ob er gleich auch ein Fremder und kein 
Eingeſeſſener dieſer Landen waͤre / folte ſich erkühnen, den Engliſchen 
einige Zufuhr von Lebens⸗Mitteln / Orlogs⸗ und Schiffs⸗Behuffen 
aus denen vereinigten Niederlanden zu thun / bey Straffe / daß er als 
ein Feind des Staats / ohne einiges Anſehen / ſolte geſtraſſet / und noch 
darzu alle Schiffe und Guͤter / die befunden würden/ daß ſie dahin ab» 
fahren ſolten / confiſciret werden. Zu welchem Ende ð. 4. allen Staa⸗ 
tiſchen See-Capitainen Ordre gegeben würde / alle desfälls berdäch⸗ 
tige Schiffe anzuhalten und aufzubringen / fonderlich aber diejenige/ 
welche nicht dievanme See kiefen und halten / fondern ſich Längft dem 
—* Küften: auf: denen Banqren und Untieffen befinden laſſen 
würden. — IE 2 
Rad) der Ao. 1559. zu Kopenhagen (da Dännemard mit Schweden in 
Krieg begriffen war) gemachten Koͤnigl. Berordrung / wurden (1) 
für contrabande Waaren gehalten / allerhand Munition, Gewehr / 
Pulver / Lunten/Salpeter/ item Sattel und: Pferde-Zeug/famt Pfer⸗ 
den; ferner Eichen Schiffs⸗Zimmer / mit allerhand Schiffs⸗Mate _ 
sialien, und Geraͤhtſchafft / als Segel⸗ Tuch / Tackels / Taumerd und 
alles was zum Orlog / Belaͤgerung / Hocqviruug oder andern Arma- 
tur zu Land und ——— (2) Allerhand Victualien von Eh» 
und Trinck⸗ Waaren / als auch allerhand grob und klein Saltz / ohne 
allen Unterſcheid / nichts davon ausbeſchieden / als altein allerhand 
Wein / Branntewein und Specereyen / ſowol auch diejenige Hering⸗ 
Tonnen und Saltz / ſo nach der Narva; Reval und Nieſchant aeführet 
würden / als bon wannen der Handel nach den Moſcowitiſchen Landen 
und Städten muͤſte getrieben werden ( damit nemlich ſolcher de ſtobeſ⸗ 
ſer und ungehinderter ſeinen Lauff und Fortgang haben moͤchte) wel⸗ 
che beyde Sorten ſonderlicher Conlideration halber ausgenonimen / 
und nach bemeldten Rar ve und den Lieflaͤndiſchen Staͤdten frey einzus 
führen vergoͤnnet worden. (3) Wirken auch unter. contrabande 
Waaren gerechnet Gallmeyn / —— — und was ſonſt zur Be⸗ 
forderung allerhand Manufacturen und Arbeit dienen könnte / welche 
in Schweden und deſſen a Ländern und Städten gemacht / 
4 | gewe⸗ 


228 Eon 
ewebet oder fonft anderer Beftalt verfertiget / item gegoflen / ge= 
ehmiedet oder gezogen würden / fie möchten gleich feyn ven Kupffer / 
Meping/ Eifen/ Bley oder andere Materialien, aus Leinen oder Wol⸗ 
fen / wo die auch anzutreffen / in freyen oder unfreyen Schiffen (fe 
Schwediſche Unterthanen oder Rehdern zugehören) nemlich allerhand 
Stüuͤcke und Canonen oder Feuer⸗Moͤrſer / bon Metall oder Eiſen / 
Hein oder groß/ allerhand WBaften/ Harniſch und Gewehr vor Reuter 
und Infanterie / Ander und Ander-Blätter / Nägel / Spider und 
Bolten / itemallerhand gemacht Hausgeraͤht / ſamt der Kupffernen 
Münge/ auch alles andere / ſo aus Schweden und denen darunter lie= 
| en Banden und Städten ausgeführet würde / und Schwediſchen 
nterthanen zugehörete / ob gleich folche Güter in freyen und neutra- 
fen Städte und Leute Schiffen zu finden wären/ jedoch daß deshalben 
und darum gleihwel freye Schiffeund Güter freyen und neutraler 
Leuten zugehörend/ foweit diefelbe mit vechtmäßigen und richtigen 
Certificationen derfehen/ und foldyes Gerichtlich würden aufweifen 
Können, Eeiner Confifcation folten untexworffen feuns Die Waaren 
aber) fo aufermeldte Mani. genugfam erwieſen —— ſie frey⸗ 
en Städten und neutralen feuten zugehoͤren / und von denſelben in ih⸗ 
ven eigenen Schiffen aus Schweden ausgeführet würden/ed ſey gleich 
Gtangen-Eifen/ Oſemund / Baar-Kupffer/ Rupffer-Drat und Kupf= 
fer-Platen/ Item allerhand Korn und fette Waare / Haute und Felle/ 
und alleandere Schwedifhe Maaren / founbereitet / oder fonft im 
Schweden oder andern den Schweden zugehörenden Städten und 
Landen in eigener Arbeit nicht gemacht fenn ; item Flache / Hanff / 
Wachs / Füren Bau⸗ und Zimmer⸗Holtz / Dehlen / Latten / Gottlan« 
diſch Kalck und Kalck · Steine / allerhand Flieſen und andere Gteine/ 
ſamt Maſten / Spieren / Theer / Pech / Pott-und Wedachſche / Klap⸗ 
Holtz / Piepenſteben / Pelterey / Jufften und ander Rußiſch Leber und 
Rußiſche Waaren / ſolten darunter nicht gemeynet oder auszuführen 
verboten / ſondern hiemit bewilliget und zugelaſſen ſeyn / daß ſie uns 
die Commercia zu unterhalten / von neutralen Städten und Leuten 
frey moͤgen ausgefuͤhret werden / wie dann auch dieſelbe hingegen nach 
Schweden frey einführen mögen/ allerhand Geiden-Zeug/ Lacken und 
andere dergleichen feine Kram⸗ und courante Waaren / ſo nicht zu eini⸗ 
gen Krieges · Efſect eigentlich vonnoͤhten oder dienlich ſeyn; Hinge-⸗ 
gen alle das freye Gut / fo in unfreyen Schiffen gefunden und betreten 
würde/ folte (ohne einige Exception) der Confifcation zu guten Prei« 
fe unterworffen feyn./ wornach (ich die Admiralität6-Kähte und. Be⸗ 
diente / ſamt allen und jeden Officirern, Ausliegern und Commilt- 
Fahrern / wie auch alle andere/ es ſeyn Freunde / Nachbarnoder Fein⸗ 
de / die einigen Haudel und Wandel treiben / und zur See year 
BR — wollen / 


Con 329 


— TEN EG EEE EU TER IE TREE LE RITCHIE 
wollen/ beywährender gegenmwärtiger Fehde foltın zu richten und vor 
Schaden zu hütenhaben. Gegeben auf den Königl. Schloß zu Co⸗ 

nhagen/ den 23.Sept. Ao. 1659, ur 
3a8 in gleichen Fall König Johannes in Schweden / als er Aa. i71. 
in Krieg verwickelt geweſen bey denen Hanfee-Städten/ item Anno 
1,77. bey den gantzen Röntfhen Reich / und fonderlich bey Kaͤyſer 
Rudelpho Il, geſucht / ift aus denen Adtis Suecicis ab his annis, item 
beym Margvard. de Jure Mercatorum, lib. I. cap. XVL. 8. 39. zu er⸗ 
fehen. 

Contract, eine freywillige Zuſammen⸗Handlung / wohlbedaͤchtlich 
gepflogene und beſchriebene Abrede: folder Contracten feynd ı.un fo 
biel/ ald HandInngen und Adtiones unter Kaufleuten (bon denen wir 
bier nur allein reden) vorfallen Fönnen. Die Fintheilung der Con- 
tracden wird gemacht in nominatos, & innominatos, jene feynd / da 
die Handlung einen gewiſſen Nahmen hat / diefeaber / da fie feinen 
gewiſſen Rahmen hat/fondern nur heißt do ur des, ichgebe dir / daß du 
mir wieder gebefl/ do urfacias, ich gebe dir etwas / daß du mir etwas 
davor thuſt / facio ur faciasich thue dir etwas / daß du mir wieder et⸗ 
was davbor thuſt / facio ur des, ic) thue dir etwas / daß du mir etwas da⸗ 
vor gebefl. Zu denen Contraätibus nominatis —— contractus 
de mutuo von Entlehnten/ decommodato pon Gellehenen / de depo- 
Gito von Miedergefegten/ de Hypotheca & contradtu pignoraticio 
bon Berpfändeten/ de contractu ftipularionis don dem was mündlich 
abgeredet worden/de fidejuffione von Bürgfchaffts-Leiftung/ de obli⸗ 
gatione literarum von Berfhreibungen / de emptione & venditione 
bon Kauffen und Berfauffen/ de lecatione & condudtione, bon Mie« 
tenund Dermieten / d= focietate bon Eompagnie-Handlungen/ de 
mandato, bon Befehl und gegebene Ordre. Es werden auch unter die 
Gonträtus innominatusgerechnet / contractu de cambio & afle- 
euratione, Hon Wechſeln und Berjiherungen/ de Padtis von Gedin⸗ 
gen / de Transadtinnibus yon Berträgen / de donationibus inter vi- 
vos & mortis caufa, bon Schenckungen unter Lebendigen/ und auch in 
Abſicht des Todes. 

Welche Contractus insgeſamt mit ihren Formularien und Cautelis, 
in des Hn. Strickũ Tractat de Cautelis Contractuum deutlich und 
ausfuͤhrlich zu leſen. 
Contrayerva, ſonſt auch Drakena oder Cyperus longus inodorus 
Sifftwurtzel genannt / iſt eine ansländifche Wurtzel / unſere Benedidt- 
Wurgel faſt gleich / knoͤpffig und oberhalb gleichſam aus Schuppen 
zuſammen geſetzt / iſt nicht ſonder lich von Berud / an Geſchuiack aber 
etwas anziehend / und wuͤrtzhafftig / kommt meiſtens aus Peru, und 
wird feiner vortreflichen Tugend le den Gifft zu — | 

) Dr, & s a 


F 


330 Eon Cor 


faft den Bezoar, Theriac und Einhorn -. ogen. Die befte ift / 
welche noch Frifch/ ſchwer und dich iſt / viel F —* um ſich hat / und 
einen ſcharffen aromatiſchen Geſchmack. 

Convolvulus maj. groſſe Winde / iſt ein Kraut / ſo einen Milch⸗ 
Safft hat / welcher die waͤſſerige Feuchtigkeiten abfuͤhret. Convol- 
vulus minor. waͤchſt in Getreyd / dienet vor die Colic. 

Conyra, Duͤrr⸗Wurtz / iſt dreyerley Art / als (1) gemeine Dürr» 
wurtz Conyza maj, Baccharis Monspelienſuum, (2) fleine Duͤrr⸗ 
wurtz / Beruff⸗Kraut / Conyza minor vera, (3) Mittel-Dürrwurg/ 
Conyza mediamentha Lutea, Herba dyſenterie·, alle drey Gattungen 
werben In der Artzney / ſon derlich vor die rohte Ruhr / gebraucht. 

Copal, oder Pancopall, iſt ein Gummi, bon welchen in America ſehr 
Biel gehalten wird/ es ift fo hart als Agtſtein / und muß ſchoͤn / Licht/ 
eu / Kar undhellfenn / und auf der Kohlen einen liebtichen 
Geruchhaben. Die Indianiſchen Priefter brauchen diefed Gummi 
Copal zu ihren beften Raͤuch⸗Werck des Goͤtzen · Dienſtes / imgleichen 
das aeıneine Volck / wann ſie inihrer Kirchen opffern / und wann ſte 
ihre Obrfgfeitempfahen/ zu Bezeugung groſſer Ehrerbietung ihrer 
ſchuldigen Unterthänigteit.; Dieſes Gummi mollen einige Kuͤnſtler ⸗ 

jeheinthalten / weiles einen ſolchen Firnip mit fich führet/ der mit 

ollen und andern Gezeng Fan vermifchet und gearbeitet werden / 
daß der Regen wenig Schaden thun fan und foll/ allein die Kunſt ſoll 
darinn ſtecken / folches vecht fnndamentaliter aufzulöfen, * 

Copenhagenſehe Handlung / vide Daͤniſche Waaren. 

Coq. in$.Q. A, heiffein Recept, Cogve in iuſſiciente Qyantitate 
aquæ, das iſt / koche in einer genüglichen Fülle Waſſers. 

Coq. ad. med, confumpt; heiſſet cogre ad meditatis confumptie- 
nem koche es / daß die Helfft übvig bleibet. x 

Coq. inpocul. trib.ad conſumpt.tertia partis, Foche ed in 3. Pfund 
Waſſers/ daß der dritte Theil davon verkochet. ae, 

Coq. S.A.heipt im Recept.cogve fecundum arten , koche es nach 
Ber Runft. Sat 0.4 

— kochen / coqyere in Diplomate heißt in Balneo Maria et» 
was kochen. | an E00 
Corallen / Corallia wachfen in der See / ſonderlich in der Mittel⸗ 
ländifchen/ und werden abgetheilet in weiſſe vohte und ſchwartze / au⸗ 
fangb werden fie als eine fi —* Materia an den Gteinfelfen und 
Rihen geſehen / bis ſie endlich trocken und hart / wie ein Stein werden⸗ 
dir heinmetliche weiß bleiben/ etliche aber eine: rohte couleur. an dich 
nehmen /und wie Feine Vaͤnmlein formiret außfehen/ ſo bald ſte an die 
Eufft konnnen / werden ſie gantz hart/und ſchreibet ein gewiſſer Autor; 
day feuneerfauf den Grand der See an einigen Orten / ſonderlich um 


Cor. 


Cor 331 


Corfieaund Sardinien herum / in der Groͤſſe als Kirſch⸗Baͤume gefun 
den werden. Mitder Fifcherey dieſer Corallen verhaͤlt es lich fol» 
gender Seftalt: Man:bindet zwey Stud Holtz Erens-weiß zufam- 
men / und thut an foldjeeirien Klumpen Bley / damitdas Holt deſto⸗ 
ehe zn Boden jinde / nachgehends umwinden fie die Hoͤltzer mit gro» 
ben Haͤnff oder Werd und laſſen denfelben alfo zottigt/ eines Fingers 
Dich gedrehet / herab hangen / das Ereug-Hols aber binden fie mit zwey 
fangen Striden an das border und hinter Theil des Schiffs / und fah⸗ 
ven alfoneben den Felfen hin / wann nun der Flachs und Haͤnff an ei⸗ 
nen Eorallen-Zweig konnnt / wicelt er jich um denfelben / und ziehet 
ihm mit fort ; in einen folchen Eorallen-Fifher-Schiff fennd gemei⸗ 
niglich 7.bis s. Maͤnner. Wann nun das Creutz⸗Holtz foll aufger 
wunden werden/ muͤſſen jederzeit etliche Schifle beyſammen ſeyn / da 
dann im Herausziehen des abgebrochenen Coralls faft eben ſo viel wie⸗ 
der indie See faͤllt / als heraus gezogen wird. Es wird aher der Co⸗ 
rall anbruchig / gleich als ob ſolchen die Wuͤrmer benaget haͤtten / dahe · 
vo man ihm ſchnell ans dem Waſſer ziehen muß / wie dann auch offt le» 
bendige Würmer darinn gefunden werden‘ Wann man zu gewiſſen 
Zeiten des Jahrs die::änfferke Spige der Aeſte und Zweige etwas 
hart drüchet/ fo gehet ein weiſſer Safft heransy wie ein Milch / welcher 
Safft der Eorallen Saamen / dadurch ſie fichfortpflangen / feyn ſoll. 
Im Apri faͤhet die Corallen⸗Fiſcherey an/ und’endiget ſich im Julio. 
Rings un die Aeſte der Coralleen waͤchſet etwas gleich. einen 
Schwammen / darinnen (ich ebenfalls eine befondere Art von Wuͤr⸗ 
mern / faſt wie Bienen geſtaltet / aufhalten. Es findet ich auch eine 
Art von Corallen · Mooß / welches gemeiniglich weißgrau / wann ſol⸗ 
ches aber auf röhrlich Fällt / und einen Meerhafften Geſchmack hat / ſo 
iſt es am beſten. Aus oberzehlten Corallen⸗Zincken / welche nicht al⸗ 
lein in der Artzeney nůtzlich zu gebrauchen / werden auch unterſchiedli⸗ 
he kleine runde Kuͤgelein gedrehet / welche. man zu Pater noflers, 
Hals⸗ und Arm⸗Gehaͤngen brauchet. In Rürnberg wiſſen die Bein⸗ 
und Knochen⸗ Dreher / die Knochen dergeſtalt roht zu beitzen / und Ku⸗ 
elein daraus zu drehen/⸗daß auch mancher Kenner der Corallen die⸗ 
* von den wahren Corallen kaum unterſcheiden fan. Den Haudel 
mit den Corallen haben heutiges Tags in Teutfchland mehrentheils 
Die Italiaͤner / als mit einer Waar / welche aus dem Mitteltändifchen 
Meer / ſo an takieniftöfler / herkommet. Sie erkauflen » 
Schnüur und doht⸗ weiß / nachdem die Corallen groß oder klein / ſchoͤn 
blut· oder bleich⸗ roht Fey der .;C Ara — 
Man neunet auch Corailen / die Heine Glas⸗ Marlen / oder glaͤſerne 
rallen welche das Fratenzimmer künſtlich auf Orat und Zwirn in ak 
eeiey Figuvengu ſchlingen wein ; dergleishen.feynd, vor Diejen‘ be 
Kr t 


332 Cor 


vielnach Moſcow / item nach den Barbariſchen Laͤndern berführet / 
und an die Wilden mit groſſem Vortheil vertauſchet worden. 
Das Gewicht / nach welchen die Corallen in Genua ind Groß verkaufft 
werden / iſt um i5. pro cent groͤſſer / als das ordinaire / nehmlich us. 
Pfund Genueſer Eorallen-Bewidt / thun 100. Pfund Nürnberger/ 
besgleichen iſt auch zu Antorff das Corallen⸗ Gewicht um s. pro cento 
roͤſſer / denn das Coͤllniſche Gewicht. Unter denen Corallen wer⸗ 
en die dickſten vor die rarſten und theuerſten gehalten / und ſonder⸗ 
lich don denJaponefern hoch æſtimiret. Zu verwundern iſt / daß die 
Corallen ſchoͤner bleiben / und täglich beſſer von Farbe werden / wann 
ſolche ein MannsPerſon trägt / da Ile hergegen an den Leib des 
Krauen-Zimmerderbleiden. Wann man den neu-gebohrnen Kin⸗ 
dern/ fo bald Ne auf die Melt kommen / undehe ſie noch etwas genieſ⸗ 
fen/ sehen Gran pulverihirter Eorallen in der Mutter- Milch eingiebt/ 
fo foll ſolches diefelbe Zeit ihres Lebens vor der fallenden Sucht ber 
wahren. DieCompofition, melde man in denen Apotecken aus den 
Corallen macht/ und Dia-Corallium heißt / beftehet in folgenden: R, 
CorallorumRubeorum praparat.Drachm, ji. Margaritharum præpa- 
rat.Drachm.j. Boli armeni Drachm. Ts, ligni aloes Scrup.j. Sac- 
chari albisfimi diffoluti in aqva rofarum & cinamomi tenuioris, 
avantum Suffcit, fiat. confedtio in tabellis. 
Falſche Corallen werden nachgemacht / Durch rohte Korallen Materia, 
warn nehnillch die Eorallen-Zinden aufgefehloften / die rohte Elfen 
davon gefchieden / ausderübrigen Malla aber in den Modell — 
Corallen formitet/ und darnach dieſe mit dero eigenen Eſſentz tingiret 
werden / item man nimmt bereiteten Zinober / gebeitztes —— 
uñ dergleichen / ſolche aber Haben nicht den kaltendingriff / wie die nature 
lichen / ſeynd auch nicht ſo lebhafft an der Farb / werden gar ſchmutzig 
durch den Schweiß / laſſen ſich auch in den Menſtruis nicht aufſchlieſſen/ 
mie die natuͤrlichen und ſympothiſiren noch viel weniger mit dem Ge⸗ 
blüt des Menſchens / als deflen gute oder böfeDifpofition die gute Co⸗ 
rallen durch VBeranderung ihrer Farb perfect anzeigen. 

Coralien-Gungel/ Dentaria,Symphytum Coralloides, 

Coralien-Zraur/ Alparagus hortenfis, * 

CorallensSanickel/ Sanicula Corallina. 

Eorallen-Tindtur , Tinctura Coralloram , if gut wider giftige 
Seuchen / und ſtaͤrcket das Hert / hilft auch wider die fallende Sud) 
ſie wird folgender Geſtalt zubereitet: Nehmet Bimsftein/ löfchet den⸗ 
felben 3. oder 4. mahl ab in guten Wein-Cpig / laſſet ihn in einen Ti 
‚get altiend werden / hernach ſtoſſet ihn. klein / foſſet and) vohte Corallen 
zu ſudtilen Pulber / und deget eine Schicht Bimsſtein in den Tigel / 
hernäch eine Schicht Corallen / und fo I 
* % j 


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Eor 33 


daß dieerfte und legte Schicht von Bimöftein fey / feet ſolches in ei⸗ 
nen Glas · oder Töpffer- Ofen 2. Tage lang / als dann nehmt es wieder 
heraus/ und giefletWein-Epig über die Pulver / und wiederholet dies 
fes fo.offt/ bis es (ich nicht mehr roht färbet / hernach laflet den Weins 
Eig ineinen gläfern oder erdenenglafurten Geſchirr abrauchen / f6 
wird die Tinctur von Eorallendarinn zurück bleiben. Auf diefe Art 
kan manallechand Farben ausdenen Metallen und Mineralien, warn 
man ſie erftlich zu Pulber gemacht/ ausziehen. Die Doſis von vor« 
befchriebener Tinctur iff ein Qventin in einen Ey. 
Yuf eine andere Weiſe wird folhe Tinctur folgender Geftaltextra- 
hiret: Mehmet Jungfern⸗Wachs / und fchabet es in einen neuen 
Topff / darinnen ihr die Eorallen Stuͤckweiß oder in Eleinen Zweiglein 
n/ alfo daß die Eorallen gang mit dem gefchabten Wachs bedecket 
Emm / lafletes hierauf ſchmeltzen / und gelinde über glsenden Kohlen 
aufwallen/ fo wird ed alle Tinctur aus denen Corallen ziehen/ welches 
man erfahren kan / wann man ein klein Stüclein von befagten Coral⸗ 
len wieder heraus nimmt / fo gemeiniglic) in einer biertel Stunde ges 
ſchicht / alsdann nehmt es vom Feuer ab / und laſſet das Wachs Falt 
werden/nehmet ed heraus/ und fchabet e in einen gläfern Kolben / und 
gieflet guten und dreymahl deftillirten Wein⸗Eßig / odereinen ſtarcken 
piritum vini darauf / fehet ed aufwarme Afche / damit der Eßig die 
Tin&ur von dem Wachs / melde eö von den Eorallen an fich genom⸗ 
men /ausziche/ hernach nehmet es vom Feuer ab / und wann es kalt 
worden / fo fheidet den Eßig von den Wachs / und laffet ihn ausdämpfe 
fen / jo werdet ihr eure Tinctur am Grunde / wie ein Zinober finden. 
em / nimm Corallen / ſo viel du wilt / mache jle zu feinen Pulver/thue 
ineinengläfern Kolben / geuß darauf geläuterten Limonien « Gafft 
oder deftillirten Eßig / daß er etliche Finger hoch daruͤber gehe / ſetze ſie 
acht Tage lang ind Balneum Mariæ, bey gelinden Feuer / ſo wirſt dus 


. einen Extra&t bon Eoralten haben / womit hernachein Syrup folgene 


der Beftalt bereitet wird : 
Man nınmtz. Untzen —— Tinctur, und drey Untzen Zuckerkand / 
that die ſes in ein erdenes glaſurtes Gefaͤß / welches weit iſt / dieſes ſe⸗ 
pet inein ander Gefchirr voller Waſſer / machet Feuer darunter / und 
raucht ed wie ein Balneum, rühret eure Materiam ftetd um miteinen 
hoͤltzern Spatel/ bis ed zum Syrup eingekochet / dann diefes verhin⸗ 
dert/ daß die Tinctur ſich nicht precipitireoder niederfchlage. 
Corallen⸗Wurtz / Conſolida Corallina, 
Corallina, Muſcus Marinus, Phycon Trichophyllon Theophr. 
Alga crinito folio Gazæ, Corallina, weil ed meiſt an den Corallen 
chſt / und — eine Wolle iſt / die unter dem Waſſer weich / 
auſſer denſelbigen aber und getrocknet / wegen des Saltzes hart ft. 


* 


334 Eor 


a — is 
Es wächft auch an den Felfen Schalen der Fiſche und dergleichen/warın 
es trocken und etwas roͤhtlich ift / auch einen ſaltzigen Geſchmack hat / 
und nach Meer⸗Schaalen riechet / fo iſt es gut / und wider die Wuͤr⸗ 
mer weit dienlicher / als der Zitwer-Saamen. pn denen Officinen 
bat man dad Magilterium, und einen ſaltzigten Spiritum dabon. 

Corduan / Frantzoͤſiſ. Marogvin, don der Stadt Cordua in Spa« 
nien alfo genannt / weil er dafelbft zum erftenmahl zu machen foll ſeyn 
erfunden worden/ wird heutigs Tages aud) hin und wieder in Teutfch- 
(and / voraus aber in Lübeck vortrefflich und auf zweyerley Art zuber 
reitet / ald entweder zu glatten Glantz⸗Corduan / oder zu Rauchſchwar⸗ 
tzen / welchen diejenige / die in der Trauer ſeyn / item auch Podagri⸗ 
ſche Leute / weil er ſehr geſchmeidig iſt / zu ihren Schuen zu gebrauchen 
pflegen; Es wird aber der Corduan / ſonderlich der Glatte / aus Bock 
und auch aus Ziegen⸗Fellen gemacht / jene ſeynd die beſten / und auch 
dahero die theuerſten / weil ſich deren allein die Schuſter und zwar ſehr 
häuffig bedienen; Ziegen:und Schaaf⸗Fell⸗Corduan aber vor Die 
Buchbinder/ Futteral⸗ und Stuͤhlmachergut iſt. Wannder Schu⸗ 
ſter⸗ Corduan auf der Fleiſch⸗oder Aas⸗Seite ſchoͤn weiß und nicht 
gelb oder braͤunlich / von Rarben aber nicht allzu groß / hübſch egal, im 
Anfühlenoder Zuſammendruͤcken fein moll und nicht knirſchend / ſchoͤn 
von Glantz / durchgehends gleich von Leder iſt / und nicht zu ſchwere 
dicke Racken oder Kopffe hat / fo ifter am beſten; Der Rauchſchwartz 
muß ebenfals ſchoͤn rein / gut ſchwartz / und ſo gelinde im Anſehen und 
Uberſtreichen als Sammet ſeyn. Die vornehmſten Ingredien- 
tia, den Corduan zubereiten / ſeynd Trahn oder Fiſch ⸗Schmaltz und 
Schmack / weldes aus Spanien und Portugal kommit / und dannen- 
hero ſich nicht ubel zu den Leder- Handel ſchicket / verftehe an den Or⸗ 
-ten/ wo Corduan⸗Bereiter wohnen/ weil/ wannder Kauffmann berei⸗ 

teten Eorduan von ihnen nimmt / jle hingegen Schmack / Trahn und 

auch wol die rohen Bod: Felle wieder bon ihm nehmen können. Wach 

des weitgereifeten Taverniers Bericht / foll der Eordyan nit nur 
ſchwartz / fondern auch auf allerley andere Art gefaͤrbet werden koͤnnen / 
und zwar zu Tocat in Aha der blaue / zu Diarbegvir und Bagdar der 
rohte / zu Mouflul oder Alt-Ninive der gelbe / zu Oufra aber der 
ſchwartze am beſten gemacht werden. Auch fol die.Befchaffenheit der 
Warfer in diefen andern ihme einen weit ſchoöͤnern Glantz beybringen/ 
als mit unfern Europaifchen Waͤſſern nicht gefchehen kan / welches 
dann einigermaſſen an der Türden ihren Saffıan (der nicht allein von 
bortrefflicher rohter Couleur „ ſondern auch fchönen Glantz ift) abzu⸗ 
uehmen ſtehet. 

Coriander·⸗Saamen / Coriandrum, majus, minus teſticulatum & 
ſylveſtre, wird biel in Thüringen und anderer Orten BE Feng 

gli 


Cor 335 


Englische aber übergehet-alle andere Sorten / wegenfeiner Gröffe/ 
iſt wohl bekanut / und wird viel in Brod gebaden / wird aud) von den 


Agvavit und Branıtwein » Brennern nüslid gebraucht / um den 
Brauntewein feinen widrigen Geruch zubenehmen. Er ſoll / ehe er 
genutzt wird / borhero mit Eßig gebeitetwerden / und auch ſonſt ſchon 
zeitig / grob und gutes Geruchs ſeyn. Der Saamen ſtaͤrcket den 
Magen / mit Zucker überzogen / ſtillet er die Schmertzen des Poda⸗ 

ra. Alle Arten werden in Faͤſſer bherſandt / uud zu 100. Pfund ver⸗ 


aufft. 
Corinthen / Paſſulæ minores, pon der in Griechenland gelegenen 
Stadt Corintho alſo genannt / ſeynd kleine Weinbeerlein / welche man 
an den Stock uberreiften und verdorren laͤßt / da fie dann von ſich ſelber 
abfallen / und weil ſie alsdann von der Erden aufgeſammlet werden / 
(wiewol man gemeiniglich Tücher unterbreitet) fo kommt es daher/ 
daß viel Steinlein und Erde darunter gefunden wird. Heutiges Ta⸗ 
ges kommen die meiſten und beſten aus denen Inſuln Cephalonia und 
Zante, den Benetianern zuſtaͤndig. Sie werden bey 100. Tb. ber» 


kaufft / die Tara if in Hamburgsz. Rabbat, auch in gantzen?. up}: 
als auch 3- Bohten zu uns bracht. - 


Corinthiſch Ertʒ war vor diefen fehr æſtimiret / weilman davor 
hielte / daß Viel Bold und Silber darunter wäre/ weilaber diefes Erg 
erft im Gebrauch gelommen/ als der Römifche BeneralL. Mummius 
die Stadt Coriutho verbrannt hatte/ ſo hat man gefunden/ dag in den 
AR bielerhand Statuen zerſchmoltzen deren Metall zuſammen ge> 
f offen / daraus hernachmahls das fo genannte Corinihiſche Erh ges 

ommen. 

Cornel⸗Baum / Cornus Corneelbeer oder Kirſchen / Corna 
ſeynd laͤnglicht / wie Jujuben / wann ſie reiff ſeynd / roht / big weilen 
Wachs⸗gelb / gar ſelten weiß; In Ober-Teutfchland werden. ſie 
Welſche Kirſchen genennet / weil ſie aus Welſchland ihren Urſprung 
haben / woſelbſt vor dieſen ale Kirſchen CornaCerafa genennet wor: 

en. 
⸗ Cornu & Cornua, vide Hoͤrner. 

Cornua Ammonis ſeynd Steine / die wie Schnecken in einander 
gewickelt / und fcheinen wie die Widder⸗Hoͤrner / werden daher Cor- 
nua Ammonis genetinet/weilder Jupiter Ammonius untereinen Bid» 
der ehemahls vorgebildet worden / daher (ie bor diefen bey den Aethio- 
piern vor heilig gehalten worden/ wie fie dann auch Plinius facratiffi- 
mas Æthiopiæ Gemmas genennet. Die Italiäner nennen fie fer- 
penti impetriti, in Stein-berwandelte Sthlangen.. Meiftentheilg 
werben ſie entweder an leimigten oder an folhen Orten gefunden / mo 

. — bviel 





336 Cor Eof 

viel Eifen-Steinift. Man findet fie von gar bielerley Beftalt / ind 
gemein aber werden fie abgetheilet in fchlechte und bewaffnete; jeme 
sind Steinfarb / die ſe aber fehen aus/ ald ob fie mit eine bleyern / me⸗ 
tallenen/ meßingen oder ſilbern Blech oder Schaum überzogen md 
ren. ine andere Eintheilung ift auch dieſe das man nemlich Hör« 
ner nennet/ die da wenig Umwickelung haben / und jähling fpigig zu⸗ 
Lauffen; Schlangen / welche allmählig dünner werden / und gar offt 
um einander geſchlungen (ind; und Schnecken / welche mit den Nati- 
lis oder andern Sorten der laden Schneden einige Gleichheit Haben. 
Der Gröffe nach find ſie ebenfaldgarunterfchieden/ ich habe ihrer vom 
ein halben Zoll bid auf ıs. Zoll breit am Diametro gefehen. 

C.C, cornucervi, Hirfchhorn. 

* — Corner⸗Baum / die Frucht dabon dienet vor bie rohte 
uhr. 

Corona Monachiv. Taraxacum. 

Corona terrx, v, Hedera terreftris. 

CoronopusHortenfis, Herba Stelle, Zahm⸗Kraͤhen⸗Fuß wird in 
denen Gärten gezeuget/ die Blätter feynd gutvor dad Blut-Harnen. 

“ @eronopnsiylveltrisferpentina, dienet vor den Schlangen-Bif. 

Corporifatio, corporificatio, heißt bey denen Chymicis, wann ein 
defillirter Geiſt wiederum einen Leib an ſich nimmt. 

Corroboratio, fiehe Confortatio, 

Corrodere, zerfreſſen / zernagen. 

Corrofio, Zerfreſſung / Zermagung/ dahero corrofivander cauflica 
ſcharff⸗freſſende Dinge/ inder Chymiaift corrofio ſo bviel ald calcinz- 
tio, oder als eine Aufiöfung/ da man durch freffende Spiritus harte 
Sachen in einem Kald bringet/ vide Calcinatio. item Schröderi Hol 
fländige Apoteck / ib, J. c. 14. 

Cortices, vide Rinden. 

Corylus, Haſelſtaude / dabon die Früchte nucesavellanz, noftrates 
Haſelnüͤſſe heiffen/ feynd zur Benüge befannt. 

Corymbi, das Oberfte an den Gewaͤchſen oderdie Spigen. 

Cofmetica, Shmind-Argeneyen/weldye das Angeficht ſchoͤn und 
klar machen / als da ſeynd / aq. coſm. Polygonat, lap. ſpecularis, tal- 
cum ol. camph, Tart, p. d. liquot. benz, thuris, magiſt. marca- 
fit, &c. 

Coftus’Arabicus, vel Coftiamariradix, bittere Roftenwurg / wird 
nicht viel verbraucht/ Dannenhero auch nicht hauffig von denen Mate- 
rialiften verſchrieben / ſiekommt aus Syrien und Arabien. Plinius 
und Dioftorides meldengar nichts dabon / fondern machen nur daraus 
2 Geſclecht / ald ein weiſſes und ſchwartzes bezeugen dabey / daj 

eeinen guten Geruch / ſcharff und beiſſenden Geſchmack Habe, 


Eof Era 337 


nen 
.» Rad. Cofti Dulcis, füffe Koften- Wurg/ iſt ſchlecht von Geſchmack/ 
heil von Farb / krumm gewunden / imübrigen glatt/ fchwer uud com- 
pact dabey/ etwusfühlich / wird aber ſelten begehret/ die hernach fol⸗ 
gende iſt in gantz Teutſchland vor gut befunden / und ihr der Rahme 
weiſſer Zimmet gegeben worden. ee 
Coftusalbus, corticofus , Arabic. cinamomum album ; weiſſer 
Koſtus / weiſſe Zimmet / dieſe wird vor die beſte Koſten⸗Wurtz ver» 
kaufft / und Hält faſt alles gute Gewuͤrtz allein in ſich / ſie hat einen are 
«en und guten Geruch / iſt ſuß und bitter / ſcharff und mild / und was 
den andern Koſten⸗Wurtzeln zugeſchrieben wird / iſt bey dieſer allein 
au finden/ daß es alſo billig der rechte wahre Arabiſche Coſtus mag ge⸗ 
aennet werden. 
: Coton, vide Baumwolle. 
Cotonea, v.cydonioa. F 
Cottus,a,v. Bombax, s 
Cotula feetida, ſtinckende Chamillen / wachfen häufig hin und wies‘ 
der / der Trand iff gut in der Waſſerſucht. 1a i. 
Cotyledon alterum, fabaria. — a 
Couleur , color eine Farb / dahero couleur de Prince s Pringen> 
Sarb/videB lau / C.de Roy Aönigs-Sarb / amnaranthe, Ama⸗ 
£anthen/ zc. , ' — 
. Cours, iſt der Lauff oder übliche Gebrauch eines Dings / inſonder⸗ 
beit der Wechſel⸗Gelder / bon denen man ſagt / der courr oder der, 
Agio iſt hoch oder niedrig / ſteigt oder faͤlt. 
Courtier, Senfale, Paoxeneta, vide Maͤckler / ihr Lohn heißt cout· 
tagio, ſenſeria. ns ae 
Crambe, v. Braffica. — ———— 
Cramers / vide Kram·Waaren. nen 
Cramoifin- $erb/ift eine von der hoͤchſten und koſtbarſten Farben / 
Deren Urſprung mir fehon unter dem Wort Chertnes. weitläufftig bes, 
fhrieben. Auhier ſoll nur fürglich gemeldet werden / wie die Seiden« 
und Wollen⸗Faͤrber ſolche Farbe auf die Seiden und Wollen zu ſeten 
pflegen / zu welchen Ende wir einige approbirte Deſcriptiones der be⸗ 
en Meſſter / und zwar erſtlich über die Selde anzuführen eutſchloſ⸗ 
en. Es wird aber anfärglid / ehe die Seide auf Carnioiſin kan ge⸗ 
färbet werden / eine Beigung zu derſelben folgender Geſtalt gemacht: 
Nehmet auf jedes Pfund Seide 4. Handvoll Waitzen ⸗Kleye in z. Ey⸗ 
mer Waſſer/ laßt es ũberſieden / inein holtzern Gefaͤn gerhan / und ei⸗ 
ne Racht geſtauden / darnach abgekühlet / nimm alsdann die Helffte 
des Waſſers / thue darein ein halb Pfund Alaun / ein Viertel rohten 
Weinſtein / Fein als Mehl geftoffen / 1. Loht Elein geftoffen Merkin 
oder Curcuma, (af das zuſammen — rühre es mit einen er 
w 


BIT sich 


s —— — 


338 Era 
wohl um / wann es einediertel Stunde gefötten / fo ſche den Keffel 
vom Feuer / und flede die Seide alfo heiß darein/ und decke den Keſſel 
dicht zu/ daß Fein Brodem oder Dunft daraus komme / laß eds. Stun« 
den ſtehen / ſpuͤhle es in kalten Waller rein aus / und fchlage es ſtarck 
uͤber ein Holg/und laß es trucknen. Alsdann nimm ein viertel Pfund 
Gallaͤpffel / und ſtoſſe die klein / thue fie in einen Eymer flieſſend oder 
Regen⸗ Waſſer / koche es eine Stundelang / ſetze alsdann den Keſſel 
von dem Feuer / bis daß du deine Hand darinnen leiden kanſt / danız 
e die Seide darein?/ laß ſie eine Stunde lang darinnen / alsdana 

ſie bertrieffen und trucken werden. Hierauf nimm die alfe zuge- 
beigte Seide / wann du ſie auf Carmoiſin⸗roht färben wilt / und 
auf jedes Pfund;. Loht Cochenille / die ſtoß gar Hein / und ſichte 
durch ein Haͤren⸗Sieb / alsdann thue ſte in den übtigenEymer der 
Beitze / hänge ed wieder aufs Feuer / und laß es vor den Sud kommen | 
in einen Meßingen Keſſel / decke es ſauber zu / daß nichts hinein ſtaͤube / 
enger ag thue darein weiſſen Arfenicum 3. Loht / 

ein geftoffen/ Weinftein s. Loht / gleichfals Hein geſtoſſen / laß es zu· 
fammen kochen eine viertel Stunde / alsdann ſetze den Keſſel beym 

euer) ud laß es ein wenig verſchlagen / aber nicht lang / ſtecke die 

ide darein / und arbe ite ſie mit dem Stecken wohl um / daß fie nicht 

bund oder ſchaͤckicht werde / darnach / wann ſie kalt iſt / ſo wringe ſie aus / 
und ſo ſie noch nicht hoch genug iſt / hänge die Farbe wieder als zuvor 


Feuer / ftededie Seide hernach / da es verſchlagen / wieder dar· 
ein. Die gefaͤrbte Seide wird *8 bit erſtlich in heiſſen Waſ⸗ 
fer / darinen auf i. Pfund.Geibe ı. oBt Benedifche Geiffezerlaffen, 
nachgehends fpühlet man fe in Falten flieffenden Waſſer / undfchtä 
fie — er oder —— —— — F * * —* laͤ 
trucknen / a ugerchlittoder oder au en / ſo 
eure Sehde wäre forte gut Carmeſin. Mann man Carme ⸗ 
fin zum Grund auf Violet will / kan man allzeit an den Gewicht | 
den dritten Theil erſpahren / das iſt / aufein Pfund Waare nurz. Loht 
Cochenille / e Loht Atfenicumza, Loht Weinſtein nehmen. 
 Cärmoifin- Behr mie Cochenille zufaͤrben / 
tr deine Geiden mohlabfieden/ und nimm zu jedem Pf. Seiden 
8. Unden rohen Allaun / laß jolden erſt ſchmelhen / und dann deine 
Seiden darein gelegt eine —* des anderu Tages wohl ausgeſpũh⸗ 
let / und dann gefarbet / wie on Rimm einen Keflel mit veinen 
Waſſer / thue darein zu jedem Pfund Selden zwey undein halb ug 
Cochenille / z. Ungengeftoffen Galles / 3. Ungen ſchoͤnen Gummi „ die 
Cochenille muͤſſen gar klein geftöffen / in den Keſſel gethan werden / 
nm zu jedem Pfund Geideeine Gold⸗Krone ſchwer er 

t⸗ 





. — — — > 


— — —— — urn — — — ——— 
— ——— FE — 


EL ra | 339 
fes allzufammen in einen Keſſel gethan / und laß deine Seiden 


4. Stunde kochen/ per! * ** fiegen / des gudern Dow 
nö guögewrungen/ geipuhlet und g net. : 

— Farmoilſin·Roht mit Orfeil, | 
wird in einen faubern Keſſel vein Waflers gethan / hrich darinn zu je⸗ 
dem Pfund Seiden 12. Untzen Orſelium, kehre die Seiden darinn / und 
woring jle draus / dann ſchmeltze zu dem Pfund Seiden ein viertel Pf. 
Allaun / und eine Handvoll Arlenicum:; ſo weiß iſt / lege die Geiden 
darein/ bis des Morgens / dann ausgewrungen und ausgeſpuͤhlet / 
nimm als dann zu jeden Pfund Seiden 2. Ungen Cochinelle / e. Lingen 
Ballet / ». Unten Gummi, und ein wenig Merckin oder Gurckumin / 
laß eö mit der Seiden 2. Stunde kochen / thue darein ein wenig Zeplie. 
laß es die Racht darinn liegen / des andern Morgens gefpuhletund gg 


trucknet. RR Ä 
J Carmoifin-Violet in Purpur 
hierzu muſt du erſtlich deine Selden abiteden mit Allaum / eben wie 
Erapp: Roht/ thue als dann rein Waſſer in den Keffel / und nimm za 
gedem Pfund Seiden eine Unge Galles / anderthalb Untze Cochenille / 
klein geſtoſſen / eine Untze Gummi, laß das zuſammen ſieden / wie das 
Eormoilin-Roht/und darnach auch eine Nacht darein gelegt / olsdauu 
ausgeſpuͤhlet / ſo haſt du gut Purpur. 
Cärmoifin-Mıinimesy machen. 
Hierzu wird die Seidegeallaunitt/ ausgefpühlet und auf Stecken ge⸗ 
feget / mache alsdann deinen Keſſel rein / und thue darein aufjede 
Pfund Seiden ein Pfund Galles / ein Pfund Erapp / und ein ha 
Mund blau Holtz / laß das eine Stunde fat der Seiden fleden/ das 
Holtz aber mug im Sad gethan werden / daß ſichs nicht in die Geiden 
ſeten kan / laj die Seiden eine Naht darin liegen / hierauf des folgena 
deu Morgens ausgewrungen / geſpuͤhlet und geklopffet / dann wieder⸗ 
um aufdie Stecken gefeget/ gehrunirt / aufgehaͤnget und getrucknet. 
Carmoifin-Tannet mit Cochenille. — 
ann deine Seiden geallaunirt/ wie das Carmoiſin / ſo nimm einen 
faubern Keflel mit reinen Waſſer / und etwas Proveng-Guppe / nach⸗ 
dem die ) groß/ thue zu jedem Pfund Seide eine Unße Galles / 
anderthalbe Unhe Cochenille / die ſes zuſammen in den Keſſel gethan/ 
wann die Seide erſtlich wohl gefpühlet iſt / als daun auf die Stecken ge⸗ 
—* luſtig in den Keſſel gekehret / damit es nicht bund oder fie» 
twerde / dann die Provent⸗Suppe feget. bunte Flecken / wanns 
nicht geſchwind gekehret wird / darnach laß es eine Racht darinn lies 
nn ausgefpühlet —— 
Gris·Cramoiſin und wa armoeiſin · Farben / zu meiden 


—— — — — 





* 


40 Cra 


raune Farbe gebrauchet wird / können mit der Cochenille Campeffia- 
ne oderSylveltre,dasift wilden Cochenille gemacht werden / gleich wie 
die Colombin, Purpur / Amarante, Penſee und Violet - Cramoify- 
Farb / derjenigen Zeug oder Tuͤcher / davon die Elle nicht über zo. 
Kreuter kommt / wie auch alle Verjenigen gefärbten Wolle / welche zur 
Aelirung der theuren Zeug oder Tücher augewandt wird / um dadurch 
den Preiß der Farben ſo viel immer muͤglich / ohne einigen Schaden 
aihrer Güte zu verinindern/ mankan ſich auch ebenfalls in dem Sub ei» 
nes Heinen Zuſatzes bon dev Roͤhte zu denjenigen Farben / welche folche 
ertragen koͤnnen / bedienen. 5 
Carmoiſin don Fernebuck auf Wolenzeug zu machen/ wird unter dem 
Wort Leib+Sarbgelehret/imann aun das Tuch fehr hoch / fo ieh 
friſch Brunnen Wafler in das Faß / nimm aud Laugen bon Potte 
afchen/ item bon Graveliengder gebrannten Weinftein / rührs wohl 


unter einander / fhlage das Tuch —— es 2. Stund liegen / ſchla⸗ 


ge es alle viertel Stunde herum / ſo wirſt du Carmoiſin⸗Roht haben / 
woill es ſo bald nicht anfallen / Fanft du noch etwas von Lauge zugieſſen. 
gu ordinair Earmoifin nimmt man auf ein Pfund Wollen-Zeug +. 
oht Alaun/ 4. Loht weiſſen Weinſtein / 2. Loht temperirt Scheiben 
Waſſer / und ein Loht Englifch Bergzinn/ ı. viertel Pfund Grapp / ein 
biertel Pfund Blau: Holg/ damit die Waare wohl angefotten erluͤh⸗ 
len laſſen / und gefpuhlet. Hierauf nchmet ein viertel Pfund blau 
Holtz / s. Loht Pottafche/ alles ſchnell durch handthieret / fowird ed gut 
genug werden / auf ſchlechte Zeuge. Item / nehmt aufs. Pfund Zeug 
34. Maaß Waſſer / s. Handvoll Waitzen Kley / laßts über Nacht ru⸗ 
den / und ſich wohl ſetzen / morgens gießtes rein ab / und ſeihet es durch / 
daß es fein klar werde / hiervon die Helffte und darzu ned) von andern 
reinen Waſſer eben ſo viel genommen / dieſes vermiſchte Waſſer laſt 
aufkochen / thut ein Pfund Alaun / und ein halb Pfund Weinſtein bin- 
ein / laßt ed wohl aufwallen / bringt alsdann die Waar hinein / und laßt 
es⸗. Stund damit kochen / die Wolle allezeit wohl aufgeruͤhret / und 
wieder niedergetauchet/ und ſolches alſo eontnuiret / endlich ſiedet den 
andern halben Theil eures Kleyen⸗Waſſers / mit ſo viel friſth Waſſer 
wieder auf / thut / wann es wohl kochet / s:Loht Cochenille und 4. Loht 
ſauber ſubtil zerriebenen weiſſen Weinſtein darein / ſtarck umgeruͤh⸗ 
ret / und acht gegeben / daß es nicht überlauffe / wie es dann auch mit 
dem Feuer nicht übereilet werden muß / warn es num wohl erwallet / fo 
bringt die Waare dahinein / und handthieret damit ſo lange / bis die 
Farb recht und gleich angefallen / darauf abgeluͤhlet und ausgefpühlet. 
Degen der Carmoiſin⸗Farben⸗Seide ift hoch vonnoͤhten / daß allen 
Kaufleuten fcharff perbotenwerde / einige Seide vor Earmoifin zu 
perlguoffen / die nicht zuvor über das gligemeine Zeichen / noch ferner 
ua 


Era Ere | 348 


— — — — nn — — — — — — — 

ander Ecke oder heraus hangenden Schnürlein / einer jeden Karten 
Seide mit einem Bley bezeichnet ſeyn / auf deſſen einer Seite des 
Kauffmanns Rahmie / auf der andern aber das Woͤrtlein Carmoiſin / 

benebenft den Rahmen der Stadt / wo ſelhe gefaͤrbet worden / ſtehe / 
damit / wann ſolche Seide falſch gefaͤrbet waͤre / man ich ſelues Scha⸗ 

dens an den Kauffmann / der ſolche verkaufft / erholen könne; Ein glei 

ches muͤſte auch mit den Carmoiſin⸗Zeug geſchehen / ſelbige auf bey⸗ 

Den Enden mit Bley bezeichnet / und auf der einenSeiten ſolcher Bley⸗ 
Zeichen der Nahme des Kauffmanns / der die Seide zur Verfertigung 
des Zeuges hergegeben / auf der andern aber dad Woͤrtlein Carmoifım: 
famt der Stadt Nahmen / wo es gemacht und gefärbet worden / ge⸗ 

ſtempelt werden/ damit der Kaͤuffer / wann er ich in allen Fall betro⸗ 

gen befinden folte/ wiffen koͤnne bey wem er ſich desfals feines Scha⸗ 
dens zuerholen habe. | | — 

Cranium humanum, Menſchen Hirn⸗Schaale werben zu weilen 
in den Apotecken gebraucht / diejenige / welche von friſchen und geſun⸗ 
den Malefig-Perfonen kommien / ſeynd die beften / die aber allbereit 
ſchimmlich oder gar mit grünen Mooß uͤberwachſen ſeynd / taugen zu 
nichts / als zur Raritaͤt in denen Anatomie Kammern.” Ao. 16084. 
welches war das Jahr nach dem Entſatz der Stadt Wien / brachte ein 
gewiſſer Materi⸗liſt 2. groſſe Faͤſſer aufgetrockenete Tüuͤrcken⸗Koͤpffe / 
Die er auf der Wahl⸗Statt zuſammen ſammlen laſſen / in die Leipzi⸗ 

er⸗Meß / klebte denenſelben gewiſſe Zettels vor / und gab den einen 

r des Baſſa bon Siliftrien ‚den andern bor des Baſſa einer andern 
Provintz / diefen vor den. Kopff eines Oberſten der Janitſcharen / den- 
andern vor eines andern Türckiſchen Herrus Kopff aus / und verkaufft 
ſolcher geſtalt in wenig Tagen feinen gantzen wunderlichen Krahm mit 

ten Profit / aa / weildiebamahls in Leipzig anmefende 

emde/ die Curieußitättrieb / folder anfehnlicher Peute Köpfe zum 
ewigen Angedencenzu kauffen / und mit nach Haus zu nehmen. Ein 
mehrers von denen von Menſchen genommenen Theilen vide unter den 
Wort anstomiren. - - 

Crapg. vide Grapm, ’ 
‚ "Craffula Major. Fabaria, 

Credit, Treu und Glaub unter den Menſchen / ſonderlich unter 
den Rauffleuten oder denen / die zu Barg nehmen und geben ; auslei⸗ 
hen und entlehuen/ kommt her a credendo ven Glauben / weil nemlich 
Derjenige/ der einen andern Geld leihet oder Waaren borget / glau⸗ 
bet/ dag ihm folcher ehrlich bezahlen. werde/ dannenhero fagt man/ er 
ſtelit ihm Glauben zu / ex gibt ihm die Waare oder das Geld bona 
fide, dann wann der Creditor nicht glaubte / daß er das ausgeborgte 
ober. ausgelichene Geld von feinen a wieber bekommen aa 
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— — — 


342 | Tr | 
and * zur rechter berfchrtebener und abgeredeter Zeit / wuͤrde er. 


ihm folches nicht hinborgen / und offtmahls nur auf ein klein Stüdgen 


apier von einer Obligation, oder Wechſel⸗Brief anbertrauen / weil 
aber bis anhero mancher in feinen guten Glauben betrogen / und ent» 
weder über die Zeit aufgehalten / oder gar um das Seinige gebracht 
worden / als iſt damit der Eredit fo dünne worden / 1a faſt gar aus des 
Welt verſchwunden / daß er faſt nirgends mehr zu finden. Obnun 
wol die Ariel eine ſolchen nicht feyn kan / weil Feiner den 
andern würde Waaren ab * laſſen / ehe er die Valuta davor Zu 
um Zug empfangen / keiner Geld auf Wechſel geben / und ſolchergeſta 
auch anderwertö nichts wiirde Hin remittiren koͤnnen / und was der» 

eichen Vorfaͤlle mehr feynd/ wann der Eredit nicht wäre / da do 

er Kauffmaunſchafft Rohtwendigkeit und Befchaffendeit / wie au 
anfehnlicher und ehrlicher Rauffleute ihr Point d’honneur nicht zuge⸗ 
ben fan, daß mar Mißtrauen in fie fege/ fo iſt jeboch auch Himwiederum 
vieler Urfachen willen fehr gut / daß man nicht fo ohne Unterſcheid in 
Tag hinein borge / fordern die Perfonen / Zeiten und Umſtaͤnde bes 
ade Amitwelchen man zuthun / und auf welche man Reflcxien zu 
machen hat / ſo wird ſich mancher mehrangelegen feyn laffen nsüffen / 
fein Brod ehrlich (folte es auch Stuffen-weiß von unten auffeyn) zu 
verdienen / und dadurch vielen Banquerotten gefteuret werden. Vide 
Biervon ein mehrers unter den Wörtern Kauffen und Verkauffen / 
item unter Borgen und Rabars. 

Cremor Tartari wird erſt aus den rohen Weinſtein verfertiget / da 
Bann zugleich die Cryſtalli Tartari mit zu bekommen ſeyn: wer be» 
fagte Ernftallen und den cremorem Tartari nicht zu unterſcheiden 
weiß/ der bleibe bey den Eryftallen / dann der eremor wird nicht be> 
zahlet/ Sal. Tartari wird auch bey Handlungen gefucht / und Pfund⸗ 
weiß verkaufft / dercremor muß fhön weiß und lieblich fauer / das 
Salt hingegen trocken und fcharff feyn. 

Crepanella v.Molybdena, 

Crepitus lupi , Pofift / Bubenfift / iſt ein runder Eyfoͤrmiger 
Schwamm / fo faft feinen Stielhat/ und ift anfänglich mit einer weife 
fen Haut umzogen/ und mit weiſſen Marck angefüllet/ nachmahls wird 
die Hautbleich-färbig / und das Marck / wann es verdirbt] wird zu 
einen Kleinen duͤrren ſtinckenden faulen Pulver/ gibt einen ftaubigten 
Rauch von fich/ und wird auf trockenen Wieſen gefunden; dieſes Pul⸗ 
der gebrauchen einige dad Blut damit zu killen. 

Erepon ein bekantes Wollenzeug / fo Häufig in der Schweitz ge 
macht wird / vide Schweitze / item Brandenbutgiſche Warren, 
Ccreſpinus v. Berberis. - | 

Creſſo vel Nafturtium agvaticum, 
en E', Creta 


Ere. Ery 343 

Creta, vide Kreide. 

Crethamus vel crichmum, Feeniculum marinum, Meerfendel) 
Meerbacillen / wächftam Ufer des Meers / treibet den Stein / und 
widerfichet der gelben Sucht. | 

Cretiſcher Ammey / Ammicum ereticum, Cretiſcher Seſſel / Se- 
feli creticum, Gretifiher Didtam v. Didtamnus creticus , Eretifher 
Dofen/origanum creticum, Eretifher Vogel · Saamen / ſemen Dau- 
ei cretici. 

Creutbeet / ſpina cervina.ſpinaĩnfectorĩa Ereug-Blünlein/Po- 
Iygala Ereug-Baum/ Ricinus Cataputia major, Creugworg/ crucia« 
ta, gentiana minor. 

- Cribratio,eine Durchſiebung. 

Cribrum, ein Steb/ cribrare fleben. | 

Crocus Martis aperitivus eum fulphure item adftringens. Vide 
Stuhl. 

Crocus ‚erocum hortenfe, Safranım vide Gafftan, 

Crocusfylvefl.v, Carthamus. 

Cruciata, Creug- Kraut iſt auch fonft ein gut Wund · Kraut. 

Cryfolitus v. chryfolitus. — 

Cryftallus, Ehryftallen · Stein / waͤchſt an vielen Orten / ſonderlich 
in den Alpen und Prendifchen Gebürgen/ da der Schnee und Eyf / 
der oft hundert und mehr Jahr nicht gefchmolgen iſt / endlich zu Ehris 
fallen/ wie einige Authores wöllen / werben ld. In Weſt⸗Indien 
gibt es gantze Berge von Chryſtallen / welches die Frantzoſen Chryftall 
de Roche nennen. In Schweden wird auch Chryſtall gefunden/ und 
ſehr vielverarbeitet. * ſetzen viererley Arten des Chryſtalls / 
als (1.) den gantz hellen / welcher wie Eys ausſiehet / und Chryftallis 
imontana oder Berg-Eröftallgenennet wird / (2.) den ſechseckigten / 
welcher Irisgenennet worden / weil er verſchiedene arben / wie ein 
Regenbogen zeiget ; wann man ihn über dad Auge Hält / und dadurch 
fiehet/ nicht anders als die dreyeckigte Glaͤſer / welche die Optici pri⸗ 
(mata heiſſen 3.) den gelbichten / und (4.) den halb runden / welcher un⸗ 
lenplatt / und oben gewoͤlbt / auch deswegen mie ein Brennglas zu 
brauchen ift/ uud weiler viel härter als die übrige, fo wird er vor den 

beften Chryſtall gehalten / und der falſche Diamant ober Pfeudo ada- 

mas aenennet. Mas vor artliche Sachen an Schaalen / Glaͤſern / 

Peudtern und Knopffen / 2c. aus den Chryſtall gemacht werden / iſt je⸗ 
dermann befannt. In der Artzeney hat er diefen Nugen/ daß / wann 
er im hihigen Fiebern unter die Zunge geleget wirb/er den Durſt ftillet/ 
und in der Hand gehalten / die Hitze vertreibet. 

Cryftalli Lunares. Silber» Ehryftallen/ tft eineChymifche Com- 
pofition, und wird ſonderlich sg die Waſſerſocht gebräunt. ; 

4 uber 








344 Cub Eun 


Eubeben/ Cubebz, feynd wohl befannt/ und etwas gröffer als der 
Diefter / kommen aus Indien / und feynd viel mit Gtengeln unter 
meugt / imübrigen fehen ſie den Pfeffer gleich/ und Haben einen ftar« 
cken Geruch / einige derfelben fcheinen/ als wann fie fchen einmahl waͤ⸗ 
ven ausgekocht worden / welches daher zu muhtmaſſen / weil die India⸗ 
ner nicht gernewollen / daß andere Nationen ſolche Cubeben nach⸗ 
bauen ſollen / weswegen fie dieſelbe auskochen / damit die beſte Krafft 
dabon gehe / kommen zu und in Saͤcken / und werden Pfund⸗weiſe ver⸗ 
Kauft. In denen Apotecken hat man aus den Eubeben das Confect 
mit Zucker / deſtillirt Cubebenoͤhl / welches aber ſelten gebrauchet wird / 
Species Dia Cubebarum, welche ſonderlich / das Haupt zu ſtaͤrcken / re- 
commendiret werden. Man bedienet ſich deſſen auch zum Meth. 

@uculitafativa, colocynthĩs ſativa, Kürbis. 

Cucumeris ſemen, Gurcken⸗Kern wird ſehr biel in Teutſchland 
hinund wieder gebauet / und ſo gar in groſſer Menge anders wohin 
durch Eee. berfandt.. Er mup rein / grob und ſchwer / dabey 
aber auch weiß ſeyn. Die kleinen Eucumern wohl einzumachen / fer 
ſie den etliche dad Gewuͤrtz mit den Epig auf/ gieſſen es zuſammen heiß 
auf gruͤne Gurcken / laſſen es einen Tag ſtehen / hierauf gieſſen ſie den 
Epig wieder ab / koch en deuſelben wieder / und procediren mit Kochen 
und Aufgieſſen etlichemahl / da dann die Gurcken lange Zeit grün blei⸗ 
ben / auch gefunder vor den Magen ſeynd. 

Cucumis aſininus, Eſels⸗Cucumern / wachfen haͤuffig in Welſch⸗ 
— her — die Wurtzel fol gut ſeyn vor die Waſſerſucht und 

eitenftechen. 

Cacupba, ein Kraͤuter⸗ Müplein / iſt eine trockene Arheney / fo aus 
groblich geftoffenen aromatiſchen Sachen / dad Haupt zu ſtärcken / ge» 
machtwird/ bisweilen werden ſolche Species auch eingenehet / und in 
fonderlich guten Waſſern geneget / alsdann warm aufs Hertz gelegt/ 
da man fie alsdann Hertz⸗Saͤckgen nennet / z. E, Herb, Serpill. Fol 
tofm. Rad, cyper rot, calam, aromat. à ı. Qyintl, Caryophyl. 10. 
gr. N.Mofch. Macium ä xvırı. Gummißenz. ı, fcrupl. Mofch. gr. vis 
incis contus, grosf, mod. D. s.Haupt⸗ſtaͤrckende Species zum Kräus 
tev-Wurslein. j 

Cucurbita, Kürbis iſt zweyerley / als gemeiner und falfchen Kuͤr⸗ 
bis. Die Blätter davon auf die Bruft geleget/ vertreibet die Mitch. 

Cullaca, v, Pinguiculæ. 

Cuminum, vide Ruͤmmel / cuminum pratenfe ‚ v.carum , cumi- 
num fativum Nöntifch Pfeffer / cuminum Athiopicum y. Ammi, 
cuminum Nigrum v. Nigella. 

Cunila bebalz. Origanum, 

Cunrads-Araut/ hypericon. 

——— Cupreſ· 


nt 3 | Tun u — — - Zi ⏑⏑— 


Cup Cym 345 


Cupreſſus arbor, Cypreſſen ⸗Baum. 

Cupreflus Herba, chamæcypariſſus Gtabwurtz-⸗Weihlein / der 
Saame davon dienetden Kindern vor die Winter. 

Cupreſſæ Nuces, Cypreſſen⸗Nuß. 

Cupreſſen / Wolffs⸗Milch / Efula cupreſſina. 

Cuprum, vide Kupffer. 

Curcas vel Ricinus Americanus. 

Curcuma feu Terramerita, Curcume iſt eine fremde Wurtzel / an 
Geſtaltwie Ingber / an Farb aber Saffransgelb/ wie ſie dann auch 
alſo färbet ; ſie wird aus Indien / woſelbſt ſie die Speiſe mit wuͤrtzen / 
zu uns gebracht / heiſſet auch ſonſt Terramerita oder Gelbſucht ⸗Wur⸗ 
bel / item cyperus vel crocus ludieus, die beſte muß ſchwer und in 
an Stuͤcken ohne Staubfenn. Sie ift den Schön-Färbern zu 

rauchen erlaubet/ weil fein tüchtigeres Ingrediens zu finden / welches 
die Farben / ſo da roht gemacht werden / es fen mit den Scharlach⸗ 
Körnern / wiedie Fransöfifchen Scharlachen / oder mit Cochenille / 
wie die Carmoiſin · Rohten / oder mit Erapp / wie die Crap⸗ Rohten / 
gelblicher/ heller und mehr auf Nacarat ziehend / als eben dieſes ma⸗ 
een könnte. Das Scheide: Baffer thut zwar eben dergleichen/ aber 
noch biel fchönere Wirdung an der Cochenille in der Hollaudifchen 
Sharlach: Farbe. Es wiſſen ſich deffen auch die Beder mit fonderlie 
en Rugen zu gebrauchen/ wird Pfund: mweife verkaufft. 

Cufcura — — Flachs-Seide / Todtern / die⸗ 
net vorBelb und Waflerfucht/ und waͤchſt faſt über allen Kräutern/ 
warn es auf Welſchen Dvendel wärhft/ heißt miaues Epithymum, wo 
aber auf Hyſſop / fo wird es Epihyflopum genannt. 

CyanusLychnis agria Baptifecula, flos frumenti , cianos ſylve- 
ftris montanus, fegetum repens latifolium, anguftifolium, Lychnis 
agria, Korn-Blumen/ dienen in den Augen⸗Kranckheiten / item vor 
die Waſſerſucht. Ä 

Cyclamen, cyclaminus,Panis Poreinus, Arthanita umbilicus Ter- 
ra; Erdãpffel / die Wurtzel treibet die Weiber-Zeit / zu Pulver ges 

macht / und indie Rap gezogen/ reiniget fie dad Haupt. Gie dienet 
auch vor die Gelb⸗ und SI er⸗Sucht; wann ſchwangere Weiber die» 
ſelbe innerlich gebrauchen / ja offt nur drüber hingehen / fo ſoll fieabor- 
tum verurſachen. 

Cydonia,cotonea malus, Obitten-Baum / man hat in denen Apo⸗ 
tecken die eingemachte Quitten den Wein / Rob, Diaeydonium,Opite 

ten⸗Marmelata, Miva cydoniorum ſimplex &c. vide Condita, item 
Confers. | . 
Cyma, cymæ, ſeynd die zarten Sprößlein an denen Gewaͤchſen. 


93 7 | Cym- 








346 Cym Cyp 


ö — — — — — — — — — — — —— — 
Cymbalaria, Enmbel-Kraut / (Maut vor den Fluß der Weiber / 
wann es friſch mit Salat gegeſſen wird. 

Cynogloffa, Lingua canina, Hunds · Zungen iſt eine Schmertz⸗ 
ſtillende Wurtzel / die Pilnlen de cynogloſſa, Neolai Prapoſiti, item 
pilulæ de cynogloſſa, cum caſtoreo, —* vor die Catharren / und 
weil ſie Schlaff bringen / berühmt. 

Cynesbatos, Rubuscaninus, Rofa [ylveftris, arvenfiscanina, Felde 
Kofen Heinhoͤcke / deſſen Fruͤchte die Hanbutten feyn / dienen wider 
den Stein und Nieren-Weh. Der Schwamm / der an dieſem Ge⸗ 
wachs waͤchſt / ift das vornehmfte Stüd der Eflentise Nephriticæ Jo- 
hannis Michaelis, die Würmlein/fo inden Schwammen feynd / zer» 
fr man in Eßig / und reibt die Schläffe damit / umden Schlaf zu 

rdern / dieconfervacynosbatos, velCynorrhodi {ft fehr nützlich / 
adDiarrhzam biliofam, und fühlet Fräfftiglich die erhißte Leber/ der 
Syrup dabon wird bon etlichen Syrupus Regius oder äurcus ges 
nannt. 

. Cypern-MOnrtzeln / lang und runde/R.cyperi'Longi & Rotun · 
di, Juncus qvadratusmilder —— kommt aus Italien / Syrien 
und Sure, fie will aufhigigen Erdreich gebauetfeyn / jedoch auch 
babey Maffer-Orter haben/ diefe Wurgel wird gern / fonderlich die 
runde wurmicht/ jie muß and) einen ſtarcken und Lieblichen Geruch ha⸗ 
ben/ ift entwederbitter oder füß/dieGüfle entweder ſchimal ober breits 
blätterigt/ beyde Wurgeln dienen den Haupt / Magen und Bruft/ wie 
fie dann unter mancherley Compofitiones, und fonderlich unter Haar⸗ 
Pulber genoren werben / einige nehen folche den wilden Calg ant. u 
denen Material-Ranmern findet man die Knoͤpffe bon der runden Cy⸗ 
pern⸗Wurtz feparivet: dielange bienet den Parfumirern zu denen 
wohlriechenden Romaniſchen Handſchuen / die runde aber wird / weil 
fe temiperirter als Die lange iſt / auch zur Artzney / und infonderheit 
unterdie Bifft-treibende Mittel gebraucht; bende Wurgeln verrie⸗ 
chen bald/ wann ſie nicht fleißtg in Schachteln auf bewahret werben. 

Cypreflus Herba, Chamz cypariflus, Santolina altera , Abrota- 
num foemina, Abfynthium Marınum, Garten⸗ Cypreß / kommt dem 
Kraͤfften nadgge den Stabwurtz überein / und wird meiſtentheils in 
DBerftoi Leber — t / ed iſt auch kraͤfftig / den weiſſen 
Weiber⸗Fluß zu daͤmpffen. 

Epypreffen · Zoltz und Nuͤſſe / der Cypreſſen ⸗ Baum waͤchſt nicht in 
Teutſchland / auch nicht viel in Italien / aber in Creta iſt er fo gemein/ 
als bey und die Eychbäume ; Erift groß und ſtarck / und trägt feine 
Zweige alle oben/ dreymahl des Jahrs hat er feine Zapflen oder Ruͤſſe / 
die aber wenig abgehen/ und felten gefucht werden. 

SCyprinus, ein Karpe / iſt ein bekannter Fiſch / ſie werden unterſchie⸗ 
den 






Cyſ Dan 47 


den in Cyprinos fluviatiles, Strom-Karpen/ LacuſtresSee⸗ Karpen/ 
und Pifcinarum , Teiche Karpen / nad) ihre Groͤſſe und Alter aber in 
Cyprinos admilfarios, Saanı-Rarpen/welce annsch tn ihren Wachs· 
tham begriffen / und zwar nennetman Foetum annuum , den jährigen 
Strich oder Setzliuge / hierauf kommt der 2. oders. jährige Strih / 
{m dierten Jahr werden ſie erft Karpen / und folgends Cyprini maxi« 
mi, Carpesd’ Orees, Haupt · oder Spiegel · Karpen genannt. 
Cyſteolithum, vide Schwammen / item Schwammenſtein. 
. Cytini v. Granata. 
Cytifas Maranthz, Geigklee / ein belannt Krant / die Blätter küh⸗ 
len / und ſeynd fehrdienlich vor das Hufft · und Glieder · Weh. 


D. 


Achs / Taxus Mele⸗, ein bekanntes Thier / das Fett dabon wird 
in denen Apotecken gebraucht. 
Daculus, Datielbaum / vide Datteln, 
Dalmatif her ut / Tulipa, Lilio Narciffus, 
— — Violen / Iris Dalmatica major. 

Damaſeener Klingen / werden ihrer trefflichen Haͤrte "2 / und 
weil fie gleichfam ais parfumirt riechen hoch gehalten. Diefe Art 
von Arbeit/ welche die Italianer (eben mie Marqvereric) Tauſiam 
niennen/ weiledeine Art bon der Mufaica ift / ziehet ihren Urfprung 
aus der Stadt Damafco, wofelbft ſie fehr ſchoͤn gemacht / und mit Aras 
Bifchen / Mohrifchen und Grotesquen Zierrahten außgezievet wird, 
Zu diefen unfern Zeiten macht man nicht altein Degen-Rlingen / fon» 
dern ganze Harniſche / Degen- Gefäß und dergleichen davon / und 
awar auftolgende Manier: Man fchneidet mit einem Mefler / mit 
welchen man fonft die Fleinen Feilen ſchneidet / in das Eifen / foman 
damafquiniren will / klopfft hierauf in das Eingeſchnittene einen Bold» 
der Silber-Drat/ und arbeitet es ferner aus nach der Kunſt. 


Damafcener Rofen/ Lychnis Coronaria, Thryallis. 
— — Teäublein/uve paſſæ, Zibebæ. 

— — Zpgetſchken / Pruna Damaſcena. 

— — Rarden-Saamen / Melanthium Damafcenum qrar- 
tum. | 

 Damafonicum, vide Armica. 

Damaft iſ dreyerley / als Seiden / Wollen und Leinen / die erfte 
Art wird gar ſchoͤn und ſchwer in talten/ die andere und dritte Art 
aber inunferm Zeutfchland verfertiget. Vonden Geidenen Italia⸗ 
niſchen Damaſt — nach Moſcow / ——— von dannen auch 
biel Mofcomitifcher und Perſianiſcher ZDauluſt wieder heraus / F— 
his \ er 








348 Dam Dän 


aber ber weiten nicht fo ſchoͤn von Couleur und Facon ald der Jealide 
nische ift. 

Damyritz/ Dama. 
Daͤniſche Waaren / beftehen in allerhand Korn / bon Roden/ 
Maigen/ Gerften und Habern / sc. in einer unzaͤhlbaren Menge Vie» 
he / wie dann jaͤhrlich den Zoll-Negifter nach / allein aus Fütland über 
70000. Stüd/ aus dem gantzen Königreich aber ( zu welchen auch die 
Inſul Bornholm mit gerechnet wird ) über 100000, Stück Ochſen 
ausgetrieben/ und nad) andern Ländern verkauft werden / ohne was 
es noch für geſaltzen Fleiſch / Talch oder Unfchlit/ Butter und Kaͤß / 
voraus aber an friſchen / geſaltzenen / getruckneten und geraͤucherten 
Fiſchen ausgibt / deren Menge ſo Benin Yalburg allein vielSchiffde 
Padungen voll davon in andere Länder verfendet/ und die Hiftoria oh⸗ 
ne dem nicht unbekannt ift/ daß einsmahl bey einer Berfanmlung un⸗ 
terſchie dlicher fremder Abgefandten in Rom/ bey welcher ein jeglicher 
feines Principalen Macht/ Reichthum und Ehr hoch heraus geftrichen/ 
der Dänifche endlich mit Grund der Wahrheit von feines Hetru 
Reichthum geruhmet / daß / wann alle der andern Gefandten ihre 
Herren Principalen / alle Bäume / ſo ſie in ihren Rändernhätten / zu 
Schuͤſſeln machen liefen / fo wäre doch fein König capabel, ein jede 
derfelben mit unterſchiedlichen Arten Fiſchen anzufüllen. Sieber eini · 
gen Jahren her/ hat ſich auch durch die Preißwuͤrdigſte fandö-viter- 
Hiche Borforge/ Schup und Befchirmung der Dänifchen Monarchen, 
fouderlich aber Königs Chrittiani V. Gottfeligfter Gebächtnif / und 
dann auch Geiner jeptregierenden Koͤnigl. Majeft. König Friderici 
W. die Oft-Indifhe Compagnie dermaſſen aufgeholffen/ daß ſie nun⸗ 
mehro fchon jaͤhrlich e bis 3. Schiffe nad) Oft- Indien zufchiden/ und 
auch eben fo viel zur Retour bekommen kan / weldye faft eben derglei⸗ 
chen Waaren / als die Englifhe und Holländiſche Oſt-Indiſche Re- 
tour-Sciffe an Gewuͤrtz / Drogviftereyen, Coton · Waaren / Porce- 
lain. Seide und andern Raritaͤten mit nach Haus bringen / wie ſolches 
aus folgender Specification (bey welcher zugleich die Conditiones mit 
angefüget feyn/ welche die Oſt⸗Indiſche Compagnie bey der Auction 
folcher Waaren/ denen Kaͤuffern ertheilet / zuerfehen ift: 


CARGA, 


Der Waaren / fo den 2. Junii 1694. mit den Retour- 
Schiff / Chriftianus Qyintus, für der Daͤniſchen Oſt⸗Indiſchen Coma 
yagnie ift ankommen / and durch öffentliche Audtion nechſtkommenden 

9. Juli aufder Börfe In Copenhagen / auffolgende Conditiones 
a ‚berfaufft worden: 


Alen 


Daͤn — 349 
Allen Ein · und Auslaͤndiſchen / fo entweder groffe oder kleine Parteyen 


an ſich zu erhandeln willens / zur Nachricht. 

1. Alle Waaren / fo auf dieſer Auction erkauüfft werden / genieſſen gegen 
Erlegung ein pro Cento Zoll / freye Ausführ ; Jedoch daß ſolche in» 
nerhalb s. Wochen ausgeführet werden: welche aber Bier im Lande 
canfumirt/ dabon ſoll / nebenſt dem Preis der Waaren / der Zoll mit 
zwey und ein halb pro Cento bezahlt werden. — 
2. Bey Annehmung der Waaren / fo auf der Auction erkaufft werden / 
fol einjeder vor deren Auslieferung füch fchrifftlich erklaͤhren / ob di 
felbe verfandt oder aber ‚hier confumirt werden follen ; Was dann 
davon ausgefhiffet wird/ darüber kan ein Beweiß von dem Compa⸗ 

nie⸗Haus genommen/ —— aber / was hier im Lande verbleidt / 

oll nebenſt Bezahjung der Waaren / auch der Zoll / wie vor gedacht / 
entrichtet werden. 
3. Die Waaren ſollen in gewiſſe Parteyen auf die Audtion gefeget und 
verkaufft werden. 
4 Was das Kaufen und Bieten auf die Waaren bey der Auction 
anlanget/ mag foldes Schilling weiß gefchehen/ auch mit gangenund 
halben Schilling zugelegt werden. | 
s. Alles was auf der Auction gefaufft wird / fol gegen Annehmung 
der Waaren mit grober Ming contant bezahlt werden. 
6. Wegen contant, wie auch prompter Bezahlung / foll der Käuffee 
2. pro Cento genieſſen: Doc) nur allein zu becftehen von Parteyen/ 
Die ich über soo. Rthlr. belauffen/ und wird vor prompte Bezahlung 
gehalten/ wann man das Bekauffte innerhalb ı4. Tagen / von dato des 
Kauffs/ bezahlet. 
7. Die Waaren / ſo auf ſolche Art aufder Audion gekaufft werden/ 
follen ſtrack nach gethanen Kauff / auf Begehren geliefert/ und was ge⸗ 
kaufft / vor s. Wochen Verlauff / abgefordert werden. Gofernaber 
diejenige/ fo einige Parteyenanfich erhandelt / innerhalb bemeldter 
Zeit ſolche nicht abfordern / follen die Waaren zum andern mahl aufs 

eboten und verkauft werden; Auch mas in ſolchem Fall geringer Vet 

aufft wird / ſoll der erfte Kaͤuffer mit alen Unkoſten und Renten / ſtrack 
zu bezahlen ſchuldig ſeyn / mas fie aber hoͤher gelten ſolten / berbieibet 
der Compagnie. —— | 
8. — und ſpecie Rthlr follen für s8. pro Cento angenommen 
werden. 
25855. Pfund Galpeter. 61504, Pf. Caliaturen-Holg. 
63402. Pf. Pfeffer. 1 ss69. Pf. Barri Burri, 
42855. Pf. Chineſ. Puder⸗Zucker. | 478, Pf. Cattichod Bengalen, 





6644. Pf. Bengalifch dito, 1360, St. Rottingen, 
10600. Pf. Zucker⸗Candi. 


217, 








go Daͤn 
5. Pfund ungefponne Ehinefi- | «580. St. lano Comprido. 
fhe Seiden. 8080, St. Salempuris, 





106, &t. — oder grob Lein · 
wand. 

sro. St. entzele Catuns Schnup⸗ 
Tücher 


314. &t. Madrepax. 

71. &t. Rollades. 
106, Gt. Pawiljons Kletges. 
ug. St. Taffta de Bengalen. 





99. St. dito zu einer Prob. 16. St. Lungis. Ä 

5590. St. Catuns Hals⸗Tuͤcher. | 260. St. Seiden Tochifer, 

745. Gt. Pane Siale, | ꝛ5. St. entele —— Sei⸗ 
792. St. Parcal. dene Schnup⸗ Tücher. 


— letzteren Kriegen hat ſich auch die Weſtliche Handlung / wel⸗ 
e ſonſt die Teütſche See⸗Gtaͤdte ſehr ſtarck getrieben (dev freyen 
Zahrt wegen / welche die Daniſche Unterthanen unter * Monar⸗ 
gm Protection genoffen) nad) Daͤnnemarck gezogen / alfo dag dieſes 
nigreich — Gee-Städten an Sranpöhfehen und Spanifchen 
Waaren / ald Wein/ Salk/ und Früchten/ x. mitteilen koͤnnen was 
fonft Hamburg und Lübeck nach Dännemard zu ſchickten pflegten ; 
Sic enim foler effe viciſſſtudo rerum. Gleichergeſtalt — au 
die Manufacturen in Daͤnnemarck treflich zugenommen / ſonderli 
feither der Zeit / daß ſich biel Reformirte Frantzoſen und Teutſche 
Kauff⸗und Handwercks⸗Leute in Copenhagen niedergelaſſen / alſo / daj 
die Einfuhr tremder / ſowol Seidener als Wollner Manufadturen da⸗ 
durch einen groſſen Stoß bekommen / nur iſt das Zoll⸗Weſen nicht ale 
lerdings wohl proportioniret / wiewol auch darinn mit der Zeit eine 
Veraͤnderung zu hoffen ſtehet. Wann man auch die loͤbliche Regie⸗ 
sung eines Regenten aus guter Juſlitz / reinen und ſichern Landſtraſſen / 
und tüchtiger Münge erkennen kan / fo hat ſich gewißlich Daͤnnemarg 
bor andern Laͤndern desfals gluͤcklich zu fhägen / als welches nicht al⸗ 
lein Einheimiſchen und Freniden / ohne Auſehen der Perſon (in dem 
gährlich eröffneten fo genanuten hoͤchſten Bericht / in welchen der Kö⸗ 
nig felbft in eigener oe Perfon præſid ret) prompte und gute juſti 
wiederfahren Läßt/ fondernaud das Muͤntz-Weſen quf fo guten Fu 
eingerichtet; dag fü in keinem Sande purere und folidere Müngs 
Sorten (welche beftändig bleiben / und Eeinen MWechfel-Corruption 
oder Veränderungen unterworfien feynd) als in Dännemard anzu 


treffen. | 
Die nach dieſem Reich gehende Waarenfeynd Saltz / Wein/ Oel / Ge⸗ 
würg/dielechand Wollene und Seidene / auch Eifernund Hoͤltzerne 
Manulacturen / viel ͤrnberger Kram⸗ Waaren / Schleſiſches Lein · 
wand / Bley / Fenſter⸗Glas / Hopffen / Papier / Brauntwein / Wein ⸗ 
Efig/ Toback / Pflaumen und dergleichen. 

| Ach 


Dän 5i 
Weil au in Dännemaret ein Herr über die Aroffe Juſul 
Runde und in&openhagen eine eigene Islaͤndiſche Octroyrte 
ee gerichtet ;. ald werben jährlich viel Schiffs· Ladungen 
an sSchaaf⸗Fleiſch / Fiſch⸗Waaren / Trahn / einiger Mine- 
rlien und Talch / ſonderlich aber grohe Wollene Manufacturen / 
an Struͤmpffen / Decken und Haudſchuhen / nad) — / und 
von dannen weit und bereit herum nad) der Oſt⸗See gebracht / und 
daſelbſt verhandelt. Die vornehmſten Kandeld-Gt die in Dännte 
mare feynd Eopenhagen (deffen Situation zur Handlung wegen der 
in Weſt ⸗See / zwiſchen welchen es lieget / ihres —— in der 
It nicht Hat) hiernechſt Flensburg und _—. bie Binuenläns 
difche Städte; und in Holſtein Glůckſtadt und Altona. 
Die Mföngenin Dännemard/ nach welchen Büch und Rechnung ge» 
halten wird/ ſeynd ſchlechte Thaler / Mard und Schilling Daͤniſch: 
1, Reichöthaler hat 6. j. Dänifch oder s Mard Daͤniſch. 
1. fihlechter Thaler oder Dänifche Erone iſt 4, B- oder s4. j Daͤniſch. 
„doppelte Krones.. — Daͤniſch. 
Eine halbe 2.9. oder 32, $. Daͤniſch. 
1. Keichöortz4.$. Ein Reihömard 20. # 
». fo genannter Chraͤer / welcher vorhinz. ». Daͤniſch gegolten / gilt 


i 
, nd Shtefblatt gemüngt zu 2. 8. Lubſch oder 4.h. Daͤniſch / gilt 


i. Witt. 
„ Mardftüc gilt 16. j. Daͤniſch / ein halbes 3.8. Daͤniſch. 
3. —— ſo — weil 3. Stuͤck aufi. . Daͤniſch gehen / gilts.. 
an 
1. Daͤniſcher / Siaciß ddter und Gottorffer Duͤtgen gilt / folgends Koͤ⸗ 
ne. — Ao. 76.dei3o, Maj. und Ao. so. den 10. Fe- 


6 ß. 

1. — und auslaͤndiſcher Duͤtgen gilt Pace Königl. Verord⸗ 
nung bon Ao. 80. den 10. Febr. nur 5. Dän \ 
1. Schilling iz. Wittoder 12.8. 2 no. u}. Lübſch. 

. Conrant- Thaler gilts. H. oder so. 

1. Ducaton 7... 10. f, courant Beldy1. Real Albrechts oder Creutz⸗ 
Thaler s.B. 2. j. courant Geld / es iſt aber hierüber nachzuſehen 
die Koͤnigl. Verordnung vom 26. Febr. Ao, 1637, 

1. Holſteiniſch 4. B. giltsz. * — * gilt 28. $. Daͤniſch / vide Ks 
nigl. Verordnung hom 30. A 

1. ganper ver ee a haler * 3. EN Dauiſch/ ein — dito 24. f. 


nacht —— sh - 
Ders 








352 Dan 


Dermöge Rönigl. Berordaung vom s. Mart. Ao, 75. ſeynd alle gerin⸗ 
gere fremde Mungen gantz abgeſchaffet und verboten. _ 

Die Daͤniſcho Mas und Gewiche iſt unter den Wort Maaß und 
Gewicht zu erfehen. | ” 

Danngraß / Poliganum. 

Dangiger Waaren ſeynd mehrentheils diejenige / die aus Poh⸗ 
fen den Weichſelſtrohm herunter kommen / hernachmahls bon den 
Dansiger Kanffleuten aufgekauft / und an die Engeländer und Hole 
fänder/ Hamburger / Lübecker und Brehmer wieder verfaufft wer- 
den/dergleichen ſeynd num allechand Korn / als Waitzen / Rocken / 
Bärften/ Habern/ Erbfen und Buchwaitzen / ferner rohes Ochfen- Les 
der/ vielerhand Wolle/ als Pohlnifche Sommer⸗ und IRinter- Wolle / 
ein und zweyſchurige dito, Wachs / Honig / Pattafche/ Anis/Kümmels 
Pflaumen / Talch / Galmey / Federn ꝛc. Die Stadt Danzig ſelbſt gibt 
aus viel rohes und zubereitetes Ochſen⸗Leder / von denen Ochſen / die 
daſelbſt gefchlachtet werden / und iſt ſonderlich das Dantziger Sohl⸗ 
Leder beruͤhmt. Ferner findet man auch guten Korn-⸗Branntewein 
und allerhand Art Aqvaviten/ unterfchiedliche Arten Wollene Stoffen. 
Hingegen werden wieder nach Danzig hingeführet allerhand Farb 
Waaren / als Cochenille/Indigo, Lauro, Qvatimalo, Jamaico, Cari- 
bis,biaue Farb / Breßlauer Roͤhte / Braſilien⸗Holtz / Crap / Alaun/ 
Smack / Abeyd/ item allerhand Gewuͤrtz / als Muſcaten⸗Blumen und 
Ruͤſſe / Raͤgelein / Zimmet / Cardemomen / Ingwer und Pfeffer. Viel 
Drogviltereyen und Material⸗Waaren / als Coffe⸗Bohnen / Brunel« 
len / Cubeben / Amydom / allerhand Art Toback und Tobacks⸗Blaͤt⸗ 
ter / Aniß / viel Hut / Poudre-und Candis⸗Zucker / Roſinen / Eorinten/ 
BaunsDel/ Syrup / Feigen / Gallaͤpffel / Limonien Mandeln / Cap 
Be Dliven/ und endlich viclerhand andere Waaren / als Engliſch 

der/ Juchten / Baumwolle / Engliſch Zinn und Bley / Islaͤndiſche / 
Fiſch / Schwediſch Eiſen / Hering / Saltz fomelSpanifd) als Franſ 
und Luͤnedurger / allerhand Wein / als Rheiniſch / Spaniſch / Franf 
und Branntwein / Eßlg / Trahn / Theer / Franſch Glas / und allerhand 
Krahm⸗ Waaren / viel feine Hollandiſche und Engliſche Tücher / Sei⸗ 
dene uud Wollene Stoffen / Lüͤbiſch Bier / c. 
Der Einfluß dis Weichſelſtrohms (welcher Dantzig fo viel Korn aus 
Pohlen zufuͤhret /) in die Oſt⸗See / geſchiehet etwan drey viertel Meil 
bon Dangig / bey einer ziemlichen Veſtung / welche den Hafen oder 
die fo genannte Weichſel-Muͤnde commandiret ; In Diefe Veftun 
wird niemand ohne des Hn. Præſidentens in Dantzig Ordre elngelaſ⸗ 
fen. Es iſt auch dabey die befaunte Schante/ die Laterne genannt/auf 
welche bey nüchtlicher Weile eine brennende Laterne / denen in der 
See ſchwebenden Schiffen zur Rachweifung ausgeſtecket wird. 


Dan Dar 353 
— — — u — 
m̃aaß und Gewicht in Dantzig betreffend / fo thun 100, Amſter⸗ 
damer Silennzz- ElenDangiger/und 100. Dangiger ungefehr sp, 
Ellen Amfterdamer. a 
1. Laſt Flachs und Hanffift zu Dangig so. Stein oder 2040. Dante 


ger Pfund. 
a —* Honig / Meht / Bier und Aſche / haͤlt die Laſt i2. Faß / 
a r 


618. Faß. | 

. Laſt Koden iſt iz. Schiff · Scheffel oder Schiff-Pfund. 

. Soft Waiten ı5. Schiff ⸗Scheffel. 

. Dantiger Laft-Rorn wiegt 4245. Amſterd. und sıoo. Dantziger TB. 

. Dansiger Schifflb. wiegt340. Dansiger Ib. oder 10. Stein / deren 
jeder 34. Tb. hat. — 

». Dantziger Laſt Waitzen wiegt 440. Pfund. 

Die Roͤcken⸗ Laſt in Dantzig / wird gegen 10. Setiers, Parifer oder 9, 
Boifleaux Bourdeauxer Maaß gleich gehalten. ı 
Die gangbarfte Muͤntʒ⸗Sorrten nicht allein tn Dantzig / fondern auch 
- er Preuffen feynd / die Reichsthaler / Pohlnifche Guͤlden und 

vofchen. Ä 
1.Rthir. hatz. Gulden oder so. Pohlniſche Groſchen / welches eben fo 
viel ald Reichs⸗Creutzer ſeyn. : | 
2. Pohlnifcher Gulden hat 30. Grofchen. : 


Dantʒig und Koͤnigsberg und andere Preufif. Städte wechſeln 
Auf Anıflerdam und geben z20.biß 230. Groſchen / bor 1. Ib. Flaͤmiſch 
oder 125. biß 130. Xthlr. Vor 100. Rthlr. Banco. | 
Auf Hamburg 90. bis 1, Groſchen vor 1. Rthlr. von 48, Schilling. 
— Franckfurt so. bis 100. Groſchen vor :. Rthlr. bon 90. Kreutzer. 
— Rürnberg so. bis so. Brofchen vor 1. Fl. bon so. Kreuger. 
— Berlin 100, Rthlr. dor 104. Rihlr. 
Daphnoides, Mezereum,. | 
Dardanarius, Spentagolus, Pantopola, Panta metabolus, Seplafia- 
rĩus Danifta, Flagellator Annonz, ein Korn⸗Jud / Geitzhals / Schin⸗ 
der / Wucherer / der Korn und andere Lebensmittel hinterhaͤlt / auf⸗ 
kaufft und verbirgt / damit er nur eine Theurung erwecken / und als ⸗ 
dann feinen Vorraht deſto theurer berkauffen moͤge / alſo kauffte cher 
mahls Thales Mileſiu⸗, einer aus den ſieben Weiſen ausGriechenland / 
Cals ihm vorgeworffen wurde / ed fuͤhrte ja die Philofophie nichts als 
-fauter Armuht und Dangelben ſich) alles Del auf / weil ed wohlfeil 
war / nachdem er hermistelft feiner Altrologıe gefehen hatte / daß es 
FZünfftig Jahr ſehr theuer werden würde / und berfauffte es als dann 
‚mit groffem Gewinn wie der / wodurch er bemweifen wolte / bapes einen 
Elugeu Philofopho wieuahle/ wann er 3 ſelbhſt wolte / gu Geld * 
— ge 





x 


— — — — 





354 Dar 

geln koͤnnte. Ein andererthat ein gleiches mit allen Eiſen / daß er zu 
Syracufa fand / als ſelbiges nun alles in feinen Haͤnden war / und ſo 
leicht Feine Zufuhr zu vermuhten / muͤſte man ihm dafür geben / ſo viel 
er haben wolte. Ferdinandjıs Koͤnig zu Neapolist, ſoll ſolcher geſtalt / 
sie Cominæus de Bello Neapolit, & Rodin.z, de Repub, cap. :. bon 
ihm ſchreibet / mit den Waigen undDelein Monopolium angefangen 
fich aber dadurch in äufferfien Haß bey Fremden und Ginbeimifchere 
gefeget haben. Mit welchen überein fommt / wann bald diefe bald 
jene Obrigkeit die Brau-und Backhaͤuſer ſelbſt berleget und die Un» 


‚gerthanen zwingen will/ von ihren angerichtetenSschenden und Braue⸗ 


reyen allein und fonft nirgends Bier zu nehmen / da dod) foldes ein 
* Kauff ſeyn folte/ vid. Rauchbar qvafi.jur, part.1. q. re 


- Rot. deeif, 14. dannenhero in den Reichs⸗Abſcheiden zu Abſchneidung 


Wucherlichen Geſuchs / und dannenhero erwachfener Steigerung und 
Auffchlag in Wein und Früchten/ heilſamlich und erfprieplicher wei 
aller Vorkaufft verboten/ und welcher Fruͤcht zur Erndte-Zeit/ um ſol⸗ 
che wieder zu verkauffen / aufgeſchuͤttet / oder Wein zum Uberfluß eine 

eleget/ zudem Ende/ J er dasjenige/ was er un z. Denar. gekaufft / 

ernach um 4. oder 6. wieder verkauften möge/ derſelbe folte als ein öfr 
fentlicher Wucherer gehalten/ und von der geift-und weltlihenObrig- 


eit beftuaffet werden/ vide Lehmanni Speyerifche Chronicke / lib. x. 


eap.z9.art,n. Hingegen hat damahls zulaͤßige Nahrung geheiſſen / 
wann einer zur Nohtdurfft einen Vorraht in feine Haushaltung ge⸗ 
ſchaffet / deſſen aber hernach nicht noͤhtig gehabt / ſondern um billigen 
Preip wieder hingegeben / und alſo in ſolchen Einkaufſen ſich und die 
Geinigenerft ſelbſt / und dann auch feine Mit-Bürger als Chriſtlich 


and geziemlich in acht genommen. Die Straffe / welche in Kechteh der- 


gleichen Korn⸗ Juden dietivet worden / ift die Confifcation ihrer Bü- 
ter/ Sperrung ihrer Handlung/ auch wol gar nach Befchaffenheit der 
Sachen die Berweifung / . um. 8.fıqvisC.de Monopol, fo gar/ daß 
auch die Richter / welche mit ſolchen Monopoliften durch die Finger fe» 
hen / um 40. Pfund Golds geſtraffet werden/ per d.1. un. 8. catera- 
zum Cod, de Monop. die Korn» Fuden aber infonderheit um ꝛo. Gold ⸗ 
Bülden/1.2.8.2.F.adl.Julian.de Annon. Inder Frandfurter ver» 
befferten Policey- Ordnung bon Ao. 1577. tit, is. —*— daß ſolche Auf⸗ 
kaͤuffer oder Aufſteiger die Haupt-Summam verlieren / und darzu 
bon der Obrigkeit ex officio , nach Geftalt der Sachen an Ehr und 
But foltengeftvaffet werden: wann aud die Obrigkeit ſolches nicht 
thun würde / folte dev Reichd-Fifcal dahinter hertommen / Policey- 
Ordnung de Anno 1748, Tit, de Monopolia betreffend/ und die nach⸗ 
ßige Obrigkeit um 100. Marck loͤhtiges Golds geſtrafft werden. 
‚Ein mehrers Hiervon vide heym Marqvard, de jure Mereatorum 
lib, 


— — rn — un 


€ 


- ein, Judien die Krafft au ſich heben jeden} das mau damit — 
4 en 


Dar Dat 355 
Kb, 4. cap. 6. de Monopolio illicito, Item in dieſem Buch unter 
dem Wort Korn. . 
\ - Dardanellen, die beyde Meer-Schlöffer oder Caſteeln Seſtus und 
Abydus ame / an der Meer:Enge des Hellesponts erbauet / wel⸗ 
cher daſelbſt fo enge iſt / daß man auch denfelben vor Zeiten mit einer 
Ketten zufperren pflegte: Solches Fretum oder Meer-Enge wird 
bon denen rang tt Les Dardanelles genannt/ von welchen man alle 
Schiffe / fo nad Eonftantinopel wollen / beftveichen fan. Wann ein 
Epriftlih Schiff 100. Goldgülden verzollet / wird es frey paflivet 
doch dürften nicht mehr als s. aufeinmahl durchfegeln / im Ruͤckweg 
abermüflen ſie vor gedachten andern Eafteel Abydus anländen / und 
3. Tage dafelbft verharren / in welcher Zeit alles vihtivet wird / obete 
wanentlauffene Sciaven oder contrabande Maaren dariun einge 
ſchiffet feyn / daß alfo diefe Dardanellen ein trefliher See⸗Paß ſind / 
‚an welchen dem Tuͤrckiſchen Reich ein groſſes gelegen. 
Darmgicht⸗Kraut / Pilum fylvellte Pannonicum. 
Darm» Silber vide Seiten, 
Dartteln / Dactyli feynd nunmehro in Teutſchland wohl befannt/ ſie 
wachſen aber nicht darinn/ fondern fommen aus Italien / ehe die Date 


teln blühen / feynd (le gleichfam in groſſen Scheiben / Spathis oder 


Thecis verfchloffen/ die zu ihrer Zeit aufbrechen / alsdann gehet erſt 
die Blühte herfür/ hierauf folgen die Früchte / die am ſchoͤnſten im 
Africa zu haben / auch in Ofl-und Weſt⸗Indien / woſelbſt ein Tranck / 
Vino de Palma genannt/ davon gemacht wird Alten ein gelb dick ge» 
—— Oel / es muͤſſen aber die Datteln ſchoͤn grob / bolllommen 

y Fleiſch / und gleichſam ſpeckigt ſeyn. 

Datteln⸗Baum / Palma minor. kumilis, Palmites, der Feine oder 
niedrige Palm-Baum / der in unfern Luſt ⸗Gaͤrten fortlommet und 
blühet/ Palma Major dadtylifera , derrechte oder wahre Dattelbaum 
hat zu feinen Baterland Syrien/ Arabien/ Egypten und Palaͤſtina A 
sie dann auch die Stadt Jericho daher den Nahmen dev Palmen 
Stadt erlanget hat / fiehe dass BuhMof. am za. Cap. im;.v. Zu 
Rom ſoll vor Zeiten die Gewohnheit geweſen fenn/ dap man zum neuen 
SahrSparhalion Caryotarum, eine Palm-Scheidemit heraus han⸗ 
genden Datteln ſchenckte / wiewol folches nur ein Gefchend vor die Ara 
wien war/ danuenhero auch Martialis ſchreibet: J— 

Aurea porrigitur Jani Caryota calendis 
Sed tamen hoc munus pauperis eſſe ſolet. 

Datura Indica, ein Oſt⸗Judianiſches —2* fo mit unſern Stra· 
monysfehr uͤbere in lommit / feine Früchte eye ſtachlichte Nuͤſſe / in 
welchen braune Saam- Körner in Linfen-Gröffe enthalten ſeynd / wel⸗ 


— 





56 Dau Dee | 
Menfchen gang dumm und ſchlaͤfferig / gleich ald wann er Opium ein⸗ 
genommten/ machenkan. 
DauciCretici ‚feu Noftratisfemen, Eretif, Bogelnefter-Saamen/ 
4 kommt über Benedig / muß —* / vein / ohne Staub und grob von 
un Gaumen feyn/ and) einen ſtarcken Gerud) haben. Das Del davon. 
' iſt gut vor den Stein/ der Saame / welcher ig Teutfchland auf dem 
J 





Alp⸗ Gebirgen waͤchſt / kommt an Tugenden den Cretiſchen nicht bey 
Dielweniger der zahme und wilde Moͤhren⸗Saame / welcher bey nn 
m häuffig zu finden / —— en nur der Cretiſche zum Theriac ge⸗ 
Ni ſuchet wird/ wann man ſolchen nicht wohl haben kan / ſo kan derjenige 
Vogelneſt ⸗·Saame / der in Italien waͤchſt / an deſſen Stelle gebrauchet 

werden. In denen Officinen wird dieſer Saamen unter die4. Heine _- 
warme gerechnet. Die Engelaͤnder vermiſchen ihr Bier. mit den 
Gafft Dauci fylveftris, und ziehen alödann felbiges andern artzeneyli⸗ 

! chen Bieren weit vor / fonderlich/ weiles vor den Stein praferviren/ 

und denfelben zermalmen fol. 

F Daurant, Dorant, vide Anthyrrinum Eu 

Dealbatio , Weißmachung / ald wann man die Zähnemit Zahm 

Ä Pulber / oder Rupffer und Meping mit Queckſilber weiß machet. _ 

— den Liqrorem, der über etwas ſtehet / durch die Nele 
gung abgieſſen. 

Becoẽthm, ein abgeſottener Tranck / ſolcher wird aus Holß / Sage 
men / Wurtzeln / Blätter und Bluͤhten gemacht / wann nemlich ſolche 
Species mit einer genugſamen Qantitdt Waſſers abgeſotten werden. 
Die Decocta, welche man in Practica gebrauchet / und welche gemei⸗ 
Es niglich Apozemata genannt werden / werden infonderheit aus Kraͤu⸗ 
J tern / Wurtzeln und Rinden bereitet / doch thut man auch je zu weilen 

etliche von den Mineralien und Thieren darzu. Der Liqvor, in wel⸗ 

chen ſolche Decocia geſotten werden / iſt Brunnen-oder Regen⸗Waſ⸗ 

ſer / wie ſolches aber nach der Kunſt — — davon befieheSchröderi 

vollſtaͤndige Apoteck / lib, 2.0.49. Dieheutiged Tages gebräuchlich“ 

ſteu Decocta ſeynd· Deeodtum alterans, Alterir-Decodt, ditopro Ma- 

9 giftrato, Contra anafarcam Becky, wider die Waſſerſucht / Deco- 
u ctum aperitivum majas, dito in der gelben Sucht / dito cum Cauma- 
J te Viſcerum, dito contra arthritidem wider das Zipperlein / dito im 
N Arthr, Vaga Scorbut. dito Cephalicum Haupt ⸗Decoct, dito Decodtä 
Carminativi, Decoctum emolliens pro Cliftere, Cordialedecodtum, 
deco@tum confortans & corroliorans, dito confolidans, dito in Ber» 
pfluhg/ decodtum epatis vituli, decoctum expulfivum , alöfreie 
endes Decolt inder Peft und böfen Fiebern / dito in Kinded-Blat« 
teru und Flecken / dito in hisigen Fiebern / Decoct. florum & frü- 
Auuni, decoct. Hyfterisum Mutter· Decoct, decoct. ingraflans, dito 
‚majale 


— — — 


— —— 
— — 
= — — — 


Deg 357 
smajale, dito fanguinem purificans & pro prafervatione, dito {if 
sHerftopfften Monat: Fluß / decodt: in mixtione,, Cruenta in Blut⸗ 
Sarnen / contra Luem gallicam wider die Frantzoſen / decoct. Pe- 
Storale in Bruſt⸗Beſchwerden / dito in böfen Huſten / aus Hemoptyſi 
errit einer groſſen Hitze des Bluts / decoct. contra Phtifin, decoct. ad 
Renum dolorem & exulcerationem wider die Rieren⸗Schmertzen 
und, Schwerung/ decoct. Qyercetani purgans er deligatis, decoct. 


Splenis Bovis, Rinder-Milg-Decodt, decot. vulnerarium Wunden» 


— Tranck / decoct. in deſluxionibus ſalſis ad oculos, zu den 
* igten Augen-Flüffen/ dito zu den preßhafften Augen / dito zu fau⸗ 
fen Zahn⸗Fleiſch / dito in Anfang und Wahsthum der Bäume / dito 
im Abnehmen der Baͤume / dito zuanfangenden heiſſen und Falten 
Brannt) dito wider allen Falten Brannı/ was Geſchlechts er auch fey/ 
dito alle Kräbfe und andere faule Schäden damit zu heilen. Wer 
mehr Decokta begehret/ der lefe Querc. Pharm, reflit, Weckern Potc» 
rium und andere. ’ 

‚Decupelare iſt eben fo viel al$decantare. 

Defrutum, vide Moſt. 


Degen; iſt ein Gewehr und Krahm / welcher auch den Rauffleuten 


offt unter Händen kommt / ſonderlich den fo genannten Frantzoͤſiſchen 
Galanterie- Händlern / welche von derjenigen Thoren ihrer Rarrheit 
profitiren/ die da meynen / es koͤnne nirgend ein beſſer Degen⸗Gefaͤß / 
als in Franckreich gemacht werden / da doch hin und wieder von un⸗ 


ſern Teutſchen Gold⸗ und Meſſer⸗Schmieden / Schwerdtfegern und 


Guͤrtlern / eben ſo zierliche Arbeit verfertiget wird / als nimmermehr 
in Franckreich geſchehen kan. Indeſſen lieget folchen Leuten ob/ aller» 
hand Degen⸗Gefaß / Silberne / Stählerne und Meßinge / auch wol 
antz klar Guͤldene / mit Diamanten und Edelgeſteinen verſetzte / vor 
ohe Potentaten zu haben / item / ſolche / welche nach der Zeit und der 
Mode oder des Gewehrs Eigenſchafft ſeynd / bisweilen zierlich vergül⸗ 
det / entweder glat / oder mit dicht⸗gegoſſene Bilderwerck gezieret / 
auch öfters auf das ſubtilſte und künftlichte durchbrochen / mit einen 
einfachen oder gedoppelten Stich⸗Blad / miteinen oder feinen Bügel 
verſehen / von glatten durchbrochenen / oder mit zierlichen Drat-oder 
Ketten Werd ummundenen / oder auch aus einen Foftbahren Stein 
verfertigten Griff / dabey dann der Haden und das fo genannte Ohr⸗ 
. Band/ nach Art der Gefaͤſſe verfertiget wird. Etliches Seiten⸗Ge⸗ 
mehr ift auch gleich montiret/ oder gantz fertig zu bekommen / alfo dag 
man es nur fauffen/ und an die Seitefteden darff; wiewol auch def- 


fen vielerley Arten ſeynd / als Gaͤbel / Ballaſch / Stoß · und Hau · De · 


gen / Ruͤckenſtreicher / Hirſchfaͤnger / Dolchen und Bajonetten ec. wel⸗ 
oh alle den Kauffnnann Aulaß geben zu den Klingen ⸗Handel / be 
* | | en⸗ 


— 


— 








358 Deg Den 


— —— — — — — — —————— ———— 
heutiged Tages die meiſten in Soſingen gemachet werden / undaber- 
mahl unterſchiedlicher Arten ſeynd / als hole / breit oder eckig geſchlief⸗ 
—* Spanifche/ die fo genannten Wolffs · Klingen / Hau» und Stoß⸗ 
em Rappier-Rlingen/ auf Fecht · Boden zu gebrauchen / Damafeir- 
te Säbel- Klingen / das ift ſolche / dlezuDamafco , allwo der- befte 
Stahl zubereitet wird /-berfertiget / und zugleich auch parfumiret 
werden / item gemeine Säbel-und Bajonetten-Klingen / deren allen 
ihren Einkauff / und folche wohl vor Roſt zubewahren/ ein Kauffmann 
um fo vielmehr wiffen muß / als er desfals mit den Schwerd-Tzegern 
groffen Handel hat, etwan auch aufeine Liverang bon Säbeln/ Degen 
oder Bafonnetten über ein oder mehr Regimenter capiculıgen mup/ 
worben ihm dann die Länge und. das Maaß der Breite folder Klin⸗ 
gen vom den Oberften / oder dem Krieges-Commillario angegeben 
wird / die er alddann veraccordirter maffen darnach zu liefern / und 
etwan auch darzu die Gefäß aufeln oder mehrerleyFagon anzuſchaffen 
und zu beftellet hat. IE 
Degen-Schwars/ Degem-Del/ O]. Rufci, iſt ein dicker Oel / wird 
Hon den Pferd⸗Aertzen haͤuffig gebrauchet. ei 
Degen⸗Kraut / ſparganium, gladiolus paluftris, 
Dejedtorium, mad unter ſich purgiret. 
Deimenthen / mentha 
Deitel⸗Kolben / Typha. | 
Deligvium per deligvium folvere, heißt die Sach / welche folviret 
fol werden / aneinen feuchten Ort ftellen / daß fie von ſich ſelbſt in ei» 
nem Liqvorem zerflieſſe. Gemeiniglic nimmt man die Keller) und 
zwar im Juni und Juli Monat/ date am Fälteften feyn/ darzu/ ſolche 
Sachen hinein zu fegen/ etliche thun den gebrannten Weinſtein in ei⸗ 
ne Kinderne Blaſen / verbinden ſolche wohl, und legen ſie Inka Waſ⸗ 
fer/ dadurch er aufgelöft und zum Ligvore wird. - 
"Delphinum, v.Calca Trippa. 
Demuht / fatureja, 
Denckites, iſt eine Art eines Steins / auf welchen die Natur zu groſ⸗ 
fer Berwunderung gantze Buͤſche und Baͤume gar eigentlich / als ein 
Mahler abgebildet hat. Unweit Ruͤrnberg findet man dergleichen / 
die allen andern Vorgehen / indem das Geſtraͤuch fo natürlich darauf 
abgebildet/ ald eö ninnmermehr von feinen Mahler wird gemacht wer⸗ 
. ben/ ja auch fo fubtil/ daß Fein Kupfferſtecher die Gedult haben wird/ 
dergleichen mit dem Grabſtichel nachzuftechen. Allein die Floventie 
nifchen feynd noch viel berühmter, ob fchon die Zeichnung der Bäume 
nicht Halb.fo curieus daraufift / welches aber daher Fommt / weil jie 
hart ſeynd / und fi als ein Spiegel poliven laſſen / fo aber bey jenen 
nicht augehet / als welche allzuleimicht feynd. Von dem Berg * 


Ber wa 9 Er “IE 9 


a 


m. 


_ Den Dep 359 
in Zudda follen auch dergleichen Steine kommen / dahero fie bey dies 
fen LapidesSinaitici heitfen. Die ſchwartzen Zeichnungen der Baͤu⸗ 


nie gehen zwar durch den Stein gan dureh / allein / wann folcher in 


Teuer geleget wird/fo verlieren fie | 
Denngras/ Centinodium, 
Denmarch/ Valerianifylv. Maj. 

 Denfans, ift eben ſo biel aldCondenfhns, 

Dens Caballinus, Hyofciamus, 

‚ DensLeonis, Taraxacum , Cichorium L.uteum Mes Vitellinu®, 
Caput ſive Corona Monachi, Loͤwen⸗Zahn / Pfaffenblatt/ Küh-und 
Butter-Blum/ dad gantze Kraut ſamt der Wurtzel / hat mit Endibien 
oder? a Wirckung / iſt gut vor die Verftopffung des 
Leber/ Waller und Gelb⸗Sucht / undreiniget das Gebluͤt. 
PDentalium & Entalium, fepnd Meer-Bemwächfe/und werben unter 
die Mufcheln gerechnet / dienen geuseiniglid denen Sattlern / die 
Pferd⸗Zaͤume damit zu zieren. | 

Dentaria, Sqvamaria , MalssHenricus, Zahn-Wurtz / iſt gut bor 
Die Fluͤſſe und ſchwere Noht. 

BDentiſricium, Zahn-Pulver / dergleichen ſeynd Rad. Biſtort 33 
‘Qyintl. Flor-rosrubr anderthalb Qvintl.O, uft. 2. ſcrupl. rad. Ircog 
Halb Qvintl. ol. ftill. lign. Rhod, gut, iij. M.F. Dentifr, 

Dentilaria Rondelety, Molybdena. 

Dephlegmare „ift das Phlegma oder MWaffer-Abziehen / welches 
wann man felbiges befonders verlangt / durch die Deltillation ge⸗ 
ſchicht / wo nicht/ fo feparirt man ſolches duch Ausdämpffen. | 

Deponiren/ zu getveuen Händen niederfegen/ ab und bon jich legen/ 
Zeugniß abftatten. | 

Deponirte oder zu getreuer Hand niedergefehte Waaren und Guͤ⸗ 
rer / feynd diejenige/ welche man einen andern umſonſt treulich zu ver» 
wahren und aufzuheben übergiebet / alfo / daß man diefelbe / wann 
man ed begehret/ wieder zurück nehmen kan / es wird aber foldjer Con- 
tract geſchloſſen zwifchen den Deponenten/ oder ———— / ſo dem 
andern die Waar aufzuheben ũbergiebet / und dem Depoſitario, oder 
dem Aufnehmer / welcher die Waar zu bewahren annimmt / und ge⸗ 
halten iſt / ſelbige jederzeit/ wanıı es begehret wird / wieder auszuſie⸗ 
fern / dahero er auch / ob ſolches Gut gleich nicht verſtegelt / ſelbiges 
doch nicht gebrauchen mag / anders waͤre es ein Diebftahl / Zöef. ad 
tit. depof.n.3. es ſey dann / daß es ihm der Hinterleger durch ein ſon⸗ 
derlich Pact oder ee, zugäbe und permittirte. Es erſcheinet auch 
hieraus / daß wann Die Verwahrung nicht unfonft / fondern um einen 

ewiſſen Lohn gefchieher/ daß es alsdann einanderer Contract, nem⸗ 

ic) locatio operarum ſey / es waͤre vo daß nur eine geringe Ber- 
ri | 


ch. 


ehrung 








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ae on. ep 
ch ABER 
ehrung vor die erzeigte Freundſchafft gegeben würde / vid.Synt. Ciws 
Ex. 21. th, 36. da aud) gleich eine gewiſſe Zeit gefeget worden/ warın das 
hinterlegte But wieder abzufordern/ fo ftehet es doc) dem Sinterleger 
frey / es auch vor Ablauf folcher Zeit nach feinen Belieben zurũck zu 
fordern / dann weil in dieſen Tontraci des Deponenten Ruten verfi- 
get/ und der Depofitarius dabon feinen Bortheil hat / ſo waͤre es eine 
Boöheit/ wann er die Zuruͤckgebung wegernmolte/pr-1 1.8.41 8 46. 
ft. depolit. Es muß aber der Annehmer eines ſoichen Guts / daffelbe 
gang treulich/ und nicht weniger als fein eigen But bewahren / videl. 
32, ff. depofiti, dann fo er einige Untreu / Betrug oder ſtraͤffliche Fahr⸗ 
laͤßigkeit damit begehen / und deflen durch Urtheil-und Recht uͤber⸗ 
wunden und uberwieſen werden follte/ fo iſt er desfals Abtrag zu thun 
ſchuldig. Da aber jemand nicht unıfonft/ fondern um Geld / etwas 
j. berwahren zu ich nimmt / fo muß er noch mehrern Fleiß / ald bey 
einen eigenen But dabey anwenden / alfo wann an ihm auch nur Die 
— Schuld des Verluſts oder Schadens läge / er ſolchen (ſon⸗ 
erlich wann er ſich zur Verwahrung angeboten) tragen und erſetzen 
müfte/ vid. Synt. Civile Ex ai. th,37. Trge es ſich aber zu / daß das 
 deponirte Gut / alles ſeines Fleiſſes und Auflicht ungeacht / beriohren 
Be! ſo iſt er folches zu erftatten nicht ſchuldig / auffer in etlichen ge» 
wiſſen Faͤllen / aldwann er 3. E. die hinterlegte Waar verzüglich hin» 
terhalten/ ſelbiges an gefährliche Derter geführet oder geleget / itene 
Das hinterlegte But oder Beld mit der Condition empfangen / daß er 
ſolches brauchen / und mit fo biel andern wieder erftatten möchte/oder 
daß er auch alle die Ungluͤcks⸗Faͤlle zu tragen auf ſich genommen / oder 


das But gefaͤhrlicher Weiſe berkaufft / und hernach wieder an ſich ge ⸗ 


handelt hatte / .ı. 8 25. fE.depofiti, in ſoichen Fällen ift es mit Erjei» 
gung befondern Fleiſſes nicht genug / fondern es müffen auch alle Un» 
Ale die nicht berſehen werden moͤchten / erftattet werden. So ſichs 
auch zutrüge / daß ihrer viel mit einander ein Ding bey einen oder 
‚mehrern deponirgen/ und dabey nicht berabredei hätten/ daß es jeden 
and oder zum Theil wieder zugeftellet werden follte/ in diefen Fall ifk 
ſolch hinterlegt Gut anders nicht dann jedweden zu feinen Theil / oder 
ihnen allen ſaͤmtlich gang wieder su fordern zugelaffen ; es waͤre dann / 
daß dem Depofitario oder Annehmer durch denjenigen / der es alein 
gang fordern / und mit Dem Theitl nicht zu frieden feyn wolte “zumal 
mann ſolches deponirte Gut Ach nicht füglich woltetheilen laſſen ge= 
nugfame Caution und Berfiherung nit Bürgen oder Pränden ge 
than / oder er fonft —— gehalten würde. Warn es aber theilba= 
ve Karffmanns⸗Waaren wären/ fo Fönnte man demjenigen / der fein 
Theil dabon begehrte/ oder fonft Gerechtigkeit daran hätte / folchen 
wol in Beyſeyn eines Notarii oder pon der Obrigkeit Dazu —— 
⸗ ‚seute 


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Dep 361 

Leute geben / und hernach in eben folcher Leute Gegenwart das übrige 
wieder befchlieflen und verwahren. 

Märe derienige/ derein Haab und Gut zu getreuen Händen empfan⸗ 

gen’ verftorben/ und hätte viel Erben hinterlaſſen / welder dann das 

ut in Händen hat / der iſt daſſelbe heraus zu geben ſchuldig / und mag 


fich in diefem Fall fein Erb auf den andern beziehen ; “jedoch wird.ere 
fordert/ daß der Anfprächer oder Klaͤger mann die Erden keine Wife 


ſenſchafft von Depofito haben / darthue / daß er oder feine Vorfahren 


in deren Recht er trit /folch But zu treuen Händen deponirt/immiafe 
fen einen jeden oblieget / den Grund feiner Klage / wann folche negi- 
ret wird / zu beweiſen.  KHätten aber die Erben das But/ in der Mey» 
hung/ daß es jur Erbſchafft gehörte/ verkauft / fo wären ſie nicht wei⸗ 
ter hut, als das Geid / fo ſie davor bekommen / zu reftituiven/ oder 
ihre Actidnes wider den Kaͤuffer zu cediren / per. l. 1.8. ult. J. 2. & ſeqq. 
ff depofiti. Da es ſich auch fügte/ / daß jemand einen andern ein But 
Hätte aufzuheben geben/ und der Deponent , ehe er ſolches wieder abe» 
forderte/ mit Tode abginge/ fo foll der Depofitarius daffelbe Gut kei⸗ 
nen ausliefern oder zuftellen / er thue ihm dann genugſame Caution 
oder Buͤrgſchafft / daß er ihm folcher Zuftellung halber gänglich ohne 
Schaden balten/ und allentbalben / auch wider die pretendirten Mit⸗ 
Erben vertreten wolle / wo ihm aber foldye Caution nicht gefchicht / iſt 
das Gut ih ſolchem Fall ind Gericht zu geben, fo lang bis erörtert und 
aunsfuͤndig wird / wer der Abgeftorbenen Deponentis Erb fey oder nicht. 
per d. 1.1,8.37. f.depofiti, Gleichergeftalt fan es auch mit Hinter le⸗ 
ung bey der Obrigfeitgehalten werden / wann jemand das bey ihm 
interlegte But gern loß feyn/ und der Deponent ſolches doch nicht an« 
nehmen wolte. Wie ed aber zu halten/ wann ein verfchloffener Kaſte 
vder Faß / oder dergleichen hinterlegt/ und daffelbe etwan eröffnet be> 
Be / oder fonft etwas dabon genommen worden / dabon feynd die 
echtsgelehrten noch nicht einig/ insgemein wird dafiir gehalten/ daß 
dieſer Unterfcheid in acht zunehmen / nehmlich / wann ineinen Faß / 
Käftgen oder andern verfiegelten Dingen / etwas bey einen niederge: 
- feget worden/ und der Deponent die hinterlegten Dinge nicht abſon⸗ 
derlich dem Depofitario, bei) dem ers weg / augezeiget oder 
zugesehlet/ oder auch nicht eröffnet haͤtte / daß koſtbare Sachen darinn 
enthalten/ fo könne derfelbe/ bey dem e6 deponiert worden / nicht ange 
halten werden/ um jeded Stud Red und Antwort zugeben/ wann er 
anders ſolch Faß / Kaſten oder anders alfo gefchloflen und bezeignet/ 
wie man es ihm zugeftellt / wieder Iiberantwortet hätte. Ica enim 
pronuntiarunt Scabini Lipfienfes An 1638. ad regrifitionem N.N. 
hat ein geroiffer Rriegd-Offcier Ao. 1538. in einen berwahrten Kuften 
einige ſtattliche Fahr niß oder — dabey auch ein Saͤcklein mit 


450. 





. ho 2 Benz I = oz — M er. 
—— III en — NT ne 


4 





auch don dem Deponenten ſelbſt vermeynet 


362 ER Dep 


450, Ducatengemefen/euven Vater aufzuheben gegeben, worüber er 


eine Defignation derjenigen Stüce/ fo in den Kaſten gewefen/ unter» 
fehrieben / und fich zu deren Reftitution Herbunden / darauf felbigen 
Kaften in feiner Schlaff ⸗ Kammer fegenlaffen / und ſolchen gleich an» 
dernfeinen Sachen berwahrlich gehalten / als aber vorbenahmter 
Gfffcier den Kaſten wiederum eröffnet/ iſt dad Saͤcklein mit den Gold 
nicht verhanden geweſen / dannenhers er ſolches von euren Vater / als 
dent Pepoſitario, wieder erſtattet Haben will; Ob nun wol derſelbe / 
{aut vorberuͤhrter Deſignation, ſich zur Reſtitution der im Kaften 
vberwahrlich gelegten Sthide obligiret / und dannenhero der Officier 
aus ſolchen Schein die paratam execntionem, zur Erftattung des Gel⸗ 
des wider enren Vater ald Depofitarium fuchen thut / dieweil es aber 
damit diefe Befchaftenheit hat / daß befagtes Sädlein mit dem Gold / 
ohne Zweifel cafu fortuito weggekommen / und entfernet worden/ ge⸗ 
ſtalt dann der Kaften verfchloffen/ und mit des Deponentis Pittfchafft 
derfiegelt/ die Schlöffer und Stegel aud) bey der Wieder-Eröffnung 
richtig befunden worden / dataus cn fhlieffen (wie danũ 

wird) ed müffe das Saͤck⸗ 
fein entweder bey dein Einlegen in den Kaſten unter den Händen weg⸗ 
gefommen/ ober doch hernach dolofe und fraudulenter geftohlen wor« 
den ſeyn / in welchem Fall aber ein Depolitarius, ehe und bevor fein ei» 
gener Dolus sder Culpa lata vom Deponenten erwiefen/ dafür zubaff> 


ten / und des Schadens Erſtattung zuthun / zu Recht nicht verbun⸗ 


den / xc. So mag auch ben fo geftalten Sachen die fehlenuige Execu- 
tion, wegen des berlohrnen Geldes wider euren Vater nicht angeord⸗ 
net/noch derfelbe zu wieder Erftattung deflen angehalten werden/ es 
möchte und könnte dann borbefagter Officier , wie recht / erweifen 
und bendringen/daf aus eures Vaters hohen Nachläßigkeit und Bes 
trug sbangeregtes Gädlein mit dem Geld veriohren worden und 
hinweg gekommen / immaſſen lhme dann folden Beweiß zu führen/ 
dor allen Dingen oblieget / auffelbigem Fall hätte ſich mehr⸗beineld⸗ 


. ter euer Vater der Reltitution nicht zuentbrechen. v. R. w. 


Aus welchen Refponfo zu erfehen / daß der Deponent, dem etwas am 
dem hinterlegten But gemangelt/ warn ihm ſolches unbeſchaͤdiget an 
Siegel und Schlöffer wieder geliefert wird / den dabey gebrauchten 
Betrug bewelſen muͤſſe. Ein anders ift/wannein binterlegtes But 
erbrochen und eröffnet befunden wurde / auf ſolchen Fall / ob gleich der 
Deponent nicht beweifen könnte / was darinn gemefen / fondern nur 
bewieſe / daß folches Depoſitum betruͤglicher Weife von dem Depofi- 
tario erbrochen worden / fo wirder zugelaffen / durch einen Eyd zu er» 
halten/ was darinn und wie vieles wehrt geweſen / es wolte dann der 
Depofitariuserweifen / daß die Siegel ohngefehr / und als = 

| aften 


— Dep 363 
Kaſten etwan ben entftandener Gefahr anders wohin hätte bringen 
wollen / abgeriffenworden/ vide Dun, Mev. 9. decif, ss. wurde aber der 
Deponent dem Depofitario weger ber Apertur den Eyd deteriren/ fo 
muſte er ſolchen allerdings abſchweren / woferner nicht pro Confeſſo 
& Convicto wolte gehalten feyn ; es waͤre dann / daß er fein Gewiſſen 
mit Beweiß bertreten wolte. Idem Dn. Mev.cit, 1.decif. ss, 

Wann an jemand etwas aufzuheben gegeben worden/ und er oder ſei⸗ 
ne Erben ich wegernfolches wieder zu geben/ ſo hat man aegen fie di- 
rectam depofiti adtionem ſo wol vor eigenes / ald auch vor anderer 
Leute Gut / wann man folches in feinen Wahmen deponiret hats hin» 
gegen hat auch der Depofitarius , bey welchen was hinterlegt worden / 
und feine Erben eine Klag und Forderung/ fo contraria depofiti actio 
oder die Begen-Rlage genannt wird / wider den Hinterleger und ſel · 
ne Erben / dasjenige zu fordern / was er für nohtbürfftige und nuͤtzli⸗ 
he Koſten an das hinterlegte But gewendet hat / wie er dann auch allen 
Schaden / welchen er (wegen des Guts / fo bey ihm hinterlegt worden / 
wofern nur die allergeringſte Faͤhrlãßigkeit des Deponenten concur⸗ 
riret) erlitten / anfchlagen/ und Erſtattung ſuchen mag. Auch iſt im 
Rechten zugelaffen/ dan man das vertraute Gut nicht ehe bon ſich ſtel⸗ 
fe/oder wiedergebe/ biseiner der Unkoften halber’ fo darauf gewen⸗ 
Det worden/ befriediger. Dann ob zwar die Compenfätio nicht ftatt 
hat / fo iſt ihm doch die Retentie nicht verboten; wären aber die auf 
gewandte Unkoften illigvid, folden falls müßte der Depohitarius gee 
gen Caution das Gut zurück geben. | 
Endlich iſt aud) zumerden / dag wann ſich einer entweder Feuers⸗ 
Brunft oder Raubs / oder fonft einer andern Gefahr beſorget / und 
dannenhero fein Geld oder But jemand andertrauet/ er daflelbe ver» 
mittelſt dieſer Klage/ nah Roͤmiſchen Nethten gedoppelt wieder er» 
kangen fönne/ fo es ihn jener/ bep welchen es hinterleget werden / ver⸗ 
einen wolte / wider deſſen Erben aber hat nur die adtio in implum 
ſtatt / es wäre dann / daß dieſe dad Depoſitum gleichfals gefährlicher 
Reife (dugneten/vide Synt. Civ. Ex. zı.th.42, 
Die Cautelen, welche bei) Deponirung gewiſſer Gelder oder Güter zu 
obfervirenfennd / ſeynd folgende: Daß / ſo man in allem Fall dem 
Depofitario dor Die Mühmwaltung ein gewiſſes Recompens zufagte / 
man doc) daben fchrifftlich pracavire / daß foldhes zugefagtes Hono- 
sarinmfeineöweges den Contradtum depofiti (als welcher fonft in lo- 
eationem& condudtionem degeneriren möchte) berandern / fondern 
bie desfalls dem Deponenti zuftehende Privilegia überall ungefrändet 
bleiben follen. | 0 
Bleicher geftalt kan man (ich ſchrifftlich die Privilegia depoliti refer- 
viren/dap künfftig feine Kewention oder Compenfation, wegen Euer 
j als 


} 





— 


364 Dep Def 


als kuͤnfftiger Gegen⸗Forderung dawider borgebracht werben folte/ 
wann man etwan dem Depofitario das bey ihm deponirte Geld ober 
But zu gebrauchen vergoͤnnet haͤtte / wobey dann ſon derlich ein Depo⸗ 
nens wohl acht zu haben / daß er nicht gleich anfangs ſolchen Gebrauch 
des niedergefegten Guts dent Depoſitario zuſtehe / ſonſten et die Pri- 
vilegia depoſiti verlieren / und ſolches — in ein Mutuum degene · 
riren wuͤrde / Franzk ad ff h.t, n.z37. Sonderlich verliert der Depo- 
nensfein Recht / wann er garbon dem Gebrauch des niedergefegten 
Guts Zinſe nimmt / vid. Carpzov.p, i. C. as. D. 33. & so. wiewol fol» 
ches nicht von denen Zinſen / die un je des hinterhaltenen Butögefor« 
dert werden/ zu verſtehen ift/ weil nemlich diefes ein Judicium bonze 
Sideil,32.8 2. ff. de ufuris. ! 
Wann auch fonft in Concurs · Sachen ein jedes Depofitum, fo lange ed 
in natara vorhanden / das Privilegium bey ſich führet / daf der Depo- 
nens, wegen des Juris Dominii, fo er. daran hat/ allen andern Credito- 
ribus vorgezogen wird ; Hingegen / wann folches von Haͤnden gebracht 
und confummiret worden / allein ein perfonal Privilegium dem Depo- 
'nenti darauf bleibet / Krafft deflen er allein denen Chiroggaphariis 
bor/ denen Hypothecariis aber nachgeſetzet wird / als thut ein Depo- 
nient nicht übel /. wann er lich von dem Depofitario bey Deponirun 
des Geldesoder der Güter ein Hypothec conflituiren läßt / d 
weiche er bey fünfftigen Concurs- Fall gefichertfeynmöge. 
Truͤge es ſich zu / daß ein Depofitariusfo weit berfallen waͤre / daß er 
Das Depofitum angegriffen / nnder alfo actionem depofiti auf den 
Hals bekommen hätte / fofeheer ja zu / daß er ſich bey Zeiten mit den 
Deponente abfinde / weil ſonſt / wann er aus ſolcher Action ſolte conde- 
mniret werden / ſolches infamiam nad) ſich — alſo / daß er desfals 
aus ehrlichen Aemtern und Compagnien fan geſtoſſen werden / wie 
dam aller Rechtögelehrten Meynung dahin gehet/ daß Caufa depoli- 
tifummariafey / undeben wie die Wechſel⸗Briefe paratiflimam exe · 
cutionem bey sich führe ; zumahlen / wann damahls / als die Sacht 
deponiret worden / Zeugen dabey gewefen / welche ausfagen fönnen/ 
daß der Deponene (mann eretwan feineüber dad deponirte Gut aus» 
gegebene Schriffi längnen wolte) ſolches würdlid) empfangen. Ein 
mehrers hievon jiehe ber) dem Sn, Stryckio in feinen Cautelis Com 
tra&tuum Sedtionell, cap. ?.. : . 
Peſiccatio Austrucknung / wann die Feuchtigkeit and einen Dinge 
durch die Sonne oder Feuers⸗Hitze evaporiret. 

Defpumatio, Abfchänmung/welche eñtweder mit einen durchloͤcher⸗ 
ten Löffel/ oder auch mit dem Weiffen von Ey gefchicht. 

Deflein, ein Borhaben / item ein Abrig und Entwurff eined Din- 


ges / daher kommt Defleigner , gbzejchnen/ Die Frantzoſen * 
gvı . 


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ey 


LT — — — — — — ——— 
efqvifles, die erſten Productiones des Verſtandes / die noch nicht boͤl⸗ 
lig zu ihrer Reiffigkeit gelanget / und nur erſtlich ins Grobe mit der 
Seder oder Crayon entworffen (ind / wann aber ihr voͤlliger Contour 
ober Ahgeihnungihueng ben/ fo nennen fie ſolches ein Deflein ou 
traits arreftes, weil nem ö ernach das völlige Ausmahlen leicht ift/ 
und man nur die Farben wohl applıciven / und Licht und Schatten 
— geben darff / ſo iſt das Gemähld fertig; Go lang aber ſolches 
nicht geſchicht / und man nur etwas mit Tuſch oder Koh 
net/ fo bleibtsein Deſſein, weil man nur demjenigen / worzu Die Del 

oder Waffer- Farben gebraucht worden / den Rahmen eines Gemaͤhlds 


beyleget.._ = 
Dettillatio gefchiehet / wann die Materia, melde im Dettillir Ges 


fägift / durch des Feuers⸗Krafft Dunftweiß herüber in die Fürlag _ 


fteiget: Solcher Deftillarion feynd —— Gattungen / in derer⸗ 
* werden die Duͤnſte in die Hoͤhe erhoben / in der andern gehen ſie 
Aeraliter oder Seitwaͤrts / in der dritten aber ſteigenſie gleich unter 


ſich / ins gemein Deſtillatio per defcenfum genannt / und muß man ſich 
in dieſen nach der Natur der Materien richten / und alsdann bequeme 


Gefaͤſſe darzu gebrauchen. Man hat auch eine kalte Deftillation, * 
gum Exempel / man wolte aus Blumen den Extracd ohne Feuer mache 
fo nehmet nach Proportion der Groͤſſe eures Brennzeug;. oder 4. 
und Blumen / gieſſet darauf drey oder bir Maaß Waſſers / febt 
alsdenn den Helm oben auf / und verleimt oder verſchmirt ihn wohl / 
eben wiebei) einer andern Heſtillation, die durchs Feuer geſchicht / 
bierauf re euren Brenn-Kolben in ein hoͤltzern Gefaͤß / legt rund her⸗ 
um in daffelbe zerftoffen Eys das zu Schnee gemacht iR / ſaltzt es / 
feich ald wann ihr Waffer wolt gefrieren machen ; wann ihr nun den 
renn · Kolben wohl davein gi fo legt den Recipienten vor/und 
—— bey der Hand warn Waſſer / in welches ihr bon Zeit zu Zeit ein 
inen Tuch einnegen/ und ſelbiges über den Helm legen könnt/ fo wird 
{ich dadurch die Deltillation in Die Höhe ziehen / und alfo koͤnnt ihr kalt 
dettilliren. 
Detonare, berpuffen/ wann eine Sache mit Berbrennung und einen 
Gseräufch calciniret wird/ z. E. der Crocus Metallörum und andere 
Antimonialifche — 
Diacameron, ein Mittel / das den Menſchen zu hohen Alter bringt. 
Diaclyfma Gargarifmus , eine Mundfpuhlung/ feynd — — 
die man in dem Mund haͤlt / und wieder ausfpeyet/wann man | 
damit gurgelt / werden lie Gargarifmata Gurgel⸗Waſſer genennet/ 
welches Wort auch zumöfftern tor Diaclyfma geneninien wird ; wann 
aber felbe verordnet feyn/ die Feuchtigkeit aus dem Gehirn herunter 
gu ziehen fo nehmen ſie den Rahmen Apophlegmatilmus on / ed Km 
aber 


9 


Def Dia 365 


tfleingezeiche 


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366 Dia 
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aber der Diaclyſmata unterſchiedliche / als Diacl.odontalgicum & 
Apopblegmatizans, Mund⸗Waſſer vors Zahn⸗Weh / dito refrige- 
rans, dito ad Gingivas, dito Antifcorbneicus, dito ad faucium inflam« . 
mationem, worzu auch gehören die Liqvores , Die zur Reinigung 
Der Zähne und des Zahn-Fleifches dienen. 
- Diagrydium pr&paratum, vide Scammeonea [. Scammonium. 
"- Diamanten/berfoftbarften und edelften unter allen Edelgeſteinen/ 
werden zwar hin und wieder in Europa / aber bei weiten fo herrlich 
nicht als in Aſien / in des groſſen Mogols Reich / in denen Diamanten» 
Gruben zu Golconda gefunden/ von wannen ſie hernach weiter hin und 
wieder verhandelt / und mehrentheils von unfern Europätfchen Ofle 
Indiſchen Compagnien zu uns heraus gebracht werden. Es iſt die⸗ 
r Stein überaus hart / ſo daß auch daher die Fabel entflanden / er 
koͤnne nicht andersals in Bocks⸗Blut erweichet werden/ jedoch wiffen 
ihm unfere Stein-Schneider / vornehmlich aber die Indianer/ feine 
Rinden und grobe Haut wol abzuſchneiden / und durch den fo genann- 
ten Rauten-Schnitt deffelben Flecken und Unreinigkeit ſehr arti zu 
verdecken / und unter die Ecken zu verbergen/ zu welcher Arbeit befag« 
te Indianer ein Rad bon Stahl gemacht / inder Groͤß eines Eß⸗Tel⸗ 
lers / haben/auf ſolches legen (le den Stein/ und benegen ihm oh Un⸗ 
terlaß mit Waſſer / bis ſie fehen/ wie er ſich anläft/ nach dieſen nehmen 
fie Del darzu/ fireuen auch ohn einige Sparſamkeit Diamanten = Pufs 
der darauf / welches bey ihnen überflüßig zu befommenift/ damit der 
Gtein defto hurtiger laufe : im übrigen aber feynd ihre Stein- 
Schleiff⸗Muͤhlen / gleich unferer Steinfcyneider ihrer gemacht. Eine 
gewiſſe Probe / daß ein Gtein falfch fen / iſt unter andern auch dieſe / 
wonn er don Schmirgel / Bley / Kupffer oder andern aus Metall ge⸗ 
machten Sachen / augegriffen oder geſchnitten wird / indem ſolches 
ein Zeichen ſeiner Weichheit / dahingegen ein rechter Diamant anders 
nicht als durch ich ſelbſt Fan geſchnitten oder poliret werden. Je gröffer 
und reiner nun ein Diamant zu finden / je mehr wird er beliebt / koſt 
bar und rar gehalten. Tavernier in feiner Reiß ⸗Beſchreibung bil⸗ 
det deren unterſchiedliche im Abriß vor / welche er auf feinen Keifen) ſo 
wol beyunſern Europaͤiſchen als denen Aſtatiſchen Potentaten ange⸗ 
troffen / unter andern meldet er bon einen Diamant / den groſſen Mo- 
golzugehörig/ weldher 3193 - katis, macht 27972: Theil Karat / ge: 
liffen gewogen / ungefchliffen aber 907. Ratis oder 793. Raraten/ 
— er — Stein die Form eines mitten durchgeſchnittenen Eyes 
ehabt haben. 
Bon des Broß-Kerkogs bon Tofcana feinen Diumant meldet er/ daß 
ſolcher 1393. Karat waͤge / es feyaber immer Schade / dag fein Falk 


es AM nn rn 
auf Eitronen⸗ Farb ziehe. Wie diefer bortveflicher Stein an Flo⸗ 
rentz gekommen / dabon findet man in denen Kiftorien folgende Nach⸗ 
richt: Es hatte it ach Burgund die Schweiger / welches 
damals einfältige- Leute waren / ohne einige Urſach mit Krieg über» 
zogen / aber zu feinen gröften Unglück / indem er von ihnen gleich in 
dem erſten Treffen in die Flucht gefchlagen / und alle feine Bagage 
"- Samt den fhönften Zelten und andern Koftbarkeiten/ den Schweigern 
zu Theil gewor den / welche doch damahls / als Leute / die mehr den A⸗ 
der- Bau und der Vieh⸗ Zucht / als den üppigen Hofleben ergeben ges 
weſen / —* recht damit umzugehen gewuſt. Dann als ſie unter an⸗ 
derer Ausbeute auch ein überaus ſchoͤnes und köſtliches Gezelt ange⸗ 
troffen / haben fie felbiges in Stücen zerriſſen / und unter (ich ausge⸗ 
tHeilet/ des Hertzogs iilbernes Servis fahen ſie vor Zinn an; unter an» 
dern hat auch ein gemeine Schweitzer⸗Soldat obbefagten Diamant 
angetroffen / und ſolchen zwar erftlich in Gad geftedet/ bald aber als 
etwas unnüges wieder von füch unter den Wagen geworffen / jedoch 
En wieder herbor gefucht / und an einen Priefter um einen 
Goldgulden verkauft / welcher denfelben an einen Kauffmann vor ro. , 
diefer an einen Zubiliver vor hundert Eronen verhandelt/ von wannen 
er weiter / und endlich in den Groß⸗Hertzoglichen Schatz gekommen / 
damahls hat / wie Cominzuslib. VIL.cap. s. meldet/ der Reichthum 
die Schweiger in ihren Schlaf nicht verunruhiget / welches inſonder · 
heit aus den Worten ihres eigenen Gefandten / den fie an den ſtoltzen 
und —— Burgundier / um ——— des angedroheten 
Krieges geſchicket / abzunehmen / ſintemahl derſelbe dieſen Hertzog zu 
Gemüuͤhte fuͤhrte / daß er aus I armen Bande weder Gut noch Chr 
Eigen könnte/ ja warın er gleich Friegen und fiegen folte/ dennoch nicht" 
fo viel Geldes aus ihren gantzen Lande zuſammen — * würde / als 
die Sporen und Gebiß der Pferde in feinem Lager koſten moͤchten / 
idem cap. 2. | | 
Aber nach diefer reichen Beute / haben ſie Geld Fennen lernen / und 
ach durch ihre groſſe Siege und Dienfte / welche ſie den Königen 
n Frandveich geleiftet/ groflen Reichthum erworben. Allein wieder 
aufdes Taverniers Befchreibung der größten Diamanten zu kommen / 
fo meldeter ferner von einen Diamanten / welchen er indem Könige 
reich Golconda inden Händen eines Kauffmanns gefehen / welcher 
176% Mangelin, fo 24274 Karat machet / gewogen. Diefer Stein 
- wurdefünftmahlhundert taufend Roupies, fo fuͤnff und flebenzig york 
hunderttaufend Franden unferd Geldes machet / gehalten / und waͤ⸗ 
ren wuͤrcklich ſchon 400000. Roupies darauf geboten worden. Ein 
anderer Diamant zu Amadabad hätte 173. Raties, welched 174. Karat 
mochet/gewogen, Bere u Was 


I 
x 





"368 . Dia — 


Was bvor einiger Zeit in denen gedruckten Adbiſen bon einen unfhäge 


baren gewiſſen Diamant / welchen der Duc d’ Anjou unter andern 
Spaniſchen Kron⸗Juwelen / die er aus den Land gefchafft / und nach 
Paris gebracht / gemeldet worden/ it noch jedermann im frifchen An⸗ 


edenden. 
Die Tinetur Folio oder Farb zu einen rechten Demant wird folgender 
Dept bereitet: Nehmet einen Maftiv und ein Hein Stüdlem Elfe 
fenbein/ brennet es ſchwartz / und machet eö zu fubtilen Pulver / und 
vermiſchet es nach der Kunſt / alädann breitet ein wenig davon aus / 
und feet dabon geſchicklich etwas ein zu gemeldter Folieoder Far⸗ 


bung. \ 
Die Berfälfchung der Diamanten gefchiehet entweder miteinen Sa⸗ 
phier oder Drientalifhen Amethiſt / oder mit einen Topaſier oder 


Ehryſolit / item durchalle harte durchfichtige Steine / denen man die 


arbe nehmen kan / und zwat durch die Hitze des Feuers folgender Ge⸗ 
alt: Rimm lebendigen Kalck und Stahlfeilich / vergrab den Stein 


in diefelbigen/ als dann leg Feuer darüber/ anfänglichin folder Wei⸗ 


te/ daß der Stein allmählich heiß werde / dann mache das Feuer ſtaͤr⸗ 


cket / ſo wird die Farb verfhmwinden. Juwelirer und verftändige 


Kiünfkler willen wol / wie lange ſie die groffe Hihe halten müffen / daß 


ſolche fürtrefliche Edelgefteine ihrer Farbe bevaubet werden; Go bald 


fieverfpühren / daß die Farbe durch die Gewalt der Hitze berſchwun⸗ 
den/ lalfen fie das Feuer allgemaͤhlich abgehen / bis keine Hige darinn 
mehr übrig / und fo durch dieſe erfte Arbeit ihnen nicht vollkommlich 
alle ihre Farbe benommen worden / muß man das Werd wieder an« 
fangen / und wie zubor durch alle Grad der Hitze gehen laffen / und fo 
es nöhtig/ noch einmahl wiederholen/ und allezeit in acht nehmen / daß 
wie man die Kite durch allgemählige Vergroͤſſerung des Feuers muß 
bermehren / alfo muß man gleicher geftalt durch allgemählige Ver⸗ 
minderung der Hitze das Feuer abgehenlaffen/ danndie allzu ge« 


ſchwinde Erhitzung oder a er te in de Stein 


einen Rip verurfachen/ und ihm alfo feinen herrlichen Schönheit und 
Würde berauben/ und der Künftler in feiner Hoffnung wegen feines 
Verſehens betrogen werden. 

Anshelımus 000 fagt / daß er einen Topas, der anf dieſe Weife ber» 
wandelt worden/ geiehen habe / (welcher zu diefem Vorhaben wegen 
ſeiner Härte beſſer / als irgend ein anderStein iſt/ der 7. Karat / dasiſt 
es. — gewogen / welcher auf zoo. Guͤlden ober Cronen geſchaͤtzet 
worden. 

Es werden aber von denen Natur⸗kuͤndigeru 7. Geſchlechte der Dia» 
manten nahmhafftig gemacht, unter ſolchen ift 

1, Ein Jndianiſcher / welder einige Berwandtfaft mit dem tr 





Dia 369 


ſtall hat / dieferift zugefpist/und hat s.;glatte Seiten/und wird oft 
ehr der Groͤſſe einer Haſelnuß / man findet ihn aber nicht in 
Gold wachſend. | 0 en 
a. Ein Arabiſcher / diefer mächft aud) nicht im Bold / und ift etwas 
kleiner aber dem vorigen gleich / Feiner von biefen beyden / ſagt 
Plinius, fan durch den Amboß und Sammer berieget werben / we» 
en ihrer Unbeſtaͤndigkeit / dann wann jle gefchlagen werden/ flie» 
n fie underlegt hinweg. 
5. CinCenchreaner , welcher in der Groͤſſe des Hirſe⸗Saamens geo 
funden wird. | 


4. Ein Macedoniſcher / welcher in Bolde gefunden wird / gleich ben 
Kürbid- Saamen. | 
5. Ein Cypriſcher / welcher faſt der Farbe der Lufft gleichet ; dieſer 
in der Mchenen feht kraͤfftig. d — 
6. Der ſechſte wird genanut Sideritis, bon den Glantz des Stahls. Cr 
iſt ſchwerer als die übrigen/ abet ungleich in der Natur / dieſer Fan 
7 der Cyprifche gebrochen/ und mit einenandern Diamant ges 
ſchlieffen werden. 
Das ſtebende Geſchlecht iſt entweder rond oder ſechseckigt / unter 
biefen ſeynd etliche haͤrter / als andere / und etliche weicher; dieſe 
haben ihren Rahmen bon den Orten / da fie gefunden werden / da ⸗ 
— von ihnen die Boͤhmiſchen heiſſen / etliche die Armeni- 
chen / etliche Engliſche / Schottiſche und Ungariſche Diamanten) 
unter dieſen Geſchlechten der he ſeynd einige die weichfteny 
und nicht bielbeffer denn Ehryftallen ; etliche unter den runden 
ſeynd den Kiefelfteinen gleich / aber weit haͤrter und diefe Haben 
den Blank / wie einige bon den Orientaliſchen / diefe aber / wie 
Boetiusfagt/ koͤnnen keinerley Weiſe vor recht genommen werden / 
weil fie die Farbenicht annehmen. Zu diefen mögen wir. etliche 
Eyperifche und Mace doniſche vehnen. - 


Die Orientalifchen werben nach den Orten / da ſie —2 werden / 
unterſchieden. Den Preis der Diamanten betreffend / ſo iſt derſelbe 
u unterſchledlichen Zeiten / nachdem nehmlich die Oſt⸗Indiſche Schif⸗ 
viel oder wenig mitbringen / auch unterſchiedlich geweſen / ins ge⸗ 
mein aber wird unter den Dick⸗ und Tafel⸗Steinen / und unter den 
vieleckigten oder Roſen⸗Steinen / ein Unterſcheid des Preiſes ge⸗ 
macht / und zwar / nachdem jede Art nach Proportion in dem Ges 
wicht ſteiget. Von den perfect ſchoͤnen Dick⸗ vder Tafel» Steinen 

erſt zu reden / fo galb vor dieſen na i —— ei 
Ä a n 


X 


— 


——— — — * 


376 Dia | 
EinDidfein von 4. —— Re Bülden 1800, it Athl. 70, — 

1. dito- 3% fl 100. — ais 32 

1. dito so. * ⸗ fl 700. — ayıl 32 

. — s. Green ® fl. 40. — 187114 

_—- 27. — ⸗ fl. 2. — nfizo 

ss — 6, — ” fl. . 2. 0 — 9 

ı— 1 — » fl. 160. — 66 ze 

3 — 4. — fl. nn — 224 | 

zu — ⸗ fl. 70. — 18 

a — 2. , fl. 400. — 16| 33 

s ben 123 Green kam auf fl. ss.  — ulm + 

s von 1. Green - fl. .'— din 
GSteinederens.aufı —B — fl. iꝛ2. od' RtbL ⸗ 
a. Stein von 6. auf das Karat fl.» — 3h36 
1. dito von7. s 3 — 7. 2144 
a. dito vous. ⸗ lag 
a a a er one Pan 
J. — 12.' o hu — 32. — 1 27 | 
u — 14, a Ü) — 3 — 11 | 
nn — 6. 2 0 — — 1 z | 
J. — 20. * ⸗ _ 27. — — 4 
— 24. ® ⸗ — — — 3— 
. —360. 2 ⸗ — * — |» 


In den Kofen- Steinen war folgender Preiß: 
1. Stein/dabon 24. aufdas Karat gingen/ galt Rthlr. z 


1. dito bon 16. aufdad Karat a 
1. dito hon ⸗ — 3 
dito bon “uf Roratoder ei Greeri ſchner — 8 
1. dito — — 14 
1. dito von 1. garat — — | 
1, dito von .Grem . . - . — 96 
1, dito bon 6.Green ober 3. Karat ⸗ — 130 
» j von 7. Green » , — 160 
» dito von «Orc * Kara — — 1:0 
1. dito - bon . —. 1/0 
4, dito ben — —BR 2 —⸗ 320 
1, dite Yon sı, Gret 3 393— 400 
Be 1.die 


. — — I} m — > . 


zu 


Dia Din a7: 


1. dito von 12, Green oder 3. Karat Rthlr. soo | 
2. dito. bon 23 ⸗ — 650 | 
x. dito bon 14. Green oder 33. Karat — 500 
1. dito bon ı7 2 ⸗ em 90 
- z, dito, bon 16, Green ober 4. Karat e — n00 
1. dito don 17. 9 5 ⸗ — 1709 
2, dito bon is. Green 5 . °” .— 2100 
 g, dito don 20. Green s 5 — 1400 
2. dita_ don 24. Green obers. Karat » — 1300 
1. dito von 28. Green oder 7. Karat ⸗ — 900 - 
3. dito von ze. Green oders. Karat — 400 
1. dito don 40. Öreenoderio.Karat = Rthlr. 6000 


Diapenfia, v. Sanicula 
Diaphoreticum, eine Schweiß-treibende Artzeney. 
Diaphryges ber Unter-Ofen- Bruch wird das Refiduum genannt/ 
was an den Boden des Dfens bleibet / waun Kupffer geſchmolhen 
ird / , 
. Dictamus albus, vide Fraxinella, 
Didtamnus, vid, Pptamnus. 
. Dierlitten/ Dienell / Corna. 

“  Digeftio,Digerirung/ Kochung / Berdanung/ vornehmlich auch el⸗ 
ne noͤhtige Operation in der Chymie, begreifft unter ſich die Fermen- 
tation und Putrefäckion , und wird genteiniglich iti Balneo Mariz, 
oder auch Vaporofo , item in Pferd-Mift / Afchen and Sand ver» 
richtet. 

_Digitalis, Finger · Hut / Wald · Gloͤllein / ſpihig Wund · Kraut. 
Dadl/ Anethum hortenſe, Beeren DIN / Meum Meu , dad Di 
Kraut ift dem Fenchel verwandt / wann eögrün und friſch / iſt es hie 
igund trutken inz- Grad / gebörtet ins. Grad / man brauchtes viel 
Een Kohl und Gürden mit einzumachen / feine übrige Tugenden 
lommen mit den Fenchel überein. BR: 
Diluentia feynd Mittel / dadurch das zähe Beblüt dünn und flieſ⸗ 
ſend gemacht wird / ald durch Th£e, Cofie, ſonderlich durch Veroniga 
oder Ehren-Preiß. | 
Dinckelkorn / Spelta. Zea. — 
Dint/zum Schreiben wird folgender Geſtalt gemacht / nehmt Ara⸗ d — 
Bild, Gummi ı. Ung/ Bitriol 2. Ungen/ Gall- Aepfſelz. lünten / bianden I Digpt 
Kein drittehalb Pfund, ſtoſſet die Gallaͤpffel klein / feget ſich mit den * 
Wein in eier 10. Tage lang an bie Sontie / rührete® _ In x.h 
alle Tage zwweymahlum/lapt le kochen, feiget es hernach duch / und Mary 
thut darzu g nen vitriol und — und feget eölnoch3. Tage Ru. 
as, en 2* 


— 
— 
rg 


372 Dip 

een 
oudie Sonne/foiftes fertig. tem / nimm s. Lobt Galläpffel / 3. 
Loht Virriol,3. Gummi, und eine gange Maaß Waſſer / ein wenig Eſ⸗ 
g / und ein Loͤffelvoll Salg / ſieds und ruͤhrs offt unter einander, 
tem / nimm s. Loht Galläpffel / 4 Loht Vitriol. a. koht Gummi , ı. 
aaß Bier/vermengs halb mit faulen Waffer / und thue über das 
einwenig Salt und Eßig darzu. tem nimm Römifchen Virriol ı, 
Pfund / zerſtoſſene Gallaͤpffelz. Pfund / Gummi Arabicum ı. Pfund/ 
weiflen Wein 40. Pfund / thue alles zuſammen in einen verglafurten 
Topff / und ſetze es andie Sonne oder and Feuer. Item / nimm ges 
Incl (brodene Gallaͤpffel 19.Ungen/ Römifchen Virriel;.Ungen/ Aluminis 
nie | Rochz,&Gummi Arabici jedes +. Unken/mioche alles zu einen zarten 
. dere) Pulver) daß man es füglic bey ich führen anzwann du ed gebrauchen 
7% . wwilt/fo gieß nur ein wenig klaren Mein darauf/ fo haft du ineinen Au⸗ 
eu Fr2 | gend ut Dinte Datelt aber dieDinte des Winters nicht gefriere/ 
barctiadd gieß ein wenig Branutwein darzu ; daß (te anch nicht verfhimmle/ 

dabor dienet das Salt undalumen Rochz, 

" Rohre Dinte zu machen/ fo nitiim der beften Braſtlien oder Roht⸗ 
Gpäne/ weiche fie eine Nacht in ſharffen Efig ein / nimm alsdann 
rn dannes Weiß ⸗Bier / gieß es darüber / daß ed einzwey Finger 

veit bedecket ſey / und laß ed alsdann langſam aufileden / Hierauf ei» 
ige Mefferfpigen voll geftoflenen Allaun/ und einig wenig Salmiae 
darzu gethan/ und wieder kochen laſſen / hierauf ein Stuͤck Gummi hin⸗ 
ein geworffen / fo iſt ſie fertig. 
G Fri Dinte / wird aus zerftoffenen Gruͤnſpan und Eßlg ge» 
ma 
Diphryges, vide Glocken⸗Speiß. 
Dipfacus, Labrum feu Carduus Veneris, Virga Paftoris, Karten» 
Diſtel / ift unterſchiedlich / als Sativus major & minor, item Sylve- 
fteis: In denen Apotecken hat man die Wurkel / wiewol garfelten / 
ud dann auch die Würmlein davon/ fo unterweilen in den Koͤpflein 
oderin den Mar derfelbigen gefunden werden. 
. Diptamnus vel Dietamnus Creticus, Eretifcher Diptam / Fommt 
aus Creta oder Candia, iſt ein weißlich wollhafftiges Kraut / deffen 
Blaͤtter rund wie Poley / bekommt lange Stengel / und hat einen gu⸗ 
ten Geruch / das beſte nuß schön viechen/ und vein bon Stengeln fepn. 
Diptamnialbi Radix , fonft auch Germanicus oder Fraxinella ge- 
nannt / läßt ſich in ie * Waͤldern gern finden/ iſt ein 
* Gewaͤchs fo wol an Kraut als gezierten Staͤmmlein / es wird 
er nichts davon geſucht / als die Wurtzel / weiche im Frühling am 
fäfftigften/ und fhön weiß feyn muß. Sie Bienet fonderlic wider 
* ifft / iſt auch gut im Schwindel und andern Haupt-Krande 
eiten. | Nur 


Diſcon · 


ed 2 Ss re ee 


Dif Dor 373 
. Difconto, vide Rabatt, j 
Difeutientia , fennd Artzeney⸗ Mittel / durch welche die Feuchtigkei⸗ 
ten refolvirtundflüfig gemacht werben. 
Difpenfare, eö werden die einfachen Stüde / die zu einen zufame 
- men geſetzten Mittel fommen/ difpenfiret. _ 
Difpenfatorium ‚ein Apotect oder Apotecfer- Buch / in welchen alle 
Simpliciaund Compoſua gefihrieben. 


Difpefciven/ fhreitige Rechnungenvonginander thelſen / und SW 5 


Das Seine zufpuechen. wıde Divpanicht2 aı- 

Diffolvere, auflöfen/ iſt unterfchleden bon Ligvare , fiieffend ma» 
chen / welches durchs Fener meiſtens ohne einige Feuchtigkeit gefchie» 
het / dahingegen jenes allezeit einem Liqvorem erfordert. 

Diffolutio heißt / harte Corper flieſſend machen / als das Gold wird 
aufgelöft per agvam regis. das Silber durch Aqya fort, hi 

Diftel gefegnete-Carduus Benedidtus, Diſtel / Raden- Diflel/ 
Eryngium, Marien-Diftel/ Carduus Marix, Cardımıs L adtens, meiffe 
Berg-Diftel/ Spina alba , Welſche Diftel / Artischochi, Cardones 
Cariofti, Reber» Diffl/ Acanthium Edel-Diftel/Eryngiumvulgare, 

Diuretica ſeynd Artzeney⸗ Mittel / welche den Harn aus dent Geblüt 
ſcheiden und befordern / als Apium, Pettoſelinum, Abrotanum chz= 
re folium Cynosbntos, lignum nephriticum & fraxin. &c 

Dolchen / Pugio, Poignard, einfleines fpihigeö und moͤrderiſches 
Gewehr / fo offimals noch darzu vergifft wird / deſſen ſich die Bandi⸗ 
ten fehr bedienen/ wiewol ed auch nicht zu aaͤugnen / daß viel Nationen 
fetchen eben wie den Degen/ alsein Öffentliches und ehrliches Gewehr 
fonderlichdie Spanier fühleg. In einigen Kunſt ⸗Kammern were 
dern Römische Dolchen vorgerbiefen / und fell auch Jalius Cæſar, wie 

Sueronins berichtet/ mit einen ſolchen Dolchen feyn erſtochen worden, 
Doll⸗Aepffel / Malainfana, Poma amoris. J 
Doll·Wurtzʒ / Aconitum. a | 
Doll⸗Rraut / Cicuta Amaurolis Hyoſciamus. 

Doll⸗Ruͤbe / Bryonia, Melon Plinii. * 

Donner ·Bart / Sedum majus, Semperviyum. 

Donner⸗Ste in / vide Brontia. 

Donner Naͤgelein / Tunica ſylveſtris. 

Donner⸗Bonen⸗Kraut / Fabaria, da" 

Donner-$lug/ Tonitrufuga, Ariftolochia rot, 

ı DonnerReb/ Hedera Terreflris, Ede 

Donner-Wurt/ Craflulä major, Sempervivum Sylveſt. # 

Dorant/ Antirrkinum. | 


Doronici Radix, Gemſen⸗ Wurtz / Schmindel-Rrant / fonft auch 


Acenicum Pardalianches genannt, =. halten es vor ein * 
3 


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—X 


374 Ä Dor Dra 

weil die Hunde und Woͤlffe / wann fie es freſſen / dabon fterben / allein 
darum folget nicht/ Daß ed auch dem Menfchen toͤdtlich fey / weil die 
Raturen unterfchieden/ alfo tödtet Die Aloe die Füchfe/ dem Menfchen 
“aber ift ſie nuͤtziich / ar. 

Dorſch / vide Fiſche: 

« Dofis bedeutet / wie viel als auf einmahl von einer Artzeney ſoll ein⸗ 

genommen werden. Bisweilen ftehtauf den Recept: Miſce & di- 

.  „Jide in tres, qvatuor velqvinqve dofes, ift fo biel gefagt/ ald dad Me- 
‚9  Micament ſoll auf drey / vier oder fuͤnffmahl eingenommen werden. 

:  Doften / Origanum. 
Doften-Araye/EupatoriumAvicenn, 
Dottern / Cufcuta. 

DSortern⸗ Blumen / Chryfanthiemum, 

Drachen ⸗ Blut / vide Sanguis Draconis, 4 

Srachen · Blut ·Kraut / Lapathum nigrum. 

— — Baum / Praco. 

— — wWurtz / ſerpentaria biſtorta. 

— —, Srein/fol/ wie Plinius ſchreibet / in den Gehirn des 
Drachen gefunden werden/ und von groffer Krafft feyn. 

DracontiumSerpentaria, Colubrina, Anguina, Dracontia, Dra-) 
uneulus Polyphylips, Draden-Wurs/ Schlangen-Rraut/ hat faßt 
gleiche Krafft mit den Aron, iſt aber etwas fchävfferund bitterer ; ſie 
wird fonderlich geruͤhmet / daß ſie den Gifft widerſtehe. 

Dracofylv, v..Ptarmica. 

Dracunculus Agvaticus , Waſſer⸗ Shlangen-Kraut / Waſſer⸗ 
Natter-WWurk / Anguina aqvatica , Hydropiper rubeum, ift ein 
Kraut/ weldes den Schleim zertheilet/ und in Haupt Flüffen gut iſt / 

vachſt gern an fumpfigten Orten. | p 

Dracunculus eſculentus, feu hortenfis , Draco herba ‚ Dragun/ 
Käyfers-Salat / ift genug bekannt / unter den Salatgemifcht /_ete 
weckts den Appetit, in =. — — den Mund damit geſpuͤhlt / 
iſts gut vor Zahnweh und Scharbock. 

Dragane/ Tragacantha. | 

Dragonell/Dracuncellus, Draconcellus, . 

Dragun / Draco, Dracuncalus hortenlis, DracoHerba, Tragum 
vulgare, item bey den Avicenna Tbarchongenannt / ift ein Blut⸗ rei⸗ 
aigendes Kraut / wird viel unter den Salat gebraucht. 

Drakena, ſonſt auch Contrayerva , item Cyperuslongus inodorus 

| nannt / vide Cowt» erba, 

Drat / iſt unterſchiedlich als Büldener / Silberner / Kupfferner / 
Meßin — und Eiferner Drat / welche in einer Gleiche 
und Dide zugichen / ein Nürnbergifcher Bürger / — I 

., ö . v 


4 


! 


| Dra ° 375 
voff / fol erfunden Haben / welcher / weil fein Sohn aus Einfalt oder 
Unverftand (ich überreden laffen / daß er einigen Leuten ben bierzubes 
nöhtigten Werckzeug gemiefen / ſich darüber fo fehr erzüurnet / daper 
Senfelbenerwürgenmollen / dev aber die Flucht genommen / und die 
Kunft hernach auch anderer Orten bekannt gemacht. Es ſeynd aber 


die Drat-Zieher nad) dem Unterfcheid ihrer Arbeitund ber Materia, 


— der Drat gemacht wird / mercklich unterſchieden / als da iſt 
erſtlich: 
Der gute und Lioniſche Gold⸗ und Silber⸗Dratzieher / bey je⸗ 


wendig gantz fein ſeyn / weil es durch den geringften Zuſatz biel zu 
rauch und ſpiß lg wird / daß ed in dem Durch iehen leichtlich bricht und 
reiſſet / daher ſederlich das Silber / weil es insgemein etwas von 
Kupffer mit ſich fuhret / zuvor auf dem Teſt abgetrieben/ gelaͤutert und 
gereiniget wird ; — pflegi man es zu ſchmeltzen / in einen eiſer⸗ 
nen Einguß zu gieſſen / und wann es noch glüend / in einen Zain zu 
fchmieden/ hernachmahls mit der Zeile zu übergehen / und mit dem 
Schab⸗Meſſer abzufchalden / dann wird es durch das Eyſen einsoder 
eymahlgezogen / alddann / wann es zu berguldeter Arbeit dienen 
oll/ von neuen etwas rauch geanacht/ mit Gluͤh · Wachs überfirichen/ 
und nit feinens Gold beleget und berguldet. Nach diefem wird der 
Zain, fo etwan einer halben Ellen lang/ und ein Zoll dick iR / auch ge⸗ 
meiniglich acht bis neun Pfund zu wägen pfleget/ den Arheitern unter 
Spänden gegeben. 
Der Grob-Drar-Zieher ziehetmit fehr harter Mühe und ſchwerer 
Arbeit den Zain fo dünn/ daß er die Dice eines mittelmäßigen Stiff⸗ 
tes erlanget/ worauf folchen bie 
Alein Brat · Zieher unter Hand bekommen / welche ihn mit weit ge» 
ringerer Mühe durch die engere Löcher des Eiſens zu beltebiger Grofe 
fe / nachdem es nemlich die Arbeit oder des Verlegers Abgang und 
Sandelfchafft erfordert / zu bringen wiſſen. 
Die Tioniſche Arbeit / welche etwan alfogenennet wird / weil (ie; 
Lion in Franckreich zu erft erfunden worden/ ſcheinet (zumahl warn ſie 
nen ift) ſowol dei Farb als dem Glantz nad) / der guten Arbeit gantz 
leich / fo/ daß ſie davon nicht wohl durch das bloſſe Auge / als nur von 
enen/ fo hierinnen vor andern wohl erfahren / und taͤglich damit um⸗ 
eg Ean erkannt werden / doch if fie im Angriff gegen dev guten Are 
tviel rauher und ſpißiger / wird auch Fe eben auf dieſe Art wie je⸗ 
negemacht/ ohne dap zu den Grund / an flatt des Gilberd bier das 
Kupfer dienen muß; Solches wird in Zaine gegofken/ mit den Ham⸗ 


en muß dad Gold und Gilber zu der fo genannten fa Arbeit noht⸗ 


ner / ſo viel mt —— — gefeilet / abgeſchalcket / mit 


Silber oder Geld überlegt / und ſowol von dem ——* 
ein⸗ 


Ya 


376 Dra Dre 


Klein-Drat-Zieher zu einen Drat nach denen unterfchiedlichen Sor⸗ 
ten und Numeris gezogen. Doc muß diefe Lionifche Arbeit / wann 
vergüldet werden foll/ zubor verfilbert/ und alddann erft mit Gold 
eleget werden. Den Meßing Drat belangend/wird folcher gleicher 
geſtalt / wie der Gold und Silberne gearbeitet / und dann nad) ter 
unft der fo genannten Cementier-Arbeit demfelben eine Bold oder 
Gilder ähnliche / item auch eine fhöne blaue Farbe gegeben. Wan 
färbet auch das —* oder Meßing ſehr hoch durch den Rauch des 
Spiauters, welcher aber bald wieder abgehet / wann derſelbe nicht wohl 
eingedrungen hat/ und concentriretift. Dannenhero auch bald eis 
ne dabongemachte Waar / warn ſie nur einmanig getragen worben/ 
roht wird / und den Fuchs heraus blicken läft. 
Drat⸗Blum / Chrylantheum. 

Drehers» oder Drechſeler⸗Sachen / Tourneurs & ouvrages du 
Tour, fo ein Handwerck unter allen Bürgerlichen zu finden iſt / deſſen 
Die Kaufleute vielnöhtig haben’ und welches feine Waaren häuffig in 
ihre Gewölbe und Kram: Buden or / fofeynd es gewißlich die 

Drehers / als welche aus Silber/ Meßing / Zinn und andern Metals 
len / item aus Eiffenbein/ I5all-Rof-Zähnen/ Korn / allerhand Holg 
und Steinen / Biel Funftliche und aud) aemeine Sachen verfertigen/ 
fonderiich aber folche Inftrumenta., welche in der Haushaltung nö 
thun. Nachdem nun ihre Arbeit fünftlich befchaffen / nachdem wi 
. auch diefelde Hoch oder gering bezahlet / fonderlich aber (ind fehr viel 
Handwercker / welche / ehe ſie ihre Waaren und Manufadturen zur 
Perfection bringen koͤnnen / den Dreher nöhtig haben / deren 
einige fokünftlih-und mit ſo groffen Bortheil (als wie zu Nürnberg 
unter den Rohtſchmieden gefhiehet) zu drehen wiſſen / daß auch ihr 
Handwerck eingefperrtes/ das iſt / ein ſolches Handwerck ift/ auf wel⸗ 
ces die Geſellen nicht auſſer Landes verreifendürffen/ damit ſie nem⸗ 
lich ihre künſtliche Dreh · und Muͤhlen ⸗· Machinen nicht divulgiven und 
bekannt machen mögen. Unter den Holtz ⸗ und Bein⸗ Drehern bat 
man jederzeit ſehr Kunſt · reiche Leute gefunden / ſonderlich hat einmahl 
en Fünftlicher Dreher aus Schwaben / Oswald Rerhinger / 1000. 
Kleine Schuffeln gedrehet/ welche man in ein ausgeholies Pieffer-Rorn 
verbergen koͤnnen Er hat auch er, hölgerne Gtüde/ fo auf Karren 
mit Kader geftanden / und mit aler nohtwendiger Zubehör verfehen 

eweſen / ſamtzor kuͤuſtlich gedreheten Bechern in ein mittelmäpiges 

feſſer⸗Korn gebracht. Vde Happelii Relationes Curiof, part. 1. 
Pag. sr. Elnige Künftler des Steinſchneidens / gebrauchen ſich ſowol 
zu holen als —— Drehſtuhls und Dreher⸗ Werckzeug / 
und ift faſt feine mechaniſche Kunft-Profeflion, die denſelben entr 

sen koͤnne. — 
ou 


Dre Dru ' 377 


— — — — — —— —— — — — en 
Non der erſten Erfindung der Dreh⸗Kunſt / ſeynd ben denen Scriben- 
ten unterſchiedliche Meynungen / einige ſchreiben ſolches dem Dedalo, 
vlinius ib, 7.cap, ss einen Rahmens Theodorus von Samos / ande: 
re dem ſubal den Sohn Lamechs zu/ zu ihren Grund anführende/ daß 
weil er die Pfeifienevfunden/ alſo er anch nohtwendig das Drehwerck 
mürffe verftanden haben ; allein ſolches folget eben nicht daraus / weil 
Jubals Pfeiffen nicht ſowohl aus Holz ald rohe Beinen der Thiere/oder 
welches amglanblichften/ aus Rohren/ die im Waſſer wachſen / können 
beſtanden ſeyn. Cinmahlift es gewiß / daß die Dreh-Kunft ſehr alt 
ſey / weil im i. Buch der Koͤnige ams. v. is. in der Beſchreibung des 
Tempel⸗Baus Salomonis der gedreheten Knoͤpffe gedacht wird. Ge 
war auch unter den alten Griechen und Römern ſchon das Sprich⸗ 
wort / daß wann man von etnens Ding/ das accurat war / reden mwolte/ 
manfagte: Es wäre ſo ſauber / ald wann es auf der Drehbanck waͤre 
gemacht worden / deren Meiſter Cicero Vaſcularios nennte / von bes 
neu Vahıs, welche die Römer viel zu machen pflegten/ und welche gemeis 
niglich mit erhobenen Ornzmenten ausgezieret waren. ) 
Vortheil in Drehwerck beftehet in denen Inſtrumenten oder Werck⸗ 
Zeug / ſo man darzu gebraucht / deren etliche fo ſonderbar ſeynd / daß 
einge Kunſt⸗ Dreher ſolche als ein Geheimniß halten / ſonderlich / 
wann fie ſelbſt Srhnder davon ſeynd. Das allermerckwüͤrdigſte 
ben der Drechſeler Kunſt iſt / daß groſſe Herren und gekrönte Hänpter/ 
als Artaxenes der Perſer Koͤnig / die glorwürdigften Kayſer / Rudol- 
phus l.Ferdinandus II; und unſer jüngft zu feinen Vätern verſamm ⸗ 
feter Alerdurchitunitigfter.Leopoldusl. glorwürdigſten Audt rickens / 
groſſe Liebhabers dieſer Kunſt geweſen / ſo daß ſich auch zu dieſes letz⸗ 
gern Zeiten Reute gefunden / welche ſo wol nach einer vecht geraden Li 
sie ald Oval, ja gar Contrefay zu Drehen angefangen. 

Drey· Diſrel / Cartamus ſy lveſtris, Colus ruftica. 

os. Zreyfaltigkeits⸗Blumie / Jacea, Flos Trinitatis, viola flam- 
mea 


— — — öcklein/Sanicula Alpina, 

* Dropax, Picatio, iſt eine emplaftrifche Artzeney / die ſtarck an der 
Haut anklebt. Es wird von wegen ſeiner Wuͤrckung aud) Depilatoe 
rium genannt/ weil ed zum Ausreiſſen der Haar gebrauchet wird. 

Dropff⸗Wurtz / Polypodium. | 
Drumel-%eer/ Myrtillus. ’ 
Drumpel-eer-Araur/ Myrtus vulgaris,.Vaccinum. 
Druͤßwurtz / Pes Columbirns, Verticillum Apuleji  _ 

Drußen / feynd bey den Berglenten durch die Witterung / ober 
Durch das Erd-Feuer zermalmete und verbrannte Erge / gleich ald 
wann je von Bienen uusgefogen — 

Aus Dur 


\ . » 


278 Dud Eau 

Dudaim, v, Mandragora, R 

Dudiſteln / Sonchusfylveftris, Cicerbita lævis. 

Dulcamara, Amara dulcis, Solanum ſcandens, bitter füß / jelän- 
ger je lleber / ſteigender Raht-Gchatten / iſt ein Gewaͤchs / welches 
den Leib reiniget / auch änfferlich umgefchlagen / gut vor die Entzuͤn⸗ 
dungen und Geſchwulſten ift. 

* Dulcorare edulcorare abſuͤſſen / als erftlich die Calcinata , Die 
Salt bey ih Haben/indem fie mit warnen ABaffer abgewafchen were 
den/ da ſich dann das Waſſer mit dem Salh vermifchet / (2.) werben 
die Zrändedulcoriret mit Zucker oder einen andern tauglichen Sy⸗ 


rup. 
Duͤnkirchen in Flandern / eine den Koͤnig in Franckreich unter⸗ 
worffene See · Stadt und Veſtung / dabey das groͤſte Raub⸗ 
Set / fo an dem Oceano zu finden / weil ed ſo manchen ehrlichen 
Kauffmann fein Schiff und But verfchlinget / und Die dafelbft ausge» 
euftete Capers oder Armateurs die allergeführlichften zu Kriegs: Zei« 
ten inder See ſeynd / ſonderlich damahls / ald die Frantzoͤſiſche See⸗ 
Macht noch nicht aus dem Eanal ausgefeget war/ wie in diefen legtern 
— —— Engeland und Holland geſchehen / dannals der Capi⸗ 
tain noch die Duͤnkircher Capers als Admiral von der Nord⸗ 
Geecommandirte/hatfolcher manchen Kauffmann weh gethan / und 
unterfchiedliche mahl den Hollaͤndiſchen Oft-Fahrern viel Schaden 
zugefüget. Wie aber dieſes Raub⸗Neſt an Franckreich kommen / da⸗ 
von ſchreibet D. Becher in ſeiner Weiſen Narrheit N. 4. alſo: Als die 
Spanier die erſten waren / welche dem Cromwell zum Protectorat gra- 
tulirten / finger zur Dandfagung mit ihnen einen Krieg an / nahm 
Jamaica hinweg / und aflıltirte Die Srantofen gegen Spanien / woftr 
er Dünfirchen befam: der Cantzler Heyde aber überließ eö wieder 
nach der Zeit an Franckreich / und zwar / wieman vorgeben will/ ums 
nichtd zu haben was der Zyranne Erommell congvetiret hatte/ allein 
diefe Entſchuldigung hält nicht den Stich / fonft hätte man Jamaica 
auch wieder geben mſſen. Indeſſen wurde nad) der Zeit der Cantz⸗ 
ter Heyde darüber disgraciirtund degradivet/ und mußte auffer Enge» 
land im Exilio fterben, 

Durchwachs / Perfoliata) 

Duͤrrlitzen / Cornus. 

Duͤrrwurtz / Conyza. 


E. 
Au de laReine d’ Hongarie, der Koͤniginn in Ungarn Waſſer / 
als welche ſolches am erften ſoll erfunden haben/ ift 2 
her ſehr abgaͤnglich geweſen / und anfänglich haͤuffig aus Fra 
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Gau Ebe 379 


und Italien (woſelbſt ſie viel Kofmarien haben/ald aus weichen dieſes 
aller gebrannt wird) gebracht worden. Heutiges Tages aber wird 
es auch viel in Teutfchland nachgemacht / und danneuhero felten auf« 
richtig / hingegen aber auch fehr haͤuffig und wohlfeil gefunden. Die 
Compolition beftehet eigentlich darinn / man nimmt frifche Roſma⸗ 
rien-Blühtanderthalb Pfund/ läft ſie trucken werden in denSchatten / 
etwan 24. Stund lang / in welcher Zeit ſie aber oft muß umgewandt 
werden / daß ſie fein durchgehendstrudene: ſo man auch etwan nicht 
fo viel Blühtehaben könnte / fo ninımt man die jungen Sproffen von 
Roſmarien / item Salbey/ Iſopen Ihimian und Majoran darzu/ 
welche mangleichfals erft trucknet / hernach gießt man s. Maaf guten 
Branntwein darauf / laͤßts eine Nacht ſtehen / und deſtillirts hernach 
des andern Tages in Balneo Mariæ. ſecundum artem. 
Noch beſſer iſt es wann man die Rofmarien-Blüht mit dem Branut ⸗ 
wein in eine Bouteillethut / ſolche hernach wohl verſtopfft / bis an den 
Hals in Pferde-Mift eingräbt/ und in die Sonne ſetzt / alſo s. Wochen: 
ka a eten läßt / fowird der Ligvor gang hell roht werden / und ſehr 
g feyn. | 
Item / nehmt biermahl deftillirteö Aqva vitæ 30, Ungen / Roſmarien⸗ 
Blut 20. Untzen / thut alles in ein wohl · bermacht Gefaͤß so. Stunden 


‚lang / hernach deftilliet ed durch einen Helm in Balnco Marie; Die> 


fes Wafler wöchentlid) 1. oder z. Quentin davon eingenommen / iſt gut 
für alterley Gebrechen / flärdt den Magen und die Lebeni+Beifter/ 
Ar auch äufferlich / die Glieder damit geſchmieret / eine groſſe 
uͤrckuug. J 
SEben⸗Holtz / Ebenum, wird in Handlungen nicht ucht / wie 
auch in Artzeneyen wenig dabon zu finden; Dieſes Holtz wachſt in In⸗ 
dien und Mohrenland / und ſehen wir von dieſem Gewaͤchs ſonſt nichts 
als dad Holtz / welches feſt iſt / gerne brennt/ und eher einen Stein als 
Holt; ähnlich ſiehet. Der Bohren ihr Holtz iſt gantz ſchwartz gegen 
der Indianer ihren / welches Striemen bey ſich hat / es waͤchſt ſtarck 
auf der Inſul Helena / das ſchoͤnſte aber in der Inſul Mauritius. Die 
Proba dieſes Holt muß ſchoͤn Pech · ſchwartz ſeyn / und einen lieblichen 
Geruch auf glen den Kohlen haben. Es wird auch von einigen fol⸗ 
gender Geſtalt nachgekuͤnſtelt nemlich nian nimmt feſt und ſtarck 
itz / daß ohne Adern iſt / als da iſt Birn / Aepffel oder Welſch Kir⸗ 
n⸗Baum⸗Holtz / ſolches ſtreicht man fhwargan / und reibt es her⸗ 
nach mit einen Stück Tüch / und ſhmeltzet etwas Wachs in einen Topff 
mit Kienruß angerühret / womit man hernad) dag geſchwaͤrtzte Holtz 
ahermahl beſtreichet / und fo lange mit einer Buͤrſte poliret / bis es 
ſchwartz und glängend wird. Oder man thut dad Holtz in den Keſſel 
eines Hutmachers / wann fie Hůte färben / und laͤßt die ſywarhe Farbe 
* — ein: 


JJJ :... LSERDSRHESBERE OBERE 
einziehen/ etwan eined Schilliugs dick / alddann trocknet man das Holy 
im Schatten/ polirt es erſtlich mit einem Eiſen / um den Unflaht der 
Farben inegzunchmen/ hernach mit Schafft ⸗ Heu / Kohlen · Staube uud 
Baum⸗Oel / wie Ebenholtz. Das Holtz von Tunis, ob es ſchon zart 
ift/ laßt ſich doch leicht poliven und glätten / undwird fo glatt wie ein 
Hohen / ſchneidet ſich auch beſſer als Ebenholtz / welches ſehr 
rriſſet. Item / nehmt gute Dinte / mit kleinen Stüdlein Eiſen / die 
fein roſtig ſeynd / laſſet ſolche etliche Tage darinnen weichen / hernach 
reibet euer Holtz damit / ſo wird es ſchoͤn durchdrungen feyn/ endlich 
poliret es mit einen Wolffs· Zahn. Item / nimm allerley hart Holtz / 
As Buchsbaum / Cedern / Maulbeer und dergleichen Holtz / lege es 3. 
Tage in Allaun » Waſſer an die Sonne / oder ſonſtan einen warmen 
Ort / alsdann foche ed eine Weile in Baum Del / mifche darein Vi⸗ 
trist und Schwefel / jedes einer Haſel⸗Nuß groß / jelänger es kochet / 
fe fchmärger ed wird / man muß es aber aud) nicht gar zu lange kochen 
faffen/ damit ed nicht berbrenne. Item / nimm ein halb Nöflel Eifen- 
feilig.ineinen neuen Topff / ein LohtSalmiac in ein Maaß Eßig lolvi⸗ 
ret/ laß es r. Tage ftehen/ je länger je heſſer / ferner weiche blaue Bra⸗ 
filie/ ſo viel du wilt / and drey Loht Balläpffel Elein zerſtoſſen in einer 
guten Maaß Lauge / laß es eben fo lange / wie das obigeftehen / wann 
mannen das Hoitz anſtreichen will / macht man beyde Toͤpffe warm / 
berſtreichet das Holtz erſtlich mit der dauge / alsddann daraufmit dem 
Eßig / wann das Holt nun ſchwartz genug ſcheinet / waͤſchet man es 
fanfitab mit einen Wollenen Tuch / darnach mit einem Stücklein 
Wachs uͤberfahren / und wieder mit einen Wollenen Lumyen abger ie⸗ 
den / dan ſich das Wachs darüber wohlerhige / ſo wird das Holßz ſehr 
gas glängend und fchön ausfehen. Item / man nimmt Reßler 
Owoͤrtze und Seiden⸗Farbe gleich viel / doch jede Farbe abſonder⸗ 
fieh/ damit beſtreicht man das Holtz Wechſel⸗ weiſe / fo lange bis es an 
der Farbe gefällig / laß es abermahl trockenen / dann wird es mit 
Wachs — / hernach mit einen Wollenen Tuch fo lange gerie⸗ 
ben/ bis der Blank hoch genug iſt. Item / nimm Holtz vor Buchs- 
baum’ fiede ſolches in Baum-Del/ fe lange bis es (hwark wird. Oder 
int ein wohlaehobeltes Birn-Baum-Holk / überflreichees mit A- 
avafort, und laß es an ſchattigter Rufft eintrocenen / darnach üͤber⸗ 
fireiche es mit guter Dinten / und laß es auch am Schatten trockenen / 
folgendö ſtreiche wiederum Dinten darüber / und ſolches bis es gantz 
hoch ſchwartz wird / zulegt uͤberſtreiche oder polive ed mit Wachs / und 
einen Peinen Tuch. tem / man läftein Loht fein Silber inein Pf. 
ut Scheide-Wafler folviren / dann gieft man noch eine halbe Maag 
Kegenmaffer darzu/ darmit beftreichet das Holtz eclichemahl / laßt es 
en der Luft ertrodenen / dann überzichet ed mit Wachs / und wiſchet 
cv 


Ebe Ebu 381 


— EEE — — — — ——— — 
es; mit einen Wollenen Tuch / fo wird es ſchwarh wie einSanıme: wer⸗ 
den. Item / Eocht Btrn-Baunı-Kolg_mit gemeinen Kienruß eine 
Stunde lang / bis das Waſſer durchgedrungen / alödann nehmt es 
„Heraus / ſchmiert es mit Lein-Del / weil es noch friſch iſt / folauge es 
immer in ſich ziehen will/ als dann reibt es mit Filtz oder einen wollenen 
Tudh / fowirdes hart und glaͤntzend wie Ebenholg. Item / ſiede ge- 
———*2 in 6. Maaß Regen⸗Waſſer / und einer 
WMaaß Ehig/ laſſe das fünffte Theil dabon einſie den / weiche das Holß 
14. Stunden lang in einen andern Keſſel / mit eben fo viel Waſſer/ 
thue darzu roht Judianiſches Holtz ein halb Pfund/ vermenge daruns 
ter ein halb Pfund Kupffer⸗Waſſer / wann nun die Farbe. wohl dar» 
aus gezogen, fo nimm die Indianiſche Holtz⸗ Spaͤnne dabon / und les 
ge hierauf das Holt / wann es in denerft gelottenen Waſſer 24. Gtuns 
den geweichet / 24. Stunden in das andere Waſſer / waun es nach dies 
fen wohl ausgetrockenet / ſo polirt mans auf der Dreh- Band mit 
Baum-Del. | 
Eberwurtz /R. Carlinz , Cardopatii , wird bin und wieder im - 
Zeutfchland auf Hügeln und Bergen gemeiniglich des Morgends ges 
graben/ alddann Seräubert und aufgetrodnet. Gie iſt eines Dau- 
mens dick und lang/ auswendig braun/ inwendig weiß, eines ſtarcken 
Geruchd und ziemlich angenehm / doch etwas en Geſchmacks / 
wird ſonſten aus) Carlina genannt / weil vorgegeben wird / dieſe Wur⸗ 
gel ſey bor dieſem dem CaroloMagno durchei — 
den / dag er damit feine Armee vor der Peſt habe befrehen koͤmen. 
Das Kraut diefer Wurtzel iſt eine Art von Difteln / welche fonft Cha- 
mzleon albusgenennet ; in der Mitte des Krauts der Eberwurg 
bricht eine groſſe und etwan s. Zoll breite Blume herbor/fo ohne Sten⸗ 
elhart auf der Wurgel ſihet weswegen aud) diefed Gewaͤchs vom 
Botanicis Chamzleon acantosmagno flore C, B. genennet wird/ 
und weil die Blume wets ift / wird die gemeine Eberwurg / ſo wir in 
den Apotecken haben/ auch die weiſſe Eberwurtz oder Carlina alba ge» 
nennet; Mebft deren noch eine andere/ nemlich DieCarlina Nigra , ge» 
fanden wird/ welche einen Hohen Stengel teeibet/ undeine blaue Blu⸗ 
trägt/ deffen Kraut Chamzleon Niger flore Corruleo heiffet. Die 
befte urg ift / welche noch friſch / vollkommen und wohl ausge» 
dörret if / auch einen fülen Geſchmack und Aromatifchen Geruch hat. 
Anbey ift aber wohl Achtung zu — daß ſie nicht — Wur⸗ 
bein get feyn/ wormit offtermahls / wann diefe Wurtzel theuer/ 
ein groſſer Betrug borgehet. Diefe Wurgel.ift abfonderlich gegen 
ale giftige und peftilentialifche Rrandheiten fehr dienfam. 
.. Ebullitio, eine Auflledung. RR 
Ebulus, Sambucusbumilis, Attich / Heiner/ wilber ober Acker · Hol · 
lun⸗ 


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— 


lunder / die Blätter erweichen und treiben den Schweiß / die Tinctur 
oder Elſentz aus den Beeren / iſt gut * die Waſſerſucht. Die Tra- 
gea granorum actes ſtillen die rohte Ruhr / ſemen Ebuli folutorium 
treibet den Urin, das Arcanum Chamæacter, oder dad aus den Saa⸗ 
men dellillirte Oel purgiret den Schleim. 
Ebur, Selffenbein kommt von den Elephanten Zähnen / die groß 

und Hein feyn/ bisweilen auch ein paar bis 4. Centner wägen/ fommen 
aus Africa und Oſt⸗Indien; man hat auch dad Spodium oder daß 

wartz und weiß gebrannte Helffenbein. Der Abgang ded Elffen⸗ 

ins / wann ſolches entzwey geſaͤget und abgedrehet / wird gu Streu» 
fand gebraucht. 2 

Ebur foffile, gegraben oder gefunden Eiffenbein/ fo auch fonft Ein» 
born oder uni cornu foflile genennet wird / aber nicht beweißlich da« 
für fan ausgegeben werden / wiewol man in deffen im Verkauff und 
Einkauf jeden feine freye Meynung läßt; wird beym Ausgraben 
groffer Gräber gefunden/ und manchmahl gang calciniret / es muß 
aber ſolches wohl mürb auf der Zungen / hartziehend und ſchoͤn weiß 
feyn. Vide hiervon ein mehrers unter dem Wort Einhorn. 

Eccoproticum, das nur bloß laxiret. 

Echarpe, ein Leib-Binde von Bold-und Silber⸗Drat / Seiden / 
Wollen oder Zwirn gewüuͤrckt / gefticht/ gefnüt oder geſtrickt; Es nen⸗ 
net auch das Frauenzimmer eine Scherp oder Echarpe, was mit bie⸗ 
len Falbelas beſetzet um den Hals haͤnget. 

. Echimus, iſt alles dieſes / was mit bielen Stacheln umgeben. 
Echium Italicam, Bugloſſa. 
Echium vulg. wilde Ochſen⸗Zung. 
. Eclegma ein dicker Brufl-Safft/ aus allerhand Bruft- Argeneyen 
bereitet/ dünner ald ein Opianum, dicker als ein Syrup , am füglich⸗ 
fen wird es ein dicker Safft genennet / z. E. R.Loch, San, & expert, 
Syrup flor, tunicana ı. Qyintl. Pulv. Bezoard, fenn, Dij Tindt, Co- 
sall.ı.Loht/ M.D.S, austreibender Saft. Die in denen Officinen 
gebrändlichfte Eclegmara feynd : Lohoch de Casfıa,, pro Clyfteri- 
bus,Lohoch,paflulatum feuEle&tuarium paflulatum, Lohoch,Sanum 
reformatum, Charas,Lohoch Pedtorale, diefed legtern feine Compo- 
ſition beftebet in folgenden: Nimm Wurgeln von Suͤß holtz / Fenchel 
jedes 1. Quintin / Eibiſch / Alaun / jedes ı. Loht / Kräuter von Iſop / 
Ochſenzungen / jedeseine Handvoll / Hufflattig mit Wurtzeln / ein 
halbe Handvoll/ Blumen der Hersftärdenden/fo viel maninz. Finger 
balten kan / frifche Feigen Num. vn. ausgekoͤrnete Roſinen z. —* 
Saamen von Anis / Fenchel / jedes. Quentin / koche es in 3. Pfund 
Brunnen⸗Waſſer / bis zur Helffte / laß es die Nacht über in der Infu- 
ſion ſtehen / am folgenden Morgen drüce es ſtarck aus / und thue dar» 
zu 


— — — — — — > — — me — 4 


Ecr Ebe 383 
u BEER 4. Ungen / koche ed als dann weiter zu einer Syrups⸗ 
ide. _ ' 
. - Ecrolia, ſeynd Mittel/ die bie Frucht und Nachgeburt austreiben. 
Edel Bergmuntz / Calaminta montana, fecunda preftantior. 
Edel Chamylien,Chamomillum Romanum, 
Gamanderlein / Chamadrys, Trixago, Triffago, 
Heber-Kraut/ Epatica Nobilis, . 
Stein Xlee/ Melilotus offieinar, 
Doſten / origanum heracleoticum, 


Spid’/Spicalndica, Nardus 3 






Garb / Millefolium Nobile, A | 
Meer⸗Wermuht / Abfınchium Seriphium marum. 
Salbey/Salvialndica, 
Majoran / Majorana tertiatenuifolia, 
— — Spinachia nobilis. P 
Edelgeſteine feynd diejenige / welche nicht nur ihre Seltenheit 
und Schönheit koſtbar machet / fondern aud) felbft die Natur miteis 
* aembefondern Licht und Glantz gleichfam geadelt hat / daß ſie gleich 
den ſchoͤnſten Sternen blincken / und den Vorzug fo gar vor dem 

Gold und Silber jederzeit behauptet und erhalten haben. Es⸗ (Ind 

aber der Edlen· Steine zweyerley Arten, ducchfichtigeund dichte, die 

Durchſichtige (ind / der Diamant / Earbundel/ Saphier/ Rubin/ 

reg Hyacinth / reg Amethyſt / Beryll / oder deruon - 

feiner eer · waͤſſerigten arb alſo genannte Aqva-Marin, . Unter 
die Dichte (wiewol einige davon haib⸗ durchſicht g find) gehören der 
Opal/ der Carnlol / Onych / Türdis/ Chalcedonier / Achat / die fo ges 
nannte Katzen · Augen / der Jaſpis / der Lapis Neprithicus und Grieß⸗ 
Stein / der Malachit und Schrecken⸗Stein / der LapisLazuli und 
Laſur⸗Gtein / ec. Dieſe Edleſteine / ſonderlich aber die Durchſichtt⸗ 
ge/ haben ihren Urfprung und durchjichtigen Cörper bon einemmit 
erg⸗· Saltz impragnirten Waffer oder Feuchtigfeit/ bermittelft weis 
ev ſie anfchieflen/ und inExyftallen erwachſen / wie folder Meynung 
nicht nur der inbielen Stüden'gelehrte Helmontius beygepflichtet/ 
fondern auch der / mit befondern Fleiß die natürliche Dinge recht 
xündlich durchſuchende Boyle / mit vielen Experimentis und ſtattli⸗ 
hen Gründen beweiſet. Dann unmuͤglich iſt / daß etwas durchſich⸗ 

g ſeye / daß nicht zuvor fluͤßig geweſen. Das ſonſt dichte Silber 
und Bley / wann es in Scheide · Waſſer oder andern —*** Li- 
qvoribus aufgeloͤſet / und flieffend gemachet wird / erwaͤchſet leichtlich 

—— Ceyſtallen: So findet man auch in denen fhönfen 


in 
ewachſenen Cryſtallen oͤffters gantz heil d inende J 
Keöpfein/ und Abenen ätefen Crime m Aaeiteade Matier, 
s Edel» 


711111411 


J 


— — 


ꝛꝛcäEeee — 
Edelgeſtein. Daß aber etwas Berg⸗ Galtz mit beygemiſ⸗ e / 
iht die Geometriſche Figur der Edelſteine / An fie porn 
Salt und Salpeter haben / gar deutlich zu erkennen / indem die ge» 
rabene Ernftallen und Diamanten (welche blof an Härte bon einan- 
der unterfchieden Ind) gantz eckigt anfchieffen/ ia offt folche Adern und 
Abfäge haben/ an denenman gar eigentlich erkennen kan / wie Die fol 
igtenT heiligen aufeinander angefegetfeyn. Ihreanmuhtigen Far ⸗ 
en haben le von einem zarten metalliſchen Schwefel/ nad) Art der iu 
den Bergwerden befindlichen Metallen / nemlic der Carbunckel / 







Rubin / Granat und von einem Gold⸗Schwefel / der Sa⸗ 
phier von der Tindturd berö/ der Er und Ehfyfolit von 
der gen ſchwelfelichten Kupfferd / der Topas und Hyacinth 
aus den fhwefelichten Weſen des Eyſens. Esift aber diefer Schwe⸗ 


fel in den Edelfteinen fehr luchtig/ / dahero auch Die Davon entiprunge- 
nie Farben garleichtlic) in dem Feuer verſchwinden und verrauchen. 
Ob man nun wol faſt inallen Bergwerden von Europa / ſonderlich 
aber in Ungarn und Böhmen / item in denen Saͤchſiſchen und Hartzi⸗ 
ſchen ** Ber en / x. unterſchiedliche Edelſteine zu bre» 
chen pfleget / fo feynd folche doch denen Orientaliſchen / die in Judien 
gefunden werden / nicht zu vergleichen / weil le ihnen ſowol an Härte 
als Schönheit weichenmüflen. Die Act aber/ wie fie daſelbſt gebro ⸗ 
hen werden / mag man in der curieufen Melt-Befchvefbung des weit- 
gereiften Taverniersim ⸗ Buch und deflen ss. Eapitellefen / woſelbſt 
er auch) der fürtveflichen Edelſteine von gang wunderſamer Groͤſſe / 
als eines Diamanten in der Form eines halb enkwey geſchnittenen 
Eyes / 793. Raraten ſchwer / den der groſſe Mogol beſitzet / eines unge» 
meinen khönfärbigen ubines des Könige in Perjien/ deffen Gewicht 
und was er gefoftet/ gang geheim gehalten wird; eines Topaſes eben · 
fals den groſſen Mogol zuftändig / welcher an Gewichtſich aufır> 
Karat gedencket / und neben andern inKupffer abgebildet vor» 
ellet. Weil aber diefe Edelfteine/ mann fie gebrochen werden, meift 
unformlich oder aber unrein uf ledig ſeynd / auch die fchönfte uñ rein⸗ 
fie Steine bey weiten nicht fo blinden / als wann ſie geſchnitten wer · 
den/ indem dadurch vermittelſt der vielfältigen Eden / das auf die 
Folie oder Demant-Dinte einfallende Licht / um fo vielmehres gegen 
das Auge refledtivet und fpielet/ als ſeynd diejenige / welche Jumtlie - 
verd/dasift Edelgeftein-SHändler — am erſten darauf bedacht/ 
wie fie ſolchen Stein ſchoͤn ſchneiden / ſchleiffen und poliven laſſen / wel⸗ 
ches geſchihet / wann aufaͤnglich ein ſolcher roher Stein durch den 
— ſeine grobe Rinde verlleret / als dann ſelbiger mit groͤb⸗ 
Lich geſtoſſenen Schmirgel auf die Stahlene Scheibe oder den Wa 


— — — — 


Ede | 385 


dranten gebracht / letztlich mit Trippel poliret / und glaͤntzend gemacht 


wird. Seine Figur iſt aldann bier oder acht⸗eckigt / Rauten⸗ weiß / 
oval oder rund / wie ed nemlich die Beſchaffenheit des Steins erfor⸗ 
dert undanıbeften leiden will. 


Der meifte- Juwelen · Handel iſt Heutiges Tages in Juden⸗Haͤnden / 


welches muͤßige Volck nicht leichter zu einen groͤſſern Gewinn / als 


‚eben durch diefen Handel gelangen kan / ſonderlich wann ſie ſolche Kaͤuf⸗ 


fers antreffen / die keine Kenners ſeyn / und ſich — betriegen laſſen / 
entwe der daß ein Glas / oder ein fo genannter Fluß / oder Dupletten, 
das iſt / da die eine Seite eines echten Steines / an einen falſchen / um 
ſolchen ein groͤſſeres Anfehen zu geben/ angeklebet wird / ihnen für ei» 
nen guten Stein verkauffet / und weit über den Wehrt (welcher ohne 
dem bey einen jeden Edelgeftein nicht gröffer ift / als ein Narr davor 
gibt) ausgebracht wird ; Oder wann ihnen ein Verkaͤuffer zu Han⸗ 
den ftöffet/ der entweder mit Recht nicht darzu gekommen / oder aus 
Roht verfauffet/ oder felbft nicht weiß / wie viel ein ſolches Kleinod 
wehrt ſey / wie aufdiefe letztere Weiſe og Carls von Burgund 
(als er in ver Schlacht wider Vie Schweiger fein ganges Eoftbares Las 


ger verlohren) fein groffer Diamant/ welchen anigo der Broß-Sergog 


bon Florens befiget / ein Schweiser-Soldat auf der Wahlftattge> 


funden/ ſolchen anfänglich vor wenig Gulden an einen Priefter/ diefer 
etwan vor 100, Fl. aneinen Italiãner verkauffet / von deſſen Händen er 


wieder/ und zwar allezeit mit fleigenden Profit , in andere Haͤnde ge⸗ 


rahten/ bis er endlich den Groß⸗Hertzog zu theil worden / der eine 
überaus groffe Summam Geldes dafür bezahlet hat. A 

Sonſten gefchiehet eigentlich der erfte Einfauff der Diamanten und 
andere Art der Edelgefteine bey denen Oſt⸗Indiſchen Eompagnien in 
Holland und Engeland/ oder auch von particuliven Perſonen / welche 


aus Oſt⸗Indien und andern Dertern Allens herkommen / und etwan 


— 


daſelbſt Juwelen / als wormit der Orient / wie ſchon gemeldt / beſſer 


als der Dccident verſehen / an ſich gebracht haben. Was F bey 
den Einkauff ſolcher Juwelen ſo wol ihres Preiſes / Gewichts als Quae 
lität nach zu bemercken ſey / werden wir bey eines jeden Edlen⸗Stei · 
nes ſonderbarer Beſchreibung zubemercken Gelegenheit haben. Die⸗ 
ſes Orts wollen wir nur noch Die curieufe Eintheilung des ſinn⸗reichen 


“ Anshelmi Boetii, die er unter den Edelgefteinen und Steinen macht / 


mit beyfügen/ eö lautet aber diefelbe alöfolget:: | 


Steine oder Edelgefteine feynd entweder Flein oder groß / Heine ſeynd 


entweder felgam oder gemein, | 
Seitzame und fürtveffliche feynd entweder Hart oder weich/ die Heinen 
harten feynd entweder ſchoͤn oder von übel geftalter Farb. 


5 Die 


386 | Ede | 
Diefchönen Steine feynd entweder gang ſchattig ald der Tuͤrckis und 
‘der.Chamzus, oder zumtheil fhattig al der Sardonier, der Stern» 
oder Siegflein/ der weiffe Saphier und der Opal. Wiederum Bie 
Schönen feynd entweder durchſichtig oder ohne Farben. 
Die fhönen Durchſichtigen mit Farben feynd der Hyacinch, Be- 
"ll, Rubin, Prafem, Rubicell, Chryfoprafs, Spinell, Granat, Amadir 
he, Chryfolith, Balafe, Carbunckel, Saphier, Smaragd, Gennenftein- 


Schöne durchſichtige Steine ohne Farbe feynd/ der Diamant, die klei⸗ 
sen harten Steine / welche felgamund koſtbar feynd / ob ſchon von 
uͤbler Farbe/ feynd folgende: 
Der Pantarbe, Donnerkeil/ Wetter/ Drachen / Adler Kolb: Taubeng 
Schwalben⸗und Schlangen⸗Stein / und das Schlangen-Ey. 
Zum andern die koͤſtlichen kleinen / felgamen and weichen Steine 
feynd entweder fchön oder einer üblen Farbe. 
Schön feynd erftlich an der Farb die ‘Perlen / Bezoar - Stein und 
Molochit. An der Geftalt dad Katen-Aug/ Stein-Zungen / Meer» 
Nabel / Juden-Stein/ und der Spangen oder Kederflei. _, 
Vors ander die Heinen ſelthamen und weichen Steine einer üblen 
Farb / feynd der Milchſtein und der Lapis Cagmaus, der Hodenſtein / 
der Gtein Cevar, der Handftein/ Lapis Nephriticus, Schweinftein/ 
Schlangenſtein / Waffer-Adlerftein / Callimus oder der Gtein/ fo in 
Adlerſtein gefunden wird/ Lapis Malacenfis, oder Stadel-Schwein> 
ftein/ Lapis Manatus, L.apis Hyftericus oder Mutterftein/ Lapis Tu- 
beronum, Lapis Bugolda und der Kroͤtenſtein. 
Die kleinen gemeinen Steine ſeynd entweder hart oder weich / hart 
ſeynd der Diamant/ weiche der Gallenſtein / Krebsſtein / Schwamm / 
Schnecken / Karpffen⸗ und Perſch⸗Stein. 
Die groſſen Steine ſeynd gleicher geſtalt entweder felgam/ hart / (höm 
und Dundel/ oder ſeltzam / hart / —* und durchſichtig. 
Von der erſten Art ſeynd die Porphirſtein / Sonneuwende⸗Stein / 
derSmaragd, Laſurſtein / Gagat, Corallen, Serpentin-Stein. Von 
der andern Art der Amerhift, Topas und Smaragd , welche alle ihre” 
Farben haben / und der Chryltall und Böhmifche Diamant , welde - 
durchſichtig ohne alle Farben feyn. 
. Wiederum die felgame harte Steine ſeynd teils von einer üblen Far⸗ 
be / als der Seiffenſtein / Knochenſtein / Cropfſſtein / Onichftein / Don» 
nerfeil/ Eifenfarbiger Marmor, Smirgel / Lüchsſtein / Steinbruch / 
Wallſtein / Probierſtein / Lapis Nephritichs, Blutſtein / Magnet / 
Spiegel / Schaamſtein. 
Don den groſſen und felgansen Steinen ſeynd etliche weich und * 
N)» 





— 


Ede | 397 


EEE WENDEN TEE ET WE —— 

beydes an der Farb und an der Geftalt/ oder ſie feynd weich und übel 
efärbt; Von der erften Gattung und zwar der Farbe nad) feynd 
chöne Steine der Mondenflein/ oder Marien-Blas / Alabaſter / Agt 

oder Bernſtein / Bergblau / an der Geſtalt aber der Amites und 

Sternſtein. | 

Die fo weich und ühler Farbe feyn / ſeynd der Aftur, Samius, Agera- 

zus, der Honlgſtein / Gagar-Stein/ Porus, Glaskopff / Thyjes, Feder⸗ 


‚ weis oder Milchſtein der Blutflein / Phrygius, Calamita alba , | 


Schwammenſtein. | 
Wiederum ſeynd gemeine groffe Steine 7 welche entweder hart 4 
Schön und wohlgeftalt/ oder hart und Heflich ſeynd. 
Die harten/ fhönen und wohlgeſtalten groffe feynd die Marmorſtei⸗ 
ne / ferner die Wesfteine/ Feuerfteine/gemeine FeldundKiefelftene. 
Weiche En teine ſeynd / dev Gyps / Bimsſtein / Steinfohleug 
Talck / Schieferſtein. — 
Einige Juwelirer / damit ſie der Weichheit der Edelgeſteine (welche 
fie durch das Alter befonimen) abhelffen mögen / nehmen einen Teig 
bon feinen Mehl / wickeln Die Cdelgeftein in. zwei oder dreyfach Pas; 
pier / bedecken es über und über mif-Crocus Martis in dem Teige / 
fchlieffen hernach ſolchen wohl zu / und —* ihn ſechs Stunden lang ir: 
dewHeiffen Badofen / fo werden die Edelgefteine ihre vorige Härte 
wieder empfängen. 
e Farben von denen Edelgefteinen wegzunehmen / beftreicht mar: 
olche nur mit Kreſde oder Kalck / und legt je alsdann ins Feuer / for 
wird ch ihre Farbe gang oder zum Theil / nahdem mans nehmlich 
gantz oder nureinen Theil davon beftrichen / verlieren. 
Don der Derfälfhung der Edelgefteine vedet bemeldter Autor folgen- 
der Beftalt: Ein jeder recht durchjichtig gefärbter Stein/ was es aud) 
für einer ſey / Eanderfälfchet werden durch zween Gaphire /oder mit 
zween Chryſtallen / fo le eine Folie 64 haben / allein es iſt der 
Betrug leicht zu erkennen warn man nemlich den Stein auf den Ra⸗ 
8 des Daumens legt / und alsdann das Geſicht recht zwiſchen die 
bene des Nagels und des Edelgeſteins richtet / fo wird das Ober« 


theil des Edelgefteind gan weiß erfcheinen / undalfo der Betrug of⸗ 


fenbahr werden ; Iſt der Stein aber nicht darch eine Folie Verfälfcht/ 
fondernentweder ein Fluß / da nehmlich das Edelgeftein durch uud 
durch tin giret und gefärbet worden / fo muß man ſolchen Stein deſto⸗ 
. genauer befichtigen / ober and) kleine Bläplein oder Stäubtein in (ich 
Babe / weil diefeein Anzeigen / daß ſie von ber ungleichen Wirckung 


des Feuers in der Materia , oder durch die äuflerfte Gewalt der Hihe 
— hr verur⸗ 


+ 


* 


Be — — 
verurſachet worden; oder man muß ges mie der Zeile darüber herz 
da ſich dann die Falfchen Leichtlich feilen laſſen die Wahrenund Ech⸗ 
ten aber nicht/ ausgenommen allein der TopasundSmaragd. Man 
erkennet fie auch an ihrer Schwere und Gewicht / und bey derfelben 
Unterkegung von fich werfienden Glantz / nachlaffenden Schein/ wel» 
er niemahis die Augen fo beluftiget/ald der Glantz der wahren Edel» 
eſtein thun kan. Noceinanderer Weg der Verfaͤlſchung geſchie⸗ 
ber auch durch ein Stein⸗machendes Waller von Mineralien, welches 
man in Wachd: Fornigieflet/ bis es — und alſo Edelgeſteine zu 
wege bringet/ die den Echten nicht viel ungleich (Ind. j 
Die Edeigefteine geöffer fheinend zu machen / als ſie an ſich felbft ſeyn / 
fo geben etliche dem Untertheil des Edelgeſteins / welcher in dem Ka⸗ 
ften oder Behaͤltniß eingefaſſet iſt / mancherley Ober- Flächen / damit 
durch deren vielfältigen Widerſchein das Juwel defto gröffer ſcheine / 
wiederum fo eine unmittelbare Lufft zwiſchen der Obere Stäche des & 
delgefteind und deffen Blächlein oder Folie ift/ fo wird ſolches nach fefe 
ner Proportion den Stein auch gröffer machen / alderan ſich felber 
dft/ weil die Lufft allhier an ſtatt des Leibes dienet. h 
Endlich fo helffen auch die fo genannte Folia oder Blättlein/ welche uns 
ter die Edelgefteine/ wannmandiefelbe verfegetund einfaffet/ geleget 
werden / gar viel zu derfelben Schoͤnheit / weil dadurch / wie aus einem 
Splegel das Licht/ und die Strahlen nur deſto ſchaͤrffer und lieblicher 
aus den Edelſteinen heraus fundeln ; es feynd aber ſolche Folien mehe 
rentheils von Metall, ald Kupffer / Gold oder Silber / melde abſon⸗ 
derlich in Rürnberg gar fauber verfertiget werden ; Manpflegt te 
aber. an einen Faden in den Ofenzu hängen / daß le von den Dampff 
desjenigen/ was unten vornemlich zu ſolchem Ende verbrannt wird/ _ 
muogen gefarbet werdens alſo berbrennet man/ um eine grüne Folie 
au machen/ grüne Federn / oder die Blätter von Buchsbaum. Zu ei» 
ner blauen Folie blaue Federn; zu einer Rubin⸗ rohten Farbe Schar» 
fach- Wolle oder Scharlack⸗Flock · Seide / wie hiebon weitläufftig Ba- 
ptifta Portaim 6. Buch feiner Mag. Nat. zulefen.: 
Bon denen geſchnittenen Steinen/ Lateinifd) Gemmz Cxlatz, Frans 
öfifch Pierres Grav£es genaunt/ noch etwas weniges zu gebenden/ fo 
Anderman/ daß die Alten faft alle Edelgefteine / fonderlic aber Car- 
neolen, Amethiften, Jafpis, Sarders, Marmor-und Onich-Gteine dar: 
ugebrauchet / und auf ſolche Buchftaben und Bilder gar ünftlich in 
(gender *—* eingeſchnitten / als erſtlich Pittſchafften / die her⸗ 
nachmahls in die Ringe verſetzet worden / davon im z.B. Moſ. am ze. 
Cap. zu leſen: Daß Aaron in feinen Hohen⸗Prieſterlichen Schmuck 
auch etlicge Edelgefteine / in welchen dev Kinder Iſrael — ge⸗ 
it⸗ 


. Ede 389 
ſchnitten waren / getragen habe. Dann alfo lautet der Befehl GOt⸗ 
tes: Du ſolt zween Önichfteine nehmen / und Darauf graben 
Die Nahmen der Rinder Iſrael / auf jeglichen ſechs Nahmen / 
nach den Orden ihres Alters / das ſolt du thun durch die Stein⸗ 
ſchneider / die da Siegel graben / alſo daß ſie mit Gold umher 
gefaſſet werden. Und Exod. z0. c. v, 6. wird gemeldet / daß ſie 
von Bezaleel alſo find verfertiget worden. Der Roͤmiſche Kaͤyſer 
Aug ullus gebrauchte zu feinem geheimen Siegel einen Edelſtein / der 
einenSphingem vorflellete / wie eraber vermerdete / daß man uͤber 
feine verfiegelte Ordres ſchertzete al6 wann fein Sphinx immer neue 
Käbeltrüge / fo beränderte er das Cachet in des Alexandri Magnä 
Bildnif / welches auch feine Nachfolger follen beybehalten haben: . 
Rach Galba fam einer / der feiner Familie Geſchlechts⸗Siregel brau⸗ 
ete /nemlich einen aus. den Vordertheil eined Schiffes herborſprin⸗ 
enden Zund. Der grofle Pompejus hat einen Edelftein im Ringe 
‚getragen/ darauf ein Lowe ſtund / der in der Tagen ein Schwerd hielt, 
-Meccenas, ded Kaͤyſers Auguſti Biebling/ hatte einen Froſch im Sie⸗ 
gel-Ring. Der jüngere Pliniuseinen Qyadrigam , wieerfelbft ſei⸗ 
Men Rayfıe benachrichtiget / Lib. 10.Ep.ı6, In Summa, ein jeden, 
erwehlete / was ihm wohlgefiel, u 
Die andere Battung nennen die Frantzoſen Bijonx, oderbie Praͤchti⸗ 
en/und werben zu foldhen alle Steine gezogen/die zu kinen Gebrauch / 
ondern nur bloß zur Parade dienlich ſeyn. Die Römer/ welche hier- 
inn überaus hoffärtig waren/vermeynten/ daß man feinen Reichthum 
wicht beffer/ ald aus ——— King könnte ſehen laſſen. Plı= 
nius Hiff, nat, lib. 33. cap, ı. fchreibet/ daß in Kom eine ſolche Uppigkeit 
damit getrieben worben / daß auch die Finger wegen der koſtbahren 
Steine ihrer unartigen Groͤſſe (ind beſchweret worden. Die Poeten / 
und infonderheit die Satyrici, machten ſich hierüber fehriuftig / und 
theileten zu weilen wichtige Pillen aus, Kin artiges Epigramma 
bat Martialis lib. Il. c.33. alfo lautend: | 


Zoile qvid tota gemmam praecingere libra 
Te juvat, & miferum perdere Sardonycha? 
Annulus ifte tuis fuerat modo cruribus aptus 
Non’ eadem digitig pondera conveniunt. 
Mein Zeil’ , was hilfft dir dein groffer Edelſtein? 
Mit deinen Ring trifft ja kein Singer hberein. 
Ich glaub’ erift vielmehr geſchickt zu deine Waden / 
Darum fo laß hinfort Die Singer unbeladen, 


Bb3- Med 


399 Ede | 

Merdwürdigiftesauch / was offtbemeldter Plinius Hiftor. Nat. libs 
37. cap. 6. Vom Nonio einem Rahtsherrn erzehlet : Diefer hatte ei- 
nen herrlichen King / barinnen ein Opal von groffer Koftbarfeit geſe⸗ 
get war/ Antonius begehrete diefen Ring inſtaͤndig aber Noniuswar 
eigenlinnig/ und ſchlug es rund ab; Fenem verdroß folche Unhöflich« 
keit / daß er ihn ausder Stadt jagen lief. Diefer mufte nun Saab 
und Gut ſtehen laſſen / Doch zum Verdruß des Antonii nahm er den de⸗ 
gehrten Semmam, ber über zoooo. Rthlr. gefchäget wurde / mit fort. 


Es war aber allen Edlen und freyen Buͤrgern zu Rom bergoͤnnet / © 
delgeſteine zu tragen / denen Leibeigenen aber war es verboten/ wiewol 
fie wol Eiſerne Ringe tragen möchten) fonderlich Dicjenige/ welche Di- 

penſatores oder Ausgeber in ihrer Herren Häufer waren / und der · 
gleichen Ringe Amts halber gebrauchen muften / um das jenige / was 
nicht ſolte beſtohlen oder benaſchet werden / zu verſiegeln. So koͤnnte 
auch ein Gemma allenthalben getragen werden / warn nur des Kayſers 
Bildniß nicht darauf gefhnitten war ; Denn dieſes muſte man nicht 
ind Hur⸗ Haus / noch auf einem heimlichen Gemach dringen; Wer 
mit dieſem Schmuck an folche Gerdüchtige Derter betroffen wurde / der 
hatte das Leben berwircket. 

Die dritte Gattung waren diejenige / welche etwas Verliebtes / auch 
wol manchmahl biel Unkeufches orſtelleten / die wir aber allhier mit 
Stillſchweigen übergehen. | 
Unter die bierte Claſſe zählen wir die Aberglänbifche/ oder Diejenigen 
Gemmas, welche die Heyden ald Amulera „ oder auch als zauberifche 
Inftrumenta gebrauchten. Von der erften Gattung dat man wieder» 
am etliche ſehr unflaͤtige Poffen / damit junge Ehe⸗Leute / und infon- 

derheit verlobte Perfenen das Reſſelknupffen vermehren kunnten. Die 

Andere Sorte, Die man Gemmas Magicas nennte / (ind entweder gar 

alt oder auch neu; Diealten find die alfo genanhten Talismans , und 

Die neuern die Abraxasder Reber. Man hält insgemein den Apol-- 

lonium Tyanacum por den Erfinder dieſer Poffen; allein Stanlejus‘ 

in feiner Philofgph, Orient, p. 279, mill eö Richt zugeben / ſondern er⸗ 
weiſet / daß die alten Chaldaer diefe Kunſt erfunden haben, Selde- 
mus vermeynet / daß die Bögen Labans / fo Rahel wegſtahl/ ſolche Ta- 
liemans geweſen / de DIS. Syr.Synt 1, cap, 2. welches nian dahin ge 
ſtellet ſeyn laͤſſet. Nuriftzuerinnern/dag ein Talisman allezeit.eine 

Abbildung eines Monftri oder ungeheuren Thieres hatte /mitetlichen 

Signis Der Aftrotogie, oder des Planeten’ darunter er war verferti⸗ 

get worden. Eine gleiche Beſchaffenheit hat ed mit denen Abraxis 

der alten Ketzer / Dieindgemein einen Eghptiſchen Goͤtzen daraufge- 
kehnitten/ und etlicher Engel/ oder auch wel GOttes Rahme ſelbſt da- 


„bey 


u u in — 


en _ u 


- Ede Edu zgt 
bengeichrieben/ wie ſolches aus Chifleri Bud) de Abraxas weitlaͤuff⸗ 
tiger zu erſehen. 
er den Wehrtder Antiq. geſchnittenen Edelgeſteine und ihre Auf⸗ 
mchtigkeit erkennen wil / der muß fonderlich anf dreyer ley Achtung ges 
ben / als erftlich muß er wiſſen / wie groß erjede Art der Edelgeſteine 
insgemein befomme/ um zu fehen/ ob. am der Groͤſſe des Borgezeigten 
etwas ſeltzames ſeye. Zweytens / muß er wohl acht haben / oh die dar⸗ 
auf gefchnittene Bilder wohl gezeichnet und gearbeitet / fonft fällt der 
Credit , fonderlich des Alterthums ziemlich dahin. Drittens / hat 
man auch eben/ wie bei den Medaillen, noch andere Kennzeichen / aus 
denen man des Kunſt · Stũcks feinen Wehrt und Alterthum erkennen 
Eann/ al zum Exempel: Zu Paris wird in der Schatz Kammer ein 
groß Gefaͤß von Orientaliſchen Agath mit Hieroglyphifchen Schriff⸗ 
ten gewieſen / welches vor ein von Ptolomxo Philadelpho gebrauchtes 
Geſchirr ausgegeben wird. Ob nan wol an der Antiqvität dieſes 
koſtbaren Stucks keinesweges zu zweifeln / ſo muß man Dec) wegen der 
allzufaubern Arbeit billig anftehen , ob es von Prolomzo hergekom⸗ 

en/ zum wenigſten wollen einige argwohnen / ob fen an der Antigvi- 
tät Diefed Stuͤcko durch eine neue Sand etwas gefünftelt worden. In 
Ber Königl. Reſidentz⸗ Stadt Berlin wurde vor einiger Zeit von ei⸗ 
nem berühmten Sieinſchneider dad Köntgl. Preußiſche Mapen it 
einen Diamant geſchnitten / wofuͤr der Meifter 000. Rthl. zur Beloh⸗ 
nung befommen / womit dann zugleid) das gemeine Gericht verlo⸗ 
. fihen / ob wäre die Kunſt in harte Edelſteine zu ſchneiden / den Alte 
nur allein befanntgewefen, Zwar läßt man ſie / was die erhobene Ar⸗ 
deit betrifft / vor gute Kuͤnſtlers pastıren / zu glauben aber ift / daß 
mann unfere heutige Steinfchneider ihrer angewandten Mühe halber 
reichlich bezahlet werden folten / daß ſie noch eben dergleichen Künft- 
Stůcke und vielleicht in gröfferer Perfection , als die Alten zu wege 
bringen wurden. | 


Die Edelgeftein und Perlenzumägen / brauchen die Juwelirer das 
Unten und Karat Gewicht / 1. Unge hat 76. Grains, fie wird aber in 
Perlen-Gewicht zu soo. Grain gerechnet ; insgemein theilen die 
Goldfhmiede die Marck fd’aloy oder once in octaven Carars und 
Grainsein/ alſo daß ein Marck oder Once ifts. odtaven, die Odtav 20, 
Carats, und dad Carat 4.Crains , item in 2.1.3 4 · 16 und ine. 
Theil / oder J· Grain,thut auf die gange Once 640. Grains, bey den 
ne aber wird folche Once d’ Aloy nur anf s76, Grains ges» 
rechnet. .. 
“ Edulcoratio, eine Berfüflung / wann die Traͤncke mit Zucker oder 
Syrup verſüſſet werden. Item / — die falsigteg oder ſau⸗ 
| 4 ren 


39% Eff Ein 
ren Theil audfüffet/ wie bey den Antĩmonio Diaphoretico und ps=ci- 
pitirten Magifteriis gefchiehet, | 
Effenbaum / Ulmus tertia, Atinia Plinii, 
Effufio, eine Ansgieffung / wann man das Waffer per inclinatie- 
nem abgieffet., Ma 
$Egel-Araue/ Numularia, 
Egyptiſcher Pfeffer/ Piper Æthiopicum. 
Egyptiſche Bohnen / Faba Pontica. _ 
Ellen · Maaß / vide Maaß und Bericht. 
Ehrenpreis / Veronica, wirdalsein herrliches Kraut an ftatt des 
Thee gebrauchet / und weit beſſer feiner Kräffte halben befunden. 
Eibiſch⸗Wurtz / Althea, Bismalva, 
Eich⸗ Baum) Quercus. 
Eich⸗Trauben / una Qrercina, 
Eicheln / Glandes Driobalani. 3—F 
Eichel⸗Saͤuslein / Copulæ glandium, Cyttari, 
Eichenfarrn / Filix Qvernea. 
Sichen die Faͤſſer / vide Pifwen, 
. $Binbeer/ Paris Herba, 
Einblat / Unitolium. gramen Parnafli, 
Eingemachte Sachen / vide Condita. 
Einhorn / unicornu, kommt von einen Fiſch / der in Groͤnland 
gelangen / und Unicornu marinum oder Narhval genennet wird. 
or diefen wurde es unter die gröften Schaͤhe geleget / nunmehr 
aber machet man nicht mehr ſo viel Wunder daraus. Es wird des 
Einhorns ald eines vierfüpigen Thiers offtmahls in Heil Schrift 
et als im4. Buch Mof. am 23. Fob.30. Pfalm z2. allein ver» 
mubtlich wird Darunter das Raſehorn berſtanden / wiewol noch nicht 
ausgemacht ift/ ob das Ebraͤiſche Wort vecht überfeget worden. 
Dap im übrigen diefes Horn ein bortveffli Mittel wider den Gift 
fen / ift von vielen durch die Erfahrung dargethan worden. Die 
Fiſch⸗Hoͤrner / die wir haben/ werden gewunden / und gantz glatt/ 
lang / did / Hein und dünne gefanden. Unicornu foffile , gegraben 
Einhorn / foaud) Unicornu minerale , Ebur foflile, Lapis ceratites 
enennet wird/ findet man bey Ausgrabung groſſer Bebäue und 
Stadt-Gräben / auch in alten Hölenund Zelfen. Csift aber fi olches 
aweyerley Art / nemlich das wahre und falſche Einhorn / dieſes iſt 
dichts anders / als Beine von Thieren / die nad) der Putrefadlion in 
der Erde / durch die laulichten und feuchten Dünfkecalciniret worden; 
gene aber feynd unter mancherley Beftalt/ als der Elephanten Zähne/ 
Knochen und dergleichen beſiehe hievon Kircherum in mundo fubter- 
raneol.gz, „Man findet es zu weilen fo groß und disk / daf 4 ie 
| er 


* 


| Ein — __393 

Thier gröffer hervor bringen Fan fein Weſen iſt allzeit feinigt / und 
entweder hartoder weich / Aufferlich ift es meiftend Kart / innerlich 
aber weich/ weiß / glatt und zerbrechbar/ hat keine Lufft⸗Loͤchlein / klebt 
ander Zungen/undriechet nicht unangenehm; Die äufferfte Rinde 
ift zuweilen gelb / Aſchfaͤrbig und grün / wann man es ind Wafler 
wirfft / fo gibt es Blafen von lich / eben wie gebrannt Helffenbein oder 
Hirſchhorner / es refolvirt ſich aber nicht / wird auch nicht weich oder 
aergehet/ wie Terra figillata, jedoch klebt es an den Zähnen Awie-Bo- 
lus, Mergel oder gebranntes Hirſchhorn; Viele glauben / daß es 
Hörner von den Einhorn: Thierenfeyn / welche in der Sündfluht um⸗ 


gekommen / und lange unter der Erden verſteckt geweſen derer Fleiſch 


und weiche Theile durch die Ränge der Zeit berzehret worden: An⸗ 
dere nehmen es vor Elephanten Zähne oder Bebeine/ die entweder in 
der Sundfluht mit Erdenbededt/ oder von Hannibal ( wie Cxfalpi- 
nus will) in Ttalien gebracht worden ; geſetzt aber/ daß dieſes auguge: 
ben/ fo hält und befeftigetdoch das Widerſpiel fo wol die Figur als die 


Groͤſſe / und das dieſes Begrabene auch in anderer Form / als in Ele⸗ 


phanten Zähn gefunden werde / fonderlich in Schlejien/ Thüringen/ 
Sachſen / Meiſſen / Heſſen / da es fehr häufig gegraben wird / unge» 
acht in diefen Ländern die@lephanten fehr felsam ſeyn. So aber die» 
ſes Minerale von Hannibals Elephanten herftammet / ſo ſtuͤnde erſt zu 
fragen/ wie felbige an diefe Derter gekommen ? und warum hätten 
= nicht diefe Hörner und Zähne der wilden Thiere/ fo in der Suͤnd⸗ 
fluht untergegangen / auf der Oberflädhe oder auflerhalb der Erden / 
koͤnnen auögeftveuet werden / da ſie doch nicht gefunden worden / font» 
dern blog in den innerften Bängen derfelben? Hier möchte jemand 
antworten / durch die gemaltfame Waſſer-Uberſchwemmung fen die 
Erde überftürget geweſen / und ſeyn damahls die Berge erftlich ge» 
‚ worden. Aber diefer Generation der Berge ift die heilige Schrift 
gank zuwider / indem fie Geneſ. 7.v.19.0nd 20.fpriht : Und das 
Sewaͤſſer nahm uͤberhand / und wuchs ſo ſehr auf Erden/ Daß 
allehohe Berge unter den ganzen Himmel bedeckt wurden. 
Woraus ja Elar zu fehen /. daß fchon vor der Sündfluht Berge gewe⸗ 
fen/ und nicht nur durch die Gemalt des Waſſers erſtlich entftanden. 
Has aber den Linterfcheid diefed gegrabenen bon den wahren Ein» 
horn betrifft/ift derfelbe diefer: Das rechte Einhorn ift hart und feſt / 
alfo daß man es Faum feilen kan / vielweniger ſich veiben läft / klebet 
auch nicht an / ſo man es an die Zunge hält / das gegrabene Einhorn 
aber iftnichteinharter Stein / fondern wie gebrannt / laͤſt ſich Leicht 
brechen und reiben/ und Elebet an / warn man ed an die Zunge hält. 
Die befte Meynung ift/ daß dieſes Unicornu foffile, welches ja fo bald 
Die Form und Beflalt eines in der en za Stein gewordenen pe 
i | f 


* 


u Ein Ef 3 — 

bes als Horns hat) in den Schooß der Erden felbft gegruget / und da⸗ 
ſelbſt in eine fo harte ſteinigte Materiam verwaudelt werde. Vide 
hievon mit mehrern Schröders bollſtaͤndige Apoteck / Lib. 3. o. 8. 

Binkorn/ Spelta, Zea. F 

Eiß / wird des Sommers in’ Italien and Franckreich fehe viel 
Serkaufft/ dabeny die feder-Mäuler ihr Getraͤnck Falt'machen ; fie ha= 
‚ben aber dabey zu beforgen / daß ſie mit der Zeit in Verkaͤltung des 

Magens/ in Kranckheit der Nieren / des Steins / der Nerven und der 

Blieder fallen. | | Ä 

fEis-3uder/Saccharum Candifatum, 

‚ Kifen und Eiſen⸗Waaren / das Eifen iſt ein gewiſſes Metall / be⸗ 
ſtehend mehrentheils aus einer guten Qyantität ſaͤuerlichen Saltzes 
und firer Erde / einen ſproͤden Schwefel / und etwas weniges bon 
Mercurio: die häuffig beygemifchte Erde machet / daß es ſo leichtlich 
ſich nicht fchlagen läffet / wo ed nicht rein / und bereits die Art des 
Stahls an ſich genommen / fondern den fo genannten Zunder Schup⸗ 
pen· weiß abwirfft; * des in geringer Qrantitaͤt beygemiſchten 
Mercurii,hat es feine Haͤrte / und iſt daher viel ſchwerer / als andere 
Metalle zu ſchmeltzen; in Anſehung aber ſeines beygeſellten Schwe⸗ 
fels und feuerlichen Saltzes / pfiegt es leicht zu roſten / und ſich mit dem 
fo genannten Eiſen⸗Saffran zu überziehen. Alles Eiſen iſt entweder 
gediegen oder rohe / das Gediegene findet man gemeiniglich in Kör⸗ 
nern oder Stückweiß / zu weilen flieſſet es auch in den Bergwercken 
vonder Hitze des unterirrdiſchen Feuers / wie Waſſer / fo / daß ihme 
die Figut der von denen naheftchenden Baͤumen int Vorbeyflieſſen 
etwan darein gefallenen) Blätter fo fcharff eingedruͤcket wird / daß es 
auch / wann es erhaͤrtet / gantz deutlich zu ſehen; oder ed wird ud) 
durch die ET RER ar ie Hitze des fo genannten Erd⸗ 
Feuers / das pure Eifen mitten in den Steinen gefhmolgen/ und 
Gtüdmweiß andem Stein hangend heraus getrieben. Das Rohe hin» 
gegen beftehet auseinem mit Qyark und Sand / Erbe oder Kieß ver⸗ 
mifchten Minera und Gtufen; Diefe find meiftens braun oder 
ſchwartz von Farbe / roht-gelbeingefprenget / und gleichſam von Roſt 
hier und dar nberlauffen/ doch muͤſſen ſie dabey / mann ſie gut ſeynd / 
etwas blincken / und int Fühlen ziemlich ſchwer ſeyn. Dieſe Minera 
und Eifen-Stufen werden durch die fo genannte Puch-Wercke und 
groffe Eiferne Hammer zerbröchen und zerfchlagen/ alödann geſchmol⸗ 
Br ir ſtarcke Stäbe und Stüde gefchmiedet/ und zum Verkauff auf» 

ehalten. | 
Heutiges Tages kommet fehr viel Eifen aus Schweden / wodey an« 
faͤnglich zu erinnern / daß bor diefen die Schweden den fo — 

smun 


* X 
395 
Osmund oder Malm (das ift die Eiſen Klumpen » Materia , wie fie / 
aus der Erden gegeaben worden) nicht zu ſchmeltzen gemuft / ſoudern 
ſolche ber ganhen Schiffs⸗Ladungen boll nad) Lübed! gefandt / wor 
felbft und in denen daherumliegenden Drtern / (immaſſen folches die 
Rudera der Schweden öfters noch ausweisen ) viel Schmels » Hütten 
geweſen / welche dieſen Osmund gereiniget/ geſchmoltzen und in Stan» 
gen-Eifen verſchmiedet / fo hernach wieder nah Schweden geführet/ 
und dafelbft verkauffet worden / (mie etwan heutiges Tages. die 
- Schweiger bon und die Wolle/und die Holländer das Leinene Garn’ 
abbolen/ und uns hernach die daraus fabricirte Stoffen/ Leinwandten 
und gebleichten Zwirn wieber zuführen) bis endlich etliche eigennügige 
Leute jich aus Teutfchland nadı Schweden begeben/und denen Schwe⸗ 
den die Handariffe/ das Eifen zum Gebrauch zu fabriciren/ gewieſen / 
fo daß nunmehrounterfchiedliche Arten dafelbften gemachet werden/ 
Darunter die vornehmften ſeynd / als folget: 
Öregrunds-Bifn/ welches mit vor das beſte gehalten wird / und da* 
von 3. Stangen aufein Schiff-Pfund gehen / auch jede Stange zwey 
bis3. Finger breit ift. Ä | 
Voyage-Eyfinnennetmandasjenige / welches gang fein / und bon 
welchen 10. bis ız. Stangen ein Schiff-Pfund wagen. - | 
Champlon-sBifen ift bis s. Finger breit/ auch manchmahl bierkan⸗ 
&igt/ und wird gefchimiedet/ fo wie es jedweder haben will. Kniep⸗ 
Eiſan ift ſchon zerfpalten oder geklöbet / und wird bon den Nagel» 
Schmie den gebraucht. Dan hat auch dergleichen, fo man zu Eiferne 
Bolten verarbeitet/ dag man felbige gleich abEnipen kan ; diefes Eifen 
aber ift am theuerften, | 
Gebogen-Kifen/ dienet auf Eſel oder Pferde zu laden / und alfo über 
gebiergige Dexter zu verführen/ weiles Löcher * / bey welchen man 
es uͤber die Roß⸗Saͤume füglich hangen kan. 
Band ⸗ Eiſen iſt gantz dünn geſchlagen / und dienet / um Bänder an die 
Wein⸗Faͤſſer davon zu machen; Es iſt mit den Eiſen⸗Platen in eis 
nen Preiß/ und am theurſten. Giferne Platen werden zu Ofen und 
andern Thuren/ item Käufer mitzu decken / und auch. von den Harz 
niſch⸗Machern gebraucht. Geſchnittene Platen werden diejenige ger 
nennet / die ſchon rein gang fein und dunn feynd. 


—— aber/ die erſt bon Hammer gekommen: andere und 
auch kleinere von Eiſen gemachte Manufacturen ſeynd: Ambofle/ 
Haͤmmer / Mahl-Stangen/ Zapffen und Ringe zu Muͤhl⸗ und Waſſer⸗ 
Raͤder / welche Stuͤcke alle / weil ſie ſich in kleinen Hand⸗Feuren nicht 
bezwingen laſſen / auf den fo genannten Eiſen ⸗ HDamn er⸗Muͤhlen ag 

| 2 en 








396 Eif | | 
fen gemachet werden. Ferner werden bon Eifen berfertiget allerhand 
Winden / grofle Laſten damit zu heben / Rüft ⸗ Spreng » und Muͤntz⸗ 
Zeng/ zu grob und Heinen Gorten/ mit Schraub-Drud:und Taſchen⸗ 
Werxcken / Heb⸗Boͤcke / allerhand Preffen von unterfchiedlichen Gat ⸗ 
tungen / ſowol in den Druckereyen als Apothecken zu gebrauchen / und 
auch denen Knopffmachern dienlich / Schloͤſſer und Schlüffel zu Ge⸗ 
\ mächern / Kiſten und Schränden / vielerley Arten eiſerne Baͤnder / 
x el/ Ringe und Handheben / eiferne Thuͤren / Geld-Caflen und 
e/ an welchen man / vermittelſt eines einigen Schlüffeld mol 10. 
uud mehr Riegel und Schlöffer auf einmahl auf-und zufchlieffen kan / 
ſchoͤne Bitter und Sprengwerck / Geſtelle zu Labetens / groſſe Uhren / 
Chyrwrgifiche Inftrumenten/ als Kopff⸗ und Bein» Gägen / Trepan 
aber Kopff⸗Schrauben / Mutter-Spiegel/ Achſel⸗Zuͤge / Kugel⸗ Fetl 
aut Korn⸗Zangen / ec. Pelican / Geiß⸗Füͤſſe und andere Zahn⸗ Inſtru⸗ 
menten / Cauteria oder Etz⸗Eiſen / Catheteres oder Sunden / Spatel / 
chzüge / Sucherlein und dergleichen. Ferner allerhand Mache« 
matiſche inſtrumenta, als Aſtrolabia, Quadranten / Proportional- 
Zirckei / Maaf-Stäbe. tem Artillerie und Feld-Meffer-Iaftru- 
menten. Allerhand Goldſchmieds⸗ Zeug / verfchiedene Battung bon 
Hammern/ Zangen und Amboſen / Schraub-Feil- und Loͤht⸗Kloben / 
Stockſcheeren / Kugel⸗Modellen / Durchſchlaͤgen / Gerbſtahl / Grab⸗ 
ſticheln Meifteln / Hauſtaͤmm und Befchneid » Eifen. Allerhand 
Muͤntz und andere Stämpfel/ Schneid-und — Grab⸗ 
Meſſer / Wetzſtaͤbe / Beit / Sägen/ Beſcheid⸗Meſſer und Wein-Hipe 
gen; mie auch zu dem Haus-⸗Weſen Wachs ⸗Stoͤcke / Leuchter / Licht» 
neutzen / Feuer⸗Zangen und Pfannen⸗Eiſen / Roſt / Fleiſch⸗Gabeln / 
Kohl-und Glut⸗Pfannen / Feuer⸗Eiſen / Beutel⸗Ringe und Geſper⸗ 
re; Standarten und Carabiner⸗Hacken / Schlüffel-Ringe/ Bohrer / 
Saͤgen / als Handſaͤgen / Klab-und Laubſoͤgen / zur zierlichen Schrei⸗ 
ner· Arbeit / ſamt denen Baum⸗ und Boltzſagen / Hobel⸗Eiſen / Schneid⸗ 
and Geſims⸗Eiſen / ſamt den gantzen Saͤulen⸗Zeug von fo genannten 
Schnep⸗ und Enten-Schnäbeln/ Stahl/ Rehl-und verkehrte Carnis⸗ 
Eiſen / Poſtement und Eapital-Eifen /alled außgefeilet. Das gantze 
Dreh⸗ind Stech⸗Gezeug / jened vor die Drechsler / dieſes bor die 
Bildhauer und Schreiner ; imgleichen auch Ausbrecher / Schnitt: 
Meſſer⸗Maͤyſeln und Stein⸗Gezeug / wie auch Raupen-Eifen und 
Kaupenfcheeren/ um die Bäume und Hecken von den Raupen darmit 
zu reinigen: Feilen / Meffer-Klingen/ Ahlen’ Nehnadeln / Panger/ 
allerhand Waffen / Huffeiſen / Beile / Pflugſchaaren / Senſen / allerhand 
Blech⸗Zeug / Spohren/ Pferd⸗Gebiſſe / Ringe und Ketten / Nagels 
unterſchiedlicher Gattungen / und was dergleichen Eifen-Gezeng 
mich iſt / welches wir darum guten Theil nahmhafftig gemacht / da⸗ 
mit 


—3 
* 


*6* 


Fruchſlũ. 


⸗ 


Benieffung dieſes Krauts die giftige Sch 


— 
iſt 


Eif Ele 397 
enannte Eifen-Rramer / wann fie Ihres Orts einen wohl⸗ 





mit die fo 


: Sfortirten Ci Krahı Magazin oder Gewolbe haben wollen / gleich 
| im Man was (fe zum 


nfang ihrer Handlun — vonnoͤhten 
ie meiſten dieſer Waaren / —** die Kleinigkeiten / 
muͤſſen an truckenen Oertern wohl verwahret/ und in Papier wohl ein- 
ebunden gehalten/ aud) mit Baum-Deleingefchmieret vor den Roſt 
Bewahret werden ; Bo aber derfelbe uberhand genommen) fo nimmt 
man Magnetfteins. Loht / Hammerſchlag s. Loht / Aſchen · Schmaltz i. 
Roht/ Bimsſtein s. Loht / Klauen⸗Fett oder Fett von Knochen s. Loht / 
den Magneiſtein / Hammerſchlag und Bimsſtein in Moͤrſel Hein ges 
ſtoſſen / geſiebet / und mit den andern Stücken zu einer Salbe ge 
ſchmoltzen / und damit beſtriechen / fo wird der Roſt vertrieben. 
Eifen⸗Blum / Flos fetri, iſt ein ſchneeweiſſer zu weilen jülber-färe 
bigter mineraliſcher Stein / ſo in den Bergwercken auf einigen Ergen/ 
and beſonders auf den Eiſenſteinen in die Hoͤhe ſchieſſet / und entweder 
wiegefchmeidige Corallen / Zincken⸗ geſtreiffte Chryſtallen / oder in an · 
dern Figuren anzuſchen; je weiſſer und durchſichtiger ſie ſeynd / je 
beſſer es iſt ; Sie ſoll ſonderlich in Blurflürgungen und der rohte Ruhr 
guten Nutzen ſchaffen. Bu 
ER OR dunckle braune Berg-Art/ den braunen Eifen« 


H i 

sEifen-Koft/ Rubigoferri, . 

Eiſen⸗Schlacken / 8qyama ferri, velScoriz, 

Eiſen⸗ Hart oder Kraut / Verbena. 

Ei ſen⸗Huͤtlein / Napellus. 

SEiſen⸗Kraut / Verbena. 

Elaphobofcum five Cervi Pabulum, Hirſch⸗Futter / alſo werden 
die Paſtinacken genannt/ weil man dafür ui / dap der Hirſch durch 

ngen«-Biß dämpffe. 
': Elaphofelinum, Petröfelinum montanum, 

Elaterium, Eſels⸗Gurcken⸗Safft / wird von denen Cucumeribus 
Afıninis oder Eſels⸗Gurcken gemacht; Es iſt ein eingefottener Safft/ 
welcher borhero gepreſt / geläutert / und wieein did battwerg ein 
twird. Diefe Mareria wird felten bey den Materialien gefi 
ndeflen aber ein fehr ſtarckes Keinigungs-Mittel: 

Elatine , Hedera terraftris, item Veronica feemina Matıh, & 

Eleagnon, agnus caftus, 

Eleftrum Magicu . aus Gold / Silber / Rupffer/ Stahl / 
Zinn / Bleyund —* vermiſchte Materia, welche uͤber einen 
Feuer / ſo von den eingeſchlagenen Donner herkommet / und von denen 
Chymifen Tubals-Seutr genennet wird / zuſammen —— 





398 Ele 
und alsdann Schwerdter daraus geſchmiedet werden / welche deuers 
Feinden eine Furcht einjagen/ andere Klingen zerfpren + /undauch- 


fonft fo kraͤfftig ſeyn follen / dap niemand dargegen Widerſtaud zus ie 
thun vermag: Es gebraucht aber dergleichen niemand leichtlich / als 
der nur ein Poltron iſt / und fonft Feine Courage hat. 

Eledtrum, vide Saccinum, Agtftein/ wann ſolcher Elein geftofen/und 


‚mit Gärten: MWaffer getrunden wird / follerStranguriam oder ders 


zohten Stein brechen; item geftoffen Börnftein mit Camillen⸗Oel 
gemiſcht / und indie Geite gefchmiert / benimmt das Seitenſtechen / 
mit Rofen-Del vermengt / und das Haupt darmit gefchmieret/ prafer» 
viret vor den Schwindel. 

Eleätrum Minerale, ift das erfte Mefen der Metallen, das feine letz⸗ 
ie Are noch nicht garerreichet / und doch voller ſaament⸗ 
icher Krafft 

Eledtuarium, eine Latwerg / ansgefottener Safft / beftehet aus pul= 
verifirten Medicamenten/ Honig/ Syrup und Zuder: z. Ex. R. Rad, 
enul. irid, flor. Higvirig. ana 1.Qvintl, fol, falv. veron. hisfop, ana eine 
halbe Hand voll / Sem. anif, feenicul ana 1. Qyintl,Bacc, laur. Num, 
xv, Contufa mifceantur cum Mellis qyant; fat, fiat electu. petorale 
5, re daboı nach Belieben eine gute Meffeeipise au 
nehmen 


Die in denen Ofhcinen befannteften und gebräuchlichften Ele@tuarias, 


und zwar erſtlich Cortobarantia, Antidota & Opiata feyn : 
Ele&, Aurex Alexandr, 


Confeci. Anacardin, cum Butyro & fine Butyro-Antid, Card, Ange- _ 


+ Hei. Matthioli, 

Elca, Apoplect D, Ernefli Athanaſiæ magnz, 

Conf. Alkermes opt.c. M.& A, 8. M. & A. 

Elect Baccar, lauri, è Citrototo, Diacaſtorii, Diacori, —R 
fimpl.Caromat,Diafatyrii. 

Elect. Diafcordii Fracaft;de Gemmis calid. 

Conf.de Hyacinthc,M,& A, S.M,&A, 

Eledt.Liberantis, Marmoladx Hifpan Miclete Nicolai Mithridart 
opt, Nobilis Nucum orvietanı de ovo Philoniü Perfici - Romani 

“. Regyvici, Nicolai, Refumpuvi,fucco)atz Ind. 

Conf, Smaragdin. c. M. S. M. Theriacæ Andromachi- — 
Corleftis-Diatellaron-Porcorum - pro Pauperibus: 
. Trypher& magn,c, Opio & S; Opio-Perlicz Saracen. , 


Ele&tuaria lenitiva & Pürgantiafegnd: 


Eleqct Renedictæ laxat. 


Cal, Extracꝭ ſiye lores pro Clyfer, nn Eu Elect. 





4 





Rn 


— = 
— —* 


* 


© einenfchönenli 








Ele 399 

Kledt.Caryocoftini, Diacartami, Diacatholiei, Diacaflix,e,Manna, | 
Diacydon. purg. duplic-fimplic Diaphanici, Diaprunis Lenitivi 
fimplicis Diaſennæ. 

Conf, Hamech major, R 

Elect. Hieræ c. Agarico-eompofit, Nicol-Logadii-Picrz-Simpl. Ga- 
leni, Blect Indi majoris-minoris. Juflini-Lenitiv. Florenzolx, ' 
Lenit. € fuccisD, Hann. Eledt, de Tamarindis c, Manna. 

Pafful. Laxativ. Condit-Sicc®. Elect. dePfyllio. Rofati Meſua de 
fucco Rofarum, 


„ Pulpz Tamarindorum, Paffularum, Prunorum; 


Paflul. Laxativ. Condit; ſiccæ. , 
"PrunLaxativ,D Nolto. 

Elect. Rofat, Mef. € fuccorofar, Paflular. D, Laurentii; 

' Elemi, Æthiopiſches Oel / Baum · Hartz / welches aus und bon den 
wilden Del-Bäumgen flieſſet; der da ſchoͤn an Stücen / dabey gelb / 

bel und nl der iſt am beſten. Er kommt aus Athiopia, hat 

ieblichen Geruch: der gute iſt gemeinlglich leicht / und 

in groſſen Stücken. 


Elen / Maaß und ihr Unterfcheid/ vide Maaß und Gewicht. 


Elends⸗Klauen / Ungulæ Alcis, kommen aus Schweden end 


‚ Lappland; es werden aber nur die lincken Klauen von dem hintern 


Theil des Leibes in der Artzeney gebraucht. Dieſes Thier hat daher 


ſeinen Rahmen / weil es mit der Elenden Sucht behaftet if / und ſich 


mit Kratzen und Scharren hinter und in dem lincken Ohr mit obge⸗ 
meldten linden Fuß helffen und befreyen muß; ſouſten iſt es ein grof⸗ 
ſes Thier / wie ein mittelmaͤßiges Pferd / das Maͤnnlein hat breite 
Hörner mit Enden, wie ein Brand⸗ Hirſch / wird and) Eqvicervus ge⸗ 


nannt. Die Haut davon wird borandern zflimiret; fo werden auch 


die Klauen haͤuffig geſucht / abſonderlich von den Perlen ⸗Mutter⸗ 
Schneidern und Ring⸗ Drehern / welche taͤglich darinn arbeiten/ und 


allerhand Ringe und andere kleine geſchnittene Sachen daraus ver⸗ 


fertigen. | 
Elend⸗eder / kommt häufig aus Schweden / Lappland, Finke 
und Liefland/ und zwar auf Sämifche Art beveitets es ift das befte 
und daurhafffte / foman zu Neuter-Kolleten / Hoſen und Handſchue 
ey Pfunden/ auch wol Haut⸗weiß verkauft, 
Elenion, Helenium, 
: Eleofelinum, v. Apium, 
Elephanten⸗Caͤus / Anacardium, 
Elffenbein / vide Ebur. 
Klishrylum Creticum, Stegchas Citrina 


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3J vn kan / fonderlich wann es wohl bereitet iſt; es wird gemeiniglich 


Tlixa-· 











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ecke; f 
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400 Een 
Elixatio, Aufie dung / mann man gewiſſe Dinge durch6 Kochen er: 
wei 


et. 

Elixir, ift ein aus dielen einfachen Sachen zufanımen gemengtes 
Medicament, alö da iſt Elixir proprietatis Paracelfi, wor zu Saffran / 
Myrrhen / Aloe/ jedes gleich viel / mit Brannntwein uhd Schwefel 
den Geiſt genommen wird. tem Schwetel-Balfam/ fo aus Myrre 

hen / Schwefel und Terpentin beftchet. Es werden aus die Elix ir 

genannt / Balfamifche/ mit geiftigen Argeneyifchen Ausflüffen / ve . 
mittelft der Infuhon und Digeflion imprxgnirte Ligvores, deren ° 
doch ein jeder auf einebefondere Art bereitet wird. Die gebraͤuch⸗ 
lichſte in unfern Officinen ſeynd: Elixir Alexipharmacum, Alliatum, ° | 
Amygd, amar. Antifcorbuticum, Arthriticum, Balfamicum, Bezoar- 
dicum, Camphorz, Cephalicum, Citri, Cordiale, Hyfteric. & Anti- . 
- Epilepticum, Febrile, Juniperinum, Nephriticum , Ophthalmicum „ 
Pe&orale, Peflilentiale, Proprietatis, Stomachale, Vitrioli, Mynfichti, 
Syncopticum, vitz Matthioli, vitz Rubrum, dito Bononienfe, Ute- 
rinum, Antimoniale purgans , Citri, Polychreftum purgans, dito " 
Herbipolenfium, welche Elixiir inögefamt ihre Compolition in des 
Schröderi vollſtaͤndigen Apoteck lib, 2, cap. s2. zu erfehen. 
. Elleborum album, weiſſe Nießwurtz / wird häufig hin und wieder 
auf Bergen und Hügeln/ ſonderlich aber inden Schwartzwald gefun⸗ 
den; ſie wachſt an einigen Orten ziemlich dick / mit vielen langen Zaͤ⸗ 
fern/fo dag fie auch kan geflochten und alfo weggepader werden; eini» 
ge ſtoſſen tie klein und chuns hernach in Lederne Beutels / und ſchickens 
alſo über Land: ſie hält ſich lange Zeit gut / will aber trucken liegen. 
Ihre Krafft iſt / die melancholiſche Feuchtigkeit und zwar ſehr ſtarck zu 
purgiren / weswegen man ſie nur den ſtarcken Raturen / denen ſchwaͤ⸗ 
chern aber in einen Decocto geben muß. 

Elleborum Nigrum, ſchwartze NRießwurtz / deren ſeynd zweyerley 
Geſchlecht / ſowol an Kraut als Wurtzeln zu ſehen / und beyde Wur⸗ 
heln ſchwaͤrtz / nur daß die eine Sorte braun waͤchſt; fie wird genug- 
am in Teutſchland / aud) inder Schwei und Iyroler Gebürg / a 

- fonderlich aber in Defterreich gefunden. Vor diefem hat man folche 
über Welfchland aus Griechenland haben können; wann diefe Wur« 
‚sel fchön lang und wohl ſchwartz / aud) gut aufgetrocknet iſt / bleibt fie 
lang gut und gereht. Manmup ſich wohl borfehen / daß man nicht | 
die Wolffs⸗Wurtz / als welche hoͤchſt ſchaͤdlich / an ſtatt der Nießwurtz 
ergreiffe / als welche der aͤuſſerlichen Form nad) / ſonderlich wann die 
Blätter davon feynd / gar genau übereinfommt Die Steyrifche 

EN die aus Steyermard kommt / übertrifft die andern alleanı 


räfften. | 
Email, Schmeltz⸗Glad / kommt in Fleinen bezeichneten — aus 
| che 










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Emb Emp . 40 

— —— — — 

tg und Holland / und wird von Porcelain-Töpffern/ item den @olp- 
Ahmieden zum Amuliren gebraudt ; Es wird aber das blaue 
Schmeltz · Glas mit Kupfer und Eyprifchen Vitriol , das Sleifchfarh 
mit Periguer, das Geibemit Feil-Staub/ und das Gruͤne mit Nadel: 


’ feilig und Meßing / andere mitandern Metallen gefärbet. Vide hie⸗ 
bon eın mehrers unter dem Wort Gemaͤhld. 


‘  Emballiven/ einpaden/ daher kommt Emballeur ein Packer / Er 
ballage das Pad-Geräht. Vide Packen und SeHlenbinder. 


Embrochia, eine Befeuchtung / Auftröpfflung/ ift eine Art bon Fo- 
ment, Bank on deuchtigfeit Tropffen weiß auf diefen oder jenen 
heil fällt; wird aud fonffembrochatio implurium genennt, 

Emeticum, dad den monatlichen Flug treibet. | 

menagoga feynd Argeney- Mittel / mit welchen mandie Ver⸗ 
ſtopffung der weiblichen Monat-Reinigung wieder zu recht bringet/ 
ſolche ſeynd Myrrh. Succin. Sabin, Crocus, Borax, pulv.Cachedticus, 
GSpir. C C, Succin.Elixir uter. Tinct. Tart. 


Emollientia, rynd Mittel/ bermittelſt welchen man durch ihre ge⸗ 
linde Waͤrme und Feuchtigkeit / die harie und geſchwollene Theile er⸗ 
weichen kan / ſolche ſeynd Alch, Malv. Verbafc, Chamomelilot. Sam- 
buc,hyofc.lil. alb. ſeſam. Sebeft. ſem. lini. fenugr. ligvid ambr, G, 
@alban maftich. oleum Jafm, olivar. philofoph.fefam. &c, 

Empetrum, Herniaria, Ruta muraria, | 

Emphracticom, ift eben fo viel als Emplaflicum, 
—— leimicht / welches / wann man es aufſtreichet / hart an⸗ 

lebet. 

Emplaftrum , ein Pflaſter / wird insgemein aus Wachs / Del / 
Schmeer / Butter/ Pulver/ Hartz / Pech Gummi und andern Sa« 

chen mehr zu beveitet/ald D. Rivini Emplaftrum Saturnınum, welches 
ſonderlichen Nutzen in laflammationibus ſchaffet. Hierzu R. Litharg. 
3. Qvintl, ceruſſ. oliban, bol. arm. lap. calam. O. hyperic. ana . 
Qvintl, Cer& bitum, ana3. Qvingl, veljv. M. f. 1,4 emplall. Vide 
Pflaſter. | 

Emporium, eine Vornehme Handels⸗ und Anfee-Stadt/ welche fon- 

? derbar der Commercien wegen berühmt ift/ dergleichen feynd air 
burg’ Kübed / Dansig/ Stockholm und mehrencheild alle vornehme 
ander See oder Sciff-veichen Zlüffen (als da feynd Die Donany der ' 
Rhein / die ne und die EHe) — * Handels⸗Staͤdte / vornem⸗ 
lich aber ſeynd es diejenige Riederlags/ Staffel-Recht oder 
Stapel: Freyheit haben/ witwol auch m Rechtslehrer einen Es 

c Vs 
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402 Emp 


terfcheid darinn machen / und das)us Emporii noch höher und flärdker , 


als das bloffe Stapel-Recht treiben wollen/nemlich dap nicht allein Die 
Emporiften das Vorbeyfahren fremder Güter wehren / fondern auch 
mit Freinden fteye Handlung und Commercia, fonderlid zur See 
treiben koͤnnen vide Grotium de Mare libero cap. 8. item Conring, 
de urbibus Germania n, 100, vorgebende / daß dafelbft zwar / wo nur 
Schlechte Jahrmaͤrcke und Meffenfeyn / ohne Riederlag und Stapel» 
Gerechtigkeit/ jedermann Waaren zu und wieder abfuhren / feil Has 
ben/ verkaufen, und auch nichts verfauffen möge / und dieſes alles 
nachfeinen freyen Willen und Wohlgefallen/ fesunduml, 1. &1, 2.C. 
de Nund. Wo aber Stapel-Kecht feyn/ da möge manmel die Maas 
ven zuführen, allein man müfe ſie auchfeil haben einfegen und nieder» 
iegen / und habe ſolche Freyheit in Kauffen und Verkauffen nicht; das 
Jus Emporii aber erſtrecke ſich noch weiter / und ſey von jure Stapulz 
und Nundinarum dergeftalt unterſchieden / daß wo ermeldte Nundi- 
na und Stapulzfenn/ da moͤge wol ein Fremder Waaren zuführen / 
undeinanderer frenider Handelsmann von folchen fremden Handels · 
mann die Waaren abfauffen ; und hätten dabey die Einwohner und 
Bürger des Orts / da Jahrmärd und Stapel gehalten werden/ mehr 
nichts denn gute Gelegenheit zu handeln/ die Obrigkeit aber ihre Zoͤl⸗ 
le / Wehr⸗Geld / Marck⸗Geld und Acciſen.l. 2. ubĩ gloſſ. verbo tra- 
dereverb, hacc ff, de Nund, dabon zu genieſſen. Aber bey dem jure 
Emporiida fen ed gank anders / da moͤge ein Fremder wol fremde 
Paaren zuführen, ſolche niederlegen/ und des Drtö verhandeln und 
verfauffen/ allein nur den Bürgern und feinen Fremden / fondern die⸗ 
fe muͤſſen die Waaren / fo ſie —— wollen / allein von den Bürgern 
deö Orts kauffen / wie dergleichen Privilegium Ao, 1620, die Stadt 
Hamburg gegen die Braunfchweigifc und Lüneburgifche Städte ; 
item gegen die Stadt Burtehude/ vorgefchüget ; wären alfo die bloffe 
Meß und Stapel-Städte einige Grad geringer / ald die Emporia, 
vide hievon mitmehrern Margvard. de jure Mercatorum „ lib. 2, cap. 
6.de jurefingulari Emporiorum, &c, 


Emptio & venditio, fauffen und verkauffen ift ein gar bekannter Tis 
tel im Rechten vide Kauffen. 

Emptio Spei, die gefauffte Hoffnung/ift ein Terminus in Rechten / 
welcher genonimen wird/ wann jemand etwas Fauffet/ daß man nicht 
der mithtlichen Ordnung nad) allenthalben oder zu allen Zeiten/ ſon⸗ 
dern nur ungefehrerweiß / und durch ein blindes Glüd antrifft/indef- 
fen aber mit dem / was man folder geſtalt / es ſey gleich wenig oder diel/ 
uͤberkoͤnunt / deunoch zu frieden ift/als zung Erempel: Es haͤtte einer 
dei Fiſchern oder Bogelfängern ihren kuͤnfftigen Fang vor ein un 

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Emp Emu 40% 


ſes Stud Gelds abgefaufft/ (ie mögen hernach viel dder wenig mit ih⸗ 
ren Netzen erhaſchen / ſo kommt ſolches den Kaͤuffer / der auf Hoffnung 
gekaufft hat / zum Vortheil oder Schaden / per. L. Si jactum 12. ff, de 
adt,empt, itemL, 8.8.1. ff, de Contr. Empt, Molina de juſt. & jure 
£r.2.difp, 340,n. 14. wiewol Hr. D. Stryd in feinem Tradt.de Caute- 
lis contractuum dabor hält/ daß man auch / um nicht von beyden 
Seiten durch dergleichen Hoffnungs-Kauff allzu groffen Schaden zu 
leiden / gar wohl demfelben einige Conditiones oder Bedingung bey⸗ 
fügen eönne/ vid. Sect Il. Cap. VIIL. 8. 9. . 


Emptıo Rei ſperatæ iſt / wann dasjenige / was zwar in natürlicher 

Drdnung jährlich hervor zu kommen pfleget / gefauffet wird / als die 
Tünfftigen Herbſt an dem Weinſtock wachfendeTrauben/die aber doc) 
Daseine Jahr beffer und mehr/ als das andere feyn fönnen ; dannen⸗ 
hero abermahlauch bey diefen Kauff die Hoffnung auf das Glüd am 
‚vornehmften herrfchet : wiewol mehrentheils auch bey dergleichen 

Kauffeiner verhofften Sach die ſtillſchweigende Bedingung mit ift / 
daß / wann ſie ſich gar nicht finden/ oder feine Trauben wachfen folten/ 
daß alödann das ſchon voraus bezahlte Kauff⸗Geld vb defedtum Con- 
ditionis fönne wieder zurüd gefördert werden. arg. 1. 8. pr. ff, de 
'contr.Empt, Seyndaber nureinige / ob gleich nur wenige Früchte 
gewachſen / fo ift der Käuffer doch an den Kauff gebunden/ Lauterbach 
adtit. ff de Gontr. Empr, 8. ı.n, 9. weswegen ein folcher Kaͤuffer nach 
Sr. D. Stryckii Anrahten in Sedtione II. Cap. 8. 8. 10. feiner Cautelen 
wohlthut / daß er zubor aus bedinat/ daß er nad) Proportion, als über 
verhoffen / der Weinftod würde weniger tragen / auch bon den bedun» 
genen KRauff-Geld abkürgen wolle / welches dann auch überein Eommit 
mit 1.3.8. 1... de Contr. Empt, _ 

Emullio , ift ein flieffendes Medicament , an der Farb der Mil 
gleich / welches aus dem Mard der Früchten milhichten Saamen/ 
vernittelft eined zugeeigneten Liqvoris herbor gebracht wird/alfo ge⸗ 
ben einen Mildyfarben Ligvorem die Mandeln/ item die 4. groſſe kal⸗ 
ge Saamen / als weiſſer Mohn-Saamen/ Burtzel⸗Kraut / Lattich / Car⸗ 
dobenedicten/ Hauff / Violen / Sted-Rüben/ Ageley / Citronen· Saa⸗ 
wien / die Gicht-Koͤrner / Pinien / Welſche Pimper:Ruplein/ Pfer⸗ 

ſich-Koͤrner und dergleichen. DieEmulfiones, telche in denen Of- 
ficınen auf der Medicorum Verſchreiben zubereitet werden / feynd 
Die ſuſſe Mandel⸗Milch / Emullio Amygdalatum ‚ferner Emulfio ad 
acrimonsam, Mil) vor die Scharffe / dann weil dergleichen Milch⸗ 
Farben Emulfiones ihr würdender Rugen dahin gehet / daß je trace 
ne und higige Beſchwerden in der Bruſt / Lungen / Nieren und der Bla⸗ 
fe/ Schürfie des Urins und Saamen ⸗ Fluſſes lindern und befänfftigen/ 

5 au 








404 Ene Eng 


OA IR IT — — 
auch fonderlich den Durft in higigen Krandheiten mäßigen / als gibt 
man ſie ſonderlich denen Febricitanten / um in ihren ſtets ⸗ waͤhren den 
Tiebern ihre hihige Trockene zu lindern und zu ſtillen / worzu denn ſon⸗ 
derlichdie fo genannte Perlen + Mild/ von denen darzu genommenen 
Orientalifhen Perlen alfogenannt/ dienlich. Uber diefe hat man auch 
Emulfionem Cordialem, dito in defluxionibus fallıs & tenuibus , E- 
mulfionem diaphoreticam, dito expulfivam, quötreibende Mild/di- 
to in Auxu menfium immodico , Emulfiontm Hypnoticam Xu 
Milch/ Emulf. contra lumbricos, wider die Spulmürmer / Kmulſio- 
nem Nephriticim wider den Stein/ Emulf. Nephro-catharticam, di- 
torefrigerantem, Emulf,Stegnoticam , anhaltende Staͤrck⸗Milch / 
dito in Hemi crania, deren ihre Compoſuion inögefamt inSchrödes 
zivollftändigen Apotheek lib 2.cap, s4. zu erſehen. 
Encardia, Stein⸗Hartz / iſt eine Art eines ſigurirten Steins. 
‚ Endivia, SerisDomelflica,Scariola , Endivien ift ziweyerley/ dee 
roſſe breit-blättrigte/ fo Endivien/ und das Meine fi mal-biätterigte/ 
o Scariol oder ſchmale Endivien genannt wird; Andere theilen den 
Endibien in dreyerley Artenein / als da iſt intybus ſativa lati folia , 
five Entivia vulgaris, C. B. intybus Major Cichorium domelticum, 
Die andere Art iſt inty bus ſativa angullifolia, fıve feriola aut Endivio- 
la, fcariola, die dritte intybus Criſpa, feris fiveEndivia Romana cri- 
fpa, fraufer Endibien. | | 
Endivien⸗Lattich / Endivia intybatea. 
Endofiren/ hinten auf einen Wechſel⸗Brief ſchreiben / an wem man 
ſolchen wolle bezahlen laſſen. 
Enemon, ift ein leimendes Mittel / dienet zur Blutſtillung. 
Engels⸗ Bluͤmlein / Hiſpidula. 
Engelſuß / Polypodium. 
Engel⸗Wurtz / — 
Engel⸗Tranck / alisma Dioſcor. Fiſtula Paſtoris. 
Engliſche Waaren laſſen ſich füglich in Ein-undAusländifche ab⸗ 
theilen/ dieſe / nehmlich die Auslaͤndiſch / Denken unter ſich vieler⸗ 
band Oſt⸗ und Weſt⸗Indiſche Waaren / welche aus denen in gedach⸗ 
a Engeländern unterworfienen Provincien in ihren 
eigenen Schen in Europam übergefühvet / und fo dann ferner hin» 
and wieder diftrahiret werden / als da feynd allerhand Gewuͤrtz Dro- 
guiftereyen, Zuder/ Indigo/ Virginiſch Toback / fonderlic) aber die 
aus Sanarien kommende delicare Weine / Seden genannt. Inlan⸗ 
diſche Waaren hatEngeland vornemlid) Die Wolle / und (weil derfele 
ben Ausfuhr nicht geftattet wird ) die davon berfertigte Manufadtu- 
ren / als da ſeynd allerhand couleur Tücher / Serges, Boyen unb 
| Strümpfe 


ee 405 
Struͤmpffe. Es werden auch in Engeland gemacht feidene Struͤmpf⸗ 
fe/ Camiſolen, Bandeund andere Geiden-Manufadturen/ fo [hön und 
aut / als fie nimmernicehr aus Italien oder Franckreich kommen kön⸗ 
nen. Ferner ey Engeland gutes bereitetes Kalb⸗Leder / ſchoͤnes 
Zinn / eine groſſe Menge Blen/ Alaun/ Virriol, gantze Schiffs-Ladun⸗ 
gen voll Stein-Kohlen/ Butter / Unfchlit / Kaͤß gefalgene Fiſche und 
Fleiſch / Cidre oder Aepffel:und Birn-Trand / ald welcher in Engee 
land fehr hoch gehalten wird; item gutesBier / Alagenannt/ etwas 
Gafiran oder Crocum Britannicum , fhyöne Gtahl-Manufadturen 
und dergleichen. Hingegen ziehet Engeland / Schott:und Irrland 
wieder aus Zeutfchland/ Frauckreich und Spanien/ allerhand Wein/ 
und ſonderlich aus diefen beyden legten Koͤnigreichen / Saltz / Baum⸗ 
und Ruß ⸗Oel / Oliben / Cappers / Roſinen / Feigen / Mandeln/ Pflau⸗ 
men; Aus Teutſchland groſſe Partheyen Schleſiſch und Weſtphaͤ⸗ 
liſche Leinwand / gebleichtundungebleicht / allerhand Krahm⸗Waa⸗ 
ren / fo gar auch biel Ruͤrnberger Waaren ; welche Waaren mehren⸗ 
theils von den Engliſchen ſelbſt in Teutſchland eingekauffet werden / 
ſonderlich aber von der Engliſchen Compagnie in Hamburg / welche ih⸗ 
ve Waare den Teutſchen vor die Thin bringen / fo daß ihnen in Ham⸗ 
burg abzufauffen/ faft fo zu reden / aus der erften Hand gekaufft heißt / 
weil redtanach Engeland ſelbſt zu handeln (auffer was in einiaen Set» 
denen / Wollenen und Stählern Manufadturen gefchicht ) mehrenthells 
im Abnehmen gerahten will/ indem ſich Die Englifche Nation allbereit 
aufden Fuß geſetzet / daß ſie ihre Lands-Handlung durch ihre eigene 
Schiffe und Landsleute / in: und auſſerhald Landes felber treiber / wie 
hievon ihre unzehlbare Schiffe/ welche die Oſt Nord-und Weſt⸗See / 
ja faſt ale Theile der Welt befahren; item die hin und wieder liegen⸗ 
be Faztors und aufgerichtete Stapelö (morunter der zu Hamburg der 
vornehmſte iſt Zeugniß geben konnen’ daß alfo von der vormahligen 
groſſen Handlung dev Hanfee-Städte nach Londen/ mofelbft eines von 
ihren vier größten Contoiren gemefen/ nichts mehr als der bloſſe 
Schatten übrig iſt; wie ſich Dann aud) der Savari in feines bollkomme⸗ 
en Kauff-und Handels⸗Manns andern Theil fehr beffaget / daß die 
Srantofen ebenfals mit ihren Handel in eigener Perfon in Engeland 
nicht wohl fortlommen können. Es hat aber ſolche eigene Handlung 
der Englifchen mehrentheils zu der Röniginn Eliſabetha Zeiten ihren 
Anwachs genommen / undzwarnicht undbillig / weileine jede Lands⸗ 
Dbrigfeit und Nation, die eö beſtreiten kan / befugtift / den Ihtigen 
mit Ausfchlieflung der Fremden / die aus denen Commerciis entiprine 
gende Profiten allein zuzueignen; daß alfo hochgedachte Königinn E» 
liſabetha / da ſie geſehen / daß Spanten aus einer verkehrten Politic und 
thörigten Religions-Eyfer / die — und andere in — 
3 arbei- 








067.7 Eng 


nn 
arbeitende Handwercker / in Flandern zur Annehmung der Catholi⸗ 


fihen Religion, Bezahlung groſſer Impoften , und Aufrichtung gewiſ⸗ 
fer Handwerdd-Zünffte/ zwingen wolte / die freymuͤhtige Niederläns 
der hingegen lieber das Land raͤumen / ald einen ſolchen Bewiflens- 
und politischen Zwang fich unterwerfen wolten/ fehr wohl gethan / daß 
fie folchen aus Frandreich vertriebenen Sandwerdö-Reuten fichern 
Aufenthalt in Engeland gegeben / und allen Borfchub gethan / damit 
durch folche Leute die Woll-Manufaetoren / und fonderlich dad Tuch⸗ 
machen möchte eingeführet werden; Gleichen geftalt machte (te ſich 
auch an die Hanfee-Städte/ dann als ſie durch Bezwingung der Spas 
nifchen fo genannten unüberwindlichen Flotte Spaniens Macht ger 
brochen / aufwelche ſich bis dahin die Hanſee⸗ Städte noch ziemlich 
verlaffen hatten/ da ging e8 je längerjemehr über dieſe her / alfo daß 
ihnen von Jahren zu Fahren ihrein Engeland Habende Privilegia 
mehr befchnitten wurden/ bis endlich das Londifche Contoir , item Die 


freye Schiff-Fahrt / und was etwan fonft die Hanfeatifche Kauffleute 


in der Englifhen Handlung annoch vor Vorrechte hatten / gantz oder 
Doch zum wenigften gröften Theils aufgehöret / alfo daß nichts mehr 
als der bloſſe Schatten / wie ſchon gemeldt / dabon übrig geblieben, 
Die Klage / welcher ‚voverwehnter Savari in feinen bollfonnnenen 
Kauffmann über das übele Traftament , welches die Frantzöſiſche Ne- 
gotiantenin Engeland genieffen/ führet/ beftehet nach den "inhalt der 
Teutſchen Uberſetzung / ın folgenden; Es ift feine Nation (feynd ſei⸗ 
ne Worte) in gantz Europa / bey welcher dieFFrantzoſen mehr Beſchwer⸗ 
niß / den Handel zu treiben / finden / und wo ſie übler tractiret werden / 
als eben in Enge!and; Hingegen keine / fo die Engelaͤnder hoͤflicher 
tractiren / als die Frantzoſen; dieſes ſcheinet ein Paradoxon zu ſeyn; 
Dann / warum ſeynd die Engeländer in Franckreich in ihrer Hand» 
fung fo frey / und warum werden hingegen die grangofen wegen dee 
Licenten / bor die Ein- und Ausführung der Waaren / die fie vor 
Franckreich aus Engeland zurück führen/doppelt mehr als die gebohr⸗ 
ne Engeländer angefehen ? Dies ift eine andere lirſache / als weil 
Franckreich ein freyes fand / mofelbft die Fremden / welche dahin zu 
handeln kommen / freundlich aufgenommen werden. Ferner die En⸗ 
geländer machen treflichen Profit in den Handel fo vieler Waaren / die 
ste in Srandreich bringen/ und aufdenen/ welche ſie vor ihr Land wies 
der zurüd führen: Hingegen aber ſeynd ſie geigig und neid.fch / und 
wollen wegen des underföhnlichen Haſſes / fo ſie wider die Frantzoſen 
haben / nichtleiden / daß die Frantzoſen einigen Gewinn neben ihnen. 
machen follen/ wie dann auch fein Ungemach oder Betrug erdacht wer» 
den kan / den fienicht den Frantzoſen fowol ind gemein als infonderheit 
anthuns um dieſer Urſach willen ift cd nohtwendig / daß rn 
w 


Eng. 407 
welche den Handel in Engeland treiben wollen/ ehe fie lich dahin bege- 
ben/ wie ſie rradtiret werden/ wiſſen mögen/ nemlich: 
Erftlich müffen die Frantzoſen / welche in Engeland anfommen/ den ges 
wöhnlichen Zoll doppelt / undalfovor die Einführung mehr als die 
Engeländifche Negotianten / mie auch Doppelt vor die Ausführung der 
Waaren / ſo ſie gekauft und nach Franckreich führen wollen/ zahlen. 
Zweytens iſt den Frangofen bey Abhauung der Hand verboten / aus 
Engeland nad) Frandr. gefhorne Wollen/aud nicht diejenige / welche 
von den Schaaf3-KHäuten aus der Megig fommen ; item weder fri- 
fche noch truckene Schaafd-und Kalbs⸗Fell auszuführen / ob es ſchon 
den Engeländern aus Franckreich in Engeland zu führen/ zugelaffen. 
Deittens ift den Frantzoſen bey Straffe der Confilcation Sud aus 
Engeland zu führen verboten; unterdeſſen haben die Englifche die 
Freyheit / Tuch aus ihren Manufadturen ohne einige Berhindernif in 
Franckreich zuführen/ von welchen jie vor die Einführn ng nicht mehr 
Zoll / als die Frantzoſen ſelbſten zahlen; hingegen zahlen die Frantzo⸗ 
fen vor die Ausführung der Tuͤcher / ſo ſie in Engeland kauffen / drey⸗ 
wahl mehr / als die Eugliſche Negotianten / dann mo dieſe 22. Sols und 
ein halben geben/ da muͤſſen die Frantzoſen 4. fl. so. f. zahlen. 
Vierdtens / foift vor diefem den Frantzoſen Zinnaus Engeland weg⸗ 
zuführen wann fie nur vor die Yusfuhr Doppelt mehr als die Engelaͤn⸗ 
der Zoll gezahlet) zugelaflen geweſen; Heut zu Tage aber ift es ihnen 
richt mehr erlaubt/ und ift niemand/ als eine einige Compagnie / wel⸗ 
she das Recht und Freyheit zum Verkauffen hat / daß man alfo noht- 
svendig durch ihre Haͤnde gehen/ und ſolches / wie ſie will / bezahlen 
muß ; und diefes ift die Urſach warum das Zinn feither etlichen Jah⸗ 

ren her fo fehr in Franckreich geftiegen ift. 

Zünfftens/ ift auch den Frangofenbey Straf der Confifeation verbo⸗ 
ten/ guldene/ ſilberne feidene und zwirnene Spiben in Engeland zu 
bringen : und wann man derfelben Pinbringt/ muß ed gar geheim zu⸗ 
ehen / ne als s.procent, welches ſie unterfchiedenen Per» 

ohen geben muͤſſen. 
Sechſtens ift zu Ronden eine Compagnie der Negotianten aufgerich⸗ 
tet/ welche von den Fremden allerley Battung Waar fauffen / undihe 
nen wieder andere verkauffen; bon diefen Handel nun ſeynd die par- 
ticular Englifche Negotianten ausgefchloffen; weil man nun durch 
Die Hand diefer Compagnie gehen muß / fo kauffen jie die Waaren / 
welche die Frantzoſen hinein bringen/ um den Preiß / ald es ihnen gut 
düncet / und verfauffen Hinwieder den Frangofen ihre Waaren / fo 
hoch fie wollen. Diefe Compagnie nimmt auch auffer den Zöllen von 
den Waaren / ſo nach Franckreich übergeführet werden / noch einen 
Zoll vor (ich / um ſolchen vor die Gefchäffte der Compagnie 
— anzu⸗ 





"x ge Eng | 
anzumenden/ undihre Privilegiazuerhalten Es iſt auch noch einZoll / 
welchen ſie Efclavage ‚ das iſt Leib⸗Eigenſchafft nennen / und den Die 
Frantzoſen allein bor die Waaren / ſo zur See ein und aus geführet 
de / und auch die Zölle vor die Anländung und Beſuchers bezah⸗ 
en muͤſſen. N 
Giebendens / ift denen Franhoſen ihre Waaren in den Gewoͤlbern 
and Ranımern fremden Kaufleuten zu verfauffen/ oder bon ſolch en 
zu kauffen / nicht zugelaffen/ fondern allein von den Srey-Dneifon, Das 
iſt vonden Frey-Bürgerns Giedürffen auch nicht in den Kauff⸗ HRu⸗ 
fern/ Meffen und Märekten verkauften. | 
Achtens / fehen Die Engeländer fo fehr aufihren Profit , daß warın Die 
Frantzoſen Waaren in Engeland führen/ ſie diefelben zwingen / gute 
und genugfame Bürafchafft zu ſtellen daf jie das Geld / welches von 
der Verkauffung herkommt / wieder zu Erkauffung anderer Waaren / 
um dieſelben in Franckreich uͤberzufuͤhren anwenden wollen; wann 
auch) gleich ein Frantzos geöffern Ruten feine Gelder in Krandreich 
baar zu remittiren / als Waar davor einzukaufen / findet/ fo hat er 
doch die gröfte Muͤhe / ſich von der geftellten Caution zu befreyen/und 
erhält es felten ohne grofle Koften. J 
Reuntens / iſt denen Fransofen die Lente zur Einpackung ihrer Waa⸗ 
ren / welche fie wollen / zu: nehmen nicht zugelaſſen / ſondern ſie muͤſſen 
diejenige nehmen / welche die Pachter Sr. Koͤnigl. Majeftät in Enge⸗ 
land ihuen zugeben wollen; daß alfe Durch dieſes Mittel ihre Suchen 
niemahlen geheim ſeyn Fönnen. So müſſen fie aud vor die Einpa= 
‚Kung der Waaren mehr alsandere bezahlen. - 
Zehendend / wann die Fransofen ihre Waar nach dem Gewicht ver⸗ 
kauffen / müſſen fie dieſelben hach den Königl, Gewicht answägen z 
hingegen wann fie Waaren einfauffen/ muͤſſen fie folche nach dent Ge⸗ 
wicht ber Kauffleute/ welcheihnen verkauften‘ annehmen / weil es ge⸗ 
ringer.als das Koͤnigl. Gewicht / weldeseine Sache / die wider alle 
Billigfeit ift. = 
Eilfftens / wann die Frantzoſen einmahl In Engeland ihre Waaren ab» 
eladen / iſt es ihnen / Diefelbe in Franckreich oder nach andern Ländern 
ſie zahlen dann noch einmahl den Zoll vor die Ausfuhr) uͤberzufuͤhren 
nicht zugelaffen/ welches hoͤchſt unbillig/ und zwar um fo vielmehr / weil 
die Engeländer in Franckreſch nicht fo nehalten werden / dann die 
Engeländer allein feynd es / welche innerhalb Jahr und Tagesfrift die 
Waagren / die tie in Frauckreich eingefuhret/ ohne Bezahlung einigen 
3,15 / vor die Ausfuhr aus dem Koͤnigreich / wieder wegfahren 
moͤgen. | | ’ 
Zwoͤlfftens / dörffen die Frantzoſen die Weine / ſo ſie nach Engeland , 
bringen, den Wirthen wicht verkauſſen / ſondern denen vonder Com⸗ 
‚ pagnie/ 





’ 
& 
- ‚ * 
u —— — — 


Eng 409 
pagnie/ die davor den Preiß / welcher ihnenbeliebt/ geben und des 
Koͤnigs Speif-Meifter hat. die Wahl / der Weine / welche vor dem 
Königl. Hof nohtwendig feyn / zeichnet den beften um einen folchen 
Preis aus/ als er willz Wann num nichts als der Ausſchuß übrig 
bleibt / verlieren die Nerotianten / um nur deſſelben loß zu werden / 
merklich ; und dieſes iſt die Urſach warum felten Wein in Engeland 

eführet wird. Ä 

reyzehendens / bie Frantzoſen werden in Engeland fo hart tradtiret/ 
daß ihnen ihre Schiffe vor eine andere Nation zum Nachtheil der En⸗ 
gelander zu beladen/ nicht zugelaffen ; dann wann ein Frantzoß in fein 
Schiff Waare vor einen Fremden geladen hätte / und ein Engeländer 
haͤme / der eben aud) anden Ort ſchiffen wolte/ ſo wuͤrde er das Fran⸗ 
tzoͤſiſche Gut aus / und das feine einladen laſſen / welches fehr hart iſt. 
Vierzehendes / was das Verhalten gegen der Frantzoſen ihre Perſo⸗ 
nen betrifft / fo iſt nichts haͤrters und ungewoͤhnlichers; dann ein 
Frantzoß / welcher in Engeland Forint / muß einen Schilling Tribue 
geben/ und ;. Schilling / mann er wieder ausden Königreich wegreift/ 
ohne die andern Unkoſten / welche die Schiff-Bediente / ohne einigen 
Befehl des Königs mit Bemalt fordern. 
Funffzehendens / die Franhoſen/ welche in Engeland fterben / müffen 
ihr Teſtament machen / anders falten ihre Güter den König heim. 
Sechszehendens / die Frantzoſen / welche in Engeland ich aufhalten / 
ob ſie ſchon nicht Bürger ſeyn werden dennoch in des Königs Regiſtet 
verzeichnet / weldyes eine Gattung Triburs iſt und werden aufeine 
gemwiffe Gumma gefhäget / als wann fie im Lande gebürtig wären ; 
Wann nun eine extraordınaor Schatzung gefhicht/ werden tie doppelt 
hoͤher / als die Engelander angefenet. 
Siebenzeheudens/ if denen Frantzoſen in Engeland Bürger zu wer⸗ 
den/ en. weder wegen des Königs Interelle oder der Religion halber/ / 
wann ſie nicht eine guteund genugfane Caution in allen ihren Bes 
ſchaͤfften / die sie in Engeland verrichten ſtellen / nicht zugelaffen. 
Aus welchem allen diejenige / welche in Engeland Handlung treiben 
wollen / lernen moͤgen / daß fie (ich wohl fuͤrſehen / um nicht leichtlich im 
Gefahr und Schaden zu kommen. Bis hieher beſagter Autor. 
Wir laſſen aber ſolches von den Frantzoſen gelten / was andere Na- 
tiönesfonderlich die Teutſche betrifft / haben ſie Feine fo groſſe Ur» 
fach zu klagen / indem in Londen viel teutfche Contoirs anzutveffen/ 
welche alle in guten Wohlſtand feynd7 und ſtattliche Commifliones 
haben / auch wann fie einmahl das Buͤrger⸗Recht erlanget / mit den 
Eingebohrnen Engliſchen gleiche Freyheit genieſſen. 
Die Muͤntzzen in Engeland betireffend / beſtehen ſelche in Pfund 
Schilling und Pfenning Sterlings / — welchen Buch und Be 

r ® gehal⸗ 








Ar 


410 Eng 
gehaltenwird. Die Pfund-Sterlings feynd zwar Feine gemüngte 


Species , eswerden aber 20. Schil. Gterl. jederzeit vor 1. Pfund ges 


vechnet/die wuͤrckliche Müngen welche in Engeland zu finden/feynd bie 
güldnen Gvinces alfo genannt / weil dad Gold moraus fie gefchlagen 
worden aus Gvinea gefommen/ fie gelten 20. bis 22. Schilling Ster⸗ 
lings und zwar diefes Krafft eines Parlamens Schluſſes / welcher ſeit⸗ 
her der Zeit ergangen / als die alte Muͤntze reformiret worden / die ſo 
genannten Cronen oder Reichsthl. geltens. Schil. Sterlings .Schil⸗ 


ling gilt ı2.Pens,und ı. Pens hat4 Fardins Sterl. man hat aud) 30. 


Pensız#- Penso.Pensunds. Pens Stücen. . Die gemeine Hand⸗ 
fung aber gefchiehet anf Pieces oder Pfund Sterl. 
Die Wexel auf Holland / Frandreih/ Spanien/ Teutfchland und 
Ftalien gefchehen zu gewiſſen und ungewiffen Preifen/ und zwar blei» 
derauf Hotland und Braband das Pfund Sterling beftändig / die 
Shilling Flamiſch aber fo daſelbſt wieder muͤſſen dafür gegeben wer- 
den/ fteigen und fallen/ von 26. bis ss. auf Rochelle und Nantes gibt 
Konden ıo. Pfand Sterl. um dafelbft wieder zu haben / 120. bis 160. 
Pfund Tournoisauf Irrland 100. Pfund am dafelbft wieder zu ba» 
ben/ vor. bis nz. Pfund/ hingegen ſeynd die Preifen ungewiß auff 
Franckreich / da Londen as. bis co. 8. Sterl. geben muß / um daſelbſt 
Frantz. Thaler von so. Sols zu haben / auff Spanier gibt es ss. bis 
71.8 Sterl. vor ı. Piaftre hon s. Realen, auf Venedig ss bis »r. 8. 
vorı. Ducat. bon 24. Grofchen/auf Portugal s. bis 7. SchillingStexl. 
bor 1000. Ree⸗, auff Livorno 50. bis so. 9. Gterl. vor 1, Piaftre Don 
6, Lires,&c. alle Wechſel werden nach denalten Styl als welcher in En⸗ 
geland noch gebräuchlich ift/ geſtellet / undfangenile ihr Neu⸗Jahr an 
bon 25. Martır Julianifchen Kalenders. 
Maaß und Gewicht in Engeland betreffend / fo gebraucht man 
fich darinn der Yarden oder Vergen die Englifhe Stoffen damit 
auszumeſſen / man hät auch ein befonder Ein Maaf zu dem Leinwa⸗ 
then / welche Ele der rangöfifchen oder den Parifer-Stab gleich ge⸗ 
halten wird / und 13. Verge oder Yardhält/ hingegenthut die Yärd 
nicht mehr alöF. befagter Elen/ te hat auch nur 404. Lignes, bon 
Frantzoͤſiſchen Fuß⸗Maaß /die Elle hingegen sos. insgemein vechnet 
man so.HarlemerEile vor 295. bis 30. Londifche Elln / 100, Amfter- 
damer Euln / machen ohngefehr ss» Londiſche und «00. Londiſche 
171. Amſterdamer /die Yard oderVerge in Engeland thutız Amſter⸗ 
damer Elln /und hingegen die Amfterdamer + bon der Yard, welche 
. Fuß 0. Daum / s Linien/ oder 404. Linien des Frantzoͤſiſchen Fuſ⸗ 
ſes Lang ifl/ die Redudtion zu machen, fegt man: 

Gt 


En g 411 
——— ————— — — — — — {Rn 
So 4. Amfterdamer Ellen thun z. Verges, wie viel 100. Amſterdamer / 
fo kommt 75. Verges dor ioo. Amſterdamer Ellen. Hingegen 
fo 3. Engliſche Verges oder Yards thun 4. Amft. Ellen / wie viel 100. 
Yards. facit. 1334: Amſt. Elleh ber roo. Yards, ziehet man nun $ 
vonden Amſt. Ellen ab / fo bekommt man Yards, thut man zu den 
Yards #. hinzu / fo bekommt man Amft. Elfen. Cinige reduciven 
den Wehrt der Amfterdamer Ellen und deſſen couran Gelds in 
Verges und Engliſch Geld / auf den Fuß bon so. Hollaͤndiſche Stu · 
ver / dder vons. Schilling s. Pfenning Sterlings / wiewol andere 
ſolche Reduction nach dem Wechſel⸗Cours machen / die Operatiom 
nach der erſten Manier geſchiehet folgender Geſtalt: 
Sp 1. Amfterd. Elle kofi zu Amiſterdam so. Stüber eom ant 
ſo wird JF. dito Ellen koſten ⸗ 163. Stuͤb. cour. 
weilnun ı3.C1,Amft. 1.Verge macht / koſtet ſolche 653 - Stũb. cour. 


item fo 1. Verge foftet zu Londen . 6. Schill. Sterl. 
2. abgezogen und auch vondem Preis Z- 


Reft. 3. Verge, die ein Amſt. El. macher/un alſo 43. 8. Sterl. koſtet. 

dieſes zu probitenreduciret den Pari nad) die 6653. Hollaͤndiſ. cour. 
Schilling in Englifh Geld nach obigen Fuß / als 

0. Stüver thun = 663. Engliſche Schill. wieviel 65}. Stuͤber / 
fowirdfommen Sechs Schill. Sterlings / hingegen fo 
Schilling Sterl. so. Stuͤver gelten / wieviel 6. Schilling. 

Facit 663. Stuͤver. 
Nach welchen Pari die Calculation in gröffern Summen leichtlich an⸗ 


uftellen. | 
Gas ferner die Englifche Ellen / Verges oder Yards , vor Berglei- 
chung mit anderer Länder Ellen⸗Maaß haben / iſt unter dem Wort 
Wang und Gewicht ausführlich/ fonderlich in denen dafelbft behind» 
fichen Tabellen angeführet. Hier ſey nurnoch gemeldet/dafı. Yard 
33. Palmes Genuefer Maaß / von o. Palmen aufdie Kanne / und 23 ++ 
Verges, ı.Canne de Provence und Montpellier, item3. Vergess. Ber⸗ 
ner / Bafeler und Schweiker Ellen machen. 
In der Korn⸗Maaß wird die EngliſcheLaſt zubonden auf 104. Qyar« 
teaux Oder Bariqves gerechnet / das Qvarteau hält s. Boiffeaux, und 
das Boiffeau 4. Picotins , 1. Roillau wiegtss. bis 60. Tb. wird auch 
fonft Galongenannt, 260. Qvarteaux de Londres machen / wann 
man er. dor 20. gibt / ungefehr 250. oder 25. Amflerdamer Laſt / nach 
welchen Fuß 10. Boiſſeaux · thun i. Laſt. 
le 


1 


— 








412 Ä Eng 
< Die Laſt zu Neu⸗Caſtel in Engeland wird aufıo. Quartier / und das 
Quartier zu 10, Boiflaux , ungefehr sc. bis 62, Tb. ein Boiſſau wie⸗ 
gend gerechnet- ' | 
In Schott⸗ und Irrland rechnet man ss. Boiſſaux auf die Laſt / und 
das Boiſſau zur is. Gallons. 
Mit dem Gewicht hat es in Engeland folgende Beſchaffenheit / es 
werden entweder die Waaren nach dem groffen Hundert / oder nad 
deu Centner bon ı00, Pfund / oder nach dem fo genannteu poids de 
Venife verfaufft/ und gibt man gemeiniglich 12. pro Centum gut Ge⸗ 
wicht auf die Waaren die nach dem groffen Hundert zu u, Pfund - 
erkauffet werden / wiewohl manauf gewiſſen Waaren / wann man 
ein Londiſcher Bürger iſt / nicht mehr als 4. pro Centum gut Ger 
wicht hat / die man Trait nennet / die Fremden und auch die Engliſchen 
ſelbſt die nicht Londiſche Bürger ſeynd genieſſen auff ſolchen Waaren 
nichts. Hingegen gilt auf denen Specerey / und Farb / auch Vielen 
andern Waaren die bey 100. Pfund verkaufft werden / kein Buͤrger⸗ 
Recht / und haben alle Kaͤufſers gleich durchgehends 12. pro Cen- 
tum gut Gewicht. 
Das Seiden⸗Gewicht / pour les greges iſt von 24. Untzen / oder 
15. Pfund / von welchen doch ıso. Pfund in der Bezahlung würde 
tich nicht mehr als 100. Pfund machen / aberdas Gewicht in der Or- 
ganlın Geide/ in Treme,Rondelette oder Perlee iſt nur 16. Ungen/ 
das Pfund/ und bon gleihen Gewicht ald die gefärbte Geiden/ 
fo die fremde / einige Waaren nach den Gewicht verkauften wollen/ 
muͤſſen ſie folche an des Königs Maag Iteffern / fo fie aber Waaren 
Fauffen/ müffen ſie ſolche nach des Verkaͤuffers Haus: Gewicht empfan⸗ 
gen / welches leichter als das Königliche if, 
r̃oids de Venife wird genannt von welchen 12. Untzen eine Marck ma⸗ 
chen / und wird mit ſolchen dad Silber gewogen / in gantz Engeland 
braucht man das Londiſche Gewicht / das Schottiſche aber iſt 4. pro 
Centum ſchwerer. 
100. Pfund Amſterdamer thun sooz. Pfund Londiſch Gewicht. 
Und 100. Pfand Aondifchthutsos: Pfund Amſterdamer / etwas we⸗ 
‚niger oder mehr. 
Der Verkauf einiger Waaren in Engeland geſchiehet bey_bren- 
nenden Licht oder Kertze / Loth⸗weiſe / undlzwar gewiſſe Packen oder 
Vardelen / unter einen Loht oder Loß gerechnet / gleichwie es in Hol⸗ 
fand Cabelings oder Gavelings weiß zugeſchehen pfleget / es geſchicht 
aber ſolcher Verkauff mehrentheils in September, welche Kaͤuffer als». 
dann ihre Waaren alfobald oder noch innerhalb des Monats abfor« 
dern / und bezahlen /die genicffen 63. pro Centum nach diefen aber 
Dez ‚nur 


Eng 413 
nurs. wann man auch fold But anderwerts Hin aufferhalb Lands 
berfendet / fo befommt man die halbe Coſtum oder Zoll wieder / 
was es einkommend gantz bezahlet hat als zum Exempel man hätte 
einfommend 10, pro Centum Coftum bezahlt / fo bekommt mar Aus⸗ 
fchiffend s, pro Centum bon der Coflum Kammer mieder/ und zwar 
von allen Gütern die ind Land kommen /und wieder daraus gehen. 
Das Fein Wein Bach inEngeland zu finden / geſchiehet / weil die En⸗ 
geländer ihren Cider ‚oder Apffel-Trand nicht allein eben fo hoch als 
den Wein æſtimiren / fondern auch dafür halten / (le würden den 
Wein⸗Bau nicht einmahl vor das Geld unterhalten koͤnnen / wofür (te 
anjetzo den bein aus Franckreich kauffen / als wofelbft der Baur 
GOtt dancken muß / daß er beym Wein-Pflangen noch Brodg und 
Waſſer hat / welches die Engliſche Magens / die guter Rahrung ge⸗ 
wohnt ſeyn beym ſchlechten Wein⸗Bau Verdienſt nicht accomodiren 
wuͤrde. Vor dieſen hat man in Engeland auch angefangen Taback 
zu pflangen / allein es iſt bald durch ein Konigliches Edit wieder 
verboten worden / damit nemlidy bie Americaniſche Colonien 
darunter nicht leyden möchten. Nichts florivet heutigs Tags in En⸗ 

eland mehr als die Schäffereyen / und meynet man daß die Englie 
he Wolle darum fo viel gefchlachter fer) / weil man den Laͤmmern die 
Milch nichtentzicht / wie bey uns in Teutfchland/ fondern felbige fo 
Lang faugen laͤſt alötie wollen / weil auch feine Wölfe in Engeland 
zu finden / indem wie Camdenus meldet / vor ubralten Zeiten ein 
Weſt⸗Saͤchſiſcher König Edgarus genannt/ an ſtatt eined Tributs 
gährlich feinen Unterthanen / etzliche Wolffs⸗Haͤute zu lieffern auffge» 
— dadurch eudlich die Woͤlffe gaͤntzlich außgerottet worden. 
egen des Engliſchen Hering⸗Fangs ift zu wiſſen / daß folder zwar 
auch aber nicht ſo ſtarck als von den Hollaͤndern getrieben werde / in⸗ 
dem die Engliſchen kaum vierhundert Buyſen in der See halten / auch 
nicht laͤnger als ſieben Wochen den Fiſch-Fang obliegen / da hinge⸗ 
gen die Holländer gantzer ſechzehen Wochen die See halten / und in 
November erſt zu Haus kommen / ſich auch don keiner Kaͤlt oderlluge⸗ 
ſtuͤhm des Meers abhalten laſſen. | 
Der Englifchen ihre ſtaͤrckſte Handlung gefchiehet nach der Oft-und 
Mittländifchen See/ aus jener holen fie Korn / Flachs / Hempff / Eifen 
und Kupffer / worzu ſie dann fonderlich fehöne Privilegia in Schweden / 
Lieffland und Preuffen haben/ ſie führen aber wieder dahin allerhand 
Gewuͤrtz Oft:und Welt: ndifche Maaren / groſſe Qyantisäten Eu⸗ 
liſches Tuchs / Secten / Spanifhen Wein/ EngliſchKalb⸗Leder / 
Farb» Maaren/ und dergleichen Droguiltereyen / gause Schifſs-La⸗ 
dungen Gtein- Kohlen; Irrlaͤndiſche Butter/ allerhand feine und 
grobe Wollen Waaven / unterſchiedliche Seiden-Manufacturen/ 
‚ an 








414 Eng _ | 
an Struͤmpffen⸗Baͤndern / und andern dergleichen Galanterien 
und Kram: Waaren. In der Mittländifchen See erftredt ſich ih⸗ 
re Handlung auff Spanien / Genua, Livorno ‚Venetia, und endlich 
weiter hinauf nach der fogenannten Levante, als nad) den Inſuln 
des Archipelazi und nach Conftantinopel,, in Natolien oder klein 
Afıen und Sirien nach Smirno, Aleppo und Tripolis, anden Africani- 
ſchen Kiften/ nad) Alexandria, und wann jle mit den Barbarifchen 
See-Räubern Friede haben / nad) Tripolis, Tunis, Algier, Salee, la 
noch weiter ins "and hinein nad) Fez und Marocco, vor diefen halten 
fie Tanger eine ziemliche Feſtung recht voran in der Straat oder Enge 
don Gibraltar welche König Carl der Il. mit der Printzeßin von Portu- 
dal zum Heyrath⸗Gut bekommen / wiewohl diefe Feſtung / weil ſie 
mehr zu unterhalten gekoſtet / als fie Profit eingebracht/ nad) der Zeit 
ralıret worden. ' 
Was die Engeländer in Oſt · und Weſt⸗Indien vor ſtattliche Län« 
der/ Städte und See⸗Haven beſihzen / iſt aus der Erd⸗Beſchrei⸗ 
dung bekandt / die Inſul Jamaica erfennt niehrentheild vor ihre 
Pber⸗Herrn / aus Virginien ziehen (te den befandten Virginifchen 
Toback / viel rohes Leder / und andere Americanifhe Waaren ; 
nach Archangel fahren auch ihre Schiffe deſto häuffiger / weil fel> 

bige am erften diefen Haven erfunden / und dannenhero die Engli- 
fcye Nation mit fonderbähren Privilegüis von denen Grop-Fürften 
{n der Mofcau begabet worden / Londen felhft / möchte man eine 
Heine Welt / und ein groffed Magazin aller Waaren nennen/ 
welche aus den bier Theilen der Welt zuſammen gebracht wor⸗ 
den / fo dag mit Recht ein gewiffer Teutſcher Poet davon ge⸗ 
fchrieben : | 

Wer Londen Spanien und Holland har geſehen / 

Und beyde Norden⸗Reich ſammt Moſcau Fan durch 

ehen / 
Wer Teutſchland Welſchesland und Indien wohl kennt 
Iſt wuͤrdig daß er werd ein Handelsmann genennt. 


Engliſch Braunroth / eine gewiſſe Art von einer rothen Farb 
die befte und koſtdarſte iſt / fo in tleinen und hochrothen Steinen / von 
einer mittelmägigen Haͤrte beftehet/wird aber faſt zu nichts anders als 
die Abfagean den Weiber-Schuen damıt roth anzuftveichen ge- 
braudıet. | 

englifh Se Morgen⸗Roͤßlein / Lychnisız. Marina Anglica, 
Maioran / Majorana Secunda, major Anglica, 

— Raohl. Kraut / Braflica Anglica, 


— Schrecken Kiee /medica Anglica, 
Engli⸗ 


Eng Epi 415 
Engliſch Weiß⸗ Zitloſen / Colchicum Sextum Anglicunı, 
—  Bltimen/Gnaplıalium montanum, 
— Sefuͤllte Camillen / Chamæmelum multiflorum, Angl. 
N —— 9 Saxifragia Anglica, hyppomar. Angl, 
Entali, Meer-Schneden. E 
Entian / Gentiana, 
Enula campana Helenium, 
Epatica, vel Hepatica ‚ Argney: Mittel die der Leber dienen / wird 
auch fonft Trifolium magnum, nobile vel aureum genannt/ in denen 
Apotheden hat man die Blätter und Blumen / es taugt auch diefeg 
Kraut zum Gurgel⸗Waſſer wider die Mund⸗Faͤule / fo iſt es auch ein 
gut — — dahero es unter die Wund⸗Traͤncke verord⸗ 
uet wird. 


Ephemerum non lethale, lilium Convalium Meyen⸗Bluͤmlein. 

Epheu / Hederca Arborca, | 

Epileptica feynd Mittel / welche der böfen Kranckheit oder Hinfal- 
fenden Sudt widerftehen/ als iquor C. C. Succinal R. Corall, Be- 
zoard, Spiritus Cordi; Cerv. Spir.Arfen. anifat, Spir. virid, ær. pulv. 
Marchion. 


Epithema ift einflieffended Mittel zum UÜberfchlagen / und be> 
deutet zuweilen auch einen harten Uberſchlag / abfonderlich wird es 
nunmehr inflieflender Geftalt dor ein gemeincd Topicum genom» 
mẽ / welches — — oder Hanf⸗ Hee⸗ 
de/äuflerlich einenoder den andern Theil desLeibs aufgebunden wird, 
Dergleichen epichemara werden gemacht aus deftillirten Waſſer⸗ 
Scfhen, Decocten, Emulfionibus und andern tauglichen Ligvori- 
bus, allein oder mit Pulber Speciebus , Lattwergen und dergleichen 
vermifchet/ der durchdringenden Krafft halber / thut man bifmweilen 
einen wohlviechenden Wein/ Eßig / Spirit. oder Geiftreihes Waſſer 
darzu; ihr Gebrauch und Nutzen ift/ zu ſtaͤrcken und zu Fühlen/ felten 
aber zuerwärmen / und der Malignität zu widerftveben / man be» 
dienet ich meiftentheils in der Hitze don Fieber / die gebraͤuchlichſte 
welche in denen Apothecken zubereitet werden / feynd Epithema in 


Affectibus melancholicis , Cordiale, in defluxionibus ad oculos 


Epaycum, ad Eryſipelas, in Febribus malignis, Frontis, ad gangræ- 
nam, adpodagrieos dolores, pro pulfibus, &c, vide Schröders voll- 

fiändige Apothed lib. 2, cap.se. | 
Epithymum caffuta minor Stoltz⸗Kraut / Cretiſche Thym⸗Seide / 
waͤchſt an den welſchen Qvendel/ das wahre Epithynum Creticum 
kommt aus Alla und hat gareinen ſchoönen Geruch / ed ſiehet gleihfam 
aus 


» 





416 0 Epp Eri 


aus ald fubtile Krauſe / vöthliche und durch einander geflochtene 
Härlein/ und Faden / wann esander Thymbra wächſt / fo heift es 
Epithiymbra, au Origano und Tragorigano, heiffen ſie Epioriganım, 
an Majoran Epimajorana es iſt ein gar gelind purgierendes Kraut 
fonderlich zu den Melancholiſchen Feuchtigkeiten. 
Eppich Apium vulgare, Barten-Eppic) Petrofelinum, 
Epuloticum oder Synoloticum, welches in einen Gefchwer eine 
Narbe macht. 
Egvifetum cauda eqvina Hippuris altera, Roß⸗Schwantz / Kamm⸗ 
Kraut / Schafften⸗Heu / Caudaegvinaift ein Wund-und Harntrei⸗ 
bendes Kraut / dienet auch vor den Huſten und Blut ſpeyen 


Erb⸗Kuxe / wird demjenigen auf deſſen Grund und Boden ein 
Bergwerck liegt freygebauet / ohne feine Unkoſten / nur daß er leyden 
muß / daß Holden auf fein Feld geſtuͤrtzet und Wege gemacht 
werden. . \ 

Erb⸗Salben / Berberes. 

Erbſen / Pıfum iſt vel hortenſe vel arvenfe, Garten oder Feld⸗ 
Erbſen / iſt eine bekandte Frucht mit welcher in den See⸗Staͤdten bey 
gantzenSchiffs⸗ Ladungen voll Handlung getrieben wird. 

Erckel⸗Nuß /Chamzbalanus. 

Erde Terrain fo weit jie zum Medicinifchen Gebrauch dienlich / 

* ſeynd Terra Armena, Bolus Vera orientalis & vulgaris, Bohemica 
Brundufiaca, Japonica , Laubacenfis, Strigenfis, gypfum,Marga,Li- 
thomarga, medulla Saxorum, ochra, rubrica fabrilis, Terra Tripo- 
Litana, '&xc, 2 

Erica Myricahumilis, Heyde / der Trand davon ift gut in Ver⸗ 

opffung / der Safft aufgeftrichen” vertreibt die Blödigfeit der 
ugen/ Erica baccifera Triuckel⸗Beer / ApensBeer / wann diefe 
‚  gubiel genoffen werden/ fo machen fie die Leute unfinnig. 

Erigerum, Senecio, Ä | 

Erinaceus Caninus vel Suillus-Hund3und Schwein⸗Igel / iſt 
ein ſtachlichtes Thier / verbirgt ſich des Winters in holen Baͤumen / 
iffet Maͤuſe / welſche Ruͤſſe und Obft/ in der Apotheden hat man da» 
bon die Leber / und das Fett / dieſes leere heilet Die Brüche fehr glück» 
lid. Wann man es nurauf das Creutz ſchmieret / da es die inzeiti- 
— ziehet / und befeſtiget / daß ſie nicht leicht wieder aus⸗ 

fallen. | ! 

EringüiRadix. Manus-Treu⸗Wurtzel / diefes Gewaͤchs if ein 

Heiner Diftel/ wird in Junio gegraben / mundiret/ und der Kern 

heraus gethan / und alsdaun aufgedörrt/ in unterfchiedlichen Staͤd⸗ 
fe 





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Erl Efe | 217 


m —————— — — — — — — — — 
ten / wird dieſe WBurbel in groſſer Qvancität in Zucker eingemacr/ 
und viel Pfund davon verkaufft / es waͤchſt auch ein Eryngium anufer 
des Weers bey Venedig. Welches milder und kraͤfftiger zum Zus 
der oder Honigeinmachen iſt / als jenes; das Teutſche aber hat gelinde 
xrſchnittene Heime Blätter/ / wann dieſes noch jung iſt / wird ſolches 
Kraut wie andere Kräuter gegeſſen / zuweilen wird es auf Dürven 
Hügeln und Bergen / zuweilen auch auff Heyden und Weg· Straffen 
gefunden / die Freinde ſammlet man im Fruͤhling / die Einhe innfche 
im Herbſt / ſie muß ſchoͤn weiß und dom Kern rein feyn. 


Srlen⸗Baum / alnusdie Rinde davon ift den Schlecht-Färbern 
zu brauchen erlaubt / ſonderlich zuden ſchwarhen / grauen und Wur 
gel- Farben Zeugen. 

Ernd⸗Roß / Malva Arborefcens. 

Erodens ift fo viel al$ Corrodens, 

Errhinum Pieß-Pulver Schuupff-Toback wird ans allerhand 
wohlriechenden Blumen / und Kräutern gemacht / als Nor, rofar 
rubr. cheiri tunic. lavend, rad.ireos for, Cyper. ol. lien, aloes 
benz, Melifl. majoran, &c, man zehlet auch die einfachen Ligvores 
zum Erempel den Gafft von Diann-Bold/Majoran , Kauten/ wie ie 
gleichen auch Die zuſammen gefegte/ item die Linimenta zu denen 
Errhinis. 

Ertʒ iſt allerlen Berg-Art die Metall in ſich fuͤhret / als Glas⸗Ertz/ 
rethguldig Ertz / Bley⸗Glantz / Ertz gewinuen / heiſt daſſelbe er» 
brechen / Ertz ſcheiden / heift das Gute von den Zauben-Bängen und 
Geburgen abfondern. 


Eruca weiſſer Senf / Rauck der Saameuchret den Saamen / und 
die Milch dewahret vor Schlag und Scharbock. 

Eryngium, centum capita, ingvinalis, Manus⸗Treu/ vide Eringy 
Radix. 
Eryngium Marinum Meer Brachen- Dieftel/ Meer Manns⸗ Treu/ 
dienet vor bie erkalte Mutter / item die Empfängniß zu befordern, 


Eryfimum, irio, Verbena foemina , Hedertch Wilder oder Weg⸗ 
Senf waͤchſt an den Mauren und Wegen/ ift aͤuſſerlich gut vor 
deu Krebs / der goch nicht zum Schweren gefonumen / item vor ges 
ſchwollener Bruft/ das frifche Kraut fammt den Blumen / fan mar 
jerftoffen/ und vor ein Cauterium gebrauchen. 


‚ Efchantillon, ein Mufter/Probe von einen Tuch / Zeng oder andes 

ver Maar, * FE | 
u⸗Baum / Kraxinus, 

Dd Aſcher⸗ 








419 Eſc Effi 
Eſcher⸗Wurtz / dietamnus albus , Fraxinclla, 
Eſch⸗Roͤßlein / Sorbus Torminalis, | 
sefst / fonderlid die Maul-Efel Mulz , Stang. Mulets, werden 

an bergichten Dertern als in der Schweiß, ’ Ttalien und Spanien/ 
nebenft den Saum-Roffen gebraucht/die Waaren über das Bebürg 
zutragen/ da dann gemeiniglich ein wohlhabender Muletier ‚oder wohl 
gar die Spedirores ſelbſt / deren 40. bi8 so. und mehr/ Fahr aus Jahr 
ein/auff der Straffe halten /und damit gute Fracht verdienen / es iſt 
aber eine —— Antipathie zwiſchen dieſen Thieren / und den 
Pferden / ſonderlich wann ſie auf der Straſſen in hohlen Wegen zuſam⸗ 
men kommen / da es gemeiniglich an ein Beiſſen und Schlagen gehet / 
wann die Maul⸗Thlex auff der Reiß ſeynd / haben ſie allezeit einen 
aus Stricken geſlochtenen Korb / voll Heu uuter den Maul haͤngen / da⸗ 
nit fie immer anbeifen koͤnnen / zu beyden Geiten der Augen feynd 
(fe auch mit Meflingen runden Schilden oder Blendungen behangen/ 
welcheverhindern daß ſie nicht zur Seiten aus / fondern mmer vor ſich 
fehen muͤſſen / wann ſie auf Reifen des Mittags oder Abends ind Dbars 
tier Eonmmen/wird ihnen le baſi, oder derSaum-Gattel/an welchen zu 
beyden Seitendie Waaren / als Ballen oder Barill angebunden 
fammt folcher Ladung zugleich abge veifft / unddes Morgens von z. 
ftarcfen Muletiers, oder Maul-Efe Treiber / wieder «uftgelegt/ das 
Sewicht einer ſolchen Laſt die ein Maul-Thier tragen fan/ift +. his 5. 
Eentner / nach welchen auch die Fracht bedungen wird. 

Gſels⸗Farn /Opteris Major. 

Eſels⸗Suff / Farfara, ungula Afıni.. 

Eſels⸗Koͤrfel / Cerefolium Aſminum. 

Eſels⸗Kuͤmmerling / Cusumis Aſininus. 

Efels Kuͤrbis⸗Safft /Elaterium, 

Gſels⸗Miich / Eſula. * 
SEfels⸗Moͤhren / Daueus Sylveftris, Paſſinacia Aſinina. 

Efprits, vide Geiſter / item Spiritus, 

Elfentia, Elfence das fräfftigfte Weſen eined Dinges/ oder mit den 
Chymicis zu reden / die Feuchtigkeit / in welcher alle Kräffte und Tu⸗ 
genden eines Dinges behalten feynd ; wird von denen Tincturen und 
Ligyidıs darinn unterfchieden / daß bey diefen legtern bie fauren gei⸗ 
fligen Menftrua, und vornemlich Die öhligten mit den Corporibus uud 
Operationum fubjedtis zufammen bleiben / bey jenen aber das Men- 
ſtxuum in etwas megrauchet. Die gebraͤuchlichſten Ellengen indes 
nen Apotecken feynd : Ellentia aperitiva D.M, Antipodagrica, D.J. 
M. adauditum, Carminativa eitri, Gemmarum , Hepatica, Hypo- 
chondriaca Timxi, dito Calfelana, contra Icterum, Saccharirubra , 

Ä ‚ San« 


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der wildeu Ser- Vögel; kommen "> bisweilenfeine Gänse Federn 
DD 2 d 


ei Ett 19 


Sanguinis humani, contra vermes Viperarum. Aller Diefer Ef, 
tzen ihre Compoßition, if in des Schröderi pollſͤudigen Apote Kl 
2. cap.ss. zu erfehen. ; 


Aus Zimmet oder Naͤgelein Eſſentz zu machen: 


Nimmt man eine halbe Uns Nägelein / 1. Untz Zimmet / 1. Loht Mu⸗ 
ſcaten⸗Blüht / 2. Stüclein langen Pfeffer / eine Fleine Handvoll Eo= 
riander / welcher aber in einen leinen Sädlein muß eingenehet / und 
nicht mit den andern vermenget werden/jened aber wird alles Flein ge⸗ 
ſtoſſen / Iımd in eine Beureilte zuſammengethan / hierauf ein Roͤſſel gua 
ten Branntwein darauf gegoſſen / und wohl verftopfit/alsdann in war « 
men Sand vergraben/ und mit ſolchen an die Sonne gefegt ſechs Wo⸗ 
hen lang/ alle Abend aber wieder eingenommen/ und in eine warme 
Gtube oder auf warme Afche die Rachtüber geſetzt / damit / daß ed alle 

eit in einer Hitze bleibe; des Winterd kaumans gang im Miſt gras 

n / und c. Wochenoder :.Mohat darinu ſtehen laſſen. 

Bſeicher geſtalt wird auch die Ambra-Efleng: und.andere Effengen 
mehr gemacht. Aus wohlriehenden Blumen zichet man folgendev 
geftalt die Eilence ; Man nimmt ein Pfund Blumen / thuts in ein irr⸗ 
denes Geſchirr / und beſtreuts mitz. Pfund Poudre-Zuder/ derge⸗ 
ſtalt / daß ınanerft eine age Blumen / hernach eine Lage Zucker / und 
go wieder eine Lage Blumen macht / bis alles fertig iſt; hierauf Vera 
macht man das Gefäß wohl/ und ſetzts 24. Stauden lang in Keller / 
Dann wieder 2. Stunden kung in die Sonne / oder in eine warme 
Stuben : mann diefesborbey/ fo thut man alles in einfein Steb/ und. 
fäft es abtropffen/ drückt aber die Blumen nicht) fondern läpt es von 
fich felber ducchtropffen ; mit diefeun Liqgvorefgumanhernad Viel ang 


. dere parfumiren. 


Eßicht· Mooß / Mufcusramofus. 
Sßig / vide Acetum. 

Efula Herba lactaria, Wolffs / Eſels⸗oder Teufels⸗Milch / waͤchſt 
neben den Zäunen und Aeckern und wird auch in Bärten unterhalten ; 
Die Milch oder der Safft macht Haar quöfallen / und vertreiberdie 
Wargen / Peichdörneroder Hüner-Augenund Flechten. Dad Extra- 
ctumund die Pillen davon feynd eine ſtarcke Bauven-Purgang / und 
ohne Schaden kaum einzunehmen. 


Etter oder Eider⸗Duhn / feynd — zarte und gleichſam 
wollichte Federn wie Seide ſo weich / welche aus Ißland / Schottland 
Norwegen kommien / und nicht allein in den Betten leicht ſeyn / ſondern 
auch einetreflihe Wärme geben; Wan ſammlet tie in den Neftern 


uhr 





4420 Eva Eup 
darunter / und wird in Daͤnnemarck das Pfund / wann fie erſt rein ges 
wacht und ſortiret ſeyn / vor 2. bis 3. Rthlr. verkaufft. Ban 

Evaporatio undExhalatio, Evaporiren und exhaliven; diefe ſeynd 
darkın unterfchieden/ daß man die trundenen Coͤrper exhaliven / die 
feuchten aber evaporirenläßt; 3. E. warn man ein metalliſch Corpus 
amalgamiret und zu Kalck machen will/ fäffet man den Mexcurium 
exhalıren/ fo findet ſich das Mctall qufden Boden des Tiegels ; Wie 
auch / wann manein Metall zu Kald mit Schwefel machen will/ calci- 
niet man de mit einander/ und läßt den Schwefel berrauchen; Aber 
das Evaporiten gefchichet/ / wann man zum Erempel die überflüpige 

siehe Denen Salben / oder aud) von denen durch viel Auf⸗ 
fen und Filtriven geveinigten Extracken vertreibet / um diefelbe indie 

uohtwendige Beftalt und Confifteng zu bringen. 

: Eviclio, vide Gewehr. — 

Evonymus. Spindel⸗Baum waͤchſt in Dorn⸗Büſchen. Die Bee⸗ 
ren reſolviren und.erweichen ; ia Lauge gefotten tödten ſie die Niffe 
und Läufe auf dem Haupt / undfärbendie Haar. | 
* Eüpatorium Cannabinum, Waſſer · Doſt / Hirſch⸗Klee / Alb · Kraut 
wird an naſſen und ſumpfichten Orten angetroffen. Die Blumen und 
Blaͤtter dienen zu den Wunden / Unreinigkeit der Haut und Ver⸗ 
ſtopffte Frauen⸗Blum ꝛc. 

Eupatorium Oræcor. Agrimonia, 

Eupatorium Meſuæ, Ageratum, die in denen Offieinen aus den 
Eupatorio bereitete Stüde ſeynd: das Waſſer aus den Blättern und 
Blumen die Trochihii bon Eupatorio. | 


Euphorbium, ift das allerhigigfte und fharfffte Gummi unter al⸗ 
len / deren doch nicht wenig feynd ; Die Hueff⸗ und Waffen⸗Gchmied 
kenuen es wohl; Es kommt aus Lybia, bon einem Kraut / folleEu- 
orbium heiſſen; in der Naſen will es gar fein gut thun. Einige 
elden / diefer Gummi komnie von einem Indianiſchen Baum / wel⸗ 
ches auch möglich ſeyn Fan; wir finden in derWürdung e. Untere 
ftheid/ und ſcheinet eher / daß ed von einem Baum als Kraut herrühre; 
Es iſt mehrentheils Hein und ſtaubich / gelb ander Farb / und hitzig 
Bis im 4. Grad / deswegen ihm Fein Menſch getraut innerlich zu ge⸗ 
brauchen. Der Gummi iſt am beften / wann ev ein Jahr alt / und 
nicht viel Heines Beröhrigt bey jich hat. Die Arten de$ Euphorbii 

fennd zivey: die erfte iſt durchſcheinend hell / wieSarcocoli, in Tropf⸗ 
‚fen fo gu: sat Erbfen zuſammen geftanden/ und etwas hohl; bie an⸗ 
dere/ dis in Bläßleins/ worinn ſie gethan wird/ in eine Maflam zuſam⸗ 
men geftehetzund weiplicht wie Glas ausſie het. Das beſte iſt rein * 
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Eup Eur 421 


Kcheinend/ weiß oder gelb und ſcharff / und welches im Mundegar la 


brennet/ wann man es nur mit der Zungen ein wenig berührer; dur 

Das Alter foll edvollfonmener werden / und feine rffe etwas ab⸗ 
legen; das neue als allzu ſehr kraͤfftig / iſt verdaͤchtig. Hr. D. Hoffe 
mann urtheilet von dem Euphorbio, daß es ein Succus indicus Tithy-⸗ 
malinusinfpiflatus fen / deffen freffende und laxirende Schärffe mit 
dem Succo Efule üibereinfomme ; es purgirt mit fchweren Zufäle 
len / und evacuiret alled/ was ed antrifit. | 


Euphragia, Eufragia, Ocularia, Augentroft iſt ein Rraut/melched 
ſamt feinen Blumendasßelicht und Augen ſtaͤrcket. Die in Wein ge⸗ 
fochte Euphrafia foll wider die Gelbfuhtdienen. In dene Apoteden 
bat man dad Wafler/ das Pulber und die Eſſentz. | 


Europaͤiſche Waaren ſeynd erſtlich Bold und Gilber/ fanıt Die» 
len andern Metallen mehr / die ſich fonfi in feinen Melt-Theil fohäufe 
fig ald Europa (America alleinauögenoammen) finden laffen / wiewol 
der gemeinen Rede nad) in Spanien noch weit reichere Berawerde/ 
als die Weſt⸗Indiſche ſeynd / unentdecket liegen ſollen. Unferer Uns 
garifhen Boldeund Saͤchſiſchen und Hargifhen Silber-Bergmerd? 
anjetzo zugeſchweigen / fo hat auch ferner Europa allerhand zu des Mens 
ſchen Hülle und Fülle benöhtigte Waaren / ald Wein und Korn / Del 
und Honig / allerhand Feld:und Bammı-Früdte/ vielerhand Arten 
Fiſche und zum Eſſen taugliche Thiere / von welchen / wie and) von de+ 
nen Metallen / Feld» Früchten und Bäunsen / die Marerialiagydenen 
fo unzehlbahren Manufadturen genommen werden / welde Europa 
jaͤhrlich theils in füch felbft verbraucht / theils auch andern Ländern its 
theilen Fan: welche Länder hingegen mehrentheils ihre vohe Mäsren 
und zufchiden / und die Kunſt / folche zu employren/ oder wie in den 
Droguiftereyengefchicht/ felbige nach Apotheder Art zu prapariven/ 
zu mundiren und r bermengen nicht verftehen. Die Chinenfer follen- 
Yon denen Europdern ein Sprihworthaben / daß felbige in natuͤrli⸗ 
chen Wiſſenſchafften ein offenes Aug/ fie die Chinenfer hingegen zwey 
hätten/ alle übrige Nationes aber blind waren ; allein diefer Prahler 
ten iftleicht zu a man betrachtet/wie&uropa eine Mutter 
faft aller guten Künfte md Wiſſenſchafften (ey: wie eine grofle Par- 
tey deffelben unter einen temperirten Climate gelegen / durchgehende 
mitherrlihen Städten’ Simtveihenund Arbeitſamen Einwohnern 
angefüllet/ feiner Situation wegen und durch die Menge feiner Schif⸗ 
fe / faft in Die ganke Welt auslaufen / und Handlung treiben koͤnne: 
ja in ſich ſelbſt alles dasjenige habe / was zu dem menſchlichen Leben nug 
und noht ſeyn kan; da unſere Europäifche Künftler fo bald nicht eine 
in den übrigen Welt» Theilen gemachte Manufactur erblicken / als fie 

Dd; gleich 





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228 — Eur 
feich Hand und Sinnen anlegen / felbige nachzukunſteln / worinnen 
e dann and) mehrentheils * renshiren. Ein Beweiß hiervon mag 
Das Oſt⸗ Indiſche Lackwercken oder Lacquiren ſeyn / welches yon uns 
fern Künſtlern dermaſſen künſtlich nachgemacht / und ein ſo ſchoͤner 
Firniß darzu præpariret wird / daß auch ein Japaner ſelbſt Mühe ha⸗ 
ben ſolte / ſelbige von feiner Lands⸗Leute ihrer Arbeit zu unterfcheiden. 
Sie wird nicht.der Coton oder Baumwollen⸗Zeug anjeho eben fü 
ſchoͤn / ja weit künftlicher in Holland nachgedrücket / und mit bielerhand 
Farben und Figuren ausgezieret / anderer Manufadturen zu geſchwei⸗ 
pen / welche man denen Oſt⸗und Weſt⸗Indiſchen Nationen vollkom⸗- 
men abgelernet / and felbigeperfe&t imitiret ; daß alſo / wann nur der 
titele Laxus und der üppigen Semühter ihre Thorheit nicht waͤre / uns 
fer Europa (ja in vielen Staden unfer Teutſchland allein‘ genugfame 
Benenjenigen gleiche Materialia anfchaffen koͤnnte / welche mit fo vielen 
Koften und Befahr ausder Fremde müflen geholet werden/ und noch 
Barzu/ wann mans beym Richt beſtehet / in nichts anders als einerblof> 
en Ginbildung beftehens ja offt wenigern Effekt ald unfere Einlän- 
iſche haben. Zum Zeugniß producive ich unfernChrenpreis und die 
Salben / den Rofmarin / Majoran und fo viel hundert anderer der= 
Bleichen Pflangen und Kräuter mehr / deren Effect und Qralitätfelbft 
don denen Leuten in Oſt⸗Indien höher / did von uns / die wir ſolche in 
Abondance haben/geachtei werden. Wie dann die Sineſer gar willig 
Vor r. Pfund unferer Salbey 2. Pfund Thée geben follen. Eben dies 
ſes Thee-Rraut3 Stelle Fan auch die Veronica, oder das edle Ehren⸗ 
preis vertreten’ daß manalfo nicht nögtig hätte / fo viel baares Geld 
aus Europa dafur nad Oſt⸗Indien zu fchleppen ; oder groffe Qaanti- 
Taten des Porcelains einzutauffen / nachdenimahl felbiges / wie unter 
den Titul Terra Novi Regni gemeldet morden/ bon einer in der Marck 
Brandenburg gegrabenen Erde perfct kan nachgekünſtelt werden. 
Der ſchoͤne Serpentin,, Deltfifchen und auseiner gar feinenkürtzlich 
erfundenen Böhmifchen Erde / (melche die Krafft der Terra Lemnia 
Hat) gemachten Gefaͤſſe / Schüffeln/ Zeiler /_Thee-Schaalen und an- 
derer zum Zierraht dienenden / anjet;o zu geſchweigen / deven theils / als 
Der Serpentin-GStein und beſagte Boͤhmiſche irrdene Gefäffe / den 
Gifft widerftehen : dieſe letztere Art auch weit Eunfklicher als die Oft- 
Indiſche Porcelain Arbeit / welche ohne dem ein todtes Capital und 


- Teicht zerbrechliche Waare ift/ kan gemachet werden. Wolte jemand 


einwenden / eö fehleten und Europaͤern indeffen noch fo viel Farb⸗Ma- 


- terialia, Medicamentenund Gewüuͤrtze / welche man unmüglic) anderd/ 


al3 entweder aus OR oder Weſt⸗Indien haben könnte; fo ftehet dar- 
auf zu antworten/ daß ſolches ebenfals ein eitler Wahn / der aus dem / 
was hiernechſt folget / gar leicht zu widerlegen ſtehet; und ey lieber! 

wie 


» Eur 23 
wie hat es dennunfere Europäifche Welt vor 200. Jahren / che OH? 
und Weſt⸗Indien erfunden worden / oder zum wenigſten des erften 
- feine Waaren nicht fo häufig bey gangen Schiffs-Ladungen / ſondern 
allein durch der Benetianer Hand zu uns gekommen / gemacht? Ge 
wißlich haben damahls die Teutfche oder in ganz; Earopa zu findende 
Maaren das beftethun müffen ; alfo hat man den Weyd an ſtatt des 
Indigo gebrauchet / welches legtere ohne dem ein Mareriale ift/ fo den 
Zeuchen mehr Schaden/ feiner Corrofivität wegen / ald Nutenbringet. 
Die Cochenille erfeget das St. Johannis Kraut ; und die darauf wach⸗ 
fende Scharlady- Beeren / wovon. unter dem Wort Chermes mit nich? 
zern Nachricht geichehen. j 
Wolte man einländifche Medicamenta, welche eben bon den Eſſect, als 
Die Oft:und Weſt⸗Indiſchen / Aharifhenund Africanifchen feyn/ und 
zwar erſtlich Purgantia haben / fo hat man in unfern Gaͤrten und Fel⸗ 
Dern Rhabarbarum Monachorum , Helleborum Nigrum, Ebalum , 
Bryoniam noftram, & Sambucum, die allein fufffant genugſam ift/ 
man mag dabongebrauden / was man will. Ferner findet (ich auch 
Ffula , cortex frangulainterior Lapathum hortenfe, fumaria, fl. ge- 
nifta, Hedera terreftris Gratiola , Mercurialis Hippratis, Matricaria 
Lichen Baccæ Rhamni folutivi, fl.melo perfici,ceraforum violarum, 
Acacia noftra, epythymus, radix ireos noftratis, polypodii, pruna, 
&c. Ein Scrupelpulverifirten Ani pargiret die Kleinen Kinder fo 
ſtarck / als das Rhabarbarıım die Alten; Daß man alfo‘/in Anfehung 
Diefer inländifchen Purgantien, das ausländifche Rhabarbarum, Sen- 
na,Mechnacanna, Jalappa und Agaricum oder denferhen- Schwan 
gar wohl entbehren Fan. 
uländifche Vomitivafeynd: Gratiola, afartım, Raphanys, genifla, 
nux juglans, radix betonicæ, digitalis illecebra , narciffus vernalis , 
Nloreschamz, ceralitrifolium fibrinum , agvatepida oxymel fimplex 
und viel andere mehr. 
erlangt man Diaphoretica, fo findet fi) bey und Carduus benedi- 
«tus, centaurium minus,cornu cefvi, unicornu grönlandicum; oculi 
sancri, fraxinus, fambucus, fcorzonera noftra, cochlearia,trifolium 
fibrinum. | 
Sucht man Diaretica , fothut edJuniperus, rofa canim fraga, rapha- 
nus, afparagus, petrofelinum, parietaria, dens Leonis, chzrefolium, 
Succinum, &ec. 
Die Stellen der ausländifchen Aromarum fönnen bertreten / die in 
unfern Feldern wachſende radıxcaryophillara , botrys Balfamila, ra- 
dix Aronis, dracunculus, felenium melıfla mentha, calamus aroma- 
ticus domeflicus, radix primulæ veris fylveftris, Rofmarinus, Majo- 
rana, fatureja hydropiper & Perficaria , cuminum foeniculum, und 


Dd 4 Honig 








424 Eur 


eanig an flatt des Zuckers. Aus welchen allen erhellet/ das Europa 

fo viel töfklicher und nüglicher Waaren in ſich befchlieffe/ dag man der 

Ausländifchen nicht nöhtig habe. j 

Bu wünschen wärenur/ das wir ſolche Gütigfeit der Natur / welche 

diefelbe uns in unfern Weit · Theil eriwiefen at/ mit Danck gegen den 

Schoͤpffer erkennen möchten ; allein fo bleibt eö bey den alten Sprich⸗ 

wort: Natura hominum novitatis avida. Mann nur etwas aus 

fremden Landen hergebracht wird, fo iſt es allezeit angenehmer / au 

das Einheimifche/ ob diefeg gleich jenes an der Güte weit übertreffen 

folte ; Es heißt beyung: Majori veni pretio, Afınus Peregrinus „ 

en eqvus Domeflicas , oder wie jener Poet You Zeutfhland ge 
ngen ? | 

Teurfchland har zu feinen Schaden / 

©! der grofen Raferey / 

Fremde Kaufflent eingeladen 

Daß es ja bald Geld arın Ry. 

Fremde Waaren / welche leider! 

Sringen nichts als fremde Aleidet / 

Dadurch wird die Ceutſche Welt 

Reich an Hoffart / arm an Geld. 


Der Europäer Handlung zufand und Ger belangende/ fogefchicht 

diefelde unter ih / und auch ntit denen Einwohnern der ubrigen drey 

Welt⸗Theile/ in welchen mnehrenthells unfere Europäifche Kaufleute 

Herren Über der Barbaren befte Schaͤtze und Negotien feyn; Dann 

wertreibetwolin Aha oder den Oriental. Indlen gröffer Handlung / 

als unſere Europdiſche Holl und Engeländer / fo daß auch ihre Coın- 
mercien dafelbft / und was ſie unter den Barbaren verdienen / viel 
<onliderabler feynd/ als das wenige / was nach Teutfchland gebracht 
wird; Wie daͤun D. Becher in feinen Commercien-Tradtatp, 952. eie 

Ne Specification angiebet / was das Niederländifche Contoir allein in 

Japan bloß aus dem Handel bon China in einem Jahr gewonnen / nette 

ich: 

Ao0.1643. ſetzt er / iſt durch die Niederlaͤnder aus China nach Japan 
berfuͤhret worden an Hirſch⸗Fellen 210767, Stͤck/ au Kochen und 
Fiſch⸗· Haute 47599. an Eleadeaddute zorz. Gtiteh/ ap Queckſuber 
2,655. Pfund / an Kuͤh Haute 14428. Stüc / an Buͤfſels⸗Hoͤrner 
19976, an Bley 10075. Pfund / Eiephanten-Zähn 1305. Darauf 
wurden gewonnen 13. Tonnen Boldes und etliche 1000, Fl. Ao, 
1638, hatte ebenfals die Compagnie in Japan auf dergleichen Ihaa» 
ven avancıret2s, Tannen Boldes/ und haben gleichwol dieJapone- 
der ih) beklagt, dag ihnen nicht genugfane Waaren ſeynd lzugeſchi· 
det worden, | j Ciu 


Gin andere ben eben denfelbigen Author befindliche Rechnung hält in 
fich/ daß befagte Niederländifche Compagnie allein an Seiden⸗Waa⸗ 
ren / welche fie ausChina nach Japan überführet / 1662174F. Stück 
von Achten gewonnen habe; was muß nichterft ihr Gewinn auf ans 
dern Waaren gemwefen feyn. 
Giehet man hierauf ferner an wie die Europder mit ihrer Handlung 
des groſſen Mogols Land / das Königreich Perjien/ und fonderlich die 
fo genannte Levant⸗Fahrer / gang Klein Alien, und die dafelbft liegende 
Ste Städte durdftreichen/ foiffiaabermahı Leichtlich die Rechnung 
unachen// daß ſolches ohne groſſen und mercklichen Profit nicht abge« 
ben müffe/ indem weder Türden/ Perflaner noch Indianer mit ihren 
Schiffen fich bey uns fehen laffen / fondern erwarten/ daß ihnen Durch 
—— Schiffe alles zugeführet/ und ihre Waaren dagegen abgeholet 
werden, | - 
In Africa, und fonderlih rund herum an denen See-Küften / gehoͤ⸗ 
vet in faſt das gange Negocium den Guropdern zu / gleicher geftalt 
auch in America, wofelbf faft alle Eavopdifche Nationes ihre Colo⸗ 
nien gepflanget/ groſſe weit-begriffene ander und Inſuln unter ihre 
Beherrſchung gebracht/ und die wilden Leute als ihre Sclaven tradii- 
ren/ welche die Erde bauen / in die tieſſe Berg- Gruben ſich hinunter 
laſſen / und das Gold und Gilber aus folchen mit Leib-und Lebens» 
Gefahr / eben wie die Perlen und Corallen aus den Waſſer heraus ho⸗ 
fen muͤſſen / mit welchen koſtbaren Waaren die Europäer hernach ihre 
. Schiffe voll füllen/ und mit (ich zuruͤck in ihr Vaterland nehmen. 
innerhalb Europa felbft / iſt ja die Schiff-Fahrt und Handlung fo 
trefflich eingerichtet / / daß man (ich daruber verwundern muß; Alle 
Provintzien / Königrefche und Linder wimmeln von trafigvırenden 
Menfehen ; die Städte feynd mit koſtbaren Waaren / arbeitfamen 
und finnreihen Handwercks⸗Leuten und Künftlern angefüllet / die 
Handlung felbft iſt in heilſamen Staruris verfaſſet / und gang Europa 
nicht anders als ein ftetswährender groſſer Jahrmarck anzufehen/ da 
Käufer und Verkäufer täglich ab-und zufahren / und ıhre Waaren 
roulirentaffen. DVermittelft denen wohlaugelegten Poften/hatman . 
aus den weit⸗entlegenſten Provincien in wenig Zeit / ausführliche 
Nachricht vonder Commergien Zuftand ; zu Fur Fehlen / wie erſt 
Europa / ald die Königinn unter den übrigen. Welt⸗Theilen / ihre 
Herrſchafft und der Jhrigen Commercia noch viel weiter/ und endlich 
tiber die gantze Welt extendiren wuͤrde / wann die Ehriftliche Poten⸗ 
taten von denen Bürgerlichen und innerlichen blutigen Kriegen/ ſo ſie 
unter einander führen/ ablieffen/ und ihre Flotten und fand»Armeca 
zu Bezwingung der Barbarifchen Länder anwenden wolten, 


Dd 5 Exa- 





426 Era Et u 
_ " Bxaeinare, die feinen Körnlein and einer Frucht / z. E. aus 
Wein⸗ oder Berberis · Beeren heraus thun. 

Exanguia aqratiea, Fiſchwerck welches ohne Blut lebet / and doch 
zur Speife dienet/ ſeynd vel cruftacca ale Cancri, Gammarilongi & 
rotundi,eder Teftacca, als die Oeſtern / Muſcheln / Schnecken. 


Excorticatio, Reinmachung / die Wurtzeln / Rinden / Kraͤuter Blu” 
men / Saamen / daßnichts unbehörliches daran bleibe ; Alſo werden 
Hie Yurgeln auögenonmen/ die Zäferleinund Erde weggeworffen. 


Exhalatio, eine Aus duͤnſtung; durch die Exhalation werden die 
trockene Spiritus durch Miltiei des Feuers von der Materia aufgeho⸗ 
ben / und werden alsdann Exhalationes genannt / ſie he Esapor at io. 

Exotica, fremde Gewaͤchs und Waaren / bie nicht bey und in Eu⸗ 
ropa wachfen / fondern aus Indien ober Africa’ zu und gebracht 


werden. 
Exprimere , ausdrücken / entweder mit der Hand oder mit einer 


Preſſe. 
” Eshceatio, Austtocknung iſt eine Verzehrang übriger Fenchtig⸗ 


keit. 
-  Extrahere, ausziehen. u 
Extra&tio, Extradtion oder Ausziehung wird genennet/ warn man 

anden Kräutern und Thieren die gereineſte Thelle von den groben und 
irrdifchen fcheidet/ und folches zwar durch bequeme Menfirua, welche 
das Mefen/ foder Laborant begehret / heraus ziehen können; 3. E. 
man ziehet die harkige Subftang aus der Jalap durch den Spiritum 
Vini, weil das Hark das fchwefelichte Theil des Falaps ift / und be 
Spiritus Vini auch mit einen fubtilen Schwefel erfüllet / deswegen ſich 
diefe beyde leicht mit einander vereinigen. Chen alfo verhält es ich 
mit vielen andern Extradtionibus, welche der Laborant betrachten 
muß / um diefelbe mit bequemen Menftruis zu extrahiren / diefe Ex- 
eradta befommendann den Rahınen einer Effengoder Tinctus, nad) 
Anterfcheid der Farb oder Confıfteng, 


Extra&tum heißt das / mas ausgezogen worden; ſelbiges ift das 
edelſte Weſen eines Dinges / welches vermittelſt elnes Liqvoris aus 
einen aroben Coͤrper abgefondert/ uud bis zur rechten Confifteng dick 
gemacht worden: Das Wort Extra& wird auch zu weilen allgemein 
— fo daß es auch die Kſſencen und Saͤffte unter ſich begreifft- 

ie Extra&ta himplicia , welche man in denen Apotecken findet / feynd 
fotgende : als | 


Extrad. Abfinthy hqvid. Spiff, Acetofx Acori, Agrimoniz An- 
gelicz 


| Eye 427 
golieæ rad. Aurantiorum cort. Ariſtol. rot. Attemiſiæ. Afari rad, 
Retonicæ Calami Aromat. Cardui benedi&ti, Caryophyllorum, Ca- 
ftorii, Centauriimin, Chamzdryos Chamzpityos, Chelidon maj. 
min, Cichiorii radic,Cinnamomi , Citri Cort, Cochlearix,Contra- 
jerve, Cortic,cappar. Croci Oriental, Cufcutz cubebarum, Di- 
«&tamn. albi, Doroniei radic Enulæ rad, Filicis Filipendulæ, Foeni- 
euliFumarix, Galangæ, Gentian rubr. Gratiole, Hyperici Hyſſopi, 
IridisFlor-NoftratisJuniperi bacc. Lapathi acuti,Lavenduls,[L au- 
dani e. Suec. Cydon, Lilior. Convall. Majoranz, Marrubii Melif- 
(x Menthæ, Oftrutii, Opii veri, Pæoniæ, Pimpinell= , rad, Poli- 
pediirad, Primul.ver. Fl. Rubiætinctor. Rutz Sabine Salvie Safla- 
fras, Saxifrag. Scabioſæ, Scille, Scolopendr. Scordii Scorzoneræ 
Hifp. Symphyti, Tanaceti, Tormentill rad. Valerianz, Verbenx, Ve- 
roniex, Vincetoxici, Zedoariæ Zinziberis. | 


Die Extralta Purgantia& alia Compofita ſeynd. 


Extr, Agarici, Aloës Seccotr. Catholici, Colocynthidis, Diacar- 
thami,, Elaterii S. Cucum. Afın, Ellebor, Nigr. Qyercet, Efulx rad, 

amech Confedt, Laudani Opiati, C. M. S.M, Hylterici,Nepenthes 
Crollii Mechoacannz Alb. Melanagog Panchym Croll. 1. defer. 2, 
defer, Pil. Apgregativar-Alo&phanginar Aflajeret , Aurcarum Co- 
ehiarum , Marocoftinarum Tartarear,Qverc, Rhabarbari,Rhapon- 
tie. Seunz-Folior.Theriacal, Refin-Agarici Gialappx, Gvajaci Gum- 
mi GottzLignialoes, Turpethi, Scammonii, Styracis. in meh— 
verdbonden Extracten vide in des Schröderi vollſtaͤndigen Apoteck 
ib. 2.cap 57. 


Eyer. Ova, des Oeufs ſeynd / in fo weit felbige bey denen Materia- 
kiften/ entweder zum Zierrath oder Nugen anzutreffen unterſchiedlich / 
als Ova Stuthionis Strauffen-Eyer. Welche von einen gewiſſen 
Vogel dergleichen ed in Afrıca viel gibt geleget werden /diefer Vo⸗ 

el/ welcher von den Arabern Naama genennet wird / undunter als 
en Vögeln der groͤſte iſt / ſoll viel höher als ein Mann zu Pferd 
feyn / fein Korf welcher rund und Elein jſt / hanget an einem Hals 
der drey Schuh lang iſt / fein Leib iſt groß und rund / feine Flügel 
und Schwanz haben groffe Buͤſchel / ſchwartzer /graner / und blauer 
Federn / weiche letztere gar hochgehalten und gefuhtwerden. Es 
koönnen aber dieſe Strauſſen nicht fliegen / weil ihr Leib darzu biel zu 
ſchwer / und ihre Flügel zu kurtz ſeynd / hingegen aber gehen ſie fo ge⸗ 
ſchwind / als ein Pferd in vollem Galopp laufen Fan / und ift ıhr 
Schritt einem Trab gleich / fie haben gefpaltene Klauen wie ein 
Hirſch / und nehmen Steine darzwifchen/melche ſie nach denen werffen/ 
fo ſie verfolgen, Sie pflegen ihre Eyer in den Sand zu legen / * 
| agt 








418 Eye | | 
agt man/ daß fie fo vergeſſen ſeyn / daß ſie diefelbe nicht mehr finden 
önnen / und daß ſich die andern Weiblein / fo don einem Ort zum 
andern Lauffen / darüber ſetzten und diefelbe ausbrüten. 
Es erzählte aber ein neuer Reifender die Sache viel anders / und 
fagt/ daß die Strauffenihre tungen ausbrüten / und ihre Eyer emſig 
anfchauen / welches das Weibleinund das Männlein Wechſels · wei⸗ 
fe verrichten / und fo lange das eine bruͤtet / füchet das andere die 


Seife. | 
Gie (ind taub/ und dieſer Mangel des Gehoͤrs macht / daß fie / Inden 
fie fchlaffen/ gefangen werden / ſiemeynen aud) / ſie Hätten ſich gar wol 
für denen / fo fie derfolgen / berwahret / wann fie ihren Kopft hinter 
einen Baum verftedten. Sie machen ihnen von fo vielen Sachen 
ihre Nahrung /daf man von ihnen fagt / daß fie auch Eifen berdauen 
koͤnnen / welches aber noch nicht erwieſen worden. | 


Die Africaner treiben ein groſſes Bewerb mit ihren Eyern / entweder 
Gefaffe daraus zu machen / oder diefelbein ihre Moſqbeen aufzuhaͤn⸗ 
en. Der Handelmit ihren Federn / ift noch einträglicher ; 

olche ſehr haͤuffig don den Europäifhen Kauff-Leuten auffgeſucht / 
und nah Europa ubergeführet werden. Ferner möchte man auch 
zuden Eyer-Handel rechnen / was jener feinen verarmeten Freund 
vor eine Kunſt gelevnet / wie ev jährlich mit soo. fl. Capital 4500. fl. 
redlicher Weiß verdienen fönte / er folte fich nemlich nahe bey einer 
Volckreichen Stadt /ald etwan Londen / Amfterdam oder Pariß / nach 
einer Wohnung (ſo mit Stallungen wohl berfehen/ und daben zwey 
Morgenlandes in Umfang / wie aud) noch zwey Morgen unbefchloffen 
hätte) umſehen / und felbige miethen / dafelbft in denen Ställen 
aufder Geiten gegen Morgen 100, Hüner « Käufer ( deren Boden 
‚mit Leinenbeftvichen / und die Stangen worauf die Hüger ſich fe- 
ken.2. Schuh von der Erdenerhaben und breitlich / damit die Huner 
nicht wie die Voͤgel um folche ſich klemmen dürften / ſeyn müffen) au⸗ 
richten / des Tages die Hüner-Hdufer damit die frifche Lufft hinein 
gehe / offen laffen/ des Nachts aber wider die fchädlichen Thiere fleif- 
fig zu machen / in den Ställen ſelbſt folte er breite Körbe mit weichen 
Heu verſehen / zuden Hiner:Reftern fegen / folglich 300. fl. zur Er⸗ 
Faufung guter Hüner das Stud zu s. Stuͤber gerechnet / an 1200. Hit 
ner anlegen / welche alle noch jung / von genteiner Art auch wohl bey 
Leib fenn? und Feine lange Sporen oder Klauen/ mit welchen ſie fonft 
die Ener zerbrechen/haben müften/ferner wären zu 1200. Huünern / 120. 
Hahnen / (weilein Hahn wohl ıo. Hüner betreten Fan/ das Stuͤck 
zu 7. Stüber gerechnet / machte as. fl.) .anzufthaften / welche vonı:» 


und 2. Jahren / fhwarger other oder brauner Farb feyn / Pr 
» o⸗ 


Eye. 429. 
fhönen Kamm / rothe glängende Augen / gute Sporen/ einen muthi⸗ 
gen Bang/ eine ſtarcke Elingende Stimme haben / und offt krehen 
müften / zu ſolchen allen müfte man bier junge ſtarcke fleifige und ges 
treue Mägde dingen/ und ihnen anbefehlen/ die Hüner früh aus ih⸗ 
sen Häufern zufagen / Abends im Sommer um s. und des Winters 
um ;. Uhr wieder einzutveiben/ auch wann die Hüuer ausgelaffen / ih⸗ 
ve Haufer fauber reinigen / und friſches Waſſer in die Trind » e- 
chirr gien/ auch müften fie dieHüner / früh und Mittags mit Gaͤr⸗ 
en/ Habern / und bisweilen mit Wicen fpeifen/ alle Wochen fri⸗ 
ches Heu in die Nefter legen / die Eyer behutfam abnehmen / und an 
einen fufftigen Ort / Reihen-weiß neben einander auff die Spitze ſtel⸗ 
fen / von denen e. Morgenlandes / nechfl der Wohnung / müße mau 
alle Monath einen halben Morgen / damit das Erdreich nicht zu Hart 
foiiede / und Die Hüner ihre Klauen darinn verlegen/ umpflügen / et- 
was von Speiſe darein werffen / und mit der Egge überziehen laſſen / 
duf daß die Huͤner Luft hatten / darinn zu Fragen und zu ſcharren / 
Hierauf muͤſte man in der Stadt ıs. bi 20. Eyer-Kiäniers haben / dee 
enman alle Morgen und Abend — z. Eſel welche leicht zu er⸗ 
bl tragen/ und einen gewiffen Bang haben / bey welchen auch 
e Eyer nicht zerbrochen werden/) die gelegten Eyer zu ſchicken 


Önte, 
Fun aber auf die Nechnung zu kommen / fo wirden bon 1200, His 
nern / wenigſtens alle Tage soo, Eyer geleget/derenjedes zu. Stũ⸗ 
ver gerechnet / —** 400. Stüberd oder zo, fl. und alſo die Wochen 
140, das Jahr über aber 7300. fl. austragen / hievonnun die Unko⸗ 
ften abgerechnet / ald vor Wohnungs⸗Zinuß jährlich 357. fl. einer je» 
ven Magd täglic) fünf Stüver welches eben fo biel / nemlich 365. fl. 
machte / vor den beyden Eſel Futter des Tags zufanmmen s. Stuͤber / 
truͤg das Fahr sı. Ar Stuͤver den Eſel⸗Treiber eben fo viel/ für der 
Huͤner⸗Gpeiſe /alle Tag 2. Parifer Scheffelden Scheffel is. Stü- 
ber gerechnet / machte des Jahrs a12. fl. 10.Stuber. Einigen Medicis 
in der Stadt die ihren Patienten das Eyer-Eflen recommendirten/ 


zuſemmen des Jahrs 260. fl. denen Eyer⸗ Kraͤmern / von 100 Stuͤbern 


s. Stüber machte die Wochen 14. fl. und des Jahrs 730. fl. Summa 
aller Unkoften zuſammen zsıs. fl. dieſe von 7300. fl abgezogen / blie⸗ 
- 4485. fl. Gewinn / wer folhes nicht glauben wolte uröchteed pro- 
ren. | | 
Don der Egyptiſchen Manier die Hüner anszubrüten / wie folches 
durch gewiſſe Ofen geſchicht / welche in gemaͤſſigter Wärme angeheitzet / 
und in ſolchen etzliche tauſend Stuͤck Eyer auf einmahl ausgebrütet 
werden / iſt zu leſen Peter de la Valle im iz. Brieff des erſten Theil feiner 
Reiß ⸗Beſchreihung. Das 








430 8 Sac 

Das Electuariumde ovo zu machen / und was ſolches vor ein herrliches 
Mittelmider die Peftilengfey/ davon befiehe des Schröders voliſt. 
Apotheck lib, 2. cap.sı, 


Bedeutet in Recept. Fiat, ed werde / zum ExemmpelR. Spir.Sal,Ar: 
mon, Tindt, Arom, 5,3. s, Qbentin F. das iſt Fiat mixtum. 
F.L.A, ib ift FiatlegeartisgderF.S. A, Fiat Secundum arten, 

eö werde nad) der Kunſt gemacht. 


Faba Arabica, Bohn ift ein fremder Baum/ den Evouomo aͤhnlich / 
hat aber haͤrter / dickere und immer grünendeBlätter/bringt weißlich⸗ 
te Blumen und ſchwartze Früchte wie eine Bohne / welche war ſie ge⸗ 
fcheelet werden / in zwey Stücken zerfaͤllt / iſt eines füglicht birrrichen 
Geſchmacks / vide Cofe oder Case. * 
Faba Germanica, Phafeolus Major, teutſche Bohnen eine befandte 
Frucht / welche faft in allen Gärten gefunden wird. Ä 
Fabaria Craflulamaj. Faba inverfa Knaben-Kraut/ Wuud oder 
Donner⸗Kraut / fette Henne / iſt ein Kraut/ deſſen Wurtzel vor Die güts 
den Ader gebrauchet wird. * 
FabaSuilla Hyoſeiamus. 
rabæ marinæ,umbilicus Veneris, Meer⸗Bohnen muffen ſchoͤn rein 
und mit Farben gezieret ſeyn. | 
Fabric wird don denen geſagt / die eine Stahl⸗ oder Eifen-Manu 
factur aufgerichtet / und in folcher gewiffe Dinge verfertigen laffen. 
Daher fieFabricateurs heiffen. Ko 
Facon ein Frantzoͤſiſch Wort heiſt die Art oder Mode, welche einen 
beweglichen Ding / Hausgerath / Inſtrument oder Kleid / bon den⸗ 
jenigen der es verfertiget & eben wird / man fagt/ die Facon an die⸗ 
fen Spiegeln / Caroſſen / Sättel / Huten/ Degens und dergleichen ge= 
fällt mir nicht / fie iftaufEnglifhe oder Frantzoͤſſche Manier / es hat 
dieſes Kleid eine gute Facon, und ſihet wohl auf dem Leib / Facon heiſt 
auch der Lohn vor Die Arbeit / als wie viel wolt ihr bor die Facon oder 
Arbeits⸗Lohn haben/ich hade io. Reichsthl. dor die Facon dieferBro- 
deric geben muͤſſen / und noch das Silber und den Stoff a parte de= 
zahlt. Fagon wird auch Vergleichniß ⸗weiß geſagt wann eine Waar 
nach Arteiner andern nachgemacht ift/ als dieſes Schaarlsch- Tuch ift 
a laFacon des GScharlach⸗ Tuchs de venite,&c. 
Fa&torsoder Commisfionarii fr, Facteurs werden Diejenigen ges 
nennet / welche Kauff-Leuten die auderworts wohnen / an den Ort wo 


1 


Fac 431 


|| ——————— Bern —— — — 
fie die Factors ihr Domicilium aufgefchlagen / In Ein-und Verkauf 
der Waaren gegen eine gewiſſe Provision von: ober z auch wohl mehr 
- pro Centum (fonderlich wann fle wegen der aufZeit verfaufftenCom- 
miſſion Waaren delCredere ftehen ) bedient feyn. Dieſeubacto⸗ 
- zen lieget nun ob/ daß fleihre Principalen und Committentes fo wohl: 
in Ein⸗ als Berkauff dev Waaren treulich und ehrlich bedienen / wie 
folches allbereit unter den Wort Commillion-Maaren / weitläufftig 
dedueirt / hieraber iſt ferner zumelden daß dergeftalt Ausländifche‘ 
Kauff ⸗Leuten Cominishion zu bedienen / einfehr nuͤtzlicher und zum 
Theil ficherer Handelfey / weil man fein eigen Eapital dabey nicht‘ 
rifgivet / oder auch fo man keines hat / und nur in guten Credie und: 
Renomee ftehet / fo viel zu handeln und wandeln / unter Handen bes 
kommen kan / als mancher mitgroffen Kapital / nicht zu thun bermag / 
dabey gewinnet mancher au Provifion fo viel / als offt des Jahrs in der 
Haushaltung nöthig iſt / junge Leute ſetzen fi) Dadurch wann ſie viel 
fremde Güter zu verwalten haben ingutes Anfehen/ daß man von 
ihrer Conduite (ich gute Coucepten machen Ban / eöhat auch ein ſol⸗ 


cher Commislionaire bey feinen Commisfion-Mgaren den Bortheif en 


daß er manchmahl felber einen Kaͤuffer ( abfonderlic wann ihm ein: 
ewiſſer vortheilhafftiger Preiß limitivet ift) abgeben kan / und was 
onft noch andere Bortheil mehr feynd/ die bey dergleichen Commis- 
fion-Handlungen anzuteeffen / daß alfo diejenigen Kauff⸗Leute / ja 
gar mande Dıredtores des Commercii fehr irren / welche in Bere 
leichung der alten Guͤldnen / gegen der heutigen Eifern-fchlechten 
andeld:Zeit/auf ein gewiſſes bei) ihnen eingeführtes Stacutum drin» 
gen / daß alle durchgehende fremde Waaren an ihre Bürger follen 
berkaufft werden / vorgebende es koͤnte ſolcher geſtalt die Hand⸗ 
lung wieder in Flor gebracht / und die Auslaͤnder gezwungen wer⸗ 
den/ den Baͤrger ihre Waaren zu verkauffen / auf welchen hernach 
dieſe im Wieder⸗Verkauff und weiter Verſenden / dem Profit genieſ⸗ 
fen koͤnten / welchen ſonſt die Auslaͤnder wuͤrden gehabt haben / allein 
weit gefehlt / den auſſer dem daß ihren Buͤrgern durch ſolches Verbot 
der Commislions Bedienung der Vortheil aus den Handen gehet / 
welchen wir oben gemeldet/ der bey Commislions Bedienung zu er⸗ 
jagen ift / fothut ſich auch eimfolche dad Commercium dergeftalt via- 
culirende Stadtoder Republic, den Schaden / daß die Ausländer 
andere Haͤben / Wege / und Pallage ſuchen / und nadhgerad die Cor- 
reipondeng mit der Stadt aufheben/ auch wohl das Jus Talionis 
in gleichen Fall ihres Ortögebraucen / die Stadt felbft macht (ich 
dadurch Feinde/ öffnetden benachbahrten Potentaten/ Städten/ 
und Repnbliqven die Augen / daß ſie / was eine ſolche Stadt von ſich 
weiſt / gern wieder annehmen / ig denen diſgouſtirten ——— 
rts 





432 | Fac 


Orts Thüůr und Thor eröffnen / um Jolche nur au ſich zu ziehen / zw 
geſchweigen daß eine einmahl abgewoͤhnte Zu⸗ und Durchfuhr / wann 
man ſolche hernach in Krieg oder Theurungs⸗Zeiten / gern wieder 
haben wolte / ſich nicht ſo leicht wieder beybringen laͤſt die Bürger 
erden auch nimmermehr miteigenen Capital dasjenigein Handlung 
beſtreiten / was in dieſen Rahrloſen Seculo, (zumahl da der reichſten 
Kauff⸗Leut ihr Geld durch Verheyrathung ihrer Toͤchter / anStands⸗ 
Perſonen oder Gelehrte und alſo aus der Handlung kommt / ) die vie⸗ 
len Ausländer durch ihre gegebene Comnusliones der Stadt haͤtten 
beybringen koͤnnen / und welchen Buͤrger ſolte es wohl nicht viel be⸗ 
quemer —* / wann er unter feinen unter ihm liegenden Commillion 
oder auch Speditions-Ihgaven manchmahl feibit die beften zu feinen 
Gebrauch (ich auslefen Ean ohne denHazard zu ſtehen / ſolche aus der 
Fremd über See und Sand kommien zu laffen / fonderlich weil ihm 
der genanfte Preiß bey der erftenSort angedeutet wird / bey beyden 
‚ aber / ihm überflüffige Speculationes zuionımen / wie und wohin 
ev in dergleichen Waaren / (ber Auslãnder Exempel nach) feine eigne 
Handlung inskunfftig mit Nutzen anftellenmöge. Ferner leydereie 
ne ſolche dad Commercium einfchrendende Stadt anihren Zoll⸗We⸗ 
fen geoffen Schaden / dann geſetzt daß ſolches nach genauer Unterſu⸗ 
chungi. oder z. pro Centum mehr von der Bürger ihrer Handlung 
machte / fo entgehet hingegen doppelt fo Viel den Kauff⸗Leuten an ihrer 
Provilion, Sdiffern/ und Fuhr⸗Leuten an der Fracht / den Schiffs⸗ 
Redern an ihren Schiffs⸗Part Gewinn / den Trägernund Arbeit» 
Leuten an ihren täglichen Verdienſt den Handwercks-Leuten / was 
einige derfelben ihrer Profesfion noch fonft gewöhnlich bey denen 
Commerciis ‚wann ſie iun vollen Schwang geben zu verdienen gehabt 
hätten. Die Pack⸗Haͤuſer / Keller und Boden ftehen darüber le= 
dig / undverdienenfeine Miethe / das Poſt-Weſen empfinder mer 
gen Abgang der Brieffe und Pallagiers ebenfulld das Seinige / in den 
Wirths⸗Haͤuſeru nimmt Die Fregveng der Frensvenauh ab / ja es 
vermindert ſich die Buͤrgerſchafft ſelbſt / weil Kauff⸗Leut / Schiffer 
und Handwercks⸗Leut ſich anderwaͤrts hindegeben wo die Handlung 
noch ungekraͤncket iſt da indeſſen denen übrigen Bürgern ſolcher 
mwegziehenden ihre Contributions Laſt zu wächfet / auch Junge Leute / 
Die bey Handlungen ausgedfenet und bor ſich felbft Fein Capital 
haben / nothwendig den Drtoderdie HaudelgeProfeshion changiren 
muͤſſen / wann ſie der Commisfion halber fo gar genau folten einge⸗ 
fhrendet und welches gemeiniglich dabey zu feyn pfleget verbunden 
ſeyn / aufden Zöllen eydlich zu declariven / ob die ihnen zufommende 
Güter / vor ihreeigeneoder Commiflions - Rechnung gehören / wel · 
Ges nicht allein viel falſches Schweren / fonderlig) bey Gewinn» firch- 

| tigen 


u se Mi z N 
| | Fac 43 
tigen und Gewiſſenloſen Leuten berurfachet / ſondern wann auch das 
gange Weſen zu End des Jahrs beym Licht beſehen wird / fo ift den - 
eignenKHandel dadurch ein Nutzen / ber Commillion-Handlung aber 
ein Schaden zugewachſen /davon (ic) jener Verhalt 4 wie eins gegen 
20, Oder 100. gegen 1000. welches wir beyfaͤllig gewiſſer Urfachen hal- 
ber diefes Orts mit anzufuhren nicht umhin gehen föniten / Inden fol« 
ches der Auszugeiner Materia iſt / welche mehr als einmahl in gewiſſen 
SHandeld- und ar ge aufden Tapet gewefen/ und worüber 
damahls auf fonderbahres Begehren/ der bor die Freyheit der Com- 
mercien ftreitenden Partey ein ausführliches Seriprum die wichtig⸗ 
ſten Rationies dubitandi & decidendi, wie aud) einen gewiſſen Modum 
und Temperamentum, wie weit in dergleichen Verbot zu gehen ſey / 
in ſich haltend) von uns aufgeſetzet und ibergeben worden. Aber wie⸗ 


der auf unſern Factor zu kommen / ſo wird demſelben zur Lehr gegeben ⸗ 


daß er nicht vor einen jeden Committenten / den er nicht wohl kennet / 
flux Waaren einkauffe / und ihm dieſelbe zuſende / che er die Provilion 
darzu in Hunden habe / weil das Anſehen / fo man darunter ſuchet / als 
ob nian den Vorſchuß wol thun koͤunte / ihrer biel hernachmahls betro⸗ 
en / und in Ruin gefeget / wann die — ausgeblieben. 
ranckreich iſt es / wie Savarii int andern Theil feines bolllommenen 
Kauff⸗ und Handels⸗Manns pag. 165. meldet / die Mauier / daß man 
im Einkauff der Commilſion Waaren vor ander Leute Rechnung / den 
Kaͤuffer anzeige / vor weſſen Rechnung man ed kauffe / und wann er da⸗ 
mit zu frieden / ſolches auch gleich ſtehen des Fuß (daß es vor dieſen oder 
lenes Rechnung ſey) in fein Journal oder Memorial notiren laͤſt / in 
welchem Fall man wegen der Bezahlung nicht refponfable iſt. Fer⸗ 
ter muß ein Factor die gegebene Commiflion feines Principalens ges 
nau voliſtrecken / und Diefelbe nicht überfchreiten/ fondern ſich / fo viel 
muͤglich / an den klaren Buchftaben des Briefs/ in welchen er die Or- 
dre enipfangen/ halten / folte es auch zu weilen übel gethanfeyn ; und 
heißtesnac) dert gemeinen Sprichwort: Folge Ordre , und thu 
qvat; item: Wer Commiflion uͤberſchreit /der verlichre / weil 
es einen Fadtoren nicht anſtehet / die Urfachen feines Principalen Or- 
dre eigenen Butdünden nach zu reformiren ; wiewol auch diefes cum 
grano falis anzunehmen / indem die Umſtaͤnde de Zeit und des Orts 
ielmahls von der Befchaflenheit feyn önnen / dap ein Factor unber⸗ 
ntwortlich handeln wurde / warn er feineöCommittenten Ordre 
ſtxicte exegvirte; wie dann auch ein Committent fo pr&cife Ordreniea 
mahls vorſchreiben wird / daß er nicht auch DevLegalität und den ges 
funden Judicio feineöFadtores etwas anheim ftellen ſolte. CinFastor 






muß auch ferner mit feinen Committenten fleifige Correfpandence . .. 


halten / und ihnen/ wann es nöhtig / Beige u. und 
| Ä allen 





434 Fac Bar Ä 
Fallen der Waaren / von guten und böfen Zeitungen / von den Wech⸗ 
fe l-Cours und Preis der Warren / Advifo geben / und wann er mehr 
als einen Mann aus einen Ort oder Stadt zu bedienen hat / fie alle 
gleich Favorifiren/ und feinen den andern vorziehen / damit jleneben 
- und nit einander Marck halten können; fonften wann das Gegentheil 
auöbrechen folte / wurden des einen feine Commiſſion bald ihre Ende 
fchaffterreichen, - Sp erfordert auch die treue Commisfions-Bedite 
nung/ daß ein Factor Verfchwiegen fey/ und feined Committenten Ges 
ſchaͤfft oder was für Waaren/und zu welhen Preis er folhe verſchrei⸗ 
be/niemandanzeige. Endlich ſoll aud) ein Factor gewarnet ſeyn / daß 
er / ſo offt es ſich willthunlaffen / vichtige Rechnung mit feinen Com- 
mittenten zulege / und ſelbige nicht etliche Fahr lang unadjuftivet hin⸗ 
hen laſſe / weil folches mir der Zeit groſſe Verwirrungen / und etwan 
ey ereugneten Tobesfällen oder Bangqverotten ſchwere Proceflen 
caufirenkönnte. Was bon denenSpedittonibus zu wiſſen / auch was 
getveue Factors dabey zu obferviren haben/ folhes ift unter den Wort 
‚Speditionzuericehen. 

Fadtura iſt Die Rechnung / dieein Factor über diejenige Maaren 
ſchickt / welche er auf Befehl feined Committentens / und bor deſſen 
Rechnung eingekaufft. Vide unterfhiedliche Formularien folder 
Facturen in unfers Handeld-Correfpondentenr, Theil p. 468. &fegg, 

Fagopyrum, Fegopyrum, 
nn, Buchbaum. 

Fahrn⸗Kraut / Filix. 

Fahrzeug / ſeynd allerley Schiffs⸗Gefaͤß / auf welchen Perſonen 
und Güter transportiret werben. 

Falliment, vide BangBerort. 

Falſch Hohlwurtz / Fumaria Bulbofz. 
Falſcher Pfeffer / Braſma, Pleudopiper. 

Falſch Comeelhäu / Schenantum adulterinum. | 
Falſcher Sranzöfif. Mardus / Nardusnarbonenfisadulterina, 
Farben / Colores Pigmenta, Frantzoͤſiſch Couleurs, unter folder 

und denen darzu gehörigen Dingen / feynd die befannteften: Æris 
fqvama tenuior, Keſſelbraun / Argentum foliatum geſchlagen fein 
Gilber/ Argentum in conchis Muſchel⸗Silber / Arfenic, Rubr. pulv, 
geſtoſſen Rauſch⸗Gelb / Auripigmentum Opperment/ Auripigm.in 
pulvere Hein gerieben Opperment / Aurum foliartum fein gefchlagen 
en / Aurum foliartum miftum Zwiſch-Gold / Aurumin conchis 
old⸗Muſchelein Aurum muſieum, Bolusalba , weiffer Bohlus / 
Bolus Rubra rohter Bolus, Cerulla Bleyweiß/ Cinis Montanus Berge 
Aſche / Cinnabaris preparara, geriebener Zinnober Cosruleum mon- 
fanum 


\ 


.— Pe VG vr. zur u nn — — 


Bar 45 


— nn — — — — — — — — — — 
tanum Bergblau / Creta alba, weiſſe Kreiden / Creta artificialis dun⸗ 
del Schuͤttgelb / Cretaartificialis media Lichtſchũtt ⸗ Gelb / Creta Hi- 
ſpanica Spaniſche Kreiden / Creta nigra ſchwartze Kreiden / Ebur: 
uſtum nigrum Bein⸗ſchwartz gebrannt Helffenbein / Fuligo Kien⸗ 
Ruß / Gluten feim/ Indigo quatimalo Quatimal Indigo / Indigo 
platto platt Indigo / Lacca ſorentina Floreutiner fad‘/ Lacca Rotun- 
da Kugel⸗bLack / Lacmus, Lackmus / Maſticat Bleygelb / Metallum fo- 
Latum geſchlagen Metall / Metallum in conchis Metall in Muſche⸗ 
fein/ Minium Mennig/ Orleana humida feuchte Orlean / Orlcana ſic⸗ 
ea truckene Orlean / Fenicilli varii — Auguſtani allerhand Sor⸗ 
ten Auſpurger Pinfeln/ Penicilli detto Braband. allerhand Sorten 
Brabandifche Pinfeln/ Rabrica Röhtel/ Rubrum Anglicum Engliſch 
Braun-Koht/Sarurnum album lotum Schiefer Weiß / Smalda An- 
glica Englifh Smalda oder blau/Smalda ordinaria f. feine ordinari 
Del-Schmalda/ Smalda ordinaria media mittel ordinari Oel⸗Smal⸗ 
da/ Succus viridis Safftgrünn/ Terra anglica Englifhe Erde/ Terra 
eitrina gemeine gelbe Erde/ Terracolonienhis@ölinifche Erde/ Terra ı 
ochra comm, licht Oder-Gelb/ Terradetro t. dundel Ocker / Terra 
detto media Suat-Dder/ Terra Rubr Nürnberger Roht / Ferra vi- 
ridis, Terra verd oder grũne Erde/ Terra umbra Umbra / Viride æ- 
riscryftallifatum gedeftillirter Gruͤuſpan / Viride detto inpaneroher 
Grünfpan/ Viride in pulyere geſtoſſener Gruͤnſpan / Viridd monia⸗ 
num Berg:$run/Vitrum Maſcarad, Maſcarad Glas oder Glantz⸗ 
Sand von allerhand Farben / Vitrum Tabellat Schmeltz⸗Glas un⸗ 
terſchledlicher Farben / Vitrum detto alb, fl. weiß Schmelt⸗Glas 
auf Silber / Vitrum detto pellucidum durchſichtig Schmelh⸗Glas / 
Ultramarinum, Ultramarin. | 
Diefe Farben insgefamt konmen entweder den Mahlern / oder auch 
den Seiden/ Wollen:und Leinen⸗Faͤrbern / theild derfelben auch bey» 
den zugleich zu; Von den erften diefes Orts zu melden/ ift unnöhtigs , 
was aber das Seiden/ Wollen⸗ und Reinen- Färben betrifft / iſt ſelbiges 
bon der Wichtigkeit / daß ſowol das heilige Römische Neid) als aus⸗ 
laͤndiſche Potensatengange groffe Verordnungen deswegen gemacht/ - 
wie folches in dem 9. Kapitel unfers Neu⸗eroͤffneten Manufadturen» 
Hauſes paz.r70. & feq, zu erfehen ; wofelbft nicht allein die nach Kay⸗ 
ſerl. und Konigl. Verordnungen 1] nn und aufrichtige 
Farben (welche zum Färben der Seiden-⸗ und Wollen MWaaren follen 
genommen werden )befchrieben ftehen/ fondern ed wird auch zugleich 
die Berfälfchungs welche in Farben der Stoffen und Tücher geſchicht / 
mit angeführet; Und pag. ı30, gewiefen/ wie die Farb eines Stoffes . 
zu unterfuchen ſey / ob ſte aufrichtig oder berfaͤlſchet. Wann nun des; 
Aanutacturen⸗Handel in Seiden / Wollenen und Leinern — 
u ea vor⸗ 


436. gar 2 


vornemlich darinn beftehet/ daß die damit handlende (warın (ie von 
den Weber ein oder mehr Stüd zu Haus bekommen / oder aud) das 
Gewebte felbft erſt müffen färben ; hernachmahls accommodiren / 
effen und lüftern laſſen / die Farben wohl kennen; Als erfcheinet ja 
ieraus die groffe Rohtwendigkeit / welche einen Kauffmann und Ma- 
nufadturier antreiben foll / die Farben und derofelben Bebrauh 
und Wirckung ich wohl befannt zumachen / und was etwan in diefens 
Buch unter der Rubriceiner jeden Farbe / von derofelben wahren 
Qyalität/ rechten Bebraud) und Mifdrauc gemeldet worden/in gus 
ge Obfervang zu nehmen. 


Särber-Röhre/ Rubia Tindtorum, Franthoͤſiſch Garance, die 
urgeldavon wird bielin den Apothecken gebraucht ; Hein zermafe 
met / A ſie die Tuchmaſher; Es wachfen aber der rohten Wurtzel 
zweyerley Sorten / wilde und zahme; die wilde findet man aller Or» 
ten / aber nicht haͤuffig / die zahme hingegen in Schleſien deſtomehr / 
alſo daß viel tauſend Pfund davon koͤnnen verfandt werden. Italien / 
Spanien und Franckreich har. auch einen guten Vorraht. Die jenie 

/ ko Schön trocken und nicht verſtockt oder braunfhwarg / fondern 
| HR oͤn hellroht / feyndambeften. Ein mehrers hievon vide unfer dem 
Wort Grapp. | | 

Farb⸗Erde / deren werben unterfchtedlicher Arten gefundens 
Die Americaner haben eine Miueraliſche Erde Tabacpotli , bey uns 
Leber» Argeneygenannt/ weil fie faft einer zerriebenen Leber gleich fie» 
het/ und vor den Huften gebraucht wird. Kine andere Erde Ychca- 
ger, if gut wider das Fieber; noch eine andere/ / Nehmens Qveazeg, 
iſt fo Ar ſchwartz / daß ſie Dinte dabon zurichten. In China gräbt 
man eine gelbe Erde / welche allen Gifft vortrefflich widerſtehet. 

Der Farben Eintheilung beſtehet in einfachen und melirten / oder 
auch aus andern Farben / Vermifchten und zuſammen⸗geſetzten. 

Die einfache Farben / welche man auch vie erften oder Haupt ⸗ Far⸗ 
ben nennet/ weil die andern alle von felbigen herkommen / feynd die 
blaue/ rohte / gelbe braune und ſchwartze. 

Vermiſchte Farben ſeynd / wie gemeldt / diejenige / welche aus zweyen 
Saupt- Farben zuſammen geſetzet / und alsdaun eine dritte Farbe her⸗ 
ausbrfugen/ als da entftehet die 

Aſch⸗Farb oder Aſchgrau / aus der Vermiſchung weiß und ſchwartz / 
ie mehr weiß darunter/ je heller. die Farb / je weniger ie dundler. 
Himmel · Blau und * Farb vermiſcht / geben eine gruͤne Farb. 
Roht · und Himmel⸗ blau / bringt Biolem Farb. 

———— und roht gibt eine Purper-Zarh, 

zeig und roht / Roſen⸗Farb. | 





u 


Weiß 





gar 437 
Weiß und Himmel-blau/ eine Milch⸗Farb. 
Mennige-Farb und gelb⸗roht / mit weiſſer Farb gemifcht/ gibt Bleich⸗ 
roht oder Fleiſch⸗ Farb. 
Gelb und gruͤn / gibt eine Sittich⸗gruͤne Farb. 
Scharlach⸗roht und Gelb / eine Dotter-Farb/ sc. . 
Was ferner ‚jede Farbe befonders vor. eine Vermiſchung leiden koͤn⸗ 
ne / und wie die alödann daraus hevvorkommende, Farbe mit ihren 
Beynahmen benennet werden/ folches ift unter der Special-Benennung 
einer jeden Farb zuerfehen. 
Don der Kunft und Wiſſenſchafft / ſowol die einfache als melirte Fate 
ben wohl und — — auf Seide / Wollen und Leinen anzubrin⸗ 
gen / werden diejenige / die damit umgehen / und Profesſion dabon 
machen / Faͤrbers genannt / und zwar wieder eingetheilet jzweyer⸗ 
ley Sorten / als Schön-und Schlecht⸗Faͤrbers; Jenen iſt nicht er⸗ 
laubt / denen Zeuchen und Tuͤchern / ſonderlich aber die fein und koſt⸗ 
bar ſeynd / einen falſchen und ſchlechten Grund zu geben; dieſe aber / 
nemlich die Schlecht⸗Faͤrbers / mögen wol in geringen Zeuchen / und 
wobon die Elle nicht viel uber etten halben Gulden zu ſtehen kommt / 
den Grund mit Indianiſchen Holtz oder einer andern ſchlechten Farb 
maden; hingegen dürften ſie auch an ihren gefärbten Zeuchen feine 
ſolche Roͤßlein oder Abzeichens / wie die Schon⸗Faͤrbers / laſſen das 
mit man beyder Arbeit / oder vielmehr das Wahre vor den Falſchen 
deſtobeſſer unterfcheiden könne: Es iſt aber dieſe Sache wol würdig/ 
(nachdem unfer Rauffmannd-Magazyn mit vielen Seiden / Wollen⸗ 
und Leinen⸗Manufacturen angefüllet / welche alle/ ehe fie eine rechte 
Geſtalt gewinnen / zubor durch der Färber ihre Hande pafiren muͤſ⸗ 
fen) daß wir foldhe aus dem Grunde allhier befhreiben / und ſowol 
Kauffleuten ald Fächern ihre Lection geben / wornach fie (ich in Ein» 
und Verkauff / und Zubereitung der Waaren zu richten haben ; - Dies 
fen nach ift vonnoͤhten dap die Schön-Färber allerhand Art Wolle/ - 
die entweder gefponnen ift/ ober gefponnen werden foll/aud) allerhand 
Wollene Zeuche oder Tuͤcher und Waaren/ bon was vor Preis/ Güte 
und Fabriqve oder Gewuͤrcke le immer feyn mögen / in allerhand gu⸗ 
ter Art blanen/ rohten und gelben Farben / von der niedrigften Mit⸗ 
tel⸗Farbe eines jedenan / bis zur hoͤchſten; desgleichen auch in ale 
dergleichen andern Farb⸗Arten / welche aus denen zwey oder drey ein» 
fachen / als der blauen/vohten und gelben Farbe / auf Art und Weiſe / 
‚wie hiebor gefaget iſt / entfpringen oder zuſammen verwmifchet werden? 
färben und bereiten follen. 
Es können auch die Schön-Färber färben alle graue und Wurtzel⸗ Far⸗ 
ben derjenigen Zeuche / von welchen die Eile über einen halben Gulden 
doſtet / wie auch bie Futter⸗Zeuche / on die Eile über einen —* 
t3 « 


433 | Far ( 

Thaler zu ftehen kommt und welche mit Crapp, Weyde oder Coche- 
nille muͤſſen ausgefärbet werden ; wobey ihnen dann obliegen will/ bey 
ledem Stud Zeud) ein Röplein zulaffen / von derjenigen vollführten 
guten Grund⸗ Farbe / welche je denfelben Zeuch oder Tuch gegeben 
baden. Haͤtten ſie aber den Zeuch gleich ohne vorhergehenden Grund 
gefärbet/ fo müfte das Roͤßlein weiß gelaffen werden. 

zyerner folten aud) von Rechtöwegen denen Schön-SFärbern verboten 
feyn / Judianiſches Holtz oder Orteille zu gebrauchen / oder in ihrem 
Hauſe zu haben; fomüften ſie auch nicht Macht haben / die ſchwartze 
Farben / fo fie angefangen / zu vollenden; dann weil fie verbunden - 
feyn / den Grund zu deu ſchwartzen Tuͤchern von Wende oder Roͤhte 
zu machen/ und hierauf zur völligen Ausarbeitung des Indianifchen 
Holtzes nöhtighaben/ ſolches aber ihnen zu gebrauchen verboten ift / ' 
als müffen ſie den Uberreſt den Schlecht⸗ Faͤrbern üdergeben / als 
welche allein Die fchlechten Farben / als Orfeille und Indianifches Holtz 
geringen Zeuchen und Tüchern zu gebrauchen zugelaflen ift. Ge⸗ 
fept aber/ daß den Schön> Färbern zugelaffen wäre / das jenige/ was 
er angefangen/ zu vollenden/ fo koͤnnte ſich leicht fügen/ dap er nicht al⸗ 
dein den guten Grund weglieffe / unddes Iudlanifchen Holtzes ſich ge⸗ 
brauchte / oder fie wurden gar die ſchwartze Farbe / wie es dann gar 
leichtlich gefchehen kan / mit Gallaͤpffeln / Sumac und Kupfler- Waller 
vollenden/ ohne derſelben ihrengebührenden Grund mit der Wende/ 
oder mit der Wende und Erapp zuſammen zugeben / welches doch 
hoͤchſtnoͤhtig iſt wann man anders eine gute Farbe bekommen will. 
Mann nun/ wiezudorerwehnet / der Scönfärber bey einen jeden 
Zeuch fein Röplein zu laffen verbunden ift / fo muſte hingegen auch 
der Sch!ehhtfärber/ wann er das Stück Zeuch völlig ausgemacht / ‚ein 
Bley daran fchlagen / wodurd (id dann hernachmahis auswe iſen 
wuͤrde / wann etwan das Zeuch nicht gut gefaͤrbet waͤre / ob au den 
Schoͤn⸗ oder Schlecht⸗Faͤrber die Schuld ſtnde; Es würden auch 
dieſe beyde ſich um fo vielmehr vor einander ſcheuen / und ein gutStück 
Zeuch zu machen ſich befleißigen muͤſſen / als leichtes ihnen iſt / daß ei⸗ 
ner den andern feines Fehlers uͤberweiſen kan. 

Aus obigen allen iſt nun zu erſehen / daß die Schoͤnfaͤrber mit lauter 
theuren Zeuchen und Tuͤchern / welche einen koſtbaren unverfaͤlſchten 
und wahren Grund erfordern / umgehen koͤnnen; denen Schlecht⸗ 
Faͤrbern hingegen kommen nur ſchlechte Zeuche und Tücher unter 
Händen / als da ſeynd: Zimmet⸗Farb / VentredeBiche, couleur d’ 
Alyfe, painbis, triitamie, couleur de mufe, Caſtanien⸗Farb / petit mi · 
nime, Lichtgrau / Perlen⸗Farb / Mausfahl / grisdecaflor , gris de 
breda, gris d' eau, gris de ramier, couleur d’ardoife, grisplombe „ 


gris d' ours, gris de mouton, Schwartzgrau und dergleichen / Re 
— e 





fie anftatt der Weyde / Nöhte und Cochenille mit Indianiſch Holtz 
oder Orfeille färben koͤnnen und darzu gang Feine Roͤßlein daran lafs 


fen dürfen. Ä 

Denen Schlehtfärbern iſt auch zugelaffen / allerhand Wollen und 
wollene Tuͤcher / ſie feyn gleich vou was Preis ſie immer wollen/ auszu⸗ 
färben/ wann felbige zubor von den Schönfärbern obbemeldter Weis 
nachgegründet worden. Giemögen auch alte Kleider / Zeucheoder 
Tücher in allerhand Arten ſchwartzen und Wurtzel⸗Farben wieder aufe 
färben; aber die theuren Zeuche und Tücher muͤſſen ſie den Schön: 
Faͤrbern uͤberlaſſen / das felbige von ihnen erft mit einen guten Grund 
berfehen werden / alödann (te die Schlecht · Faͤrber weiter ausfaͤrben 


koͤnnen. 

Damit aber dieſes deſtobeſſer gehalten würde / muͤſte dem Schlecht ⸗ 
Särber verboten ſeyn / Feine Materialien bey ſich zu haben / welche zur, 
Schoͤn⸗Faͤrberey gehören/ auch feine fchwarke Farben mit Gallaͤpffeln 
anfieden oder. ſchwartz zu machen / welche nicht vorhero entweder mit. 
der Blauen allein / oder mit dev Blauen und Roͤhte zuſammen durch 
den Schönfärber angefotten und gegründet worden. F 
Durchgehends iſt auch allen Kauffleuten verboten/ daß fie Feine Zeuche 

oder Tücher weder von denen / davon Elle über zo. Kreutzer koſtet / 

noch von den andern/ fo zum Unterfuttern gehören/ und Davon die Elle 

doc) über einen HalbenKeichöthaler (weiß gekauffet ) zu ſtehen koͤmmet / 

den Schlecht⸗Faͤrbern zu färben geben/ auch Eeine ſchwartze Farbe ohne 

den zubor nöhtigen Grund mit Weyde / oder Weyd und Erapp faͤr⸗ 

ben/ zulaffen. Deögleichen foil ihnen auch verboten werden / daß ſie 

ihre Waaren Beine falſche Farbe geben laſſen / noch denen Faͤrbern 

hierinnen huͤlffliche Hand leiften / und mit ihnen darunter Berftänds 

niß haben/ oder felbige die verbotene Materien gebrauchen laſſen. 


Falls aber in einer Stadt nur ein Farber allein ſich befünde / da ift 
ponnöhten / daß ſelbiger atte beyde Faͤrbereyen “in fo fern er ſolche 
recht verfteher) nach der Art und Weiß borgemeldten Unterrichtö ver» 
fche/ alfo dag er Roͤßlein Bley oder Zeichen vor das Schönfärben an 
denen Zeuchen und Farben / die mit guten Farben gefärbet worden / 
mache; hingegen auch das Schlechtfärber-Zeichen/ an die Zeuche und 
—— die zum Schlechtfaͤrben gehoͤren / und endlich alle beyde Zei⸗ 

nan die Tuͤcher und Zeuche / zu welchen beydes ſowol das Gut⸗als 
Schlechtfärben gebrauchet wird; Dafern er aber das Schönfärben 
nicht gnugſam verſtehet / fo mag er ſich bloß des Schlechtfaͤrbens be die⸗ 
nen/und alſo auch allein ſelbiges Zeichen gebrauchen. Am beſten aber 
iſt / daß eine legliche Stadt dahin ſeht / das ſie beydes einen Schoͤn⸗ als 
Schlecht⸗ Faͤrber bekomme / in — Fall die Bürgerfchafft / F 

Ee 4 


440 "Rat | 

fonderlich die Manufadturferd / indenjenigen / was fie zu färben da» 
ben / defto beffer werden bedienet werden, 

Es wird aber die Kunſt des Schönfärbens von dem / der ſie recht ver» 
ftehet/ gar geheinigehalten : fie erfordert auch viel Zeit und lange Er» 


fahrung/ ehe man ſolche recht erlernen kan dannenhero dann vonnoͤh⸗ 


ten/ daß derjenige / welcher in felbiger Meifter zu werden gedencket / 


4. Fahr lang vov einen Lehr- Jungen bey einem Meifter in der Schoͤn⸗ 
färbeven diene; von welchen ausgeftandenen Lehr-Fahren er auch 
Zeugniffe aufzuzeigenhaben / und hernacher noch andere vier Fahre‘ 


zum wenlgften bey eben demfelben oder einen andern Meifter vor ei⸗ 
nen Gefellenarbeitennuf. Wann er nun nad; Verlauf diefer Zeit 
fich tüchtig befindet/ und in Millens ift Meifter zu werden/ ſo mag er 


begehren/ daß ihm fein Meifter-Stüd zu machen erlaubet werde / wel ⸗ 


ches / wann ed wohl gemacht iſt / man ihn alfobald in die Meiſterſchafft 
oder Zunft aufzunehnen / widrigenfalls aber / da ſolches nicht wohl 
—* waͤre / ihn wie der zum Lernen auf ſo viel Jahre / als man ihme 


voͤlligen Wiſſenſchafft nöhtigzu ſeyn erkeunet / zuruͤck verweiſen 


olle. | 1 
Und ob wol die Miffenfchafft / die Weyde recht zugebrauchen / das 
nöhtigfte und ſchwereſte in der Faͤrb⸗Kunſt ift / fo kan man dennoch 
noch nicht arbeiten / wann man nicht auch Dad Crapp⸗Roht / Violet- 
Cramoılii, Grün und Minime, und die ſchwartze Farbe mit Weyd und 
Crapp zumachen weiß / welches 4. Farben feynd / die ein Schönfär« 
ber nohtwendig verftehen muß / weswegen dann / damit man diejeni« 
en/ die dereinſten Meifter zu werden gedenden/dahin bringen/ Daft 
fe ſich deffen auch wohlkuͤndig machen / rahtſam wäre/ dap man (te über 
die Arbeit/ welche fies. Tage lang bey der Ruppen zubringen müflen/ 
a ‚ein Stud Tuch auf Crapp⸗Roht / eined auf Violet Carmoilii, 
no 


eined gruͤn und endlicheneined Minime oder ſchwartz mit bloffen . 


Weyd und Erapp fürben liefle ; Wann jie nun folches gethan/ mögen 
ie in die Meiſterſchafft oder Zunfft aufgenommen werden / aud) mit 
der Zeit und nach der Reihe unter die Geſchwornen oder Ober-Meis 

er kommen / und alle die Freyheiten der Schoͤn⸗Farberey⸗Zunfft 
amtihren Wittwen und Kindern geniellen, Ader die Meifter- 
Soͤhne des Schönfärberd dürften nur 2. Jahr lang vor einen Lehr⸗ 
Jungen / und eben fo lang vor einen Befellen / entweder bey ihren Va⸗ 
ter oder bey einen andern Meifter/ die man auch von gedachten 4. Stuͤ⸗ 
cken / unter welchen ſie die Wahlhaben follen / nur zwey fürben / inte 
gleichen auch nur drey Tage beyder Ruppen arbeiten. Und fo ſolches 
ein Geſell iſt der des Meiſters Tochter heyrahtet / fo Fönnte er ſolcher 
Heyraht halber mit des Meiſters Söhnen gleiche Freyheit genieſſen. 
In Fraͤnckreich bringt desfals die Königl. aördüungmu (ch / af 


I) 


| | at , 441 
warn ein Schlechtfärber-Befell Meifter werden will / er zuvor ein 
Meifter-Stück: verfertigen muß / welches in vier Studen beftehet/ 
als nemlich in zweyen ſchwartzen Zeuchen / deren einen er nach der 
Schoͤnfaͤrber⸗Weiſe / den Grund mit Weyde und Roͤhte zugleich / 
den andern aber mit der Wende bloß allein geben muß. Ferner muß 
er zwey Stüd fchlechte Zeuche farben / nach Schlecht-Färber-Art/ 
und zwar eines derſelhen aufgris de Caftor, das andere auf painbis 
oder Koden:Brob» Farb, u 7 
Auffer denen jegt-bemeldten Schön-und Schlecht: Färbern iſt im 
sehe Laser verboten / einigerley Wollen oder Wollene 

aaven/ ste ſeyn von was Preis und Gattungen fie immer wollen / zu 
färben noch überzufärben/ ausgenommen / daß den Huͤtmachern ihre 
Huͤte / und der Tuchmachern ihre Wolle / fo jfezu ihren Melirungen 
bedürffen/ in Ruß⸗ und Wurtzel⸗Farb zu färben zugelaffen feyn folle > 
jedoch, daß gedachte Tuchmacher die Balläpffel/ das Kupffer⸗Waſſer 
und mehr Mäterialien, fo zum Farben dienlich feyn / weder gebrau⸗ 
chen / noch in ihren Haͤuſern bey fichenthalten follen / / ausgenommen 
allein die Wurtzeln und Rinden von Ruß- Bäumen und Schaalen der 
Rüuͤſſe / die fie bloß zu Ihre Melir- Wolle auf obbenapnte u 
Nuß⸗Fatbe / ſonſt aber zu Feinen Zeuchen oder andern Farben dev 
Melir- Rolle gebrauchen ſollen. | 
Die Wolle/ welche zu Tapezeveyen und Canavas gehöret / weil folche 
bon d’ hauteliffe oder ſtarcken Glautz ſeyn muß / iſt den Tapezivern zu 
färben erlaubet/ ſowol nach dev Schön-ald Schlechtfärher-Kunft/ jes 
doch / das ite lichenthalten andere Kauffmanns · Waaren zu färben/ es 
wäre dann / daf an deunfelben Ort feine ordentliche Schön « nod) 
Pa äsbersmwären. In welchem Fall ſie wol vor die Kauffleu⸗ 
te färben koͤnnten / jedoch / daß jtein Yegung des Grundes / Gebrauch der 
Roͤß und des Zeichens / der Schoͤn⸗ und Schlechtfaͤrber ihre Ordnung 
genau nachleben. Finden ich aber dieſe lehtere an einem Orte eta⸗ 
blivet / fo ſeynd die Tapeten-⸗Wollen⸗Faͤrber obligiret / hey ihren 
Wollfarben alleın zu bleiben, : 
An einigen Orten) ald zu Roanin Franckreich wird die gange Faͤr⸗ 
ber: Zunfft in drey Theile / als in Guesderons, Garanceurs und Noir- 
eiffeurs, dag iſt / ein Blau / Roht⸗ und Schwark-Färber abgetheilet/ 
deren feiner des andern Art zu fürben verftehet / bielweniger unter« 
nehmen/ oder davor repondiren darf / fondern einjeder muß dor ſei⸗ 
ne Farbe ſtehen / wiewol die Blau⸗ und Roht-Färber noch wol zuſam⸗ 
men treten / und mit einander in Compagnie färben mögen. Mau 
nimmt auch feinen Blau⸗ Faͤrber an/ohne einen Rohtfaͤrber dabeı) zu 
haben / weil fonften die Blaufärber/alödie mit der Crap und Coche- 
nille cher / als die Kohtfärber mit * Weyde umzugehen — 

es lon⸗ 


— 


441 Bar DE 
koͤnnen / alle die Arbeit an fich bringen / und alfo Die andern derfelben 
berauben würden. Denen ne ee weil ſie des 
Schlechtfaͤrbens gewohnt ſeyn / wird ſolches auch neben bey zu treiben 
zugelaſſen / nur daß ſie ſich hüten / Arbeit anzunehmen / welche den 
Schoͤnfaͤrbern gebuͤhret. Das Bley oder Zeichen eines jeglichen 
Faͤrbers muß an der oberſten Ecke eines jeden Zeuchs einfach / wann 
aber der Zeuch doppelt / an beyden Ecken zugleich angemachetwerden / 
weil ſolches Zeichen / benebenft den Roͤßlein / das eintzige Mittel iſt / 
dadurch gang leichtlich ſowol die Verfaͤlſchung der Farbe / als auch / 
wer ſolche verfaͤlſchet hat / kan erkannt werden. Damit aber das 
Bley⸗Zeichen deſto kaͤnntlicher werde / als iſt bonnoͤhten / daß ein jeder 
Sschön-oder Schlechtfarber ein kleinen Amboß habe / auf welchen rund 
herum mit Beinen Buchſtaben der Nahmen der Stadt / in der Mitte 
aber mit groͤſſern Buchftaben dieſe zwey Wörter Schoͤn⸗Farbe ge⸗ 
präget ſey. Ferner muß er einen Stempel haben auf welchen fein 
Rahme ebenfals mit groſſen Buchſtaben geſchnitten / damit / ſo bald er 
mit den Hammer drauf ſchlaͤgt / das Bley auf beyden Seiten geyraͤ⸗ 


et ſey. 

| Srachdemnatfo die Zeuche oder Tücher die völlige Farbe und Zeichen/ 
eö fer) gleich von Schönsoder Schlecht⸗ Faͤrber allein/ oder aber von 
beeden zugleich bekommen haben/ fo follen doch die ſelbe / ehe ſie in der 
Kauff⸗Leute Hande kommen / auch ferner aufden Kauff ⸗ oder Rath⸗ 
Haus durch deputirte Aufſeher des Tuch⸗ Handels und geſchworneFaͤr⸗ 
ber⸗Aelteſten noch einmahl beſichtiget und mit derStadt⸗Wapen ge« 
ſtempelt werden. Wüͤrde ſich nun ſolchergeſtalt ein falſches Stud 
Zeuch oder Tuch finden/ welches falfche Farben oder Zeichen hät» 
te / oder daß es der Kauffmann heimlich zu ſich genommen / und den 
Tuch» Scherer ohue der Stadt-Stempelüiberkieftert Hätte / fo müfte 
fo wohl der Tuch⸗Scherer / welcher es undezeichnet angenommen/ als 
auch der Kauffmann dafür abgeſtraffet werden. in jedes Stud 
Zeuch / welches talfch gefärbet zufeyn befunden wird / folte arreftivet/ 
und ſo es den Kauffmann wieder gegeben wird/ dennoch ſolchergeſtalt 
gezeichnet werden / daß je dermann ſehen koͤnne daß es kein auffrichtig 
gefärbtes Stuͤck Zeuch ſey. Insgemein ſeynd diejenigenZeüche / wel⸗ 
che keine Roͤßlein an den Ecken haben / ſchlecht gefaͤrbet / wiewohl ſie 
auch manchmahl falſche Roͤßlein darauf machen koͤnnen / ſonderlich an 
den grauen und Wurhzel⸗Farben Zeuchen / welches aber denſchlecht · 
Farbern bey hoher Straffe muß verboten werden. Imgleichen daß ſie 
‚auch das Schoͤn⸗Faͤrber Röplein nicht verderben ſollen / damit mau 
allezeit daraus erſehen moͤge / wie das Stück Zeud) fo wohl von Schoͤn⸗ 

als Schlecht-Farbern gefarbet worden. 
Weil auch einige Rauffsfeute und Faͤrber möchten gefunden werben) 
wel⸗ 


a 


— — Fa5r443 
welche einer guten Farb⸗ Ordnung ihres Eigennutzes halber zu wi⸗ 
der handelten / als wäre ebenfalls hoͤchſt nothwendig / daß man aller⸗ 
hand Art Muſters von Schoͤn⸗ und Schlecht⸗Faͤrbern mit ihren auf⸗ 
geſetzten Zeichen auff den Kauff⸗ oder Rath-Haus verwahrte um in 
allen Fall ein folches Mufter gegen das zur Schau gebrachte Stück 
Zeuch zuhalten/ oder aud) mit dem / daß man vor verdächtig hält/ auf 
Die Probe anzufieden. 
Die Materialien, ſo feine Farbe bon fich geben/ und zum Schön-Fär» 
ben gehören/feynd/ der Alaun/ Weinftein/Arfenicum Realgar, Sale 
eter) Sal gemmx oder Stein⸗Galtz / Salmiac, gemein Saltz / Minera- 
fh Saltz / das Saltz oder Cryſtallen vom Weinſtein / Agaricum, 
Brandtwein / Urin / Zinn / Kleyen / Erbſen⸗oder Rocken⸗Mehl / 
Krafft ⸗ Mehl / Kalck / gemeine Aſchen und Aſchen vom Weinſtein 


emacht. 
ie faͤrbende Materialien, weiche bloß einig und allein von dem 
Schoͤn⸗Faͤrber follen gebrauchet werden/ feynd Weyde / paftel del” 
auragois, &albigcois, Voüde, Indigo ‚paftel d’ ecarlate, Scharlad 
Koͤrner / Cochenille, Mefteqve und tefqualle ; zu den theuren Farben 
und Zeuchen/Cochenille Campefliane oder Syiveftre ; zu den geringen 
Beuchen und Melir-WBollen/ Crap / Boarre oder Geiß⸗Haar cerame- 
rita, oder Curcuma,, gaude, Fätber » Scharten/Pfriem Kraut und 
Ruß / ſo bloß zuden feüillemortes, Haare Farben / und Oliven-Grün 
gebrauchet werden follen. 
lle die'eoberzehlte Materialien follen dem Schlecht-Färber verboten 
werden/alfo daß er Feine derfeibigen weder in ſeinen Hauſe halte / noch 
ebrauche / bis aufdie Gaude, die er zu Berlinderung der Khwargen 
 acben/ und zum Abſchlag auf die grauen einig und allein zubehalten 
Macht haben folle. | 
Die Materialien , welche fomohl dem Schön-ald Schlecht⸗Faͤrber zu 
brauchen frey ſtehen / ſind lauter ſolche dienur wenig oder dundel faͤr⸗ 
ben/alsdie Wurtzel / Rinde und Blätter der Ruß⸗Baͤume / als ca ddie 
Schaalen von denRüffen/Garoüille,und@all-Aepffel/Sumac, rodoul 
und Kupffer⸗Waſſer / jedoch tollen die Schön Färber gar wenig von 
den legten bier Materialien beyfid) haben / und nur fo viel als zu et» 
ner Heinen Braͤunung auf die Farben / welche fie fonften ſchwerlich 
recht völlig auf ihre Art heraus bringen könten / ohne daß ſie dabey 
den nothwendigen Grund verringern doͤrffen / als welcher jederzeit fo 
ſtarck alö der an den Haupt Muftern feyn folte. Uber dieſe vorer⸗ 
jehlte Matcrialien, fo dem Schleht-Fäürber mit dem Schön-Firber 
gemein zuhaben zugelaſſen worden/ ſoll ihme noch erlaubet feyn / das. 
Indianiſche Holg/die Orfeilleund Grünfpan zugebrauchen; Hin⸗ 
gegenader foll dem Schoͤn⸗ Faͤrher gaͤntzlichen verboten —— 
or⸗ 


baum ⸗Hoiſ und die Rindebon Erlen⸗Holb inden 


444 | Far u 
borgebachten Materialien, nemlich dem Indianiſchen Kolg/der Or- 
feille und. Grunfpan / weder etwas zu gebrauchen / noch bey ſich im 
Hauſe aufzuhalten. Die Materialien, welche allen Färbern / das if 
fo wohl den Schön-ald Schlecht ⸗ Färber nothwendig verboten werden 
müffen/ feynd : Das Braſilien · Holh / rocourt. wilder Saffran / tour⸗ 
nefol, Orcanette, Hammerſchlag und Rupffer-Feil/ Abfchleifffel der 
Meſſerſchmiede und Scheetfchleiffer/ alte Rocaulund alte Sumac, ſo 
bereitö zum Eorboan oder andern Reber gebrauchet werden / weil alle 
dieſe Materialien nur die Farben verfälfchen/ die Wolle verhärten/ 
und die Zeuche verringern / jedennoch Eönte das — — Faͤrber⸗ 
elaſſe den / in welchen das Sch d — nr 
n werden / in welchen da artensoder Pfriem-Kraut n 
—* zubefomnien. 





° Einmehrersvonder Faͤrb⸗Kunſt / vide inunfern neueröffneten Ma- 


 mufdturen Haus / item inden Tradtatde arte Tindtoria Findamen- 


tali mofelbft bon Geiden und Wollen Färben ausführlich gehan- 
—— — 


Farbe die durch harte Stein dringet. 


Nimm bon Scheid⸗Waſſer 2. Untzen; von Koͤnigs⸗Waſſer oder Aqra 
regia eben fo viel / Sal ammoniac eine Untze / vom beften Spiritu Vinä 
2. Drachmas.ſo viel Gold als etwann». Julii an Geld werth feyn/ 
— 2.Drachm, Wann du dieſes haſt / fo nimm das cal- 
cinirte Silber / thu es in eine Schale / gieffe 2. Ungen S eide⸗Waſ⸗ 
fer darauf / und laß es ausdaͤmpffen / ſo Haft du ein Waſſer / welches 
dir eine fchöne Himmelsblaue Farbe / und hernach eine ſchwartze gibt- 
Hernach thue das calcinirte Gold in eine Schale / laß es famt dem 
aufgegoffenen Scheid⸗ Waſſer ftehen / bis ed ausgedämpffet / darnach 
thueden Sal ammoniac, wie auch den Spiritum Vini darzu / und laf 
eö ftehen bis der Spiritus ausgedünftet / fo haft du ein Golfarbiges 
PWarr/ welches dir allerhand Farbe verfchaffet und durch dieſe 
Kunft kanſt du auch aus andern Mineralibus allerhand Tindturas und 
Sarbenextrahiven. Wann dieſes alles gefchehen / fo bemahle einen 
Marmor, der wicht allzuhart ift/. mit Figuren oder Bilder wie du 
wilt / renoxire das Gemahlte alle Tag mit neu zubereiteten Waſſer / ſo 
wirſt du endlich ſehen daß das Mahlwerd durch den Stein hindurch 
gedrungen / wann du ihn zeubrichft/fo wirft du allemahl an beyden Set⸗ 
:ten das Bild inwendig und auswendig ſehen. 
Farfara Tuſſilago. 
Farina, vide Mehl. 


Farn · Vaum oder Faru · Wurtzel Radix Filicis wird im Serdf 


— —Far Faͤ445 
eingethan / iſt männlich und weiblich Geſchlecht und wird von A⸗ 
berglaubiſchen Leuten zu bielen Fantaſtereyen gebraucht / ſonderlich 
* theils betruͤgliche Marckſchreyer dev Farren⸗Wurktzel liſtiger 
Weiß / die Geſtalt einer Menihen Sand zu geben / welche fie hexn 
Gluͤcks⸗Haͤndlein nennen/und davon vorgeben / daß wer ſolche bey fl 
truge in allen feinen Unternehmungen vornemlich aber in Erlan« 
gung Geld3 und Guts hochſt glücklich feyn wurde ; einige mol 
len auch den Farn⸗Krauts Saamen / zu Præparirung ded Ges 
wehrs gebrauchen / daß man hernachmahls mit folchen deſto ge 
iſſer ſchieſſen / und alles woruac man zielet treffen könne, 

Farrago,,Secale, h 

Samen-Krane/Filix. 

FJarn Glied⸗Kraut oder Farrn Wund · Kraut Sideritis, Confoli- 
da felici folia. 

Farrn⸗Mooß / Muſens Filicinus. 

Faͤſſer frank. Barils, Tonneaux, Bariqves dienen ben Kauff⸗Len-⸗ 
ten theils ihre truckne und nafle Waaren die fleüber See oder fand 
perfenden darein zu packen / theild auch in Haus und Magazin darin« 
nen zu verwahren / der Handel damit möchte fich auf groſſe Stück 

Faͤſſer (welche gemeiniglich aus den beften Eichen Holg verfertigt 
werden) zur Anfuͤllung koſtbarer Weine erſtrecken / wohin auch noch 
ziehen das fo genannte Klap⸗Holtz und Pipen-Steven/ welche fehr 

—2 auf der ſt⸗See nad) ——— and Franckreich verführet / 

und dafelbft zu denen Ox⸗Hoͤfften und ren der verbraudet 
werden / manchmahl traͤgt es ſich auch zu/und iſt mehrmahls in Teutſch⸗ 
land an den Rhein und Neckar Strohm / ſonderlich bey guten Wein⸗ 

Jahren geſchehen / daß man vor ein lediges Wein⸗Faß etliche Ey» 

mer Wein gegeben / in welcher Zeit derjenige der viel Faͤſſer gehabt / 
ten Nutzen befommen/ fonften iſt auch nod) wegen der Faͤſſer in wel⸗ 
oder andere naſſe Waaren gefuͤllet werden / denen Kauff⸗ 
uten die fo genannte Eiche derſelben / oder wie viel ein ſolches Faß 

Eymer oder Ahin in ſich halte / jedes Lands Maaſſe nach / zu wiſſen nö» 

thig/ item wie die Fultage dieſes oder jenen Lands befchaffen ſey und 
gegen einander differire/ welches theils auf die Erfahrung theils in 

Die Vifr - Kunft hinein laufft/ weil aber derſelben die wenigſten 

Kauff:Feut/ auch wohl gar einige Wein⸗Haͤndlers nicht kuͤndig feyn/ 

fondern desfalls / die Sorge Ihren Büttrieen Küpern oder Wein⸗ Ver⸗ 
laffern überlaffen müffen / als wollen wir ihnen hier Fürglich ein klein 

Compendium eines Vihr-Maafles anweilen/ Krafft weiches fie die 

Capacität eines Wein oder Bicr-Fafles gar leicht finden koͤnnen / 

" man machet nemlich von Pergament Shmale Riemen ohngefehr — 

J ne 


r 


446 Faf Fau 
ned guten halben Daumens breit / leimet diefelbige mit guten ſtar⸗ 
den Mund⸗Leim zuſammen / alfo daß man eine Schnur bon 25. bis 
60. Schuhlang haben / und damit ein und andere Sache abmeffen/- 
alfo auch zuden Yilwen der Faͤſſer felbigemit fonderbahren Vortheil 
und Begvemlichkeit gebrauchen fan. Dieſe Schnur theilet man aus 
von Schuh zu Schuh / hernach auch einen jeglichen Schub in zehen 
Zoll/ und einen jeglichen Zoll ferner in 10. gleiche Thetle/unterfcheidet 
mit gewiffen Zeichen die Schuh / Zollund zehende Theil der Zoll / 
laſſet hernach von: einem Dreber aus gutem Buchs⸗Birn oder andern 
ſaubern harten Holtz eine runde Capſel ⸗oder Buchfe drehen / damit 
man die Schnur aus ſolcher heraus ziehen / und auch wieder hinein 
winden/ auch felbige begbem bey jich in Sacke tragen fünne. Fer⸗ 
ner Läft man ein Wein⸗Faß auffs feifigfte Eichen und daran bezeiche 
nen / wie Viel Fuder / Ahmen / Viertel / Maaß / halbe oder Echt Maaß 
ſelbiges Ba Hierauf mift man mit diefer Schnur um das Faß 
nad) der Ränge/ und auch die Dicke des Bauchs um den Spund herum 
fo dag die Schnur juft yon der Mitte der Böden und der Mitte der 
Dice zufammen gehe. Addiret hierauf die Summa der Werd» 
Schuh / Zollen und zehenden Theil der Zollen mit Fleiß zufammen/’ 
diefe Summa behält man  allezeit zum Fundament / nach welchen‘ 
man alddann alle Faffer abmeſſen und den Innhalt folgender geftalt 
finden kan / als zum Erempel man hätte ein ander Zap / fo mit Wein 
oder Bier gefüllet vor ſich / welches man kauffen oder verkauften wolte/ 
ſolches Zap aber wäre nicht viliwet oder geeichet / miſſet man mit ge⸗ 
dachter Schnur dieſes Faß nad) der Länge und Dice in allen Srü« 
cken / gleichwie voriges / fegtö hernach in die Regul de Tri , und 
fpriht : Soviel Schuh/ Zoll und to. Theil eines Zolls hat das bori⸗ 
gt Fuß gegeben / an Fudern / Ahmen / Viertel / Maag, halde und Echt⸗ 
taap / was giebi das andere Faß fo ınan je&o Fauffen oder verkauften‘ 
pill/ fo wird zum Facit der gewiſſe Innhalt heraus kommen / alfo kan 
man auf diefe Weiſe mit allen Mein Fäffern procediven. Ende 
lich folte auch noch denen Kauff-Leuten nicht undienlich feyn/ wann 
tie aus der Stereometria die Berwandelung folder Gefüffe Kıften und’ 
Faͤſſer eines in mehrere oder viele in eines gelernet / welches dey den 
Einpacken der trucknen und Verfüllung der naſſen Waaren / au$ 
virlen Kleinen inein Groſſes oder aus den Groſſen inein Kleines wohl 
zuftattenfommt Es werden auch gewiffe Waaren nach ven Faͤſ—⸗ 
een ob ſolche nentlich Eichen oder Feuren Band feynd / unterfchiee 
den/ und mehrmahls darnachin Preiß höher oder geringer æſti⸗ 
mitet. Gin mehrers bon diefer Marcria vide unter dem Wort Yr- 
fieen. | 
Saul Baum /Frangula, arbor fatida, ROSA 
Faul⸗ 


— — — a ae A TE a u 


u. — — 


| Bau Fed 447 
Faulbeer · Baum / CormusSylveltris(Focmina.) 
Feber⸗Kraut / Matricaria, Tertiana, | 
Febrifaga Centaur.' minus, 
Febrifugum ‚ eine das Fieber bertveibende Artzeney / als da iſt 
China Chinz, und Cardobenedidten Saltz. Zu 


Fecula, ein mehlichtes Pulver dergleichen in den Ofkicinen unter» 
fchiebliche feynd/ als fæeul. ari, iridıs noftr, biftort. bryon: tormen- 
till. vide Facule, 


Federn / Fr. Plumes feynd unterfchiedlicher Arten/aldStrauffen/ 
Schwanen / Pfauen / Reiger und Bänfe Federn / wozu man noch die 
fo genannten Etterdunen / von welchen unter ihrer eigenen Benen⸗ 
-nung Meldung gefchehen / zehlen koͤnte / die Gtrauffen-Zedern 
kommen aus Africa , wofelbftdiefer groffe Vogel Strauß wie unter 
dem Worts&yer angeführet worden / am haͤuffigſten zu finden / ſie 
werden bon denen fo genannten Feder-Schmudern / welche die Plu- 
mes dor die Officiers und Cavaliers auf die Hüte) item auf einige 
Srauenzimmer Mügen und vor die Schlitten-Pferde / uud andere 
Haus⸗Zierrathen verfertigen / begierig-weggekaufft/- gefärbt / und 
aufallerhand Fagon , entweder zu Stutz / Oder platt auf den Hut⸗ 
Rand niederliegenden Federn zubereitet/ die Reyger⸗ Federn / welche / 
wann ſie lang / gerad / ſchoͤn von Plumes und ſonderlich Pickſchwarhre 
Couleur ſeynd / werden von den Tuͤrckiſchen groſſen Herrn ſehr bes 


liebet / und in Gold eingefaſt / auf ihre Tulband oder Tuͤrckiſche 


Bund geſtecket / und als ein Zeichen Fuͤrſtlicher Hoheit und Souve» 
rainität getragen / Schwanen⸗Federn kommen / warn das gantze 
Schwanen⸗Fell abgeblaſen und zubereitet worden / vor vornehme 
Leut zum Unter⸗Futter unter die Bruſt⸗Laͤte oder auch die vorn an 
der ShwanemBruft/ und unter den Bauch ſitzende zarte Dühnen/ 
in die weiche Betten/ und unter die Etter-Dunen / zu welchen aud) 
die zartefte Gänf- Federn ausgefucht / und zugleich damit bermens 
get / die groͤbern aber in ordinaire Betten berſtopffet werden / wobey 
ſich dann die ſorgfaͤltige Haus-Mutter in Ausſorurung / Verleſen und 
Verwehen ſolcher Federn ſonderlich zu ſignaliſiren wiſſen / darzu auch 
bon langer Zeit her durch Einſammlung guter Federn / und zu 
Huͤlff⸗ nehmen folder Leute / die folches Feder⸗Leſen ex profeflo treie 
ben ihre benöthigte Auftalt'machen / fonderlic wann die Toͤchters 
als ausgehauene Erckers heran wachſen / und fi nachgerad um 
dad Braut: Bett / Leinwand⸗Kiſte / undden Brautſchatz umfehen- 

Der gröfte Feder⸗Handel wird wohl in den Nordiſchen Ländern/ 


fonderlich aber in Polen/ Littauen/ und Preuffen getrieben / und iſt ſich 


zu verwundern / was vor eine groſſe Qyantität Federn die mie 
| | | Suden 


448 Bed Bei 
ee, — auf die Franckfurter Meß an die Oder bringen / und daſelbſt 
entner weiß verkauffen. | IT 

Ein anderer Feder⸗Handel iſt auch der / welcher mit denen ſo ge⸗ 

nannten Spulen / Feder⸗Boſen oder Schreib⸗Kielen die den Gänfen 

aus den Flügeln gezogen werden / geſchiehet / alſo daß eigene Familien 
ch davenernehren / die rohen Bofen hin und wieder bey den Bau⸗ 

ren / fonderlic) in Pommern / Polen und Littauen aufffauften / felbige 

hernach ſchaben / fortiren/ ftreiffen/ das ift vermittelö Heillen Sandes 

oder Afche ihnen eine Harte und 2. Streiffen geben/ hierauf Tau⸗ 

* Hundert oder Bundweiß bon so. oder 2s. Gtüden zuſammen 
inden/ und in und aufferhalb der Stadt bey groffen Parteyen und 


Faͤſſern voll / oder auch bey eingelen Bunden verkauffen. 
Sederweißfvide Amianthus Lapis item Alamen plumoſum. 
 Fegopyrum, Buchmeip/ Heyd⸗Korn. - 
. $eigen/Ficus feu Caricz pingves Franhzoͤſtſch Fig ves, kommen aus 
Spanien/ Frauckreich und Italien / theils mit Roßmarin etzliche 
auch mit Lorbeer⸗Blaͤtter unterlegt / diejenige fo don Rom und Nea- 
olis, item die aus Provence fommen / haͤlt man vor die beften, diefe 
Iestete kommen in Rörben / die andere in groſſen und Eleinen Faͤſſern 
bon i0o. bis ixo. Pfund / die letztern dauren longer als die erſtern. 
Die Probe davon iſt wann ſie groß / trucken in Anſehen und bat in 
Eſſen / nicht weiß belauffen / welches etzliche aus Unverſtand verzuckert 
nlennen / fo ſind fiegut / geben i0. pro Thara ft Einkauff und zu 100. 
dr verkauft. In Italien werden die Feigen nach den Stehr ber» 
aufft / und hat, Stehr 220, Pfund, Der Weinbeer oder&orinthene 
Stehr bat in Venedig 250: Pfurd / in Oſt⸗Indien feyad die Feigen 
in ſolchen Uberfluß / daß viel Menfchen an ftatt anderer Speiſen ſich 
danıit blog allein erhalten / ſie ſeynd auch von unterſchiedlichen Sor⸗ 
ten/ wie dann etlicherigos d’orta Hoff- Feigen / andere und noch befe 
‚ fereSenoryen; die dritte Art Cadolyn, dieallerbeften aber Chynca- · 
— genennet werden / dieſe bleiben auswendig gantz grün / ſeynd 
ang uud ſchmal / und haben einen Geſchmack als wenn ſie vol Roſen. 
Waſſers waͤren. 
Feig⸗Bohnen / Cupini sativi. | 
Feigen- Räßfeynd aus den beſten Feigen bereitet mit Mandeln 
Bucchmuifchet/und in Form eines runden Käfed zuſammen gepveft/ 
fommenausd Spanien und Portugal. .. 
Feigen⸗Traͤubel /urz paſſæ majores, 
Feigwartzen⸗Ktaut / Feige Blätter Eppich Scrophula minor 
"Chelidonium minus. 


Feilen feynd unterſchtedlicher Arten und Sorten / die Gofofihmie 


= | ii 7 | 449. 
de gebrauchen (ich der groben / halb⸗linden und linden Feilen; Die 


Uhrmacher der Schnaupen=und Käder-Feilen; Die Bildhauer und 
Schreiner der Holg-Rafpeln / wie auch unterfchiedlicher Gattungen 
von Gägenfeilen/ diefleine Laub⸗ und andere Saͤgen⸗Blaͤtter damit 

a fchärften ; Spitfeilen/ zuebenmäßiger Schärffung der Hobel-Ei« 


en/ aufgeworffene Rafpeln zuBildern/ und rund erhaͤbener mancher ⸗ 


fevzierlichen Arbeit. Die Schlöffer / Zirckel⸗Schmiede / Winden ⸗ 
macher/ und faft alle andere Handwerder/ fo in Stahl und Eifen/ wie 
auch die Rohtſchmiede / und die / welche in Meßing arbeiten/ bedienen 
ſich der fo genannten Arm / Stiel/ Hand⸗ und Bogen⸗Feilen; Die 
Blchfenmacder der Schlicht⸗ und Vorfeilen; die Kupfferſchmiede un⸗ 
terſchlicher fo groß als kleine Feilen. Die Dratziehers der groben/ 
und Die Hueffſchmiede der Horn⸗Raſpeln; Die Meſſerſchmiede der 
Horn / Bört-und Abricht⸗Feilen; Die Stecknadeln⸗ und Helfftlein⸗ 
macher nutzen eine gantz beſondere Art der Feilen / welche wie ein Ring 
ſornuret / und auſſen her in der Runde herum / wie eine Feile gehauen 


iſt / auf welchen ſie die Spihen an ihren Stecknadeln zuwetzen und zu 


machen pflegen; Und wer wolte Die ſobiel und maunigfaͤltigen Arten 
der Feilen uud dero Rugen gnugſam erzählen. Es können aber alle 


dieſe jetzt· erzehlte Arten der Feilen / ihrer äufferlichen Form nach / in 


ſechſerley Gattungen gebracht und abgetheilet werden / nemlich in run⸗ 
de / halbrunde / flache und dreyeckigte / biereckigte und ſo genannte Meſ⸗ 
ſerfeilen: welche dann nach den Unterſcheid der Künſtler und Hand⸗ 
wercker / als auch ihren Rutzen und Gebrauch nach / unterſchiedlich gedo⸗ 
gen gehauet und benennet werden. Die beſte Härte / die man den 
Feilen gebenkan / tft nit groben Schorſtein ⸗Ruß / welcher hatt und 
trucken it: man muß ſolchen klein ſtoſſen / und durch ein Sieb ſchͤt⸗ 
teln / als dann mit Eßig und Urin anfeuchten / und einwenig Salt oder 
Poͤckel darzu thun / und aus allen dieſen eine Maſſam machen / in der 
Dicke / wie etwan der Senff iſt / den man über Tiſch gebraucht; hier- 
auf waͤſchet man die Feilen mit Eßigund Saltz / daß das Fett abgehe / 
welches darauf gekommen iſt / als man ſolche gehauen hat; warn die⸗ 
ſes geſchehen / werden ſie in obige Maſſam eingetuncket / hierauf unter» 
ſchiedliche Feilen ın ein Paquet zuſammen / und in der Mitten ein ho⸗ 
ler Eiferner Lauff / in welchen ein Eifen-Stinglein ſtecket / gebunden. 
Das gänge Piquetaber mit Erde bedecket / undhierauf in einen mit 
Holz geheisten Mindofen gethan / und fo lange darinn flehen laſſen / 
bis ſie Krſchen roht glüend feynd / welches man den Eifern Stänge 
lein/ ſo man fachte heraus ziehet/ erkennen kan; Nene Eiferne Feilen 


nüffen langer als die Stahlerne/ oder die zum andernmahl gehärtet 


werden / gluͤen; mann ſie nun warm * fo wirfit man ſie in das 
kaͤlleſte Waſſer / ſo man finden — — ſich zu / daß die Feilen 
N | in 


Pr 


40 Fe — J 
Sluͤen krumm würden/ ſo kan man ſie in Waſſer / ehe ſie gantz kalt wet · 
den/ wieder zu recht biegen; dann fo man damit warten wolte / bis ſie 
teucken und falt worden/ würden ſie leichtlich brechen. So ſie nun ge⸗ 
härtet/fo reiniget man fie mit geftoffenen Holt Kohlen / und berwah⸗ 
ret ſie hierauf in Waigen-Kleyen / in on Schachtel / oder auch in 
Del geträndten Papier / damit der Koft nicht anfomme. Kleine 
Keilen haͤrtet man mit alt Schuh⸗Leder / fo zu Pulver gebrannt und 
durchgefiebet worden / welches man ebenfalls / wie den Ruß mit Urin 
and Eſig anfeuchtet / und dankt die Feilen / eh ſie ins Feuer kommen / 


heſtreichet. 
Felbinger / Salix. 

Feld⸗Andorn / Pfeudoftachüs. | 

Feld⸗ Scharlach / Sälviafylveltris, Gallitrioon ſylveſtre. 

Feld⸗Zwibel / davon man ſich brechen muß / Bulbus vomitorius. 
a Effen/ Bulbus efeulentus. 
Feld⸗Roſmarin / Polium campeſtre. 
Feld⸗Erbs / Piſum minus, 
— Zahnen⸗Fuß / Ranunculus ſylveſtris. 
— Wicken / Vicia ſylveſtris, Aphace. 

FIſop / Confolidafolis, Helianthemum Val. Cord, 


— rn. Chamzpytis, Iva Arthetica. 
— erren/ Tribulus fylveltris, Lappa campeſttis. 
— Saffran / Cartamus, Cnicus. 
— Diſtel / Cartamus ſylveſtris. | 
= Muͤntz / Feld⸗Nept / Calamintha fylvellxis , Lappa tam- 
ris. | 
— Sirſchhorn / Coronopus ſylveſtris. | 
— Stabvwourtz / Abrotanum campellre, 
— Trauben⸗Kraut / Ambroſia ſylveſtris. 
— Runoblauch / Allium porcinum, Scotodoprafon; 
—  R%les/ Trifolium arvenfe, 
— Ruͤtzel / Hifpidula, 
— Ratzen / Gnaphalium, 
— Recopff / Lactuca agnina. 
— Ruͤmmel / Carum, Carvum. | 11 
— Mohnoder Mag⸗Saamen / Papaver Rheados, vel Exa- 
ticum. 
— Kertzen / Verbafcum, | 
— Roſen / Cynosbatos, Ancemone fylveftris, 
Fel Terr&, centaurum minus, 
Fel Tauri, Ochſen⸗Gall. | 
Fel 


| Bel Faͤr Ä 451 
‘ Felvitri, Gladgall /if ein gemiffed Minerale, deffen wir dreyerfei 
Sorten Haben ald aus Itallen / Holland und Teutfchland / wie au 
Böhmen; Die erfteift die befte/ die Hollaͤndiſche ift fchlechter als die 
Teutſche; Sie muß ſchoͤu weiß gegoffen / und in Scheiben formiret 
ſeyn / auch trocken aufbehalten werden /-weilfie (ich Leichtlich von des 
Feuchtigleit der Luft ſchmeltzet und auflöfet / weswegen aud) die 
ſchwarhe und feuchte ganglich zu verwerffen. Sie fommet eigentlich 
aus den Blashütten / woſelbſt ſie auf der Materia , aus welder das 
Glas deblafen wird/ wie ein Fett oder Schaum oben auf ſchwimmet/ 
und auch alfo von einigen Axungia und Salvitri , von den Frantzoſen 
aberSuifde verre, Glas: Talch oder Unfchlitt genennet wird / und 
weil diefed Sales Urfprung eigentlich vonder Soude oder andern 
Salibus Alkalibus herruhret/ auch mit diefen fehr überein kommt / fo 
nennen es andere Sal Alkali, Sal Anatron, &c, In Franckreich brau⸗ 
chen es die Einwohner in der Artzeney gegen die Waſſerſucht und den 
Stein; item die Zähne damit zu faubern ; In derChymie undScheid⸗ 
an machet eö Die Metallen fließig ; fo gebrauchen es auch die Gold⸗ 
ſchmiede zum Löhten/ und die Töpfferzur Glaſur. : 

Felle von Thieren muͤſſen / wann fie follen gefärbet werden / nicht 
nur den bloffen Auſtrich haben/ fondern die Farbe muß die Felle mit 
einen hübfchen Glantz gelinde durchbeiflen / damit/ wann fie durch⸗ 
— werden / man ſehen koͤnne / daß die Farbe durch und durch 
gehe. | 

Fell⸗Ruß Tenrfehe/ Hypecoum Dioscorid, Alcza Bismalva. 

Fell· Ruß Roͤmiſche / AlcaaVeneta.. 

Fenchel⸗Garn / Millefolium aqvaticum. 
SFenchel⸗Kraut wird von einigen an ſtatt des Salats gegeſſen / mit 
Eßig eingemacht / und bey Gebratenen aufgeſtellet. Die Tugenden 
des Fenchels ſeynd / daß er das Geſicht ſtaͤrcket / die Dauung befor⸗ 
dert / die Milch vermehret / den Urin treibet / die Blehungen zerthei-⸗ 
let / nach den bekannten Vers: Samen Forniculi pellit ſpiracula Culi. 
Fenchel · Saamen / Semen kœnieuli, Fr. Fenövil, wird am beſten 
in Italien gefunden; Er muß ſchoͤn grob / rein von Stengeln / und 

vünfeyn. Man hat Feniculum vulgare Germanicum, Dulce & 

nn Der Fenchel⸗Saamen mit Zucker überzogen iſt ein guf 
Confett, — 

Fenchel⸗Wurtz⸗Holtz / Lignum Saflafras, Sau⸗Fenchel / Peu- 


sedanum, 


Faͤrber⸗Blum / Flos trinctorius, Serratula tinctoria mas. 


fe Fer. 


\ 


’ 


dr Fer Feſ 
Fermentatio, eine Gaͤhrung / wird geſagt / wann eine Zumiſchung 
eines Fermenti in das Mixtum komniet / als Weinſtein / Saltz / Sauer⸗ 
Teigs / Bier⸗ und Wein⸗Hefen. Oder wann flüchtige und Ipirituofe 
Theil der Coͤrper ex potentia in Adtum gebracht / um dieſelbe von den 
groben und irrdiſchen Theilen zu befreyen / wie man ſolches in den ge⸗ 
göhrnen Feuchtigkeiten ſiehet / und fürnehmlich in Wein/ wann er ab» 
gebrauſet hat / da er dann feinen brennenden Geiſt durch eine gar ges 
ginge Stk übertreibenläft; Der Moft im Gegentheil hält die if 
reiheund fubtile ſchweflichte Theile an fich / undläft ſich zu ver di e 
des Honigs bringen/ fo man Sapa nennet / ohne daß er etwas don feis 
nen Weſen / als ein ungeſchmackt Waſſer verliere/dann die wuͤrckende 
und feuchtige Theile werden fo ſtarck angehalten / * die firen Sal⸗ 
ge / daß ſie nicht davon fliehen koͤnnen / als durch die Hefftigkeit des 
Feiers / oder die Würdung des Gehrens; Sie iſt der Digeſtion ſehr 
gleich / ausgenommen / daß dieſe durch Huͤlffe der äufferlichen Waͤr⸗ 
me vollbracht wird / jene im Gegentheil geſchlehet aus ihren eignen 
Krafften / und durch das innerliche und natuͤrlich Feuer der veruifch« 
ten Dinge. En i\ 
Fernabus , bon Fernabuco einer alſo genannten Stadt und Rand* 
ſchafft in America, ift ein hartes Holtz / ſo zum Farben gebrauchtwird · 
Vide Braſilien · Holtz. | 
© Ferraria, Scrophularia. 
Ferrugo, Cifen-Schladen/ Hammerſchlag / welches ſowol von Eis 
ſen als Stahl genommen wird. | 
Fersum, vide Eiſen. ne 
Ferruminatrix, Sideritis. 
_Ferula, Garten-Kraut/ift in Italien gemein/wirbaud in Teutſch⸗ 
fand gefunden/ und folgende Gäffte daraus beveitet/ ald Gummi, 


Ammoniacum, Galbanum und Sagapenum, 


Ferula Galbonifera, Galben-Kraut/ gibt ein hartziges Gummi, ſo 
Galbanum, feu Chalbanum oder Stragonitis genennet wird. Die 
beſte iſt / welches fein knorricht / gelb-vein/ fett oder oͤhligt / leicht anzu» 
zunden / ſtarcken Geruch und garftigen Geſchmacks ift; Es kommt 
gemeiniglich aus Syrien / und wird zur GStärdung der Nerven / au 
Die Menfes und Geburt zu befordern/ gebraucht. Ä 


Feftons, feynd inder Mahler-und Bildhauer-Kunft zuſammen ges 
bundene Fruͤchte und Blumen / davon die Alten lange Reihen / Bü⸗ 
ſchel oder Cordons machten / und damit den Eingang ihrer Käufer 
und zu behingen / dergeftalt/ daß auf beyden Geiten zwey grofe 
fe Bündel oder Buͤſche ſolcher Früchte und Blumen ſehr kuͤnſtlich ges 

| floch⸗ 





x 


ces - 


— — — 


— Fet Feßr— 453 


flochten herunter hingen. Heutiges Tages hat man dergleichen Fer 


Aons in Stein oder Holt / und bringt ſie alddann zur Zierrahten der 
Käufer und Gemaͤcher gebührender Ortenan. 
EFette Henne) Bugloflum, Alcibiadium, Craffula major, 
Feꝛt von Thieren/ Axungia, vide Schmaltz. | 
Fette Waaren / feynd Speck / Tran / Talch / Butter/ Lein / Bann⸗ 
und Nuß⸗Oel / Terpentin / x. vide grobe Waaren. 


Feuille mort, iſt eine braune gelblichte — von den abgefallenen 
Blättern im Herbſt ( weil fie eben dergleichen Farb haben / und gleiche 
famerftorben und Zodten gelbhafftig feynd) alfogenennet ; Es wird - 
aber dieſe Couleur des Feuillesmortes, ald eine gewiſſe Farbe zufam» 
men gelebt aus Gelb und Braun / und zwar ift zu der Braunen der 
Schorſtein⸗Ruß noch befler / ald die Ruß ⸗· Baum⸗Wurtzel / infondere 
beit wann man erſt zu Ende ihrer Färbung mit ver Roͤhte / zu welcher 
die Terameritagefeget worden/ den Ruß zugleich hinzuthut. 


Auf Seide Feuillemort 3u färben. 


So muft du die Seide erft gelb machen, hernach nimmm auf ı. Pfund 
Geide ein viertel Pfund blau Provintz⸗Holtz / Foche das in einen Beu⸗ 
teleine halbe Stunde in einem Eymer Waſſer / thue den Beutel here 
aus / und laß es ſo lange ſtehen / als du die Hand darinn leiden kanſt / 
ſtecke deine gelbe Seide darein eine gute Stunde lang / thue fie here 
aus/ nimm Schorſtein⸗Ruß eine Hand voll/ koche die Hein gr in 

einen halben Eymer Waſſer / eine halbe Stunde / ſtecke die Seide dar⸗ 
ein / nimm gute Lauge von Holg-Afche gelecket und ſpuͤhle fie wohl 
darein / alödann in flieſſend Waffer wohl ausgefchlagen und gerchlirt, 


Su licht oder hell Feuille mort. 


Nimm ein biertel Pfund Gallus, Fleingeftoffen/ Eoche ſolchen mit einen 
halben Eymer Waſſer eine Stunde lang / thue darein ein viertel Pf. 
Vietril, eine Zandvoll Schorſtein⸗Ruß / alles Flein geftoffen/ und ſte⸗ 
de deine gelbe Seide darein / bis es dich duͤncket / ſie dunckel genug 
ſey / als dann ſpuͤhle ſie aus / undrefilive ſie. 


_ BuCarmoifin Feuille mort. 


Mache deinen Keſſel vein/ und gieß ihn halb voll Maffer / nimm zu je⸗ 
den Pfund Seide ein Pfund gelb Holtz in einem Sad ie / laßes 
etwas aufſie den / ninim alsdann zu jeden Pfund Seide ein Pfund Gall⸗ 

Aepffel / und fülle ferner den Keſſel mit alter Galle auf / wann du fie im 
Vorraht haſt / wo nicht/ fo Fülle ihn nur mit fchlecht Waſſer / und fpühle 
alödann die abgefottene Seide aus den Alaun / thue fie'hieranf auf 
Steden/ undfege le in dem Keſſel / se fie darinn, eine 

3 


454 | Fie Sit 

chen / und dann noch eine Nacht darinn legen / des Morgens nimm fie 
aus / ſpühle und Elopffe ſie; hierauf ein wenig brunivet odergecarfi- 
let / fo dunckel als dir duͤncket / oder als das Muſter haben will. 


Bufcblecht Feuille mort. Fi 
Rimm zu jeden Pfund Seider. Pfund Fucer-Holg/ . Loht Pottaſche / | 
laß ſolche auffieden / und gib ihm Die Suppe/ als den Belben ; wanns 
dann hoc) sans iſt / fo 4* einwenig Schwaͤrtz daran / alsdann ge: 
bruniret/ fo licht und dundelals dues haben wilt / und dann geipuhlet 
und getrucknet. | 


Die Wolle Feuille mort zu färben. 
So ziehet erftlich eure gelb-gefärhte Waar durch heiffe ſchwartze Farb / 
und wann ſie kalt / fo waſcht ſie aus / jelichter oder heller geld ſie nun if 
Se heller wird der Feuille mort, hängt alddann rein Waffer über/ und 
thut darein i. Loht Fernabuck , laßt ein biertel Stund damit ſie den / 
und alddann die Waar durchgezogen. | 

Seusr-Kröty Rana venenata fosſilis. | 

Feuer⸗Cilien / Lilium Croceum. 

Fibrx, kleine Haͤrlein oder Zaferlein an den Wurgelig 

Ficaria, Chelidon minus, Scrophul.maj. 

Sichten/ Abies. 

Ficus, ein Feigen⸗Baum / trägt in Italien und Spanien 2. mahl des 
Jahrs Früchte; DiedÄrre Feigen Carycæ, feynd gut dor diefungen/ 
und widerftchenden Gift. Man findet auch 

Ficus Indica, Indianiſche Feigen / welche in Peru und Neu⸗Hiſpa⸗ 
— wachſen / und wann ſie gegeſſen werden / den Urin blutroht 

achen. 





Fieber⸗Kraut / — minus. 

Fiera, Forum, Foire, eine Meſſe oder Jahrmarck. 

Filago, Ruhr Kraut. | | | 
- Filatorium , ein Ybmwind=Inftrument, die feine Seide mit menig 
Menfchen in groſſer Qrancitätabzuminden. Vide Seide. 

Filipendula faxifragarubra, rohter Steinbrech; die Wurgzel treie 
bet den Harn / bricht den Stein/ und führet ven Schleim ab. | 

Filix mas, femina, Farten:Kraut/ die Wurgel nüßet tor die ver⸗ 
ſtopffte Eingeweyde / Milk und Mutter ; Tödtet auch die Wuͤrmer. 

Filtratio, eine Durchleckung heißt / wann die Durchgieſſung durch 
ein dichtes Werckzeug ——— als durch Papier / dichtes Tuch oder 
Baumwollen; Unter dieſen nun iſt diejenige / welche Durch Macula- 
tur- Papier in einen gläfernen Trichter gefchiehet/ die befte. 


| 


Fil- 


— 


t 


— v f * * — — 


Fil Fir 455 


— — — 


entrum, ſonſt auch Lapis Mexicanus genannt / iſt eine Art eine® 


Schwammen⸗Steins / welcher fehr tief unter den Waſſer in den 


Mexicanifchen Meer-Bufen wächfet ; feiner Gröffe und Dicke nach / 
wird erden Bold gleich geſchaͤtzet und fonderlich darzu gebraucht / daß 
man das Triuck· Waſſer durch ſolchen filtriren und (auflen laͤßt / da es 
dann alles Boͤſes in den Stein zurück laſſen / und ſehr leicht und ge⸗ 
ſund zu trincken wird. | 


Fils wird aus grober und feiner Wolle oder Haaren bon den Hut⸗ 
machern zufanmıen geſchlagen / und mehrentheils zu Hüten verbraucht, 
Die Kaufleute brauchen ich der Filgenen Contoir-GStieffel des Win⸗ 
ters auf ihren Schreibftuben und Krahm⸗Laden. | 

Filtʒ⸗Kraut / Cuſcuta. F 

Finger⸗Hut / Digitalis, werden aus Silber / Meßing und Eiſen 
gemacht / und von den Schneidern und Frauenzimmer zum Nehen 
gebraucht. In Ruͤrnberg macht man beren fo leichte von Silber / 
daß etliche Stüde davon auf ein Loht gehen. Vide Meßings⸗ 
Waaren. 

Fingerſtein / LapisIndaicus Dactylus Idzus, - 

Finger ⸗Naͤgelein⸗Kraut / Paronychia Matth. 

Firniß iſt eine Compoſition, welche die Mahler / Tiſcher und Lack⸗ 
wercker auch andere Handwercker mehr gebrauchen / ihrer Arbeit und 
Manufacturen einen ſchoͤnen Glantz damit zu geben; Es wird aber 
ſolcher Firniß auf unterſchiedliche Art præpariret: a6 - 

Rehmt ein Untz ſehr klaren Venediſchen Terpentin, mit anderthalb 
Untz Terpentin Spiritus, und 3. oder 4. Tropffen trocknenden Firniß / 
vermiſchet dieſes alles in einer glaͤſern Phiolen, und laßt es in Balneo 
Mariæ zergehen; wann es kalt iſt / kan man es allenthalben mit einen 
Pinſel uͤberſtreichen. 
Zu einen — ————— Firniß nehmet Sandaraca z. Untzen / Maſtix 
eben fo biel / Goldglaͤtte eine Untze / Lein⸗Oel des Allerklaͤrſten / in ei⸗ 
nenglafürten irrdenen Topffz. Untzen / laſſet es zufanınen kochen. 
Item nehmt ſehr feinen Zucker 1. Pfund / des ſeineſten Gummi ı. Uns 
hze / Moes ſuccotrinæ 2.Qbensin / ſtoſſet alles beſonder / hernach ver⸗ 
miſchet es mit s. Untzen Zerpentin-Ogl/ und drückt ed durch ein Lei⸗ 
nen Tuch. IAtem ningert 2. Untzen mi Laccain granis, ein halb 
Loht wohl gelaͤuterten Colophonium , ftoffe alles zu kleinen Pulver/ 
thue es inein Halb Maaß Spiritus Vini redtificati, feße es in einen war⸗ 
‚men Sand über ein Kohlfeur / laß ed 2. Stund kochen / oder doch fo 
lang/ bis alles zergangen tft; wann folches gefchehen / nimmt marı es 
poni Feuex / und laͤßt es kalt werden/ ſiebet es hierauf durch; Wann 
man dieſen Firniß 4. oders. mahl über Silber ſtreichet / fo wird ed den 
+ becſten 


In 


) 


456 Sie 


beften Ducaten⸗Gold gleich fehen ; will man die Farbe höher habeny 


fo thut man, ehe es noch auflochen will / etwan ein Qventin guter Cur- 
euma, mit halb ſobiel oder weniger Drachen⸗Blut ins Blas/ läfte® 
damit auffochen/ hernach/ mann der Firniß kalt / fofeihetmans durch 
einvein Tuch in einander Glas / fo iſt dev Firniß bereit. Wann man 
ihn brauchen will / fo macht man ihn vorher ein wenig laulicht/ fo wird 
er deſto ſchoͤner; Fmgleichen kan man auch dasjenige ein wenig wäre 


mæiet / was man damit vergulden wil, Stemnimmıs. Loht des aller» 
feinſten und gang fauber ausgelefenen Gummi Lae, ein viertel Pfund 
Burcuma- Wurbel/ftoß ed bey des jedes befonders gang klein tbue 


es in einen ziemlich groflen Kolben / fchütte eine Maaß des beiten und 
ſtaͤrckſten Brahntweins daran / vermach den Kolben wohl / undfehe 
ihn in warmen Sand über ein ziemliches Kohlfeuer / laß es folang ſte⸗ 
hen / bis ed allgemach in einen Sud komme; es muß aber nicht lange 
fieden/ ſonſt gerinnet ed; Nachdem es alſo gefotten / laͤſſet man es 
durch ein ſauberes Tuͤchlein lauffen / damit die Maſſa zurück bleibe ; 
das Durchgefeigtebehdltman zum Gebrauch / ed bleibt Jahr und 


Zag aut. „ Item / nimm⸗. Unhen Rein-Del des allerklaveften/ 2. Une - 


Gen Benzoe des feineften/ eine Haſelnuß groß Fungfern- Wache / laß 
dieſe Stuͤck den dritten Theil einſie den / rühre es alezeit um mit einen 
Heinen Stödletn/ fo wird der Firniß fertig fenn. tem / nehmtein 
Maaß Spiritus Vini, 4 Unten Gummi Lacca, 4, UnkenSardaraca, z, 


m Untzen Colophonium , thut alles in ein feftzugebunden Glas / laft es 
’ 24. Stunde weichen / alödann in einen Keffel mit warmen Waffer 


oder in Balneo Marix ein Stund gekocht/ gieſſet es durch ein fauber 
Tuch / und laßt es in einen veinen feftzubundenen Glas erkalten. 
Weiffen Firmiß zu machen. | 
Nehmet eine Maaß Spiritus Vini, 6, Unten fauber getwafchene Sanda- 
raca ‚3. Untzen Benedifchen Terpentin / und vertahret / wie in den 
vorhergehenden gelehret. Itein nimm Venediſchen Terpentin / 


laß ihn in einen Zopff 7. oders. Stundewjieden/ alsdann- lankalt wers 
den / ziehe ihn dann Öffters mit den Bänden in kalt Waſſer/ ihn zu ſau⸗ 
bern; wanner wohl weiß worden / fo nimm fo viel Terpentin-Wafe 


fer/ und uͤberſtreichs damit / wie oben gemeldt. | | 
Firniß auf Weiß zu legen’ und einen Marmorſtein 
| nachzumachen. 
Nehmt fehr klaren Terpentin in einen evdenen glafurten Topff / lat 
ihn kochen / bis er nicht mehr raucht / thut darzu 1. Loht Sandaraca und 
Maſtix wohl geftoffen/ vermifchet es wohl unter einander / daß es au 


einen Papier geftehe/ hernach nehmt den Topff ab / thut darzu * 


— 


‚ Fir Sif 457 
Pfund Terpentin-Del / auf einen gelinden Feuer / etwan eine halbe 
Stunde / und gebraucht es / warn es Falt worden: ſo es zu dick iſt / 

thut etwas Terpentin« Oel darzu. Item / nimm Spiritus vini eine 
Maaß / s. Untzen ſehr fein geſtoſſenen L acca, laß ed an dev Sonnen oder 
Ader einen gelinden Feuer ſchmeltzen / und feige es hernach durch ein 


deinenes Tach. | 
| Zu rohten Firniß. 

Kimm ein bald Nöffel Spiritus Vini, drittehalb Ung pulverifirteg 
Dachen ⸗Blut / anderthalb Uns rohte Ochfen ⸗ Zungen⸗Wurtzel / laß es 
3. oder 4. Stund zum laͤngſten in der Waͤrme des Feuers ſtehen / und 


ſeige es durch. 
Zu Saffran / gelben Firniß. 

Rehmt halh Noͤſſel Spiritus vini, drittehalb Untz Aloes Suecotrine , 
drittehaib Unh Curcumz, machet alles zu feinen Pulber / und laſſet es 
if Spirieus vini zergehen / hernach ſeiget es durch) / und thut darzu ein 
Drittel von obigen vohten Firniß / item bon folgenden einfachen Fire 
nid: Rimmz. Pint ſtarcken Spiritusvini, ı. Pfund Gummi Lacca, 
laß es bey mittelmäßiger Wärme zergehen/ bis es aufgelöft fen/ als⸗ 
dann ſchelde es von einander / und ſeige es durch, Item / ninım Co- 
lophonium, Maftix, Sandaraca, jedes i. Loht / Aloes dritte halb Oben» 
tin/ hoch retificirten Branntemein ein halb Noͤſſel. Ein mehrers 
pon Firniſſen fiehe unter dein Wort Lacciren. 


Fiſche / Pifces, Poiffons, feynd entweder frifche / wie fie aus den 
Waſſer gefangen werden / oder an der £ufft und im Rauch getruckne⸗ 
te/ odereingefalgene und in Eßig gelegtes Unter die evfte Gattung 
- zählen wir alle frifche Revier: Weiher- oder See⸗Fiſche / unter die an 

der Lufft getrodnete die Stochfche/Plateifen oder fe genannte Schol⸗ 

len / unter die geräucherten den Lachs / Aalund Buͤckling / und unter 
diecingefalgene den Hering / Salmen oder Lachs ui 
leichen Fiſche / ——— aber die Sardellen / welche um die In⸗ 
uln Sardinien im Mittellaͤndiſchen Meergefangen werden; item 
den Cablau / Dorſch / Laberdau und andere mehr / mit welchen von 
den Kauffleuten ein groſſer Handel getrieben wird; wie wir ſolches 
bey Benennung des-Herings meisläufftig angeführet haben. Aus 
‚ Schweden kommt jährlich an gefalgenen und — Lachs eine 
groſſe Qyantität/ welcher aber mehrentheils nur in denen See⸗Staͤd⸗ 
tenconfumiretwird. Mas Noriwegen vor eine Qyantität Fiſche / 
ſonderlich aber an Stocfifchen ausgede / iſt ſowol denen See⸗Staͤd⸗ 
tiſchen als Oberländiſchen Kauffleuten befannt / als welche jährlich 
gegendie Faſten⸗Zeit zu Proviantirung se Eatholifchen Länder vier 
Ä | s - tab, 


! 


andere ders 


458 gif | 
tauſend Schiff-Pfund kommen faffen. Es iſt aber nicht allein das 
Fleiſch bon denen Fiſchen / welches der liebe GOtt den Menfchen 38 
genieſſen darreichet / fondern auch dad Schmalk und der Thran zu 
gebrauchen. Wie biel tauſend Tonnen Eingeweids von den Stod- 
Afchen werden nicht Jährlich nach Franckreich und anders mobin dere 
fuhret/ welches auf den Angel geſtecket / und damit andere Fiſche wie⸗ 
ber gefangen werben. Der bon den Staliänern fo beliebte Caviar , 
iſt nichts anders ald eingefalbener Stör-Rögen. Das Fiſchbein / 
welches unfern Frauenzimmer zu ihren Schnür-Leiber dient/ kommet 
von den Watfifh ; und wann man noch weiter geheh wolte / fo geben 
die Schildkröten ihr durchſichtiges Horn; der Purpur-Schneck den 
Purpur ; die Auftern die Perlen ; Aus den Schildfröten-Horn 
werden fanbere Meffer-Schaalen / und aus ben Mufcheln der feinfte 
Kalch gemacht. Des in der Arkenen fo ſehr nüglichen Einhorns / wel⸗ 
ches von einen Fiſch kommt / faͤlſchlich aber vor ein Horn des Einhorn 
ausgegeben wird; ten der Zähne der Wallroſſe / welche / an Weiffe 
das Eiffenbein übertreffen/ anfeho zu gefchweigen. 
Der Fiſch⸗Handel an ſich ſelbſt ift fehr profitable, wann er recht getries 
ben wird; es ſey / daß wir den Wallfiſch / Hering / Cablau / Lacho⸗oder 
Forellen⸗Fang darunter begreiffen / oder auch von den Handel / der in 
efalgenen und getruckneten Fiſchen gefchicht/ reden wollen. 
nter allen Nationen / welche vor diefen einen groffen Luxum mit den 
Fiſchen getrieben/ feynd ed gewißlich die Römer geweſen / alfo ließ 
Lueullus bey Neapolis einen gangen Berg durchgraben / damit ex. 
nur die Meer-Fifche ins fühle Waſſer leiten möchte / als durch wel- 
ches ihr Geſchmack folte verbeſſert werden / dahero Pompejus Ma- 
nus denfelben Xerxem togatum , Spottsweiß nennte/ wie Plinius 
ib. IX. Hill, nat, c. 54: bezeuget / (meilnemlich dieſer Xerxes auch 
Berge hätte durchftechen und umgraben laffen/) undc. ss. fehreibet 
bemeldter Autor, daß C. Hirciuszuerft Murznarum Vivaria , die 
Lampreten⸗Halter erdacht / ja daß er dem Cæſari Dictatori zu feinen 
Siegs⸗Banqhet 6000. Lampreten vorgeſtrecket / oder geliehen / weil 
er weder Geld noch andere Waaren dafuͤr nehmen wollen. Der Red⸗ 
ner Hortenſius hatte in ſeinen Fiſch⸗Weyher zu Bautis eine Lampre⸗ 
te / welche er fo liebte / daß er über ihren Todt ſoll — haben / 
und eben daſelbſt hatte die Käyſerinn Antonia Drulı ihren geliebten 
Lampret guldene Kettlein angeleget/ um welcherllrſachen willen ihrer 
viel dahin gereiſet / diefelbe zu befchen. 
Die Meer: Fifche theilen einige ein (1) in Pelagios Tieff-Fifchemeil _ 
fie in der Tieffe oder Grund des Meers mohnen/ und wegen Mangel 
der Sonnen-Strahlen / und Haͤrtigkeit des Fleifches die geringen 
‚feyad/ (2) in Littorales Strand» Fifche welche zwar von den Auss 
L ur 


Sit 45) 
wurff des Meers fich nehren / dannoch meil die Ufer vor der Son⸗ 
nen mehr erleuchtet und ſte ſelbſt Durch flete Bewegung die Unfau« 
berfeit der Wahrung einiger Maffen wieder loß werden / fo ziehet 
man: (le den Tieff⸗Fiſchen an Guͤtigkelt vor / die dritte Art iftsaxa- 
tiles , Klipp⸗Fiſche / welche an Meer-Felfen und Stein-Klippen/ an 
welche das Meer ſtets anfchlägt fich aufhalten / und wegen fothane 
Bewegung vor die gefundeften gehalten werden. Unter den Meer» Fie 
ſchen feynd die mieiften fo geartet/ daß fie ihre Wohnung nicht Andern/ 
fondern an ihren gewöhnlichen Ort bleiben/ einige aber treten zu ges 
wiſſer Zeit heraus / und begeben ſich aus Begierd zum füflen Waſſer 
in die Ströhme als der Lachs und Gtöhr/ wie dann der Lachs aus 
der See in die Elb und Ströhme weit herauf in Teutfchland gehen’ 
daſelbſt warn ſie nicht in dem Lachd-Fängen fonderlich bey Deſſau 
gefangen werden / im Herbft-Zeiten jungen/ welche junge Laͤchſe end⸗ 
- Vic) wieder ind Meer ſich begeben/ und nachdem ſie daſelbſt erwachſen 

von neuen wider dem Strohm anziehen/ gegen die Leich-Zeit bekom⸗ 
men die Lächfe viel Kupffer⸗Flecken / welche man mit den Finnen der 
Schweine vergleichet / und dannenhero zur felben Zeit / ſolche Lächfe 
den Pobel überläft. 
Der Stöhr Acipenfer und Acipenfis item Sturio oder Storaa Scru- 
tando von Stoͤhren / Nachſuchen alfo genannt / weil ſein Ruͤſſel lang und 
zum Rachſuchen beqvent ift/ gleichwie der Lachs ein Anadromiſte, 
Der zwar in Meer wohnet / aber aus denſelben in die Stroͤhme zu 
feinen Wachsthum und groſſen Verbeſſerung austritt / nicht aber 
ohne Unterſcheid in alle fondern nur in die gröfte ald in die Dos 
nau/ die Wolgau / den Rhein/ die Elb / die Oder / die Weichſel 
und dergleichen. Die alten Römer haben groß Werck von Stöhr ge⸗ 
macht / alſo daß ſie auf ihren Baftereyen / wie aus dei Achenze 
Ib. VII. e. i. zuerfehen / dieſelbe mit Kraͤntzen gezieret/ auch durch 
befränge Diener mit Trommeln und Pfeiffen/ qvalı qvadamnon 
deliciarum, fed numinis pompa, in den Eß⸗Saal hinein tragen laf> 
fen-; ob nun wohl diefer Fiſch fo hoch gepriefen/ auch fein Fleiſch 
weiß / gelind / nahrhafft / den Mund lieblich und den Magen. ange 
nehin iſt / fo dient es Boch nicht fir Schwache vielmeniger für krancke 
Leute / ſintemahl dabey einige did Safftigkeit und ſchleinthafftiges 
Fett / welches den Magen beſchwerlich iſt / ſich findet; weil auch die⸗ 
ſer Fiſch ad Cetaceos gehoͤret / ſo ſchicket er ſich gut zum Einſaltzen / 


ſintemahl allhier des Galeni Ausſpruch lib. 3. aſim. fac. c. 41. gilt / 


ex marinis belluis cetatea, falita, evadunt meliora: habent enim & 
ipfa carnem excrementofam, Und Aldrovantus meldet / daß in 
der Stadt Tanais , welche nahe an den’Mxorifchen Sumpff ge 
legen/ und Heut zu Tag Alloff genennet wird / epliche Officinz Ceta- 

Ä iz 





460 Fiſ 
rue angeleget worden / in welchen man die Stoͤhre und zwar mit Un⸗ 
terſcheid der Stuͤcken / nach Griechiſcher Benennung einſaltzte / als 
da wäre Rachis oderSpinale der Rüden / Pleura die :Kippen/Hy- 
po Clium der Bauch / worzu auch der Stöhr-Rögen / denn die 
Kuffen Carian oder Ikari neunen/ und welcher haufig nach Italien 
— 2 dafelbft ald ein lecker Biplein gehalten wird / Fan 
gerechnet. werden. - 
ndere Meerfifche ſeynd der Stockfiſch und Schellfiſch welche jeder un. 
ter ihrer eigenen Benennung befchrieben / der fo My Dorfch in 
Dantzig Pomuchel genannt / iſt auch ein Seefiſch der Inder Ofl-Gee 
gefangen wird / ‚und unter die Heinfte Art der Cablauen kan gerech⸗ 
net werden / er kommt auch bey gangen Tonnen bol eiugefalgen 
und auffgettocnet aus Norwegen / warn er noch frifch ift/ und ſon⸗ 
derlich in den Sees Wafler in welchen er gefangen worden / gekocht 
wird / fo ift ed ein überaus zarter und delicater Fiſch / welcher den frie 
fchen Revier-tfchen nichts nachgiebt. 
Die Roche Lateiniſch Raja Griechifh Batos , welches eigentli 
eine Brombeer-Staude heiflet / und alfo der Roche Brombeerfif 
müfte berteutfchet werden/ weil er etwann eben fo mit Stacheln als wie 
Die Brombeer-Staude beſehet / ifl ein flacher knorplichter Seefiſch / 
nicht groß von Leib / aber mit breiten Flügeln / und einen langen 
Schwantz / wird in dem glatten und ſtachlichten abgetheilet / zu dem 
glattengehören / RajaMucofafeulxviraja, R.Undulata, oculata, 
ftellaris , mie aud) oxyrinchus major und minor , zu den ſtachlichten 
werden gejehlet Raja afperaflellarisoculata Clavata, fpinofa ſeu La- 
nifica , Fullonica und Afperrima, von allen diefen aber feynd nur 
etwann ⸗. Sorten in der Handlung und Haushaltung befandt / ſie 
kommen gemeiniglich auffgebörret zu Fauff / da man ſie dann eben wie 
die Stockfiſch mit einwaͤſſern und klopffen handthieren muß / und dau⸗ 
noch bleiben ſie ein hattes und unverdauliches Eſſen. 
Schollen / Pſettæ Ariſtotelis item Paſſeres oder Paſſeæ, weil (Te breit und 
flach / dahin auch das Hollaͤndiſche Platt⸗Eiſen zielet / ſeynd unter⸗ 
ſchiedliche Geſchlechte / als Paſſeres Sgramoſi oder ſchuppichte und 
Læves oder glatte / die oberſte Geitean ihnen iſt dunckel oder Erd⸗ 
farb mit vorhen Flecken / die unterfte aber weiß / ihre Beftalt glei« 
het einen Rhombo ‚oder gefchobenen Viereck; / daher die Franhoſen 
fie Qyartelers nennen / in denen See-Gtädten werden jie häufig 
und wohlfeil/ friſch und noch lebendig wie jle aus der Gee kommen 
verkauft / die aber verführet werden follen / trucknet man in derLufft / 
und wällert fie hernach / warn fie gekocht werden / wieder eine Nacht 
ins Waſſer / die fo genannte Butte feynd faft gleicher Art;mit den 
Schollen / uur dag ihr Fleiſch etwas hartlicher iſt / undfie Feine * 


4 
* 


= u Fe a Fe! 


u 5 
the Flecken haben / auch laͤngſt den Rücken etwas fhärffer anzufühlen 
feynd/ die fo genannte Rigifche Butten / werden bey Riga gefangen/ 
geraucert/ und hernach ihrer Fettigkeit halber ſonderlich beliebet/ 
wiewohl (fe unter Die gefunde Speifen nicht können gerechnet werden / 
fordern vielmehr inter irritamenta gulæ ad Crapulam, nechft den Ri⸗ 

ifchen Butten ſeynd auch die fo genannten Flundern/die zwar gröffer 
als jene feynd/ ihr Fleiſch aber ſiht gar lopan den Gräden/und jiommt 
auch dem Rigiſchen an Fettigkeit nicht bey / daher ſie wenig geachtet 
werden. — | 
Bungen/SoleaitemBugloffa und Lingulaca,haben faft die Geſtalt ei⸗ 
ner Zuß-Gohle / oder fehen einer Zungen gleich / fie gehören unter die 
flache Meerfiſche / ſeynd fehr guten Geſchmacks / und geben eine beffere 
Mahrung und Geblutald die Schollen/ man findet ſie —* in der 
Dft:und Weſt⸗See / die Hollaͤnder achten ſie fo hoch / daß ſie ed ein See⸗ 
Rephuhn heiſſen / und unter die delicateſte Speiſen zehlen. \ 
Bon denen Fifchen insgemein giebet dieSalernitanifche Geſundheits⸗ 
Schul diefe Regul / qyanto pilces funt Sgvammohiorestanto melio« 
res ‚ multz enim ſqrammæ & fpinz fignificant in pilce puritatent 
ſubſtantiæ, je ——— ein Fiſch je geſunder er iſt / ſintemahl viel 
Schuppen und viel Graͤten bey einen Fiſch eine reine Subſtantz und 
Weſen anzeigen / jedoch ſoll man nach ſtarcker Bewegung oder 
Arbeit nicht viel Fiſche eſſen / weil ſie alsddann in Magen leicht ver⸗ 
derben / fo ſollen ſich auch die jenige des Fiſch-Eſſens enthalten / die 
einen ſchwachen Magen voll böfer Feuchtigleiten haben / und drittens 
ſoll man nicht Fische zugleich / mir Fleiſch und Milch Speife genief 
fen / oder zum wenigften follen die Fifche zu erſt und nicht nad) andern 
Speifengegeflen werden. Die Theile an den Fiſchen belangend/ 
werden derfelben immer eine vor den andern in fonderbahren Werth 
ehalten / aldan den Meer-Barben/ Lachſen und Karpen die Koͤpf⸗ 
ee an den Delphin, Bley/Braffen und Karpen die Zung/ an den Lachs 
die Augen / als welche fehr fett und delicar ; an den Meer⸗Barben oder 
Multis, die Baͤrte wobon Heliogabalus feinen Gaften gange Schüfe 
feln voll auffegen laflen. An den Thynno oder Tonnen-Fiſch / 
Lachfen/ und Karpen Ver Nacken / Cervix, & Clidium’five jügulus, das 
Genick und die Kaͤhle. Anden Lachs / Stoͤhr Karpen / und Haufen 
der Bauch wegen des Fetts / wiewohl es heiſſet omnis pinguedo pra- 
va, fed pifcium pesſima, alled Fett ift ungefund / aber das von Fifchen 
iſt das aͤrgſte. Andengedörrten Reckling und Rigiſchen Butten 
die Floß⸗ Federn / an den Hecht / Sander / Dorſch und Lachs ver 

. Schwang/an den Welſſen / Hechten und Obappen die Leber / an den 

Hecht und Karpen die Milch / welches eigentlich ihr Sperma iſt / an 
den Karpen und Barſch der Rögen/ der Roͤgen von —— 
* | N oder 


I) 


HF 


467 — Be 

oder Groß⸗Kopff wird mit feinen eigenen Blut vermengt /und Salg 
Darunter gemifcht/ fo wird Botarga , qvafıoa taricha five ova falita 
daraus. F 
Fiſchbein / ſonſt auch Baaren genannt / ſitzet den Wallfiſch rund 
herum inwendigan den oberſten Lippen / wie eine Reige ver ‚if 
baaun oder ſchwartz von Farhen / mit buntenStrichlein bemahlet / wann 
es blau oder licht⸗ blau iſt / haͤlt man es vor das Fiſchbein eines jungen 
Wallfiſches / inwendig im Mund iſt ed gang rauch wie Haare / haͤn⸗ 
get auch an beyden Seiten um die Zunge herunter voll Haare / bey 
etlichen Fiſchen liegt es in Geſtalt eines Schwerts / bey andern 
aberin der Form eines halben Monds / daskleinefte Zifchbein ſitzet 
vorn im Munde und hintennac der Kühle zu / das mittelſte aber 
erreicht die Laͤuge von 2.3. ja wohl von 4. Klaffteen/ an der einenSei⸗ 
te des. Mundes ſihen wohl zr0. Stud Fiſchbeins / und ander an- 
dern eben ſo biel ja man wuͤrde noch mehr finden waun fie hinten 
on den Schlund’ Fönten loß gefchnittenwerden. Die Kauff-Leute 
oder Rheder fo das Schiff ausgefandt / nehmen das Fifchbein. zu 
voraus zu ſich die Bootd-leute aber fo auf Part oder einen 


Theil Gewinn oder Berluftsausgefahren / bekommen vor ihr Qva- 


zum ein gewifled Geld. Die Fiſch⸗Baaren an (ich ſelbſt werden 
hernach an die fo genannte Fifhbein-Reiffer verkaufft / welche dafe 


‚ selbe in langen Fupffernen Keſſeln in heiffen Waſſer erweichen laffen/ / 


Ben erft in Stangen veiffen / da dann nachdem eine Sort lang oder 
urtz / alövon 6.4 oder drey Viertel ift/das Pfund auch darnach ine 
Preißgehalten wird. Das meiſte geriffene Fiſchbein fo in Teutſch⸗ 
band verbraucht wird/ konnt aus Hamburg und Holland. 


Fiſchleim / Ichtyocolla, 

Fiſch· Maͤuler / Linaria. 

Fiſch⸗Wurtz / Scrophularia fœmina, Bottonica Agvatica, 
FSiſch⸗Koͤrner / Cocculi. 

Fiſch⸗Araut / Gratiola, Limnefion Cordi. 


Fiſch⸗Muͤntʒ / Mentha Aqvatica, Siſymbrium. 


Sich MFeiden/Polyipermon, Blitum Sylveſtre. 

Fiſch geflaͤgelte werden in denen Naritäten-Rammern aufge» 
trudnet gewiefen. Plinius nennet fie Hırundines Marinas, Meer— 
Schwalben / ſie werden häuffig bey den Capo de bonne Efperance, mie. 
auch in America Are ſeynd etwann fo groß als ein Hering / 
und haben harte Floß· Federn die ſie zum Fliegen gebrauchen, wie⸗ 
wohl fie aufs hoͤchſte nicht über 100. Schritt in der Lufft Damit fort- 
Kommen können / da fie fich gleich wieder in das Wafler a 

H 





’ if 463 
ben müſſen / oder auch Gefahr lauffen von den Kaub-Bögeln er« 
haſchet zu werden. 

- Fiftiei, Piſtacia. 
Fiftularia, Roͤdel / waͤchſt aufden feuchten Wieſen / und wird 


unter die Wieſen Unkraͤuter gerechnet / das Vieh foaufden Wiefen - 
dis Krant frift/ foll Läufe davon bekommen. Ä 

Fixatio , Feuer beftändig Machung / oder Fixation , durch diefe 
werden die flüchtige Sachen fir oder befrändig gemacht. CS wird 
aber dasjenige Six genannt/ mas in Feuer ohne Verrauchung auss 
bauret allhier iſt zu merckeu / daß wie eingroffer Unterſcheid in den 
Gradibus igaisift/ alfo auch vielerley Arten fixer Dinge gefunden 
werden / deſſen man einen Verſuch mit den Salmiac thun Ean/ wels _ 
cher ob er gleich fehr fluͤchtig / dannoch dergeſtalt beſtaͤndig gemacht 
wird / durch die Vermiſchung mit uugeloͤſchten Kalck / daf der groͤ⸗ 
ſte Theil dem Feuer widerſtehet / welches ihm ſonſt ſlublimiret hätte/ 
wann er waͤreallein geweſen. 


Flachs / ein feiner Tugend wegen höchftnügliches und nothwen - 
diges Kraut / weil felbiges zu einer Couranten Kauffmanns ⸗Waar 
durch vielfältigen Fleiß und Muͤh zu bereitet wird / welche nicht ale 
lein roh und unverarbeitet allzeit guten Abgang findet / fondern 
auch zu fo vielen herrlichen Manufacturen dienet / die der Menſch 
von feiner Geburt an/ bis in fein Grab nothwendig haben muß. 
Mir berfichen hierunter, vornemlich die Leinwand/ welches nah 
dem es gantz abgeriſſen und verbrauchet / zuleht doch noch aus fei« 
nen überbliebenen Lumpen / die Materiam zu den in der Welt fo hoch 
nüglichen Papier fournivet 5. es kommt aber eigentlich der Flachẽ 
von einen Heinen unanfehnlihenSaanten/ welcher nahdem er un« 
gefehr kurtz voroder nah Oftern / bey flillen und heiteren Wetter 
und NB. zur Bormittags-Zeit/ item in abnehmenden Mond (dann 
dieſes muß alles dabey wohl obferviret — geſaͤet worden / 
innerhalb 13. oder 14, Wochen dermaſſen in die Hoͤhe ſchieſſet / daß 
man Ihm vayffen / in Bündelein binden / hernach irocknen / die Bol⸗ 
len abreiffeln / und in Poſen mit Stroh oder Baſt binden Fan. Ster- 
auff wird er in einen ſtehenden / iedoch klaren Waſſer geroͤhtet / und mit 
Brettern und Steinen beſchweret / worinnen er 4. oder Tag mehr 
ober weniger bleibet / da er hernach an die Sonne anfgeftelit und ge» 
trocknet wird / wiewohl andere weil fie glauben / daß der Flache auf 
diefe Weife ſchwaͤrher wird denfelben 7. oder s Tage in einen fliefe 
fenden Waſſer roͤhten / dahingegen andere ſolchen in gar fein Waſ⸗ 
fer u. / fondern ihm nurso, oder 12. Raͤcht in einen Anger oder 
Wiefen legen/ damiter die Nacht feuchten und den Thau in (Üch — 

en 


den möge / wann er nur ehe die Sonne auffgehet / anein verdeck⸗ 
ten Ort alfo feucht / aufgehäuffet geleget / und folches bis zu Abends / 
da er nach der Sonnen Untergang wieder ausgeleget / und alfe 
darmit bis er tauglich iſt / fortgefahren wird / wordurd er viel bef> 
fer und edler / ald wann er in das Waſſer fommet / werden folle. 
Aus welchen zu erfehen daß die Flach&-Arbeit ein recht groffe und be⸗ 
ſchwerliche Arbeit fey / welche annoch virl andere in ich hält / die al⸗ 
ie / zuvor gefcheben müffen/ ehe man eine Leinwand davon machen 
Fan. Bor dieſen ruhmten ſich die Egyptier / daß ihr Flachs von weichen 
die Heiligen Kleider ihrer Priefter muften gewebet werden/ der weife 
fefte und weichefte Flachs der gantzen Welt wäre / fo wurde auch 
in Griechenland / bey der Stadt Elis ein Flachs gebauet / davon ein 
- Pfund vor gleihed Gewicht Gold verkauffet worden. Heutigs 
Tags halten wird mit unfern Teutſchen und Liefflaͤndiſchen Flachs 
da dann von jenen dev Lüneburgifche feiner. Zartheit halber vor ans 
dern Sehr beruhmt iſt / nechſt diefen ift der Lieffländifche deffen man 
unterfchiedliche Sorten in denen See-Städten / jährlich bey gangen 
Schiffs⸗Ladungen voll zu empfangen / und deſſen Preif aus den ge⸗ 
dructen Preif Couranten zu erfehen hat. Der befte unter ſolchen iſt 
der Rigiſche Rakitſcher Flachs / nach diefen kommt der fo genannte 
Paternofter, hierauf der Geſchwungene / ferner Pieck Kauffmaũs· 
Gut / als dann Mittel Rauffmanns-⸗Gut / endlich Dreyband / und 
letzlich Brack. Der Rigiſche Flachs / von welcher Sorte er auch 
fey / wird darum denen andern in Lieff-oder Ehurland fallenden 
Flachſen von gleicher Sorte vorgezogen / weilin Riga eine ordentli⸗ 
che Brad etabliret / das iſt beeydigte Leute beftellet feyn / weldye den 
lachs ehe er verfand wird befichtigen / fortıren und atıcftiren muͤſ⸗ 
en / daß er gut Kauffmanns-Gut fey/ und vor diejenige Sort pasli- 
ven koͤnne daer voraus gefandt wird, Zuvor haben wir gemeldt 
daß der Rakitfcher Flachs der befte von allen ſey /und zwar darum 
weil er fein rein / lang / weich und haarlich / nicht zu breit und nicht zu 
ſchmal / auch wenig von Heede bey ſich führet/ fo dag wann er gehechelt 
wird / ben so. Pfund reinen Flachs auseinen Kiep-Pfund ( welches 
14. Pfund ift) können gewonnen werden / er kommi gemeiniglich in 
Saͤcken von einen Schiff-Pfund ſchwer / es iftaber dei jagen 
nicht fo gut ala der Rigifche / wiewohl ſich jener zuweilen auch fehr 
wohlfeinet/ Paternotter wirdaus den Rakirfher Flachs ſortiret / 
und gemeiniglich dasjenige darzu genonimen was vor Rakirfcher 
Flachs nicht pasfıren fan / man erkennt ihn an den gedrehetenBand/ 
— zuweilen kommt auch etwas Knocken Flachs der ailbereit wohl geher - 
delt / und wie das Frauenzimmer mit ihren Flachs umzugehen pfle⸗ 
get/ int Keiftenoder Knocken von etwan ;. Pfunden ſchwer / — 
— iſt / 





Jla | | 
il. Der Paternofter - Flachs kommt eben wie dev Raditfcher in 
Siãcka von einem Shifib. ſchwer. Dreyband⸗ Flachs / welcher 
in leinen Kollen / davon ı2. bis 13. Rollen auf ein Schifflb. gehen / 
aus Kigagebrachtwird / iſt ein Ausſchuß aus Rackitſcher und Pater- 
fer Klach$/ wiewol er gar häuffig unter diefen letztern berbunden; 
iſt ſonſt an ſich ſelbſt ein grober Flachs / hon welchen vielim Hecheln ab ⸗ 
gehet. Koͤnigsberger Pater nofter if} gemeiniglid) In Matten ein» 
enacket/ und nandmahl weicher / als der —— ge⸗ 
——** Flachs / iſt noch vor den Churiſchen Dreyband / faͤllt 
auch viel reiner / und hainicht fo viel Scheeff. Baurband / des in 
ollen bon s. FißTb. heraus kommt / wird darum alſo genannt/ weil er 
fo/ wie ihn die Bauren zur Städt bringen/ unfortivet wieder berſandt 
wird; Man muß ſich aber wohl in acht nehmen / daß er don ben Bau⸗ 
ven nicht verfalſchet / und entweder Stein⸗ Aſchen oder Graus (um ſol⸗ 
chen dadurch ſchwerer zu machen) daruuter vermenget ſey, Mem⸗ 
‚melifih Jlachs kommt in Saͤcken von halben Schiffpfunden / auch 
wol in Rollen nur von s. LißTb. und wird befler ald Churiſch Drey⸗ 
bandgehalten. Pernauiſch Flachs iſt gemein lich in Knocken ge⸗ 
bunden / aber ſehr ſchlecht und mehrentheils Heede. Narviſch 
Rhein- Flachs ift ſchoͤn und gut / kommt aber wenig / auſſer eine Sort 
von o. Koppen in einer Bude / die aber etwas geringer. Flachs⸗ 
Dog wird dasienige/ was bon Flachs berwirret iſt / genennet / und 
‚Beine Harrlen hat / in ordinaire ins. Doctengebunden. Viel Flachs⸗ 
Dãndier wiſſen den Flachs dergeſtalt zu lortiren / und borwaͤrts einen 
ſqhonen Spiegel zu geben / daß man ſelten unbetrogen bon ihnen 
und manche Haus⸗Mutter / — Sack Flachsg 
haben verieynet / bey den Aushecheln ernach einauders / und mehr 
Deede kriget / als ihr Lieb iſt; wie dann die Hechel eine mit von dem 
beften Flachs Proben ift / dadurch fein innerlicher Gehalt fan unter · 
fuchet werden. F 
| $lachs geſchmeidig zu machen. 
Rehmen etliche Weyd oder Pottafche und lebendigen Kalch / machen 
daraus eine auge / und weichen darinnen den Flach 24. Stunden 
ein/ thun ihn hernach tn einen Keſſel / und laſſen ihn ein biertelStunde 
mit der Lauge darinn Fochen / fo foller fo weich ald Seide werden; 
Hierauf wird er in vein Waſſer ausgefpühlt / das Waſſer heraus ges 
wrungen / und der Flachs abermahl in ſtarcke Lauge geleget/ und he 
qes zum drittenmahl twieberholet / alsdann ausgefpuhlt / getrucknet 
und gehechelt. Etliche ſchmieren auch den Flachs mit Kuͤhmiſt / oder 
fegen ihn gar in eine Miß⸗ Lacke ꝛa. Stund ein/ waſchen Ihn hierauf 
fanber aus/ und trucknen ihn im Backofen. 


69 Has 


466 Fla Sle * 


Flachs⸗Dotter / Sefamum, Camelina, Myagria. 
Flammula jovis, Brennwurtz / dieſes Kraut zerſtoſſen und aufges 
legt / ziehet Blaſen aaf. Ne 
Flecken⸗Kraut / Pulmonariamaculof. f, Galeg 
Flecken aus Wollen / Beinen und —— zu machen / iſt den 
Kauffleuten und Kraͤmern zu wiſſen hoͤchſtnoͤhtig / weswegen hierzu 
folgender Unterricht dienet: Rimm ungefehr 2. Pfund Brunnen⸗ 
Waſſer / thue dareinein wenig Pottafche / fo viel als einer Welſchen 
Ruß groß / und dann eine Hein gefchnittene Citron, Laffe ſolches durch 
einander gemifcht 24. Stunden in der Sonnen ſtehen / drüde es here 
nach durch ein ſauberes Tuͤchlein / und hebe das alfo geklärte Waſſer 
auf zum Gebrauch / dann es wäfchet ab alle lecken / auch fo gar har⸗ 
igte und oͤhligte / ſowol aus den Huͤten ald Kleidern / fie mögen von 
olle oder Seiden/ Leinen oder Baummollefeyn/ und nimmt ſie zur 
Stundeweg. Sobald aber der Bugen ausgelöfcht / muß alfobalte 
die gefauberte Stellemit veinen frifchen Waller nachgewaſchen und 
abgewifchet werden. 
Kür die Wein⸗Flecke ruhmen etliche die Lauge bon derBüchen-Afche/ 
darzu man die Hefen des weiſſen Weins miſchen ſoll / eines fo viel als 
des audern; hierauf das maculirte Tuch imfelbigeö tuncken / und die 
Nacht durch darinn liegen laſſen des Diovgens wieder abgewaſchen / 
"und ein wenig in die Sonne legen / damit es truckne. Man pfleget auch 
insgemein den Safft bon einer Limonie oder Citrone zu nehmen / die 
lecken damit zu beftreichen/ und offt wieder trundenen zu laſſen / zu⸗ 
legt mit falten Waſſer abzumafchen / fo —— Flecken bald ber⸗ 


-fchwinden ; if es ein Binden led / e ehenſt ei⸗ 
nen fhanffen Bin chen das. | 
us Carmoilın Couleur feidenen Zeug die Flecken zu bringen /braucht 
man folgendes Mittel: Man beneget den befledten Ort mit Spiritus 
vini oder ſtarcken Branntwein/ thut hernac ein wenig bon den Weiſ⸗ 
fen eines Eys darauf / legts als dann zum Trudenen andie Sonne / und 
waͤſchet es mit Falten Waſſer wieder ab; wann ſolches zweymahl ge⸗ 
ſchehen / ſo werden die Flecken ausgehen. Oder man nimmt ein we⸗ 
nig Allauns / waͤſchet undreibet damit den Zeuch wohl / ſpuͤhlt ihre 
alsdann in kalten Waſſer wieder aus / und thut ſolches zum zweyten⸗ 
mahl / ſo wird die Macul weg ſeyn: | 
Ein anders und gewiſſes Mittel den Carmoifin feine Flecken zu be⸗ 
nehmen / ift diefes: Man ſoll eine Lauge von Reb⸗Aſchen bereiten / in 
ein paar Heine Becherlein derſelben eine halbe Untz Allaun⸗ Hefen thun / 
und es eine Weile alſo zuſammen ſtehen laſſen; nachmahls ſolches 
durch ein Tuch feihen/abermahlvondllaun und harter Seiffen 2.Dbint- 
lein dazu thun / von weicher Seiffen aber ein halbes Qintlein / gemet⸗ 
u | nen 


Fle 467 
nen Saltzes ein viertel Untz / a ſo biel deöSalmiacks , Yon Cheli- 
donien, oder Scheel-Wurg-Säffte Halb fo viel / Kälbergalle ein Halb 

Loht; dieſes alles vermifcht / ſeihet man durch ein Beinen Tüchlein/ 

und wo es vonnöhten ift / muß man auch naffe Scharlach⸗ Wolle und 

£lein gefchnittened Braſilien⸗Holtz barzu thun / hernach ſolches alles 
zum Feuer ſetzen / und ein wenig kochen laſſen / dann abermahl durch 
ein Leines Züchlein feihen/ fo hat man ein rohtes Waſſer / welches alle 

Flecken der Carmoifin auswaͤſchet. .- 

Aus den Sammer werden die Flecken vertrieben durch folgende . 

GStüde: Nehmet einwenig Reb⸗Aſche / Allaun⸗Hefen ein Loht / ge= 

mein oder roh Allaun ». Dbentin/ Benedifher Geiffen 1: Dvint, fliefe 

fender Geiffen anderthalb Scrupel, gemeines Sales 2. Qpint. item 

». Dbintl.Salmiac, ı. Qvintl. Scheelmurf-Safft/unde. Dvintl Ki 

ber-Balle; dies alles muß gemifchet / und durch ein leined Tuch ge» 

trieben werden... Wann es nöhtig gu brauchen/ nimmt man geſchor⸗ 
ne Wolle/ die den Sammet gleihfärbig/ taucht diefelbe in jegt bes 
ſchrie benen Safft ein/ und reibt damit den Sammet die Fleden ab. 

Aus den Gold⸗und Seiden gewirdiren Tuͤchern imgleichen aus 

Wollen / Leinen und andern Kleidern die Flecken zu tilgen / nimmt 

man zu Pulver verbrannte Hamels⸗Fuͤſſe / und ſtreuet ſolches Pulver 

auf den zubor in Waſſer eingenetzten fleckigten Ort / legts alsdann an 
die Sonne / und laßt es truckenen; dieſe Operation mup aber etlich“ 
mahl wiederholet / und zuletzt der Flecken mit reinen Waſſer ausger 


waſchen werden. 
Eine gute Fleck⸗Kugel zu machen. 
Nimmt man ſchwartze oder weiche Seiffen / und ſubtil durchgeſiebte 
Rebaſche / miſcht ſolches wohl durch einander / thut darzu ein wenig 
gebrannten Allaun · Puldersund Weinſteins / miſcht es den vorigen 
bey / und macht Kugeln daraus. 
Zu Pech oder andern hargigten Flecken nimmt man gemeines altes 
Baum ⸗Oel / fo Viel als noͤhtig / macht es ein wenig warm / und beftreicht 
damit die Flecken / laͤßt es bis 24. Stunden darauf ſtehen / und waͤſchet 
fie hernach mit warmen Seiffen⸗Waſſer aus. Vier Untzen Toͤpffer⸗ 
Thon/ ı. Unge lebendigen Kalck / undein halb Pfund Geiffen mit Waſ⸗ 
fer unter einander gemifcht/ iſt auch gut/ die Flecken damit auszutrei⸗ 
ben. Item / nehmt Waller und Krafft-Mehloder Stärde/ und ma⸗ 
chet einen Teich davon / und bedecket damit den Flecken / laßt es au 
fo lang darauf ftehen / bis es trucken iſt / und alddann abgerieben/ 
wird es weg ſeyn. Etliche veiben die Flecken / die in das Seiden⸗ 
Zeuch gekommen / mit TerpentinSpiritus , fo follen die Flecken auch 
darnach weggeben. | | — 


BG: Aus 


468 Fle 
Aus Leinwand die Roſt⸗Ylecken zu bringen / nim.utman gantz ſte⸗ 
dend heiß Waſſer in einen Zinnern Topff / Hältdie Leinwan daruber / 
daß ber Dampff daran gehe / reibt ſie hernach wit ein wenig Saur⸗ 
ampffer und waͤſcht ſie mit reinen Waſſer / fo wird der Flecken ber⸗ 
ngen ſeyn. 
—— grünes Tuch laͤßt ſich mit zerſtoſſenen Kieſelſteinen / die 
in warmer Lauge gemiſchet ſeyn / wieder zu vecht bringen; oder man 
nimmt Knaben» Kraut / ſiedet daffelbe in Waſſer / und wäfcher dem 
Sleden damit. 
Serner gebsauden einige / um die Oelflecken ans Wollen / Beinen 
oder Seiden · Gewandt zu bringen’ Kare fiedende Laugen / in welcher 
fie fo viel Kleyen mifchen / bis es zu einen Zei) wird; Diefen Teich 
ſchmieren le auf den Flecken aufbeiden SSeiten des Tuchs / laſſen eg 
hernach trucknen / und wafchen es mit reinen Waſſer aus. 


Fleiſch / iſt entweder friſch / gefalgen oder getrucknet; und dieſes 
letztere entweder in der Lufft oder im Rauch. Das frifche Fieiſch bat 
eine jedwede Stadt bor ſich ſelbſt / und feynd bie bielerhand Arten dere 
ſelben nicht unbekannt. Mit den geſaltzenen Fleiſch aber geſchiehet 
ein nr golf: Handel / fonderlich in den Gee-Städten / dagange 
Shifs-Ladungen voll aus Cur⸗ und Liefland über die Oſt⸗See / und 
aus Irr land und Diofcom über die Nefl-See anm ommen / weldes bey 
Zonnen und Faß⸗ weiß an geringe Bürger / und zu Proviantirung der 
Schiffe verkauffet wird. Die Kaufleute / welche folches aus Ehurs 
land bringen, reifen gemeiniglich felber rn die Herbſt⸗Zeit darnach 
zu / erhandeln daſelbſt die Ochfen / laſſen folche ſchlachten und einſal⸗ 
gen/ undbringen hernach Fleiſch / Talch und die Ochſen⸗Haͤute zuruͤck. 
Bas an einen andern Ort wegen des Mehl gemeldet/ daß deffen Aus» 
fuhr in Rriegö-Zeiten verboten ſey/ ſolches it auch von dem Fleiſch zu 
berftehen/ als welches ebenfalg zu folder Zeit einecontrabande Waa⸗ 
seifts Daß (ich aber das Fleiſch beffer in Zucker als in Salg halten 
laſſe / auch ſolcher geftalt viel gefunder ſey / iſt bielen bekannt. Mer 
eingefalgen oder oͤckel· Fleiſch bey Tonnen kauffen will/ ſiehet zu / dag 
es ſchoͤn friſch und nicht ſtinckend ſeh; daß es wohl in der Saltz⸗Laacke 
Siege. Wann manauc allezeitein Briefgen dabey haben koͤnnte / daß 
ss vongefunden geſchlachteten und nicht von berftorbenen umgefalle⸗ 

nen krancken Vieh gekommen, wäre es ſo biel beſſer. Im übrigen be⸗ 
ſiehe / was wir wegen des Poͤckel⸗ und geraͤucherien Fleiſches in unfern 
Tractat vom Gebrauch und M Srauch der geſalhenen Speiſen ge⸗ 
ſchrieben. Wer eine Partey P del-leifch an ſich Fauffet / der ſehe 
wohl zu / * ers fleißig in Saltz unterhalie; wann ne. folte begin» 
nen einen ubeln Geſchmack zubefommen/ iſt der befte Raht / . 








> Fle gti 469. 
ed auspacke / und im Rauch hänge/ oder fauber abwaſche / und mit fri 
I befpvenge/ und feft indie Tonne wieder einpacke. Als ei⸗ 


ſchen⸗ | 
ne nuͤhllche Haushalter- Kegel hat man aud) angemerdet / daß ein 


Rind · Ileiſch / welches in zunehmenden Mond gefchlachtet worden/ 
wann es gekocht wird/ viel murber und im Pott gleichſam aufſchwel⸗ 
lend fey/ als Fleifch von einen Ochfen/ welcher in abnehmenden Mond 

fchlachtet worden, deſſen Fleiſch nicht fo mürb wird / und auch in Ha⸗ 
fen zufammen ſchrumpffet; Einige trudnen das Fleiſch / ſonderlich 
das Schaaf⸗Fleiſch an der Lufft / eben wie die Stodfifche; andere/ 
wann jie das Fleiſch ein Zeitlang in Mafcovade oder Puber-Zuder 
conferviret/ und dadurch die Subftang des Fleifches unverändert be> 
halten haben (welches beym Einſaltzen nicht gefchicht) werffen her» 
nach den Zucker im Branntweins-Keffel / unddeltilliven einen guten 


: Branntwein dabon / und kommen ſolchergeſtalt eben fo wohlfeil zu der’ 


Confervation ihres Fleiſches / als bey-dem Einfalgen. ine fonder» 


- bare Art/ die Schweins⸗Schincken ohne Saltz / Eßig oder Raͤuchern 


etliche Monat frifch zu conferviren/ iſt diefe: Man legt ſie etwan s. 
oder 6. Tage in Salg / ninımt fie hierauf wieder aus / fchabt dem 
Schleim woͤhl ab / und tundt ſie alsdann in einen Keſſel mit ſie dend 
heiffen Waſſer etliche mahl ein / fo werden fie davon gleichfam gang er» 
ſchroͤcket/ gehaͤrtet / und etwas zufammen geſchrumpffen; hierauf 
bangt man ſie auf den Boden/ da die Lafft wohl durchftreichen Fan / ſo 
= ar etliche Wochen oder Monat hernach allezeit einen friſchen 
inden. * 
Alles Fleiſch von den Thieren oder Geftuͤgel genommen / wird exge- 
nere, moribys, ætate, ſexu, habitu, ſitu, pabulo, loco ſeu habitatione, 
item ex regjone animalium jucieiret / nach welchen auch des Fleiſches 
Zubereitung geſchiehet / alſo daß es iſt vel Carorecens, velfalita, aceto 
fervata, infumata, Caro gelata Sulge/Elixaarqve alfa , Frixa& Car? 
bonaria, mie hiebon mit mehrern Elsholtz Dizteticonläb. 2 cap, 1. 

Fleiſch · Blumen / trifolium pratenfe. 

Fleiſch⸗ Leim / Sarcocolla, gluten Carnis. 

Flemiſcher Erdrauch / Fıumaria Flandriea, latifol. maj. 

Flieder oder Hollunder / Sambucus fructu in umbella nigro 
wãchſt in Teutfehland Hin und wieder fehr häuffig. In denen Apote⸗ 
den werden Davon Spiritus, Mueß und dergleichen bereitet. Die Tu- 
riones und junge Schöflein brauchen einige in der Küchen tangram 
alimentum medicamentofum, als eine halbe Artzeney / und nennen fie . 
Flieder⸗Spargen / wie dann derfelben Diofcorides ſchon gedendet/ 
und fie Caulcs venerosin patinis coctos nennet, | 


893 Flin⸗ 


470 Fli Sie u 
Flinderlein werden yon dünn gefchlagenen Meßing oder aud) an⸗ 

dern Metall, fehr häufig in Nürnberg gemacht / und dienen an etlichen 
Orten zum Schmuck des Frauenzimmers / etwan auch in geſtickter 
Arbeit zur Auszierung ; die meiften werden nach Mofcom / Ungarn 
und Spanien verſandt. \ 

Sliteern/ viola LunarisLunaria Gr&ca 

Floͤh⸗ Saamen / Semen Pfylliifeu Perficarix , hat dieſen Nahmen 
wegen ſeiner Geſtalt / vertreibet auch die Flöhaus den Kamniern / 
warn man ſolchen darein ſtreut; Ex iſt zweyerley Art / welche aber 
beyde nunmehro in Teutſchland gezogen werden. 


Floͤh⸗Pfeffer / Perſicaria. | | 
Flor / Franhoͤſiſ. Crefpe, Seidener und Wollener./ Eraufer und 
— kommtaus Itallen und S weitzerland / als woſelbſt ſonder⸗ 
ch viel Flot⸗ Manufacturen in der Stadt Zuͤrch crabliret / fo daß auch 
die Italianiſche Flor (auſſer was etliche Bologneſer noch feynd) nicht 
mehr viel geſucht werden / weil man es niit den Zürcher Floren gar 
wohl beſtellen kan. Der Einkauff dieſer Floren geſchicht in Leipzig 
und Franckfurt / oder er wird auch recta aus Stalien oder von Zirch 
aus verſchrieben. Zu Lyon in Franckreich ift auch eine Flor-Manu- 
— aufgerichtet / welche der Bolognefifchen zienilichen Schaden ge» 
n. 


SFlor / Crocus hortenſis. 
Floramor, v. Amarantus. 
Florentiniſcher Fenchel / Feeniculum Romanum. 
Florentini Lapides, ſeynd bunte und don Natur gemablte Mar⸗ 
morftein/ vide Marmor. 
Florentiner Waaren / Handlung und Muͤntz⸗Sorten / vide 
Italiaͤniſche Waaren. | 
‘ Flores, vide Blumen, 
Flores Æris, vide Blockenfpeiß. 
Flos cuculi ſ. Naſturt. Pratenfe, 
FlosFrumenti f.Cyani, 
Flosregisf. Calcatrippa. 
Flos Trinitatis f. Jacca, 
Flußſtein / Silex. 
Fluß· Vogelkraut, Alſine Auviatilis. 
SEluß⸗Haͤhnlein / Fluß · Leberkraut / Ranunculus Auviatilis, 
Fiut⸗Gras/ gramen fluviatile. 
Fœculæ, Magiſteria &}Solutiones, feu Eſſentiæ Siecæ, & Elæoſac- 
+ «hara, dabon werben foigende in wohlbeftalten Officinen gefunden h 
w* a 


— 





B 


Rön Sea 471 
als Foecul. Ariftor. rot, rad, Ari rad, Biſtortæ, Bryoniæ rad, irid, 
noftr.rad, Pæoniæ rad. 


Mag. Aluminis Anodyn, Caſtorii Cephaf D. Mich. Cochleariæ, Co- 


rall. rubr. Cordialis D, Mich. Corn, cervi. Cort.ovorum, Cran. hu- 
mumani, Deatis egvimarini e conchis EpilepticiD, M.Gum, Guttæ 
GranatorumHyacinthorum,JovisAnglic,Lapid,Lazulif, ultramarin, 


Lunæ ſ. Salis Lunæ D. Hann. Mandibul, luecii Marcafıte, Margari» ; 
tar, orient, Matris perlarum,-Nuc, mofchat, oculor. cancri, Percar. ; 
lapid. Rubinorum, Sapphirorum, Saturni $maragdorum, Spinar, 


muflell. fluviat, Succini Tälci, Venezis Unicornu Ungul, alcis. 
 Solut.e, calculum, Coralliorumrubr, Corallins, cort, ovorum, Gra« 
nathorum, Hyacinthorum, Lapid, Jadaici, Margarit. Orient, Matris 
perlarum, oculor, Cancr, Percar. Lapid, Rubinorum, Sapphirorum, 
Smaragdorum,, 


Elxof. Anifi, Aurantior, Balfami Indici, Carvi, Caryophylior. Cins - 


namomi, CitriCuminiFaniculi, LigniSaflafras , Macis Nuc, mo- 
fchat. Rofmarini,Sacchar, opiat, 


Foeniculum, Franhoͤſ. Fenouil, Feuchel ein fehr bekanntes Kraut: 
der überzogene Saamen vor der Mahlzeit genoffen / ſchaͤrffet das Ge⸗ 
daͤchtniß und Geſicht / ift auch gut vor den Huften und Engbruͤſtigkeit. 

Foeniculum maritimum mınns, Grithmum marinum, .. 

Foeniculum Porcinum, vide Peucedanum. F 

Fœnum Camelorumf,Schoenanthum, Cameelsheu. 

Fœnum Græcum, ſativum & ſylveſtre, zahmer und wilder Bocks⸗ 

orn⸗Saamen / jener wird ſehr Viel zwiſchen Vürnberg und Bam⸗ 

erg / auch in Thüringen gebauet. Der Saame muß ſchoͤn hart / 
dire and heil-gelb an der Farbe ſeyn; Er wird im julio und Augufto 
aufgeſammlet. In den Apothesfen hat man allein den Saamen von 
den zahmen Bockshorn / der wilde iſt nicht fehr gebräuchlid. - Man 
brauchet infonderheit den Bodshorn-Saamen zum Umſchlaͤgen / dufe- 
ſerlich zu erweichen / und zu Schmerg-flillenden Clyftiven. Die Bruͤ⸗ 


he / in welcher Fenum Gracum gefotten / bertreibet die Schmersen 
und Roͤhte der Augen Wirk in Faſſern nah Hamburgs gebracht / 


und bey ıoo. Pfund verkauft. 
Folia, Blaͤtter / vide Kräuter. | 


— 


* 


Folliculus, Daß Fleine vĩhie m welches die Röcner oder den Ga“ 


| — es Auviatilis, eine bekannte X ſch 
orellen / Truttaflaviatilis, eine befannte Art Fiſch dieſes Rab: 
mens / werdenfonderlich groß in der bon au Genf arfanhen * 
Fortz⸗· Zwang / Fabaria. Ex RN N 
acht⸗Briefe werden ben Fuhrleuten / denen man Waaren aufs 


/ 


m 


en gegeben/ über ſolche Waaren ertheilet / und in fo hen erſtlich 
| 694 | dee 


der Datum oder Tag / wann die Büter abgefandt worden / item der 
Nahme des Fuhrmanns / der Ort / wo er her iſt die Zahl der Guͤ⸗ 
ter ſelbſt / dero Zeichen obder Maräveund Numero, der daftır bedun⸗ 
gene Lohn / —— was allbereit auf ſolchen Lohn den Fuhrmann 
boraus bezahlet worden / die Condition der Guͤter / daß man nemlich 
ſolche alle trucken / wohl und unzerbrochen dem Fuhrmann geliefert 
und aufgeladen / das Beding / ſo mit ihm dr worden / felbige in 
einer gewiſſen Zeit zu liefen; manchmahl / fo ed nur Commiflion- 
Guͤter ſeynd / der Nahme und Orr desjenigen / bon men und woher 
man folche empfangen; item wo ſie weiter —* hingeſandt werden / 
anch wo ſich der Speditor ad quem feiner ausgelegten Fracht und Un⸗ 
koſten halber wieder gu erholen habe; und endlich den Wunſch glͤck⸗ 
licher Uberkumfft / ſamt der Unterſchrifft / auſſen aber die Aufſchrift / 
an wen und wohin die Guter berſandt werden; wie auch Die Nume- 
sound Margvenochmahlsgefest. Die Forniularia hiervon ſiehe in 
unfern allzeit färtigen Handels· Correlpondenten. 2 

Fragaria, Fragula trifolium fragiferum , Erdbeer: Kraut /_bie 
Wurtzel dabon in Händen gehalten, file dad Raſenbluten. In de⸗ 
ner Officinen hat man aus den Erdbeeren das Wafler / den Syrup/ 
den Spiritum, welcher aus den fermentirten Safft gezogen / aber gar 
felten gebrauchet wird; and dann endlich die Tindtur. 


’ Frais, Depenſes, Expenſæ, Unkoſten / die man auf die Waaren ge⸗ 
an. RT 
SGSranckfurts am Mayn Waaren und Handlung / dieſe erſtre⸗ 
cket ſich wegen dieſer Stadt bortrefflichen Situation, durch gang 
Teutſchland / ſonderlich aber in deſſen augraͤnhende Provincien , als 
den gantzen Ober⸗ und Unter⸗Rhein / Francken und Heſſen / am aller⸗ 
ifen aber machen diefe herrliche Käyfer!. Wahl⸗Siadt / die in ihr 
Jaͤhrlich angelegte zwey Capital-Meffen fehr beruͤhmt und nahrhafft/ 
deren die erſte die Ofter oder Mittfaſten · Meſſe / und die andere den 
Sonntag bor Marien Geburt / welches iſt der 3. Scptembr. dabey 
doch —88 / daß wenn dieſes Feſt auf einen Montag / Dienftag 
oder Mittwoch faͤllt / die Meß alddannn nur den ze vorher an» 
fange/ fo es aber den Donnerftag/ / Freytag oder Sonnabend border 
Pont / —35 — die Meſſe nicht eher als den Sonntag darauf an / 
eder gar denſe 
welcher Zeit auch die Meſſe öfentlieingeläutet wird / und wird die 
ar Woche in derfelben die Acceptarions!, die andere aber die Zahl- 
Wooche geitennet. Die Kauffleute/ welche dieſelbe beſuchen Eommen 
sicht alleinaus dfelen Städten und Provinzien Teutſchlauds / ſon⸗ 
dern auch in. Ztiedend:Zeiten aus Franckreich / Italien A he 
| —— wei 





en Sonntag/ anmelden befagtes Fefteinfallt: Zu 


— — — — — 


Fra — 473 


Schweitz / von Geneve und aus Holland / welches letztere Die Commo- 
dität hat / daß feine Waaren den Rhein hinauf / und folglichin den 
Mann bis in Krandfurt können gebvacht werden ; Dahero aud) an 
KHelländifchen Kaufflenten jede Meß eine gute Anzahl in andfurt 
berfpühret wird/ welche zimliche Partheyen Rheinifcher Wein mo» 
von Franckfurt und Mäyns wegen des benachbarten Rheingaus 
leichſam die zwey Stapel-Städte fennd) einkaufen / und ſolchen ſo 
erner nach Holland verfenden ; wiewol die fhweren Folie auf dem 
Rhein dieſes Wein-Negotium zimlich verſaltzen dap mancher Wein⸗ 
dr lieber den Landweg erwehlet / ungeachtet die Fraͤchten fehr 





euer feyn. Nechſt den Holländern hat man in denen Srandfurter 
eifen/ die Frangofen mit ihren Sciden-und Galanterie-Maaren ; 
die Schweiger mit ihren Creponen / Floren und Papieren ; die Auge 
fpurger mit ihren Ftaliänifchen ; die Nürnberger mit ihren Ruͤrn⸗ 
berger⸗Waaren; ant allermeiften aber finden ſich die Buchhandler 
ein / wiewol ſieder einigen Tahren her ihre Handlung ſich auch ziem⸗ 
lich nach Keipzig gezogen. ie fich die Juden / und fonderlid) die 
von Mes mitden Kopteufchen / und die beften Pferde Koppelweiß in 
der Zrandfarter- Me aufzukauffen / auch feldige in Kriegs-Zeiten 
den Frangofen zu zufuͤhren / zu behelffen wiſſen / —2 iſt aller Welt 
bekaunt; Noch mehr aber die groſſe Judenſchafft / welche in derStadt 
ranckfurt zu finden/ woſelbſt ſie eine eigene groſſe lange und unflaͤh⸗ 
tige Gaſſe die alle Racht berſchloſſen wird; einhaben und bewohnen/ 
und des Tages üder die Stadtwüin ihren Schacher⸗Kram Durchlauf: 
fen/ den Bauren aufdem Land Vorſchuß auf die fünfftige Weinleſe 
thun/and manchen Ehriften hohen und niedrigen Standes drüden/ 
daß ihm die Augen möchten übergeben: 
Auffer den Meg-Zeıten erſtrecket (ich der Stadt Franckfort ihre 
Handlung ebenfals weit und breit/ und dieſes zwar wegen vtrreid) 
und wohlberühmten Rauffleute/ die in Franckfurt zu finden / welchen / 
wie auch denen daſelbſt wohnenden Handwercks⸗ Leuten treflich zu ſtat⸗ 
ten konimet / daß ſo viei Jahr her das Kriegs- Thea · rum ain Ober⸗ 
Rhein geweſen / darüber Franckfurt die Rahrung allein gehabt / wel⸗ 
ches ohne dem bon den umliegende: Heßiſchen / Hanauiſchen / Mayn⸗ 
tziſchen / Fraͤndiſchen / Wetterauiſchen und Pfaͤlhiſchen Höfen feinen 
Vortheil wohl zu ziehen weiß. J 
Die Muͤntz· Sorten in Franckfurt ſeynd / entweder wuͤrcklich geyreg⸗ 
te / oder fingirte und eingebildete / item courante und Nbechfel- Muͤn⸗ 
de. Die erſte Sorte betreffend / ſo iſt der Wehrt des Kaͤyſerl. Gel⸗ 


des von Rthlr. Gulden / Groſchen / Bazen und Creutzer bekannt und , 


alſo allhier unnoͤhtig zu wiederholen ; Hingegen macht man einen Un» 
terfcheid unter den gemeinen and denen Courant- Gulden ; jene ſeynd 
6. 


G9 5 


— 


474 | Fra 
6. bis io.proeent ſchlechter als die Frauckfurter courant oder 8. pro- 
cenr, als die neuen Brandendurgifchen and Lüneburgifchen Dritteln. 
Die Wechfel werden eingericht auf Wechfel-Thalers / von 74. Crew 
Gern auf Wechfel-Ereuger/ deren 737. aufeinen Rthlr. gehen/auf ger 
meine Creuger so. aufeinen Reichsthaler. | 
AufWechfel-Bulden/don sr. Creutzern / wann man auf Holland / Bra⸗ 
band oder Engeland wechſelt. 
Auf Gulden von 60. Creutzern / wann man auf Frauckreich / Hamburg 
und Italien wechſelt. 
Vielmahls wird auch auf Rthlr. in ſpecie oder courant Geld / und 
zwar za fo und fo Hiel procent Gewinn oder Verluſt gewechſelt. Cj- 
nige Rauffleute halten ihre Bucher in Reichs⸗Guͤlden / Ereuger und 
zu i er —— a Ei ef z 
YufKHolland und Braband 1. fi. von 55. Wechſel⸗Cre egenso, 
big 90. root Flaͤmiſch. mer geg 
Auf —— 70. bis 80. Wechfel-Ereuger gegen ı. Rthlr. bon so, 
Sols. 
Auf Samburgar. biöss. Wechfel-Ereuger/ vor 1. Thlr. von 32. $. 
Auf Benedig 72. bis 74. Wechfel-Ereugerbor:.Ducati di Banco, oder 
120, biß 124. fl. bon so, Wechſel⸗Creutzer vor 100. Ducati di Banco, 
Auf Nürnberg 97. bis 10a. Wechſel⸗Thaler vor 100. big 104. Rthlr. 
Auffeipzigos. bis os Rthlr. vorıoo. Rthlr. von 24. Grofhen. 
| — Ithlr. von 90. Creutzer Vor so. bis 100. Pohlniſche 
Groſchen. 
Auf Londen wird gewechſelt / über Amſterdam / Antwerpen und Ham⸗ 


burg. 
Auf Senf wechfelt man / wie auf Paris und Lion, 
Auf Eoͤlln / wie auf Amſterdam. 
Auf Wien und Augſpurg wie auf Ruͤrnberg. 


Die Wechſel Maͤntʒe in Courant · Muͤntze su 
reduciren, 
So thun 100, Thaler bon‘ 74. Wechfel-Erenger. 
nm. Bülden n. Creutzer von 65. Wechſel⸗Creutzer. 
123. fl. — 20. Ereuger bon so, Wechfel- Ereuger. 
100. Rthlr. 2447. Creutzer bon ↄ0. Ereuger courant. 
ıso. Gülden 2447. Creutzer don so. Creuher courant; 
100. Bülden bon sr. Wechſel⸗Creutzer thun 
os. Bilden 20. Creutzer bon 60, Wechfel-Ereußern, 
37, Thaler 62. Ereußer bon 74: Wechſel⸗Creutzern. 
u, 


Fra 475 


83. Rthlr. 6, Creutzer 343. Pfenning von so. Creutzer courant. 
132. Gülden 5. Creutzer 333. Pfenning von so. Creutzern cour. 
„ 100. Gülden von so. Wechſel⸗Creutzer thun 

92. Gülden 20. Creuger bon 5. Wechfel-Ereuger. 

81. Thaler 6. Creutzer bon 74. Wechfel-Ereuger. 
81. Rthlr. 2743 -Ereußer von go, Ereuger coyrant, 

aei. GBüldens7,: Creutzer von so. Creutzer cour. 

100. Bülden vonse. Creutzer courantthun 

7. Gulden 4. Ereuger von ss. Wechfel-Ereuger. 

sr. Bülden von so. Wechfel-Ereuger. 

66, Thaler 36. Creutzer bon 74. Wechfel-Ereuger, 

66. Rthlr. so. Ereuger von o0. Ereuger cour, 

: 100, Rthlr. bon 90. Creutzer courant thun 

13. Bülden z5. Ereutervonss. Wechfel-Ereuger. 

123. Bilden bon so. Wechfel-Ereuger. Es 

99. Ihaler 54. Creutzer von 74. WechfelsEreuger 

150. Bilden von so, Ereuter courant. 

Ä Solcher geftalt und nach obigen Calcul. thut 

1, Thaler bon 74. Wechſel⸗Creutzern 904°. Ereuger courant, 

. Bülden von ss. Mechfel-Creugern 70%,- Creuger courant, 
1. Gulden von so, Wechfel-Ereuger 7347. Creuter cour. 

1. Rthlr. vonso. Ereuger courant 73$. Wechſel⸗Creutzer. 
3, Gulden von so. Ereuger courant 495. Wechſel⸗Creutzer. 


Mask und Gericht in Frandfurt betreffend / ſo halten einige die 
Franckfurter Ellen gang gleich mit der Hamburger / alfo daß diefer 

ihre Redudtion mit andern Ellen⸗Maaß / auch ben der Frandfurter zu 
gebrauchen. Videhiebon ein Mehrers unter dem Wort Maaß und 
Gewichte. Es werden aher miehrentheils die Frangöftfen Manu - 
facturen nach den Parifer Stab) die Hollaͤndiſche aber nach der Bra⸗ 
bander Ellen in Franckfurt verkauft. . 


Franckfurt an der Oder inder Marddrandenburg gelegen, hat 
ebenfalls des Jahrs 3. conſiderable Meflen / ald die Reminifcere ; 
Margarethen und Martini Marck / zu welcher die Waaren / vermit⸗ 
telft des Oder⸗Strohms / und des aus der&pree indie Oder gemach⸗ 
ten neuen Grabens von vielen Orten her zu Waſſer Fönnen zugeführet 
werden/ fie wird mehrentheils befucht von Schleſtſchen und Maͤrcki⸗ 
fchen Tuch) und Leinwand⸗Haͤndlern / zu welchen (Ich Die Hamburger 
als Abkaͤuffer / wiewohl in geringer Anzahl einfinden / weil nicht 
ollein die Reuangelegte Berliner Märdte/ die Zrandfurter * | 
| ung | 


476 Fra 
lung ſehr dünne machen / ſondern auch die Wittſtacker und Rupiner 
mit ihren rohen Tuͤchern ſelber / ſehr biel nach Hamburg und Lü⸗ 
bed konnen / und das Geld dag fie daraus loͤſen / in allerhand Ge⸗ 
wuͤrt / Zucker / Leber / Thran / Butter und Fiſch-Waaren wieder 
anlegen ; Zwar findet ſich ein aroffer Schwarm, Polhnifcher Juden / 
— —— bon der Liſſa mit ihrer Lamm⸗Wolle und Federn / auf 
efagter Srandfurter Meſſe ein / allein von diefen Gefchmeif ift 
keine Real Handlung zugewarten / und beftehet ihr meifted Thun: 
in Barattiren ; eöbringen auch einige Leipziger Ranfl-Leut dahin ihre 
Geiden-Waaren / und zwey oder drey Nürnberger / ihre Ruͤr er 
Waaren / das übrige beſtehet in Berlinern / und ſonderlich daſe 
emachten Frantzoͤſiſchen Manulacturen bon feiner Stahl⸗Arbeii / 
reponen und Struͤmpffen. | I 
Die Muͤntz⸗Sorten ſeynd eben wie in Berlin / nemlich Reichsthalet 
und Groſchen / den Rei ler zu 24. Brofchen/und den Groſchen zu 
12. Pfenning gerechnet. 
Um Franckfurt herum hat es guten Wein Mache / fo Fonımen 
auch’ die Mandel» Bänıne dafelbft zur Zeitigung ; die Univerfität 
machet daß auch auffer Dieß-Zeiten ein ziemliches an Kram⸗Waaren 
eonfumigee wird. | 
Mas Frantz⸗ und Brandtmwein / Eiſen und Kupffer anbetrifft / darzu 
haben die Srandfurter gute Gelegenheit ihre Provifion aus den 
nechſtgelegenen Stettin permittelft des Ober» Strohms zu machen. 
Frangula, Alnus Nigra, Baccifera, Arbor fetida, $aul-Baun/ 
Zopfi- Kolb. u. | 
Frantzoßen⸗Holtz / Lignum Gvajacum vel Sandtum,ift Anfangs 
in der InſulSt. Dominigo gefunden worden / kommt bon einen hohen 
Baum / unfern Eich Baumen nicht viel ungleich. Man findet 
auch daſelbſt ein ander Gefchlecht dergleichen Holtzes / fo aber nicht fo 
ſchwartz an Kern / auch an Geſchmack bitterer und ſtaͤrckeres Geruch iſt / 
dahero man auch ſolches biel beſſer haͤltz es iſt aber das Frantzoſen⸗Holtz 
das ſchwerſte unter allen / und faft den Eben⸗Holtz zu vergleichen / wie 
fie dann aud) in Wachsthum Nachbarn feyn/faft wie das Agallochum 
oder Lignum Alocs and Lignum Rhodium , das mütelmäpige 
iſt das befte zur Artzeney / wird in groſſen Klotzen heraus bracht / i 
Hamburg wird es vielgerafpeltund aller Orten verkauft / wann es 
Refinös pasſiret ed fir gut wird bey 100, Pfund berfauflt/ die Rinde 
muß Refinös feyn/ und wird bey Pfund verthan. 


Frantzoͤſiſche Waaren / Marchandifes de France laſſen (ich 
füglic / in nothwendige und leichtentbehrliche eintheilen / unter je» 
ne zchlen wir das Galg/ Wein and Früchte / ſamt einigen Drogui- 
Reveyen und Farb⸗Waaren / welche ıhögefanst in. denen See-Gtit- 

" ten 


de 477 
ten groſſen Abgang finden / in Nothfallaber auch anderwerts her koͤn⸗ 
ten erfegetwerden ; hingegen feynd unnüge und mehrentheild vor 
T eutfchland Höchft ſchaͤdliche Waaren der Frangofen ihreGalanterien, 
durch welche ſie fonderlich in verwichenendeculo viel Millionen Gelds 
aus Teutſchland gezogen / und dafuͤr nichts als lumpichte Uppig⸗ 
keiten / und tr zerftörte Städte hinterlaffen; diefen beyden 
Ubeln ift einiger Maſſen Rath gefchafft / durd) den aus GOttes Bey» 
Rand denen hohen Sn. Allürten / in diefen abgewichenen Jahren wis 
der Franckreich verllehenen Siegen / und dur de antoͤſiſchen Re⸗ 
formations · Geiſt / welcher die Reformirten in Teutſchland getrieben / 
woſelbſt fie anjetzo die ſchoͤnſten Manuſacturen / an Gold / Suͤber / Sei⸗ 
de / Wolle / Stahl / Glas und Eiſen introduciret / und dadurch den Fran⸗ 
hoͤſiſchen Zoͤllen undCommereio einen unerſetzlichen Schaden gethan/ 
wie dann auch Teutſchland in ſich ſelbſt der andern Frantzoͤſiſchen Waa⸗ 
ren wohl entbehren konte / indem es Wein / Saltz / Pflaumen / Glas / Pa⸗ 
gier / Farb · Waaren / und dergleichen genug hat / oder doch leicht vom 
‚andern Orten bekommen kan / wann es nicht waͤre / um derSee⸗Staͤd⸗ 
te holber / als die ſich wegen ihrer groſſen Schiffarth / und denen nach 
Franckreich damit tranſportirenden Waaren da immer einCgmmer- 
eium den andern die Hand bietet / leichter und wohlfeiler aus Krand- 
zeich / ald aus Teutfchland ſelbſt / da alles zur Achs und durch ſchwe⸗ 
re Zolle paſſiren muß / provedivenfönnen / es feynd aber Die Maa⸗ 
zen welche aus denen Teutſchen See-Städten nach Frandreich ger 
ben / vornemlich Holtz ⸗Waaren / als Maften/ Bretter/ Klap⸗Holtz / 

‚Amidom, Lein⸗Saat / etwas Korn / Stahl / Blech / Meßing Drat 
Theer / Flachs / Hempff / und dergleichen / dafur kommen wieder zurüd 
allerhand Art Weine / Brandtwein / Syrop / Pflaumen / Saltz / Glas / 
Papier / Nuß⸗Baͤume / Plancken oder Bretter/ vielerley Farb ⸗ Waa⸗ 
ren / Eßig / ſeidene und wollene Stoffen Qyingvaillerie oder Heine 
Eiſen⸗Waaren / item von den Waaren / welche die Frantzoſen aus der 
nen in America ihnen zukommenden Plaͤhen bringen. | 
Diegröfte Schiffarth aus der Oft-und Nord» See geſchicht / nach 
Bourdeaux, fonderlich um Wein / Eßig und Brandtwein / Papier / Sy⸗ 
rop / Pflaumen und Glas zu holen / item nach Rouen, Morlaix, wo- 
felbft viel Lein-Saat fo aus der Oſt⸗See kommt abgefest wird / nach 
Nantes,Rochelle,S, Malo &c, An der Mittlaͤndiſchen See hat Franck⸗ 
reich den berühmten See-Haben Marfeille, allwo ein grofler Kane 
del nach Smirna, Aleppo , Alexandria, Conftantinopel , Algier, 
nach den Inſulen des Archipelagi , den Venctianifdhen Gelffo, 
und Barbarien, &c. getrieben wird ; binnen Landes hat Franckreich 
die Haupt⸗ Stadt Pariß / Lyon, Tours, &c. welche Städte viel 
feidene und wollene Manufadtureg quögeben. Lyon ein aufle 
: j * t 2 


478 Sea _ 

Wechſel⸗Platz / und faſt der Mittel-Ort zwifchen Italien und Franck⸗ 
reich celebriret jährlich 4. groſſe Meſſen / davon die erſte genennet wird 
La foire des Trois Roys oder ders. Koͤnigs⸗Marck / und ſich anfängt 
des Montags nach Heil. drey König / die andere heift La foire des 


‚Paqves, oder der Ofter Marck / und fängt an im Aprill auf St. Ni- 


fiers Tag / die 3. wird genannt ha foire d’ Aouft, Auguſti Marck / 
fängt an auf St. Dominici Zag / unddie4. La foire des Tous Saints 
Allerheiligen Marck / welcher fi anhebt an St. Huberts Tag. 


‚Die übrigenStädte in Franckreich haben auch ihre privilegirte Jahre 
Maͤrckte / fonderlic) ift La foıre de Baucaire in Provence, und La 
‚forte de St, Germain in Paris berühmt / die in Franckreich gangbare 


Ming-GSorten/und zwar erſtlich die Guͤldne ſeynd 


Die Louis d’or diefe galten vor dieſen ı1. Pfund / Livres oder Frau⸗ 


den/ jekund aber 14. Sranden, 
Des Lys galten 7. Livres, 
Des EcusSöl gelten s.Svande14.Sols, jetzt aber werden dieſe 2. lettere 

Sorten nicht mehr geſehen / weil man fie alle hat in die Muͤntz brin⸗ 
‘  gen/und Louys d’or daraus muͤſſen machen laſſen. 1J 
Silberne Muͤntzen ſeynd die ouys Thaler / welche vor dieſen3. Fran⸗ 

cken / nunmehr aber 3 Francken und ız, Solstournois gelten. 
Die halben ouys Thaler galten vor diefen:. Francken io. jJ. nun aber 
. Francken 16. Sols. | 
Die Pieces oder Reaux gelten r. nun s. Solsoder Franhoͤſiſche Schil⸗ 
ling / eben wie auch diess. Schilling Stuͤcke jeht vier gelte. 


Muͤntzʒen von fchlechtern Moy, vornemlich aber von Kupffer feynd 


. bieSols Margves, melde vor diefen iz. jet 15. Deniers gelten/ item 


die Füpfferne Deniers, von welchen ı2. einen Solsoder Schilling ma» 
chen. Anden Rand der neuen Louys d’or, fiehet man einen Eraufen 
Rand / an den Thalern und halben Thalern aber Buchſtaben / um zu 
verhindern daß ſolche nicht beſchnitten werden / indeſſen iſt derglei⸗ 
chen Abzeichen an den alten Muͤntzen nicht / weil damahls dad Geld 
nicht ſo Scarsgemefen als es jetzund ift/und dannenhero weniger Rach⸗ 
ſtellung ſich zu befürchten gehabt; auffer obigen Franhoͤſiſchen Muͤnhen / 

gelten auch noch Ausländifche in Franckreich / wiewohi nach Propor- 
vionder Erhöhung oder Verringerung obbefagter Specierum, ° : 
Alle die Handels⸗Buͤcher in Franckreich werden in Livres Sols & 
Deniers gehalten / die groͤſte Wechſel⸗Plaͤhe daſelbſt nen Parısund 
Lyon,in diefen legkeren Ort treten / anden oberzehlten Meſſen / oder 4. 
groffen Jahr⸗Maͤrcken / die Mechfel- Zahlungen oder Zahl-Tag fole - 
ender geftaltein/ ald im z, Koͤnigs · Marck / den ı. Marti, im Offers 
are den ı Juni, im Iuguſt⸗Martk den 1,Scptembr. im AUlreie Ki 

| ee). 





\ Fra 479 


Marck den Norember. und endigen ſich allezeit den lehten Tag def» 


feiben Monats. Die Wechſel⸗Cours in Franckreich reguliven ſich 


emeiniglich nach den Amſterdamiſchen / Antwerpen und Londiſchen / 
bigegen gibt Lyon den Coursandie Italiäniſche Wechſel; heutige 
ags da fo ſchlecht Geld in Franckreich regieret/ Die Commercia das 


hin fchlecht/ odergar verboten feyn / und der Geld-Mangel groß iſt / 


sur Wechſel überaus gefallen / alſo daß wer zum Exempel z6. 
chilüng Luͤbiſch oder noch weit weniger in Hamburg in Banco gege · 
ben / in Srandreich einen vollen Thaler zu so. Sols zu empfangen ge> 
habt / da doch fonft der Pari 48. Schilling Läbifh if. 

Maaß und Gewicht in Franckreich belangende / fo findet man den 
diefen besten dreyerley/mit welchenalle Waaren in Franckreich aus» 
gewogen werben/ald Poids deMarc, Poidsde Table , und Poidsde ia 
Romaine unter Poids de Table, (weil das Marck⸗Gewicht fhon an⸗ 


derwerts zur Benäge befchrieben/) verftehet man dasjenige / deflen 


wan ſich in unterfchtedlichen Provincien des Konigreichs / als inPro- 








vence und ober und nieder Lanqvedoc gebraucht / und welches von 


dem Marck⸗Gewicht / ıs. 20. big z5. pro Centum nach Gelegenheit 
der Derter differiret daß es nemlich leichter iſt nicht eben darum 
als wann die Pfund nicht 16. Ungen hielten/ gleich den Poidsde marc, 
fondern weil folche Ungen leichter als die Poids de marc Ungen feynd/ 
: und 16. Untzen Poidsde Table nur 14. Untzen Poids de Marc ausma⸗- 
chen; es iſt auch ein Unterſcheid unter dem Gewicht bon Provence 
und dem von Marfeille, Tolofe und andern Städten des obern Lan- 
gvedocs als welche bon einander s. Pfund und eglihe Untzen auf 
- 300. differiren/ dann 100, PfundPoidsde Tolofe machen zu Marfeille 


105. Pfund 4. Untzen / und ı00. Pfund zu Marfeille thun nur 93. 
Pfund zu Touloufe, fo ift aud) das Marfeillanifhe Gewicht dem zu 
Rochelle gantz ungleich/ ob wohl es einige Authores vor Egal ausge⸗ 
> geben / da es doch 73. bis 24. pro Centum gegen einander differiret/ 
was man in Franckreich Qyintal nennet / darunter verfteht man ei⸗ 
nen Eentner von 104. Pfund / den halben zusz. das Viertel zu 26. und 
das halbe Viertel zu 13. mas unter diefen ift/wird mit den Ordinaire 
oder auch mitdemZaffel- Gewicht gewogen; an eglichen Orten wird 
unter den 100. Pfund Gewicht und den Quintal ein Unterfcheid ge= 
macht / dannenhero Kaͤuffer und Berkäuffer (ich wohl vorhero explici- 
ven müffen/ was jie bey ihren Kandel dor ein Gewicht verftehen / im 
Languedoc wird daß ı. Pfund fd man uber den Qyintal, welcher 104, 
Pfundift/gut Gewicht giebt/ Cazude oder gut Gewicht genannt. 
Su Lion hat man zweyerley Gewicht ald das Stadt⸗Gewicht / welches 
14. Untzen Poidsde Marc wiegt / and dann ein Geiden Gewicht / wel⸗ 
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chesi. Untzen haͤlt Zu Kouen hat man auch zweyerley Arc Sewich/ 
Pfund Pari. 


. eynd bonsz. 26. und 1. mas darunter iſt wird mit Poids de Mare 


ewogen / weil des Poids de Vicomt£ nicht unter 1; Pfund gehet. Die 
itte Art von Gewicht deffen man (ich in Franckreich ae iſt de 

la Romaine, oder von derSchnel-Maag/weices man leicht bon einen 
Ort zum andern bringen, und Damit bermittelft des adens 
daran iſt / und an weichen man die Waaren hänget/allevhand Waͤa⸗ 
sen gar leichtlich waͤgen Fan / man gedraucht ſich deffen fonderlich viel 
in Languedoc aber nicht piel anderwärts. | 
Pas die fernere Bergleihung des Frantzoͤſtſchen Gewichts mit dem 
Gewicht anderer EuropdifchenZandeld-Stäpte ſey / ſolches iſt aug Der 
Tabellunter dem Wort Maaß und Gewicht äuerfehen / wegen Des 
Marfeillifchen Gewichts ift diefes Orts nur noch anzuführen/das be. 
funden worden / daß ızo, Pfund in Marfeilleıoo, Pfund in Samburg 
‚thun/ item 7, Millerolles geben eine Pipe Del / und 2$, Millerolles 
werden vor Die Laſt gerechnet /. Carga iſt in Marſeiſe 300. Pfund/r, 
“Quimalıoo. Pfund thutin Hamburg se. Pfund, 173. Carga Weitzen 
iſt in Damburg einexaft. Nach der Marfeilliänifeye Carga oderCharge 
"werden daſelbſt die Gall⸗Aepffel bon Aleppo, item dfe Seiden/ das 
Baunımwollne Garn und andre Waarenverkaufft/ und zwar zufo und 
ſo viel Reichöthaler pr.Carga. Zur Rachricht diene auch daß s;. Pfund 
AMarſleilliſch Gewicht / 100. PfundL ivornifch mache, 
Wegen der Ellen · Maaß in Fanckreich und deren Redudion gegen 
anderer Länder Ellen-Maapi/ iſt ebenfalls Bericht aus der Tabell eine 
aubolen; nur dieſes Orts bon den Provencifcpen und Sieber» und 
Hoch⸗Langue dockiſchen Canen noch zu melden / dag die ersten ons, 
Pamsund Empams, welche 6. Daumen und 2. Lignes, pie de France 


oder 856. Lignes bemeldten Zuffes haben / beftchen/ alfo daß man be> 


meldte Cane hör 23. Amſterdamer Ellen oder ein wenig geriuger/ 
und die Amſterdamer auf ?. Oone ſchaͤtt / oder ein wenig mehr / und 
machen alſo . Canes sa J. Ansflerdamer /oder 100. Canes von Mar- 
Teille und Montpellier 335, Aniſterdamer Ellen ; Hingegen diefer 100. 
aut 3,.MarfeillifheCanen, Diefer Canen eine machet auch in Lyon 
13. Ellen / oder 2,3. Vergesde Londres, item ı0, Canen 1713. Genfer 
Clen/ 3. Canen.aber 5. Pariſer Ellen und einwenigmehr. DieCa- 
nes bon Avignon und Nimes feynd eines Daumens breitfürger / er 

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N — — * _ — — 


| Fra 481 
A die Marſeilſiſchen und bon Montpellier, "Die Canes de Toloſe, wel 
3. da ches eine Stadt in Hoch-Languedoc ift / item bon Alby und Caflres 
ben du A d —— a A bop Montauban und Agen it Ober-Guien- 
su ne, beftehen aud) auss. Pams oder Empams, die aber kurher ſeynd / als 
sd Die —— an Daunien/ 6. Lignes oder sc, Lignes. nad) 
m ba dem Franutzoͤſiſchen Fuß gevechnet/ und iſt ihre gange Länger. Picz ı6, 
66) Daumens. Lignen, oder zu Lignes gerechnet 800, welche machen 2*. 
Dre Anfterdamer Ellen / und 2 se Amfterdamer $. Cane , daß 
ce sman alfo aufdiefen Fuß vechnen Fan 100. Amfterdamer Een / thun 


dr 8973. Canesde Tolofe, oder einwenig mehr /und 100. Canes de To- 


5 Tofe thun 2663. Ellen Amſterdamer oder ein wenig mehr; es macht 
ei bemeldte Cane anderthalb Parifer Stab / undalfo;. Parifer 
Staͤb 2. Canen. 
sin Wegen der Pariſer Ellen befiche die Reduztions-Tabelz, gemeiniglich 
at aber thun oo. Amſterdamer sry. Parifer/ und 100. Parifer ı75. Hole 
‚ar  Sändifhe Een snac dem Frantzoͤſtſchen Maa hält der Parifer Stab 
nk 3. Picz7. Daumen / obersıs. Lignes; Man vechnet auch 4. Parifer 
””  Ellengegen 7. Hollaͤndiſche / oder 1. Hollaͤndiſche gegen $. Parifer / 
Fwem:. Pariſer gegen id Amflerdamer. \ : 
n Die Lioner Elle ift um. procentfürger/ als die Pariſer / die Rote- 
‘ner aber gleich / suigleiben auch die zu Bourdeaux, Rochelle und 
Nantes, die zu Troye in Champagne hat nur zwey drittel Stab / und 
y. Pariſer Stab ift anderthalb Ellen Troye, gegen derBrabandifchen 
Ellen verhält ſich die Parifer aldı, gegen ı3- und thun alſo 100. Paris 
fer Stäb 1653. Antwerper Ellen / oder i0o, Antweryer thun so. Pa⸗ 
riſer Stäbe / oder mie etliche noch genauer ausrechnen / so43. wofür 
ber/ um die Brüche zu vermeiden / lieber so. genommen wird. 
& Ligviden Waaren / fonderlich in Wein / findet ſich / daß das Muid 
zu Paris don 150. Martenoder 300. Pintes Wein⸗Hefen zuſammen 
‚gerechnet / oder dieſe letztere abgezogen bon eso. Pintes Klinck ſchon 
iſt. Gedachtes Muid haͤlt in Paris 36, Setiers, bieſes 4. Ovart/ x 
Quart 2. Pintes / i. Pinte 2, Chopines.t.Chopine 2,hafbe Setiers, und 
das halbe Setier z. Poiffons,3, Muids werden auf i. Faß gerechnet / ſon⸗ 
ſten aber auch wird das Pariſer Muid eingetheilet in Pipes, Poineon⸗ 
oder Qrarteaux, in Qyeücs und halbe Queües, eitt Pariſer Poincon, 
und ein Drleaner/tvelchegleich feynd / halten ıs. Anfterdamer Ste: 
ckan / und follen fanıt den Holtz ohnegefeht ses. Pfund wiegen. 
In Provence sählet man bey Millerolles, und wiegt das Toufonifche 
130. Pfund / in ſich Haltende os. Pariſer Pintes / welches etwan 100. 
Auſter danier Pintes ausmachen — j h us 


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4 See 
In Languedoc hält das Muidıg, Setiers, und ein Setier ze. Potsoder 


“ Peches. thut alfo das Muids7s. Pots oder Peches, oder zu Amſterdam 


⁊— 


. Steckan / nach welcher Ausrechnung der Pot oderPeche hon Lang 
uedoe weniger ift/ al ein Amfterdamer —— 
der Korn Maaß iſt in Franckreich folgender Differeng :— 
3. Muid, welches der bornehmſten Korn-Maaf ihr Rahm durch gang 
Franckreich iſt / hatız. Setiers, 1. Setier ı2. Boiſſeaux, auffer den 
Boiffau hatman auch noch Heinere Maaſſen / als halbe boiflau, la 
qyarte, le litron, welches is. Cubiſche Daumen haͤlt. 
Das seuer guten Wäipen ſoll wägen 244. bis 248. Pfund. 
Das Setier Haber wird in Paris abgetheilet in s4. boiffau , ob wol 
das Muidhicht mehraldız.Setiershält. ° | 


. Daß nomeau Haber theilt (ich in 4 picotins, dieſes in 2. halbe Dvart/ 


dos halbe Qvart in 2. litrons und folglich das picotinin 4. litrons. 


"39, PariferSetiers machen eine AmfterdamerLaft/und ss. Bourdeauxi- 


Boiflaux, 

FA Herr bon Rouan hält 12. Setiers, welches 14. Mefuresbon Paris 
machen ; es wigt 3360. Tb. und haͤlt es. Bourdeauxifche Boillaux,4. 
Rouaner Muid'thun 3. Laft in Amſterdam. 

Das Setier Rocken wiegt 230. Ib. Nouaner Gewicht / und wird ger 
theilt in 2. Mines, 1. Minein4.Boiffeaux, 

Das Muid von Orleans wieget 600, {b. hältız. Mines oder drittehalb 
Setiers Parifer/ oder s. boifleaux Bourdeauxifche Maaß. 

DieLioner Korn-Maafi heißt Aſnee, theilt ſich ins. Bichers oder beil- 
faux ‚welche 13. Parifer Setier, und 23. Bourdeauxifche boiflaux 


- machen. 

8, boiflaux bon Rouan than ı. Setier zu Paris / unda. boiffcaux zu 
BourdeauX, Sa | 

Die Alnce von Mason thutı3. Parifer Setiers, undzj · boiffcaux de 
Bourdeaux, 

s.Boiffaux d’ Avignon machen 3. Setiers de Paris und 6. boiflaux de 

. Bourdeaux, | 

Dad Setier ponMontpellier hält z. Emines, die Emine 2. Qbarten / und 
wiegt i. Setier so. bißss. Tb. Gewicht bon Montpellier, welde 75. 

bis 80. Th. poids de Marc machen / daß alfo 100. Setiers fd diel. 
feynd als f, Laſt und 22. Muddes zu Amfterdam. 

DaB Setier de Catres beftehet aus 2. Eminen, das Emine aus 4. Me 
geren, und die Megére hat 4. boiſſeaux. Diefed Caſtriſche Setier 
wieget etwan 200. EaftrifheTb. oder i70. Mard Gewicht / nad) 

“welchen 100, EaftrifcheSctiers 4. Laſt Amfterdamer Maaß thun. 

Das boiſſau Yon Bourdeaux theilt ſich in AA · undin so and ı mug 

| Ä gen 





/ 


I 8ra. 483 
mägen 122.619 124.15. poidsdemarc, mann anders da6 Korn gut 

iſt / alfo thun z. boiſſaux de Bourdcaux 1, Setier de Paris, oder 38, 
boifl,19.Setier, oderaud ein Amfterdamer Laſt. 

Das Setier bon Abbeville beftehet in 16. boiffau , dabon 4. eine Mine 
machen / unds. Setiers machen s. Parifer Maaß / daß ſie alſo hier⸗ 
inn ein ander gleid) feynd. | e 

Das Setier von Amiens wiegtso. biß s2, Tb.und theilt fich in 4. pi- 
eqvets, und ſeynd alfos.Setiers hon bemeldter Stadt ungefehe 
gleich mit denSetierdon Parid. — 

DaB Setier von Boulogne imBoulognoifffchen wiegt 270. TB. und e. 
Setiers bon bemeldten Ort machen s. Mefureszu Paris. 

Das Setier don Calais wiegt 260. Tb. und ız, machen 3. zu Paris, 

Das Setier bon Valeri wird den Parifer gleichgehalten. 

18. Mines von Dieppe 

3%. Boiffeaux Yon Havre de Grace’ 

14. Boiflfau d’ Amboife da$ boiffau ʒu 17. TB, 

1. Boiffau de Saumur - 

14.Boiflau de Tours 

20, Boiffaux de Blois 

$. Boiſſaux d’ Aubterre 

sg. Boiſſaux de Barbefieux. 

5. Boiflaux dePerigueux 

Das Setier zu Arles wiegt 53. Tb. Marck Gericht / und rechnet man 
die Charge auf 360. TB Parifer Gewicht. | 

Die Maaß don Baucaire , die man Charge nennt / iſt ſtaͤrcker um a; 
pro cent als die Arlefifche. | 

Die Charge bon Marfeillen hält 4. Emines , ein Emine 8, Sivadieres, 
und wird Die Charge auf3oo. TB. . Gewicht gerechnet / 
welche 243. Tb. Mard Gewicht / undıoo. Th. dieſes Marcks Ges 
wicht 1233, Gewicht zu Marfeille thun. 

Die Charge don St Gilles iſt um 20. procent gröffer ald die Arliſche; 
hingegen iſt die Charga zu Tarafcon um 2, procent ſchlechter. 

Die Charga zu Toulon hat 3. Toulonifche Setiers, und daß Sctier ans 
derthalb Emine, deren drey 2. Parifer Setiers machen oder man 
rechnet auch wol / daß das boiſſau wiege zi. Pfund / und daß 72. 
koillaux 1, Parifer Setier machen: Er 

| f Auray in Bretaignewiegt 2200, Tb, 
Die Tonne Korn zu L’audiane — — — 2j00. 1b. 
Brett 2 — — 2:40,16, 


deren jedes beftehet aus zo. boilfaux, dabon einer no, big riä,TE, 
wiegt, a 
en Sb SE, 


Lthun r. Setier 
zu Paris. 


7 1.5 SEE Fte——— 
353. Boiflaux Hanff-Saamen/Mefure de Morlaix bringen zu Rotter» 
- damı.Raftır.Sacs , und gehen 20. Sad aufdie Laft / daß alſo das 
Boiffan zu Morlaix ein wenig geringer als der Notterdamifche 
| wo 833. boiffaux müͤſſen zu Rotterdam ausliefern ans 
‚dert aſt. 
Le tonneau de Hennebon, de Port Louys, de qvinpercorentin wiege 
„ 2950. Pfund/ und if ſtaͤrcker als das Nantifche um 35, procentum. * 
Die Tonneau de Nantes Hält i0. Setiers, dag Setier 16, Boiflaux ‚ und 
‚ wiegt die Tennau 2200. his 1250. Pfund/ wann die Maaß aufges 
J —8 Sie iſt auch mit ı8. big 20. procent flürdfer/ als la mc- 
fure radeẽ und um ein Here als das Muid von Paris, 
Le Tonneaude Rennes wiegt 2400. {B.und iſt ſtarcker als das Nanti⸗ 
ſche umıo, bißır. pro C. dasbon St.Malo iſt bon derfelbenC apdcite. 
Le Tonneau de St, Brietix wiegt 2600. Pfund/ und ift Rärdferals dag 
Nantiſche um 18. procent. | 
Le Tonneau de laRochelleund Marans hält 42. boilfaux, welche eine 
Laſt thun / und wiegt 2. pro cent. weniger ald das Rantifche. 


Die Coursder Wechſel in Franckreich / wie ſolche in den ungewiſſen 
Steigen und Fallen ich herhalten / ſeynd als folget· Nemlich / es gibt 
Franckreich als einen beſtaͤndigen Preis auf Holland / Braband / Flan⸗ 
dern und Seeland einen Frangöfifhen Reichsthlr um wieder dage⸗ 
en so. biö 100. Groot Flaͤmiſch (nachdem der Wechſel fleigt oder . 
ilt / zu empfaͤngen. 
uf Eugeland gibt es. Rthlr. bor 45. bis so. Pfenning Sterlinggß. 
— i. Rthlr. vor 36. 40, bi 48.8. Lubſch. B 
— Srandfyrt.Rthir. vor 70, bis so. Wechfel-Ereuger. 
Ruͤruherg 1. Rthlr. dor ss. bi8 96. Creutzer courant. 
— St. Ballen 1. Rthlr. vor 90. bis 100, Creutzer cour. 
— Gpunien ı. Rthle, tor 270, his zoo. Maravedis, 
— Portugalı, Rthlr. bor soo. his 750. Rees. 
SGenua 200,2240, Rthlr. hör soo, Kthlr.de Marc, 
— Milano ı, Kthlr. por 90. biß rs. Soldi imperiaux. 
"Zu Bulogne 1. Rthlr. vor 70. bis 90, Soldi ou Bulognis. 
Venedig 100, Rthlr. vorso, big 105. Ducat di Banco. 
am Neapolis soo. Rthlr. vor 90. his 420. Ducat yon 10, Carline.. 
— Rom ıoo.Rthir, vor so. bis 80. Rthlr. d' etempe. 
= Florenz i00. Rthlr. por 70. his 0. Rthlr. bon >}. Lires. 
— Lugves 100. Kthlr. vor so, bis os. Rthlr. bon>z- Lires. 
— Livatrieioo,Rehr,borso. his 100. Piaftrcs ‚von 6. Lires, 


Unges 


Bra” 485 
Ungewiſſe Wechfel-Preife gibt Franckreich vor gewiſſe⸗ 
Auf Hamburg io⸗. bis 114. Rthlr. Vor 100. Rthlr. von 48. ß. Lübſch. 
— Srandfurtoe. bis 1os. Rthlr. vor 100. Rthlr. don 90. Creuher. 
— Nürnberg m. bis 104. Rthlr. bor 100. Rihlr. von so. Cpeutzers. 
— Nove 180, bis 190. Rthlr. vor 100. Ecus.de Marc, 
— Spanien 102. biß ros. Louis d' Or vor 100, Piftolen d’ Eipagne. 
— Kom 90. bis 93. Louis d' Or hor too. hiſtolen d' Italien. 
— Livorne 62.biöss. Solsbor i.biaſtre hon 1zo. Sold. 
— Genua 62.bi ss. Solsporr. Piaftrebontoo. Soldir 
— Geneveioo, bidros. Kthle. dor 100. Rthlr bon Geneve, | 
Den übrigen Handel der Frantzoſen auf diverfe Reich und Fänd 
des Erdbodens / ſowol zu Land als Waſſer betreffend / fo beützet Franck⸗ 
reich in America einige conſiderable Inſuln und Länder / als Nova 
Francia, Acadia, und uͤber Florida das neue Land Louiſiana, den id» 
ſten Theil der Inſul Terraneuf, wie auch die Inſuln Anti-Cofli und 
St. Jean, von denen Inſuln Barlovento: Anguilla, Martiniqve , St, 
Bartolmy,St.Croix, Guadaloupe ‚ St.Lucie; Bey Africa. auf der 
Inſul Madagafcar le Fort Dauphin, und die etnfal Haurben: Aus 
welchen allen es Zucker / Toback / Indigo, roh Leder und einige Dro⸗ 
guiſtereyen ziehet, Bey Terra-neuf wird der Cabliau gefaugen / und 
zwar in ſo groſſer Menge / daß / wie Maillet ſchreibet / jahrlid) zse, 
Sschiff voll beladen nach Frandreich geführet werden. In Oſt⸗In⸗ 
dien ift wenig vor die Frantzoſen zu thun / ohne was ſie auf der Inſul 
Madagafcarnohhaben. Hingegen iſt ihr Handel nach der Levan 
bon Marſeillen aus fo viel ſtärcer. Nach Moſcow treiben Ile, auch 
etwas Handlung / und zwar über Archangel zur gewöhnlichen hr» 
Marcks⸗Zeit / dieintSeptembr.ift. Es befahren auch ihre chiffe 
bey Friedens · Zeiten die Oſt · See / wiewol in geringer Anzahl / die der 
Engelãnder und Holländer ihren bey weiten nicht gleich kemmt/ da 
doch diefe legtere viele Wagren / die ſie nach der OR-Seeführen/ erſt 
aus Franckreich holen muͤſſen / ald dafeyıd Saltz / Wein/ Brannt⸗ 
wein/ Glas / Papier / Eßig / Syropund dergleichen, und glelchwol 
konnen fie mit folchen Handel beffer als die Franhoſen ſelbſt vifout= 
men; wovon einige folgende Rationes geben wollen / nemlich / weil. die 
Holländer eine groſſe Anzahl Schiffe / die Frantzoſen Hingegen wenig 
ben; weil auch der Hollaͤnder Schiffe um das vierte Ekllgerins 
er als der Franhoſen ihre kommen / Inden ſie das Holg unhdie Ar 
eitermohlteilerhaben: weil auc ver Holländer Bootö-teufe.inder _ 
SHif-Zahrt erfahrner als die Frantzoſen feyn; jenen auch ihre Aus⸗ 
ruͤſtung nicht fo viel koſtet / fondern mann ein — Mann 
faͤhret / muß ein Frantzoß ı2. haben; Die we nder behelffen ſich Mn | 
i . .s 3 nay 


,)... SENHEFPEBENE- BERNER 
Wechſel⸗Platz / und faſt der Mittel-Ort zwifchen Italien und Franck⸗ 
veich celebriret jährlich 4. groſſe Meffen/davon die erfte genennet wird 
La foire des Trois Roysoder der. Koͤnigs⸗Marck / und ſich anfängt 
des Montags nach Zeil. drey König / die andere heift La foire des 
Paqves, oder der Oſter Marck / und fängt an im Aprill auf St. M- 
fiers Tag / die 3. wird genannt ha foire d’ Aouft, Augufti Marck / 
fängt an aufSt. Dominici Tag / und die 4. La foire des Tous Saints 
Allerheiligen Marck / welcher ih anhebt an St. Huberts Tag. 
Die übrigenStädte in Franckreich haben auch ihre privilegirte Jahr⸗ 
Maͤrckte / ſonderlich ift La foıre de Baucaire in Provence, und La 
‚foire de St. Germain in Paris berühmt / die in Franckreich gangbare 
Muͤntz ⸗Sorten / und zwar erftlich die Guͤldne feynd. | 
Die Louis d’or diefe galten vor dieſen u. Pfund / Livresoder Frau⸗ 
cken / jetzund aber 14. Francken. | 
Des Lys galten 7. Livres, Pu, 
DesEcusSöl gelten s.rande 14,Sols, jegt aber werden dieſe 2. lehtere 
Sorten nicht mehrgefehen/ weilman fie alle hat in die Muͤntz brin⸗ 
‘ gen/and Louys d'or daraus muͤſſen machen laſſen. 1J 
Silberne Muͤntzen ſeynd die Louys Thaler / welche vor dieſen 3. Fran⸗ 
chken / nunmehr aber 3 Francken und i2. Sols tournois gelten. 
DiehalbenLouys Thaler galten vor diefen ı. Francken io. j. nun abet 
. 1. Francken 16. Sols. | 
Die Pieces oder Reaux gelten s. nun. Sols ober Frangöfiihe Schil⸗ 
ling/ eben wie aud) die zz Schilling Stüde jest vier gelten. 
Mönsen bon ſchlechtern Aloy , vornemlich aber von Kupffer feynd 
die Sols Margves, welche vor diefen 12. jeht ı5. Deniers gelten/ item 
die Fupfferne Deniers, Yon welchen ı2. einen Solsoder Schilling mas 
chen. Anden Rand der neuen Louys d’or, ſiehet man einen krauſen 
Rand / an den Ihalern und halben Thalern aber Buchſtaben / um zu 
verhindern daß ſolche nicht beſchnitten werden / indeſſen iſt derglei⸗ 
chen Abzeichen an den alten Muͤntzen nicht / weil damahls das Geld 
nicht fo dcars geweſen als es jetzund iſt / und dannenhero weniger Rach⸗ 
ftellung ſich zu befürchten gehabt; auſſer obigen Frantoͤſiſchen Muͤntzen / 
gelten auch noch Ausländifche in Franckreich / wiewohl nad) Propor- 
tionder Erhoͤhung oder Verringerung obbeſagter Specierum. 
Alle die Handels⸗Buͤcher in Franckreich werden in Livres Sols & 
Deniers gehalten / die groͤſte Wechſel⸗Plaͤtze daſelbſt ſeynd Parisund 
Lyon in dieſen leßteren Ort treten / anden oberzehlten Meſſen / oder 4. 
groſſen Jahr⸗Maͤrcken / die Wechſel⸗Zahlungen oder Zahl-Tag fol⸗ 
par geftaltein/ als im z. Koͤnigs · Marck / den :. Marti, im Oſter⸗ 
- Mare den ı Juni, im Yuguft:Mavıf den 1.,6cptembr. Im AUlrrort at 
ee). 


— — — — = — 


009 

Marck den. November, und endigen ſich allezeit den letzten Tag deſ⸗ 
felben Monats. Die Wechſel⸗Cours in Franckreich reguliven (id). 
emieiniglich nach den Amſterdamiſchen / Antwerpen und Londifchen/ 
bigegen ibt Lyon den Cours an die Gtaliänifche Wechſel; heutige 
ags da fo ſchlecht Geld in Franckreich vegieret/ die Commercia das 
hin fchlecht/ odergar verboten feyn / und der Geld-Mangel groß iſt / 
ift auch. dev Wechſel überaus gefallen / alfo daß wer zum Exempel ;s, 
Schilüng Luͤbiſch oder nod) weit weniger in Yamburg in Banco gege» 
ben / in Franckreich einen vollen Thaler zu so. Sols zu empfangen ge> 

habt / da doch fonft der Pari 48. Schilling Luͤbiſch iſ. 
Maaß und Gewicht in Franckreich belangende / fo findet man ben 
diefen behtern dreyerley / mit welchen alle Waaren in Franckreich aus» 
gewogen werden / als Poids deMare, Poidsde Table, und Poidsdela 
Romaine unter Poidsde Table, ( weil dad Marck⸗Gewicht ſchon an» 
derwerts zur Genuͤge beſchrieben /) verſtehet man dasienige/ deſſen 
wan ſich in unterſchiedlichen Provincien des Koͤnigreichs / als inPro- 
vence und ober und nieder Lanqvedoc gebraucht / und welches von - 
dem Marck⸗Gewicht / ıs. 20. bis 25. pro Centum nach Gelegenheit 
der Derter differiret daß ed nemlich leichter iſt nicht eben darum 
ald wann die Pfund nicht 16. Ungen hielten/ gleich den Poidsde marc, 
fondern weil ſolche Ungen leichter alö die Poids de marc Ungen feynd/ 
: und 16. Untzen Poidsde Table nur 14. Ungen Poids de Marc ausma⸗ 
chen; es iſt auch ein Unterſcheid unter dem Gewicht bon Provence 
und dem von Marſeille, Toloſe und andern Städten des obern Lan- 
gvedocs als welche bon einander s. Pfund und etzliche Untzen auf 
- 100. differiren/ dann 100. PfundPoidsde Tolofe machen zu Marfeille 
105. Pfund 4. Untzen / und 100. Pfund zu Marfeille thun nur sr3+ 
fund zu Touloufe, foift auch das Marfeillanifde Gewicht den zu 
Rochelle gang ungleich/ ob wohl es einige Authores vor Egal ausge⸗ 
geben / da es doch 73. bis 24. pro Centum gegen einander differivet/ 
was man in Franckreich Qyintal nennet / Darunter verſteht man ei⸗ 
nen Eentner bon 104. Pfund / den halben zusz. das Viertel zu 26. und 
das halbe Viertel zu 1. mas unter dieſen ift/wird mit dem Ordinaire 
oder auch mit dem Zaffel- Gewicht gewogen; an eglichen Orten wird 
unter den 100. Pfund Gewicht und den Qyinral ein Unterſcheid ge⸗ 
macht / dannenhero Kaͤuffer und Verkaͤuffer — vorhero explici- 
ren muͤſſen / was ſie bey ihren Handel vor ein Gewicht verſtehen / in 
Languedoc wird das . Pfund fo man uber den Qyintal, welcher 104. 
Pfund ift/gut Gewicht giebt Cazude oder gut Gewicht genannt. 
Su Lion hat man zweyerley Gewicht ald das Stadt⸗Gewicht / welches 
14. Untzen Poidsde Marc wiegt/ and dann ein Geiden Gewicht / wel⸗ 
> - ‚des 
7 | 7 


! 
489 | Fra 
ches ix. Untzen hält. Zu Rouen hat man auch zweyerley Art Gewicht/ 


als Poids de Vicomte und Poids de Marc. jenes thut 1os. Pfund Paris 


fer Gewicht / welches das Poids de Marc iſt / und mit den Ausfchla 
bis 110. Pfund Parifer Gewicht kommt / wiewohl folches nur auf Wol⸗ 
fe zu verftehen/ dann fonften vechnet man nur das Poids de Vicomt& 
‚gu 104. Pfund gegen Poidsde Marc, alfo das die geringern Gewichte 
—8* bonsz. 26. und 13. mad darunter iſt wird mit Poids de Mare 
gewogen / meildes Poids de Vicomt£ nicht unter 13. Pfund gebet. Die 
dritte Art von Gewicht deſſen man (ich in Franckreich bedienet/ iſt de 
la Romaine, oder vor der Schnell Waag / welches man leicht von einen 
Ort zum andern bringen/ und damit vermittelft des Hadens welcher 
daran ift / und an weichen man die Waaren haͤnget / alerhand Waa⸗ 
ren gar leichtlich waͤgen fan / man gebraucht ſich deſſen ſonderlich viel 
in Languedoc aber nicht viel auderwaͤrts. | | 
Mas die fernere Bergleihung des Frantzoͤſtſchen Gewichts mit dem 
Gewicht anderer Europaͤiſchen Handels⸗Staͤdte ſey / ſolches iſt aus der 
Tabellunter dem Wort Maaß und Gewicht zu erſehen / wegen des 
Marſeilliſchen Gewichts iſt dieſes Orts nur noch anzuführen / das be⸗ 
funden worden / daß 120. Pfund in Marſeille ioo. Pfund in Hamburg 
thun / item 7, Millerolles geben eine Pipe Del / und 2s. Millerolles 
werden vor Die Laſt gerechnet / r. Carga ift in Marſeille 300. Pfund/r. 
Quintalioo. Pfand thutin Hamburg s2. Pfund/ ı7$. Carga Weiten 
{ft in Hamburg eineLaſt. Rach der Marſeillianiſchẽ Carga oderCharge 
werden daſelbſt die Gall⸗Aepffel von Aleppo, item die Seiden / das 
Baummwollne Garn und andre Waaren berkaufft / und zwar zu fo und 
ſo viel Reichöthaler pr.Carga. Zur Rachricht diene auch daß ss. Pfund 
Marſeilliſch Gewicht / i00. Pfund Livorniſch mache. | 
Regen der Ellen · Maaß in Srandreic und deren Redudtion gegen 
‚anderer Länder Ellen-Maap/ ift ebenfalls Bericht auß der Tabell ein⸗ 
zuholen; nur dieſes Orts bon den Provencifhen und Rieder⸗ und 
Soc »Languedodifchen Canen noch zu melden / dag dieerften vons. 
Pams und Empams, welche s. Daumen und 2. Lignes, pie de Fıance 


‚ sdersss.Lignesbemeldten Fuſſes haben / heſtehen alfo dag man be> 


wmeldte Cane vor 28: Anıfterdamer Ellen / oder ein wenig geriuger/ 
und die Amfterdamer anf }. Cene fchägt / oder ein wenig mehr / und 
machen alſo 3. Canes 8 3. Amſterdamer /oder s00. Canes bon Mar- 
Teille und Montpellier 335, Auiſter damer Ellen ; Hingegen dieſer 100. 
nur 3s.MarfeillifheCanen, Diefer Canen eine machet auch in Lyon 
12. Ellen / oder 233. Vergesde Londres, item ı0, Canen 1715: Genſſer 
llen/3. Canen aber r. Yarifer-Clen und einwenigmehr. DieCa- 
nes Yon Avignon und Nimes feynd eines Daumens breit fürger / : r 
Fe e 





— | 


1. rn 3 Ei ⏑ 3 in 5 


— Wi 


Sea 48 
Die Marſeilſiſchen und bon Montpellier, Die Canes de Toloſe, wel⸗ 
ches eine Stadt in Hoch⸗ Languedoc iſt / item bon Alby und Caſtres 


in ek uch, und bon Montauban und Agen it Ober-Guien- 


ne, beftehen aud) auss. Pams oder Empams, die aber kurtzer ſeynd / als 
die Kali m ums. Daumen/ 6. Lignes oder 66. Lignes . nad) 
Den Frantzoͤſiſchen Fuß gevechnet/ und iſt ihre gange Länger, Piez ı6, 
Daumens. Lignen, oder zu Lignesgerechtiet 300, welche machen 2?. 
Anfterdamer Een / und hingegen die Amſterdamer 3: Cane, daß 
man alfo aufdiefen Fuß vechneh Ban 100. Amſterdamer Eilen / thun 
373. Canes de Tolofe, oder einwenig mehr /und 100. Canes de To- 
lofe thun 2665- Ellen Amfterdamer oder ein wenig mehr; es macht 


auch bemeldte Cane anderthalb Parifer Stab / undalfos. Parifer 
' Gtäb 2. Canen. 


Wegen der Parifer Pillen befiche die Reduction-. Tabell, gemeiniglich 
aber thun oo. Amſterdamer s7z. Pariſer / und 100. Pariſer 175, Hole 
laͤndiſche Ellen; nach den Frantzoͤſiſchen Maaß hält wer Pariſer Stab 
3. Piez7. Daumen / oder ris. Lignes; Man rechnet auch 4. Parifer 
Ellen gegen 7. Hollaͤndiſche / oder 1. Hollaͤndiſche gegen $. Parifer / 
Kim ı. Pariſer gegen 1$- · Amſterdamer. . 
DieLioner Eile ift um ĩ. pro cent fürger/ als die Parifer / die Roue- 
ner aber gleich / inigleichen auch Die u Bourdeaux, Rochelle und. 
Nantes, die zu Troye in Champagne hat nur zwey deittel Stab / und 
v. Partfer Stab ift anderthalb Ellen Troye, gegen der Brabandifchen 
Ellen verhält ſich die Parifer als i. gegen 13- und thun alfo 100, Paris 
fer Stäb 1653. Antwerper Ellen / oder ioo, Antwerper thun 60. Pa» 
riſer Stäbe / ober wie etliche noch genauer ausvechnen/ss4}. wofür 
ber/ um die Brüche zu bermeiden / ck so, genommen wird, 

A LiavidenYadten / fonderlich in Wein / findet ſich / daß das Muid 
zu Paris von 150. Marten oder zoo. Pintes Wein⸗Hefen zuſammen 
Zderechnet / oder dieſe letztere abgezogenboilzso, Pintes Klinck ſchon 
il. Gedachtes Muid hält in Paris 36. Setiers, djefes 4. Obart/ 1 
"Dvart 2. Pintes/ i. Pintez, Chopines;t. Chopine z,hafbe Setiers, und 
das halbe Setier z. Poiffons, 3, Muids werden auf i. Faß gerechnet / ſon⸗ 


ſten aber auch wird dad Parifer Muideingetheilet in Pirpes, Poineons 


Oder Qyarteaux, in Qyeücs und halbe Queües, eftt Partfer Poineon , 
und ein Orleaner / welche gleich feynd / halten ıs. Amfterdamer Ste: 
ckan / und follen ſamt den Holtz —— Pfund wiegen. 
In Provence zähfet man bey Millerolles, und wiegt das Touloniſche 
130. Pfund / in ſich Haltende ss. Patifer Pintes / welches etwan 100, 
Anflerdanter FREE r - nu. 
—— | In 


* 


4 gra 
®in Languedoc hält das Muidıg, Setiers, und ein Setierze. Pots oder 


* Peches, thut alfo Dad Muids76, Pots ober Peches, oder zu Amſterdaus 


3,. Stedan/nach welcher Ausrechnung der Pot oderPeche von Lanz 
uedoc weniger ift/ ald ein Amfterdamer Mingle, 
nder Korn⸗Maaß iftin Srandreich folgenderDiffereng : · 
3. Muid, welcheö der vornehmften Korn⸗Maaß ihr Rahm durch ganß 
Franckreich iſt / hatız. Setiers, 1. Setier ız. Boiffeaux , auffer den 
Boiffau hat man auch noch Heinere Maaſſen / ald halbe boillau, la 
avarte, le litron, welches is. Cubiſche Daumen haͤlt. 
Das vetier guten Waitzen foll wägen 244. bis 248. Pfund. 
Das seuer Haber wird in Paris abgetheilet in 4. boiſſau, ob wol 
dad Muid hicht mehr aldız. Setiers Häl | 


t. # 
. Das BoiffeauHadertheitt (ich in 4 picotins, dieſes tn x. halbe Dvart/ 


daB halbe Qbart in 2. litrons, und folglich das picotin in 4. litrons, 


19. PariferSetiers machen eine Amfterdamerfaft/und ss. Bourdeauxi- 


Boiſſaux. 


ſche Bo — 
Das AMuid von Rouan hält 12. Setiers, welches 14. Meſures bon Paris 


machen ; es wigt 3360. Tb. und Hält es. Bourdeauxiſche Boiſſau, 4. 
Rouaner Muid ihun z. Laſt in Amſterdam. 

Das Setier Rocken wiegt 230. TB. Rouaner Gewicht / und wird ger 
theilt in 2. Mines, 1. Mine in4.Boiffeaux, 

Das Muid yon Orleans wieget soo. Tb. hältız. Minesober drittehalb 
Setiers Parifer/ oder s. boifleaux Bourdeauxifche Maaß. 


DieLioner Korn-Maap heißt Afnte, theilt ſich ins. Bichers oder beil- 
ſaux, ‚welche 14- Parifer Setier, und 23. Bourdeauxifche boiflaux 


machen. 
8. boiflaux bon Rouan (hun s, Setier zu Paris / und2. boiffeaux zu 
Bourdeaux, un | 
Die Ale von Mason thutı?. Parifer Setiers, undz3fj · boiffeaux de 
Bourdeaux, 


5. Boiffaux d’ Avignon machen 3. Setiers de Parisund ©. boiflaux de 


. Bourdeaux, 

Das Setier ponMontpellier Hälf z. Emines, die Emine 2. Dbarten/und 
wiegt i. Setier 90. bis o. Tb. Gewicht bon Montpellier, melde 75- 

bis 80, Th. poids de Marc machen / daß alfo 100. Setiers fo viel. 
ſeynd als r, Laſt und 22. Muddes zu Amfterdam. 

Das Setier de Caflres beftehet aus 2. Eminen, das Emine auß4. Me- 
geren, und die Meg£re hat 4. boifleaux. Diefed Caſtriſche Setier 
dieget etwan zoo. EaftrifcheTb. oder 170. Marck Gewicht / nad 

welchen 100, EaftrifcheSctiers 4. Laſt Amfterdamer Maaß thun. 

Das beiflau hon Bourdeaux theilt (ih ing undin za. und uf 

| - - gen 


7 ' u n — 1 


/ 


> -.„gera 483 
wägen 122. Dis 124. Tb. poidsde mars, wann anders das Korn gut 

iſt / alfo thunz. boiflaux de Bourdcaux 1, Setier de Paris , oder 38, 
boifl,19.Setier,oderauhein Amfterdamer Laſt. 

Das Setier von Abbeville beſtehet in 16. boiffau , dabon 4. eine Mine 
machen / unds, Setiers machen s. Parifer Maaß / daß fie alſo hier⸗ 
inn ein ander gleich feynd. 

Das Setier don Amiens wiegtso. biß sz, Tb.und theilt (ich in 4. pi- 
eqvets, and feynd alfos.Setiers von bemeldter Gtadt ungefeht 
gleich mit den Setier von Paris. — 

Das Setier von Boulogne im Boulognoiſtſchen wiegt 270. TB. und, 
Setiers pon bemeldten Ort machen 5. Mefures zu Paris. 

Das Setier von Calais wiegt 260. Tb. und ız, machen 13. zu Paris, 

Das Setier von Valeri wird den Parifer gleichgehalten.. 

13. Mines von Dieppe | 

534. Boiffeaux hon Havre de Grace’ 

14. Boilfaud’ Amboife da$ boiflau 34 17. TB. 

s. Boiffau de Saumur - 

14.Boiflau de Tours 

20, Boiflaux de Blois 

$. Boiſſaux d’ Aubterre 

g. Boiſſaux de Barbefieux. 

5. Boiflaux dePerigueux 


Das Setier zu Arles wiegt 93. Tb. Marck Gewicht / und rechnet man 
die Charge auf 360. Tb Parifer Gewicht. | | 

Die Maaß bon Baucaire , die man Charge nennt / iſt ſtaͤrcker um 3; 
pro cent als die Arlefifche. | * 

Die Charge bon Marſeillen hält 4. Emines, ein Emine_8,Sivadieres, 
und wird die Charge auf30o0. TB. rn Gewicht gerechnet / 
welche 243. Tb. Marck Gewicht / undıoo. TB. dieſes Marcks Ges 
wicht 1233. Gewicht zu Marfeille thun. 

Die Charge bon St Gilles iſt um zo. procent gröffer als die Arlifche; 
hingegen ifl Die Charga zu Tarafcon um 2. procent ſchlechter. 

Die Charga zu Toulon hat 3. Toulonifche Setiers, und das Setier ans 
derthalb Emine, deren drey 2. Parifer Setiers machen / oder man 
rechnet auch wol / daß das boiffau wiege zı. Pfund / und daß ⸗3. 
boiſſaux ı, Parifer Setier machen: Ze 

f Auray in Bretaignewiegt 2200, Tb. 

DieTonne Konzu L’audisne —. — 2300. TB, 

Breſt —— — 2401 


deren jedes beſtehet aus 20. boilfaux, davon einer uo. his ina. Iy. 
wiegt. U 
3 Oh 5, 


'Ltbun r. Setier 
zu Paris. 


434 Fra 
az · Boiſſaux Hanff⸗ Saamen / Meſure de Morlaix bringen zu Rotter⸗ 
- damı.Raftır.Sacs , und gehen 20. Sad auf die Laſt / daß alſo das 
Boiffau zu Morlaix ein wenig geringer als der Rotterdamiſche 
oh a 833. boiflaux mũſſen zu Rotterdam ausliefern aus 
dert alt. 
Letonneau de Hennebon, de PortLouys, de qyinpercorentin wiege 
. 2950. Pfund) und iſt ſtaͤrcker ald dad Nantifche um 35. procentum. “ 
Die Tonneau de Nantes Hält io. Setiers, daß Setier 16, Boiflaux ‚ und 
wie a Toonau 2290. biß 2250. Pfund / wann die Maaß aufge⸗ 
2 Bäuft ; Gieift auch mit ıs. bis 20, procent flürdfer / ald la me- 
fure rade& und um ein viertel weniger als das Muid don Paris, 
Le Tonneaude Rennes wiegt 2400. [b.und iſt ſtaͤrcker als das Nanti⸗ 
ſche um 10. bi sr. pro C. das bon St.Malo ift bon derfelbenCapäcite. 
Le Tonneau de St, Brieux wiegt 2600. Pfund/ und ift ſtaͤrcker als dag 
Nantiſche um 18. procent. ’ 
Le Tonneau delaRochelleund Marans hält 42. boiffaux, welche eine 
Laſt thun / und wiegt 2. pro cent. weniger ald dad Rantifche. 


Die Coursder Werhfelin Franckreich / wie ſolche in den ungewiſſen 
Steigen und Fallen ih herhalten / ſeynd als folget : Nemlicy es gibt 
Franckreich ald einen befländigen Preis auf Holland / Braband / Flau⸗ 
dern und Seeland einen Frantzoͤſiſchen Reichsthlr un wieder dage⸗ 
en so, bis ioo. Groot Flaͤmiſch / nachdem der Wechſel fleigt oder 
lit / zu empfaͤngen. Au | 
uf Engeland gibt es. Rthlr. vor 45. biß so. Pfenning Sterlings. - 
ahr Sanıburg 1, Rthlv. vor z6. 40, bis 43. 8. Lubfch. 8 
— Srandfurt.Rtdir. vor 70. bis so. Wechſel⸗Creutzer. 
Ruͤrnberg. Rthir. vor sc. bis 96. Ereuger courant. 
— Gt. Ballen ı. Rthlr. vor 90. bis 100. Creutzer cour. 
— Gpanien ı. Rthle, vor 270, bis 300. Maravedis, 
— Portugalı, Rthlr. bor s0o. [$ 750. Rees. 
Senua 200,2 240, Rthlr. vor 100, Kthlr.de Marc, 
— Milano, Rthlr. vor 90. bis ny. Soldi imperiaux. 
Bulogne 1. Rthlr. vor 70. bis 90, Soldi ou Bulognis. 
Venebig 100. Rthlr. vor 90. bis 105. Ducat di Banco. 
\a= Neapolis 100. Rthlr. vor 90. bis 120, Ducat on 10, Carlin⸗. 
— Komıoo.Rthlv. dor so. biögo, Rthlr. d' etempe. 
= Florenz ı00.Rthir. por 70. bis 90. Rthlr. von>z. Lires, 
— Lugves 100. Rthlr. bor so, bis os. Rthlr. von?z- Lires. 
— Livgtne 100, Rihr. borso, bis 100, Piaftres ‚bon 6, Lires, 


Unges 


— — — — 


Sra” | 485 


Ungewiſſe MWechfel-Preife gibt Franckreich vorgenifles: : * 
Auf Hamburg io⸗. big 114. Rthlr. vor 100. Rthlr. von 48. ß. Lübſch. 
— Franckfurt oꝛ. bis 105. Rthlr. vor 100. Rthlr. bon 90. Creuher. 


— Nürnberg 9. bis 104. Rthlr. bor i00. Rihlv. bon 20. Creutzers. 
— Nove 180, bis 100. Rthlr. vor 100. Ecus. de Marc, = 
— Spanien oz. biß ros. Louis d' Or vor roo,Piltolen d’ Efpagne. 
— Rom 90. bi 93. Louis d’Or Vor too. Piſtolen d’ Italien. " 
— Livorne 62.biö 63. Solsbor i.Piaſtre hon 120. Soldi. 
— Genua 62.bi8 6s. Sols vox i.Piaſtre ho roo. Soldi. 


= Geneveioo, bigıos. Rthlr. dor 100. Rthlr bon Ceneve. 


Den übrigen Handel der Frantzoſen auf diverfe Reich und —* 
des Erdbodens / ſowol zu Land als Waſſer betreffend / fo beſitzetFranck 
reich in America einige conſiderable Inſuln und Laͤnder / als Nova 
Francia, Acadia, und über Florida das neue Land Louiſiana, den Aid» 
ften Theilder Inſul Terra neuf, wie auch die Inſuln Anti-Coliund 
St. Jean, von denen Inſuln Barlovento: Anguilla, Martiniqye , St, 
Bartolmy,St.Croix, Guadaloupe , St,Lucie; Bey Africa auf der 
Inſul Madagafcar le Fort Dauphin, und die Inſul Bourbon ; Aus 
welchen allen es Zucker / Toback / Indigo, roh deder und einige Dro- 
guiftereyenziehet; Bey Terra-neuf wird der Cabliaugefagen/ und 
zwar in fogroffer Menge / daß / wie Maillerfihreibet / jährlid) zro, 
Schiff voll beladen nach Franckreich geführet werden. In Oſt⸗In⸗ 
dien ift wenig vor die Frantzoſen zu thun / ohne was jTe.anf der Inſul 
Madagafcar noch haben. zarngegen iſt hr Handel nach der Levan 
bon Marſeillen aus fo viel ſtärcker. Nach Moſcow treiben te, au 
etwas Handlung / und zwar über Archangel zur gewöhnlichen Jahr» 
Warcks⸗Zeit / dieimSeptembr.ift. Es befahren auch ihre, chifte 
bey Friedens · Zeiten die Oſt ⸗· See / wiewol in geringer Anzahl) die der 
Gıigeländer und Hollaͤnder ihren bei) weiten nicht gleich kommt / da 
Doch dieſe letztere viele Waaren / die ſie nach ver Oſt-See führen / erſt 
aus Franckreich holen muͤſſen / als da ſeynd Saltz / Wein / Brannt⸗ 
wein / Glas / Papier / Eßig / Syrop und dergleichen / und ee 
koͤnnen fie mit ſolchen Handel beffer als die Srangofen felbft forlkou⸗ 
men; woboneinige folgende Rationes geben wollen/nemilich/ weil die 
Holländer eine groſſe Anzahl Schiffe/ die Frangofen hingegen wenig 
en; weilauc der Holländer Schiffe um dad bierte Ei erin« 
er als der Frautzoſen ihre Fommen / indem ſie das Holtz und die Ar⸗ 
eiter wohlteiler haben: weil auch ver Holländer Boots⸗Leute Inder _ 
Schiff · Fahrt erfahrner ald die Frantzoſen feyn ; jenen auch ihre Aus⸗ 
ruͤſtung nicht fo viel koſtet fondern wann ein Aline nits, Man 
fährer/ mug ein Frantzoß ı2. haben; Die er ader beheiffen fich ga | 
. . .s 3 na9 


a Fraa — 
knay mit Kaͤß und Brod / Stockfiſch / Bier und Korn · Branntewein / 
die Frantzoſen wollten 8 DER und Wein haben; So verftünden 
auch die Holländerdie Schift- Fahrt beffer/ ihre Negotianten könnten 
dm Dal Dee toht ſelbſt Schiffers agiren; Sielerneten alle von Ju⸗ 
end auf Die Seefahrt und —— ; wuͤſten die Manier der Nor» 
iſchen Laͤnder Eennten die beften Negotianten/ und was dergleichen 
mehr wären/ welches alles deu Frantzoſen fehlte / wiewol Savarı in ſei⸗ 
nen vollkommenen Kauffmann part. 2, cap. 25: diefen allen wider» 
fpricht / und ſolche Befchuldigungen auf glimpffliche Manier von ſei⸗ 
nen Landsleuten ablehnen will. Eben diefer Savari befchreibt auch 
Der Frauhoſen Handlung auf Engeland/ und welcher geftalt ihnen da» 
ſelbft nut gar fchlecht begegnetwerde; Worinn aber ſolches beſtehe / 
haben wir unter dem Wort Engliſche Warren und Handlung 
weitläufftig angeführet. N 
Dievorbemeldte Farb⸗ Materialien, melde Franckreich ausgiebet/ 
ſeynd die Weyde zur blauen Farb/ die Scharladh- Körner und Roͤhte 
r rohten Farb / die Gaude, die Faͤrber⸗Scharte oder das Scharten- 
raut / und der Ginft oder Pfriem⸗Kraut zur gelben Farb / die Wur⸗ 
pri und Rinde bon Nußbaum / wieauc die Schaalen von Ruffen zur 
aunen Farb / ſonſt Couleur de Racine oder Noiſette genannt ; fer⸗ 
ner Rodoul und Fovic , item Kupffer⸗Waſſer zur ſchwartzen Farbe / 
famtden Allaun und Weinftein zum Abſieden. Es kommt auch aus 
andreich viel Spangruͤn / Afche von Meinftein/ Caſſenolle, Mal- 
erbe, Trentanel lagaronille und’ orfeille, wiewol bieler diefer In- 
redientien ihre Zielung oder Anbau/ fo gar heutiged Tags der Frans 
* eigenen Geſtaͤndniß nach / eingegangen und unterlaffen worden / 
af wenig Leute in beſagten Königreich zu finden ſeyn werden / welche 
ſagen koͤnnen / woran es fehle/ zu geichweigen / daß ſie folten Mittel 
und Wege anmeifen Fönnen / wie folcher Anbau wieder im vorigen 

Stand und Flor zu bringen. 

Zum a I: diefer Materia wollen wir noch aus der entdeckten Fran⸗ 
„.göflfchen Goldgrube (den Ständen des heiligen Roͤmiſchen Reich 
finet) folgende Worte hieher ſetzen / wie felbige in des Sn. D. Be⸗ 
ers Commercien-Tradtat p. 842. berzeichnet fiehen: Als der grofs 
fe Jupiter nach daniahliger Zeiten Bebraud; das menſchliche Geſchlecht 
iteiner abfonderlichen Gnade begaben molte / Hat er mit Naht aller 
Götter den Mercurio Flügel gemacht / daß er damit geſchwinde in die 
Welt flegen / und anfden Rasen aller Voͤlcker fehen / aud) die gang 
entlegene Derter durch einen forrderlichen Weg zuſammen vereinigen 
moͤchtt/ welches dann auch diefer breitiillige Bötter-Bot geſchwinde 
ethan/indem ereinige Bretter zuſammen gefüget/ Maſtbaͤume und 
pr! darauf geſetzt und Kolumund Neptunum als «Götter 
— zu 


NUN... .... VE SEOEEIERAEHER.... 
gu Hülffe genommen/und folcher Geſtalt den Aufgang mit dem Nie» 
dergang/ den Süden mit dem Rorden/ durch nuͤtzliche Handlung und 
een / alfo/ daß was borhin ner einige Völ⸗ 
er allein.bey-fich eigen hatten / Hinführo allen gemein würde / und 
ſolcher geftalt feynd bon dem Mercurio die Kauffmannſchafft⸗ Waa⸗ 
zenund Kaufflents aufgefommen. Den bernehnften —* aber von 
ſolcher Handelſchaffttheilte er unfern Europa / undin ſolchen fonder» 
lich in Welſchland der Stadt Venedig / in Spaniender Stadt Se⸗ 
Hilien / in Portugal an Liffabon / in Engeland Londen / in Irrland 
Dublin/ in Riederland Antwerpen) in Holland Amſterdam und Rote 
terdam/ in Teutſchland der Stadt Hamburg / Lübeck / Königsberg 
und Dantzig mit. Dasubrigeaber/ was noch in Commercien zu 
thun war nachdem andere Länder auch um etwas angehalten) ift von 
den Götternder Göttin Induftria anbefohlen worden. Diefe Bött- 
inn / die niemahls můßlg / fondern allezeit arbeitfam ift / hat ſich end» 
lich des Königreichs Frauckreich erbarmet / ald welches weder Gold 
noch Silber hatte/ und derentwegen entfchloffen/ ihme zu helffen / allda 
ihre Refideng zu nehmen / und alſo Franckreich gluͤckſelig und mächtig 
zumachen; Als ſie aber vermercket / daß ſie durch ihren Verſtand und 
Witz. dieſes allein nicht würde ausrichten koͤnnen / hat ſie zu ihrer 
weſter den Fleiß / zu ihrer Magd aber die Narrheit oder Unſin⸗ 
nigkeit angenommen / die alle Linder Europa mit Liebegegenfle ein» 
nehmen und bezaubern folte / welches ſie dann aud) ſolcher geftalt ger 
than und ausgericht / daß ſie Italien etwas wenig / Spanten/ Enge⸗ 
land / Daͤnnemarck / Norden etwas mehr. / unfern Teutfchland aber 
zum hoͤchſten damit angefteckt / die Leute darinn ga unfinnig ges 
macht / und bermittelft diefer Unfinnigkeit dem Königreich Franuck⸗ 
reich dieſe gegenwärtige Goldgrube zu wege gebracht hat, 

Frauen⸗ Zimmer Kunſt⸗Arbeit beftehet in nähen nach dem Les 
ben/ würden und brodiren oder ftichen / in Seidenen und aus Haus⸗ 
Blaſen verfertigten Blumen / in Verſetzung Seidener Läpgens zu. al» 
lerhand fhönenFiguren/ in Corallen und Perlen auf Schnuͤren / in ges 
naͤheten Spigen/ mit erhabenenrechtcörperlichen Blumen / in Aus⸗ 
ſchneiden aus Sammet/ Flechten mit allechand Farb Haaren / Tape⸗ 
ten⸗naͤhen / mahlen / zeichnen / Miniaear ſchildern / Wachs poſiren / Ca⸗ 
ton und Seiden⸗Zeuch mit ſchoͤnen Farben und Figuren zu bedruͤcken / 
allerhand Galanterien yon Kopff-Zierrahten und andern Fraͤulichen 
Kleidern zu machen / und mad dergleichen Kunft-Sachen mehr fennd/ 
soelche ihre Hände fo viel ſubtiler machen koͤnnen / als fie ſich mehren. 
theils in dergleichen Fall vonanderer grober Arbeit enthalten/ und die 
zarte Bewegung der Hände ihnen ohne dem angebohren ift; Cd wacht 
‚aber viel Frawenzinmmer dergleichen — tallein vor — 
** 4 


488 Fra 
und zu ihren eigenen Gebrauch / ſondern auch auf den Kauff / den ſie ih⸗ 
ver Beredſamkeit halber am fuͤglichſten abwarten und vorſtehen koͤn⸗ 
nen / auch offtmahls beſſer damit / als die Männer ſelbſt forktkommen; 
wie dann in Holland / Engeland und Franckreich die meiſten Seiden⸗ 
und Galanterien-Windel durch Frauenzimmer adminiſtriret wer⸗ 
den / und wann ſolches ſonderlich noch einen Krahm der Schoͤnheit und 
Beredſamkeit in den Geſicht und auf den Lippen traͤget eben als Sy- 
renen ſeynd / welche die Kaͤuffers auch wider ihren Willen an ſich zie⸗ 
hen / und etwas ihnen abzukauffen perſuadiren koͤnnen; wie auch ſouſt 
fo manche Kauffmanns⸗Frau ihren Mann einen groſſen Rutzen in ſei⸗ 
ner Handlung ſchaffe / und Buchhalter and Gewoͤlb⸗Diener offt zu⸗ 
gleich ſey / mit ſchreiben und Waaren ſortiren / ein⸗ und verkauffen/ ſo⸗ 
wol zu Haus als auſſerhalb Landes denſelben ruͤhmlich an die Hand 
gehe / und alſo dieienige Eheliche Pflicht loͤblich erfüllet / welche Salo⸗ 
mon bon einen dergleichen tugendhafften Weibe erfordert; ſolches be⸗ 
zeuget die tägliche Erfahrung / und fo viel Meflen und Jahrmaͤrckte / 
Die manche Frauens iofe underdeoffen als ihre Männer felbften befu« 
hen / und denen Marckts⸗Verrichtungen tapffer vorſtehen. Etliche 
nehmen nach ihres Mannes Tode die gangeHandlungs-Laft über jich/ 
and führen dDiefelbe offt glucklicher / als bey ihrer Männer Lebzeiten 
nicht gefchehen., Weil aber denen Weibern nach. den gemeinen 
Rechten nur wenig Gewalt eingerdumt wird / indem (te nicht fähig 
feynd / Bürgfchafften über fich zunehmen / oder Rechtö-beftändige 
Contradten vor ihre Perfonen allein und ohne Curarore zu fchlieflen / 
derjentge auch/ der folche mit ihnen aufrichten wuͤrde der Fefthaltung 
des Contradts nimmermehr wurde gefichert feyn / indem ſie ihre Velle- 
janifche Freyheit Kxceptions · weiſe vorbringen / und die wider (le an« 
gefeite lage damit 5 ‚abwenden würden; als iſt in vielen 
echten / en er in den Luͤhiſchen Stadt-Recht loͤblich ver⸗ 
ordnet / daß eine ſolche Frau / —* 7* nicht übers. .4- 8. oder auf 
hoͤchſte einen Stein lachöbeg et iſt / wann ſie ſich bey dem Raht 
angibt/ und gls eine Kauff- Fau einſchreiben laͤßt / auch 2. ehrliche und 
geſeſſene Buͤrger por ſihenden Raht areftiven/ daß ſie ihrer Handlung 
horzuſte hen wol tüchtig ſey / als daun Frey heit und Confirmation er⸗ 
langet / daß ſie ein oͤffentliches Gewerb / ſo hoch ſie will und Fan / eben 
als ein anderer Kauffmann treiben mag / und alle ihre Haudlungen / 
Bürg⸗Verſchreibhungen / — ene Wechſel und Obligationgs,, 
ſene Conssadten und dergleichen / auch ohne Curatore gültig 
yn ſollen. Endlich/ fo Fan, auch das Einwenden der Vellejanifhen 
Zrey heit eitie Frau nicht ſchůtzen / mann.iie etwan betruglicher Weiſe / 
welches aber dey Creditor beweifen muß / ſich in Buͤrgſchafft eingelafe 
ſen / oder viel oder wenig Geld zur Verehrung dabor geumumen/ — 
—— a 


— — — — — — 


— | Sera Sre 489 - 
auch die gekauffte Maar felber zu ihren Rügen und Frommen ver⸗ 
wandt / oder da ſie beym Kauff oder Bürgeswerden ihrer Weiblichen 
oder Jungfraͤuiichen Freyheit erinnert worden / derſelben wohlbe⸗ 
daͤchtũch / und offt gar mit einen Eyd ſich verziehen / und ſolches ſchrifft⸗ 
lich von ſich gegeben. 

Frauen⸗Balſam oder Wüng/ / Mentha Sarracenica, Acuminata 
Salvia Romana. —— 

Frauen⸗Blaͤtter / Calamintha. 
— Blum / Hiſpidula. 

— Diſtel / Carduus Mariæ. 

— Soſten / Origanum, | 

— —* Katzenſtein / Glacies Mariæ, wird häuffig in Frauck⸗ 
reich gefunden / iſt aber von ſchlechten Abgang / vide Speeularis Lapis. 
Frauen⸗Haar / Capillus veneris, Adianthum Nigrum, 
—  Aandfehur/ Boccharis. | 

—  ZAeffeoder Biß / Lentopodium, Rhapejon Plinii. 
— Roͤßlein / Rofa Canina, Rofa arvenlis, 

Fraxinella, Dittamus albus, Polemonium, Pumila fraxinus, Tra- 
gium Primum, weiſſer Diptam, Eſcherwurtz. | hg 

Fraxini lignum, Eſchbaum / Wundholtz⸗Baum / hiervon wird in 
Handlungen wenig verthan/ doch wird das Holtz / welches zu gewiflen 
Zeitenabgehauen wird/ auch eingefansinlet / und zur Nachfrage aufs 
behalten/ inigleichen Die Cortices fraxini, oder Rinden des Beums / 
am meiften aber Semen fraxini, welcher häufig an ſolche Derter / wo 
fie dergleichen Gewaͤchs nicht haben / gefandt wird; Es iſt ein harter 
fpitiger Saanten/ lang / und faſt formiret wie Vogel» Zungen / das 
hero eraudh Lingua Avisheift. Es wachſen aber der Eſch⸗Baͤumen 
Iweyerley dirten / die eine ſehr hoch / aus welcher die langen Picken und 
GStangert genommen werden / die andern etwas niedriger / und has 
ben beyde einerley Rinden ; neben den Aeſten wachſt zuweilen auch 
eine Art Schwaͤmme wie Knollen heraus deren Theophraltus geden⸗ 
cket. Sonſten will ein gewiſſer Author, daß lich zu weilen auch zu 
— am Baum ein Gewaͤchs wie ein Hirſchhorn hervor thue / aus 
welchen / wann etwas davon geſchnitten wird / gleichſam ein Gummi 
heraus rinne: es ſehe / wie eine Miſpel aus / winde und wickele ſich 
jedech bald kraus ind breit / und werde and) endlich holtzicht. Auf 
den — Eſch⸗Baͤumnen ſoll die Manna geſanmlet und gefunden 
werden. — 

Sand Leberkraut / Eupatorium Meſuæ. 

in IE — et 

> 5 r 


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. 490 Ste 8ro 


Fremd Bimſen⸗Kraut / Juncaria Clufi, 

— Wald⸗Reben / Clematis peregrina Cœrulea. | 

— Trauben⸗Hyacinth / Hyaeinthus Botryoides, Chalecdo; 
nius Mufcat. s. | 

— MWegpdiftel/ Acanthium peregrinum, 

— Winter-Rofen/ Malva Rofea, fimplex peregrina, 
i ag Oeſterreichiſche Scabiofen/Scabiofa Außrica rubra lasi- 

olia. | 

— rohter Baldrian / Valeriana peregrinarubea. Ä 

Frey Saam⸗ Araut/ Sqvamaria, vel’Sqvamata, Jacca Magna", 
Dentaria Herba Trinitatis, a 


Frieſen / ſeynd grobe ungefchorne wollene Zeuche/ fo zu Pferb-und 
Bert-Deden / unter Roͤcken und fhlechten Bauren-Futter / weil fie 
fein warm halten / gebraucht werden. Sie werden häuffig in Ham⸗ 
burg und Luͤbeck gemacht / und von den Gewandſchneidern oder Tuch⸗ 
Haͤndlern geführet/ die jte weig von den Frießmachern einkanffen / und 
hernach färben laffen. 

Frießland / eine bon den 7. bereinigten Provincien, deren Haupt⸗ 
und Rauf-Städte feynd Lewarden / Sarlingen/ Stavern und Frane⸗ 
er; ihrer Handlung wegen/vide Holland. Es mwird aber diefe Pro- 
ving Weſt⸗Frießland genannt/ zum Unterfcheid Oſt ⸗Frießlands / wel⸗ 
ches wegen der Commercien nichts beſonders zu obferviren hat / als 
daß die Koͤniglich Preußiſch Africanifd) und Americaniſche Compa- 
gnie in der Haupt⸗Stadt Emden etabhret iſt. ' 

kriſiren / kraus machen / alfo hat man frifirten oder gefnöpfften 
Boy / welder fonderlich zu Trauer- Kleider gebrauchet wird. 

Fritillaria, Melcagris, Kũwitz⸗Ey. 

Fritta wird die Mixtur genannt/ aus welcher Glas⸗ und Chelgeftei- 
ne lüffe gemacht werden; Zu diefen lehtern nimmt man wol calci- 
“ nirte und offt in Falten Waſſer abgelöfchte Flinten-Steine/ Chryſtal · 
fen oder reine Kiefelfteine/ bis ſie ganp märb und mit den Fingern (ich 
zevreiben laffen/ 3. Theil/ geläuterten trocken Galpeter 2. Theil/Bor- 
rasein Theil / Arfenici ein halb Theil / vermifcht es wohl unter einan · 
der/ und laßt ed etliche Stunden in ſtarcken Feuer flieſſen / Röft es her» 
nach zu Pulver. ; 

Froſch⸗Loͤffel · Kraut / oder Wegereich/ Barba Sylvana, Planta. 
go aqvatica. — 
Froſch⸗Leich / Sperma Ranarum, iſt nichts anders / als Eyer bon 
Froͤſchen / welche in einem Schleim eingeſchloſſen liegen / damit fie 
Nicht ſo leicht verderben; Aus dieſen fo genannten Augen werben un 


— 


Sto Sen 491 


fanfter "Wärmbe die Fleinen — generitet; zum Argney-Ges 
brauch) ſammle man nur den fchleimigten Ligvorem , und die Eyer 


werffe man weg; dafern man ein wenigGalg in denfelben auflöfet / kan 
es ſich lange halten; * thun gemeldten Froſchleich in ein irrden 
Geſchirr / vergraben ſelbiges in die Erde / an einen ſandigten Ort / 
ſo verkehrt es ſich mit der Zeit in Waſſer / welches vor die Roͤhte des 


Angeſichts / Rohten⸗Lauff und Verbrennung ſehr heilſam iſt. NB. Das 


Froſchleich / fo in Reumonden geſammlet wird / ſtincket allezeit / wann 
man ed auch zo. mahl deſtillirte. 
Eroſch · Biß / Nymphza parva, 
Fruͤchte / Fructus des.Fruits, darunter ſeynd bey denen Materiali- 
Ki zu findeh Amygdalæ amarz bittre Mandeln/ Amygdalse dulces 
ale Mandeln/ Aurantiadulcia & acida, füffe und aure Pomeranhen / 
Anacardia Elephanten⸗Laͤuſe / Been Nuees Egyptiſche Nuͤßlein / Ca- 
cao Cappares @appern/ Caricz duͤrre Feigen/ Carpo balfamum Bal⸗ 
fam-Fruchtoder Körner/ Caflıa Fiftularis Röhren Caflıa, Cocculæ de 
Levante Kockel oder Fifch- Körner / Coffe oder Cave Eoffe-Bohnen/ 
Colocynthides Coloqbint⸗Aepffel / Dactyli Datteln/ Fungi Sambucci 
Holder⸗Schwaͤmme / Galle communes gemeine Galläpflel / Gallæ 
Turcicæ Tuͤrckiſcher Galles / Granata mala Granat-Hepffel / Golly- 
pium Baummolle / Grana Chermes Kermes oder Scharlach⸗Beer / 
Jujubz Zizypha rohte Bruſt⸗ Beer / Juniperi Baccæ Wacholder-Beer/ 
Lauri baccæ Lorbter / Limonia Lemonien / Mirabolani-Bellirici-Che- 


buli-Citrini-Emblici-Indi die fuͤnfferley Geſchlecht der Myrabola⸗ 


nen / Nuces Cupreſſi Eypreffen-Rüffe/Nuces Pinex Pineolen-Rüffe/ 
Piftaciz Piſtacien / Nuces Vomicz Krahen-Augen / Nuelei Perfico- 
zum Pfirfifh-Kern/ Paſſulæ majores Roſinen / Paſſulæ minores Co⸗ 
rinthen oder Weinbeerlein / Paſſulæ Zibebæ Zibeben / Pruna Pruniola 
Prunella Prunellen / Sebeften ſchwartze Bruſtbeer / Siliqvadulcis 
Johannes⸗Brod oder Carobi, Tamarindi, Tamarinden faure Dat⸗ 
teln / Tribuli aquatiei Waſſer oder Stechnuß / Uvafeu baccæ Pari- 
dis Uræ lupinæ Einbeer / Wolffsbeer. 

Aus denen ſaͤfftigen Fruͤchten macht man infpiffirte Saͤffte / oder 
Extradta, Spiritus, Qvint-Eflentias, Dele und Tartara, | 


Die Einfanumlung der Früchte/ und zwar derer / die zur Medicinges 


hören / gefchiehet / wann ſie wohl zeitig worden; dieaber füllen ver» 
wahret werden/ bricht many ehe fie ihre völlige Reiffung erlanget / je⸗ 
Doch dan ſie nicht mehr allzuhart feyn. | 
Fruͤhlings⸗Wurtzel oder Kraut/ Dentaria major Matth. 
Frumentum Saracenicum, Heyde⸗Korn / Buchwaitzen / waͤchſt in 
fandigen und feuchten Boden, 


Fru«- 


492 Fru Buc 


 Frumentum Turcieum, Tuͤrckiſch Korn / iſt anfänglic) aus Indien 
und Tuͤrckey gebracht worden / wird aber nunmehro bey uns in Gaͤr⸗ 
ten gezeuget. Ä r 
$uchs/ Vulpes/Vulpecula, Franhoͤſiſch Kenard, gibt Ben Kaufe 
leuten und fonderlich denen / die mit Rauchwerck und Pelletere 
handeln/ vielmahls einen profitablen Handel / weil ein guter Fuchs⸗ 
Pelt das bequemſte Futter einen guten Winter⸗Rock ift / und vom 
Heben und Riedrigen beliebet wird. Es ſeynd aber die Füchfe un» 
terfchiedlicher Arten / und zwar bey uns In Teutfchland werden fie 
abgetheiletinrohte und Brannt-Ruchfe/ jene haben weiſſe Blumen ar 
den Spitzen ihrer Schwäne) Diefe aber / nemlich die Brannt-Füchfe 
ſchwartze. In Schweden / ſonderlich aber in Lappland / werden gan 
ſchwartze item Brannt⸗ und Creutz⸗ Fuͤchſe / auch Aſchfarb und mei 
gefangen; die gantz ſchwartze / weil ſie ſelten gefangen werden / ſeynd 
bie koſtbarſten / und gebrauchen ſelbige hey denen Moſcowitern die 
vornehme Herren zu ihren Muͤtzen / wie dann ſo ein ſchwartzer Fuchs⸗ 
Balg zum oͤfftern 10. ja wol ic. Ducaten gilt/die braunen oder Brannt - 
Füchſe / fo ſchwartz⸗ roͤhtlich ſeynd / werden auch nicht gering —— 
Die nit einen Cretz gezeichnet / und von Jonftonio Creutztraͤger ge⸗ 
nennet werden/ haben von dem Maul an / über den Kopfl/ Rüden und 
Schwantz einen gleich ſchwartzen Strich / über folhen gehet ein ande⸗ 
rer Zwerchſtrich über die Schulter an die 2. Borderfüfle/ dieſe werden 
den gemeinen vohten vorgezogen / ſeynd auch gröfler und dider an 
Haaren; die Afchfarben Füchſe haben eine Farb aus Alchfarb und 
blau vermifchet/ etwas lange Haar/ welche an denSpigen ind Schwar⸗ 
gefallen ; die weiſſen feynd denen Cauinichen nicht ungleih/ihre Haas 
reaberfallen bald aus. Insgemein merffen die Füchſe ihre Jungen 
im Majo, die dann um Jacobi ſchon mitden Alten auf den Raub aus⸗ 
lauffen / und die Wachteln ober dergleichen Vögel fangen ; um Mar- 
tini iſt der Fuchs ⸗Balg in feiner beſten Vollklommenheit / imandern 
Jahr im Herbſt machen ſich die Jungen neue Bäu oder Hoͤlen / treiben 
die Dadıfen aus den Ihrigen / und logiren ſich darinn. Das befte Lu⸗ 
der / Flchfe zu fangen / iftein gebratener Hering / mit dem man fie 
leicht an einen Ort gewoͤhnen / und hernach fchieflen fan / da dann Die 
Bälge von denen Jaͤgern Stuͤckweiß / nachdem (te klein oder groß / 
ſchoͤn rein und dick von Haaren feyn/ zu erhandelu ftehen. 
FE denen Apoteden hat man von denca Füchfen das Fett/ die Lungen / 
die Leber / die Balle/ die Milg/ den Balg / das Beblüt / den gangen 
Fuchs und den Koht. Das Fett taugt vor die Convultiones,Conıra- 
cturen / und das Zittern der Glieder. Die Lunge heilet/ abftergivet 
und tauget tor die Lungen-Fehler / und Engigkeit dev Brüfte / wann 
man (te trocknet oder brennet/wie man dann auch nicht bald ein Agyam 
AN- 


—— ———— — 


Ä uc Fuh 493 


Antiphtificam oder Aflhmaticam findet/ davein die Fuchb ⸗ Lunge nicht 
fömmsen folte. Die übrigen Partes haben auch ihren Medicinaliſchen 
Gebrauch / und ſeynd fonderlich die daraus bereitete Stüde (1) das 


Fuchs⸗Oel / (2) der Loch von der Fuchs⸗Lungen / (3) die bereitete fun , 


mit welcher man folgender Geſtalt verfähret: Rachdem Ile von 
lut / Sehnen und Adern gereiniget / waͤſchet man ſie mit Wein / in 
welchen op und Scabivfen-Rraut gekochet/ trocknet und verwahret 


e in Iſop Yndorn und Wermuht / etliche wafchen fie auch wol wann , 


he gereiniget/ in Decodtis, die der Bruft dienen / als Lungen⸗Kraut / 
Ehrenpreis und dergleichen/ trockenen fie hierauf in einen Kolben von 
Glas / bey gelinder Gärmde eines Balnei, imbibirend aber offt mit 
Dem Decocto und trocknens wieder / hierauf befprengen ſies mit ber 


Effeng von Myrrhen und Saffran / und verwahrens alfo gang oder 


„pulverifitt, 
Fuchs⸗Hoͤdlein / Telticnli Vulpis. 
- Suhsfhywang/Panicum, 
 FugaDzmonum, Hypericum, \ | 
Fuhr⸗Leut feynd diejenigen welche der Kauff-Leut Güter über 
Land bon einem Ort zum andern verfuühren / und feynd uns fo viel 
Bnentbehrlicher/ ald aud) an denen Orten / wo die Natur Gelegenheit 
an die Hand gegeben / Kleine Fluͤſſe Schiffbar zu machen / oder Graͤ⸗ 
ben ir vaben / aufwelchen nıan ſich der fo genannten Tred-Gchu- 
ten füg r Br fönte/ gar wenig Lande-Obrigkeiten ſolche 
Comniodıtät dem Publico und Commercio zufchaffen bedacht feyn/ 
es feynd aber die Fuhr-Leute entweder Einheimiſche oder: Fremde / 
ene weil ſie ihre ordentliche Fuhren in-uud aufferhalb der Stadt ha» 
en / unterneßmen gar felten weite Reifen / wie theils Fremde / ſon⸗ 
derlich aber die Thüringer / Francken und andere Oberlaͤndiſche Fuhr⸗ 
Leute thun / welche mit ihren Karru⸗Wagens und Land⸗Kuſtſchen 
gantz Teutſchland Creutz⸗ weiß durchfahren / und immer von einen 
Dit zum andern Fracht annehmen / dahero auch eben wie die Schif⸗ 
fer oft in egliche Monaten nicht zu den Ihrigen gelangen/ einige kom⸗ 
men dabey fort / andere wann ſie ungluͤcklich mit den Pferden ſeyn / 
miüffen dabey erepiren / iſt es demnach hoͤchſt unbillich wann ein ar⸗ 
mer Fuhrmaun die Waaren richtig und wohl conditioniret geliefert / 
daß dannoch manche eigennügige Kauff⸗ Leut allerley Chicanen ma- 
chen / denſelben nicht die voͤllige Fracht zubezahlen / gleichwie hinge⸗ 
—F auch ſolche — Fug ihnen abgezogen wird / wann ſie die 
aaren nicht wohl eonditisnirt / oder zu rechter Zeit wie ſie verheiſ⸗ 
en / und welche gemeiniglich in den Fracht⸗Brieff Ipecificitet ſtehet / 
iefern ; der Fuhr⸗Leut broleſſion ſelbſt belangende / muͤſſen (fe mit 
einen 





MM ee MD Fa 
einen guten Geſchirr / das ift mit guten Wagen und Pferden um der 
Kauff-Leuf Güter wohl durch das Land zu bringen verfehen ſeyn / ſie 
müͤſſen auch die Waaren wohl auffzuladen / wohl zuzu ſchnüren / nrtt 
Stroh oder grober Leinwand zu bedecken / mit denen zerbrechlichen 
behutfam umzugehen / und geſchicklich damit zufahren / auch ber 
Teuer und Waller diefelbe wohl zu bewahren wiſſen / es liegt ihnen 
auch od getreulich mit den anbertrauten Waaren zu handeln / und iſt 

warhafftig Fein geringes fremden Fuhr⸗Leuten eine koſtbahre Ladun 

anzu vertrauen / welches ſie zum Theil oder gant beftehlen/ und ff 

— — unſichtbahr machen koͤnnen / indem ſie den Kauffmann einen 
alſchen Rahmen wo ſie zu Hauß gehoͤren / angegeben / wie wir da⸗ 
von unterſchiedliche Exempla hin und wieder Ba en / und foldhes fo 
manche Executiones die man hernach mit dergleichen Vögeln war 
fie ertappet worden vorgenommen / bezeugen koͤnnen / oder es fraudi- 
ten und beftehlen auch einige derfelben die Waar dergeſtalt / daß fie des 
uten Getraͤncks Unterwegs eine ziemliche Portion auszapften/ die 
ring aus der Tonne ohne diefelbe auffzumachen fo kuͤnſtlich zwiſchen 
den Stäben heraus zubriugen/ (und hundert andere Schelmenftuͤck / 
weiche wir um der Boßheit ſolcher Leut nicht mehr Thür und Thor 
zu öffnen/ mit Fleiß berſchweigen) zu practiciren willen / daß offt ein 
Kauffmann groffen Schaden darüber empfindet/ und feine gute Waa⸗ 
reun ein merckliches deteriorivet wird / am beſten waͤre es / daß ein 
jede Handeld-Stadt ihre gewiſſe Güter Beftätters Hielte / welche die 
Zuhr-Leut von langer Hand ber Fennten / und die guten bon dem 
ſchlechten zu unterſcheiden wuſten / auch daß man auf Mittel bedacht 
waͤre wie es mit dem Fuhrweſen zu Land etwas geſchwinder durch An⸗ 
ordnung friſcher Pferde und Fuhr⸗Leute auf gewiſſen Dertern/ Doͤrf⸗ 
fern und Flecken ( als bis anhero gefchehen) nröchte zu gehen koͤnnen. 
Was das Reche der Fuhr⸗Leut betrifft / fo iſt ſolches in einen eige⸗ 
‚nen Tradtat, welchen Herr D. Harprecht ausgegeben erörtert/ und im 
folchen gruͤndlich ausgeführet worden / mie mit den Fuhr⸗Leuten vor⸗ 
fichtig zu ſchlieſſen / wen die Erftattung des Schadens an Gütern 
und Waaren obliege/ abfonderlich wie weit die Cafus Fortuici art 
beyden Seiten zu præſtiren feynd / als da bertraut ein wohlgeſeſſener 
Fuhrmann / die ihm anvertrautePretiofa, einen andern übel berüchtige 
ten Fuhrmann / um folche weiter an Ortund Gtellezubringen / die⸗ 

fer gehet damit durch / und jener Fan Adtione Mandati, zur Erfegun 

angehalten werden; Ein anderer Fuhrmann verzögert ohne Urſa 
das ihm andertraute But in verfprochner Zeit zu liefern / und verur⸗ 
fachet dadurch des Gutes Verluſt und Schaden / ift alfo weiler in 
mora gemwefen / zur Erftattung gehalten. Einen andern Fuhrmann 
bricht wegen ber ſchweren Laſt fein Wagen / diefen iſt der Kauff- 
Ä mand 


— 


| . _gub 495 | 
mann / wann er nicht Cafum Fortuitum auf (id) genommen/ und vor | 
Pferd und Wagen gut gefagt / nichtd zu erftatten fchuldig / weil der 
Fuhrmann die Stärde oder Schwäche feines Geſchirrs am AN 
hätte wiflen follen. Ein anderer hat ein Gut auf 40. Meilen zu fah⸗ 





ten bedungen / wird aber durch Kriegs⸗Gefahr abgehalten / daß er 
ſolches nicht weiter ald aufdie Helffte des Wegs bringen kan / wege 
wegen er auch nur nad) Proportion des Wegs feine Bezahlung bee 
kommt. Begehet ein Herr des Guts eine Unborfichtigfeit/ daß er zum 
Erempel einen Fuhrmann Contrabande Waaren auffgeladen/ worü⸗ 
ber derfelbe arreſtirt / und mit groffer Gefahr und Unkoſten auffge⸗ 
Halten wird / fo ift ihm der Kauffmann ohne einigen Abbruch das 
hr⸗Lohn En Han ſchuldig / hatte aber der Fuhrmann an feiner - 
eit eine Nachlaͤßigleit begangen / alfo daß er enıweder die übernom- 
mene Fuhr gar nicht / oder doch nicht gebührender Maffen geleitet / fo 
würde ihn der Herr des Guts auf alles Intreffe (mas er nemlih vor 
Schaden erlitten/ oder was ihm vor Mugen durch des Fuhrmanns 
Rachlaͤßigkeit entgangen ) belangen koͤnnen. Golteein Fuhrmann 
gegen einen Kauffmann ſich verobligiren / mittelft einer gewiffen 
Recognition deffen Güter auf feine Gefahr an Ort und Stelle zu’ 
liefern / wurde er auch bor die Gefahr ſtehen müflen / und wann fich fol» 
Ge zutruͤge / Adtione Affecuratoria, don den Kauffmann können belan⸗ 
werden. Gleichfalls würde auch ein Fuhrmann der gefährli> 
e und bergichte "Wege ſuchet / da er doch die gemeine Land⸗Straſſe 
fahren kan / und darüber mit den Wagen ſtuͤrtzet und den Kauffmann 
Schäden an feinen Gütern thut / den Schaden durch die Klage ex 
locato erſetzen müffen/ welches auch ſtatt hat wann er die Waaren der 
Abrede zumieder / an einen Ort niederleget / da es nicht allerdings 
ficher iſt / oder ſolche einen andern zu fahren übergibt / oder bey) laug 
anhaltenden Regen ſich durch einen angelauffenen Fluß waget/ und 
dadurd) die Faſſer oder Packen naß werden / wann er zuunbegbemer 
Zeit die Reife antritt/ feinen Wagen fo fehr befchweret / daß der Wa⸗ 
gen dadurch umfallen muß / und die Waaren dadurch verderben / 
Am Fahren ſelbſt / ev oder fein Knecht / nicht genugſame Sorgfalt vor 
der Kauff⸗Leut Güter trüge / welches alled mehr vor eine Culpam 
latam alölcevem zu achten / und wie ſchon gemeldt/der Zuhrmann zus 
Grftattung des Schadens kan angehalten werden. 
Zuweilen feynd fie quch ſchuldig leviflimam Culpam zu prefliren. 
Mann ihnen nemlih über ihr ordinaires Fuhr⸗Lohn / noch eine 
a parte Erkaͤnntlichkeit verſyrochen wird / oder daß ſie ſich freywillig 
‚angeboten haben / jemand feine Guͤter zu fahren / weil nemlich derje⸗ 
nige / der ſich ſelbſt anbietet / allezeit zu einer groͤſſern Auffſiiht ver⸗ 
bunden: ſcheinet / das Anvertraute wohl au bewahren / als derjenige 


\ be 


— 





496 Sub 

bey dem ein folches zuthun gefuchet worden / je zerbrechlicher eine 
Waar auch iſt / je mehr wird auch den Fuhrmann auffgebürdet/Cul- 
pam leviflimam zupraftiven/ weil die Sache hier ſelbſt redet / und 


eine gar genaue Sorgfalt erfordert / ſonderlich wo ſich die Fuhr⸗Leute 


bor Capables in ihrer Profeflion ausgegeben / undexprelle Culpam 
leviffimam zu praftiven uber ih genommen / und mögen ſich der. obs 
gemeldten Feines die Fuhr⸗Leute dadurch entſchütten das (Je felber 
nicht gefahren / fondern ihre Knechte fahren laffen / weil ſie auch vor 
folcher ihr Verſehen / als eigen ſtehen muͤſſen / und dazu durch Adtio- 
nem leg. Aqvil. oder in factum koͤnnen angehalten werden ; welches 
auch ſtatt hat wann der Fuhrmann das bedungene Gut einen an⸗ 
dern wieder verdingen / und ſelbiges daruͤber zu Schaden kommen 
ſolte. Ob aber der Herr des Guts zu beweiſen habe / daß der Fuhr⸗ 
mann etwas verfäumet / und verwahrloſet / oder ob der Fuhrmann 
vor Bericht darthun můſſe / daß er eine folche Obacht ben den ihm 
anbertrauten Gut angemwand als es ſich gebühret / darüber feynd uns 
erſchiedliche Meynungen / die meiſten aber geben dahin / daß der 
Se zur Erflattung des Geldes / anderer Beftaltnicht fönne 
angehalten werden / als wann feine Unachtſamkeit oder Verſaͤumniß 
enugſam erwiefen worden. Ä 
as Cafus fortuitos anbelanget/ welche durch Menfchlihen Verſtand 
und Bewalt nicht haben koͤnnen zubor gefehen/ oder abgewenvet wer⸗ 
den/ ift fo wenig ein Fuhrmann / als fonft jemand / der etwas bedun⸗ 
en hat/ ſolche zupraftiven fhuldig/ in welchen Stuͤcken aber dieſes 
kin — leyde / iſt aus vorangezogenen Auchore mit 
u erſehen. | ar 
"Mon der Uberſetzung inden ——— wohl die Rechts⸗Leh⸗ 
rer — / dap was einmahl ſonderlich in dringenden Nothfall denen 
Zuhr-leuten etwanr zu viel verfprochen worden / ſolches auch müfs 
fe gehalten werden / jedoch hey allzugtoffer Uhermaaß der Richterli⸗ 
shen Moderation unterworfen feyn / fonften aber wo ein billiges 
Fuhr⸗Lohn bedungen worden / kommt auch den Fuhr = Leuten fo gar 
das jus rerentionis zu/ Krafft welchen fie Macht haben / die ihr 
fahren übergebene Sachen fo lang zu behalten / und diefelbe it. e 
fahren zu laſſen / bis wegen des Fuhr⸗Lohns mit ihnen Richtigkeit 
gemacht / geftalt fie dann auch zu dieſen Kechtör Mittel offtermahls 
ihre Zuflucht nehmen / ob wohl folches darumı ihnen Fein Pfand Recht 
einraͤumet / weil fie ſonſt andern Creditoribus, welche ein Pfand 
ben / vorgehen nıuften/fo aber im Rechten nicht obtiniret/weil die bloſ⸗ 
f — feinen Vorzug in der Ordnung der Creditorum ge 
en kan. EN 
Von der Collation des erlittenen Schadens / als zum er. 
r⸗ 


— ne Gen DE 
- 


| Fuh 497 


Fuhrmann führte Contrabande Waaren / und wüfte ich doch alſo 
au verhalten daß nicht alles was auf den Wagen / fonderunur wann 
ihm unterſchiedliche Kauff-Beute beladen / des einen fein But weg ge- 
‚nommen würde / der andern ihres aber verſchwiegen bliede / und 
durch pasfırte / haben die Rechtö« Lehrer aberniahl wegen der Erſe 
‚gung des Schadens / unterſchiedliche Diſtinctiones, welche bey be⸗ 
„meldten Authore koͤnnen nachgeleſen werden. Das Verbrechen der 
Fuhr⸗ Leute iſt entweder ein delictum publicum oder privatum, un⸗ 
ter jenen iſt zu bor derſt der Diebſtall / welchen die Fuhr · Leut oder BZo⸗ 
„sen / (dann dieſe werden den Fuhr⸗Leuten in allen gleich gehalten / 
weil kein Unterfcheid ift etwas auf den Buckel tragen / oder 30 Wa⸗ 
‚genfuhren/ ) begehen / wann fie von denen / ihnen andertvauten Sa⸗ 
den etwas mit Willen und Willen ahnehinen / behalten / ver pie len/ 
Lerſchwelgen / berfegen/ oder guf an dere boßhaffte Weite zu ihren 
Nusen anwenden / und an gebuͤhrenden Ort nicht überkefern /.und 
hindert hier nicht / ob dem Fuhrmann das Geld oder Butgleich zuge- 
sehlet / und unberſtegelt / oder um beuichloffen gegeben worden, 
aus welchem doch fonft einige Rechts⸗ Lehrer ein auf dem Fuhrman 
aransferivted Eigenthum behaupten wollen / und daß er als ein Dieb 
nicht koͤnne angeilaget werden / weil aber desieninen/ welcher der 
FuhrmannGeld anvertranet/ ſeine Meytlung nicht iſt / daß der Fuhr 
mann dadurch ein Eigenthum des Geldes uͤberlomuien / ſondern biel⸗ 
mehr ſolches nur an einen andern überbringen ſolte Zudem ouch ei⸗ 
ae bloſſe Ubergab / oder Traditio feinen das Eigenthum eines Dinges 
‚zu weg bringet / wann nicht ein Rechts beſtaͤndiger Titulus oderlUrſach / 
warum es übergeben wird / hinzu kommt / auch fo wenig an Seiten des 
Ubergebenden / als des Aunehmenden / die Intention oder Meynung 
Vorhanden iſt / dad, Dominium zUtransferiren oder ZU, acquiriren/ 
als bleibetd dabey / daß ein Fuhrmann der das ihm andertraute-@ut 
unterfchlagt / einen Diebftatl begehe. Anders wäre es / wann der 
Fuhrmaun aus Roth etwas angriffe / [beffen aberzu Zauf / fobe 
mittelt waͤre / daß er edgenugfan wieder zahlen koͤnte / in weichen Fall 
es auf den Ausſpruch des Richtes ankommen würde / weil fein Dieb« 
ſtall da geſchiehet / wo man nicht auch den Vorſatz dabey hat / das ge⸗ 
nommene vor ſich zu behalten / und nicht wieder zu erſtatien. Degen 
der Straff die ein Diebiſcher Fuhrmann leyden fol /variten ebenfattg 
die Rechts⸗Gelehrten gavfehr/ indem einige derfelben vermeynen 
daß die Fuhr⸗ Leute mit Poana ordinaria laqyei nicht zu belegen fi n/ 
weilben ihrer Entfremdung der Güte» stihtfo groffe Boßheit als bey 
andern Diebſtaͤllen ſich ereignet / indem ſie nicht in Die Käufer tie arts 
dere Diebe einbrechen / fondern Vielmehr Die. Serben mit des Herrn 
Bewilligung beousmen/ wur blof Has Contraät, (durch — 
N 


. 


498 uh | 

‚chen ihnen ſolche Sachen überliefert ) untreu and onvehtmäfig ven» 
fahren / zu dem geben ſie auch feine folche * — — —* 
-ten die Diebftalle mit ſolcher Verwegenheit aus / als andere / weßwe⸗ 
gen ſie dann auch nicht mit der ordinaire Straff / ſondern nach Er⸗ 
mäpigung des Richtes / nur mit den Staupenſchlag oder Lands⸗Ver⸗ 
mweifung tönten beleget werben / es wäre dann / daß fie das Diebs⸗ 


Handwerck lang practicirt / und keine Beſſerung von ihnen zu hofe. 


en waͤre. Ä Ä 
8 Sa die * Fuhr ⸗Leuten weg geſtohlen werden / ſeynd fie 
sicht eher ſchuldig die Erſtattung des ar thun / als bis d 
— dewieſen / daß ſie keine genugſame Acht auf die Güt 
egeben / und ſolche zum Exempel an einen Ort hingeleget / da ſie nicht 
| der enug geweſen. RR, | 
Shidetein Schuldner feinem Creditori Geld zu/ und bertraut es ei⸗ 
nem Zuhrmann / der damit durchgehet / fo mag der Debitor den Scha⸗ 
den felbk tragen/hats ihm aber der Credicor befohlen / durch den Fuhr⸗ 
mann oder Boten / der hernach Unterwegs untreu wird / das Geld zu 
fenden / ſo i es bor des Creditoris Rechnung. 
as ander Delidtum Privatum eines Zuhrmannd iſt / wann er dem 
affeneRäubern Gelegenheit und Anlaß giebet Khn zu berauben/ 
mit ihnen unter der Dede fpielet / und ober gleich nicht felbft Hand 
anlenet/ dannoch an den Geraubten participiret / ein ſolcher hat ale 
fevdings das Leben verwitcket. Wird er aber ohne feine id 
auf den Wes beraubet / fo if enden Schaden zu erftatten nicht ſchub⸗ 
dig / es waͤre dann daß der igenthums⸗ Herr erweiſen Eönte/ba ber 
ubrmann / da er einen ſichern Weg Hätte nehmen koͤnnen / einen Des 
neigen durch Wälder und Büfche / in welchen ra vielmahls Raͤu⸗ 
* mſdaiten / geſuchet / und alſo den Schaden ſelbſt verurſachet 
" A * 
a dritte: Deliftum Privatum , der Fuhr⸗Leut beftchet in harten 
Schmäh- Worten oder in borfeglicher Beſchaͤdigung / welche die Fuhr⸗ 
Rent denen’ die jle gedinget / ſo wohl an ihren Gütern ald Perfonen 
antun: Die Schelt--Worterft betreffend / fo ereignen (ich felbige ins · 
emein/ wann JFuhr⸗Leut einander in hohlen Wegen (ich begegnen/ 
dey welcher rencontte nicht unbillig die Frage hor kommt / wie 3 
gen einander auf oͤffentlicher and»Straffen ausweichen follen 
gun wäre hier zwar gleich Rechtens / daß derlenige / der zuerft in den 
hohlen Weg eingefahren / fich deflen auch / als einer frenen Straſſe 
am erften bedienenfolte. Der Billigkeit nach aber/ müffen diejenige 
welche den offenen Weg am uechſten feynd/ eher weichen/ als die mit» 
ten in denfelben ſtecken / weil fienemlich mit weniger Gefahr und Muͤh 
wieder heraus kommen Können / ſo muß auch der / welcher einen ledi⸗ 
* gen 


— — — —⸗ — — — ” 


— [ir — 


— — — — 
* 
J 


2 Sul Sum 496 
Ben Wagen hat / ober nicht fo ſchwere Laft führet / ehr als einer der 
ſchwer geladen zurück fahren. Ein Karn mug einen bollen Wagen 
ausweichen. Rach den SachfenKecht hat der den Vorzug in Pasſiren 
einer Brüde/ welcher amerften auf diefelbe gekommen / es ſey gleich 
mit einen leeren oder beladenen Wagengefchehen. Bey der Kaͤyſerl. 
freyen Reichs⸗Stadt — wird es in dieſen Stüd alſo gehal⸗ 
ten / daß auf der oͤffentlichen Land⸗Straſſen / und ſouſten auf engen 
Wegen / derjenige der einen ledigen Wagen hat / den beladenen aus⸗ 
Zeithen muß / wie nicht weniger eine Karre einen vollſtaͤndigen Wa⸗ 

en/ eine Miethoder Haur⸗Kutſche welche nur Perfonen fährt/ einen 

acht Wagen / welcher Güter geladen / und endlich ein Wage der 
aus der Stadt fähret/ denjenigen der hinein fahrenmill. Endlich ift 
noch zu mercken / daß einjeder der in einen hohlen Weg / oder zu einen 
Thor oder enge Straffe einfahren will / fofort beym Anfang mit der. 
Peitſche ein Zeichen geben muß / wiedrigen falls Ban ihm die Schuld/ 
des etwann entftandenen Schadens beygemeflen werden. | 
Die vorfeplihe Beſchaͤdigung / welche die Fuhrleute den Kauffleuten ar 
ihren Guͤtern und Perſonen thun / iſt / wie vormahls ſchon gemeldet / daß 
fie etwañ die Wagens zu ſchwer beladen/ und mit ſolchen hernach nicht 
fortkom̃en koͤnnen / oder daß ſie berwegener Weiß durchs Waſſer fah⸗ 
ren / und alſo die Guͤter naß machen / oder daß ſie gar Die Paſſagiers unte 
werffen / und dadurch entweder dieſelbe an ihren gefunden Gliedern 
berletzen / oder wol gar ums Lebens bringen; in dieſen und dergleichen 
Fällen ſeynd die Fuhriente ſchuldig / nicht allein latam & levem, ſon⸗ 
dern auch leyiſſimam Culpam zu præſtiren / die ſowol in committenda 
als omittendo beftehet / Inden ſie ald Leute anzufehen / welche per In- 
jutiam Schaden gethan/ und dannenhero dem Befchädigten die Hei⸗ 
fungs-Koften aus ihren Beutel bezahlen müffen ; oder fo es nurKnech⸗ 
te wären / die ein ſolches gethan / ſo würden doch die Herren dor ſie ro⸗ 
fponfables, und den Schaden zu bezahlen fchuldig feyn/bis dahin man 
ve Wagen und Pferde mit billigen Arreft belegen Eönnte, Endlich 
auch unter denen Öffentlichen Verbrechen der Fuhrleute begriffen / 
wann (ie ohne Geheiß ihres Befrachters den Zoll verfahren / und da⸗ 


durch (Ich und des Kaufmanns Büterin Gefahr fegen/ weiches ihnen 


dann / weil ſie allein daran ſchuldig ſeyn / auch allein zu tragen / den 

Kauffmann aber ſchadloß zu halten gebühten will, | 
Fulige, Ruß/ iſt der leichtefte Ay der verbrennlichen Sachen / der 

(ich in Geſtalt eines Rauchs erhoͤhet / und hernach condenfirt wird, 
Fumaria ſ. Garofmus. 

‚ Fumariabüulbofa f, Ariftoloch.rad, vulg. gemeine Holthwurt 

" Fumarıa, Erdrauch / iſt ein Kraut / fo A Jemnigens des Gebluͤhts 

recommendiret wird. ia Fumie 





500 Fum Bur 


- Fumigatio, eine —— iſt eine Zerfreſſung durch ſcharffe 
und beiflende Dünfte/ und zwar iftfolche zweyerley als eine feuchte / 
zu welcher. Agva fortis/ Wein⸗Eßig / odet ein anderer ſchaffer Liqvor 

ebraucht wird; und eine trockene / diedurch den Bley oder Dvcdie 
Mlber-Dampf gefchiehet. er | 

Fundere tft in der Chymie fo viel / alöliqvare beym Feuer ſchmel⸗ 
tzen / und kommt eigentlich den Metallen und Saltz zu. 

Fuͤnff · Blat / Fünff-Finger-Rraut/Qvingvefolium?entaphylion* 

Fung,Schwänme/unter ſolchen ſeon d 

Fungus orbicularis, vel Crepitus Lupi Bofift genanut / ein gewiſſes 
Gewaͤchs oder Schwamm / fo gantz leicht / und einen groſſen Pfiffer⸗ 

Ung gleich ſiehet / auſſer daß es inwendig voller Staub iſt / undeinig 
und allein zur Blutſtillung gebraucht wird. | 

‘ Fungus Sambuci, heller Schwaͤmme feynd gemein / und an vielen 
Drten zu finden; es iſt ein Dünner/ harter / ſchwartzer Schwanım/ et ⸗ 
mad mucilaginös, und faſt feinen Schwamm ähnlich / je groͤſſer dieſe 
Schwaͤmme ſeynd / ie werden ſie gehalten. 

rungns Cervinus, Roleti Cervini, Hirſchbrunſt / wuchſt haͤuffig fer 
den Waͤldern / wo ſich biel Hirſch aufhalten. 

Fuß⸗Maaß / gehoͤret auch einigermaſſen mit zur Kauffmann⸗ 
ſchafft / weil viel Waaren in derſelben vorkommen / welche nad) dent 
Fuß Maaß / Daumen oder Zollen müſſen uͤberſchlagen und berechnet 

erden. 

Fuſtel oder gelb Holtz / wird zu den gelben Barden / fonderlich zu 
Couleur de Chamoig, imgleichen aud) zu der Oliven Farb und Feuil · 
les mortes gebraucht. | 

Fufti, dasjenige/ was an einer Waar unreins iſt. | 

- Futteral, Frantzoͤſiſch E’ruy, werden ſowol von Holg ald gepapten 
Papier zu Spiegeln und andern Sachen / welche eine Bewahrung vor 
den Staub oder eines llberzuges nöhtig haben / gemacht / und Er 
insgemein mit Papier oder Leder überkleidet / auf das ſchoͤnſte ver« 
gäldet/und inmendig mit Papier / Sammet oder ſeidenen Stoffen 
— Die Buchbinder wiſſen wohl damit umzugehen; was 
aber die Uhren ⸗· Gehaͤus belanget / fo ſeynd darzu in Franckreich und 
Engeland eigene Leute / welche ſolche machen / und gleich wie die Uh⸗ 
venmacers/ viel Stuͤcke zu einer. Uhr gehoͤrig / eintzeln und auch Du⸗ 
gend-mwuife kauffen / und ſolcher Geſtalt leichtlich zur Verfertigung ei⸗ 
‚ner Uhr gelangen koͤnnen; alſo haben ſie auch die Bequemlichkeit / fol» 
che fertige Uhren · Gehaͤus kuͤnſtlich und auch ſchlecht gearbeitet / gleich 
festig zu bekommen. a 7 Dr 

. Gabella 


J 








> =. a u 8 


bon den Borderften old den 
als den fchlechteften/ welche fie Kreyer nennen /. alfo/ daß der / nselcher 
Noum i als das befte ziehet / auch dabey N. soo. als das fchlechtfte / - 





Gab 2... 5OR 
| NE: t G. 
6G33 der Wein⸗ Zoll in Franckreich. | 
‚Babelung oder Eavelung / iftein Wort / welches droben am 
Rhein-Strohm / ſonderlich in den Ringau gebrauchet wird / undein 
Sortement der Rheinischen Weine / die durch das Loß follen beraü <tio- 
niret werden / bedeutet/ womit esfolgender Beftalt zugehet: Es wirb 
einlich von Chur⸗Maynh / unter deſſen Behtmäßigkeit das Ringas 
ehet / eine gewiſſe Deputation bon etlichen -Pralaten genrachet / wel⸗ 
he unterſuchen müſſen / wie viel Stud Rheiniſchen Weir‘ nach belle 
achter Weinleſe in a oder jenen Diſtricts des Ringa us / fonder« 
fich zu Hochheim / gemalhet worden. Diefe Unterfuchu sg und Aufs 
ae der Weine gefdichet zu dem Ende / damitma nnicht allein , 
eu Borraht des Weins erkundigen / fondern allen Moıno-und Pro- 
poliis vorfommen und berhindern moͤge / dap die guten Meine nicht 
allein weggeſuchet / und die ſchlechten beliegen bleiben / oder daß ein 
Landmann / welcher eine gute Weinlefegehabt/ den arıdern ſeinen 
Rachbarn im Verkauf feinen Schaden thunkönne; diefewu nach muß 
fediweder von deflelben Diſtricis Unterthanen / feine Stucher Wein/ 
die er in dem Herdſt gemacht / bey denen Herren Deputirteis angeben/ / 
worauf ſolche Weine gekoſtet / und durchgehends ſchlechte u nd gute zu 
einerlen Preis / jedoch dergeſtalt auf die Audtion, welche man (Babes 
lung nennet / geſehet werden / daß man die Ausprobirte bee Büle und 
Qyalität nad) (zum Exempel/ warn deren soo. indem Hochhetmiifchen 
Diftrietwären befanden worden/ bon No. 1. als den beften an / his auf 
Num, suo als den in der Prob ar fchlechteften befundenen) ıume- 
siret. Hierauf gewiſſe Loß⸗Zettul machet / von welchen jeder Zu ttulz, 
Stůck Rheiniſchen Wein in ſich begreiffet / und zwar allzeirı. "Stüd 
444 und ein Stuͤck von den Hin terſten 


und der / welcher Num. z. bekommet / auch Num. «oo. und ſofort an bis 
endlich in der Mitten zoo. und zor. zuſammen kommen / nehmen muß / 
and zwar in dem Preis / welchen die Weinhaͤndlers dafuͤr zu geben ge⸗ 
Boten haben / beywelchen Boht die Mayntzer / als des Churfürften Un⸗ 
terthanen / allzeit den Vorzug haben; will nach ihnen jenrand mehr 
bieten; fo ſetzet derſelbe den Marck⸗Preis / darnach ſich alle diejenige / 
welche Rheiniſche Bein einkauffen wollen / richten muͤſſen; Es ſeynd 
aber ſolche Kaͤuffer obligiret die Lotterey-Zettul bey denen Depu- 
cirten der Gabelung zu — und zu erwarten / was ihnen das Glück 
bor Rheiniſche Weinftüce in Händen ſpielen wolle. So nun z. E. 
jemand 4. Loß⸗Zettel ben der a — fo würde er —* 
J ji 3 8. 


302 Gag Gal 
3. Stůcke Rheinifchen Wein bekommen / welche ihm dann von dene 
Schreiber der Gabelung angemwiefen werben / bey welchen Bauren 
oder Landmann er folche abzufordern Hat / deme er auch das Geld da» 
für (den bey der Babelungs-Aition bedungenen Bandpreid nach ) zu 
—— Was dieſenige Stuͤck⸗Faͤſſer betrifft / welche in der 
Prob zu fehlecht befunden worden, felbige werden nicht mit in die Ga⸗ 
belung gebracht/ fondern den Bauren / um folche felbft/ fo gut ſie koͤn⸗ 
nen / zů Verfauffen gelaffen / wie dann einigewol lieber wünfchten/ 2 
die Gabelung gar nicht einge 5* waͤre / damit ſte ſolcher geſtalt ihr: 
Meine felbft im Preis / fo hoch ſie wolten / halten koͤnnten. — 
Gagates.eine Art einer ſchwartzen ſteinigten Erde / welche / wann fie 
engezündetiwird / wie Pech brentiet / und einen ſehr ſchwarhen Rauch 
Bon ſich Ben ihren Rahmen vom Fluß Gagain Cilicien, in deffen 
Schlund ſie vor dieſem allein gefunden worden / heutiged Tages aber 
findet man ße auch haͤuffig in Teutfchland ; fte ift von den Stein · Koh⸗ 
len darinn anterfchieden/ daß diefe keine Flammen von fich geben;/ fte 
werden dann mit einen Blasbalg angeblafen. So riechen ſie auch 
nicht nach Pech / hingegen brennet der Gagar gleich/ warn er ans Feuer 
gehalten wird / gibt auch einen Pech⸗Geruch von ſich; etliche nennen 
bin einen ſchwartzen Agſtein / dar er doch keiner ift / ſintemahl der Ga- 
gares ſteinigt und ſchwer / der Agfteinaber leihtift. Er wird aud) 
bon einigen Piffasphaltum , abet. mit Unvecht/ genannt / weil ſolches 
was gemachtes / der Gagates aber natürlich iſt. —— 
Galangæ majoris de: minoris Radix, groſſe und kleine Galgant- 
Murel/die kleinere wird am meiſten gebraucht / weil ſie den groffen 
am Geruch und am Geſchmack übertrifft / auch nicht ſo roht / fondern 
blaß⸗roͤhtlicht dargegen iſt. Man hat den Galgant auch in unfern Rän« 
dern gebauet / er will aber nicht fortkommen; hingegen kommt der be⸗ 
ſte aus Syrien und von Alexaudria, und weil er ein klein wenig der 
= Cyper-Mu el gleichet/ Haben ihn einige Cyperum Babylonicum. ges 
Nannt. Er ſoll nicht wurmicht und leicht, fondern knockicht compadt 
und feft ſeyn. Die fleine Galanga Wurgel wird am meiften gefucht/ 
auch deswegen mit der groffen offt bermenget / man kan aber den Bes — 
trug gar leicht fo wol am Geruch ald an der Farb erkennen / indem die 
Heine gr tffer aufder Zungen beiffet als die groſſe / aud) dabey 
roͤhtlich ausflehet / welches beydesan der groffen nicht zu finden ; fo 
fennd auch die Stücken des Fleinen felten groͤſſer / als ein kleiner Fin« 
et / da die andern wol eines Daumensdid feynd. Diefer beyder 
urtzeln {iM Kraͤfften kommen mit der Zedoaria und Calmus über« 
ein; Gie haben wegen ihres flüchtigen Saltzes und Aromatifchen 
Oels eine erwärmende Krafft / und dienen abfonderlich in allen Mas 
a | gen: 


Gal | 503 


— — — — en — — — 
gen-Befchwerungen/mie ſie dann auch bie Branntwein⸗Deſtillirer un” 
ter ihren gewuͤrhten Magen-Branntein brauchen. Es ſollen ſich 
auch die —— ſehr haͤuffig der GCalgant⸗Wurtzel zum Eßig⸗ 
machen bedienen. Sie wird in kleinen Saͤcklein zu uns gebracht / und 
nach Pfunden verkaufft. 
oalanterie · Waaren / welche mehrentheils bie antzoſen und Ita⸗ 
Kiäner heutiges Tages führen/ und damit alle Gaſſen der vornehmſten 
Refident-Gtädte befehen / auch durch ihre Colporteurs oder Tablete 
Traͤgers / Dieners und Jungens / dad gantze Land / alle Edelhoͤfe / Fle⸗ 
efen/ Doͤrffer und Haͤuſer durchſtreichen laſſen / ſeynd allerhand zut 
Kleidung und Leibs Zierraht beydes des Mannes und Frauen · Volcks / 
dienende koſtbahre Richtswuͤrdigkeiten / "die endlich / Info weit fie von 
Seide und Wolle feynd/ zu umpen werden / indeſſen aber demlenl⸗ 
gen / der ſie haben muß / ein groß Geld aus dem · Beutel bringen ; oder 
eö fennd Galanterien bon Stahl-Arbeit/ item zierlich und neu-modi= 
ſches Haus⸗Geraͤht / Pferd⸗Zeug und dergleichen Bagatelles pretieu⸗ 
fes, deren wir nur (denenjenigen / die mit dergleichen Waaren ih zu 
ſortiren Luft haben / zu Gefallen) eine undandere erzehlen wollen: 
Da ſeynd toutes fortes d’ etoffes des Indes ‚ allerhand Indianiſche 
Stoffen / als Taffet / Satin, Atlaß / Damaſten / glatte und ßgurirte / des 
robes de Chambre de fatin peint, Schlaff-Röde von gema ten Atlap/ 
* des HabitsentierstresMagnifiqvesfehr prächtige gantze Kleidungen / 
toutesfortes d’ etoffe de foye, de France, d’ Italie, d’ Hollande ; aller» 
hand feidene Stoffen/ fo in Franckreich / Itallen und Holland gemacht 
werden, leichte und ſchwere / koſtbare und wohlfeile / Talletas Luftres- 
&Glacks,Luftre oder@lang und gewaͤſſerten Tafft / Luccenſer und Ge-, 
nueler, item Avignons-Tafft zum Unterfutter/ gros de Näpels, gros 
de Tours, allerhand Art Sammete / des velours de toutes fottes 5: 
> und geblümtebon allerhand Couleuren; Nechft'diefen aller⸗ 
nd wollene leichte Franhoͤſiſche Sommer-Stoflen/Crepons, &tami- 
nes, Dielechand Serges, halb Seiden und halb Wollen / gant oder halb 
Rollen und halb Leinen: Vielerhand Art von Struͤmpffen / als Wol⸗ 
keme/ Seidene/ geknütte oder geftrichte/ gewebte / kunge) kurhe / ; oder 
4, Drat/ Manns und Frauens Sommer-und Winter⸗Struͤmpffe / 
gewalckte und ungewalckte / Euglifche/ Frantzoͤſiſche / Hamburger / 
Saͤchſiſche / Berliner’ Altonaer’ und wo ſich etwan fonft Franhoſen 
fest haben / und aus des nechſten Lands· Wolle / nachdem ſolche im Be⸗ 
ruff iſt gute Struͤmpffe machen / angefangen; Ferner von Seide⸗ 
nen Strümpffen/ Italiaͤniſche / als nemlich Milaneſer oder Engliſche. 
Toutes fortes de galons d' or, &d argent Raiſeaux, point d’Eipa- 
gne& de France, &o. allerhand At Gold und Silberne Galonen / 
Poflementen/ Treſſen / Lihen / — Knoͤpffe / Spigen/ rd 
4 


i 


504 Gal | 
Duäften/ Fränfen / geſponnen Bold» und Silber-Drat und derglei⸗ 
hen. Item allerhand Cöleur Seide und Geiden-Band/ Cin-un® 
Auslaͤndiſch / Parifer/ Englifch und Hollaͤndiſch / glat/ geblümt oder 
figuriet / doppelt/ einfach / gewaͤſſert / ſchmal / breit / FIoret und Ca⸗ 
meelhaaren. Allerhand fertige Echarpes dor das Frauenzimmer / 
brodirt / außgenäht/ mit Falbalas, gang bon Spitzen / oder nur mit 
Spitzen befegt / bon Tafft / Sammet / oter andern Seiden ⸗Stof⸗ 
feu. Des Cõeffures de Gaze, de Papier, de Dentelles, de Rubans „; 
de Velours, Kopffzeug vor das Frauenzimmer von Gaze, Flox / Pa⸗ 
er / Spitzen / Band / Sammet oder andern Etoffen, alles auf unters: 
iedliche Arten als Fontanges, Battenoeils, Nacht · Mügen / Cor»: 
nets, Calqvers,&c, Itemallerhand Schlaf» Muͤhen vor Frauen / 
Mannduud Kinder. Allerhand Kappen / ſchlechte oder mit Mouches 
ausgenaͤht / zu Freuden und zur Trauer / vor alte und junge / vorneh · 
me und gemeine Leute. Allerhand Plumes oder Federn auf die Huͤ⸗ 
te undzu.Masqveraden, zu befegen und zu garniren / gemeine Muͤhen 
ver Kinder. und bürgerlichen Perfonen. * 
| Be ein folder Galanterie-Rrämer auch haben allerhand Flor/ 
antzoͤſiſchen und Staliänifchen/ ſchwartz und Couleurten / zu Freu⸗ 
Ben und Trauer / Fiſchbein / Seideneund Iwirnene Spihen / Bra« 
bandiſche / Frantzoͤſſche / Englifche/ / Tunderiſche Annabergifche und. 
Venetiani che /des Points a la Reine, Pojnt d’ Angleterre , de Mali- 
nes, &c. genaͤhete und geknuͤppelte / breit und ſchmale / wohlfeile und 
und theure/ gantzes Nachtzeug und Nacht-Mäntel / Kragens/ Hals⸗ 
Tücher / Kopff⸗Zierrahten. Vielerhand Fechtels oder Sommer⸗ 
enher/Eventails genanut / ſchlechte und feine / gemahlte und glatte/ 
bey Dutzend und Stück⸗weis/ ind Porcellain , allerhand Thec-, 
Zeug / Irieule lackirte Sachen / koſtbaren Haus · Geraht / ald Guerin 
dens, —— Ttfäe! Käftgen/ Raͤhkinfen / Knüppel⸗Laden / Ta- 
bletten, Treforen, Stühle/ Bettftellen / Schend-Tifche/ Brettſpiel / 
Schreib⸗ Zeug / Apotecker⸗ Kaͤſtgen / Colle⸗Muͤhlen/ —— / 
Saltz⸗Faͤſſer / Spiel- Zifche/ Meſſer · Veſteck / Zuttral/ Hüte. Allere 
hand kleine und. feine Gilber:und Stahl⸗Arbeit / als Degen⸗Gefaͤß / 
Schuhſpangen / Balſam· Buchſen / Tobacks⸗Doſen / ſaubere Meſſer 
und Scheren. Vielerley Handſchue / parfumirte und ohne Parfum, 
vor Frauen / Manns und Kinder / Trauer / Reit Sommer:und Win⸗ 
ter⸗Handſchue / brodirte Tabliers oder Schuͤrtzen / Palatines. Aller-⸗ 
hand Arten Neffeltuch/ feine Hollandiſche und Tammer⸗Leinwath / ge · 
note Cravattes ober Halſtũcher aufallerhand Facon a la Steinkir- 
es, mit Gold ausgenaͤhete / von Sammet und Tafft. Vielerhaud 
Arten Muften/ Mafqven, barben / Feld⸗Betten / Gewehr / vare Par 
fums;Eflengen, SchuupsZobad/ Sans Paudre,RofofinThie,Cof, 
0 


ö— — 


Sal 505 
Chogvolate und dergleichen. Welche Galanterien insgeſamt heuti⸗ 
ges Tages am beften auf einer Leipziger Oftercoder Michaelis · Meß 
eingefauffet werden / weil dafelbft h vielerhand Narionen zuſammen 
kommen / welche alle dasjenige mitbringen / was ihr Land bor ander 
rares und fonderbares ausgibt; es wire dann Sache / daß einer ſon⸗ 
derbar mit dieſes oder jenen Lands Waaren/ als mit Englifchen oder 
SHolländifchen alein handelte / da ihm freylich nach folchen Yändern per⸗ 
fönlich Hinzuveifen / und dafelbft feine Kundſchafft zu fuchen / voraus 
Pf ofitable würde. j 

* Galappa, vide Jalappa. | | 

: Galbanum ift ein Hartz fo ſtets meich ift / Fommt bon einen Kraut 
Ferulä, oder zummenigften ſiehet felbiges Kraut der Ferula gleich / 
and heiſt eigentlich Machopium , ed kommt aus Syrien / und fol 
f&hön granulirt / und faft dem Ammoniaco gleich fehen/ das befte 
falut hell / gelblicht / rein / fett/ weich / und iſt allezeit mit Schelffen oder‘ 
Kinden ſelbiger Gewaͤchſe untermengt / gut waͤre es / wann keine 
Heine Stein und Sand dabey gefunden würden / es findet ſehr / 
Doch nicht fo gar abſchaͤulich als die Allalcetida, ehender aber al$ 

je Opoponax, in der Artzeney hates mit dem Gummi Ammonjaco, 

s iche Würdung nur daß dieſes innerlich / jenes aber aͤuſſerlich ges. 

vaucht wird / das Galbanım wird — wann man es in ei⸗ 
nen waͤſſerigten Liqvore, Eßig/ Safft oder Wein ſolviret / durchdruckt 
and insp:firet. Einige hängen es inſeinen Tuͤchlein / über einBalneum 
Vaporis, und laffen alfo das veine heraus tropfen / oder thund in ein, 
fiedend Heiß Waſſer / und werffen die oben her ſchyemmendellnret⸗ 
nigkeit hinweg. Inder Medicin hat ınan davon das defillirte Del’ fo 
ein hevriicheö Medicament in Mutter-Befehwerden /item das Em- 
plaſirum de Gaibano , fo hoͤchſt beruͤhmt iſt die Seirrhofen, Benlen/ 
and Geſchwuͤr zu erweichen. Seine Verfaͤlſchung geſchicht mit Boh⸗ 
nen⸗Mehl / Hartz / und Gummi Ammoniaco, 

Galega Ruta Capraria, Gaͤnß⸗Kraut / Flecken⸗Kraut / wilde oder 


Geiß⸗Raute / treibet den Schweiß und Gifft / iſt auch gut in Pefi- 


lentziſchen Fiebern / item vor gifftiger Thiere Biß und Stiche / die 
daraus breitete Stuͤcke ſeynd das Waſſer / die Conſerva, der Sy» 
cup / der Safft/von welchen man den Kindern 1. oder 2.Löffel voll wi⸗ 
der die Wirmereingiedt, — 
Galeopſis Scrophularia maj. urtica mortua, Taube⸗Reſſel / urtiea 
iners five mortua, ſtillet den Ourchbruch und rothe Ruhr. 
Galericulata Lobeley ſ. Lylimacbia, 
Galgant / vide Galange R, 
Str Gall 


506 Gal Sam 


- BallAfepffel/ Galle eitne Frucht deren es unterfhienliche Bat=- 


tungen /giebt klein und geoß / ſchwartz und weiß / glatt und Enodigt/ 
ſchwer und leicht / fie nik auf hohen —— und werben tm 


Handlungen folgende Sorten geführet/ ald Tuͤrckiſcher oder Sorlas 


nifcher/ Smirnifcher/ Tripolitanifcher und Aleppifcher Galles / der 


ſchwereſte / ſchwaͤrtzeſte und knockigte ift der befte / er waͤchſt auch hier 


zu Lande / an unterſchiedenen Orten / vergleichet ſich aber in der Schwe⸗ 


ve und Wuͤrckung mit jenen gantz nicht / ob ſie gleich ſonſt ſchoͤn glatt 


und rund ausſehen / jetziger Zeit brauchet man faft nimmer über z. 
Sorten / dann wann man die Tuͤrckiſche begehret/ fo ſeynd ſchon al ⸗ 
lerley Sorten beyſammen / daß es Feiner Mühe bedarff ſolche ferner 

zu miſchen. In kuglia gibts dreyerley Sorten Gallas, nemlichGallas 
Marmonigas,fo die beſten / Gallas Auguſtinas und Gallas Verinas, fo 


die fhlechtefte / Diefe dreyerley Sorten / und noch wohl mehr/ findet 


man ebenfalls ſchon untereinander gemifchet / werden in Gäden here 


aus gebracht/ und in Hamburg mit s}. Rabbat mit Banco Geld er» 
kaufft / die Ihara daneben 1. pro Cent, 


ſchiedenen Farben / als weiß mit einer Emulfion hon Mande 
mit friſchen Citronen⸗Schalen / x. | Ä 


Gallitrichium Sativum . Horminum; 


Gallert wird auch vielfältig aus Hirſch⸗Horn gemacht / * 
/ gelbe 


Gallitzen⸗Stein / Vitriolum Album. | u 

Gallium Meyer «Kraut / unfer L. Frauen Bett» Stroh dienet 
vor das Bluten der Nafen/veiget auch zum Ehlichen Werden. 

Galmey⸗Stein / Lapis. Calaminaris, vid, Cadmia fosflis ‚weiffer 
Galmen/ vide weiſſe Nicht. | ſe 

GSalmey⸗Flug / Nihilum Album, 

Galreda Gallert / ein dickgemachter leimigter durchſichtiger Safft / 
fo meiſtentheils ausgekochten Kalber⸗Fuͤſſen gemachet wird. 

Gamaicu Lapis, vide Pocken⸗Stein. 

GSamanderlein / vide Chamædys. 

Gamandræ, Gummi Guttæ, Succus Hollandi, Gummide Pert. 

Gammarus, ein Hummer oder Meer⸗Krebs / ſeynd an Geſtalt 
den kleinen Fluß und Strohm⸗Krebſen zwar gleich / aber weit groͤſſer 


and offt ein oder zweyn Spannen lang / haben ein grobes / ſtarckes / und 


faſt unverdauliches Fleiſch. 


Gammari oder. Cancri marinirotundi, werben bie fo genannten 
Taſchen⸗Krebs betituft / welche man in Holland Krabben oder Ser, 
Krabben heiffet / diefe haben unter dem Schild ihres runden * 

| | n 


nn un Ma ei — — — — 


Sin Bar 507 


a — ——— — — — — — —⏑ — 777— 
—— Reibs ein wenig zartes und ſchmackhafftes Fleiſch / fo 
An icher ald den Hummer ihres ift / zudiefen See-Krebfen 
zehlt man auch noch der fogenannten Barnefen/ Sqvilla oder Cran- 
gones, in Hamburg Krabben genannt / diefe werden fowolin der Ofte 
als Weſt⸗See häufig gefangen/ aus Salt und Wafler abgefotten/ 
und hin und wieder zum Prafent perfand. h 

Gänß-Augen/ Bellis minor, folidago minima, . 
Saͤnß · Blume / Fl. Paralyfeos , item Bellis minor Buphthalmus, 
Gänß-Diftel/ Sonchus Sylveftris, Sonchusafper, Dioſc. 
Ganß · Kreß / BurfaPaltoris, Crifpnla, Pe 


— 8 F 
fe Koͤtich · Ertz / iſt in den Bergwercken ein Art Ertz wieein 
grün gelbligter Horuſtein. | 
, Gäng-Ataut / Egvifetum, Potentilla, 
; Gänß-Pappeln /Malvaminor. 
Earafel⸗Kraut / Caryophyllata, Herba benedicta. 
Garb ⸗ Kraut / Millefolium. | rn | 
j ——— el⸗Waſſer dienet den Schlund und die beylie⸗ 
gende Theile auszuſpuͤhlen / hierzu R- Flor. Malv, Rofar. balauſt, 
a,a-Mj.: Hordei mund. Mjj. fol. plantag, vinc. per vinc, aurieul. 
mur. alchim, a, a. Mj, Cort.cit,3, Obentin/ Alum. Crud, 2.Qbens 
tien / koche dieſes alleg in oͤſch⸗Waſſer / fo mit Stahl öffterdabgelä« 
ſchet / und mifche s. Loth Maulbeer-Safft darunter. 
Garn / vide Leinen Sarn. 
Garoſmus urularia ↄſtinckende Hure / Atriplex fœtida. 
Garouille, eine gewiſſe Farb / welche der Melir-Wolle/auf die Mit⸗ 
tel⸗Farb von grisderar, eine fehr ſchidliche Farb giebet / dahero ſie 
* — wohl den Schoͤn als Schlecht: Faͤrbern zu brauchen erlau⸗ 
et iſt. | 


” Garren-Bactllen/Crechamushortulanı - 
Garthoff / Gartenheil / Gartheher / Gartel / Glerwurtz! Abrota- 
num mas, 
Garten⸗ Scharlach / Gallitrieon, orminum vulgare, 
Garten⸗Rapungzel / Sifer,Sifar. | . 
Garten⸗Cypreß / Cyparillus hortulana. 
Sarten oder groß Baldrian / Phu feu Valeriana Major 
Garten⸗Eppig / Petrofelinum vulgare, 
Garten⸗ Klee / Lotus hortenlis, Trifelium odoratums 

GSarten⸗Kreß / Nafturtium hortenfe, 

Garten⸗ Pappel / Malva Arborea. 

79 Gar⸗ 


sog Gar’ Gef 


Garten⸗ — Cuminum Sativum. 
Garten⸗ Saffran / Carchamus, erocüs ‚hortenfis , Cnicns her 


tülanus. 


Garten⸗Safft / weiffer Erica Sacivat, 
Gartenscariol, Endiva minor, 
Garten⸗Spargen / Alparagusaltilis, 
Garten⸗Seligung / Valeriana Major, Pphu minus. Er) 
Garten ÄVermutbh/ Abfinchium Ponticum, 
GSauch⸗ Habern / AvenaCazxca, Feſtuca. 
GSauch⸗ Blumen / Naſturt. Pratenke; Gauchheil / —— 2 
Sauch⸗ Brodt / Gugucks⸗Klee / Acztoleln Panis cuculi, Allelu« 
jÄTragapogon. | 
Gaude ift eine Pflange/ welche theils vom ſich —* is ab idee 
durch Zielung in den meiſten Landſchafften in > — 
wird ſolche in leichter Erde gantz dünne gefdet Int: * * 
und Septembris, und nächdeme ſie wohl geläbte und von allen frem⸗ 
den Kräutern wohl gereiniget ift/ wird je den darauffolgenden Mo» 
nath Juni und Juli zeitig. In denen warnen Fändern findet man 
felbe offt ſchon trucken genug / wann ſie eingefammlet wid. In den 
kalten Rändern aber muß man ſie doͤrren / auch muß man acht 
das ſie nicht naß oder feuchte werde / nachdem ſie eingefanımlet wor⸗ 
den/nochfelbe/ bevor 2 recht zeitig if. Die Gande, fo klein und röth" 
Licht ift / hat mehrKraͤffte als die groſſe und dundel-grüpe. Diejenie 
ge/fo ſchwaͤrtzlich faͤllet / oder ſchimmiicht iſt / wann ſie nemlich gene« 
det / oder zu gruͤne eingeſanunlet worden / * geringſte von allen/ 
undgtebeteine blaue Farbe, 


Sebrandt Aupffer/ Esuftum, | 
Gebrandt Bley) Plumbum uftum, vide Buy, j 
Gebrandt el — —— te 
Gediegen Ertz / welches / (eöfey glei Orr eitererd 
— 1 täß/eh ed ind Feuer kommt. * 
Gefeilter Stahl / Raſura martis, 4 
Gefeinte Roſen / — an u 
— — — J Matricaria multiflora, 
Peterlein/ Apium hortenfe maximum. ) 
Rohr mie Marck / Calamus fardtus, hirando Grün - 
Groß Hahnen⸗Fuß / Ranunculusgramineus Coronarius, 
Kleiner Hahnen⸗· Fuß / Ranunculustuberofus,- 
Re Srußwurtz / Ranuneulus tuberoſu⸗ anglieus, 


"Gefüllte 


—.— - une 


BERERE 


- — — — PER Pen e — — — —e — — 


Gef Gei 509 


Gefuͤllte Naͤgel⸗Blum / Caryophylius multiplex, ! 
— widerſtoß / Ocymaftrum multiflorum, | 
Schluͤſſel⸗Blum / Primula veris multiflora, 
Galden Leber-Araut / Hepatica aurea multiflora, 
Mlaagen-Saamen/ Papaver polyanthos, 
Narciſſen⸗Roͤßlein / Narcifl. I. polyanthos Matth, 
Joſephs Stäblein/ Pfeudo Narciflus, luteus polyanthos, 
Bönigs-Kron/ Corona imperialis , Secunda polyanthos, 
Wegereich/ Plantago multiplex. 


Seafundene Sachen müffen ihren rechten Heren wieder zugeſtel⸗ 
fet werden / wann Ay babe folche unwiſſend auf freyer Siraffen 
Son dem Wagen oder ausden Schub» Sad verlohren / oder unver- 
ehens liegen laſſen haͤtte / ſo gar daß auch derjenige / der foldhır gefun⸗ 
n hat / wann er wohl nicht wiſſen ſolte / wen ſie zugehoͤren ver bunden 

iſ / ſolches öffentlich an gebuͤhren den Ort auf der. Cantzel und gemeinen 
ze verfündigenund publiciren zu laſſen auch warın hierauf je⸗ 
and erſcheinet und zwar nach Saͤchſiſchen Recht binnen s. Wochen 
and. Zagen/ von der Publication anzurechnen /) und gemwifle Wahr: 
deichen bringt / daß folched gefundene But fein geweſen / oder daß er 
auch einen Eyd in Mangel anderer Wahrzeichen darüber prattirt/ ih⸗ 
me ſolches alddann 5* zu laſſen / jedoch daß / ſo es in Ländern ge⸗ 
ſchiehet / die des Saͤchſiſchen Rechts ſich bedienen / derſelbe dem In: 
ventori dem dritten Theil des Werths vor das Find⸗Lohn gebe / nach 
Bun Känferlichen Rechten aber ſtehet es ihm frey / od er etiwas ges 
wolte oder niit. vid Dn Carpz.3.31.18.n.0. wuͤrde (id) gar nie» 
mand angeben So gehoͤret abermahl nach Saͤchſiſchen Rechten zwey 
Dritheil des Gefundenen der Obrigkeit —— Orts / und den Fin⸗ 
der ein Drittheil / nach Kaͤyſerl. Rechten aber behaͤlt ers gantz / id 


Synt, civ. Ex 41th. so. item verlohrne Sachen. 
GegemStrafß/Borrago, | 

n Gehalder Ertz / odet ihre Guͤtigkeit / wie biel ſie an Metall, 

alten. “ 


Gehornter Mond / Papaver Corniculatum, | 
Gehoͤrnter Waſſergarben⸗Ktaut / Millefolium agvaticum 
Eornutum, — —— 


Geiffer oder Speichel⸗Wurtz / Pyrethrum. | 
Geigen oder Violinen. Ein bekanntes Muſicaliſches Inftrument 
bon welchen man unterfhtedliche Arten findet / als erſtlich ein Mono- 
chordium oder eine Geige nur mit einer Säite und fehr langen und 
holen Corpore, ſo gemeiniglich bermittels eines Spanners durch ein 
eiſetnes Raͤdlein / und aicht wie andere Geigen durch die — ge⸗ 
pan- 


144414141 


510 Si 
fpannet und geſtimmet / auch von wegen ihres Klangeb / nachdem (ie 
mit dem Ziedel-Bogen geftvichen worden / einer Trompette gleichet/ 
und daher Trompette Mariria genennet wird. Man hat auch Pochet⸗ 
gen ober Sack⸗Geiglein / dabon einige wie ein Mefler formiret/und 
nur drey /andere vier Saiten haben/auch fehr beqveimin den Schub» 
Sad können geſtecket werden / ferner Einfache oder Brettlei i⸗ 
a vor die Lehrlinge/ Opart ⸗Geiglein / welche kleiner jind als die Blo⸗ 
inen und weit höher / als ſelbige geſtimmet werden koͤnnen; gemeine 
Pislinen und Difcant-Geigen / Violins oder fo genannte‘ Alt-und 


*  Tonor-Beigen. Sicher gehöret aud) Violad'amour.welche ihrerficb» 


fichfeit wegen/ ſolchen Rahmen führet/ und ans Sechs von Diefingen 
Drath gemachten Saiten beftehet : Die Viola de Gamba, welche alfo 
benahmet wird (weil man ſie mit den Beinenzwifchen den Waden fafr 
fet/ und nicht wie die andere Heinere Geigen an bie Bruft oder. Hals 
jenen kan) und endlich Heine Baffergen und groffe vollkommene Baß⸗ 
eigen. 
ẽs verfertigen aber auch. die Geigenmachers neben jestgebachten 
ordentlichen Violinen/ auch Lauten und Angeliqven, Theorben, Ci- 
tharn und Cithringen , weldelegtere nicht nach Art der Lauten an 
dem Boden gend t /fondern platt und oben mit Stählernen ober 
Mesingen Süiten bezogen / vornen aber wo man mit der Hand zu 
fpielen pfleget/ und einen wohl-Elingenden Triller zu machen / etwas 


offen (ind. Ä | Ä | 
Sie machen auch einfache und geboppelte Harpffen / wie auch eine 
Kleine Yrt derfelben / welche manaufeinen Tiſch ſtellen und nad) Be⸗ 
lieben darauf fpielen Fan / kurtz zu — / fie verfertigen allerley Gaͤl⸗ 
ten-Spiel/welchemit den Bogen geſirichen / oder aber mit den Bitte 
vn geſchnellet und angefchlagen werden. Diefe Muficalifche In- 
umenten wiſſen fie mit fehr guten Vortheil zu, verfestigen (daß ſie 
einen guten Refonang oder lieblichen Klang von ſich geben) en mit 
üenig zu überziehen / auch oͤffters mit frentden Holhz und Elffenbein 
ich und zierlich einzulegen. | | | 


Geigen⸗ Hartz / Colophonium. . 
Geiß ⸗Blatt / Caprifolium, 
Seiß ⸗Rauten / Ruta caprina, capraria. 
Geiß⸗ Rauten⸗Klee / Lagopus⸗ maximus alter, cytifus,Teline, 
Geiß ⸗Rauten · Bart / Barba caprina, ulmaria. 
Geiß · Rauten · Fuß / Egopodium, 
Beifß-Hnar/ or dasjenige Theil an. der Scha lle / wel⸗ 
ches wi der ſpenſtig / ſpiſig / hart und ranch / wie ſolchergeſtalt die Un⸗ 
gariſche Wolle iſt / darum man nichts als grobe Decken daraus — 
en 


— — u u u 


Gei Be sm 


chen kan / weil nun dergleichen Wind oder Geiß⸗Haar / welches die 
Holländer Flocken nennen / unter der guten Wolle im Abfcheren von 
dem Schaffen ſich finden/ ald wird es durch ein eigen Inſtrument von 
"Gtäben gemacht / aus der Wolle ausgeſchlagen / wiewohl ſich D. Becher 
infeiner närrifhen Weißheit einer noch beffern Iavention rühmet/ 
Durch welches ein — Sung in einen Zag i00. Pfund Wolle von 
den Geiß⸗Haaren fol ſcheiden koͤnnen fo daß auch die Wolle noch einft 
fo fanfft darnach werde als fie vor dieſen gewefen. 
Geiſter / vide Spiritus, | 
Gekerffter langer Waſſer Hahnen⸗Fuß oder Spehr⸗Kraut / 
‚Ranunculus flammeus. | 
Gekerfft Karten⸗Kraut / Dipfacus. z, 
Gelappa, Gialappa, vide Falappa. - 
Gelatina ift eben das was Galrcda, nur daß die Gelatina biel aus 
Srüchten/ item auch aus Hirſch⸗ Korn gemacht wird. 
Gelb/gelbe Farb / Color Luteus, frank. Couleur jaune, eine je> 
dermann dekanute Farb / die beydes dem Mahlern als Färbern diene 
lich / ihr Anſatz und Compofitiun iſt als folget : Nimm Aurumpi- 
gmentum, zerlaß es in einen Carnißlein / wie ihn die Mahler ges 
Frauen / wann du Aber die Farb etwas höher haben wilt / fo thu ein 
wenig gerieben Zinober hinzu / und reibe es mohluntereinander, Item 
brenne Operment ineinen Hafen fo gibts eine choͤne Goldgelbe Farb. 
Item nimm Creutzbeerlein von Hagen-Dornen / die s. Tag nah S. 
Laurenti abgenommen feynd / zu drucke ſie / undthuein wenig ge» 
ſtoſſen Alaun daran, ruͤhr ed wohl durch einander und laß es eine 


Ra N. g 
Die gelbe Farb / welche bie Faͤrbers auf Seide / Wollen oderfeinen fer 
gen/ beftehet aus der fo genannten Gaude , welche in vielen Landſchaff⸗ 
ten in Franckreich —2 DieCurcuma oder Terramerita zu teutſch 
Gild⸗Wurtz / gelber Ingber / fo aus zu. fommt / gibt aud) ei⸗ 
ne Art von gelber Farbe / ob ſie wohl ſchoͤn / jedennoch nicht eihe bon 
den beften iſt / Doch iſt ſie gar Dienlich die Farben gelb und heil zu 
nahen / zumelhem Ende ſie mit Scharlah-Körnern / Cochenille 
und Köthe gehrauchet wird. Das gelbe Holg/ fo aus Indien koͤm⸗ 
met / giebet eine gelbe fo etwas auf Goldfarben Art ömmet. Es 
iſt noch eine dritte Art der gelben Farbe / ſo mit Faͤrberſcharte und 
inſt oder Pfrim-Krautgemachet wird / welche / weilen ſie nicht fo 
ſchon iſt / wie die fo mit der Gaudegemadhet wird / als dienet ſolche blog 
zu der grünen und Haar · Farbe oder feuillesmortes und andern com- 
ponirten Farben / zu welchen abe tüchtigften iſt. So mag fie auch 
au der gelben Farben der groͤberen Wolle / und derlenigen a 
voder 


‘ 





J SE... | 5: RENERENEENERSERE 
oder Seuchen / dabon die Eile nicht über 30, Kreuger zuſtehen koͤm · 
met/ inden ändern allwo die Gaude nicht waͤchſet / gebrauchet wer» 
den. Die gelbe Farb gehet in Färben ſehr leicht von flatten / der 
Grunddarinnen beftehet in Faͤrben mit den Kräutern auf der Pott 
Afche/dte ſie ins Belbenäher bringet / Curcuma , Gelb⸗Holh und 
Gummi Guttz brauchen nur etwas weniges zum Anfallen / das Alau · 
nenaber muß vorher gehen / und hat dad Tuch fchon genug / wann es 
behendedurchgezogen wird/ um gelb zu werden;ed wird aud) DieCur- 
suma und Gummi Guttæ, abfonderlic) zu Bilbung derScharlachenen 
Waaren mit gebraucht. Gelb wird auch mit Orlcah gefärbt / deren 
anterfchiedene Arten/fo noch in 2 Sorten koͤnnen getheilet merden/ 
als naß und trucken / der naffe ift in Faͤſſern fo man Oxhoͤffte nennet / 
der truckene ift in viereckigte Tafeln / etliche in Schilff oder Baſt / an⸗ 
dere auch) in Kiſten; der Frantzoͤſiſche iſt der beſte und wird bey Pfun⸗ 
den verkaufft. ei — 
Dit Mittelfarben des Gelben ſeynd Jaune naiſſant, Lichtgelb / Ci⸗ 
tronengelb / Bleichgelb / Stroh-oder Paille· gelb und Goldgelb. Ei⸗ 
sie Auroga- $arb/ Couleur deSoucy und erangen- Farb her⸗ 
aus zu bringen / nimmt man Crapp / item die gelbe Farbe, von der 
Gaude undein wenig Terra merita, gleich wie. hergegen die Naccara 
allein / die Crap und Terta merita erfordert. Die Iſabell⸗ 

und Couleprde Chamois föhnen mit ein wenig Gaude, Röhte oder 
Bourregemadpet werden. ae | 

Aus der gleben und braungn Mittel⸗Farb werben allerley Arten 
Feuilles mortes und Couleur de poit oder Haarfarben gemacht / wel⸗ 
che aber noch fhöner lommen / wann ſie mit den Ruß / als wann fie mit 
der Rußbaum⸗ Wurtzel bereitet werden / inſonderheit wann han erft 
zu Ende ihrer Faͤrbung mit der Roͤhte / zu welcher Die Terra merita ges 
egetworden/ den Ruß darzu thut. * 
Aus den gelben und ſchwartzen Mittel⸗ Farben werben keine Sat» 
be aufamen gemenget/mweil dieGaude bloß die Röhte in einigen grauen 
Farben zuvermindern / undeinige derfelben grunlich zu machen dies 
net / als da iſt gris d' eau, gris verd, merded’ oye, Bänfe-Dred und 

dergleichen. 


Gelb auf Seide zu färben md zwar erſtlichStroh⸗ 
— 


So Alaunir / und fpühi die Seide zuvor wohl aus / alsbaun ninut und 
loche zu jeden Pfund Seide ı. Pfund Scharte / laß es eine viertel 
Stund ſieden / darnach ineinen Zubben oder Zuber gethatt / welcher 
darzu groß genug iſt / nach der Proportion der Seiden / halb voll 
Shart-Suppe und halb voll Waſſer / alsdaun die Seiden * ger 


——— en 


Gel 313 
— nun, 
Eehret/fülle darnach deinen Keſſel wieder mit Waſſer auf/ laß es wies 
der eine viertel Stunde fleden/ darnach die Seide aus der erſten Sup⸗ 
ge gemwzungen/und wieder auf den Stecken gethan / dann wiederum 
eine Suppe gemacht wie die vorige / doch etwas ſtaͤrcker / und darinn 
wieder gekehret / bis daß es hoch genug iſt / alsdann geſpuͤhlet und auf⸗ 


gehangen. 
Das Gelb auf ſein Gewicht zu faͤrben. 
So nimm einen reinen Keſſel thue darein auf jedes Pfund Seiden s, 
Untzen Galles / 2. Pfund Gelb⸗Holtz / laß das gelbe Holtz erſtlich ko— 
chen / and wanns eine Stunde gekocht / thue die Galle darein / laß es 
alsdann zuſammen noch eine halbe Stunde an wann nun die Sei⸗ 
den geallaunirt und ausgefpuhlet / in den Keſſel —58 / und dann 
aus den Keſſel gewrungen / mit ein wenig Pottaſche nach gewrungen / 
und wieder eine Nacht darinn Liegen laſſen des andern RRorgens aus⸗ 
geſpuͤhlet / geklopffet und getrucknet. | : 
Soldgelb wird faſt auf eben die Manier / als das —— ge» 
macht/ nur daß man es / wanns hoch genug ift/ in die legte Suppe bon 
Orange-Waffer thut/ und ed darinn fo lang umkehret / bis es hoch ge⸗ 
nug ſeyn wird / alsdann gefpühlet und —— 
Das Blumen⸗Gelb iſt gleich den Go —— man muß es aber hoͤ⸗ 
der mit der Orange « Gupe auffegen / alsdenn ausfpühlen und trocke⸗ 
neh. 
Cirronen»Couleur muß erftlic) leicht. gewohnet werden / auf einer 
ſchwachen Küpe/ hierauf kan man ich im färben nad) einer Citronen 
richten / alödann folches ausfpühlen und trockenen. . 
Carmoiſin-Orangien zufärben. . | 
Go made einen Keflelrein / thue ;darein ſchoͤn Regen⸗Waſſer / und 
nimm zu jeden Pfund Seiden 4. Untzen Pottafche / 4. Ungen Orleans, 
thue es durch ein Gieb in deinen Keffel ; es muß wohl zerſchmeltzen / 
daß es nicht an den Keſſel kommt / hierauf deine abgefottene und geals 
launirte Geiden wohl aus den Allaun gefpühlet/ und in den Keffelger 
Echret / und eius laſſen aufileden/ alödann ausgemrungen / geklopfft 
und gefpühlet / darnach einen Keſſel zu vecht gemacht / und. zu jedem 
Tb. Senden 12. Untzen Galle / die Galle laß 2. Stunde fieden/und dann 
a. Stund fühlen/ dann darein gelegt s. oder a. Stunden/ hierauf aus⸗ 
gewrungen / geſpuͤhlet / geflopffet und getruckket. 


Pur Orangie zu faͤrben. 
So lege deine weiſſe Seiden in Allann⸗Waſſer / wie das Gelbe / als⸗ 
dann nimm ein achtel Pfund Orlean, thue es eine Nacht ins Waſſer / 
und laß es weichen / und 2. Loht — koche es auf / thue darein 
a wenn 


514 Gel | 

wenns eine halbe Stunde getocen z. Loht geftoffen Mekin / rühre es 
mit den Stock durch / und laß es verſchlagen / und ſtecke deine geallaune 
te Seiden datein 2. oderz. Stunde / nachdem du es hoch haben wilt ⸗ 
fpühle es in fein Seiffen- Waſſer / bis es klar wird / alddann umge 
fpühlet und gerefiliret, 


Auf Wolle ſchoͤn Schwefel⸗Gelb zu faͤrben. 
Nimm ;. Pfund Allaun andı. Pfund Weinftein / 6. Loht Saltz / laß 
das Tuch in diefer Materien ſieden 1. Stund / hernach dad Waſſer 
—A und Waſſer in Keſſel gethan / mache eine Flotte von 

elber Schartſpahn / den Schart in Keſſel / wie man pfleget in Brau⸗ 
äufern dad Stroh zu ftellen / alödann ſchiebe Lauerafchen drunter? 
lag es wohl aufiteden / ziehe das Tuch ein oder 3. mahl fein behende 
durch / ed muͤſſen wols. oder 4. Perfonen feyn/ ‚bie es mitdunden / daß 
es wohlaufledet/ fo Haft du Schwefelgelb. 


Citronens@elb zu färben. 
Rimm 3. Pfund Allaun / s.Loht Cerufa, 6. Loht|Arfenicum , laß das 
Zudan Ib Stund wohl fleden/ als dann das Waſſer weg/ und 
Dieder Waſſer im Keffel / noch eine Flotte von 15. Pfund gelben Blu⸗ 
men / 6.Lobt Pottaſchen / 4. Loht Mergath oder Cureuma, lap bie Pot» 
Afche ſtets mit ein-und auskochen / hernach ziehe dad Tuch behende 
durch / fo Haft du Eitronen-Gelb. 
Oliven · $arbe zumachen. 2 
So richte dich / ald wann du Schwefel⸗Gelb wolteft machen / mache eis 
ne Flotte von Gallas und Kupffer⸗Waſſer / jedoch nicht ſtarck / ziehe es 
2, age mahl durch / ſo kauſt du es hoch und mittel machen / wie du 
Du | 
Eine andere Art Belbzufärbenifkdiefe: 
Allaunet eure Waare als braͤuchlich / auf eine halbe Stunde / alsdann 
aufein Pfund Wagre genommen ein halb Pfund elbe Giel⸗oder 
Bilb-Blumen/ darüber eine Handvoll Holtz⸗ Aſche / laßts eine viertel 
Stunde ſieden / ſtecket eure auögefpühlte Waare hinein) arbeitet (te fo 
. Bang durch’ bis ſie ſchoͤn genug iſt / verkuͤhlet fie alddann und fpühlet fie 


aus. ” 
Gold Gelb zu färben. 

Rehmet eure auf erfigemeldte Manter gelb⸗gemachte Waare / hänge 
alsdann ander Waſſer uͤbers Feuer / und darauf ein Pfund Waare/ 
2, Loft Vifer- oder Fifer-Holk/ gelbe Spane — mit einer Boh⸗ 
ne groß Pottafche/ laßt die Farbe eine halhe Stunde ſieden / dann eure 
Arbeit davein gelegt und handthieret. | ’ 
| Stroh⸗ 


.— — — — —— - — — —— — —— — — 
% 


Se SI5 


Stroh⸗Gelb zu färben. 
Wann die Waare erſt gelb iſt / ſo ſchütte in die Farbe ein Obartier 
Mannd-Piffeoder Urin, lege deine gelbe Waare hinein / und arbeite 


ſte nach Gefallen. 
| Brannt ⸗Gelb zu färben. _ 
Auf ein Pfund Maare 4. Loht Viler-Holk/ ‘3. Loht Pottaſche / laßt es 
eine halbe Stunde fleden/ denn wohl umgeruhret/ unddie zubor —* 
elb gemachte Waare darein geſtedt / und ſo lange gearbeitet / bis eñ 
ön genug) alsdann ausgeſpuͤhlt. — 
Belbe Hornungs⸗ und Maͤrtz⸗Blum / Narciffüs luteus; 
See⸗Blum / See⸗Lilien / Nymphæa lutea. 
Violen / Cheiri, Violalutea, Saxatilis. 
Pnenbechel/ Ononis lutea. Zr 
Oelmagen/ Papaver Cornieulatum, - 
Ochſen⸗Zung / Rumex acıtus, L.apathum acutum. 
Schlangen⸗Wundkraut / Serpentaria minor, Numulariz ° 
Fnodigee Weallwurg/Symphytum Tuberofum, | | £ 
F.ilien/ Lilium luteum, Croceum, 
Iber Sandel/ Sandulum citrinum. 
Srichen / Pruna cerea, . 
Wieſen⸗ Blum / Chryfanthemum. 
May-Blumen/ Taraxacon. 
Maͤus⸗Oehrlein / Stoechas Citrina, Tinearia 
Faͤrber⸗Blum / Flos Tinctorius Major. 
Gelbſucht · Wurtz / Curcuma, Cyperus Indiecus, 
Buͤtten⸗Rauch / Arfenic, Arſenicum Citrinum. 
Berg⸗ Schwefel / Atramentum iidum Miſii. 
Muͤntze / Conyza, Cunilago. | 
Bacillen / Chrythmum Chryfanthemum, 
Wegwart / Cichorium luteum, 
Condrillen/Chondrilla Iuteagqvinta, 
Erdrauch / Fumaria lutea. | | 
Gelbe Erde / Ochra, Ocher, iſt nichts anders / aldein gelber und 
‚auch weiß-gelber Thon / welcher gleich anderer Erden / einen etwas 
anhaltenden Geſchmack hat. Die Materialiften führen davon dreher⸗ 
ley Sorten/ alö Die gemeine/ die mittel Gattung/und die feine/ welche 
letztere zart und heil inder Farbe feyn muß. Aus diefer wird durch ein 
ſtatckes Reverberir- Feuer die rohte Ochra zubereitet / gleich wie man 
auch eine gelbeOchram artificialem hat / welche aus Heike Blei) ger 
— und gemeiniglich Ochra plumbatia oder Bleygelb genennet 
it ⸗ . * 


| Rba Gelb 


1311141141 





IEEERTETEENT 


. 


516 


Gel 


Gelb Fieber⸗Kraut / Tertiana lutea, Terzolla lutea, 


Be 


AN ie 


Sinn] 


—I 


Flocken⸗Blum / Jacea lutea, Capite Spinoſo. 

Saͤns· Blumen / Chryfanthemum ſegetale. 

Garben / Millefolium luteum tormentofum, » 1 

Glieder⸗Kraut / Sideritis lutea. 

Meterich / Tanacetum hortenſe, vel Mätricaria, 

Moͤhren / Staphylinus luteus. 

Yarden-Saamen/Nigellacitrina, Chyfo melanthium. : 

— Paſtinack / Daucus luteus. Staphylinus Inteus. 
aſſermarck / Apium agvaticum. 


. = oͤßlein / Pulfatilla lutea tertia, 


— Tefticulus luteus, Orchis lutea 
Pontiſcher Hyacinth / Iris bulboſa lutea. 

Berg· Veigel / Viola Martis arboreſcens lutea. 

Veil/ Viola petræa lutea. | 

und blau Berg · Sanickel / Auricnla urfı Floribus Inte 


uleis. 


Stern: Krant/ Bulbonium — luteum. 
Berg-Polium, Polium Montanum tertium luteum. 
Rein⸗Blum / Ameranthus luteus (3. Species.) 
Feigbohnen / Lupinus luteus. 

Wicken / Vicia. 

Seinwicken / Hedyfarum minus. 

Haſenklee / Lagopodkım flore luteo, 

Sauerklee / Oxysfloribus luteis. 

Braunwurtz / Scrophularialutea. 

Wullkraut / Verbafcum luteum fextum, 
Finger⸗Hut italis lutea. 

Wolffswurs/ Aconitum octavum Itemif Ponticum. 


AHornungs-Blumen oder Jofephd-Stäbleitt / Pfeudonar- 


us Juteus Polyanthos. 


Wieſen Zeitloſen / Colchieum tertium luteum, 
Feldzwibel / Ornithogallum tertium luteum. 
Waſſer⸗Schwaͤrtel / Iris paluſtris lutea. 

Affodill⸗Wurtz klein / Asphodelus , 4.Luteus minor, dito 


groß / Asphodelus, 5. Luteus major. 


— 


Gelber GSauchheit / Anagallis lutea. 


Affodill⸗Lilien / Asphodelus liliaceus luteus r. 
Waſſer⸗Affodill / Asphodelus paluſtris luteus 7. 
Staͤndelwurtz / Teſticulis mufcarius s. 
Ragwurtz / Triorchis lutea. 


Geld 


Gel 77 


— — — — — — — — — — — — 
Geld / Pecunia, Franhooͤſiſch de l' argeut, iſt die beſte Waar / die ein 
Kauffmann haben kan / es ſey um feinen Rugen damit in Handel und 
Wandel zu ſchaffen / oder auch Credit und gutes Anſehen ſich dadurch 
zu erwerben / da man auch ſonſt gewiſſe Waaren gegen gewiſſe Waa⸗ 
ren zu permuciven oder zu vertauſchen hat / gehet ed gegen dad Geld 
allezeit an/ und hat kein Kauffmann eine Waare ſo lieb / die er nicht 
Dagegen gar willig verwechfeln ſolte. Dieſe Waare das Geld / wei« 
ches eben ſowol als andere Waaren dem Verderben / am allermeiſten 
aber dem NRachſtellen böfer Leute unterworffen / führet feinen Wehrt 
ſchon in ſich / nachdem ihm nemlich denfelbigen die Bonität des Me- 
talls, aus welchen es gepräget / oder die Qualität deſſelben ſolchen ge⸗ 
— bisweilen waͤchſt ihm auch / da es ſchon viel Fahr im Kaſten ge⸗ 
gen/ ein neuer Wehrt / und dieſes zwar aus unterſchiedlichen Urſa⸗ 
hen zu / dann entweder iſt es ein gut Silber⸗ Geld / fo zum Verſchmel · 
tzen geſucht / oder auch wegen hes einreiſſenden vielen ſchlechten Geldes 
rar ünd im Preiß gehalten wird; oder es gibt ihm die Zeit / der Ort 
and Die Perſonen einen neuen Wehrt oder Unwehrt; als z. E. wann 
es auf Wechſel oder Interefle gethan wird / bekommt es feinen Wehrt 
von der Zeit / daß 100. —— Thalers über 1.ahr 106. dem Aus⸗ 
leyher wehrt ſeyn / oder fo er ſolche auf Wechſel gibt / nach Proportion 
der Zeit von Abgab der Gelder / bis die Valuta wieder davor ein⸗ 
kommt / m oder $. per Monat gerechnet wird; bon Anrichen Medail- 
den anjetzo nicht3 zu gedenden / welche je älter und varer fie feynd/ je 
höher gehalten werden. Der Ort machet ferner daößeld wehrt oder 
unwehrt / nachdem folches ein Handels⸗ Ort iſt oder nichts alfo werden 
100, Rthlr an einen Ort / da ſie mit Rusen nicht anzulegen / ſchon ge: 
ringer geſchaͤtzet / als wann eben diefelbe 100. Rthlr. in Natura in ei⸗ 
nen andern Ort / wo groſſe Handlung floriret / wären. Endlich zieht 
auch das Geld einigermaſſen feinen Wehrt bon denen Perſonen / in de: 
nen Haͤnden es ſtehet / oder nach deren Haͤnde es kommen ſoll / als ein 
Wucherer / geſchickter Wechſeler / oder der ſonſt einen guten Umſatz 
mit Geld zu halten weiß / wird des Geldes Wehrt ſchon höher ſchatzen / 
als der / der nicht viel mit Juden⸗Strichen / Cambiſtereyen und Finan- 
cien· Sachen umgegangen. Einen ſchlechtCreditirten oderDebauchir- 
ten / der keinen Heller zuverdienen weiß / ſondern auf der Eltern Credit 
aufntmmmt/ wird dad Geld fchon teurer) als einen der in vollen Cre- 
dir ſitzet angethan. In Summa / das. Geld iſt eine courante und 
die Mode niemohls changirende/ allenthalben angenehme / compen- 
dieuſe, zu vielen Dinge nuͤtzliche und fehr gefuchte Waar / alſo dat auch 
ein Kauffmann fein Feuer / MWaflers:noc Feindes · Gefahr / feinen 
weiten Weg / ftürmende und braufende Wellen / Wuͤſteneyen / Kaͤlt 
ober Hitz ſcheunet / wann ev nur een fan; DiefeBe- 
RE gierde 





—— — — — — — 


518 Sc 

ierde nun nad) derfelben/treibet viel böfe Leute an/ daß ſie durch ver⸗ 

otene Wege / lich des Geldes zu bemaͤchtigen fuchen/ al3 durch Dieb> 
ſtahl / Beraubung anderer Leute / durch Zauberey/Schäggraben/ Wu⸗ 
chern / Betriegen / und endlich durch falſches Muͤntzen / welches auf vie⸗ 
lerhand Art und Weiſe geſchiehet / ſo wol in Gold als Silbern / groſſen 
als kleinen Mung-Gorten ; da werben die Ducaten oder Duplonen 
verfälfchet durch ein coagulirted Dbeciülber / weiches die Betrieger 
mit einen gepvegten Gold⸗Blatt beydesfeitö umfchlieflen / daß es dem 
Strich auf den Stein hält/ wiewol ich ſolche Ducaten nicht leicht laſ⸗ 
fer zuſammen biegen / fondern leichtlich brechen ; oder es wird au 
das Heldin Sorten verfälfcht / durch ein tingirtes Bley / das fi 
zwar biegen laͤßt / haͤlt aber das Scheidewaffer nicht aus. Man præ- 
eipitiret auch aus dem Kupffer einen kleinen rohten Koͤnig / welcher ſich 
auch mit Gold vermiſchen / und durch Zuſatz des Silbers auf ſolche 
Weiſe temperiren laͤßt / daß es hoch ſtreichet; einige machen Duplo⸗ 
nen von concentrirten Kupffer / welches ſie mit einer ſtarcken Gold⸗ 
Zole umgeben; wiederum wird ein Regulus Antimoii auf eine ges 
wiſſe Weiſe gemacht / mit Schwefel/ Nitro, Marte und. Rupfler tem- 
perirt / daß deſſen Rauch / warn derfelbige im Tiegel flieflend gehalten 
wird/ eine jülberne Mange / als etwan einen Reichsthaler oder feinen 
Guldiner / mit feinen flüchtigen Gold durch und durch tingiret / fo 
zwar curieus anzufehen ift/ indeffen hat doc) dergleichen Münte we⸗ 


der dad Gewicht noch Probe des Goldes. 


In den Silber⸗Geld geſchiehet inſonderheit groſſer Betrug / durch 
præparirtes Kupffer / Gruͤnſpan / Zinn / Bley / Stahl / Queckſilber / 
Glas und dergleichen Materien mehr / durch otene böfe Hand⸗ 
griffe / wiewol auch gute Mittel dagegen ſeyn / ſolche falſche Sorzen zu 
erkennen; Thaler oder Guldiner / die von Glas gemacht ſeyn / ſprin⸗ 
gen entzwey / fo man ſie mit Gewalt auf einen Stein wirfft / laſſen ich 
auch nicht leicht ſchneiden; die Kupfferne gibt insgemein einen Uns 

erfcheid im Streich / und ſchiaͤget mit der Zeit grün aus / oder wird 
Ye: Zinn und Bley werden niemahls fo hart und weiß / dag ihre 
weiche und blaue Art ſie nicht verrahte; das Queckſilber widerftehet 
nicht lang dem Feuer/ wie auch dad Zinn und Bley; der Stahl iſt 
zu hart/ und hat darzu Feine von diefen Sorten den rechten Klang des 
Silbers. Am beſten chut ein Kauffmann / daß er diejenigen / foihn 
Geld bringen oder zu löfen geben/ wohl mercfe/ und fo er Ducatenvon 
ihnen zu empfangen) ſolche fehendes Fuſſes waͤge / auf dem Probiers 
Stein ſtreiche / biege / und ſo er in der Rah einen Goldſchmied hat / 
deinfelben geſchwind / zu weitern Examini , auch gar bis auf die Prob 
des Autimonii, ſolchen zuſchicke; und ſo er ja mit fhlechten Geld be, 
trogen worden / und feinen Recouss nicht haben kan / ſolches ae 


| Gel 2.2.3809 
annagle/ und andere Leute nicht wieder damit betriege / vielmehr ih⸗ 
nen folched ‚öffentlich anzeige / damitfein Neben⸗Chriſt und Burger 
ſich dafuͤr hůten / und dadurch deſto ehe ein ſolcher Galgend-würbdiger 
- falfcher Muͤntzer (diegemeiniglid unter den Juden ſtecken) ertap» 

et werden moͤge. 

Bndlich iſt auch wegen der baaren Geld⸗Einnahm und Ausgab zu 
viffen / daß die Kanntniß vielerhand Müng- Sorten / nicht nur der 
Ein » fondern auch Ausländifchen einen Kauffmann ſehr nuͤhlich ſey / 
er nicht allein deren Wehrtund Gehalt / den Juß/ worauf ſie ge» 

" agen / den Ort / wollegängund gebe feyn/ und wie man fie ohne 
chaden oder mit Ruben gegen unfere Bands-Müng / einwechſeln / 
einnehmen oder außgeben fonne / wohl wiffe / weil nicht allein oft» 
mahls daran ein Flein Profitgen zu machen/ fondern auch mancher Aus⸗ 
fänder dentjenigen lieber abkaufft / bey dem er feine mitgebrachte 
gandz-Münge (die offtbeffer ald die Einheimifche ift) ausgeben fan/ 
als einen folchen/ der Fein fremd Geld Eennet / dannenhero immer im 
Sorgen / betrogen zu werden / fiehet / und alſo keine andere ald feine 

Fand Münte, annehmen mill; So hat man auch im Verkauff der 

Paaren fo genau nicht aufdie Lagio zu fehen ; Und ob man gleich eie 
‚nen Fremden in Aunehmung feiner Lands Muͤntze etwas favorifiren/ 

und felbige über den ordinaiven Cours annehmen ſolte / welches danu 

Die Ausgeber und Käufer vor einen groffen Gewinn und Douceuf 
achten wird / ſo kan mans hingegen ſchon wieder aufdie Waare ſchla⸗ 
en/ and den Calculum ſo machen / daß man ohne Schaden bleibe. 

2 der Verwechfelung eines beſſern gegen fehlechtern / ober eines 

fechtern gegen beſſern Geldes / hat man / warn es confıderable | 

Summen feyn/ auf dem Agio oder Aufwechſel zu fehen / daß in jenen 

Satl man fo hohe Lagio als man erhalten Fany in dieſem aber um fo biel 

geringern bedinge: Es wird aber ſolcher Agio auf das ſchlechte Geld 

entweder auf jedes a oder auch aus derfelben Haupt⸗ 

Summa ausgezogen / und a fo ſchon darein ſteckend decourtitt; bey⸗ 

des erfordert eine fonderbare Rechnungs⸗ Art / da nemlich bey derer» 

ften nur fchlecht/ der bedungene Agio auf jedes Hundert / bey diefer 
ietztern aber folder in den erſten nfaß derReguldie Tri mit geſetzet / 
und alſo ausgerechnet wird / bey den Shlieffen alpari , das iſt Geld 
am Geld / gibt und empfängt mankeinen auf Wechfel/ fondern es iſt 
Zug um Zug. Die Courtagio, die man den Mädlern gibt / undet- 
war in folchen Gelde Wechſeleyen . pro milte iſt / iſt nach eines jeden 

Drtö Gewohnheit zu bezahlen / kan auch offt frey ven Courtagio he⸗ 

dungen werden; dabey iſt kein Credit länger als 24. Stunden Die 

Agio der Species iſt bey s. Jahren bidr. und mehr procent geftiegen. 

Die eingele Eiunahme eines — heſſern Geldes / ars 

” 2 


\ 


520 Gem 


ſich nach den groſſen Wechfel-Poften / die bey Parteyen oder fo viel 
Hunderten geſchehen / doch mit etwas Differeng zum Vortheil oder 
Schaden des Empfangenden oder Ausgebenden / weil es nur in Klei⸗ 
nigkeit geſchicht. Die Münk-Gorten ſelbſt betreffend / hält ſolche ein 
wohlhabender Kauffmann jede Art beſonders in einen Beutel/auf wel» 
chen ein Zettel gebunden / wie biel in einen folhen Sad der Summa 
nad) am Gelde befindlich ſey: Hier muß mans nun nicht auf das bloſſe 
Zu:und Abfchreiben auf Zetteld ankommen laflen / wann man etwas 
einnimmt oder ausgiebt / fonderndas Cafla-Bud) muß zugleich bey 
der Hand feyn/ darein fluxs ſolche Einnahm in Caffa Deber, ihre Aus» 
gab aberin Credit notiret werde / und Heiffet Hier die gemeine Kauff⸗ 
manns · Regul: Schreib an/ ch du ausgibft/ und nimm ein/ ch 
du anſchreibeſt / weil zwiſchen beydes Hinderniß oder Vergeflenheit 
dommen möchte / welches hernach differenten nachtheiligen Etfect 
braͤchte. Die baare Loͤſung wirfft ein Kauffmann / der ins Klein han⸗ 
delt / gemeiniglich in eine Schublade die Woche uͤber zuſammen / von 
dannen ed Sonnabends ausgeholt / überzehlt und der groſſen Caſſa 
einverleibet wird / die aus einer mit Eiſen wohlbeſchlagenen Kiſte / 
oder gar aus einer gantz Eiſern am ſicherſten beſtehet / und entweder in 
den Contoir oder des Principals Schlaff-Rammer in Verwahrung 


ehalten wird. Die über Land wegzuſchickende Gelder laflen id 


üglicher bey grobe Waaren/ da fie weniger im Verdacht feyn / ein⸗ 
packen / ah bloß den Schiffen / Zuhr-Leuten oder Boten anver- 
trauen. | 


Gemaͤhlde / Pictutæ, frantz. Tableaux des Peintures, lauffen in 
fo weit in der Kauff⸗Leut ihren Handel hinein / old ſolche zur Auszie⸗ 
‚ tung gewiffer Derter oder von gewiſſen Perfonen / ihrer Profellion, 
Gtand und Inclination nad) / gefuchet werden / als etwann von denen 
Herrn Beiftlien / Beiftliche Hiftorien oder Abbildungen der’ Heili⸗ 
gen zur Auszierung ihrer Kirchen / von Kauff⸗Leuten / die offenbahre 
See / wie fie von Schiffen befahren/oder ein berühmter See⸗Haven / 
Ger-Schladt/ graufamer Sturm / oder aud) ein fremder Gee-und 
Handels⸗Platz vorgefteilet wird / Staats und Kriegs⸗Leute haben 
gern gemahlte Baräillen, weltliche Hiſtorien / uud groſſer Herru ihre 
Portraitsoder Contrefait, das Frauenzimmer mag gerne verliebte 
Vorftellungen leyden / und wer feinen Schorftein oder Taffel⸗Ge⸗ 
mach bezichren will/ feilt entweder gewiſſe Kuͤchen⸗Stücke oder ſolche 
Bemählde vor/ welche das Feuer bedenten / wiewohl gar wenig bey ſo 
geftallten Sachen die Hiftoria des reihen Mann / oder des Belfa- 
Zers feiner faralen Mahlzeit / noch weniger ber die Borftellung eines 
Todten⸗Gerips ( wie ſolches hey den Egyptiſchen a 


m. Ä 


Gem ° 5 521 


‚ Bäften vorzu zeigen in Gebrauch geweſen) inihren Luſt⸗Zimmern 
ufzuhängen Belieben tragen. | 
Es ift aber diefer Handel mit Schildereyen fo gar ungemein nicht/ - 
wie dann fonderlich die Brabander und Holländer viel darmit ums 
gehen / dabey aber fonderlich auf die Kunſt und Arbeit des Gemaͤhldo 
(auch ob es ein Original von einen guten Meifler oder zum wenigften 
ein Eopey deffelben fey) zuregardıren wiffen. Weil folder geftalt 
ein ſolches Gemaͤhl zftimiret / und von Kennern und Liebhabern der 
Kunft Hoch bezahlet oder auch gering gehalten wird / welches dann wie _ 
leicht zu erachten auf die eigene Kaͤnntniß und Erfahrenheit eines fol 
hen Kunſt und Schildereyen» Händlers ankommen muß / alfadas 
davon gewiſſe Grundfäge diefed Orts zugeben / die Weitläufftigfeit 
dieſes Studi nicht wohl zulaflen will / doc) fey nur diefes wenige von 
denen mit Deffarben gemahlten Taffeln allhier angeführet/ dag in ſol⸗ 
en und faſt allen mit Farben gemachten VBorftellungen. (1) Die 
Compofition, (2.) Das Deflein, (3.) Die Colorit, und (4.) Die 
Manieroder — regardiretwird; daß erſte nemlich die 
Compofition belangeud / befteht folche in der Austheilung der in den 
Gemähl enthalteren Ziguren/in denen ihn angemachten Adionibus, 
Bekleidungen / Zıerrathen/ Eintheilung der Derter/ Gebäue und 
Laudſchafften / in Ausdruͤckung der Bentuths-Paflionen / und was et⸗ 
wann fonft die Einbildung ſich davon vorſtellen fünte. | 
Das Deilein oder der erfte Entwurff der gemeiniglich nur ſchlechthin 
von den Mahlern und Bildhauern erſt mit Kreide oder Kohlen ent⸗ 
worffen wird / muß zur Abſicht haben/alles dasjenige was demAlug des 
Anfchauenden/ die natürlich und Lebhafftigkeit des gautzen Gemähldes 
wann es erft fertig/in fhöner Symimerria, oder Proportivnirlichen Us 
bereinſtimmung vorftellen fol; hierzu wird nun erfordert Die Willen» 
ſchafft der Anatomie, daß man die Gebeine / Mufculen und Nerven 
wohlabzubilden/ und gleichfan die Natur inder Kunft vorzuftellen 
wiſſe Coloriten nennet man / wenn man nicht allein die Karben in den 
Gemaͤhl wohl anordnet/ ihre Freundſchafft und Antipathie genau uns 
terſcheidet / Licht und Schatten / wie auch wo die Farb zu dundeln oder 
zu erhöhen wohl anbringt / undfogar euf ihre Refiexiones Acht hat/ 
spelche jte in Anfchauen nrachen fonten. | 
Endlich dienet auch die völlige Ausarbeitung daß man aus folcher die 
ma nr des Meifters judıc,venkan / ob felbiger nemlich eine 
fertige und fetige Sun, gute Manieren/ ſchoͤne Zeichnung und In- 
vention gehabt/ und nichts vergeſſen / was zur fchönen und kuͤnſtlichen 
Vorſtellung des von ihm gemachten Gemaͤhldes dienen fönnen/ weil 
aber hierinn felten ein Meifter alles kan / und diefer etwaun nur bloß 
in Contrefaiten. / jener in Lawſchatien ein anderer ——— 
| un 





» 


— 


522 Gen 


nn En —— — — 
and Architectur, ‚noch andere in Früchten / Thier / und gewiſſen Adtio- 
nen/ als Bataillen, See-Stürmen/Bdumen/Blumen und dergleichen 
excelliven/ ald muß derjenige der mit Schildereyen Handeln will/ 
fich von folcher Arbeit insgemein eine gute Ideam machen / die beften 
Meiſters zu nennen / ihre Stärde und Schwäche zu erkennen, and 
ihre Arbeit gegen einander zu vergleichen/ nach der darinn befindlichen 
— — Unfleiß / in Werth und Unwerth zu halten willen: 
ihm muß ſelber die Zeichen und Mahler⸗Kunſt nicht unbekandt feyn/ 
und endlich will ihm auch obliegen / feinen Schildereyen·Kram an ſol⸗ 
che Oerter aufzuſchlagen / da er mehr Vortheil als Schaden von den 
einfallenden Licht und Schatten hat / weil eben dieſe beyde an Ortund 
Stelle und ben gewiſſen Schildereyen wohl angebracht / offtmahls 
dasjenige verfäufflich machen / was / (wann es an einen andern Ort 
eftellet ſeyn folte/) unverkaufft liegen bleiben würde. 
8* e alten Gemaͤhlde oder Schildereyen wieder auffzuyuhen / zu waſchen 
und ihnen einen ſchoͤnen Glantz za geben / fo nehmet eine Untze Pott⸗A⸗ 
fchen / und ſo viel weiſſe Soda, laſſet ſie mit einander in eine Maag 
Mafferdie Helffte einileden / ſeyhet es durch und nehmet dieſe Pau» 
e/und reibet damit dad Gemaͤhl mit einen Schwamm / die fauge 
mug aber noch ein menig laulicht ſeyn / und hierauf muß man aud) 
alfobald das Gemahl mit lanlichten Waſſer wieder waschen und trod* 
nen laſſen. Item reibet euer Gemähl mit einen Schwamm der in Lau⸗ 
ge bon Weinreben angefeuchtet / ober mit gleich) viel Urin vermiſchet 
ift / ein guter Firniß zu den Gemaͤhlden / wird von Terpentin-Delund 
Terpentin zuſammen vermifcht und mit den Fingern umgerührt / da 
eö wie ein Waſſer werde. — 
Einige nachdem ſie die Gemaͤhl bon allen Staub gereiniget / wiſchen 
die Bilder mit Urin / item nur mit Seiffe und Lauge ab / oder ſie neh⸗ 
‚men weiffen Mein mit Eyerklar /und überfchmieren e8 mit einen 
wollenen Tuch) / fo darinn geneget worden? fo wird das Gemähl feinen 
vorigen Blang wieder befommen. 
Auſſer denen mit Delfarben auf Hol ober Leinwath gemahlten Taf- 
- Fein / thut ſich auch die Mahler⸗Kunſt hervor / in Miniature, item 
al frefco, auf Stein / Marmor / Bley/ Kupffer / Silber / Glaß un 
Pergament mahlen. Ä en 
Miniatur rbeie wird mehrentheil mit folchen Farben gemacht / die 
nichts Sandiges an ſich haben / fondern flüpig und fafftig ſeyn / ald da 
fennddiejenigen/die aus Blumen gezogen werden/item feine Lad und 
dergleichen; es beftehetaber folche Miniatur Arbeit aus lauter Eleinen 
Puncten / die endlich alle zuſammen rangist/ein gantzes Contreſait oder 
andere Figur ind Eleine vorftelen. _ Ä 
Alfrefco mahlen / gefchicht aufnaflen Kalck / mitkeim/Hel und * 


&em 523 


Erd= Farben ;der Modus und Handgriff hierzu iſt dieſer / erſtlich ent» 
wirfft der Mahler fein Gemähl fo groß / und mit was vor Farben er «6 
haben will / auf zuſammen geleimtes Papier / zerſchneidet hernad) ſelbi⸗ 
es in fo viel Stuͤck / als er meynet / je des mahl auf einmahl mahlen zu 
onnen / hiernächft nimmt er ordentlich ein Stud nad) den andern bor / 
läffet (ich auf der vorgegebenen Wand / welche wohl ausgetrucknet 
ſeyn muß / einfogrofles Stinf ald erübermahlen will / mit Kald 
überwerften/ und ein glatt abftveichen / und mahlet darauf fein vorge> 
legtes Bild ab / die Farben verſchwinden anfänglich wann ſie aufge> 
ſtrichen werden / kommen aber hernach / je mehr der Kald trudeen wird/ 
wieder hervor. 
Auf Hoitʒ pflegte man vor dieſem mehr als heutigs Tags zu mahlen / 
da dann von vielen erſt das Holtz mit Leinwath bezogen / auf ſol⸗ 
ches zarter Gips getragen / und endlich mit Waſſerfarben darauff 
gemahlet worden / * Art zu mahlen / wird alla Tempera ge⸗ 
unannt. 
Auf Glas wurde Anfangs bloß mit Leim-Farben gemahlet / weit 
dieſes aber nicht lang Inder freyen Luffc halten Eonte / iſt man auf beſ⸗ 
fere Wegegefommen / nemlichin euer die gemahlten Glafer zuzu 
richten/ dag die Farben diefelben vecht durchbeitzen / und alfo oh 
dig darauf bleiben. 
Auf Pergament wird bloß mit Gummi und Zuckerkand⸗ Farben ges 
mahlet/ welcheseigentlic) die Miniatur ift. | 
Stillliegende Sachen nennet man in dev Mahler ey allerhand unbe» 
wegliche Dinge/ als Blumen/ Buͤcher / Inſtrumenten / Früchte, Spei⸗ 
fen/uud dergleichen. a 
Groteigven ſeynd gefhlungene Züge / von allerhand Laubwerck / 
welches der Natur gang nicht nachkommt / fondern mit allerley 
laͤttern nad Belieben erdichtet wird / wobey dann Kindergen/ 
hiere und Vögel / Antigve Leuchter / Sphinges, Mafqven , &c. 
mit halben und auch gangen Leibern eingeflochten werden. 
Srau in Grau zu mahlen / welches man Graffito nennet /heiffet man 
wann eine Waud mit gebrandten Stroh oder Kohlen ſchwartz gema⸗ 
chet und hernach wieder geweiſſet wird / hiexauf aber die Figuren Im 
das Beilk gekratzet werden / daß das Weiffe darunter die Schatti- 
rung giebet. 
Email oder Schmeltzwerck tft eine Art der Mahlerey / welche mar 
auf Metalle / ſonderlich Gilber und Gold/ mit Schmelgfarben o⸗ 
der Glaſur machet / und wird folde Arbeit Amuliren genennet 5 die» 
fe Kunſt ift nunmehro fo hoch getrieben / daß man jegund mit allen 
Karberrfaft fo gut amulirt / als man immermehr in Miniarur mahlen 
ran es wird aber erfttic weiſſe r Schmeltz auf ein Gold⸗Blech getragen / 
jer⸗ 


N | 
% 


524 | Sem ö 
hierauf das Bild mit Braunvoth gezeichtiet / welches von Vitrio und 
Salpeter gemachet wird / nach diefen läft man ſolches zuſammen fein 
gleich ſchmeltzen / und mahlet hierauf mit den Schmeltz⸗ Farben dutch 
Tauter ſubtile Puncten darauf. Die fo genannte Porcelain Arheit / 
item das Delfftiſche Poͤtter⸗Gut / die irrdene Geſchirr von Fayense 
und Caſte Durante iſt nichts anders als ein ſolches amuliren aufErde / 
da jenes auf Metall geſchicht / je feiner das Gold iſt / je beſſer laͤſt ſich 
darauf amuliren / jefchlechter aber / je dunckler wird das darauf ge⸗ 
brachte Schmeltz⸗ Glas ausfehen/ welches ohne dem zweyerley ift / ein 
durchſichtiges und ein dickes /beydes nimmt das Bold an / das Kupffer 
aber wili lauter dickes haben / ed wäre dann / daß man erft eine Lage 
von fhwarken Schmelg/ und auf ſolchen ein SilbernesBlätgen legte / 
welches dann hernad) allerley Schmeltz / wiewohl nicht fo gern als das 
Bold annimmt. Alesrothe Schmelg-Blas / muß ſchwer zubrennen 
- fenn/to ed aber leicht brennet/fv taugt es nichts / wird gantz unrein und 
Aſchfarbig / ſo ift es anch mit den andern Arten beichaffen / je härter 
fie ſeynd / je beffer / und unter diefen feynd wieder die beften / die ihre 
au Farben in Feuer nicht verlieren ; das fehöne hellroth wird 





a einirten Kupffer / von Eiſen-Roſt / Operment , præparirten 
cafeMirten Gold / Glas⸗Saltz / geſchmoltzenen Chryſtall / und ders 
gleichen Ingredientien, welche zu der Glasmacher⸗Kunſt gehören/ 
derfertiget Bor A. 1530. ſoll die Kunſt mit allerhand Farben zu amu- 
kun gantz unbekandt geweſen fenn /nach der Zeit aber foll fie eiw 
Frantzo iſcher Goldſchmidt Rahmens Jean Toutin, und nad) ihm un⸗ 
terſchiedliche andere Frautzoͤſiſche Goldſchmied und Mahlers / wie 
Felibien ‚in feiner Befhreibung der Architedtur, Bildhauerey und 
Mahlerey will/ wieder hervor/ und zu der hohen Perfettion gebracht 
haben / in welcher (fe noch heutigs Tags ſtehet. Ste wirdeben wie 
die Miniatur mit dev Spige des Pinfeld gearbeitet / nur daß man An 
ſtatt des Cummi· Waſſers Spie-Del nimmt, 
Wir ſchlieſſen dieſe Beſchreibung bon der Mahlerey / durch Benennung 
einiger der vornehmſten Kuͤnſtler in der ſelben / deren Arbe it undKunſt⸗ 
Gemaͤhl vor andern geſucht und hochgehalten / und dannenhero bil⸗ 
lich von unſern Kunſt Haͤndlern ſollen angeſchaffet / und denenſelben 
nachgetrachtet werden / dergleichen ſeynd nun / die Gemahl des 
Albrecht Dürers, des Teutſchen Apellis, und Fürſtens aller Euro⸗ 
paͤiſchen Kunſt⸗Mahlers / bon einigen Seculis her / feine Arbeit iſt 
gun dem Zeichen A zu erkennen; ihme ſeynd an die Seite zu fegen/ / 
Raphael de Urbino ‚eitt Italiaͤner welcher viel zu Rom gearbeitet / und 
in der Zeichnung fehr corret, in der Erfindung glücklich / und in Far⸗ 
ben annehmlich geweſen / er hat ſich aber mehr auf bekleidete als nackte 
. Der» 


b 


— — — —— — — — — — —— 


Gem 778 


Per ſonen befliſſen / und ſeine Gewaͤnder fleißig nad) der Antigqvität 
Auciiret. Michael Angelo Buonarota ebenfalls ein Italiaͤner hat in 
den nackenden Bildern und in Berkurgen excelliret / und meiftens in 
Rom und Florentz gemahlet. Von ihm wird erzehlet / daß er einen 
Füngling an ein Holtz genagelt/ uud hernach durchſtochen / damit er dfe 
P asliones und Beftalt-Beranderung eines in der Marter fterbenden/ 
deſto genauer bemercken / und hernach den gecveugigten Heyland fo 
viel beſſer vorftellen möchte / allein feine unzuläßige Curiofität / iſt 
iha hernachmahls da ihn der Papft deßfalls in dieIngvifition gezogen/ 
theur zu Rehen gefommen. Jans Holbein der Aeltere und Juͤngere 
feynd zu ihrer Zeit vortreffliche Mahlerd geweſen / alfo daß auch die 
alianer ſelbſt ihnen nachgeahmet. Peter Paul Rübens hatte eine 
derliche fchöne Art von Colorit , Die faft inimirable,er excellirte 

fu Affedten, inclinirte ſehr ſtarcke Leiber zu machen / dahero er auch 
An alten ſtardden Maͤnnein wohl reusſirt, feine Gemaͤhlde werden fehr 
rar und koſtbar gehalten. Joachim de Sandrat ‚die Ehre derTeutfchen 
Mahler / Hat die Mahleveyin Zeutfchland aufs neue in Aufnehmen 
re ſich ſelbſt aber dadurch an groſſer Herrn Höfen Ehr und 
hm erworben; er hat in Teutſchland und Italien / wie auch in Hol⸗ 
land mit herrlichen Gemaͤhlden ſeines Nahmens Gedaͤchtniß geſtiff⸗ 
tet / und ein vortreffliches Buch / die Mahler Academie genannt / here 
ausgegeben. Titian ein Itallaͤner iſt auch ER vortrefflicher Mahler 
o ſonderlich in Hiſtorien und Landſchafften geweſen /ihme iſt inContre- 
yen fehr nachgegangen/ Antoni don Dyck ein berühmter Riederlaͤn⸗ 
ifcher Mahler/ welcher viel Runfl-Stücke in Holland und Engeland 
hinter laſſen. Lucas Kranach einTeutfcher/ hat biel profil Contrefaits 
auf Holt gemahlt/ und einen fonderbahren Fleiß inden Haaren erwie⸗ 
fen/ feine Runft-GStüde ſeynd mehrentheils an den Saͤchſiſchen Höfen 
zu finden. Bartel Boͤhm von Ruͤrnberg wird vor einen guten Con- 
ırcfait Mahler gehalten. Daniel Block iſt durch feine Pourtraits, 
die er in Schweden und Daͤnnemarck gemacht/ fehr berühmt worden. 
Gein Sohn Emanuel Block hat faſt den Vater in der Kunft noch 
überteoffen/ und biel an Käyferlichen und Chur⸗Saͤchſiſchen Höfen 


gemahlt. David Kloͤcker hon Hamburg hat fich den Xuhm erworben/ - 


daß er einer der groͤſten Kuͤnſtler in Europa geweſen / und nicht nur 
nuter die Contrefaits·Mahler / ſondern faſt vor Univerfal zu halten 
iſt / er ift von den König in Schweden geadelt / und Ehrenſtrahl ge- 


nennet worden. Joh. Zacharias und Gottfried Kneller Gebrüder/ / 


von Lübeck gebürtig / haben beyde unfterblihen Ruhm in Engeland 
erworben/ Daß fie darüber geadelt/und fonderlich der letztere / weil er 
bieler Potentaten ihre el A, 1692, don König Wil- 
kam it Engeland mit der Ritter Würde ee 
" j jeſtaͤt 


* 


526 Sem: 
jeftät eigenen Degen befchendet worden. ‚Anderer bertrefflicher Künfte 
ler ald unter den Italiaͤnern des Tritiano Uesello, Pauli Veronaliet 
GiuliiRomano, Annibal Caraccio , Pietro Beretini da Cortana Gar-⸗ 
Jo Maratta,Carlo Lothi, Antonio Zanchi, Molinari, Ricci,Ambrofio 
Lorenzetto, Giacomo de Ponte Baflano, Salvator Rofa, Tintorets 
Dominico Beccafurnio,Sebaftian Pompelli. _ h . . 
Unter denen Frantzoſen des Simon Vovet, Nicolaus Paufin,Charles 
le Brun,Euftache le Seur, Blancards, Pierre Mignard, Noel Coypels, 
Jean Jouvenets, Phil, Champagne, Bordons; Molans, Foreſt, Herault, 
‚Paroflel,Desbordes, 0 
Unter den Teutſchen des Chriltoph Ambergers , Matthzus. po 
Aſchaffenburg / Ehriftopd Schwark/ Adam Eltzheimers / Johaun Lyß / 
Rembrands de Ryn, Carl Screta, Johann Schönfelds, Salvatoris Roſa, 
Pottſchild / Johann Wilhelm Bauers / Harmes / Mareels / Johann 
Andreas Grad von Ruͤrnberg nebenſt ſeiner Frauen Maria Sybilla 
einer gebohrnen Merianiun. 
Unter den Niederlaͤndern Lucas hon Leyden, Gerhard Hundhorſt 
Jacob Jordans, Corneli⸗ Mulinaer, Lucas GaſſelJacobCrũmmer, Joa- 
chim Pateniers bon Dütnant/ Paulus Briel yon Antuerpen/ Petrusde 
Laer, alias Bambots, Wilhelm Bemmels. £gidiiMoftart,Martinus de 
Voos,Jeremias de Wingen, Cornelius Kettel,, Michael Janfon Mire- 
veld, Joachimus Buckalaer bon Antuerpen./ Henricus Cornelius 
Vroom, Andreas Brauer aus Flandern / der ſich fonderlich in Bauer«® 
Stüůcken berühmt gemacht / und anderer Kunſt ⸗ Mahler mehr zu.ges 
fchweigen/ weil ſolche mehrentheils indes Gaudrats }Academie , und 
zwar den Kunſtmahlen nach in welchen ſie bor andern excelliret aufs 
gührlich befchrieben, — 
Semaͤur⸗Wurtz / Pyrethrum. 

Gemeine Pappeln / malva minor, 

—  Doften/Origanum vulgare. 

— Oſterlucey / Ariſſolochia longa vulgaris 

— Aollwurg/ Ariftolochiarorunda vulgaris, 

— $Endivien/EndiviaSylveftris, | 

—  Gtein-Zlee/ Melilotus Diofcor.. Sertulakampäna, 

Gemmz, vide Edelſtein / an den Gewächfen werden die Yugen 
und Knofpen fo die Bäume gewinnen Gemmxgenannt. 

GSemſen⸗Wurtz / Doronici Radix, wird aus Jtalien und auch den 
hohen Schweiger-Bebürgen gebracht/ die Gelehrten befchreiben de» 
ren unterfchiedliche Arten / welche aber nicht alle gangbar; zu herwun ⸗ 
dern iſt / daß man bey dieſer Wurtzel allezeit kleine Qeckſilher· Koͤrner / 
nie die Perlen findet / ja auch fogarwann von dieſen Gewaͤchs * 

Saft 


Gem Gen ae 527 


—F — ——— — — ann — ——— — — —* 

Safft ausgepreft / und Rachts⸗ Zeit an die Lufft geſtellet wird / zumahl 
wann ſolche ſchoͤn heil und klar iſt / felbiger in Oveckſilber ſich vert 
wandelt. Das Pulber von der Wurtzel frühe nüchtern eingenom⸗ 
men/ foll einen Menſchen 24. Stunden lang fo feſt machen daß ihm 
keinerley Waffen verlegen können; es follen auch die Kukeln'/ in 
welche wann ſie gegoſſen werden etwas bon dergleichen Pulver einge: 
Khan wird/gemifler als andere treffen. | 

Bernfen-Augel/Pila Capræ ſ. Egagropila werden in Indien und 
Auch in den hohen Schweiger-Gebürgen gefunden / fonderlich da me 

ch Gemfen auffdalten/man foll einige diefer Kugel wie Herr Marx in 

einer Teutſchen Material-Rammer p. 160, meldetifo groß ald ein klei⸗ 
ner Kinds⸗Kopff antreffen / es geſchiehet aber dad Geinſen⸗Schieſſen / 
(mann es zu dem End angeſtellet wird um die Kugein zu überfonuten). 
gemeiniglich zwiſchen ⸗ Srauen-Zagen. Die falfchen Benfen-Rus 
geln werden bon Kuͤh⸗ Koth / und fubtilen eingefüllten Kraͤutlein nach⸗ 

emachet/ aber gar leicht von den gerechten unterfchieden / weil nem⸗ 
3 dieſe eine Oral eingefallene Figur haben / in Geſtalt einer Tuͤrcki⸗ 
ſchen Bohnen / und auch mit einer huͤbſch glängenden Haut umge⸗ 
ben ſeynd / und wann ſie auffgeſchnitten werben / fo findet man its 
— ein Geniſt von ſubtilen Wurtzeln / und einen lieblichen Ges 
ruch. 

Genff, Geneve eine berühmte Stadt zwiſchen der Schweitz / Franck⸗ 
reich und Savoyen an den Rhone Fluß und dem Lacu Lemano gele⸗ 
gen/ ihre Commercia ſeynd allbereit unter dem Schweitzeriſchen 
Waaren beſchrieben / die in Geneve ganghar Muͤutz ⸗· Sorten feynd: 
Reichsthaler / deren einer 10. Florin 6. Sols gilt. | 
Gpanifche Piftolen zu 38. Florins 6. Sols, 

Stalidnifche zu 37. Florins, Sols. 

Croifats de Genes zu ı5. Florin 6. Sole. 

Ducaton de Milan , oder von Saboyen gelten 12. Florin 10. Sols. 

1. Florin hatız. Genffer oder s. Frautzoͤſiſche Sols. 

1. Sols iſt 12, Deniers, J 

Die Heine Genffer Muͤnte differiret von der Schweitzer und Frantoͤ⸗ 
ſiſchen um 5. pro Centum, dann 42. Genfſer Sols oder viertehalb Flo⸗ 
rins / ſeynd 10. Schweitzer Batzen und 20. Sols tournois, indeſſen zaͤhlt 
man doch den Florin vor s. Franhoͤſiſche Sols. Br 

Der Stadt Benffihre Wechftl-Cours verhalten 6 als folget: 
Auf Holland gibt Genffr. Rthl. vor 85. bis 100. 9. Flaͤmiſch. 

— Eugeland Rthlr. borso. bis so. 9.'Sterlings. 
— ehe 100, Rthl. vor 100, bißıos. Thl. zu 20. Sols d’ ot Sol. 
— Franckfurt i100. Rihlr. por ur, his us. Rthlr. courant, 


Auf | 


— 


528 BGen 

Auf Ruͤrnberg 100. vor 125. bi 126. Rthlr. 

— Hamburg 109. vor 100. Von 96.8. Banco. 

— Turini. Rthlr. vor 82, bi 90. SolsiPiemontoig. 

— Gt Gallı. Rthlr. vor 102. big 106, Creutzer. 

— Genua 1o23. Rthlr. vor 100. Piaftres Von s.Lire, 

— Livörno 1033. Rthlr. bor 100, Piaflres don. Lires, j 
Noch aufrandfurt 1. Rthlr. vor 74. bi 745: Wechſel⸗Creutzer 


Genifta, Capparis Germanica, Ginft / Pfriemen/oder Pfrimen⸗ 
Kraut / waͤchſt an fandigen und Sonnen-veihen Orten; die Blumen 
tteiben den Stein/ der Samen vertreibet die Kröpffe. Die Ginf- 
gr oder die Blumen/ ehe ſie ausbrechen / werden wie Die vechten 
Cappern mit Salg und Epig eingemacht / — ſie auch Teutſche 

Cappern heiſſen / und ſeynd vor die verſtopffte Nieren / Leber und 
Miltz erſprießlich. Daß die Aſche von Ginſt ſey in Ziun berwandelt 
worden / hat D. Balthaſar Brunner zweymahl geſehen / wie D. Hoff- 
mann in Clax. Pharm Schröd. 1,4-8.136 berichtet - 


SGentian Wurtzel / R. Gentianæ, deren gibts unterſchiedliche / es 
werden aber zum taͤglichen Verkauff die Weiſſe und Rothe geſucht / 
wiewol die Weiſſe auch ſelten verlangt wird / man hat die Rothe in 

roſſer Menge geſcheelt und ungefcheelt / diefe Wurgelund Kraut 

oll erftlich erfunden haben der Ilyrier König Gentianus, von dem hat 
fie den Nahmen / ſie waͤchſt am meiften in der Schweitz / daneben auch in 
Ungarn und Oeſtreich / wie auch in Schleſien Burgund und vielen der⸗ 
gleichen Orten mehr/wann fie chin an groſſen — — 
ift/ ſo daß man ſchoͤne Fontanell-Kugeln daraus drehen Fan / halt 
man fie ammertheften / ſie wird auch geftoffen / Faͤſſerweiß verkaufft / 
ift bitter am Geſchmack / und die meifte Roth gelb/ fle blühet 
" zwar inunfern Gärten / verdirbt aber wieder / weil fie vornemlich 

Thaͤler und Berge.fo feucht feyu / zu ihren Wachsthum haben will. 

Geodes, vid. Adler⸗Stein. 

Geranium Stord - Schnabel / unter diefem Kraut feynd folgende 
Arten die befannteften als Geranium. (1) Robertianum, (2.) Tu» 
berofum fivebulbofum. (3.) Mofchatum. (4.) Montanum fulcum, 
(s.) Creticum, (6.)Columbinum, (7.) Inodorum Vulg. (8.) Luci- 
dum, (9,) Argenteum. (10,)Phzum, (ı1r,) Trifte. (12,) Batrachoi- 
des Alb. &cxrul: (13.) Malvacoides five Althæo des. (14.) Hæmato- 
des. Das gebraudhlichiteaus diefen iſt: Geranicum Robertianum,; 
fo auch herba Ruperti, Gratia Dei, Geranicum Chelidoninm five 
hirundinarum, Storch-Schnabel / Ruprechts⸗Gicht / oder Rothlauff⸗ 

Kraut / Gottes Gnad / klein Schoͤl⸗Wurht / klein Schwalben Kraus 
genen⸗ 


’ 





| — Ser 529 
Benennet wird. Die Wurtzel des Geranii tuberofi,ift gut vor die Auf⸗ 
blehung und Gefchwülft der Mutter, 

Geraubte Sachen/ wann ſolche ein Rauff- und Handels⸗Mann 
etwan an ſich Handeln ſolte / ſo dienet ihm vor allen zu wiſſen / daß fo er 
dieſelbe bona Fide & jufto Titulo beſihen will / ſolche in einen recht⸗ 
maͤßigen Krieg den Feinden abgenommene und nicht mit Gewalt auf 
der Heerftraffen geraubte Sachen feyn müffen/weil derjenige der vom - 
diefer legten Art an ſich —— wann es auch gleich auf einen oͤffent⸗ 
lichen Jaͤhrmarckt oder Meſſe wäre / ſolche ohne Entgeid den rechten 
Eigenthums⸗Herrn wieder geben muß / Carpz. Def, s.n. 12. ja fo es 
miffentlich und inder Intention gefaufft / daß ers heimlich wieder an 
andere verkaufen / undalfo feinen Nugen daraus ſuchen wolle / der 
wird vor einen Hehler gehalten/ der mit dem er in gleiche Ber« 
dammniß fehet/ wie dann auch ſolch Gut gemeiniglich Adlers⸗ Fe dern 
an ſich Hat / weiche dad rechtmaͤßig erworbene Gut neben ſich wegfref⸗ 
ſen / und in Fluch fegen / auchnimmermehr auf den dritten Erben ge⸗ 
‚ langen. "Ein anderdmwäreed/ / wann jemand dergleichen Raub⸗ Gut / 
fo eiwan die Soldaten in denen Quartieren gefiſchet oder beym Abzug 
den armen Leuten / die doch nicht ihre Arie hät» 
ol als Pferde / Ochſen / Kũhe / Schaafe/ Zinn / Meßing / Leinwand / ec. 
von den Soldaten kauffte / in der Intention, daß er ſolches Gut ſeinen 

rechten Eigenthuͤmer / don dei Preis / als er es an ſich erhandelt / wies 
der uͤberlaſſen wolte / dafonft beſorglich ein Fremder vor ein Spott⸗ 
Geld * an ſich bringen und ſelbſt behalten moͤchte; in ſolchem 
Fall iſt / dergleichen Raub⸗Gut zu kauffen / zugelaſſen und loͤblich und 
der Eigenthuͤmer allerdings ſchuldig / wann ers wieder haben will / 
das ausgelegte Geld dafür zu bezahlen / per 1,63. ff. de R. V. L. ſi pre» 
tiumı9.C.de Procurat. So iſt auch nach Einhalt der in vorigen 
Kriegs⸗Zeiten hin und wieder gemachten Verordnungen / zugelaſſen / 
dapein ſolcher / der in ehrlicher Intention wiſſentlich dergleichen im 
Krieg geraubtes But kaufft / bis auf dert Vierten Theil des Wehrts 
ſolch gevaubtes Gut an (ich kauffen und einloͤſen moͤge; jedoch folte er 
dabey ſolchen Kauff oder Einlöfung — der Obrigkeit ſeines Orts 
anmelden / und bey derſelben verzeichnen laſſen / hernach das erkauffte 
Vieh zum wenigſten ſechs Wochen / die Mobilia aber ein gantzes Jahr 
bey ſich behalten / und das Vieh zu freyer Weide treiben / ob etwan der 
Eigenthumsherr ſolches dadurch deſto ehe gewahr werden / und ein⸗ 
löfen möchte : 1 | 

Gärber Sumachoder Schmack / Sumach altera, Byrſo depſicum. 

Gerfiſch / Acus, aci, J 

Germell / Gerwoll / Millefolium, ei 


Girl 


530 Ser Gef 
Gerſt /Imperatoriaalpina. 
Eerjſte / Hordeum, wird in groffe und Heine —— an jener hat 
jede Aehr nur 2. Reihen Körner / die aber viel groͤſſer als die andere 
Gattung feynd ; andiefer ſeynd zwas 4. oder s. Reihen / allein viel 
Heiner / diefe wird Hordeum polyftichuin Vernum, jene nemlich die 
voffe Hordeum diftichon genennet. Pan macht auch einen Unter⸗ 
Fheid unter der Fruh-und Spat-Bärfte wegen der Saat-Zeit/ nem» 
{ich die Marie Verkündigung und Urbani geſchicht. Im Königreich 
Pohlen iſt die Minter-Gärfte gebräuchlich ; Mang oder gemengte 
Saͤrſte nennet man, wann groffe und Fleine Gärfte unter einander ge= 
menget wird. A 
Gerſten⸗Graupe / unter welchen die befteund feinfte Die fo ge⸗ 
nannte Perl⸗Graupe ift/ denen Koͤchinnen und Kausmüttern zur Ge⸗ 
nüge bekannt. | - 


Geſcheckte Indianifche Blum Viola Peruviana, Flos mirabilis 
Seſchlagen Gold / Silber und Metall, Aurum vel argentum fo- 
liatum in libris, zu allen dreyen Sorten muß die Materia erſtlich ge⸗ 
—— / ineinen Zain gegoflen‘/ und auf dem Amboß fo lange ge⸗ 
lagen werden / bis ed durch die Plett-Mühl oder das Zieh: 

etliche Rlaffter lang gezogen werden kan. Wann ſolches geſchehen / 
wird es nochmahl auf dem Amboß gefchlagen / und in den von Perga⸗ 
‚ ment auf befondere Art zubereiteten Zeug gebracht/ nach diefem in den 
rechten Zeug / fo mit groffee Mühe/ Kunft und befonderer Wiſſen⸗ 
Schafft aus einem gewiſſen Rind-oder Ochfen-Darmpraparivet wird: 
hierauf wird ed mit dem Kammer fo dünne gefchlagen / daß man vom 

einen einigen Ducaten zoo. und wohl mehrere Blätter zehlen kan / de⸗ 
ven doc) jedes drey Zoll breitift ; die aus Silber und Metall gefhla« 
gene aber ſind vier Zoll breit / und Fa ein fleifiger Arbeiter diefer 
unft des Tages bis 2000. Blätter fchlagen. Das fo genannte Zwiſch⸗ 
&oldj oder aurum foliatum miſtum, beftehet aus denfeinften Gold 
und Silber/ und wird gleich obigen gefchlagen/ nur daf aufeiner Sei⸗ 
te das Gold / aufder andern das Silber zu fehen. Es pflegen aber 
auch die Boldfchläger ihr gefchlagenes Gold in unterfchiedlide Sor⸗ 
ten zu vertheilen/ davon die erſte feinfte und befte vor die Schwerd⸗ 
feger iſt / welche folche zu den Damafcenirten Klingen gebrauchen / bie 
zweyte vor die übrigen MWaften-Schmiede / welche Harniſche und ans 
dere Waffen damit vergulden / die dritte hor die Buchbinder / die 
Bücher zu übergülden / und die bierte vor Die Chymicos und Apotes 
cker / umfolche unter die Medicamenta zu miſchen. Diejenige Gold» 
ſchlaͤger welche betriegen wollen/ können einmit Speauter vermifchtes 

Merall zu dünnen Blätter ſchlagen / und ſolches vor fein —— I 
indem 


— 


— —— — — — — 


| Sf su 


indem das Kupffer mit dem Speauter fo hoch gebracht werden kan / daß 
es dem Goldſtrich haͤlt / und ihm nichts abgehetoder fehlet/ ald nur das 
rechte Gewicht und die Fixation, um gut Gold zu ſeyn; Wiewol auch 
Hierzu noch einander Mittelift/ das gefchlagene Ducaten-Bold von - 
den falichen zu unterſcheiden wann man nemlich ein gefchlagenes Du» 

caten-Gold-Blättlein gegen die Lufft Hält / fo wird A iges durchſich⸗ 
tig / wie ein ſchoͤner grüner Smaragd / ein feines Silber⸗Blaͤttlein / 


wie ein blauer Saphier / alle von einem andern Metall aber/ oder vom 


einer andern falfchen Compofition geſchlagene Blättlein werden gang 
opac , ſchwartz und undurchſichtig feyn. 

Geſegnete Diftel/ Carduus benedidtus, 

Geſeliſchafft / Handeld-Compagnie, vide Compagnie⸗ Hand⸗ 


ung. 
Eefregalre $erden/v.Terra ſigillata. 
Geſpanſchafft / wann etliche Fuhrleute / ſonderlich die Krämer mit 
einander fahren. 
Geſpreckt Knaben⸗Kraut / Cynoforchis major. (maf.) s. 
GeftempeltesPapier / Chartafigillara , du Papier Timbse vel 
margve, vide Papier. oe, 
Geſtirnte Wicken / Stella Leguminoß, 
— Rohr / Cereus Peruvianus. | 
— Rohr von Peru, Calamus Peruvianus afteroides, 
Geſtohlene Waaren / ResFurtivz, werben bon einigen Kauff⸗ 
Leuten oft unwiffend, bon einigen aber/benen ein jeder Gewin / aus ei» 
ner jeden Sach / eben wie den Juden füp iſt / offt wiſſentlich / mehrmahls 


aber zu ihren groſſen Schaden geführet/ weil / fo bald ſolches erfahren 


ewi 
Ge 


wird / und der Eigenthums⸗Herr / dem das Gut geſtohlen worden / 
darüber klaget / und es bey ihnen beſpricht / ſie ſolches ohne einigen Ent⸗ 
geld wieder abfolgen zu laſſen ſchuldig ſeynd / ja ſie koͤnnen gar darüber 
mit willkuͤhrlicher Geld:oder Gefaͤngniß⸗Straffe / oder auch wol mit 
get Lands⸗ Verweifung (zumahl / manner das Verbrechen mit 
d nicht büffen fan) nach befundenen Umftänden beleget werden/ 
argum, Carpzovium in Crim, gvaft.4.40,7. Es wäre dann Sache/ 
daß ein ſolches geftohlenes Gut ſchon 30. Fahr. nach den Käyferlichen 
Rechten / nah den Saͤchſiſchen Rechten aber 31. Fahr 6. Wochen und 


‚3. Zag geruhigund unangefochten in Desienigen Handen (der es nun ⸗· 


mehro zuverlauffen / wann ers auch wiffentlich als ein geftohlen Gut 
an ſich gehandelt hätte) geweſen wäre / dann in folcher Jeit wird das 
vitium reale & qvalitatis furtivitatis in fo weit purgivet / daß auch 
felbft ein Dieb und jeder violentusPoffeffor eine Sache prxfcribiret/ 
1, oınncs 4. C.de prafcript, 30, a » annorum, und mird der Ei⸗ 

2 | gen» 


sm. Gef Ge 


genthums · Herr injutlicio vindicatorio nicht mehr gehöret / vid. D. 
Carpzov. part, 4, Conſt. 39. def, 6.n, 5, & 6. D. Richter, d, loco das 
herodannDnn. Scabini Lipfienfes Menf, April, Ao, 1633. in Sachen 
N.N. alfo geſprochen: Habt ihr einen güldenen Halsband bey N. N, 
angetroffen / wann nun gleich daflelbe hiebebor euren Eltern geſtohlen 
worden wäre/ weilaber dennoch euren eigenen Bericht nach bemeldter 
N. N. fol Halsband allbereit über 30. Fahr in geruhlichen Beſitz ges 
habt / und darum nichtangefprochen worden/ ec fo hat er ſich nunmehro 
mit der Verjährung zu behelffen/ und ihr ſeyd daſſelbe ferner zu vin- 
diciven nicht befugt von Rechtswegen. 
. Bon denen geftohlenen Sachen / welche die Juden an ſich Fauffen/oder 
um Unterpfand annehmen / lautet zwar dad Sachſen⸗Recht per text 
Band» Recht 1.3, art. 7, daß (le folches den rechten Eigenthums⸗ 
Herrn wicht wieder zu geben ſchuldig feyn follen / bebor ihnen der 
Wehrt dafür wieder erlegetworden / swie dann auch einige andere 
Städte mit dergleichen Statutis und Privilegiis Yerfehen feyn follen / 
Panormit, in c. qvod Clericis de foro Compet, weil aber folche Statuta 
und Privilegien , fo denen Wucherern concedirt/ nur Anlaf und Ges 
legenheit zu fündigen geben/ als feynd ſie nicht unbillig abgefchafft und 
vberworffen. Es bezeuget auch Georg Schul in Synopf. inflit; de 
obligat, qva ex delicto nafcuntur lit, P. daß vorerwehnte Berordnun 
des Saͤchſiſchen Rechts nicht in Obfervang gezogen werde; Ya es i 
Yielmehr in des Caroli V. Policey-Drdnung de Ao, 1548. auödrüclic) 
die Verordnung gemacht / dap die Juden die geftohlene Güter ohne 
einig Entgeld wieder heraus geben follen / welches auch wiederholet 
und confirmiret worden auf dem Reichstag zu Frauckfurt de Ao. 1577. 
tit. bon Faden und ihren Wucher / zo. Knipſchild tr. de juribus & pri- 
vil. Civitat. imperial,lib. 2. cap.30.n. 43. & 44. item Hahn ad Wefen- 
bec. Tit. de Ufurpat. & Ufucap, n, ii. ibi qvod jure Pontifieio, wo dies 
fe Materia von geſtohlenen Sachen und deren Verjährung fowol cir- . 
a id, qvod in Praxi, tumetiam in pundto juris obtineat weitläufftig 
auögeführet. | | 
Gerraͤnck / einnohtwendiged Stüd der Waaren⸗Handlung / be⸗ 
ſtehet in Waſſer / Bier Mech / Wein / Branntwein / Thee,Coffe, 
Chocolade, Tifane, Limonade Scherbet / La&tade, Cidre oder Birn 
Moft/ Dbaft und dergleichen / von welchen mehrentheild fchon unter 


ver eigenen Benennung gehandelt worden. Unter die Waſſer⸗ 
lung möchte man die Saur-Brunnen und das Erechnen / 
es den Sommer uber bon wohllüftigen Leuten gefucht /und das Ges 


traͤnck damit erfrifchet wird / wiewol ſolches ſehr ungefund ift / indem 
es Fieher / Engbruftigkeit/ Magen-Pein und Eolic erwedet; und ei 
| | | wenig 


I 





I; a rund heru iö beleget wäre, 


Bewoähr/ Evidtio, die Gewaͤhrſchafft leiften/ eviltionem praftare 
heiſt / wann der Verkäufer eines Dings dem Käuffer gut fagt / verſi⸗ 
chert/ und Bärge zu ſeyn verſpricht / daß er ber Käuffer des gekauften 
beweglichen und unbeweglichen Guts halber / nimmermehr feinen 
Anfpruch von feinen Menſchen hekommen werde / und warn er glei 
folchen bekommen folte/ daß erihn doch desfalls gegen jedermann, auch 
auf feine eigene Unkoſten / in und auſſer Gericht vertheidigen und 
Schadloß halten wolte / vid.1. 29.$. fin-ff, de Kvict. & 1. zı.C. eod, 
und zwar dieſes / fo bald er nu würde vernommen haben / daß dem - 
Aäuffer desfalls wäre lismovitet worden / ob er der Käuffer/ desfalls 
ihm den Verkaͤuffer / * ſolches noch nicht hätte denuncirenlaffen ; 
dag man aber diefes ſich zu verpflichten dem Verkaͤuffer anhalten fon» 
ne/begeuget Franzk de evict. n 676, und andere mehr. Es pflegen 
abernicht felten die Verkaͤuffer bey dem Kauff-Contra&t ſich aus zu 
bedingen/ daß ſie anfeine Eviction , auch fd das gefanffte Gut dem 
Käuffer folte genommen / und von einen andern, der Anfpruch darau 
hätte/evinciret/ oder durch Recht: Spruch erhalten werben/ daß ſie in 
folchem Fall / auch ihme dem Kaͤuffer ſein ausgelegtes Geld nicht wol⸗ 
ten wiedergeben / welches / wann eö der Räufereingehet/ hernach aud) 
hor feine Rechnung feyn mag / und hater/ wann er einmahlfolche Re- 
nunciation angenommen / alödann an den Verkäuffer feinen weitern 
Regrefsmehr. Wann es fich auch offt zuträgt / daß eine Waar oder 
Sache invielerhand Hände koͤnt / ehe Anſpruch daran geſchicht / da 
dann der letztere Räuffer an dem / der ihm die Waar verkaufft / diejer 
wieder an feinen Verkaͤuffer / bis endlich auf den erfiengehen/ und bon 
demfelben die Schadloß- Haltung forderumuß/ vide MeviumP. ;. D. 
so.n. 1. ale iſt dagegen diefe Cautel in Obacht zunehmen/ daß derjeni- 
ge/der von dem erſten kaufft / und an dem dritten wieder verkanfft / ſol⸗ 
chen Dritten mit undbey der Waar / alle feine Jura, die er der Evidtion 
halber an denerften Haben Eönnte/ cedire/ und zugleich mit übertrage/ 
An welchen Fall ſolcher Dritte den andern überhüpfien und vordeh 

gehen/ und ſich gleich an den erſten addreſſiren fan / Arg. L. 9. ff. de 


evidtio, item Dn, Brunnem. in Comm, ad d, I,n. 2. 
Kauffet jemand aus einer Auction, öffentlichen Ausruff oder Concurs 


Guter / ſo ſehe er zu / daß er ſich mit ausdrudlichen Worten die Evi- 


&ion von denen Concurs- Creditoribus ausbedinge / vorbehalte und 
zuſagen laffes dann ob gleich fonft ein jeder Kauff⸗ Conttact don Ra⸗ 
tur die Evidtion mit ſich führet/ per l. Yr deEvi&, fowollen doch die 

3 Ä Credi- 


83 Gew 


Creditoribus, welche ihres Debitoris Güter fubhaftiren,Saffen/ an ſol⸗ 
hen Legemuicht gebunden feyn / ob Tit. C. Cred. Evidt, pign. non 
deb.e& ware dann / daß man ihnen ſolches ausdrücklich vor dem Kauff 
abgefordert / und auch die Evictions Leiſtung erhalten hätte. 
Es thut auch ein Creditor wohl / wann er etwan von feinen Debitore 
eine verbächtige Waar oder anders ut in folutum, das iſt in Bezah> 
lungöftatt annehmen muͤſte / daß er jich mit folgender Protcflation da» 
gegen verwahre / daß erzwar die angebotene Waar / Haus oder les 
bendiges Vieh an Zahlungsftatt annehmen wolte/ jedoch mit dem Be⸗ 
Ding/ daß im Faller Deswegen von jemand folte in Anfpruch genom⸗ 
men werden / er in ve Fall feine Vorige Jura und adtiones cum 
omnibus Claufulis ſich wolte referviret haben/ ac. welche Refervativ 
ihme ſo viel Hilft / daß da er fonft nur adtionem de evidtione wider 
feinen Debitor anftellen fönnte/ ihme in ſolchem Fall alle feine Jura wi» 
der dem Debitorem deſſen Bürgen oder verpfändete Güter frey und 
unbenommen bleiben/ vid D.Stryck. de Cautel. Contradt. Sedtio IV, 
- Cap. 1.$.6.defolutionibus. Die Gemwährlelftung hataud) in fepa- 
rationibus, die zwiſchen zweyen und mehr Kauffleuten/ die mit einan⸗ 
der in Compagnie geftanden/ gefchiehet/ ftatt / da ſie ſich unter einan⸗ 
der verpflichten/ daß wann die adtiv Schulden / weldye dem einen % 
feinem Theil in der Theilung zugefallen/ nicht eingehen folten/ daß ſie 
davor insgeſamt wolten gehalten feyu/und ihn pro rata Schadloß hal- 
ten/ ed wäre dann / daß ſie die Schulden und Waaren durchs Loß ge: 
theilet/ und daß ein jeder feine Gefahr Lauffen folte/ einig worden waͤ⸗ 
ren; Ob aber auch / wanneingefaufftes Gut vonder hohen Lands 
Dbrigfelt weggenommen würde / der Berkäuffer ad Evictionem ge⸗ 
halten? darzu h en die Rehtslehrer nein / perl. Luciusil. ff. de Evi- 
&io, weil ein ſolches Wegnehmen pro cafu fortuito zu halten/ welchen 
niemand zu praß: ven ſchuldig iſt Carpzov.l.s.R.46.n. 10, €8 wäre 
dann/ dap der Verkäuffer ih ausdrücklich zu folder Gewährleiftung 
verflichtet hätte/ oder dap dem Käufer das But mit Recht (via juris) 
und nicht mit Gewalt (via facti) wire angefprocdhen und abgenommen 
worden / in welchem Fall der Berkäuffer 664 die Eviction zu leiſten 
ſchuldig wäre. 


Gewehr / Waffen / Arma, ſeynd Schwerdter / Spieſſe / Degen / 
Pfeile und Bogen / Dolchen / Muſqueten / Flinten / Piſtohlen / Helle⸗ 
parten / vide Schieß⸗Gewehr. | 

Gewicht / vide Maaß und Bericht. 

Gewuͤrtze / Aromata, ſeynd Antophylli Mutter⸗Naͤglein / Carda- 
momum in Corticibus Cardamunlein in Schaalen / Cardamomum 
excorticatum, Cardamuͤmlein ausden Schaalen / Caryophylili > 

ma 


ö— — EEE — ————— — 


Gey Gia 535 
matici Wuͤrtz⸗Naͤgelein / Caſſia Caryophyllata Nägel-Zimmet oder 
Roͤhren / Caflıa Lignea Mutter⸗Zimmet / Cinamomum breve kurtze 
Zimmet⸗Rinden / Caſſ. longum lange Zimmet⸗ Rinden / Crocus Au- 
riacus Oeſterreicher Saffran / Crocus de Magliano Maglian⸗Saf⸗ 
fran / Cubebæ Cuben / Galanga major groß Galgant / Galangami- 
nor klein Galgant / Grana Paradiſi Paͤradis⸗Koͤrner / Macis f, fein 
Mufcat-Blüht/ Macismedix braune Mufest-Blüht/Nuces Mofcha- 
tæ Mufcat:Rüffe / Piperalbum mweiffen Pfeffer / Piper H'fpanicum 





Spyaniſcher Pfeffer/ Piper detto in pulvere geftoffen Spanifcher Pfef⸗ 


fer/ Piper longum langer Pfeffer/ Piper nigrum ſchwartzer Pfeffer / 
Zedvaria Zittwer/ Zinziber album weiffer Ingwer / Zinziber com- 
mune brauner ngiver. | 

Die Servürse laſſen fich In denen Officinen zu Infufionen , Deco£ten, 
Confedt, Pulvern/ und folglich zu Ratwergen und Trochifcis gebrau- 
chen; Anımeiften aber macht man Extracten, Waſſer / Del / Galg 


und Magifteria daraus / fonderlich biel fluͤchtige bræparata, weil ihre 


Krafft meiſtens in flüchtigen Theilen beſtehet. 
Das Verflaͤlſchen der Gewuͤrtze geſchiehet / wañ man ihnen ihre Krafft 
ausgekochet / und fie hernach wieder in der Lufft getrocknet / und müter 
gutes Gewuͤrtz gemenget werden. Alſo pflegen die Juden den Koͤchen 
Die Näglein/ womit die Speiſe gekocht werden / abzukauffen / welche 
fie hernach wieder mit andern bermengen / und den Leuten verkauffen; 
Unter den gantzen Pfeffer miſchen ſie gewiſſe Koͤrner / die ihm faſt 
gleich ſehen; unter den geſtoſſenen aber das Pulver von ſchwartzen 
Wurtzeln / welches auch mit den Ingwer geſchiehet. 

Geyerlein/ Sifarum. 

Geylwurtz / Satyrion. 

Geyßfuß / Ægopodium. 

Ghitta Jemou, Gutta Gamandra , Gummi Gotta, Catta Gauma, 
Gummi Peruanum, item Succus Cambici oder Cambrici, iſt mehr ein 
zufammen geftandener und infpiffirter Saft / ald ein Gummi , von 
mas vor einen Gewaͤchs aber felbiger komme / iſt noch ungemif ; Gt- 


liche fchreiben deffen Lrfprung der Wolffs-Milch Cataputiæ majori , 


oder den Floribusricini indi bey/ und fagen/ die Farbe rühre bon mas 


fremdes/nemlid von der Curcuma her; andere fagen / es fey ein 


Gafft Euphörbii, noch — bon Seammonio uud Tithymallo 

zuſammen geſetzt / dem ſey aber wie ihm wolle / fo iſt ed eine ſtarcke 

Purgans, ſowol durch Erbrechen alsStuhlgaͤnge / dabey ed dann ſchwe⸗ 

re — erwecket / daß man alſo bey Gebrauchung deſſelben 

gar behutſam ſeyn muß. 

Gialappa, ſeu Jalappa, Jlen ⸗Wurhel / iſt eine ſchwars grar⸗ 
| 4 e 


nofe 


. 


536 Gib Sf | 

Refinofe, und in Scheiben gefchnittene Wurgel / kommt aus Indien / 
hat einen ſcharffen Geſchmack / wird faft zu allen Purgantien gebraucht/ 
entweder in einen Pulver oder im Spiritu Yinibiß is. gr. zerlaſſen. Die 
Wurtzel an (ich felbft / wann ſie reſinäs, braucht ein halb Qvent. zum 
purgiren. | 

- Bibeln oder Biblihen/ von ihrer gelben Farb alfo genannt feynd 
eine. Art Eleinere Karaugen-Fifche / daher ſie auch füglich Characes 

oder Caraſſi minoresfönnen genennet werden / weil fie felten uber 6. 
Zoll lang wachen. | ! 

GSichtheil / Gifftheil/ Anthora, 

Gicht⸗Kraut / Geranium, 

Gicht⸗Roſen / Pcæonia. * | 

Gifft / Venenum „ findet ſich in denen dreyenRegnis der Ratur/ 
entweder naturlich oder durch Kunſt zubereitet/ als in dem Regno Mi- 
nerali alle giftige Cobold, Artenicum, Ragen:oder Muden-Pulver/ 
Mercurius fublımatus, &c, in Regno Animali die Kröten/ Spinnen 
und Sthlangen/in Vegetabili der gifftige Napel oder Wolffs⸗Wurtz / 
Laurus Rofca oder Dleander ꝛc. alle dergleichen tödtliche Simplicia 
oder Compoſita, dürften in denen Officinen nicht jedermann ohne Un- 
terſcheid difpenhret werden; So muß aud ein ———— 
oder Materialift / bermoͤge ſeiner Pflicht und der Obrigteit Verord⸗ 
nung / ſolche in feiner eigenen Ber mahrung nehmen/nicht unter andere 
Argeney Mittel und Materialia kommen laflen / damit ſich Geſellen 
und Jungen nicht vergreiften/ undein ſolches toͤdliches qvidpro qve 
borfebtich oder auch unwiffend hingeben. - 

Gifftheil/ Zedoaria Anthora. 

Gifft zum Pfeilen/ Taxica Toxica. 

Gifftftein/ Bezoar, . 

Gifft⸗Wurtzel / R. contrayervæ, Cyperus longus inodorus, hat 
den Rahmen daher / weil jie wider den Gifft Hilft; Sie ift noch fo lan⸗ 
ge nicht bekannt geweſen / vergleicht ich der langen Eypern und Gal⸗ 
—— koͤmmt über Holland aus America; Sie muß ſcharff 

eyn / und einen wurtzhafftigen Geſchmack haben. Einige vermiſchen 
fie mit der china Chinæ, gegen die Wechſel-Fieber / und mit der lpe⸗ 
cacuanhagegendie graflivende vohte Ruhr. Man nimmt fle auch 
unter das berühmte Euglifche Gifft⸗Pulber / oder Pulv. Bezoart. An- 
2licum, es werden auch die fogenannte Lapides contrayerva folgen« 
dender geftalt daraus gemacht: R. Magifter, C.C, Corall. alb.rubr, 
Margarit. Succia alb. orul, Cancrorum ana 2. Qvent. Rad. Contra- 
jerv. 3. Qvent, Apıc,nigr,chel, cancer, 8, Qyent pulv. &'commilt, 
adde Galatin, Vip. q,f.F, Glabuli Fol. Sel. obducendi & frecandi Ad- 
dunt Alii Ambr, anderthalb Quent. Gilb⸗ 


Bil Gla 537 

GSilbkraut / Chelidonium majus. 

Silbe / ift eine Sitber-haltige Berg⸗ Art gelber Farbe. 

Gilgen/ Lilium Album, | | 

Gingiber/ vide Ingwer / Zinziber, 

Ginſt / Geniſta. 
Girlein / Siſarum. 

Girtwurtz / Abrotanum. | 

Gladiolus Coeruteus major f. Iris noftras. 

Gladiofusliliis luteis, ſ. Acorus adulterinus, 

Glans, eine Eichel/ oder die Frucht ded Eichen⸗Baums. 
22%. Glans unguentaria , Balanus'iive nux unguentaria „ Galb⸗Nuͤß⸗ 
lein / ſeynd Früchte eines fremden Baums/ fo den Tamarisken-Baum 

leich ; diefe haben einen fetten Kern / wie eine Haſel ⸗Nuß / wachfen 

n Æthiopien, Egypten und Arabien ; der Kern purgiret oben und 
unten/ und führetden Schleim und die Galle ab / macht klare Haut/ 
bertreibt die Kräge. Das daraus geprefte Del (oleum balanınum 
fire myrepficum) iſt gut vor die Flecken Sommerfproffen / blöd Ge⸗ 
hoͤr / Ohren · Sauſen und Klingen. 

Glantz / Plambago Molybdæna Galena. | | 

Glanız/ darunter wird auch dasjenige verftanden / fo die Mahler 
zum Aufſtreuen gebrauchen/ deffen man von allerhand Fatben hat / 
und eine.glafichte Materie iſt. 

Glaͤntzende Heerſpitzen / Antimonium. 

Glas / Vitrum, du Verre, iſt nicht allein der Rchme aller durchſich⸗ 
tigen Körper welche in den gemeinen Glas⸗Huͤtten / aus weiſſen Sand / 
Kiefelfteinen/Afchen und Salt verfertiget werden/ fondern auch etli- 
er glatter undip:efiger Ertze oder was fonften hellglantzend / und wie 
die Edelgefteine durchſcheinend iſt / worunter aud die Alten den 
Agt oder Bernſtein mitgevechnet haben / wie dann auch der Vi- 
triol feines Glantzes wegen a Vitro dem Glas / gleichwie eiwann der 
Alaun / aLumine den dicht / feinen Rahmen befemnien. 

Es iſt aber das Glas zweyerley als natürliches / welches GOtt in der 
Erden gefchaffen / und dann auch durch Hülff ded Feuers und Kunft 
der Menfchen / aus obbemeldten Ingredientiis zu weg gebracht / dieſe 
lugredientia werden anfänglich von denen Glasmachern untereinan» 
der fehr Hein geftoffen Vermenget / und durch ein fubtiles Sieb ge 
5 / ehite zuſammen calcinret und geſchmoltzen werden / (Inte: 
mahl nach der Glasmacher Sprichwort an einen engen Sieb und dür- 
ven Holtz die gantze Zierde der Kutift gelegen. Wann diefer alfo 
praparirte Sand folgendö zu einer Malla gefhmolgen / welche man 
auf. denen Teutſchen Glas⸗ Hütten — in Franckreich > 
5 ta⸗ 


2 
Italien aber Tritea nennet/ fo ftecfet der Glasmacher ein hohles Eifen 
oder Rohr in den Topff / in welchen die gefchmolgene Materia oder 
das Metall ift / drehet ſolches Eifen ein wenig herum / und nimmt des 
efhmolgenen Metalld; welches ſich wie ein Häbrigter Safft daran 
— **8 — viel als er von noͤhten hat / hierauf waͤlgert er ſolches auf einen 
Marmolftein hin und her / damit es ſich recht vereinige / und blaͤſet 
nach dieſem in das eiſerne Rohr / ſo gehet das Glas uf eben wie die 
Blaſen welde die Rinder durch einen Strohhalm von Geiffen-Waf- 
fer machen / hierauf wird es in den Modell gedrucket / mit andern In⸗ 
ſtrumenten böllig zurecht formivet/ und endlich in den Rühl-Oten 
abgefühlet ; das Venetianifche Glas wird eben fo bereitet / auſſer das 
man an ſtatt des Sandes / Berg +» Ehryftall oder fonft reine. Steine 
out den Poo.Fluß und die beffe Soude, oder Afchen-Gals darzu 

immet. 7 
Heutigs Tags iſt der Glas⸗ Handel fo gemein / und werden abſonder⸗ 
lich die geſchnittene Glaͤſer / welche vor dieſen nur groſſer Herren 
Trinck⸗Geſchirr geweſen / und ſehr hoch berkaufft worden / um ein 
Spott » Geld weggegeben / und well die Kunſt des Glasſchneidens 
ſehr gemein / als lauffen einige Glaͤs⸗Haͤndlers aus Böhmen / Ihü- 
ringen und Heſſen faſt gantz Europa mit ihren geſchnittenen Trinck. 
Glaͤſern durch / wie ſie dann gantze Kiſten boll gar in Spanien hinein 
führen/ und guten Marck damit halten. Denen in den Städten 
erablirten Glaß · Kaͤuffern (welche gemeiniglich auch allerhand India⸗ 
nifches oder zu Hanau / Berlin /oder Delft in Holland nachgemachtes 
Porcelaın en allerhand feines irr denes Geſchirr als Schmeltz⸗ 
Tiegel / welche haͤuffig nach Spanien item Kruͤge / Flaſchen / 
und Deftillier-Gefap zu kauff haben /) bleibet der Handel mit aller⸗ 
hand Bouteillen, Artzuey⸗Glaͤſern / und Apothecker Geraͤthſchafften / 
als Retorten, Recipienten, Circulier und Digerir-Gläfer / wie auch 
Fenſter⸗Glas / welches ſie insgeſammt / bon denen ihnen nechſt gele⸗ 
enen Glas-Hütten kauffen / und hernach in und auſſerhalb der 
tadt wieder verhandeln / auch offtmahls weit genug ſonderlich das 
Fenſter⸗Glas zur See vberſenden; hingegen kommet auch viel Fen⸗ 
ſter⸗Glas aus Franckreich / in unſern See⸗Staͤdten an / welches viel 
reiner / weiſſer und klarer / als unſer Teutſches Fenſter⸗Glas gehalten 
und ſo gar zu Kutſchen⸗Glaͤſern verbrauchet wird. Endlich hat man 
auch der Glasmacher⸗Kunſt / und denen Herrn Opticis, den bielfaͤl⸗ 
tigen Rutzen zu dancken / welchen wir bon denen berſpectiven undBril⸗ 
len/vergröffer und Verkleinerungs-Glaͤſern / und anderer die nach 
der Kunſt gefchliffen worden/ zu genteflen Haben / ſonderlich mann fol 
che Gläfer don guten Meiftern herkommen / deren wir unter den 
Zeutfchen überaus vortreffliche Kuͤnſtlers auffweifen können / m 
e⸗ 


—— — EEE 
ı 


Gla Glo | 539 


hievon in unfern Neueröffneten Manufacturen-Kaus/ cap- XI. un⸗- 
terfchiedliche augemercket worden ; eben diefe haben ſich auch bis an» 
hero durch die fo genannten Rubinen · Flüſſe / (aus welchen allerhand 
zierliche Slafchen / Krüge und Schalen / die man hernach mit vergul: 
deten Silber befchläger/ gemachet werden ) berühmt gemacht ;_der 
Keinen Glaß · Blaſerey anjego zu geſchweigen / durch welche ebenfalls 
allerhand Fünftliche Sachen (fonderlich aber die fo genannte fehr 
eurieufe MWetter-Bläfer / in welchen der darein gefüllte Liqvor daB 
Temperament der Lufft ob ſolches higiger oder Fälter werde / anzeiget) 
zu weg gebracht werben. j 

Schlechtes oder betrugliched Glas nennet man / wann ſolches fehr un» 
rein / alfo daß eö hin und wieder Aeſtlein oder Steinlein gewinnet / an 
welchen Orten es dann auch leicht zerfpringet / item wann es gar un⸗ 
gleich gemacht ift an einen Ort fehr dick an andern ſehr dünn/alfo auch 
100 die Materia fehr grob iſt wobon das Glas offt gantz dundel oder 
viel farbig wird ; mit den Chryſtall⸗Glas gefchiehet auch ein groſſer 
Betrug/ wann Arfenicum darunter genommen wird / welcher das 
Glas zwar fehr weiß / aber gang unbeftändig machet / daß es in Eur» 
ger Zeit voller Rigen wird / ſo auch ein Blas allzureich au Kieß / oder 
nicht wohl abgefühler it. / fo hälteö den bierdten Brad des Feuers 
nicht aus / ſondern zerſchnellet gleich dap Fein Mineralifcher Spiritus 
nicht fan daraus getrieben werden, | 


: Glas⸗Ertz /ifteinderb Ertz / ſiehet aus wie ein gediegen Bley/ 
laͤſſet ich ſchnueden / und haͤlt manchmahl der Eentner zu 130. big 135, 
Mard Silber. 


Glas⸗Gall / videfel bitri. 

Glas⸗Kopff / iſt ein Rothgilbiger Eiſen⸗GStein. 

Sitas⸗Kraut /Parietaria, N 

Giatte Winde/ Volubilis Campanella. 

GSleet / Lichargyrum wird gemacht / wann dad Gold oder Gilber 
fein gemacht wird. | | 

Gieis / Sifon, Sinon Pes gallinaceus, 

Gleis⸗Blum / Pes corvinus,Ranuncnlus, 

Glied⸗Kraut / Sideritis, 

Glied» Weich / Ocymaftrum Matıh, 

Glocken ⸗Bluͤmlein / Viola mariana media, 

Gloͤcklein / Campana lactea. 

Gloden-Speiß /EsCaldarium, iſt nichts anders ald eine Bermi- 
fhung der Merallen / unter welchen Kupffer und Zinn die Oberhand 
haben/ fiewerden gleich vonder Natur inder Erden alfo zufanımen 
vermiſchet / oder Durch die Kunſt zuſammen gefchmolgen / die res | 

tzoſen 


540 Glo Bol 
ofen nennen es la bronze , und machen nicht allein wie bey undge« 
fihicht / die Glocken und Mörfer /fondern auch zuweilen gantze Sta- 
tuasdabon/ die Hefen und Unflath von der Gloden ‚Sp mi Di- _ 
phryges genannt’ ift aber faſtunbrauchbar / wann man fauber Waſſer 

ber die geſchmoltzene Glocken⸗GSpeiß gieſſet / und eine eiferne Plate 
tiber die Röhrendadurch es flieffet / leget/.fo gerinnen von dem Rauch 
Heine roͤthlicht glaͤntzende Körnlein/welche Flores ris geneninetuder- 
den ; zu mercken iſt auch daß wann mehr Zinnunter das Kupffer ge⸗ 
miſchet wird / als ohngefehr i2. bis e5. pro Centum, daß alsdann die⸗ 
fe Mixtur fhlechterdings weg / Metall genennet werde / woraus une 
terfchiedliche faubere Degen’ Gefaͤß / ac. koͤnnen formiret werden. 

| Blorineh/T erebinthina, 

Gloffo petræ, vide VNater⸗ Zuͤnglein / welche auch fonft lingræ Me- 

litenſes genennet werden. hd 


Gluten de Agvatico ‚ift der Chryſtalliſche Froſch⸗Leim / Froſch⸗ 
Saamen. 

Gluten Pifeium lehtyocolla, Hauſen⸗Blaſen / Fiſch⸗Leim. 

Gluten, Stier⸗Galle / bedeutet auch diejenige Fenchtigkeit/ die in 
allen Gelencken der Glieder wie Eyerweiß zu fehen ift /und bon dem 
Rehr⸗Safft Herrühret:- Ä 

Glutinofum ift eben fo biel ald EmplaNicum, 

Glycipieron Solanuım, Je länger je lieber / Hunds⸗Kraut wird in 
Cataplalmaten gebraucht bor die geſchwollene Brüſte. 

Glycyrrhizza, Liqviritia,Radix dulcis, Suͤßholtz waͤchſt haͤuffig in 
Teutſchland / ſonderlich um Bamberg / iſt gut vor dem Huſten und 
Engbruftigfeit. | | 
F Gnaphalium , Centuncularis, five Centunculus, Ruhr⸗Kraut / 
Schimmel⸗Kraut / wird abſonderlich in der rothen Ruhr geprieſen. 


Gnomoniea, die Wiſſenſchafft allerhand Sonnen⸗Uhren zu ma« 
cheu / inder Kauffmanuſchafft führen die Kunſt-Haͤndler und Kra- 
mers allerhand bewegliche a welche fehr begven bey 
ſich in Sad zu tragen/ und auf Reifen mit Nugen zu gebraucden 
feynd. 

Sold / Aurum, fr..del’or der König allerMetallen ift nicht allein 
wegenfeiner Farb und den Glang / wormit ed einige der Gonnen 
vergleichen/ fondern aud) den Werth nad) / item wegen feiner Sub- 
Ttang Solidite, und weil ed firer und vollfommener als alle andereMe- 
tallen/ auch das einige unter allen Corporibus ift/ welches ſich mit der 
Zeit nicht verringert oder einiger Berwefung und Corruption — 
| worffen 


— —— . — — 


— tun 


Sol 541 


worffen / hochzu achten und dannenhero allen andern Metallen vorzu⸗ 
ziehen / ſintemahl ed aus den rein ausgkkocht ſigirteſten Schweffel / 
und beſtens coagulirten Mercurio beftehet / die hohe Farbe des Gol⸗ 
des ift des Schweflels ohnbetrüglicher Zeug/und kan er auch nach der 
Chymicorum Meynung/ davon gefchieden werden / daß er felber her» 
nach fo viel Silbers in Gold tingiret ſo biel des Goldes geweſen / aud) 
fou in diefer Scheidung das Gold ganh weiß liegen bleiben / wann 
aud) fein Mercurius mit beygemifchet wäre / fo wurde das Gold nicht 
fläßig feyn / und Fönte folglich auf keinerley Weiſe gefhmoigen wer⸗ 
den/ daß aber ſolcher Mercurius beſter Maſſen coagüliret/ und der ih⸗ 
me bengemifchte Bold» Schweffel rein ausgekocht / und wohlfigiret 
fene/giebet deſſen dichte Subltang anden Tag / welche auch weder durch 
das Hefftigfte Feuer/ noch aud) die wenigfle Menfirua alfo vollkommen 
auffgelöfet und getrennet werden kan / daß jie nicht durch des Feuers 
Hige in ihren alten Coͤrper wieber gebracht werden folten; das einige 
Mittel das Gold zu verfälfchen ift / ſolches mit andern Metallen zu 
Vermifchen/ dann alle Maſſa fan man nicht Bold nennen / daher man 
feine Purität durch Die Zahl der Carats margvivet / dad pure Gold hey 
welchen gang Fein Zufag iſt / nennet man insgemein von 24. Carat ſo 
viel Carats nun weniger oder unter diefer Zahl feynd / fo viel verrin⸗ 
en ſie folches nad) Proportion des Zufages Albi & Rubri, oder des 

ilbers and Kupffers ſo denfelben incorporiret/ alſo macht ein Vier⸗ 
theil Albi oder Gilberd und ein Viertheil Rubri oder Kupffers / nes 
ben zwey Viertheil Golds zuſammen gefeget / ein Gold von zwoͤlff 
Carars, Die vielfältige Proben Durch melde das falſche und untüch« 
tige Gold und Silber don den Waaren natürlichen unterfchieden und 
aller Betrug deffen wir hinten unter dem Wort Lapss Philofopborum 
gedacht / verhutet werden kan / ſeynd etwann folgende als (1.) Ignitio, 
da das Bold durch das Ausglüenin einen Flamm und Kohlen Feuer 
probitet wird/ obeseinige Veränderung pührenlaffe. (2.) DieEx- 
tin&io oder Auslöfhung in gewiſſen Ligvoren, umzufehen / wie brüs 
chig es alsdann werde. E.) ieExtenlio wie ed ſich ausdehnen/zichen 
und beugen laͤſt diefe Prob legt abermahl den Bold und Gilber die 
Prerogativ für allen andern Metallen zu (4.) Aſrictio ad Lapidem 
Lydium ‚ das Streichen auf den Probier-Gtein/ diefes iſt zwar bald 
gethan/aber von Feiner folchen Sicherheit als nian ſich etwann einbils 
det. (s.) Die Gravität und Schwere/diefemuß für allen Dingen de- 
monftrigt werden / ſintemahl das Gold die gröfte Schwere mit ſich 
führet. (6.) Color, die gehörige Farbe/ welche unverändert oder ver» 
beifert erfcheinen muß / wie aud) Cementatio, dadurch ein -Cement 
von Vitriol und Ziegel- Mehl das Reverberir- Feuer die Beftändigkeit 
des Goldes darthut. (7.) Fulto die Schmeltzung / da nach gewiſſen 


Graͤd 


4 


u 


542 Sol 

Grad des Feuers/ der Fluß erfolget. (8.)Extradio florum per va- 
pores, dadurch ſcharffe Dünfte die fubtilen Particulz (ich Auffern muͤſ⸗ 
fen. (9.) Reductio poft Caleinationem , da das gute Metall feine 
vorige Geſtalt in Schmelgen wieder bekommt. (10.) Amalgamatio, 
da es das Dvediilber annehmen und ich zum Taig machen läfl. (13.) 
Cineritium , der Teft oder die Eapellen Prob/ dadurch Zufas von 
Bley / beydes unter der Muffel verfchmolgen und abgeblafen wird. 
(14.) Die Qvartatiodg 4. Theil Silber mit ı. Theil Bold geſchmol⸗ 
hen / durch Aquafort die Scheidung gefhichet. Gıs.) Transtufio per 
Antimonium. Warn dad Spieß-Glas die Reinigung thun / und 
alles unfaubere .. führen muß. (16.) GravitasSpecifica in Aqva 
die Waffer- Probe/wann durch Abwäge in der Rufft und im Waſſer die 
Schwaͤre — ob etwas fremdes darunter gemiſchet 


Dieſe Proben insgeſamt wann ſie ſich richtig befinden / ſo ee 


feldas Bold und Silber werde feine gehörige Vollkommenheit has 
ben/ manmwillunterdeilen die gemeine Opiniones, als wann Geld 


e 
durch Nitrum ober * gemein Sal allein nicht Fönte folviret wer⸗ 


den / anjetzo nicht beftveiten/ / daun ob ed zwar unthunlich zu ſeyn er⸗ 
achtet wird / fo kan je doch gar leicht das Wieder⸗Spiel erwieſen wer» 
den / dann die Preparatoria und Handgriffe darzu befandt ſeyn müfs 
fen/ ingleihender Wahn fo allenthalben eingeriffen / ald warn im 
Schmelgen verfchiebene Metalle ich alfo melisten/ daß nachmahls 
aus einen Kleinen Stüd der Gehalt des gangen zuerforfchen wäre/ 


 Diefes ift auch nicht fo feſt gegründet / ald man wohl die Rechnung ind» 


gemein davon machet/ fonderlich bey denen fo alled aufs fcharfifte 
zum Unterfuchen fich angelegen feyn laflen. "Wegen des Handels mit ges 
münsten und ungemünsten Gold / ift erſtlich vondem Silber und 
Gold⸗ Gewicht zu wiſſen / daß ſolches biftehe. in Trois, 2. in@oumifch/ 
3. in Ducaten/ 4. in Cronen / 5. in Goldgülden Gewicht / eine Marck 
Troishälts.Ungen Trois, 1, Unge Trois hält zo. Engels / und 20. 


Marck Coͤllniſch thun ı9. Marck Trois , ed wirdaber mehrentheils 


zur in Hamburg das Coͤllniſche Gewicht gebraucht / welchen nach 


i. Bin Silber oder Gold hatı. March) 32. Loth io2. Gran oder s76, 
raͤn. 


1. Marck hat ıs.Loth oder 96. Gran / oder z98. Graͤ 


1.Loth hats. Granoder ıs. Gran. 
1. Grau ;. Gran. 
1. Mard Bold hält 24. Karat. 
s. Loth ı3-KRarat. 
1. Rarat a. Gran / oder 12. Grän. 
67. Duraten halten ı. Marck. 

\ 6, » 


Gol 543 
> 4. Sold-Eronen haltenı. Marck. 
2. Gold-Bülden halten ı.Mard. 
. Mard Silber halt in Holland 12.8. 
md 1.8, 24. Grin. | 
Die Sold⸗Arbeiter mann fie durch den Strich ein Gold von den 
andern unterfheiden/ und doc nicht hiel Muͤh und Unkoſten auf güld- 
sıe Streich-Radeln wenden wollen / fhneiden nur ein Stüdlein von 
einen altenXaben Ducaten / ein Stüd von einer Bold-Eronen/ und 
ein Stüd von einen Rheinifchen Bold-Bülden durch dieſe Weife koͤn⸗ 
nen ſte dasGold / ob ed Ducaten/Eronen oder Rheiniſch Gold in Ge⸗ 
alt fey/unterfcheiben / wann aber ein Unterfcheid unter den Halt iſt / 
Önnen gie ru aufobige Weiſe nicht wiſſen / viel weniger denfelben 
genau berechnen. 
olgen einige künftliche Operationes ‚ welche mit und durch dad Bold 
koͤnnen vorgenommen werden /und zwar erftlich die Gold-Tindtur zu 
sıachen/ fo trägt man etwas Gold auf Sal Duplicarum , welches fol- 
ches bald roth färben wird/hierauf gieſt man Spiritum Vini darauff / ſo 
wird ed Hochroth / laͤſſet ſolches etwanns. Tag — auf einen 





* 


warmen Sand oder Ofen ſtehen / ſo wird es t werden. Item 
nimm Gold das in Aqva Regis ſolviretworden / folvire es noch ein⸗ 
mahl darinnen / fo wird ihm alle Terreftrität benommen/ ziehe es her⸗ 
nad) ab zu einem Pulver / gieffe einen guten Spiritum Vini darauf/der 
ſich dann gleich Hochroth färben wird / den gieß ab/undeinen andern 
wieder darauf/fo lange er ſich tingivet/diefe Tindtar infpishre hernach 
En Deloder Pulver. = 
ad Bold wird gefchmeidig gemacht wann man nimmt Mercuriim 
Sublimatum, Salarmoniacam jedes gleich viel / machts zu einen Pul⸗ 
ber / und hut dabon ein wenig zu geſchmoltzen Bold in den Ziegel fo 
wird es fehr gefchmeidig/will man es aber erft nach dem Guß geſchmei⸗ 
dig machen/ fo nimm die Zain fo biel du ihr gegoſſen haſt / lege fie über 
Nacht in einen Cement-Dfen/ in einen Hafen/ laß fie gluen/ doch alfo 
das ſie nicht fhmelgen / fo wird dad Gold fehr gefchmeidig. Item 
nimm rein geftoffen Ziegel⸗Mehl / 4. Theil gefloflen Saltz / roth calci- 
nirten Ungariſchen Vitriol, Salarmoniacum jedes 1. Theil alles klein 
geſtoſſen / mit Urin etwas angefeucht / hierauff das unreine ſchlechte 
dünne geſchlagene Gold damit ſtraticiret in einer Cement-Büchfe 
oder Ziege! wohl perlutiret / 6. bis s. Stund cementiret / doch daß es. 
nicht flieſſe / fo gehet aller. Zufag an Kupffer und Silber weg / und be= 
kommſt du ein hot radirted Gold / folte aber folches in erften Cement 
nicht gar fein feyn/te wiederhole es mit, friſchen Coment-Pulber noch 
einmahl fo wirds gut. 


Solo 








Gol 


BER — — a 
Bold zu faͤrben / nimmt man Menſchen⸗Haar / ſo did als ein Finger zu⸗ 
ſammen gedrehet / legts auf glüende Kohlen / und Hält mit einerZangen 
das Gold darüber. 

Kalt zu vergulden / nehmen ehliche z. Obentin AqvaRegis , ſolviren 
dariun einen Ducaten / thun hernach zu dieſer Solution fo biel Sal⸗ 
peter als darinnen ich Fan auffloͤſen; in diefe Solution legt man her⸗ 
nach reine Tüchlein / ziehet fie wieder heraus / uud laͤſt (le in das ũ⸗ 
brige Waſſer aa die /trocknet fie hernach wieder und verbrennet 
fie / fo gibts einen braunfchwargen Zunder / dem verwahret man im 
einer Schachtel oder hoͤltzern Büchfe / wann man nun dasSilber ver: 
gulden will / foreibt man ed mit diefen Zunder mit Speichel/fo wird ‘ 
es ſchoͤn verguldet / ſolten auch einige Silber⸗Geſchirr nach der mit 
Qbeckſilber geſchehenen Verguldung / einige weiſſe oder bleiche Fle⸗ 


Een bekommen / ſo reibt man dieſelbe nur mit dieſen Pulver oder 


Zunder / fo kommt die Bold- Farb wieder / auch iſt man dadurch 
der Fe Muh und Unkoſten / die man mitder Qvic»Arbeit haben 
müfte/ überhoben. | 
Die Griechiſche Verguldung wird folgender geftalt gemacht / nimmt 
reinen Salarmoniac, Mercurium Sublimatum. , jedes gleichbiel/fol- 
vire ed in ſtarcken Agvafort, bon Galpeter und calcinirten Vitriol ges 
brannt / in diefen folvire wieder dein zu dünnen Blech geſchlagenes 
Gold / laffe die Solutio abrauchen / gelinde biszueiner Olität / want 
du alddann einenSilberneuDrath darein ſteckeſt / und folder ſchwartz / 
in gelinden Ausgluen aber wieder —— wird / ſo iſt es recht. | 
Mit gefchlagenenBold-Blättern auf EiſenundHoltz zu vergulden / fir 
det man in den Kunſt⸗ Buͤchern unterſchiedliche Beſchreibungẽ / die Roͤ⸗ 
mer welche erſt nad) dem Carthago ruiniret worden / zuZeiten des Cen⸗ 
foris Lucii Mummii, ihre Gemaͤcher und ſonderlich das Capitolium 
zu vergulden angefangen / kurtz darauf aber der Pracht zu allen Thür 
ven nnd Zenftern eingedrungen / auch die ſchlechteſten Gemaͤcher mit 
Gold überzogen / brauchten Hierzn eine dünnere Gold Blätterlein/ 
als aur davon etwanns. bid soo. aufı. Ungeoder z, Loth gingen / die. 
dickſten davon nennte man Bracteæ Praneltine, weil an bemeldten Ort 
die Böttinn des Gluͤcks mit ſolchen Blättern berguldet war /die duͤn⸗ 
nere hingegen wurden Bradtex qualtorie genennet. Heutigs Tags) 
da mir das Gold weit dünner zu ſchlagen wiflen/ brauchen wir die 
dichten Gold» Blättlein zunı Eifen/ die dünnere aber zum Holtz 
vergulden/ da mir dann vor den Alten noch diefen Vortheil haben / 
das wir uns der Del- Farben zum Bergulden gebrauchen / da (ie hine 
gegen wann fie Gold auf Marmor oder andere Steine legen wolten / 
nur das Weiß von Ey / zu Holz aber Leim nahmen / welche beyde 
Stüd dem Waffer nicht widerftchen/und alfo nicht zu ri 
’ on⸗ 


——— — ———ẽ * = u GE CE "HE — — 


Sol | 545 


konten genommen werden / die in der freyen Lufft ſtehen folten/ihrl.eu- 
copheum oder Leucophorum, welches eben ſo viel ſeyn moͤchte / als 
Braunroth / war von leimichter Erde gemacht / und muſte etwann das⸗ 
jenige verrichten / was bey uns heutigs Tags zur Grundlegung der ro⸗ 

the Bolus thut / wiewohl auch nicht zu läugnen daß ſie innwendig die 
Gewoͤlber auf eine gewiſſe Manier zu vergulden gewuſt / die bis auff 
den heutigen Tags noch beftändig geblieben / und billich von unſern 
Kuͤnſtlern unter die berlohrne Künfte mit gerechnet wird. Von unſe⸗ 
ver jest üblichen Verguldung zu veden / und zwar diemit Reims 
Waſſer oder Detrempe gefhicht / fo bereitet man darzu erft den 
Leim aus Pergament oder Ledern Haudſchuh Abſchnitzels / thut hiervon 
1. Pfund inein Eimer rein Waſſers / welches man hernach über die 
Helfftt einkochen laͤſt / mit dieſen Leim⸗ Waſſer / wann es noch fledend 
heiß iſt / beſtreicht man dad Holtz / welches ſoll vergüldet werden / 
ſtreicht ed mit einer Buͤrſten huͤbſch nach / damit es allenthalben gleich 
werde / ſeyhet hierauf gedachtes Leim⸗Waſſer durch ein Tuch / und zer⸗ 
loͤſt fein abgeriebenen Gips / oder klaocd' eſpagne darinn / mit ſol⸗ 
cher Malla wird das Holtz s. oder ». mahl wieder uͤberſtrichen / jedoch 
ſo / daß ed jedes mahl darzwiſchen trucken werde / eh mans auffs neu be⸗ 
ſtreicht / hierauf mit Schafften Heu / (lat, eqvifetum) polirt und abge⸗ 
rieben / ferner abermahl eine Maſſa von gelben Ocre, item Yon Armeni- 
ſchen Bolo gemacht / und damit etzliche mahl beſtrichen / ſo iſt es fertig / 
daß man das Gold kan aufftragen / welches hernachmahl mit wilden 
Schweind-Zähren polirt und glaͤntzend gemacht wird / ein mehres 
von ſolchen Vergulden / ſiehe in des Herrn Felibiens Beſchreibung von 
der Architedtur , Mahler und Bildhauerey/mofelbfter auch Deo 
des Berguldens'in freyer Lufft den Bortheil anweiſet / daß man erftlich 
zu Hauß die Gold»Blättleinauffgefchlagene Zinn⸗Blaͤttlein aufflegen 
oll fo Fönne der Wind ſolche ihrer Schwere wegen fo leicht nicht als 
Das Gold wegwehen / und man könte auch durch ſolche in Vorrath ge 
machte verguldete Zinn Blätter ein fo biel gröffer Stich mit eins der» 
gulden/und defto eher vonder Arbeit kommen. Metallene Figuren zu 
vergulden/weift er folgende Wege an/ entweder gefchieher folches mit 
— Gold / nach dem man die Figur ein wenig zuvor mit Fei⸗ 
lenetwas rauch gemacht / fo wird ſie hierauf geglüet / und dann das 
Gold aufgetragen: oder man nimmt ein Theil desbeften Goldes / und 
ſieben Theil Queckſilber / läßt hierauf die Figur glüend werden / und 
bedecket oder beſtreichet ſie mit beſagter Materia, ſo wird ſie weiß / ſo 
bald ſie aber noch einmahl ins Feuer kommt / und der Mercurius ab⸗ 

geraucht / fo ſiehet ſie ſchoͤn berguͤldt aus, 

Falſches Bold wird gemacht / wann man aus dem Kupffer ein Ru- 
brum ziehet / welches den Goldſtrich gi und (Ich mit Gold und “ 
m er 


\ 





546 Gol | 

ber wohl vermiſchen laͤßt / jedoch nur in folder Proportion, daß es das 
Scheidwaſſer aufdem Steinniht verrahte. Die Nöhte des Kupf⸗ 
fers zu temperiven geſchiehet duch Silber / und diefed wird die Li- 
gatur genennet; wann nun der Silber-Zufag ziemlich groß / fo wird 
ein Eronen-Bold daraus/ höher und fchöner im Strich / aber gerin⸗ 
ger und fchlechter/ nachdem mehr oder weniger Ligatur dabey / oder 
Die Ligatur durch Kunſt verguldet ift / ja man iſt fo weit gekommen / 
daß man partem cum parte, ein Theil Bold und gleich fo viel Silber 
eitriniret/ daß die Coloritur durch dad Bley aufder Eapelle beſtehet / 
darzu haben die Kuͤnſtler gewiſſe Cementen und Gradir- Pulverd. Ein 
folches Gold beftehet aber die hoͤchſte Probe nicht/ durch das Antimo- 
nium zu gieflen/ oder die Reichs⸗Qbart auszuhalten / welche iſt / da 
man es in dreymahl fo ſchwer Silber ſchmelte und dann in Agva fort 
sder Scheide-Waffer folvire/ da dann das Gold nur allein durchfaͤllt / 
und derZufat; wiederum davon weichet. Zu diefen Operationen wirb 
das Kupffer aufverfchiedene Weiſe durch fixe falien und gewiſſe Mi- 
neralien als Zind und Spiauter, Tutia, Gallmey/ Schmirgel/ ıc. gra- 
dirt / oder aus demſelben ein rohter Reguluspracipitirt/ der zur Sad) 
und den Betrug dienen muß. Es wird auch durch eincoagulirt 
und gefärbtes Weckſilber das Boldalteriret/und zwar mit einen noch 
ſubtũmen Betrug / wann ihm nemlich die Gefchmeidigkeit kan mitge⸗ 
theilet werden / weil der Mercurius dad Gewicht des Boldes hat / fo 
ben jenen Kupffer Cronen⸗Gold fehlet. 

Zum Beſchluß diefer Materia, wollen wir noch die Meynung des Aır- 
thoris des Teutfchen Fege- Feuers der Scheide-Kunft über des Da⸗ 
vids überaus groſſe Berlaflenfchafft an feinen Sohn Salomon, zu den 
bevorftehenden Zempel-Bau (davon in ı. Buch der Chronic. am 2, 
Capitel Meldung gefhicht) anführen/ alfo lautend:: Es iſt Fein Zwei⸗ 
fel/ daß David fomol ald Mofes/ die Kunſt des Goldmachens verſtan⸗ 
den/ wie ers dann an fehr vielen fo Haran Zaggiebet / daß mans nicht 
deutlicher verlangen kan / als im erften Buch der Chronic, am 30. Cap. 
im 23. v. ruͤhmet er ſelbſt / er hinterlaffe feinen Sohn Salomo umil- 
luim æbni puch , (impletionum lapidespuch) Anfüllungs«Gteine 
des Spießglaſes; daß aber ſolche nichts anders / als den Stein der 
Weiſen bezeichnet/ ſey Sonnen=Elar aus dem Elaix am ss. Cap. im n. 
v. bis ans Ende/ da GOtt tröftet: Erlege die Steine inpuch , mie 
er dann hierauf die gante Bereitung/ am Ende aber auch dabey ſetzet: 
Dies ſey das Erbeder Knechte des HErrn / und NB. alfo Fein Ges 
ſchenck das den Gottlofen gegeben wird. Von des Davids groffen 
Schatz der hundert taufend Centner Golds / und taufendmahl tau⸗ 


ſend Eentner Silber/ macht er folgende Ausrechnung: So ein Pfund 


Golds zu hundert und. acht und zwangig Ducaten / oder 256. — 
| gerech⸗ 





Sol 


547 
erechnet wird / fo beträgt ein Tentner Golds fünfund zwanhig tan⸗ 
nd ſechshundert Rthlr. nach Teutſchen Gelde / und die hundert tau> 

fend Eentner Goldes werden fünffund zwantzig taufend und ſechshun⸗ 
dert Tonnen Goldes ausmachen an Keichsthaler. Werden nun die 
tauſendmahl tauſend (oder zeheumahl hundert taufend/ me lches eines 
iſt) Centner Silber abſonderlich gerechnet / das Pfund zu ı6, Rthlr. 
fo beträgt alödann alles Gilber ſechs zehn taufend Tonnen Goldes 
Rihle. und wird alfo das Silber und Gold zufammen ein und biertzig 
tauſend und fechöhundert Tonnen Goldes an Reichsthalern betragen. 
Wo ift jemahl von einem folchenunglaublichen Reichthum in der aan 
gen Welt gehöret worden ? Cora hatte Afıam und African beraubet/ 
aber die Geſchichte geben und u erkennen / daß fein Keichthum nicht 
an den zehenden Theil bon dieſen gekommen iſt. Alexander beraubes 
te und plünderte die gantze Welt / und deren reicheſte Schäge/ aber die 
Geſchichte verfichern und / daß er nicht den gehenden Theil von ſolchen 
Reichthum beſeſſen. Solte nun wol David bon den kleinen Koͤni⸗ 
gen/ die als Bettler gegen Cyrum nnd Alexandrum zu vechnen/ in ſei⸗ 
nen Siegen diefen unglaublichen Schatz gewonnen Haben / und zwar. 
alleine an Bold und Silber? Gewiß fein Verftändiger wird hierbon 
dieſes zugehen koͤnnen. Doc möchte noch ein Argwoͤhn überbleiben/ 
als ob ein ſolcher Dabidiſcher Eentner nicht hundert Pfund unſers jes 
igen Gewichts bedeute ; Aber dieſer Knote loͤſet ſich damit: Im 2. 
uch Mof. im ;0. Kap. wird geboten Arm und Reich / ein jeder ſoll 
einen halben Seckel geben / nicht mehr auch nicht weniger, Run be⸗ 
finden wir im;s. ap. dag die Summa hundert Eentnet und taufend 
fiebeuhundert und fünff und ebenzig Seckel mache. Mann nun 50, 
Gedel aufein Pfund/ hundert Pfund auf einen Gentner gerechnet 
werden/ fo haben sozsso. Mannd-Bilderdarzu gegeben / welches die 
Zahlder Kinder Iſrael iſt / undalfobemeifet / dagein Centner ſobiel 
als jetzige hundert Pfund geweſen ſey. Ein mehrers von diefer Ma- 
teria , item von ben wahrhafften und betruͤglichen Goldmachern vide 
unter dem Wort Zapes Philofophorum, | 
Goldberyll/ Chryfoberillus, 
Gold-Praffius, Chryfoprafius, 
GoldEieß/ Marchafıta aurea, Pytites aureus, 
Goldſchmieds · Borax, Borax Chryfocolla faditia} 
Gold⸗ Wieſen⸗Blumen / Chryfanthemum, 
Gold-Perlen oder Wurtz / Asphodelus, 
Bold-Anspfflein/Blattaria. ° 
Gold⸗Haͤndlein / Bahılifcus, 
Gold⸗Brahmen / Aurata. 


Xi 


548 Sol Bra 
&old- Lilien / Hemerocallis, Hyacinthus Postarum, 
— Blume Calendula. | 
— Gelb gefüllte Ringelblum / Calendula polyanthos , flore 
aureo, s 
— Wurts/ Chelidonium majus. \ 
— Stein / Cryfolithus Lapis. 
— Wurm / Aurelia. 
— Gelb und gefüllte Berg-Sanidel/ Auricula urli floribus a- 
reis, & floribus guttaceis, | 
Goͤrlin / Sifarum, , 
Goffypium, Bombax, Baummolle. | 
Sottesgnade / Gratiola, Geranium alt. Diofc, Pescolumbinus. 
Gottheil/ Prunella, Confolidaminor, 
Gort-Vergiß/ Marrubiumalbum. 
&trabwurtz/ Abfinthium Ponticum, | 


. Gtamen-Örag ift unterfchiedlich/ als Gramen Canarium alteruma 
yel Legitimum, item Gramen Dadtyloides, fıve Ifchemum, Gramem 


“ Daätylon Folio arundinaceo, Majusaculcatum, Canarien-Graß, 


Gramen Panniculofum, Phalarioides, Paniculatum ſativum, fie» 
des⸗ Gras / Straufgras. 
Gramen minimum arvenſe pannicula eriſpa, klein Straußgras. 
Oramen odoratum, wohlriechend Gras. 
Gramen oblongaradice, mit einer langen Wurtzel. 
SGramen Hifpanicum feu Pi&tum,Sulcatum & ftriatum album pan- 
niculatum folio Variegato Spaniſch oder bunt Gras. 


Gramen Bulbofum nodofum, Knoden:oder Knollengras. 

Gramen Caninum five arvenfe, Wedengras/wächft auf den Aeckern 
onter den Saat; Die AWurgeltreibet den Harn / und dienet har die 
perftopffte Leber der Saamen ftillet das Zahn Beh. 

Gramen Parnafli, Hepatica alba, Unifolium, Einblat. 

Graminis Mann Semen, Schwaben oder Mann : Saamen / ift 
flein und weiß. | 

Granadilla,Flos Paffionis, Paflions-Blum/ ift ein fremd Gewaͤchs / 
träger auf einen schwachen Stenael eine Blume/ fo einer weiffen Roſe 
gleich ſiehet in deren Mitten feynd etliche Figuren des Leydens Ehrie 
ſti zu fehen/ nemlich eine Sauie / bey welcher untens. vohte Blaͤtlein / 
wie Bluts⸗ Tropffen liegen/ oben aber drey Aeftlein wie Raͤgel / um 
welche ſich eine Dorne Krone ſchlinget / unten am Stengel wachſen 


Früchte wie Granat · Aepffel / in der Groͤſſe eines Ganß⸗Eyes / ſo + 
N = ſüß 


Gra 549 


— — — — — — — — — ——— — 
ſüß und ſaͤuerlichen Saffts / und voll Saamen den Melonen⸗Koͤrnern 
gleich; ft anfänglich von denPeruanifchen Bergen aus Ren zu 
nnd gebracht worden/ und wird auch in Europa in etlichen Bärten ans 
getroffen; Den Safft aus der Frucht faugen die Indiauer mit größe 
ter Wolluſt aus. Diefer eröffnet und veiniget den Leib / dienet für 
das Hert-und Magen Weh und andere Krancheiten. 

Grana Paradili, Cardomomen Maj. 

Granata mala Punica, Granaten > Yepffelfommen aus Italien und . 
Spanien. 

Granatiglia, v.Ricinus Americanus, 

Gransten-Blähe/ bon wilden und zahmen Bäumen / jene Flores 
Bulaufliorum ‚ diefe Cytini genannt / kommt meiftens aus Welſch⸗ 
Land/ aud) wol von unfern Teutſchen Granaten⸗Baͤumen / welche zwar 
keine Früchte/ aber doc) fchöne Blumen tragen. Der Succus Gra- 
natorum wird fegel-weiß verkauft; die Schaalen davon thut faſt 
eben/ was der Gallasberrichtet. Die Blume muß ſchnell abgedoͤrret 
werden/ wann fie anders fchön bleiben foll. 


Granaten:Kern/ Grana malorum punicorum , da$ Pulver da⸗ 
von ift gut dor die rohte Ruhr. 


Granaten⸗ Aepffel⸗Schaalen / Cortices Granatorum Malico⸗ 
rium, Pfidium, hat gleiche Wuͤrckung mit der Bluͤhte wird mit Nu⸗ 
Ken den Kindern / mit ein wenig gebrannten Hirfchhorn wider die 
Bauh-Würme ind Trinden gelegt. Pulver von diefer Rinde ge 
macht / und in alte Befchwür geftveuet/ heilet dieſelben. Werden zu 
uns in Säcdengebracht/ und bey 100, Pfund verkaufft. 


Granat-Stein / Granntus, ift ein durchſichtiger / und wie der 
Safft eines Granat · Apffels röhtlicher Stein / kommt aus Orient und 
Mohrenland / doch faft noch härter und fchöner aus Böhmen; Es wird 

auch diefer Stein in der Artzeney genuget/ und vor ein Herk-flärden: 
des Mittel gehalten. Die Folie, dadurch ihn geholfen wird / ſeynd 
Kleine roͤhtliche Blechlein oder filberne Blättlein / mit Carmoifin ges 
faͤrbt mit deren Unterlegung diejenige / welche falfche Granaten mar 
chen / meiſterlich umzugehen wiſſen / wie fie dann auch aus s. Loht præ- 
parirten Chryſtallen / 24. Loht ſchoͤner Mennige/z2. Gran præparirten 
Braunſtein / und 4. Gran præparirter Zaffara, einen herrlichen ſchoͤ⸗ 
nen Granaten⸗Fluß;: item aus calcinirten Operment ſchoͤne Grana⸗ 
ten / den Rubinen nicht ungleich / zu machen wiſſen. 

Insgemein findet man dreyerley Geſchlecht der Granaten / darunter 
die erſte eine fuͤrtreffliche Röhte von — er ee hat / der 
andernihre Röhte neigetfich nach der A des Hyacinths / die * 

| m 3 ziehet 





550 Gra | ur 


ziehet ſich nach einer Violen⸗Farb / welche von den Italiänern vor die 
bollkommenfte unter allen gehalten wird / und dannenhero Rubino 
di Rocca genennetwird. Etliche wollen auch die Rubaces oder Rı.- 
bacelles zu denen Granaten / fonderlich zu denen Böhmifchen rech— 
nen / altein der Unterfcheid beftehet darinn / daß diefe das Feuer ohne 
Verlierung ibrer Farb vertragen können / dahingegen die Rubaces 
foiche in dem Feuer gleich Verlieren/auch gemeiniglid) an ihren äuffer= 
ften Enden eine gelbe Farbe an fich haben. Heutiges Tages iſt der 
‚ Gronaten-Handelmehrentheils in der Jtaliäner ihren Haͤnden / wie 
fie dann die Branaten entiweder bey Stüden/ oder auch Lohtweiß / 
nachdem ſie nemlich klein odergroß / hoch oder dDundel von Farben 
ſeynd / verkaufen. 

Granulatio heißt die Koͤrnung / wann die Metalliſche und Minera- 
Iifche Materien zu Körner gemacht werden / und zwar vermittelft des 
Waſſers und Umtreibung eines Befems / fomit Kreide beſchmieret 
iſt / durch ſchnelles Hin-und MWiederwerfien. Das Bley rund zu 
koͤrnen / bedienet mau (id) des Auripigments, deffen man ein Theil dars 
unter thut / wann man das Bley — ** laͤßt. 


Granum bedeutet in denen. Vegetabilibus, den kleinen Saamen/ es 
mag folcher gleich rund oder bon einer andern Figur feyn ; z. Exempel 
Pfeffer⸗Koͤrner / Waisen-und Gärften-KRörner / dahero auhinder - 
Miederländifchen Sprache allerley Ron Granen genennet werden, 
Ein Gran inden Gewichten ift fo viel ald ein Pfeffer⸗oder⸗Gaͤrſten⸗ 
Korn ſchwer. 


Grapppder Krapp bon den Frangofen Rouge de Garance genannt/ 
iſt eine rohte Farb/ und waͤchſt davon die befte in Holland/ wiewol die 
Flaͤmiſche noch feiner färbet. Aus Holland kommt fehr viel ins 
Reich / wie auch aus den Seelandern; eine jede Sorten Grapp hat 
ihr befonders Zeichen/ damit man die Lands-Art ausleſen / und eine 
Sorte vor der andern erkennen koͤnne. Es muß aber die Grapp in 
Saͤcken fein trocken und wohl-vermahret aufbehalten werden/ und eine 
gelb-hochrohte Farb und guten Geſchmack haben. Das eigentliche 
Merd Zeichen ein recht guten Grapps / muß die helle Couleur , da er 
fein — und ſich zuſammen feget / ſeyn / voraus / wann er in 
blau oder braun Papier gethan wird / ſehzet er ſich gleich feſte an; Er 
muß ſonderlich für der Lufft confervirt werden/fonften verlieret er ſei⸗ 
ne Krafft. Die aus Schleſien kommt / und unter den Rahmen Som⸗ 
mer oder Breßlauer Roͤhte bekannt iſt / ſiehet biel eher einer rohten 
Erde / als einer Wurtzel⸗Farb gleich / und kommt der Hollaͤudiſchen 
Crappy an der Farb / als welche viel heller iſt / nicht gleich / wiewol auch 
einige vermeynen / es ſey das heſte bon der Hollaͤndiſchen Erapp / — 


- — — — — u u, ” 


———— u er —- — 

Gra 551 
fie zu uns in Teutſchland kommt / allbereit ausgeſogen / dannenhero 
fie nohtwendig etwas bleicher ſeyn muͤſſe. Von dem Anbau der Roͤh⸗ 
te / meldet der Author des — Farb Unterrichts / daß die 

Krapp oder Nähte in Franckreich ungebauet von (ich felbft aus der 
Erden herbor komme / da fiein Flandern und Geeland mit groffen 
Fleiß muß gezielet und eingeſammlet werden; Sie wolle eine mittel- 
mäßige gute Erde / die nicht zu feucht oder zu trocken ſey / haben / wel⸗ 
he tieff muͤſſe geacert und vor den Winter wohlgedinget werden / weil 


Diefenige Erde/ fo inwendig etwas fandig und tieff geackert ift / die’ 


Roͤhte Hiel eher als einerlettigte oder allzufandige Erde zum Wachs» 
thuntbefordert. Das Einfien gefhicht im Monat Martii , bey ab⸗ 
nehmenden Licht, / und zwar nachdem zuvor der Ader /auf welchen fie 
foll gefüet werden/ von allen Unkraut wohl gefaubert worden-/ damit 
ſelbiges nicht die Kräfte der Erden an ich ziehen/ noch ihre Wurgeln 
mit der Röhte vermifchen möge; und ob wol die Köhte / wann Ile 
groͤſſer worden/ auch eine gröffere Menge des Saffts aus der Erden 
an jich stehet / ald zubor/ und damit verhindert / daß die Erde nicht 
mehr foviel fremdes Kraut hervor bringen Fan / fo muß man dennoch 
Die Ausjähtung nicht unterlaffen ; weiln aber ſolche Aasiähtung an- 
fangs mitder Hand geſchehen muß / damſt nicht/ nebenft dem fremden 
Kraute zugleich auch Die Röhte ausgeriſſen werde / als kan folches auch 
fürters mit einen darzu tüchtigen Inftrumente; wann die Roͤh⸗ 
te bereitötieff gemurgelt und ſtarck geworden iſt / verrichtet werden, 
Man muß aber die Wurtzel der Roͤhte zuvor dick und groß werden laſ⸗ 
ſen / ehe man jie ausreiffet/ welches nicht cher gefchehen kan / als acht= 
zehen Monat / nachdem fie gefiet worden, Im Septembr. fan man 
Diejenigen / welche darunter am dicheften oder gröffeften feyn 7 einzu> 
ſammlen anheben ; und wann man nun die Blätter von den Wurtzeln / 
fo aufdem Grunde bleiben/ abgefchnitten/ und der Saamen zum Ein⸗ 
ſammlen zeitig genug ift/fo bedecket man die überbleidenden Wurtzeln 
wohlmit der Erden / und läßt ſolche dick und groß werden / bis über 
‚das Jahr zu den andern Monat Septembr. allmo man wieder die groͤſ⸗ 
feften davon abreiffet/ und alfo folgend alleTahre im Monat Septemb, 
welches acht oder gehen Jahr lang waͤhren kan / daß folche Aecker ftetd 
ihre Röhte geben / entweder von den Wurkeln/ welche man darinn/ 
gröffer zumerden/ gelaffen hat/ oder von denen/ weiche in den Bruns 


kr 


be der Erden fleden/ oder aüch / welche aus den Heinen Faͤſſerlein Zwi⸗ 


bein/ oder aus dem / was von andern Wurkeln / foman ausgeriffen 
bat/übergeblieben/herbor wachfen. Mach dieſem nun iſt ed noͤhtig / 
daß man einen friſchen Acker zur Roͤhte anlege / wann anders nicht ei⸗ 
ner bereits fertig iſt den vorigen aber brauchet man zum Getreyde / 
worzu er gar dienlich iſt / alldieweilen ſowol die Roͤhte / als auch die 


Mmua4 erde 


552 Gra 


Weyde den Boden / worinnen fie gezielet worden / deswegen viel 
fruchtbarer machen / weiten dergeſtali ſolche Erde durch fleißige Aus⸗ 
jaͤhtung von vielen Unkraut befrehet worden iſt; Die Roͤhte felbften 
erzielet ſich fo leichtlich / daß auch / wo ihr Gipffel nur in die Erden ge⸗ 
bogen wird / er daſelbſt Wurtzeln ſencket / und wo der Acker ſchon ſehr 
erſchoͤpffet / zur Wiedererſetzung dienen fan. 
Es kan auch vermittelſt des Verſetzens ein neuer Roͤhte-Bau wieder 
angeleget werden / wann man nemlich alle kleine Wurtzeln von dem 
vorigen Bau zuſammen ſuchet / und ſelbe wie kleine Zwibeln in den 
Roͤhte⸗Acker (deffen Erde zuvor wohl umgearbeitet worden) verſetzet / 
welches dann dem Roͤhte-Bau um fo bielmehr zutraͤglich if / weil die 
eingepflanseten Heine Wurgeln / bereits etwas groß feyn / undalfe 
bielieichter in der neuen Erde zum Wahsthum gelangen Eönnen. 
Die Wurgel der Roͤhte / ſo in Flandern und Seeland waͤchſet / wanır 
fie ziemlich dick oder groß worden / und ausgeriffen ift / muß an der 
Sonnen / oder in den warnen Ländern in Schatten/ um ihre Kräffte 
oder Farbe deftebeffer zu erhaften/ getrucknet / ferner in einer Mühlen 
gu Pulver gemachet / undhernacher in doppelten Saͤcken wohleinges 
packet werden/ damit ſie nicht verftaube / und alfo zum Bebraud) fer- 
tigfey. Diefrifche Roͤhte giebet eine lebendige Farbe / und die / fo 
ein Jahr alt iſt giebet mehr Farbe/ die aber fchon zu altift / verlieret 
ihre Farbe / und-alfo zugleich aud) die Lebhafftigkeit derfelbigen. 
Es findet ſich auc) noch andere Art dev Köthe / h uns von den Auslaͤn⸗ 
dern unter den Rahmen Billon de garance berkauffet wird / welche offt⸗ 
mahls nichts anders als eine vöthlichte Erde mit etwas Staub von der 
Roͤthe vermifchet/ oder auch von der Grappe ift/ fo von ihnen in ihren 
Ländern ſchon einmahl gebrauchet worden / / weiln dann nun dieſe Art 
der Roͤthe jo man Billon nennet / am meiſten oder insgemein durch das 
Stechen / ſo die Kauff-Leute mit einander thun / vertrieben wird/und 
ſich darbey einige der Kauff · Leuten finden / welche darvor halten / daß 
es ihnen gar wohl erlaubet ſey / einander auf dergleichen Art und Wei⸗ 
ſe zu betriegen / wiewohl es wider alle Treu und Glauben der Hande⸗ 
iung laͤuffet / auch zu geoffen Rarhtheil der Färber geveichet (als wel» 
chen man folgends folche verfälfchte Nöthean ftatt des Farber-Lohns 
aufdringet) fonderlic) aber zum Schaden des gemeinen Weſens / wel⸗ 
ches jich Dadurch betrogen findet / indem dergleichen falfche Farbe / nur 
‚wenig oder gar Feine Farbe hat / vielmehr aber die Wolle undZeuche / 
in welchen ihre Erde ſich anleget / wie eine Schaabe zerfriffet/und alſo 
diefelben / wann ſie damit gefürbet werden / verringert : Als iſt es 
noͤthig / daß man dergleichen verfälfchte Billonen Köthe unter einer 
ewiſſen Geld⸗Straffe verbieten / wegnehmen und confifciven lafe 
/ aud Feine andere als bloß die fogutund gerecht befunden ar 
| Een | n/ 





ra 553 


— — — — — — — — ———— —— 
den / zu verkauffen geſtatten / weßwegen dann hierzu Aufſeher mü- 
ſten beſtellet / und ſowohl die groſſen als auch kleinen Ballen der 
Roͤthe mit gewiſſen Zeichen bezeichnet werden. 

Das Fürden mit der Krapp.betveffend / fo muß allezeit auf s. 
Pfund Waare etwann ein Pfund Krapp gefehet werden. Alaun 
und Weinftein muffen das Tuch zum Anfallen der Farbe / und der 
letztere zu deren Anhalrung diſponiren. Pott-Afche höher die Krapp fehr 
ſchoͤn / das mit Kleyen bereitete Waſſer gehöret auch unter die rothe 
Farbe. Abfonderlich ift vom Brandtewein zu behalten/dap felbiger 
die Farben fehr vein heraus bringe / indem er den fubtı ften Theil der 
Farbe ausziehet / das ſolcher ich des aröbern/fchleimichten und irrdi⸗ 
ſchen Theils defto leichter entledigen könne / dahero die Farber demſel⸗ 
ben die Aufhellung der Farben / fonderlich zu fpreiben. Einigewol⸗ 
len’ auch den Urin gleiche Krafft beylegen / alleir. es ift falſch / abſonder⸗ 
lich wo er im geringften etwas alt und deſſen Sal volatile in etwas mehr 
evolviret worden / da danndeflen Ingrefs in die gefärbte Liqvores 
deren Farbe allzeit Did und tieflev machet / welches alle an denen 
zarten Farben am mercklichſten in acht zu nehmen : Ein Exempel 
deflen Fan ſeyn / die Tındtur aus Violen oder einen Glas voll Waſ⸗ 
' fer / darinnen Lad- Muß zerrieben / und durchgeſeyhet worden/ 
dan giefle ich Spirıtum Salis oder Vitrioli darein / fo wirds roth / 
gieſſe ich aber ſolvirt Sal Tartari darzu / fo wirds wieder in a 
be kommen / thue ich des Zugieſſens zuviel / ſo wirds grün / und zwar bey» 
des weniger oder mehr / nachdem ich bon den ein oder andern viel oder 
wenig dazu genommen. 
Auf Seide Crapproth zu faͤrben / fo muß man erſtlich die Seide ein⸗ 
beitzen / wie bey dev Carmeſin gewieſen. Nimm alsdenn einen Ey: 
mer flieſſendes Waſſer / thue darein ein halb Pfund Crappe / koche 
Die eine gute Stunde / verwahre es wohl / daß es nicht uͤberſiede / klaͤ⸗ 
re es denn ab in ein ander Gefäß / und thue darein ein Loth⸗ Meckin / 
und rühre es mit den Stecken um / und ſtecke die Seiden darein 
bis es kalt iſt / fpühle es alsdann wohl aus / ſchlage es überein Holtz / 
und nimm alsdann ein halb Pfund Martens⸗Holtz oder gute Breſil⸗ 
gen / und koche es in einen Eymer des Trancks oder Beite / eine gute 
halbe Stunde / und klaͤre es ab in ein ander Gefaͤß / und ſtecke die Sei⸗ 
de darwieder ein / fpühle ſie aus in der Seiffen / wie oben ftehet/ und 
dann in lteffenden Waſſer / alsdann getrucknet / uf darnach gerehlivet. 
Item mache den Keſſel vein/ thne darein reinKegen-Wafler/und wann 
die Seiden abgeſotten und geallaunirt / auchrein ausgefpühlet / fo fe- 
Ge felbige auf Steden/alödann nimm zu jeden Pfund Geiden ı Pfund 
Erupp/ 4. Unten Galles / und laß ed mit der Geiden anSod kommen / 
»  abernicht fieden/alsdann die — haldeSstunde fo heiß er 
ms gekeh⸗ 


554 | Gra 
gekehret / pühle ſie aus und klopffts / alsdann wieder auf die Stecken 


geſetzet / und in einen Tubben mit kalten Waſſer ethan / mit ein wenig 
Pott⸗Aſche und darin gekehret / diß fällt gar ſchoͤn / als dann geſpuͤhlet 


und getrucknet. 
ZuWwollenfärben. Nim̃ 3. Pfund Allaun/ 2&.T6 weiſſen Weinſtein / 


4. Pfund Fenum græcum, 2, Metzen Weitzen Kleyen/ laß es in dem 
eſſel aufſie den / thu das Tuch hinein / laß es zwey und ein halb Stunde 


Kieden / darnach thue das Tuch heraus / und wohl abgefühlet/ und eine 


Racht in Sud bangen laſſen / nimm zum Yusfärben >. Pfund Grapp 
3. Loth Scheid⸗ Waſſtr /thue das in den Keſſel / und wohl auffgerührt/ 
und warn das Tuch im Keflel ift ausgefpühlet / fo thue eö über den 


| rw und drehe es geſchwind um / undlaf eßefne gange Stunde im 
eſſe 


Lumlienern / und treibe das Feuer wohl / daß es ſied⸗heiß wird/ 
und laß ed wohl umlienern / undfoes im Sud darinn geweſen iſt / fo 
thue es heraus./ und fpühleesaus. Item, aufız. Pfund Waaren/ 
nimm eine gute Handvoll Weitzen Kleyen/ anderthalb PfundAllaun/ 
drey viertel Pfund Weinftein/ ı. Loth Curcume,laß alles zwey Stund 
ſieden / hierauf dte Waare geſpuͤhlt / das Waſſer weg / uñ anders im Keſ⸗ 
ſel gefullt/dazu Grapy anderthalb Pfund / Roͤthe anderthalb Pfund / 
dieſes zuwor eingeweicht / alsdenn im Keſſel gethan und in Sud fonımen 
laſſen / und ein wenig weiſſe Stärdeeingerieben/ auch ein wenig Eßig 
— re / die Waare über den Haſpel darinnen geleinert/ 

seögutifl. | 
Es wird in groſſen Saͤcken auch in Faͤſſern zu uns gebracht / und bey 
100, Pfund verkaufft / mits · pro Centum rabbat, Die Thara iſt was 
die Gefäffe wiegen. 

Gratiola, Limmelium Centauroides ‚ ein Kraut fonft auch Got» 
tes⸗Gab oder Wilder-Aurin genennet / fiehet faft den Hyſop gleich / 
und — den Blättern Heine weiß und leibfarbe Blümlein/i ft 
von Geſchmack bitter und purgirt fehr/ einige halten es vor das wahr» 
bufftige Eupatorium Mæſue. | 


Graue Farb iſt eine Mittel-Farb des Sch n / ſo bon der aller⸗ 
niedrigſten / nemlich dev Weißgrau anhebet/undbis zu dem hoͤchſten / 
welches iſt Schwartzgrau auffteiget / dabey dann zu mercken iſt / daß 
wann man die ſchwartze Farb bloß mit Gal-Aepffeln und Kupffer» 
Waſſer bereiten wolte / felbige nicht fo gutfeyn/ und wenig grane 
Farb geben wuͤrde wann man aber zu der grauen Farb der Zeu⸗ 
he oder geringen Tücher das Indianlſche Holh feet / fo Fan man 
daraus folgende Farben bekommen / als Weiß-grau/ Perlen⸗Farb / 
Bley⸗Farb / gris layande. gris Caftor,grisde ramier,Couleurd’ardoi« 
fe , geis de motou, grisbrun,fur bhrun und Schwartzgrau. . 

| die⸗ 


) 
d 
ß 


—Gra 


J 555 
diefer Farben dürfen einen Fleinen Blank von der Orfeil'e, oder ei⸗ 


nen Abfchlag von der Gaude; zu den Zeuchen aber/ von welchem die 
Eile uber 30. Creutzer koſtet / muß man an flatt des Indianiſchen 
Holtzes / die Weyde / Cochenille oder Rothe gebrauchen / damit ie 


ute und fchöne Farben / auf die man ſich verlaffen könne / 
ommen. 


be> 


Vaſtgrau auf fein Gewicht zu machen/ procedirt man eben/wie mit 
dem Tanet / alddann ausgewrungen / gefpühlet und geklopffet/ und 


Dann gebruniret und aufgehangen/ fo ift es gut grau, 


Argentino der Silbergrau zu machen. Go wird die Seide / wannſie 
abgefotten und geſpuͤhlet / erſtlich auf Stecken / und hernach in kalt Waſ⸗ 
fer gethan / als dann miſcht man ein wenig ſpuͤlig und Gall ⸗Waſſer / 
re biel Seide ift/und kehret ſolche darinn wohl um / bis fiedundel 


genug wird / als dann geſpuͤhlet und getrucknet. R 


Schoͤn Silbergran auffein Gewicht zufärden. So nimm rein Waſ⸗ 


fer / und zu jeden Pfund ı2. Ungen®alle / laß den Galles 2.Stund 


chen / dann übergefchlagen in ein Balge / Eehre dann dieSseiden darinn 


ko⸗ 


ein viertel Stunde / und — eine Racht darein gelegt des Mor⸗ 


gens ausgewrungen / geſpuͤh 


et und geklopfft / und aufStecken geſetzet / 


mache dann eine Suppe in einer Balge / und nimm Proveng Holtz⸗ 
Guppe fo viel zu deiner Seiden nöthig feyn wird / mit Falten Waſ⸗ 
ſer gemenget/ die Seiden darinn gefchvet ein viertel Stunde / als⸗ 
dann nit Virrioloder Kupperroth gebrunitt / gewrungen und ges 


trucknet. 


Geſulpherirt Weiß zumachen. So wird ſolches abgefotten wie die 
Perl⸗Farb / und ein wenig blaue Lauge darbey / auf je des Pfund Seiden 
6. Untzen Seiffen / darinn rein geſpuͤhlt / zimlich ſtarck gewrungen / und 


auf dieſe Farb geſetzet / dann auf weiſſe reine Stecken geſetzet / hierauff 


in ein dichte Laden gehangen / drunter ein Schal oder Schuͤſſel mit 
Feuer gethban/und Schweffel drein geſtreuet / dichte zugemacht / und des 


andern Morgens in der Lufft getrucknet. 


Grauer Berg⸗Schweffel / Sory, Atramentum Metallicum 


Zriſeum. 
Grauer Turbith / Thapſia, Fexulago, Omeritium. 


Graue Vicht / Huͤten· Rauch / NilGrifeum,Spodium,Gr&corum, 


Tutia Alexandrina. 


Graupen / Hordeum exeordicat, wurden vor dieſen in Ober⸗ 


Teutſchland und Niederlanden am meiſten verfertiget. Anitzo werden 


derſelben in groffer Menge um Hamburg von Gerſten gemacht / man 


bat groſſe fo bey 100, Pfund verkaufft werden/kleineHordeum perl 


ati, 


Perl⸗ 


— 


556 Gre Gro 


Perl⸗Graupen genañt / welche nach ihrer Kleine und Rundung <ftimirt 
werden. Dieſe kommen von Ulm / und haͤuffig aus Holland / wel⸗ 
che letztern in Saͤcken / welche Netto 202. bis 206. Pfund wiegen/ 
berkaufft werden. B | 
Green⸗Gewicht / iſt die Marck in 233. Theil getheilt. 
Grenftl / Portulaca Porcellana. 
Grevinne / Coronopushortenlis, Cornu Cervinum , Herba Stella 
Kraen⸗Fuß / Hirfhhorn- Kraut. RT 
Grieß/Griep:Mehl/Crimanm. 
Grieß⸗Stein vide Nephritieus Lapis, 
- Grieß-%olg / Nephriticum Lignum. 
Griechiſch NJond-Araut/ LunariaGreca, Chondrilla greca 
fexta. | 
— Pech / Colophonium. 
— Saeſſel / Sefeli Peloponnefiacum. 
— Bathengell / Teucrium Boeticum. 
— Wieſen⸗Zeitloſen / Colchicum Illyricum. 
Srind⸗Kraut / Scabioſa. 
Grind⸗Mohn / Papaver erraticum, 
— / Lapathum. 
ritz JockelGut / iſt grüner Vitriol der ſich aus den Bergen ſiefert 
und wie Eiß ⸗ Zapffen anhaͤnget. ’ Am 
Grobe Waaren werben diejenige — welche von ſchlechter 
Wuͤrde / haͤuffig zu haben fehwer von Gewicht / ſchmutig don Ume 
gang und gemein von Gebrauch ſeyn / deren Kaͤnntniß ſich bald er⸗ 
lernen / und der Handel damit / ſonderlich in etzlichen mit geringen Ca⸗ 
pital ſich unternehmen laͤſt / wiewohl auch manchmahl mehr auff 
ſolchen groben Waaren / als auf dem feinſten Seiden⸗Waaren zu vere 
dienen. Es ſeynd aber dieſelbe in Specie allerhand Holtzwerck / als 
Bretter / Balcken / Schiffs-Bau und Zimmer-⸗Holtz / Theer / Thran / 
Pech / Pott⸗Aſch / Eiſen / Stahl / Hopffen / Muͤhlen⸗Stein / Korn / Flachs 
Hanff / Lein⸗Saat / roh Leder / und dergleichen / welche Waaren alle 
theils von groſſen Gewicht / theils viel Schiff und Pack · Raums beduͤrf⸗ 
fig / theils auch ſehr ſchmutzig ſeyn / ſonderlich gehören unter dieſe 
letztere / die fo genannte fette Waaren / als Butter/ Speck / Theer / 
Thran / geſaltzen Tonnen-Fleiſch / weiſſe und grüne Seiffe / Talch / 
eh up und Lein⸗Oel / Hering / Pech / Schnieer / Terpentin/und 
ergleichen. | 


Groſſer Baldrian Valeriana Sylv. maj. 
Groffen Garten ⸗Baldrian / Phu Magnum. 


Groß 


— — en 


Gro | 557 
Groß Barhengell / Teucrium, Ä 
Bro: Carvomämtlein/Paradifi grana. 
Aurin oder Centaur-MWyrget-/ Rhapont vulgaris, 
Feig⸗ Wurtz / Seigwarg-Arape / Scrophularia Major, 
Johannis⸗Beer / Ribes- 
Gemeine Brenn⸗Neſſel / Urtica urens major, 
Rofin/ Uvzx palbe majores. 
Sanicul / guͤlden Bänferich/ Alchimilla, 
Ried-Öras/ Sparganium,Carex. 
Melonen /Ponceria, 
Suͤſſe Ovitten / Struchia Galeni. 
Schlangen oder Drachen⸗ Wurtz / Serpentaria velcolum- 
brina major. | ur 
—  f£phen/Hedera arborea, 
— Winden /Volubilis Campanella, 
— Neſſeln / Farn / Miltz⸗Kraut /Scolopendrion majusSyl- 
veſt. Lonchitis aſpera. 


Apfft / Egvapium ‚Olyfatrum, 
Pletſchen / Hedyſarum, Faba lupina. 


Wegbreit / Wegreich / Plantago, vel Arnoglofla major, 
Binfel/ oder Gängel/ Confolida aurca, Prunella C- 


BESESZSSE 


Rein⸗Farn / Artemiha, 
Beſem⸗ Kraut / Thlaſpi minus latifolium. 
Schwalben⸗Wurtz / Centaurium majus, othonĩum. 
Meß-Murs/Sigillum Salomonis Fraxinella. 
Haus⸗Wurtz /Sempervirum majus. 
— Brud Mur oder Bruch⸗Kraut / Crallulamajor, Te- 
lephium. 
— Nabel⸗Kraut / Donner⸗Baum / Umbilicus venerismajor, 
Cymbalion majus, | 
— Docden Kran / Kletten⸗Kraut / Lappa major,Bardana. 
Schwarz Eber⸗Wurtz / Cardopatium, Carlina nigra, 
Tauben⸗Zraut / hotrys. | 
Maß⸗Lieben / Bellismajor. | 
Anbichts:Araut/ Hieracium majus ‚accipitrina, 
Treib⸗Koͤrner / Ricinus Cataputia major. 
Wolffs⸗Milch / Efula major, Turbith,nigrum, 
Andorn ‚Stachys, 
Meyer-Bing/Juncusagvaticus major, 
Waſſerſchafften⸗Heu /Egviletum paluftre majus. 


EB 
PELEIBLLNG 


FEILFITTI 


Gtoß 


558 F Gro 


Groß Bergſtern Meger⸗Kraut / Mollugo montana, 2, 
—  BBibernell/ Tragofelinum majus, 
— Steben⸗Kraut / Stæbe major. 
— Bieſem⸗Krant / Jacea moſchata, Herba muſcata major. 
— Bluts⸗Kraut / Sperber⸗Kraut / Blurs-Tröpffel,San- 
gviforba major, | 
Groß Bockspeterlein / Tragofelinum majus, 
—  Burter-dlumen/ Ranunculusholeraceus major, 
— Braun Scabioſen / Scabiofa major flore purpureo, 
— Breiter Erdrauch / Fumarialatifolia montana, 
— Sarb / Millefolium majus, 
— Sucs:Schwang/Alopesurusmajor, 
— Saͤrten⸗Peterlein / Apium hortenfe maximum, Caßars 


Bauhini, , 
Groß Gelb fünff Finger⸗Kraut / Pentaphyllom  Theopbrajte 
Juteum, | 

Groß Weiß fünff Finger⸗Kraut / dito album. 

— Roͤrffel / Cerefolium majus, Myrrhis major. 

— Mauß,-Oerlein / Piloſella major. 

— mMeer⸗Beyfuß / Artemifiamarina foliis inciſis. 

— Sommer⸗Gerſt / Hordeum polyſtichum zflivum, 

— Sper⸗Hahnen⸗Fuß / Ranunculus lanceatus major, 

— Dito Suͤſſer und Gefuͤllter / Ranunsulus qvintus multi- 
florus maximus. 

Groß Waſſer⸗Paſtinack / Sium majusagvaticum, / 

— wWeiſſe Wind⸗Roͤßlein / Anemone major alba. | 
* Gruͤn Hahnen⸗Sporn / oollwurtz / Fumaria bulbola 
viridis. 
— Indianiſch Sonnen⸗ Blum / Corona Solis ramoſa five 
politera. 


Groß Artiſchock / scolymus major. 
— Braun Meer⸗Violen / Leucojum marinum majus, pur- 


puteum. 
Sroß Schluͤſſel ⸗Blum / Primula ſexta ſylveſttis flore viridi. Ale 
pinalatifolia, 
Groß Bafılien/Ocimum magnum, | | 
— Harn⸗Kraut / Olyrismajor, 5 
— Braun Maͤnderlein / Teticriumfechndum, 
— Erdpin / Chamzpitys» major, 
— Cerinthe /Cerintlie major, 
— Wegkreß / Iberis prima, = 
Groß 


| 
| 


| | &r6 559 
GSroß Beſem⸗ ut / Iberisfecunda, t 

Kriechende Kinfen / Lensmajor repens, 

Milde Wicken / Cracea major. 

Biber: Klee / Trifolium fibrinum majus, 

Alyffen / Alyſſum tertium majus. | 

Scorpion⸗Kraut /Heliotropium majus. 

Eiſen⸗Huͤttlein / Napellus major auguſſicoli. 

Gelb Narciſſen⸗Roͤßlein / Narciſſus decimus Roſeo lu · 

teus major. | 

Groß Schmal-Blärterihrehimmels-Schwärtel/ Irisfylveft, 

uftifolia major, | 

Groß Dotter⸗ Blum / Waſſer Schmaltz · Blum / Populage 
major. 

Groß Lauß⸗ Kraut / Helleboraſtrum magnum, 

— Schlangen⸗Zwang / Holeſteum majus Clufi. 

— Lucians-Kraut / ı. 2. Damafonium 1. & 2. Dioffor, 

— Pfeil⸗Kraut / Sagitta major. 

"Groß in der Kauffmannſchafft oder in Waaren / iſt ſo viel alb 
12. Dutzend. 

Groſſirers / frantz. des Marchands en gros werden diejenige ge⸗ 
nannt / welche ihre Waaren bey gantzen Stuͤcken und Eentnern ein und 
wieder verkauffen / denen Kramern aber das Ausſchneiden beyEllen / 
und das Auswaͤgen bey Pfunden überlaffen / immittelſt kommen doch 
dergleichen Groſſwern die jenige Lehr⸗Saͤtze zu beobachten zu / welche 


11411144 





‚ Generaliter beym Ein-und Verkauffen gegeben worden / nemlich daß 


ein jeder mit Waaren haudlender Kauffmann ſich befleißigen müͤſſe / 
dieſelbe aus der erſten Hand und in den nechſten Preiß zu haben / daß 
man allezeit ſolche Waaren herfertigen laſſe / einkauffe / oder derfchreis 
be/ welche Courant und abgaͤnglich / der Jahrs⸗Zeit noch begvem/und 
had) der Mode feyn / und fo ja ein Fehler darinn begangen worden/ 
daß man ſich etwann unabgängliche Waaren auf den Hals gelhafft/ 
daß man felbige inandere zu transformiren/ in oder andere Länder mo 
fie Couranter feyn/ zu verſchicken / und mit etwas wenigen Schaden 
zu rechter Zeit von dev Hand loß zu ſchlagen wiſſe / ehe der Verluſt noch 
gröffer werde/ wann auch ein Groflirer Ahmerlic ohne Verlegung tie 
ner Manufäctur bleiben fan/ folte ed auch nur ſeyn daß man die zum 

Exempel von den Tuhmadern gekauffte rohe Laden völlig gar aus⸗ 

arbeiten/ färben und preſſen lieſſe / fo will fchon hierzu eitte genaue Co- 

noiflance, dergleichen Ausfertigung erfordert werden dap man nem⸗ 

lich dVierechte Farbe/ and deren Ingredientia wohl verſtehe / und deß⸗ 
falls von den Färbern nicht gefähret werde; Zuweilen trägt es ſich 
? | zu / 


560 Grro | 
auch zu / daß ein Groflirer, der gewiſſe Handwercker verlegt/ denfelben 
Die Materialia zu ihren Handwerck anſchaffen / und die berfertigte 
Naar wieder dagegen in Bezahlung nehmen muß. Ob nun wol hier 
der Nahme eines Manufadturiers nicht ftatt hat / fondern ſolches nur 
ein bloſſes vos der Handwercks⸗Leute mag genennet werden / 
fo erfordert doc) ſolches auch ſeine Aufmerckſamkeit / fo wol wegen der 
Maaven und Materialien, die den Handwercks⸗Leuten geliefert wer⸗ 
den/ als desienigen/ wasman wieder dagegen enıpfängt. Wegen des 
Verkauff der Waaren en Gros, oder bey gantzen Stuͤcken / hat ein 
Groflirer zu beobachten / daß er nicht in Borgen zu leichtgläubig / in 
Confervation und Abwartung feiner Waaren aber forgfältig / daper 
Licht und Eschatten zu derfelben Verkauff wohl zu unterfcheiden wiſſe / 
da dann Wollen/ alle ſchwartze Zeuche/ das Licht von Mitternacht har 
ben/ warn fie denen Käuffern follen gewwiefen werden/ weil ſie alsdann 
ſchoͤn und beſſer ſchwartz erfcheinen / als wann man ſie gegen die Mit» 
tags⸗Sonne hält/ welche die ſchwartze Zarbe ganz fahl/ graulicht und 
ohne Glang vorftellet ; hingegen wollen andere Waaren die aufgehen» 
de oder Mittägige Sonne haben / welches ein Vernünfftiger Nego- 
tiant am beſten aus der Erfahrung wird zu beurtheilen willen. Fer⸗ 
ner mußaud) einGroflirer entweder gute ausländifche Correfpon- 
dentz zur Abfesung feiner Waaren haben / oder doch auch mit denen 
Krantern feiner Stadt in guten Bernehmen ftehen/ welchesgefchieher/ 
wañ er nicht felbft anfängt dey Kleinigkeiten zu verkauffen / ſondern ih⸗ 
nen ſolches / als den Profit , von welchen ſie leben müſſen / uͤberlaͤßt: 
wiewol heutiges Tages in vielen Handels⸗Staͤdten dieſer Unterſcheid 
aicht mehr gilt / ſondern / weil die Kramers anfangen Groſſirers zu 
werden / ſo ſtehet es auch denen Groſſirern oder ihren Frauen nicht zu 
verdencken / wann ſie zu weilen ein klein Profitgen / welches bey den 
Auswaͤgen und Ausſchneiden eines groſſen Stuͤcks zu erjagen iſt / nicht 
aus den Haͤnden laſſen. Endli wegen der Groflirer ihren Seri- 
turen noch zu erinnern / daß weil fie nur mit gangen Stüden handeln/ 
* ein richtiges lnventarium und Refcontro-Bud) über ihre Waa⸗ 
ven zuführen, fo ſchwer nicht fallen koͤnne / als denen Kramern / die ins 
Heine handeln/ und fo biel 100. Waaren zu refcontriven haben, 


Groffularia, veluvaCrifpa , hierunter werden heutiged Tags alle 
GStadel-undTohannes- Beeren begriffen/jener haben wir bey dreyere 
ley Arten Groflularıa fpinofa fylveflris, vel vulgaris, item uva Crilpa 
uvaSpina fette Stadhelbeer/ Groflularia fpinofa fativa, vel Groſſu- 
laria majore frudtu groffe oder Spaniſche Stachelbeer / und endlich 
Groflularia fpinofa fativa altera foliis latioribus, item frudtu obfcure 
purpurafcente, braune Stachelbeer / welche an Gröffe deu Spaniſchen 
gleich / aber an der Farb unterfchieden feyn. Grof- 


Pe ——— Berg 


F 


ſie anders nicht ſchon 





Gro Gru 561 
Groſſularia acinis hirſutis Rauhbeer / alſo genannt / weil ihre Frucht 
ng rauh / oder wie mit Wolle beſetzet iſt / dahingegen die drey vor⸗ 

306 Arten Stacheldeer glatt / oder doch nicht fo ſehr rauhe Früchte 

tragen ; Ihre Farb it Purpur-braun/ oder aud) blau · ſchwarh/ weil 

fle mit den Statheldeevenein Geſchlecht machen / fohaben fie auch mit 
denfelben ein Temperament und einerley Nutzen. 
Groſſularĩa non fpinofa hoftenfisrubra, item Ribes offic, vulga- 
tis domeftica, Arabum, Ribefiumfra&tu Rubro, Franköfff. des Grof- 
feillesrouges, gemeine vohte Johannes ⸗Beerlein. | ' 

" Groffularianon fpinofa fructu rubro majore , item Ribes rubre 

Bore, foliis & frudtü majorıb us, geoffe vohte- Sohanned- Beeren. 
Groffularia.non (pinofa fructu margaritis (imili, vel Ribes vulgas 

eis fructu albo, Frangöflfch des Gadelles, meiffe Johanued-Beeren, 

. - Groflularia non fpinofa frudtu dulei , ſuͤſſe Johannes · Gerren oder 

kleine Roſinen; diefe werden ihrer allzu groflenund dahero eckelhaff⸗ 

ten Suͤßigkeit halber / nicht gaacht. | 


Aus derienvohten Johanneds Beeren wird ein Safft oder Syrup ge» 


macht / ber den Febriciranten in ihrer Hitze treffliche Kühlung bringet, 
Grotren ſeynd sn die manentweder in Felſen / wann 
elbſt die Ratur darin formiret hat / einhauetz 

oder doch bey fpringenden Waſſern und an kühlen und fehattigten Oer⸗ 


ſcher Arbeit, " | 
Grortesqve iſt eine Mahleriſche oder Bildhaueriſche Freyheit / et⸗ 


rern erbauet; was darzu bor Materialia gehoͤren / vide unter Mufai- 


die oben wie Menfchen ausfehen/ undunten in Baͤume oder 
e ſich endigen. ‘Den Rahmen Grottesgve hat man ihr darum 
gegeben/ weil die Invention darzu auß dergleichen Figuren / die man 
in den unter⸗irrdiſchen Grotten in Italien gefunden/genoriien worden, 
"Groupe wird in dee Mahleren eine Verſammlung bielerhand Leis 
ber nahe an einander genennet / als etwan von Thieven oder Früchten; 
alfo iſt der Laocoon eine zuſammen gefegte Groupe oder Groppo bon 
drey ichönen Figuren, m | 
Srund / Bafıs oder unterfte Anlag eines Dinges / wird auch bey 
deuen Kanffleuten/ und fonderlich den Krämern/ Dpr den Grund oder . 
gardie Anlage eined Seiden-Stoffes und deffen Couleur genommeny 
alfo fagt man: dieer Stoff hat einen Atlaffen Grund / mit, feidenen 
Blumen / oder einenvohten/ blauen / gelben Grund / mit guldenen/ 


| = iederfinniged und Rächerliches in ihrer Kunft vorzuftellen/ als 
igu 
it 


ſilbern / weiffen/ blauen Blumen/ ıc, 
Grundheil / Veronica, 


| Ma . Schu 


562 J Gru 
Grönblinge/ Gobiones fluviatiles oder kunduli, weil ſie ſich gern 
Anden Brand der Stroͤhme und Bäche aufhalten; an einigen 
werden ſie auch Schmerlen / item Bad-Krepleingenannt ; Es feyn! 
pifces gregatiles, die ſich zuſammen halten/ und nicht eintzeln / fondern 
zum 5 gehen; fie leichen im Waͤrt / und auffer.diefer Zeit ſeynd 
je faft das gantze Jahr gut. u Eee 
Sraͤn / Verch eine wohlbefanute und. den Gefichte zuträgliche 
pe wird auf: vielerley Art —** und zum Mahlen und Faͤr⸗ 
nangewandt / weil nun dieſelbe mehrentheils bie Materialiſten füh> 
ren / oder | ac) denen Ingredientiis darzu offtmahls bey ihnen 
Nachfrag gel ihr, als wollen wir einige Compohtiones derfelben 
Bürglichalhier Horftellen:e  — — | 
ugräner Dinte nimm defilfirten und wohl - pulverifirten Grüns 


n/ — — Wein⸗Eßig darauf / thue ein weni Gummi dar⸗ 
. Item Spangrün/veibe foldhes mit Eyerklar / thue ein 
vopflen Honig / und ein wenig Safftan darunter / reibs auf einen 


Keibftein/ und temperirs alödann mit ſauren Wein oder Eßig / ſo iſt 


Ge gut zu ſchreiben. | Ä F 
— nehmet die Frucht bon Stechdorn / ſtoſſet es 
in einen Mörfel/ und thut gepulvert Allaun her drüdet den Ga 
aus/ und thut folden ineine Blafe/ bindet diefelbe oben zu / und la 
die Materiam alſo trocknen. 5 
Sruͤn zu Miniatur, reibet man Gruͤnſpan in 7 und thut ein wen 
Weinſtein darzu / verwahret es hernach in Muſcheln. Item neh 
Grünfpan/ Weinſtein / Wein⸗Cig / alles wohl zuſammen gerieben / 
und hernach mit einander gekocht· Oder nehmt Grůnſpan / ſo viel eu 
beliebet/ und reibet es mit Wein⸗Eßig / thut es in einem Zeig db 
ausbaden-Brod/ und laffet es baden/ eben wie ein ander Brod / als 
ann nehmeteuven Srünfpan heraus / und vermenget ihn mit Del 
der Waſſer / ſo wird er (ehr fhon feyn. | 
KFolget wie die Kärber die grüne Farbe su ge⸗ 
ur — brauchen haben: :? ’ 
' Yus der Bittel-Zarb des Blauen und Gelben, wird gemacht bie Verd 
Jaune, Verg naitlant, Lichtgrün / Grasgrün / Verdde Laurier, Verd 
‚molegyin, Verd-Brun und Vard Obfeur, imgleihen Meergrün/ Verd 
Celadon, Vierddg perrogvet, und Verd de chaux , aber diefe leßtere 
wo wollen weniger gefotten feyn als die erſten / VerdCeladon uud 
Schwefel-Farben Fonnen auch wit Spangrün gemachet werden. 
AleOliven - Farhen bon der dundeilten an / bis zur hellſten / ſeyud 
hichts anders / Als grüne Farben Z welche durch die Rußdaum- Wur- 
bel / gelbes Holtz oder Schorflein- Ruf vermindert worden. 


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: Wine gute grüne Seiden: $arbeanzuftellen: 
Ge nimm auf ein Pfund Seiden ein viertel Pfund Engliſchen Allaun / 
einachtel Pfund weiſſen Weinſtein Hein geſtoſſen / thue es zuſanumen 
din heiß Waſſer / laß es zergehen / und ſtecke Deine Seiden darein / laß 
es eine Racht darinnen ſtecken / thue es heraus / laß es trucknen wer⸗ 
den / nimmt alsdann ein Pfund Schart / koche ſolchen in. anderthalb 
Enmer Waſſer eine gute Stunde lang / thue das Kraut daraus / werffs 
weg / thue darein ein Loht klein geſtoſſen Spangruͤn / ruͤhre es mit den 
Siecken um / ſtecke deine Seiden eine vlertel Stunde lang hinein / thue 
es heraus / laß eökalt werden / als dann thue indie Sarbe z,Loht Pott⸗ 
aſche / rühre es mitden Stechen um/ ſtecke deine. Geiden wieder barp 
ein, bis ſie Dich duͤncket gelb genug zu ſeyn / ſpüͤhle le alödann feln aus/ 
Sa ſie vertrieffen / ftedc es auf die Blau» Küpe bis daß dich důucket / 
daß es grün genug iſt / datın fpühle es aus / fo haft du gutgrün / ſchlage 
rel ie Kante/ und dann gerchlivt/ laß esaber etwas aufder Far⸗ 
| lcpen [ nachdem du es dunckel haben wilſt dann im Anfang kriegſt 
Du Sittichgrun. : —— RIES 
Grasgeän wird die Seide erſtlich gewauet / wie das ——8 
und zwar eben ſo hoch von Couleur und ausgeſpuͤhlet / auch niit den 


Stechen gleich gewrungen / alsdann über die Blau⸗Kippe gezogen / 
Een 20. Hand⸗ voll Tovons , Dog nachdem ee 44 
iſt / muſt du auch in acht nehmen / daß dunicht, zu biel Toxons zieheft/ 
wann du nun genug gezogen haft/ forühte deine Kippe wiederum auf / 
ſo kanſt du nach einer Stunde hernach wieder darauf arbeiten / und 

dieſes alfo alle Stunden/ aber du mußten acht haben / daß du die 

eine Han dvoll nicht länger einhalteft dan die andere / weiches du an 
der Zahl Haben muft; wann nun die Geide aus der Kippe kommt / 

muß ſie wohl verkuͤhlen / und darnach ausgeſpuͤhlet werden. 
— ———— wird etwas höher gewauet als das Grune / darnach 
er eine ſchwache Rippe gezogen / hierauf gewrungen und getrucknet. 
Verdon Grün zu färben/muft du ſolches erſtlich wauen / wie das Gru⸗ 
ne / aber in der legten Suppe muß du etwas Provens-Guppe hinein 
thun / nachdem die Partey groß / darnach auf Die BlausKippe gezogen / 
wie dad Grüne gewrungen und geſpͤhlheee. 

Oliven-Grän wird gewauet wie dad Gruͤne / aber in der legten Suppe 
mit Provens-Guppe aufgefeget / ſo lang bis es hoch genug / aldı dann 
gewrungen / xꝛ. en En Hr 
Geladon: Farb wird gar Hell und Licht gewauet/ wie das Gergrüne/ 
alödann aber eine schwache Kippe gezogen? und vollends mwie.unit dem 

Grünenverfahrenz und getvudnet. u 0 | 
Seegruͤn wird auch Licht gewauet / wie Citronen = Farb/alöbann 

uͤber eine Blau Kippe gezogen geidrnngenunbgetuuchneh u. r 
u2 u 


A 


564 Gruͤ Be 
Zu Meergruͤn nimm aufı. Pfund Geiden s. Loht Spanarim / Fein 
geftöffen/ thue es in guten Wein) oder andern ſcharffen Eßig / ohnge⸗ 
fehr ein halb Stuͤbchen / laß ed eine Nacht darein weichen / ehe eh an 
Bas Feuer / laß es heiß werden / und ruͤhre es mit den Stecken um/ 
Doch ſo / daß es nicht ſie de/ ſtecke die Seiden⸗. oder 3. Stunden dare 
ein / oder auch nur eine halbe Stunde lang / darnach krigſt du Dunckel / 
Mittel⸗oder Lichtgrau / nimm alsdann Ten Mafler / frei - 
in ein Gefäß oder Molden etwas Geiffen / bis fie ſchaͤumet und Habt 
ft’ ſo viel als dich düncket / hebge eödann auf / laß es vertrop 
üble es bey flieſſenden Waſſer aus / fchlage es gemwaltiglich / daß es 
lar wird / und dann gerelirt. 
ee Auf Wolle gruͤn zu färben. 
Madh erſtlich das Zeuch gelb mit der Scharte / dann waſche es wohl 
aus) und wanns noch naß iſt / ſo ziehe es durch die blaue Farbe / und 
treibe das / bis es fo dunckel oder helle wird / als du wilt; auf dieſe Art 
kanſt du vielerhand Gruͤn färben / wann da es erſtlich gelb macheſt/ 
als Gras —8 Sittiggrun / Stahlgruͤn / Duͤſtergruͤn / oder 
wie man ſie ſonſt Haben will. 7 
Mmeer⸗Gruͤn zu faͤrben. 
So ninm auf . Pfund Waar 6. Loht Gruͤnſpan / Hein zerſtoſſen / und 
7. Quart. Wein-Chig / ſamt ein Quartier Bier⸗Eßig / den Grüne 
fpan darinn zerrüßret ; Ein paar Strumpffe hinein geſteckt / allerwe> 
gendurchhchet/ alödann ohn Auswringen —J und trucken 
werden laſſen / hernach wieder eingeweicht und getrucknet / und das 
u alle Feuchtigkeit eures Anfages ausgetrucknet / alödann truc 
nen laſſen. | | J — 
er er zu färben... 
So hanget man Regenwafler ubers (Feuer / darinn zu einem 
Soareaeftoflen Gallusund Gummi, debelelupkrilin Keane 
Vitriol jedes2. Loht / Grumfpan ein oht / laß alles Zufanımen wohl auf⸗ 
Vene a um / laß es ſieden / bis fhön genug / ſpuͤhl es alddanı 
alt au Le 
Stahlgruͤn Trip befkändig zu färben. : | 
So nimm auf ein Stůck / fo 15. Eilen Hält/ drey viertel Allaun / ein halh 
Pfund We inſtein / 4. Loht gebraunten Vitriol, damit eine halbe Stun⸗ 
de rein abgeſotten / nach dem Abſieden durch rein friſch Waſſer gezo⸗ 
gen / und zu dem Blauen wieder trucken werden laſſen / den Allaun⸗ 
Sude aber hinweg geſchlagen. — Ta | 
Leinen⸗ Sruͤn zu ben, vide unter dem Worte Leinwand. 
Gruͤnſpan⸗Blum / oder Chryfallen, item deftillirten Brünfpan/ 
Aris Chryftall, wird pon Kupffer / oder welches heſſer iſt Yon genteks 
en 


EEE — — —— —— — 





Gruͤ Gun 56 
nen Gruͤnſpan gemacht / wann man darzu Feinen Eßig hat / Fan man 
ihn nicht wohl zur Schönheit bringen ; theils wird gefloͤßt oder ges 
ſchwemmt / theils laßt man Chryſtallen an den: Hals anfchieffen / wel⸗ 
ches das allertanglichſte ift ; der fchönfte Fommt aus Franckreich / von 
warnen auch der gemeine Grunfpan Ks viridein Blafen und Hinten 
eingemacht / hergebracht wird. Er muß ſchoͤn trocken / hart und recht 

ruͤn ſeyn. Ein folder Grünſpans⸗Kuchen / wie er aus Franckreich 

onderlich don Montpellier komnit / wiegt gemeiniglich 25. Pfund / und 
muͤſſen die Specerey-Händler die Hänte /in welche er ein eſchlagen / 
fo theuer als den Grůnſpan mit bezahlen / welches / zumahl wann er 
naß iſt / und hernach eintrucknet / dieſe Waar um 20. und mehr proCent. 
unter ihren Haͤnden theurer macht. 
Die Præparation des Gruͤnſpans / fo wie (fe Zwolfferus beſchreibet / iſt 
als folget: Nehmet kupfferne Bleche / leget die mit Wein-Troͤſtern 


in eine ſolche Ordnung / daß je eine Lage friſche Troͤſter / und darauf ein 


Blech⸗Kupffer in ein duͤnnesLeinwat eingeſteckt liege / daran gießt man 
etwas von einer Mixtur, die aus einen Theil ſcharffen Wein⸗Eßig und 
3. oder 4. Iheileined gefunden Knaben-Harns beftehet/ darauf wirfft 
man auch wol etwas gar weniges von Allaun und Salpeter dabey/und 
dieſes Gemiſch neget man/ foofft ſelbiges trocken / wieder mit obiger 
Mixtur, und zwar feuchtet mans nur damitan/ bis alles Kupffer cor- 
rodivet und zerbiffen/ und in Brünfpan verwandelmorden. Der ge> 
rechte Gruͤuſpan mit Del gerieben/ gibt/ wann er aufgeftrichen wird \ 
einen ſchoͤnen Glautz von ſich; der berfaͤlſchte aber Flebet an in Reiben⸗ 
und hat feine ſolche un wird blaulicht oder bleich / läßt auch die 
Suıbe bald verſchieſſen / und hält weder das Waſſer noch das Feur. 

Gruͤtz / Hircitriticum Dodonzi,Fago Triticum. 

Guajaba, eine Art Aepffel fo in Granara gefunden werden; ihee 
Blühte hats. Blätter/ das Fleiſch foll rohtlich und eines anziehenden 
Geſchmacks / dabey aud dem Magen fehr gefund feyn/ wann es ge⸗ 
kocht wird/ roh aber gegellen/ / demſelben Schaden thun. 

Gvajacum Lienum'Sandtum velindicum , PalusSandtus Pocken / 
Frantzoſen oder Heilig Holtz / iſt das ſchwerſte Holtz unter allen/ und 
Faft den Eben: Holg zu vergleichen / kommt aus der Inſul Sc, Dome- 
nico, dad Holk/ die Rinde and das Hark find ſonderlich in den Fran 


* sölfchen Keandheiten wohl zu gebrauchen ; ih dem Apotecten hat 


man das Holg/ die Rinde und den Gummi, Das friſche ſchwere faff« 
tige Hols das auf gluender Kohlen vaucht/ iſt vor andern zu erwehlen/ 
dasjenige welches vothliche/braune/gelbe und bleiche Farben mit bey- 
gemifchet Hat / ift das befte / die davon bereitete Stüde feyn / das 
Decodtum, der vifcofe und gummichte Extradt , das redtificirte Del/ 
derSpiritusund dann die Exeraäten, _ - Manz &y: 


66 Guc Gum 

Guckucks⸗RKlee / Acetofella, 

Gulden Leber⸗Kraut / Epaticanobilis. 

Gunſel / gulden Wund:Araue / Confolida media, 
Wund-KAraut /Confolida aurea, 

Cein⸗Kraut / Linariatertia aurea. 
Miltz⸗Kraut / Chryföfplenion Saxifraga major. 
Widertodt / Adiantum aureum, 

Gaͤnſerich / Alchimilla, Pes Leonis. 

Stein⸗Klee / Saxifraga lutea Fushlüi. 

Gummi Hartzen / fliſſende Sachen und ausgetrucknete Saͤffte / La- 
ehrymæ. Liqvores, Reſinæ, & Succi Condenſati, ſeynd folgende: als 
Acatiæ Succus, edler Acatien Safft / Aloe Caballina,gemeine Aloe, 
Aloe Epatica, Leber⸗Aloe, Aloe Succotrina, Die beſte Aloe, Ambra 
Liqvida, weiche Ambra, Ambra Nigra, ſchwartze Ambra,Ammonia- 
cum Gummi, Ammoniaz bon Cyrene. Anime Anime medium, 
Gummi Anime ein wohlriehender Indianiſcher Gummi , Afa dulcis 
Benzoin / mwohlriechender Aſand / Afa Faetida, Tenffeld:Dreck/ 
Asphaltum Bitumen Judaicum Juden⸗Pech / Balfamus Indicus albus 
we iſſer Indtanifher Balfam / Balfamus Indicus nigerfeu Peruvia- 
mus ſchwartzer Indianiſcher Balfam aus Peru, Bdellium Gummi, ei 
Aftatifcher Gummi, Camphora, vel Caphura, Campffer / Eaffer/ Ca- 
sauna Gummi, ein Indtanifcher Gummi, Colophonium album, weiſ⸗ 
fer Geigen⸗Hartz Colophonium fufcum ‚braun Geigen⸗Hartz / Co- 

al Gummi, eit Gummi aus America, Elemi Gummi, #£thiopifch Dels 
hun Sartıy Euphorbium Euphorbien-Gafft aus der Lybiſchen Fe- 
sula, Galbanum in Pane , Mutter Hark aus der Syrifchen Ferula ; 
Guzjaci Gummi, Gummi bon Frantzoſen-Holtz / Gute Gamandræ 
Gummi de Peru vel de Goa ‚Gummi Gotta / ein ausgetrockneter 
Saftt/ kommt aus Oſt ⸗· Indien Hederz Gummi Epheu Gummi, Hy- 
pociftidosSuccus Hypociſten⸗GSafft / Laccz in granis & in ligno 
Gram back / in tabellis Scheel-Pad/Laudanum, Laudanum / Ligvirix 
sie Succus Güfhelt:Sa t/ Manna Calabrina Ealabrifche oder Pur⸗ 
gier⸗Manna / Mafliche in Sorte, ordinari Maſtix / Maſtiche in Gra- 
nis Maftiv-Rörner/ Myrrha Electa auserlefene Myrrhen / Myrrha 
subra, vohte Myrrhen / Olibanum in Sortis Weyrauch / Olibanum 
in Granis , Meyvauc- Körner/ Olibanuım Sylveſtre Waldrand) / O« 
pium Thebaicum fremder. Mobnfafft/ Opopanax in pane Panars 
Safft / Gummi bon Panace Syrıaco ‚, Opobalfamum Drientalifcher 
Balſam / Sacharım Canarienle Eanarie feiner Zucker / S. Candum 
albummeiß Candi⸗Zucker / SCandum rubrum, brauner oder robter 
Eandi-Zuder / 8. Mlitæam f. Melis / 5. Melitzum medium gelber 
Melis / 5. Thomzum, braun Farin oder Thomas-Zuder / Sagape- 
' aum 


KERN 


se 5 


Im vel Serapinum in Pane Seraphin⸗ Safft aus der Mebifchen 
‚rula,Sandaraca Arabum, Macdolder-Gummi , Sanguis Dravonig, 
Yrachen-Blut/ S. Draconis in’granis ff, Drachen⸗Blut / Sarcocolla 
leifchleim Gummi , Scamonium crudüm Scamonea, Scamonium 
reparatumf. Diagrydium ‚Styrax velStorax Cala mita wöhlriechen« 
er Stox / Styrax exprefla gereinigt undgeprefter Gtorar / IStyrax 
avida flieffender Storax / Tacamahaca Gummi, Tatamahafa Gum- 
vi, Tartarus albus weiſſer Weinſtein / Tartarus Rubeus rohter Weine 
ein / Terebinthina communis gemeiner Terpentin, T. Veneta Bene 
ifcher Terpentin, Tragacanta Gummi Backsdorn oder Tragant’; 
ſcus Aucuparius Vogel⸗Leim | 


Gummi Anime, kommt aus Indien’ iſt hell und durchſichtig; es if 
uch darauf acht zu geben/ daß er fein rein fey. 

„Gummi Arabi, Arabiſcher Gummi muß klar und weiß feyn / wie 
solanallenBunınmi die Qualitäterfordert wird / daß nicht viel ſchwar⸗ 
‚e Stüde darunter fallen. | 

Gummi Bdellium, ein fharffund Higiges Aſiatiſches Gummi / der 
Myrrhen in Anfehung und Gerud) gang gleich: er muß wohl riechen / 
ind fo er nicht allezeit zu haben / Fan. man an deſſen ſtatt die braune 
Mmyrrhen ausleſen / und dafür verkauffen: Dieſer Unterſcheid aber iſt 
yaben im acht zu nehmen / Bdellium ft im Lecken füß./ die Myrrhen 
ıber bitter. Ä ar 

Gummi Carana, eiıt weicher Gummiin breiten Stuͤlken / fichet der 
Taeamahaca’fäft wicht ungleich / allein dev Geruch iſt etwas anders/ 
wann er auch fo weich ift/ fo iſt er um fo viel beſſer. | 

Gummi Elemi, {ft der Carana nicht ungleich; er ift weiß / hart und 
in runden Stücen/ mit Blättern umfeget/eben wie das Tacamahaca, 
ohne daß ed einen andern Geruch hat. — 

Gummi Galbanum, vide Galbanum. 

Gummi Asphaltum, vide Asphaltum. J | 

. Gummi Gotta, Gamandra , item Catta Gauma Succas Cambici 
oder Cambrici,ift ein ſchoͤn gelb eingefottener Succus, deffen Urſprung 
mannichteigentlich weiß. Er kommt aus Oſt⸗Indien / in holen Roͤh⸗ 
ren / zuweilen auch in groſſen Stuͤcken rund herum eingewickelt zu uns / 
und wird alsdann zum Farben und innerlich als eine Purgantz einzu⸗ 
nehmen gebraucht: Der befte muß ſchoͤn hell / glatt / gelb und nich 
ſprenglich ſeyn / vide Gbitta. | 

Gummi Hzderz, Epheu Gummi wird bon uufern Teutfchen Ephes 
gemacht / ift ſchwartz und faſt der allerſchwaͤrtzſte GCummi, an kleinex 
Gtüdten/ ton Geruch ſehr ſeltam und — re 
e; ua 


Gum: 


568 Gum | 
— — —— nn ——*— ö — —ñ —ñ— 
Gunmi Laccæ, Gummi Lack / deſſen haben —— Sorten / 
eine in lauter Granis, die andere an eien Holp/.beyde komen aus a 
Indien; Diefes Gummi fliefft auseinen Baum / loͤſt ſich im Waſſer 
auf / und gibt eine Farb von ſich / welches andere Gunimi nicht zu thun 
Ar / doc ift ver am Hoitz beffer zum Lederfärben / auch höher im 
reis. 
Die Gummi Lacca wird gereiniget/ wann man fie ein Tag drey oder 
Bier in Lauge liegen laͤt. WiedieGummi Lacca zum Firnig ger 
braucht werde/ ift unter dem Wort Firniß gemeldet worden / allhier 
auch noch einige Deferiptionen zu gedencken; ſo ninm Gummi Lacca 
Loht / des reineſten Maſtix 4 Koht/ Sandaraca 24. Loht / gelben Agt» 
ein 3. Loht / Abiez 6. Loht/ Colphonium;. Eoht / Venedifchen Tere 
entin ı. Pfund/ Zerpentin-Oel a. Pfund/ Silberglett 24. Loht / weiſ⸗ 
fen Vitriol. Bein-Afchen/ Vene diſch Glas jedesss, Loht / Reir-Delo. 
‚oder io. Pfund / koche dieſes alles mit groſſer Vorſichtigkeit / wegen 
des Feuers auſſer den Saufe/ zu einen Firniß / den verwahre hernach 
auf das beſte / er bleibt laͤng aut und trocknet bald: 
Bu dem Indiantfchen Lackwerc wird die Maflı folgender Geftalt 
bereitet: Rimm ĩ. Loht Maſtix / Gummi Lace, Umbra, jedeß ı, Loht / 
Succinum, Goldglett jedes . Loht / Asphaltum 1, Loht / Terpentine. 
u ebrannt Lein⸗Oel 2. Pfund / zerſtoſſe alles wohl / was zu ſtoſ⸗ 
iſt / thue es hernach über ein Kohlkeur / und laß es ſehr erhitzen; die 
Probe daran iſt / wann maneinen Tropffen auf ein Meſſer fallen läßtz 
und ſich das Meffer am Finger nicht aufziehet / ſo iſt er gut; Dieſes 
aber muß man gebrau chen an folchen Sachen / die zubor mit Leim ge⸗ 
traͤncket / und hernach mit Kreiden angeſtrichen ſeynd / als wie zum 
‚Planiven / wann es geſchehen / wird es dreymahl mit einer zarten 
ze angehcichen hernach von diefem Lacca darauf gebraucht / 
and wohl trocknen laſſen / alsdann kan man fehön darauf vergulden. 
Den Chinehifchen Firniß von allerhand Farben zu machen / fo nimm 
ein Maaß Branntwein / thue ihn in ein wohl-vermachtes Glas / nimm 
ein Ung Gummi Acre, 2, Unten Maſtix, 2, UngenSandarach , oder 
Wacholder⸗Hartz/ zerreibt folches.allegin einen Mörfel/ und werffet 
ed fodann In euer Glas nit Branntwein / tvann ſolches wieder wohl 
vermacht / ſo haͤngt es an die heiffeſte Sonne 24. Stunde / oder eine 
Stunde zum Feuer / bis der Bummi deftillivet ift/ und der Brannt« 
wein die Farbe davon genommen / hernach laffet es durch ein Leinen 
Tuch / und gebt acht / ei es nicht evaporıre/ und ift alfo der Firniß 
fertig. Mann ihr. euch nun deffen bedienen wolt/ fo mengt diejenige 
Farbe darunter / die ihr haben wolt / als zum Rohten Zinober / zum 
Schwartzen bampen · Schwarhz / zum Brünen —— Ihr müſ⸗ 
fet aber acht haben / daß dag Holtz / ſo ihr irniſſen wolt / wohl er ſey. 
ann 


- — — — _ 


Gum 569 


—— — — — — — — — — — — 
Mann man ein illuminirt Rupffer-Stüd firniſſen will / muß man zu» 
vor einen Grund mit Perganient⸗ Leim daruͤber machen. 


ine ſchoͤn⸗ rohte Laccam zu machen. 

So nehmt ungefehr zo. Pfand Manns⸗Urin / laſſet ſolchen wohl ko⸗ 
hen and verſchaͤumen / alsdann thut man don den ſchoönſten Gummi 
Lacca ı, Pfund darzu / wie auch 10. Loht Allaun/ ſolches alles mit ein⸗ 
ander vermifchet/ feget man zum Feuer / und Läffet es fo lange Fochen/ 
bis alle Farben exerahiret feyn / und nachdem man eine Probe davon 
genommen/ fothut man noch des Allaun-Zuders fo viel hinein/ als ſe⸗ 
mand genug zu feyn duͤncket / darnach feihet man ſolches durch / wie ei⸗ 
ne andere Laccam. “tem nehmt Scheerwollen von Scharlach / laſſet 
es in Raugen oder Badafchen oder calcinirten Weinftein ſieden / diefe 
Laugen haben die Kraft / daß ſie die Farbe aus der Scharladher 
Sceermelle heraus ziehen: wann esgenng gefotten/ fo thut Coche- 
nille darzu/ pulveriirten Maftix, undein wenig Allaun / laffet ed noch 
einmahl alles zuſammen Eochen/ hernach zwingets 2. oder z. mahl gang 
heiß durch einen Tuch : das erſtemahl mug man das Tuch mit 2 Stoͤ⸗ 
den auswinden / endlich nehmt dasjenige / was in den Tuch bleibet / 
heraus / nnd waſchet das Tuch wohl / zwinget den Liqvorem , welchen 
ihr vermitteſt der 2.SStöde ausgepreßt / noch einmahl durch das Tuch / 
fo werdet ihr an den Tuch herum eine Mareriam oder Teich finden / die 
ihr auf Papier ausbreiten und trocknen laflen müffet.- 


Gummi Laudanum ift ein öhligterSafft/oder vielmehr ein ſchwar⸗ 
ger wohlriechender Guinmi , der befte iſt ſchwer und läßt ſich gern. bre> 
chen. Erwirdand genannt Laudanum de Barba, weil die Bodein _ 
Aftica gern von den Bäumen freſſen / aus welchendiefer Gummi flieſ⸗ 
fet/ da er ihnen dann an den Bart bekleben bleibet / welches man here 
nach ausſchneidet / und zu und bringet Gp er in Aufichlagen rein 
und kein Sand verfpühret wird / ifter allezeit beſſer / dann der in Ro- 
tabs, dann denfelben ſammlen die Leute / und drehen ihn alforund / 
vermengen ihn auch wol/ daher er genteiniglich etwas fandigt. 

Gummi Maflix, vide Mafix. Ä 

Gummi Mırrha, vide Myrrhen. | 

“ Gammi Oppoponacum, Angeliden Safft / oder Ponax Gummi , 
wird von der Radix Ponacii oder Heil-Kraut geſammlet. An den 
Oppoporiacum in Panis ift nicht Viel guts / und mehr ein Gafft des 
Krauis Panacis, als ein Gummi; immendig ift ev weich und bleich⸗ 
gelb ; Der ſchwartze weiche iſt nicht gut / und gemeiniglich mit Wachs 
oder Gummi Ammeniaco berfälfcht / vide Oppoponax. 
Gummi Olibanum , Weyrauch; Cr muß in Granen ‚und keine 

2 Ns ſchwar⸗ 


4 


570 Sum Gur 


ſchwartze harsigte Körner oder Staub darunter feyn. Der in Gra- 
nis wird aus den andern gelefen / und ift fonderlic) dabey auf den Ge» 
ruch acht zugeben. d | 

Girmmi Serapini. {ft ein ſtinckender Gummi, ſchwarhgelbicht dem 
Galbano nicht viel ungleich / auffer nur am Geruch. Er koͤmmt aus 
Oſt⸗Indien / iſt in Granis. 

Gummi Tacamahac, eingefprenglicht Gummi, hell wie Glas / iſt in 
runden Stüden mit Blaͤttern verwickelt. 


Gummi Tragant , wird gemeiniglid) in Sorten erkaufft / kommt 
aus Spanien und Apulien/ iſt dreyerley / als Electi, Finiund Meſſana, 
der ſchoͤne weiſſe / klare / durchſichtige / glatt / zart / lautere und am 
Geſchmiack ſuͤßlichte / iſt der beſte / der roͤhtliche if nur Meflana. 
Gummi Sarcocolla, Fiſchleim / iſt ein Gummi / fo faft wie Wey⸗ 
rarch ausſiehet / dabey roͤhtlich und bitter iſt; Es koͤmmt auch von ei⸗ 
nem Kraut / fo zu Teutſch Argemone Roͤßlein genannt wird. Manz 
man ſelbiges ſtoͤſſet / ſoſiehet es den Schmack gleich / und wird alddanız 

Sarcocolla genannt: Dasjenige/ daß ſich bald brechen laͤßt / iſt der 
befte. 

Gummi Sandaraea, oder Juniperi , Wacholder⸗Gummi / Blase 
Firniß / fichet bald den weiſſen Maſtix gleich/ vide Sandaraca. 

Gummi Storax;fommt ans Ahabon einem groffen Baum. Wann 
des Storax-Baum Borreben erſtlich gefotten werden/ fo gibt es oben 
her einen klaren Schaum/ wann nun derfelbe abgenommen wird / fo 
{ft das Storax in Granis, welches das allertheurſte / was aber aus dem 
Baum fleußt/ iſt dad Gummi, fo Storax Calamita genannt wird / und 
trucken iſt. Der Safft/ fo aus den Borreben gefotten / wird Storax 
— oder der Feuchte genannt. Die ausge ſottene Borreben wer: 

en hernachmahls rohter Storax, oder wie ihn Die, Materialiſten nen⸗ 
nen / Thimiana genannt. AlfoiftStorax Calamita ein wohlriechend 
Gummi: Storax in Granisift der Schaum davon. - 
Gundel⸗Reb / Gundermann Hedera Terreftcis, 

Gurcken / Citrulli, Anguria. 

Gurcken / Cucumeres, die kleinen werden mit warmen Eßig und 
Gewuͤrtz eingemacht / die groſſen aber mit Saltz ⸗ kaack. ManhatCu- 
cumeres ſativos, vulgares & majores, item Cucumeres flexuofos ſive 
anguinos, Schlangen-Burden / weil fie wie eine Schlange krumm 

gebogen ſeyn. Zu der Gurcken Verdaͤuung gehöret theils eine gute 
—8 ng und Bereitung / theils ein ſtarcken gefunden Magen / aufs 
fer dem ſeynd ſie nicht ſcher zu geuieſſen. 
Be ei = | Guͤrt⸗ 


Sir Haa 571 


Guͤrtlers machen allerhand pur Meßinge oder Meßing und ver: 
ıldte Befchläge / auf Wehr-Gehang / ıtem Meßing und verguͤldte 
ıöpffe und Schub-Spangen/ allerley Zierrahten auf die Spiegeld/ 
id zu andern Hausgeraht. | 


GSuͤrtel⸗ Kraut / St. Johannis · Guͤrtel / Mufcus Terreftsis, 
Guter Heinrich / Bonus Heinricus, Atriplex Canina. 

Gutta Gamandra, vide Gurmmi Guttavel Ghitta. 

Gyps / Gypfum, vide Alabaſter. 

Gyrſing / Imperatoria Alpina, 


Aar / Capiſſi, des Cheyeux, ſeynd eigentlich zweyerlen Sorten / 

als Menſchen und Vieh⸗Haar / jene davon unter der Benennung 
er Perugven gehandelt wird / werden wieder abgetheilt in Tode und 
ebendige/in Frauen und Manns/in dundel/fchwarteund helle / aſch⸗ 
ävbige oder Blondes, braune/vothe / und graue Haar / die Haar von 
ven Thierenaber in Cameel /oder vielmehr Turdifche Ziegen und 
Böcfe / item in Roß und Reh / undandere Vieh⸗Haar / ꝛc. Todte 
Menſchen· Haar werben entweder die durch Kranckheit ausgefallene / 
der denen Verſtorbenen abgeſchnittene genennet. Durch die Le⸗ 
yendige aber / die von noch lebenden Perſonen geſchnittene verſtan⸗ 
yen/ und aus ſolchen Perugven, Kopff-Zierrathen /item auch an⸗ 
yere künftliche / / den Frauen⸗Zimmer ſehr befandte Arbeit gemachet. 
Es verſtehet aber infonderheit Holland den gröftenTheil Teutſchlan⸗ 
des mit Brabandiſchen Haaren’ gleichwie vor dieſen keiner eine gute 
Perugqwe zu haben vermeynte / warn ſolche nicht in Franckre ich wäre 
gemacht worden / heutiges Tages da unfere Teutſche Perugven-Ma=» 
chers den Griff gefunden / eine fo zierliche Peruqve als die Fransofen 
felber zu machen / und manche teutfche Bauer-Magd ein befler Haar 
auf den Kopff traͤget als eine Brabandifche Nonne / ſo wird dadurch 
abermahl viel Geld / welches ſonſt vor dergleichen Haar - Schmad 
aus Teutſchland gegangen / beybehalten : Aus Canzeel⸗Haaren 
macht man Hute/ und auch pure oder gemengte Stoffen/alsPlujchen/ 
Polmiten oder Cameloten, item allerhand ſchoͤnes Garn / welches her: 
nach zu Knoͤpff und Knoͤpff-Loͤchern / item zuallerhand Ligen und 
Bändern gebvauchet wird ; man Fönte auc) Hierzu die Caninichen 
undBiber- Haar rechnen / welche zu dem Hutmachen fehr dienlich feyn. 
Die Roß- Saar brauchen voruemlich die Knoͤpff⸗Macher / welche die⸗ 
felbe / abfonderlich in Holland ſehr kuͤnſtlich zu verfertigen wiſſen. 
Ferner branchet auch die Roß · und Rehe⸗Haar der Gattler / Küffen 
und Martragen damit auszuftopffen. In den Gee-Städten wera 
den die fo genannten Haar⸗Decken / deren man ſich zum en 


572 Haa 


der Waaren/ item aufden Schiffen / in Bran-Häufern / Zimmern 
und Pferd-Ställen gebrauchet / berfertiget / und groffer Handel da⸗ 
mit getrieben / weil dieſes Handwerck meines Willens noch nicht gar 
weit dekandt worden. Aus den Schwein-Borften werden allerhand 
Buͤrſten zu Kleidern / Schuhen und Gemaͤchern / temgroſſe und Hei« 


ne Pinfelund Pferd-Büfchen oder Obaſten auffdie Köpfe verfertiget. , 


Bon den Haaren insgemein ift zu mercken daß ſie ſichmit Seiden 
ar wenig / mit Leinen etwas mehr / mit Wolleaber am been vermi- 
hen und berarbeiten laſſen / bey Feinen aber vechtbeftändig halten/ 
ſondern ſolches hinweg freflen/ wie jih dann auch die Haͤrnen Zeuge 
leichtlich ſtoſſen / und fo ſie einmahl brechen / ſchwerlich mehr zu bef- 
fern feyn/ dahero man in Einfauffung derfelben auf den Faden fee 
ben muß / wieviel dräthig er ſey / weil von ſolchen auch die Gäte 
und Dauchafftigkeit eines Zeuges zu beurtheilen ſtehet 
AnarsPoudre, wird mehrentheild aus Amydom oder&tärd-Mehl 
jemacht/und etwann mit 20. oder 30, Tropffen Jaßmin oder 10. Tropf⸗ 
en Roſen-⸗Oel / ein gansed Pfund. parfumirt/oder man nimmt nur 
bloffen Violen⸗Wurtz ſtoſt folche klein / und mengt einigefoth auf ein 
gantzes Pfund / dieſes iſt die gemeine Art; die esaber koftbarer und 
mohlriechend haben wollen / machen entweder Poudre von Eichen⸗ 
Moß / und thun etwas Ambra, Bifemund Zibeth dazu / oder ſie neh⸗ 
men nur puren Amidom loͤſchen ſolchen in Brandtwein ab / ſtreichen 


hernach etwas Zibeth auf einen Stempel / den man imMörfer braucht / 


und reiben Damit dad Poudre nach gerad in den etwas warm gemach⸗ 
ten Morfer ab / bermengens alsdaun wohl mit einander / fobleibt es 
lang gut/ und ift auch zimlich flüchtig. Eine andere Defeription iſt 
je diefe / nehmet Florentiſche Violen⸗Wurtz ein Pfund / geiveugte 
Roſen ein Pfund / Benzoe 2. Unten / Storax. Untze / gelben San- 
del ;. Loth / Gewuͤrtz Nägelein 2-Dventin/ein wenig Eitronen Schale/ 
machet alles zu Pulver / mengets wohl untereinander / und thutald« 
dann dazu 20. Pfund Kraft: Mehl / und jtebetes durch. Irem neh» 
met Eichen⸗Moß / waſcht ihn vielmahls in veinen Waffer bis ihm 
aller Geruch benommen / laſt ihn trucken werden / und feuchtet ihn 
alsdann mit Rofen und Pomerantzen⸗ Waſſer an / raͤuchert ihn hierauff 
durch mit Storax und Benzoe / und ſo ihr ihn verbeſſern woit / ſo mengt 
auch etwas Biſem und Zibeth darunter, 
Wohlriechendes Pulver von Jaßmin zu machen / ſo nehmet Spaniſche 
Kreide in einer Buͤchſe durchgeſiebt / thut es klein gefchnitten auf Papier / 
fchneidet auch auf das Papler die Jaßmin⸗Blumen / wann ſie ich ver⸗ 
andern / ſo ziehet die Kreide dem volikommenen Geruch an ſich/ ver⸗ 
wahret es hierauf wohl in einer Phiole. 
Zu den Aleidern laͤſt ſich folgendes wohlriechendes Pulver præpari· 
ren / 


— Haa Hab 573 
en / nehmet Sabendel-Blomen/Rofen/ Majorany jedes ein halb Loth / 
orbeer⸗Blaͤtter / Violen⸗Wurtz / Calmuß jedes ein halb Loth / Rige⸗ 
ein / Muſcaten⸗Blumen jedes ein halb Dventin/ dieſes wohlbermiſcht 
u einen groͤblichten Pulver in ein Saͤcklein gethan / und unter die Klei. 
er gelegt. Itemnimm Biolen-Wurs/ trockne Roſen / jedes ie. Loth / 
Rägelein- Blumen s, Loth / Zimmet 4. Loth / Major an c. Loth / Calmuß 
„Loth/Eyperm = Pulver 2. Loth / alles abſonderlich klein geſtoſſen und 
ernach mit einander vermiſcht. 
oudre de Cypre, wird gemacht bon Ochſen⸗Koth / ſolchen laͤſt man 
vohltrocknen an Ofen oder an der Sonnen / begieſt ihn hernach mit 


bohlriechenden Waſſer / und laͤſt ihn abermahls trodnen / und folheß _ 


muß 4 oder 5. mahl wiederholet werden / wann er nun zum letzten maͤhl 
ch gang naß / fo perlumire ihn durch den Rauch von Benzoe und 


Storay Calamita, jedes ein Scrupel/ Laudani,Ligni aloes, jedes an⸗ 


rertbalb Gran / Muſcus fo biel du wilt. 


Saarigt Silber iſt ein gediegen Silber / das wie ein Buͤſchelein 
daar in Geſtein lieget. IE 
Haarſchar / Muſcus Terreſtrii. 
Haar⸗ Beeren / Fragaria hiſpidis folüi 
Haaricht Wald⸗Haarſtrang / Peucedanum,, A: 
Saber / Avena ift dreyerley Sorten als Avena vulgaris five alba, 
veiſſer Haber nach feiner Farb / Avena Nigra ſchwarhber / weil er aug⸗ 
perts ſchwaͤrtzlicht iſt / und Avena Nuda nadfender Haber / weii feine 
Körner nicht in Yülfen oder Haͤutle in herſchloſſen / ſon dern bloß Liegen, 
Zaber⸗Gruͤtz giebt begbeme Suppen fo wohl für gefunderals die je⸗ 
tige welche einen rauhern Hals oder ſcharffe Bruſt haben / ſonderlich 
vann ſte etwas Zuckerkandi oder Violen ⸗Safft darunter mifchen ; 
a8 Haber⸗Brodt ſoll fetten Leuten dienen Die gern abnehmen und 


/ 


Nager werben wollen. Der Handel mit den Hader wirdofft weit 


iber See und Land getrieben / in denen See-Städten hat man pief 
— ——— Hollſteiniſchen / Preußiſchen uñ Pomnieriſchen Ha⸗ 
yern / nachdem ſolcher ſchoͤn rein / grob von Koͤrnern / und ſchwer if, 
aachdem Hat man ſolchen auch gern /und iſt fonderlich ein groffer Ab» 
zug bis anhero nad) Holland / wegen der in Braband zu Feldliegen- 
ben Armeen gemwefen. | 
Haber⸗Molchen / Tragopogon, Barbula Hirci, 
Aaber:Eras/Gramenavenaceum,. er 
Haber⸗Roſen / Roſa ſy lveltris. 
Haber⸗Schlehen / Pruna avenaeea. 
Habichts⸗Kraut / Aceipitrina, Hieracium. 
Habichts⸗Lattich / Lactuca accipitrina, 
Hzhotropiuslapis, Sonnenwende-Stein. Rz- 


“ 


Hm Ham 


Hamatites Blut-Gtein / von feiner Blutrothen Farb alſo genannt / 
kommt aus Africa , derjenige der in Teutſchland gefunden wird / iſt 
Shwarsrothgeftrimt und —— beyde ſtillen das Bluten. Rulan- 
duserzehlet ſechsſerley Arten des Blutſteins als (1.) Hæmatites fof- 
ſilis der gar ſchoͤn toth iſt / (z.) Hæmatites niger; der ſchwartze Blut⸗ 
Stein der einem Saffrau gelben Safft bon üc giebt / und härter iſt 
als der borige/ (5.) Hæmatites fosſilis purpureus , (4 )Hamatites 
foshilis pulcherrimus ‚ diefer wird von den Boldfhmieden zum polik 
zen gebraucht / (s.) Fosſdis niger trichufus, welcher wann er auf den 
Wer Stein gerieben wird / dreyerley Farben von ich giebt / und-(s.) 
Hæmatites pulchetrimus. Ip 

Herriöftatica , Blutſtillende Mittel / dergleichen feyndVitriol,dee 
Bofilt,Sangvis Draconum, hæmatit. bolus, farcocoll, lign, frax. rad, 


* 


biftort, tormentill. * 


Zaͤfftlein / Steck⸗Radeln / vide Meßings⸗Waaren. 
Magen⸗Butten / Häinhedd/Cynosbarus; 

Sahne · Kamm / Blitum, Amaranthus, Chryſtallus. 

Hahne⸗Kampff / Verbena, * 

Hahnen⸗Fuß / Ranunchlus, 

Hahnen⸗Ropff / Onobrychis. 

Ualiacacabus, · alkekengi. 

Halimus, Meer⸗Gewaͤchs. * J 
Uaſinitrum, Galpeter/ Aphronitrum iſt der Salpeter fo in den 
Kellern an den Wänden ausſchlaͤgt. 

- Aals:Rrant / Cervicaria Campanula. 

Hals⸗Roſen oder Pappem / Malva arborea. 
Zamburger Handlung und Waaren / laſſen ſich in Ein-und 
Auslandiſche eintheilen. Unter die Einlaͤndiſchen fan man nichts 
anders zehlen als ihre Manufacturen / dann weil die Stadt Hamburg 
an ſich felbft Fein Territorium hat / alfo müflen die Kunft und ver 
Fleiß die Stelle der Erden» Fruihte erſetzen. Es feynd aber ſolche 
Manufa&turen gar bielfültig/ und zwar nimmt darunter die erfte 
Stelle ein / die ſtarck angewächfene Sammit⸗ Manufactur , da von 
glatten und geblumten / ſchwartz und Couleürfen/ ſchweren und leich⸗ 
ten / ganzen und auch Trip⸗Sammit jährlic) eine fa grofke Qvantität 
verfertiget wird / daß gang Teutſchland und die Nordiſche Reiche 
nugſam damit koͤnnen verſehen werden / da man zuvor alles aus 
lien oder Franckreich hat verſchreiben müflen. Nechſt den Sam⸗ 
mit iſt fo vileler anderer Seidenen / Wollen / Cameel ·Haaren und 
Baumwollener Stoffen ihre Manulactur, voraus aber der ſo ge- 
nannte Herrn⸗Say, luper feine Borat, welches eine re 


\ , \ 

N Ham 575 
eve Tracht vor das Hamburger Frauen-Funmer if / stem die. Ra- 
hen / Frieſſen und dergleichen/ berühmt / am allermeiften aber die 
yamburger-Strümpfie / welche Manufaltur am erften von denen 
Aennoniften und Reformirten Niederländern introduciret / und 
:iter der Zeit/ daß dielerefugirte Brandon ih in Hamburg wohn: 
afftig ntedergelaflen/fo wohlinge nüttenen alö gewebeten Sommer 
ud Winter/halb-und gang gewalcketen Struͤmpffen ſtarck fort gefüh- 
et wird. Auſſer dieſer Wollen ·Manufacturen hat ed aud viel Sei- 
en· Rhedereyen / in welchen Jaͤhrlich eine groſſe Menge roher Seid⸗ 
um Gebrauch derienigen / die ſolche verarbeiten / zurecht gemacht 
bird / worzu ihnen abſonderlich die zweyerley Arten Waſſer / welche in 
Zamburg zu finden / als das harte und weiche / nemlich das Alſter und 
Ab⸗Waſſer in der Faͤrberey wohl zu ſtatten kommen. Fuͤr allen kan 
such das Zuder-Rafiniren mit darunter gezehlet werden / welches hier 
n folder Vollklommenheit gebracht / das ſchwerlich an einen Dite 
yergleichen nahe oder beykommt / welches dann verſchie dene Fami- 
ien zu groſſen Vermoͤgen geholffen / daß noch ihund darunter biele 
"apitaliflen iind. Die Gold - und Silber-Manufadturen berreffend/ 
eynd felbe auch fo Häuffig eingeführet/ daß * Meiſter / wel⸗ 
he eigene Fabriqven hahen / über so. und mehr gezählet werden / die 
aun ihren Bold und Gilber-Drath in ſolche Reputation gebracht / 
‚ap den Maylaͤndiſchen ein groſſer Stoß dadurch gefchehen ; Wie 
yann auch Tahrlic eine fattliche Qvantitätdahon nach Mofeobien/ 
och mehr aber aus ſolchen Gold⸗ und Silber⸗Drath verfertiate Ma- 
aufacturen / ald allerhand Pafementen/ Galonen / Brodier- rbeit / 
Bold und Silberne Spitzen / Schleiffen / Treffen und Knoͤpffe nach 
Auslaͤndiſchen Hoͤfen und denen umliegenden Provingien gehen. 
Sintemahl die gute Stadt Hamburg ihrer vortvefflichen Situation 
wegen ſich in den Stand gefeget / daß fie gleichſam 2 dus Centrum 
wiſchen den Teutſchen und Nordifchen Ländern gehalten wird / in 
welchen allerhand zum Mengchlichen Leben beuöhtigte Waaren ihren 
Absund Zufluß haben ; Dahero kommt es auch dag ein je der Einwoh⸗ 
ger / der von der Handlung Profeflion machet / ſich auf gute Waaren 
und zwar wieer ſolche aus der erſten Hand befonmien / und hier» 
auf wiederummit Nuten debitiren —— befleiſſiget. Da wich ſo 
leicht keine conliderable Meſſe in Teutſchland gehalten/ da ſich nicht die 
Hamburger / um MWaaren darauf einsoder zu berkauffen einfinden 
ſollten; weil auch die Stadt groß undVolckreich / als ſuchet einjeder / 
sie er in feiner Profeflion was ſonderliches oræeſuren möge Die 
Buch⸗Laͤden ſeynd vol herrlicher Bücher / und guten auch vielfältie 
gen Verlags / daß fie darinnen auf denen Reipziger und Franckfurter 
Meſſen vor andern in ſonderbahrer Conlideration und ſne 


Hand⸗ 


576 —Ham 
andlung ſtehen. Der Leder⸗Handel floriret gleichfalls / ſonderl 
= das Zubereiten des Sohl⸗Leders und Corduans betrifft. — 
Goldſchmidts⸗Arbeit / vornemlich an groſſen und getriebenen Stür 
den werden ſie den Augſpurgern wenig nachgeben / und endlich machen 
auch die Frantzoͤſiſche / Englische und Kolländifche Manufacturen / wel⸗ 
che vermittelt Hamburgs mächtiger Schiffarth / von allen obbeſag⸗ 
ten Königreichen haufig angefchaffet werden / daß, man felbe en 
Regardder Oberländifchen Derter / aus der erften Hand von Ham⸗ 
burg fchäsen muß. Was die Ansländifche Waaren betrifft / fo 
** ebeufalls die Schiffarth auff Portugall/ Spanien / Franckreich 
and Italien / item nach Engeland / Holland Norwegen / Daͤnne⸗ 
marck / und der gantzen Oſt⸗See / voraus aber nad) Grönland und 
‚ Mofcovien/und dann die Land-Correfpondence nad) gang Teutſch⸗ 
fand/daf man aller * Koͤnigreiche und Laͤnder ihre Waaren in 
groſſer Abondance in Hamburg haben kan; Wie dann die Hambur⸗ 
er mit ihrer aus Spanien / Portugall / Franckreich Engel-und Hole 
* verſchriebenen Waaren mehrentheild gantz Ober-Teutfhland/ 
inſonderheit Sachſen / Oeſterreich / Francken / Schleſten / Boͤhmen und 
den Nieber⸗Saͤchſiſchen Craͤyß verfehen / (dann was den Ober:und 
teder: Xheinifchen, item, den Meftphälifihen Eräyp betrifft/ziehen 
volche ihre Provifion aus Hollaud/ als welches ihnen viel näher gelegen) 
ingegen provedivet auch Hamburg das Königreih Spanien und’Pore 
tugall/ auch zum theil Engeland und Moſcau mit vielen Teutichen - 
saaren. Es iſt auch die Paflage vieler aus der Oſt⸗See zu Luͤbeck 
aukommender / und von dar nad) den Weſtphaͤliſchen / Bremiſchen / 
auch wohl nach Holland deſßinirterGuter. AllerEinkauff der Waaren 
eſchiehet daſelbſt entweder in Banco, Courant, oder auch in andern 
GSelb / und wiſſen ich hierinn die Kauff⸗Leute nach der Fremden ihren 
Landes =» Geldern ſchon zu accommochren / auch die Preiſſen darnach 
kin zurichten / daß es nach den Cours der Gelder auf eins hinaus laufft / 
bb ſie Banco, Courant oder Drittels bekommen / wie dann auch im üs 
drigen alles überaus wohl in Faveur Der Commercien eingerichtet; Da 
mangelt es nicht an fleißigen und habilen Mäclern/deren etzliche hun» 
dert fo wohl Confirmirte ald Beylaͤuffers gezehlet werden / wiewohl eg 
auch heißt: Sunt mala mixtabonis und daf man (id) auch wohl füre 
ufehen / daß man von einigen derfelben / jonderlicy bon denen Fue - 
—** lern nicht hinter das Licht geführet werde. Indeſſen hat 
faſt eine jede Waare auch ihren beſondern Mäckler / als der eine 
wird in nichts anders als in Moſcobiſchen / der andere in Spaniſchen / 
der dritte in Korn / und andern groben Waaren / jener in rafinirten 
Zuckern / diefer in Feinwanden und Hochteutfchen Waaren ſich gebrau⸗ 
hen laſſen. Wegen der Ab⸗und Zufarth / fo wohl zu Waſſer als 
Land iſt auch alles uͤberaus ordentlich eingerichtet. Uber die ” Lie 
Ä neburg 





| Hom 577 
burg / Magdeburg / Schleflen / Braunſchweig und anderer Orten 
eutſchlandes Fonımende und dahin wieder ee 
a ordentlicher Güter» Beftätter die Auffſicht / bey welchen man fich/ 
ann man nad) diefen oder jenen Laud etwas verſand haben will / ad- 
eſſiren kan / hin und wieder in der Stadt logiren diejenigen Yo 
ute / welche nach den benachbahrten Holftein und Meclenbnrg faft 
‚glich abfahren, . Spgehen auch täglich oder doch unterfcht:dlich 
ahl in der "Wochen gemihke Fahr⸗Zeuge nach Gluͤckſtadt / Stade 
ıd den Lüneburger Land / faſt alle 14, Tage aber ein Boͤrdmann 
ich Bremen und Amſterdam / taͤglich fahren Pofteund Fracht: 
Ragen / zwifchen Hamburg und bübeck / wodurch die Oft. mit der 
Zeſt⸗See ihre Correfpondeng unterhält, DiejenigeSchiffers/wel« 
e nad) weit — hre Reiſe anzuſtellen gedencken / 
plagen an der Boͤrſe öffentliche Zettels an / und hemerckeũ darinnen 
e Zeit/ gegen welche (ie abſeegeln wollen / item die Bröffe und Capa- 
tatihred Schiffes / mit wie viel Stuͤcken ſolches montiret/aud ob es 
it oder ohne Convoy wegzugehen gebende/ was es bor Paͤſſe habe/ 
id was dergleichen Particularia mehr ſeyn / wornach die Kauff · Leu⸗ 
die ee — ‚ihre Meſures nehmen: fönnen. 
ie Stadt Hamburg felbften gibt bielmahls ihren Kauffatdey- 
schiffen / Orlog-Schirfe zur Convoy zu / welche Diefelbe nad) Ene 
land / Portugail/ und fo gat dur —* von Gibraltar oder 
e fo genannte Straat durch / nach Spanien / ja offtutahld gar 
ıch den ‚rallänifgen Kuͤſten bringen. Der Groͤnlands + Fans / 
elchen die Hamburger haben / und worzu ſie Jaͤhrlich so. bis 70. 
schiffe mehrentheils gluͤcklich employren / iſt auch ſehr conſiderablo. 
boͤchentlich wird ein Preiß-Courant der Waaren gedruckt / wornach 
h Kaãuffer und Verlduffer zu regulivenhaben. Der EngiiſcheSie⸗ 
Lift auch ſehr confiderable , und bey denen darunter lehenden Engli⸗ 
yen Kauff⸗Leuten uote Reichthum und Vorrath / nicht allein 
ı allerhand. Engliſchen Manufacturen / ald Ladens / Eron-Kafdyy 
ırges, ee, (0 wohl Seidenals Wollenen/ Sandfchuhen/ 
ioyen/ Engliſch Kalb-und Sohl⸗Leder / Block⸗Zinn und derglei⸗ 
en zufinden / ſondern auch ſehr viel Waaren / vornemilich abge 
zewürtz / Specereyen und Droguiftereyen / Virginiſch Taba 
ameels · Zare und andere, Waaren miehr / welche die Engliſche 
evante, fund Abef- Igdien-Fahrers Fhrli aus die ſen Laͤn⸗ 
ern in Engeland — in groſſen Partheyen nad. 
amburg ůberſand werden. Es berkauffen —— 
eute nur etliche Tage in dev Wochen / weiches ſie Theu⸗ Tage nennen/ 
ad muß ihnen gegleiniglich / wenn man nicht Contant bezahlt / eine 
oligation — ehe man die erlauffte Waaͤren aus ih⸗ 
n Magazin darff weguchmen.. Diefe Dario insg die 
16 1,2 2 ev 


’ 


533 VDeam —— 
veraccordirte Zeit / entwe der auslauffen / oder berkauffen auch ſolche ge⸗ 
gen a „ welches fich der Ausgeber der Obligatiom 
nicht befremden laffen muß. Was auf die eingekauffte und erkauffte 
Waaren in Hamburg Thara, item por gutGewicht und proCortagio 
entweder Stuͤckweiſe oder nad) den ‘Werth der Waaren gegeben wer» 
den/ folches ift unter dem Wort Thara fpecificiret. DieBergleihung 
des Hamburger Maaß und Gewichts / mit denen übrigen Europäie 
ſchen Städten iſt unter dem Wort Maaß und Gewicht zu erfehen. 
Wegen das Gold-und Butter⸗Gewichts / wie auch Weiten / Rocken 
und Erbſen⸗ Maaß / vide ein jedes unter ſeinen Tiral, 
Das ʒZollweſen in u he ift folcher fehr erträglich/ 
und kommt bey weitennicht in Vergleichung mit den angelegtenZöllers 
und Acciſen inanderer Herrn und Potentaten ihren Laͤndern / allwo 
dbas Commereium bon Tag zu Tag mit neuen Auftlagen mehr beſchwe⸗ 
zet / imgeringften aber feine Douceurs denfelben zu erzeigen berath⸗ 
fehlaget wird / fondern alle Auflagen auf den Kauff-und Mittels⸗ 
Mann auslanffen. Oben haben wir gemeldet / des Hamburgs 
Yortreffliche Situation, daß felbe'zu den Handelö-Flor erhoben / in 
welchen es heutigd Tages Gottlob ſtehet. Laffet und aber auch als ei⸗ 
ne Mitwirckende Urſache nechſt der Göttl. Providence die Bätere 
fiche Vorſorge ihres Loͤblichen Magiftrats , die eingeführte Policey⸗ 
Drdnung/ und eben die heilſame Confilia, melde täglich in allen 
des Stadt Hamdurg ihren Collegiis , Hor das Aufnehmen diefer 
mächtigen Handel-Stadt geführet werden / hinzufügen / und die 
Begierde / welche jedermann bezeiget / in einen folchen Volckrei⸗ 
eben Ort / durch ehrliche Commercia ſubſiſtiren zu Fönıien / dabey 
sicht vergeſſen. Dann des Englifchen Stapels / fo vieler Neich- 
bemittelter Niederländifherund Refugirter Frangöfifche Familien 
anjetzo nicht zu gedencken / welche nechſt groffen Capitalien, auch ſtatt- 
liche Handlung der Stadt zugeführet / fo ſeynd die Eingeboh rue Ham⸗ 
burger Kauff⸗Leute felbft/ von langen Jahren her in der Poflellion ge⸗ 
ftanden/ daß fie Spanien und Portugall/ Engeland und Holland/bor 
ihr halbes Vaterland ( wann mir anders alfo von Ländern und Rei⸗ 
chen/die man von Tugend auf befahren in felbigen groffe Connoiflan- 
ge und habiruderworben/ Rattliche Contoirs auffgerichtet/und feine 
nechfte Bluts⸗ Freund etablſret / zu reden erlaubetiſt) halten/ und 
weil fie die Manter daſelbſt Handlung zutreiben /überaus wohl ver» 
ehen/ auch ihre Anberwandte mehrentheild zu Correfpondenten ha⸗ 
en/ alökönmen fig ſich dannenhero um fo biel auffrichtigere Bedie⸗ 
nung berfprehen/ und auch vor andern gute Waar / ja fo zu reden aus 
der erften Hand lieffern. Damit man auch don denen Waaren und des 
ven Preiſſen Rachricht Haben möge/ wird Die gewoͤhnliche Prys - Cou- 
ranı und wie felbezu verftehen gnugſame Rachricht ertheilen / worzu 
dann deren völligen Juuhalt hieher zu ſetzen / man nöthig erachtet, 






—— 
—* 


— * 


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| Ham | 579 
Mast und Gewicht in Hamburg betteffend / fo iſt allbereit von 
BerRedudtion ver Hamburger Ellen/und Pfunde gegen andererfänder 
Ellen / Maaß und Pfund Gewicht unter dem Titud Maag und Gewicht 
ausführliche Meldung gefchehen ; Hier diene nur noch zu willen dag 
die Hamburger Elle ı. Fuß / 9. Daumen) oder 2,2. Lignes des Fran: 
toͤſiſchen Fuſſes lang gehalten werde / welchem zu folge ſie nicht mehr 
als 5. von der Hollaͤndiſchen Ele macht / und hingegen die Hollaͤn⸗ 
diſche * · Ellen Hamberger / 100. Ellen Hollaͤndiſche aber 120. Ellen 
Hamburger / hingegen 100. Ellen Hamburger / 835. Ellen Amfterdas 


" mer machen, die Luͤbecker Eulen ift ı 3. kürker als die Hamburger sie» 


bien Zeit werden mehrentheild die Seiden Waaren nach der Bra. 
ander Ellen in Hamburg verkaufft / Von welcher s. Ellen / s Hambur⸗ 
ger Ellen thun/ s. Hamburger Ellen thun 7. Rürnbeuger / oder r, 
Yarden oder Engliſche Verges. eo. Brahander Ellen thun ꝛꝛ. Nuͤrnber⸗ 
ger / z. Yarden thun 4. Brabander / 5. Yarden thun 7. Nürnberger El» 
len / Hamburger Elle thut J. Nürnberger / oder 5. Yarden, 1. Bra⸗ 
bander Ele thut ı7. Hamburger 130. Nürnberger / oder $- Yard. 
Ruͤrnberger Elle thut ı$. Hambutger oder 32- Brabander / oder 
5-Yard, 1. Yarde thut iz · Hamburger oder 13. Brabander / oder 
17. Rürnberger. | I 
Das Handels⸗Gewicht in Hamburg beftehet in Schiff⸗Pfund / Cent⸗ 
nern / Ließ-Pfunden/ Stein/ und Pfund / ec — | 
1. Schiff⸗Pfund hat 2% Eentner oder 20; Lieh- Pfund oder 230, Pfund 
zur Fuhr aber zoo. Pfund. 
—— Ließ Pfund. oder ne. Pfund / 1. Ließ⸗Pfund hat 14: 
nd, 2 DR | 

— 2o. Pfund / ı. Stein Wolle oder Federn 10, Pfund. 
1. Pfund hat is. Ungen oder 12. Loth / oder ızs. Dbentien. Gold⸗Ge⸗ 
wicht ift unten dem Wort Gold / Butter⸗Gewicht unter dem Work 
Butter befchrieben. " 


Waitzen / Rocken und Erbſen · Maaß iſt in Ham⸗ 
burg / als folgsı: per 


entre Scheffel Täler Himpen Spint. 
2. Laſt hat 5. Mifpel/ oder 30. oder 6o. oder 120. oder 480, 


1. Wiſpel hat s. io, =» .20, ®», 40, .. 160, — 
1. Scheffel ⸗ Be Zur DR Zur Fa Zur 4 16. 
1. da [| — 2 .— ⸗ 2.* a $. 
1. Himpe. — — * 2 a j br 4. 
J Oo ⸗ In 


5g0 | Ham 
In Gerſten / Habern / und Hopffen hat 

Wiſpel Scheffel Faͤſſer Himpen Spint. 
1, Laſt 3. oder 30. oder 90. oder 180. oder 720. 
1. Wiſpel =» 10. = 30. ⸗60. * 240 
,, Shfll » — : u. 6 ⸗ mM 

Land⸗Maaß. 
3. Morgenlands hiltızo. Ruthen lang und s. Ruthen breit. 
1. Morgen hält zo, Scheffel Saat... 
1. Scheffel Saat iſt 30. Ruthen lang und ı,.Ruthebreit. 
1. Ruihe iſt s. Ellen oderis. Fuß. 
Wein und Bier / Maaß darinn bat: 
Abm. Stübgen Qvart Oecſſſel. 

. Fuder 6. oder 240. oder 950. oder 1920, 
. dm — ⸗ 40. *° 160% =» 320, 
I, un * — 2 — ⸗ 

bart . 
, Gebrau Samburger? Bier hat * ec diefen gehalten so. — jeht 
aber nut z0- Tonnen. 
r. Tonne Hamburger Bier Hält 4s. Stübgen. | 
1. Tonne Schmalbandzz. Stübgen. 


Ze hlende Büter. 


1 af Lüneburger Saltz / Hering / Rothſcheer / Theer oder andere | 


Tonnen⸗Waaren hatız. Tonnen, 
. Laſt Spanish Galg ıs. Tonnen. 
i. Groß Tanfend iſt 10. groſſe ——— kleine Hundert oder 
1200. Stuͤck. 
1. Groß Hundert hältz Schod ober «. Steige oder 120. Stück. 
+. Klein Hundert hat s. Steige oder 100, Stud. 
1. Schock hat ʒ. Steige oder so. Gtüd. Ä 
1. Steige hat 20. Stüd. 
. Zimmer hat4. Decher oder 40. Stück 1. Dieherso. Stüd, 
ı, Mandelıs. Stüd/ı, Dugend ız. Stück. 


Die wuͤrck lichen een in: HSamburg ſeynd 


Die Ducaten in Bold/ — * — — mit den Banco- Geld 

ſeynd / gelten gegen — eld>. Marcklũbiſch / etliche Schil⸗ 
ling weniger oder m 

Die ſſiberne Dusatons — bis 4 ÿ. Luͤbiſch. 


| Die | 


— " 


de Creutz · und Albrehtö-Thaler:.Y.4. bisr-h. 

in gemeiner Rthlr. in couranter Muͤntze 3. F. oder 48. f. 

ın Mechfel-Thaler auf Amfterdam und Braband 32. ß. 

in aan auf Ruͤrnberg / ttem ı. Kauffmannd-Thaler 
33 9.Lu . . 

in Mard hat ıc. j. Lübiſch. 

Tb. Slämifch/fo nur eine iagirte Münge ift/ hat 20. ß Flãniſch oder 
23 Rehle.oderrz: Mard. 1. Marcklüb. hat 23. ß. Flaͤmiſch / 
1.6. Flaͤmiſch thut ız. Groot Flaͤmiſch oder 6. j. Lubiſch / ı. Groot 

lamiſch iſt fo vielals s. 9. oder ein Sechsling / 1. Dreyling iſt 3. 
‚Lübifch oder halben Sechsling. | 

Ber Ducaten verwechfeln will gegen Species verliert s. bis 5. procent. 

ie en feynd 4. bids. pro Cent, fhlechter als die Ban- 
co· Thaler. 

)ie Daͤuiſche Cronen oder ſchlechte Thalers / difſeriren gegen Ham⸗ 
— Geld ı.big 2. und jetziger Zeit gegen Species bis s. 
procent, A i 

)ie alte füneburger und Brandenburger Dritteld werden zu zo. ß. 
oder ıs. gute &rofchen/ welches etwan 63. procentum Verluſt iſt / 
gegen courant Geld ausgegeben. 

Yie neuen Dritteld hingegen zu s. bis 29. j. welches / nachdem fie ger 
ſucht werden/ 2.10, his ıı pro Centum Verluſt iſt. | 

Sie Bräfliheund noch fchlechtere Dritteld/ werden mit ı6. bis ꝛ8. 
— weniger oder mehr Verluſt gegen courant Geld ver⸗ 
wechſelt. er 

a8 courant Geld differiret gegen Banco 18, biß ze. procent, 

3on der B+nco in Hamburg ift zu wiſſen / daß felbige eine bon den be 
en / reichſten / ordentlichften und purften in gan Europa fen / maſſen 

ichts anders ald alte wichtige z. Löhtige Rthlr. darinn gefunden wer: 

en / und werden die fo genannte Burgundifche Creutz⸗ oder Alberts- 
haler nicht angenommen. Aber in folcher Banco Kechnung haben 
zill / muß sich nach der desfals publicirten Banco-Drdnung richten/ 
emlich daß er die Aflignations Zettel über feine in Banco habende 

Felder in gebuhrender Form mache / nicht mehr in Banco aflignire/ 
(8er darinn in Credit ſtehet hat / wann er nicht anders bor jedes Huns 

ert / ſo er mehr aſſigniret / ins. Mard-Lübifch Strafe verfallen will. 

Bormittagd dor so, Uhr / und den gangen Nachmittag /-werden feine 

\lfignationes in Banco angenommen/man muß dann den Schreiber 
. Bl. dafür bezahlen. Ale 4. Wochen wird einmahl bon denen 
derren und deputirten Bürgern zu der Banco-Caffa , diefelbe über- 
ͤhlet / verſtehe diejenige / die in Die tägliche Einnahm und Ausgabe 

Ä ü ‚863; kommt / 


Ham De ıı 08 


58ß — Haͤm— — 
kommt / dann der cechte Schap und Capital der Banco bleibt meh» 
ventheild unangerühret liegen. Von folchen täglichen Umſatz⸗ Gel⸗ 
dern haben die Banco-Caflırer naht mehr Macht / als sooo, Rthlr. in 
ihre feine Cafla zu feßen/ mas über diefe Summa einkommt / müffen fte 
andie Herren und Bürger der Cafla. liefern. Wer in Banco etwas 
bezahlen will/ muß bor ır, Uhren die Gelder einbringen. Unter 100. 
Marck darff niemand in Banco ſchreiben laffen / darzu muß er noch / 
weileseine Kleinigkeit fl / 2. Schilling Schreib:Gebühr von ı00. 
bis z300. Marck geben. Des Morgens von. bis io. Uhr kan jeder/ 
Der Rechnung ia Banco hat/ fragen/ was ihm ded Tages zuvor zuge⸗ 
ſchrieben worden. Die Koften/ folde Rechnung in Banco zu haben / 
find wenig; der aber Fa Rechnungen in Banco haben will / muß 
vorhero die Bürgerfchäfft mitso, (pec. Rthlr erkaufft und gelofet ha= 
ben. Allezeit den legten Decembr. wird die Banco gefchloffen / und 
kommt erſt den ır. Januarii wieder auf/ gegen welche Zeit alle/die Rech⸗ 
nung in Banco haben / ſich in Banco einfinden / und zuſehen / ob ihres 
avanco wegen ihre Handeld-Büchern mit den Banco-Büchern rich» 
tig eintreffen/ / wobey denen Banco-Schreibern jedesmahl ein Kehir. 
bezablet wird. Will man nun alle neue Jahr nach gefchloffener Rech⸗ 
nung wiſſen / mas in Banco einfommmt/fo nennet ınan nur das Folio, wo 
Jeder feine Rechnung hat/ fo wirbohue einige Nahnıend-Nennung die 
Summa gegeben, 


Die Wechfel-Preifenin Hamburg feynd als folget: 

Auf Holland und Braband ı. Wechfel-Thaler von 32. $. Lübifch gegen 
33. 235. Stüber/333. Stüberiftalpari, 

a — Wechſel⸗Thaler von 32. j. Lübiſch vor ar. ayt. Wech⸗ 

el⸗Creutzer. | 

Auf Nürnberg ı. Thaler von 3. N Luͤbiſch vor so. a70. Creutzer cour. 

Auf Engeland 26. a38. j. Flaͤmiſch vor 1. Pfund oder zo. ß. Sterlings. 

Auf Franckreich 42. aas. j. Luͤbiſch vor 1. Ecus von so. $. Tournois. 

Auf Spanien 30. a 130, Groot vor ı. Ducatbonzrs. Maravedis. 

Auf Portugal4o,a 60. Groot vor ı, Cruzade von 400, Rees, 

Auf Benedig 90, a 100. root borı. Ducat von 24. Groſchen in Bane, 

Man wechſelt auch wolauf nachgefegte Manier: 

Als auf Holland und Braband gibt Hamburg 100, Rthlr. jeden zu 
43.5. Luͤbiſch / umin Holland unter oder über 100, wieder dagegen 
zu enıpfangen, 

Auf Franckfurt oo. Rthlr. um vis. bis 130. Rthlr. zu 90. Creutzer 
© urant dagegen zu empfangen, 


Auf Nürnberg 100, Rthlr, por 120, his 140, Kehle, zu 90, Creutzer 
coutant. | | Auf 


Ham Han 583 


(uf Franckreich 100, Rthlr. dor 102. bid 14. Rthlr. zu so, Sols. 
[uf Leipzig 100. Rthlr. vor 15. bis 35. zu 24. gute Grofchen. - 
uf Dantigıoo. Rthlr. ver 110. his 120. Rihlr. zu so. Pohluiſche 


roſchen. 

Ind alſo wird auch auf andere Plaͤtze / als wach Lũbeck / Breslau / Cor 
enhagen / Stockholm / ec. auf ſo biel pro Cantum Gewinn oder Ver⸗ 
aſt gewechſelt. | 

Gammerſchlag / Eiſenfeilig / iſt zur Färbung der Zeucheund Tü- 
her hoͤchſt ſchaͤdlich indem es dieſelbe verringert und verhaͤrtet / ſich 
in den Faden derſelbigen anhaͤnget / und ſolchen wie eine Schabe zer⸗ 
riſt / dahero es auch in wohl⸗abgefaſten nenn / eben 
als mie der Tournefol gänglicy verboten iſt. ' 

Handeln / Commercari , Franköftfch Negocier, Traffiqver, da- 
ber Commercium, Negoce, Traffic, die Handlung/Kauffmannfchafft/ 
was folche fen / nemlich allerhand Waaren entweder in Taufch oder 

jegen baar Geld umfegen/ und zwar dergeftalt / daß man ben folchen 
erkehren oderlimfesen feinen Vortheil finde/und die Waar theuerer 
ausbringe/ als fie anfangs gefoftet / oder auch eine übel abgängige 
Maar von Hals loß werde / und eine andere / zu der man beſſere Ans» 
wege weiß/ dagegen befonme. - ‘Wo diefe beyde Regvifica ſich nicht 
finden/ oder jemand eine unabgängliche/ theure / leicht verderbliche / 
betrugliche/ falſche Waar an fich handelt / Die er hernach nicht wieder/ 
oder doch mit groffen Schaden loß werden Fan / fonderlich / mann er 
ſich ſolchen Schaden dadurch) zuzichet/ weiler Feine gnugfante Kännt- 
if von der Waar gehebt/ bey derſelben nicht hergekommen / oder ich 
umders Qralität zuborn wohl erfündiget / fo heißt es mit ihm nach 
dem alten Sprichwort· Aandeln —9— Verſtand / iſt Verluſt vor 
der Hand: welcher Verſtand aber ſich nicht allein auf die Känntniß 
der Waaren / ſondern auch auf die Perſonen des Kaͤuffers und Ver⸗ 
kaͤuffers / item auf die Zeiten und Conjuncturen / auf den Ort des Ein⸗ 
und Verkauffs / wo nemlich die Waaren eingekaufft / und wieder hin 
debitivet oder vertrieben werden / erſtrecket. Iſt es nun / daß ein 
Kauffmann in einer einigen dieſer Betrachtungen fehlet / ſo geht ſein 
Handel nicht gut / und iſt Verluſt zu beſorgen / wie wir ſolches unter 
den Wort Kauffen / auch fonfehin und wieder in dieſem Buch mit 
mehrern angeführet, Es gefchiehet aber eine Handlung in allen 
Waaren / welche können gefanfft und verkaufft / und zwiſchen allen 
Perſonen / welche das Recht haben / daß ſie kauffen und Herfauffen koͤn⸗ 


nen. Nach der Beſchaffenheit ſolcher Waaren / haben ahch dieienige/ 
die damit handeln / ihren —A— Br den / Eiſen / 
nennet wer⸗ 


Seiden / Wollen / Leinwands· Handler und dergleichen 
| Oo A » gengen den / 


584 in. Han ' 
den/ in welchen Waaren fletheild ind Groß / das ift mit ganhen Gtü= 
dien / oder auch ind Klein bey Pfunden und Ellen handeln; Etlie 
he abet, noch geringer feynd / die mit Aushöcern allerhand ſchlech⸗ 
sen fudelhafftigen Waaren / oder mit haufiven und Randlauffen / item 
anfalle Bauren⸗ und —— ſich behelffen / worauf das Ju⸗ 
gie ſonderlich abgerichtetift / und möchte man ſolches 
nicht unbillig denen Weſpen und Fliegen in einer Republic verglei⸗ 
chen/ weiche einen Nutzen ſchaffen / und doch den arbeitfamen Buͤr⸗ 
gern) die mit den Bienen zu vergleichen ſeyn / den beften Safft vor 
em Maul wegſſchen / und daben allenthalben Striheund Merd- 
wahl ihrer Betruͤgerey hinter lich laffen. — 
Des Handels Erabliffement und — enges / wollen wir uns 
eben hier Hon der Nohtwendigkeit und Nugbarkeit Der Commercien, 
biel zu difcourigen nicht aufhalten / fondern nur mit wenigen vorftel> 
len / daß manches Land und deſſen Einwohner gleichſam bey den Haa⸗ 
ren zu der Kauffmannſchafft gezogenwerden / wanu nemlich ihr fand 
von Natur ſo biel Erdfrüchte aüsgiebet / daß ſie ſoiche unmöglich alle 
confurniven/ oder wann ſie einigen Mangel leiden / der aublaͤndi⸗ 
ſchen Zufuhr nichtentbehren Eönnen/ meraus dann die Handlung oder 
Die Commercia entftehen/ fonderlich wann eine Nation bor der andern 
ſinnreich / arbeitſam und unverdroffen/ und da felbige / wie etwan die 
Hollaͤnder / in einen kleinen und ſchichten Land wohnet / ihres Lands 
Mangelund pe Einwohner fhlechte Lebensmittel durch den Uber⸗ 
fluf anderer Fänder / item durch Manufadturen und Arbeiten (Mel= 
688 infonderheit bey Handeln und Mandeln zu Land und Waſſer vor⸗ 
ae u erſetzen ſuchet / und iſt es allerdings wahrſcheinlich / daß an⸗ 
anglich ein jeder die Fruͤchte feines dands und Ackers / item feine 
Kand-Arbeit/ nur denen wird haben zukommen laflen/ die derfelben in 
den Diftrit, Stadt oder Dorff / in welchen ergewohnt / feyud bedürff 
tig geweſen / bis endlich andere / die eben folcher Wear nicht groß nd« 
thig gehabt / indeffen aber doch andere Auswege 


gewuft haben / wohin 
und an wem folhe mit Nuhen (und damit lie ihre desfals mehrere 
Muhmaltung und Reife bezahlt bekommen mochten) wieder abzufe- 
hen / ſolche ebenfalls an ſich gehandelt / undfolcher geftalt ift der Han⸗ 
del aus der — andern/ dritten und vierten Hand entſtanden / aus 
welchen hoch heutiges Tages die ganhe Rauffmannfchaftt beftchet/ wie 
#8 dann auch sinen jeden darzu zu fchreiten/ erſtehe der in den Recht 


’4 


if / bay er kaufen und verfauffenfan) freyftehet. Es fängt aber mane 
er mit wenige an! —28* nad) Verlauff eis 
age ah groſſen ital Durch göttlichen Gegen aufs ein an⸗ 
erer hinge Mr exheyrahtet / ober bringt kaͤufflich eine (hör 


a Kandläh anſich / gedeyet auch wohl aber verdirbt dabey / — 
nem⸗ 


— 
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— WE | — u 


gegentheil ich bey denen er 


ne en — ⏑ 


En Han 585 
nemlich die Conduite und der Verſtand / zufoͤrderſt aber der Segen 
oder der anklebende Fluch / und das Berhängnif ein ſolches mitbrin- 

et. Diejenige / welche von Jugend auf bey einer Handlung herge⸗ 
—* / aufihrer Eltern oder Handeld = Patronen Beutel / Nutzen 
oder Schaden gelernet / was zu ihren Handel nuget oder frommet/oder _ 
Schaden und Berluft bringet/ wenn zu trauen / wie zu handeln/ und 
welche Waar / auch welcher Ein⸗ und Berkauff der befte ſey / die kom⸗ 
men genteiniglich/ fo (le anders in ihren Beruf GOtt fürchten / fleife 
ſtg / arbeitfam und era feyn/ wohl fort; Da hingegen das Ge | 
ugniet/ die Diefe Obfervanda nicht zu Her⸗ 
Gen nehmen. Von denen fchonetablirten Handlungen/ die mancher 
Fäufflsch an (ich bringet / nur noch etwas weniges zu gedencken / fo hat 
ein ſolcher Käuffer vor allen zu beobadhten/ fein Bermögen/ Credit und 
Capital, und dann die Conditiones, die bey dem Ubertrag / Cedirung. 
und Berkauffeiner folchen Sandlung ihm gemacht werden; Er mu 
confideriren/ob die Waaren frifch oder alt feyn ; in jenem Fall darff 
er doch nicht fo hoch als Marck⸗Preis gehen/ weil es nur ͤbernomme⸗ 
ne Waaren feynd / von deren Verkauff / wieer auöfallen werde / er 
noch nicht verſichert iſt: feynd ſie aber alt / fomußer (weitet Rifico 
laufft / daß ſie täglich fchlechter werden / und die Chalantey gleich an⸗ 
fangs ſichs davor abſchrecken möchten) eine hohe Refaction oder Abs 
— bun so. 20. und mehr pro Centum unter den ordinairen Preiß 
edingen / ſich auch nicht gleich durch Auszahlung baare Gelder ent⸗ 
dloͤſſen / ob ihn gleich eine ſolche Waare überaus wohlfeil gelaffen wuͤr⸗ 
de / weil es ſich beyeinen von Geld entblöften Kauffmann zutragen 
fan’ daß er auch an denen wohlfeilen Waaren in gewiffen Fällen vers 
lieren / und felbige noch fpöttlicher hingeben muß / als er fie gekauffet. 
Hiernächft mug er ſolche Waaren / ohne ein ander friſches Sortemene 
dabey anzufchaffen/ nicht allein auf dem Hals behalten) fondern dieſel⸗ 
be wieder aufzupugen/ umzuarbeiten/ zu fortiven und wohl zu verfte> 
hen wiſſen. Crbüte ſich auch / daß er die Terminen , in welchen er 


die gekaufte and übernoumnene Handlung zu bezahlen gedencket / nicht 


kurt fee / oder zu groffe Summen auf einmahl einmillige; die 
Ehlechte Bezahler nicht vor gut annehme/ oder (ich felbft zu Bezahlung 
des Verkaͤuffers Paflir-Schulden engagire/ fondern fich vorhero ei⸗ 
nen richtigen Billang und Inventarium zeigen laffen/ und dann erſt mit 
Vorbedacht und Zuziehung guter Nahtgeber zus Handlung ſchreite. 

Aandels-Compagnie, vide Compagnie Handlung. 

Anandfehue/ Chirotheex, des Gants, feyd ber) den Kranıern Paar- 
weiß/ bey denen nach Engeland/ Frandreid und Stalienhandelnden 
Großisern aber nah Dugend u / weil bis anhero * 

07 Laͤn⸗ 


J 


⸗ 


586 Han 


Finder ehr viel Handfchueausgegeben / wiewol ſolche nun mehren- 


theils in Teutfchland (ausgenommen was die Parfumirten anbelan- 
geh reiht gemacht werden. Es feyndaber die Handfhue entweder 

anna / Frauen-oder Kinder⸗Handſchue / jene wieder Reit oder 
Fecht / Winter-oder Sommer-Kandfchue / insgemein Yon Hirſch / 
Reh / Bock / Schaaf / Ziegen / Hund⸗und Katzen⸗Leder / auf unter⸗ 
ſchiedliche Manier / mit und ohne Geruch / von allerhand Couleuren, 
manchmahl fo ſchoön und fubtil/ auch gantz zart und weich / aufChamois 
Artzubereitet/ daß man felbige/ warn ſie ſchmutzig feynd / wieder 
waſchen kan. Man hat auch doppelt von Leder genähete / ſchoͤn ge⸗ 
ftichte/ mit Rauchwerck gefutterte/ ſchwartze Trauer und mit gewiſſetr 


_ Pafta, die Hände des zarten Frauenzimmers fubtil und weich zu eihal- 


ten/ zugerichtete Handfchue/ item Wollene / feine und grobe/ geſtrickte 
und gemwebte/ gewalckte und ungewalckte / weiffe und couleurte , Von 
Geidene und Leinene oder Zwirnene Handſchue / die ſich jeder nach 
feinen Belieben und Facen , nad) der neuen und alten Mode , mit 
Franhen oder Galonen beſetzt mit Gold⸗Drat / Seide oder Zwirn 
brodirt, mit gantzen oder halben Fingern ausſuchen und beſtellen kan. 
Mor dieſen kamen die ſchoͤnſten un groͤſtẽ Hirſchledernẽ Handſchue aus 
Engeland / die ſchwartzen Trauer⸗Handſchue (Gants Broules genannt) 


aus Franckreich / die arfumirten mit einer geſticktenLilie auf den Dau⸗ 


men / aus Italien / weil ſie daſelbſt die Parfum friſch und in Abon- 
ãaoh haben; mie fie dann auch nad folhen Parfum , mit welchen ſie 
parfumiret werden / ihren Rahmen tragen / ald daß fie Ambrette, 
kafmin,Fraachi pani, &o. genennet werden. 

Den Ambra-Berudein paar Handſchue zu geben / nimmt man Am- 
bra-Grifea und Zibeth/ jedes ein halb Quentin / Mufcus s. Gran, alles 
wohl in einen warmen Mörfer/ und ein wenig Nofen « Waffer unter 
einander gerieben/ hieraufferner ein wenig Gummi Dragant · Waſſer 


darzu gegoſſen / und mit diefer Mixtur die Handſchue beftrichen, 


Spanifehe Handſchue zu machen / fonege fle wohl mit Brunnene 


Woaſſer / laß ſie hierauf trocknen / undnege (fe abermahl mit Rofen> 


Waſſer / und wann ſie alsdann trocken ſtynd / fogib ihuen die Farb mit 
Umbra-Exde/ die mit Dragant · Schleim vermenget iſt / Laß (le bier» 
auf abermahl trocken werden / und raͤuchere ſie als dann wohl durch mit 
Paſtillen oder Raͤucher⸗Kertzen. | 
Der Betrug welcher in Parfumiren und Zubereiten der Haudſchuh vor⸗ 
ehet/ beftehet darinn/ daß ihnen nicht zubor die in den Leder fledende 
chärffe und Kalch benommen wird/ daß man ihnen auch nicht mit der 
Farb den Mufcus undAmbra dergeftalt einbeiget/dap fe langeinStüd? 
an ihnen iſt / auch der Geruch bleibe/fondern man fuhrt nur fuperficia- 
fiter mit den Parfum über fie hin / legt fig etwann über ein Sieb / Bert 


— — — — — 


— ww ww — — — 


— — — — — 


Han | $87 
ſtellt unter folches eine Glut-Pfanne mit Kohlen / auf welchen fie etwas 





wohlriechendes / als Storax / Benzoe und dergleichen brennen/und den 


Rauch durch das wohlvermachte Sieb gehen laſſen / wann nun ſolcher 
das Sieb wohl durchgezogen / und alſo die Handſchuh mit den Rauch 
gebeihet worden / ſo legt man ſie in parfumirtes Papier / damit (ie 
den Geruch behalten / und ſolcher nicht ausluͤffte / allein ſolcher währet 
etwann 3. oder ia. Tage/ wann die Handſchuh getragen werden/und 


damit iſt auch der Geruch verlohren. 


Dei Einkauf der Handſchuh en gros, gefhiehet/ wie ſchon gemeldt 
entweder in denen Ländern und Städten wo (ie gemacht werden / von 
Den Kauff-Reuten die damit handeln/oder denen Handſchuhmachern / 
bey Dusend/ undaud) a aber hat man in Reipziger 
Meſſen allerhand Sortementen vor ſich / fonderlich vonParfumirten/fo 
wohl Italiaͤniſchen ald Frautzoͤſiſchen; an denen Orten Teutfchlands/ 
wo ſich die Frantzoſen niedergelaflen/ hat man die feinen gewalchten 
Winter⸗Handſchuh zimmlichen Kauffs / und alfo nicht mehr noͤthig / 
felbige aus Franckreich zu verichreiben. Aus Ißland kommt auch eine 
Art grober wollener Handſchuh vor die Keifende und Baurs + Leut/ 
welche nicht viel Geld anzuwenden haben / und doc) gleichwohl Die 
Bände des Winters gern bedecket Haben wollen; fonften feynd auch die 
Randerſchen Handſchuh fehr beruhint/ welche zu Randerſen in Rorder 
zn gemacht / und zufolchen das Leder dergeflalt zubereitet wird/ - 
af mans gar offtmahls waschen kan / das Dugent davon kommt et- 

wann zwey biö drittehalb Rthir. und haben groſſen Abgang. In allen 
andern Arten Handſchuh / einen gewiſſen Preiß zu dererminiven / iſt 
nicht wohl moͤglich / weil jeder Kramer denfelben vor ſich felbft auffö ge> 
nauſte zu bedingen ſuchet. 
Bandſchuh⸗ Blumen / Primula veris,Betonica Alba. 

Hanowerlfs- Waaren / ſeynd allerley / aus Holtz / Stein / Metal⸗ 
len / Leinen / Wolle und Seide verfertigte / und in dieſen Werck hin und 
wieder weitlaͤufftig beſchriebene und fpecifiiirte Manufacturen. Bon 
denen Handwercks⸗Leuten ſelbſt und ihren unter ich habenden Mip- 
braͤuchen / ſchreibt D. Becher in feinen Polit. Ditcurfen/vonYufundAb- 
nehmen der Staͤdte / in den Capitel von vr Maͤyntziſchen Policey · Ord⸗ 
nung/p. 73. alſo: | | 


1. Die Handwerdö-Leute follen ihre Arbeitredlic und auffrichtig 


machen / und liefern / auch wann wegen des Preiffes Streitigkeit 
vorfaͤllt / folles yon denen darzu Depuctirten æſtimirt / erkennt und de- 
cidirt werden/und dabey allerdiugs verbleiben. 

z. So von denen Depusirten einige Arbeit falſch erkannt wuͤrde / ſolle 
ſolche uuſerem kiſco anheimgefallen ſeyn / und der Meiſter ſolcher fal⸗ 
ſchen Arheit / mit Ernſt geſtrafft werden. 8 . 


588 Han 
3. Rachdeme auch viel Klagen einfommen/ daß die Handwercks⸗ Leute 
allhier bisweilen Geld auf die Hand / bisweilen keins zuvor annehmen / 
die Arbeit aber doch anf eine gewiſſe Zeit derſprechen / ſolche zwar 
auch aufangen / nur damit ſie kein anderer Meiſter anninumt / nach⸗ 
mahlen aber die Leut eine lange Zeit mit ihren Schaden lauffen laſ⸗ 
ſen / auch noch wohl gar loſe Worte darzu geben / ſo ordnen und wol⸗ 
len wir / daß ein jeder Meiſter feinem Belieben nach eine Zeit / darinn 
er ihme die Arbeit geraumlich zu machen oder zu verfertigen getrauet / 
benenne / und ſo die Zeit vorbey / ſoll ihme auff jedes begehrtes vier⸗ 
tel Jahr / noch ein Monath / auf einen Monath eine Woche / auff 
eine Woche aber drey Tag Zuſchuß Zeit gegeben werden / ſo er dann 
mit der Arbeit nicht zu haͤlt / ſoll er der Partey die Materialien wieder 
zuſtellen / und ſo bereits daran gearbeitet / ſoll ein anderer Diei- 
ſter Frey und Macht haben die Arbeit auszumachen / der vorige 
Weiſter aber ſoll / ſo biel er bor der Arbeit Anfangs begehrt / der 
Parthey geben / und darzu noch in unſer Straff verfallen ſeyn. 
4. Anbelangend dieZünffte/ wollen wir ſolche bey ihren alten@ewohn« 
heiten Hand haben / doch ſoll das bergebliche Schelten der Geſellen o⸗ 
der unredlich rinachen (wie ſie ed nennen) ohne Confens der Depu- 
a — abgeſchafft / und ſolche Schelter um drey Gulden ge» 
afft werden. Zu 
ft Weilen auch viel Streitigkeiten entſtanden / derer jenigen wegen / 
fo da vor ſich arbeiten / und gleichwohl kein Meifterftüc noch gemächt 
haben / die Koften hingegen fehr viel fallen und es meiſtent heils aufs 
Treffen und Sauffen dev andern Meiſtern gerichtet ift/darüber gleich» 
mohl mancher guter Befell/ der doch fonften gute Arbeit / und aud) 
beffer als ſie machen kan / zurück ſtehen muß / fo feten und ordnen 
wir /dapdasienige Geld / fo bey Ausfertigung eines Meifterftüds 
auf Eſſen und Trincken der Meiftergehet / gänglich caflırt und ab⸗ 
efchafft werde ; der Gefelldasubrige halbe Geld gebe/ und fo er 
ch allhier fehen will / die andere Helft aus unferer gemeinenStadt: - 
Calla ihme geveichet werde / da eraber verreifen/ und jich ander» 
werts nieder laſſen wolte / fol er diefes ihme vorgeſtreckte Geld 
Doppelt wieder geben/ fonften foll es ihm gefchendet/und ein Jahr lang 
befreyet feyn. u — 
6. Wir ordnen auch und wollen / daß jede Handwercks⸗Leut / fie ſeyn 
berheyrathetoderledig / ob ſie gleich ihr Meiſterſtück nicht gemacht / 
noch in der Zuufft feyn / noch ihren Geburts⸗Srieff haben / falls füe 
ute Arbeit machen / undfolde approbirt wird / fie ſich auch allhier 
gen wollen / frey und ungehindert arbeiten follen / fo viel ein 
Perſon allein kan arbeiten/ doch follen fie halbe —————— 
| 0 


- Han BEE 389 
detragen / und follen bey Straffe 12. fl.“weder von Meiftern noch Ge- 
“ fellen gefcholten werden. | 
7, Dalich auch etliche Jungens befinden / welche ein oder ander Sand- 
werck lernen wollen/ und (ich bey unfern Vorfteber » Amt anmelden/ 
auch ih obligiven/ heut oder morgen (id) allhier zu fegen / und 
Meifter zu werden / fo follen die Meifter diefer Stadt / gedachte 
Lehr» Tungen in unferm Nahen aufzunehmen ſchuldig ſeyn / Hin» 
gegen ſoll unfer — ſich des kehr · Geids wegen mii ihnen 
Hergleichen / und ſie d ßz zu frieden ſtellen. 
8, Wann auch einige Liebhaber in unſerer Stadt allhier wären /und 
diefelbe etwann vor (ich Fünftlen / und darzu einen ——— 
wolten / denen fol don dem Handwerck ſolcher Geſell ohn geſcholten 
und ohnangefochten gelaſſen werden / bey Straf jedes mahl ſechs Guͤl⸗ 
den / doch daß gedachte Perſon Feine braͤuchliche Handwercks ⸗Waaren 
| rg ei — n/ und den Meiſtern dadurch Schaden thun / bey Verluſt 
olcher Ar t. 1* | 
Das Propolium welchesunter den Handwerckern borgehet/ theilet - 
bemeldter D. Becher ein in dreyerley ald Ci.) inden Propolat mitdes 
nen Gefellen / zweytens in den Verdienſt und ir der Arbeit) 
und drittens in die Confumption unter den Kund⸗Leuten; bei) den 
erſten ergehleter / tie ſauer ed manchen Meifter mit feinen Befellen 
werde / fonderlich wann der Meifter etwann biel zu arbeiten hat / und 
der Gefell vermercket / daß man ihm noͤthig habe. Da er dann dem 
Bogen entweder zu hoc) fpannet / dder feinen Abfchied nimmt / wand 
er zubovdem Meifter bey müfliger Zeit lang genug auf den Hals ge⸗ 
legen / zu welchen Uhermuth le animirte / daß fie gleich müften an» 
derwärts wieder Arbeit zubekommen / welches aber bey den Hand⸗ 
werckern ein heimlicher Propolat wäre; der andere Propolar beſtunde 
fin den Pretio,dap entweder die Handwercks⸗ Leut fich untereinander be⸗ 
redeten/ ihre Waaren ſo und fo theuer zugeben / oder daß der Reiche 
den Armen zum Trutz verkaufte / und die Waare wohlfeiler gebe/ 
als es der Arme thun Fönte / bloß damit er ſolchen ruinirte / und 
Das Reich allein behielte. Die dritte Art hielt ia (ich die Abſpan⸗ 
nung derKunden / Diefetwäre nun fehr gemein unter den Handwercks 
Leuten / wie fie dann and) hierzu unterſchie dliche Wege brauchten/ als 
daß erfklich einer desandern Arbeit berachtete / feine eigene Waar 
wohlfeiler gebe / die Kund⸗Leut mit liſtigen Worten an (id) lockte / 
er Sag prechungenthäte / und ſolches doch hernach nicht hielte/ . 
welchen Unweſen insgeſammt wie Herr D. Becher vermeynt / durch 
ein augemeines Werck und Zucht-⸗Haus koͤnte begegnet werben. 
Wann nemlich eine Lands · Obrigkeit auſſer dem Zucht⸗ Haus / in wel· 
ben muthwillige Bettler zur Arbeit angehalten wurden / ein — il⸗ 
ges 


| 590 Han 


liges Werck⸗Haus / in welchen Meifterlofe Befellen glei t ſin 
> den/die Meiſter aber / welche Geſellen beduͤrfften / tüchtige Kerls 
befommen koͤnten / anrichteten / fo koͤnten dadurch alle oberzehlte 
Gravamina feihtlich gehoben werden. Ob nun zwar diefer, An» 
- flag fehr gut / und wie wir in unfern vollkommenen Policey «Rath 
Künftig melden werden / gewifler Maflen wohl könte ins Werck ges 
richtet werden / ob ſchon nicht von der Obrigkeit / jedoch auf eineane 
dere Manier von Meiftern felbft / daß fie lich alfo feines Abgangs ihe 
ver Nahrung / wie ben den Publigven Werd-Haug zu beforgen hät» 
ten / ſo iſt es doch his anhero / weder aufdiceine noch andere Manier 
nicht eingeführet/ ſtehet auch fo leicht nicht zu hoffen / bis dahin aber 
möchten die Handwerdd-Zünffte ſich wohl uber gewiſſe Starucen (ihr 
ve unarrige Geſellen dadurch in Zaum zuhalten ) zufanımen unter» 
reden / hiernechſt auf ihre eigene Confervation, und ihrerZunfft reiche 
und arme Glieder bedacht feyn/ daß beyde beybehalten blieben / und ' 
eigennügige Kauf-Leute ihren nicht immer den Daumen auf den 
Aug hieltem / oder das Marck aus den Beinen preften / zu welchen 
Ende eine Handwercks · Zunfft / eine gemeine Caſſam halten / und damit 
ihren Rothleydenden Mitt- Brüdern aus und auffhelffen koͤnte / oder 
das geſammie Ant koͤnte ins Groß eine Waare von den Kauff⸗Leuten 
auftanfien / vor die Bezahlung ſtehen / und hernach ihren armen 
Reben⸗Meiſtern / das But auf Credit — die davon verfertigte 
Arbeit aber nad) Abzug nöthigerfebens-Mitsel wieder zu ich nehmen / 
und ben Kauff-Lenten/ wann der arme Meifter felber keine Rund» 
ſchafft haͤtte / uͤberlaſſen; die Kaufl-Leut hingegen müften ihre Landes 
Mänufacturen / ſonderlich wann ſie anderwärts nieht Eönte nachge⸗ 
macht werden / in Feinen fpöttlichen Preiß bey den Ausländern 
bringen / oder um neue Commisfiones an ſich zu ziehen, felbige Poſt⸗ 
täglich wohlfeiler ausbieten / der Haudwercks · Mann auch bei) feiner 
—— / und nicht ſelbſt zu handeln anfangen / jederzeit 
auf neue Muſter und Facon bedacht ‚feyn Zum dadurch die Waar in 
Eſtim, Abgang und bey der Mode zuerhalten/ wordurch dann Die 
Fuſcherer bald geftöhret/ und eine Zunfft in ihren Wohlfeyn würde 
erhaltenmwerden. Kin mehres von Haudwerckern / Zunfften und 
Innungen/ denen dazu gehörigen Perfonem/ ihren Rechten und Bes 

wohnheiten / vide in unfern neueroͤffneten Manutacturen- Haus, 

Don denen duch die Handwercks⸗Leut entweder aus Underftand oder 
Nachlaͤßigleit verdorbenen ober verlohrnẽ Waaven/ftatuiven die Rech⸗ 
te / daß ſie den Werth dafuͤr zu bezahlen ſchuldig ſeynd / dann es hatein 
ſolcher Stuͤmpler in den erſten fall ſich vor einen Me ſter der Kunft aus» 
gegeben/ dannenhero er auch eulpam levisſimam zu præſtwen ſchuldig 
iſt / BHrunpem. ad!, 28. C. locat. alfo mug ein Schneider des Derdorbes 
hen 


— — — — 


a a DM 
nen Kleid/ ein Faͤrber den verbrennten oder verdorbenen Zeug gut 
thun ; in den andern fall da ihnen ein But ausder Werckſtatt weg- 
kommt / undgeftohlen wird / muͤſſen ſie ſolches ebenfalls bezahlen/ es 
wäre dann daß es bey einer unberſe henen Feuers · Brunſt oder Einfal⸗ 
len des Gebaͤues geſchehen / in welchen fall ſie nicht mehr zu erſtatten 
— ſeynd / als davon übergeblieben / ja ſie koͤnnen / ſo weit die Ar⸗ 
eit fertig geweſen / den verdienten Lohn darvon fordern / vid. J. z3. ff, 
locat. 


Haͤnff / Cannabis, ein bekanntes Kraut / bon ſonderbahrer Krafft 
und Eigenſchafft / vornemlich wann es zum Gebrauch zubereitet / 
iſt eine gar Courante Waar / ſonderlich in den Gee-Gtädten da es zu 
Seegel⸗ Tuͤchern / Fiſch ⸗ Netzen / Stricken und Tauen ſehr häufig ber» 
arbeitet wird / zwar nehmen einige zu diefen lehtern aus Mangel des 
Haͤnffes / ein ander Gewaͤchs welches einen zähen Baſt hat / wie dann 
davon die fo genannten Matten / welche zur Emballivung der Waaren 

dienen / item auch biel dide Brunnen-Geile gemachet werden / allein 
wer Strid und Zauen von Hänff haben kan / wird Feine von Baſt 
verlangen. Es iſt aber der Hanff leicht und nüglic zu pflangen/ 
dann wer einen unfruchtbahren Fiih> Teich ablaufen laͤſt / ſel⸗ 
bigen hernach umadert / und mit KHänff» Gaat befäet/ der macht 
den Boden dadurch fein mürb / daß die Karpffen defto befler ge- 


deyen. | 
Es iſt aber der Hanff zweyerley / maͤnnlich und weibliches Geſchlechts / 
jenes hat einen eingigen hohen und holen Stengel / mit länglicht ſchma⸗ 
len ſpitzigen und — Blaͤttern / trägt auch Feine Blumen / fon» 
dern nur runde Saamen Haͤuslein / die den Hanff-Saamen in ich 
ſcheſſen / das Weiblein Hingegen iſt höher als das Männlein / bat 
Beine Aeſte fondern bringt gelbe moſigte Blumen, die zu Staub wer⸗ 
den/und feinen Saamen hinterlaffen / iſt in übrigen gang geſtum⸗ 
melt / und viel ehr zeitig ald dab Männlein/ bringt ah en zaͤrteres 
Werck und Baſt / weßwegen man es alsdann ausziehen / und in Buͤ⸗ 
ſchelein binden / das Hanf Männlein aber ſtehen laſſen muß / damit 
ſolches defto beffer zeitigen moͤge worauf es manchniahl fo hohe und 
dicke Stengelträget/ daß manaus ſolchen Kohlen zum Büchfen: Pul⸗ 
ver brennen kan. | 
Die Zeitwann der Hanff gefdet wird / ift gemeintglich in Martiound 
— abnehmenden Mond / je dicker er gefäet wird / je kleiner and 
4 das Geſpinſt / wird er aber dünn gefäet / ſo wird er zwar 
grob und groß / bekommt auch viel Körner / das Geſpinſt aber da⸗ 
bon iſt nur ſchlecht. Er will ein fett geſchlachtes und wohl gemiſch⸗ 
tes Erdreich haben. Wann er nun zeitig / ſo wird er —— in 
oo. ekı 


592 2>] | BEE 
Bufcheln gebunden / auf den Feld getruckuet / .... e⸗ 
droſchen / den folgenden Frühling daraufs. oder 10. Tag ius Walker 
geleget/ bis feine Rinde gang locker wird / und ſich gern bon Ward 
und Kern abfcheidet/ hierauf wird ev abermahl / auch wohl beym Ofen 
aetrocknet/ hernach mit Schlägelm geklopflet / und in denen hierzu ge» 
machten Brechen gebracket / endlich wohl geſchwungen u achecyelt/da- 
mit das Marck oder die guten Haar von den Werd und Sloden ab» 
efondert werden / und fo kommt er endlich unter dev Hand der 
pinnerinn. / und folglich unter die Weher und Geiler. " 
Heutigs Tags — Moſcau / Lieffland / Eurland und Polen/ 
alle Europ Hr Gee:Städte mit Haͤuff welcher in groſſen Bun⸗ 
en/ ehliche Schiff- Pfunde ſchwer / bey gantzen Schiffs⸗ Ladungen voll 
eraus gebracht wird. | F 
———— iſt unter allen der beſte / weil er weicher 
- undgelinder alsdie andern / und rein ohne Schev / Heede / oder Werd 
{ft/ dahero er auch den Rahmen von Rein⸗Haͤnff bekommen / ſein Preiß 
it ietziger Zeit in Lͤbeck io. bis 17, Rthlr. und wenig darauf zu ver⸗ 
dienen / weil er faſt eben fo viel in Riga Einkauffs koſtet Nach ihm iſt 
der Narvifche und Reuſchantzer / welcher aus Moſcau and Carelen 
Fommet. Die dritte Sortifl der Rigifhe und Narvifche fo genannte 
Pas: Hänff kommt in Bunden/ von anderthalb zwey bis drittehalb 
Shif-Pfund / undift noch gang voller Scheeff und Heede / und in 
Summaungebradet: . | ; 
Danff⸗ Seede / wird dasjenige genannt was aus deu Haͤnff / wann 
er rein gemachet worden ausgehecheit wird / kommt zumeilen gang 
ioß / zumeilen auch in groffen Bundengebunden heraus / und iſt in 
fchlechten Preiß / von ehlich wenig Thaler das Schiff⸗Pfund 
pn Grkauffung des Hanff⸗ Saat / oder Saamens mug man acht ha⸗ 
en/dafer heurig/neu und friſch; ev waͤrmet und trocknet tn dev Artze⸗ 
ney / und vermindert / wie etzliche dafuͤr halten / die Zeugungs · Krafft 
bey den Männern; wann die Huner des Winters —2 geniefe 
n/ werben ſte gar fett davon. Die Tüͤrcken follen ein gewifles Pul⸗ 
ser mit Hänf-Saamen vermengen / welche Mixtur fie Heiranlue 
tenten / diefes in Wein eingenommen / fol den‘ Menfchen gar 
fuftig machen/ und zu allerhand laͤcherlichen Geberden reitzen. 


Hauff · Kraut / Linatia. 

Zanffmann / Orobanche. 
Zarckel⸗Kraut / Anemone Sylveſtris Hetba Venti. | 

Zarn⸗Kraut / Linaria, Emetrium, Herniaria , Herba Uri. 
nalis, | 


„Harponen , ſeynd die Wurff⸗ Spieß / da man die Waufifch; nit 
fängt. N . Aari 





— — — 


— Har Hau 5% 
 Aarı Heniſch / Vitis.duracina Major. . Ü 
. Hart Heu / Uyperiaum Perforata. — 
art Rigel / Liguftrum offea. Pa, 
artz / Refina, ift ein fetter und Öhligter Ligvor, dertheils bon (ich 
felbft / theils durch Verwundung aus den Blumen fließt / und iſt 
weyerley flieſſend oder hartlicht Flleſſende Reſinen feynd / Terc 
ee Cypriaca ſ. Veneta Cyperiſcher oder Vene diſcher Terpen⸗ 
tin / Vulgaris dito gemeine/ Pix liqvida flieffend Pech; Hartliche Re- 
Iınenfeymd: Refina Anime oflic, Gummi anime, Guumi Anima / 
Caranna Gummi Carannæ, Coopal. Elemi offic. Gum, Elemi,Lacca, 
Pix greca,Colophonia, Tacamahaca, Thus, Weyraud. Die Re- 
Ginen werden meiftentheilg deftillirt oder bielmehr reätificiret / weil 
men nicht anders dann in der Redtification derer Del erftlich nit ges 
Tinden Feuer/ den öhligten/veinen/fubtilen und klaren Theil / alsdann 
nit ſtaͤrckern Feuer / den groͤbern und farbichten aber / nemlich den 
gelben/ und endlich mit noch mehrern Feuer das vohte Del herüber 
treibet ; Willman diefe befonderg anffangen/ fo befömmtman drei» 
erley Oel / deren das erfte Spiritus genannt wird / das Belbe behälf 
den Rahmen Del/ das leßtere Rohte aber nennet man Balſam; was 
don dicken Wefen überbleibt/ wird Colophonium genannt. Es ben 
gen aud die Thüringer Sarg in Heinen Fäßgen an auswärtige Dere 
ter / welches aber eine Art bon weiſſen Pech it. | 

ar: Aepffel/ PomaOfficinalia, 

Hartz ⸗Klee / Trifolium refinofum vel bituminofum, 

Harz: Wald / ift wegen der darinn befindlichen Bergwerck be> 
kannt / aus welchen viel Bley und Blett/ famtandern Mineralien ge⸗ 
zogen / und haͤuffig nach Hamburg und anderwaͤtts hin verſandt wer⸗ 
den. Vide Bergwerck. 

Saar· Wurtz / Hartzſchwart / Nymplæaaa. | 

Haͤſeling / Sqvalus minor ‚Capito fluviatilis minor, ift ein Fiſch⸗ 
als ein groſſer Hering / wird in der Oder und in der Doß / die ſich in 
die Havel ergeußt / ſehr haͤuffig gefangen/ aber nicht biel geachtet. 

Haſen⸗ Ampffer / Haſen⸗ Klee / Acetocella. | 

Haſen⸗Aug / Caryophillara tertia, 

Saſen⸗Oehrlein / Haſen⸗ Wurg / Alarum, Azarum, 

Aafen-Papeln/ Malvafylveftris, 

Aafen-Pötlein/ Lagopu;, 

Aafpel/ Scilla, 

Haſpel⸗ Garn / Linum, 

Hauckblat / Uvularia. 
Haudern heißt bey denen nach den Meſſen reiſenden Kauffleuten 
Pp 


extra- 


— 


—— — — 
Fe “ 


59431. YAM Hed 


— — — 


extraordinaire Fuhren und Wagen / von einem Dorff ober Fleden 
um andern / von >. a Meilwegs nehmen / wodurch ſie eben ſo ge⸗ 
fhmind als offt mit der Poſt fortrommen (berftehe an ſolchen Orten/ 
vo folche Relais-Pferd/ als wie in dem Brandenburgifchen und Lüne» 
burgifchen angeordnet ) dabey ſie dann ihre eigene Kompagnie choi- 
Seen / des Rachts nach Belieben ruhen / und langſam und gefchwind 





fahren; auch diejenige Koute halten koͤnnen / welche ihnen zu ihren Al 


faireu/ Plaifır oder Commodität am bequemſten zu ſeyn dündet. 


Hauhechel / Hartelhau / Hackelkraut / Ononis, Reſta bovis. 
Zaͤuren / vide Mischen: 
Zauſen ·Blaſen / Ichtyocolla, Colla piſcium, Arabiſch Alkanna, 
kommen von einen Fiſch / Hauſen genañt / welcher haͤuffig in der Donau 
und Wolga gefangen wird. Die weiſſeſte Hauſen⸗Blaſen feyud die 
beften; ſie muͤſſen ich gern brechen laſſen. Ihre Zubereitung geſchie⸗ 
her folgender maſſen: Man nimmt benieldten Fifd,es Haut / Ges 
darm Magen und Floß ⸗ Federn / fhneidet alles in Heinen Stüdlein/ 
macerirts in warmen Waller / kochts beygelinden Feuer / zur Dide 
eined Breyes/ und laͤßt eb erkalten / ausdiefen Blafen wacht manleis 
ende Pflafter/ item Galreyen und Mundleim. Es brauden auch 
ſolche die Wein⸗Verlaſſers / den Wein damit zu bereiten. - | 
Zauſer / bewegliche /fommen in der Stadt Moſcow gang fertig 
anf dem Marck zu kauff / derftche/ daß man bie Balcken / wie jie in ein- 
ander follen —5— werden / gantz fertig zu recht gezimmert / und der⸗ 
jenige / der fein bölgern Haus in Branutverlohren/des andern Tags 
nur dingehen/und ein neues wieder kauffen und aufrichten daft; Sol 
er nefal konnen Die Mofcowitifchen Haͤuſer inter res mobiles ge» 
rechnet werden. | j 
Asus: Wurt/ Sedum Majnr. 
Hausmarck / Apium domeſticum. 
Hautbois, Schalmeyen. 
Hecht / vige Lucius, 
deckelkraut / vide Hauhechel. 
Hedera arborea, Epheu/ Eppich / waͤchſt an alten Mauren und Bau⸗ 
men. Div Blätter reinigen das Haupt / dienen auch vor Geſchwür 
und alte Schäden. | | | | 
Hedere Gummi, wird in Teutſchland von den groffen Epheu ger 
ſammlet; wann es gelblicht und rein ift/ auch nicht viel Sand hat / da⸗ 
bey nicht ſchwartz ausſiehet / fo iſt es gut zu behalten; co iſt gantz tro⸗ 
cken / und von wenigen Abgang. | 
üederaterreftris, Corona teır® , Gundermann / — 
er wid 


— — — — — 


Hed⸗ Hei 595 


wachſt hauffig auf den Wiefen und in den Gaͤrten it ein fohbetit, 

‚Ges gutes Bruftsund Wund⸗ Kraut / hilfft auch vor bie gelbe ua 

ederich / Erylimon,Mris, | one J 

Hedipnos Major, Taraxacum⸗ | 

Deydenhonig / MelEricaümn. 5 

: Zeyden-fop/Confölidafolisi;. 2: 
* Geyden-Schniudh, los Tin$toriws major, vel Serratula Tin 






Noria. 631 
Heil allen Schaden / Cruciara, 
el Anthora. > "U, 
ArilsBlöclein/Sanicula Montana) Campanula SS. Trinitaris, 
Seil⸗Wurtʒ / Saclaparilll, 00 0000 —— 
— Zßzsrutig wird geſagt / wann die Erg im Schmelhen ſehr flüßig 
Jeynd. J — 
Helenium,Enula campana, Alant / Alantwurtz ; flewider tde 3 
/ geftoffen und mit Honig vermiſcht / ift ſe gut wider 5* 
dahero das Sprichwort Schola& Salernitanz fommt : Enulacampa= 


narcddit prxcordiafana, 


Belffenbein / Ebur, feyndeigentlich die Elephanten · Zatne | 
J ne 2* aloe und —— Eompan ar 

jährlich in gr vantitätzu uns in Europa gebracht / un 
zu vieler hand Manufacturen verarbeitet —* Im — 
Das Helffenbein weich zumachen / nehmen einige deftillirten Meine 
Eßig / fo dreymahl mit Salbey- Blättern defillirt iſt / und laffen es ei» 
ne Weile darinn lochen. tem ſie kochen - in gemeinen Waffer / 
in welchen (les, Untz Mandragora oder Schlaff- Kraut ethan / fo ſoll 
es fo weich mie ein Wachs wer den. tem nehnten fie Alann/ fhmels 
gen folchen ũbers Feuer zu einem Waſſer / thun hernach ein heil Ro⸗ 
en ·Waſſer darzu / und wohl durchgejlebte Afhe / Laflen das . 
in 24. Stunden darinn liegen/ fo folled weich werden, warn man® 
hernach mit Haven Waſſer wieder kocht / fo kommt es wieder in bori⸗ 
en Stande. Voch andere nehmen Vitriel und Satt / alles Flein ges 
do ſſen / deftilliven es mit einander / und legen hernach das Helffenbein 
einen halben Tag darinn / hernach in wild Mangolt-Gafft/ fo wirdes 
reich ; Will mans wieder hart haben/ fo legtmans tu taten Cüig. _ 
SHelftenbein mit Alltauns Wurtzel in Wafler s. Stunden lang gefocht/ 
oder au — Allaun · Waſſer fo lange gekocht / wird ebenfals 
weich wie Wachs e | 
Das verbosbenchelffendein wieder weiß zu machen / ſo legt ınan oſches 
in ungeloͤſchten Kalch / ſchüttet ein —— u darüber/undläffergei 
Tag und eine Nacht alſo liegen / ſo = weiß. Nem nehmt —4 
| 2 i9 


fo viel deffen genug tft / — Stüde Heiffenbein/ dasihr weiß ma⸗ 

chen wolt/ und fo viel / daß das Waſſer wohl weiß daben wird/ laſſet es 

einen Sud thun / und thut das Helffenbein ungefehr eine Stunde hin⸗ 
ein zu weichen / reibt es alsdann mit kleinen Stücklein von Haaren 

Tuch / hernach thut es in ein naß gemachtes Leines Tuch / und laſſet es 

darinn mit guter Weile trockenen / dann ſeuſten würde ed gang von 

einanderreiffen. . Item ſchwarhe Seiffe auf Helffenbein gelegt / und 
an das Feuer gef) und einwenig anſieden / und hernach trod'new 
laſſen. Item wickele das Helffenbein in einem ſchmutzigen Küchen» 

Zuch/ legs in ein Ofen⸗Roͤhr / laß ed :. Stund dariun liegen / fi 

aber zu/ daß ber Tuch nicht t brennend werde / wifche es an ne 

nen fanbern Tuch ab / fo bekommt es feinen — 

ſiede es in Weinſtein⸗Waſſer / darinnen Weid⸗Aſche liegt / oder ie 

unter den Schnee, 

Das Selffenbeinoder Horn wie Schildkröten zu beitzen / ſo nimm gut 
eidwaffer 2. Roht/ fein Silber ein halb Qventin/ laffe das Silber 
cheidewafler zergehen / beſtreiche erftlich das Helffenbein oder 

— mit Wachs / nach deinen —— / ſtreiche alsdaun die Solu- 

tion darüber/ und laß es von fich ſelbſt trocken werden/ fo ift es an der 

GStelle / da fein Wachs hingefonmen/ braun und fhwark geworden 

Heliotropium Majus, groſſe Kraͤbs-Blumen / Warpen-Rraut. 
Helleborusalbus, Veratrum album, weiffe Nießwurt / iſt eine all⸗ 

gemeine burgantz / dienet auch wider den Gift; Man muß ih a 

wohl vorſehen / daß man nicht an ihre Stelle die giftige Kadices aco- 

niti einſammle. 

Helleborus Niger, Veratrum Nigrum ßiriacum, ſchwattze Rieß» 
en Purgiret € enſalls / und iſt gut vor die —— Vide 
Heborum, 
Zelm⸗ Kraut / Ruta Canina, Canis Ruta. 

* Hepatica alba, Gramen Parnafli, Unifolium Paluftre, weiß Leber⸗ 

raut. 

VULepatica Nobilis, Trinĩtatis Herba, Edel oder gũlden Leber-Krauf 

iſt eine gute Blut⸗Reinigung. 

Herbæ, vide Kraͤuter. 

NKerculis·Wurtz / Clavis Hereulis, Nymp — 

Hering / Halec, Frautzoͤſtſ. des Harengs, if riner bon den ist 
eh Fiſchen / deflen Fang den Kolländernjährlic viel Millionen eine 
ringt: wie er dann auch bon etlichen dev König der Fiſche genennet 
wird. Er wird an unterſchiedlichen Orten als unter Dannemard 
und Norwegen; item in der Oſt und Weſt ⸗See / der befte aber — 


= 


| 


Soogk] 


Hr” 597 
der Snglifchen Küften / nicht weit von. Rordfolck Varmouth 
gefangen / und zwar im Sommer / wann der laͤngſte Tag borbey / und 
ſich die Hering haͤuffen. (als welche als dann in ſo groſſer Menge zu⸗ 
pen ſchwimmen / dap man fie wegen ihrer groſſen Anzahl mit den 
——— wohl aufziehen kan) Wann ſie fi er rad über E oben auf 
Sicht ehen/ gefällt esihnen ſowohl / da fie begierig und, 
ae Ga ins Rebe eylen / und alfo gefangen werden, In 
r Racht ge Ani eg bet ſich / 8* Fr ten.faft die Luft: 
njenigen Strich/ welchen fie halten ; wel — iche ern Augen, 
I eiben / dad — bielmeh en Buchen her⸗ 
Beet wei diefelbe weiß / der —86 affer-blau / fie- 
aber bey Rachtzelten die Bäuche in bie — = daher ein ſolcher 
Blank entftehet/ derifferigener Verraͤhter (ft / und den Fiſchern daß 
Zeichen ihrer Bege artglebet. Was vor groſſen Nusen Die Hol⸗ 
länder/ wie auch die ander / Daͤhnen uud Rorwegerjährlich aus 
den — Fang ziehen / und wie viel hundert tanfend Menſchen ſich 
davon ernähren / ſolches iſt Hier zu weitlaͤufftig anzuführen ; En 
gen iſt von —— on Sorten der Hering zu wiſſen / daß. 


deren vornehmlich dreyerlen in Handlung geführet werden / als erſt⸗ 
Miken: Nester dieſ⸗ er witd am erſten gefangen / hat das 
—5— dfette / Ms ang feine Küte oder Ein die de. 
felben 6 Ergag fü Bon ofögen un alle. 

= wird.” — oll / weil er den Bauch voll Roͤgen und Milch 


6 Brannt⸗Hering; end — ——— 
ß derlich von den Holen Hering unterſchleden / ohne daß er etwas fpd- 
mt / aber im Packen differivet er von —— andern Sor⸗ 


vn; > dann eriftfefteingepacet / und man hat au andern Orten nicht 
tig/ ih ans — ſondern man gieſſet nur Poͤckel darauf / 
et —— fo/ oder laͤßt ihmllegen; der Maikens eder volle 
aber / maß Hamburg anders umgepadet werden / dann die» 
ſelbe Tanken ſeynb mcht fo d —— Sing 
Tonnen / dahero man von ız. F 13.107 11. bolle / bisweilen auch wöl 
weniger Tonnen bekommt. Das Verpacken muß unter den freyen 
Himmel geſchehen / und hat man in Hamburg 10. Packer und drey 
Wardierer oder Saltzer / welche alle beeydigei ſeynd. 
Ran findet auch noch eine andere Ark Hering / den man Solbering - 
uennet / derfelbe iftlang/ fchmal und mager / dannenhero ernicht bes 
gehret wird. Diefermwird bisweilen in groſſer / bisweilen in Fleiner _ 
—5 atitat — Heringgefangen / aber vor einen antüchtigen 


5 9 noch dieſer Unterſcheid in Hering / daß derſelbe entwe⸗ 
* — und aufrichtig / ober auch 2. und unaufrichtig Bf. 
PP 3 


508 Heer” 

Don dem guten haben wir geredet; der Wrack aber iſt der / fo einiger⸗ 
maſſen Mangel hat. Und wann man ineiner Tonne einige fiudet / die 
ohne Kopff ſeynd / ſo iſt die Tonne falſch / und hat man nicht nufrichtig 
damit gehandelt. Wrack⸗wraet iſt noch ſchlimmer als ſchlimm⸗ "der. 
ſenige Hering / ſo gar nichts nutz / wird Stanck genannt, Man kan 
alle dieſe Sorten verkauffen / aber um geringern Preis / und damit 
niemand betrogen werde / ſo hat ein jeder Hering Fein Zei⸗ 
hen oder Zirckel / und zwar folgender Geſtalt: Als Maiken⸗ 


! 


Baickens, Wräck ZEN Maikens, WrackWähck / | * 
NR. Der groſſt Kreys iſt der Boden von der 


Tonnen / auf wei⸗ hen Die Zeichen einge⸗ eiffe were · 
den; wann auf dem Boden nichts ſtehet / ſo iſt Stauck· Hering 
dariunen. Der volle Hering it bezeichnet FO wemlich ein dop· 
pelter nicht vollgezogeuer Eirckel in der Nitte. Es wird, 


vbn der. Schon Fahrer⸗ Compagnie in Hamdſeeg bey E. Hochweiſen 
aht gefucht/ diefen Circkel zu ziehen/und ſolches nennet man den Zu⸗ 
zug —— [rd ehrt Jahe Tonne poll ——— Im geh Zinnern 
fein anfs Rahthaus gehracht / und wann man d feiben gut ber) 


 funden/i —— oͤnnet / und dieſelbe Tonne als ein 
Geſchencke ausgetheilet. Bitter Hering rack ſtehet alſo — 


Wracks. Weꝛack ‚Wonichtö ftchet: / iR, X 
Stanckherlug. Der Zugug tehet ale. (O)) ausrai feige 
rad A) nad) evhaljenen,. duzug. Wireer⸗ — 

Ih ie ER et ua 7 | st 
Stanck Hering |) Dei Wrannt · Heriug hat das Sladt · Wad⸗ 







pen in Hollanb/ wo er gepackt iſt / eingebrauũt / ſamt eiuen DOP tt 

a BR ger — va rl | 
rckel gezogen wird / doch daß derſelbe den Hollaͤndiſchen 

—— * ii Ä a ON" 


Die erſten Tonnen frifchen Herings werden off gar theuer verkaufft / 
zu so, bis so, Reichsthaler/ ja Ao. 1678. wardeine halbe Tonne zu 
36. Rthlr. berkaufft / und hat man doch as. Rthlr. daraus geloͤſet. — 
Nachdem viel oder wenig Spring gefangen worden / nachdem ſchnd 
dieſelben auch im Preis / und wird — andifhe-box 
deu beffen /| and dev; ans, bequemften zu verſchicken iſt / gehalten., 
Die — und ee wollen bald meggefpeifet ſeyn / 
fonften bekommen fie einen heplichen Selhmäc, Aus Engeland hat 
man vi — Hering / imgleichen aus Holland die ‚fo ge: 
nauuten Strohbuͤckling / — troh eingepackt / und nach ſolchen 
Stroh⸗Packen verkaufft. Kiel / Eckelfoͤrde und Flensburg in Fi 

a ein/ 





Ps 


— 


> — 
— — . . — — = 
— er — » an. — mn — — a 





flein/ haben eine Artgeräucherter Buͤckling / welche zietlich in Ton⸗ 
- nen eingepadet werden/ und gar wohlſchmeckend feyn/ mie (le dan auch: 
biuffig nach Hamburg / und bon dar anderwärts hin verfuhret werden. 
Der Hering/ welden die Holländer — nach Bareholgmdi auf- 
* aglihen Kuüften bey Yarmouch fangen / wird nicht mehr tuchtig , 
zum Einfalen geachtet/, dahero fie ihn eniweder mit ſich nach Holland. 
nehmen / oder den Yarmouthern verkauffen / die folchen a raͤu⸗ 
chern / und die fo genannte Engliſche Buͤckllng darand machen. 
Hermelin eine Art eines kleinen weiſſen Wieſels / wird häufig In 
den Rordifchen Wuͤſteneyen / fonderlich in Lapland und denen. Mo⸗ 
ſcowiſchen Syberien gefunden. Dieſes Thierlein hat ein gantzes 
Schnee⸗ weiſſes Fell, nur dap es an den Schwang ander Spigen gang 
ſchwartz iſt; In Sommer feynd fie etwas röhtlich / werdenaber ges 
genden Winter wieder weiß. Die Schweden nennen diefed Thier 
Lekat, welches einige vor eine Art gewiſſer Maͤuſe nehmen wollen / wie⸗ 
wol ohne Grund / indem diejenigen Thiere / fo man eigentlich in Lap⸗ 
fand vor Mänfe hält / von den Wicſeln „oder Se en / Jſowol an 
Farb als Geſtalt gantz unterſchieden. Inde ſſen blel et das Herme⸗ 
linen- Zell wegen feiner Zärtlichkeit and weiſſen Far be eine koſt dohre 
Tracht grofler uud vornehmer Herren / welche ihre Chur⸗ und Surfen» 
Huͤte und Mäntel / wie aus der Heraldica oder Wappen⸗Kunſt / und 
Der vielfältigen Augenſchein zu erſehen / damit auszieren laſſen Von 
des Hermelins Reinigke it ſchreiben dieNaturkindiger/dag es / um fein 
Fell nicht zu befudeln/che durch ein Feuer / als durch Koht lauffen ſolte. 
Hermelrauht / Harmala, Peganon agrion. . 
Hermetice.chandere, beſtehe Sigilare. © vw. 
Hermichen / Hetmimbel/ Hermelbinmen/Chamsemechum. - 
-. HermodaAyli,Hetniodatteln/ eine Frucht / ſo aus Tuͤrckey kommt / 
die beſte aber von Conſtantinopel. Die ſehr ſchwer / groß / vollfoumen 
und inwendig weiß / auswendig roͤhtlich und compactfeyndzhält man 
dor gut; ſie werden fonſt auch gern wurm · ſtichig / derhalben muͤſſen 
ſie trocken erhalten werden. Ihre Würefung beſtehet än:einer pur» 
ivendenKrafft/ durch weiche le den zaͤhen Schleim und ſcharffes 
Sersäffer von den Glie dern abführen/ dahero ſie auch Anima Articu- 
lornin das iſt die Seele den Gliedmaſſen geuennet / und gegen das 
Podagra nũtzlich gebraucht werden. In denen Ofßcinen braucht 
maun ſie unter bielerhand Artzeneyen / als da ſeynd Pilulææ de Hermo⸗ 
dactylis: Sſe werden auch unter des Paraccli Glieder⸗Pulber / im⸗ 
gleichen unter das Electuarium Marocoſtinum Mindererix gezogen. 
Einige vermeynen / daß die rechten Hermodadtyli nichts anders ſeynd 
glö die Wurtzel von einer fremden 5 Schwertel-Blumen / vriche 
4 ’ PA nis 


* 
en en — — — 


Iristuberofa'folio Angulofo;,'flore obfcur& viridi-Sweztii geneh- 
netwird. 2... Ar 
- Berniaria, Polygonum minus , Mille grana maj, Taufend Kornf 
Bruchkraut / klein Wegtritt / wächft hin und wieder auf den Aeckern / 
iſt ein Kraut / welches den Stein bricht / und die Gall und Schleimig⸗ 
keiten ausführet. nn | a 
Herr Gotts Baͤrtlein / Sanguiſorba, Pimpinella Italica, — 
Herru Schwamm Hederling / FungivelBoleti eſculentes. 
Herrlingen / Corna-. 7 ET | 
Hertz· eihd/ Epatica Stellata, MatriSylva, Borrago. 
—Geſpann / Gefperr/ Cardiaca, Herba pedteralis, } 
7 Blämlein/ Heparicanobilis, 
— wWurtz / Meum, Tormentilla. 
BRlae / Etipatorium Avieennz. 0 8 
RKrxaut/ Meile, Mentha Cardiäca, ! 
“—. Poiey)/ Pufegium, Apulejum. | ” 
—Scgabioſen / Blat / sbabioſa, Gordata, Bellis Cœrulea fru- 


teſcens Cafdarı Bauhin, | 
; Hua Samen Halicaeabus peregrinus. = 
Hertzʒ⸗Stiein / Encardia/ iſt eine Art eines figurirten Steins. 
Zeſpeln / Meſpila. Jun ee 
Heydniſche Blumen) Hemerocalſie vulgo Asphodelus, ad 
Heydniſch Wund ⸗ Kraut /Confolida Sarracenica. 
Heil allen Schaden / Crucita,Gentiana minor. 
Hieracium latifolium,Cichorium,MajusTaraxacum, Wegwarten. 
Himbeer oder Hindbeer /-qyafı Cervarum baccæ, oder Rubus 
Idæus,, weil ſie auf dem Berg räarfehr haͤuffig ſollen zu Anden ſeyn / 
ſeynd bey ung dreyerley Gattung / als Rubus ldæus ſpinoſus vel vul- 
garis, Frantzoͤſiſch des framboiies / gemeine ſtachlichte Himbeer 
wachſen wild / und laſſen ſich auch in Gärten an Wein⸗Pfaͤlen glei 
wie die Reben pflantzen. Die andere Art iſt Rubus ldæus leuco carpos, 
cum fructu candido, dieſe haben auch Stacheln / wie die gemeine / 
wachſen aber nicht wild / ſondern in Gaͤrten. Die dritte iſt Rubus 
'  Idaus lævis vel alter, non fpinofus hircinus, Bocksheer / glatt und 
ohne Stachein / wachſen in den Hecken und auf den feuchten Bergen. 
Auf den Apotecken wird ein Waſſer / Gafft / Chigumd Wein daraus 
bereitet. Man macht ſie auch in Zucker ein / an ſtatt des Confeäts. 
Himmel⸗Blau / vide Blau⸗⸗ —— 
= Branmt / Verbaſcum. ——— 
— Galt/ beucedanum. | a 
— Rèoͤſel / Lychnis Sylveftrisminima; 


we \ 
Himmel⸗ 


— — — —— — —— — 


Hm Hr ‚ 601 
Himntiel⸗Schluͤſſel / Primula Veris, 
— Schwertel / Lilium Calefte, Irisnoftras, 
— , Stengel / Gentiarizminor. 
— Chau/ Gramen Märinum, 


Hippocras, ein fehr angenehmer Tranck / wird folgender geftalt 
aubereitet/ nehmet 2. Pinres guten Wein / der alt und ſtarck ift/weiß o⸗ 
der roth/thut darein ein Pfund Zucer/zwen fafftige Citronen / von /0. 
oder nz. füllen Ponterangen/ deu Saffı/ ein Loth geſtoſſen Cancel oder 
Zimmet’/s. Raͤgelein / etwas wen iges Mufcaten-Blüh/s.oder 6. Koͤr⸗ 
ner zerſtoſſenen weiſſen Pfeffer / eine Heine Sand voll zerſtoſſen Corian⸗ 
der / einen Bors doͤrffer Apffel geſcheelt / und in Stuͤcken zerſchnitten / 
ein —— Milch / und ſchuͤttelt alsdann alles wohl herum / 
ſeyhet es durch fo lang bis es klar wird/ thut ein wenig Unſcus und am⸗ 
bra darunter / und ſeyhet es gbermahl durch ein Leinen Tuch / fo If es 
fettig. Item —— Ageſotten Waſſer / ſo viel kaltes / und ein 
halb ee ce weiten Wein / bon 2. Citronen den Safft / ein * 
Pfund Zuder / . LorhCängeh/ :. —— — wentg Muſcat⸗ 
Bluͤh / eine Hand voll Corlander / 4. Pfeſſer⸗Korn / alles zerftoffen/ 
einen halben Bors doͤrffex Apffel / cin halb Noͤſſel Milch oder anderen 
Stell geſcheelte und zerfichene Randeln/ rührets alles wohl untereins 
ander / und ſeyhets ehliche mahl durch ein Tuch / fo habt ihr ein Hippo» 
eras don Waſſer. RN 

ißpbglofftm uvularia, Zu gen-Blatt/Zäpffen oder Kehl-Rrauty/ 
Stein und Harnwinde. 

Hippofelieum, Leviftienm. 

Hippo lm Seleri, — — — 

Hippuris, Equiſetum. — 

Hirſch⸗ Brunſt / lungus Cervinus, vel Boletum Cervinum,wähft 
haͤuffig in denen Waͤldern / wo ſich die Hirſchen am meiſten auffbalten/ 
kaͤſt aber gicht gar wohl finden / warn ihnen die Hirſche nicht felber . - 
anzeigteh ) fintemaht man wahr genonimen / daß der Hirſch mit feis 
nen zween fordern Fuͤſſen ſcharret und kratzet und damit gleichſam den 
Ort bemercket ro ſolche zu finden ſeyn / welches danu alſo 
auch eintrifft / daß ſie Hauffen⸗weiß daſelbſt gefunden / aufgeſammlet 
und getrocknet werden. Sie müſſen ſchwer / bolllommen trocken und 
—— voll ſchwartzes Staubs ſeyn / ihre Figur iſt unterſchiedlich / 
als groß / klein / rund / breit und lan © © = 
Sirſch⸗ Horn / Cornu Cervi, iſt wohl befandt/und faft in allen Län» 
dern zu inden —R—— Cervi uſtum. gebrannt Hir ſch⸗ 
Horxr / nem raluram Con Ceryi. te Hirſch⸗Horn /und a 

* | i ss. j 
« | | 


. - 
103772 


I u 


602 Hir Hi 
Sal volatile Cornu Cervi, abfonderlich hält man viel von denen Hirſch⸗ 
Hörnern / die zwiſchen 2. rauen Tagen gefället worden / und zwar 
zwifhendem ıs. Augufti bißs. September. Was fonften der Hirſch 
auſſer ſeinem Geweyh vor trefflihen Rutzen in der Achneygebe / wir 
aus nachfolgender Verzeichniß zu erſehen feyn / als da finder ſich 
erſtlich die Effentiaausdem KHirfh-Gehirn.2..Lachrymz oder der 
Biefen des Hirſches / fo in allen beyden Augen zu finden / z. Ringlein 
ausdes Hirſches Klauen wider den Krampff / 4. der Bezoar aus dem 
Hirſch / s. Magifterium aus den Hirſch- Horn / s. Tinctura aus dem- 
ſelben / 7. Spiritus Sangvinis Cervi, 8.OJeum Cornu Cervi, 9-Li- , 
avorC.C,ıo Sal.CC.in Solutĩo,aus —— — Felart. 
GC. 13 HirſchHertz Waſſer 14. PardleliCervi , u. Raſura C. C. 
16. Raſura Cranu Cervi, 17. Mumia Gervi, 18.,2ulvis CordisCervi, 
19. Pulvis Pulmonum Cervi, 20, Pulvis Hepatis, Renum Tefliculo- 
rum Cervi, 21, Hirſch-Unſchlitt / 22.SaugvisCervi, 13. NetviCer-, 
vi, 24.Offade CordeGervi, dieſe erden hier uuddar auffgeſamm⸗ 
{et / und viel unechte darunter gewerfieh /felchanicht wohl zu erken · 
nen / die / fo gelb / braun und. weißlicht ſehud / ſeynd alt / bie friſchen 
müffen gantz weiß ſeyn / zum. hat — aus des Hirſches 
rechten / item aus ** — — 4 6 ar 27. 
Priapum Cervi , 25-Hihſch⸗Zaͤhne / x0. Hagare / o. H 
TE ee 
Hirſch⸗Kraut / Amara dulcis Salicaftrum Plinii , Elapho- 
Ne * iß —* = — ER 
ir ch: Klee /Eupatorium Avicennæ. | # * 
— — /Boletum Ceryiiim, Cervi Böletum, . 
Zuſch⸗ Peterlein / Petrofelinum montanum. Fe 
5 AtefdyGens/Coronopus, eco 
Dirſch· Zung / Scolöpendrion valgare. — 
Hirſch⸗Wurtz / ‚Colviäria gentiana alba; —— 
Sirſch⸗Mangolt / ulmonaria maculoſa, Symphytum maeulo- 
ſum Dodonæxi. Side Be 
Hirſch⸗ Ginſel / Herba Kunigundis, Eupatorium Chamglinum. 
Hirſſe / Milium. | il mn "in 
Dirten⸗ Taſche / Burſa Paſtori. uw. on 
MHirten⸗ Pfeiffe / Eiftula Paſtoris Alisma Dioſcon. 
irtz⸗Guͤntzel / REupatorium Avigennzsj. 
„„Birundinaria, Chelidon Majus. — 
Siſpaniſch Eiſen⸗Kraut / Verbenaca Femina, Verbenätenpi fo- 
ap 3 Dunn urn 
Paniſch Gold⸗ Blum / chtyTadıhiemum Hifpanieum ter- 
Pre 


7 


1 


tium. 


— urn Vu 


H IE. H Ö c | 603 
iſpaniſch Rohr / Arundo velCannaHifpanica 
—  Sgamen/SemenCanarienfevel Hiſpanicum. 
u: Stein-Spargen/ Alparägusı Sylveftris , aculeatus. hi- 
Hifpidula Ælutopus, Pes Cati, Pilofellamontana, Kapen-Kuß/in: 
Denen Apothecken hat man das ganze Gewaͤchs mit den Blumen / aus: 
welchen ein Waſſer und Syrup bereitet wird, J 
Zittland iſt unter denen Oreades Inſuln die gröfte und lehte / iſt 
wegen der Hollaͤnder Hering Sifcheren bekandt / als welche ſich mit ih⸗ 
veu Bayfen/vermög eines gewiſſen Statui bis den 14. Juni Jaͤhrlſch 
—9 auffhalten moͤgen / da ſte dann erſtlich ihrer Fiſcherey efnen in⸗ 
fang machen / der Ort ihres Auffenthalts heiflBarcies Rec oder Rheide / 
Kon dieſer fangt ſich die Fiſcheren an / und geht laͤngſt dem Schottiſchen 
Kiſten / bis nach Yarmouith in Engeland / und alſo faſt über 200: Meil⸗ 
wegs / auf welcher Reif fie ee mahl voll fangen / und 
sad) dem Vaterland abſchi — ——— u >. 
Sochmuch / caryophyllus hortulanus, Flos tunice. 
Hocken⸗Blatt/ Uvülaria. Ar 
* A öckern / ins Kleine verkauffen / fr. vendre en detail wird dieſes 
‚15 don Seiten gefagt / welche allerhand grobe und fette Waaren 
Ben Pfunden und kleinen Stücken / Groſchen / Schillings und Pfeu⸗ 
nings-weiß ausſchneiden / auswaͤgen und aushoͤckern / dergleichen 
GN Sutiee / Seuffe/ Licht / Thran / Theer oder Wagenſchmier / 
Aering/ allerhand Grütz an dergleichen/ und werden inWürnberg 
fragners /inandern Städten Hoͤckers genannt/ ihre Handthierung 
er daß ohne (le die Kauff-Feut ins Groß / ſelbſt den Aus⸗ 
niet und das Auswagen wiirde auf ſich nehmen muͤſſen / weil alles 
a3 die Kauff⸗Leut bey Faſſern und Stucken bringen laſſen #hm’des 
emeinen beftens wegen gefchicht/ und daß ſolches hernach in MR Haus⸗ 
altungen hin und wieder / nach eines jeden ſo wohl der Keichen aiß 


+ 


vmen ihrer Rothdurfft nd Bermögen ind Kleine bertheilet/ und 
Herkauffet werde: dergleichen Hoͤcker ſeynd nun zweyerley / einige/ 
worunter man auch die Marckedenter frantz. Vivandiers genannt/ 
je len möchte/ kauffen ordentiich den Kauff-Beuten die Waaren bey 
uͤcken / Tonnen/Raften und Eeutnern ab / und führen ſolche in ihr 
aus/ und berhöcern ftedafelbft/ oder auch bey einer Armee, nannd 
Yiltualien ſeynd / wieder bey Kleinigkeiten und Pfund-weiß/ manch⸗ 
mahl mit zimmlichen Profit,alfo daß offt ein ſolcher Hoͤcket einCapital 
hinler der Hand hat / welches bey manchen Kauffmann mit der Latern 
wohl ſolte gefucht/ aber nicht gefunden werden / ja jie haben oft mehr 
Credit alseinige don dieſen / und doͤrffen ſich ine R 
* a 


604 - Hol- 

F —— — —— —ñ——— — — 
Laſt Butter auf einmahl / wannfie gute Gelegenheit darzu ſehen / 
kauffen / und ſolche gleich Contant zu —— a — 
Die andere Art bon Hoͤckern / iſt das gemeine Aufkäufferd Geſind / 

welche Huüner / Ener und Fiſch / denen zur Stadt wollenden Bauren 
und kand⸗ Leuten abkauffen / und ſolche hernach an die Bürger um fo viel 
theurer wieder vberkauffen; vor dieſe lehtere ſeynd zwar viel Policey⸗ 
Ordnungen gemacht / uud ihnen dieſes Propolinm,beyharterStrafl. 
berboten worden / welches aber. alled Diefen Gemwinnfüchtigen Reuten/ 
bis anhero nicht genugfamen Einhalt hat thun können / am meiften a⸗ 
ber darum weil zwar Die Policey - Ordnung da geweſen warn mar 
aber denenfelben die rethte Kraft und Nachdruck geben ſollen / ſolches 
allezeit an Seiten der Obrigkeit gemangelt hat. 


ZZollaͤndiſche Waaren / beftchen in denen Oſt⸗Indiſchen / welche 
die Holländer mit ihren eigenenSchiffen aus demẽande holen / und alſo 
fd zureben/aus der erften Band bey ihnen zu bekommen ſeynd / dana 
auch in denen vortrefflichen Seiden / Wollen / Leinen / und Cameel⸗ 
Haaren Manufacturen / mit welchen ſie gang Teutſchland anfuͤllen / ja 
noch weit und breit hin und wieder in andere Länder ehe 
ihre ferne Zucher / welche den Spanifchen. nicht viel nachgeben / wie 
dann auch alleihreandere Mannfastugen bon einer ſolchen Qyalität, 
ſcynd / daß ſie bor andern belichet und gefuchet werden / auch fo — 
jenigen zu welchen le aus andern Ländern / die mehrentheils ſchon 
‚gang zuberefiete Materialia (als zum Exempel das feine Garn aus 
Schleſien zu den keinwathen) abholenmälen/ en fin es iſt in Holland 
die Sandlung ſchon auffolchen. Fuß geſehet / daR faft alle Waaren 
Einheimiſch fcheinen / die offt vom weiten zugeführet werden. Was 
liegt nicht vor eine Qyantität Rheinifchen Beinsin Dordrecht und. 
Rotterdam, Dafiauc offtein Räuffer feinen reif und Battung befe 
fer als anı Rheinſtrohm felber finden Fan ; der einige Toback welcher 

umAmmersfort,Hattem und der Gegend gebauet wird, ifl eine Fru 
des Landes / all das ubrige wird von auffen eingeholt s der reiche He⸗ 
ting= Fang gefchichet auf den Engliſchen Kiften / Ihran und Fiſch⸗ 
Bein muß aus Brönland geholet werden / die Oft:und Weft-ndig» 
niſchen Pack⸗Haͤuſer legen alles dar / mas der Orient und Occident zu 
des Menfchen Nothdurfft hervor bringt / und mancher ungehaͤurer 
Wald von vielen Meilen langkan nicht fo viel Bäume zehlen als ihre 
Schiſſe / Maft-Baume auffzumeifen haben / in Sunna Holland die 
Doelleund Mutter der Handlung/ift gleichſain das koſtbarſte Juwel / 
in einent mit vielen andern umwelen verſehten Ring zu nennen / weil 
nemlich Dasierrige was dieſen oder jenen Land in einer Particulair- 
Handlung gegeben / folches vielfaͤltig in gleicher Stärde in Holland 
zu⸗ 


Min — — 


—— — — — — 


— — — — — — — — — — — + — —⸗ — — hm nt 


I 
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e Hol RE 605 
— fiteffet / und daſelbſt in Kandel und Mandel zu fine 


en ift. | wg | 
Die Waaren fo in Amfterdam berkaufft werden / werden theild in 
Banco,mehrentheild aber in Cafla oder Courant Geld zu zahlen / ver» 
kauft / und wird ein gewiffed pro Centum für gut Gewicht und 
promptefBezahlung decourtivet. Was dieſes Jahrs die Waaren in 
"Holland gegolten/ iſt auß pag. 578. inferiste Preiß-Courant zu er⸗ 


feden. 

‚Den Berkauffder Hollaͤndiſchen Oſt⸗Indiſchen Retour Waaren be 
langend / fo toied der Termin wann ſolcher angefeht/ zur Nachricht der 
Einheimiſchen und Fremden allezeit etliche Wochen vorher durch Öfe 
feutlich Druck / und durch die Avifen fund gemacht / ſonderlich derRe- 
sou-Sciffe ihre Carga oder Ladung/ıwas ſie mitgebracht Haben/ wel» 
he Waarendann alle generaliter und fpecialiter heſchrieben und 
Spesificivetwerden. Specialiter geſchichts / wann fie vor der Auction. 
von einerjedben Waarin Drud Ipecificiven / wie viel Paden oder 
Kiſten / und wie viel Stud oder Pfunden / in jeden Pad oder Ki⸗ 
ften / auch unter was vor Numerosenthalten / item was jede Sorte 


.der Compagnie zu ftehen fonmie / zur Rachricht derjenigen / die da> 


mit handeln / und foldhe vor eigen oder Commishion-Kechnung an 

zu Eauffen/ Belieben tragen möchten, wer nun eine ſolche gedruckte 

aaren Specification bey ſich hat / der beſtehet Hierauff nacdy Einhalt - 
derfelben die Waar felbft / Pad vor Pad / fchneidet auch wohl von 
den was ihm darunter anflaudig / fo es Geiden oder Caton⸗Waa⸗ 
zen feynd/eine kleine Prob oder Munfter ab/und klebts bey feiner Nu- 
mero, wann dan die Reyh des Verkauffs an ſolche auffgezeichnete Pa⸗ 
cken kommt / fo bieten diejenige fo Luft zu kauffen haben / ſo viel darauff 
als ihnen deucht / daß (fe mit rofit wieder loß werden koͤnnen hierbey 
verzeichnen ſie auch fleipig in ſolche gedruckte Bücher / was in wäh» 
Tender Auftionein jeder von denen andern Kaͤuffers an ſich erhandelt/ 
auch in was Preiß/ damit ſie hernach was ihnen etwann abgehet / bey 
folchen finden mögen Damit aber der geneigte Lefer ſolche Waaren 
Specification defto beffer ſich borſtellen konne / wollen wir hier ein ei- 
nig Formular davon geben/ fo wohl wie ſolche die Compagnie über die 
ganse Ladung drücen laͤſt ald auch wie hernachmahls die Kauff-Leut 
den Preiß dabey notiren. ZumGrempil - | 

Gebleechte Mouris. 


1000, Stüc in io. Ballen/ ( NB. die Ballen werden. alle unterein⸗ 


ander nach ihrer Numero und Stüden fpecificiret/ foaber geliebter _ 
Kürtehatber hier zufammen in eins gezogen worden) tn jeder Ball 
100. Stüd / jedes lang is. Cobidos, breit «, Ellen / dabon Foften 


100, 


606 Hol 
100. St. fl.ız2r. iſt us. fl, da3 Gt. NB. ſeynd verkaufft fl. tzsa. dasSt. 
soo.dito fl. 171, ift uf, fl. ⸗ © — fl. ı7$- 

oo.ditofl.nzuiftig.fl.. er. — fLuf 

zoo.dito fl.ioai. iſt 104.f- iJ. Ellen breit. — fl. 148 
100.dito fl:871. ifts}- fl. . ⸗ — fin: 7 
Und fo weiter auch in andern .Waaren/ deren Rahmen unter des 
ort Oſtindiſche Waaren zu erfehen ;alle Waaren bon der Com- 

agnie werden in Banco zu bezahlen/ gefaufft/ nıan fan zwar die Zah 
ng aufs. Monath anftehen laſſen / und doch indeflen das gekauffte 
Gut empfangen / allein als dann muß man tüchtige Cantion flellen/unb 
&, pro Centum p. Monath Intereffe noch dazu bezahlen. | 
Es gefchicht aber dev Verkauft folder Waaren / nicht an einen Ort im 

"Holland allein / fondern- par Repartition, in diverfe Cammern / aus 
welchen die gantze Oftindifche Compagnie befteht / alfo und dergeftalt 
daß die eine Kammer nach.der andern aufgemacht wird/zum Exem- 
peldie Kammer von Anıfterdam hatte den Montag den zs, Aprill, 
(wie Ao..1698, gefchehen /) ihren Verkauff angeſetzt / fo folgte da⸗ 
mahld datauff den ı2. Maij. die Kammer von Seeland / hierauf den 
21, die Kammer bon Delff/ den zz. die Kammer von Rotterdam / 
"den 25. die Kammer bon Horn/ den 27. die Kammer bon Enckhuyſen / 
manchmahl ſeynd von vorigen Jahr noch Refanten von Waaren über- 
geblieben / welche alödann auffs neue mit in die Audtion gefeget. wes⸗ 
den / ed derobligirt ſich auch wohl die Compagnie, dag fie gewiſſe 
Waaren aldetwann Pfeffer / Zimmet / Muſcaten · Ruͤſſe / und derglei⸗ 
chen / mit der Londition verkauffen wolle / daß wann gleich die gan» 
ge Parthey nicht ſollte dermahlen diſtrahirt werden / daß ſie ſol⸗ 
chen Reſt doch bis auf das künfftige Fahr wolte'liegen laſſen / um da» 
durch denen die gekaufft haben / keinen Schaden zu thun. ; 
Maaß und Bewiche in Holland betreffend / fo gebraucht man ſich in 
Amſter dam zweyerley Sorten Gewichts / als nemlidyP oids deMarc,und 
Poids d’ Anvers, welches geringhaltiger iſt als jenes Marck Ge 
wicht / ſo auch fe Ya Troys genennet wird / ift allenthalben 
in Europa / ſonderlich unter den Goldſchmieden bekandt / und gchen 
200, Marck / auf ıoo. Pfund Amſterdamer Gewicht / welches 1055» 
Antwwerper Gewicht thut / dahingegen 100. Pfund Antwerper nicht 
mehr als o47. Pfund Amſterdamer thuny mit jenen Antwerper Ges 
wicht pflegt man eine gewiſſe Aut Geide abzumägen / item Cochenille 
und einige andere Ibaaren deren Gewicht man hernach mit 4, pro 
Centum reducitet. 1. Ließ⸗ Pfund ift zu Amfterdam ı,, Pfund /-und 
der Steins. Pfund/insgemein werden die Hollaͤndiſchen Kaͤß / Flachs 

und 





— u en ———— Zar nu A 


TEN. ‚|| BEERRNBERD ER... 
und Hanff / welche von Riga und Königsberg kommen / nad Schiff⸗ 
spfunden verkauft. Die Vergleichung des Kollindıfhen Gewichts 
mit der Gewicht anderer Europäifchen Handels: Pläge/iftunter dem 
Wort Maaß und Gewiche/ inder dafelbft vergefteilten Tabell zu 


zu erſehen. | 
Wegen des Elln⸗ s braucht man in Holland die Amſter damer 
und dann auch die Brabander Ellen / jene hat 2. Frantzoͤſiſche Fuß / 
1. Daumen und 2, Lignes, und alſo zuſammen 302. Lignea in der 
Laͤnge / die Brabander aber hat 2. Fuß / 1. Daumen und 6. Lignes. 
aufanmen 306. Lignes, nach jener kauffen und verkaugen die Birger 
-und Einländifche/nach diefer die Fremden; thunalfo obiger Rechnung 
nad) etwann 104 Ellen Hollaͤndiſch / 100, Eilen Brabandiſch /und 
100, Hollandiſche Ellen / 93%. Brabandifche / welches durch die 
Regulam de Tri leicht zuerforfchen ift / fonderlic warn bis auf die 
"Heinften Lignes oder Particuln, man ſolches — wolte / wel⸗ 
“ches abet in der Tabell von Maaß und Gewicht ſcho * Geniige 
gefchehen / offt möchtees zwar umı.Lighes oder Haar breit difiert- 
ten/ allein folchesiftnicht confiderable , und nimt man darim 
lieber was am gebraͤuchlichſten / als was allzugenau unterſuchet iſt. 
Per ein mehres von Hollandiſcher Ellen⸗ Maaß zu wiſſen verlangt / 
der beſehe le traire general da Commerce, woſelbſt dieſe Materia 
von den Maaſſen und Gewichten / und deren Vergleichung ausführ⸗ 
lich ausgefuͤhret iſt. Und vergnuͤget dieſes Orts nur das nothwendig⸗ 
fe davans berichtet zu haben; Das hbrige bon Ellen⸗Maaß wird 
ebenfalls unter der Tabell'von Maaß und Gewicht zu erfehen feyn. 
Was in fluͤßigen Waaren / fonderlid in Wein und Brandtwein bor 
Maag und oũtume zu Amſter dam in Handel ſey / zeigen dieſe Waaren 
unter ihrer Benennung an; nur dieſes iſt noch zu remargviren/ daß 
fo ein Bürger in Amfterdam ı. Oxhöfft Wein in feinen Keller legen 
will /er davor 30. Bulden/ ı4. Stüver/ s. Pfenning bezahlen müfle/ 
und fo er folches in eine andere Holländifche Stadt verfendet/ wird et⸗ 
warn in allen zz. Stüber fo wohl vor das Billet, als das Siegel und die 
Trägers bezahlt. 
Die Tonne Bier in Amſterdam hältr. Ahm und s. Gtedan / oder 
128. Mingle. | 
Das Honig wird zu Amfterdam in Tonnen oder Fäffern / Oxhoͤfften 
und Barils verfaufft/ nad) Gewohnheit nemlich derjenigenDerter/ da 
es herkommt / der Preiß desienigen Honigs / welches bon Bourde- 
aux pder Bayonne kommt / iſt don zo bid +0. Pfund Flämiſch die 
Tonne / hingegen wird das Bretagniſche Honig bey ioo. Pfunden zu 
10. hidız, fl. das Provgneifche ao.bis zo. fir das ioo. en | 
—— | ufft / 


608 Hol 

laufft das Hamburger und Bremer Honig foftet zs. bie 30:Ä, da 
Baril , und das Hollaͤndiſche 2. bis zo. k N 100, Pfand der —* 
bon den Gewicht / beträgt bis 43. Stuͤber von 1000. Pfund Brutto, 
‚melden der Kaͤuffer zahlen muß / davon thut ihm der Berkäuffer 
213. Gtüber ald bordie helffte gut. Ferner wird auch ein Stüver 
dor ı. Tonne Wid:Geld/ wegen der Convoy aber 2. Stüber 
vor die Ahm (Dies. Stepkan oder 128. Mingle haͤlt /) und endlich 
3. Augmentation ‚und 1, pro Centum Eftimations - Geld be> 


it. Ä Ä 

% Laft Korn in Amfterdam hält 27. Muddes , oder 108. Scheffel / 
‚die Mudde 4. Sceffel / davon :. einen Sad und 36, Sad eine gar 
machen /.insgemein wiegt die Laſt Weiten 4500, bis 4500, Pfund 
Moden 4000, bis 4200, Pfund/ Secften 3200. bis 3400. Pfund 
und macht eine ſolche Laftıs. Setier Pariſer Maaß oder 38, Boille- 
aux, Bourdeauxer Maaß /3. Laſt werden ſo biel als 4. Muids von Ro- 
nan gehalten / ausgenommen in Haben / da drey Laft nicht mehr 
als 2. Muids machen / Die Tonne Lein-Saat vechnet man inAmfter- 
dam auf s. Gcheffel. Alle vergleichen Korn-⸗Waaren / werden in 
Amſte rdam nach Gold⸗ Guͤldens (zu es. Stüver gerechnet) verkaufft / 
und he rnachmahls ihr Belauff in ordinaire Hollaͤndiſche Gulden re- 
ducirt. GEs ſeynd auch einige Grains die nach gemeinen Gulden / au⸗ 
dere die nach Pfund Flämiſch berkaufft werden. 

Die Accis oder Zoll von dem Korn wird in Amſterdam auf den Fuß 





als ıvann die Laſt Korn 131. Gulden 12. Stüver gefoftet hätte/ 


fie wıag hernach theurer ober wohlfeiler eingekauffe worden feyn/ 


bezoblet. _ 

ir der Amſterdamer Laft / wird die Loft zu Münicendam / E- \ 

‘ dam, Purmerent , und andern Nord » Holländifchen Städten 
aleich gehalten. : | 

Die Laft von Hoorn und Enckhuyſen / welches auhNord-Holländifche 
Etaͤdte ſeyn / iſt von 22. Muddes oder 44. Sack / und der Sad von 
2. Scheffel / mit diefer kaſt ift gleich/die Maaß zu Müyden,Narden, 

und Weloop, | 

Zu Harlem zehlt man zs. Sad auf die Laſt / den Sack zu 3. Scheffeln / 
deren⸗. einen Hut / oder Rotterdamer Chapeau, 14. Sack aber 

einen Delffter Hut machen. 

Dir Ald marer Laftift von 26. Sack / der Hut von 4. Scheffel / wiewohl 
einwenig ſtaͤrcker als der Rotterdamer. | 

Die Laft zu Leyden halt 44. Sack / und der Sad's. Scheffel. - 

Die Saft zu Rotter dam / Delfft und Schie dam / iſt bon ꝛo. Sad) und 
ber Sack von z. Scheffel davon veF- einen —————— 
4 7 mm 





| zumerden / Dal nie — Städte ibre Laft um 2, 
ll die Amſterdamer iſt. 

Be a -Banff-Rörüer if von 20. Sack / und inbein⸗ 

aatı4 Tohnen, 

Die Laſt zu ——ã— rdrecht / i bon 24. Sad) zus der Süd bon 
8.Scheffels / ckthun einen Hut / als zu welcher Maag alles 
Korn verkaufft wird / —* thut eju Hut s. Barils öderz2. Scheffel / 
4. .0N elauf dad Bar gerechnet / And. Hut bor ein Onfterdar 


u Gouda — Ihlel man 28. — Die Laſt / der Sack 

Binde / un ——— ie 

Bu Utrecht een bee | Mer —— / — einen 
rdamer 6 es ouvers Machen, 

Die Am eu. 2* —* —— / und 6, Muddes machen 


De Laſt von Montfort, Keim und Vianen iſt gröffet als die Rotter⸗ 
damiſcht / und zaplet martıs. Muades auf die daſt / Die Mudde u, 


Gad gerechn 
—* —— Leuwarden — — hat die kaſt aa. 
u des o der 18; Tonnen / oder 3. Rotterdamer 
——— — leid, 
Lande / als zu Nimegen,;  Yenbein, Doks- 
— u * bon ze. —— Hauser bon Sceffel/ 
Mouversttächen einen Kotterdamer H 
—5 im, Sachs anna * € Rolterdamer Su | 
um ein ach 
ie —— Rift bon 68. — ober dichtellug / do. Quar⸗ 
Die Fr er ven —* Achtlinge / g oͤſſer als die Rotterdamſche. 
t 14 ‘ e/ groͤſſer a 
Zu Harderwick rechnet man / bat 116. Muddes io; Aniſterdamer mg» 


5* ** at die daſt Korn is: Muddes; dabon 

—— — * ehren —— — imgleichen mathen 9; Muddes 
otterdamer 

—— Deyeütet iſt bon 36: Muddes ; 4. Scheffel auf bie Mudde 


Ben 1 Die Bier up. Otäbrr 
h} en 14 er in 
er Tu einigen in Pfund / Schilitig und Groot ld 


Dh: hat in Holland se, Stüber m. Sroot / oder 2}. 5 





BO: oo nn N, 
1, fl. hat 20. Stiwer oder 40, @rost/ 1... Stüvet 3. Jiodet 2. 
Groot oder 16. Pfenninge. Ein Shilling Flaͤmiſch gilt s. Stüber, 
1, Pfund Fläniifch hat 6. fl. oder 240. Brent ober zo. f. Flaͤmiſch. 
. Boldguldenhat es. Stüber. Br 
x Gemeiner-oder Geeländifcher Thaler it 30.Studr 
a, Emder Thaler iſt 3. Stüber. oo a 
1. Campner Thaleriftes. Stuben: - 5 
x. Kron odevföwen- Thaler hat a6, Stüber: - + 
1. Sin —* Achten oder Spaniſch Real iſt as. Stüber ober 36. Groot 
mid. Ä " nn ———23 
1. Seyerin oder gülden Ducaton fflı,. Gulden, 2 
». Silbern Ducaton iſt sz. Stuber. a 
Auſſer oberzehiten Münsen hat man auch 2. 3. 4. 8. undızz Stüber 
Stuͤcke / welche man im gemeinen Handel und Wandel gebrauchet. 
Was fremder Laͤnder ihre Geld⸗Sorten betrifft / gelten die ſelbe all zu⸗ 
mahl auch in Amſterdam / ledoch nach dem Preis / den die Geld⸗Wech 
ſelers oder die Juden / ſonderlich die Hochteutſchen denſelben ſetzen / 
als welche manchmahl ein fremdes Geld Höher annehmen / als es in der 
Kauffmannſchafft kan ausgegeben werden: Zum Exempel / den Louis 
a Or würde ein Kauffmann vor feine Waar nicht höher als so. fl. und 
etliche Stüver annehmen wolen/ da die Juden / oder die fo getlannte 
Hochteutfihe Schmaufen / 9. fl.ı2. bid1s. Stüber dabor geben /- und 
alfo auch mit andern fremdern Geldern. Lie 
ann der Frantzoͤſiſche Louis d' or and die Spaniſche Piſtolleten 
nach dem Gewicht verkauffet werden / fo —— man die Untze zu 4%, 
Gulden 7. bis s. Stüber / und von denen Ducaten die Untz zu 46. fl. 
ir. blsis. Stüder. | j | = 
Durch das Banco-Geld berſtehet man diejenige Müng-Gorten/ wel» 
he nur allein’ in der Barico gültig ſeyn / und: dafelbft angenommen 
werden’ ſolche haͤlt man aflezeits. bis 6. pro Cent, beffer/ als das cou- 
rant Geld / nad) welchen Agio dann auch die Reduction des einen in 
das andere zu machenftehet. — nl 
Die Wechfel-Coürs anbelangend / ſo cheilet man dieſelbe in Amſter⸗ 
dam ein / in — und beſtaͤndige / oder in ungewiſſe und ge⸗ 
wiffe / bas iſt / in allzeit bleibende / und die ſich nicht veraͤndern / auch 
weder ſteigen noch fallen. 
Ungewiſſe ſeynd wann man von Amſterdam aus wechſelt: 
Auf Franckreich 4. bis 100. Groot vor 1. Frantzoͤſ. Thaler von so. Sols. 
— Genff 85. bis 100. Groot vor einen Frantzoͤſiſ. Thaler. 
— Spanien so. bis 130. Groot vor 1. Ducaten bon 375. Maravadis. 
— Venedig ss. bis 9. Groot por i. Ducat von 24. Groſchen in Banc. 
ri t Auf 





% 


HU 6 


Auf Portugal 40,250, Groot bot. ı. Cruzade HoR.400,Res, ; J 
— Genug 90 bis ioo. Groot vor i.biaitre bon s. Lirespder oo.Sola 
— Liborne 90. bis ioo. Groot ber», Piaftrs han s. Lires oder 20. Sole. 
— 80, bis 90, Groot ber» Guͤſhen von sr Wechſel⸗ 
reuher | | Be u 
— Nürnberg 79, biöso. Groot dor 1. Gilden von ss. Creuher cour. 
— Hamburg 32. a 34. Stüber Dors; Thaler vanze. f Lübifch, 
— Breslau zz. a40,Süper vor 1. Rthle. vonzo. Groſchen. 
— Leipzig 3. bis 45. Stüder vorn. Kthle; Von 4. Groſchen. Ä 
— Engeland 26.233. ß. Flaͤmiſch vor. Ib: Sterl. von 20. Schlinge, 
. GBGewiſſe Preiſe ſeyod - 0.0009 
Auf Dansigund Rönigöberg 1.16, Flaͤmiſch vor 220. hiz 250. Pohl ⸗ 
nifche Groſchen. a BA: 
Auf en Flandern 1od; 18. Flamiſch boror: biätas. Pfund 
Flaͤmi a dee de  Iııasa ‘ 
Anf Franckfurt am Mayn 100. Rthlr. vor us. bis 130, Rthle, zu Ho, 
Ereuger Räyfer Beld. -... u" J 
Auf Růͤrnberg 100. Rthlr. bor 120. bis 140. Rthlr. bon so: Ereuger 
Kaͤyſer Geld. 8 
Auf Hamburg 100, Rthir vor os. bis rorzi Rthlr bon as. $: Luͤb. 
— Breslau 100. Rthlr. dor 125.biß iz0. Rthlr. von ʒo. Groſchen. 
— Leiypzig i0o. Rthlr. bor ng. bis zy. Rthlr von 24. Groſchen. 
— Bremen 100. er Dorn, bis rzo. Rthlr. von’ ⸗edGroſchen. 
— ar Rthlr vor ızo, + Ban bons4 rue x 
— nıoo. Kehle; vor us. b Rthlr. hon 24. * 
— Schweden 100. Rthlr. en —88 r. bon 34. Marck. 
Dannemnrckwo. Rthlr. vor tornuhis mo: Rihltr von s. Marck. 
— Da — —— 100, Rihlr vor 125.bi 130. Rthlr. hon 
490. Brofchen. - | 


 — Gtettimse, Rthlr. bor 1og. bis 15. Rthly. von zo. Schilling. 

Moſcow 100, Rihlr. vor.so. bidsn;Raubleshonwöigrives, 
Voͤlln too. Rthlr. vor i25. bis 13o. Rthlr. hon >8. Albus. - 
= Lüttich und Maſtricht 100. Rthir: vor 250, Gulden oder Alpari. 
— Rochelle und Rantes 100, Gulden vor 120. a 150.PfundTournois, 
Rach obbemeldten Preiſen und MWechfel-Cdüffen richten ſich faſt ale 
die andern MWechfel-Courfen, in — — erdam 
als das Haupt aller Handeld-Städte billig venerivef, —— 


Hollippz, ſeynd Blaͤtlein / Die.auß einen. en Inluhon, 

— Salken Dehlalgeinenlg äugfer heut ta 1. 
* Holler / Hollunder / dambuud „ig nun acmiainas — 
u: | 29: Hoͤlli⸗ 


1 





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612 | dl 


Zuöllifcher Stein) Lapis infernalis, wird aus Silhet nach Chymi- 
(cher Kunſt zubeveitet ; feine Probe iſt /, wann er fein braun ift/ und 
gleichfam eine Eifen- Farbe Hat / weder die Fiuger noch Papier bren» 
het / wann er nicht feucht und naß ift / audy nicht leicht an der Luft 
ſchmelhet / gleich aber anbrennet / wann er nut ein wenig nap gemacht 
wird; derjenige / fo grün ausfichet/ auch das Papter / worinnen er 
gewickelt / grün / ift zu verwerffen / weil er vom vermiſchten 
Silber oder Kupffer auch leicht in der freyen Lufft ſchmel⸗ 
gen tie: Einige machen ihn auch von ausgebrahnten Zaden-Gtl» 

/ allein. erift fo.danchafft nicht/ als weicher von capellirten Silber 
gernachet worden. Die Kleinen Stüden eines Finger Jans / fo zu» 
gleich trocken und ſolid, auch fein ſchwartz Von Couleur ſeynd / werden 
dor die beſten gehalten. Man kan mit dieſen Stein allerhand Figu⸗ 
ven auf Marmor ſchreiben und mahlen / weiche dergeſtalt in das Ju⸗ 
Kendige dringen / wie ſie von duffen anzuſehen. 
Zollunder / Ebulus. 

Doller · Schwaͤmm / Fungi Sambuci. 

Zaoller⸗ Beer / Baccz Sambuci. 

Zoltz⸗ Bock / Redivius. 

— Krane / Cervicaria; 

—  Calfıa, Caſſia lignea. 

— Roßen / Malva Arbofeken, ; 

mMabgoi/ Pyrola, Confolida pyrifola, 

— Wendel) Onifceus, J 

Xhzf Aitoochia sotunda vulgai 

Holz) Holtz · Waaren ſeynd Sorten / als (1.7 Holh / 
daß in der Medicin oder zum dacden / odet auch zu feinen Manufa- 
Auren gebrauchet / und von denen Materialiſten geführet wird; Und. 
(2.) Doit / ſo man zu groben Manufadturen / item Schiff · und Häuſer · 
Bauenanmendet, Linter dieerfle Art gehören Lignum Aloẽs Para» 
di8-Holk/ Liguum Asphaltum Rhodiefer-Dotnholg / LiguumB 
ſilium Luteum, Gelbhols/ Liganm Purpureum be! Lignum 
Rubrum Fernabock / Ligaum Rubrum medium, Gapatt aponholtz / 
Lignum Buxi Buchbaum / Lgnum Colubrinum Schlangen⸗ Hoit / 
Lignum Ebenum Tbenholtz / Lignum Lentifeinum —x2 
Lignum Literatum better⸗oder Schlitter⸗Holtz / Lignum Nephriti- 
cum, Grießholtz / Lignum Rhodium Rofenholg / Lignum Santum 


verGuajacum range tz / Ligntim SandtumRafpatum, Flein ger» 
ſchnitten Fr doid / Liganm sſantalum alberm ‚ weiſſer Santel/ 
Lignum Santalum Cisriaum gelber Santel / ——— Ru- 

og } Zum, 


—— = — 4 — — — Ar u 


— 


Hol 613 


benm, rohter Santel / in pulvere —6 rohter Santel / Lignum 
Saſſafras Fenchelholtz / Suber Pantoffelholk/ Lignum Tamariſci Ta⸗ 
mar isken⸗Holtz / Vilcus Quercinus Eichen⸗Miſtel / Viſcus Corylious? 
Haſel⸗Miſtel / Tiliaceus Liuden⸗Miſtel. 

Von allen dieſen obet zehlten Hoͤltzern / wird hin und wieder unter je⸗ 
des ſriner ſonderbahrer — — ehandelt. Allhier 
nut der andern Gattung / nemlich des Holtzes / 5 zu groben Manufa- 


"Auren/ theils auch zu Schiff-und Haͤuſer Bauen / item bon Brennholg 


gebraucht wird / zu gedencken / fo iſt daſſelbige unterſchiedlicher Ar⸗ 
ten/ als Eichen / / Zannen/ Erlen/ Bux / Birn / Apffel/ / Nuß⸗ 
er — welche Arten insgeſamt mehr als zur Ge ·⸗· 
nüge bekannt. Indeſſen iſt — Holtz eine Materia, welche 

in vielen Faͤllen den Menfchen zu ſonderbahren Rutzen gereichet / und 


ohne welches er ſein Leben mit vieler Beſchwerlichkeit wurde zubrin⸗ 


gen müſſen / wie ſolches aus denen ae von Hol gemachten 
Manufa&turen und denen Handwerckern / die ich davon ernehren / er» 
hellet. Es beſtehen aber diefe eigentlich in folgenden: Als in Schrei⸗ 
ner oder Tifcher/ Zimmer-Leute/ Wagner und Stellmacher / Drechs⸗ 
ker/ Faßbinder / Sieb und Schachtel / auch allerhand Hein Popenzeug/ 
und hölgern Inftrumenten-Machern / welche alleihrer Hand-Arbeit/ 
vermittelft des Holtes fich ernähren muͤſſen und von deren ihren viel» 
faͤltigen Manufacturen / derofelben unterfchiedlichen Gattungen / 
Preis / Handlung und Rutzen hin und wieder unter jeden feine eige- 
ne Benennung in diefem Buch gehandeltwird, Abfonderlich kom⸗ 
men unter den Rahmen der Holz: Waaren die fo genannten Berch- 
toldsgadner Waaren / beftehend in allerhand Schachteln und Pop: 
penzeug / ſo in und um Berchtoldsgaden von Armen / fonderlich aber’ 
von den Bauerd-Leuten und ihren Kindern gemachet / und hernach fehr 
wohlfeil und beygroffen Faͤſſern an die Nürnberger Kauffleute ber« 
handelt werden / die ſie fo ferner in alte Welt ausftveuen / fogar/ daß 


auch ia Oſt⸗ und Weſt⸗Indien davon zu fehen ift, 


Holtʒz ⸗· Waaren⸗Haͤndlers heißt man and) diejenigen / welche in etli= 
chen Städten mit nichts anders als hoͤltzernen Wagren / als da ſeynd 
Schaufteln/ Muldern / Sieben / hoͤltzernen Schiffs-Geraͤhtſchafft / 
auch wol Brettern / Latten / Balcken und Bäumen handeln / wie dann 
in den Städten ander Oſt⸗See gelegen/ die Finnen jährlich mit gan- 
Gen Schiffs⸗Ladungen dergleihen Holtz⸗Waaren aus Finnland pfle 
gen anzufommmen/ und folche an Bürger und Kauffleute zu verhandeln / 
wobey dann unter den gemeinen Leuten die Rede entſtanden / ob koͤnn⸗ 
ten diefe Finnen ſich felbft einen beſtaͤndigen Wind zu ihrer Hin · und 
Herreiſen machen / welches man aber an feinen Dirt / wit weit es der 
Wahrheit gemaͤß ſey / geſtellet ſeyn läßt, 
| 243 Bronn- 


4 Hol | 
Brennholg / welches heutiges.Xages in grofflen Städt en (umwelde 
die Poren — einen conlıderablen Handel ma⸗ 
pet / wird nad) der Beſchaffenheit des Holtzes und nach feiner Laͤnge / 
wann ed Eichen/ Büchen oder Tannen / lang oder kurtz iſt / thener oder 
mohlfeil gehalten / und iſt es allbereit durch dev Amtieute Unfleig fo. 
meit gedyen/ weil ſie nur allzeit abhauen/ nimmer aber junge Bügme 
zupflangen laffen/ daß an etlichen Orten das Holg so. und mehr Meil⸗ 
wegs über See muß zugeführet / und manches Klaffter kurhen Holhes 
etliche Keichöthaler bezahlet werden. ; 0. 
Ein anderer ſehr conſiderabler, und wann erfonderlich in reicher Keu« - 
te Händen ſtehet / vortreflich proßirabler Holtzhandel iſt auch derjenige . 
welcher denen Admiralitaͤts⸗Haͤuſern / Kriegö-Commillariaten und 
‚offen Schiffs-Bauereyen / dad Holk zum Krieg-und Kauffardey⸗ 
Schife-Bau zuführt/beftehende in eicher nen und feuern Balden/ber- 
gleichen Brettern / Krumm⸗und Zwerghölgern / Maften und Stan- 
gen / deren ihre Befchreibung /- Benennung und Gehrauch in einem 
Tradtar, des neuseröffneten Ritter-Plag (der geöffnete See · Haben 
genannt/ wofelbft die gauge Conitrattion eines. Schiffes Stüd ver 
Gtüd beſchrieben wird) — zu erſehen ift. 
Es handeln auch die an der See wohnende Kaufleute viel mit Pipen⸗ 
Staͤben / Klap-sder Stabholtz / welches nad Spanien und Franckreich 
ehet/ Spanische Wein-Pipen oder Oxhöffte daraus zumaden / da= 
Ingegen aus diefen Laͤndern viel Holtz / weiches in America waͤchſt / 
als Camperfch- und ander Farbholtz / aus Franckreich aber Ruß⸗ 
Bäumen: Planden oder Bretter/ aus welchen die Tiſchers in denSee« 
Städten allerhand fanbere Arbeit zu machen pflegen / wieder zurück 
a ar jened nach Centnern / dieſes nad) den Fuß⸗Maaß ver» 
uffet wird. - » | je 
Alles Holg iſt am beften zu fällen/ wann der Safft wieder zurück in die 
Murgel weicht / fonderlich im Winter im abwehmenden Mond. Zu 
‚den Bauen hält man die Stein-Cichen / als welcher feine Feftigkeit. 
wege in Lufft und Waſſer beftehen Fan/ vor Die beſte; Tannen / Fich⸗ 
ten und Fuhren⸗Holtz / bleibt fein gerad / und iſt gut zu den Gebaͤuen 
Inder Hoͤh; Lindenholtz brauchen die Bildhauers ; Ertenholg wird im 
Moraft gleichfam zu Stein » Buchenholg fanletund bricht leicht; Ruß / 
Kirfcen-und Pflaumen⸗Baͤumholtz iſt gut vor die Tiſcher / Buchs⸗ 
Baum dor Die Dreher / Pappeln/ Birken / Weiden und Affpenholg 
au Faß-Reiffen und Zaͤunen; Cedern / Cypreſſen / Brafilien/ Suder- 
danen/ Eben und Indianiſch⸗Holß zu aller hand koͤſtlich Haus⸗ Geraͤht. 
Kein Bagholtz wird leichlich / ehe es zubor ein Jahr gelegen/gebraucht/ 
up auch an einen wohl · berdeckten Ort aufbehalten werden / damit eg 
don der Sonuen⸗Hitze nicht ſpalte / noch von feuchten a Nie 
| egen 


-— — um — 


Hon 610 


———— — — — ——— — — 
Regen Be /fondern die durchftreichende Lufft folches gemählich 
anstrudne. : | x 
Was etwan ferner wegen der Holtz · Ntzung und des bon den Bäumen 
und aus den Wäldern kommenden Harh / Pechs und Kohlen) item da 
einen Grund und Eigenthums⸗ Herrn ein ganger DiRrit von Bäume 
entweder Breun-oder Bauholtz daraus zu machen / abgekauffetwird/. 
zu wiſſen ift/ ſolches gehoͤret nicht hieher/und if. bey denenAuthoribus, 
Die bon Land⸗ Leben gefchrieben/ fonderlich aber in des Herrn von Se⸗ 

ckendorff Teuticher Fürflen«Staat/und des Florini Rechtögelehrten 

Saus · Bater zu erſehen. *2* 


* Aonig/ Mel. du Miel, das beſte muß fe ſuͤß⸗ſcharff / eines liebli⸗ 
Een Geruchs / fein klar / weiß oder licht ·gelblich / nicht waͤſſericht und 
fluͤßig / auch nicht ſchwer / und wann nıan es zeucht / leichtlich abbrechen 
und nicht wiederum hinter ich Lauffen oder ſich zuſammen ziehen; Es 
iſt aber das allerbefte Honig / welches don den jungen Immen und 
Bienen/ im Majo gefeget/und alfo im Frühling oder Lenhen geſamm⸗ 
[ct wird / darnach iſt das / fo im Sommer fällt; das Winter-Aonig 
iſt nicht fo gut. N Zeutfchland findet man rohtfaͤrbig Honig / das 
gem ſuͤſſes Geſchmacks / und nicht vieler Feuchteift. Das. Wild» 

onig iſt auch nicht alfo Frafftig/ wie dasjenige / ſo die Bienen in den. 
Gärten von mancherley guten Blumen ſammlen. Ausden Aonig 
wird der ſuſſe Meth gefotten/ undaud die fo genannten Lebzelten und 
Pfeffer / Honig⸗ oder Leb⸗KRuchen mit und ohne Mandeln nnd Ge⸗ 





wwuͤrtz / nach eines jeden Orts Manier und Abgang / damit angeruͤhret. 


Die unter dieſen Kuchen ſo genannnte Kayſers haben ihren Urſprung 
in —— Ao. 1487; her / da Kaͤyſer Friedericus der Vierdte in, 

der Creutz⸗Wochen 4000. Kindern /’fo noch nicht über 10. Yahı alt 
waren / und ſich in den Stadt-Graben der Reichs⸗Veſtung verſamm⸗ 
tet hatten / jedem ein Blaͤtzlein worauf des Kaͤyſers Bildniß geſtan⸗ 


den / geben laſſen; wiewol heutiges Tages bon ſolchen Modell gaͤntz⸗ 


lich abgewichen worden / alſo daß allerhand Figuren verfertiget wer⸗ 
den. Sonſten werden zu Thoren / einer an Pohlen graͤntzenden 
Sladt / item zu Ruͤrnberg und Ulm, die beſten Pfeffer-oder Leb⸗Ku⸗ 
chen gemacht / und wird don einem Schwäbischen Grafen von Wer⸗ 
denber * let / daß er ſeine Grafſchafft Albeck mehrentheils in 
Ulmiſchen Leb⸗Kuchen verſchlucket / und unter dem Verzehren ſich dies 
fer Worte gebrauchet: Wie ſchmecken fie ſa gut / gebt mehr her / 
gebernch! her. Es ſeynd aber die Thorniſchen und auch die Rürn- 
ergiſchen Pfeffer-Ruchen albereit fe beruͤhmt / daß diefelben Hin und 
wieder in Europa Den en Kıften voll verfandt werden. Der Be⸗ 
trug/ der in dem Verkau a aa RS 
14 | einige 


\ =» 

616 on Hor | | 
einige Waſſer und Mehl darunter mengen/ ſaman aber dutchd Feuer 
bald mercken kan / weil es nemlich / wann Mehl darunter gemengetz 
nicht ſchmeltzen ober flüßigwerden will / ſondern Aunner dick als ein 
Breybleibet. Dieſe Probe kan auch in einem Löffel poll Honig über 
Das Sonigyulniern/ogich Daran gl bie Waffe / Race au 
Das Honig zuldutern/ ſo gieß daran gleich hiel Waſſer / Kochs mr 
ſchaͤums mit einem —*— ab; foltees —* dieſe Weiſe nicht wohl gerei⸗ 
niget ſeyn / fo koͤnnte mans mit Eyer⸗weiß clarificigen / und nimmt 
wan als daun zu einem jeden Pfand ein Weiſſes bon Ey / oder damit: 
die edelſte Geiſter des Honigs nicht zu ſehr verrquchen / fo nimm 
Jungfern⸗Honig / das noch nie ans Feuer gefonunen / ihus zugleich 
nut dem Wefel in einen ſpitzigen Beutel / bängsan einen laulſchten 

rt Inder Sonnen/ ober in einer mit Waffer:Ddmpfien gemärnsten. 

—AAc———— damit das Honig 
herxaus flieſſe/ bach ft man ſich hüten / daß durch zu are Hihe dag 

Wachs nicht zugleich, fondern nur das Honig durchgehe/ melches her⸗ 
nach ohne einige Abfchäumung oder fernere Kochung vor (ic lang ge⸗ 
ug dauret / und —I Kraͤfte hat / auch ſolcher geſtalt feiner 
ſuhtilen Theilgen nicht beraubet wird. Das in den Beutel zurück ge⸗ 
biiebene Wachs und Vorſtoß / Fan man yon übrigen Honig mit Waſ⸗ 
fer ſcheiden. 

Aonig-Btähr-Aonigfang / Melilla, 

Aonig-Zucker / MelSaccharinum, . 

Sonig · Alee / Melilotüsnobilis, Coronata; 

Hopffen / Lupulus, Mas, RF 

Hopffen ohne Frucht / Lupus ſeemina. 

Hordeum, Gaͤrſten / das Mehl davon kommt unter bie erweichende 
und Schmertz⸗ ſtillende Umfchläge, Der Gaͤrſten wird in Hordeum 
Hyemale & zflivum, oder in Sommer⸗ und Winter⸗Gaͤrſten einge⸗ 
— an ift der befte / und ſchwerer als der Sommer-Gärften; 

19€ en, RB ® 






Horminum hort. Selarea Gallitrichum , Garten⸗ Scharlach / die 
Blätter helffen por die Trunckenheit / und reigen zu Venus - Händeln/ 
pertreiben auch die Mund» Faͤule, Der Saame ift gut demjenigen/ 

o ſich mit giftigen Metallen verderbet / und einen bofen Magen dar⸗ 
ber bekomimen haben. Dieſes Kraut iſt auch ein bortrefliches Mit⸗ 
tel wider den weiſſen Weiber ⸗Fluß / man tan es mit Roſinen Fochen/ 
oder deſſen Eſſeotz darzu nehmen. Aeuſſerlich dienet ed in den Mut⸗ 
—— aut in der Suffocation felbften/ da eb dann der Bi⸗ 
ergeil nichtö nachgiebt / dannenhero es auch wegen folder feiner Tus 
gend das Diutter- Kraut genennet wird. 


Ast» 


- — En 


Hör 617 


Acrner /Cornus, fr,des Cornes , pon Buͤffeln / Ochſen / und Kuͤhen / 
En chen/ / Gemſen und Boͤcken / kommen fehr häufftg in dev Kauff⸗Leut 
nde/ und werdenvon denenfelben an unterfchtedliche Handwercker 
welche ſolche weiter zugurichten/ und zur Verfertigung allerhand Ma- 
nulacturen be zu machen wiſſen) verkauft. 
Sirſch⸗Horn brauchen die Apothecker / um folches zu fchaben/un unten 
die Artzneyen und zurChymie zugebrauchen. Die Meſſerſchmied bes 
dienen ich deſſen zů Meſſer und Hinſchfãnger⸗Haͤfften. Buͤffel / Och⸗ 
fen und Kuh · Horn / wird von den Kamm⸗ Machern und Dre hern ge⸗ 
kaufft / jene daß ſie allerhand Kaͤmme davon machen / dieſer aber dre⸗ 
ben unterfchiedliche Sachen daraus / welche unmoͤglich alle zu benen⸗ 
wen ſtehen / es wird auch von denen fo genannten Horn-Richtern 
(welche das Horn etſt zerſchneiden / hernach auf den Feuer ausbrei⸗ 
ten / anöhlen/ in warmen Waſſer weichen / ſelbiges hernach in die 
Klammern ſpannen/ auf das Stock⸗Brett richten / und gerad zuſam⸗ 
men ſchlagen / und alſo den Kamm⸗ Machern indie Hände arbeiten) 
das Laternen⸗Horn zubereitet / welches hernach hin und wieder ver⸗ 
fuͤhret / und init guten Busen verhandelt wird / inſonderheit wiſſen 
Se u iſt nur in Rurnberg allein befindliche Wild» 
r 





uff und Horn⸗Dreher ſehr artliche Wald und Jäger - Horn aus 
en, Dchfen und Buͤffel⸗ Hoͤrnern zuzurichten / ja ihre Kunſt iſt in 
nterfchiedlichen Arten / der. Wild⸗Ruffe fo weit geftiegen/ dap fie 
tflich des Gugudes/ und nach einer geringen Verwendung der 
gi en / des wilden Schweines / des Rehes / der Füchſe / und der 
Haaſen⸗Ruff / fo dann das Gefchnadey, der wilden Bänfe und Ens 
ten ſammt den Kuff der wilden Tauben daraus machen Fünnen. 
Sen auch aus Horn unterfchiepliche Arten yon Schreib⸗Zeu⸗ 
en / ſehr art Büuchsgen mit Roͤtelſtein und Bleyweiß / oder auch ei⸗ 
ner Schrelb⸗ een ber hen / um ſich folder im Nothfall zu bedienen/ 
und ſelbige ohne Beſhwerung in dein Sad bey (ih zu tragen. Ju 
beit dergleichen Bü sgen (ind auch öfters einige Zahnflierere/ Bal⸗ 
— und — verborgen / hiernechſt werden auch 
 üfter ihre Arbeit gezehlet / und in zimlichen Werth gehalten / die 
Tchöne Pulver-Flafchen und Pulber⸗Hoͤrner / welche fie zumahl mas 
die erfte Art betrifft / durch befondere Preß⸗Wercke / vein / heile und 
durchſichtig zu machen wiſſen / daß man auch ein jeded Pulver⸗Koͤrn⸗ 
lein / wie in dem reineſten Glas dadurch erkennen kan; auch koͤnnen 
fe ſolche ſehr artigmit Farben / beborab aber roth oder fhwarg 
eigen /und dadurch dem Horn einen befondern Blank und Annehm⸗ 

ligfeit zu wege Hr ; 
Was die Kunſt⸗Haͤndlers vielmahls ans alten Kunft-Kamımern vor 
rare Körner (bie etwann als —— den ee 

945 olt 


MB Hör 
Volck einZeichen des Angriffs darmitzugeben / item das Deld wie 


bey den alten Römern gefchehen / zu Solehnen und fonderkich des 
Bacchi Opffern einzuladen / von den Alten gebrauchet worden /) an 
ſich handeln / und an Fuͤrſtl. Höfen / oder auch in andere Kunſt · Kam⸗ 
mern wie der verhandeln / ſolches laͤſt fich um ſo biel weniger beſchtei · 
ben/ als dergleichen Antiqvitaͤten nur fo viel werth ſeynd / als ſich cou- 
riöſe Kaͤuffers darzu einfinde. — 
Die kuͤnſtliche Zubereitung des Horns belangend / und zwar mie ſol⸗ 
“he erſtiich weich zu machen / fo nehmen egliche eineLaugevon Aſche / 
von Bohnen-Schalen/ gebrandten Weinſtein / lebendigen Kalch / 
und ſtarcken Wein⸗Eßig / und laſſen darinn das Horn kochen / fo wird 
es faſt ſchmelhen / item nimm Manns⸗Urin der 4. Wochen bedecket 
geſtanden / thue darinn ein Pfund ungeloͤſchten Kalch / halb ſo vieb 
Meid-oder Reb⸗Aſche / s. Loth Weinſtein /g. Loth Saltz / miſche 
alles untereinander / laß es wohl flieſſen / gieß es in einen Laugen⸗ 
Sad / laß zweymahl durchlauffen / die Lauge behalte wohl hedeckt / und 
lege das Horn s. Tag lang dareien. | 1. 


Das Horn wie Schild Aröttnä machen. — 
So nimm ungeloͤſchten Kalch zwd Hard voll / Siberglette einen hal⸗ 
ben Löffel voll’ diefes alles in guten Urin gethan/ mit dieſer Mixtur 
beftreich die hole Seite des Horns Flecken⸗weiff / mas Geftalt dom 
Flecken man haben will/diefes wird durchdringen / und das Horn wird 
dich darnach gelinen/ alsdann nimm Zinober/mit Leim angemacht/ bes 
ftreich damit das ganze Horn aufder Geite/ welches die Beftalt der. 
Schild: Kröten Haben foll/ wie auch das Holtz darauf es foll geleimet 
werden / und endlich ſo polire es. Lem nimm z. Obentin Agvafort, 
folvire dariun ein halb Oventin fein Silber / (jede das Horn zuvor in 
Salpeter / trage hernach DasAqvafor: fein ſuhtll zwey mahl nacheinan · 
der darauf hierauf wieder in friſchen Brunnen = Wafler geſotten / und 
danu mit Schafftheu wohl poliret / dann mit Linden⸗Kohlen / zuletzt 
aber mit trockenen zarten Trippel. Warn das Zorn etwas krum 
worden /fo hält man es bald über gluende Kohlen / fo wird es wet 
uud gelind / daß man es nach Gefallenbiegenmag. 

Horn und Helffenbein braun zu beitzen. 
So nimm Reſtlers⸗Schwaͤrtze / thue ſie in einen neuen Topff / ferner 
thueein wenig dal miae darein / laſſe das Holtz oder Horn ſieden / bis es 
ut ſchwartz wird / alsdann mit Wachs abgerieben. Du muſt es zuvor 
1 Allaun-Waffer liegen laſſen / ehe du es faͤrbeſt. | 
Das Horn blau zu färben. 
So nimm ein Meßingo Becken / beſtreiche es mit Salmiac , glüe es in 
| eineht 





— —— — — 


Hor Hüt 619 
einen Feuer / gieſſe Kalck⸗Waſſer darüber / ruͤhre es wohl unter ein 


ander / ſo haſt du ein blaues Waſſer / darein lege das Horn 
€ darim liegt/ je blauer ed wird. ege das Horn / je länger 


Horn ⸗Ertz / ein durchſichtig Ertz / ſo reich an Gehalt ig. 
Horn⸗Kuͤmmel / Conſolida Regalis, Caleanippa 
Horn⸗Stein / eine ſchwarhze auch roht ſtrenge Berg: Art, 
Suff⸗ Lattig / Tuſſilago, Farfara, Ungula — 
Huͤfften / Cynosbatos, 
Humectans, welches befeuchtet. 
Hunds⸗Augen / Conyaa, cunilago, 
— Rohl / Apocynum. * 
Dillen / Cotula fœtida/ Chamomilla canina, 
Milch / Efula rorunda; Peplis. 
Zoden/Colchicum commune, 
Gifft/ Aconitum,Fabaluparia. 
Gras / Holofleon, Denticularis Ruellii,' 
Veil / Viola canına. Ä * 
Milten / Atriplex eanina. Ei | 
Knoblauch / Allium canina. = ! 
Wurtz / Bryoniaalba. om | ey 
AA Carcharias, muftelus, 
en/ Cynomia, 
Ropff / Anthirrinum, ° | 
Lauch / Ricinus, Cataputia major, ° 
Cattig / Densleonis, roftrum porcinum, 
Pererisin/ Petrofelinum caninum, Cicuta minor, 
Zungen / Cynogloſſum &Cynoglofa, 
Aörbis/ Bryonia, _ 
Zuͤner⸗Kreß / Thlafpi minus tenuifolium. 
— Rohloder Salb/ Serpylium. | 
Biß/ 1 Alfınc Alfına, Corchorus, Anagallis, 
Doarm/S Morfus gallinz, 
Fuͤll / Satureja, Cupila. u 
Rauten/ Alfıne recta. Zu | 
Beer / Huͤner⸗Traͤublein /Pegonella gallinacea bacca. 
Buͤlff⸗Wurtz / Alchxa. 
| Huͤrn⸗Kraut / Euphraſia. 
Huͤte / Pilei, frank. des Chapeaux, werben ihrer Stoflage oder Ma-' 
— Qalitaͤt und Form nad) benennet und æſhwiret / als die von Bi⸗ 
er⸗Haaren verfertigte / nennet man Caltot Huͤte / die andern die nur 
von Cameel oder Cauinichen⸗Haar / aber auch gar von purer a 
. ‚ ey 


J 


————— 


620 Hüt 5 


ſeyn / haben nad) dem der Fils fein oder grob ift/Ihren gewiſſen Preiß / 
auch manchmahl ihren Rahmen von dem Ort wo jle gemacht werden/ 
wiedanndie Hüte / Die zu Caudebec einet Frantzoͤſiſchen Stadt in 


Normandiegemacht werden / von folder Stadt ihren Rahmen füh⸗ 


ven / und ſonderbahr efimiret werden / weil fie im Regen dauerhaffe 
tig / und vonguten gefehmeidigten Filg feyn / wiewohl (ie in Teutfch 
land jest eben fo gut/ und zwar in Berlin fo künſtlich gemachet wer 
den/ daß ſie nicht allein in Regen und Sonnenſchein beft are eiben/ 
kein Waller eintrinden / fondern auch. nicht einmahl mit Schnüren 
dürften befeftiget und in der Form gehalten werden/ als welche (le aller 
zeit ohnveraͤnderlich behalten / und vielandere Tugenden mehr an ich 
haben/ weßwegen auch der Erfinderderfelben von ro 5* Ma⸗ 
—— miteinem ſonderbahrenbrivilegio darüber begnaͤdi⸗ 
get worden. 


uſſer dieſen werden noch hin und wieder in Teutſchland ſo gute | 


Hüte gemacht / daß wir keiner Englifchen oder Frantzoͤſiſchen mehr 
nöthig haben) welhe dannenhero mit gar guten Zug und Recht / mit 
2.biö 3. KReichöthaler aufdas Stud Zell Eönnen beſchweret werden / 
wann ja jemand feınen Kopff anders nicht wohl berwahret halten fols 
* = bis ev mit einen Englifchen oder Frantzoͤſiſchen Deckel bede- 
et wäre. 

Die fchmwarge Farb anden Hüten belangend / iſt an derfelben fo 
viel gelegen / daß mancher einen Hut länger würde tragen Fönnen/ 
wann felbiger im Anfange von den — recht tüchtig wäre ge⸗ 
fürbet worden. Es iſt aber zu Färbung der Hüte / ſie moͤgen gleich von 
Wolle oder Haaren ſeyn / vonnoͤthen / daß ſolche wohl mit guten Gallus 
bon Aleppo oder Alexandrien, und ſehr wenigen Indianiſchen Holtze 
angefotten/und lange darinnen gelaflen werden / damit die Farbe d 
beffer den Filg durchdringen koͤnne / wann ſolches gefchehen / fo giebt 
man ihnen in eben denfelben Bad eine gute Schwärge/niit einer ſattſa⸗ 
men Qyankität Indianiſchen Holtzes / Kupffer-Waſſers / und ein we« 
nig Gruͤnſpans / und läffet die Hüte wieder Lange in folder Schwaͤr⸗ 
tze liegen / damit die Farbe defto beffer hindurch 5 moͤge / je doch 
muß das lehtere Indianiſche Holtz / fo man in die Schwaͤrhe thut / 
abſonderlich gekochet / und drey oder vier Tage lang zum og 
kalt worden ſeyn / ehe und bevor ſolches gebrauchet wird : » 
muß die Qyaneität der Gallaͤpffel und des Indianiſchen Holtzes n 
Beftalt der Hüte und ihren Haaren / nachdem felbige die Farbe gern o⸗ 
der ungern angehmen / vermehret werden. | | 
Mac) diefemoder bald drauf muß man wieder ein frifches Bad 
von reinen klaren Waſſer machen / in welches man ned) alfo kalt ei⸗ 
ne ſattſame Qantitaͤt Indianiſchen Holtzes / und ein wenig Dr 


u thut / und zufammen 3. Stunden lang kochen laͤſſet: 
—— — in eben daſſelbe Bad / nachdem es wohl kalt 
geworden / ein behoͤrliche Qyantität geſtoſſenen Gallus / laͤſſet ſie 
wie der mit dem Indianiſchen und gelben-Holge zufammen ; Stunden 
lang kochen / wann ſolches geſchehen / fo thut man Kupffer⸗Wuaſſer / 
und endlichen die Hüte darein und wann das Bad in etwas erkuͤhlet / 
laͤſſet man ein wenig Brünfpan/ damit das Indianifche Holtz deftobef- 
fer * / darinnen * und müffen die Hüte in dieſer andern 
Schwaͤrtze ebenfalls lange liegen / damit die Farbe defto beffer in dieſel⸗ 
be hinein dringen kͤnne | 
Daferne aber Die Hüte hohes Prenfes ſeynd / oder bon Haaren / fo Die 
Sache nicht leicht annehmen/fo mu man ihnen noch die dritte Schwaͤr⸗ 
„ geben / welche eben alfo bereitet wird / ald die andere / fo im 

rd benden Articul enthalten iſt man fan aber in diefer dritten 
| Scmirsung Die Quantitätder Mäterialien Hermehren oder hermin⸗ 
dern / nachdem folches die Nothdurfft oder Güte der ſchwartzen Far⸗ 
be / ſo man machen will / erfordert ; Und daferne der Glaſt der Hü- 
te blaulich ift / / ſo muß matt im dieſer legten —— mehr 
bes Holy hinein thun: Hingegen aber / daferne ſelbiger zu roͤt 
lich wäre / fo muß man des gelben Holtzes weniger nehmen / und 
des Indianiſchen mehr / und alfo auch mit den andern Materialien, 
taachdem eines in den zwey erſten Schwärgen mehr als das andere ſich 


zur — ee j 
dem nun Die Huͤte wohl gewaſchen / und von der ſchwartzen Far» 
begetetriiget worden / fs fan man den allzuftarıten blaulichen Glaſt 
in deuſelhen / dafern es noͤthig iſt betmindern/ und durch ein ger 
riuges Bad von gelben Holhe gemacht / ſaͤnfftigen / welches / auge⸗ 
es ein wenig Gummicht iſt gute Wirrckung in den Hüten 
ſie ſeyn gleich don Haaren oder von feiner Wolle. Und 
gle ichwie die Huͤte von grohet Wolle und geringen Preiſſe / mit der 
erſten *2xX nügegefärbet ſeyn / nme daß man ſie mit 
Gallus wohl anſtede / und ſchwattz mache / auhinihremGallus-Sud 
eine behoͤrliche Qyantität bon Smac, Rodoul ind Fovicthue / und die 
Doſin vder dad Gewicht des Kupffer⸗Waſſets nach Proportion ohne 
Verminderung der andern berſtaͤrcke: Aiſo muͤſſen Hingegen auch 
die Hüte / ſo von Mittelmaͤßigen Haaren oder Wolle gemachet wor⸗ 
den / ———— Preiſes ſeynd / nothwendig die ſchwartze 
Farbe zweymahl b en / und die feineften/ / oder welche die Farbe 
ain ungernſten annehmen / dreymahl / nach Art und Weiſe / wie hiero⸗ 

ben ſchon gemeldet worben. | — 
Weii auch det blaulichte oder roͤthliche Glaft in den feinen mid Mit⸗ 
telmäßigen Hüten / durch das gelbe Holt vermindert und beſanſtien 
t 


* 


Ay, 


612 | Hüt 
oder linder gemachet wird / da hingegen bie / von grober. Wolleny 
feine Berminderung bedörffen / wegen des Smacs , Rodouls und 
Forics, als auch des Kupfſer-Waſſers / fo man in aroffer Menge 
darzu thut / als koͤnnen ſolche nur durch ein geringes Bad von Gau- 
de gemacht / geſaͤnfftiget gelindert werden / daferne man anders 
nicht lieber ſolche ein wenig durch ein Bad wolte gehen laſſen. / ſo 
von gelben Holtz gemachet geweſen / und aus deme die feinen oder Mit⸗ 
telmaͤßigen Gattung Hüte / die beſte Krafft / als welche zu Verminde⸗ 
rung des vorgedachten Glaſtes in den wohlfeilen Huͤten noͤthig iſt / 
ſchon einmahl an ſich gezogen haben. — * 
Es kan aber die ſchwartze Farbe ſo wohl in der Wolle / als auch bey 
den Haaren / zu keiner rechten Vollenkommenheit gebracht werden / 
ohne die Weyde / derer Gebrauch die Hutmacher gantz haben einge⸗ 
hen laſſen / um gg Willen/ die ſie tu Färbung der Hüte zu 
gebrauchen pflegten 5 Auch eben / weil fe gläuben/ daß eine ſtaͤrcke⸗ 
ze Schwärge die Haare abfallend mache / welche doch igiger Zeit: zur 
Schönheit der Hüte und beſſerem Vertrieb derfekben Höhftnöthig finds 
Wiewohl folches vielmehr von demjenigen herkommt / weicher ih⸗ 
nen die fchwarge Farbe giebet / oder auch daher /weiln die Saare 
nicht gung gewalcket / nod) mit ihrem Filtze wohl vereiniget ſeyn / und 
eine gute Schwaͤrtze / wañ ſie recht gebrauchet wird / nie dergleichen bů⸗ 
ſe Wirckung beweiſet / fondern zu viel beſſern Abgang hilfft / auch fo 
nühlich iſt / als ſonſten das Haar zu den Huͤten. | 
Damit man aber diefen Fehlern vorkomme / und. die Hüte ihre bol⸗ 
lenkommene Farbe befommen mögen / als iſt bonnoͤthen / alle Hutma⸗ 
her dahin anzuhalten / daß ſie alle ihre Wolle oder Haare nach Ge⸗ 
ftalt oder Eigenſchafft derſelbigen / zuvor Blau machen laffen / che 
fie diefelben zu Bereitung der Hüte anwenden / alldieweiln die biaue 
Farbe fehr decket / und beedes die Wolle als auch Haare/die ſchwar⸗ 
ge Farbe beffer anzunehmen / tüchtig machet / alfo per ——— 
Den groben und Mittelmaͤßigen Hüten nicht fo ſtarck geben darff / auch 
die letzte ſchwartze Farbe. (welche zu denfeinen Hüten/ oder deren 
Haare / die Farbe ungetne annehmen / gebrauchet wird ): auf dieſe 
Weiſe erfpahren kan / und wird hie durch die Farbe der groben und fei⸗ 
nen Huͤte nur gar um ein weniges vertheuret. tue 
Ferner ift fo wohl zu Abftellung der falſchen Farbe / als aud) der 
ubeln Bereitung der Hüte / und um felbe zur rechten Vollenkonunen⸗ 
heit zu bringen/ hoͤchſtnoͤthig / daß allen Hutmachern verboten werde/ 
die Raͤnde an ihren Huͤten zubefchneiden/noch felbe zu verkaufen aus⸗ 
zulegen/ ehe und beborfolche mit ihren Zeichen innwendig bezeichnet 
ſeyn / und bon den Aufſehern / auch gefchwornen Hutmachern beſichti⸗ 
get worden / welche / wann ſie ſolche gut hefunden haben / ſie mit wen 


_ | — Hüt 623 
chen zube 


eich nildig feyu / neben-desjenigen Seinen / der 
ſolche Hütegeimader 9 Daferne aber folche falfch gefärbet befunden 
worden / ſo ſollen ſie bon den Aufffehern oder Geſchwornen arreftiret/ 
und durch die Richter der Manulacturen conſiſciret / auch demjeni⸗ 
gen Hutmacher / welcher ſolche falſch gefaͤrbethat / eine Geld· Straffe 
aufferleget werden. 
Daferne aber einiger Hut / ungeachtet er fo wohl von dem Hutmacher 
Der ihn gemachet / als auch den Aufffehern und Geſchwornen bezeichnet 
worden, dennoch falfch gefärbet zufeyn befunden würde/fo foll der jeni⸗ 
ge / welcher ihn gekauffet Hat / ich an deme / der ihm den Hut verkaufft / 
und diefer hinwieder an den Hutmacher / fo felben gefürbet/als auch an 
die Anffſehern und Befchwornen/ welche ſolchen falſch gefärbten Hut ge> 
geichnet Haben / benebenft einer Geld⸗Straffe ſeines Schadens wegen 
Bi haben / damit ſie Anskünfftige fleißig und beſſer acht haben/ 








d Eeinen falſch gefärbten Hut vor einen guten zeichnen. 
nit man aber zu einer ohnfehlbahren-und warhafften Erkaͤnntnis 
gut gefäsbten Hi ‚gelangen mögen / als iſt noͤthig / dag von einen 
jedweden — — uufft/ in einer jedweden Stadt zwey / bier 
doder ſechs Hut⸗ Filtze / auch wohl weniger oder mehr / nachdeme als die 
biel oder wenig bon jeder Gattung Wolle oder Haare / fo in et» 
ner jedweden Stadt bereitet werden / nöthig zu feyn/ beduͤncket wird: 
Uud zwar aufdiedreyerley Manier oder Arten von ſchwartzer Farbes 
derer in den vorigen Articuln ausführlich gedacht worden / gefärbet 
und in ihren Zunfft⸗ Haͤuſern verwahrlich beygeleget werden / damit 
man ſolche an ftatt — N I gebrauchen / und bermittelft 
berfelben bon der guten oder böfen Farbe eines Hutöfünfftig hin ur» 


theilen könne. | 
Daferne man aber dem Befichte nach / nicht gnugſam Yon der@üte et» 
—— urtheilen koͤnte / ob man gleich ſolthen mit der. Haupt · 
Probe gegeneinander hielte / fo iſt vonnoͤthen / daß die Auffſeher oder 
Geſchworne / welche Macht haben fie zu zeichnen / ein klein Stuͤcklein 
vonder Haupt-Probe / fo von eben der Wolle / Haaren oder Farbe des 
Huts / welchen man probiren will / feyn muß / ſammt einen andern 
. GStüdlein vomHute / welches auffs genauefte von dem Rande deflelben 
abgeſchnitten werden muß / damit im geringſten feine Ründung fein 
Sdade gefchehe nehunen / dieſe beydeStüclein eine halbe Stunde lang 
mit eben jo biel Allaun und Weinſtein / als biel beyde Stuͤcklein gewo⸗ 
gen/mit einander ſieden / und warn ſolches geſchehen / beyde gegen eine 
ander halten / und dadurch die Guͤte oder den Fehler der satten 
Farbe / fo dem Hute gegeben worden / deſto beffer zu erfennen/und da» 
bon zu urtheilen. .. — 
Und ob wohl dieſe Bewehrung eben feine von den allerſchaͤrffeſten oder 
genaue» 


GM —Hdva | 
genaueſten iſt / nichts defto ne Sen 
e 
hen bes 






t 
werden / foift doch felbe mächtig genug das indern / ie 
auch / damit die guten Farben und guten Hüte durch ein Zeichen d 
Böfenund Falſchen unterſchieden werden koͤnnen / dabey dann von⸗ 
noͤthen / daß in dem Zeichen der Geſchwornen oder Auffſeher / auch der 
Stadt⸗Rahmie / und eine abſonderliche Zahl von jedem Jahre der Ger 
ſchwornen ſich finde/und alſo ferner auff das Buch der Zunft geb 
werde / auf daß man mit Recht wieder diejenigen die ſolches gemi 

brauchet haben / verfahren koͤnne. Auch ſoll in des Hutmachers 30 
then fein Rahme abgekürtzet ſtehen / damit man im Nothfall alit 
deutlich erkennen / und zugleich unterfcheiden koͤnne un 


Hyacinthus,Spaeinh if ein durchſcheinien des Edelgeftein / gelblicht 
roth / und ſtehet faft wie Feuer⸗Flammen aus / etliche ſeynd Orientali⸗ 
ſche / theils formen auch aus Schleſten und Böhmen, dii Farbe ſcheinet 
—— oder wie ein Bilioſiſches Geblüt / und dieſe ſeyn Dit 

eften / theils ſeynd wie Agſteiti / etliche wie fa Safran / der 
aller befte muß nicht klar / auch nicht dunckel ſehn / der felne iſt ſo Ar 
daß er ſich nicht graben tüßy ie bei) dem Feuer roͤther werden / hätt 
man por die fhönften / die Venetianiſchen haften kein Teuer si 
den feinen gibts dreyerley Sorten / als roth / Eiſen und Gelb⸗faͤr⸗ 
bis! der rothe fo man ihn ins Feuer legt / wird noch roͤther / 
raucht den Hyacinch auch in der Medicin , und wird ſonderlich 
Hertz⸗ ſtaͤrckende Ratıderge/ Confectio de Hyacintho —— 
welche Gelb⸗ roͤthlich und friſch fe / auch ihrerechteConfifletice has 
ben muß / wann fie vor gut pastıren ſoll / die Landſtreicher pflege 
vr nit Honig / Boltis und Metall nach zu machen. Deskyacınthernis 
teins Nachkuͤnſtlung geſchiehkt / enlweder durch ein aus Bley gemach⸗ 
tes Glas / welches aber hernach biel weicher unb leichter / als der rechie 
Uyacinth iſt / oder es as einige dazu Vitriol-Del / ein halb Loth 
und gleich fo viet Waſſers / diefed wohl untereinauder ge 
thut man Stahlfeilih darinn / ſetzt es hernach in ein Glas du 
einen warmen Ofen / wann ed alsdann ſolxitt / uud Weil es no 
warm filttirt wird / bringt man ſolches in Keller / ſo werden bald 
Chryſtallen anſchieſſen / die macht man zu trocknen Pulber / thut ſol⸗ 
ches hernach unter eine Muffel / und ruͤhret es ſtets wohl uni / bis es 
Blut? roth wird / wart ſolches geſchehen / nimmt mans abermahl 
vom Feuer / thut es in eine 5 — Phiole, gieſt guten deſtitten 
—— darauff / ſetzt es bier Tag lang in gelinde Waͤrme / 
olches 4: Tag darin ſtehen / alsdann wird wieder friſchet Eßig auff⸗ 
gegoſſen / und ſolches ſo lang bis der Eßig nicht mehr extrahıter / als⸗ 
dann gieſt man ſolchen ab / fo bleibt im Grund ein ——— 





— —— 


| DL... 
Pulver / diefed mup mit warmen Waſſer wohl ausgeſüſſet werden / 
ſo iſt die Tinctur fertig. Weiter nimmt man calcinirte Flinten⸗ 
Stein / BenedifchenBorras, jedes ein Loth / thut darzu s.GranTindur, 
fegt es zuſammen in ein Tiegel / erſtlich in gelindes / alsdann in ſtaͤrcke⸗ 
tes Feuer / bis es klar Wird als ein Chryſtall / und endlich fo hoch colo- 
rirt als mans verlanget / andere nehmen 4. Loch Chryſtall / i6. Loth 
Bleyweiß / wohl bereitelen Crocum ı. Oventin / reiben alles wohl 
a und laffen ed 6. Stund flieflen / und endlich von (ich - 

elbit erfaften, 
Hydragdea, Argeney- Mittel / welche das überflüffige Waſſer bey 
den WBafferfüchtigen abführen / ſolche ſeynd Gummi Gute, R. Tart, 
iritus nephrit. extradt, Euphorb, & diaphor, petrofel, fol, betul, 
pulep. gratiol. &c. 
: Hydrargyros, ärgentum vieum.vide Övedfilber. 
Hydromel , Methoder Honig⸗ Waſſer. 
: Hydrotites, vid. Adler⸗Stein. 
Hyoſciamus luteus niger , Peruvianus, Nicotiana. Toback 
Hyofciamus Jusqviamus, Faba Suilla Dens Caballinus, Bilferit+ 
Kraut / iſt zweyerley nemlich ſchwartz und weiß / jenes nennet man auch 
wohl Tollſchlaff · Kraut, die ſes / weiß Bilfen-Rraut/ beyde dienen vor 
hie und Hüfft-Meh/ der ausgeprefte Safft andie Wundge _ 
d 









miert vertreibt die Wantzen / der Rauch von diefen Kraut tödtet 
apen. Der Gaame macht tolk/ und unempfindlich bringe den 
Hund benimmt den Schmergen. - 
Hypericum,Herba perforata tuga Pæmonum, St. Johannis- Kraut 
waͤchſt in Hecken und ungebanten Dettern / blühet im ſulio, in dem 
Apotheken hat ınan die Blätter und Blumen/ es waͤrmet und trock⸗ 
net har dünne Theile/ treibet den Harn / und dienet den Wunden zur 
‚Reinigung / der Saamie davon iff fhrmark / braun und läng 
warn man ſolchen reibet fo richt er wie Terpentin/ die Blumen geben 
einen vothen Safft don ſich / man gebraucht aber anı meiften derfelben 
Ober⸗Spihhen / welche fo wohl inn» als Aufferlich zu heilen nicht ihres 
Gleichen haben /fo dienet auch Died. Kraut vor den Schlag und ſchwere 
Moth/ rem vor Die Zanberey/ indem dafiir gehalten wird / daß es der 
Teuffel nicht leyden koͤnne / und dabor liche / dahero es auch fugadz- 
monum genennetwird. | | 
Auſſer obgedachter Art von Hyperico ſeynd auch noch etzliche andere 
Gefchlechter alö Hypericum afcyrum dietum ,: five Hyperikum bi- 
: -bolium glabrum non perforatum, R —— 
Uypericum andeofümum hĩrſutum dictm 
- Aypericum cꝛv uum, minus & minimum fupinum, 
Rr Hype: 


626 | Hyp Hyſ 
‚ Hypericum pulchrum vel minus Erectum. 
Hypericum Supinum tomentofum Hifpanicum majus & Hami; 
ſlratum. | 
Hypericum Syriacum & Alexandrinum. 
Hypnoticum ‚ein Schlafbringendes Mittel, 
Hypocifidos, Schlee-Dorn⸗Safft. 


Hypocifis;fft ein Gewachs / das aus der Murgel cim, wann es blů⸗ 
het / hervor kommet / wie etwan der Miftelaus Eichen. Es wird auch 
genennet Limodorum und Robethron; Aus dieſem Gewaͤchs wird/ 
voo es blumigt und ſafftigt iſt / ein Safft gepreſſet / der ſchier dem füfe 

fen Holtz⸗ Safft gleichet / man hat ihn aber gar ſelten / und mug man au 


A chlee · Dorn⸗Safft gebrauchen / wiewol folcher ſchwa⸗ 
chere Kraͤffte hat. 


Uypothec, ein Unter⸗Pfand / dahero diejenige Hypothecarii ges 
nennet werben / welche eine Unter-Pfands-Berfchreibung / und alfo 
vermöge der Rechten / den Borgang in Concurs · Sachen und dev dar⸗ 
aus kommenden Bezahlung haben. Es iſt aber eigentlich Hypothe- 
ca ein liegend oder unbeweglich Gut / welches der Schuldener feinen 
Gläubiger zur Beriicherung feiner Schuld verpfändet / jedod nicht 
mürcklich einväumet / fondern in des Debitoris Handen verbleibet 
Pignus hingegen iſt ein fahrendes Gut / welches der Schuldener feinen 
Sllubiger wuͤrcklich zur Verſicherung in die Hände liefert. | 

Hyppocampus, auf Teutſch eine Pferd-Raupe/ift ein Art Gr⸗ 
me / ſo im Waſſer lebet/ und nicht über eine Hand groß iſt Es 
haͤuffig an den Ufern des Golfo di Vonetia gefunden Dieſes Thier 
hat kein Maul / ſondern einen langen Rüflel / wie ein Roͤhrgen/ da- 
durch es feine Nahrung ſaugen muß. Eſſen laͤßt es ſich nicht / aber 
Mediein ſoll es dienlich Er Friſch wird es von denen Jtaliänifi 
Huren gebraucht/ die Liebe beyzubringen ; mit Wein-Efigund Honig 
aufgelegt / ſoll eöden wutenden Hunds-⸗Biß curiven. 

Hyſſopus, Iſop iſt zweyerley/ zahmer und wilder / der erſte heiſſet 
Kloſter⸗ Iſop und Heyden / oder wilder Iſop / jener wird in Gärten 
unterhalten / dieſer waͤchſet auf dem Felde; es iſi ein arck⸗riechendes 
Kraui / und wird zur Expectoration geruͤhmt. Etliche ziehen auch 
dieſes Kraut in Staͤrckung des Magens den Wermuht dor; Man 
bat auch fonft noch ein ander Geſchlecht des Iſops / weiches genennet 
wird Hyfoppus cameftris , montänus, five fylveftris, Panax chiro- 
nium, FlosSolis, GratiaDei, Confolidaaurea Chirurgorum , Hey 
den an Sonnen-oder Bülden-Binfel / weil die Blumen gelb wie 
das Gold / und ſich nach dev Sonnen vichten/ auch mit denen Confoli- 


nur‘ 





— 


— — — — — — — — 


uis faſt glei 





e Wuͤrckung haben; iſt ein gut Wund ⸗ Kraut / hefftet zu⸗ 
ſammen / und ſtillet das Blut / den Weibern aber dieübrige Blume, 


Die Qvint-Elfeng bon Iſop iſt ein ſehr geſundes und kraͤfftiges Artze⸗ 


ney⸗ Mittel bor den Huſten / Lungen und kurtzen Othem. 
Ayſterolithos, ſeu Hyſteropetra vel Lapis Uyſtericus, Mutter⸗ 
Stein. | Ds: I | 
Abora Mandragora, er | U | : 
Jacca Flos Trinitatis, Coloria Viola flammer , Freyſam⸗Kraut / 
& 


F Drevfaltigkeitö:Blum Eleine Kornblum / dienet vor dte Sibe/ sd» - 


ben Schleim und Engündung der Lungen; + Manhat auch noch ande- 


ve Arten von Jacean, als da feynd Jacea major lurea , Capite $pinofo „.' 
Carduus muricatus luteo flore, Jacea nigrafeu-fuccifa , Jacea altera 


Sn 


puſilla incana folio olex, Ptarmicæ Species , Jacea oleæ folio capitu-" 


lis compadlis, Jacea pumila, humilis, Serpens, acaulis ferm£ flore. 


cyanco & albo, &e, | 


Jacinten / Syarinth/ Lap. Hyacinthus, 
Jacobæa, St. Jacobs⸗Blum. — Kia, 
Jahrmaͤrckte / Nundinz deren werden in groffen und Heinen 
Gtädten unterfchiedliche offt x. bi 3. in einem Jahr undan einem Ort 
gehalten. Es hat aber eine jegliche Obrigkeit in ihrem Lande Wacht / 


einen ſolchen Jahrmarck anzulegen/ felbigen aufzufchieben/ abzuſchaf⸗ 
fenumd zu verlegen. : Nur kommet dem Kayſer allein zu das Kecht/ 


folenne Meflen zu concediren/ und die Privilegia darüber zu erthei⸗ 
len/wie hiebon unter dem Wort Meſſen mit mehrern gehandelt wird. 


Die Verzeichniß der vornehmſten Teutſchen Jahrmaͤrckte iſt faſt in 


allen Quart⸗Calendern zu erſehen / und dannenhero unnoͤhtig allhier 
zu wiederholen. Offt findet ſich auf einen ſolchen Jahrmarck / der in 


dieſer oder jener Proving gehalten wird / eine Baar vor der andern in 
groſſen Uberfluß / alſo daß auch vornehme Kauffleute dahin kommen / 


und Real Parteyen treffen koͤnnen / dergleichen ſeynd Die Saffran-und 
Del-Märdt in Italien / andere mit Seiden / viel Teutſche Jahrmaͤr⸗ 
de mit Wolle / Leinwand und leinen Garn / · ·. 


Jalappa, Gelappa, Clelopa Celoyn, Gelapo, Jalappa iſt eine laͤng⸗ 
liche dicke und hargigte Wurtzel / welche in runden Scheiben zerſchni ⸗ 


ten zu und gebracht wird. Sle iſt der Mechoacanna nicht viei un⸗ 


er dahero ſie aud) offtermahls Mecfachacanna genennet wird / weil 


fhwärs:und ſchwerer als Die rechte Mechoacanna, und einen ſcharf⸗ 


fen und wiedrigen Geſchmack hat. Ste kommt aus Weſt⸗Indien / 


und iſt ihre Guͤte daran zu erfennen/ — fie ſich an gluͤenden Kohlen 
x v2 “ 


-. Bde 
FE 


oder an einem Licht gleich anzünden laͤßt; Diedröbflen GStäder / die 
mit den Händen nicht leicht zu zerbrechen /mit dert Hammer dber bald 
Finnen zermalmet werden/ die auch auswendig ſchwartz ⸗ grau / inwen⸗ 
dig aber —— und relınds anzuſehen ſeynd / har man am liebſten / 
man muß auch zuſehen / daß Feine audere Wurtzel / als etwan die 
Bryonia,und dergleichen darunter geniengetfey. So kaufft man ſie 
auch viel lieber in gangen Stüden / — ** / weil dieſes gemei⸗ 
niglich alt und verlegen iſt. | —— 
amblichũ Sal,iſt ein aus vielen Dingen zuſammen geſetztes Saltz / 
deſſen Erfinder Jamblichus geweien, 
Jäfe, Capito fluviatilis Cxruleus, bon einigen auchAlofa oder Alaufa 
nant/ift ein Stromfiſch / breitlich / ſchuppicht / von Farben blaulicht/ 
— auf den Ruͤcken / und zum Theil am Kopffe. Man faͤngt ſie 
haͤuffig in den Oder · Fluß und in der Spree / fie werben aber ihres 
vielen Fetts und weichen Fleiſches halber nicht ſonder lich zftimiret, - 
Jafmin, Jafminum, Jafmenum, Gelfeminum‘, hier von Fommen die‘ 
‚meiften Blumen / weil man fie in Teutfehland nur fparfam zichen 
Fan/ aus Itqlien / Franckreich und Spanien/ ſonderlich aber das 
Oleum, ben welchen doch auch viel Betrug vorgehet / indem ſie meh⸗ 
renthelis Mandel» Del ohne fonderlichen Geruch dafür verkauffen / und 
felbigeö nur mit etwas wwenigen gerechten Jalmin-Del bermengen. 
Man hatauchgetben und blanen Jaͤſmin / dev aber ſehr rar iſt / und ift 
der blaue nad) etlichen MeynungLiguftrum Otientale , nad) andertr 
aber Clematis Cœrulea. Das Del mit leichter Mühe aus denen 
jaſmin · Blumen zu ztehen/ ſo nimm der fchönften friſchen Jalmin Blu _ 
men / fo biel du wilt / mache mit aus geſchelten füflen Mandeln / die et⸗ 
was trocken ſeynd / in hoͤltzern Sieb / oder einen andern ſaubern Ge⸗ 
ſirr und aſnia· Bluinen / Stratum ſuper Stratum , aund letzlich bes. 
becke es mii einen hoͤltzernen Teller / beſchwere denſelben mit einem 
Gewicht / des andern Tages ſcheide die Blumen von den Mandeln / 
undthue friſche Blumen unter die borigen Mandeln / beſchwere es wit⸗ 
der wie zubor / und alſo verfahre etliche mahl mit friſchen Blumen / fe 
miehr je deſſer / hernach exprimire es ohne Feuer; beſſer iſt es / wann 
man an hatt der Mandeln die Frucht des Balani Myrepſicæ nimmt / 
oder Granum Been oſſicinarum, und damit ein ſtratificirtes Weſen 
machet; andere nehmen da$ Oleum Balaninum darzu / und haben 
— die Italiaͤner einen fonderbahren Handgriſſ dieſes Del zu ber · 
ertigen / nemlich: Nimm gekaͤnmete Baumwolle oder Tuchflocken / 
die mit Allaun ſchon weiß borher gemacht ſeyn / und gar keinen fremden 
Seruch haben / felbige befeuchte gar gelind mit Delvon Balano , fo 0b» 
ne Feuer exprimiret / mit dieſen hedecke man eine Zinnerne m” Gil: 
erne 





Ja I — *2 
derne Schüffel/ auf diefelbe fireue friſch gefmmmlete Jefmin-Blumen/ 
ohngefehr eines Fingers did / bedecke es mit einer andern Schäffel/ 

vecht genay darauf fchließt/und als dann wohl mit Tuͤchern / nach ver⸗ 
ſſenen5. oder s. Stundenthut man die Blumen weg / und nimmt 
wieder friſche / ſolches wiederholt man 10. oder 12. mahl / alsdann 
reßt man die Baumwolle oder Flocken aus / ſo erlanget man ohne 
—* eine herrlich wohlriechendes Oel. Auf dieſe Weiſe kan man 
aus Pomerautzen / Citronen / Violen / Raͤgelein / Blumen / und andern 
dergleichen Dingen / ein Oel bereiten. 
Einen Jaſmin⸗Balſam zu machen / ſo nimm weiß Wachs ı. Quentin / 


Jaſmin · Oel 2. Quentin / miſche es wohl durch einander / ſo erlaugeftdu 


einen wohlriechenden Balſam. 


Jaſpis / Hebraͤiſch Jasheve , Lateiniſch Lapis Pantherĩnus, item 
Jafpis, iſt ein dundler und nur etwas durchſcheinender Stein / wel⸗ 
cher hin und wieder roͤhtliche — auch gruͤne Flecklein hat / wird ge⸗ 
gen das übermäßige Bluten/ ach den zu befürchtenden Abortum ge> 

raucht.  Plinius feget zehnerley Geſchlecht des Jaſpis / als (1) einen 
grünen durchfcheinenden / an dem Glantz den Orientalifhen Schma⸗ 
ragd gleich/ (2) einen grauen Jaſpis / (3) einen der Lufft gleichen / fe 
Erizufa genennetwird / (4) einen blauen / (+) einen rfarben / 
(0) noch einen blauen / (7) einen Indianiſchen / (8)einen truͤben / (5) 


einen Violfaͤrbigen / und (10) einen Chryſtall⸗Jaſpis. 


Jaſpis Saatgruͤn / Heliotropius Heliotropia, . 
auger, iſt ein Franßoͤſtſch Wort / heißt ſo biel als Faͤſer eichen / 
Vide Vſcen. | 
Ibhbiſch / Wiſcus, Althaa. ° oo tz 
.. Ichnographie der Geometrifche Grundrif eines Gebäudes / ald 
eines Baus oder Schiffe, Ä Ya, 
Ichtyocolla, vel gluten pifcium, vide Hauſen⸗Blaſen. 
. Jecoraria, Lichen Petræus. | 
Je laͤnger je lieber / Chamzpithiis vel Jacea, item Chamædrii⸗ 
vulgaris, | —— | 
Jeſus⸗Bluͤmlein / Viol. Jacea. Herba Trinitatis. 
Igels·Abetten / Lappa minor, Xanthium, 
„Jgels-Kolben/Stramonia, Pomum Spinoſum. 
Igels⸗ Knoſpen / Sparganium, 
Ignavus, ein Thier dieſes Rahmens / vide 4. 
- Ignis, Feuer / iſt ſehr unterfchteden / als das Himmliſche und Irr⸗ 
—* das Raturliche / fo den deib erhält / ein anders das Rüden 
Feuer / ein aadert ʒasChymſe / u nieeit /. wovon in der Medi· 
73 ein 


I. 


1 
630 Son Imb Yen ..-.| 
cin gehandelt / und nach der Stärde und Schwädhe in vier Grad ab- | 
getheilet / auch nach der Augen-Maaf/ Würdfung und Gefuͤhl erkannt 
undgeurtheilet wird. Der erfte und fchmächfte Grad des Feuns 
wird gemeiniglich ein Digerir, Circulir - oder Putrificir - Feuer ge 
nannt / fo in Bad⸗ und Pferdmiſts⸗Hitze beftchet / fo mie es etwan det 
zarteſte Finger vertragen möchte. Im andern Grad ift die Hige 
ſchon geöffer/ und ſolche kan die Sand kaum ausftchen / dennoch aber | 
wird ſie nicht dabon beleidiget; ſolche Hitze ift in heiffen Waſſer und 
Sonnen⸗Strahlen; Welche Hige aber die Hand nicht vertragen 
kan / als die Bigeim heiſſen Sand oder fiedenden Waſſer / Die ıft ſchon 
im dritten Grad. Im vierdten Brad verbrennet alled / und diefes 
iſt das Reverberir- Feuer / fo dad Corpus anallen Enden angreift? 
brennet gang heil; man findet edingluenden Feil-Spähnen. Biss 
geilen wird auch der Grad von Feuer nach den niederfallenden Tropf⸗ 
fen unter dem Deltilliven beurtheilet/ nachdem es langſam oder ges 
ger geſchicht / wie man etwan aus dem Puld-Schlag eines Mens 
en Hihe bemerdet und abmiſſet. In der Aſche iſt nur der erfte / 
andere und dritte Grad / imblaffen Feuer aber ſeynd alle vier Grad 
zu finden. Gonften zählet man auch noch andere unterſchiedene Feu⸗ 
er / als das offene und — oder verſchloſſene das Feuer bey 
den Bad/ in trodenen Sand / inder Afche oder Feil- Spünen/ eiu 
hell⸗breunend oder Reverberir-Feuer/ ein Dampff⸗Feuer aus Torff / 
ein Lampen⸗Feur / Pferd: Mift und flammend Feuer. 
Ignisactualis ein wuͤrcklich Feuer / iſt welches im erſten Angriff vers 
brenmet/ als das gemeine Feuer und die eiferne Cauceria, Ä 
IgnisCirculatorius, dad Circulir- feuer. 
Ignis potentialis, dad vermoͤgende Feuer / iſt ein Medicament, welches 
wann es eine Weile auf einen Theil des Feibes gelegen / erſt fein 
Krafft auswürdet / und ald Feuer eget und brennet / dergleichen i 
der Läpisinfernalis, ©  - — V 
Ignisreverberii, das Reverberit · Feuer / wird in der groͤſten Flamme 
mit Blaß · Baͤlgen angemacht. | i 
llexcoccigeravel Coccifera, Kermes, Alkermes, Granum Ker 
mis vel Tinftorium, Kermes / item Scharlade Baum. Vide Cherrzes. 
Ilex aculeata baccifera;Rufcasarboreus, Agrifolium, oder Men- 
ning / Leber⸗Kletten / iſt ein bewährtes Leber 7 Milg 7 Magen-und 
Bruft-Kraut. ee, > 
lmbibere, anfeuchten / eintraͤncken bey denenChymicis bedeutet Im- 
bibitiseingAblution oder Abwaſchung / als wann dev dem Coͤrper 
zugeelgnete Ligyor aufgetrieben wird / und keinen Ausgang findet/ 
und alſo in den Coͤrper wieder zurück gehen muß / da dann — 
* | eder⸗ 


% 


| mm Imp 638 
wiederholte Eintränckung derfelbe allgemählig gereiniget wird/ bis 
er coagulivet/nicht mehr auffteiget/und alfo fix mit derbleibet. Diefe 
ngeArbeitift Philofophifch / und kommt niit der gemeinen nicht 
berein / ſie wird auch ſonſt Kectificatio genannt / bisweilen aber be> _ 
Deutetes eineiede Schmängerung eines Coͤryers / die mit einen feuch⸗ 
gen Wefen gefchiehet. - So ift es auch eine Eintraͤnckung / warn man 
Das Arcanum Tarrari beveitet / und das Sal Tartari mit deftillirten 
Wein⸗Eßig offt und ſo lange einträndet / bis das Sal von Eßig ge⸗ 
saua an ſich gezogen / und den ſauren Spiritum wieder fo/ wie er aͤufge⸗ 
geilen / vonfich läßt deſtilliren / item 7 wird es auch eine Nutritio ge> 
Baniitoderinceratio. : - | 
Immen / Apes. 
Immen ⸗ Blat / Meliſſa. 
Immen ⸗Kraut / Thymus. | 
* Immerfio, eine Eintauchung / wann das / was calcinivet werben ſoll / 
in fluͤßig Saltz getuncket wird. | 


_ Immautatio,eine Verwandelung etlicher Accidentium eines Coͤr 
pers / als z. E. wann die Saltze in Del per deligvium ſolyiretwerden / 
wie dad Oleum Tartaxi. rege — 


lmpalſſlare, miſchen / daß eine Maſſa wird / es hat aber dieſes lmpa⸗ 
Stiren feinen Unterfcheid von nutrire oder imbibere. welches nur maͤh⸗ 
Lich und folgerlichgefchiehet/ bey dem Impaftiven aber wird auf ein: 
mahl fo viel Liqvor zugethan / als viel zu des gemifchten: Coͤrperb 
Confifteng ( daß ein Zeug daraus werde) gehoͤret / die einander ein⸗ 
Gerleibte Sachen aber / werden in einer digeritenden Wärme ſo lang 
gehalten / bis es ſeine Dicke erreichet. * 


-" Impatiens,BalfamitaLutca, noli me tangere, Juden⸗Huͤtlein. 
Imperatoria, Oſtrutium, Aflrentium , Magiſftrantia, Laſerpon-⸗ 


tium Germanicum, Smyr nion hortenſe, Meiſterwurtz/ Magiſtrantz / 


Oſtritz / wird imperataria genannt / wegen ihrer vortreflichen Kraͤffte⸗ 
womit ſie uber. dere Wurtzeln Herrfchet. Sie waͤchſt in Italien und 
Deſierreich auf hohen Gebürgen bon ſich ſelbſt. In denen Apotecken 
Hat man nur Die Wurtzel / ſie iſt aicht allein ſtarck von Geruch / ſoudtrn 
auch ſehr hitzig / alſo / daß ſie auch in der Schaͤrffe die hitzigſten Gewür⸗ 
he / ald Paradis⸗Koͤrner und Pfeffer uͤbertrifft; Sie iſt gut wider den 
Sifft / Colic, Schlag und Podagra, man kan auch. Kugeln und Pfeil 
Banıit aus dem deid ziehen / warn man heüberlegt; item dienet fie 
audi den Schweiß und Gifft auszutreiben. Ze 


Impoften, Auflagen/ die anf der Kauffleute Ghter gefihlagen wer⸗ 
den / und bisweilen ſehr unnphtig/ wart unbedachtſam und uns 
| 4 pro- 


632 | Inp Ing 

proportiomtt ſeynd / daß lieder Handlung mehr Schaden als dem 
Erario Rugen bringen / woran dann einige unberftändige Camera- 
les und Commereien - Rühte ſchuld feyn / welche in der verkehrten 
Meynung ſtehen / wann bey der Sammer Beld fehlet/ fofey das nech⸗ 





fte Diittel/ neue Zölle aufgulegen/ Privilegia deuen Monopoliften über 


dieſe oder jene Maar und Handlung zu ertheilen / damit des Herrn 
feine Revenüen Dadurch fönnen vermehret / und ein Stüd Geld mdie 
Calla aefchaffet werden/ welches (ich hernach durch unnoͤhtige und 
übermäßige Ausgaben / durch unzie ichen Luxum und Berfhmen« 
dung leicht conſumiret / die dadurch gekrändkte Freyheit des Com-: 
Dercii aber iſt dergeſtalt von Kraͤfften gekommen/ daß ſie ſich in vielen 
ahren nicht wieder erholen kan / ja ein ſoicher zur Unzeit dem Lands⸗ 
ven in Beutel gebrachter Thaler / thut denen Unterthauen in die 
Laͤnge ber Zeit und lucceilire biel 100. Schaden / wie ſolches genig- 
fom mit Exempeln Eönnte bewiefen werden. Der Impoften , ori 
ausländifche Potentaten o tmahls auf die durch eheude fremde G 5 
ter fchlagen/ *— geſchweigen / welche theils ( warın anders die 
Paflagc, wo ſie angeleget/ unumgänglich muß genommen werden ) mit 
Gedult zuertragen/ und hernach wieder auf bie Waaren zu ſchlagen 
ſeyn / theils an gebührenden Orten koͤnnen anhaͤngig un klagbar gema⸗ 
chet / auch um deren Kemedirung / Linderung und Abſchaffung gebeten 
werden / wie alſo vielmahls an dem Kaͤy ſerlichen Hofund auf Reichs 
Verſammlungen wider die hin und wieder de fadto neu⸗ angelegte Zoͤl⸗ 
le/ ſonderlich über die an dem Rheinſtrohm geklaget / auch wol gar 
die fonft gewöhnliche Koute in Peu Transport der Kauffmanns⸗Guͤ⸗ 
ter changeret / und neue Pudagen durch anderer Herren Laͤnder geſu⸗ 
ermorden. 
— mit dieſen ober jenen Ligvore aufeuchten. Vide 
dmtjoere, Ze 
‚  JIneurare, mit Gold⸗Blaͤttlein überziehen / wie mit denen Pilulen 
eſchicht / die in einer rund berfchloffenen Schachtel/werinn ein Bold» 
Sale lieget / hin und wieder gerütteft werden / bis ſie mit Goid 
aberzogen feyn. e 
Incarnät, vide Roht oder Zeibfarb, ” J 
Incens. Olibanum incenfuu', 
Incsrare, iſt ebenfo viel alöimbibere, 
Incidens iſt fo biel als atienuans. ua, 
Inöidere, gerſchneiden / ald die Kräuter mit einer Scheer, was aber 
härter ift/ als Holg/ / Wurtzeln / Rinden / mit enem Meſſer. 
Incineräre, zu Aſche brennen / dieſes wird vornemlich bon Denen 
Vegetabilien nnd Zhierenverfinden. 
J neor · 


* 


u u u — .-. 


Inc Ind 633 
neorporatio. eine Einverleibung. en 
Incraflans, daß diedisune und flieſſende Feuchtigkeiten Did macht / 
Daher incraflantia, folche Argeney Mittel / welche das waͤſſer ige Ges 
bfüt verbieten. — 


— r — — —* 


.. 


- Tocus, ein Ambof. E | 

‚Index, ein Regifter/ Nachweiſer / item der Zeigefinger. ' 
Indianiſche Wasren und Handlung werden getheilet in Oſt⸗ 
und Weſt⸗Indiſche / jenes wird zu Alien gerechnet / und beſtehet in 
den dis⸗ und jenfeitd den Ganges-Fluß gelegenen beſten Ländern/ 
worunter des groſſen Mogols Reich/ die Rönigreiche Siam, !’egu, und 
das weit begriffene China mit verſtauden werden / und in die umlie⸗ 
gende Inſuln / als Java,Sumata, Ceylonund Borneo. Dieſes aber / 
nemlich Weſt-Indien / wirdunter America begriffen; Von beyden 
haben wir ſchon water der Kubric der Oſt⸗ Indiſchen und der Ame- 
ricaniſchen Waaren Meldung gethan / daß alſo ſolches allhier zu mies 
derholen unnoͤhtig. Wegen der Handlung aber auf beyde kuͤrtzlich 
** en / daß ſolche / ſonderlich die Weſt⸗Indrauiſche meh⸗ 
rentheils in der Curoy ier Handen/ und auch dieſelbigen Linder ſelbſt 
unter ihre Bohtmaͤßigkeit ſtehen. Nach Weſt⸗Indien gehet Die 
iff-Fahrt zu allen Zeiten / wird auch die Reiſe dahin eher als nach 
ſt⸗Indien abgeleget / weil ſie viel naͤher /dahingegen die Oſt⸗Indien⸗ 
Fahrer gantz Africam uniſchiffen / und z. mahl die Egvinodtial-Pinie / 
da ihnen die Sonne perpendicular über ihren Scheitel ſtehet / paſſi- 
gen muͤſſen. In Americaregieren die Chriſten ald Herren des Fans 
des die gange Handlung/ und feynd die wilden Leute dermaſſen durch 
Der Spanier Braufamteit anggerottet und unter das Joch gebracht 
worden / dap man ch von ihnen nichts Feindfeliged mehr zu Pa 
ft; Hingegen regieret die Uneinigkeit unter den vielfältigen daſelbſt 
etablirten Chriſtlichen Natiogen defto:ueht/und zwar nad) der Maaß / 
als ihre Principalen Hierin Europa Krieg unter einander führen / das 
bero dann die Spaniſche Silber: Zlotten oder die Gallionen / in wel⸗ 
he der Spanier Americanifche Schaͤtze geladen werden / ſo oft Gefahr 
fauffen/ und ihren Feinden den Franke em / Engeländern und Hollaͤn⸗ 
dern in dıe Hände fallen ; mie fich dann Spanien noch gar wolerin: 
nert/ daß Ao, 1629, der Hollaͤndiſche Admiral, Peter Heyn / ihre gan- 
6e Silber- Flotte weggeſchnappet / durch welche reiche Beute die Hol 
Länder Kräfte befonimen / dendamahligen Krieg deſto vigoureufer 
gegen Spanien fortzufühien. Zu dieſen unſern Zeiten bat einmahl 
per Frangöflf. Admiral Pointy die reihe Spanifche Americanifche 
Get-Gtadt Havana quszuplünsern Gelegenheit gehabt / bon welcher 
er mit geoffen Keichthum wieder gu nach Franckreich — 
we; J wie» 





634 Ind * 
iewol damahls don dieſen Allerchriſtlichſten Catholiſchen So 
ie Spaniſche Catholiſche Americaniſchen Kirchen am meiſten vißti- 
ret / und die Gold und Silberne Zierrahten daraus genommen wor⸗ 
den. Doch ſoll man(wie nach der Zeit berlauten wollen) zur Ausſoͤh⸗ 
nung dieſes Kirchen⸗Raubs / unſerer lieben Frauen bon Loretto, wie» 
der etwas von der Beute zugewandt haben. - Noch neulich verfiel bey 
Vigos,einen Spanifshen See⸗Hafen in Gallieien, abermahl die Sil⸗ 
her⸗Flotte in der Engeländer Bände/melche unter des Ducd’Ormond 
Commando einen guten Theilder Spaniſchen Ballionen erobert? 
und den Reftverbranntoder am Strand gejaget 
In Oft: Indien haben (ic) die daſelbſt erablirte Chriften / fo leicht 
Feines folhen unfreundlihen Heimſuchens bon ihren Europaͤiſchen 
Feiuden zubefurchten / Boch wie Engeland und Holland beyde das 
felbft maͤchtig erablirt feyn / alfo gerahten fie alödann einander: 
auch in die Haar / wann ihre Principalen allhier in Europa gegen 
einander zu Felde liegen / offt bringet ſie auch der Eigennut zur 
Thätlichfeit / wie danı die Affaire bon Bantam noch jedermann in 
friſchen Gedachtniß vuhet/ am allermeiften Haben fie (ich benderfeits 
porden Indianiſchen Koͤnigen / und deren Macht / wie and) den 
maͤchtigen See-Räubern / welche ſich mannigmahl hervor thun / 
und wit groſſen Flotten aufgezogen kommen / vorzuſehen / worinn aber 
die Hollander trefflich ihre. Mefures zu nehmen wiften, wie dann von ih⸗ 
‚ nenerzehlet wird / daß als Japan die graufame Verfolgung wider die 
dafelbf wöhnende Chriften ergehen laffen / und nad) der Zeit allen 
Chriſil. Kauff⸗Leuten bei) Lebens⸗Straff den Zu J— zu ihrer Infuf 
derboten/ auch jeden anfonmenden einen End J rdert / daß ſie 
keine Chriſten waͤren / die Hollaͤnder ſich allein eximiret / in dem ſie 
geſchworen / ſie wären Hollaͤnder / nach der Zeit iſt doch dieſe Hand⸗ 
lung auff Japan vor die Chriſten wieder etwas faciler worden. 
Mas die Portugiefen anbelangt / ſeynd ſelbige zwar annoch etwas in 
Oſt⸗Indien etabliret / ſonderlich aber beſtheñ ſie die reiche und maͤch⸗ 
tige Stadt Goam, ihre Handlung aber kommet mit den Hollän- 
dern in Feine Bergleichung / fo haben auch nur die Dänen das ei» 
nige Fleine Travancar ‚und den Diſtrict daſelbſt / aus welchen ſie doch 
Jaͤhrlich ein paar reich beladene Schiffe nach Hans ſchicken können / 
der groͤſte Handel der Holländer in Oſt⸗Indien beſtehet in denTrafig, 
welchen ſie von einen Indianifchen Reich / zu den andern machen 7 i- 
tem in denen Verpachtungen / die fiean denen Drten ſchlieſſen / wo fie 
feine Herrn feynd / Indeffenaber doc dad Cummercium mit Auss 
fchlieflung anderer /fo wohl Einheintifcher ald Fremder / fich gang als 
(ein zugeeignet haben / diefe Hollaͤndiſche Of: Indifhe Commer- 
gien Monarchie iſt auch ſchon fo feſt gewurtzelt daß weile auh 
% ! die 


N 
——— — — —— — Eu — 


die Ma 


Ä Echen. 


PRSERENTERENS IR ) | 00R 65 
ht folche zu mainteniven/ bey der Hand hat / niemand fo leicht- 
lich dieſeibt erfchuttern wird / weil auch fo gar particulait Perſonen 
Die mit Hollaͤndiſchen Schiffen fahren einer genauen Ingviftion 
fo wohl in demLande felbft/ als bey der Zuruͤckkunfft in Holland unter» 
worffen feyn/ daß ſie ſich feinen groffen Reichthum mit herans zu brin⸗ 
gen Bedanden machen dürfen; Wer einmehrers von diefen India⸗ 
niſchen Commercien zu wiffen berlanget / der befehe Doctor Bechers 
politifche Difeours don eigentlichen Urſachen / des Aufund Abneh⸗ 
mens der Städte / Länder / und Republiqven, item was unter dem 
Titul Oſt· Indiſche Waaren in dieſem Buch gemeldet worden. 


Indianiſch Blat / Malabathrum, Folium indicum, 
Indianiſch Blau / vide Indigo. 
Indianiſche Beinwelle/ Wund⸗ Kraut Nicotiana , Hyolcyamus 
Peruvianus, | 
ee Blumen / Flos Solis, Sol indianus. 
Indianiſche Blumen-Ried / Arundo indica latifolia, 
Indianiſche Feigen / Ficusindica, opuntia Plinii. 
Indianiſche Ssyerling / Zucker⸗Wurtzel / Radix Sifari indici, 
Radıx Betatz, | Ä 
Indianiſche Muſsa / Muſa Matih. Pala Cluſũ. 
— Naäͤßiein / Behen genannt / glans Ægyptiaca granum 





Indianiſche Nuͤſſe / vides nuces indici. 
— Negel / Tagetes indica, Flosindianus, 
— Spick / Spica indica. | 
5; Wund»oder Bilfen-Arave/Nicotianamedia,Hyofcyamus . 
Peruvianus, = ! es 
Indianiſche Zaun⸗Ruͤbe / Mechoacanna , Bryonia Peru- 
3. Z un Are | 


4: 


vian 


Indigo iſt eine harte trockne blaue Farb in groſſen und kleinen Stů⸗ 
cken / deſſen Bewächfe ſoll eine Hecken ſeyn / welche bon deuen Indianern 
r gewiſſen Zeit wann ſolche ihren Saamen bringt/ abgeſchnitten / zu— 
ammen auf Fe, — geworffen wird / bis es berfaulet. Hierauf 
tragen fie es aufgetoiffe Mühlen deren viel in derſelben Gegend feyn/ 
woſelbſt es klein zermalmet hernach —“ und gepreſſet wird / 
bises allgemach eintrocknet / da es dann in Stuͤcken zerſchnitten und 
in Kiſten ausgeſchicket wird. | ‚ 
Es ſtud aber davon differente Sorten / ald Indigo Gvatimala, daher 
er auch den Nahmen ald Gvadimal Indilo hat. IndigoLauro, iftüber» 
—F Ba aus 


636 ER nd 
aus ſchoͤn / der erfle lommt zu und in Kiften mit rauhen Fellen überzor 
en / und dafür 40. PfundThara abgezogen wird. Daman doc) öffter# 
Befindet/ daffelbe wol so, Pfund waͤgen warn nundas Pfund 10. ı2, 
Mare koſtet / werden die Kiften zudes Käufers Nachtheil wohl bezah⸗ 
let. Dieſe Sorten ſind die beſten / deren Guͤte erkennet man im 
Brechen / wann er hoch blau / nicht ſand au vielmehr weiß Dufflichen 
oder Blumen hat / doch ift der auch nicht zu verwerffen / ber fefte iſt 
und dundelglanget/ welches man hoch gefeuretnennet. Dielen fol⸗ 
gen noch andere Sorten / Caribis,Platto, Xergvies. Domingo te 
alte ſchlechter. Indigo Platto und Xerqvies, welcher hoch an der Farb 
und Violer,anbenleicht/und auf den Waller ſchwim̃end ift/ wird von 
etlichen der Färberen Verſtaͤndigen noch beſſer gehalten, in dem er 
ausden bloffen Blättern / der Guatimalo aber aus Blättern und 
Stengeln zugleich gepreſſet wird. Indigo Dominigo hat keine fo leb⸗ 
haffte und Eupffrige Farb als die vorigen / wird auch offt mit Sand und 
Erde vermifchet / man kan ihmaber durch das Anzünden probiren/ 
in melchen ber gute Indigo wie dad Wachs verbrennet /.und ber Un⸗ 
rathzurüd bleibet. Der Caribifche und andere Gorten Indigo were 
Leit nicht biel gefuchet/ auffer daß man aus diefen legten mitZuthuung 
des blauen und weißen Stärd:Mehls / und Gummi⸗Waſſers / eine 
Maffam machet /welche zu groffen Tafeln gefchnitten und gemein oder 
auch platt Indigo genennet wird / deffen man fich die Schaafe das 
niit zu zeichnen bedienet/ doch verkauften einige Betrieger folchen auch 
wohl vor rechten veritablen Indigo, welcher Betrug aber an der 
Brünblauen Farb End durch die Solvirumg in Waffer/ald wor inn fich 
die blaue Stärd pracipitiret gar leicht kan erfandt werden. Der Ge⸗ 
brauch des Indigo. ift den Färbern wohl bekandt / welche nad) dem ſie 
ihm mit Urin angemacht / Wollen und Leinen-Zeug damit färben. 
Die Mahler vermifchen ihn mit den Operment , und machen daraus 
die grüne Farbe. Die betriegliche Apothecker aber farben damit den 
falſchen Biolen-Syrup/den ie ans bloffen Zuder und Violen⸗Syru 
nachmachen. Ao. 1577. wurde in des heiligen Römifchen Reich verbefs 
ferten Policey ⸗Ordnung der Indigo als eine fhädliche freſſende Cor- 
rofiveZeuffeld Farb gäntlich verboten / die Wort folder Ordnung 
fauten als folget. Re: | | 
Gleichfalls und glaͤublich fuͤrgebracht / daß durch die neulich erfun⸗ 
dene / ſchaͤdliche und betrügliche freſſende Corrofiy-Farbyfo man bie 
Teuffels · Farb nennet/ jedermann viel Schadens zugefüget wird/ 
indeme daß man zu folcher Farb / an ftatt des Weydes / Virriol und - 
andere freffende mohlfeilere Materien brauchet / dadurch gleichwohl 
das Tuch in Schein fo fhön als in der Wend- Farb gefärbet und bins 
gegeben werden Fan / aber es wird ſolch gefärbt Tuch / da man are 


- 





—— —— — 


Ind Inf | 67 


nicht anträgt/fondern im Kaſten oder auf demPager liegen laͤſt / in we⸗ 
ig Jahren verzehret und durchfreflen / derohalben wollen wir folche 
neu verderblihe Tuch⸗Farb ganglich verboten / auch aller Obrigkeit 
iemit anbefohlen haben) ernſtliches Aufffehen zu thun / damit ſolche 
ende Teuffels ⸗ Farb von den Tuch⸗ Faͤrbern * vermieden 
leibe / da aber Jemand ungehorſam ſeyn / und ſolche verbotene Mate- 
rialien zum Tuch⸗Faͤrben brauchen wuͤrde / une foll an But und 
Ehren Be afft auch dem der dergleichen betrieglich gefärbt Tuch 
wiſſentlich Zeil hat / das Tuch confilciret werden. 
Gleiches Mandat er gieng auch von der Reichs ⸗Verſammlung zu Re 
genfpurg Ao. 1654. den 20. Aprill, welches damahls Chur⸗-Sachſen 
auch in denen zur * gehörigen Ländern/ (inſonderheit auf einge⸗ 
brachte Klagen des hücingifejenKveyfes/bernemlic aber der Stadt 
Salhza / als deren Weyd⸗Handel durch die Eintuhr des Indigo ga 
darnieder lag) oͤffentlich publiciren / und wider die Ubertreter u 
iriren und verfahren laffen, 
gefünftelter ck wird gemacht durch Berg-Alaun/ mit rothen 
Wein / und durch die Blühte von den Weyd⸗ Kraut / Amydom,Harıı 
und Epig / oder mit den Safft von geſtoſſenen Myrrhen⸗Aepffeln / oder 
mit Scheer- Wolle von blauen Tuch / Kalch und Harn / allein dieſecom· 
poſitiones alle halten die Prob nicht. 
Indigo zu calciniven/fo ſtoͤſt man ſolchen zu Pulver / laͤſt ihn mit deſtil 
listen Wein⸗Eßig kochen / ſo lang bis der Wein-Epig verzehrt iſt / her⸗ 
nach legt den Indigo auf eine Feür⸗Pfanne / macht ſie warm / und laſſet 
——— Papier trocknen / hernach reibt ihn mit Rup ⸗Oel 
und gebrauchet ihn. Heutigs Tags kommt der meiſte Indigo aus 
Spanien / Franckreich / Engeland / Portugall und Holland / als weiche 
Nationes, insgeſammt ihre Lander in America beſitzen / woſelbſt der 
Indigo entweder ſelbſt gemacht / oder doc) Durch die Handlung aus der 
erſten Hand zu haben iſt / man berkaufft folhen in Hamburg und Sole _ 
land Kıflenweiß nad) den Gewicht / zu fo und fo viel Schilling Flaͤ⸗ 
miſch Das Pfund / Banco Geld A 3}. Rabbat pr, Eentner/ nachdem 
nemlich die Art des Indigo gut oder ſchlecht iſt / 1. Kiſte Indigo Gva- 
— gibt in Hamburg 40. Pfund Thara, 1. Dito mit Riemen 42. 


‚ Indurans, wird dasjenige genannt welches coagoliret und hart 


et. 
Infundibulum, ein Trichter, a 
‚, Infufio,, infufum ift ein Ligvor deme allein durch die Macera- 
dort die Artzeneyiſche Kräffte ſeynd mitgetheilet worden / iſt dero⸗ 
wegen bon den Pecodte gar wenig unterfihteden / dann wad — 
dur 


638 ng — 
Yurch das Kochen / und zuweilen aud) durch Maceriren beygefüget 
wird / das wird jenen allein durd) das Maceriven mit etheilet / vide 
hiervon mit mehrern Schröders vollſtaͤndige Apotheck / ib. =. 
Cap. 53. 

Ingredientia werden fo wohl die Simplicia als preparata genennet/ 
welche in einen Recept derfchrieben worden. 

Ingruͤn / Vinca per Vinca, 

‚Ing vinalis, Eryngium. W | 

Ingwer oder Ingber / Imber, Zinziber', vel Zingiber, ift ein 
Gewürtz fo in grofler Meng zu haben / die Alten Haben vermeynt / es 
fer folcher die Wurtzel des Pfeffers/fo aber weit gefehlt/ dan der Ing⸗ 
ber waͤchſt von fich ſelbſt mit einem Kraut gleich den Ried⸗Gras / in 
rother Erden und wird haͤuffig in Oſt-⸗Indien gefunden / er ſtehet 
gerne aufBergen und in Thälern/ wann die Einwohner den Ingwer 
graben, brechen fie dasöberfte ab / und ſtoſſens wieder ein / überein 
Jahr haben ste neuen Ingber / dad KRrautderweldt im Jahr zwey o⸗ 
derdreymahl / alsdann graben (te ihn gern / nehmen diegroffen Wur⸗ 
tzel / und machen ſolche wann ſie noch frifch ſeynd in Honig oder Zuder 
ein / welches in Bengala und China geſchicht / aldvon warnen der befte 
und fchönfte eingemachte Ingber kommet. Vor dieſem hat man ei⸗ 
nen rothen Ingwer haben wolken / fo lauter Betrug gewefen / der 
Ingwer faͤllt weiß und braun / der weiſſe wird zum Theil gefhabt/ 
herñach gedoͤrret warın beede Ingwer nicht wohl getrodnet / fo 
werden ſie wurmicht /abfonderlich der weiſſe. 
Der beſte — iſt / welcher noch friſch getrucknet und bollkommen / 

auch nicht leicht zerbrechlich / dabey er dann auswendig roͤthlich grau / 
innmendig hargig ausfehen / undeinen ſcharffen und beiffenden Ge» 
ſchmack haben muß ; der weiffe und fafelichte Ingwer aus Enge» 
band taugt nicht diel/ und wird gemeiniglich bald wurmſtichig / iſt 
auch übehzu pulveritiwen ; der Ingwer⸗Gtaub iſt noch weniger nüb/- 
und voller Sand / dannenhero auch darauf / wie auch insgemein auf 
alle pulverifirte Materialien, ( weil in folchen groſſer Betrug vorgehet) 
mwohlachtzugebenift. 
Kothen Ingwer zu färben / ninımt man ı,. Pfund Odergelb /_ 2. 
Pfund Bolusund 4. Pfund Braunroth / ſolches muß Klein geſtoſſen / 
und durch ein kleines Gieb gerüttelt werden / darnach nimm 4. oder 
6. Pfund Gummi / und thu es in einen Keffel voll Waſſer / lap es wohl 
warm werden / bis fo lang der Gummi zerſchmoltzen iſt / jedoch dag 
es nicht ſiede / alsddann nimm ein Faß und thue die Farb hinein / und 
gieß das Gummi⸗Waſſer / nebenſt ein wenig kalten Waller darauf/ 
doch daß es nicht zu duͤnn werde / als dann nimm ein Stüd“ Eh 


| Ing Sof 639 
ſteckes in die Farb / nimmt ſolches die Farb an/fo iſt es gut/ iſt es aber 
u dick / fo fan man mehr Waffer dazu gieffen / alsdann ſchütte deu 
ngber hingin/ und färbe ihn wohl / warn er wieder heraus genom · 
— men / muß man ihmin ein Sieb legen / damit die Farb ablaufle/ 
alödgun fchüstet man ihn aufden Boden / wendet ihn offt um / Läft ihm 
trocken werden / thut ihn hieraufin einen Sack / und ſcheuret ihn fo 
laang / his er genug hat und trocken iſt / aniebo aber ift Diefer auswen⸗ 
Dig roth gemachte / und doch innwendig ſchoͤn weiſſe Ingber / nicht mehr 


—X* ur Yo ‘ u 4 
er Einkauff geſchiehet nach Boͤrſen⸗Styl bey Pfunden/ und in Ban- 
co bezahlet / mit 83 Kabbat p. Cent ein Heiner Sad oder Beutel 
2, Pfund Thara, ein. gröfferer 4. Pfund nebft ı. p. Cent. gut Ge⸗ 

t. wu mo. BB 


Ingwer⸗Krxaut / liperitis, Lepidium. 
Innung / vide Handwerck. | 
‚ Infolatio Bleichung/ inſolare einen bleichen / item etwas bey der 
Sonnen deftifliven./ maceriven/ oder feine Kraͤffte ausziehen / auf ſol⸗ 
he Art werden viel Del bereitet / welthe hernach olea inſolata, oder per 
inſolationem genannt werden. | | 


Infpiffatio, eine Verdickung / ift eine Chymifche Arbeit/ warn 
man flieffende Dinge / vermoͤg des Feuers rein und dich Fochen laͤſt. 


' Tnfrümentum, ein Werckzeug / fr. Inftrument, dienet entweder 
zur Muſic oder zur Hand⸗Arbeit / jene werben in diefem Bud) unter 
den Wörtern Geigen/ Pfeiffenund Trompeten / diefe hin und wie» 
Der ber) denen Handwerckern / und theild auch unter einiger folder 
Werckzeug eigenen Benennung beſchrieben / wiewohl man die Un⸗ 
möglichkeit aller derſelben Bahnen zu exprimiren unter dem Wort 
Zunft: Wörter bemwiefen. Auſſer diefen Inflrumentis Mechanicis 
findet man auch unterfchtebliche / von Sinnreichen Köpffen neuerfun⸗ 
dene und zur-Mechaniec ‚wie auch Dielen andern Dingen / ſonderlich 
aber zudenen Manufalturen fehr dienliche Inftrumenta, dergleichen 
ſeynd diejenige die in Herr D. Bechers Tract. der Raͤrriſchen Weißheit 
und Weiſen Narrheit beſchrieben / davon einige guten / andere 
aber nur ſchlechten Efiet gethan. Unter jenenfeynd zu zehlen/ befag» 
«ten D. Bechers Inftrument, die wilden Geiß⸗Haar bon der Wolle zu 
ſcheiden / item einhölgern Inftrument , durch welches in einen Tag 
ein paar Strumpfigar DR Fat gewebet werden. Doufons Inftru- 
ment, Saltz aus dem Waſſer zu ziehen/ daß nemlich mit Behen- 
digkeit / die Feuchtigkeit von dem Saltz ⸗Waſſer gefchieden / und 
mit gantz — Koſten ohne Feuer und Sieden dad Salt 
gorporalifh und trucken gemacht werde / welches a 
N ern 
| 





640 SUR... 2 02, 
fern Haͤlliſchen und Luͤneburgiſchen Saltz ⸗ Siedereyen / die das Holtz 
theur bezahlen muͤſſen / wohl zu Ratten kommen ſollte / D. Wal⸗ 
ckorts Pumpe aus den Saltz ⸗ Waſſer ſüß Waſſer zu pumpen / i- 
tem durch eine Lufft⸗Pumpe die Knochen und Weite fo weich zu 
machen / daß man ſie wie Käfe fehneiden und eſſen kan / ferner berunt⸗ 
telſt einer gewiſſen Preffung der Lufft inein Geſchirr / in der helfften 
Zeit/und mit der helffte Hihe das haͤrteſte Fle iſch / gantz mürb und 
zu kochen. Morlands und anderer Mechanisortrm hoiterne und Dies 
cherne Stentrophoniea oder Sprach⸗ Röhre / aufeine Teutſche Med 
mit einander laut zureden. Obbemeldten Douſons Kunft:Rohr mit 
gemeinen Pulber und Bley / als mit einen andern Rohr zu ſchieſſen 
daßed Feinen Knall thue / welche Kunſt allein in Bereitung des Rehrs 
beftünde. Eines andern Paul⸗Webers genannt / Lufft⸗Roͤhre mit 
etallenen Ventilen/ aus welchen man s. Schuͤß nacheinander thun 
koͤnnen / eben dieſer Weber fol auch den Firniß fo zu temperiren ge⸗ 
wuſt haben / daß die gefirniſte Leinwath ſich hat ſtrecken laſſen / und wie⸗ 
der zuſammen gezogen / und dennoch der Firniß allezeit zu und nach 
gegeben. Kaͤyſers Ferdinand III. gottſeligſter Gedaͤchtuiß propottio- 
na! Cirqul, wornach man gar leichtlich Die ganhe Matheſin demounllri · 
eu koͤnuen / und bon welchen Pater Schott eigenes Buch geſchrie⸗ 
* x. vide hiervon ein niehrers unter dem Wort Infemsiomes. 


lnventarium elte Verzeichniß und Beſchreibung der Waaren / irem 
eweglicher und unbeweglicher Büter/ wird gemeiniglih beySterb- 
allen über ein Beh Hausweſen und Versaffenfchaflt / bey Kaufe 
ten aber über ihre Handlung und die in denMagazin ſich hefindentxe 
Waaren in den Hang Jortgang / und endlich sum Schlaf ihrer 
SHandlung / jedesmahl mit befondern Umfländen/ und nach unters 
ſchiedlichen Formularien auch zu fonderbahren: Zweck und —2*— ge⸗ 
macht / bon allen dreyerley Arten hier kürtzlich eldung zu tHun/fo mas 
chet ein Kauffinann zu Anfang ſe ner Handlung gleich ein Inventarium 
über alle ſeine im Haus / Gewoͤlb / Magaz in. Keller / Soden / ud Kram. 
Laden habende Waaren die er en weder ale unter einen TiruloderRu- 
bricbringet/ und ſolche inögemein Waaren-Netjnung benennet / auch 
in den Hanyt ⸗Buͤchern / nicht mehr ald eine General Waaren ⸗Rech⸗ 
sung fuͤhret / weildod) zu End des Jahrs / alles aufGewinn und Vera 
luſt Conto hinaus laufft und faldivt wird / oder a bringt eine jede 
Waar unter ihre eigene Rubric , als Tuch oder Lacken unter Laden 
Gonto, Leinwath unter Leinwath Conto, &cc. damit er daraus 
fehen möge / was er bey diefer Waaren einer jeden infonderbeit ge⸗ 
mormen oder verlohren / wobey aber auch zu End des Jahrs der Ge⸗ 
winn oder Verluſt von eines jeden muß aparteghgefihvieben werden/ 
You 


Ö— 


dieſe Waaren nun insgeſammt werden zu Anfang der Handlung und 
Haupt: Buͤchern ordentlid) inventirt/ nachgemeſſen / abgewogen / ihre 
Waaß / Zahl und Gewicht fleißig aufgeſchrieden und dann der Preiß 
dabey notirt / welchen fie Einkauffs / oder bis zur Stelle gelegt / geko⸗ 
ſtet haben / nicht aber was ſie gegenwaͤrtig vertaufft werden / weıl fol 
ches fucceslive im taͤglichen Handel und Wandel und zuletzt der U⸗ 
berſchuß bey Schlieſſung des Jahrs auf Gewinn und Berluft Con- 
zo fic findet / flehet man alfo hieraus / daf warn ſonderlich nad) der _ 
Sstaliänifchen Manter die Handelö-Bücher follen vichtig geführet 
werden / ein ſolches Inventarium der Waaren allerdings noͤthig 
ſey / und wer nichts zu inventiren habe / auch nur ein fchlechter 
Potentat in Handeln fenn koͤnne. Es hat aber auch das Inventiren 
sach Beſchaffenheit der Handlungen . feine gewiſſe Modos , alfo 
muß ein Seiden⸗Kraͤmer fo ev wohl inventiven will / fonderlich 
wann er ſich mit einen anderm in Compagnie zubegeben gedächte/ / 
Stüd vor Stüd feine Seiden⸗Waaren vor ſich nehmen, und diefel- 
be alle nad) der Numerd und Ellen⸗Maaß bemerden / zum Erempel / 
"N. z7r: 713. Ellen incarnar doppelt Tafftäsz- B. Flaͤmiſch N. 344. ss. 
Ellen / dito blauas. $. ꝛc so. paar Milanefer Seidene Struͤmpffe fo» 


— — —— 


ſten a paar 4. fl. thut hieſiges Gelds ſo viel / N-ſobielStüuck / 
Setidene Pariſer Band / von ſolchen Preiß N - - - ſo viel Stuͤck di- 
to von geringern / 10. Stud Kron⸗Raſchen koſten - - - - pr. Stüd 


N - - - - 1, Stück Leydiſch Polomit hält as. Ellen/&-- - - 
fÜN - - » - ditohältz2 Ellen / A⸗fl. und fofort an / bis zu End des 
"Inventarii , Die ganze Summa heraus kommt / waser an Waaren 
tiegend habe / und was ſolche dem Einkauff nach foften/da dann dor ſol⸗ 
che — die Waaren zu Anfang der Bücher Debitores werden 
.. an Capital. | | 
Ein Gewuͤrtz⸗Haͤndler inventiret eben auf diefe Manier -feine 
Materiai und Gewuͤrtz⸗Waaren / daß er nemlich jede Sort ponde- 
rirt oder abwiegt /und dero Gewicht hernach / nad) den Einkauffs⸗ 
Preiß ausrechnet / ob nun zwar bey fo Vielen 'Droguen ſolches etwas 
mißlich iſt / indem yon mancher Waar / nur etzlichellntzen oder Loth vor» 
handen / ſo iſt es doch allerdings noͤrhig / zum Grundlegendes richti⸗ 
gen Etats des Capitals, bey Anfang einer Handlung / item beym Eintritt 
mm eine Societaͤt damit man wiſſen möge / was in dieſelbe eingebracht 
worden / will man es hernach nicht alle Fahr durch einen General-Bil- 
“Jan continuiren / ſo ſtehet es in eines jeden Belieben / ſonderlich der ſei⸗ 
ne eigene Handlung treibet / des taͤglichen Gewinus gewiß iſt / und 
dazu treue Leute in ſeinen Haus und Dienſten hat. J 
Ein Etſen⸗Kramer muß ebenfalls zu Anfang feiner Handlung über 
fo viel hunderterley Sorten / bon an dieer hat / ein Inven- 


tarıum - 


641°. Inv — 
tariuma machen / und jede Sort zuſammen unter Ihren genilten 
Ginkauff-Preiß bringen / hernach ſteht ihm eben fo wol frey/ 
nach feinen eigenen Butdünden foldesinventarium jährlich zu wieder⸗ 
dbolen oder nicht. | 
Ein Gewand: Schneider oderZud» Händler hatleicht zu inventiren/ 
weil fein Werck alles in groffen Stüden beftehet/ welche leicht koͤnnen 
nachgemeſſen / oder wann nur auf den darauff gehefften Zettul / ge des 
mahl wann einige Ellen Tuch zum Kleid verkauffer worden / ſolche abge⸗ 
förieben werdẽ / ſo iſt leicht derUberreſt wie viel Ellẽ noch in dem Stück 
ſeynd / daraus zu erſehen / und folglich dem Inventario einzuverletbens 
Das alfo hieraus —— zu erſehen / wieeinInventarium bey An⸗ 
fang einer Handlung nt und formlich zu berfertigen ſey⸗ 
In den: Bauff oder Fortgang der Handlung felbft/werden jährlich auff 
wohlbeftailten Contoiren ,. fonderlich von denenGrofhrern die groſſe 
Stücen/ und nicht viel Kleinigkeiten zu wägen und zu meſſen haben/ 
Inventariagemacht; dazu dienende / damit man beySchluß des Jahres 
netto ſehen könne / was an denen das Jabı über derfaufften Zbaaren 
ervonnen oder veriohren worden / welches folgender maflen ge⸗ 
it manvechnet den Belauff des inventarii aecurat aus / und 
—— / wann zum Exempel noch 600o. Rthlr. an unverkauff⸗ 
len Waaren vorhanden wären / neuer Waaren FuͤrtragKechnun 
Soll, Reichöthaler sooo. An alte Waaren Conto, bat ſich be — 
dieſes Jahrs noch an unverkaufften Waaren befunden / die ich hiemtt 
zu mare der alten Waaren-Rechnung auffs neue bortrage / 21€ 
wann nun folcher geftalt der alten Waaren⸗Rechnung sooo. Reichstha⸗ 
fer in Credit kommen / und ſolcher Credit als dann mehr iſt als der De- 
ber , ſo iſt ein Zeichen dap auf den Waaren gewonnen worden / tele 
chen Uberfchag man folgender maſſen abfchreibet. Alte Waaren Con- 
to Soll. Keichöthaler / zum Exempel ısoo, An Gewinu und Verluſt / 
fo dieſes Jahrs aufden Waaren Bottlob gewonnen worden / welches 
ich pr. Saldo der alten Waaren⸗Rechnung hiemit auf Gewinn und 
Berluſt abfchreibe/und fo auch ImGegentheil / wann aufden Waaren 
wäre verlohren worden/ vide hiervon unfern Probier-Gtein der 
Buchhalter / in melden diefes alles weitläufftiger befchricben 
worden, 
Endlich wird auch zu End einer Sandlung ein General-Inventarium 
gemacht / entweder dag ein Sterbfall vorgegangen/und die Handlung 
damit aufgehoben worden / oder daß ein Mann die Handlung ſelbſt qvi- 
art / und ſolche per donationem inter vivos, oder auch Faufflich einen 
andern uͤberlaͤſt / oder daß er ſich mit jemand in Compagnie begiebt/ 
und dannenhero einen richtigen Star ſeines Einbringens darthun muß / 
oder daß ſich zwey Compaz nons ſcheiden / wobon a 
4% 


— N — — u. — — — 
— J — [nr — — — —— 


— And — 643 
Bier-Stein der, Buchhalter fehr ausführlich Handelt / oder dap einer 
Bonis cedirt/ zum Thor hinaus gelauffen/uüt feine @üter zumConcura 
gekommen / da dann wie in ſolchen Fall Von denen Creditoribus ein 

-Inventarium müffegemachet werden / imunfern allzeit fertigen Han⸗ 
dels « Correfpondenten ein, deutliches Formular vorgeſchrieben 
worden. h 
Run iſt nur bon dem Recht der Inventariorum noch übrig zu wiffen/ 
daß der Erb eines ei Ma Kauffmanns / welcher zwei Ai nicht 
mehr Schulden als belle ſeyn / wohlthut / wann er gleich nad) 
des Kauffmanns Abſterben feine Güter gevichtlichberfiegeln/und here 
ach zu vechterZeit durch Nötarien und Zeugen itwentiven / auch dem 
‚Inventario gleich zu —— dieſe Proteſtation præmittiren + 
Uſt / daß er / oder ſie die Erben fo ihrer mehr ſeynd / anderer geſtalt / der 
Vaͤterlichen oder des Defuncti Verlaſſenſchafft ſich nicht anmaſſen 
wollen / als cum beneficio !egis& inventarii, welches fie hiemit feyer⸗ 
lichſt bedingen/se. durch welche Proteftation fe ſich frey machen/ daß 
wann ſich hernach mehr Creditores angeben folten / ald Efie&ten zu be» 

ahlen vorhanden wären / ſie ſolchen Uberſchuß nicht zu bezahlen nd» ° 
ig haben / fondernnur die indem Inventario VorgefundeneEffedten, 

‚extradirendörften / damit auch ein Inventarium, wegen der darinn 
arsgelaſſenen Sarhen/ wann etwann eintge einzubringen follten ſeyn 

vergeſſen worden? micht Aßn ‚werde / als pflegt man auch dieſe 

"Eantel demſelben am ec euzufügen / daß warın uber Verhoffen in 

- diefen Intventario etwag zur Erbſchafft gehörendes annoch ſollke ausge⸗ 
€ gaflen ſeyn / oder noch kuͤnfftig ein mehrers ſich herbor thun wuͤrde / ſo 

waͤre der Erb erboͤtig ſolches alles bona fide ‚dem Inventario zu an« 
"nediren / item ſollte auch hingegen etwas ex errore diefeminven- 
tario inferivet worden feyn / h Dem Defuncto nicht zuftändig / ſo 
follte folches ebenfalls dem Erben nicht prajudicirlic) feyn. Gone 

Ken ift in Sachfenund auch an vielen ahdern Orten gebraͤuchlich / da 

einen an flatt eines lolennen Inventarii gur eine beſchworne Speci- 
"Fication der in der Berlaffenfhafft gefundenen Güter uͤbergeben 
darff / umdaraufbon allen Ultra vircs heredicatis ſich erſtreckenden 
Anſpruch fren zu ſeyn vide Carpz. P. I, Decif, 25.0, 33 item Py3. 
C. 3. def. 13, allein die meiſten Rechtsgelehrten und fonderlih Herr 
Stryck in feinenCautelis Cont,Scät. I, Cap. III. 6, item Mevius 
"P.2.Dec. 96, haltens für ſicherer und rathſamer / daß einSolennes und 
ordentliches Inventarium gemacht werde / als welches eine weit gröfs 
ſerer Krafft/ald eine beſchworne Guter oder MaatenSpecification has 
de; vor allen hat ein Vormuͤnder wohl zu zufehen daß er nicht ohne vor» 
“her gemachtes Inventarium, die Adminiftration einer Boritiundfchafft 
“auf jich nehme/weil er fonft dent Pupillo = — pflichtig und noch 
— . \ 2 | I 


* 


ia ne AND se 


darzu als einer der da hat betrügen wollen angefehen wird. L. Tutor 
gvirepertorium 7,pr,#f, de adminilt. tutor, ed wäre dann daß der 
Mater in feinen Teftansent verboten daß Fein Inventarium' gemacht 
werden ſollte / vid. fin, 8. fin. C.arbitrium Tutelæ, in welden Fall er 
doch eine privar Verzeichniß der Güter vor ſich ſelbſt machen muß? 
Carpz.P.2.C,ır, def.4.n.s, weil ihm des verftorbenen Vaters ge⸗ 
ebene Freyheit / Heut oder Morgenvon Rechnung ablegen / — 
fen wird / perL\.s.8.7.ff.deadm, Tut. nid fan en ſolche Rech⸗ 
ung undInventarium fordern/eit jeder der an eine ErbſchafftAnthell 
/vid, Meviam P.5.D. 285. 009. — 
” Inventiones, Erfindungen gelten fehr biel in der Kauffmannſchafft/ 
bernemlich aber in Manutadturen / fonderlich wann Die Erfindung auf 
die Sparſamkeit / oder auf Erleichterung/ and Verkürhung der Muͤh 
und Arbeit gehet / welche man ſonſt Diefed oder jenes Werd zu verfertis 
gen / hätte anwenden müffen / alſo war eine fonderbahre Invention 
das Büchfen-Pulver/die Buchdrucker⸗Kunſt / der Gebrauch des Ma- 
gnerens, das Kupfferſtechen die Weber-Gtuhle/ auf welcher eine 
Perſon des Tags ein paar Strumpff / 2. Perfonen über in einen T 
100. Ellen Laden machen Fönnen/die Wind-Büchfen/Sprad: Röhre/ 
das Saltz⸗ Maffer Ir machen / die Eiferne Stücke fozu gieſſen / 
daß man ie wie Sn r drehen / undzum Schleſſen beſſer ald Mes 
tallene gebrauchen kan / welche Invention der Herr D. Becher in nr 
ner Nätrifchen Weißheit dem Prins Robert zuſchreibet / gedachter D. 
Becher gedenckt aud) inbemeldten Tradar eines E igeländeräsder biy 
Stein⸗Kohlen das fhönfte Chryſtall⸗Glas gemadit; eines Teutſchen / 
der das Metall zaͤhe zu machen / und in geringen Gewicht Stuͤcke dak⸗ 
aus zu gleſſen gemwu Ann fie Aber Engeläuders der aus Eiſen 
Meßing — o ſoll man auch nunmehro ein Del erfunden haben / 
deſſen ehliche wenige Pfund ein ganpes Jahr lang brenhen / einen Li- 
qrorem welcher berſchloſſen ein Waſſer iſt / ſo hald er aber an die Lufft 
kommet / brennet. Eine Feuer⸗Spritze/ idelche einen feurigen Li- 
gvoren ausſpritzet / und viel Tropffen Feur in ET aus⸗ 
'pieffe. “Ein Schieß⸗Pulver / welches 100, mahl ſta it ald das biß⸗ 
her gewoͤhnliche. Ein Metall welches gepulveriirt in Momento aus 
Der dufft Feuer ziehet / brenuet und anzundet/ ohn etwas anders zu zu 
thun/ aus Waſſer groſſe Stüde Steine zu machen / daß man Qbader⸗ 
Stuͤcken daraus hauen kan / aus Kalck und neuen Kap einen side 





machen / welcher an Haͤrte den Diamant gleich iſt. Dienatürliche 
Marmorſtein zu beigen/ das gange Hiſtorien können darauf gemah⸗ 
let werden/ Chryſtall ohne Schmelgen zufaͤrben; mit einen gewiſ⸗ 
‚fen Kraut das Sohl-Leder viel beiler als mit Loh zu bereiten / Die 
gefottene Kreyde zuin Weiß · Gaͤrden / und das Leder dunchiichti —* 

> as 


nn TE EEE — u un — — - 


— 


ns | 645 


las zu machen / Leim bon Wallfiſch ⸗Fett / eine Mixtur von Englie 


fher Erde / welche fo weiß als Kreyden / durchſichtig wie Porcelain 
die ſich ſtarck brennen / und zu Geſchirr formiren laft / welche wie ei⸗ 
we Klocke klingen / und doch leichter ſeynd als Holtz / das Glas zu zu⸗ 
richten / als wanns Metall/ Gold oder Silber wäre / dennatürlichen 
fo ähnlic) / daß auch böfe Peute Gelegenheit daher genommen / falſches 
Geld daraus zu machen/ weiſſes Glas zu machen / welches in Feuer 
roth wird / wie dann auch die Kunft das fchöne Rubin » Glas zu ma> 
chen / wieder erfunden worden. Ferner ein Glas zumachen welches man 
Hammern/ und wann es kalt geworden ausdehnen fan / Tapezereyen 
von Leinwath kalt zu mahlen / daß ſie den beſten wollenen Tapeten 
gleichen / den Hanff oder Flachs zu zurichten / daß er der beſten 
Baumwolle oder Floret nichts nachgebe / im Fluß / ohne Aqva- 


fort zu ſcheiden das Aqvafort auch ſelbſt fo gut Preiß zu ma⸗ 


chen / alö der Salpeter felbft werth iſt Sublimar,, Precipitat und 
Zinober aus Obeckſilber / häufig und mit groffen Nuten zu machen / 
daß viel tau end fünnen daran gewonnen werden /.einen Balſam zu 
machen/ der alle Weyd⸗Wunden heilet / die man fonft dor incurable 
gehalten / (beſiehe die Defcription davon unter dem Wort Selfam/) 
Vitriol, Salpeter/ Sal oder andere Metallen indie Erde zu fäen und 
darinn wachſend zu machen / und zu augmentiren/ aus gemeinen Haffe 
ner⸗Veim / Gifen zumachen / (welches alfo gefchiehet / man nimmt 
nenjlch gemeinen Haffner⸗Leim / pulveriſirt ihn/ und feuchtet ihn an 
init Leine Del daß er fich ballen laͤſt / alsdann formirt man Kugeln 
daraus / thuts in eine Retort , treibtö herüber / dad Capur Mor- 
taum muß wann vecht operivet worden/ ſchwartz ſeyn did muß 
hernach geſtoſſen und mit Waſſer zum Schlich gezogen werden/ 
fo füllt ein ſchwerer ſchwartzer Schlich / aus dieſen Fan man mit 
den Magnet Eifen ziehen / welches Eifen Gold hält’ undik ſich 
zu verwundern / daß dev Keimen auch den Schweffel/ Arfenic und 
Ovechſilber an fich ziehet und figivet / auch auf eben dieſe Weiſe 
trackret / wie die lüchtige Ertz mit Leimen verſetzt figivet werden / 
dadurd) dann viel ein mehrers an Metall erhalten wird / und 
das Erg felbft einen guten Flug bekommt / infonderheit hat der gemei⸗ 
ne flüßige Saud / als eine Bebähr-Mutter der Mineralien , groffe 
Liebe zu den Metallen / alſo dag ſie damit tradtivet / verbeſſert heraus 
fonımen) aber wieder auf Inventiones zu, kommen Afo werden ton 
Herr D. Becher nicht unter die geringften gezehlet / Torff und Stein⸗ 
Kohlen fo zu zurichten / dag ſie nicht mehr rauchen noch ſtincken / daß 
man mit ihren Flammen fo ſtarck als mit dem Holtz felbft ſchmel⸗ 
tzen / und von einen Schu Kohlen / eine Extenfion der Feuer: Flame 
menauf io. Schu machen kan / item aus Stein⸗Kohlen Theer zu ma⸗ 

Sſ3 chen / 


516 | oc pe u 
den’ Papier- Mühlen ohne Stampffen / und daß blog mit Walzen 
zu machen / durch welche die Lumpen mitleichter Müh / und in Eurs 
ger Zeit zu einen Pappe oder Brey gepveflet werden / Fiſche mit 
Preſſen einzumachen / und zwar iu einer Stund etzliche taufendy 
allerhand Getraͤnck es ſey / Milch / Bier oder Apffel⸗Mooß / ein 
biertel Jahr in der Fermentation zu erhalten / daß es fo ſtarck als 
der ſtaͤrckſte Wein / beftändig bleibe / und ſichwohl von Geſchmack 
trinden laſſe Wrühlen zu machen durch welche die Aepflel in kurtzer 
Beit/ und ohne einige Muͤh Eönnen zu Mooß gemachet werden / wel« 
ches Inftrament auch zur Auspreſſung der Trauben wohl dienlich ſeyn 
folte/die Tachygrapliam odet die Kunft fo ſchnell zufchreiben als ein 
anderer veden fan/holgerne Blaßbaͤlge / welche ohn alteökeder ſtarck bla⸗ 
fen/ unddaben doch wenig koſten / PrintzRuprechts ſchnelles Schieffen 
sus Studen/ic. ) 
Jockel⸗Gut /gewachfener Vitriol. 

Johannes ⸗Beer / Ribes. 

Fohannes-Brodt / Siliqua Carobi, Siliqra dulcis. 

Johannes⸗Guͤrtel / Artemiſia. 

Johannes⸗ Ktaut / Hypericum. 

Jovis Barba, Sedum majus vulgare. 

Journal, vide Buchhalten. Ä 

Ipecacuanha Radix. , ift eine Heinen Fingerslange / aͤuſſerlich 
ſchwartzbraune /und gleichſam Gliederweiß gedrehete Wurhel / welche 
vor ger wenig Fahren bekandt worden / und gegen die rothe Ruhr in 
Franckreich ſtarck gebraucht wird / heiſt in Weſt⸗Indien abſonderlich 
in Braſilien (don wannen (ie durch die Portugicfen und Hollaͤnder ig 
Europa gebracht worden) Ipecacuanha, Hypoacanna , uud Cago- 
fanna, bey den Spaniern / Bexugillo, Begugvello \ Beculo, Belo. 
culo: Bey den Portugiefen/ Cipode Cameras, und bey den Fran: 
hoſen Becougyille ou Mine d’or das iſt Gold⸗Ertz / weilen (te fonderlich 
um die Gold⸗Gruben foll gefunden werden / allıwo (le vondenjenigen/ 
fo zu den Bergwerden verdammet worden / auffgefuchet wird / un⸗ 
ter welchen doch der allerfleißigſte meinem gangen Jahr nicht mehr 
als 12. Pfund foll ſammlen können / welches ſie auch fo theuer machet / 
Das in Holland das Pfund auf so. fl. kommet / ja darum nicht fönte ver⸗ 
kaufft werden / wann ſie Diefelbe nicht vor andere Waaren bon dem 
Indianern austaufhten. Beym Einkauff diefer Wurhel iſt in acht zu 
nehmen / daß die glatte Zafern darvon abgefondert/und. nur dasienige/ 
was rauhe und viele Rınglein hat/ aufferlefen werde/inden jeue keine 
Krafft Haben und doch das Bewicht und Preiß vermehren. ‚Sie muß 
such nicht zu alt / ſondern zaͤhe / dicht und hartzig ſeyn / und eine dicke 
Rinde haben. | Irco, 


Are Sta 647 


Ircos FlorentineR. Beiloder Viol · Wurtz / deren gibts zweyerley 


wild und — die zahme iſt raß in allen Gärten / die wilden ſeynd 
Bielerley Geſchlechts / es wird aber nur Florentina Illyriea in Hand⸗ 
lung geführet / man hat ſie gern wann ſie ſchoͤn weiß / hart / und 
am Geruch gut iſt / ſie muß aber trocken gehalten werden / ſonſt laufft 
fie leicht an / und verliehrt ihren Geruch. | 

Irio, Erylimon, z 

Iris noftras, Germanica, Gladiolus Coeruleus gemeiner Schwer- 
tel / blaue Lilie / wÄächft auf Wieſen und Adern, führt das Gewaͤſſer und 
Den Schleim vom Hauptab. 

Iristuberofa, Hermodactylus verus. 

Iſatis ſativa, vide Waͤydt. 


Ifchemon , ein das Gebluͤt ſtillendes Mittel / tft bon den Enemon 


darinn unterſchleden / daß diefes nicht allein das Blut / ſondern auch die 


Inflammation ſtillet / jenes aber nur das Blut allein / und zwar durch 
beiffende und eine kruſt überzichende Ingredientien, 

Ifop. vide Hyflopus, 

Irregulier das ungleich iſt. 

Irrlaͤndiſche Waaren beſtehen in Wolle / Butter / eingeſaltze⸗ 
nengFleiſch / getruckneten und eingefalgenen Fiſchen undbeder / in einer 
Art Holtz / welches niemahls Wurmſtichicht wird / wie dann auch die 
Balden des Amſterdamiſchen Rathhauſes von dergleichen Irrlaͤndi 
ſchen Holtz ſeyn / und in gang Irrland Fein gifftiges Thier oder Wurm 
zu finden ſeyn ſoll. 

Die Waaren welche wieder nach Irrland 'getühret werden / ſeynd 

Wein / Braudtwein / allerhand Seiden und Eiſen⸗Waaren / Wein⸗ 
Eßig / Saltz / Baum · ni Nuß · Oel / Oliben / Capers / Feigen / Mandeln / 
Trauben / Pflaumen / und andere rohe und eingemachte Fruͤchte / Roſi⸗ 

nen / Tuch / — und dergleichen / hierzu ſeynd nun die vornehmſten 

—— e⸗Haͤben / Dublin, Vaxford, Bearhaven, Crooke- 

iaven. 

Was die Handlung auf Irrland betrifft / iſt ſelbige bor die Teut- 
ſchen nicht von fonderlicherimportang/auffer daf zuweilen in den See⸗ 
Staͤdten einoder ander Schiffs-Gefäß mit Irrlaͤndiſcher Butter/ 
eingeſaltzen Fleiſch / und trucknen Leder ankommt / und dagegen von 

Zeutfchen Rram=IBaaren wieder mit ſich zurück führet / oder auchla⸗ 

dung auf Engeland und Schottland einnimmt / bis (ie folder geſtalt 
wieder nad) Haus gelangen. | | 

Italiaͤniſche Waaren / beflunden vor diefen viel in denjenigen 
Waaren ugd Manufadturen / nr. * und Africa ausgiebt / als I 

4 - 2 


J—— ||. SEHR 
lerhand Gewuͤrtz / Droguiftereyen/ rohe Geiden und Geiden Stof⸗ 
fen/ Tuͤrckiſches Garn / Cameels⸗Haaren / koͤſtlichen Tapeten’ Baum , 
wolle und Baumwollenen Stoffen / in Edelgeſteinen / Bieſam / Ele⸗ 
phanten-Zähnen/ und dergleichen / dann ehe die Portugieſen und Hol⸗ 
Länder den Weg zu Waſſer um Africa erfunden/ oder vielmehr ehe die 
Holländifche Nation zu einer fo mächtigen Kepublicq worden/ und ehe 
felbige nebenft den Engeländern / die Mittländifhe See befahren/ 
da warei Die Genuefer und Venetianer allein Bejiger der Levanti- 
ſchen oder Altarifchen Handlung / fuhren mit ihren Schiffen haͤuffig 
nach denen Ahatifchen und Africanifchen See-Häven / und holten da⸗ 
ſelbſt ab / was ihre Factors oder aud) die Tuͤrckiſche / Perſtauiſche / 
Egyptifche / und Indianifche Kauff-Leute mit groffen Caravanen auf 
Eameelen zufammen geſchleppet / und indie Niederlagd und Hana 
deld-Städte/Smyrna Tripolis, Alexandria, Conftanunopel Aleppo, 
&c. zum Verkauff gedracht hatten/von wannen fie hernach ſolche Maa⸗ 
ven mit, groſſen Profit wieder durch gantz Teutſchland und andere 
Abendlaͤndiſche Provinsien debirtirten / und dadurch fo reich und 
mächtig murden/ daß ſie fo mächtige Staaten und Republigven fund-- 
ven können / dergleichen Venetia und Genua feynd/ welcher Handel 
aber ihnen fo bald befchnitten worden / als die Holländer und Portu- 
— mit ihren groſſen Schiffen ſelbſt Alen, und ſonderlich das 
eſte Theil deſſelben Oft- Indien befahren / und nunmehro denen Euro⸗ 
dern/ in weit geringern Preiß / die daher gebrachte Waaren mit thei⸗ 
en / als dor dieſen Die Venetianer nicht thaten/ heutigs Tags gibt Ita⸗ 
lien von feinen eigenen natürlichen und durch Kunft und Fleiß gemach- 
ten Waaren nur allein aus allerhand delicare Weine / Oel / friſche 
und eingemachte Fruͤchte / ald Eitronen/ / Pomerantzen / Oliven / Ca⸗ 
pers / rohe und auch zubereitete and gefarbteSeide / guten Kaͤß / worun⸗ 
ter ſonderlich der Parıwefanifche beruͤhmt iſt / wohlriechende Ellentzen / 
ſammt einigen Mineralien, an Manufadturen aber gezogenen und ges 
ponnenen Bold-Drath/ Sammet / Atlas / Brocad, Tafft / Tobin, ſchö⸗ 
ne zwirnene Spitzen / koͤſtliche wollene Schartadene Tücher / Tape⸗ 
ten / Chryſtallene Kutſchen-Trinck⸗ und Spiegel⸗Glaͤſer / ſchon 
Gewehr / ſonderlich Piſtolen und Flinten⸗Laͤuff / die gar ſauber zu 
Maͤyland Brescia , und Turin gearbeitet werden / ferner allerhand 
parfumirte Handſchuh / feidene Strümpffe/ geftichete feidene Cami- 
fols, Violinen-Gäiten/Schnupff-Tobad/ Eorallen / Sardellen/ vie⸗ 
lerhand Confeeturen/geräucherte Mürfte / and dergleichen / mit wel⸗ 
chen die hin und wieder in denen Teutfhen Reichs und Reſidentz⸗ 
Städten erablirte Italiäniſche Kauff - Leufe fo vortheilhafftig zu 
handeln wiſſen / daß wann ſie mit einen fchlechten Kram von Haar: 
rLoudre, Savoneten· Kugeln / Ungariſch Waſſer / rothen — 
ern⸗ 


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Bernftein und Slaf-Perlen-Schnüren/Siegel-Pad / Schernieſſer/ 
Jaſmin⸗Oel / Schnupff⸗Toback / ec. angefangen / ſie hernach mit geoffen 
Capital von viel taufend endigen / welches Geld alles uber das Alp: 
Gebürg hinüber in Italien gefchleppet ( und weil unfere Teurfche 
Kauff⸗Leut auf dergleichen Handel nıcht'fo wohl als ſie abgerichtet 
fen / oder auch Feine Luft darzu haben) Teutfchlaud entzogen 
wird, Ex 
Die Waaren / welche Italien wieder and andern EuropäifchenLän- 
dern / und zwar erftlich aus Teutſchland / fonderlich aber von Ruͤru⸗ 
berg ziehet/ ſeynd allerhand Nürnberger /und unter folhenbielgedres 
hete Meßings oder Rohtgieſſer Waaren / als Leuchter Lanıpen und 
Weyh⸗Keſſel vor die Caholiſchen Kirchen / eiſerne Schloffer/ / Meßin⸗ 
ge Knoͤpffe und Schellen / Zirckel / Schreibzeug/ Lichtſcheeren / Bley» 


weiß⸗Federn / Schachteln / Abſatz⸗Zweck / Engliſche Oerter mit ı. oder 
2. Spihen / Finger-Hüt / glaͤſerne Pater Noſter, gemahlte Perga⸗ 


ment ⸗Bilder / Spulon oder Hefftlein / Nehnadeln / Bleyweiß in Kaͤſt⸗ 
lein / ac. itein viel Lemwand / fonderlich von Ulm und St Gallen. 
Aus Holland und Hamburg bekommt es mehrentheils mit dieſer 
Republigven ihren Schiffen an Moſcowitſchen und Teutſchen Waa⸗ 
ren viel Juchten / die aber ſehr Leicht ſeyn müffen/ item auch viel aude⸗ 
rer Art Leder / Flachs / Hanff / Talch oder Unſchlitt / Wachs / Tran / 
Theer / Fifchbein/ Caviaroder Fiſch-⸗Roͤgen / den die Italiaͤner fon- 
derlich vor ein Lecker-Bißlein halten. 


Von der Franhoſen chren Handel mit denen Italiaͤnern / fhreibet Sa- 

5 * 48. Capitel feines Volllommenen Kauffmanns folgender 

effalt: | 
Die Frantzoſen handeln in alle Städte Italiens / wo Manufadturen 
ſenynd / undführen daraus mehr Waaren/ als aus Frandreich das 
hbingeführet wird / fonderlich aber hat man aus Mayland allerley 
zubereitete Geide vor unfere Frantzoͤſiſche Manufacturen / gezoge— 
nen und gefponnen Bold-Drat/ Sammet mit Atlas und Geld 

und Silber Grund 

Aus Genua hat man voheungearbeitete Geide/ Ardaffe genannt / in 
voffen Masen / allerhand Seidene Manufatturen / Zwirne 
Spiten/ Dliven/ Baum⸗Oel / eingemashte und candirte Früchte 

und treflich fihon Zuderwerd. | 
Boulogne gibt glatien Atlas / groffe Parteyen zubereitete oder geſpon⸗ 
nene Seide/ in die Farb zu legen fertig/ welche Organlın de Hou- 
logne genennet wird / rohe ungegrbeitete ardafle Geiden/ Cteſpes 
pour ledeüil oder Trauer⸗Flor / geräucherte Wuͤrſte / Senff / ge? 
fottenen Teig / Vermicelli genannt/und andere Battung von Waa⸗ 
renmehr. | 6fs Aus 


650 Ka 
Aus Modena wird eine groſſe Partey voher ungearbeiteter Geide/und. 
aus Regio fhöner Sammet gebracht. 
Za Luca hat man Damaft und Atlas / ungearbeitete Seide / Baum⸗ 
oͤhl und Oliven. | | 
— von allerhand Farb / ſonderlich weiſſen / der in J⸗ 
talien fo ſchoͤn nicht Fan nachgemachet werden / leichte Ratinen und 
don fchöner Wolle / aber von fchlechter Farb / welche / wann man fle 
and Feuer hält/ — Pomerantzen⸗Farb wird. 
Parma hat rohe ungearbeitete Seide und guten Kaͤß. 


— 


Venedig viel Sammet mit Atlas⸗Grund / et Stůcke zu Teppl 


chen und andern Haus⸗ Auszierungen / Chryſtallene Spiegel / 
ſchen⸗ und Trinck⸗ Glaͤſer / trefflich Zwirnene Spitzen 
Von Rom und Floreng hat man auch viel perfumirte Handſchue / al⸗ 
lerhand Ellentien und Balſam / Schnup-Tobad und dergleichen. 
Dahingen stehen die Ttaliäner aus Franckreich Korn / Weln/ Tuch 
> und Kram Waaren / deren Transport zu See und Band geſchicht⸗ 
Diejenige/ fo zu See gehen / laͤn den zu Marfeille an / von dat ſelbi⸗ 
: gehernad) die Rhone hinauf bis nacher Lion geſchiffet werben. Die 
fenige / ſo zu Lande kommen / werden auf Manl⸗Thiere geladen/ 
weil die Wägen nicht über das Gebirge gehen Fönnen/ und hernach 
zu Lion wieder abgelaben werden / als welches die Stadt in Franck⸗ 
- reich ift/ fo den meiften Handel nach) Stalien treibet / wie dann auch 
viel Italiãner Ihre Mohnu ng und Schreibftuben in Lyon haben/ 
damitile die Handlung ſowol init Waaren als Wechleln deftobef- 
fer treiben koͤnnen. Man muß aber geſtehen / daß keine Nation fr 
der Welt fen/ welche den Handel beſſer verftehe/ als die Stalläner/ 
bornehmlich aber die Genueſer und Benetianer; Bon ihnen hat man 
auch das Buchhalten in doppelten Poſten / und die Kunſt des Wech⸗ 
fas durch Traiten und Remifen erlernet. Hingegen hat man ſich vor 
ihrer Liffig.und Spitzfindigkeit wohl vorzu ehen / weil man leicht 
von ſolcher kan erhaſchet werden / indem Ile ch hörich.und freund» 
ich jich dabey anftellen / an carefliven / leben und Verehrungen 
nichts ermangeln laſſen / ſolches aber auf andere Weiſe doppelt 
wieder einzuzlehen wiſſen. Ihre Gelder laſſen fie keinen Tag un« 
nut liegen/ daß ſie nicht Gewinn damit ſuchen ſolten; So bald ſie 
bor jemand eine Commiſſion verrichtet / und die Waare verſandt / ſo 
eraflixen ſie Wechſel ⸗Brief bis auf den letzten Heller / und laſſen da» 
bey alle Zeichen eines Mißtrauens ſpuͤhren. Sie ſchreiben auch 
niemahis klar und deutlich / ſondern ſtellen alle ihre Briefe auf 
Schrauben / damit ſie ſolche / wann es vonnoͤhten / zu ihren Vor⸗ 
theilauslegenmögen. Bis hieherbefagter Author. 


Ä ta 651 
Maaß und Gewicht in Italten betreffend / ſo iſt ſolches zum. Theil 
aus der Reductions· Tabell unter den Wort Maaß und Gewicht 
zu erſehen / zum Theil dienet auch nachfolgender Bericht / neinlich 
Genua gebraucht ſich viererley Art Ellen⸗Maaſſen / unter ſolchen iſt 
Die Cane von o. Palmen / welche 3: x. Amfterdamer Ellen / dieſe aber 
22, palmes macht / diefem nad) vechnet man | 
100. Amſterdamer Ellen vor 305. Canes, von. Palmen/ und 
100, Genueſer Canenbor 327: 2. Anifterdamer Ellen / oder 
100. Amſterdamer thun 275. palmes, davon 9. aufeine Cane gehen. 
— — — item 243. Canes don ıo. Pelmen auf die Cane, 
Man gebrancht ſich auch zu Gerua der Canen, bon. Palınen/ zu Mefe 
fung der wollenen Tuͤcher / und der Canen von 10, Palnten zu Meflung 
der Leinwand / item der Braffenzu 23. palmes, und endlich auch der 
Palmes zu Meffung derfeidenen Stoffen / ald Atlas / Sammet und 
Tat. 1. Palmeift eine gemeine Spann / fo weit man nemlich mit der 
Hand fpannen kan / etwans. Daumen breit. 
Die neue Genuefer Palme ift von 9. Pouces oder Daumen und 
2.Lignen, | Ä | 
4 ee bon 9. pouces, 2, lignes thun etwas weniger ald eine Liner 
(le. 
8-Genuefer Canenthunas. Lioner Ellen/ und 3. palmes. 
Bon 9. palmien aufdie Cane madyen 1. Verged' angleterre, | 
1000, Pfund Vene diger alla grolathun in Ruͤrnberg 940. Pfund. 
Der Saum auf die Zuhr alafubtila ift in Venedig 400. Pfund/ fonft 
aber ift ein Saum netto soo, Pfund. 
Aufder Waag in Benedig wird mit dem groſſen Gewicht gewogen / 
woas grobe und erg Waaren ſind / als Kupffer / Zinn / Meßing / 
Bleh / Eiſen; Nach dem kleinen Gewicht aber das Geming und 
die Specereyen. Zu 


. Au Genua wird das rauhe Kupffer⸗Gewicht Cantar genannt/ und thut 


© —* Cantar in Ruͤrnberg os. Tb. und 100. B.Nuͤrnb. 103. TB. 
enuefer. 15 Ä er, 
Zu — machen ir. Untzen Silber⸗Gewicht nz. Ungen Specerey⸗ 
ewicht. 377 
Zu Rom machen 100. Roͤmiſche Cänes;;o. Amſterdamer Ellen / oder 
ein wenig mehr / und ioo. Amſterdamer Ellen 33. Roͤmiſche Canes 
inder Leinwand⸗Maaß. up — 


Von denen Neapolitaniſchen und SicilianifchenCanes, machen 200, 
Canes zzij · Amſterdamer Ellen / und, son, Amſterdamer Ellen zo. 


Cane; 


O2 _ | Ita 
Canes port Neapolis, i7. dieſer Canes werden vorze. Liontr Een 
erechnet. Die Cane von Sicilien hat 95. palms, Marfeillifche 
i aa nach welchen Fuß man fich in Ausrechnung gröfferer Par⸗ 
theyen vichten kan. Die Palme von Neapolis ift 8. Daumten 7. 
Lipmes, B. Zuiin one. 

Die Benetianifche Braffesoder Ellen-Maaf feynd zweyerley / eines 
um Wollen» Zeug damit zu ineffen/ das andere vor Bold und fil- 
berne Stoffen und Leinwand ; Die erfte iſt laͤnger umsa- proC. 
als dieſe letztere / und thun 100. Brafles Wollen⸗Maaß 064 . Lein⸗ 
wand⸗ Maaß / und vor die Seiden Stoffen noch weniger / 100. Am⸗ 

ſterdamer thun 102. Braſſes de Venife, und 100. Bralles de Veniſe 
Wollen⸗Maaß 98. Amſterdamer Ellen und ein wenig darüber... 

100. Boulogner Braſſen than oo. Amſter damer Ellen / und 100. Am⸗ 

ſterdamer Ellen iziz · BralfesdeBoulogne, was den Crep oder Flor 

anbelanget; was aber das andere Stoffen-⸗Maaß betrifft / thun 

100, Bouloeneſer Braffen nur 7s Amſterdamer Ellen / daß alſo 167. 
procent. Differeng unter dem Ftamin· und Flor⸗ Maaß iſt. 

100, Brafles de Bergamo thun os. Amſterdamer / und etwas daruͤber / 

und 106. Amſter damer thun org. Braffesde Bergamo, insgemeiu 
rechnet man s.sgrangöftfche Ellen dor o. braſſes de Bergamo. 

Die Floventifche und Lugveter Braflen werden reducirt / daß 100. 
derfelben sz. Amſterdamer Ellen und etwas darüber / und 100. 

„ Amfterdamer Ellen 1s3- Florentiniſche Bfafles thun. Man rech⸗ 

"net auch/ daß ı00. Brafles 40. Franköfifche Ellen und ein wenig 

. „darüber ausmachen / und.dap bie Frantzoͤſiſche Ellen z. Brafles de 

" Lucgves oder z. Rasde ‚Piedmont oderbon Turin ausmaden. 

100, Mülanefer Braffen thun 78. Yınflerdamer Ellen / und hingegen 

100. Amfterdamer Elfen 1285. Milanefer Braſſen. Man rechnet 

auch / daß 100. Anıfterdamer Ellen 102, Brailes in Wollen» Maag 

machen / undo. Der obbemeldten Praffen 4. Lioner Ellen thun. 

Dad Korn⸗Maaß in Italien beftehet zu Venedig in Setiersoder Sta- 

° ro, welches die ordinaire Maaß iſt / davon 2. aufeine Marfeillifche 
Charge gehen. | 

e. Sack Waitzen thun iriLivorno die Charge bon 300, [b.Marfeillifch 

Gewicht / weniger 4. pro cent, | | 

Zu Genua wird dag Korn ala mineen port franec, das iſt frey ben 

Port oder Zoll von den Verkäufer berkaufft. A 
Von denen Yrstiänifehen Muͤntzen iſt zu wiſſen / day ſelbige nicht 


aller 


— — — 2 ae — — eur 


ta 663 
SEHEN 
aller Orten Be jede Italiaͤniſche Stadt und Provintz ahre 
Veränderung darittu habe. > met. nn 


- Die Venetianiſche Muͤntze und ihren Wechſel Cours 
| erſt berreffinp: ni, 
So halten einige Rauffleute in Venedig ihre Bücher ih Ducati di Ban- 

cound Ducati corfenti, andere auch nach Pfunden. ed 

1. Livre,Lira vder Puh dgilt so. Ducatidt Bärjco,oderz4o. Groſchen. 

1. Ducati di Banco, welches nur eine fingirte Muͤntze iſt / gilt 24.810 
„zeiheitoder Groſſi oder Slise, ame, — 
100, Ducati di Banco feynd/ vermoͤg eines oͤffentlichen Rahts · Decre- 
ti, 120. Ducati cobrenti wie dann allen Maellern verboten / ſolche 
nicht hoͤher zu ſchlieſſen; Dieſem nach iſt der Unterſcheid der Ban- 


counb oorrent Ducati 20. procent. BR ER 
Man hat auch in Benedig eine Wüng Liyres de Piscoli genantt/ wel» 
che man mit s.Lire 4, Soldi zu Ducatenmacht / indemman die Li- 
resmit zo. Soldi multipliciret / und mit ı24. dividivet / ſo hat man 
den Wehrt eines Ducati correnti, die Wechſel aber geſchehen alle 
auf Ducati di Baneo; item auf Groß / welche⸗ẽ · Soldi im: Bance 

J 

1. —* Bando hitr.Eite®. Soldipz, Lire de Piccoli. = :'i_ — 
Leliradibanco vder r40, Grofchen geltend: Ducaten di Banco oder 

12. Ducaten cörrent, ober 74. LireseiSöldidePiccoli, , — 

„U Soldödi Banco giltia. Groſchen odenz, Ducati di hanco. 
Andere gangbare Müngerin Venedig ſeynd die Benetianifche / Flo⸗ | 
rentinifcheund Spantfche Piſtolen / mit welchen gleichgültig-ift-der 
- Louis d’orsnemlich zu 2, L.ires, wiewol die Kauffleute ſolchen wol 
30, und mehr Lires auszudringen willen; man wiegt ihrer 20. 40. 
biö 100. auf einmahl/ und ziehet von dem / was fle zu wenig waͤgen / 


Wi 


von jeden Gran 4. Solse‘ Deniers ab. ' - 
Die Jialianiſche / ald Geguefer/ Turinet/ Milaner und Mantuaner 
gelten nach dent Diarcf-Bewicht 28. Lires. 
DieSegvinsiz. Lires. — 
Die Ducats d’ or oder Ongari gelten 10. Lires. | | 
Andere Staliänifce gůldene Ducaten fichet man wenig oder gar nicht. 
“ "Die wichtige Ducatons bon 1, Ung undı. Denier gelfenez. Lires. 
Die Ecus d’ argent, die man aud) Dusatons nennet / 9. Lires 12. Sols. 
Die Silberne Ducati 6. — Soldi, @ nn 
Die Croifats Oder Genovines von Gomuagelten ır. Lirer10,Söldi , 
und etlichemahln. Lire 14. Soldi. eg 
„Die Philippes de Milansz Lire, 


’ 


. 


Die 


694 Ra 

Die Päpftliche Teftons2.Lires 14.Sols,_ 
Die julie oder 2, T ellons ıg, Soldi, 
1.Liregiltzo. Soldi di Picoli, 

1. Soldo 12. Picoli oder Bagatins, | 
3.Soldig. de Picoli oder ı, Groſchen bon 32. Picoli.. 
Picoli ift fo viel.ald courant oder Scheide⸗ Münf. 


In Wechſeluſeynd von Dencbigausdie Preis. 


als fol getz Ye, ' 
au Bean —245 Zeaband und Hamburg i. Ducati vor 90, He 


— — 380: bis 400 Maravadi. 

— Engeland ı, Ducatipärss.a ss. K. Sterlingd. 

— - Srandreic) oo. bis 105. Ducati hor 100, Franhoͤſiſ. Thalers. 

Auffolgende Italiaͤniſche Plaͤtze / als 

— 180. bis 190, Dincati vor i100. EcusdeMarc . 

SGenua 100. a iꝛa. Soldi vox ĩ. Ecude 4. Lites. 

Mayland so, his zoo. Soldi vox u. Ducar bon iix Soldi. 

—_ -Neapolis 100. Dupati bobroo. bis ioo. Ducati vou ro. Carliog, . 

— Rom ıoo. Ducati vor so. bis 80. Ecus d’etempe. | 

— Florenz'100, Dueati vor 0. bis so. Rcus bou 7%, Liren 

wi Liivorno 100, Dutatj vor 95, bis ioo. Piaftzesüpn s, Lires, 

— Lucca 100 Ducati vor ao. bidss. Ecushpn 7%, Lires, - 

Auf Srandfurt oo. Ducariver 120. bis 124. Guͤlden zu so: Ereußes,; 

— Nürnberg i00. Ducati bor 140. bis ijo. Gülden zn so. Ereuper. 

—-St . all 100. Ducati por ijo. bis 170. Gülden 5060, Ereuger. 

Aömifche Muͤntze iſt als folger: 

1. Jigliaͤnlſche Piftole gilt zo. bis zi. Julier. — 

, Roͤmiſcher couranter Thaler zo. Julier oder 100. Pay ost. 

Teftongilt 3. julier oder z30. Bayocs.. \ 

1,Julierd’ Etempe gilt i0. Bayocs oder so. Qyatrins, 

s. Bayoc, fo eine Rupfferne Müngeift/ gilt;. Quaein, 

1. Qyatrin;. Denier;, . 

Die Bücher werdengehalten in Ecus courants von 10. Julier , und 
nicht in Ecus d’ Etempe benis.Julier, Man fumiret ſie durch ı:, 
und zo. weil ie. Denicrs d’ or thunı, Soldo und 20. Soldi d’ or. 
Ecu courant. 


Der Kömifche Thaler Mi. Franhoͤſiſche Mn 12.Sols oder sk. 
Ssdchilliugs Sterlings/ oderz. Holländifche Guldens. 
Wann manin Kom einen Wegiels Brief Kauft / ſo — a be 


- \ 


|... IUCHHERNACRTENERNG 
Valutadarbor/ indem man den Ecu d’Etempe rechnet zu 1523. halbe 
Qyatrins por jeden Thaler/ s. folder Qyatrins thun ı. Bayoc , daß 
alfoıs23.halbe Qyatrins thun 7613. gantze / und diefe 15. Julier 2. 
Bayoc anderthalb Quatrin. x 
Der PreissCourant der Roͤmiſchen Wechſel iſt: 
Auf Engeland ı. Ecus d’ Etempe bor ss. biß 55. 8.Sterlings. 
— Gpanienı.Ecus dio bpr 360. bid 400, Maravadis, 
— Genua, Ecüs dito Bor ı15, bis 125. Soldi, 

— Franckreich go. bis 30.Ecus dit. Vor 100.Ecus bon 20,Solsd’or fol; 
— Novesg his 104, Ecus dito pr 100, Ecusde Marc, a 
— Florenz 70, bi$90 Eous dito Hort 100. Ecus Yon >z- Lires, 

— Lucca1oo, Ecus dito hor so. biß 95: Ecushon 73. Lirer, 
— Venedig so.biß so, Ecusdito por 106. Ducati di Banco, > 
— Milanoso, a90,Ecusdito Bor 100, Ducati von my. Soldi, 4 


— Neapolis 100. Ecus dito hor 120 his 124 Ducati dcs, Tarinx 
— Livorhoıeo. Ecusdito hox 100. Piäftres yon s. Lires. 


Florentiner Muͤntʒen. | 

Dafelbft * — Ban — en 

1. Ducat Piattre oder Florentiner 7. Lires, daein 

Piaſtre wars. Lire 15,,Seldı gilt, ur Spantfäre 

».Ecud’ or oder fingirter Mechfel- Thaler 7, Lires 10. Soldi, 

1. Teßon 2. Lires oder 3. Julier. - 

s. Lira 20. Soldı oder 13. Julier, 

».Julier 8, Gräces Oder 40. Qratrins, 

«.Qviloz.Soldi 4, Deniers, _ 

1. Grace 13. Soldi oder s.Qvatrins, | 

- 12, Gracesthuitzo.Soldi ‚ı. Soldiz. Qyatrins) 

1. Qyatrino nero , 1. Double. EEE? 

Die Handeld-Bücher werden gehalten in W Soldi & fdeniers d’og 
bon 73. Liresman fummiret fle durdhiz. und zo, meilıe, 9: thun 


1, Soldo ‚und 20. Soldi, i. Ecu d’or,epliche halten auch ihre Bis 


cher in Pialtres Die man Daler nennet. 
Der Preiß der Wechfeliſt als folget: 


Auf Engeland ı. Vvon 73. Lires bor ss. bi8 75.9. Sterlin 
— Gpanienı. dito Ups 400, bis 430, Maravadis, 

— Portugall i.dito horx soo biß zro.Rees, V * 
- Maylaud .dito par ioo.his no.Soldi Imperial.. 


— 





uf 


— — 





658 Ira 

‚YfPalermo 1. dor 20, bißız, Carlins, — 
Frauckreich 70. bis 90. dito vor 100, Ecus d'or Sol, | 
“— Novt 120, bis 140. dito Vor 100, Ecus.de Marc, 

Rom ıoo.dito vor 70, bis g0.Ecus d’ Etemipe, 

— u 70, big go, dito por Ducati di Banco, 

—) eaplid 160, dito Yor iit.bis 136, Ducati, 

— Livorno 115. bis i20. Soldi ‚dor s. Piaſtre Hop s. Lires. 

— Luccaıop. V bor-100,.& no. V PoN7$- Lires, ° 
Livorno oder Ligourno, ” 
Ein deruhmter See⸗Havben in den Florentiniſchen / woſelbſt faſt als 
fe Chriſtliche Schiffe zu Ancker gehen / ehe ſie ihren Cours ferner 
nach der Levante fortſehen entweder um Verfriſchung einzanchrien/ 
oder Werhfe Brieff auf Aläxandria, Caixp,, Smirna, Aleppo, uAd-att> 
dere Pläge zu negociven / das Geld fo man auch in Natura auf bes 
fagte Plaͤtze einwechſelt / ſeynd Stüd bons. Realen oder Piaftres, 
welche gar bis in Perſien gultig ſeyn / weßwegen man in Livorno-z, 
bis 3. Soldi, offtüber ihren rechten Werth Aufwechfelgiebet/ es Eotiren 
aber alle diefe Piaftres aqus Spanien und gelten in Livorno 5. Lire 15, 


Soldi, | 
1. —— pPiaſtre uber netto 7.Lires,  - - — 
:3, Fingirter SlöventinffcherEcu d'or 7.L. io. Soldi. Die übrige 
Muͤntz⸗ Sorten ſeynd wie in Florenh. — | 
"Die Wechfel / Preiſſen in Livorno feynd. 
Auf Holland 1. Piaftre gegen so. à 100. Grot Flaͤmiſch. 
— Gigelandı.dito gegenso. bid70.9. Sterling. 
, — Srandreid 1. dito gegen 62. biö 68, Sols Tournois,.gder go. 
big 100, Piaftres gegen 100, Ecus bon 20, Sols d’ar Sols, 
Auf Portugall 1. Piaftre gegen soo. bis zro.R£cs, | 
— Kloveng 1. dito gegen ns. bis i20. Soldi Fiorentini, 
—— Genua i. dito B9L.100. 105. Soldi Genueli.. 
°2_ Benff1os.diroVdt 100.4 103, Ecus de Geneve, 
—- ‚Neapolisioo, dito vor rie.à. 115. Ducati don s. Tarins, 
2 —— o5. bls ioo. Piaflres Hor 160, Ducati di Banco Yon 
24. Groſchen. 
AufNovaıso, bis 199, Pialteesbor 100, Ecus de Mars, 
— Rom i00. lialtres bor so.bis 90, Ecus d' Etempe. 


Genueſer Geldd. J 


lbſt gilt die Genueſer und Venetianiſche P 
— Lires 16. Soidi. R 3— | ſſche Piſtole wann ſie gewich⸗ 


.. ß L’ecu 


— * — > Re 


a Bi — 


J ta g 
E’ecud’orde Marc oder halbe Piftole/9.Lires 8. Soldi. — - 
Le Croiſat oder Genoife, zLire i2. Soldi. 

LaPiaftres.lire oder too. Soldi di M.S.G, ° 

Dergemeine Thaler 4. Lire. , 

Der Kömifce Tefton ı Lire 16. Soldi. 

LaLiraoder Lire 20. Soldi. 

Le Soldi 6. Sechſer oder 12.8. 

Die Bücher werden gehalten In Lire bon 20.Soldi, und in Soldi hon 

6, Gechfer oder 12, Deniers, oder in Piaftres Ho 100. Soldi. 


J Die Wechfel:Preifefeynd: | 
Auf —— und Braband ı, Piaftre Yon 5. Lire hor 90, bis 100. 8. 


Flaͤmiſch. an 
Auf Engeland 1. Pialter boryo. bis 70.8. Sterlings > 
— Franckreich 100. V de Marc vor 200. did 240. Y fonzo, Sole 
2. Aue 
— Gpanienı Piaftre or 400. biß 420. Maravad, 
— Portugalı.Piaftrebor 600, bis 750. Rée⸗. 
— Genff100, Piaftres por 102. big 104. Thaler. 
— Noveızo,biß ı24.Piaftres hor 100, Ecu de Marc, 
— Venedig 1, EcuCourant, or 100.big124.Soldi Ven, 
— Maylandı, Ecu dito bor go. bis 100, Soldi Imperiali. * 


— Romnz,. bis ızs. Soldi bor 1. Ecu d' Etempe. | 
— Livorno 100, biß 105, Soldi Hor 1. Piaftre Yon 6. Lire. 


— Neapolis6o.bi8 90, Soldi por 1. Piafter.bon 9. Carlinis, 


Es ift aud) zu Genua eineBanco, MontSaint Bernard genannt / in wel⸗ 
he man die Stude von 2. Realen zu 4. pro Centum belegen Fan. 


‚ A0.1645, wurdeder Preisder Genueſiſchen Münge gefegt/ daß die 


Genueſer / Spantfde/ Benetianifhe und Floventinifhe Piftolen 

von der fünfiten Eternpe 15. Lire 10. Sotdi, die Frangöffche 15. Lire 

9, Soldi, die Roͤmiſche / Milanefer / Mantuanifche und Modenefto 

fhe ıs.Lire 2. Sold: gelten foltes Sieder der Zeit aberhat ich die» 

fes wieder veraͤndert / wie aus obigenzu-erfehen, - -: 
Nove. 


Eine Stadt in dem Genueſiſchen Gebiet / iſt berühmt wegen feiner. 

Jahrmaͤrcke / deren es des Jahrs 4. lolennes hält/ ale. > : ., 

Den erften am ı. Febr, welchen man nennet Foirc de. la Purification 
oder Lichtmeß · Marck. BER | 

Den 2. aufden:.Maji, welcher Oſter-Marck genennet wird. 

Denz. aufden ı. Aug. und diefen nennen ſie — 

Den 4. auf den 2. Nov. und dieſer wirdAllerheiligen⸗Marck genannt. 


Tt Dieſe 





Bei 
® — ⸗ 


658 --- Ita 


⏑ — — —— — ——— — 
Diefe vier Märdte/ die ehmahls zu elancon in der freyen Graf 
ſchafft Burgund gehalten worden / ſeynd darum in groſſen Anſehen / 
weil die vornehmften Kauffleute und Wechſelers aus gang Itallen und 
Lion dafelbft zufammen fommen/ und mitein ander Wechſel fchliefa 
fen/ oder wegen der gefchloffenen fcontriven/ da dann ein jeder Marck 
3. Tage währet/in welchen biel Milionen/ aber wenig Waaren nego- 
ciret werben/ weil diefer Marc eigentlich) nur der echfet halber an» 
geleget iſt. | | 
Die Bücher und Rechnungen in Nove werden gehalten in Ecu, Sols & 
Deniers d’ or de Marc, dieman fummiret mit 12. und zo. weil ız. 8. 
. 1, Soldi,und.20. Soldil ecü de Mare madhen/ welcher Ecudi Marc 
nur fingiret ift/ indeſſen wird er dach vor den Wehrteiner halben 
Spyaniſchen Piftole gezehlet / dieweil gemeiniglich 493. Piftolen 
° 06. Bcus de Marc machen / welcher Ecu feinen Preis niemahls 
-  Gerändert/ ſolchem nach wird nun don Nove aus 
Auf Spanien i. Y oderEcude Marc gewechfelt/ umin Spanien wie- 
der zu haben s. bis 600. Maravadis. 
Auf Franckreich 100. V dito dor 130. biö 190. Ecus hon 20. Solsd’ 


orfol. . 
Auf Benedig 100. N dito Der 150, bi 190, Ducati di Banco, 
— 4 100. — dito vor 98. bis 104. Ecus d' Etempe. 

__. Florenz 100. — dito vox 100, biß 104. Ecus Von 7z- Lires, 
__ Livorno100,.— dito vor ıgo. biß 190, Piaftres don 6. lires.. 

— Genua 100, —dıto vor ızo, biß 124. Piaflres. 

Milan 1. —dito don so, bis 200, Soldiimperiali. 
Lucca 100. — dito vor 140, bis 160. don 72, lires. 
Neapolist00. - dito vor 140 his 100. Ducats bons. Tarins, 
— Palermo und Meſſina 1.— dito Vor ij. biö 30. Carlins, 

— Boulognexoo, — dito vox 170. bisıgo bon ss. Soldi, 

—— Bergamo po. —dito vox 250, bis 290. Y'por 7. lixes. 

_- Ancona 100, —dito dor 150, bi 160. V bon 73. lires. 


Mayland. 
Hat an wuͤrcklich geprägten Mängen die Spanuiſche Piſtol / welche 
wann fie wichtig / 24. lires gilt. 
Die palianifhenstires. 
Der Ducaton von Mayland/ Venedig und Florens s. lires. 
Die Philipper. lieres, 
1. Lire iſt 20.$olscourant, 
1,Soldd ı2. Q.coufant. 











Ita 659 

ET TEE EEE ———— — — — 

Die 7* güldene Ducati, die man Ongari nennet / gelten . lires 
s. Soldi 


Die ülderne Venediſche Duratens. ires, | 
Wechſel⸗Muͤntzen feynd : 

Die pie Werhfel-Thaler oder Ducaten / weldes. lire, 15, Soldi 

. gelten. | a 

—* philipper, fo man zu5. lires 6, ſoldi zehlet. 


Dieſe Philipper ſeynd die gewoͤhnlichſte Muͤnhe / eben wie zu Venedig 


die Ducaten bon 6. lires 4. foldi, und in Franckreich die Thaler zu 
3. Pfunden. 


Der Preisder Wechſel iſt als folger: 

AufEngelandı. Ducat bon ııs. Soldi por ss. bis 77.8. Sterlings. 

Auf Spanien ı. Ducatdito vor 420. his 450. Maravadis.-" 

— DBenedig ı. Ducat dito Vor 150. big 200. Soldi di Venetia, 

— — 90. bis iij. ſoldi Milaneſer, dor 1. Ecu hon 20. Sols 
d’ or fol. | 

— Florentz 100.biß130, Soldi hor ı. Ecu Yon 73» lires, 

— Genua $o, big 100, Soldi dito Bor, Ecu Yon 4, lires, z 

— Noveıso,biß 200, Soldi bor 1, Ecude Marc, da 

— Rom ioo, Ducati dito Vor so. bi 90, Ecusd’ Etempe. 


Lucca. 
Hat Wechfel-Thalerd bon 7. Lires 10. Soldi, nach welchen es wwechſelt 
Auf Franckreich so, bi695.,V von 73. Lires Hor 100. Ecus bar 20, 
S8Sols d or fol, 
Auf Florentz no his 130.— dito der too. Ecu Yon ⸗. Fire, 
— Nove140, big 160. — dito pr 100, Ecus de Mara. 
— Rom 90, bi 95. — dito hor 100, Ecus d’Eternpe. 
— Venedig 80. bid ss. — dito Hot 100. Ducatide Banco, 
— Boulogne 1, — dito vor too. big no.Soldi ou Boulignis; 


Boulogne oder Bonönien. 
Eine Stadt in dem Paͤpſtlichen Gebiet / auf einen fehr fruchtbaren 


Boden gelegen/ dannenherb ſie auch la graffa oder die Fettegenenneh 


wird, Ihre Muͤntz⸗Sotten ſeynd als folget: 

Die Spanifche Piſtole gilt 10. lire ro, foldi odet 33; Julier, 

Die Jtaltänifche um 2. oderz. Graimfeichter gilt 31. Julier, 

Der Eru oder Ducaton ro. Julier. 

Le Piaftre d’ Efpagae ober Franhoͤſiſ. Thaler 4, lire 5 ſoldi oder ss; 

Boulignis, , 

La Lire 2, Julier 9dev 20, Bayoci oder Boulignis, 

Tta2 An 


/ 
⸗ 


660 Sta 
An fremden Muͤntʒen feynd daſelbſt gangbar. 

Die Segvinsbon Venedig zu 19. Julier. 

Die Ducaten oder Ongari in den Gewicht einer halben Spanifchen 
Piſtol weniger 2. Grains 18. Julier, 

Der julier 10. Bayocs, 

Der Bayoe 6, Qyatrins, i | " 

Mann man einer Staltänifchen Piftolen Wehrt an Waaren nennet/ 

fo verftehet man darunter zo. Julier , redet manaber nur blog von der 

Piſtoie / fo ſeynd es zi. Juliers, | 

Die Wechſel lauffen ee 

Yuf Franckreich 70, bis so. Soldi oder Boulignis borı. 7 bon 20. 
Solsd’ or fol. 

— Novc 170, biö ıso. % bon ss. ſoldi bor ioo. Ecu de Marc, 

— Logvesıoo, bis uo. foldi box i. V bon 73. lires, 

— Venedig ı. Ecu don 85. Boulignis box 125. bis 130. foldi di Banco, 

— Rom 95, biß 100. foldibor 1. W bon 10. Julier. 

— Florenz ioo his 105. foldi hox ı,Ducat. von 7.Lires, 

— Neapolis so bis 100. foldi vox i. Ducat von 10. Carlins. 

Alle Wechſeln werden zu Boulogne s. Tage nad) ihrer Acceptation im 

den Monte Pieratis bezahlt/ deren es daſelbſt unterſchiedliche giebet/ 

alö die Monts perpetuels und Monts Francs, in jenen gibt man denen/ 

die ihr Geld dahin auf Interefle bringen/ 7. bis s. pro Cent, in diefen 

aber nur 4.proCent, des — 

An Kauffen und Verkauffen iſt die gewoͤhnlichſte Münge die Bou- 

lignis, welches gleichſam die Stũver oder Schillings dafelbft imfand 

feyn. Die Bucher aber hält manin Lires, Soldi & Qratrins, die 

man rechnet durd) 6. und 20. und hernad) in V oder Piaftres reducirt. 

Zu mercken iſt auch / daß zwar die ———— in Boulogne, nicht 
aber die Boulognefer in Rom ihren Cours habe. 

Neapolis. 

Hält Buch und Rechnung in Duraten/ Tarins und Grains, den Du» 
caten zu5. Tarins gerechnet. 

‚Die Piftoled’ Efpagneoder Doppia, gilt 33. Carlins oder ic · Tarins. 

Die taliänifche Piſtole zo. Carlins oder 15. Tarins, 

DieSegvins 18. Carlin oder 9. Tarins. 

Die güldene Neapolitanifche Thaler thun 13. Carlins,s3. Tarins. 

Die Ducats d’ or 12. Carlins oder 6. Tarins, 

Die Feus courants ıı. Carlins oder 3» Tarins, 


Die Ducati di Banco io. Carlins pders. Tarins,. 
"De 


Ita Juc 661 
Die biaſtres oder Spaniſche Thalers o. Carlins oder 45. Tarins. 
Die Tarins gelten 2, Carlins oder zo. Grains. | 
Die Carlins ı0, Grain. 
DieGrain 3.:Qvatrins, 


WDehfl:Mängen feynd: 
Der Ecusd’ or, fo 13, Carlins oder 65. Tarinsgilt. 
Der Ducatd’ or bon ız.Carlins, 
Der gemeine Thaler von u. Carlins, 


Die Wechfel;Preis find als folget: 
Auf Spanien 1. Ducat von 10. Carlins, her 380. biß 400, Maravadis 
— Genua ı, Piaftre bon. Carlins Vor so‘ biß oo. Soldi. 
— Palermo ı. Ducat Vor 160, biß ı70. Pontis. 
— Livorngsız. bi 115. Ducati bor 100. Piafters bon 6. Lire, 


— Venedigbo, bid 100. Ducati Por 100. Ducati di Banco. 


— Florenz 115. bf8 130. Ducati hor 100 Ecus hon 75. Lires, 

— Rom 120, his 124. Ducati hor 100. Ecusd’ F tempe, 

— Nove 140, bis 160, Dueati pr 100. Ecus de Marc, 
— Franckreich 90. big 120, Ducati vor ioo. V de 20, Sols d' or fol, 


Palermo und Meffina. 

Zwey Städte in Sicilien gelegen/ haben an würdlichen Muͤntzen 
Den Ducatentan 3. Tarins oder 26, Carlins, 
Der Ecu courant in Gold und Silber giltız. Tarins oder 24. Carlins, 
LePiaftre 10. Tarins oder 20, Carlins ıs. Grains. " 
Le Florin 6. Tarins oder 12. Carlins, 
Der Carlinhatıo,'Grain, 
Der Tarin 2,Carlin oder zo. Grain, 
1.Grain iſt 6. Picolii. 
8.Picoli gelten ı. Pontis. 
Die Bücher werben gehalten inOnces, Tarins, Grains und Piecolii, 

welche (fe ſummiren durch 30. 20. und. 


| Die Wechſel feynd: 

Yuf Spanien 1. Florinyon 6, Tarins hor 230, his 250. Maravadis. 

— Florenz zo. bid30.Carlins por 1.Ecus hon 7% Lires, 

— Nove ır, biß30.Carlinsbor ı. Ecus de Marc, 

Palermo allein wechſelt auf Neapolis 160. his 170. Pontis hor t. Dutat 
bon s. Tarios, £ ‘ 

ralermo ziehtauf Meine, and Meffine auf Palermo gt 2. his 3. pro 
Centum Gewinnund Verluſt. 


Its Auf 


ya 


64 Iva Zuc 


Auf Antwerpen/ Londen/ Venedig und Lion / wird in Ducaten zu 13. 
Tarins oder 26, Carlins und zu \ Courants gewedhfelt. 
Ivaarthetica, Chamzpitys. , | 
Juba, Härlein an den Röhren/ dergleichen am Hirſen zu fehen. 
Jucca, ein Gewaͤchs / fo bey denen Americanern Mandiocca genen- 

net wird; die Wurgel davon hat einen fo giftigen Gafft / daß wer 

ſolchen roh trincken folte/ unfehlbar ſterben würde/ da doc) die TBur» 
tzel im Maffer audgefotten / einen lieblichen Eßig / und wann ſie ge⸗ 
trocknet / ein ſchoͤnes Mehl zum Brodbacken gibt. 


Juchten / Frantzoͤſiſ. Vaches de Ruffie, auf Rufifch Jufft genannt. 
Iſt ein Leder/ welches bis anhero in Teutfchland nicht hat können nad)» 
gemachet werden / weil dad Del/ welches eigentlich dieſem Leder den 
angenchmen Geruch) gtebet/ und zu deflen Bereitung dienet anders 
nirgends ald aus Rußland zu bekommen / zudem fo werden aud) ſolche 
Juchten felbft in Rußland an einen Ort beffer / ald anden andern ge» 
macht/ können aud viel wohlfeiler aus dem Lande felber angefchaffet 
werden/ ald wann man es in Teutfchland nachmachen wolte. Unter 
denen Yuchten werden die Coftromifche und Jeroslauifche vor die be> 
ften gehalten/ nach diefen Fommen die Wolegodaifchen / hierauf die 
Novogorodifchen/ Moskovifchen und Pleskauifchen / und endlic) die 
Cafanifch und Lugofskyfchen.. Was unter den Coftromifhen und 
Jargslaufchen als den beften Tuchten unter allen / der Kern oder gleich⸗ 
ſam die auserlefenfte ſeynd diewerden die Maftersky !genannt /und 
baden nit allein alle die Qyalitäten an ſich / welche gute und extra 
ſchoͤne Tuchten Haben follen / ſondern ſie ſeynd auch die theureften und 
rarften unter. allen/ und die gar wenig zu Mardt kommen / und koſtet 
allzeit Die Pude etliche Griven mehr als die andern; nad) diefen Ma- 
ſtersky feynd die Poluvalli, eine andere Art ſchoͤner Tuchten / welche 
fonderlich ihrer Leichtigkeit halber / und weil man Fell darunter 
findet/ die Faums. Pfund das Stück wägen / dahero deren 10. 12. big 
»s. Stud anfeine Pude gehen/ beruhmt ſeynd. Wrack and Roßwall 
werden genennet der Ausfchuß aus den Juchten / beftehend in aller- 
hand Fellen/ die entweder voller Löcher/ fchlecht bon Couleur, ſchwer 
und piump bon Koͤpffen / übel und .. bereitet / und auf der 
Fleiſch · Seiten nicht fhön weiß feynd. So hat man ſich auch in Juch⸗ 
ten⸗Kauff vor Brannt-und Pferd⸗Leder zu hüten ; Falbe-Juchten 
Teletini genannnt / müflen Ochfen-pder Kuh⸗Haͤute / und Feine Ku- 
mim oder Pferd⸗Haͤute ſeyn. 

Wer im Juchten⸗Kauff nicht will betrogen werden / ſiehet zu / daß er 
sicht allzu plumpe grofie ſchwere Felle (weil oftmahls Pferd-Saute 
darunter) mit dien fchmeren Köpffen bekomme / dap fie En F 





Auce.y 663 
Sleifh-Seiten,fhön weiß / auf der andern aber friſch hon Coulcur, 
daß ſie im Angreiffen / und wann ſie in der Hand gedrudet werden / 
fein geſchmeidig und wohl ausgearbeitet / und im Zuſammendrücken 
nicht fpringen oder baͤrſten; daß die Couleur gleich durch / nicht ber⸗ 
ſchoſſen noch (hwarg-fledigfey. In Summä / es erfordert der Juch⸗ 
ten⸗Kauff / und daß man dleſer Waar ihre Quahtat wohl erkrune/ 
faſt den Gebrauch der fünff Sinnen; das Auge will haben die ſchoͤne 
Couleur, die Naſe den annehmlichen Geruch / an welchen ſo hiel gele⸗ 

en / ſo daß auch groſſe Juchten-Kenner ſich verobligiren bürffen/ daß 
im Eintreten eines Gewoͤlbes / in welchen die ae noch in Bals 
len eingepackt liegen / felbe unbefehens beurtheilen wollen / ob es Co-⸗ 
— oder Ple⸗kauiſche ſeyn; das Gehör judiciret/ ob Die Juch⸗ 
ten/ indem ſie mit der Hand begriffen werden / ein hartes Geräufch als 
eines verbrannten Leders oder warmen Brods / welches im Angreiffen 
bärſtet / von ſich geben; und eben dieſes beurtheilet auch das Gefuͤhl / 
ob — ein Juchten⸗Fell in der Sand weichlich oder hart anzu= 
veiffen fey. 
Der Juchten⸗Handel an lich felbft ift/ was den Preis derfelben ans . 
belanget/ ungewiß zu determiniren / weileinieder Teutfcher oder an⸗ 
Derer Ausländer / welcher feine Waaren mit den Ruſſen vertaufchet/ 
nad) dem Preis / denerauffolhe Waaren fehet / auch die Juchten 
theuer oder wohlfeil annehmen muß / dahero es dann kommet / daß 
manchmahl Fuchten in Teltfchland wohlfeiler verkauft werden / als 
fie Einkauffs gefofter/ und daß dennoch noch Profiv darauf iſt / weil 
nemlich die dafür gegebene Waaren fo viel theurer ausgebracht wor⸗ 
den. Bisanhero * Holland / Hamburg und Luͤbeck mehrentheils 
Teutſchland mit Juchten verſehen / und iſt das Pfund etwan ro, bis ız. 
Schilling in Banco mit 23. pro Cent Rabatt oder . Monat diſconto 
verkauft worden/ bon welcher hernach in Ober-Teutfhland der Eent: 
ner zo. oder mehr Rthlr. nach der Qyalität des Guts in fehlechten 
Geld gelten mü N; wiewol der Peofir, der anffolcher Maar zu ma⸗ 
chen / nicht groß zu rühmen flehet/ es fen dann / daß einer den Einkauff 
in ſchweren Beld/ und den Verkauf wieder in leichtern; tem die’ 
ſchwere Fracht und Unkoften / oder gar den groflen Borg /'der an die 
Schuſters muß gegeben werden nicht rechnen wolte / welche Handlung 
aber nicht lange wurde Beftand haben. Diefen abet’ ungeacht ber⸗ 
meynetmander Kauffmann in Ober-Teutfchlandy & gehe feinen Re- 
ſpectviel ab / wanner nicht auch mit Juchten handelt oderdergleihen 
Waar / (welches ich noch einigermaſſen paſſiren laffe) in Commiſſion 
zu haben ſuchte. — — — 
In Moſcow geben die Juchten durchgehends / (ke mögen. ſchlecht oder 
Wa aut 


⸗ 


64. ‚ Sue Jud 
ut ſeyn / wann (le berfaufft werden / 4. Rubel oder 8. Rthlr. pr. Pude 
ol. z0. Pude rechnet man gemetniglich auf ein Pad Juchten von 
20. Rollen/ in jeder Rolle/ die nah Hamburg und Lubeck gehen/ ſeynd 
3. Paar / auch wol / wann fie Poluwalli, das ift gar leichte Juchten ſeynd / 
s. Paar, dap alſo ein Packen in cirea a izoo. Pfund Rußiſch / oder z35. 
fund.pr. Pude 1000, Pfund mieget; Die Packen aber / die nad 
—— werben er. Rollen groß gemacht. Die beſte Zeit des 
Juchten Einkauffs iſt bor die Ober-Teutfhe Kauffleute / wann die 
Flotten von Archangel zurück kommen / welches im Novembr. gee 
ſcheht / weil als dann einige Mofcovien- Handlers Geld zu der Bea. 
fung ihren Wechfels nötig haben/ und dannenhero un fo biel wohlfei⸗ 
ler geben müſſen. Manchmahl kan auch ein vortheilhafftiger Bararto 
gegen Tafft / Dammaſt / Gold⸗und Silber⸗Drat / und andere nach 
Rußland gehende Waaren getroffen werden. Es werden aber die me | 
ſten Juchten entweder zu Beziehung der Stühleoder zu Caroſſen und 
Stieffeln verbraucht. Ale Tuchten/ die nad) Italien gehen / müffen 
extra fchön und mehrentheils Poluwalli oder leichte Fuchten feyn. 
Die Juchten in Teutſchland nachzumachen / haben (ich zwar unter» 
fchiedliche des Leder-bereitend:Berftändige fehr viel bemühet / und 
wann ſie erſt dad Leder mit Kal und Weyden⸗Loh gahr gemacht / ha⸗ 
ben ſie ein Del von Bircken⸗Rinden und gewiffen Kraͤutern / auch Blü- 
men/ Spicanarden und Labendel / mit Violen⸗Wurtzeln zugerihtet) 
enommen / hierauf Braſilien-Holtz / in einer Kalch⸗Lauge gebeigt/ 
olglich daffeibg unit Leim / Alaun und weiffen Bummi gefocher/ uud 
Das Leder damit beſtrichen wodurd) ed zwar das Anfehen einer 
Juchten etlichermaſſen / doch nicht in toram bekommen / weil das Kraut / 
mit welchem die Juchten bereitet werden / allein in Moſcow waͤchſt. 


Juden und Handel mit den Juden / iſt vieler Orten fo gemein / 
daß ſelbſt manche Lands⸗Obrigkeit in den irrigen Gedancken ſteht / 
es gehe ihren Ländern dadurch ein groſſer Rußen zu / und ſey auch 
ein ſonderlicher Splendeur einer Popuſoſitaͤt darunter verborgen / 
wann hin und wieder viel Juden ſich angeſetzet / und die Märckte 
und Börfen/ wolte GOTT auch nicht dabey der Chriſten ihr Beu⸗ 
tel/ Schreib⸗ Szuben und Kram⸗-Laͤden) befuchten / undihrer Die» 
len die, Qrint-Eifence ihrer Nahrung vor dem Maul wegzögen/ ja 
diefelbe durch ihren Wucher bis aufs Marck ausfögen/dann gleichwie 
das Ungezieffer häuffig den Honig zufleugt/ alſo thut auch dick Gotts⸗ 
löfterade/ und die Chriſten auf dem Todt haſſende Nation nichts an- 
ders als daß ſie dev Chriſten Haab und Güter mit ſcheelen Augen 

ſieht / und ſich einbildet / dergleichen Reichthum / gebühre uns 

senden’ ( daun davor halten ſie uns) im geriugſten nicht / ‚en 

- ern 


4 > — — Zu — re —— 





ud 665 


dern ed gehören ihnen / als einer viel edlern (verfluchtern wolte ich ſa⸗ 
gen) Nation, zu/mir waͤren nur Uſurpatenrs und make fidei poflef- 
fores, dannenhero ſie auch im Recht wären/ ohne Verletzung ihres Ge⸗ 
wiſſens / uns wo ſie nur koͤnten allenthalbenzu berbortheilen / wie et» 
wann ehmahls ihre Vor⸗Eltern der Egypter Silber - Gefchirr auff 
Gottes Befehl mit fihrehtmäßiger Weiß hinweg genommen haͤt⸗ 
ten/ mozu dann noch kommt / daß diefes Geſchmeiß / (weil es ſich 
eine eingebildete Herrfhafft träumen laft/) nicht arbeiten will/ 
fondern ſich eine heimliche Freude macht / daß die Ehriften ihnen ak 
les machen/ und vor fie arbeiten muͤſſen / weil aber ſolches Geld Eoftet/ 
als ift unter diefer Bottlofen und verinaledenten Nation, (welche ſich 
nicht gefcheuet den Fürften des Lebens vor 30. Silberling zu verkauf⸗ 
fen/ der Handel und die Kauffmañſchafft als bey welcher es faule Tage 
giebet beliebet worden / da handelt nun der Jud mit allerhand Waã⸗ 
ren / ſelten aber ehrlicher und auffrichtiger weiß / wie es Ehrliebenden 
Kauff⸗Leuten zuftehet/ (einige Hamburgiſche und Amſterdamiſche Ju⸗ 
den / welche noch raiſonable propre Handlung thun/dabon ausgeſchloſ⸗ 
fen) ſondern alles mehrentheils durch Betrug/ indem ſie alte derlege⸗ 
ne / geſtohlene / verpfaͤndete / geraubte / confifcirte/ verbotene / verdor⸗ 
bene / falfche / ſchaͤdliche und betriegliche Waaren an ſich kauffen / 
und ſelbige hernach ſo hoch als ſie immer koͤnnen / durch Tauſchen oder 
vor baar Geld / mitfügen und Intriguenwieder ausbringen / wir 
wollen der Sachen ein wenig näher treten / und oberzehlte ſchoͤne 
— Sorten etwas genauer ſammt ver Juden⸗Handel be 
euchten ‘ 
Dieſemnach handelt ver Jud erfklich mit verbotenen Waaren / indem 

er / wie im legten Teutſchen Kriegen geſchehen denen Reichs⸗Feinden 


Pferd und Munition zu partired / falſche abgeſetzte und ungültige. 


Ming-Sorten einfuͤhret) die Höde-Mütigen ſelbſt vertegt / und 
auch fonft Fein Obrigkeitlich Berbot Diefer oder jener Waar wegen ach» 
tet/ wann er nur (folltees auch mit feinen gröften Hazard'gefihehen/) 
Geld darauf zu verdienen weiß 
Alte verlegene Waaren kauffen fie hin und wieder/ entweder ausGe⸗ 
richtlichen Ausruffen / oder Audtionibus, oder auch von ſolchen Leuten 
ein / die entweder ihre Handlung auffgeben / oder auch von Schulden 
‚gedränget / ſelbige um ein Spott-Geld berkaufſen müſſen; des alten 
Kleider⸗Handels jetzt zu geſchweigen / mit welchen die Bettel⸗Juden 
Die gantze Welt durch zu haufen und zu juweliven/ auch wohl boͤſe 
- Seuchen darüber einzuführen pflegen. 
In geſtohlenen Warren findet man fie faft durchgehends mohl 
fortiret / dann weil der gemeine Mann / ſonderlich aber die Spitz⸗ 
Buben, liederlich Geſind / alte Trödel-Weiber und dergleichen / \ 
| ats | au 


— _ = — — — — — 


666 Sub 


— — — ——e — , — — —— 
auch die Juden ſelbſt in der Meynung ſtehen / daß (le vor andern pri- 
vilogirt ſeynd / geſtohlene Wagren an ſich zu handeln / ohne daß fie 
ſolche / wann gleich der Eigenthumer ſelbige bey ihnen antreffen ſollte / 
ohne Entgeld doͤrfften wieder geben / oder zum wenigſten das Dafür 
ausgelegte Geld wieder prætendiren können / wiewohl ſolches eine übel 
gegründete Opinionift (mie wir unter dem Wort geftohlene Wan 
zen /ansführlic gehandelt haben /) als läuft ihnen alles / was der⸗ 

leihen Waaren/ Gilber-Befgirr/Kleider oder Mobilien durch 

iebö- Griff an ſich gebracht / Häufig zu/ theils weil ſie gleich 
baar Geld dafür ae! theils weileö bey ihnen verfchwiegen blei⸗ 
bet / woraus ja klaͤrlich zu erſehen / was für giftige Batilisfen 
wir an diefen Juden⸗Geſchmeiß in unfern eigenen Buſſem erneh⸗ 
er daß / wann kein Sehler wäre / au Fein Gtehler feyn 
ide. 
Verpfändere Waaren fallen ihnen dadurch und zwar offt für den hal⸗ 
ben Werth in die Händ / weil von den gemeinen Bold vielgewehnt 
ſeynd / nad) den Juden hinzulauffen / und daſelbſt in Röthen Kleider 
und Hausgerath / biel Handwercks-Leute vohe Materialia , einige 
ſchlecht bemittelte Kauff⸗Leut aber ihre Maaren bey ihnen zu ver ſe⸗ 
Gen / auf welche ſie dann ein kleinen Vorſchuß bekommen / der aber 
endlich mit dem Schreib» Geld und denen zo. bis 40. pro Cen- 
tum Wucher⸗ Zinſen fo hoch ſich auffummist/daf es die gutenLeut nicht 
wieder einloͤſen / und folglich den Juden laſſen müͤſſen / die es her⸗ 
nach ſchon wieder an Mann zu bringen / und ſeinen Kram damit 
auffzuzieren weiß / ja fie gehen auch wohl mit manchen anfehnlichen 
Pfund gar andie Seite/ warn fie mercken / daß es der Eigenthümer 
mieder einlöfen / und ihnen dadurch ein anfehnlihed Kapital/ auf 
‚welches ſie ſchon ihre Diebö-Gedangen eingerichtet/ entziehen will. 
Gersubre Guter Fauffen fievon Feindund Freund/ Gt raptum vel 
captum, modo fir aptum ſprechen ſie / wanns aud) vom Altar geſtoh⸗ 
len waͤre da geht das Teuffels-Geſchmeiß offt ſelbſt mit zur Ar- 
mee und handeln denen mit Beut zuruͤck kommenden Goldaten / das 
Geraubte vor baar Geld ab / erkundigen fi auch wohl ausmwelchen 
Dorff / von welchen Regiment / aus welhenfand diefes. oder jenes Pferd 
Kuh oder Ochs geſtohlen und geraubet worden / damit ſie in Wieder⸗ 
verkauff ſich huͤten / ſolchen Ort meyden und es anders wohin zum Ver⸗ 
kauff führen können. | 
Mit confilcirten Guͤtern zu handeln ift ihnen auch nichts neues / die 
fie entweder felbft den Zollnern/ oder dev Landd- Obrigkeit verrathen / 
felbige hernach vor einliederliches an ich kauffen / und alfo auch in die⸗ 
fen Stüd die Chriſten ſtattlich betriegen. 


Der verdorbenen Osaren anipo nicht einmahl zu gebenden/die hr 
d 





Jud | 667 


doch io ſtattlich wieder aufzuputzen umzufärben / von auflen eine 
gute Lage / oder Anſehen / fchönen Einband/und Aufzierung/ neuen Ge⸗ 
ruch und Geſchmack zugeben wiſſen / daß der beſte Kenner offtmahls 
damit betrogen wird / zu geſchweigen / was ſie unter denVictualien vor 
Gifft und Dreck den Chriſten beybringen / weßwegen dieſer Vichua- 
Len Handel ihnen gantz und gar ſollte verboten ſeyn. 
Ihres Handels wegen mit falſchen Waaren / will ich mich auf die 
beziehen / welche viel mitl.ihnen verkehret / ihre Argliſtigkeit aus den 
Grund wiffen/ Pferde/ Ringe oder andere Edelgefteine und derglei⸗ 
hen von ihnen gefaufft/ Geld mit ihnen verwechfelt/ und dabey fo biel⸗ 
fältig betrogen worden/ daß Zeit und Raum gebrechen wuͤrde / alle ihre 
Betrügereyen/derfängenac offenbahr zu machen / maſſen ſie inſonder⸗ 
heit / dey Beſchreibung ein und der andern Waar / in diefen Buch ſchon 
Rahmkuͤndig gemacht worden. | 
n Summa es iſt nichts was der gottlofe Jud nicht thun follte/ um 
ie Chriſten zu beliegen und zu betriegen/ wozu ie dann täglich je laͤn⸗ 
er jemehr angefrifchet werden / weil ſie allenthalben — 
eiten Krafft ihrer Beſchenckung / und vielen Uberlauffens wegen ha⸗ 
ben / ſo gar daß auch eh einen ſolchen Juden / als einen Chriſten Recht 
wiederfahren / und ihnen groͤſſerer Schutz als den Chriſten ſelbſt ge- 
leiſtet wird / welches fie fo viel kuͤhner machet / die Chriſten bis auf 
das Blut auszuſaugen / weil ſie wenig Procefls verlieren / und des 
Obſiegs / ob jie auch gleich die ungerechtefte Gache von der Welt 
haben /bey vielen ungerechten Richtern fich dannoch getröften können. 
Sicht manihre Art zuhandelnfelbft an / fo ſeynd Nleliftig im Reden 
unverfhämt in Rügen / Diebifch in Bervortheilen / inre falſche Eyde 
womit fie die Chriſten verführen / vergeben ſie ſich fehon voraus un⸗ 
tereinander / fo (fe ja manchmahl eine Dienftfertigkeit blicfen laſ⸗ 
fen / geichiehetes / um den Leihtgläubigen Ehriften ſolches mit Wu⸗ 
eher hernach einzubringen / feiner wird den andern verraihen / ihr 
ze Corrcipondengen fennd unter fichexadt , fehlet den einen eine 
araliftige Diebs⸗Vorſichtigkeit / fo iſt der ander fluxd da / der lie ihn 


‚ins Ohr einbläfet/in fteten Mißtrauen gegen die Ehriften zu leben iſt 


ihr Proprium , fein Chriſt verlaſſe ich auf ihre Zufage und ſchmeich⸗ 
lende Wort /noch weniger auf die Feindfchafft die fie unter ſich Gmuli- 
ven / dañ ſie dienet den: einfältigenChriften zuFallſteick / dis ſie ihn ende 
lich gantz das Retz uͤber den Kopff gezogen / zu ihren Tributarium ges 
macht / ſich bey ihm in Credit geſetzet / ſeine Auſchlaͤge ausgeforſchet / ſich 
unentbehrlich bey ihm gemacht / Wechſel⸗Brieff ausgepreſſet / de⸗ 
zen Valuta wann der Chriſt in Noͤthen geweſen / ſie mit halb Geld/ 
und halb mit liederlichen Waaren bezahlt / bey Verfallzeit aber 
feine Remisſion geben / ſondern die erſten ſeynd / nr ihn/ 

waun 





668 Jud Juj u 
(wann er zudor von ihnen fhon bi aufs Marck ansgefogen) im 
Arren,Befängniß / odergar bon Haus und Hoff ab/ zum Thor 
‚hinaus bringen 7 diefes ſeynd die faubern Juden mit ihren Handel 
unter den Ehriften / ein mehrers hierdon/ Specialiter aber von ihren 
Wucher / und was vor fchädliche Beute die Juden in einemland undRe- 
public ſeyn / wird in unſern Fünfftig zu erwartenden Juͤdiſchen Kauff⸗ 
mann / der Laͤnge nach zu erfehen feyn. 


Juden⸗ Stein / Lapis Judaieus offic. {ff laͤnglicht und wird derfelbe 
roß und klein —— halten ſie vor Maͤnnlein / dieſe bor Weib⸗ 
ein / ihre Farb iſt weiß / Aſchenfaͤrbig / wachſen in Judaͤa / man findet 
(ie auch in Schleſien / die aber den erſten nicht gleicden, einige fchret- 
ben daß die Steine die in Tudäa gefunden werden /in Stein ver⸗ 
wandelte Oliven feyn follen. Dem Juden⸗Stein wird gemeinig» 
lich der Lyncis Lapis Luchs⸗GStein oder Lyncurius , welchen man 
doch beffer Belemnites Schoßſtein oder Alp-Schoß mennen moͤchte / 
beygezehlet / weiler laͤnglich / vund / ſchmal / und wie ein Pfeil zu⸗ 
geſpitzet iſt / er ift eben dom der Krafft ald der Juden-Stein / 
indent ev gegen den Nieren und Blafen-Stein dienet. 
Es kommet aud) ferner der Luchſen⸗Stein an der Aufferlihen Figur 
and Ausfpigung/ item der fo genannte Donner-Keil Ceraunia oder 
Lapis Fulminaris, den Juden-Stein etwas gleich/ welher Donner» 
Stein ein harter / ſchwarher und ſchwerer / auch etwas zugefpikter/odrs 
sie eine Art zugeſcharffter Stein iſt / daher er auch oͤffters Donner» 
Art genennet / und von bielen dafür gehalten wird/ dafer in den Wol⸗ 
cken gezeuget/ und bon dem Donner auf die Erdegefchoffen werde / al⸗ 
fein verftändige Leute halten es vor eine Fabel/ und glauben viel⸗ 
mehr dag diefer Stein wie andere Steine in der Erben generiret 
werde. 

Juden⸗Weyrauch / Styrax Calamita, 

Juden⸗Leim / Bitumen judaicum, Asphaltum, a 

Juden⸗Kirſchen / Doͤcklein Alkckengi Baccz, 

Juden⸗Pech / Asphaltum. 

Juden⸗Krick / Stramonia, poma Spinoſa. 

Juden⸗Aepffel / Mala perſica, mala aſſyria. 

Juglans, WelſcheRuß / unter ſolchen iſt gebraͤuchlich / Nux Regia, 
weil ſie erſtmahls von denen Koͤnigen aus Perſten in Griechenland 
— worden / deßwegen man ſie auch noch Nuces Perſcæ 
nennet. 

Jujubæ, Ziziphus, Prunella pectoralia rubra rothe Bruft: Beer 
wachen in Welfchlend groß und Klein / fie ſeynd erſtlich gruͤn / wann 
ſſe zeitigen/ werben fte fuß und vorh/ haben inuwendig eiten Kern/ und 

ift 


A 


— — 


ul Jun 669 


iſt das Fleiſch gantz ſchleimigt / es gibt auch ſchwartze Bruſt⸗Beer / 
die von Apulien kommen / liebt man vor allen / der Bruſt ⸗Berlein⸗ 
Syrup dienet wohl in den truckenen Huſten / fo ſich beym Anfang der 
Pocken und Seitenſtechen einfindet / item in den Urin-Befchwerden/ 
Strangurie,Durhlauff/sc- Dereinfahe Syrup wirdalfo beveitet/ 
nimmıoo, Stuͤck Bruft-Beerlein/ Regen⸗Waſſers 4. Pfund / koche es 
bis auf die Helffte ein / letzlich wann ed eoliret / thut man ein Pfund Zu⸗ 
cker darzu / und kochts zum Syrup / item nim̃ 40. Stuͤck Bruͤſt⸗Beer / 
Mertzen⸗Violen / Quitten⸗Kern / Pappeln⸗Saamen / jedes z.; Loth / 
kochs zuſammen in Waſſer / bis das dritte Theil einſiedet / thue 

—— anderthalb Pfund Zucker darzu / und laß es zu einen Syrup 

en. | 2 

Julebus, Julapium ein Julep / Kuͤhl⸗Tranck / beftehet aus deftillir- 
ten Waſſern oder Saͤfften / mit etwas Syrup oder Zuder einen ange» 
nehmen Sefhmad zugeben / alszum Exenipel R. Agv. portulac,En- 
div. Cerf.nigr. & fuce, 33, Dbentin /Syrup. efucc,rub, ridxi berber. 
3,6. Obentin Tindt, Violar, bellid, &1. Qbentin / m. d.S. Es iſt aber 
in Bereitung der Tulepen vornemlich auf dreyerley acht zu geben/ 
als das jie eine Schöne vorhe Farbbekommen / auGeſchmack lieblich und 


ſaͤurlich / und gleichſam zuleht eine angenehme Schärffezufpüren / und 


endlich daß ſie eines lieblichen Geruchs > Sonſten ift zu merden/ie 
einfältigerman dergleichen Getrände bereitet / je beffer bekommen 
fie/zum Exempel R. gemein Waffer oder dünn Bier /mit dem dritten 
oder bierdten Theil Weins vermiſcht /und von der Infufion frifcher 
Eisvonen-Schalen/ aud nad) Belieben Zuder darzu gethan / dieſes iſt 
Bein undienliches Mittel/ an ſtatt der füllen/ und von bielen Stüden 
bereiteten Tulepen zu gebrauchen. In denen Officinen hat man die Ju⸗ 
lep nicht bereitet/ fondern fie werden erſt gemachet. Veylen und Ro⸗ 
ſen Julep / wie mans in denen Apothecken hat / ſeynd ſchier ſo dick 
als ein Syrup / ſie werden bereitet aus einen Trenckbahren Li- 
qyore, worinn man Syrup / Zucker / ac. zerloͤſet und nad) Gut- 
dünden noch andere zerlaͤßliche Sachen / Saͤffte / Spiritus und derglei⸗ 
chen darzu thut. 
Statt eines Syrups Fan man auch die Conſerven gebrauchen / und her« 
nach coliren. | 
Julus Juli, feynd die erſte Schöfling oder Blätter / eigentlich 
Die Ruß⸗Blůh / die mit den erften Blättern etwas länglicht ſich her» 


vor thut. 


Junci odorati , Cameel Heu⸗Blumen / dieſes Gewaͤchs iſt fremd/ 
und kommt aus Egypten von Alexandria , iſt ein lang Gewaͤchs 
mie Rieth oder Dingel / und wird das Stroh welches das Kraut iſt / 

| und 


— 


670 Sun Kal 
undSchtenanthum heiffet/ auch abgefchnitten und befondert neben 
der Blumen verkaufft / es hat dahero feinen Rahmen / weil die Ca⸗ 
meel diß Stroh gern effen / die Blumen muͤſſen im Reiben einen 
Roſenhafften Geruch haben / dad Stroh muß ſchoͤn gelb⸗roth fehen/ 
welches ein Zeichen iſt / daß es noch friſch iſt. 
ancken ſeynd Chineſiſche Schifflein / damit die Sineſen die Stroͤ⸗ 
me auf und abfahren / und Kauffmannſchafft treiben. | 
Juncker⸗Lilgen / Afphodelus, | 
- Jungfrauen-Diftel/ Carduus hortenfis, 

air Capillus Veneris,Polytrichon, 
h Jungfrauen⸗·Honig / MelEriczum. 
Jungfrauen⸗Negel / Caryophyllus Virgineus. 
Juͤnglings⸗Blumien / Stoechas citrina, — 
juniperus, vide Wacholder. | 
. Jusqviamus, Hyofciamus, Bilfen-Kraut. 
Zuwelen / vide Edelgeſtein. | 


K 


—55 ein Fiſch dieſes Rahmens vide Cablian. 
x Kaͤfer⸗Wurtz / Scrophularia, . | 
Ralbs⸗Aug / Buphthalmus oculus Bovis, 

Ralbs⸗Naß / Anthirrhinon. 

Kalbs Fußwurtz / Aaron, Kalbs⸗Iſop Satureis. 

Talb⸗Ceder / roh und bereites / unter dieſen iſt das Englifche das 
—* / wird aber jest haͤuffig in Teutſchland nachgemacht / es muß 

choͤn rein / weiß auf der Fleiſch⸗Seite / und auf der andern bon klei— 

fien Narben ſeyn / auch im Angriff nicht ſtoͤrriſch fondern fein gelind/ 
truden und ohne Schnitt / auch daß es wann ex aufdie Fuͤß koͤmmt / 
nicht ſchwammigt und locker ſey / oder viel nachgebe / ſondern den Schuh 
immer in ſeiner guten Form halte. | 

Kali tft die Afche von demKraut Kali, ſiehe dan. 

Kali geniculatum, Salicornia, Glaß⸗Schmaltz / Saltz-Kraut / iſt 
‚ein Gewaͤchs einer Eilen hoch / und ſaltzigen Geſchmacks / waͤchſt ans 
Ufer des Meers / hat oben auf den Gipffeln Meine gelbe Blümlein / 
mit kleinen Draͤtlein / das Kraut iſt ein Cauſticum, dienet vor die 
Waſſerſucht / Die Aſche davon iſt gut dor das wilde Fleiſch / brin⸗ 
ger auch im Glasſchmeltzen die geſtoſſene Steine zum Fluß / aus der 
Lauge wird mit untermengten Oel eine Seiffe geſotten. 

Kalck iſt eine Materia welche aus allen Steinen kan gebrandt 
werden / ja fo gar aus den haͤrteſten Marmor, wie dann ſonderlich in 
den Hochfuͤrſtl. Baden Durlachiſchen und Hochgraͤffl. > 

Itt⸗ 


! Kal | 671 
etſte iniſchen Landen / nad) des Herrn von Hochbergs Bericht / der 
fchönfte und weiflefte Kalch fo zu mauren/ ald Tuͤnchen / gut und 
drenlich ift/ aus Marmor gemacht wird, - Der Sciefferftein dienet 
ebenfalls Kalch daraus zubrennen / und alfo faft alle Steine / doch 
werden die ſchwere und harte denen leichten und luckern borgegagen/ 
und fonderlid) die Bar weißlichteerwehlet / weileinige glauben 
wollen / daß der Kalch davon defto weiflen werden folle/vielleicht darung 
weil die fhmweren und harten Steine nicht fo leicht zerfallen/dann ders 
jenige Kalch / welcher wie Sand gleihfam zerrieben aus den. Ofen 
Fommt/wird wenig geachtet /weil der darbon gemachte Mertel wenig 
Haltung hat / auch ſo gar die Tun) von ſolchen lofen Kalch (dag 

ich mich der Worte des Propheten Ezechiels aus den z1.Cap. verl, 
20.11. gebrauche) bald wieder abfällt / hingegen derjenigeKald ſo in 
Stüdenund Steinen beſtehet / welchen man dahero aud) insgemein 
Lapidem Calcarium den Kalchſtein nennet / (zumahl wann er dabey 
Schön weiß / leicht und klingend iſt / und foınan ihm mit Waſſer bee 
gieffet / ſtarck dünftet) vor gut und weit beſſer als jener gehalten 
wird /der aus den Gebierg gebrochene Kald) - Stein fo er trocken 
{ft und gerne bricht / auch innwendig keinen verborgenen Zufag bey 
(ich führet / oder nad) erlittenen Brandt ſich . verkleinert / iſt beffer 
als die hin und wieder zufanımen geſammlete Steine. Ale Kaich⸗ 
Gteine von — /.die man aus der Gruben nimmt / ſchwarhe / 
weiſſe / und roͤthlichte / ſoll man alfofort brennen wann fie aus der 
Gruben kommen / die Kießlinge und andere Gteine fo auch Baͤchen 
und flieffenden Waffern komnien / geben einen weiffen Kalch der auch 
darum melftentheild zum Tuͤnchen verbraudt wird. Kal aus 
Schieffer⸗Steinen / muß ſo bald er geneget worden/ verbraucht wer⸗ 
den/fonft verbrennet er/ und verzehret fich ſelbſt / daß er hernach nicht 
8* bekleibet / noch angreifft. Es wird auch aus Mufcheln und Aufter- 
ten ſchoͤner weiſſer Kalch gebrandt / einige brauchen an Ratt des 
Kalchs den Gips / welder zwar wohl im Feuer dauret / und innwendig 
zum Ubertünchen der Gemwölber / auch auf platten Deden / zierliche . 
Form zu erheben /rgar dienſtlich iſt / aber an feuchten Orten/wo das 
Wetter anſchlägt / hat er nicht Stand. Man macht auch einen auser⸗ 
leſenen ſchimmerenden Glantz⸗Zeug / wann man weille und heile Kieſel 
oder Marmor⸗Stein zu Pulver ſtoͤſt und zu 2. Portionen diefes 
Pulvers ein Portion Kalch vermengt / dieſes Pulver hernach zu 
einen Teich macht / welches die Iraliäners Stucco nennen/ je * 
ein mens Kalch verbraucht wird / je beffer es ift / ob aber ein 
Kalch recht gebrandt und zum Gebrauch tüchtig ſey oder nicht / das 
merdet man daraus/ wann der Kalch ſchoͤn weiß / licht / und klin— 
gend iſt und beym Abloͤſchen ploͤtlich und did aufdaͤmpffet / auch 


ſich 


m Bl N 


ſich an die Rühr- Kelle dirk anleget / item wann er in gangen Gtüden/ 
und nicht gepuldert oder zerrieben aus den Dfen konımt. Ä 
In denen See - Städten hat man viel Kalch aus der Juful Gottlaud / 
welcher dafelbft vor den beflengehalten wird. * 
Kalmes, oder Calmes, Radix Calami Aromatici vel Acori- 

Eine wohlbekandte Wurtzel / die Hin und wieder haͤuffig waͤchſt / ſon der⸗ 

lich am ſumpffigten Oertern / vide Acorus. | — 


Ramels⸗DHÂeu / Stroh / Sqvinantum vel Schenanthum, 
Zaͤnnne werden nicht allein bon Buchsbaum⸗Holtz und Helffen⸗ 
Bein / fondern auch von Schild-Kroten Horn / und denen nn er 
Pal: Roffe/als melche viel weiſſer / ſchoͤner und fefter als beſagtes 
Giffenbein feynd/ item aus Hörnern und Klauen von Ochſen und 
Büffeln/welche die Kamm⸗ Macher auf Schild-Kröten Art kuͤuſtlich 
u beigen wiſſen / gemacht/ und feynd unterfchiedlicherArten und Gat⸗ 
ungen / nemlich zwey Zähnige / God Eißgen / Band, halb · runde / 
dreheckigte / Bart-Schlatter und Perugven Känme/x. melde | 
fie zum öfftern fonderlich Die von Helffenbein und Wall⸗Roß aähnen 
aensacht ſeynd / zierlich auszuſtechen / und durchzubrechen wiſſen. | 
Srach “raiengehen Jährlich aus der Stadt Nürnberg viel taufeud 
Bund Kaͤmme / welche dafelbft in den Stiden Manufadturen/ die 
zohe Seide damit zu Känmengebrandet werden / in Srandreid) 
werden viel Buchsbaͤumene Kaͤmme verfertiget/ weil dieſes Holtz | 
dafelbft wohlfeiler ald in Teutfchland zu haben / Nürnberg hinge⸗ 
ei verarbeitet viel Helffenbein und fchidet die davon gemadyte 
imineingang Teutſchland aus / ſonſten hat heutigs Tags faſt eine 
jedeStadt ihre Kanun⸗Machers / daß alfo dle Kramers nicht weit nach 
dieſer Waar ſuchen doͤrffen. u 
Kamm⸗Schynualtz / inguedo jubati Colſi. 
Tadaiter, ein Korb in welchen man in Spanien den Taback ein» 
thut / daher einfolher Taback Kanaſter oder Korb⸗Taback genen- 
net wird. Fr „ | 
Randen⸗Kraut /Egviferum, : 
Raipffen⸗Fuß / Napellus. 
Raps / Iſop / Satureja. 
Karabe, Agſtein. 
Karat Gewicht zum Golde / iſt die Marck in 288. Theil getheilt. 
— ——— * nn. Fun Diefee alius, itremCharax & 
Carafus,eine gewifle bekandte Art Fi es Rahmens/faftdeniuns 
gen Karpen gleich/ jedoch etwas breiter. bmend/faft den jan 


Rarfunckel / vide Rubin, 


® 


Rarpf⸗ 


Mar Kaf 

n⸗Stein werden in denen Apothecken gebt: 
die eohre Steln Schmertzen / und ſchwere Roth verordnet/ mit lebendi⸗ 
gen Karpffen geſchieht zuweilen zwiſchen den Land⸗Be uüterten / und 
denen Fiſchernin groſſen Stadten / en confiderabler Jahr⸗ Kauff/ 
da ſie nemlich zu gewiſſer Zeit zufammen kommen / und enen ordente 
lichen Contra&t aufrichten / wie Hoch ſte daſſelbe Jahr uͤber den 
Zuber oder die Maaß und Zahl (nach welcher fonf die Karpf- 
fen gemeflen oder gezehlet werden) bezahlen wollen / auch wann und 

wofoldpe iefferung gefchehenfoll, - — 
Karphi, Petrofelinum vul 5 | N — 
Zaͤſe / Cafei‘, frommages ſeynd entweder Kuh / Schaff / Ziegen) 
real oder Eſels Milch · äß/bonder erften Sorte a Die er 
änder/und unter diefen bie Edamer/item die Einbder / fonderlich die 
im May Monath / da die Küh die fhöne Blumen-Weyde habenz 
emacht werden/ ferner die Eyberftädifchen/ Cinıpurger / Schweiger, 
chwediſche und Engtifche Käf/ sc. vor die beften, Schaf und 
Ziegen⸗Kaͤß / hat Thuͤringen / Sachſen Pommern / Medelburg/ 
und ale die Länder / wo groſſe Schäffereyen ſeynd / in simlicher Qran- 
ritaͤt. er — are. reg sit an ne 
ten gemaqht / un ſagt man gar / daß der Parmelan-Kaß dabon Teyn folle, 
Die Kite — *83— nach Centnern / Pfunden und Stüchweiß/in dem 
Roͤmlſchen Reich werden jährlich biel hundert Centner Hollandifche 
uud Srießländifche Räfeverthan. Schweisichteft gleichfals jährlich 
diel tauſend rundt KüheRäfe nach Genf / von daunen.fte weiter zu 
Wagens nach Seiflel, ald woſelbſt die Rhoſne erſt beginnet Schiffbar | 
zu werden / geführet/ und fo nach Lyon, und weiter In Franckreich hin» 









ein gebracht werden. Die Tugenden eines guten Kaͤſes muͤſſen ſeyn / 


daß er auf der Zungen wie Butterzerſchineltze / fett und nicht gar zu ait 
ſey / nad) den bekannten Vers: BE | 
Non Argus, Largus, non Magdalena , Matuslem 
Non ’Abacut, Lazarus, eafeus ifte bonus, 


Ein alt / hart und gefalsner Kaͤß / mit allzuvielen Augen ze 
Iſt ungeſchmackt / und Fan nicht wohl zu. der Geſundheit 
ott · Zaͤſe zu machen / fo nimmt man zu deittehalb Pfund geriebenen. 
| Kaͤß / ein halb Roͤſſel Spanifchen Wein / halh 
| A viel Wein⸗Eßig / anderthalb Pfund frifhe Butter / dreypiertel 
Pfund weiſſen Jungfern⸗Honig / eine Mufcate/ ein Qventin Mufca» 
ten-Blumen/eben ſo biel Raͤgelein / beydes Elein geftoflen / und alles 
wohl unter einander gemiſchete. 
usn Zip 


674 _ :Küf - Rau 
. Kiß-Pappeln / Malva ſylveſttis vel minor... .. — 
Ragtzen⸗Fell / ſonderlich von denen Cypriſchen / wird bon beuen 
Kuͤrſchnern biel vberbrauchht. Fe 
\ Ratzen⸗Traͤublein / Vermicularis minor, . W. 
vwWadel / Schwantz / Zagel / Kaviletum. 
— Leiteriein / Lycopodium, Muſcus terreſtr ĩit. 
—— — ion a | 
Ta. MW urtʒ / Valeriana iylv.Maj, min. =, „u. ! N V 
Katzen Aug / iſt ein vielfärbiger Sternſtein / welche Plinjus 
Adkroites, die Perflaner Mithrax oder die Sonne / Cardands Pfeudo- 
alus oder. den falſchen Opal,anbere Oculus folis oder Souner-Auge 
he 9 werden in Ceylon und Pegu gefunden /-und; von den 
Indianern fe Aber bezahlt / weilte rg / wet ſolchen bey 
Shträgt/ koͤnne nimmermehr in Armuht gerahten. 
d Basen: Fuß / Hifpidula biloſella montana. 
Korb/Cerefolium felinum, Fumaria. 
* Buice/Lagopus. ., , RR 
| Balßam / Menıhaftrum, — 
Braut Nept / — Valeriana Calamintha. 
Sper / Ononis reſta Bovis. —— 
Silber / iſt eine leere Bergart / glängend Blaͤtterich / wie ein 
Talch / und ſiehet den Frauen⸗Eis gleihhc. 
Kaͤtzlein / Gnaphalium. · » * 3 * on 
Zauffen heift/ wann ihrer zweyeins werden? daß einer fein Gut 
oder Waar dem andern, um ein veradredetes / beliebtes und he dun⸗ 
genes Kauffgeld uͤbergeben / und ſolches Geld entweder gleich baar 
empfangen / oder dem Kaͤufferreinige Wochen oder Monat ſolches cre⸗ 
ditiren oder borgen wolle. Es koͤnnen aber alle diejenige kaufſen und 
verkaufen, die ihrer Güter maͤchtig / das iſt / nicht minderjährig 0 
wahnwitzig / oder eines Guts nicht ve mäßige Beſitzer ſeynd. 
fan ein Unwühdiger/ der noch unter Vormunds oder, Eltern Gewalt 
| go feinen kräftigen Kauff «.Contra& fchlieffen / wann nicht des 
Vormunds Auıhoritätoder Vollwort dabey iſt / verſtehe / wann der 
Kauff den Unmürbigen ſolte ſchaͤdlich ſeyn ſchließt er aber einen vor⸗ 
theilhafftigen Kquff / auch ohne des Vormunds Wiſſen / ſo iſt ſolcher 
in dem Bericht gliltig / und niag der eöntrahivende Theil / wann ſol⸗ 
cher auch gleich im Contract wäre verletzet und uͤber bortheilet worden / 
auf die Nulistät des Contracts, wegen Mangel Vormundſchafftlichen 
Conſens ſich nicht beziehen / vid Struv, Ex. 31. th. 43. Imgleichen 
darff ein Väter die von ſemem Gohn vor ſich felbft aufgenommene 
Gelder/oder gefauffte Wagren / Krafft des S.Cti a 
X —W6 ctazah⸗ 


— 


* 
‘s . 


1141141 


— 


— — 


Kau 675 
bezahlen / es wäre dann Sache / daß der Vater von ſolchen Geld oder 
aren partieipirt haͤtte / Arg.1.7.8.13.8, ad SCt. Macedonianum. 
Und endlich wird der / welcher eines Guts nicht benz fidei puſſeſſor 
iſt / daſſelbe auch fo leicht nicht befländig alieniven koͤnnen. Wo aber 
bey einen Kauff⸗ Contract dieſe Obſtacula ſich nicht finden / dahat der 
Kauff⸗ Contract ſeine richtige Weg / Form und Subftang/ fo bald nur 
über ein gewiſſes Gut oder Waare Kaͤuffer und Verkaͤuffer des Preis 
ſes und Kauffgeldes halber einig ſeynd / alſo daß hernach kein Theil 
mehr / ohne des andern guten Willen / davon abſtehen kan / ob ſchon der 
Kauff⸗Schilling nicht gleich bezahlet / oder das erkauffte Gut oder 
Stuͤck wäre übergeben worden. Es mag auch nicht einjeber grober 
gen oder Uderſehen den einmahl gefchloflenen Kauf hirtertreis 
g / fondern nur derjenige/ der auch einemfleifigen und vorfichtigen 
Käuffer hãtte wiederfahren fonnen. So auch jemand in Rauffen fein 
Gut / damit ers nur deſtoehr verkauffen moͤchte / etwas gelobet und 
Heraus geſtrichen / und hernach darüber gezweiffelt würde / ob er auch 
ddaſſelbe in der gerühmten Walitaͤt zu gewähren ſchuldig ſey / in ſol⸗ 
hen Fall iſt der Verlaͤuffer das jenige / was er gelobet / ſo es ſolche 
Dinge ſeynd / die der Kaͤuffer auswendig / ob dem alſo ſey oder nicht / 
wol Hätte ſehen koͤnnen / zu oræſtiren nicht verbunden / dann ein jeber 
Kaͤufſer ihm ſelbſt deyzumeſſen / daß er ſich nicht beſſer in acht geuom⸗ 
men / l. 43. fſ. de contrah. emt. Da aber der Verkaͤuffer eine derbor» 
ene Qyalitätund Eigenſchafft / die man auswendig nicht mercken noch 
Eben kan / an feinen verkaufften But oder beweglichen Haabe.gerühr 


met und vorgegeben Hätte / foifter dem Käufer daffelbe indee That ° 


au leiften/.oder ihme das laterelle dafür abzuftatten ſchuldig / l. zs. h. 


»0.f,deedidt,zdılic, Es iſt aber dieſes dahin nicht zu verſtehen / daß 


wann dev Verkaͤuffer die Waar oder das verkauffte Gut bloſſer Ding 
fobet und heraus reichet (zum Exempel / das Pferd feygutim Zier 
hen ſchnell und geſchwind im Lauffen / es ſey Fein falſch Haar davan 


und dergleichen/)er gleich davor ſtehen müffe/ fondern wann ed etwan 


angegebener maſſen / ſich nicht fo verhalten folte/ Ean er deswegen nicht 
ehe belanget werben/ eö ſey dann / daß der Känffer in ſpecie darauf re- 


Neckiret / und der Berkäuffer davor einzuftehen verſpr 


| ochen hätte/1. 194 
E. de edict. adıl, 


Trage es fi auch zu/ daß in einem Kauff nur in dem Rahmen des der» 
kaufften Stuͤckes wäre geirret worden / indellen aber doch wiffentlich 
waͤre / was und wo daflelbige fey / davon beyderſeits gehandeltwor⸗ 


Den / fo iſt der Kauff doch fräfftig uud beftändig ; wofern aber der . 


Kaͤuffer von einen andern/und der Verkäuffer auch von einen audern zu 
handeln gedacht/fo iſt wegen diefes Itrthums der Kauff nichtig; doch 


gun in folgen Gall der Berfäuffer dem Kaͤuffer wiſſentlich betzöge / 
ir | Uua wid 


676 | Kau PR 

und wüfte/daf der Käuffer ſich — ſoiſt der Verkaͤuffer demKaͤuf⸗ 
fer das intereſſe zu erſetzen ſchuldig. Wann autch ein um oder 
Dunckelheit in einen Kauff-Contraätvorfiele/ fo ift ein folches duncke⸗ 
les Lactum oder Rede / ſo von dem Verkäufer fürgebracht worden/ 
wider den Verkaͤuffer / dieweil erönicht klaͤrer augezeigt zu interpre- 
tiren und auszulegen. Wofern aber der Kaͤuffer felber ein Ob- 
ſeur und dunckeles bachoder Geding eingerücket haͤtte / ſo muß daſſel⸗ 
bige wider den Kaͤuffer berſtanden werden / weil ers nicht klaͤrer 
angezeiget hat. Wann auch mehrere Dinge dergeſtalt wären vew 
kaufft worden / daß derfelben nur eines folte geliefert oder gegeben wer» 
den / Jo iſt die Wahl dem Verkaͤuffer (mas er fuͤr eines geben wolle) 


u zulaſſen. 
5 ſuchs zutrüge/ daß jemand ein Saab oder But an einem verfauffte/ 
ſolches aber hernach / ehe und bevor er es übergeben hätte/ einen ans 
dern verkauffte / und es demfelben würdlid) übergebe/ fo foll der legtes 
re Käufer (föfern er von den borigen Kauft nichtö gemuft/ ) bey der 
verkaufften Saab oder Gut / unangefehen / daß er der letztere Käuffer 
iſt / gelaſſen werden, jintemahl der Erſte nur ein blofles jusadrem,und 
eine Obligation wider den Berkäuffer/ der andere aber durch die Lie 
ferung dad Eigenthums-Kedht übertommmen hat / 1. i. C.deR.V, 
Hingegenmag der erfte Käuffer den betrüglichen Verkaͤuffer wegen 
alles Schadens und Nachtheils / fo ihme aus dem / daß der erfte Kauff 
* * —— worden / entſtanden / oder noch entftehen möchte / 
ve ngen: 
Don der Asuff-Summsa ift zu mercken / daß diefelbe in Geld befte- 
he / und zwar ift vonnöhten / daß es fey ein gewiſſes Kauff · Geld / zum 
wenigſten implicite, als ich will dir fo biel dafür geben/ als es dir ſelb⸗ 
ſten gekoſtet / oder ſobiel Geld ich in der Hand / im Beutel oder im Ka⸗ 
ſten — hoch es von der Obrigkeit taxiret iſt / oder ſo hoch es 
Titius æſtimiren wird; wolte es aber Titius nicht taxren / ſo iſt der 
Kauff ungültig/ I. fin, C. de contr.emt, würdeer es aber taxiren / ſo 
möüfte jeder Theil damit zu frieden ſeyn / es wäre dann das von ihm ge⸗ 
feste. Kauff-Pretium entweder allzuhoc oder zuniedrig / in ſolchem 
Fall müfte ed nad) dem Butbefinden eines vedlichen Manns moderi- 
retwerden: obaber die Benennung des Kauffd-Prerii einen der con- 
trabirenden‘ Theile fönnecommittivet werden / ſolches affırmiren ei- 
nige Dodtores, Franzk, ad tit, de Contr. I. n, 251. diflent. Brunnem, ad 
‚1.13. C,decöntr, emt, Geſtalt aud) heutiged Tages diefe Art des 
borfenenden Kauffes gultigift / nemlich es wollen Käuffer und Ver» 
kaͤuffer / und zwar jeder eine gewiſſe Perfon benennen/welche das Kauff⸗ 
Geld determiniren ſollen. Zweytens muß es auch ſeyn ein billiges 
Kauff-Gelb/ weilen aber der Zuſtand der Handlung uud der Com- 


INEer® 
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Kau i 67 


mercien nicht leidet / daß eine gautz genaue Gleichheit zwiſchen der 
Maar und dem Kauff⸗Geld getroffen werde / und in Commersien 
faſt — iſt / daß das Pretium und das verkauffte But / nach 
Arithmetiſcher Proportion einander gleich ſeyn / immaſſen die Vota 
contrahentium einander ungleich / und der Verkaͤuffer feine Waare 
theuer zu verkauffen / hingegen der Käuffer wohlfeil einzufauffen hoffet / 
als hat man in Gefegen Feine andere Verordnung machen können 
(wann man anders Handelund Wandel nicht eurbiren/oder gantzund 
ar eingehen laflen wolte) als daß eine Læſio auf einer oder der au⸗ 
vn Seiten im Kauff und Verkauff gedultet (woraus aber keine Ap- 
probation zuerzwingen) im übrigen aber dem Gewiſſen desfenigen/ 
welcher zu des andern Nachtheil einen übermäßigen Bortheilaus dem 
Contradterhalten/ anheim geftellet wird/ ob er dem verkürtzten Theil 
don freyen Stücken den Schaden erfegen wolle. Damit aber die 
Verkürtzung nicht alzu abermägig feyn mochte / iſt in denen Geſetzen 


verordnet / daß foldhebis auf die Helffte/ oder aufs alterum tantum to- 


leritt / und dariun nachgefehen / bey gröfferer Verkürgung aber dem 
beleidigten Theil auf die Erfegung zu Hagen zugelaffen werden folte/ 
L. 2. C, de refcind. Vend. | 

So bald ein Kauff vollkoͤmmlich aefchloffen / und wie ſichs gebühret 
befräfftiget worden/ fogehöret aler Rus und Genie / und was font 
dem Gut zuwaͤchſt / dem Käuffer ; hingegen gehet auch aller Schaden/ 
fo am verkauften But nachher entftehet/ über den Käuffer/ dieſes aber 


e kt ftatt/ foein Kauff nicht fchlecht und frey / fondern ne | 
edit 


/ Condition und Unterfiheid/ oder auch / daß er nicht ehegelten 
folte/uls bis ev zu Papier gebracht/gefchehen/dan fo etwas auf-Beding 
und Condition perfaufft worden / ſo iſt der vor (nicht aber nad) ger 
machter Condition) dem verkaufften But zugeftandener Sthaden des 
Verkaͤuffers / imgleichen muß der Berfäuffer vor die Unglücd-Fäle 
ſtehen / wann — etwas ohne Beding / aber nach dem Gewicht / Maaß 
oder Zahl ver 
meſſen oder zugezehlet worden / es waͤre dann der Käuffer in mora fol» 
che anzunehmen gewefen/ oder die Sache per averfionem, das iſt über- 
haubt verkauft worden/ in welchem Fall der Kaͤuffer die Unglücks⸗ 
Faͤlle tragen müftes Wie dann auch in dem ohne Beding geſchloſſe⸗ 
aen Kauff⸗Contract der Verkaͤuffer die Cafüs fortuitos zu fragen 
ſchuldig iſt / wann er inZuftellung des verkaufften Dinges oder Gutes 
fäumig geweſen / und das gekauffte Gut dadurch verdorben oder Scha⸗ 
den genommen hätte / oder wann feine Verwahrloſung Culpa leyis 


(dann leviflimam darf er nicht præſtiren) Urfach zu vemlinglüchd- Fall 


gegeben / oder er ſolche per pactum über ſich genommen haͤtte. Ob 
aber un dem Fall een re feiner Verjtcherung ur 
| U3 IR 


* 


fft / die Sache aber dem Kaͤuffer nicht zugewogen / ge⸗ 


d 


678 \ 1 | EEE 
nad) völliger Bezahlung der Kauff⸗Gelder / das Eigenthum ſich vor⸗ 
behalten hat / derfelbe pro Calu ſortuito zu ſtehen ſchuldig fen / vide 
D. Carpzov.i. Refponf. 108, welcher ed bejahet / Brunnemannus hi» 
gegen . C de act. emt. nichtohne Urfache widerſpricht. Da es ſich 
aber begaͤbe / — * Kaͤuffer ſelber in Aunehmung des verkauften 
Gutes ſaumig geweſen / oder wegen des Verderbens einige Schuld 
ehabt / fo iſt ihme der Verfäuffer dͤfür etwas zu geben nicht pflichtig. 
u weilen geſchiehet auch ein Kauff i.) mit dem Vorbehalt / daß wo 
der Kaͤuffer innerhalb einer beſtimmten nahmhaften Zeit / oder auch 
ohne Benennung einer Zeit das Kauf⸗Geld nicht baar bezahlen wür- 
de / daß als dann der Kauf nichts / oder dea Gach unverkauft (inemta) 
ſeyn ſolte / und dev Verkaͤuffer wie derum zu feinen verkauften But tre⸗ 
ten oder kommen möchte/ welcdheds..ufl hactum Commiſſorium nennet. 
Solch Pactum und Geding iſt in dem Kauffen und Verkauffen nicht 
verboten / ſondern Eräftig/ I. 4. e. de paca. inter Emt. & Vend. Wann 
nun der Käuffer in ſolcher beſtimmten Zeit dad Kauf⸗Geld nicht zah⸗ 
let / fo ſtehet es bey dem Verkaͤuffer / ober den Kauf halten wolle oder 
nicht / dann fo er will / mag er auf Haltung des Kaufs nochmahls drin⸗ 
gen / weil bekannten Rechtens / daß ein jeder dem jenigen / was ihm 
zum beſten verordnet iſt / renunci ren fan / ſo er aber lieber den Kauf 
aufzuheben gemeynet / in Auſehung / daß der Kauf⸗Schilling zurechter 
Zeit nicht erleget wor den / ſo mag er das Gut (jedoch gegen Zurückge⸗ 
bung des auf Abſchlag empfangenen Geldes) wieder an ſich ziehen / 
und iſt auf ſolchem Fall der Kaͤuffer das verkaufte und gelieferte Gut 
mit allen aufgehabenen Rügungen und Beflerungen abzutreten / auch 
alten demfelben zugeftoflenen Schaden gut zu machen verbunden. 
Sätte aber der Käuffer dad Gut weiter veraͤuſſert oder verpfändet/fo 
wäre der Derkäuffer befugt/ von einen jeden Pollellore des Buts ſol⸗ 
ches wieder abzufordern/ nam refoluto juredantis, refolvitur etiam 
jus aeceptantis, Carpz.2, l.i7. Auch ift indiefen Fall der Kaͤuffer 
nicht entfehuldiget/ ob gleich der Verkäufer von ihm den Kauf · Schil⸗ 
fing nıcht gefordert/ fondern er ift ſchuldig / ihmeden Berkäuffer das 
Geld ungefordert zuzuftellen oder anzubieten / nam dies interpellat _ 
pro homine „ wäre aber ohne Beneunung der Zeit dieſes ’adtum ab⸗ 
efaftet / fo würde allerdings erfordert / dap der Verkäuffer dem 
Kauffer der Zahlung halber. erinnert hätte. ° 
Do aber hergegen der Verkaͤuffer nach verfihienener Zeit die Schuld 
oder den Kauff⸗ Schilling / oder auch don Zins /vid.i.4 c de pact. in 
aerEmt,. & Vend, gerichtlich dann die auſſer Gericht gethane Forde⸗ 
rang fchlieffet das jus poenitendi nicht aus) forderte/ fowird daftiv ge= 
halten’ dag er von obgemeldten Beding abgetreten ſey / und mag uicht 
miehr nach Gefallen bom Rauf a * ſondern muß ve 





berbleiben. AT 





—— - — — — 


— — 


— Ku — 679 


SE wird auch biswellen in der Kauf⸗Berednug ein gewiſſer Reu⸗ Kauf 
geſetzet / wann ſich nemlich die Contrahenten verglichen/ welcher Theil 
den nicht halten würde/daßer den andern eifte gewiſſe aammam Gelds 
(am Exempel so. Gulden) zum Neu-Rauf ſoll berfallen feyn / and 
mag fo dann der Kaͤuffer oder der Verkaͤuffer den Kauf zu halten nicht 
gedrungen werden / ſondern iſt gegen Erlegung des Meu⸗Kauf⸗ Gelds 
Kon den Contraẽt abzuſtehen eat, vide Berlich Decik 43 & ſeq. 
Ob aber ihnen ſolches gleichfalls vergönnet fen / wann der Räuffer dent‘ 





Verkaͤuffer etwas aufden Kaufgiebet'/. oder denſelben begotts-pfeit= ⸗ 


ninget / davon haben die Dodtores nicht einerley Meynung; Einige 
bejahen es / uud gebenvor / daß in dieſem Fall per arrhædationem 
— ausgedungen ſey / vom Kauf abzutreten / 
wann der Kaͤuffer ne Fal | 
auf dem Kauf gegeben/einbüflen der Berkäuffer aberybofern es dies 
——— in duplo reſtttuiten wolte. och ſimmiren fie’ 
ihre Meynung / Das wofern der Verkaͤuffer das Bat wuͤrcklich gelie⸗ 
fert / oder der Kaͤuffer die Arrbamoder den Gotts Pfennſug auf Ab⸗ 
ſchlag des Kauf⸗Gelds gegeben hätte / einen oder den andern Theil 
als dann abzutreten nicht vergoͤnnet fen / vide Brünndmän, adl ı7.$.- 
aãllud C.de ſide inſtrum. Dahingegen halten andere davor / daß ein 
Theil wider des andern Willen / want: ee auch gleich die gegebene 
Arrham verlieren / oder ſolche in duplo reſtitniren wolte / vom Kauf 
nicht abtreten koͤnne / weil die Arrha zu mehrer Beſtaͤttigung des Kauf⸗ 
fes / und daß jeder Theil der F g und Vollziehung deſtomehr 
möge verſichert ſeyn / gegeben worden. Welche letztere Meynung 
auch Denen Rechten conform zu ſeyn ſcheinet / vide CarpzöV. x; 3, 14. 
Diefes ift unſtreitig / wann der Kauf noch nicht Völlig abgehandelt / 
senlic wann die Parteyen im Kaufpretio ſich noch nicht verglichen 
haben / daß alödann einem oder den andern Xheil / aneracht daß die 
Arrha gegeben worden / vom Kauf abzutreten frey ſtehe / jedod) ver⸗ 
liert verKäuffer (wanns an ihm liegt) die gegebene Arrham der Ver⸗ 
Bäuffer aber / ſo er die Schuld Hat 7 muß —* doppelt zuriick geben / 


vid. pr. inft, de emt.Vend. ibique DD. | | 
Aus den bishero befchriebenen Kauf-Contra&ten flieffet her eine Klage 


wegen eines Raufles / welche actio ex emto vendito.genennet wird / 


nemilich wann einer jemand etwas abgekauft hat / und der Verlaͤuf⸗ 
fer will mit der Gewähr / Tradition ober: Lieferung des berkauften 
Gutes oder Wanvefdunig werden; wie auch / wann er ihn etwan 
Durch feinen Verzug in Schaden brädhte / ſo mag er dieſe Klage wider 
ihn oder feine Erben auſtellen / und ihn dadurch anhalten, Die berfauf- 
te und bedungene Waaren / ob gleichfchomein driter ſolche beſaͤſſe / auf 
feine Koſten ihm zu liefern / — Schaden / den er — den 
.4 


er⸗ 


nemlich im ar daß ev abtrit / daslenige 7 was er 


In 


680 Kau 


Ver zug berurſachet hat / zu erſtatten· Cd muß aber derjenige / der 
ſolcher geſtalt aus dem Contraci klaget / ſolchen feines Oris vollzogen 
haben / oder doch bereit ſeyn / ſelbigen zu bou ziehen / und ſich dazu of- 
— —— ſtehet ihm die Exceptio non impleti Contra- 
us in Wege. TE. on . 

Die Diffolvseung / Trennung und Aufhebung der getroffenen Kauf⸗ 
Contradten,gefchiehet auf folgende Weiſe: G.) durd) Die dem Contra 
angehängte Pasta und Bedingungen / bermoͤge welcher der Contract 
‚ illolvist und aufgehoben / oder don einen oder andern-contrahirenden 
Theil davon abgetreten wird. () wird ein ſolcher Contract wegen 
des dabey borgegangenen Betrugs und gebrauchter Gewalt zernich⸗ 
tet und aufgehoben. (3) kan dergleichen Contra mit beyderfeitg 
Bewilligung.caffıret werben; es muß aber alles in feinem vorigen 
Stande / und bon feineh Theil etwas geliefert oder * worden 
ſeyn / widrigenfalls wuͤrde ein leder das jenige / was erbekoimnien/ wie⸗ 
der zurück geben muͤſſen / S. ulc. inftir. qvibusmodistell.obl, Wolte 
auch jemand ex eapite poenirentize, unter dem Vorwandt / dap ihm der 
Kauff gerene/ bom Contra&t a! fo wird er damit nicht gehoͤret / 
wann es auch gleich der Fifcus felbft oder ein Goldatwäre / ja wanı ec 
auch fo gar das Rauf-Prerium induplo vel decuplo zurück geben wolte. 
Es fragt (ich aber hier / wie wann ein Theil bonfeiner Seiten den 
Kauf-Contra&t nichterfüllen woite 1} E. der Berkäuffer hätte die 
Waar geliefert / der Räuffer.aber waͤre in mora , und hielte ſich auf 
über die verfprochene Zeit das Geld zu bezahlen/ ob ſo dann der Ber» 

ev das verkaufte und extradirte Gut wieber fordern könne ? die 
DD. fagen hierzu nein/ vide Mev:s.D.20. dahero muß er aufdie Kaufe 
Gelder/ uud nicht auf die Zuruckgebun bed erfauften Guts klagen / 
es wäre dann Sarhe/ daß er dem Käufer bie Wahlliefle. Ferner 
wũrcket auchdie Aufhebung eines Contradts , bie Derkurgung über 
die Helffte / Daun wofern der Kaͤuffer oder Verkaͤuffer im Kauffen 
ober Verkauffen / wie oben ſchon gemeldet / ober auch im Tanfchen/ 
(ich verfehen haͤtten / als daß nemlich der Verkäufer vor ein Gut oder 
Waare/ welche den vechten Wehrt nad 100. Thaler gilt/ weniger al$ 
so bekaͤme (dann wofern er über so, Thaler befonimen hat / kan er der 
Rbon halber. nicht klagen oder der Käuffer ein Gut / ſo nur ioo Tha⸗ 
ler wehrt / vor zoo; Thaler und daruͤber gekauffet hätte / fomöchte die 
kedirte und überbortheilte. Parthey ſich deffen: rechtlich beklagen/ 
und wann ſie ſolche Leſion und Berportheilung bemeifenfönnte / wel«. 
ches durch Zeugen fo von dergleichen Sachen Wiffenchaſt haben / ge⸗ 
ſchehen muß (wiewol auch die Eyds· Delation ſtatt hat / Richter, ı504 
Decif.99.n,73, &fegg.) fo wäre folder Contradt dor unfraftig zu ers; 
klaͤhren / es wäre dann/ daß derjenige / fo folchen übermäßigen rn” 


- 
- 


. Kau 66si 
theilhaͤtte / erboͤtig waͤre / dem Verkuͤrtzten ben Abgang des rechten 
Wehrts zu erſtatten / als dann mag er ber) den getroffenen Contradt ges 
dhabet und Davon nicht gedrungen werden: es hat aber der Be» 
te die Wahl / ob er wil von Contradt weichen / oder dem Kläger). 
sweilcher verfürgetift/ eö mag Käuffer oder Verkäuffer feyn / Erſe⸗ 
Hung thun / fo gar / daß wann der Kläger dem Beklagten dieſe Wahl 
entziehen/ und pracite aufdie Dilfolvirung des Contradts-, oder auch 
auf die Erfegung der Ungleichheit Flagen wolte / der gantze Procels 
null und nichtig wäre / / Brumm, ad l. 2.C,de refcind, vend Mas 
aber der vechte Wehrt eines verkauften Guts ſey muß and dem abge⸗ 
nonimen werden / wie hoch und theuer diefelbe Waarezur Zeit des 
Kauffs nad) der Preis · Couram gegolten/ und von andern verkauffet 
worden / ungeacht ob es gleich zubor / oder Eurg hernach / höher oder, 
geringer gegolten / oder gelten wurde: Ä nn 
Es hat aber die Klage wegen der Berlekung nicht ſtatt (1.) wann wife 
ſentlich der Räuffer mehr Kauf · Geld gegeben/ als die Waar wehrt 
rg oder der Verkaͤuffer das But zu wohlfeil / und zwar wiſſent ⸗ 
ich verkauft haͤtte weiches jedoch Gegentheil beweifen muß / dam bie 
Wiſſenſchaft bey einemoder den andern Verfürgten Theil nicht zu ber · 
muhten; Haͤtte aber der Verkäufer aus dringender Roht / und weil 
ex fonft keine Kaͤuffers zu feiner Waar finden können / diefelbe allzu 
wohlfeil verkauffen muͤſſen / fo möchte ihm die Wiffenfchaft nicht ſchaͤd⸗ 
tich ſeyn / D. Lyncker in.anal. ad tit. de refeind. vend.th.89. (z.) 
‚ Wann er diefer Wohlthat der Rechten fich allerdings begeben / es iſt 
aber einGeneral-Berzicht nicht hinlaͤnglich / fo gar/ daß nicht einmahl 
durch dieRenunciatichi wegen einer Lachion , wann ſolche gencraliter 
abgefaſſet / diefed Remediummausgefchloffen wird. (3.) Bann eine 
Waar iub haſta, oder in Öffentlicher Auction und Ausruf berfauft 
worden / ſintemahl als dann zu bermuhten / daß das Gut / eiln es öfe 
fentlich ausgeboten / ein mehrers / als davor gegeben / nicht muͤſſe 
wehrt geweſen ſeyn / es ware dann eine kundbare Betrügeren) / oder 
allzu groſſe — dabey vorgegangen· (4.) Wann einer eine 
cn Erbſchaft ge uf und ſich felbige hernach nicht austräglic be⸗ 
ndet/ dann wie der Vortheil dem Kauffergebühret / ſo muß er auch 
allen Schaden ſtehen. Ferner und vor das (.) pet Klage nicht 
ſtatt / wann man die Frucht / welche kuͤnftig erwachſen wird / oder. einz ı 
Abnutzung eines Dings auf Lebenszeit / oder etwas auf Hoffnung kauf⸗ 
fet/ dergleichen iſt emtio Spei, als einen Fiſchzug / J. 
Die Cautelen deren ih Kaͤuffer und Dertänfer/ in-Aufrichtung 
eined Kauffs⸗Contracts bedienen Fönnen Y- ſeynd bey dem Herru D; 
Stepckio infeinen. Cautelis Contradtuum Set. 2, Cap. 8, unter an⸗ 
dern folgende zu finden / als daß ” Berfänffer welcher fein a 
1.4 us un 


— “ 


682 | Kau 
und Waaren einen hinborget/ bon dem er nicht gleich baar Geld: 
empfaͤngt / fondern ihn wohl gar Terminen dazu giebet / ſich das 
Dominium an denen Wearen/ Und zwar mit ausdrädlichen Mors 
teninder Obligarion folgender Geftalt vorbehalte / daß tm Fall der: 
Käufer / in Abtragung der !gefekten Termine ſaͤumig feyn follte/ 
es fen fo wohl bey dent erften/ andern/-als dritten Termin, daß als⸗ 
dann der Rauff follte dank aufgehoben und annullivetifeyn / item 
fo zu gefepter Zeit der Kaͤuffer die Kauff⸗Gelder nicht abtragen foll- 
te / derfelbe alsdaun zur Erſetzung alles Intereile und Schadens ver⸗ 
Ann —— hdet worden daß bie ĩnon oder Werborthel 
ann auch eben gemeldet worden daß die Læſion oder ⸗ 
fung im Kauf / wo ed nur nicht über die Helffte iſt den Kauf darum 
nicht aufhebet / ſondern der verletzte Theil ſichs zuſchreiben / daß er 
nicht beſſer zugeſehen / fo koͤnte ſolchen Kiligo zu entgehen / der Kaͤuffer 
in allen Fall ausbedingen / daß wann die verkauffte Maar nicht fo biel 
werth zu ſeyn nach die ſen ſollte befunden werden / ob es gleich noch unter 
Der Helffte waͤre / fo ſollte dennoch der Verkaͤuffer verbunden ſeyn / dem 
Kãuffer deöfalls gerecht zu werden. — 
Sonſten pfleget auch in Kauf⸗ Contracten über die LxTion folgende 
Renunciauon don benden Theilen zu gefchehen / als: Solte ſich etwan: 
befinden / daß jemand unter benderfeitd Contrahenten über die Helffte 
des vechten Werths lædiret waͤre / fo fol dennoch der Contractin feinen 
Wuͤrden bleiben / maſſen zu dem Ende / ſie Cats Kaͤuffe e und Berfäufe 
ter) der exceptioni lelionisenormis &enormisſimæ hiersitfräftigf 


renuncirten. 4 . 
Damit and) ein Berkäuffer / welcher wiſſentlich (etwann aus Geld» 
Mandel gezwungen) eine Waar unter Preiß verfauft/ hernach nicht 
læxſionem ultra dimidium vorwenden und folcher geftalt feine Waar 
wieder fordern koͤnne / als flehet dem: Käuffer zurathen / daß er 
in den Rauf-Contra&t einfegenlaffe / daß er / der Verkaͤuffer wohl 
zer uft daß das berfaufte But zwey mahl fo viel werth geweſen als ers 
mverkauft hätte/ allein was ex gethan hätte er aus Freundſchaft ges. 
than / sc. hiemit hat er keine Urſach künftig zu Klagen /Scicati enim 
fei pretinm non datur. remedium, 1. 2, Cod, de reſcind. Vend, 
wann auch die Gefahr einer Berkauften aber noch nicht-gelieferten 
Maar/ N des Kaͤuffers iſt / per l. s. ff.de pericul, & eomm, rei 
vendit. alfo kan aud) ein Räuffer ſich davon frey machen / wann evex- 
preffe ausbedingt/ daß er eh ihm die Waar geliefert; worden / keine Ge⸗ 
fahr zu tragen wolle — ſeyn. 
Nachdem auch viel Waaren vel ad Corpus’ vel Qramitatem, wit es 
die Juriſten eintheilen/verfaufft werben / und hernach viel Streitig⸗ 
keiten entftehen/weihe degExcelseder dielhhermaaß / und derbeſect — 


— —— A Mn 


Rau | 683 
der Die Untermaaß zutonme / auch od deßfalls derPreiß zu vbermehren 
oder zu vermindern ſey / wobey dan zugleich vertont / ob die Qyanti- 
tät domonftrative oder retridtive , oder ach modificativg dem Leib 
oder Hauffen der verkauften Sach zugemworfien fen / welches eigent⸗ 


- Lich aus der Contrahrrenden ihrer genomienen Abrede muß beurtheilet 


werden / als iſt vors erſt zu wiſſen was Venditioad Corpusfey / Die 
beftehet nun darinn/ zum Exempel / es berkaufft Titius dem Sejo ale 
les aufffeinen Korn⸗Boden befindliche Korn / welches ohngefehr 100. 
Malter feyn werden /2c. in dieſem Fall ( da die vornehmſte Ablicht 
auf den gantzen Haufen Korn ift / welches Tonft in Pauſch oderliber> 
haupt kauffen genennet wird / indem Die Qyancität nur oben hin be⸗ 


nennet worden) foiftder Kauff⸗Contract gleich bolllommen / und ' 


kau der Preiß nicht vermindert oder vermehret werden es wuͤr⸗ 
de gleich hernach weniger oder mehr befunden/ Mäntica de tac. 
& ambigua Convent, lib, 4. tit, ı7. n. 2, Carpz, lib, Reſp. 
21. 0,6, 1 


hei auf die Qvantität gerichtet und nur der Leib. oben hin benenn 


me 
-. 


Reftridtive ber Qvantität einen etwas verkauffen / iſt wann das BT 


wird / als ich verkaufe ihm 100. Malter Korn / fo ihm don meine | 


Korn-Boden follen geliefert werden / 2c. im diefen Full gehoͤret der 
Mangelund Ubermaaß der benennten Qyantitat dem Verkaͤufſer / 
Carpz.d.R, 25 n.ı6. mwieauc die Gefahr fo zu den Corpore border 
Meflung fonımenfan/ :weil ob wohl das Getreyd verkaufft / doch 


+ felbiges noch nicht gemeffen / yıd alfo de, Contract noch nit 


bollktommen worden / 1.. 2. €. de pericul, & comm. rei vend. 
es wäre dann / dap der Käuffer verhindert / oder an ihm gelegen 
hätte / daß ed nicht. wäre gemeffen worden / per I. so. fi, de con- 
trah. empt, | | 
Modificativewitd die Quantität Hinzugethan / wann zwar. auff deu 
Leib oder Haufſen ver Waar die bornehmſte Abſicht gerichtet/ die Qvan- 
rität aber als eine Maaß hinzugerhan wird / ohne welche anders ber 
Contradt nicht wäre geſchloſſen worden /ald zum Exempel / es verkaufft 
Titius dem Sejo alles auf die ſem Boden befindliche Korn / wovorse ju⸗ 
1000. Reichsthaler zu geben berſpricht / ie doch daß der Verkaͤuffer ihme 
2000. Scheffel unfehlbahr gewaͤhre / 2c. durch welche Bedingung ge⸗ 
ſchicht / daj wann hernach ſollte weniger befunden werden / felbiges den 
Verkaͤuffer zurLaſt / ſo aber mehr / ſolthes den Faͤnffer zu Rutzen komme / 
arg. 1.38. pr. tſ. de ad Fanpti. Ber diefen-Conrradt liegt. aber 
auch gleich das Gut auf des Käufferd Gefahr / oder vor ſeine Rechnung 
und Rifıgo ‚Inden es ein purer Contract, deme die Maaß nicht als ei⸗ 
ut Condiction, ſondern als ein Modus oder gewiſſe Abrede beygefüget 


worden / xid. Dn. Brunnemapnum de venditiene,adCospus & qvan· 


titate 


A 
% 


BG ______ RU. 
tjtate. Es waͤre dann daß der Käuffer in denContra&t hätte die Wort 
nıtt einfchieben laſſen daf wann ed nicht zum weniaften Zoo0.Schefiel 
Korn wären/ er eh und bevor fodiel dazu feyn / befunden worden / zu 
feinen Periculo perbunden feyn wolte. 
Wegen Aufdrudung des Sigills , indem manche Rauff-feut wann 
fie eine Waare gekaufft/ vielmahls die Boden/Keller und Pack · Raͤu⸗ 
ne in weichen die gefauffte Waare lieget/ damit foldhe bis zur Ab» 
forderung nieht verwechſelt werde / zu verſtegeln pflegen/ ) ift zu bemer⸗ 
cken / daß weil durch ſolche Auffdruͤckung es das Anfehen ſchon gewin⸗ 
net/ als wann dad But dem Kaͤuffer wäre gelieffert worden / dans 
nienhero auch die Gefahr die dem Gut zufommen kan / ſtracks auff 
thn hafftet / als kan er auch hierinn in Aufffegung dieſes Siegels Die” 
Vorſicht gebrauchen / daß er dabey vermelde / er thuefolches zu fir 
nen andern Ende / als daß ihm das But nicht verwechfelt werde / juxta 
}.'1.&.dolium 2. fl, de ‚peric. & comm. rei.Vend. weil aber durch 
diefe Bedingung ihme eine „andere Unbegvemtlichkeit:-zumachfen 
koͤnte / daß nemlich ver Verkänffer das Siegel wieder abriffe/ 
and die Wolle / Korn / oder den Mein einen andern berkauffte/ 
und gleith überliefferte/ der dann der nechfte dazu wäre / indem er 
die Liefferung erlanget / juxtal. qvotiesy.C.de R.V. alfo koͤnte der 
Verſieglende zugleich Hinzu fügen / er wolte zwar durch Auffdruͤckung 
“feines Pittſchaffis hiemit die Poffeflion des Guts ergreiffen/ Feines 
wegs aber durch ſolches Verfiegeln die Gefahr auffich zu nehnien / ſich 
verbindlich machen. '- | | 
Nachdem auch in Ein⸗und Berfauffder Pferde fehr viel Betrugs 
vorgthet / alfo daß viel untüchtige or gute verkaufft werden /. als 
ſeynd zwar in denen Romifchen Rechten viel Huͤlffs⸗Mittel gegen der 
gleichen Betruͤgereyen gegeben worden / vid. tit. ff, de adılir,. Fdict. 
weil aber in dieſen Tirul allein bon verborgenen Mängeln gehandelt 
wird / und nicht von offenbahren/ dieſe aber aud) ntcht fo gleich jes 
den Käufer in die Augen fallen / viel weniger der Verkaͤuffer felbige 
von felbft anzuzeigen verbunden iſt / perl. 1.8.1. 821.sr. acdilir, E- 
diet. als iſt zu des Käufferd Cautel allerdings nöihig/ daß der 
Verkaͤuffer gvarantire und in ehrlicher Leut Gegenwart berfpreche/ 
daß das Gut ohne äufferlichen Tadel ſey / und daß er vor -folchen/ 
manner and) follte gefunden werden/ gehalten ſeyn wolle / vor was 
Mängel auch fonft einPferd-Verfäufferoder Rop- Kamm ſtehen můſ⸗ 
fe/davon ſieheColer. Procefl,Executiv.Part,2.C, 1,n.$1, itenvin diefen 
Buch unterdem Wort Pferde 
Fine nith aaa GStreitigfeit pflegt es auch — —— ob ein gleich 
nach geſchloſſenen Contract umgefallenes Pferd / vor geſtorben gehal⸗ 
ten werde / bon dem ihm bereits zuvor angehangten Ubel / oder aus ei⸗ 
A * tie 


BEIN; Ka en 2? 
en ihme erft neu zugeſtoſſenen / da dannin demerften Fall die Ge⸗ 
fahr und der Schad des Verkaͤuffers / indem letzten aber des Räuffers 
wäre/Berlich.p. 1 Decif; 77.0. e. bieraufift zu willen daß dor eim af 
tes Ubel gehalten werde / wann Dad Pferd innerhalb des dritten Tags 
nachdem es verkaufft worden firbt/ Carpz. P. 2. C. 34. d. is. in wel⸗ 
hen Fall den Kaͤuffer zu rathen ſtuͤude / daß er / wann ihm des Pferds 





innerliche Conſtitution verdächtig vorfommit/ ſich auf länger Jeit alßz 


5. Tag / und wohl gar aufz. Monath gvarantiren Laffe, vor allem aber 
recomend. Franzk. ff, tit. de zdil, Edict. n, 46, Die Cautel, daß ein ume 


—— Pferd / der Kaͤuffer ſoll laſſen aufſchneiden / damit man 


lcher geſtalt ſehen koͤnne / ob der Schaden ſchon lang geweſen / ober 


friſch gekommen ſey. | 
Beyallem Kauff:Contradien / da halb Geld / halb Waar vor eine ans 
dere Waar gegeben wird/ wird eine ſolche Handlung ein Kauff genen⸗ 


— —— — 
— — 


niet wann das baare Geld das meiſte geweſen / fo zu gegeben worden/ 


iſt aber die Waar mehr gewefen fo wird es ein Tauſch genentikt/!.c.C., 
de pact. inter empt.& Vand. wird aber Geld und Baar eines je 
den gleich viel gegeben / fo haltens einige vor ein Kauff als Franzk 
ad t. de Contri Empt;n. 225. andere bor einen Tauſch oder Per- 
mutatiön als Carpz. P.2.'C. 32. def. 15,12. 7, die befte Cautel hie⸗ 
bey iſt dieſe / daß beyde Theile exprimiren / fie wollen einen Kauff⸗ 
Contract unter fich fchlieffen/damit Hat dann die Sach ihre gewiſſe We⸗ 
ge/qviaomnisresdubiotaret ‚ubi apparet de principali partinm in» 
gentione, 1.8, h. i. ff. de act empt. oder ſie Eönnen auch der unter fi 

verhandelten Waar einen gewiſſen Preiß determiniren / ſo komt ſolche 

mehr als die Sach ſelbſt in Contract, Mantica de tacita & ambigua 
Conventione lib.4. tit. 19.1.4. & ſeqq. 


Derme ift auch bey jeden Kauff zu wiſſen / daß der Derfäuffer dem 


aͤuffer die Gewähr zu leiſten ſchuldig ſey / ob wohl ſolches in den 


q 
Kauff·Contract nicht ausdrücklich benennet worden / 1,6, C.de evi- 
&ion: Daß alſo die Cautela faft überflüßig zu feyn fcheinet / daß 
dev Verkaͤuffer allezeit ausdrücklich verſprechen follte/ er wolte wegen 
der verkauften Waar dem Käuffer allemahtıwann ed * 


eine ſichere Gewaͤhr leiften7 wiewohl ſie auch zuweilen ihren groſſen 


Nutzen hat / ſonderlich da ſonſt ein Verkaͤuffer anders nicht die Ge⸗ 
waͤhr zu leiſten verpflichtet iſt ald wann das. von ihn verkauffte 
But vor den Richter angefochten wird / geſchiehet es aber vor ei- 
nen Schiedsmann / fo iſt er nicht dazu gehalten/ per l. i6. &ı. de Evi- 
ction, hat er aber die Eviction mit dieſen Worten verſprochen / daß 
er dem Kaͤuffer allenthalben auf das But ein ſicher Gewähr leiften wol⸗ 
le / fo iſt er auch aller Orten dazu verbunden /ia fo gar wann auch die ho⸗ 
be Lands· Obrigkeit ein ſolches Gut in Auſpruch genommen hätte / = 
be 


* 





' } 
686 Kee Keil 
ftche via juris « follte es aber via lacti ſeyn / fo iſt er foldes zu gvaranıi- 
sen nicht gehalten / er hatte dann in den Kauff⸗· Contract ſich verſchrie⸗ 
ben/dap er vor rechter oder unvechter Gewalt ein ficher Gewähr ſeyn 
wolte / welche General Berfprechung / auch hernach auf obigen Fall fan 
gezogen werden/ warn etwaun aus Richter licher Gewalt / das Gut waͤ⸗ 
re angefprocpen und aufgehalten worden; wie nun folcher geftalt ein je⸗ 
der Verkäufer die Gewähr zuleiſten Fan angehalten werden / alſo lan 
man ihn auch berobligiven/ die depfallsauflauffende Procefs Roften zu 
erſtatten / wann man nenalic) die ſes Innhalts dem Kauff-C ontract in» 
Ker.ven laͤſt / daß ſo der Käufter von jemand des verkaufften Guts wegen 
du Anſpruch follte genommen werden / er. dev. Verkäufer deßfalis alle 
erforderte Procels-Koften tragen wollte/ ob gleich der Kläger oder 
Evincent feine Intention nit behaupten Eönte/ ꝛc DaB aber diefeCau- 
sel von den Werkaͤuffer zu —— ellet in L.Ven» 
ditores,so2. f.deV,:Obl, Eine gleiche Cautel iſt auch diefe/ daß der 
Verkäufer ſich verpflichten muͤſſe / er wolte wann der Käuffer wegen 
Des verkaufften Guts ſollte bon, jemand in Anſpruch genommen wer» 
den / die gantze Adtion über ſich allein nehmen / und ohne des Kaͤuffers 
Zuthun und Ungelegenheit / deu Procefs auf feine eigene Koſten und 
Gefahr aus ühren / weil ſonſten / wann dieſe Caure) nicht ‚ge- 
braucht wuͤrde / der Verlaͤuffer nicht ſchuldig ift/ ic gang und 
an des beiprochenen Käuffers Stell zu ſtellen fondern nur deinfe 
zu Sülfiezu kommen / 1.29. $. fin, #, deEvict. Sollte aber ein Bere 
aͤuffer ſich vonder, beſchwerlichen Laſt der Evidtions - Leiſtung be- 
freyen wollen / fo muß er ſolches ebenfalls dem Kauff- Brief ınleriven 
laſſen und alsdann mag der Kaͤuffer allein zu fehen/ wie er feine 
gekauffte Sache aufs beſte ald er Fan bermaintenire. Ein meh* 
ses don denen Evictionibus,, item don Kauffen und Verkauffen / vide 
bei) wohlge dachteu Herinstryekio in feinen Iractatu de Cauteliscon- 
tractuım Seclione Il, Cap. $,- wofelbſt diefe Materia ausführlich tra⸗ 
Kiret wird. Zr ae 
rer⸗ Beſen / Bruſcus Ruſeus. re, 
Keel⸗Kraut / Uvularia. —— 
Keel⸗Holtʒ / Liguftrum, Alba Liguftta, Ä 
Reller / der Kauff⸗Leute feynd gewölbt oder nicht / tieff ober nie⸗ 
drig / feucht oder trucken / vor den Waſſer ſtcher oder nicht/liegen ensoe» 
der gegen Oſten / Nord / Suͤden / oder Weſten / ſeynd ihr eigen oder ‚ges 
mieiet / vor Feur und Dieben wohl oder übel berwahrt / alle dieſe Con⸗ 
ſideratioues wollen (sch nad Beſchaffenheit ihrer Handlung und 
—— wohl ponderigentaflen/ vide Magazyn, item verdorbeue 
aaren. | 


f 


Re fie 687 


Mellee-oals / Mezereon, Laureola, Coctegnidium. J 
Berffel/ chærophyllum. Cerefolium, Satiyum & Sylveffeg. nei- 
aer und auch Garten-Kerffel/ if ein gutes und -abkühlended Kuchen⸗ 
Kraut/Spanifd) Kerffel/.Myrrhis major , Cerefolium Hifpanicum, 
ätem Cicutaria odorata, wegen feines lieblichen Geruchs alfo genannt 
a jlärcher als dev gemeine Kerffel und Dienet gut unter deus 
Salat. _ I. 1 —— 
Rermes ·Seer / Granatindtorum, vide Chermes, 4 
Kermeſin / vide Cramoiſii. — —— | | 
Keſſel / Meßinge und Küpfferne/werben hin and wieder bon denen 
Meßing⸗ Haͤmmern / und Kupffer⸗Schmie den nach dem Geſicht und 
Gewicht gekaufft / aus Schweden —— Dasteny 
davon hernach wieder eine zimmliche Anzahl nad) Rußland verſand / 
und daſelbſt als elne couranie Waar mit guten Profit abgefepet wich, 
vor den Keſſel Handel und Keſſel⸗ Traͤgern welches geneiniglich Ly⸗ 
der Wallet / Brabauder/und Wallonen ſeynd / iſt zu wiſſen / daß lie Hi 
vlelen Ländern den Keflel- Verkauf gepacht/ alfo daß keine fremde Kef 


# 


je eis von einer gemiffen Mühl und Haumer durffen eingeführet 
ei. | — 


RKReſſelbraun hrauchen die Kupffer⸗Schmiede / deuen neuen iupff 
fern Gefaͤſſen eine ee bee age. | hd 
KRKe iten ſeynd enlweder Guͤldene / Silberne / Meßinge / oder Eiſer⸗ 
ue / dieſe letztere gehören den Eifen-Krämern uad Schmieden) die er⸗ 
fen zwey Battungen denen Goldſchmieden / Stahlerne Ketten aber 

nen lhrmachern zu berfertigen / Bieyerne Ketten /plumbatas gee 
nannt / brauchte man vor diefen bey dem Römern / die gefangene Ehiis 
ften damit zu peitſchen / wie man dann gar viel in denen Legenden) die 
MedendArt —— Cxfum eſſe lieſet / es bat aber hetna 

D 


_ — —— 


mahls Kaͤyſer Conſtantinus Magnus dieſe Leib⸗Straffe wieder ab⸗ 
—* ee 
Keuſch⸗Baum / Agnus Caftus, 2 


"“ Keufi,Leucojum lureum ‚gelbe Biol, 
Kaͤpyſers⸗Wurtz / vide Imperatoria , offrutimn, 
Rien⸗MHoltz / LignumPini. " er 

Kien⸗Ruß / kom̃t viel aus den Thuͤr inger Wald / wird auch hin und 
wieder in See⸗Staͤdten / da ſie hiel ledige Theer⸗ Tounen haben / ges 
macht / der gerechte muß Fein Waſſer leyden / ſondern oben ſchwimmen / 
ſo bald er aber zu ſincken beginnet / iſt es ein Zeichen das geftoffeneXoß- 
len darunter / welche das Waſſer in ich ſauffen. 
Re er oe . * ieß 


\ 


688 Kie Kle 
Kieß iſt eine Berg · Art / gelb auch weiß / gibt im Schmeltzen ro⸗ 
then Stein / und haͤlt —— — Vitric. 
Rir ſchen Cerafa, deren giebts bielerley Arten / rothe / weiß / gelblich⸗ 
und ſchwartze / groſſe und kleine / die nach eines jeden Lan des Gewohn⸗ 
—8 ven Nahen empfangen / und Welſche / Spaniſche / Amarel⸗ 
len / füſſe / ſaure / ſchwarhe oder Weichſel⸗Kirfchen geneunet wer⸗ 
den / ihr Gebrauch iſt in der Medicin und Haushaltung gnugſam he ⸗ 
kandt. — — 
Riwitz · Eyer / Fritillaria. 
aaa /Pinguicula. : | 
Rlapper· Roſen /Papaver erraticumm. | 
Rleider / kommen heutigd Tags / und taſt mehr als es Teutſch⸗ 
Iand nuͤtzlich iſt / tn Öffentlichegcommercium indem nicht allein viel 
unſrer Teutſchen Herrn und Edelleute ihrer armen Unterthanen 
auren eiß und. Blut vor koſtbare und auf Frantſiſche Mode 
emachte Kleider / Perugven, Huͤte / Garnituren/Fontangen/und ders 
leichen se mehr / nach Franckreich ſchicken / ſondern auch die 
antzoſen ſelbſt / welche von unſrer Schwachheit zuprofitiren wiſſen / 
ante Kiſten und Faͤſſer voll auf unſre Jahr» Märdte und Meſſen 
—3 und alſo unſer Teutſchland an-Lummpen reich / und au Geld 
arm machen / welches Ubel and) fo langcontinuiren wird / als demſel⸗ 
ben nicht mit einex Univerſalen Reichs Policey⸗Ordnung wird entge⸗ 
gen gegangen werden / oder daß die groſſen Herrn ſelbſt einen Anfang 
macheũ / (ich modefte zu kleiden / und wer ihren Dienern und 
Untertanen ein gutes Crempelgeben, Nechſt dieſen geſchiehet auch 
nochein anderer Handel mit Kleidern bon denen fo genannten Fri- 
piers, Kleider-Gellern / Troͤdel ⸗Weibern oder Aufkäufferinnen/ 
elche in öffentlichen Ausruf / auch wohl don vornehmen und geringen 
Drae die Geld benöthiget ſeynd item von Kammer» Dieniern 
und Sammer-Mädgen ihrer Herrn und Frauen abgelegte Kleider 
auffauffen/ und ſolche hernach an andere wieder verkaufen / welcheb 
allerdings Fan zugelaffen werden/ fonderlich weil dardurch mancher 
ehrlicher Kerl an ein gutes Kleid geräth / welches erneu aus den 
Tram nicht hätte Lauffen koͤnnen warn nur nicht zweyerley Miß⸗ 
drauch dabey vorgingen / deren der erſte iſt / daß well folhe Troͤdel⸗ 
Weiber mehrmahls mit den Ausruffer unter einen Huͤtlein ſpielen / 
ein andrer ehrlicher Buͤrgers ⸗Man dadurch än den vortheilhafti⸗ 
eu Kauf gehindert wird / und auch der Herr des Ausruffes wenig au 
ſeine Rechnung dabey findet; der andere Mißbrauch beſtehet darınn) 
daß einige dergleichen Leute vlelfaͤltige Hehler geſtohlner Sachen 
ſeynd / wiewohl wir dieſes Laſter nicht ihnen fo hiel als den en 


\ 


— — — — — EEE. 


| Re 689° 
Suden-Befhmeiß aufbürden wollen/ welches / fo bald es in eine Stadt 
tifgeniftelt/ auch ein volllommenes Privilegium zu haben vermeynet / 
daß esungefcheuet wuchern / fchinden / und die Ehriften aufalleriey 
Reif betriegen/ ja fogar ſolche geftohlene Sachen frey an fich kauffen 
möge / worzu hernachmahls noch das Aufkauffen derer im Krieg eve 
fchlagenen/ und auf der Wahlftatt abgezogenen/ oder auch an der Pe- 
ftileng geftorbenen Goldaten hinterlaffenen Kleider kommiet / welcher 
fie gantze Paden voll von inficirten Dertern an andere gefunde Städte 
- zu überbringen ich nicht ſcheuen / wie wir deſſen noch fürglich ein Erem⸗ 
pel in einer vornehmen Aufee-und Reichs· Stadt gehabt / welche aber 
diefe ſchelmiſche Waare — confiſciren / und auf freyen Felde 
verbrennenlaffen. Ein anderer und. zulaͤßiger Kleider⸗Handel iſt 
derjenige / wann ein ehrlicher Kaufmann mit einem General oder O⸗ 
briften contrahiret / daß er demſelben die benoͤhtigte Kleidung vor fo 
und fo viel Regimenter und Compagnien berſchaffen wolle / bey wel 
chen Contradt der Kaufmann bornemlich acht zu geben hat / daß er ſich 
eine gute Summa poraus aufdie Hand geben / und vor den übrigen 
Belauff Bürgen ſtellen laſſe / auch ehe er folde Montur anfangt/ ein 
accurates Modell fordere/ die Probe von Tuch/ Leder und Leinen / aus 
welchen er die Kleider verfertigen zulaflen gedendet / erft vorzeige 7 _ 
damit hernach ſowol der Materia als Form wegen fein Difput entſte⸗ 
hen koͤnne. Wann auch bey dergleichen Liverance Ein folder Factor 
feinen Reben-Bürgern vor andern das Arbeitd-Rohu goͤnnet / wird er 
darunter nichts anders als feine Bürgerlihe Schuldigkeit obfervi- 
ren / und um fo viel mehr zuloben feyn. i 
BRlein⸗benahmte Kräuter / Blumen und Wurtzel kommen ie 
Material- Rammern und Officinen am meiſten vor / als folget : 
Klein Bachbungen/ Anagallisagvatica minor. 
— Schild / Ihlafpi ı7.Clypeatumminası. 
— Schildbeſem⸗Kraut / Thlafpi is. Clypeatnm ‚minus z, 
Thlafpi ı9. Clufi-minimum. . | 
‚Kleine runde/ länglichee Schildund eckigee Indianiſche Pes 
Ponen/ Pepo Indicus minor rotugdus, oblongus clypeatu:,angu- 
lofus, — 
Klein flaſchen Kuͤrbis / Cucurbita lagenaria minor. 
— Feig ⸗Bohnen / Lupinus minor. Dt 
wilde Wicken / Cracca minor. 
Spaniſch Zyſern / Aſtragalus luſitanicus Cluſu. 
Pelt ſchen / Secaridaca minor, Hedyfarum minus, 
Schottenklee / Trifolium ſiliquoſum minus. 
Ragwuͤrtʒ · Maͤndlein / Triotchis(mas) minor, 
Er | 


* 


TE | — 


‚1r1n 


Klein 








690 


Re 


Klein wilde Carlina, Carlina (ylveftris Cluſũ. + * 


TI IT TE 


Vogelfraut/ Alfıne qvarta minor & qvinta minima, 
Waſſer⸗Wegreich / plantago aqvatica minor. 
weiſſe Seeblum / Nym phæa alba minor. 
Tauskraut / Helleboraſtrum minus, 
pfeilkraut / Sagitta minor. 
Pfaffen⸗Pint / Arum minus. 
Dotter · Blum / Populago minor, 
Waſſer⸗ braun Maͤnderlein / Scordium minus; 
Sonnenkron / Corona ſolis minor tertia. 
Steinfaren / Filicula petræa fœmina. 

den Wider⸗Todt / Adiantumaureum minus. 
Sonnen⸗Tau / Rorella minor. 
Seſamoides⸗ kraut / Seſamoides parvum Matth. 
Slau⸗Wilder⸗Flachs / Chamzlimum cœruleum. 
braune Flechten / Lychen arboreum. 


Zarnkraͤut / Oſyris minot. 


Fruchtbar Wegreich / Polygonum minus, Polycarpum. 
Blurroht Hauswurtz / sedum minus hæmatoides. 
Orant / Antirrhinon, minus. 
Erd⸗Vuß / Ornithogalum, 
roht Ochſen⸗Zung / Onoſma. J 
rar Smilax levis vel hortenfis, 
ansholder / Chamæplatanus. 
Zoller / EbulusSambucushumilis. | 
impernelt/ Herr· Gotts· Baͤrtlein / Sanguiforba minor, 


barba Kar, 
Klein Creutʒ⸗ Blum / Palma Chrifti minor. \ 


— 


— 


Wald⸗Epheu / Hederula, Clavieula, Helix. 
Winden / Zaun⸗Glock / Volubilisminor, Helxine Dĩoſcor. 
Schlangenkraut / Dracuneulus paluflris. 

Meer⸗Zirſen / Lythofpermum minus. 

Ambrofien oder Trauben-Erayt/Ambrofiahortulana, Ar 


temifia Botroides. 
Klein Stabwurtz / Abrotanum humile, ° 
— MegelErnur/ Sanguiforba minor. 


Bocs:Pererlein/ Tragofelinum minus, 
Roſten⸗Balſam / Herba julia alba, menthacoflinaalba, 
Eiſenkraut / Verbenaca ſœmina. 

rs öde Pentaphylion minus. 
Farcklein⸗ kraut / Hyoſeris j. mas & 2, ftemina, 


Klein 


— 


nn — — —— — —— 
Rlein Ferul oder Stecken⸗kraut / Ferula minor, Narthecia 
Theoph. 


.Blein Campher⸗kraut / Camphorata mi nor, 


SEE EI EI TITEL III TI III IT EI EI TEN 


Garben-Praue/ Millefolium vulgare minus, 

GSarten⸗ Cypreß / Ablinthium marinum Seriphium, 
Gottes Gnad / Geranium Batrachioidesminus, 
Zort-Fümmel/ Cyminum filigqvofum minus, \ 
Roͤlbleins⸗ kraut / Sanguiſorba minor, 

Kraͤhen⸗Fuß / Coronopus minor. 
kriechender Wermuht / Abſinthium ſupinum repens) 
Arber dSalfan/ Mentha corymbifera minor, | 


Meiſter⸗Wurtzʒ / Imperatoria minor, 


Mondkraut / Lunaria minor, 
Nadelkorffel / Scandix minor, 
Schellwurtz / Chelidoniam minus, 


Schlangen⸗Gras / Gramen ferpentinum minus, . 


Sonnen: Wuͤrbel / Chondrilla, condrilla, 
Steben⸗kraut / Stzbe minor. 

Streich⸗ Blum / Buphthalmum marinum vel Narbonenſe. 
Miltʒ⸗kraut / Ceterach Scolopendrion minus, 

Wegtrit / Polygonum minimum, mille grana. 
Weißvwourt/Polygonatum minus. 

Aaron⸗kraut / Ariſarum. 

Zeitloſen / Bellisminor ſolidago minima, 
Kieeren-Fräuelein/ Elatine, 

Wegerich/ Plantago minor, 

VNabelkraut / Umbilicus veneris minor, Cymbalion minus. 
Kieteen/ Lappa minor Xanthium, 
Sautsmpfer/ Oxalisminima. 

KRatʒenwadel / Polygonon Thali, 

Meg-Diftel/ Polyacantha Theophr, 

Eber oder Carlin⸗wurtz / Cardopatium minus, 

Scamonien / Scamonium minus, cantabrica Plinii, 
Baldrian / Valeriana minor, Phu minus, 2 
Wildroh Aimmels-Rößlein/ Lychnis fylveftrisminima, 


hi 


. Riöckiein/Campanula minor, 


Batengel / Chamædriis, Triflago, Trixago, | 
Grau⸗Berg⸗ Muͤntz / Calamintha montana, Lucana minor. 
Donnerkraut / Hauswurtz / Vermicularis, Aizoum minus, 
weiſſer Ovendel / Serpyllum ſextum minus flore albo. 
dito brauner / Serpyllum ſeptimum minus flore purpureo. 


Ex z, Alein 


a — 

692 Kle Kno 

Klein Berg⸗ Pohum, Polium montanum minus. 
Gamanderlein / Teucrium tertium minus. 
Ruhe⸗kraut / Gnaphalium qvintum minus, 
Baiſam⸗kraut / Coſten / Ageraton. 
Coͤwen⸗ Fuß / Leontopodium parvum, 
Scheiben⸗Vappen / Rapum orbiculatum minus. 
Endivien / Endixia minor, Scariola, Seris fativaminor, 
Aals-Erayt/ Cervicaria alba tertla. | 
sefels- SArnlein/ Rutamuraria', Filicula aſellorum mindr, 
Adiantum album. | 


tter⸗· kraut —— 
a = ; pNumularia ferpentinaria minor. 
Grindwurt/ Lapachum minimum, 
Weyer-Ampffer/ Hydrolapathum minus. 
KRofin/ Uvs paſſæ minores, u — 
— Schoͤllkraut / Schwalben⸗kraut / Geranium, Hirundi- 
naria minor, | 
Klein Wegwart/ Cichoreum ‚fatitum, latifolium, 
—  Wolffs-WFilh/ Efulaminor, Efula cupreflina, 
Steinklee / Lotus ſylveſtris. = 


RKletten⸗wurtz / Bardana, 
Rlingel Ruͤblein / Sifarum, 
Rlippfiſch / vide Cabliau. 

Rloſter⸗ Iſop / Kirch⸗Iſop / Hiffopus; 
RKnaben⸗kraut / Fumaria, Satyrion, Orchis. 
Knoblauch Allium. | 
noblauch-Eraue/Scordiumtcalamandria aqvatica, 

wilder / Allium colubrinum, Opbiofcorodon, 
zahmer/ Alliumhortenfe. 

Zunds/ Allium caninum, 

Wald / Allium colubrinum. 

F Pitch r Allium porcinum, Scorodopralon. 

Knochen, Offa, werben zu anterichiedlichen Manufacturen / ſon⸗ 
derlich aber von den Knochen Drehern / Paternofter ober Roſen⸗ 
Kraͤnde daraus zu machen / gebrauchet; Ehe ſie aber zu verarbeiten 
bequem ſeynd / werden ſolche ausgekochet/ und eben wie aus den Och⸗ 
fen⸗Klauen / eine zimliche Partey Fett davon geſammlet / welches in 
denen Lampen berbrauchet wird. Dergleichen Knochen weiß zu ma⸗ 
cen / nehmer lebendigen Kalck / mit einer Hand voll Kleyen/ thut es in 

— einen 


wars 


111 


1146 


-—. 


—— —- - - 


Ko Kob 69} 


— — — — 


einen neuen Topff / und laſſet ſie fo lange darinn kochen / bis alles Fett 
davon if. 


Die Beinefchönfchwargsumachen: 
So nehmt Glette / lebendigen Kalck / jedes gleich viel / machetes warm 
in gemeinen Waſſer / bis es beginnet zu ſieden / und ruͤhret die Beine 
allezeit nit einen Stock um / wann es ſtarck kochet / fo nehmets vom 
Feuer ab / und ruͤhrts fo lange um / bis das Waſſer kalt / fo werden die 
Beine ſchwart ſeyn. Item / nehmt Erlen-Rinden / Hammerſchlag 
und Allaun / und ſiedet die Beine darinnen. 


Die Beine gruͤn zu faͤrben. | 
So nehmt ſtarcken Eßig / gießt ihn in-ein kupffern Geſchirr / dann 
nehmt zerriebenes Spangrün und Salmiac , mifcht ed unter einander 
und laßt es ſtehen / bis es grün wird / legt hierauf die Beine darinn/ fo 
werden jie [hin grün, Wolt ihr ſie roht haben / fo nehmt Brafilien« 
Holtz / ſteds mit Allaun/ legt das Bein darein/ wann ed ſiedet / fo wird 


— 


es ſchoͤn roht. 


Die Beine weich zu machen. 
So nimm Victriol und gemeines Saltz / ana, pulveriſirs und deftillies 
zu einem Waſſer / weiche die Knochen darinnen ı2. Stunden lang / fo 
werden jie als ein Teich fo weich : will mans wieder hart haben, fo lege 
mans in ſtarcken Wein⸗Eßig. | 
Anoden-Erame/Scrophularia, - | i 
KRnoͤpff zu Kleidern / werden von Gold / Silber / Mefing/ Kupf- 
fer / Zinn’ Zinck oder Printzen⸗Metall / von Holtz / Horn / Stein / Kno⸗ 
chen und Glas / mit Gold und Silber / Seiden / Wollen / Haaren / Lei⸗ 
nen / Lacken oder Tuch / und andern Zeug uͤberzogen / glatt / nad) kuͤnſt⸗ 
lichen Muſterngeſtochen / erhoben / platt / laͤnglicht breit und ſchmal 
emacht / und wer will alle die Arten erzehlen / die heutiges Tages bey 
vielen Kleidev- Moden vorkommen; Indeſſen werden ſie doch meh⸗ 
rentheils bey den Kraͤmern und Kauffleuten Dutzend und Groß weiß 
eſucht / und faſt alle Arten / auſſer die Pferd⸗Haaren⸗Knoͤpffe / welche 
n Holland am beſten zu haben / in Teutſchland gemachet / daß wir 
nicht ein Dutzend aus Franckreich zu berſchreiben noͤhtig haben / noch 
vielweniger das zierlich geſchlungene Schlingen⸗ /auf Frauen⸗ 
und Manns⸗Kleider / item Ddäften and aller hand ArtFrantzen (Fran- 
gen) als welche. unfere Knoͤpff⸗Macher und Pofementirer fo kuͤnſtlich 
N y — wiſſen / daß ihre Arbeit von keinen Auslaͤnder zu verbeſſern 
t et. 
Kobaltum, Cadmien· Stein / ſonſt wirds auch Cobaltum Ladonien- 
Er 3 es Stein 


f 


— 


raubet. 


694 Koh 


Stein oder Muͤcken⸗Pulber genanut / wie er dan nichts anders als eine 
rãuberiſche gifftige Berg-Art iſt / welches das Silber im Schmeltzen 

— iſt Kobalt auch eine graue Berg-Art / woraus 
die blaue Farbe gemacht wird. Drittens heiffet e8 auch das Berg- 
Gefpenft / fo den Berg⸗Leuten in der Grube manchen Huſch giebet/ 
1, e. ſie brab vexiret. 


Rohlkraut / hat den Rahmen vom Lateiniſchen Caulis, Franhoͤſiß 
des Choux, iſt mancherley Arten / als Braſſiea alba, vel Viridis, gemet- 
ner grüner Kohl / Brasfica rubra, gemeiner brauneroder rohter Kohl / 
Braſſica ſimbriata, krauſer braunet Kohl; Diefe 3. Sorten gehören 
zum Blade-Kohl / deſſen Blätter nicht ſchlieſſen; Zum Kopff- Kobl/ 
deſſen Blätter im Kopffe ſchlieſſen / werden füaferley Arten gezehlet/ 
alö Braslicacapitataalba, weiſſer Kopff ⸗Kohl / Brasfica alba capitc 
oblonge non penitus claufo, Merjich-oder Savoyen⸗Kohl / Brasfıca 
Capitdta rubra,tohter oder brauner Kopff · Kohl / Braslica gongylo- 
des, Ruͤben · Kohl / und Braflica Cauliflora, Blumen⸗Kohl. Ale jebt- 

erzehlte Sorten feynd gute Kühen-Rrduter/ welche gleich den Finfen 
biel partes heterogeneas , & Malitates miftas widerwaͤrtige Theile 
‚ und hermiſchte Eigenfchafften in fich haben; Sinteniahl / was feine 

Subftang oder Fleifch anlanget/ if felbigeö feinen Temperament nad) 
kalt oder trucken / hingegen fkeckt in feiner Haut oder aͤuſſerlichen Flaͤ⸗ 
che etwas Salperrifches mit einer Bitterkeit und Schärfe / ındeffen 
Betrachtung der Kohl von einigen vor hitzig und trocen gehalten 
wird. Galenusfchreibet/ wann man den ohl koche / fo laxıre feine 
erſte Brühund er felbft/ weil nemlich die falgige Bitterkeit noch in 
beyden/ warn aber die erfte Brühe weggegoffen/ und er zum andern- 
mahlmit warnen Waſſer gekocht werde / fo ſtopffe er / ja er ftopffe 
noch mehr / wann man ihn das drittemahl koche / weil alddann der Sal- 
peter davon / und feine kalte irrdiſche Theile nur * dergleichen 
Nütroßitätiftaber bey den rohten Kohl hänffiger als ben den weiten 
zu finden/ je rohter der. Kohl je uhr. Salpeter. Es hat auch der. Kohl 
Die Tugend an ſich / daß er der Trunckenheit widerſtehet / dahero ſa⸗ 

en die ZechBruͤder: aufeinen Rauſch gehoͤret ein Sauerkohl zum 
— bielleicht auch darum / weil eine groſſe Antipathie zwiſchen 
dem Kohl und Meinftocd berfpühter wird / alfo daß Feiner recht fort ° 
will/ wann ſie allzugenau bey) einander ftehen. Die Broccoli oder 
Junge Sproffen anden Kohl/ werden nicht allein von den Italiaͤnern / 
fondern auch von uns Teutichen in groſſen Wehrt gehalten / und vor 
eine gefunde Speife geachtet. ... .. | 

Kohlen / Carbones, vide Steinkohlen. 
Rolben⸗kron / Cicutatia Mynhi 


P1,, 533 


Roib⸗ 


Kol Kön | 695 
Bälblein-Eraue/ Pimpinella ltalica, Sanguiforba. 
Roller / Reulwurtz / Nymphza. 
RKolhmar⸗kraut / Anagallis mas, Corchorus Theoph. 
Koͤnig iſt auf denen Schmeltz⸗Hutten dad untere Stud im Heerd / 
wann die obere Scheiben geriſſen und abgehoben ſeynd. 


Königsberger Waaren beſtehen in Flachs / Henff / Pottaſch / ale 
lerhand Korn / Leinſaat / Klapp⸗Holt / Eichenen Dielen oder Plaucken / 
rohen Leder und dergleichen. Dahingegen werden wieder nach Koͤ⸗ 
nigsberg gebracht eiwan jährlic) 7. bis 3000. Laſt Frantzoͤſiſch Saltz / 
1. bis z000. Oxhoͤfft Franſchen Mein / viel Branntwein und Wein⸗ 
Eßig / truckene Pflaumen / rafinisten Zucker / eine groſſe Partey To» 
back / ſonderlich von Martiniqre, vielerhand Kram⸗Waaren / fein und 
— Tuch / Gewuͤrtz / Droguiſtereyen und dergleichen. 

ie Nationen, welche am meiſten nach Königsberg handeln / ſeynd 
die Engeländer und Holländer) einige — — 
burger⸗GSchiffe / am meiſten aber die Kübecker/ / welche die Bequem⸗ 
lichkeit der Oſt⸗GSee vor den andern voraus haben / dannenhero auch 
F — und Brehmer Güter in Lubecker Schiffe eingeſchif⸗ 

t werden. 
Die Maoͤntzʒ in Koͤnigsberg kommet mit der Dantziger überein. 
Die Wechſel auf Amſterdam werden in Koͤnigsberg gefchloffen / daß 
man 220, biö 230. Pohlnifche Brofchen in Rönigäberg giebet / um in 
Amſterdam wieder 1. Pfund Flaͤmiſch dafür zu empfangen / oder man 
gibt 124. bis 30. Rthlr. in Koͤnigsberg vor 100. Hollandifche Tahler / 
bonso. Stüber auf Hamburg gibt man os. bis ııs. Pohlnifhe Gro⸗ 
fchen vor ein Rthlr. pon as. $- | | | 
Der Zoll vor die eingehende Waaren in Rönigäberg / wird fo wol 
Durch die Burger ald Fremde gleich hoch bezahlet/_ nur haben jene das 
Privilegium, dap die Fremden ihre Waaren in fein Magazin dringen 
dörffen/ woſelbſt ſie folche ſonſt wann fie fie nach Bequemlichkeit ver⸗ 
kauffen doͤrfften / höher ausbringen könnten / als wann (ie folche aus 
dem Schiff / wann le anders die Waaren nicht wieder zurüd führen 
wollen / an die Bürger —— muͤſſen. | 
Das gewöhnliche Aus⸗ und Einladen der Schiffe gefchiehet in der 
Pillau , welches ander See lieget/ und bon wannen die Schiffe nod) 
acht Meilden Pregel⸗Fluß hinauf bis nach Königsberg fahren muͤſ⸗ 
fen; —* ſeichten Waſſer aber nicht tieffertals ro. Fuß gehen koͤnnen. 
Bey diefen legtern Schwedifchen und Pohlnifchen Krieg iſt Königs 
berg/ als welches den König in Preuffen zugehöret / in ziemliche Aufe 
nahm gekommen / weil den Dangigern und benderfeits Friegende Par: 
teyen der Weichſel⸗Strohm oflt — daß ſich dan jr 

4 e 


- 


696 Kor — | . 
hero ein guter Theil ihres Gommercii zu dem ihr nahgelegenen Re» 
nigsberg gezogen. . 4 
Die Königsberger und Elbingifche Zaft * 6400. Pfund / und hat 
16. Schiff⸗Pfund / deren jedes ans 400. Pfund oder zo, Liß · Pfund 
beftehet / folcher Laſt 5. machen 7. Amſterdamer Lafl. Rigifche /. 
Revaliſche und Narviſche Schiffpfund / jedes zu 10. Stein oder 
400 Pfund gerechnet) geben 12, eine Laft / fo ihrer Pfund 4800. 
- and Amfterdamer Pfund 4000. wiegt. Ein mehrerd vide unter, 
hbem Wort Maaß und Gewicht. | 
- Korbel/.Cerefolium Gnidium. 
Korckbaum /Suber,Tätifolium. 
Roxck⸗ Æiche / Phellodriis, Cerrus Plinii, | | 
Korn oder Berreyde/ Frumentum Frankhoͤſiſch duBled ‚unter ſol⸗ 
Sen wird Waͤttzen / Rocken / Berften und Habern berftanden / wor» 
aus man Brodt badet/ und Bier brauet/ ift eine hoͤchſt nügliche/ 
in Kaufmannſchaft täglich vorkommende und zur Nahrung des 
Menſchen fehr nothwendige Maar / wiewohl es nicht in allen Laͤn⸗ 
dern gleich Häufig hervor kommt / in unfern Europa ift Polen 
und nad) dieſen Teutfchland das Kornreichſte Land / als welche beyde 
Länder vielmahls andere Königreich von ihren Uberfluß verſchen köns 
nei) it America braucht man an flatt des Rocken⸗Korns / den ſo ge⸗ 
nannten Maiz , aus welchen die Americaner eben wie chliche Altati- 
ſche Völker aus, Reif eine gewiſſe Art Brodts baden / Viel Natio- 


nes die gar nichts den Korn Ähnliches haben daraus jle Brodt ba= 


den könten / müffen auf andere Mitte l/ welche ihnen die Natur 
darreichet bedacht feyn / alfo ift in denen Inſuln Banda & Amboina 
ein Mebltragehder Baum/ weichen AluhusinL, u c. 3. exoticorunm, 
befchreibet / daper etwanneines Menſchen⸗Fuß di undzehen Fuß 
Ä bei fen /_oben aber einen rothen Kopf gleichwie ein Kohl⸗Haupt ha⸗ 

e / indeſſen mitte ein fchönes weiſſes Mehl zu finden/ weiches die 
Einwohner daſelbſt eben wie ander Mehl mit Wafler zurichten/ knet⸗ 
ten / und zu feinen Bvodt-Räublein zwifchen glüenden Kohlen bad“ 


ten /da es zwar anfänglich im Effenein wenig Ungeſchmack wäre/ / 


fo man aber ein wenig Pfeffer oder Zuder darauf ſireuete / gar 
delicat ſchmeckte. In America werden auch die Wurtzeln von dee 
Yucca an flatt des Brodts gebrauchet / und wann felbigeö wohl zu⸗ 
gericht / (nemlich die Kinden von den Wurtzeln abgefcheelet / hier: 
auf getruchnet zu Mehl gemacht / und gebaden worden /) fch» 
ſchmackſam ſeyn fol. Diekappländer/deven Land wegen der groffen 
Kãlt kein Getreyd hervor bringe/brauchen an flatt des Mehls truckene 
Fiſch / und Milch-⸗Rom an flatt des Getraͤncks. | 


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— ——— 4 


Kor 6097 


Dee Europaͤiſche Korn⸗Handel beſtehet eigentlich darinn / daß ge⸗ 
wiſſen Laͤndern die nicht Korn genugs vor ihre Einwohner haben / 
gleichwie in Holland geſchieht / von andern Orten her Getreyd zugefuh> 
ret wird / andere Laͤnder haben Korn genug / die Ihrige damit zu ver⸗ 
ſehen / koͤnnen aber nichts ausſchicken eben wie Engeland / Schottland 
und Spanien / andere hingegen haben einen Uberfiuß / wie Polen und 

Zeutfchland / davon obengemeldet worden /. die Länder nun melde 
Korn zu kurs kommen / holen ſolches auderwerts her / gleichwie 
Holland thut aus der Oſt-See fonderlich von Dantzig in Königsberg 
Riga und Rebal oder aus den ihm benachbahrten Oennemarck / da 
es ſich daun oft zuträgt / ‚daß in Holland fo viel Korn zuſammen ges 
fchleppet wird / das bey ihren — ——— Korn und Proviant- 
Szäyfern/ (worauf nach der in Holland durchgehends löblid) vegieren« 
Den Policey vor allen gefehen wird ) ſie nicht allein ihre in Braband 
ſtehende groſſe Armeen / ſondern auch gantze Koͤn igreich / alsSpanien 
und Portugal in Zeit dev Roth damit ver ſehen können. In Teutſch⸗ 
Land iſt das Hergogthum Magdeburg / und Fürſtenthum Halber⸗ 
ſtadt mit einen foreihen Korn · Boden von GOTT gefeanet / das 
Biel taufend Wiſpel Tährlich davon die Elb hinunter nah Hamburg. 
gefandt/und auch wohl bon Dannen weiter nad) Portugall und Spanien 
derführetwerden. Dev Tuͤrcken ihre. Speiſe-Cammer iſt Egypten/ 
Ttaliens/Sicilien, die Frantzoſen fo in Provence und Languedoc woh⸗ 
nen/tem die Spaniſche Mittlaͤndiſche See⸗Kuſten / holen viel Getrey⸗ 
De aus der Barbarey / aus Africa. Wer den Kotn⸗Handel gluͤcklich trei⸗ 
ben will / und ein ſattſames Capital dazu hat / als welches allerdings 
erfordert wird / ſiehet zu daß er bei) wohlfeilen Zeiten einkauffe / ſel⸗ 
biges aufichütte / und bis es in. Preiß etwas ſteiget liegen laſſe / da» 
mit er alsdann einen gemäßigten und Chriſtlich zugelaſſenen Ge⸗ 
winn daran haben moͤge / dann Korn-Juden / die ein Mondpolium 

aus den Kornerzwingen wollen / ſolches haͤuffig aufkauffen / und ſo lang 
bis auf einen Fit liegen kaffen / hernach die Aruruch damut 
——— und ſchaben / denen wird der Fluch in GOttes Wort ange⸗ 
uͤndiget / und zur Rachricht und ernſtlicher Verwarnung hiemit aus 
ezeiget / daß ihr alfo erwuchertes Geld niemahls auf den dritten Er- 
nkommen / ſondern wie Spreu von Windzerſtreuen werde / Pro- 
verb, ı1.Cap, 26, wie dann auch in wohlpolicirten Staͤdten ihr Korn⸗ 
Schinderey nicht gelitten / fondern ihnen entweder ihre Korn⸗Boden 
mit Gewalt eröfner/oft bey übermachter Boßheit gar Preifigegeben/ 
oder ihr Korn zu einen gewiffen Preiß / auch wider ihren Willen gefes 
Get wird / nach welchen ſie ſich zu richten / und denfelben nicht zu über» 
fhreiten haben / man läffet ihnen auch nicht zu / felches nach ihren 
Gefallen anderwerts hinzu berfenden / fondern wann ein Mißwachs 
gr s cite 





698 Kor 


eingefallen/oder die Theurung zunimmt/thut eine hohe Obrigkeit wohl 
daß ſie gleich alle Ausfuhr / wie alſo in denen Schwediſchen Provincien 
vielmahls geſchieht / verbietet / und die Korn⸗Juden dahin anhält/ 
daß ſie ihr Korn ihren Notbdurftigen Mitt» Bürgern um billigen 
Preiß verkaufen müffen. Endlich ftraft auch GOTT vielmahls ſol⸗ 
he Korn» Fuden augenſcheinlich / entweder an ihren Leib oder am 
ihren Gütern / wann ſie entweder ich felbft echenden/ oder das Korn 
lebendig wird / zum Boden-Fenfter hinaus flieget / dder der Wurm fole 
ches verzehret / und unbrauchbahr machet. 
Die Qualität des Korns betreffend / muß ein Kaufmann dahin ſehen / 
daß es grob⸗ koͤrnicht / trucken / nicht von Wurmoder der His ange⸗ 
ſtecket / nicht taub oder untuchtig / ſondern hübfch ſchwer und rein / ohne 
viel Unrachs ſey / wie wir ſolches unter eines jeden Korns Special Bee 
nennung mit mehrern angeführet. 
Die Maaſſe des Korns ıft nach Befchaffenheit der PÄnder undStäd« 
te ebenfalls unterſchiedlich / an etzlichen Orten wird es nad) Laſten / 
Scheffeln und Faß / an andern nach Wiſpeln / Tonnen / Mudden, 
Muiden, Setiers, Mines, Minots, Boiſſeaux. Litrons,Qvartes, Ra- 
zieres „ Sacs, Stemern und dergleichen verkauft. DieQvalitdt des 
Korns läft fich manchmahl durch das Gewicht erforfchen / wiewohl 
diefesnicht allezeit wegen deffen Feuchtigkeit oder trockene den Stidy 
haͤlt / ſinte mahl ein Laft guter eigen oft 4600. Pfund Amfterdamer 
Sewicht / oft auch «500. wieget / daß ed alfo bielmehr auf Das Geſicht / 
eigene Kaͤnntniß / und gründliche Praxin in dergleichen Korn⸗Handel 
ankommt /inmelchenein erfahrner Kaufmann / die Redudtion der 
Maas feines Orts mitdem Dot auf weldener zu handeln pfleget am 
beften wird zu machen wiffen. Was aber die Univerfelle Rachricht 
bon dem Behalt/ Fintheilung und Reduction pielerhandfänder ihrer 
Korn⸗Maaß betrift / folches ifktheild unter dem Tirul Maaß und Ge⸗ 
wiche / theils auch bey Eurger Befchretbung eines und andern Handel⸗ 
Plazeöfeiner Kovn-Maap in diefem Buch zu erfehen. ! 
Korn wird auch genanntdad Bißgen Zinn / fofich im Probieren 
auf die Capelle fegt/ item der Gehalt / wann dad Beld fein recht Ge⸗ 
wicht im Hult hat / fo fagt many es ıfF gut an Schrot und Korn. Korn⸗ 
Waag / ift die Probier Waag darauf folh Korn gewogen wird. 
Korn⸗Blume / Blaptifeula Cyanus, 
RKorn⸗Muͤntzʒ / Calamintha agreflis, Nepeto Vera. 
Korn⸗· Naͤgelein / Roſe Nigellaftram,Papaper erraticum, 
Kornlein / Cornus. 
Korn⸗Brand / Ullilago. 
Roth / vide Ftercus. | 
Arad» 


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Kra 699 
Rracks⸗Beer / Myrtylli, Kradöbeer » Kraut / Myrtus vul- 
garis, / 

Zraͤen⸗Augen / Nuxvomica, 

RKraͤen⸗Fuß / Pes Corvi, Coronopus. 

Krafft⸗Mehl / Amylum. 

ArammerBauım/ Beer Juniperus. 

* BRramer-Kümmel/Cuminum Sativum,Cyminum, 


Kram · Waaren in weitläuftiger Bedeutung genommen / ſeynd 
faft alle Waaren mit welchen man handelt / weil felten ein Grostirer 
u finden / welcher nicht unterweilen ein and andere feiner Waaren 
ereintzelen follte / wie (te dann endlich allzumahl den Kramern in die 
Hände kommen / welche diefelben bey Kleinigkeiten unter die Leute ver» 
treiben Savary in feinem vollkommenen Kaufmann feget Sechſerley 
Stände dermit Woaren;umgehenden Kauf» Leut als (1.) Tuch⸗ 
SHändelers (2.) Gewuͤrtz⸗Haͤndlers (3.)der Kramer (4.) der Rauch 
und Peltz⸗Haͤndler (.) der Hut-Staffierer / (6.) die Goldſchmiede / 
zu welchen auch (>.) die Holt / Kalch / Ziegel / Frucht und Wein⸗ 
Sandler wollen zugezeblet werden/ unter diefen allen aber halt erden 
Stand der Kraͤmerey vor den vornehmſten / ald welcher der Pariſer⸗ 
Kramer Ordnung nach mit aller der andern Staͤnde ihren Waaren 
in gantzen Ballen und Stucken / und auch eintzeln oder in Kleinigkeit 
handeln / und dieſem nach ohne Einſpruch führen kan / Gold / Silber / 
Seiden und allerley Seidene Stoffen / von unterſchiedlicher Art und 
Gattung / Camelot / halb Seiden / Borat / Barchet / Boy / allerhand 
Leinwand / bereitet und unbereitet Zudy/Corduan , Gemß / Elend und 
Büffel⸗Leder/ Rauch und Peltz⸗Waaren / Teppiche und Bett-Deden/ 
Pofementen/ Baͤnder / Guͤldne / Silber und Seidene Knoͤpffe / geſpon⸗ 
nen Gold und Sılber:Drath / rohe und abgeſottene / gefärbte und un · 
gefarbte Seide / allerley Juwelen / Gold und Silber⸗Geſchmeyde und 
andere Metallen mehr / vielerhand Droguen, Specereyen / Gewuͤrtz / 
Braſilien⸗Holtz / Indigo, Weyd / Cochenille, Kraproͤthe und andere 

Farb⸗ Waaren / Eiſen / Stahl / Zinn / Meßing / Kupffer / Bley / und 
Gewehr ſammt allerhand Eiſen⸗Waaren / als Schloͤſſer / Feilen / Meſ⸗ 
ſer / Degen⸗Klingen / Gefaͤſſe / und Ausſtaffierungen von Bold und 
Silber / von Kupffer / Eiſen / gegoſſenen Metall / von raren Schilde⸗ 
reyen / Spiegeln / Holtz und Glas⸗Arbeit / ꝛc. welches alles den 
Stand der Kramer voraus recommendable und herrlich machet / 
fonderlich da folder mit geringen Eapital anzufangen / und mit grof» 
fen Capital / wie unzehlbare Exempla bezeugen / zuendigen flehet. 
Es will aber die Kraͤmerey aud) ihre befondereObfervationes haben/ 
als daß nemlich der damit umgehet / eined Zugendhafften an 
eißig 








70... Kick 

fleißig und höfflichen Wandel fey. Unter den Tugendhafften Reben 
verſtehen wir dap er feiner Handlung wohl vorſtehe / Foftbare oder zur 
Uppigkeit dienende Waaren nicht auf feinen eigenen Leib wende/ 
und alfo fich ſelbſt des Gewinud welchen er darauf hätte machen Fön 
nen / beraube / daß er nicht falſche Waaren / Ellen Maaf und Ge 
wicht habe / als welches zu vorderft dem Höchften GOTT einGreuf 
ift/ feiner —— und Gewerb aber groſſen Schaden und uͤbele 
Nachrede —— an; der Fleiß wird an einen Kramer erfordert / 
weil bey fo biel hundert Klelnigkeiten gute Ordnung muß gehalten 
werden / daß allesauf feinen rechten Ort und Stelle liege/alles wohl 
numeriret / wohl lortiret / und der Beſchaffenheit ad) fleiftg in Pa⸗ 
pier eingewickelt / inguter Pfleg gehen, offt auögefegt/ ausgeputzt / 
polivet / Verfeget/ angedlet / und ſolcher — vor den Roſt / Staub 
und Ungezieffer bewahret / dem Kaͤuffer aber fchön und in guten Zus 
fand vor die Augengeleget werden. Mann aucheinige Waaren ei⸗ 
nen feuchten/ andere einen trucknen / diefe einenhellen/ jene einen dun⸗ 
ckelen Ort / fonderlic) wann ſie denen Kauffern follen bor præſentiret 
werden erzordert/ als iſt hierzu abermahl der Fleiß und die Sorg⸗ 
falt eines Kramershöchftnothwendig. Endlich muß er auch eines be⸗ 
fcheidenen und höftlichen Umgangs feyn/ damit er die Käuffer mit 
guten Worten an ſich locken / und diefelbe zum Kauf animiren fönne/ 
jedoch ſey aud) Davon alles — ſonderlich aber das falſche Schwe⸗ 
ren weit entfernet / damit ed bey ihm nicht heiſſe nach den gemeinen 
Sprichwort: 


Laudat Venales qvas vult extrudere Merces. 
Einjeder Kramer lobt ſeine Waar. 


Dieſes Lob muß fo gemaͤßiget ſeyn / daß es die Schraucken der War⸗ 
heit nicht uͤberſchrelte / oder der Nechſte durch faͤlſchliches Vorgeben 
betrogen / und um das Seine gebracht werde / welches eine Sunde 
wider das ſiebende Gebot / und die eigentliche Meynung desjenigen 
Biebel⸗Spruches iſt / daß wie der Nagel in der Wand / alſo auch Die 
Sünde zwiſchen Käufer und Verkaͤuffer ftede- Zu wünſchen wäre 
es / daß nach der Menoniften Art im Kauffen und Derkauffen / dag 
Ja und Nein gelten möchte / und jeder feine Waar nicht höher lobte 
als er jie zu vertauffen gedächte / zwar heift eö/ alle Käuffet feynd Feine 
Kenners / allein bon eines andern Unerfahrenheit profitiven wollen/ 
ift zumeilen die höchfte Unbilligkeit. j 
Dieſes ware nun kuͤrtzlich das Betrachtens würdigfte ben der Kraͤme⸗ 
rey / dem man noch beyfügen koͤnte / daß ſo wohlKramers als Grosfirerß 
mann ſie ihren eigenen Handel anfangen wollen / dev Ellen / Maaß 
und Gewicht / der Waaren ihrer Breite/ Laͤnge / und Qalitaͤt / der Zeit 
| und 


\ 


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— - — — 


Kra 701 


und den Ort des Einkauffs / item die Condition deſſelben / und dann 
auch gleicher Geftalt des Verkaufs mohlerfahren ſey / daper Ich nicht 
mit folchen Waaren überiege/ welche leicht verderblich/auffer dev Mo- 
de und veränderlich von Farben oder Abgang ſeynd / als die Winters 
Waaren des Sommers / und diefe hingegen des Winters / daß er 
feich zu Anfang feiner Handlung / durd) friſche und gute Waaren 
in Renom&e 9 / die gekauffte Waaren wohl nad) meſſe / und 
wie hoch er ſie geben könne / wohl calculıre/ nicht jedermann borge/ 
auf den Preiß nicht zu hart ſtehe fondern manchmahl einige Waa⸗ 
ren lieber ohue Profit, ja gar mit etwas Schaden verkauffe / manner 
eine Summanı baares Gelds mit eins befonmen / oder abfehen 
Fan / daß eine ſolche Waar ihm hernach noch lange Zeit inden Laden 
Liegen bleiben / oder gar die Kaͤuffers gegen welche man fo hart ge⸗ 
* / kuͤnfftig wieder zu kommen abſchrecken moͤchte. Wann auch 
Die richtige Ordnung die ein Kramer in ſeinen Kramer⸗Scriptu⸗ 
ren haͤlt / demſelben einen groſſen Nutzen hringet / als wird ihm darzu 
folgende Manier angewieſen. 
Erſtlich daß er Jaͤhrlich ein Bayer Inventarium über alle feine vers ⸗ 
Handene Waaren mace/diefelde wohlnad) mefle und abmege/ und den 
Einkauffs⸗Koſten nach ihren Belauffberechne/ daß täglich auf Zeit 
oderCondition Verfaufftein die Gewoͤlb oderBuden Kladde einſchrei⸗ 
be / undzu End des Monats was wurdlic auf Zeit verfaufft oder 
—— und nicht wieder gebracht worden / in ein ſo genanntes Waa⸗ 
zen Schuld⸗Buch (wann es allerhand Kleinigkeiten an Kram⸗Waa⸗ 
zen ſeynd / denen Leuten die ſolche empfangen) in Debet ſtelle / da ſich 
dann leicht gegen über in Credit abſchreiben laͤſt / was ſie dar» 
auf wieder empfangen / oder von ihnen an audern Waaren geho⸗ 
let und geliefert worden / iſt dann einer folchen Perfon en, bon 
Importance oder laufft in andere Handels⸗ Geſchaͤffte / als Wechſel / As- 
ſignationes und dergleichen hinein / ſo wird aus ſolchen Waaren 
Schuld⸗ Buch ordentlich ein kurtzer Transport nad) Italiaͤniſcher 
Manier indie Haupt Handels⸗Buͤcher gemacht. Die baare Loſungs⸗ 
Gelder werden in eine Callam oder Lade zuſammen geworffen/ und 
Monatlich überzehlet / alödann der groffen Calla einverleibet/und ſel⸗ 
bige dafür an WaarenConto debitiret. Aus obbemeldten Waaren 
Schuld⸗ Bud wird’ Monatlich den Kram oderfaden-Dienern ein Vera 
zeichniß uͤbergeben / welche Schulden ſie ein zumahnen haben. Was die 
bon andern Orten verſchriebene / oder in Loco ſelbſt erkauffte Waa⸗ 
ven betrift / werden dafür diejenige Perſonen / von welchen ſolche gekauf⸗ 
fet oder geſchicket worden / in dem Handeld-Jaurnal creditiret. Ein 
weiterer Unterricht hierbon iſt in unfern Probier · Stein der Buchhal⸗ 
ter zu erſehen. 
rau⸗ 


x 








Krauſſer Durdywachs / Perfoliata crifpa. 
Krauß Papeln/ MalvaCrifpa, 
Krauſe Muͤntz / Demuth / Mentha Crifpa, 
Krauſer Balſam / Balfamita, Siſymbrium domeſticum. 
— Bibernell / Pimpinella Crifpa,- Tragoſelinum Saxatile. 
Peterlein / Apium Crifpum, | 

Ampffer / Oxalis Crifpa, 

Reinfsaren/ Tanacetum Crifpum & anglicum, 

Dift:l/Eryngium, 
Cattich / LadtucaCrifpa, 

Endivien⸗Lattich / Intybacea Crifpa, 

— Spitz Mangel⸗Wurtz / Lapathum acutum Criſpum. 
Kraͤuter und Blaͤtter / Herba & Folia, unter ſolchen ſeynd in des 
nen Officinen die gebraͤuchlichſten / Abrotanum mas Stabwurtz / 
Abr. Foemina das Weiblein ſonſt auch Cypariſſus Garten⸗Cyprep / 
Abſynthium ponticum Roͤmiſcher Wermuth / dito vulgare ſeu rufli- 
cum gemeiner Wermuth / Acetola ſaure Ampffer/Acetofella,Allel uja 
Buch⸗Ampffer Haaſen⸗Klee / Ageratum Eupatorium Meſuæ Reber: 
Balfanı / Agrimonia Dvdermennig/ Alcea Cannabis Sylveftris Gig> 
mars⸗kraut / Alchimilla Ginnau/ AlkekeneiHaliacacabus Juden⸗ 
Kirſchen Blaͤtter / Alſine morſus galline Keen Boris / Althea, 
Bifmalva Ibifeus Eibiſch⸗Kraut / Anagallie terreſtris, tubra Gauchheil / 
roth Gauchheil / Anagallis aquatica, Becabunga Bachbungen / Anc- 
thum Dill / Antirrhinum Hunds-Kopff / Dorant/ Apium Paluda- 
pium Marck⸗Eppich / Agvilegia Agley⸗Kraut / Ariſtolochia longa 
lange Oſterlucey / Arnica Mutter⸗Wurtz / Wolfferley / — 
Beyfuß weiſſer und rother / Aſarum Haͤſelwurtz⸗ Kraut/ Atriplex 
wilde Hunds⸗Molde / Auricula muris Piloſella Mauß⸗Oerlein / 
Balfamita, Sifimbrium agvaticum Bah-Müng / Bafılicum Bafls 
lien Becabunga Bachbungen/ Bera alba weiß Manngold / Betarubra 
roth ee Betonica Betonien / Blitum rubrum rother Meyr / 
Korrago Borretfh/ Botryos Trauben» Kraut / Branca urfina 
Beeren-Rlau/ Bartſch / Bugloflum Ochſen⸗ Zungen / Buphthal- 
mum Streich Blumen: Kraut / Burfa Paftoris Taͤſchel⸗ Kraut / 
Calamintha Korn⸗Muͤntz / C.montana Berg⸗ Muͤntz / Capillus ve- 
neris, adiantum nigrum rauen= Haar/ Capritolium , periclyme- 
num Welt-Winde / Sped-Pilien/ Cardiaca Hertz- Geſpann / Car- 
duus Benedictus, Eardobenedicten-Kraut / C, Marie Marien-Di> 
fiel / Caryophyllata Sanamunda Benedicten- MWurgel Kraut/ Cere- 
tolium Körbel-Kraut / Ceterach afplenum Milg- Kraut/ Chamx- 
drys iva moſchata Gamander» Kraut / Chamæpitys iva artheti- 
ea je längex je lieber / Chamzlca, Mezereum Geidel: Baft/ Cha: 
| mamc- 


702 Kra Krä 


—— 


Rrä 703 

— — — ——— — — — — —— —— 

mæemelum Romanum Roͤmiſch Camillen / ©, vulgare gemeine 

Camillen / Chelidonium majus Schoͤl⸗Kraut / Ch. minus Schar⸗ 

bocks·Kraut / Cichorium Wegwart / Cieuta Wuͤterich / Cochlea- 
ria Pöffel-Rraut / Confolida major. Symphytum Wallmurg-Rraut/ 

Conf, media, Bugula Gulden Büngel / Confol. minor Srunelle / 
Conf, Sarracenia Heydniſch Wund-Krant / Regalis Ritter-Sporn/ - 
‚Conyza Publicaria dur Wurtz⸗Kraut / Cotula ſcetida Hunds Romey / 
Craſſula major Fabaria fette Henne / Cuſcuta, Caſſutha Flachs⸗ Sei⸗ 

de / Cynogloſſum Hunds⸗Zungen / Cypariſſus hortulanaGarten · Cy⸗ 

preß / Daucus hortenſis Moͤhren⸗Kraut / Dictamnus creticus Creti⸗ 

ſcher Dictam, Dictamnus albus, Fraxinella weiſſer Dictam / Ebulus 

Attich / EndiviaSativa Endibien / Sylveſtris Sonchus Sau-Diftel/Epi- 
thymus Thym⸗Seide / Eqriſetum canda egvina Roß⸗Schwantz 
Schafften⸗Hen / Krica alba & rubra weiſſe und rohte Heyde / Eryngium 
Manns⸗Treu / blaue Diſtel / Eryſimum Weg⸗Senff / wilder Senff/ 

Eſula Wolffs⸗Milch / Eupatorium Arabum, Ageratum Peberfrautz 

Euphrafia Yugen-Troft/ Farfara Tuflilago Hufflattig / Filix Farrene 

fraut/ Foenicutum Feuchelkraut / Filipendula, Saxıtragı rubra roht 

Steinbrech / Fragaria Erdbeer-fraut, Fraxini folia Efchen-Paub / Fu- 
maria&rdraud) / Galega rutacapraria Geifraute / Genifta Pfrie⸗ 

men⸗kraut / Geranium, Herba Ruberti Storchſchnabel / Gnaphalium 
Knabenkraut / Gratiola Erdgalle/ Hedera arborea Epheu Eppich / H. 

terreftris Gundermann / Hepatica alba, gramen Parnasfı weiß les 
berfraut / H. aurea nobilis gülden Reberfraut / H.FontanaLichen 
Brunnen:Peberfraut/ H. Stellaris, Marris Sylva, Stern⸗Leberkraut / 

Waldmeiſter / Herniaria, Millegrana Harnkraut / Bruchkraut / Hor- 

minum vulgare, Scarlea Gcharley / Hyoſciamus albus weiß Bilſen⸗ 

kraut / Hypericum St. Johannis⸗kraut / Hyſſopus Iſop / Jacea Herba 

Trinitatis Dreyfaltigkeits⸗kraut / Illecebra, fabaria Donnerkraut / 

Lactuca Lattich / Lagopus, Pes Leporinus, Hifpidula Haſen⸗Poͤttlein / 

Lapatum acutum oxilapatum. Rumex Grind-Wurg-fraut / Lappa 

major, Bardana groſſes Kletten⸗kraut / Laurifolia Lorberr⸗Blaͤtter / 

Lentes paluftres Waſſer⸗Linſen / Lepidium GSalfen-Bldtter / Levi- 

fticum Fiebftödlein/ Liguflicum Hartriegel/ Linaria wilder Flachs / 

geinfraut / Lotus urbana, trifolium odorasum Siebengezeit / Lu- 

pulizuli Hopffen-Sprößlein/ Majorana Majoran / Malabatrum fo- 
lium Indiſch⸗Blat / Malva vulgaris Haſen⸗Pappeln / Marrubium al- 

bum , Prasſium weiffer Andorn / dito Marum/ Marricaria Muttere 

fraut/ Matri ſylva, Stallaria Meßfe/ Waldmeifter/ Melilorus Stein. 

flee/ Meliffa Meliſſen-kraut / Mentha Spig-Balfam / M.Saracenica 

Frauen⸗Müntz / Mentaftrum mentha egvina Roßmuaͤntze / Waldmuͤn⸗ 

he / Mercurialis Bingelkraut Mezercum Geidelbaft / — 

raut 





704 Krä | 
Fraut/ Millefoliam Schaaf: Barbe / Mororum folia Maulbeer- 
Blaͤtter / Morfus Diaboli, Succifa Teufeld«Abbiß/ Mufcus arboreus 
Baum⸗Mooß / Muſcus terreſtris, Clavatus Morſch⸗Babbe / Laͤuskraut / 
AMyrthi folia Myrrten-Blätter / Nafturtium agvatisum Brunnen» 
kreß / Naft. Indicum Indianiſch Kreß / Nepeta Cattaria Katzenkraut / 
Katzen-Muͤntze / Nicotiana Toback / Nummularia Pfennig⸗kraut / 
Edel⸗kraut / Nymphza alba weiß Seeblumen⸗kraut / N. Lucca gelb 
dito, Ononis.Reltabovis Hau-Hechel / Ophio gloffum, Lingua Vipe- 
rina Natter-Zünglein/ Origanum vulgare Doften / Orig, Creticum 
vetifcher Doften/ Papaveris folia Mohn⸗Blaͤtter / Magſaamen / Pa- 
rıetariaHelxine Tag und Nacht / Paris Einbeer-fraut/ Paftinaca fyl- 
veſtris Vogelneſt / Penaapkyllum qvinqve fohum Fuͤnfffinger⸗ kraut / 
Pertoliata Durchwachs / Perſicaria, Pulicaria Floͤhtraut / Perſici folia 
Pferſing⸗ Blaͤtter / Petrofelinum vulgare, Apium hortenfe Peterſi- 
lien / Pimpinella Germanica Teutſch Binell / Bocks⸗Peterlein / ?. Ita- 
liea Sanguiſorba Welſch Pimpinell / Plantago major breit Wegereich / 
P. minor ſpitz Wegereich / Polizonum centum nodia Wegtritt / Weg⸗ 
geas/ Polium Creticum Eretifcher Poley / Portulaca Borkel-trant/ 
otentillaanferina Genferich/Primula veris Schluͤſſel ⸗Blumen kraut / 
Prunella Braunellen / Pulegium Poley/Pulmonariaarborea, Mufco- 
fa Eichlungen⸗Mooß / P. vera maculöfa Lungenkraut / Pyrola Winter 
grũn / Roſmarinus Roßmarin / Roſmarinus ſylveſtris Porſch / Wan⸗ 
ben⸗ kraut / Rubi Cymæ ſummitates Brunnbeer⸗Gipffel / Ruta Wein⸗ 
rauten / Ruta muraria adianthum Maurraute / Sabina, Savina Ge⸗ 
benbaum / Savina ſylveſtris licopodium Wald⸗Seveubaum / Salicis 
folia Weiden⸗Blaͤtter / Salvia hortenſis major groſſe Salbey / S. mi 
nor ‚Cruciata nobilis Creutz⸗Salbey / SarfhbuciCyma Hoiderkaͤu⸗ 
men/ Sanicula Ganidel/ Saponaria Geiffenfraut/ Satureja Tymbra 
latĩva Pfefferkorn/ Sodaney/ Huͤnerfuͤll / Saxifraga alba weiß Stein⸗ 
brech / Scabiofa Apoſtenkraut / scariola intybus fylveftris Hein Endir 
dien / Schoenanthum Camels⸗Heu / Scolopendria lingua Cervina 
StrfZungen/ Scordium Parhen-Rnoblaud) / Sedum majus, femper 
vivum Hauswurtz / S.minus,Vermicularis Maur: Pfeffer / Senæ folia 
Gened-Blätter/ Senecio Creutzwartz · kraut / Serpillum Wendel / Si- 
— Salomonis Polygonatum Weißwurtz / Solanum. Solatrum 
achtſchatten / Sonchium leve weich Sau-Diftel/ Soldanella, Brasſi- 

sa marina Meerkohl / Spica noſtra Garten⸗Gpick / Celtica Roͤmiſcher 
Spick / Indica Indianiſcher dito, Spinachia Spinat/ Tamariſcus Ta- 
marisken⸗Blaͤtter / Tanacetum Rheiufahren / Taraxacum Pfaffen⸗ 
Oehrlein / Thymus Thymian / Tormentilla Zormentill/ Nabelkraut / 
Tusfilago Hufflattig / Valeriana, Phu majus groß Baldrian/ Val.mi- 


sıor, Phu minusflein Baldrign/ Verbaſcum thaplus barbasus ee 
Tau 





Ka 705 
kraut / Koͤnigskerb / Verbena Eifenfraut/ Veronica Ehrenpreis / Vin- 
ea per vinca Gingrün Jugruͤn / Violaria blau Biolen-Fraut / Virga 
aurea ConfolidaSaracenica Heidnifh Wundkraut / Vitis folia Weite 
reben-Fraut/ Urtica mortua taube Reſſel / Urtica urens Breun⸗Neſſel / 
Uvularia Zapffen-Fraut. 

Diefe jept » erzehlte Kräuter alle / / ſammlet man / wann flevoller 
Geruch / Farb und Geſchmack feyn/ mitihren Gipfeln prangen/ und 
(ich ihren Flor nähern ; item beffer bey Heitern ald vegnichten und 
feuchten Wetter: anwelder Sammlung dann fo vlel gelegen / daß 
die Pöonien -Wurbel zur unvechten Zeit geſammlet / ohne Nutzen und 
Krafft/ imgleichen auch andere mehr / als z. E das Johannid-Fraus 
ſeyn wird/ welches zu rechter Zeit geſammlet / die Wuͤrmer vertreibt / 
fonft aber ohnkraͤfftig iſt / dahero die Regul entſteht / wie die Contli- 
tation der Sternen / alſo ſeynd auch dic uutermondiſche Sachen. 
So iſt auch nicht wenig an ven Geburts· Ort der Kraͤuter gelegen / als 
da ſeynd die See-Kräuter feucht und kalt / die Pfuͤtzen⸗Kraͤuter kalt 
und trocken / die Flußkraͤuter duͤrr und hitzig / daß (le auch zuweilen die 
Zunge verletzen. Einige Meerkraͤuter ſeynd auch kalt und trocken / 
falt wegen des Waſſers / trocken wegen des Saltzes: die in fetter Er⸗ 
de wachſen / feynd warm und feuht/oder bon diefen zweyen gemäpigt 3 
die auf magern Boden wachſen / feynd warm und troden ; auf mictele 
mäßiger Erden laulicht und unferer Natur verwandt; die auf fans 
digten Boden ſtehen / feynd warm und trochen/ und bon dunnen Theis 
len ; Zweifelhaffte Pflangen feynd vermiſchten Temperaments , wel⸗ 
ches auch von dergleichen Thieren zu verftehen. Bergkraͤuter ſeynd 
wegen Erd- Mangel troden / megen der Sonnen» Strahlen aber 
warm ; Feldkraͤuter ſeynd gemaͤßigt troden und warm: was in ho» 
len Dertern ſt / iſt kalt und feucht / und zwar wegen Abweſenheit 
der Sonnen und Ausduͤnſtung bes Erdbodens; Auf den Hügeln wach⸗ 
ſende Kraͤuter Ir gemaͤßigt; wilde Kräuter Fälter und trockner / 
als die Einheimiſche / verftehe / wann ſie gleicher Art feynd / fofeynd 
auch die Einheimifche gelinder und ſchwaͤcher. Diejenige Bewächfe/ 
die gegen Aufgang der Sonnen wachfen / und zwar an windigten Or⸗ 
ten/ feynd ftärcher dennandere ; So wachſen auch die ſtarck purgiven» 
de Kränter vielmehr aufden Bergen und an fteinigten Orten undKlipe 
pen / wo nemlich der natürliche Gig der Metalliſchen Spirituum ft / 
dann an fetten Dertern; will man ſie aber gelinder machen / und ihe 
nen ihre wilde Natur in etwas benehmen / fo muß man ſie in.die ein» 
ze Gärten ſehen. Insgemein laffen ſich die Pflangen und 
väuter ins. Claffes abtheilen : 
Die erfte ift derjenigen / welche faft Feinen Geſchmack haben / dahero 
es ſcheinet / daß ſie nur aus — befichen/bergleichen fen ab 
) Ladtus 





„06 / Kraͤ eh 
La&tuca und Hauswurtz / diefe geben einen ausgepreften Gafft / wel» 
cher gant; fäfftlich muß infpishvet werden; Gie werden gemeiniglich 
kalt ünd feucht genennet. 
Die andere Clafle ift derfelben / welche einen fäuerlichen Geſchmack / 
der da etwaslieblich zufammen ziehet / und ein fluͤchtiges / liebliches 
tartarifched Salt; und mercurialifched Phlegma haben; dergleichen 
ſeynd nun ale Gefchlecht des Saurampffers / Johannis⸗Beerlein / 
Berberes oder Saurachs ⸗Beerlein; dieſe geben zwar wol ein Waſ⸗ 
fer / aber von ſchlechter Krafft. Im Safft bleibet das Eſſentialiſche 
Tartarifche Saitz / in welchen ihre beſte Wuͤrckung und Krafft gleich⸗ 
ſam concentriret iſt. 
Die dritte haͤlt in ſich diejenigen / ſo da einen bittern Geſchmack haben? 
und in ihren Concreto aus einen Salpetricht artariſchen Saltze beftes 
hen; Solche feynd der Carduus Benedidtus, Erdrauch / Hopffen / die 
meiſten Wundkraͤuter und dergleichen. Dieſe theilen auch durch de- 
Rilhven ein Waſſer mit / vornemlich aber wird aus ihren ausgepreſten 
GSafft das Effentialifhe Salt ausgelodet/ welches / wann es uber feis 
ner eigenen Afcherektificivet wird / zu einen rechten Galpeterdegenc- 
riret / dahero dann die Harn⸗treibende Krafft entfpringt. 
Ei der vierten Claffe ftehen Diefelben / die mit einen rechtſchaffen beife 
nden Geſchmack begabet ſeynd; dergleichen feynd nun alle Arten des 
Bauren-Genffö/ alle Rettige und Zwiebeln / und die / fo wider den 
Scharbock / ald Brunnkreß und dergleichen dienen. Diefe alle geben 
einen flüchtigen Saltz das ein wenig ſcharff ſchwefelicht ift / und aus 
weichen fo wol durch die Fermentation, als den Spiritum Vini , ein 
fcharffer Spiritus heraus gelodet wird. 
Endlich gehören unter der fünften Clafe diejenigen Kräuter / dieei« 
nen durchdringenden fharffen Geruch haben / dabey aber auch einen 
bald füR angenehmen / bald bitterlichen Geſchmack führen ; derglei⸗ 
chen feynd der Majoran / Rofutarin und andere Gewürtz⸗ aͤhnliche: 
deren Krafft in einen flüchtigen öhligten Salt lieget. Gegeben ein 
in etwas geiſtiges Waſſer / deftill.rte Del / und durch Fermentiren 
brennende Spiritus , wann man ſie aber calcinivet / fo erzwingt man 
Salia alcalia fixa Daraus. 
Der befanntefte Scribent, welcher unter denen Alten Hiftoriam Vege- 
tabilium fyftematice vorgeſtellet / iſt —— und nach ihm Gale- 
nus geweſen: Pythagoras ſchreibet die Kräuter-Erfindung dem A- 
pollini, Æſculapio, und alfogänslich den unfterblichen: Göttern zu. 
Orpheus hinterließ ebenfalls viel Nachricht von den Kräutern. Nach 
dieſen lobten Mufzus und Hefiodus den Poley; Homerus 308 fein Mo- 
ki als ein fonderbares "Wunder-Fraut hervor / und eignet defleu Er⸗ 
findung dem Mersuriozu, Gentius der Illyriſche König erfand den 
Entian, 


” — — — — 


Krä 707 


— —— — — —— en nn 
— Tian, die Koͤniginn Artemiſia den Beyfuß. Von den Römern hat 
a FFaugs M. Cato ſich in Beſchreibung der Kräuter hetbor gethun; 
>äefe alle hat übertroffen der König Salomo / welcher / wie indem 
Bud) der Könfge am 4. Cap. von Ihn zu lefen / von 3000. Kraͤutern / 
> Flangen und Baͤumen / und deren argeneylichen Wuͤrckung gefpro- 
Jen. Die Scriptoresunferer Zeit/ deven ſich die Herren Medici und 
. otanieianmeiften bedienen / möchten etwan folgendefeyn: Amati 
_ wfitani Enarrationes in]. 5. Diofcor. Andrex Cxlalpini de Plantis, 
» artholomxi Carrichterri Herbarium, ClaroliClufii (1.) Hiftoria va- 
ã arum plantarum (z)lıbri X, exoticorum, Corollaria in Dodonzum 
allice äferedditum, Cafpari Bauhini?inax Theatri Botanici,, item 
otæ in Matthiolum, Caftoris Durantis Herbarium , derteutfcht Yon 
Dafenbach / Chriftophori Acoftz Hiftoria Aromatum & Medicamen- 
sc orum inOrientali India nafcentium, Eurici Cordi Botanologicum, 
GGarzizabHortoHiftoria Aromatum & Simplicium aligwot medica- 
nentorum, apud indos nafcentium, Bieronymi Tragi Herbarium, 
"Tabernzmentani Hiftoria Plantärum, Joachimi Camerarii, ( 1.) Hor- 
«us, (2.)Epitome Matthioli, (3.)der Zeutiche Matthiolas mit neuen 
Bildern vermehret / Joh. Bapt. Portæ Phytognomica z, Villa, Fra goli 
hiftoriaaromatuın frudtuum &aligvot implicium ex utragve India 
delatorzım, .Gerhardi HiltoriaPlantarum Anglicarum Manardi Epi- 
fto!z medicinales, Fuchhii Hifloria Stirpiam, Matthiol. Comment, in 
Diofcor, Profper, Alpin. de Plantis Egyptiis und andere Auchares 
mehr. | 

Kraͤbs / vide Caneri, 

Kraͤbs⸗Stein oder Augen / Oculi Cancrorum , werden hin unb 
wieder häufig aus den Kraͤbſen geſammlet / fonderlich aber in der 
Mark Brandenburg / mofelbft die Kräbfe in groffer Qyancität zu 
finden. Diejenigen Steine/ welcht die Krabs von (ich felber weg» 
werffen / und noch blaulicht feyn/ Hält man vor beſſer / als die / melde 
man ausnimmt/ wann ſie gekocht ſeyn / weil ſie alsddann ſchon blaß / und 
in den Saltz⸗Waſſer verändert worden / auch viel von ihrer alcaliſchen 
Art verlohren haben: Sie kuͤhlen / trocknen / abſtergiren / zermalmen 
den Stein / und corrig ven inſonderheit die natuͤrliche Saͤure des 
Magens. 

Kraͤbs⸗Blumen / Herba Cancri, Heliotropium Diofecoridis, 

Kreide / Creta, Frantzoͤſtſ. de laCroye, von der Juſul Crera alſo ges 
nennet / weil ſie dafelbft in groſſer Menge gegraben wird/ wiewol mar 
ſie auch in Teutfchland / Franckreich und ſonderlich in Dännemard 

findet/ da es gantze groſſe Berge davon hat / die ſich fehr weit in der 
Get ihres weiſſen Edeintwegn Sa ie Kreyde — 94 
Da. e 


> Kre Kie 


felbft ift gleichfam ein irrdiſches Bleyweiß / indem es viel Tugenden 
an ſich hat die auch dem Bley zugefchrieben werden: ſie trocknet / ad- 
Rringiret/ und macht alle Saurigkeiten lieblich füß. Es wird auch / 
wann man fie mit Spiritu Sulphuris einträndet / und in der Kälte coa- 
guliret/ ein vechter Allaun daraus / dahero der Allaun felbft nichts an- 
ders iſt / ald eine bleyichte Erde / fo mit dem Spiritu Sulphuris zu eie 
nen Allaun⸗-Weſen verwandelt werden. | 
Zreffe/ Nafturtium hortenfe vulgarum, ndianifche Kreffe / Na- 
Aurtium Indicum, Winter-Krefft/ Eruca lutea latifolia five Barba · 
rca,vide Naflurtium, 
KRetretzbeer / Aubi vulgares, 
Rreuſelbeer / Uvacrilpa, uva groflularis, 
Kreutzwurtz / Senecio, Erigerum, 
Briechend Arähenfuß/ Coronopusrepeng, 
— WMarum / Marumrepens. 
— kleine Aundsmildy/ Chamzfyce, 
— KRreutzblum / Polygala repens. 
Kroͤtenflachs / Linaria, Ofyris, 
— kraut / Botriis. 
— Sras / Grainen bufonarium, | 
— Stein / Batrachites und Brontia, odet Lapis Rufoninus, Bes 
rax ombria, auch Garatronium genannt / fommt einiger Meynung 
nach von alten Kröten/ welche wann ſie auf rohten Scharlach gefeget 
werden / ſolchen Stein ausfpeyen follen ; die heutige Naturfündiger 
aber behaupten/ daß le aus der Erden/ mie audere Befteine wachen; 
Noch audere bermeynen / ed feyn die Baden-Zähne von den Ger 
Wolff oder Lupo marine. Man findet aber der Kroͤten⸗Steine 
zweyerley Arten/ eine gan unddie andere Oval-rund / beyde fennd 
gelbbraun/ wie Haar: Farb/ eben etwas erhoben und glatt. a 
Qralität fol feyn / dap ſie ſchwitzen und gleihfam weinen, wann ihnen 
Gifft zu nah kommt. Boctius ſchreibet / daß diefer Stein zu weilen 
in der Groͤſſe eines Eyes gefunden werde / und bisweilen bräunlich/ 
biömeilen roͤhtlich / gelblich oder gruͤnlich fey: jedoch hältınan diejenie | 
ge/ welche nuretwan eines Zinger-Nagelö groß ſeynd / vor die beften 
und aufrihtigen. di 
Kuͤchenſchelle / Pulfatilla Anemone fylveft,Herba venti , ift faſt 
eines Schuhes langaufgeriffen/ wie die Eberwurgel / an Geſchmack 
ſuͤßlich und von einer gelinden Schärfle ; ihreKrafft komt mit denen 
Hahnenfüſſen und Ranuncnlis überein/ inden le higet und brennet/ 
und fo gleich Blafen aufziehet. Vide Pulſatilla. 


Ruͤchern / rohte und weiffe/ Cicerum Rubkrorum & alborum fe- 
, men, 


Kuͤh Kun og 
men, werden hin und wieder ſehr biel / fonderlid um Bamberg gezo · 
ſeynd die rohten am meiſten im Gebrauch; Sie muͤſſen ſchoͤn 
qh / hart und hellroht ſeyn / die weiſſen aber ein wenig ruͤnlich aus⸗ 
ſehen; und weil die Würmer gern darinn würden / muͤſſen (fe in tro⸗ 
denen Stubengehalten werden. Fa 
horn Foanugracum, ' 
Braͤndlein / Telticulus Leucanthemis, 


— Blumaen / Taraxacon, 
— Dill / Cotula non fetida, Bupkthalmus, 


— — — 


Schroten / Geniſta. 
Wurtz / Mercurialis. 

— Waitzen / Triticum Vaccinum, Zizanium, 

Kuñͤmmel / Cuminumf. Cyminum, iſt ein ſehr bekannier und auf 
die Speiſe hoͤchſt nuͤtzlichher Saamen ; Er waͤchſt hin und wieder / vor⸗ 
aus aber ſehr haͤuffigin Italien / und ſollen in Malta der Sorten zwey⸗ 
erley gefunden werden / und deren einer als Zimmet / der andere aber 
wie Aniß fo net / von welcher Gattung hie heraus nichts herlanget 
wird. Der beſte Romaniſche Kuͤmmel ift grob / hart ſtarck und faſt 
ſtinckend von Geruch / und nicht mit Sand oder Staub bermiſcht. Sc- 
men Carvi oder Feldkummel / welcher fehr bekannt iſt / wird vieler 
Orten gefunden/ und jaͤhrlich von Ober « Teutfchlond viel taufend 
Die * den See⸗Staͤdten berſandt; auch ſonſt viel Del daraus 

uuret. 


RKRuͤmmerling / Cucumis ſativus. 

BöämmerlingPraue/ Anethum. 

Kuͤniglein / Coniculus. 

KAlınigunds»Fraut/ Eupatorium Avicennæ. 

Kuͤnlein / Serpyllum. 

Kunſt⸗Haͤndler und Kunſt · Waaren / Lateiniſch Artificialia, vb 
mol den Rahmen der Kunſt⸗Haͤndler ſich heutiges Tages allein dieſe⸗ 
nige vindiciren wollen / welche allerhand künſtliche Kupfferftücke und 
dergleichen Sachen Ei fauffhaben ; dahingegen diejenige / welche an⸗ 
dere rare Runftftüde führen/mit dem Titul der Nürnberger oder Ga- 
lanterie Erämer beleget werden / fo möchte doc) eigentlich der Rah 
me Kuufthandler denen zukommen / die gang ungemeine und zwar fols 
he Waaren führen / welche nur an Liebhabers den Stüd und Geſicht 
nach verkauft werden: dergleichen ſeynd alle Optifche Glaͤſer und 
Mathematifche Inftrumenta , ſchoͤne Kapfferſtuͤcke und vare Schilder 
reyen / allerhand Runfl-Ramımer-Sachen/ ald da ſeynd Antiqvitäten 
von alten Waffen / Kleider und Sachen / welche ehemahls den Heyd⸗ 

uiſchen Gottes⸗Dieuſt betroffen / Antiqve Medaillen , geſchnittene 
Ä 99 3 Edel⸗ 





710 Kun | 

Edelgeſteine / Raritäten von allechand Thieren / fonderbahre Vege- 
tabilia, Mufcheln und Schneden/ Mineralia , item Bildhauer-Sa- 
chen Uhrwerde und Kunſt⸗Sachen der Handmerder / Inftrumenta 


gur Phyfica experimentati Chymifch@ Curieußtäten/rare Stüdeaus | 
Dem eich der Natur / und endlich allerhand andere Fünftliche Galan- 


terien mehr/ die forwol von Manns⸗als Frauen: Perfonen verfertiget 


worden / ob folche wol mehrmahls zugröffern Zierraht ald Nutzen ger 


reichen. Indeſſen bleibet doc gewiß / daß ein folcher Kunſt⸗Kram 
feinen Herrn reichlich naͤhre / fonderlic warn man (was daran zu thun 
ſey) felber wohl verſtehet / und die 8 nder / Städte und Perfonen/ in 
und bey welchen ſolche Kunſtſtuͤcke abgaͤnglich und anzubringen ſeynd / 
mohl in Erfahrung gebracht. Damit nun aber aud) unfern Kunſt⸗ 
Sandler darinn mit guter Nachweiſung und Unterricht möge an die 
Hand gegangen werden/ fo wollen wir hier kuͤrtzlich erzehlen Die vor⸗ 
nehnften Kunft-Rammern / welche heutiges Tags in Europa zu fin» 
den / unter ſolchen hält nun billig den erften Plag die Käyferlice Res 
ſidentz⸗ Stadt 
Wien in Oeſterreich / allwo man eine ſolche Schatz⸗ und Raritaͤten⸗ 
Kammer antrifft / die in der Welt gar wenig ihres — hat / alſo 
daß man ein groſſes Buch zu ihrer boͤlligen Beſchreibung noͤhtig haͤtte⸗ 
mit denen uns ſowol der beruͤhmte Lambeceius in Beſchreibung der 
Kaͤyſerlichen Bibliochec,,, als auch Sandrat in der Mahler⸗Academie 
an die Hand gegangen. Das meiſte in dieſer Kaͤyſerlichen Kunſt⸗ 
kammer beſtehet in Pretiofis, hielen Antigvitäten/ ausländıfcher Voͤl⸗ 
der Raritaͤten / einheimiſchen Memorabilibus, und Dielen raren Wun⸗ 
dern der Natur Nechſt der Wieneriſchen iſt die Kunſtkammer iu 
Dreßden aller Orten berubnst/ und machet ſamt den Stall ein bolls 
\ftandiges Raritaͤten⸗Haus; fonderlich (ind darinn an raren Inſtru⸗ 
menten oder Werdzeugen zu allerley Künften / vielen Naturalien, 
Ertz-Gtuffen / Mathematifhen Inftrumenten ein groſſer Vorraht 
vorhanden. Unter dieſen letztern iſt ein ungemeiner groſſer Metalle⸗ 
ner Brenn:Spiegel/ desgleichen ſonſt in der Welt nicht zu finden / und 
dem der ſo ſehr beruſſene Pariſiſche nicht das Waſſer reichen fan. Die⸗ 
fer Spiegel iſt bon den Welt⸗bekannten Herrn bon Tſchirnhauſen 
berfertiget/ und auf die Kunſtlammer verehret worden. 
Berlin zeiget ebenfall$ einen ungemeinen Vorraht allerhand Köf- 
lichkeiten und Raritäten / Inder dafelbft angelegren Königl. Kunſt⸗ 
kammer / fonderlich auserleſene Stüc von Naturalibus, viel künſtlich 
geſchnittenes in Elffenbein und Bernftein. | 
Woiffenbürtel hat eine Eleine aber zimlich wohlangesrdnete Naritäs 
ten- Kammer / darinnen eine Berfammlung von allerhand Arten Nas 
ritäten und Antigvitäten anzutreffen. Ä | 


Got⸗ 


a —— — — — — —— 
Run IR 
Gorrorff die Refidengder Hertzogen in Holſtein / Fan ſowol bon An- 
tiqvitdten/ Memorabilibus, Kunſt⸗Sachen und raren Dingen / aus 
dem Reich der NRatureinen vortrefflichen Seledtum aufweifen. Man 
fiehet daſelbſt gar curieufe Arten bon Zegeäbnli-Lampen und Urnen, 
eine ſchoͤne Mumia, hiel Naturaliaund ausländifchen Thieren / item 
2, herrliche groffe Spharen, eine von des berühmten Weigelii Conſtru · 
&tion, welche von Waſſerwerck getrieben wird; die andere / welche 
das Syftema Copernicanum gar herrlich vorſtellet. 
Parisift foreih an Raritäten-3immern / aldwol Fein Ort in der 
Welt: allein zweyerley iſt daran zu delideriven / erſtlich / daß faſt 
durchgehends die meiſte Curieufität ſich qur in Muͤntzen / alten kleinen 
Bildern odersigilli⸗ Gemaͤhlten und Kupfferſtuͤcken hervor thut / wenig 
Cabinet aber anzutreffen ſeynd / die etwas Univerſaleres und gleichſam 
ein Syſtema von Raritäten hätten. Der Koͤnig ſelbſt hat fo viel der» 
gleichengefammlet/ daß wann ſie aufeinen Ort zuſammen waͤren / kein 
Potentat in der Welt ſeyn wuͤrde / der einen ſolchen Vorraht ſolte auf⸗ 
weiſen koͤnnen. So iſt auch feine Medaillen Gabinct dag herrlichſte 
von der Welt. Ruriftzubeklagen/ daß man zu Beſichtigung deſſel · 
ben fo gar ſchwer gelangen fan. 
Turin hat auch eine fehrherrliche Gallerie-oder Raritaͤten · Kammer 
bei) dem Hertzoglichen Schloſſe / weit und Welt⸗berũhmter aber iſt die 
Gallerie des Groß⸗ Hertzogs bon Florentz / in welchen nicht allein Die 
Koftbarkeit der Raritäten / fondern auch aneinigen deffelben das Als 
terthum und die Zunft zu admiriven iſt. Ä 
Rom hatmehrals eine Raritäten Kammer / welche die hänffig da» 
ſelbſt refidivende Eardindle/Fürften und Pralaten / nach) der guten 
un und dem bielen Geld / welches fie darzu in Händen haben / 
angerichtet. i 1 | 
Copenhagenhat dad Koͤnigl. Mufzum, deffen ausführliche Beſchrei⸗ 
bung durch öffentlichen Drud von Oliger Jacobzo mitgetheilet wor⸗ 
den. Das Bornehmfte iſt der rare Vorraht an Müngen / bey wel⸗ 
hen unter andern die Dänifche Medaillen überaus curieus zufamınen 
gebracht / undnirgend anders alſo beyſammen zu finden feynd. Fer⸗ 
ner find da viel Antigvitäten zu finden / als unter andern dad Olden⸗ 
burgifche Horn / etliche bortrefliche Anticke, Köpffe / ein fleinernen 
Monument aus dem untersivrdifchen Rom / etliche güldene Urnen,, 
viel einheimifche Dänifche / fonderlich aber Grönländifche und fe 
fändifche Antigvitäten. | 
Venedig hat auch eine fonderbahre Karitäten-Rammer / in welch en 
viel Sieges · Zeichen und Memorabilia , fe den Türcken abgenemmten 
morden/ item bon Attila, Scanderbeg und vielen andern groflen Her⸗ 
sen und Helden zu finden. Bornehmlich if ſehenswürdig in de m 
> Dy A Schat 





712 Kun 
€ dag ber Corno, womit — wird / ein groſſes mit 
Edelſteinen beſetztes Creutz / ſehr viel Eoftbare Gefaͤſſe / ein Türckis 
von ungemeiner Groͤſſe. Daneben werden auch die Religvien gezei⸗ 
vet / bon denen gar biel Weſens gemachet wird. Es iſt daneben nicht zu⸗ 
bergeſſen der Bilder / in Adam / Eva und einen Loͤwen beſte hend / welche 
Albrecht Dürer mit einem Federmeſſer in dem Gefängnip geſchuitzet / 
und dadurch feine Freyheit erhalten hat; item der fchönen Bildniffen 
Hieronymi$on Mofaifcher Arbeit. . 
München hatte bor dieſem die weit-berühmte Churfürſtl. Kunſt⸗ 
kammer / welche in vielen groffen und curieufen Zinmern/ mit aller» 
band perſpectiviſcher Mahlerey / vaven-Antiqvitäten/ koſtbaren Meu- 
blen und andern Pretioſis angefuͤllet / beftanden. 
Auffer diefen Kunſt⸗ und Raritäten-Ranımern groffer Potentaten / ha⸗ 
ben ſich unterſchledliche reiche und gelehrte Leute auch auf die Samm⸗ 
lung dergleichen Kunſt · und Ratuv-Geltenheiten geleget / und mehr⸗ 
mahls fo einen Vorraht darinnen zuſammen gebracht / daß ihre Cabi-— 
net einige bon oberzehlten Runftfammern nicht viel weichen duͤrffen; 
Je doch iſt auch immer eines vor den andern in fonderbahren Wehrt: 
Alſo beſitzet Hr. Ebeer / ein bornehmer Parricius in Nuͤrnberg / ein 
überaus rares Antigvitäten/ MWüng-und Kupfferftüd-Cabinet. Das 
Viatifheift weit und breif berühmt / und hat das Zeugniß / daß an 
Kleidern/ Gewehren und allerley Memorabilien, ausländifcher Na- 
tionen, wenig demfelben gleich Eommten. Aufler diefen iind noch die 
Beßleriſchen / Dillherriſchen und Hilleringiſchen Cabinerte.be= 
ruͤhmt. Augſpurg hatD, Velfchens, Um das Winckelmanniſche 
and Furtenbachiſche aufzumeifen/ da infonderheit in dieſem lehtern 
ſonderliche KRuufl-Sachen an curieufen Modellen , von allerhand 
Fünftlihen Machinen und Gebäuden zufinden. Leipzig pranget 
mit dem Aörengifchen und des berühmten Medici Rivini Cabiner- 
ten. mn Wittenberg ift das Nicolaifehe/ welches fhöne Dinge de 
Regno animalium borftellet. In Hamburg hat Ar. Schott / 
weyland wohlderdienter Rahtsherr dafelbft / einen ſchoͤnen Apparat 
‚bon curieufen Sachen / und unter foldhen das foftbahre Modell des 
Galomonifchen Tempels hinterlaffen. Es befset auch Hr. Petrus 
Ambrofius Lehmann dafelbft ein wohl-eingerichtes Mufchel-Cabi- 
net. Engeland iftin feiner Haupt-Stadt Londen und der Uni- 
verfität Oxtort, mit vielen curieufen particulier Muſæis angefüllet; 
In Paris hat der berühmte Bildhauer Girardon, der kuͤnſtliche Mah⸗ 
ler le Brun, jener einen Schat; von allerhand Raritäten / diefer aber 
bon trefflichen Schildereyen borzuzeigen. Unter denen Antigvitd» 
ten excellivet des befannten Baudelor d’ Airval fein gefammleterBor« 
raht. Des An, de Vaillant fein gefanmmleted Wüng-Cabiner . 
| nicht 


| Kun 713 
wicht vorbey angeben; fonderlich kommt aud) in Confideration des 
Königl. Juwelirers Montareii, item Das Cabiner in der Abtey de St, 
Genevieve du Mont, welche beyde einen feftbaven Borraht von raren 
Gemaͤhlden / Metallenen Sigillis, fchonen Edelgefteinen / varen Por- 
celain, Eryftallinen-Gefäffen/ vielen Naruralien, Statuen , Kleidern 
und Waffen’ und curieufen Talxmannen haben. Go findet man 
auch daſelbſt der alten Romer Maaß und Gewicht gar accurar zuſam⸗ 
men gebracht. Des Hn. Boucors wohl-fortirtes Cabinet meifet eis 
nen vortreflichen Apparatum von Kupfferſtuͤcken Mufche In und Opti- 
fe Sachen. “uLyon feynd des Sn Serviel,item des Sin. de Lier- 
gues, in Baſel aber die Platnerifihe/ Ammerbachifche und Faͤſchi⸗ 
fehe Cabineten beruͤhmt / fonderlich feiter dem / dap zu dem Ammer⸗ 
ſpachiſchen des Erafmi Roterodami Raritäten gekommen / und here 
nach das gantze Cabiner der Univerhitätzutheil worden. In May⸗ 
kand wird die weitberühmte Gallerie des weitberuhmten Mantredi 
Settalaconferviret/ und den Fremden willig gezeiget. In Pifa hat 
mannebenft einen curieufen Horro-Medico, auch eine fihöne Natura⸗ 

Jien-Ranımer zu fehen / in welcher bor andern merckwuͤrdig ein Co⸗ 
rallen Zinck / der aus einem Todten⸗Kopff gewachſen. Bononien zei⸗ 
get des berühmten Aldovrandi feine Kunſtkammer / ſo meiſt in Natu- 
ralien und des Marehefe Coſpi, fo in Antigvitäten beftehet. Ein ges 
wiffer Bangvirer, Rahmens Lotier, hat ein vortrefih Müng-Cabiner, 
in welchen zwey eherne Ortones vorkommen, die alle Kennzeichen has 
ben folen/ dag ſie echt Antiq ſeyn. Des Pater Kircheri fein berühm⸗ 
tes Cabinet iſt jegt auf Denn Collegio Romann, wiewol fehr diftrahiret 
— In Brehmen palſiret die Maͤyerſche Kunſtkammer. 

n Amſterdam des berühmten Anatomici Hr. Ruyſchens. In 
Leiden die Anatomie-Kammer. In Neapolis des Francefco Pi- 
chetti Antlqvitaͤten·⸗cabinet. Vor allen aber in Italien hafanta 
Cafa di Lorerto , wegen ihreö überaus groffen dafelbft befindlichen _ 
Schatzes vor fehensiwurdig. Wer ein mehrers von Raritäten und 
Kunſtkammern zu wilfen verlanget / der beſehe den dritten Theil des 
Happeliicurieufer Relationen p. 117. item die dem geöffneten Ritter» 
Platz einverleibte Raritäten und Naturalien- Kanımer. . ’ 


Runſt⸗Woͤrter / Termini Artis, Termini Technici, gehen unſern 
mit Waaren handlenden Kauffmann in fo weit an / daß er bey den 
Handwercks⸗Leuten kommende / nicht als ein Unerfahrner (in Sachen 
die in die Hand⸗Arbeit / und etwann gar indie Verfertigung derje⸗ 
tigen Manufasturen/ mit welchen er handelt / hinein laufſen /) möge 
angefehen werden/ zu welchen Ende indiefen gangen Werck / bey Ber 
ſchrelbung fo dteler Waaren und ne vornemlich er * 

y 5* * 





14 Kın 


Au AIHSREENE SER SALE ERRANG 1.3 rie MEERE EUER EN 
fehen worden / wie nicht allein ‚eine kurtze Beſchreibung ihrer Libre 
fprung®=Materia und unterfchiedenen Serten / fondern and der Art 
und Weiß / wie folde in fernern bearbeiten/tratiret/ und mit was vor 
Terminisihre nrühfelig daben angewandte Handgriff beleget werden/ 
möchte vor Augen zu ftellen ſeyn / allein hier Ander ſich gleid) die 
Hagende Redens⸗Art / wer teutfchet und das Teutſche / oder wer 
hilfft und vielmehr aus den unvollkommenen Beſitz / in welchen jede Na- 
tion unter der Sonnen/in ihrer Sprache ftehet/ indem wann gleid) die 
Sprach an ich felbft nicht arnı von Wörtern / dannoch fo DielerProfes- 
fronen und Handwercker ihre Kunfl-Termini, oder nur die Benennung 
ihrer Inſtrumenten /demjenigen der nor in Bürgerlichen und Haus⸗ 
halterifchen Reden erzogen worden / wenig oder nichts befandt feyn/ 
weil allein von der Schloͤſſer ihren Werckzeug in des HerrnbonFeli- 
bien Frantzoͤſiſche Dietionario über 100. Arten bon Inſtrumenten 
aaßıbafitin geriaht werden / welche ein Frantzoß oder Teutſcher / die 
keine Schlöffer feynd/ jeder in ſeiner Sprach nicht folten zu nennen wife 
fen / zugefchweigen dad die Profeshions-Termini als das Eifen« 
ſchweiſſen / ſtrecken / haͤrten / pletten / abziehen, die unterfchiedliche 
Sorten des Eiſens und Stahls / und fo auch die Termini anderes 
Profesfionen/Künfte vnd Handwercker ihnen lauter Boͤhmiſche Dörfe 
fer / und ja ſo ungewoͤhnlich ſeyn / als denen die des Jagens nicht erfah⸗ 
ren / und an ſtatt daß fie nach den Jaͤger ⸗Terminie ſagen ſollten / (der 
irſch gehet / nimmt die Weyde an / zeucht ind Gras / geht in feinen 
tand / zeucht oder geht bon Feld gen Holtz / ſitzt / iſt jagtbar / wird 
geſpuͤrt / durch Leit⸗ Hund auffgeſucht / gefunden und berät et oder 
 eingeftellt/ item der Hirſch vevfäht/ wird gejagt / iſt über deu deug ge⸗ 
fallen / (das tft uber die Tücher oder a A )inden Wey⸗ 
hen gefallen/ wird gebürfcht/ zu Holtz geſchoſſen / (id eſt wann er nicht 
gleich fällt fondern Holtz eingebet ) ſchweiſſet / (fo von Bluten gefagt 
wird) oder gibt Foͤrthe / Gemerck / wird ausgemürdet/ (das ift zer⸗ 
feget oder zerhauen) ſolches alles nad) der Art welche fte in ihren 
Haus⸗Weſen /und unter Bürgerlichen Handlungen angenommen/ 

ausfprechen und benennen wolten. 
Ob nun zwar wohl unterfchiedliche Männer und Authores ſich fon« 
derlich bemuͤhet / folche Didtionaria and Licht zu ſtellen / welche alle 
Technifhe Terminosdefiniven / und zu erkennen geben möchten /fo iſt 
dieſes doch alles umfonft/ wannnicht zugleich mit groſſen Koften die 
Kupffer-Platen dabey geftochen werden / welche dasjenige was benen⸗ 
net wird ſichtbarlich vor Augen ſtellen / wie alſo Herr Felibien in ſei⸗ 
nen Buch von der Architedlure, Bildhauer und Mahleren / und der 
berühmte Rupfier-Gtecher Weigelius in feiner Befchreibung aller« 
hand Haudwercker gethan/ weil aber auch diefe Wercke / ob fte wohl 
biel 


Kup 715 


Biel gefagt / doch nicht alles haben vorstellen Fönnen / ald wird ind» | 
kũnfftig ein dergleichen Diätionarium leichter zu wünfchen als zu hof- 
fen/ und wann es Seen heraus kommen follte /mehr zurCuriofität/ 
alsfonderbahren Rugen feyn / weilobbemeldte Buͤcher / und and) die⸗ 
fesunfer neneröffnetes Kauffmanns⸗Magazyn, ſchon fo Viel inManu- 
tadturen/ Kaufmännifchen und Handwerckiſchen Terminis vorftellet/ 
als man darinnen um in ſolchen Profeshionibus , auch in diefen Stüch 
wohl fortzukommen / vonnoͤthen hat. 


Kupffer und Kupffer⸗Geſchirr / dad Kupffer iſt unter den ge⸗ 
ringen Metallen / eines der fuͤrnehmſten und beſtehet aus einem 
Purpurfarben Schmwefel/ etwas Vitriol und Mercurio / don dem 
Purpurfarben Schwefel zeuget deflen Purpurrothe Farb/ bon ders 
Vitriol deffen Blumen/ oder der fo genannte Grünfpen/ und daß es 
ob ſchon etwas weniger alddas Zinn und Bley / fluͤßig ift / hat es 
feinem zimlich figirten Mercurio zudanden / daher estich auch fehr 
gerne mit dem Bold und Silber vereiniget/ und glei dem Gilber 
eine fhöne blaue Tinctur von ſich giebt / ja mie einige wollen/fol das 
Kupffer / wann ihm fein Purpurfarbes Kleid mit Vortheil ausgezo⸗ 
gen worden / ſelbſt zum Silber/ und wann es mit denn Gallmey ber⸗ 
mifchet wird / die ſchoͤne Farbe des Goldes annehmen / und zu einem 
Mepingmwerden: Zu gern daß das Kupffer auch von Ratur/ 
faft insgemein etwas Silber mit und ben ſich führet / fonft führet auch 
dus Kupfer den Rahmen des Ertzes / daher auch-die daraus vperfer⸗ 
tigte Stuͤcke Ehrne genennet werden / als eherne Gefaͤſſe / therun Muͤn⸗ 
tzen / eherne Waffen / und dergleichen. Das weiſſe Kupffer iſt ein uns 
zeitiges Silber / und fehlet * nichts mehr als die gebührende Fixt- 
tãt / das Arfenicum ift der Anfang der hellen Metallen / gleichwie der 
Schwefel der rothen dannenheromanaud durch Vermittlung des 
Arfenici das Kupffer weiß machen fan. Ehliche Fochen Eifen mit ei⸗ 
nigen Zufägenın Bleyern Kefieln / und wollens dadurd zu Kupffer 
exaltiven/ welches einiger maſſen angehet / mo man ein reiches Kupfs 
I Sr ober Vitriol hat / unddas Eifen oder den Stahl darinnen ko⸗ 

en fan. 

Heut zu Tag mird das Kupfer welches in Uugarn um Neufol gegra⸗ 
benmworden neben denn Schwediſchen / vor dasbefte gehalten / man 
findet auch in Böhmemanunterfchtedlichen Orten / wie auch auf dem 
Hartz und Saͤchſiſchen Bergwerdenviel Kupfer / und ſind ſonderlich 
das Cellerfelder / Illmenauiſche / Geyeriſche / Schneebergifche/ 
Saalfeldiſche / und Mansfeldifche bekandt / welche doch bey weiten 
nicht ſo reichlich als die Schwediſche Bergwercke austragen / als Von 
welchen Jaͤhrlich groſſe Qantitaͤten nach Holland und le ie 
i | Ste 





716 Rau 


Ger -Städten über geſchiffet / und in unterfchtedliche Arten abgethei⸗ 
lettwerden/ als neu Bergfchlag / das ift Kupfer ausden neuen Berg- 
werck / welches Kupffer etwas fchlechter im Preiß als das alte ift / weil 
- ed auch härter und ſchwerer ald das alte zu verarbeiten. 


Kauffmanns-Aupffer/ welches dasjenige genennet wird / dabon 

der Zoll annoch muß erleget werden/ Kupffer-Zettel wird dasjenige 

enennet/ welchedaus den Fahlumer und Wefterrafifchen Rupffer- 

erck gefchichet wird / und von welchen ehe ed nach Stockholm ges 

kommen / allbereit der Zoll vor den König einbehalten worden. Platt» 
Kupffer braucht man die Kirchen und Käufer damit zu bededen. 
Vor diefen waren die Schwediſchen Kupffer-Platen das gangbarfte 
Geld in Schweden/deren eine fo s. Pfund Kupfer gewogeu / dor ei⸗ 
nen Keichsihaler oder s. Thaler Kupffer Mung weg gegeben worden 
man hatte auch is. Thaler/ item 30. Xhaler auch halb und ein biertel 
Platen / welche aber jegiger Zeit wenig oder gar nicht mehr zu finden/ 

iheils weil das daran befindliche Kupffer mehr werth war/ ald es im 
Preiß angenommen / und dannenhero ſolche Platen häufig aus dem 
Land geführet worden/ theild auch weil man nad) der Zeit viel Gilber 
Geld gemunget. , | 
Was das Kupffer warn es aus Schweden ansgeführet werde / vor 
Zoll gebe/ davon beiiche unfern Schwediſchen Kauffmann / in den Capi⸗ 
tel vom Zolls Weſen des Koͤnigreich Schwedens. 
Die eus den Kupffer befandtefte Manufadturen / feynd erſtlich aller⸗ 
hand Geſchůtz / groffe Bransund Brandtweins⸗Keſſel / Platen um Kir⸗ 
chen und Haͤnſer damit zu bedecken / Keſſel / item auch vor die Kupffer⸗ 
Stecher / um darein ihre ünftlihe Figuren vermittelſt des Grab⸗Sti⸗ 
chels zu ſtechen / allechand Küchen und Haus⸗Geraͤthe / und was et⸗ 
wann dergleichen Gefaͤſſe mehr ſeyn / welche aus den täglichen Ge⸗ 
brauch zur Genüge befandt. 
Wie aus dem Aupffer Meßing gemacht werbe / iſt unter den 
Wort Meßing zu erſehen / wobey diefed Ortönur noch anzu ner» 
den / daß das Ungariſche Kupffer / ſich mit dem Pollniſchen Gallmey / 
gan nicht verbinden will / daß Meßing koͤnte daraus gemachet wer⸗ 
den / hingegen nimmt es gern den Engliſchen an / gleichwie im Ges 
gentheil der Pollniſche Gallmey ſich zu den Schwediſchen Kupffer beſ⸗ 
fer ſchicket / und demſelben einen Zuwachs von ehliche pro Centum an 


I Gewicht bringet. 


Das Ungariſche Aupffer an ſich felbft iſt feiner ald dad Schwedt» 
fhe/wird auch vonden Müung-Meiftern theurer ald dad Schwediſche 
bezahlt / hingegen verarbeiten die Kupfferſchmied Heber das Schwe⸗ 
dilche als das ngariſche. 

Unter⸗ 


— — = — — 


— 0 ſ— = — — 


| Kup 77 
Unter allen nſtlern welche das Kupffer wohl zu Rutzen wiſſen / ſeynd 


es gewißlich die Venetianer, als welche gar Gold daraus præcipiti- 
ren / woraus hernachmahls ihresekini gemuͤntzet werden / und darum 
eben fo zaͤh und hart / und noch faſt Kupffer⸗reich ſeynd / wie man dann 
folches in der Solution am beften befindet. 

Die Reinigung des Kupffers gefchiehet / wann man ed 7.8. ober9. 
Stunden in deftillirten Eyig mit Vitriol-Waſſer leget / oder das 
Kupffer zu Blechen oder zu Stüden/die man in einen Ziegel: legen 
£an/fchläget/hierauf von einen groben Pulver von :. Theil Bimoſtein / 
und ein Theil Glas⸗Saltz 8. S. S. in einen ſtarcken Ziegel machet / 
und zwar. alfo daß mit dem Pulver der Anfang und das End fey 
ſtellet es hier auf in ein fehr Hefftig Schmeltz ⸗ Feur / ſo gehet das Kuyffer 
auf den Boden des Tiegels / nachdem es geſchmoltzen / der Bimsſtein 
aber ſtehet daruͤber / und ziehet ein Theil des irrdiſchen und unre:nen 
Schwefels an ſich / dieſe Arbeit fan 2. oder 3. mahl wie derholet wer den / 
un deſto mehr das Kupffer zu reinigen / und bequemer zu den Chymi⸗ 
(chen Arbeiten zumachen. 

Das Reverberiren des Aupffers gefchiehet auf gemeine Art / wann 
man nemlich deffen Keil. Spane -brenntt. Man reverberirt auch 
wohl Kupffer⸗Blechlein In Haffners Ofen / in gebrannt Kupffer / wel⸗ 
ches man leicht in einen Kalch zerreiben Fan / es fan aud) das Kupf⸗ 
fer zu einen Croco caleiniret' werden / gleiäwie der Gtahl war 
man es gefeylet/auffinen Dach ⸗Ziegel (der einen Rand hat) leget 
und 7. oder 3. Tag impRererberir- Feur hält/ item calciniret man 
ed auch mit Schweffel. Was fonften noch ferner mit den Kupffer / wegen 
der Calcination, Deftillation, Extra&tion; Salification, Sublimation 
and Mersurification Hör Arbeit fönne vorgenommen werden/ ſolches 
ift bey dem Schrödero in feiner vouftandigen Apotheck lib. 3. cap, ız, 
der Länge nach zu erfehen. | 

Kupffer-Roft / wird gemacht / wann man kalt Waſſer auffges 
ſchlagen Kupfer gieft / warn ed glücnd aus den Ofen fommt/ da 
dann der Rauch Fleine fubtile Koͤrnlein erwedet / welche in eine 
fleine Eiſerne eur» Schauffel abgefchütet / und alfo verwahret 
werden. 

Kupffer-Schlag/ ift dad welches von den Metall abfällt/warn ed 
gehammert und — wird / wie hingegen dad was bon den Eiſen 
obfaut Hammerſchlag genennet wird / wiewohl das Griechiſche Wort 
Stommomaeigetitlid) Stahl bedeutet. | 

Kupffer-Stäce/ Frantzoͤſiſch Tailles douces, diefe beftehen bor⸗ 
nemlich in geftochnen und radirten Kupffern / und in Kupffern von 
der fo genannten ſchwartzen Arbeit/und kommet in diefen Kandel vor» 

nem⸗ 


DO en RED N 
‚nemlich zubetrachten bor / was wir allbereit bon denen Gemählden 
‚angemerdet haben / nemlich das ein Käufer vor den andern feinen 
‚Stand oder Inclination nad zu diefen oder jenen Kupffer-Stüc 
‚greifle/ und auch der Preiß nachdem folche Kupffer von guten Mei⸗ 
* verfertigt worden / geſetzt werde / es beſtehet aber der Unter⸗ 
ſcheid zwiſchen den Stechen und Kadiren darinn / daß jenes nemlich 
das Stechen durch einen wohlgeſchliffenen Stahl oder Grab⸗Stichel 
verrichtet im Radıremaber durch den auf das Kupfler gelegten 
Grund mit einer Radel geriſſen / und hernach mit Scheid⸗oder aber 
‚einen andern guten Etze Waſſer eingenetzet wird. 
Die dritte Art iſt die ſchwartze Arbeit / welche denen obigen zweyen 
gang ungleich / wie es dann auch noch nicht biertzig Jahre ſeynd / baß 
tteein durchlãuchtiger Pring / der aus einen hohen Thur⸗Haus ent: 
ſproſſen erfunden / am erſten aber hat:W, Vallianr mit Verwunde⸗ 
rung vieler Liebhaber durch fehr artig herbor gegebene Stücke dar- 
gethan / wie nuglich und aunehmlich dirfeneu-erfundene Art ſey / fo 
daß unterfhiebliche Kuͤnſtler folche mit befonderm Ruhm / fonderlich 
in Engeland und Amſterdam nachzuahmen und fortzuführen fich bes 
fliſſen / auch eine Zeit her die allerichöncfte und munderwürdigfteCon- 
zreiairs hervor gebracht. Zu obermeldten zweyen erſten Arten/ 
muß das Kupffer blanck / glatt und rein geſchliffen / und poliret fenn/ 
and wird der Schatten mit. dem GrabStichel darein geſchnitten / 
mas aber weiß feynfol / hellundbland gelaffen. In der ſchwarhen 
Arbeit aber wird das pollivte Kupffer / ehe der Künftler fein Werck 
barein machet / gantz übergearbeitet / und mit gewiſſen ſcharffen Ei⸗ 
fen gleichſam uber und über fehr Muͤheſam durchackert / ſo daß wann 
ed abgedruckt werden ſollte / alles gauh ſchwarh fallen würde: Nach 
dieſem pfleget erſt der Kuͤnſtler feine kuͤnſtliche Hand anzulegen/ 
in das ſchwartze Kupffer das Licht zubringen / und die Erhöhungen 
auszudrucken / ganp auf unigekehrte Art indeme im Stechen undRa- 
diren auf das helle Kupffer der Schatten gebracht und eiugeaͤtzet wirde 
Daher im Anfang viele in der falſchen Meynung geſtanden / als 
ob die hervor gebrachte Kunſt-Stuͤcke ebenfalls wie andere geſtochen / 
und etwann durch zarten Flor auf gewiſſe Weife abgedrucket 
worden. | 
Die Rupffer⸗Stuͤcke accurat abzuzeichnen nimmt man feines Pul⸗ 
ber von Kohlſchwartz gebrandten Brodt / thut es in ein Saͤcklein / das 
Kupffer-Stüd aber welches man will abdrucken / muß man hinden mit 
einen feuchten Schwamm ein wenig anfeuchten / auf der rechten Sei⸗ 
ten da die Figus iſt / reibet man obbeſagtes Brodt Pulver an/ will 
man aber auf ein leeres Papier abdrucken / ſo lege man ſolches vorher 
in einen feuchten Keller / daB es feucht werde / und lege 
= g’ 


SV —— “u 


Kup 719 


ann a a a a ne ee 
befagtes Kupffer-Stüd auf das leer eingefeuchte Papier / und laß 
es aut einer Kupffer⸗Preß durchlaufen / fo druckt ſich die Figur 
auf das leere Papier / und bleibt das Kupffer-Stud gang und gut / 
fo man aber das Kupfler-Stüd will auf Kupfer abdrucken / fo 
muß man das Kupfer mit dem darzu gehörigen Radir- Grund 
gang dünne überftveihen/ und aufder Glut hart machen / und 
wann es Falt worden / fo veibt man Bleyweiß garzartan / mit 
Spick oder Terpentin»Del / überftreicht damit den Radir-Srund gar 
Dünne / fomwirdfolcher weiß / laͤſt es alsdann wohl trudnen / und 
legt fodann die Figur die mit den Brodt⸗ Mehl wohl gerieben ift/ 
aufs Kupffer / und zwingtes durch die Kupffer⸗Preß / ſo nimmt es ſich 

ar ſchoͤn ab / ohne Verlegung der Figur / und werden auch alle Strich⸗ 

ein auf den Kupffer geſehen werden / alſo daß man nur mit dem Ra⸗ 
dier⸗Griffel darnach fahren / und hierauf mit dem Scheidwaſſer egen 
darff. Item nimm Venediſche Seiffe / ſchabe ſie gar klein / und fe 
viel Eichene Aſche / und faft eben fo viellebendigen Kalch / diefe 3. 
Stück / koche in einen neuen Topff mit Waſſer / mit dieſem gekochten 
Waſſer / be reich eine gedruckte Schrifft oder Kupffer⸗Stüͤck / mit ei⸗ 
ner ſabtilen Feder gantz gelinde uber / lege hernach ein etwas feuchtes 
Papier gan gelinde darüber / und zwings durch eine Kupffer⸗ Preß/ 


fo wird es ſich gar ſauber abdrucken / es wollen auch einige dieſem 


Kunſt⸗Griff mit Salpeter / Geiffen und Aqva Vitæ zu weg bringen. 
Item veibet euer Kupfferftüch oder Mufter umgekehrt mit pulveritir- 
ten Rothſtein oder ſchwartzer Kreyde/und leget weiß Papier darunter? 
ziehet hernach mit einen Griffel / alle Striche aufden Kupffer nach / fo 
werden ſie auf das weiſſe Papier zu ſtehen kommen / man kan aud) ſo 
man das Kupfferſtuͤck nicht befhmieren will / aux ein Papier an deſſen 
Statt beſchmieren / ſolches heruach auf Das weiſſe Papier / und das 
Kupfferſtück eben darauf legen/ und fo nachziehen / fo wird es (ich een» 
falls prafentiren. | 
Der bon einen Aupfferftäck Flüglich raifonniren will / der mug 
zu feben daß die Creug-Striche ſich nicht allzu gerad qbeer durch ein- 
ander odergar zu Länglicht ſchieff fchneiden/ ed ware dann das erfte bey 
Architedtur, dasandere bey Wolcken zu trüben Wetter. 

0 Striche gegen und in einander laufen / wie bey denMufculn na» 
dender Eörper/oder bey gelinder Falten an GeidenenZeugen geſchie⸗ 
bet / muͤſſen ſie ich angenehm an einander derlieren. 

Wenn man ſiehet / daß — Ta recht affectiret feine Striche 
wunderlich Schlangen-weiß lauffen zu laſſen / hält man ihm billig vor 
einen alzugroflen Kuͤnſtler. 

Mann gar lange gerade Striche in einen Kupffer durchgehends gleich 
dicke / ungebrochen und recht Parallel neben einander ſind / demercket es 
eine geſchickte und lauggeühte Fauſt, Waun 


720 Kur 
Wann in Rupfferſtuͤcken gleichſam die Farbenin acht genommen find 
worden / alſo daß man daraus unterſcheiden kan / wenn das Kupffer 
nach einen Gemaͤhlde copiret worden / welche Perſonen eine ſchwaͤrtze⸗ 
re / welche eine weiffere Haut/ welche Zeuge der Gewänder bon dun- 
ckeln / welche von hellen Farben gemahlet werden / item mad Tuchge- 
wand und Seiden⸗Gewand fern foll / wenn man auch die weiſſe Lein- 
wand Vor andern Stoffen aus dem Stich felbft erfeunet / fo hat 
er der vollkommenen Gefchichlichkeit des Meifters nicht zu 
mweiffeln. 
Senn ein Kupfferſtich / Bildhauerey prefentiren foll / muß die Schat⸗ 
tierung nicht grob und ſchwartz / fonder fein gelinde feyn. " 
Wenn man Kreutzweiß durch einander fhraffirt / muß die erfte 
Schraffierung die ſtaͤrckeſte / die andere gelinder / die dritte noch 
elinder feyn. Diefes Halten die Kuprferflecher vor ein Ge- 


eimniſſe. | | | 
Wenn die guten Meifter wollen glängende Stoffe vorſtellen / ma⸗ 


hen ſie die Striche rauch und nicht fehr krumm / fondern gelinde Wel⸗ 


fen- weiß: 
Wenn einer diefe Eigenfhafften auf Kupffernnebfteiner guten Zeich- 
nung findet/ dabey in acht aimmt / dap an einem Stück alled mit glei⸗ 
chen Fleiß gearbeitet/ dev Abdruc aber noch ſchwartz und friſch ift / fo 
Ean er derjichertfeyn/ daß esein gutes Stüd ſey. 
„Rei nun curieus iſt/ muß dahin ſehen / daß er von allerley Arte die Sti⸗ 
che Bekandſchafft befomme. Einige ſchraffier en alles andere men⸗ 
en an dem nackenden Bildern Puncten unter die Schraffierung / an⸗ 
* gebrauchen bloß huncten auf den Nackenden. DiePundten mas 
chenmwiederum einige rund /andere länglicht. Theils von den Alten ha⸗ 
ben gar feine Ereug:Schraffierung ſondern nur einfache gemachet / 
und doch ihre Stuͤcke vortrefflich heraus gebracht. Die alles gantz mit 
Pundiren heraus bringen wollen / taugen nicht viel. In Franckreich 
findet man itzo eine neue Art / daran das nadende mit lauter Pun- 
Aen, aber fo fubtil und enge gentachet if / daß es faſt wie ſchwar⸗ 
ge Kunſt oder die fubtilefte Minsarur heraus koͤmmet / alfo daß nicht 
mwohLmoöglich iſt / dergleichen mit den Grab · Stichel oder der Kadir- 
Nadel heraus zu bringen. Hingegen das übrige iſt gemöhnuicher 
maffen ſchraffirt / C. Duflor zu Paris arbeitet alfo / fesretıret aber 
feine Handgriff und Inftrumenta, diefe Kupffer leiden wenig Ab; 
diude. J J 
Kuͤrbis⸗Kern / semenCucurbitæ werden nicht viel in Handlungen 
gebraucht / der rechte Saamẽ koͤm̃t mit denen ſchwartzen Zitrullen Kern 
Indien / er hai eine zarteund weiche Schelffen / wird aber bald u 
i 


— — — — 





Ku fe 0. 


Agt und Fanicht / muß auqh allezeit gar watm Behalten werden. 
Die Kindip Srudtbelangende iſt folche vlelerley Arten/ ais da ſeynd 
Cucurbita major ſeſſilis flore albo groffe Platrunde Küchiffe mit 
weiflen Blumen Cucurbita latior, Zucchxrotinda „item Cur 
enrbita’ major rotunda flore luteo folio afpero, groffe runde Kürs 
biffe mitgelben Blumen und rauhen Blättern.’ Cacurbita oblonga 
fiore albo, folio molli fange oder Tronyeteli - Kürbiſſe. Cucur- 
bita lagenaria flore albo folio molli, Fla Kürbiſſe mitwei 
Blättern/ ſeynd allgufammen gering / wäflerid./ und bon Klee 
Rahrung /: den Soqmen brauchen die Apothecker unterdie EmulGos 
nes ober Milch⸗Waſſer / weil er einenpondens. groffen kuͤhlenden 





RKurr·Beeren / Cornus. ir JR | 
Kuͤſſel· Stein Sex. Pas“ ten 
Ruͤttelkraut / Abrotanum, Ä in Tr Ir 
ee ” * | Br 
Zur wird bey dem Bergwercken ein! eil von einer Zech etenannt 
welche 128, dergleichen Theile A e gen: nt) 


m ey iY ia 


Kur: Brängler feynddeeydigteReute/bieh denen Berg fe 
die Kuxen verhandeln. b ee en — — 
RER FE | 
‚Aberdan vide-Gebim, 0 en | 
„Laboratorium ein gewiffer wo hrter Ort / wo dieckymiei 


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athecker und Feuerwercker arbeiten, re 


Labkraut / Gallium, Galium. Ba RE FO 
Labrum VenerisDipfacus, sa. oe PalK 1, SO 8 
La, Mid. °. INT I 


aeesrann welchet gut Geblůt zeuget / und zu .den Brüften 
et. ar ; la" wir . f —XR „419 ‚ 
„Lac imminuens, das die Milh-Jeugung berhindert. 
Lacca — — —— werden unteEfchier 
dene Gattungen heraus gebracht / dieifeinefbeift Leicht / abi käftfich 
bald zerbrechen / / die audern Sorten ſeynd mit Dielen Gunmit beve 
engt / und fallen an der Farb fe vhafftig / es kan aller 
rten gemachet werden / man hüte ſich fuͤr 2 Iuaden.in Glas 
bulis, wird aus Denen Faeibus oder.hinserfelli en 
rentiner Lacks rutt Zach 


Un etwas Kuepde,yyd pri im fugeln ‚ger 

fe — *c*— ab 

Be gu zu hüten. Das wah⸗ 
nfgu en 


Pre ſcheinet zwgr | 
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rälrenfin rLack oil m en Ä 


f 
7 extra⸗· 

























* 


— 


20 


722 34rac* 


extrahirt und in kleine Tafelein gebracht werben / einige machen auch 
ie Florentiner Lack mit Braſilien — allein dieſe hat die ho⸗ 

+ Farb nicht. / die an der rechten Lacca erforkert wird / fo- wird 

Auch die Lacca berfälfgt / wann ſie zu viel Coͤrper bon den Sitte 

Beinen hat. / welcher Fehler. ‚aber im Reiben / und durch da 

bald erkannt wird / es leydet auch die. mit Braflelgemachte Lacca 

mit derdeit Abſchuß ander Farb / und neiget (ich zum Violet. 

. Lacciranvber Lackiren / heiſt die Hölgerne Gefaͤſſe und Mobilien, 


als Tifche/Stühle/ Gurridons, Schreib+Tontoit, Schapen/Schüffel/ 


Shaditel/zc. dergeſtalt mit Farben fünftlich beniahlen / und als dann 
mit einen ſaubern Fitniß überziehen / daß mans vor Marnior / oder 
Vſtindiſche Arbeit / oder als wann ed mit Glas ͤber zogen waͤre an · 
fehen ſollte wie dann heutigs Tags derg eicher Arbeit fehr gemein / 
fonderlich feiter dem / dap Die Dftindifche Compagnien fo piel lackir⸗ 
teö Zeug aus Oftindienmit gebracht / und theur berkaufft / da ſich viel 
fliſſen / — Kunſtwerckallhier in Europa nachzumachen / fol⸗ 
e3 and ſchon fo Hoch getrieben / daß es den Oſtindiſchen nichts nach» 
iebt/ und wir alfo ſolches gar wohl entbehren koͤnnen / weil.aber das 
hheifebey fotchen Lackiren an Firniß lieget / alöbeflche Hiervon das 
ort Firniß / item i Lack. | —— 

Lachen AnoblauchScordium, RE: a 
Tachs / Efox,wird frifch von den Fifchern und auch geraͤuchert und 
* verkaufft / ſonderlich hat Schweden und Moſcau einen 
groſſen Lachs⸗Fang / und werden rlich viel tauſend Stürf geraͤu⸗ 
Zert / und gantze Tonnen voll eingefalgenen nach den See· Staͤd· 
ten Hamburg und Lübeck ei bog ever inden 

Elb⸗Strohm gefangenen Lach für den beften gehalten. J 

Machteriſt ben denen: Yergmwercten das gewoͤhnliche Maaf . 
Ellen lang / und wird in so, Zoll eingetheilt. — 
Lackritʒen⸗· ol oder Wurtzel / Radix Liqvirit. hat man bieler⸗ 
ley / Spauiſch Irene an haben letzteres am gebräuchlichften 
auch gel mder vor Rinde ſolches friſch innwendig ſchon ‚gelbe 
ausficher / paꝛſirt es bor got / es exuctnet ſehr ein / wird gewoͤhnlich in 
| PA Rihlt. weiſe don daſigen Leuten zu 
444 Sr TR | bil E ur > MR, 









Banden don 1. bis 40. Pfun 
und: gebracht und verkauft ® * | 
RTV Sueeus, wird aus ben füffenSöolg zu · 








beccicet e dien har mer vreyetley Sorten/ das Bambergifche 

aan ra y Sara Se Le 

„ 06 nn * NEE ————— 
X se 


— — — = — . EEE _ 


Lac | 723 


Datzwifchen gelegten Lorbeer» Blättern / diefes haͤlt man fürs befte; 
wiewohl das Bambergifche feinen nichts nad) giebet/ wann es nicht ge⸗ 
soöhnlicher maffen verfälfhetmürde- Wann derGafftglängend im 
Brechen/ und nicht fandigt im Effen/ if er gut; der Einkauff geſchiehet 
beyffum. 
Lacrymæ vide Gui. | 

Lacrymz Vinum, Thränen- Wein waͤchſt an der Wurtzel des feuri· 
gen Bergs Vefuvii, ImRönigreichNeapolis,hat feinen Rahmen daher 
speiler zu erſt Specie Lacrymarum in Geftalt der Thraͤnen aus der 
Tiene läufft / ehedie Trauben noch einmahl gepreffet worden / er ift 
xoͤthlich / von Geſchmack zimlich weinigt / füßlich/ pigvant, anmuihi- 
Er Geruchs / nehret und ſtaͤrcket den Magen / und erfveuet das 


” 


Ladtuca , Thridax , Salat / die unterfchiedliche Arten deffelben 
feynd Ladtoca fativa, die gemeine Lactue / fo nicht in Köpffen fchlieffet/ 
Lactuca Crifpa kraufe Lattuck / Lactuca folio oblongo , Caputzin 
oder Chavoniſche Bactur / Lactuca folüs Endivæ weiß Sommer-En- 
Divien/C.B weiß Sommer Endivien /Ladtuca folio obfeurius vi- 
zente, ſemine nigro braun Gonimer-Endidien/ Lactuca capitata, 
Ropff⸗Lactuc / Lactuca capitata' (padicea , braune oder Spaniſche 

Kopff⸗Lactuc / Lactuca prolilera viel kopfigte Lactuc / weil auf einen 
Stiel3. oder 4. Koͤpffe wachſen. 


Lactucæ Semen, Lactuc⸗Saamen / muß ſchoͤn weiß / laͤnglicht und 
m. feyn / item wohl ausgetrocknet / und in freyer Lufft geſtellet 
werden. — | 
Lactuea agnina, olusalbum Acker⸗oder Laͤmmer⸗Lattig. 
Lac virginis Jungfern⸗Milch / nimm geſtoſſenen Allaun ein viertel 
Pfund / geuß darauf eine Maaß rein Bruñenwaſſer / laß es auf . Finger 
reit eintochen / und warın es kalt / ſo wird reiner Eßig in welchen Sil⸗ 
erglett folviret worden / dazu hinein gegoſſen / der Gebrauch iſt daß 
mans wohl umfchüttelt / und neget kalte leinene Tuͤchlein darein / und 
legts über dus Finnige oder entzundete Augeſichte. Item * 
das Kraut Hauswurtz / ſtoſſet es in einen Marmorſteinern Mo 
ſer / und preſſet den Safft davon aus / dieſen Safft ſeyhet durch / und laſ⸗ 
ſetlihn ein Hein wenig warm werden / damit ev deſto klaͤrer werde / 
wann ihrs nun brauchen wolt / ſo muͤſſet ihr ihn in ein Glas thun 
und etzliche Tropfſen bon einen guten Spiritus Vini daran ſchüt— 
ten / ſo wird alsbald wie eine geronnene Milch aus beſagten Saͤfſte 
werden / welche ſehr fuͤrtrefflich iſt das Geſicht glatt zu machen / und bie 
Roche wegzunehmen. RETTEN : 
| 3; 2 | Lada- 


7124 Lad Lag 

Ladanum Gummi ‚:ifteinemwohlviechende Fettigkeit / welche die 
Sonne aus den Blättern einer Stauden / Laudx oder Lade genannt/ 
ausziehet / und die hernach aufgefammletund verkauft wird. Das 
befte kommt aus Cypern und Arabien / welcher in Kugeln ger 
macht worden / der if verfaͤlſcht genug daß fonft Sand und an» 
dre Unremigkeit unter den beften zu finden/ ev muß weich / wohlrie⸗ 
chend / leicht / feſt und Ihiwarsgrunlicht feyn. | 

Læſio ultra dimidium , was es ſey / beſiehe unter den Wort 


RKauffen. 

Lævigiren heiſt ein Mixtum aufeinen Porphyr-Stein zu einen 
unbegreifflichen Pulber machen. Dieſe Arbeit braucht man in den haͤr⸗ 
teften Mixcis und in allen Mineralien. 

Lagio der Auffwechſel / iſt das Geld / welches derjenige / der ſchlech⸗ 
te Muͤntze hat / und beſſere davor haben will / entweder auf jedes hundert 

ſeines ſchlechten Geldes aufgeben / oder ſich aus dem dagegen zu 
erwartenden guten Geld muß abkürtzen laſſen / da dann in dieſer 
letzteren Berechnung die pro Centnm accordirte Lagio in den er» 
ſten Sat; det Kegul de Tri mit eingeführet wird / als zum Exempel 
es wolte jemand soo. Reichsthaler ſchlecht Geld / gegen beſſeres ver» 
wechſeln / und hätte zo. pro Centum Lagio zuzugeben bedungen / hätte 
aber ſolche zugügebende Lagio nicht baar in Natura an ſchlechten Geld / 
fo würde er ſolche aus den guten Geld müffen kuͤrtzen laſſen / und die 
Ausrechnung folgender maſſen machen. 
120. Reichsthaler ſchlecht Geld/ * 100, Reichsthaler gut Geld/ 

Was geben soo. Reichsthaler ſchlecht Geld ? 
Facit 4162, Reichsthaler. 
Wolte aber der / der das gute Beld giebt/ die Sache anders verftehen/ 
und aus den soo. Keichöthaler/ fünffmahl zwantzig das iſt 100. Reichs⸗ 
thaler fürher / und den Verwechſeler des fchlechten Gelds nur 400, 
Reichsthaler gut Geld geben / fo würde folder zu Eurg kommen da er 
4163. Reichöthaler haben müfte/weiler javon der zufürgenden Lagia 
keine Lagiobezahlen darf. * 

Die Erfindung dieſes Zugebens oder aus der Haupt Summa Kuͤr⸗ 
hens / wie ſie der Billigkeit gemäß / alſo iſt ſie auch der Handlung ſehr 
vortheilhafftig / weil dadurch ein Kaͤuffer “fein mitgebrachtes ſchlech⸗ 
tes oder beſſeres Geld / nad) den durch Die Muͤntz⸗Mardeins befunde⸗ 
nen Wehrt / item nach der Beſchaffenheit des Handels-Orts / nach 
welchen offt ein ſchlechtes Geld Höher / als fein innetlicher Wehrt iſt / 
oder auch ein beſſeres niedriger berwechſelt wird) ausgeben Ban ; die⸗ 
feö legteve iſt unu der fo genannten Geld⸗Maͤckler (deren (ich 

efal- 


En — — — — — 


Lag Lam 85 


—————————— — —— m en 
beftalten Handeld-Plägen unterschiedliche finden / fonderlich aber der 
Juden) ihre Profestion und Wiſſenſchafft / alfo daß einige derfelben 
mit nichts anders ald Geld⸗Umſetzen umgehen; Andere hingegen les 
gen (ich auch auf die Maͤckeley auslaͤndiſcher Wechſel / bey welchen ſie 
Dann eine andere Art von Agin, der alddann den Rahmen des Wech⸗ 
felö-Cours an ſich nimmt / verſtehen můſſen / und zwar nicht allein nach 
den Pari, eines fremden Geldes gegen das andere (dabon unter dem 
Wort Wechſeln ausführlichere Meldung gefchehen) fondern obauch 
die Bielheit oder Wenigkeit/ der Geber und Nehmer/ item der Ort/ 
Bon wannen und wohin gewechfelt wird/ ſolchen Lagio berhöhen oder 
Bermindern können. Wer nun dieſes wohl ausftudiret / der ift vor 
einen klugen Mann in feiner Profeflion zu halten / und dannenhero de⸗ 
nen Kaufleuten fehr nuglich und nohtwendig / dann zu folge fo vieler 
Handels-Städte ihrer Wechfeier und Mäder Ordonangen/ muß ein 

echſel⸗Maͤckler über die gefchloflene Wechfel eine accurate Ver⸗ 
zeichniß halten / und alle bey den gefchloffenen Wechſel abgevedete 
Conditiones wohl notiren/ damit/ wann zwifchen den Traflenten und 
Remittenten über lang oder kurtz / wegen des aefchloffenen Wechſels 
ein Differeng ſich erzeigen folte/ er vermittelft feined Buchs die War- 
beit atteſtiren könne. 

Lagopus, Leporinus, Lagopyron, Haſenklee / Haſen⸗Pfoͤtleins⸗ 
klee. Inden Apotecken hat man dad Kraut / welches man gemeinig⸗ 
tich in Bauch· und Mutterfluffen gebrauchet. 

Lama Crudria iſt ein Americaniſcher Stein / welcher feſt und dicht 
iſt / und nicht das geringſte Koͤrnlein oder Lockerheit zeiget; wann er 
zerbrochen wird / iſt er gelb / zu weilen auch Blutroht. 


Cambertiſche Nuͤſſe / Nuces longobardicæ. | 

Lampathumacutum, Rumex acutus ‚‚Oxylapathum , fpigtger 
Mangolt. 

Lampen / die man zum Leuchten gebraucht / werden entweder von 
Gold oder Silber) Kupffer / Meßing / Eifen/ Blech / Glas / Ca 
oder Thon gemacht / und zwar aufbielechand Manier und zu unter: 
fchiedlichen Gebraudy/ als etwan in den Bemädern / Kirchen oder 
auch Bräbern/dahin ſie bey denen todten Leichnamen geſetzet worden / 
die Unfterblichkeit der Seelen damit anzudeuten. Viele (ind der 
Meynung gewefen / die Lichter aufdiefen Lampen fennd fo zugerichtet 
geweſen / daß fie nicht mehr auslöfchen können / wie dann von glaub: 
wir digen Scribenten erzehlet wird / es fey zu Papft Pauli III. Zeiten 
das Brab der Tochter Ciceronis, und darinneneine Lampe gefunden 
morden /dienoch gebrannt. . Fortunius Licerus hat ein ganzes Buch 
gefihrieben de lucernis Antigvornm reconditis, 

333 Rom 


26 am Lan 

Lampreten / Lampreta a lambendo petras alſo genannt / weil die⸗ 
ſe Art Fiſche ſich gemeiniglich an die Steine in Waſſer anzuſaugen 
pfleget werden von einigen vor die Murænen genommen / welche bey 
den Römern in ſehr hohen Sſtim geweſen. Heutiges Tages theilen 
wir Die Lampreten in die alfo genannte Lampretas majores & medias, 
iene ſeynd die rechte Lampreten / fo eintrefflich wohlgefchmeckter Fiſch 
iſt / aber zahe und fchleimige Nahrung giebet / diefe begreiffen unter 
fich Die fo genannte Neungugen / welche auf jeder Geite novem filtu- 
las ordine difpofitas haben / durch. welche fie das an (ich gezogene Waſ⸗ 
fer wieder auslaffen. Gie werden auch L.umbrici agvaticı genannt/ 
und feynd bey uns in Teutfchland fehr gemein / da ſie nemlich auf der 
Roſt gebraten / hernach in Eßig geleget / in Faͤßlein eingepackt / und 
alſo verſandt werden. Hingegen ſeynd die rechte Lampreten fo viel 
rarer; die groͤſten ſollen in der See bey der Inſul Hitland gefangeu/ 
daſelbſt eingeſaltzen und alfo verfandt werden / wiewol fie ihren Ge« 
ſchmack durch das Einfalgen zimlich verlieren. 

Lamp’ ana Dodonzi papillaris, Lantana Viburnum Matthioli. 

Fand: Earrengehören eigentlich zu den Bücher-und Kupfferftü> 
cken⸗Zandel / bey welchen legtern auch von denfelben gemeldet wor⸗ 
den. Beutigrb Tages werden deren die meiften in Holland gefto« 
chen / davon die berühmteften Ausfertiger ſeynd / Fridrich de Witt, 
Vifcher, diefefolgen Allard,Schenck, Danckert, bey welchen erften al» 
le hiernechſt (pecificirte Carten / laut feines 1706. darüber ausgegebe⸗ 
nen Caralogi zu finden ſeyn: — 


INDEX ET ORDO TABULARUM, 
FRID. de WITTEN, 


ı. NOVA ORBIS TABULA, 10. GALLIA Regnum Generale, 


4 ı1. Gouvernement dela Guienne 
2. EUROPA Generalis, & Gafcogne. 


HISPANIA Rernung Generale 12, Guuvernement de Bretaigne, ' 
Portupallia & Alsuchin “ |13. Gouvernement de Normandie, 


5. Caftella Vetus,Legio,Gallzcia, 14. Gouvernement de Picardic. 
Bifcaia & Alluria. ıs. Gouvernement d’ Isle de 


6. Caltellanova, Andalufia, Gra- France. j 
nata. Valensia & Mnscia 16. Gouvernement d’Orleanois, 

- — 17. Gouvernement d’Champagne, 

A Arragonia 18. Lotharingia Ducatus. 

9. Catalonia, Rufcionis & Cer- | '? Burgnndia’Comitatus, 
retania 20. Burgundia Ducatus, 

j :t. Gouvernement deLionnois. 


> * 


242. Gou- 


% 


3:2. Götrvernement de Dauphine, |44.€ 





1) 227 
irculus Saxoniz Soperioris 
x pars' Meridichalis, : ' 


33. Gouverneinent de Provence. 


im 


14. Gouvernemefit’ de Langue- 45. Circulus Saxonia inferjoris, 


J v 


‚29. TALMA Genetälis. . 


‘47. Holfatia Ducatus. *“ . 
| 48. Bremä & Ferda Dücatus, x“ 


146. Meklenburgicus Düratug, 


wu‘ 
5 


26, Status Sabaudicus, in qva Sa- 49,'Brunfvieenfis Ducatux· = 
baudia ducatus ;: Prineipatus ,o, Lhineburgenfis Ducatus. 
Pedemontü &-Niczenlis Co- |,,, Circulus Franconicus-; 0: 


mitatus. 21 ' 
237. GegnenGs Refpublica & Du- 


catus Mediolanenſis, Montis- 


iinferräti &«Parmeofıs, . 

ag. Status Mediolanenfis,Parmen- 
fis & Montisferrati, 

29, Venetum Domihium 

30, StatüsEcclehaflicus & Duca- 
tus Thofcane. Ä i 

31. Regnum Neapoliss‘ 

32. Sicilialnfula.. 

s3. Corlıca & Sardinia. 


£ rn 

34. GERMANIA Generalis. 

3;. Tabulaltineraria, per Germa- 
niam, Galliamacltaliam, \, 

36. Rhehus Fluvies 2.Fol, 

37. Auftria Archiducatus cum 
Stiriä-Ducatu qvæ & pars efl 
Septentrionalis Circuli Au: 
ftriaci, ur 

as. Carinthia & Carniola, qvx & 


pars eft meridionalior. Circuli 


Auftriaci, r 

39. TirolisComitatus, 

40, Circulus Bavaricus, 

41, Bohemia, Sileſia, Moravia & 
Lufatia , qva ſunt terræ hære · 
ditariæ Imperatoris, - 

42. Brandenburgum & Pomera- 

nia, qvæ eft pars feptentriona- 


Yis Circuli Saxonix Superioris Fit un 


43; Pomerania Ducazus, 


g2, Circulus Suevicus.; | 
f3.Helyetiz‘ iur © 
Alfatia utraqve, qv& & pars 
eft Meridionalis Cirguli Rhe- 
nani Superioris, » 


. Cirtulus Rheni inferloris = 


6. CirculusRheni Süperioris, 


s7. Haffıa Landgraviarus. 

sg. Palatinatus Rheni, 

59. TrevirenGis; Archiepifcapatıs 

60. Colonienfs Archiepiſcopatus 
Ducazus Juliacenfis &. Mon« 

„renle” , „ansbinsl."t % 

61. MoguntinusArchiepifcopatus, 

62, Cirgulus Weftphalicus. 

63, DiecefisLeodienfis. 

64. Clivia. Ducatus & Marchis 
Comitatus,.-» 2.277» 


f 


6.SUBCIA,Dania & Norwegia 
RegnafiveScandinavia. .. 
66, DaniaRegrum Generale. > 
67. Jutia. I. 
68, Sleſxici Ducatus. 
60. Inſulæ Danicæ. 
70. Norwegia Regnam Generale. 
71. Suecia Regnum, Generalc. 
73. Gothia, u 
73.5cania,Blekingia & Hallandia. 
74.Finlandia.. _ ... — 
77, Livonja& Curlandia, 


POLONIA& DUCAT 
ku 


> 


. — 


or "BER: Tun 





723 
 Ukrahia, Pruflia , Livon; & 
Curlandia, _. I Er 
97, Lithuania, 
70, Prusla, ., . ec 29: 

79.Rusfiayulgo Mofcovia, , 
80. Danubius Fluvius, five Turci- 

cum Imperium in Europa, 


$ı.HUNGARIA , Tranfılvaniä, 
Servia, Romania, Walachia , 
Moldavia, Sclavonia, Croatia, 
""Bofnia, & Dalmatia, 3, Fol, 
8: .Mungaria Regnum,. , — 
3. Grzcia & Archipelagus, * 
84. Mbrea,-⸗. Fol. A 
8, Candialnfula, — 
86, Malta & Goza Infülz. 5 


87, ANGLIA/ Scotia, & Hibernia 





Am r 
i ı 3, .* 


88. Anglia Regnum, 
 89,Pars OrientaliorRegniAngliz. 
90. Pars Occidentalior Regni An- 
gli, 15° wm 
91. Tradtus Septentrionalis Regn 
 Anglie, Be 
Be. Scotia Regnum. | 
93. Hibernia Regnum, 2, Fol; > 


94. GERMANIA INFERIOR; 
9. Belgium Ferderatumh. "> ° 
96, FfihaDominium. 
97, Groninga Dominium, 
#8. Tranfıfalariia , vulge Over- 

— A * 
9. Geldrĩa Ducatus. 3 
300, Zutphania Comitatus. 


Iıvilı,, 


RR & iR Killer, on, Du 


In rürgberggperben amat 


Ho=mahns$ 


Hollaͤndiſchen zu unterſchejden feynd. 


uapig, Volhinia, Podol ia,}ıor. Ultraje 


e befken/ el 





um-Dominium,. . 
192%. Hollandia Comitarug, _ 





1103. Zelandia Gomitatus, . 


104, Belgium Hiſpanicum & Gal- 
licum, 
tos.Flandria Comitatus, '/ ı | .: 
106. Arteſia Comitatus. 
107. Hanonia Comitatus. 
ros. Namureum Comitatus. 
109, Lutzenburgum Ducatug' 
116, LimburgamDucatus,  .< 
ıtı. BrabantiaDucatus, :: 
ıtz, Marchionatus Sacri 'Imperü 
Se Dominium Mechliniz, 


itz. ASIA Generalis, 


114 Tartaria, China, Mogol & ja- 
ponia, Be ns 

Is. Japonia, 

116. China. 

u7. India Orientalis; 

118. Magni MogolisImperium, 

119, Perlıa, Natolia, Armenia 

Arabia. 

120. Turcicum Imperium, 

121. TerraSandta, * 


.#* 


122, AFRICA Generalig 
123, Barbaria, 
124. Ægyptus. | £ 


& 


 - ‚125 Guinea. « 


126. Abyslina, 


127. AMERICA Generalis. 
138, AmericaSeptentrionalis 
ieo. Inſulæ Americanz. ° 
130, America Meridionalis. 


Fer,eo, nunmehro auch de Isle 


be Inige auögefertiget / worunter Hr. 
berkeit guter Schrifft / ar. denenan- 
Dern nichts nachgeben /ıwiavel dn den Papier gas leichtlich von dem 


Wel⸗ 


P® Sa n 729 

elcher Kunft Handler nun ſich ein gütessortement an Zand-Carten 

— — der hätte bon der ordinaıren Gattung aus Holland 
nach vorbefagten Catalogo zu berfhreiben nöhtig. 

Auf die Land-Tarten folgen die See⸗Atlas / welche an Pas- Carten 

Gue Lich folgende in ſich halten: Als den Globum „ Die Norder« 





Küfte von America, Grönland/ Jsland / ac. Rupland / Lapland 
and die Spig-Bergen/ hinter Irrland umzuſegeln / von Hitland bis 
Heyſand. Die Nord:Gee/ das Vlie bis an Bodenes und Schuite⸗ 
nes / Rattegat und Schagerrad‘/ der Belt/ die Oſt⸗See / Pommern/ 
Preuſſen / Churland / Schweden / Finn⸗ und Lieflaud. Güder-Gee/ 
Terel und Viieſtrohm / Terel bis an die Hoofden / Engeland / Canal / 
Die Bucht von Frauckreich / Mittellaͤndiſche See / Barbarifche Eye 
kandy Canariſche Eyland / Flamiſche Eyland / Cabo Verde, Rio Gam- 
bia Oſt⸗Indiens Weſt⸗ und Oſtlicher Theil / die Nordkuͤſte bon Alia. 
Süuͤd⸗See / die Straß von Magelan und le Maire, Weſt⸗Indiens 
feſte Küfte und Eylanden/ die Caribes, Terra Nova, Neu · Franckreich 

undEngeland. - en 
Ferner wird erfordert Atlas Cœleſtis, zu welchen gehören: 
Blanisphzrium Prolemaieum, five Machina orbiam mundi exhypo« 
tlieſi Prolemaiga, in plano diſpoſita. ; ge 
Scenograpliia Syftematis Mundani Prolemaici. 
Orbium Planetarum Terram compledtentium Sceno raphia, 
Plznisphazium Copernicanum , fiveSyftema univerli totius creati, 
exhypothefi Copernicana, in plano exhibitum. 
ScenograpM@Syftematis Copernicani. | 
Planisphærium Braheum, five ſtructum totius mundi, ex Hypothefi 
‚Tyshonis Brahei, Br 2 
Scehographia Compagismundanz Brahea. 

Planisphzrium Arateum five Compages orbium mundanorum ex 
hypothefi, Aratca, in plano exprefla, . 
Tyshonis Brahe Calculus, Planetarum curfus &altitudines ob ocu- 

“ Josponens, - 

Corporum Caleflium Magnitudines. 

Sitns Terrz Circuliscaleflibuscircumdatz. 

* Hemisphzria Sphærarum rectæ & obligve, utriusqve motus &lon- 
. gitadines, tam Cœleſtes qvam Terteftres ac Stellarum affeetiones 

‚, monftrantia, :,.. “rrl- k 

Hemisphzrium orbis antigvi, cum Zonis Circulis, & fitupopulo- _ 

, rum diverforum, | 5. 

Hypothelis Ptolemaica‘, five communis planetarum motus per Ec- 
centricos, & Fpicyelos monftratus. | 

Typus aſpectuum opppoſitionum, sonjundtionum &e, in Planetis, 

Theor {olis per eccentricum fine epicyelo. Solis 


730 Lan Yap_ 


Solis cireaorbem Terrarıim Spiralis revolutio, 
Theoria Lunz. $ 
Typus Selenographicus, Lunæ phaſes & aſpectus varios adumbrans, 
TTheoria Trium fuperiorum planetarum, . 
CerliStellati Chriftiani Hemisphzrium prius & pofterius. 
Hemisphzrium Stellarum Boreale, cum fubjedto hemisphærio Ter« 
reſtri. 
Dito Stellarum Auſtrale, cum ſubjecto hemisphzrioterreftri, 


elche Carten alle entweder Stuͤckweiß oder eine gewiſſe Anzahl vor 
einen Thaler in Holland zu erkauffen / dazu dann noch kommen die taͤg⸗ 
lich neu ausgefertigte Carten / entweder überein gewiſſes Land / im 
welchen das Theatrum Belli aufgefchlagen/ oder fonft eine remarqva⸗ 
ble Begebenheit (ich zugetragen hat / dergleichen neue Earten anfänge 
lich fehr begierig von denen Novelliften pflegen gekauffet zu werden. 
Auch ſchicken ſich nicht unbillig zu den Land⸗Carten⸗Handel gange ver» 
fertigte Globi, ſowol Terreftres, als Cœleſtes, item allerhand Mathe, 
ua Infteamenta, Perlpeltive , rate Rupfferftüde/ und allerhand 
Novitäten/ bon neuen policifchen Tractaͤtgens in allerhand Sprachen. 

Range Hohlwurtz / Ariftolochia longa, dadtylites. 

—  (Endten-Öras/Gramen agvaticum, Ä 

— Giegmurs/ Victorialis longa. | ie 

— wid Galgant / Eyperwurg Cypetus longus vel Ro» 


manus, = 
ange Spick/ Spica noflras. SE f 
— RKorner /Staphi fagria,Piper murinum, 
— Waffe Hahnen⸗Fuß //RanunculuslanceatusPaluffris, _ 
— Ruͤben⸗RKohl / Caulorapalonga. 
—  GStopff:l-Röben /Rapum longum minus. 
Langer Pfeffer/ Piperlorigum, — 
Lanugo iſt das kleine zarte Haar / ſo an den äuferften Haͤutlein gleich 
einer Wolle wãchſt. ER 
Lapathum acetofum, acetofa hortenfe ‚Spinachia, | 
Lapathum Sylveftre Ramex acutus Mengel/ Grind / Streiff⸗ 
wurtz / wilde Manngolt / Ampffer/ Länden-Fraut oxylapathum. 


Lapathum Sylveftre latifolium Rhabarbarum Monachorum 
Sylv. undtuofum , Bonus Henricus. Diefe Wuthel iſt gut vor den 
Srind/und auch vor die Finnen im Angeficht/ itermi dienet (ie auch dor 
Zahnweh/Scharbodundrothe Nuhr. = — | i 


Lapeidan ‚ein Act eines See · Fiſches / welcher eingefälgen und ge⸗ 
en ee RB 


eg — u” 


trucknet zu und kommt und Stüd auch Pfundweiß verkaufft wird/ vi- 
de Cabliau, Ä | 


Lapides Steine / werben auſſer der Abtheilung in edle und unedle / 
auch noch in Artificiales, it. in Mineralifche und Schalen-Steine/ oder 
in folche/ die man in den Leibern und Hauptern etzlicher Fiſche und 
ThiereAndet/abgetheilet. Bon den edlen Steinen ift unter ihrer eige⸗ 
sen BenennungWeldung gefchehen.UnedleSteine feynd/L.apis Eures 
ſeu aqvilæ Adlerftein/ Alabaftrum, Alaballrites,% — —— 
alumen plumofum Federweiß / L. Armenus Armenerſtein / Ca- 
laminaris Galmeyſtein / Cryftallus Chryſtall / Haematites Blüte 
ftein / Judaicus Judenſtein / L.Lazuli, Cyanus, Lazurſtein /Lyn+ 
eis, Lyncurius Quchöftein / Donnerkeil/ Magnes Magnetftein/ Mar» 
mor Matmelftein / L. Nephriticus Grießſtein / Ofteocollus 
Wellſtein / Steinbein- Melle / Beinbruch / Pumex Bimsſtein / Sciſ- 
Mis Schiefferſtein / L. Serpentinus ſeu Ophites Serpentinſtein / Si- 
lex Kieſelſtein / Smiris Smirgel / L. Specularis, Selenites Aphroſeli- 
nus rauen:Eyf/Spongites Spongiæ Lapis Gchwammenſtein / Tal- 
cum Talck. 

Die Præparata aus den Steinen ſeynd / (1.)die ſo genannte præpa⸗ 

rirte Steine / (2.) das Saltz / (3.) das Magiſterium. (4.) der Li- 
qvor oder das Oel / (s.) das Elyxir, (s.) die Eſſentz / (7.) die Blu⸗ 
men / und (3) die Syrupen. Schröderusin feiner vollftändigen - 
Apothed ib. 2.Cap. 55. führetan/ mie durch Kunft folgende Gteine 
zu bereiten ſeyn / als Lapiscorrofivus (welcher aus Lauge / in mel» 
her fchwarge Seiffe gekocht worden / gemacht wird / dieſe laͤſt man 
‚ in einer Pfanne zu einen Stein kochen / und fchneidet ihn fo ever= 
kaltet in Stiche / wiedie Mürffel und verwahrets dann in einen 
wohl verſchloſſenen Glaſe / diefes foll ein vortrefflich Cauterium ſeyn / 
und in einer halben Stund ein Fontanell machen koönnen /) Lapıs 
Cauficus ſouſt alch Lapis infernalis genannt / weil er /wanner auf 
Fleiſch und Knochen geleget wird ſolches alfofort verzehret/ Lapis ſeu 
magnesarfenicalis, Lapis medicamentofus Crollıi feu lapis Salu- 
tis, Lapismirabihis, Lapisrubens, L.apis Butleri-, oder eigentlich 
der Stein der Weiſen. Bon denen Steinen insgemein ift folgender 
dreyfacher Unterſcheid zu mercken / daß etzliche derfelben könen in einens 
Fluß gebracht werden inGeftalt eines Glaſes / andere konnen geſchmol⸗ 
Gen werden / ſie werden aber im Feur gebrant / und geben einen lebendts 
gen Kalch / und endlich koͤnnen etzliche weder gebrannt noch im Fluß ge⸗ 
bracht werden / fondern (te bleiben unbeweglich und unveraͤnder⸗ 
lich / wie das Federweiß / Beinwelle und Kiefelftein / diefe fo man 
fie gluͤet und in Waſſer ablöfchet / werden ſie muͤrb und — 
u 2 


— 
“ 


737 Lap 
Pulver gebracht werben / alle Steine ſeynd Waſſer⸗Geburten / wel⸗ 
ches daher zu beweiſen / weil wann ſie mit Saltz circuliret werden / 
fie ihre Fixität verlaſſen / und zu einen unfhmadhaftten Waſſer 
„werden? welches eben dad Gewicht behält als viel die Steine gewo⸗ 
gen, Robertus Boyle ſpricht von den Edelgefteinen / daß ihr erfter 
Urfprung eine lüßige Subftang ge welche fo jte mit den Tinctu- 
ven etzlicher Mineralien , weil fie noch flüßig und weich feynd ein» 
— werden / die Farben nach Art des begegnenden Metalls an 
ch nehmen. | 

Lapis Philofophorum Stein der Weiſen / bon diefen ſchreibet 
der gelehrte Herr Harftöffer in der rı. Auffgab des ı5. Theils fei- 
ner Mathematifchen Ergbidftunden folgender maflen. Die Poeten 
haben Urſach gehabt zudichten / daß die Götter in der Pandora Bü⸗ 
ven die Hoffnung gelaffen / nachdem alles Gute daraus geflogen. 
Die Natur hat ihnicht als eine Stieff- Mutter erwieſen / indem 
fie den Menfchen die Hoffnung in allen Unglück Hinterlaflen / daß ihn 
fein Anliegen fo hart fan unterdruden / daß ihm nicht die hulffliche 
Hand der Hoffnung mieder auffrichten follte. In was elendenStan- 
de einer immermehr feyn mag / fo wird er doch deffelben zeitli- 
ches oder ewiges Endehoffen. Diefe allgemeine Hoffnung / welche 
und vielmahls mit leerer Hand abweifet/ und nach eröffneten Betrug 
niit neuen Verſprechen verpflichtet / Hat fehr viel nach der Weiſen 
Stein fuchen machen. 
In der Offenb. Joh. 2. verf. 17. feynd in der Schweiger Bicbel diefe 
ort zu leſen: Wer überwindet den will ich zueffen gebenvon den 
verborgenen Manna / und will ihm geben einen Weifen-Stein. 
‘ Daraus wollen etlihe@ern-Bolbmachers erzwingen/dap den From 
men der Weifen-Stein / (LapisPhilofophorum) verſprochen wor den / 
da doch dadurch ein gutes Zeugniß zu verſtehen / welches die Alten in 
den Gerichten mit Weiſen⸗Stein bemerdet / nı den fhmwargen 
aber — Ubelthaͤter verurtheftet / wie hiervon zu leſen / J. M. Dilherr. 
1.3 Eledt. c. ar. | / 
Den Stein der Weifen ſuchen viel auf wunderliche Weite / und hoffen 
dadürch alle Rrandheiten zu heilen / des MenſchenLeben zu verlängern/ 
und andere Wunder zu thun. 
Eiliche laſſen J. und ©). neun Monath in den Ofen/etliche wollen dag 
die Metalle alle don einen Stoff / und nur weniger oder mehr voll⸗ 
kommen ſeynd / wann nur derfelben höchfte Vollkommenheit durch 
die Kunſt zu wege gebracht / koͤnne es zu einen Wunderſtein ge 
acht werden /fegen alſo I. O. C- &. 21. 2. ꝛc. und zweiffeln nur 
wie nach und nach day Feuer zu berſtaͤrcken / welches die Erfahrung 
noch lehren ſoll. Etli⸗ 


— — — — WE — — — 


Lap 733 
Etliche wollen das Gold auswachſen machen / als ein Geſchoͤpff 
welches wie alle andere feinen natürlichen Saamen bey jich habe / fa« 
gende: Daß aus diefen volllommenſten Bold Fönne nachgehends 
der lang gefuchte Stein leichtlich bereitet werden/ und dieſes habe 
Salomon (1. Reg. 4.10,) gehabtund den Reichthum aus Ophir den 
Dfen —— Die dahin geſchickte Schiffe ſo in drey Jahren wie⸗ 
der gekommen ſeyn / der Fleiß / die Mühe und der Verſtand / welcher 
dargu / erfordert werde geweſen / davon Dabidredet / wann er ſagt / dag 
er. allerley Weiſen (Goldſchmeltzer) bey ſich Habe / 1. Ehron. 23. m 
Gleiche Deutung habe das Guͤldene Fließ Jafonis welches nicht anders 
als ein Pergament darauf dieſe Kunſt befchrieben geweſen. Moſes has 
de durch folhes das güldene Kalb zu Pulver gebvennet / (2, Buch 


Moſts zz.) ' | 
Etliche fagen daß diefed Geheimniß allein den frömmftenkeuten durch 
Göttliche Gnade offenbahret werde / daß ſolches müfte verſchwiegen 
gehalten werden/ ja daß der ſo den Stein habe / ſich das Reben nicht 
mehr wünfhe/ und die Alimacht GOttes fo Augenfcheinlich erkenne/ 
daß er alles Zeitliche verachte /und den Todt verlange. Zwar geftehen 
wir gerne/ daß die —* gar wohl der Natur nachahmen / ſelbige aber 
niemahls uͤbertreffen Fönne / welches aber geſchehen wuͤrde / wann 
man alle Metall in Gold verwandeln koͤnte / da doc) ſolches in den 
tieffften Fund⸗Gruben nicht befindlich / als wofelbſt Die Eiſen / Kupffer 
und Zinn⸗Bergwercke / niemahls zu Gold oder Silber Bergwercke 
werden / daß alſo zu zweiffeln / ob der Chymiſt etwas vollenkommeners / 
(als das unveraͤnderliche Bold iſt /) hervor bringen an / und ſolches 
würde der Weiſen⸗Gtein ſeyn / wann er zu erlangen waͤre / noch mes 
niger aber würde ſolche uͤbertreffliche Sache in andern unbollkomme⸗ 
nen Gewaͤchſen zu finden ſeyn / fo wenig ein Löwe ein Pferd werden 
Ean / fo wenig fan das Eifen-Boldoder Silber werden. Was der 
Weibliche und Männliche Mercurius feiftet/ if zwar zu Verwundern/ 
aber doch ändert er das Mefender Metallen nicht / und iſt nicht zu 
laͤugnen / daß das Gold von GOtt zu der Artzuey und nicht zur Plai 
er erh und daß man trefflihe Hertzſtaͤrckungen davon bereiten 
kan ob aber der Weiſen⸗Stein darin beſtehe / iſt dieſer Zeit noch nicht 
‚ erwiefen/ bis hieher befagter Author. Zwar hat man Exrempeln von 
unterfchiedlichen Betruͤgern / welche ſich verfchiedener behender 
Griffe bedienet / die Augen der Goldſuͤchtigen Welt» Kinder be⸗ 
trieglich zu hintergehen / als da hat man angemercket / daß etliche das 
zerſchmoltzene Metall Dh / mit Hoͤltzern fo zuvor in Bm 
nen Bold und Silber eine weile geftanden / wovon ſie viel an ſich gezo⸗ 
gen ; andere vermifchen die in Colvirten Bold und Gilber / pulverifir- 
tenKoblen/mit dem Metal; noch andere machen aus Gold und Silber 
| eine 


— 








— — — — — — 


734 Lap 


eine Dinte / mittelft welcher ſie auf das Papier ſchreiben / was fie re- 
dueiren wollen ; andere beftveuen das Geſchriebene mit Gold und 
Gilber Sand / oder haben Ziegel mit 2. Faͤchern / davon das unterfte 
mit Gold und Silber angefüllet iſt / welches fie in. der Operation 
zerbrechen/ item hrauchen ſie Stödlein/welde innwendig hohl / und 


mit Goid oderSilber angefüllet feynd.: Einige halten das Bold nad 


ilber in ausgehöhlten Kohlen verborgen / wormit ſie den Schmelt⸗ 
Fiegelbededen ; nod).andere werfiendas Gold und Silber mit ihrer 
geſchwinden Fauft in andere Metalle/oder nehmen an ftatt des gemei» 
neu Mereuriı dad Amalganıa Solis, und was dergleichen betriegliche 
Pperationes mehr feynd / dabon mit mehrern Kircherus in Mund, 
;jubterraneo, Michael Meyer inExamine Fucorum Pfeudochymico- 
sum, item eines gewiſſen Medici Infeription (über des: berühmten 
Borry.infeinen Epiſteln gethane Ruhınräthigkeit/ wegen der Beſi⸗ 
hung deö Philgfophifhen Steines /) zu leſen / alſo lauteud: 
en TABULA fine FABULA, 
Ceftum promens & verisfimum, 
QVOD IN Auko 
ER interius, eſt frcut id qvod eſt exterius 
& qvod eſt exterius, eft ſicut id 
qvod eft interius. 
- 3 | ad percipiendam, 
» »»MAGNETICAM VIM AUREE EXSTINCTIONIS 
ah ‘IN AUREO VASE, | 
Be 63 Accipe Metallorum Solem 
Cuftoditum à Gryphibus, 
Collectum ä Corvis, in nidis, Pullorum; 
| Purifica in Rictu Lupi, ' 
candeſcere facin igne 
Lignorum Cinami & Agallochi 
succenſo non more vulgari, 
Sed Radiis Solaribus 
Ope lentis Adamantinæ 
triuncialis 
Circulo Achatino incluſæ 
cum manubrio ex onyche. 
fabrefadto & tribus Virginibus 
pulcherrimis inMundo, 
Aurum candefadtum ter exftingue 
INTRA VAS AUREUM, 
in fpirita Roris Majafis, 
- Kienfe 


- Lap 73° 
* Menfe Novembri 
Apud. Antipodes colledti 

aut ex Tells Concharum 
ide 00 nes © Margaritiferarum 
ale. — ‚ deterfi, eodem Tempote 

nr +" Defcendet Virtus 
| " . Ex utroqve Auro. 
3%." I: Werft .inlädem . .. 
"3... Rehabebis Gloriam totius Mundi 
at; Jr m, MAGNETEM CORDIS ET AURI 
iR Balſamum vitz precipfisfimum 
I te ey aa u ER — 
WaAM DIV. VIVES 
MORTALIJITAS DE TE. Non: TRIUM - phabit. 


Bu laͤugnen iſts nicht / daß die Gefchicht Bücher hin und wieder folcher 
Leute gedenden / welche warhafftige Befiger des Steins der Weiſen 
geweſen / und groſſe und Yugenfcheinlithe Proben ihrer Kunſt abgele- 
get/alieitenheifl: = | 

"...  Qyam'Pa&6os tanto dienähtur munere Divi, 

"Die Bönrer gönnen nur gar wenigen die Kunſt / 

So ſparſam bleiben fie mir foldyer hohen Gunſt. 
x es wäre auch nicht gut / wann dieſe Kunſt allzugemein würde. 
Sintemahl dasjenige was der Sinnreiche Thom. Campanella Tract. 
de Monarche Hiſp. c. i6. pag, in. urtheilet / daß es beſſer geweſen 
waͤre / — Ehäte der neuen Welt nicht waͤren erfunden wor⸗ 
9 ſolche die alte Welt ſehr verdorben / indem ſie die Menſchen 


TOR. — ** 


m Geitz angeführet / und die Liebe qusgetilget / auch eine groſſe Uns 
eichheit unter den Menſchen eingeführet / weiles etliche zureich ge⸗ 
nad) dag ſie hochmuͤthig und lol worden ; andere aber inArmuth 
federn laſſen woraus hernach der Geis und Blutgierigkeit entſtan⸗ 
den! / ſolches auch don der Goldmacher-Kunſt Fan gejaget werden. 
Es ſoll aber der gange Proceß der‘ Alchymiften in diefen Verſen 
Öfehen: |. 
‚  CaleinerinCinerem res ignis qvaslibet inde 

© Jandtas Adv Cinis, eltnobile Lixivium, 

Lixivium bene inco&tum Sal fiet: Athic Sal 

‘ Si diffolvatur, mox oleofus erit 

Noc oleum recta, ficonfolidabitur Arte. 
Laudatus Sophis nafcitur inde L,A,P.LS, 


do. 1648. wurde dem Glorwürbigfien Kaͤyſer Ferdinando IIIJ. 
ein Grau bon dem bhiloſophiſchen Stein ——— | 


Kur 9 
Kurse 


736 ap 
telſt welchen feine Kaͤſerl. Majeſtaͤt drey pfund Mercurii in yures Gold 
verwandelte / aus welchen hernach eine guldene Muͤntze mit ſonderli⸗ 
cher Uberſchrifft und Geyraͤg gemachet worden rauf deren einen Sei⸗ 
ten ein nackender Juͤngling ſtand / der an ſtatt des Haupts eine ſtrah⸗ 
lende Sonne / und in der rechten Hand des Apollinis Leyer / in der 
Linden niedergeſchlagenen Hand aber / des Mercurii Boten Stab 
trug / mit der Beyſchrifft Divina Meramviphofis Exhibita Pragæ 
XV, Jan, 1648. in Præſ. S. Czfi:Maj. Ferdinand. dasift : Diefe Güite 
liche Veränderung iſt geſchehen gu Prag aut sy. Jarhiarii 1648. in Ges 
genwart des Römifcheu Räyferö Ferdinandi IH, Auf der andern Sei⸗ 
ten flunden diefe Worte. + -Raris hasc uehominibus nota eft Ars, 
item raroinLucem prodit, Laudetur Deus in zternum gvi par- 
tem infinit® ſuæ Scientix abjectisſimĩs AulS creaturis communi- 
cat, dasift : Gleichwie die ſeltzame Kunft nur beſondern Leuten 
bekandt ift / alfo kommt fie auch felten an den Zag: GOTT feygelöbet 
in Ewigkeit / der den Richtswůrdigen Cregturen einen Theil feiner uns 
endlichen Wiſſenſchafft mitgetbeilethat. , .-- a 
Wir koͤnnen hier nicht umhin ehe wir diefeMateriampon Goldmachen 
befchlieflen/die überaus nachbrudlichen Worte ded Auchoris der Hie 
ftorifchen Remargven welche er (in der 26. Wochen des 1706 Jahrs / 
p. 201. Von den Betrůgeriſchen Goldmachern / und mas (ie enduch fire 
einen Lohn zu gewartenhaben/ ) führet/ den geneigten Leſer mit zu 
theilen/er fpricht aber / nachdem er die — des —— 
Himmels angezeiget/ und dag diejenige/ fo auf den rechten Weg ein 
her giengen/ ihre gemiffe Priucipia Keungeicheriund Reguln hätten 
wornach fie fich in allen ihren. —— ir richteten / item 
daß ihre Materia dergeſtalt bewandt wäre / daß der Kopff roth / bie 
Fuͤſſe weiß / und die Augen ſchwartz / ſich erzeigten / welches, eigentlich 
das rechte Magifterium waͤre /) und uber den ihre Zurüftungen feine 
groſſe Loftrumenta, Zeit / Muͤh ober Koſten exforderten / daß ſolches Bey 
den betruͤglichen und berfuͤhriſchen Goldmachern der geſchweffel eu 
Kohlenſchuͤrer / Rauchfaͤuger / Geſtanckmacher/ und dergleichen lleder⸗ 
lichen Geſiudel ſich gang nicht befinde / dann betrachtet man / was es 
fuͤr eine Art von Leuten ſeyn / ‚fo ſich dafür —5 — fo. ſindet ſich ein 
folder Schwarm von Idioten fo Hermetiſche Kuͤntler ſehn wollen/ 
daß wann man ſie nur nennen hoͤret / man ſo fort daraus / ihre ver⸗ 
dammliche Zunfft erkennen Fan / dann nebeliſt den unerfahrnen Aertz ⸗ 
ten / ver dorbenen Apotheckern / ſchmierlgen Badern und Barbierern / 
Rabuliften und Wauldreſchern / unnügen faulen Gold und Kupffer⸗ 
ſchmieden / gruͤufaͤrbigten amd Und orhateffein / unberſchaͤmt 
Charletans,Zahnbrechern und Marckſchreyer rlichen Ta N 
Gaudelfpielern/ hoffaͤrtigen Ohasfalbern un li ter 
! mei⸗ 


u 


— — 


Lap 737 
meiftern von Schweinftällen / Bierfiedlern/ undLandſtreichern / ec. 


euten die Goldmacher- Kunft zu profitiven/ und groß Rühmens 
davon zu machen / ja diejenigen/ fo Barren ehrliche Handthierung 
ihr Brodt und Unterhalt haben möchten { finden ſich fobethöret/ dag 


— fo vielerhand Profestionen Menſchen / welche (ich nicht 


fie alles hinden an ſetzen / und durch einen alchymiltiſchen Gold⸗Griff 


aller Mühe vermepnen enthoben zu ſeyn / ß gar daß auch die Schor⸗ 
—— Faß⸗ und Beſenbinder / Klopfechter / Scheerenſchleiffer / 
Hurenkupler / nunmehro Davon zu — * Chymifhe Buͤcher an 
flattdes Catechißmi zu lefen / eine grofle Begierde uͤberlommen / und 
folgende ihr Handwerck an den Nagel zu bangen / allein bon ſolchen 
Idıorifchen Köpffen weiter nichts zu erwehnen / fo findet ſich eine ande« 
re Act der Goldkaͤffer / fo von auffen fehr ſchoͤn gleiffen / innwendig 


: aber ineben dem Breuel der Verwuͤſtung mit den vorigen. flecfen/ 


felbige nachdem fie viel Leute hinters Licht geführet / und das Gelb 
Durch falfche Proceflen und Hoffnung von — gar Fünfte 
lich abgeſchwatzet / wollen ihre verbotene Händel nicht allein durch nem 


erfundene Experimenta darthun/ fonderwiflen ſich ſelbſt mit ihren _ 
häuffig herausgegebenen Charteqven, ſo weiß zu brennen / als wenn 


fie niemahls eine falſche Kohle berühret hätten. Als blinde und 


berruchte Boͤßwichter / wollen ſie dennoch richtige Wegweiſer zu der 


einigen Warheit in Erforſchung der verborgenen Heimlichkeiten der 
Ratur darftellen/ ie wollen feine Goldmacher / fopdern nur Eiſen und 


Kupfferichmiedeheiflen/ da ſie doch keines von beyden effedtuiren koͤn⸗ | 


nen/ rühmen ich wie ſie den Baſilium Valentinum, den Jacob Böhm, 
denTheophr. Paracelfum auswendig und innwendig im Kopffe herum 
tragen/ daß alled was bon ihnen geichrieben worden/richtig zutreffe: 
Wenn aber der Rauch und Dampff aus ihren Gehirn nunmehro dere 
jg wunden / fehen ſie zu legt den höchgezierten Galgen in ihrem güldes 
nen Schilde —J—— unvermuhtet fuͤr ſich ehen/ um den fatalen 
Spruch der Ztaliäner / welchen alle dergleichen Betrieger zu gewar⸗ 
ten haben/ an ſich felbft erfüllen: Fatiche, Fumo, Fame Fetore, Fred- 
do& Fune, Mühe/ Froſt / Hunger / Geftand / Rauch und zulegt der 
Strick / feynd der Goldmacher ihr Lohn. Dieneuserfundene Termi- 
ni und Kedend-Arten Alchaheft, Glas und Blas / Terra Adamica, 
Rubinus Mundi, Selg/Schworfel und Wagenſchmier // Gur und 


\ 


Uſifur beweiſen nichtö/ als ein lantaltiſches Gehirn / da kein Rabbini⸗ 


Schulfuchs oder im Moͤrſel geſtaͤubeter Laborant ärgere Eins 
ildungen von lich haben kan / als folche — Rauchfaͤnger / welche 
Bold und Demanten Pfund-und Eentner⸗ weiſe herfuͤr zu brin⸗ 


m 110 thöricht anmaffen. Die heiligeSchrifft wiſſen fie fo meiſter ⸗ 


ihren Thon zu pevdrehen/ald wann die gröffen Propheten und 
! Ara | Leh⸗ 


738 kap 
Lehrer eben dieſelbe Wiſſenſchafft mit ihnen profitivet Hätte. Das 
Hohelied Salomonid/ deflen Spruͤche den Esdre(da der Engel ihm 
einen feurigen Tranck gegeben/ wodurch fein Berftand fo hoc) erleuch⸗ 
tet worden;) dasdide Wafle r/ fodie Priefter tm alten Teſtament 
vergraben/ und auf das Opffer gegoflen / un Feuer hervor zu brine 
gen; die Kunftftücde Moſis / das guͤldene Kalb zuzermalmen ; vie 
voffe Menge des Goldes / fo David und Salomon inr Bells ge⸗ 
abt/ ac. undungehlige andere Dilige mehr / (Ind ihre fefte Gründe 
und Beweißthümer / fo auch den Halöftarrigftendie Müglichfeit der 
Verwandelung einpredigen und beybringen müflen. Siehet man 
die Köcher und Hölen an/ wo diefe Hoͤllenbraͤnde ihre betriegliche Wer⸗ 
de ausüben, findet man Feine Mirabilia oder verwunderliche Dinge/ 
fondernDeteflabilia, zerbrochene Töpffe und Glaͤſer Leim und Stei⸗ 
ne / Schwefel und Rahenkraut / Stand und Unflaht / die Goldblaͤſer 
ſelbſt Qyod vifu dignum ef, wie der Kiplæus wohl von ihnen ſchreibt / 
incedunt pannoſis veftibus, oculis partim lippis partim erutis, facie 
difcolore ‚anhelitu fœtido, manibus deturpatis, loculis depauperatis, 
ita ut promisfis falfatis, nullo complemento Ars Alchymica venuſte- 
eur, (le præſentiren ſich mit zerlumpeten Kleidern/ trieffenden ja ans 
gekragten Augen / bleich/ wie der Tod / ſtincken den Anhauchen / beſu⸗ 
delten Haͤndeñ / auögeleerten Beutel / mit falfchen und betrieglichen 
Großſprechen und Verheiſſungen / die Alchymiftifhe Kunſt vielmehr 
befchinipffend und verächtlich machend / als daß ſie irgends einen Zier⸗ 
raht zum Beweiß der Wahrheit ihr beyzubringen * ſolten. 
Die Schuld aller ſolcher Thorheiten und Unſinnigkeiten wird nach⸗ 
mahls den verführifchen Schriften und Büchern, fo vieler verderblis 
hen Wegweifer beygelegt/ da noch täglich deven eine folhe Menge 
ausgebrutet wird/ daß unmüglich fällt / ein Negifter davon zu halten. 
Der Chymifche Rofen-Barten/ fo ſich mit Annehmlichkeit und Nutzen 
eröffnen folte/ ift mit nichts ald Unkraut / Dornen und Difteln von 
Falſchheit und Sophiftereyen angefüllet ; diefer hat ein weiß. Kupfer 
erhafchet/ fo 14. Löhtig am Strich / und nichts löhtig am Wehrt oder 
Gehalt iſt. Er kan jedoch ſilberne Leuchter / Becher und Kannen / 
Spuͤhl⸗Keſſel und Feuer⸗Schauffel davon machen laſſen; Von fale 
ſcher Muͤntze nicht einmahl etwas zu erwehnen / als welche ohne des 
in dieſen Krahm mit eingehet: jener. hat eine fuͤrtreffliche Gold» 
Mixtur ũberkommen / daraus Fon er güldene Ketten und Ringen / Du» 
taten / Roſenobel und Goldſtücke nach Belieben ſchmieden und prde 
gen laſſen / die Welt wolle betrogen ſeyn / ob ers oder einander ihue / 
daran ſey nichts gelegen Mit vergleichen verzweifelten / hoͤlliſchen 
hoch⸗ ſtraffbahren Practiqyen und Aufzügen gehet dieſe verführifche 
Goldmacher⸗ Zuunfft ſtets ſchwauger / wer dawider redet / und ſich * 


nd ——— — —— 


Tap _ 739 
pe und falſchen Compofitionen nicht will beſtricken laſ⸗ 
y hat nichts dann Schmähmort/ Pafgvillen, Draumworte/ und hoͤni⸗ 
ſche Laͤſter · Schriften zu erwarten, fo daß / wann es müglich wäre / (le 
den Widerſprecher ſolcher Betriegereyen im Brenn«Ofen calcinıren/ 
Bud auf Mofaifche Art aufs Waller ſtaͤuben und im Abgrund verſen⸗ 
' den würden. Die vielfältigen Sudeleyen mit den AugmentisSo- 
lis & Lunz, die Colorigen/ Bradier-Waffer/ Einbringen, Zeifigan. 
en und Berwandelungen / daman gleichfam ein ftetiges Berger 
z Haufe haben foll/ daalles Bley / Zinnober und Zinn in Silber und 
Sold ich verkehren ſoll / (ind ſolche nichtswuͤrdige Arcana (ſo dennoch 
‚für diel Zaufende ſell geboten und verkaufft werden ) daß ſie vielmehr 
"bie Anzeige einer zerſtoͤrrten Wiffenfchafft geben / da niemahls n 
gutes von zu hoffen ſtehet / weil ſie des rechten . berfehlen / und 
* Meg nad) der finſtern Hölle als Unwiſſende bereits ergriffen ha⸗ 
ben Wan befindet / wiedemungeachtet / fie ihreinterellenten / ſo 
Geld und Unkoſten darzu hergeben / hinters Licht fuͤhren / und taufend 
Ausflüchte zu machen wiſſen / daß ihnen die Glaͤfer und Kolben jet» 
fpeungen/ die Materialien nichts getauget / dieſer und jener habe das 
defte dabon meggeraubet/ das Wetter unddie Jahrs⸗Zeit fen nicht 
mehr begbem darzu / und was ſolcher ungereimten Entſchuldiguug 
mehr ſeyn. Koͤmmt es endlich zur Projektion, da ſie eine Probe da 
ſo ſehr geruhimten Kunf ablegen follen/ da duffert fich erft dad Thea- 
trum on aller Betriegetey und Hinterlift / und hat der bekannte Kos 
fenfreuger Michael Mäyer / fo hin und wieder mit dem Bold-Spief 
an den Teutfchen Höfen weitlich herum geloffen/ nicht übel gethan/ dag 
er die merckwuͤrdigſten Rencke und Tafchen-Spieleven/ fo dabey für- 
gehen/ inein Bud) zufammen gebracht / welches meritiret/ daß ed alg 
eine Vorrede zu allen boverwehnten berführifchen Schriften von 
neuen angedruct würde. Wir wollen ſolchen Schwargfünftiern 
and Proceßs-KRrähmern/ fo ohne dein aus dem Hermerifchen Himmei 
ſchon laͤngſt ausgebannet feyn / ein für allemahl hiemit ihre Abferti- 
gung geben/ ihre Laboratoria im Rauch auffliegen / und dag Berüi & 
Miterere anſtimmen laffen ; ſie mögen ſich unter einander jekbft aufe 
reiben / zerfragenund die Haar ausrauffen: der drep-Föpffte Bollene . 
Hund / derCerberus Alchymilticus , wird ihnen jedoch zuletzt ihren 
berdienten Lohn ertheilen / fiedermaffen folviren / ealcinıren/und in 
feinem Strauß-Magen digeriren helffen/ bis aus dem Saltz / Schwer. 
felund Mercurio, dei ſie —* im Rachen führen/ eine Tin&tura Anti- 
fophiftica möge heraus kommen / damit diejenige/ ſo noch Fünfftigfich 
gu en laffen / bey Zeiteneinen Abfcheu für ders 


. 


gleichen ſchaͤndlichen Art / (ich zu bereichern / in ſich emipfinden / und 
PL Haas him 


- - 


“ . ” “ 
⸗ 


% 








740 Lap 
hingegen den rechten und geziemenden Tr der Natur und Redlich⸗ 


feit gemäß ergreiffen mögen. Bis hieher befagter Author. 
Was von Moſis Zeiten her vor Bold-Kunftier and Alchymiflen (die 
entweder den Lapidem Philofophorum wuͤrcklich befeffen / oder auch 
fätfchlich folches von ſich auögegeben/und hoc) darzu dieleihtgläubige 
Geld und Bold-begierige Welt mitihren ſcheinbaren / in der That 
aber unnüsen falfchen Obfcuren und erlogenen Scrifften betrogen 
ag gewefen fenn/ davon gibt der Autor des fo genannten Fegfrur® 
er Scheide KRunft einen ganken groffen und ausführlichen Caralo- 
gumany/ in welchen ev alle — Laboranten/ Alchymiſten oder 
auf Teutſch Golbmachers / in drey Ctafles, als in ent) Zwei⸗ 
und Betrieger eintheilet / und ihre dabey im oͤffentlichen Druck 
iegende Chymifche Schrifften der Länge nad) erzehlet / welche Ein⸗ 
theilung wir kurtzlich allhier zuſammen — und zwar nach beſagten 
Authoris Meynung / dem geneigten Lefer unter dem Rahmen der 
— Adeptorum, (dasift derjenigen / welche die Weis heit 
chſam au ihren Schoos· Kindern erwehlet und angenommen) ver» 
ellen wollen: 
Erftlich den Mann Gottes und Iſraelitiſchen Heerführer Moſes/ 
Hon welchen in deflen 2. Buch am z2. Cap. v. 24. gefagt wird/ daß er das 
— Kalb / welches die Kinder Year! gemachthatten/ mit Feuer 
brannt/ zermalmet/ aufs Waffergeftdubet/ und den Kindern J⸗ 
rael zu trincken gegeben. Runaberiftsbefannt/ daß das Gold mit 
— kan verbrannt werden / es ſey dann jemand / der die Ge⸗ 
heimniſſe ver Scheide⸗Kunſt inne habe und gruͤndlich verſtehe. Da 
aber Moſes in dieſer Miffenfchafftgeübet geweſen ſey / iſt gar kein 
Zweifel / weil dieſes die groͤſſeſte Wiſſenſchaͤfft der Eghptier war. Und 
Aktor. 7. gefaget wird: Moſes ſey gelehrt geweſen in aller Weisheit 
der Egyptier / alſo ohne Zweifel auch in diefer. Es fcheinet / daß die⸗ 
ſes nur eine ih da man aus Verbrennung des Boldes 
fchlieffen will / Mofes habe die Geheimniffe ded Steins der Weifen 
ewuſt. Allein es ift Feine Muhtmaffung/ fondern ein unwiedertreib- 
icher Beweis / und das ans diefen Urſachen: Erftlic Fan niemand 
das Boldverbrennen/ daß es (Ich niit dem ABafler vermifchet / oder ex 
muß den Stein der Weiſen wiſſen / oder wer den, Stein der Weifen 
perftchet zu verfertigen / muß nohtwendig das Bold verbrennen füne 
nen / und wird das Verbrennen des Boldes fo nohtwendig erfordert 
daß dieKunft ohne dieſes bey vielen nicht wahr iſt; Anders iſt die 
Kunft bey GOttes Freunden / ald Mofeseiner war/ gemein geweſen / 
und können diefelben allein davon rühmen. 
Der Zweyte / welcher den Stein der Weifen etwan befeffen / iſt der 
König David gewefen/ wegen des groſſen Schageö/ welchen 


— ae 


Lap 74 
Sohn Salomon hinterlaffen / und deffenı. Chron. zo. gedacht wird; 


Nach ihm kam fein Sohn Salomon / aus deffen Hohenlied die Ges 
‚kehrten als eine unfehlbahre Wahrheit behaupten wollen / daß er den 
Steinder Weifen muß gehabt haben. Ihme folgete Hiob / welches 
aus dem letzten Capitel ſeines Ereug-Büchleind gar deutlich abzuneh⸗ 
men. Nach Hiob der Eſra / als welcher ſelbſt von ſich bezeuget / daß 
er in der Scheide⸗Kunſt nicht unwiſſend geweſen. Dieſen allen koͤnn⸗ 
— — beygefüget werden Heſekiel / Daniel / Zacharias und 
icha. 
Unter den Heyden kommt uns am erſten vorlermes Trismegiſtus oder 
der dreymahl Groſſe / welcher Rahmen ihm darum gegeben worden / 
weil er feinen eigenen Bericht nach / 3. Theil der Weisheit beſeſſen. 
pe folgte die Röniginn Ifis in Egypten / Oftanes ein Perfer / und 
Zofimusein Grieche. / ferner Democritus ein Grieche / welcher das 
Helffenbein fo weich ald Wachs machen / und die Smaragden vergroͤſ⸗ 
fern fönnen/ Virgilius ein Lateiner und Poet / weiches einige aus feinen 
libris Eneidos, und, zwar aus denen nachfolgenden Deren erhärten 
wollen / deren Anfang alfo lautet: 
— — —  faecilis defcenfus averni 
Nodtes atqve dies patet atri janua Ditis, 
Sed revocare gradum fuperasgve evadere ad auras, 
Hoc opus, hic labor eft ; Ä 


Sierauf Papias, des Apoftels Johannis Schüler / Morienus ein Roͤ⸗ 
mer / Artephius ein bekehrter Jude / Synefius ein Griechiſcher Abt/ 
Merlinus ein Engelaͤnder / Albertus Magnus ein Biſchof zu Regen⸗ 
ſpurg / Raimundus Zallius aus der Inſul Majorca bürtig / Arnoldus 
de Vıllanova, Chriſtian Roſenkreutz / welcher die Chymifche Hochzeit 
geſchrieben / Comes Bernhardus Tervifanus, Roverius Bacco ein En» 
eländer/ Bafılius Valentinus ein Elfaffer/foll nur fein augenommitener 
hme gemwefen feyn/ und er fonft Johannes Erfchen- Reuter geheiſſen 
haben; Cr hat den Triumph" Wagen des Antimonii geſchrieben. 
Lambfpring, Nicolaus Flamellus, Richardus Angelicus, Georgius 
Riplzus, Northonus, Trifmofinus, Philippus Theophraftus Paracel- 
fus, Jamsthaler, Dionyfius Zacharias, Valentinas Weigelius, welcher 
de Igne & Azochoder Feuer und Sauer gefchrieben/ Johannes Graf- 
ſeus, Syndicus der Stadt Straffund/ Sendivogius ein Pohle/ Alexan- 
der Sidonius ein Schottländer/ Henricus à Batzdorff, fonft Chrifto- 
phorus Keibehand geheiffen/ ein Apotecker in Gera / Hadrianus Myn- 
ficht, David Beuter, Ambrofius Müller , Sebaftian Giebenfreund / de 
Delle, Phil, Jacobus’ Gaffenhauer von Offenburg / EdvardKellzus, 


Leonhard Thurnhãuſet / Johannes Dee, Petrus Arlenfis de Scudalu- 


Yaaz pis 


JJ —— 
is, welcher Sympathiam plantarum, Metallorum & Lapidum ge⸗ 
iei⸗ Ambrofius Giebmacher / Avicenna Rhafes, Chriſtophorus 
Pariſienſis, Johannes de Rupiciſſa, Guido de Monte ‚'Rachelius eig 
Holfteiner/Nicolaus Tering, Racius, Fridericus Gualdus, Cochheina 
bon Holrieden. Diefe alle feget der Verfaſſer des bemieldten Tra- 
Cars unter die Adeptos oder die Kuͤnſtler inder Goldmacher⸗Kunſt. 
Unter diejenige/ bon welchen noch in Zweifel gezogen wird / ob ie was 
gefanben haben/ wiewoljlelichfehr darum bemüht / feynd folgende: 
ls Augurellus Chryfippus, Fannianus, Hogheland, Jacob Böhm / 
Cardilucius, Helmontius, D. Becher, Kunckel, Kerkering,Rift, Glau » 
berus. | 5 
Endlich fagt er auch / daß in der Zahl der fo genannten Pfufcher und 
Betruͤger gewefen/ Johannes Pontanus, Alexander von Suchten / Cra- 
merus aus Engeland / Penotus,, Faber Yon Montpellier, Thom, 
Vaughanein Engeländer/ welcher ſich Philaletam nennet / Johann de 
Monte Snyder, Ericus Pfeffer ein Holfteiner / Erneftus Aurclius 
Reger bon Ehrenhart/ Abraham von Frandenberg/ Libavias, Crol- 
lius, Majerus, Otto Helbigius, Vuywort, Waitz,, Martin Stiller, Jo- 
hann Adler / Ortelius, Baron Urbiger , Paulus Stein von Chemnitz, 
Johann Gercken, Erbinzus don Prandaa und andere mehr. 
Denen borfeglichen Ertz ⸗ Betriegern inder Chymie, und welche durch 
ihre vorgefhüste Goldmacher⸗ Kunſt nur den Leuten das Geld aus 
den Beutel zu vexiven gedenden/ fehet der Autor des Tractats, (wel⸗ 
ches zum Tirul führet: Der nach Urthell und Recht geftraffte 
Gold: und Silber Macher /) folgende Uberſchrifft / welche zu-⸗ 
gleich die Terminos Technieos der Alchymifterey in ih hält; 
O Du betruͤglich boͤſe Rote 
Fuͤrcht'ſtu Dann nicht den groſſen GOtt / 
Und daß man dich vor allen Dingen 
Moͤcht zu sin’ hohen Öfen bringen/ 
Der dorten ſteht ia freyen Feld / 
Und fidy in ven Triangel hält, 
Da ſolt du werden fublimire / 
Mie Martis Banden auch figire ; 
ann gehet's an Das Calciniren / 
Worauf Dann folger dasSolvirenf 
Aternechft die Purrefadio, . 
Daruͤber ſoll man werden froh/ 
Mei alles dann wird gänslidy ſchwartz 
Viel ſchwaͤrtzer alsein glänzend Hartz: 
Dies wird genannt das Raben Haupt / 


Meih’s 


gap 943. 


Welch's fo viel Silber und Gold geraube. - 
So nun die Sonn wird fiheinen heiß/ | 
So wird es als ein Schnee fo weiß / 

Daß jedermann daruͤber lacht / 

Weil das / was fluͤchtig / fir gemacht. 


Lapis Lazuli, iſt ein Edelgeſtein von treflicher hoher blauer Farb / 


Bis weilen/ wann er nicht gan; blau/ fo iſt er mit gulden und fübernen/ 
aud) weiß kießlichten Adern durchlauffen ; Er kommt aus Orient und 
Srabien/ und auch aus den Teutfchen Bergwerden/ danftenhero er in 


Ben Orientalifchen und Occidentalifchen unterfchieben wird. Man ma⸗ 
chet daraus den Ultramarin, welches eine unbesgleichliche fchöne blaue 


Zarbeif. “Inder Medicin wollen fle ihm unter die foftbahre Con- 
et. Altermes nehmen; Sonften wird et mehr zu Geh: gen und 
KRingen verfaßt/ als innerlich verbraucht. - Der fo gan lau faͤllt / iſt 
am beſten. Vide hievon ein mehrers unter dem Wort Ukramarin. 


Lapis Armenius, Armenier oder Laſur · Stein / iſt ein grünblauet 


Stein / weswegen er auch auf Teutſch Bergblau / und Frantzoͤſiſch 
.Verdazurgenennet wird. Er iſt in der Groͤſſe einer bleyern Kugel / 
mit glängenden Sand⸗ Koͤrnlein bermengt. Vide Bergblau. 


Lapis Batrachites, Bufonius Keötenftein. 
Bononienfis,vide Phosphorus. | 
Callimus, vide Yoler-&teim. 
Fulminaris Donnerfeil/ vide Juden⸗ Stein. 
Gamaicu, Podenftein. 
Geodes, vide Adlerſtein. 
Lunaris, vide Selenites. x. 
Hzxmatites, vide Blutſtein. 
Hydrotites, vide Wdlerftein. 
Infernalis, vide Hoͤlliſcher Stein. 
Mexicanus, vide Fältrum. 
= Scjshlis, vide Blutſtein. - 
L.apides Stultorum , werden bie unter den Johannes⸗Kraut oder 
Ben Beyfuß von abergläubifchen Leuten gefuchte Kohlen genannt. 
Lapis Syenites ober Stygnites/ wegen der Heinen Flecken und Pun⸗ 
eten/ womit erbezeichnets wird von den Italiaͤnern Granito genen⸗ 
net / iſt ein ſehr harter Stein / der in Egypten bon ungehäuer Groͤſſe 
efunden wird / wie dann faſt alle die Obelifci aiguilles Ind eine groffe 
Anzahl anderer Stein-Arbeit in Rom bon diefen Granit zu finden / 


11111411414 


meilman wahr genommen / daß dieſer Stein dem Feuer und Wetter 
widerftehet / weswegen ihn auch Die ur vor andern Bea 
004 


744 gap Lat 


das Gedaͤchtniß und die Befchreibung der Thaten ihrer wohlverdien ⸗ 
ten Männer/ diefen Stein — Zwar ſtehen einige in 
den Sedanden/ ob wären dieſe grauſame ungehaͤure Steine nicht na · 
tuͤrlich / weil / da ſie nicht in talien gefunden würden / ſie unmüglid) 
über die See and Egypten hätten können gebracht werden/ fondetn e$ 
 müftedie Kunft/ den Marmor zu gieffen / den Alten bekannt gewefen 
ſeyn: allein man flehet/wa$ Pliniuslib, 37, c,9. davon ſchreibet / und 
was Rom / als es noch im Flor geſtanden / vor unmuͤglich geſchienene 
Dinge (ſonderlich in dem / was zum Pracht und Beluſtigung des 
Volcks im oͤffentlichen Schauſpielen diente) möglich gemacht / ber 
ba ſich über dergleichen Wunder « Steine nicht zu verwundern 
u. 


Lapis Lydius vel Obſidianus, Probierſtein / iſt eine Art eines 
ſchwartzen Marmors / dienet / um Silber und Gold darauf gegen die 
Streich · Nadeln zu probiren. Man hat auch noch eine andere Art 
deſſelben / fo Eifenfärbig und Bafaltes oder Meifinifcher Probierftein 
genennetwird. Die Jtaltäner brauchen zum Probieren einen grü⸗ 
nen Marmor/ welchen fie Verdello nennen. 


Lapis variolatus, v, Pocfenftein. 

Lappa. Bardana, FEW AR N 

Lapplaͤndiſche Waaren und Handlung beftchen in allerhand 
— und Thier⸗Hãuten / die ſie auf der Jagd gefället/ welche ſie 

ernach an ihre Benachbarte / ſonderlich aber an die Einwohner in 
Bothnien verhandeln / welche Hingegen des Winters/ wann alle Seen 
und Waſſer gefroren / den Lapplandern wieder zuführen / was zu ih» 
resLeibes Nahrung und Nohtdurfft vonnöhten/uit was ſie die Bothnier 
etwan des Sommers über von Geval, oder wol gar bon Stodholman 
Kauffmannſchafft geholet/ oder auch von denen bey ihnen/ fonderlich 
gu Hermo-Gand anldndenden Kaufleuten gefauffet haben. Vide 
hiervon ein mehrers in unfern Schwedifchen Kauffinann. 

karix, Lerchenbaum / gibt ein ügig Hark von ſich / fo bor gemein 
Zerpentin verkauft wird. 

Laferpitium Germanicum, vide Imperatoria, 

KCaſur⸗Stein / vide Lapis Lazüli, 

LZaternen / Lucernæ, gehötenin der Spengler / Flaſchner oder 
Klempner ihren Krahm. Ein Kauffmann / ſonder ich aber ein Kunft» 
Haͤndler / möchte etwart Zaternas Magicas, melde don denen Opticis 
berfertiget werden / und deren unter den Optifchen Sachen gedacht 
worden, führens derzur See handelnde Kauffmann aber /die auf 
feinen Schiff bey Nachts · Zeit aufſteckende Raternen verfertigen zu laſ⸗ 

Ä | | fen, 


Sat Lau 745 


—ſ — —— — — — — — — 
fen noͤhtig haben / derer dann beyeinem groſſen Schiff / auf deſſen Hin⸗ 
tertheil gemeiniglich drey / auf den groſſen Maſt aber eine vonnoͤhten. 
Wegen ihrer Anzündung aber folgendes bey der Schiff⸗Fahrt zu be» 
merdenift: Daß mann ein Admiral des Nachts zu Segel gehet / ev 
auf dem Hintertheil feined Orlogs oder Convoy ziwen Laternen aufſte⸗ 
de/ undein Stüc löfen laffe / da dann die übrigen Capitains in der 
Flotte auch eine aufſtellen / felbige aber wieder wegnehmen müffen / . 
warn der Admiral die dritte aufftedtet ; will der Admiral des Nachts 
den-Ander fallen laffen / fo ſteckt er zwey Feuer oder Raternen hinten 
auf/ und die dritte an die Tauen oder Seilen des groffen Mafts / nes 
benft einen Stuͤckſchuß / alfobald feynd die andern Schiffe audi vers. 
bunden/ eine Laterne hinten aufund an den groſſen Maſt zu ſtellen / wel⸗ 
che ſie nicht ehe alö nach deu Admiral abnehmen dürfen. Willer ſei⸗ 
nen Cours ändern/ fo ſteckt er hinten zuweilen drey Laternen auf/ deme 
Dann die andern Schiffefolgen müffen. Wann ein Schiff von der 
Flotte des Nachts in einem ungluͤcklichen Zufall geraht/ muß es alleba⸗ 
ternen an die Stange des groſſen Maſts / oder auch drey über einander 
in feine Wand aufftechen/ bey Tag aber ein Koll Tuch oder Bonner bon 
der Maſt wehenlaffen/ und einen Canon Schuf thun/ da dann jede 
abrige Schiffe des Nachts auch Raternen aufſtecken / oder in ihre Waͤn⸗ 
de hängen/ und zur Stund {ich zu deſſen Hülffe einfinden müffen. Kies 
ber gehören auch die fo genannten Baaden/ Wacht oder Zeichen/ und 
MWarfhauungs- Feur / welche hin und wiederan dem See⸗Strand aufs 
geriet, damit ver Kauffleut-Schiff und Guter des Nachtö/ ſonder⸗ 
ch bey ſturmichten Wetter nicht zu Schaden kommen / und ſich nach 
ſolchen Zeichen / welche ven rechten Haven andeuten/ richten mögen. 
Lathyrisminor,Cataputiaminor, | | 
Latten ſeynd ſchmale und lange von Führen Holtz gefchnittene 
Gtangen/deren man ſich zu ver Dächern um die Ziegel darauf zu legen 
bedienet/die Bols- Händler laflen folche entiweder felber in Holtzreichen 
Dertern fügen/oder auch bey gantzen Schiffs⸗Ladungen / fonderlic) aus 
Rorwegen / Schweden und Finnland kommen / und verkauffens hernach 
bey tauſend / hundert und Schocken / nachdem fie lang / dick oder duͤun / 
einfach oder doppelt ſeyn. | 
Sartiglaftuca. \ 
Lattwergen vide HRectuarium. | 
Caub⸗Kefer / Melolantha,faub- Hahn / Urogallud minor. 
 Pauch/Porrum, 
Laͤuchel / Alliaria, | 
Zaudanum wird aus Mohn-Safft bereitet/dahere nennet man es 
auch Zaudanum opiatum, | 
Aaa CLaven⸗ 


746 Rau 


DE IE I POT — 

Cavendel · Blumen FloresLaven dulze , ſeynd genugſam bekandt / 
werden fammt den koͤſtlichen Delfodaraus deNillivet wird/ in Haud⸗ 
lungengar häufig geführet. 

Laver Baccabunga. ‚ 

Laver Majus odoratum, Nafturt, aqvaticum. 

Laugelein / Zevifcus. 

Laugen⸗Blum Chamzmelum,Chamomila vulgaris. 

LTaugen⸗Kraut / Damafonium aſterum, Aliſma. 

Laviren / gegen den Mind kreutzen / ober ben contrairen Wind 
Y lang dannoch mit Hin und her legen des Schiffes die See halten 

i8 der Mind beffer wird / ober man auch auf folche Weife im Ha⸗ 
pen fommit. 
_ Laureola Mezereum, # ' 

Lauras, Daphne dorbeer · Baum / Frantzoͤſiſch Laurier, ift entweder 

hortenſis latifolia , vel anguſtifolia vulgaris, oder ſylveſtris. waͤchſet 
dauffig in Italien / Spanien und Portugall / kan auch in unſern Gärten 
gezogen werden / wieivohl er groſſe Wartung erfordert / und des Win⸗ 
ters im warmen Gewaͤchß⸗ Haus ſorgtaͤltig muß bewahret werden; der 
Handel welcher mit dieſen Baum geſchiehet / iſt unter Liebhabern der 
Orangerien,eö bringen auch Die Italianer viel lunge Bäume aus J⸗ 
‚talien/noch mehr abet die fo genannte Straß⸗Fahrers / die nahSpa» 
nien und ‘talien fegeln/ welche auf ihren Schiffen die (hönften Bäume 
mit heraus zu bringen/bie befte@elegenheit haben. 
. Laurus Alexandrina,Hippo loffum, Uvularia,Bislingva,Epiphyl- 
loearpon, Epigloffon Zapfien- Kraut / Auffenblat / Kehl⸗Kraut / Zöpfe 
fel Kraui / Haucken oder Hockerblat/ wird vornemlich zu den abge⸗ 
fallenen und geſchwollenen Hald-Zäpfflein gebraucht. 

Laurus Roſea oleander, floribus rubefcentibus, Rhopodendren, 
Dleander/ Lorbeer⸗ Roſen / weil die Blume einer Roſen / die Blätter 
aber den Lordeer⸗Laub aͤhnlich Unholden-KRraut/ weil es ein ſchaͤdlich 
Kraut/das Menſchen und Vieh tödtet / und um des Willen / ihn auch 
Rienſchen und Vieh nicht Hold ſeyn / wächft von ihn: felbft un Tripo- 
lisin Syrien / da es die Einwohner Defic nennen / man findet ed auch 

an ehlichen Orten in Franckreich / item umGenua, und bey Zivorno, 
Es wird auch in den Gärtengebauet/ ift aber ven Menſchen und Dich 
an toͤdtliches Gifft. 

Lauri, Lorbeern / kommen aus Italien in Gäden / wo fie ſehr ge 
mein feynd/ in Teutſchland hat man zwar wie ſchon gemeldt die ed 
nen Bäume/ aber mehrentheild ohne Frucht / wiewohl in den weitbe- 
rühmten Bartelfchen Garten zu kubeck / etliche Baͤume gefunden * 

- ka 


Lau, Led 747 


Den / die einen Uberfluß von reiffentorbeern haben; in Handlungen wird 
Das Del nebenſt den Beeren in groſſer Qyantität verkauffet / fo werden 
auch die Blätter noch zimlich genuget. Die Lorbeern kennet man 
nach ihrer Güte wann ſie ſchwartzbraun im Brechen / voller Del und 
richt muchlig oder fhimmlig (ind. Die Blätter muͤſſen auch grün 


Son Anſehen ſeyn / und wohl riechen/ erftere werden bey 100. Pfund er- 


Eaufft/mir2. Pfund Thara pr, Beutel/und ı. Rabbat pr. Cent. letztere 
werden nah Pfund gefaufft. 
Kauf Kraut/ Saamen⸗Kraut Staphi Sagriæ Semen, 
| Laußbaum / Frangula, arbor foetida, 
Laxans, das die böfe Materiam indes Menfchen Leib/diezu Wind 
werden will/and eine Ausſpannung berurfachet/dünne macht und ver⸗ 


> treibt. 


Zazuli lapis, Safurftein. 

‚ KebendigerSschweffel/Apyron,Sulphur nativum. 
CLebendiges Silber/ Argentum vivum, Mercurius. 
Lebendiger Raldy/ Calx viva. 

Leber Balfanı-Araut/ Ageraton, Eupatorium, Meſuæ verum, 
- Keber-Diftel/Carduus Epaticus, laetuca ſylveſtris. 
Leber⸗Kraut / Leber⸗Kletten / Agrimonia. 
Seber-Raure/Lunariajecoria,racemofa, 
eber-Alee/Trifolium epaticum, hepatica nobilis, 
Leber⸗Farb / Aloes Aloe epatica, 
Ceb⸗raut /Gallium vel galium. | 

eb oder Pfeffer / item Honig: Kuchen / werden in Nürnberg we⸗ 
geu des Waſſers und der Lufft am beften gemacht / ſie muͤſſen wo man 
ſie uͤberLand führet/nicht viel in dieLufft kommen / weil fie davon feucht 
werden/und fo man jie hernach wolte wieder an einen warmen Ort 
legen / fo wurdeh Wuͤrmer darinn wachfen/ vide Honig. 


Leder Corium, Frantzoͤſiſch du Cuir, wird bon den Thieren genom⸗ 
men und in rohes und zu bereitetes Leder eingetheilet / jenes iſt entwe⸗ 
‚der noch frifch/wie es den Thieren / Ochſen / Pferden / Renn und Elend 
Thieren / Schaafen / Boͤcken / Ziegen/ Hirſchen / Eſeln / Hunden / ze. 
abgezogen worden / oder auch auffgetrucknet oder eingeſaltzen. 

Subereitetes Leder nennet man dasjenige / welches durch die zu jeder 
Gattung erforderte Materialien, als Loh / Smack / Alaun / Kalch / Tran 


‚xt. zugerichtet und zum Gebrauch fertig gemacht worden / dergleichen 
iſt das fo genannte Solen oder Pfund⸗Leder / Corduan. Juchten / das 


geſchmierte und Saͤmiſche Leder / ıc.. von welchen mehrentheils unter 
eines jeden fonderbahrer Benennung / ſo wohl der Zubereitung / als 
Des damit geführten Handels halber ausfuͤhrliche Meldung * 

en 


748 Led | 

hen/anjego nur des rohen Leders mit wenigen noch jugedenden / 1% 
ift ſolches theils Einlaͤndiſch / theils Auslaͤndiſch / und der Handel durch⸗ 
gehends darmit ſehr profitable, jenes fallt imLand ſelbſten und wird 
darin conſummiret / dieſes aber mug (mann ein fand mehr verbrau⸗ 


—qdhet / als es in ſich ſelbſt anſchaffen Fan / von auffen her zugeführet 


werden / dergleichen dann mit den Ungariſchen Leder / wie auch 
mit den Pollniſchen nach Ober · Teutſchland geſchiehet / welches Le⸗ 
der gemeiniglich ſehr ſtarck / groß und did iſt und zu Sohl und Pfund⸗ 
Leder verarbeitet wird / dabey ſich dann zu verwundern / mas für 
groſſe Wantitaͤten dergleichen rohen Leders Jaͤhrlich in denenLeipzi⸗ 
ger und Franckfurter Meſſen verhandelt werden / wie dann auch in 
Anſehung / daß ein groſſes Capital darin ſtecket / manchmahl 2. bis;. 
und mehr Kauff⸗Leut in Compagnie zuſammen treten,’ welche dieſen 
Handel geſammter Macht treiben / und fo le mit Ungariſchen Leder 
bandeln/etwann — einen aus ihnen auf etzliche Monaten nad) 
Wien fenden / und dafelbft fo wohl mit den Kaͤyſerl fu Schr 
der ald ven Wiener / Prepburger / und Dedenbargifchen Fleiſch⸗ 
Hackern einen JahrsKauff machen laffen / daß ſolche alle Ochſen⸗ 
Hãute / dieſie das Jahr über ſchlachten / der Compagnie lieffern mũſ⸗ 
fen. Ao. 1664. da der Tüͤrck nach erlittener Niederlag bei) 8. Cott- 
hard mit dem Kaͤyſet Frieden machen muſte / und unter andernFrie⸗ 
dens·Conditionen aud) ſtipuliret worden / daß die Kaͤyſerl. Untertha⸗ 
nen / und ſonderlich die zu Wienzu dieſem Ende errichtete Orientali- 
ſche Compagnie, das freye Commercium nad) der Tuͤrckey / voraus 
aber ihre Niederlag und Pack⸗Haͤuſer / in Belgrad oder Griechiſch⸗ 
Weiſſenburg haben ſollten / da bekam die RürnbergifcheCompagnie 
der rauhen Leder⸗Haͤndler / welche zugleich Intresſe in der Wieneri- 
ſchen Orientaſiſchen Compagnien hatte / viel rohes Ochſen / ſonderlich 
aber eingeſaltzenes Büffel-Leder aus der Türckey / und wärde ſolcher 
Handel lange Zeit in guten Stand geblieben ſeyn / wann befagter O- 
rientaliſche Compagnie beffer wäre adminiftriret worden. 
Das rohe Ochſen und Bock⸗Leder / welches Preuflen / Eur «und 
Lieffland ausgiebet/ wird mehrentheils nad) Lübe verfahren / yon 
wannen ed das Lüneburger und Heſſenland bey groſſen Partheyen 
wieder abholet. | 1 
Aus Canada und andern Americanifchen Ländern item aus Irrland 
konnen Jährlich groſſe Partheyen Ochſen⸗Haͤute nad Engeland 
und Holland / es wird aber ſolches infonderheit das truckne Rind-Le> 
der nah feiner Schwere / Groͤſſe / Breite/ und Dicke gekaufft/ und ſon⸗ 
derlich darnach gefchen / dap die Haut durchgehends egal und nicht 
löcherigt falle / worauf dann aneinigenDrten das leichte Eurifche 
beder bey Dechern / anderes Leder aber bey Paaren und nad) den Be: 
| wicht 


= — — — - — — — — 


Led 749 


wicht / wie dag Ungavifche Leder verkauft wird / an etlichen Orten 
trittoft ein gantzes Amt derfohgarber zufammen und Fauffen eine gan⸗ 
Ge Parthey ſolches rohen Leders weg / anderwerts Fauffen es aud) die 
Schuſter / undlaffen folches felber gärbenund gahr machen. Bock / 
Ralb · und Ziegen: Leder / Hirſch / Elend und Rent hier⸗Haͤut / 
welche letztere mehrentheils in Norden fallen / kaufft jederdeder⸗Haͤnd⸗ 
ler hin und wieder auf ſo viel er kan von Jaͤgern / Fleiſch⸗Hackern / 
Bauren / Amt und Kuͤchenſchreibern / manchmahl legen auch Kauff⸗ 
Leut eigene Gaͤrbereyen ſelbſt an / und laſſen in ſolchen das an ſich ge⸗ 
handelte rohe Leder gahr machen. Was die Pelgereyen oder Pelg- 
werck anbeteifft / wird dabon unter. feiner eigenen Benennung gehan- 
delt werben. | 
Die Manufadturen aus zubereiteten Leder ſeyndSaͤttel / Piſtolen⸗ 
Hulfftern / Pferd⸗Geſchirr / gantze ar auf Kutfchen und Chaifen, 
welches eigentlich der Sattler ihre Profeflion und Arbeit iſt / die Kauf⸗ 
Leut aber in fo weit angehet/ als ſie die Liveranze davon au gange 
Regimenter zuthun/etwann auf ſich nehmen mochten. 
Die Riemer weldhein Grob und Schwarß/ item in Weiß und See 
Riemer eingetheilet werden’ und welche indgefanmt roth / ſchwartz 
und weiß Leder verarbeiten / auch das zu ihrer Arbeit benoͤthigte weiß 
Leder / mit ſolcher Gefhwindigkeit gahr machen koͤnnen / daß es in 24. 
Stuuden fertig iſt / machen allerhand Sorten Pferde· Zeug / auf Teut · 
ſche / Ungariſche / Pollniſche / und Tuͤrckiſche Art/mit gang Silbern / 
derſilberten oder Meßingen Beſchlaͤgen / Gurt und Steig⸗Leder / 
Sprung⸗Riemen / Halfftern / Karwatſchen / Guͤrtel und Knie⸗Rie⸗ 
men / x. PR | 
Die fo genannten Taſchners machen künftlich überzogene und befchla« 
ne Stühle und Seſſels / Neife-Coffres, Patronen, Brieff / Reis / Bar» 
Bier. Taf en/ Rängeld/ FellsEifen/Feld-Gäd/ Betten/und Stühle/ 
⁊c. worzu noch fomnıt daß ſie aud) vornehmer Leut ihre Logimenter 
mit guldenen Leder befchlagen. 
Die Handſchuh und Beutelmachers machen Handſchuh und aller» 
hand Geld-Beutelö / vunde/ablänglichte und vierreckigte / lederne 
Gewürk - Säde/ Heine Spiel-Ballen /und geek Ballonen/sc. 
Sender und Neßler / machen allechand Neſſeln / und willen darzu 
Die Zelle kuͤnſtlich zu zubereiten und zu färben. Was die Schuſters vor 
eine Qyanuität Leder confummirenift befandt / welches alles die 
Kothwendigkeit und den Nutzen dieſer Waar genugfam au Tag 


leget. 

Die Leder⸗⸗ Händler welche heutigd Tags in groffen Handeldsund 

Reſidentz > Städten etabliret / haben er. vor die Schu - 

ſters / Riemers / Sattlers und Buchbinder / allerhand 
| ‚Aus 


BO Leg Lei 
Yusläudifches zubereiteted Leder / als Sohl ober Pfund⸗Leder / Juch⸗ 
ten / Eugliſch und Teutſches Kalb⸗Leder / Bock und Ziegen⸗Cot duwan / 
entweder Rauchſchwartz oder glaͤntzend / gelben / xothen und blauen 
Saffian / Elends / Büffel und Bock · Leder / auf Saͤmiſche Art zubereitet / 
und was etwann vor Arten Leders mehr ſeyn moͤchten / welche ſie her⸗ 
nachmahls Centner / Pfund und Stuͤckweiß wieder verkauffen / und 
wann das viele Ausborgen an die Schufters nicht waͤre / bey ſolchen 
Handkauff noch ein zimlies profiiven Fönnen / welches ſich in 
en Partheyen/ fonderlih auf den Juchten / nicht will thun 
laſſen. 
Legatur-Werck heiſt / wann man Kupffer unter Silber bermen- 
et / daß das Silber um ſo viel geringer von Gehalt werde / alſo 
— D. Becher in ſeiner Weiſen Rarrheit N.is. von ſich ſelbſt / daj 
er am Kaͤyſerlichen Hoff ein Concept eingegeben / wie man Achtloͤthig 
Silber⸗Geſchirx machen ſollte / und den Reſt mit werfen Rupffer 
legiren / fo.eriparte man an jeder Mard zehen Teutfhe Gulden an 
Gilber/ unddas Silber würde doch fo fchön feyn als 16. Loͤthig / dann 
kärch er ferner fort / was liegetnun nicht vor ein Capital allein auf 
taufend Marck Silber-Geiirr/ und zwar ohne Interesfe, auch noch 
darzu in Gefahr geflohlen zu werden / damit aber Feine Falſchheit in 
den legirtenSilber begangen oder der. Känffer betrogen werde / ſo ſchla⸗ 





ge man ein Zeichen daranff/ wie viel gut Silber darinnen fey / fo 


an mand in Umfchmelgen allezeit wieder haben denn hat man im 
Wien / Augfpurg / Breßlau und andern Orten von ſechszehen bis auf 


| eilff Loͤthig difpenGren fünnen / warum folte ed auchnicht bis auf ſechs 


u ' 


Löchig geichehen/ / ja hat man zulaffen können / dap man dad Kupffer 
zu einen gelben Meping macht / warum nicht zu einen weiffen/aber hier 
möchte jemand einwerffen / dap zu den weiffen Kupfer gemeinigli 
Arfenicum komme / welcher giftig ift / wie ehmahls derg.eichen weife 
ſes Kupfſer ein Frantzoß Nahınens Olivier in Londen gemacht / und das 
Pfund vor zo. Schilling verkaufft / welches aber in derLufft augelauf · 
fen und ihwarg worden / allein hierauf antworte ich / daß das vechte 
weiſſe Kupffer nicht muß per luper decompoſitionem, fondern pet 
feparationem gemacht werden / daß dem Kupffer feine Roͤthe ex- 
trahiret werde/ und der Coͤrper weiß bleibe / und nimmerniehr gruͤu 
werde / welches Ludovicusde Comitibus in feiner Metallurgia eiu 
Metallum anonymum nennet. 
Leib⸗Farb und Incarnat, Recipe, zu jedem’ PfundGeiden/i.diertel 
Hund Fernebock / laß das aufiteden / thue es durch ein Sieb in eine 
Saͤlge / thue kalt Waſſer hinzu / bis es fein warm iſt / folang daringer 
kehret / bis die Krafft daraus iſt dann geſpuͤhlet und — 


— 


Lei | 751 
Schöne Incarnatin di Spagnia. 
Timm die Seyde wann ſie weiß abgefotten / getlopffet/gefpühlet und 
getrucknet / zu jeden Pfund Senden 4. Pfund Safflor/ thue ihn in ei» 
nen dichten Sad / laß ſolchen in flieffenden Waſſer wohl zerfnetten/ 
bis das das Waſſer Far davon gehet/ dann nimm den Safflor aus dem 
Sack preffeihn mit ven Händen trucken aus / Und reib ihn von ein» 
ander in einen veinen Kübel / darnach nimm zu jedem Pfund Seyden 
4. Ungen Pottafch / veibefle wohl durch den Gafflor in das reine 
Geſchirr / und dann noch ein wenig Pottafch / zum andernmahl durch 
teben/und wanns wohl durch gerieben / fo theile den Safflor in z. 
—3 eine Dede oder dichten Sack / daß kein Pottaſch hindurch 
gehet / fonften würde es plackericht oder bund werden / nimm und gieß 
ein Theil von den Safflor in die Dede / und Waſſer fo rein iſt /uber - 
den Sad oder Dede in den Kübel gegoflen / daß die Krafft aus dem 
Safflor ziehet/ nimm alsdann zuieden Pfund Senden ein Qartier 
Zimonien-Safft / undtheike das auch inzwey Theil / und bey jedes 
heil Safflor ein Theil Zimoni-GSuppe/ nimm dann deine truchene 
Seyde / thue ſie auf faubere oder reine Stoͤcken / und kehre ſie in den 
Kübel/darinndas erfte Theil iſt eine Stund lang / und dann mit den 
Stecken fleiff ausgewrungen/ und wiederumauf Steden gethan/das 
ander Theil auch alfo duch die Decke mit reinen Waffer gegoffen/ und 
Dann wieder durchgekehret/ durch den andern Theil der Suppen eine 
Stunde lang / eö wird ſchoͤn incarnat feyn / dann weiter mit Ste⸗ 
et gewrungen / und in duncklen / aber nicht in hellen Licht ges 
ucknet. | 


Spanifch Leib, Farb auf Wolle zu färben. 
So nimm s Roth Cerufla, 7. Loth Arfenicum,, ı. Pfund gebrammt 
Weinſtein / 2. Pfund Alaun / laß das Tuch 2. Stunden wohl ſieden / 
darnach heraus gethan / und nach dem Sud haͤngen laſſen / des andern 
Morgens mache ein Flotte in 2. Tb. guten Green / ein viertel Pfund 
Orlcan, ein halb viertel Curcume, 5. Loch Scheidwaſſer. 
Leib⸗Farb / Seyden oder Baummollen aus dem Fernebock zu fär- 
ben / ſo nimm ein Bierling Firnabock / ſeud e3 zu 2 mahlenab aufeinen 
Theil / nimm aufein paar Baumwollen Strumpffe oder Zwirn/ 2. 
Loth Gallas in ein Theil / in den andern Theil 2. Loth Alaun/ 
in jedweder Farb zween / daß fein die Farb wieder heraus laufft wie 
Waſſer / fo wirft du wunder fehen / wie es huͤbſch Leib⸗Farb wird. 
Item nimm vierte halb PfundAlaun/s.LothArfenicum, 8.LothCerufla, 
laß das Tuch ein Stund darinnen ſieden / alsdann fchlage das Waſſer 
weg / ſpuͤhle den Tuch in flieſſenden Waſſer aus / mache eine Flotte von 
8. Pfund Grapp/a.Loth Salmiac, laß es eine Nacht untereinander — 
eu 


„52 Lei 
chen / als denn fiede es ein wenig aus nimm 2. Loth Pottafche und thue 
fie hinein / hernach fo gieß von der Flotte / und jo offt du darein giept/ 
fo.offt farb du auch einmahl / fo kanſt du es hoch uud licht bringen / 
wilſt du es aber ſo hoch bringen / fo kanſt du der Pottaſchen 2. oder 3. 
Loth orrax zumuftern/ das gibt einen feinen Glantz. Item ninım 
2, Roth Weinſtein / ı. Loch weiſſe Staͤrcke oder Krafftmehl / aufi. Pfund 
Waare / laß dieſes mit einander aufſirden / und verſchaum es in wenig 
waſſer / thue darin ein halb LothCochenille, ein halbboth Krafftme hl / 
ein halb Loth Bergzinn / fo in zwey Loth Scheidwaſſer / und beydes iu 
2. Loih rein Waſſer vermiſcht / in die Farbe geſchuͤttet werben ſol⸗ 
fe Naffet alfo das Waſſer mit dem Weinſtein und Siaͤrck⸗Mehl 
ſieden / und daunmitder Cochenille und dem Scheidwaſſer / darin 
das Zinn zerbeiget/ nachgeſetzet / und die Waare eine Stunde damit 
ſte den laſſen. | Zr 
Ä Leib» Farb auf andere Weiſe. 

Prima 2. Loth Weinftein / Stärdnichl/ Eitvon-Gafft/ieded ein Loth / 
Cremor Tartari ein halb Loth / laß diefes alles mit einer feinen Meſ⸗ 
ferfpig voll Curcume in reinen Waſſer auffiteden / alddann mit et» 
niert Loth Cochenitle, und über eine weile mit 2. Loth Scheidewaſſer / 
darin ein Qbentl. Zinn zerlaffen/nachgefolget/und den Zeug damit ei» 
neStund jeden laſſen. 
— Spaniſch Leib⸗Farb zu färben. 
So nimm auf ein Pfund Waare / Weinſtein 4. Loth / Cochenilſe ein 
halb Loth / Krafftmehl ein halb Loth / und einLoth ſtracks in den Süd / 
alsdann s.Loth Scheidewaſſer / 4. Loth klein gefeilet oder gefornet 
Berg⸗Zinn in der Sonnen⸗Waͤrme ſolxirt / und die Cochenille bey we⸗ 
nigen in die Flotte getragen / und fo es kochet /mit dem Starckwaſſer 
oder Scheidwafler nachgefolget/und bald daraufdie Waare nach hin⸗ 
ein gelegt / darauf ı. Stund ſteden laffen / alödann das Waſſer ausge⸗ 
hr um andernmahl mit anderthalb Loth Crem, Tare, oder den 
ſubtileſten Weinftein/ ı. Loth Eitronen-Gafft / ı. Loth Krafitunehl und 

1. Loth Cochenil'e gefotten aufein viertel oder anderthalb Stund/nad 
gut befinden. 

CLeibfarb⸗ Garben Millefolium, fiore purpurco. 

— Glied: Araut / Sideritis Narbonenlis purpurea, 

— Wegwoart / Cichoreum purpureum. 

— Trauben⸗Hyacinth / Hyacinthus Botryoides incarnatus, 

Leim / wird fo wohl von den Weißgaͤrbern ald Pergamentern ge⸗ 
fotten / und zwar aus Leim / Leder / oder Pergament· Spaͤnen / das iſt 
aus denen Abſchnitten von Haͤuten und Pergamenten, bey Hamburg 

J 


— — EEE — —— 
— —— * ® 

— —— — 

4 


gel 753 
leben dabon berſchie deneLeute / welche Leimſte ders oder Kochers genen⸗ 
net werden / welche aus denen Grefen fo bey Kochung des Thraus übers 
bleibet / Leim verfertigen/es iſt zwar geringer als andrer / indeſſen wirtd 
doch groſſe Qyankität davon verthan / man hat auch Vogei · beim / wobon 
aber anderwaͤrts gehandelt worden. 

Lein⸗Dotter Seſaminum, Seſamum. Eu 
„ einen: Garn / aus Flachs geſpoñen / iſt der Brund/ia das weſent⸗ 
liche Stuͤck aus welchen e ſehr nügliche und nothwendi⸗ 
ge Manufacturen beſtehen / dann entweder wird pure Leinwand oder 
nach dem das Garn fein und weiß gebleicht ift / Eünftliche Spigen dar- 
aus gemacht / oder es wird auch in Fabricirung gemiffer Stoffen untee 
Wolle / jazumweilen gar bey Seidenen Manufadturen employret, Der 
vöfte Handel damit aber beftehet in den Verkauff des toben und ges 
leichten Garus / deffen vieltaufend Centner Jaͤhrlich aus Schleſien / 
Braunſchweiger Land und Weſtphalen nach Holland geführet werden/ 
woſelbſt eö die Holländer zu allerhand Manufadturen gebrauchen, 
Diele uns hernach wieder theuer verkauffen / und alfo von unſerer 
Teutſchen Rachlaͤßigkeit profitiven / welches bielen Teutſchgeſinnten 
Patrioten Urſach giebet / die / (unter andern auch in diefen Stüd) 
in Teutſchland negligirteund leyder bon niemand beforate Commer- 
eiazubeflagen. Warum aber eben Schleſten fo viel rohes Barn 
audgebe / ift die Urſach leicht zu ermeſſen / weil ſich dafelbft unter den 
gemeinen Bauers Bold Groſſe uud Kleine/ Alte und Junge/ Frauen 
und Männer des Spinnens befleifigen/ und welches zu berwundern / 
diefe legtere mitihren vauhen Händen eben einen fo fubtilen Faden 
als das zarteſte Frauenzimmer zu — wiſſen / gleichwie efwann 
die Anneberger ſich durchgehend auf das Spitzen Knuͤppeln legen / und 
ſo wohl Maͤnner als Weiber damit beſchaͤfftiget ſeyn. 
Oben haben wir unter die aus Leinen Garn verfertigte Manufaturen/ 
fonderlich die Leinwath gefegt/weilnun auch damit unfer Kauffmann» 
Magazyn pfleget wohl lortiret zu feyn / in maſſen ſolches bald unter 
dem ort Leinwath foll angezeiget werden / ald wollen wir hier 
mit wenigen und zwar auf Veranlaſſung unſerer Gatn-Rubric , der 
Leinenweberen gedenden / die beruhet nun bornemlich in der Batn- 
Weber ihren Werdzeug/ als Elln / Rahmen / Blättern und Känmen; 
zweytens in den Garn ſelbſt / den Haſpel und der Elle; Diefe letztere 
muß bey einen Meiſter richtig feyn / dann darnach richet ſich deffen 
gantzes Handwerck mitallen ĩnſtru menten / ſonderlich aber ſein Rahm / 
welches ein laſtrument iſt darüber die Garnweber das Garn bon ein» 
ander abtheilen/ nach der Ränge und nach der Breite ; Die Länge wer⸗ 
den Ellen / Tuͤcher / Regken/ voee Hundert genennet / = 
. . eine 


64 


(A BEE ER. 3 1 EEE 
eines jeden Ortö und Lands Gewohnheit; die Breite wird genennet 
Bänge oder Steigen/ weil zo. Faden in einen jeglichen Bang zu fine 
den. Solcher Rahme ift nun von unterfhhiedlider Länge und Mar 
nier / etliche haben einen Rahm von 3. etliche von 4. 6. auch wol 12. El» 
len/ und folches alles nach Art der Tuchmacher-Rabmen, An man⸗ 
chen Ort werden Umläufferd vier Ellenweit gebraucht / fonderlic) in 
Meiffen. Blaͤtter heißt man / die in dem Laden eingefaffet werden/ 
damit das Garn dicht an einander gefchlagen werde; Diefe werden vom 
gefchmeidigen dünnen Rohr verfertiget/geben denteinwand die Brei⸗ 
te/ und den Garn feinen richtigen Stand/ dag es nicht überzogen/ nod) 
zu diinn zu ſtehen komme. Segröber Barn/ fe weiter die Köhrigen 
bon einander ſtehen / fe. kleiner Sarn/fe enger/ je ſchmaler Leinwand / 
je kurtzer Blätter/ je breiter je laͤnger; In dieſen Blättern beſtehen die 
Gaͤnge / und in den Gaͤngen die gange Wiſſenſchafft. Einjeder Sarg 
haͤlt in ſich zo. Fäden / darum aud) beym Abgehen allezeit zo. Knau 
oder Spulen lauffen/ die alfofort einen Bang geben ; je Heiner Garn / 
je mehr * je groͤber / je weniger / alſo je ſchmaͤler die Leinwand / 
je weniger Gaͤnge / je breiter je mehr Gaͤnge. Das meiſte iſt an gu⸗ 
ten Garn gelegen / dann ſolches arbeiten die Garnweber gerne / föͤr dern 
auch diejenige lieber / die gutes als die ſchlecht Garn haben / je doch muß 
es nicht zu drell und auch nicht zu loß ſeyn; jenes gibt nicht gut Lein⸗ 
wand / dieſes aber geht leicht bon einander. In dem Hafpeln des 
Garns thut man am beften/ daß man 40. Faden und 20. Fiſſen haſple / 
das wird und heiffet alödann ein gan Stuͤck / wiewol auf folche Weife 
nur dad Heine und feine Garn gehafpelt wird ; bon den groben / weil 
es ſehr aufſchwillet und wann man es nah Studen-Art folte hafpeln/ 
ein fehr ungeſchickt Werck werden würde, der Haſpel auch fo viel nicht 
austragen möchte/ al& hafpelt man 40. Faden und ro. Fiſſen / fo ift und 
heiſſet ed ein halb Stuͤck oder eine Zanfpel; gebraucht ſich aber eine 
Haus- Mutter eined Hand Hafpels / fo hafpelt fie das grobe Zanfpel» 
weiß / ald co. Faden und zo. Fiffen/ welches eben ſo viel iſt / als wann 
aufeinen Zanfpel so, Faden und ıo. Fiffen gehafpelt wurden. Ein 
mehres hierbon fiehe in der nüplic vereinbarten ‘WBeb- und Färb» 
Kunft/ woſelbſt auch von den Leinwebern folgende Hochfürſtl Braun: 
ſchweig⸗ Lüneburgiſche Verordnung de Ao. 16545. zu lefen: 
Die Leinweber follen Fein Garn mehr/ als ſie zu der Arbeit bonnoͤhten / 
den Leuten abfordern/ auch was ſie nach berfertigter Arbeit übrig bes 
balten/ unherweigerlich und ungefordert wieder bon (id) geben / bey 
willkuͤhrlicher Gtraffe. 
2. Wann ein Werd aufgebracht/ follen ftedaffelbe nicht wieder able» 
en/und einander aufnehmen/ fondern einenjeden / darnach die Are 


eit angenommen worden / befosdern. 
* 3. Da⸗ 


— Rei 


3. Damftaber aller Unterfchleiff verhütet werdenmöge / wird hiemit 
berordnet / daß inskunfftig alled Garn / fozu einem Stück Leinwand 
gelhanmird/ den Leinwebern zugewogen / and) darauf hinwieder das 
£einwand/ wann daſſelbe einmahl nad) der Verfertigung aus reinen 

Ballet) und der Kleifter daraus gewaſchen / in Gegenwart des fein- 

webers gewogen / und der Mangelam Gewichte / (mann zuforderft 

ein ungefährlicher Abgang nach der Gröbe und Menge des Garns ſo 
einer Stiege kommen kan / zurück gerechnet worden) bon den Reitte 
ebern erfeget werden foll. | u 

4. Mürde aud) jemand das Garn / und Infonderheit den Au ug fel- 
bet fpühlen / undalfo bey dem Aufbringen des Garns in des Reiner 
berö Haus zu gegen ſeyn / fo hat berfelbe in acht zunehmen/ daß fo biel 
Garn an föppen/ Zahloder Gewicht / ald zu dem Aue gehet/ auch 
gu dem Einfchlag gethan/ und alfo der Aufzug feine Ränge ohne einigen 
Abgang behalten müffe/ jedoch daß die Leinweber dasLeinwand gleich» 
traͤchtig machen / und den Einſchlag nicht breiter von einander (lagen! 
als der Aufzug flehet. | 
$. Der Leinweber » Rohr iſt ea wohl anzudenten / weil an el⸗ 
hen Ort nach Bängen/ an andern Ort aber nahRöppen oder Stücfen/ 
and wie biel deren jegliches aufeine Stiege / breit oder-fhmat gehen, 
gerechnet werden. 

Das Zelliſche Ediet wegen des Kauff ⸗· Garns lautet als folget: 

P.P. Rachdem wir aus der und vorgekommenen Beſchwerung miß ⸗ 

fällig vernommmen / daß unter dem in unſern Fuͤrſtenthum und Ban- 

den zu feilen Kauff gefponnenen Garn / die Kauffmannſchafft gemeinig- 
lich Hintergangen/ Indem der Eu die — e Länge oder Wei⸗ 
te nicht hat denen Garnſtuͤcken ihre Gebinde Zahl und denen Gebin⸗ 
den die gebührende Anzahl Faden nicht gegeben werden / wodurch der 

Garn⸗Handel don unfern Landen abgewandt/ und an andere Derter/ 

darichtigere Zahl und Maaß gaben gezogen wird/ welcher nord» 

tung imd Betrieglichfeit wir Feineöiweges zu geftatten gemennet/ ſon⸗ 
bern diefelbe gang abgeftellet wiffen und haben wollen. 

Dieſem nach jo gebieten und wollen wir / daß ein jeder / der in unfern 
ertzogthum und Landen zufeilen Kauf Garn fpinnet oder fpinnen 
ſet / ſich keines Haſpels unter vier Ellen weniger eined Viertels lang 
ebrauche/ auch auf jedes Städe Bar / es fen grob / mittelmapia 
er flein/ to. Bind/ und in jedem Gebinde hundert Faden / unt, alfo 

 Injedweden Stüde 1000. Faden hafpele/oder Hafpeln und eabinden 

laſſe; Geftalt dann auch hinfuͤhro alle und: jede in unsern Landen ge 
braurhende und verfertigende Haſpel / kürtzer nicht als von bier Eilen 
ringer eined Viegtelö weit ——— geduldet werden ſellen; Da⸗ 

——— 2 wit 





6 Pe 
niit aber diejenigen / To niit Spinnen ihre Rahrang fuchen / hiebe 
nicht verfürget werdenmöge / fo foll das nach * etzter Länge *8 

Binde und Faden-Zahlverfauffende Garn derſelben der Billigke 

nach belohuet und bezahlet werden. | 

Befehlen darauf allen und jeden hiemit gnädigft/ daß ein jeder feine® 
Orts über diefe unfere Verordnung der Gebühr nad) halte ; 14. Ta⸗ 
e nach Berkundig-und Publicivung unferd Edicts, auch nachgehends / 

offt es * und zum wenigſten alle viertel Jahr underwarneter 

Sache die Hafpel in den Häufern und Wohnungen / darinn Garn zu 

kauff / oder um Lohn gefponnenwird/ befichtigen/ und welche die rechte 

Ränge und Weitehaben/ mit einem Brannt⸗Zeichen bemerden / die 

übrigen und unvichtige aber fo fort zerbrechen und verbrennen / im⸗ 

gleichen das Garn / fonicht bier Ellen weniger eined Viertels lang) 

und nieht doll gezehlet iſt wann eö den Verbrechern eigen iſt nehmen 

Laffe/ und diefelbe über das / wie auch fonft nad) Ermäßigung der Um⸗ 

ftände/ willfuhrlich beſtraffe / vonwelcher Straffe dann deurjenigen/ 
welche dei Unterfchleiff entdecken / ein Viertel zu gute kommen / die 

übriges. Viertel aber der Obrigkeit hinfallen follen. 

Wir gebieten auch denen Garn « Händelern / bey Confifeirung deB 
Garus und anderer eruſtlicher Beftraffung/ dag fie fein Garn / fo ob⸗ 
geſetzte Ringe und Faden-Zahl nicht hat / einkauffen/ vlelweniger hin⸗ 
wieder anandere verhandeln/ hergegen aber auch die billigmäßige 
Bezahlung des vollgezehlten und richtigen Garns nicht verwegern / 
fondern durchrichtige Bezahlung den Handeln felbft befordern helf⸗ 
fen. Daand ein oder ander Kauff- und Handelsmann/ er fey fremd 
oder einheimiſch / mitunrichtigen Barn betrogen feyn/ und dieſerwe⸗ 
genrechtliche Klage anftellen würde / fo foll demfelben die Tuftig 
ſchleunig adminiftriret / Ihme ohne Aufenthalt zu den Geinigen ver» 
holffen / und der Ubertreter mit evaffer Beſtraffung unnachlaͤßig an» 
geſehen werden. 


Lein⸗Oel / ſolches wird aus Leinſaat entwweber durch Waſſer ober 
Roßmuͤhlen gepreſſet / die zerſtoſſene Maſſa durch Feuer heiß gemacht / 
daß es das Del deſtobeſſer von ſich gebe; J— der Auspreſſung blei⸗ 
ben groſſe Kuchen zurück / welche mit Waſſer geweichet / und den Vieh 
unter ihr Futter vermiſchet werden / wobon es dann (ſonderlich des 
Winters ) ſehr rl. yo Diefed wird häufig don Holland nach 
Sayıburg und andern Ortengebradit / ber) Centner aud) 100. Pfund 
verkaufft / die Thara iſt was die Gefäffe halten. - 

. Kein-Saamen/Scmen Lini, wird hin und wieber / ſonderlich in 
Ehurland/ Littauen / Liefland und Pohlen eine groffe Menge gebauet/ - 
, und bey gangen Schiffsladungen nad) Tentfehland / er und 

v 






——— — — * 


3 ki 757 

Franckreich verfandt/ it Har und glaͤutzend / Fein und platt / auch ei · 
nes oͤhligen Geſchmacks / jedoch ohne Geruch. Cr will einen fetten 
und feuchten Grund haben / welchen man bey duͤrren Wetter / wann 
anders der Saamie recht aufgehen ſoll / offt waͤſſern muß / inſonderheit 
aber geraͤht er gern auf neuen Bruͤchen und Wieſen / die man neulich 
erſt zu Aeckern gemacht / item auf niedrigen ebenen Aeckern / worauf 
vorhero Waitzen oder Gaͤrſten geſtanden / oder Kraut und Ruͤben ge⸗ 
wachſen / wie nicht weniger auf ſolchen Feldern / die das Jahr borhero 
Hanff getragen haben / wie dann der Hanff mit ſeiner Staͤrck und 
Krafft nicht allein das Unkraut vertreibet / ſondern auch mit ſeinen 
Hielen Wurgeln das Feld geſchlacht und mürb macht / welches ben dem 
Beim oder Flachs das furnehmfte iſt / undein foldes Feld hat nach⸗ 
gun feiner befondern Dingung mehr vonnöhten / wofern ed im 
rigen Jahr überflüßig en worden. Die Zeit des Saͤens 
betreffend / iſt ſelbige unterfchiedlich / und muß man (ich desfald nach 
eines jeden Orts und Lands Gebrauch) und Gelegenheit richten / im» 
maſſen der Beinfasmen anetlichen Orten zwey oderdren Tag vor oder 
nach Oſtern / an andern Orten aber in der Marter- Wochen und den 
Palm⸗Tag; wiederum anandern/drey Tag bor oder nad) Georgii 
geſaͤet wird. Dieſes iſt gewiß / daß man den Lein bey heitern ſchoͤ⸗ 
nen Himmel und warmer ſtillen Lufft/ auch zu Vormittags⸗Zeit oder 
Dr fruͤhe fäen foll/dann wann man ihn Nachmittag fdet/ wird er allzeit 
lühen/ welches er auch. thut / warn er im neuen Mondgefäet wird/ 
da er über dieſes and) Fleine Bollen und Knotten bringe. Cr 
ſoll auch/ wo müglich/ nad) einem Regen / wann es wieder ausheitern 
will / gefäet werden/ damit er gleich aufgeben könne; maflen ihm ſonſt 
Der vn groſſen Schadendergeftaltthut / daß er indie Erde 
ufammengelchlagen nicht aufgehen fan. Die Art aber des Saͤens 
langend / ift zu willen ‘1.) Dapder Saamen in einem ſaubern Sad 
auf das Feld gebracht / und aus einem einen Tuch gefüet werden ſoll / 
dann wann einesoder das andere melbicht iſt / fo tolle gern Flachs⸗ 
Beiden wachen; (2.) daß man ihn dreywuͤrffig ſaͤe / das iſt / drey⸗ 
mahl mit Saamen uͤberwerffe / und dann (3.) fein dick / dann je dicker 
er gefdet wird / je fubtiler und kleinhaͤriger er wird / auch deſtoſchoͤner 
Reinwandergibt. Man ſtreuet auchgern Hüner:und Tauben: Mift 
nach der Saat auf dem Acker / worbon der Pein oder Flachs überans 
ſchoͤn aufgehet oder waͤchſet / abſonderlich mann bald ein warmer Res 
gen drauf faͤllet. Hiernechſt ift zu beobachten / daß der fein / welcher 
aus einem Haufe / darinn jemand geſtorben / genommen wird zur 
Saat/ allerdings untuͤchtig iſt / maſſen er im Feld verlieget/und nicht 


- aufgebet: wider welchen Schaden gut iſt / wann man ihnzueiner an» - 


dern Thuͤr / durch welche dev Todtenicht getragen wird / oder welches 
| Bbbz3 zeitlich 


v1 
noch rahtſamer und gewiſſer / noch vor entſtehenden Toded-Fall 
zeitlich hinaus bringet/ und bis zur Saat anderswo aufbehält. In 
denen See-Städten/ wo eingrofler Handel mit Leinfaat gefchieht/hat 
man folgenden Unterfcheid: Das Ehurländifche / fonderlich das dis 
bauiſche Leinfaat kommet alles in feuren oder aus Tannen⸗Holtz ges 
machten Tonnen/ und iftmit einen eingebvannten Zeichen L. B. unten 
aber mit der —— des iebigen Jahrs bemercket. Das Rigiſche 
Leinſaat kommt in Tonnen von Eichen⸗Holtz / und hat auch ſein ge⸗ 
branntes Zeichen / nemlich zwey Creutz ⸗ weiß gelegte Schluͤſſel / mit der 
Jahr⸗Zahl darunter; beyde Sorten ſeynd im Preis und Qualitaͤt ein⸗ 
ander faſt gleich / und nad) dem von der einen viel oder wenig kouumt / 
fo fteigt und faͤllt es auch in dem Preis. Das Lüneburger Land / ſon⸗ 
derlich die Braunſchweiger und Hildesheimer / ſuchen mehr das Ri⸗ 
giſche als das Libauiſche; hingegen wollen die Weſtphaͤlinger dieſes 
am liebſten haben. Wer Leinſaat kauffet / ſiehet zu / daß es huͤbſch 
blanck / reinund nicht viel Dotter / Leithaarl oder Seide darunter fey/ 
ſintemahl ſolches lauter Unkraut bringet / welches den Flachs nieder 
reiſſet / und ſich wie eine Schlange um denſelben herum wickelt / daß er 
nicht in die Höhe ſchieſſen Fan / daher auch das eine Unkraut den Rab» 
men Seide führet/ weil es ſich wie die Flock⸗Seide leichtlich um et⸗ 
was verwickelt; die Leitharln ſeynd Heine Koͤrner / faſt wie Treſp un⸗ 
ter den Rocken / und inwendig hohl. 
Es kommt auch Hiel Beinfamen von Pernau/ Rebal und Memmel / wel⸗ 
che Sorten insgeſamt durch dad Branntmarck / fo auf den Tonnen fie 
het / erkaunt werden ; nur haben die Memmelſchen Tonnen auch date 
inn vor andern Leinfaatd: Tonnen einen Unterfcheid/ das ſie laͤnglich⸗ 
tev und ſchmaͤler als die Libauifchen ſeynd. ft aber jemahls ein nad» 
dendlicher Handel zu finden geweſen / fo iſt ed gewißlich der Leinſaat⸗ 
Handel / ald welcher denenjenigen / die groffe Partheyen dariunen zu 
verkehren pflegen/ harte Stöfle und auch guten Gewinn bringet/ nad 
dem —* dag darin geſuchte Monopolium oder erſchlichenen 
Vorkauff vor daſſelbe Jahr glucklich oder ſchaͤdlich fällt / / wann man 
(ich nemlich mehr Waar in Hoffnung / daß ſolche ſteigen und geſucht 
werden winde / angeſchafft / als man hernachmahls vertreiben kan 
Der meifte Leinſaamen kommt entweder gerade auf Lübech/ und wird 
von dar aber Hamburg nad) Weſtphalen / oder auch über die Elbe ve 
den Puneburger fand / theild auch nach Frauckreich / ſonderlich na 
Morlaix (wiewol das meifte adroiture dahin von Riga und Libauab 
au schen pfleget) verfandt / da er aber gemeinigich auf s. und mehr 
' Monat Zeit muß weggeborget werden/ welches (zumahl auch bey den 
‚en Kriegs-Troublen) den Leinfaat Kandel auf Franckreich fehr 
‚lich machet. * 
ME 


— — — 


Lei 759 

ZTeinwand / eine zu den Menſchlichen Leben hochſtnoͤthig und nutz⸗ 
hare Waare / iſt von vielerhand Sorten / als rohe oder ungebleichte 
und gedieichie / zarte und mittel / ſchleyer / Kammer / glatte und ge⸗ 
fixeiffte / item klar und grobe / emobelte/ — Art 
mit Bildern/ Blumen und Laubwerchk kuͤnſtlich durchwirckte / auch zu⸗ 
weilen blau und weiß / durchmengte und geſtreiffte / Slächferne und 
Haͤnffene Leinwand. Wir wollen uns eben hier nicht lang auffhalten/ 
den mühfamen Flachd-Bau (und mad vor Arbeitdazu gehöre / bis 
folcher fo weit fönne gebracht werden / daß der Weber ihn unter Han⸗ 
Den befomme) zu erzehlen / weil folches allbereit in unſern neueröffnce 
ten Manufadturen-Hauß/ p. 135. &feqg. gefchehen/fondern nur fürge 
Lich melden/ daß Jährlich ein groffes in Teutfchland und zwar hin und 
‚wieder auf deffen vornehmften Meflen in Leinwand ver ehret werde/ 


Italien allein ziehet diel taufend Stüc/ und zwar mit folder Begier- - | 


de an ſich / daß da ſie ſonſt dor Feine teutfche Waar geian ihre Waar in 
ZT aufc) angeben / fondern lieber das tentiche baare Geld dafiir haben 
wollen / jedoch Jahrlich zu Bogen / viel taufend Stuͤck Leinwand ge⸗ 
gen Seide verſtochen werden. Ein gleiches gefchiehet auch in Holland 
egen Specereyen und andere courante Waaren / es iſt aber der 
inwand- Handel in Tentfchland fo groß / daß nicht allein die Zeuts 
fche unter ſich ſelbſt anfehnliche Partheyen darinn ſchlieſſen / fondern 
auch ganhe Schiffs-Ladungen voll nach Holland / Engeland und Spa⸗ 
nien / mit guten Profit berſenden / inſonderheit Weſtphalen und Schle⸗ 
— alö weiche beyde Provinzien es ſo hoch in Leinwand Handel ge⸗ 
racht / daß wir des Brabandiſchen Eammer⸗Tuchs und der Hollaͤn⸗ 
diſcher Leinwand gar wohl entbehren fönten. AusdenSee-Gtädtei/ 
fonderlich aus Luͤbeck / zieben die Sngeländer ihre See el⸗Tuͤcher. 
Was vor ſchone Leinwand / die St. Galler, Ulmer und Augfpurger ſey / 
kan Ober⸗Teutſchland bezeugen/ woſelbſt der ſo genannte Schwaͤbiſche 
in Freud⸗ und Trauer · Faͤllen / bey Hochzeit und Begräbniften haͤuffig 
employret wird / inſonderheit ſeynd in denen beipziger Meſſen die ſo 
dielerhand Sorten Damaften/ Trell und Schleyer/ vor allen Die ge | 
ſtreiffte / Couleurte und gedrüctteeinwanden mit Luft anzufehen’dann 
feither daß aus Of-Indien fo viel Baummollen-Zeug Coton genannt/ 
ebracht/ und zu Maunes und Frauens Schlaf: Röden/ / Furhaͤngen . 
ert-und Tiſch⸗Decken fehr häufig verarbeitet worden (melde 
Baunwollen Manufadtur doch nunmehro in Teutfchland vieler Orten 
—— nachgemachet wird / und vielleicht fo Hoch als in Indien 
 Fönte getrieben werden / warn wir nur die Baumwolle in ſolcher Men⸗ 
ge als die Indianer haͤtten) hat ſich Sachſen und Schleſten die Fein: 
wand von allerley Coulcur und Figuren fo fünftlich zugurichten befiif- 
fen/ dag ein mercklicher Stop dem Hollaͤndiſchen Coron-Handeldar 
durch gegeben wird. Bhba Man 


360 ei | 

Man konte auch noch zu den Leinwand⸗·Zandel den Flachs und Hanff / 
stem den weiſſen Spihen (ammıt den Reinen-Band/ Gtrümpfi/ und. 
Hemd: Handel vechnen / als bon welcher jeden Art ſich biel taufendFa- 
milien Jährlich ernähren / allein weil von den meiften Sorten unter 


auch Ellenweiß / warn die Leinwand gar fein don denen Grofhirern 
eingekaufft/ und folcher geftalt auch wieder berfaufft werde. 

09 Leinwand / oder auch Zwirn und Leinen-Barn auf allerhand 
Couleur zu färben/ gebrauche man folgende Defeription, alg zur Leib» 
ae nimm auf ı. Pfund Peinmand drey Achtel Pfund Safflor, thue 
olches in einen Beutel/und le eedeine Racht in einen Eymer Waſſer 
zu weichen/ dann gieß dag Waffer weg / nimm den Safflor aus den Beu 
tel und reibe ihn wohl zwiſchen den Handen und fpüleund wringe ihn 
in rein Waſſer abermahl fauber aus / und dieſes —— muß fo. 
offt in friſch Waſſer geſchehen / bis es endlich nicht mehr gelb wird / als⸗ 
dann nimm ungefehr halbStübgen geleckte Laugen / laf ſie warm wer- 
den / und leg den ausgewalhnenSafflors.oder Stund darein/wrig« 
Be iha hierauf wleder aus/und lebe dieLauge durch ein fein baarnSieb: 
nimm dann fo biel uten Bier⸗Eßig als du Lauge Haft / ruͤhre eß mit: 
den Stecken um / fhedfe dein Leinen oder Caton darein / auf ein Pfund 
ſchwer / laß es liegen eine Stund oder bier und daft ausgewafchen / fe: 
haſt du gut Leib ⸗ Farb/ du muſt aber acht haben / daß du es offt unwens: 
deſt damit es nicht bund werde. 
Grün Leiuen zu machen/fo lege es eine Racht in ſtarck Allaun-Waſſer 
laß ed alsdann trucen werden / nimm hierauf Schart / und koche es 


de gelbe Farb / die wann le Wind crudenift/ auf die blaue Kippe 
muß geſtecket werden/fo wird es grün. Item nimm drey biertel Pfund 
Allaun / ein halb Pfund Weinſtein / Maaß fcharffe Laugen / alles eine 
. Gtundangefotten / hernach noch) 3. Stund heiß darinn liegen laffeny. 
bievaufnehmts. Pfund Schart/ halb Pfund wildeApffel-BaumXins 
de/ 1. Pfund Johannes Blumen/die@ilbe gefperrt mit einen Reiff im 
Keffel/alsdann darauf 2. Kannen fharffeßaugen/eine halbeStund ab- 
gelotten / das Garn daraus —* fo hoch als es werden will/wann 
ihr aber zu der Spanifchen Gilbe fommen Fönnet/fonehmetdren vier» 
tel Pfund darunter fo wird es höher gelb / als weiches zu den grün aller⸗ 
Bingensthigif. Icemulmm einen Keſſel voll Lauge / die (havff Br 


/ 


ein Stüd Pottaſch als ein Hüuͤner Ey groß darzu gethan / fo haft du ei⸗ 


u au - En — 


Lei 761 
Und thue darein ein Bündel Schart/ und laß es gar wohl fleden/bar« 
nach gieß das Waſſer von der Schart ab in einFaß / und nimm auf 
anderthalb Pfund Garn / ı. Loth Gruͤnſpan / und ı.Roth Allaun / und 
thue das in eine Maaß braun Brejligen / die mit Lauge abgefotten ift/ 
und ruͤhre es wohl untereinander / gieß es indas Schart Waſſer / 
und lege das Garn eine Nacht darein / ſo iſtes gut. 
Das gruͤne Garn oder Leinwand ſchwartz zu farben/ ſo nim̃ ſcharf⸗ 
fe Lauge / und thu drey viertel Pfund braune Breſilge darein / und 
laß es wohl mit einander ſieden / darnach gieß die Farb von den 
Spaãnen ins Faß / und thue darein 2. Loth Gummi Arabicum, 2. Pot 
Allaun / 2. Loth Gruͤnſpan / und lege das grume Garn darein / und m 
es eine Racht darin liegen/ fo ift es ſchwar 


Silber $arb zu färben / ſo nim auf ı. Hand Beinen/ s. Stück Balls 


Aepffel und fo ſchwer Arabifhen Gummi / item bor 5. Pfennige braune 
Breſilgen / ein wenig Allaun / ſiede es wohl in dünn Bier oder Regen⸗ 
waſſer / und kuͤhle es dann aus. | 

Viol Leinen⸗Garn beftändig zu färben/ nit halb Pfund Weinſtein / 
halb Pfund Allann / 4. Loth Zernebod / t. Loth Salpeter / ſolches alles 
auffgeſotten / und das Garn 4. Stund heif / und nicht angefotten darinn 
Liegen laſſen / hernach wohl gefpült und getrucknet. 

Braun Leinwand zu färben / fonimmı, Pfund braun Holtz / halb 
Pfund Fernebock , 

- Blau Leinen⸗Garn zu farben / nimm aufs. Pfund ı. Loth Allaun/ 


zo. Loth Weinftein / 2. Maaf-KRannen fcharffe Laugen/und wanns ſie⸗ 


den will / folegedas Garn darein / und laß es 4. Stunden darinn lies 
n / dann durch das Waſſer gezogen. Hierauf lieder. Pfund braun 
oltz ab und brauche darunter anderthalb Loth zerſtoſſenen Grün⸗ 
fpan/ı. Maaß ſcharffe Laugen / zwey Ochſen oder Kuͤh Ballen/cin Loth 
gebrannten Weinſtein / ı. Loth gebrannten weiſſen Vitriol / und 
das Garn zwey Zuge darein gethan / ihr koͤnnet es hoch und niedrig 
machen / und wann das Garn ernſtlich in der Weyd⸗Laugen zwey 
Stunden gelegen / und zein wieder ausgewaſchen / wird es in dieſer Far⸗ 
be viel ſchoͤner / mann diefe Farbe kalt wird / ſo fallt es blauer an / als 
werm es gar ſied⸗ heiß ift / aber beftändig blau Garn iſt aus den Weyd 
machen; warn * aber blau Garn aus dem Indigo in den Keſ⸗ 
el machen wolt / ſo brauchet den Sodt / wie erſtlich zu dieſer blauen 
Farbe vermeldet / das iſt auch beſtaͤndig / wird aber das Indig-Garn 
ne fein warn Waſſer gezogen / fo wird es ein fhöner 
la | | 


ntz. 

Endlich iſt auch wegen des Leinwand⸗ Bleichens zu wiſſen / daß immer 

ein Land vor den andern beſſere Lufft / nr und Manier 1. 
| — abe 


\ 


— 


76% Lei 
habe / wie ſolches an — * Sädifhen/Holändiicen/ St. 


Ballen und Ulmer Leinwand zu erfehen. 

Bor einigen Jahren wurde eingroffer Handel mit Leinwand nad) 
Schweden getrieben / wobon viel Kauffleut in denen Gee-Städten 
gut Capitalgeſammlet / heutigs Tags aberift ed einzuführen meh= ⸗ 
rentheils verboten / welche SchwedifcheMaxime auch unſern Teutſchen 
Provinzien,die fo häuffig ihr sohesßartı auſſerhalb Lands verkauffen / 
und das Weber und Bleicher-Lohn nicht felber verdienen wollen/ zur 
Lehr und Exempel dienen follte. 


Leipziger Waaren und Handlung / weiche faft alle die Saͤchſt⸗ 
fche in ſich ſchlieſſen / beſtehen / Cı.) in Sachfenlandes natürlichen Lau⸗ 
bes⸗Fruͤchten / als Korn / / Wolle/Ergen/ und etwas an Wein / (z.) 
in Manufadturen/ und (3,) in Commisfions-Handlung. Die erfte 
Art belangend / fo ift-befandt / mad Sachſenland Jaͤhrlich vor eine 
Menge Getreyd theils in ſich ſelbſt verbrauche / theils an die benach⸗ 
barte Länder mit theile ; Thüringen welches ebenfalls mehrentheils 
Sãchſiſch anzufehen / gibt über dem noch guten Wein / item das 
zum Blanfärben dienliche Weyd⸗Kraut / den Safflor / Anis und 
dergleichen Materialia mehr/ durch beyde Länder aber durch und 
durch fo wohl in denen die von den Ehurfürftenthum oder aud von 
den Fuͤrſtlichen Saͤchſiſchen Häufern dependiven / findet man fo 
Bahlveiche Schäfereyen / daß von der dabon gefammleten Wolle / 
ein eigener confiderabler Jahrmarck koͤnte gehalten werden / wie 
Dann folches nicht eines der gerinaften Revenüen, der fonft fo wohl be> 
gütertgervefenen Saͤchſiſchen Edelleut zu nennen ift/ indem was nur 
allein das weitentlegene Schweitzerland ( dernähern und Einlaͤndi⸗ 
ſchen Provincien nicht zu gedenden ) Jaͤhrlich an Wolle aus Sachſen 
ziehet auf etliche 100000. Thaler ſich erſtrecket / fo gibt es auch um 
Dreßden herum ftattlichen Wein / und in denen Gebürgen veiche 
Silber und andere Bergwercke / die vor dieſen groffe Ausbeute gege⸗ 
ben / undnoc mit guten Ruten zu gebrauchen ſtehen wann das Poll» 
nifche Kriegsweſen / und die Schwedifche ſchwere Fingbartierung/ 
nicht die Bergwercks⸗ Arbeit / wie viel andereCommercia und Gewerb 

uten Theils in Stechen gebracht hätten. 

Zu denen Sachſiſchen Manufadturen gehöven die grofle Menge als 
lerhand Conlenren Tücher/grobe und feine/ ſchmale und breite / welche 
faft in allenSaͤchſiſchenStadten und Fleden gemachet werben; ferner 
die gang und halb Wolleneund mit Seiden oder Leinen bermengte 
Zeuchund Stoffen/ die Wollene und Seidene / und Baummollene 
Struͤmpffe und Hals-Tücher / die vielerhand Art Leinwandten fo 
wohl rohe als gebleichte / gefärbte/zund gemangelte / die ſchoͤnen Spie= 
gels 


Lei 763 
eis * Trinck⸗Glaͤſer / der herrliche Bud) + Handel und viel an⸗ 
e mehr. 
Unter denen Commisſion·Waaren verſtehen wir alle Waaren / welche 
den Leipziger Kauffleuten inn:und auſſerhalb Meß⸗Zeiten von allen 
Orten und Enden Europa zum Verkauff zugefand/oder von ihnen ſelbſt 
verichrieben und entboten werden. Es feynd aber der Leipziger Meſ⸗ 
fen drey / alö die Reu⸗Jahrs⸗Meſſe / fo den Montag nad) Neu» Jahr 
angebet/die Zubilate-Mep und die Michaelis Meß /auf welchen drey⸗ 
en Meſſen einunbefchreibliher Schatz von allerhand Kauffmanns⸗ 
Waaren / undeine unzehlbare Mengevon allerhand Stand: Men» 
fchen in —— zu ſehen iſt. Dann auffer dem daß vielmahls die hohe 
Herrſchafft felbften diefe Meflen mit ihrer Gegenwart bezieren / fo 
finden ſich noch neben her / fo viel Fürftliche und andere hohe Stands⸗ 
Perfonen / yon freniden Kauffleuten aber von allen Orten und Enden 
eine ſolche groffe Menge ein / daß man oft Mühe hat Dvartier zu bes 
kommen / wie nun diefer Confluxus den Berfäuffern fehr profitable 
iſt / indem ſie in Friedens und guten Jahrs⸗Zeiten faft alle durchge» 
* gute Meſſe halten / alſo haben auch hingegen fo Diele Einkaͤuf⸗ 
ers die Stadt Leipzig gleichſam zu ihren Centro und Mittel⸗Punct / 
da ſie alles was ſie nöthig haben / fo ju reden aus der erften Hand 
finden koͤnnen / wiedann bieltaufend Feine andere rn gelernet als 
fich von Leipzig aus zu provediren / und wann ſie gleich ihren Fuß wei» 
ter hinaus zu — die Waaren noch näher an ihrer Qupelle zu ho⸗ 
len gedächten / dörfften ſie doch mauchmahl mehr Schaden als Rutzen 
dabey finden/ und dieCommoditäten nicht haben / die fo groſſe Meſ⸗ 
fen als die Leipziger iſt / mit ſich führen / nemlich daß man daſelbſt die 
Wahl und das Ausleſen / Credit, lange Kundſchafft / leichtes Geld/ 
Gelegenheit zum Vertauſchen / und dergleichen mehr finde / welches al⸗ 
les wann man die Waaren ſelbſt aus den Land berſchreiben wollte / 
müften hindan geſetzet werden / zu —8 daß mancher Berkänf- 
fer der gegen die Zahl-Wochen Wechſel zu bezahlen / und feine Waa⸗ 
rennoch meiftentheilg über den Hals liegend hat / ſolche dem der 
baar Geld gibt vor einen Preiß in leichten Geld wegſchlaͤgt / als ſol⸗ 
cher anderwerts und aus der erſten Hand nicht vor ſchwer Geld haͤtte 
hekom̃en können. Es beſtehet aber das Geld in Sachſen in 3-Stüden/ 
Grofchen/ zwey und ı, dreyer Stüden/ ein Reichsthaler hat za. Gro⸗ 
ſchen oder Reichs⸗Gulden / ein 3. Stüd ift 15. Grofchen oder 
» Keihd-Bulden/ man hat auch s. 4.und 2. Grofchen Stüd / die 
SpeciesReichöthalereingelen ausgegeben gelten jeht ia · bis 1} -Neichd» 
thaler Ducaten / 4. Fl. oder 23. Neichöthaler / wer einige Monath 
der Wochen in oder auſſer Leipzig Geld auf die Meß pr. — 
| R neh⸗ 


— 


764 Lei 
nehmen will / der muß fich offt zu einen Cours oder Wechſel⸗Lagie ver» 
ftehen / da die Intereffe nicht aus vergeffen iſt. Gleicher Geſtalt iſt 
es auch warn einer einen Wechſel in Leipzig prolongiven / oder Gelb 
auf einige Wochen nad) der Meß wieder zu bezahlen aufnehmen wid. 

Das Leipziger Maaß und Gericht belangend/fo haͤlt man dafür/baf 

3. Ellen eine Brabandifche Elle machen / und eine Brabandifche ıF- 

Leipziger/ diekeduction der Leipziger Ellen mit den Ellen anderer 

Pänder / item auch der Gemichte Ift unter dem Wert Maaß und 

Bereiche / item in Tobix Beuteld und anderer Saͤchſiſcher Arich- 

meticorum ihren Reden: Büchern zu erfehen. Diefed Ortö nur aus 

ſolchen zu bemercken / daß sa Kannen Leipziger alt Maaß nad) der 

Vifir 5. Schenck⸗Maaß / oder einen Leipziger Eymer machen / 82% 

Kannen Drefdnifh Maaß / machen auch einen Leipziger Eymer / 

Fuder bein ift ız. Eynier / ein Zap hat s. Schod oder 300. 

annen. 

1. Centner hat zu Leipzig no. Pfund Cramer⸗Gewicht ober s. Stein/ 
ı. Stein zz. Pfund/ an Fleifcher Gewicht thut der Centner nur 
90. Pfund / die Pfund aber fennd ſchwerer und wiegen 90. eben ſo 
biel als no. Pfund Cramer⸗ Gewicht / daß alſo n. Pfund Cramer⸗ 
Gewicht / >. Pfund Fleiſcher Gewicht machen. 

1. Wiſpel zu Leipzig hat 24. Scheffel / ı.Malter ie. Scheffel /1.Scheffel 
4. Viertel / ein Viertel 4. Metzen. 

1. Ruhte hat zu Leipzig achthalb Ellen und z. Zolle / eine halbe Elle oder 
Fußmaaß hat 12. Zoll oder Daumen / . Leipziger halbe Elle hat bey 
nah u. Daumen Reinländifhe Fuß -⸗Maaß. 

1. Mandelift is. Stüd‘/ ein Schod so. Stüd / ı. Gaum 22. Tuch / x. 
Zud) 32. Ellen. 


Raumburg hält auch jährlich Meß auf Petri Pauli, Furk darauf 
kommt der Margarethen Marc zu Franckfurt an der Oder / hieranf 
die Brauuſchweiger Laurencii , und endlich wieder die Reipziger Mi- 
chaeli· Meß / daß alfo/ wer Luft zu reifen und trafigviren hat/ in einem 
nicht allzugroffen Diſtrict genugſame —— durch und in Sach⸗ 
ſenland darzu findet. Obbeſagte Naumburger Meß fänget allezeit 
den 29. Julii, als auf Petri Pauli an / waͤhret aber nicht länger als s. 
Tages; Auffer diefen groffen Meſſen / hat es noch viel Tahrmärd hin 
und wieder in gan Sachſenland / die aber mehr um der Einwohner 
alöder Fremden willen/ angeordnet / und nicht venfonderbahrer Im- 
portangfeyn. ine jede Leipziger Meß wird ordentlich ein-und aus« 
Rn und aefchiehet dieſes lettere bey Abgang des Nürnberger 

eleitö den Donnerflag in der andern Mare:oder Zahl Wochen da 
— muͤſſen acceptiret und bezahlet ſeyn / oder ſie werden Den 
zei er 


* — — 
a —— — — * 


— — — — 


Len Ler 765 


— — — — — — — — — — — —— 
Der Wechſel · Odurs bon Leipzig auf andere Oerter iſt als folget: 
Auf Holland m. Rthlr. von 24. Groſchen vorzs.bid 45. Stüver / Cou- 

rant oder uig. bis az5. Rthlr. vor 100. Rthlr. von so. Stuͤber in 


Banco.. 
ur Hamburg ıy. bis 13. Rthlr. vor 100. Rthlr. don 48. Schilling 
Banco. 
Auf Franckfurt 100. Rthlr. vor o4. bis os. Rthlr. don 30. Ereuger 


Courants. nn 

Auf Ruͤrnberg too. Rthlr. vor os. bis ior. Rthlr. bon 90. Creutzer. 
Auf Franckreich ırz. bis ızo.Rthlr. vor 100.Ecuston 60.Solstournoig, 

Auf Breslau so. his a5. Rthlr. bor 100. Rthlr. Courant. 
———— ↄ0. his ss. Rthlr. vor ioo. dito bon 90. Creuter conr. 
Lendenkraut / Lapathum fylv. Anguſtifolium. 

‘ Lensarvends, Linſen / eine bekannte Frucht das Mehl wird inlim> 
ſchlaͤgen mit Gaͤrſten⸗Mehl vor das Seitenſtechen / mit Honig aber 
vor die Schaͤden und Fiſteln gebraucht. 


Lens paluftris, Muſcus aqvaticus, Waſſer⸗Linſen / Entengruͤtze / 
dienet vor die Roͤhte der Augen und die Geſchwulſt. | 


Lentifcus, Maſtix Baum / wächft in Franckreich / Spanienund 
Portugal. Dad Hark/ fo daraus trifft / heißt Maſtix Relina Lenti- 
£cina, Gluten Romanum welcher gelblicht / weißgläntend / dürres 
Förnicht und wohlriechend iſt / ift der beſte / folcher aber kommt aus der ' 
nfulChios, daher er auch Maftiche Chia genennet wird. Der Spi- 
ritus Maflichinus , wird zum ſchwachen Magen und vor das Bauch⸗ 
grimmen gebraucht. Vide Mafix, 
eoniſche Bold und Siber-Drar, Vide Drat. 

j, Kerchenbaum/ Larix.. Ä 

Lerchen⸗Hartz / Terebinthina, 

Cerchen⸗Kraut / Fumaria illyrica, Fumaria lutea, 

Lerchen⸗Klau / Conſolida regalis, Calcatrippa, 

Lerchen⸗· Schwamm / Agaricus. eine Frucht / die auf ſehr hohen 
Baͤumen waͤchſt / abſonderlich in Tyrol und dem Tridentiniſchen Ge⸗ 
biet. Dieſer Baum bringt Zapffen faſt wie die Tannen / aber an Holtz 
iſt keine Gleichheit / dann dieſes iſt roht / und hat einen ſchoͤnen Ge⸗ 
ſchmack. Es kommt auch ein Hartz davon / welches / wie der Terpen⸗ 
tin dick iſt / den heiſſen die Wallieſer Leetſchienen. Der Schwamm 
mug ſchoͤn grob / groß / leicht weiß und am Geſchmaͤck ſuͤß / hernacher 
Bitter ſeyn / damt / wann er hier auſſen mundiret und gefäubert wird / 
ex dennoch in groſſen weiſſen Stüden bleibe. Von den kleinen Stü⸗ 


den 





* \ ü 
766 | u 7) Lec 
Öl ⸗ —ñ ——— 
den kan man den præparirten Lercheuſchwamm machen / und im Win⸗ 
ter ſchoͤn ausfrieren laſſen. 
“ Lefias, eine verborgener Erd⸗Safft / wodurch die Gewaͤchſe 
wachſen. | 
Levante / die Länder) die in reſpectu Spaniens oder der Enge bon 
Gibraltar gegen Oſten liegen / ſonderlich werden darunter verſtan⸗ 
den die Handels⸗ und See⸗Staͤdte in klein Aſien oder Natolien / in 
Syrien / Egypten und in dent Archipelago, dahero diejenige Schiffe/ 
welche folche befahren/ Lebante-Fahrers geuennet werden. Vide Yo 
ſiatiſche Waaren. 


CLeuchel / Alliaria, 
- Leuchrerjfeynd unterſchiedlicher Arten / entweber gang bon Sil⸗ 
ber und Meßing / oder von Meßing und Eiſern Drat / oder balb von 
Eiſern Drat und Holg / oder auch von Glas und Holg; anfaͤnglich 
nur derjenigen zu gedencken / welche aus Meßig gemachtwerden / fo 
haben unter ſolchen vornehmlich den Preis die fo genannte Cronen / 
oder groſſe Häng-und Kirchen / item die Altav-Beuchter/die zierlich ge⸗ 
machte Lampen zu den fo genannten ewig⸗ brennenden Lichtern / welche 
Arten alle in Eatholifchen Dertern / fonderlich aber in talien und 
Spanien, auch wol in hrotell antiſchen Städten einen groffen Abgang 
haben. Nach diefen feynd die ordinaire Reuchter/ entweder fhlecht/ 
durchgebrochen/ oder mit allerhand Blumen und daubwerck ausge» 
trieben/ und endlich Die gemeine Drat⸗Leuchter / deren man wol zo. 
bis zo. bdon der geringen Gattung in Ruͤrnberg bor einen Bülden faufs 
fen kan. An denen Oertern / wo ber Chryſtal häuffiggebrochen wird/ 

werben auch gantze groffe Hang · Leuchter fehr herriich und zierlich das 

von gemacht. AnderemitSpiegel-Blas berfesten Leuchter anſetzo 
nicht zu gedencken / welche von den Kunſt · Handiern mit guten Ruhtzen 
gefuͤhret werden. 

Leucojum luteum Keiri, gelbe Violen. | 

Levifticum , Ligufticum vulg. laferpitium Europ, Liebſtoͤckel / 
wird in Gärten unterhalten, die Wurgel / Blätter undder Saamen 
treiben den Harn und Schweiß / feynd auchgut bor das Schwinden 
der Glieder. | 

Leuſchen / Leuſe ried / Gladiolus paluſtris, Sparganium. 

Koͤwenfuß / Mufeus Terreftris, Älchimilla,. 

L.ibanotis cöronaria, Rofmarinus, 

‚Zicent, wird an etlichen Drten der Zoll genennet / Den man bor die 
sus und einfommende Waaren bezahlen muß. 


“ Lichen Petrus, Muſctu ſaxatili, Stein-Slechten/Stein-Moopy 
Leber⸗ 


| gie Lie 767 
keberkraut / ift ein Wund-Kraut/ uud dienet zugleich dor die Ber- 
fiopffung der Leber und Lungen. 

“ Lichenes, die ſchwuligte Excrementa , die an der Pferd Schen⸗ 
deln wachfen/ taugen inſonderheit zur Mutter-Krandheit: Ed wird 
and) Extradtum Lichenum daraus bereitet. — 

Lichnis Lychnis. | A 
Lichter oder Rergen/werden theils bon Wachs / von Talch 
oder Unſchlitt gezogen und gegoſſen / jene ſeynd unterſchiedlicher 
Sorten / als Altar und Kirchen⸗Lichter / don. gelben und weiſſen 
Wachs / item Zaffel-Lichter gelb und weiß / Latern⸗Lichter / Nachte 
Lampen / Wachs⸗Stoͤcke / gelb und weile Wind-Licter / Pech⸗Fa 
Fein / z. Don Unfchlitt werden fonderlid gegen die Winterd-Zeit in 
Die Haushaltung viel Lichter egoffen/ wozu dann das Rindern Un» 
fchlitt das beſte ift/ weil es harter gerinnet / und in Örennennicht fo 
gleich. an den Lichtern abtroͤpffelt sie dad Schaaff⸗Unſchlitt / damit 
man aber beydes zu Rutz mache / fo wird meiftentheild das Kindern 
und Schaffen Unichlitt untereinander zerlaffen / und alfofichter dur» 
ausgegoffen/ warn der Dacht zu den Lichtern zu wenig gebrehet/ 
fo fladern fie weg wie Stroh / ift er zubtel gedrehet / ſo brennen diebich⸗ 
ter dunkel / daß alfo das Mittel wohl muß inacht genommen werden/ 
vor diefen hat man fehr biel Talch oder Unfchlitt aus Rußland nach 
den Tentfhen See-Städten / fonderlich nach Luͤbeck gefand/ und da⸗ 
felbſt Richt davon ziehen laffen / die man hernach wieder dahin zurück 
geſchicket / weildie Einwohner In der Unwiſſenheit desLicht · Gieſſens 

eſtanden / heutigs Tags aber da fie ſolche den Teutſchen abgelernet / 

ommen Fährlich viel hundert Ließ⸗Pfund Lichter aus Moſcau na 
Teutfchland/fonderlich von Archangelnad) Hamburg. Ber) den weiſ⸗ 
fen Wachs⸗Kertzen pflegt auch wohl der Betrug zu ſeyn / daß ſie inne 
wendig don Taich gezogen / auswendig aber mit Wachs überzogen 
feyn / fo aberleichtlich zu bemercken iſt. | 

Liebſtoͤckel / Leviflicum Hippofelinum, 
Lieb Araue/ Gallium,Galium. 
= Kieffiandifche Waaren md Handlung) dieſe erſtrecket ſich ũber 
die ganze Oſt⸗ See und zwar Weſtwaͤrts nach fo vielen See⸗Staͤdten 
und Provinzien, Oſtwerts aber nad) Mofcan und Pohlen / die voruchni« 
fen Handeld-Städte in Lieffland feynd Riga / und fo wir den Strich 
von Deft-und Ingermannland darzu nehmen wollen/ Reval, Pernau, 
undNarva, AÄlle diefe Städte werden von KHolländifchen / Engli- 
fehen / Hamburger / Bremer und Lübecker Schiffen fehr ſtarck 
befahren / und gefchiehet abfonderlich nach Riga ein ubersus grof- 
fer Handel / als wofelbft iept bemeldtes Nauonen ihre 

n 4 


. 


768 tie 
EEE EHE EEE ü— 
auff / Flachs / Lein» Saat / Leder / allerhand Holg-Waaren/ 
= warn in Friedens - Zeiten die Ausfuhr vergönnet ift / viel 
Korn/ Gruͤtz / Talch und Theer, von Narva aber viel Mofcovifche 
Waaren / fonderlic Pellgereyen und Tuchten abholen / und dage⸗ 
en wieder allerhand Gewuͤrt und Specereyen / item Wein / 
randtwein / Eßig und Ausländifhe Fruͤchte Papier und dieler⸗ 
hand — / voraus aber Saltz / Leinwand / grobe und 
feine Tuͤchet / und was etwann ſonſt unter den Moſcowitiſchen Waa⸗ 
ren wegen Narva benennet worden / dahin bringen / unter allen 
Nationen aber die nad) Lieffland handeln / feynd die Holländer und 
Engeländer die ſtaͤrckſten / wie ſolches aus dev Menge der Schiff 
melde Jaͤhrlich den Sund bey Eopenhagen pashıren/und aus denen 
dafelbft herausgegebenen Liften, auf welchen des Schiffs und Schif⸗ 
fers Nahen und Ladung/ auch der Ort von wannen er fomımt / ver> 
zeichnet ſtehet / zu erſehen if. | 
Luͤbeck hat bon denenan der Oft = See gelegenen Pläben wohl den 
- geöften Kandel nad) Riga und Narva, wiewir danu ſolches unter 
Diefer Stadt / ſonderlichen Befhreibung allbereit angeführet. Mag 
die Hamburger und Bremer nad Lieffland vernegociven / ift 
zwar auch conliderable , und geſchiehet fehr viel mit ihren eigenen 
Sciffen / weil ſolche aber einen weiten Umgang nemlich umgang 
Tütland undden Sund nehmen müffen / da fie dann inKriegs-Zeiten 
denen Capern ſchwerlich entgehen können/und noch darzu den Drefun« 
diſchen Zoll zu bezahlen haben / als fchiffen ſie nichventheils in Luͤbe⸗ 
. der Schiffe / aus welchen hernach bey ihrer zu Hauskunfft die Waa⸗ 
|; / und fo ferner zu Land auf Hamburg verſand 
wer ei. ’ 
ie in allen Schwediſchen Provinzien , alfo muß auch fonderlic in 
kieffland ein groſſer ZoU bezahlet werben / davon meitläufftig in 
unfern Schwedifchen Kauffmann pag. 295. zu lefen/ jedoch feynd alle 
Liefflaͤndiſche und Porneriche Waaren in Schweden frei) / ausgenom⸗ 
men das Korn / fomüffen auch von den andern Maaren die Königl, 
Zulagd/ Convoy und See⸗Rechts Gelder erleget werden. Wegen der 
. "Eicent Taxa in Riga iſt zu wiſſen / daß dafelbff viererley Anlagen bes 
zahlet werden/ als da muß der Bürger erfttich geben von das was 
serzu feiner Haus Nothdurfft bedarf (1.)an das Kathhaus/ (2.) die 
Anlag / der Ein-und Ausschiffende aber mußgeben (3.) die Licent, 
(4.) das Portorium, | 
Die Rathhaus Bebähr wird bezahlt mit Courant, die Anlage mit AI- 
berts Thaler / die Lisent mit ſchwere Thaler / das Porsorium wit 


Spceies, 
Die: 


— 


Lie | 769 


Diefem ſetzt er zehlten nad) / gibt der Bürger zum Exempel vor ı. 
Pfeiff Alicanı Wein bermög Zoll Taxa, 
Auf das Rathhaus in Courant Geld # « 3. Rthlr. 223. Er, 
Vor die Anlag in Alberts s e 5;.Xıhlr. 
Der Schiffende gibt Zicent. | 

Ä n fchweren Rthlr. 3. 7. Gr. 

In Species Kthlr.3. 66. Gr. 
Portorium — — — — 


Einige Waaren zahlen bey der Koͤnigl. Anlage / einige auch nicht / 
— aus der gedruckten Taxa zu erſehen. Die Schwedifce 


National - Schiff und Gchouten haben z- an der Licent frey/ - 


der Modus aber mie foldes freye 6.tel Part abgezogen werde if 
als folget. Ä 

WBeilnenlich s. ſchwere Groſchen s. Specie Groſchen / und alfo 5. 
mehr machen / hingegen 3. wieder frey feyn foll/ fo werden die 


ſchwere Br. nur in Specie Gr. verwandelt / zum Erempelı, Schiff» " 


Pfund vein Henff zahlt ar. ſchwere Gr. das 3. dabon bleiben 45. 
Specie Groſchen. ' 
x. GHif- Pfund rein Henff zahlt aufs Rathhaus 
Courant, Rthlr. » 15. Br, 
Anlag Alberts Thl. + 23}. 
Licent ſchwere Thl. ⸗45,. 
sſpecies Thl. » = 54. 
BD Portorium Species Xhl. . 
Die ſchwere Neichöthaler werden mit 77. zu Gr. reſolritet / wo einige 
Groſchen in der Taxa dabey ſtehen / werden ſolche darzu addirt/ hr 
ehends mit 90. dividirt/ fo iſt das otel devolvirt / zum Exempel ein 
aſt Roggen zahlt». Rthlr. 30, ſchwere Groſchen / operire alfo: 


s.Rthlv. hat 75. Gr. adde 30. w. den 105. Gr, dieſe mit 90. dividirt / 
Fommenı.Rthlv. 1s. Gr. fpecic daraus / und fo Viel zahlt 1, Laſt Rog⸗ 
gen an Specie, nach Abzug des &, Theils. 


Die auf die Schiffe gehende Unkoſten ſeynd folgende / als: 


Loths⸗ Geld ein und aus / pro Fuß halben Rthlr. Kogen · Geld halben | 


Rthlr. Steg-Geld halben Rthlr. Laſt⸗Geld beym obern Kaften pro 
Laftz. Groſchen / Paß ⸗ Geld bey dito, item Zicent, Portorium, Yifirir, 
Boldara, Ausrechner Geld / folches alles differivet nach Proportion 
des Schiffes / und beträgt 10. 30,30, bid 40. Rthlr. in allen, 


ers * Die 


\ 


* 





a 3 gie 


Die Waaren zahlen noch 1. pro Cent, neue Feuer Armen / See / Ger 
richts / Laſt⸗ und Loths · Gelder. 
Und dann Convoy-Beld/ von. Rthlr. Licent · Geld achthalb Gro⸗ 
ſchen / ohne die Taxen. 
Die Muntʒ⸗Sorten in Liefland / ſonderlich in Riga belangend / fo 
wird daſelbſt Buch) und Rechnung gehalten in Reihsthaler / Gulden 
und Grofchen, ' Ä 
1, Rote. hatıs. Marck Rigiſch / oder 3. fl. Pohlniſch / so. Verdingen 
oder oo. Groſchen. Ä 
1, ft. Pohlniſch Hate. Marck Rigiſch / zo. Barding oder zo. Groſchen. 
Marck Rigiſch hat s. Grofchen/ 13. weile oder 35. ſchwarte Schill. 
Groſchen hat 3. weiſſe oder s. ſchwartze Schilling. 
. weiſſer Schilling hat 2. ſchwartze Schilling / undı. Barding hät an⸗ 
derthald Grofchen. 
. Rthlr. in (pecie gilt aldas2. wenigeroder mehr Groſchen in cou- 
rant Geld. | 
Yon Hamburg ab wird nah Riga gar wenig gewechſelt / von bannen 
herwertis aber — ſolches zum oͤfftern / undſtellen die Rigiſchen 
die Briefe auf Rihlr. di Haneo, bezahlen aber die Valuta ınit 2. pro 
Cent Lagio weniger oder mehr in Species. 


Yon Luͤbeck ab pr. dahin werden Wechſel gefchloffen / und die Briefe 
geitellet in Reichsthaler a 90. Groſchen zu zahlen/ Die Valuta aber wird 
mit Speciebus pr Cafla vergnüget/ in Riga bezahlen fie die Wechſel⸗ 
Brief in Species, welches bey ihnen Ereug = oder Burgundifcher Tha⸗ 
fer und Ducatons feynd. 
Die Lieflaͤndiſche Maaß und Gewiche iſt / alöfolget: 
.Laſt in Riga tft 42. Loop / dieſe liefern noch Feine Amſterdamer Laſt 
aus / hingegen iſt 45. Loop zu viel darzu / daß alſo das Mittel muß 
genommen werden. | 
Pad) der Ao. 1648. zu Stockholm — — Zoll⸗ Ordnung über 
die durch Reval / Narvaund Neuſchantz aus / und nach Rußland 
gehende Waaren / werden.aufı. Laſt Buden und Pottaſche i2. Ton⸗ 
‚nengerechnet/ und auf den Zoll die Thara vor das Zap nad) dem 
Gewicht des Holthes abgezogen. | 
Rach der Stadt Riga ihren Zoll⸗Regiſtern / Fommen jährlich bey 6. 
bis 000. Laſt Saltz ein. | ns 
An Rocken wird ausgeführet allein aus Riga 30000, Laſt / aus Per⸗ 
nau 800, aus Rebali/ ooo. aus Narba 2000. Laſt. 
An Juchten gibt Riga etwan jährlich aus „oo. Schiffpfund / Reval 
4008, Decher / Rarba 25600, Decher. | 


.- — — — —— — — 
— —— — — 


| — Lie fm. ° > 0 
An Reinfaat kommt laͤhrlich aus Riga 70000. Tonnen 
10. u Neal nn = / aus Pernas 
An Henff⸗Saat gibt gang Liefland aus 180000, Tonnen / an Henff 
ſelbſt kommen jährlich aus Riga bis 90000, Stifte. 
PRAG: * jo * 9 Narbe 23000, OMD. aus Peinai 
an 009 gehet jährlich aus Riga 0000, Schiffpfund A 
— — Shan er ir — 5* > MEHR | 
ap:oder Stab⸗Holtz gehet jährlich aus Riga na vam 
“15000. Schock. Ein mehrers don der Senden ae 
ſuche inunfern Schwediſchen Kauffmann. 
Ctegend weiß Sauren-Senff Thlaſpi 12. album ſupinum. 
Lienaria urtica mortua, 
Buiefchrisd/ Spzrganxım, Gladiolus paluftris, 
Lieſchgras / Gramen Typhinum, | 
Lignum, Holß/ deffen Arten feynd unterſchiedliche ls Li 
Aloesfeu Agallochi, Ambr& vel Nerolz, tee ar) ern 
Coryli, Cupresfi, lignum Colubrinum vel Serpentarium, Schlangen. 
Holtz / Ebeni, Guajä ‚lignum Nephriticum Griefholg/L ignumßho- 
dium Agallochum forte , Lignum foffile, Xylo aloe folida Rhodieſer 
Holtz / Lignum ſanctum vel Guajacum Heilig oder Franhtzoſen · Hoid / 
Lignum Santalum Santelholtz / & lignum Saffafras Suberi, Tamari- 
Tei, 8ec. on welchen jeden unter feiner eigenen Benennung ausführlich 
gehandelt wird/ vide Holtz. Ä | 
Ligufticum vulgo Levifticum verum, Siler montanum ‚ fremder 
Liebſtoͤckel / Sefel- Kraut / ſtaͤrcket den Magen/ und widerftchet den 
Gift. Kommt meiftentheils aus Welfchland. | | 
Ziguftrum Phillyrea, Reinweyden / die Blaͤtter und Bluͤchte die 
nen bor den Scharbock. 
Lilium, Lilie. | 
Lilium album, Rofa junonis, weiſſe Lillen. 
Lilium inter Spinas, Caprifolium, | 
‚_ Lilium convalliam, Ephemerum nonlethale, Gacilia velcacalia a 
Srensöffd Muguets, Teutſch Mayen-Blümlein/ ſtaͤrcken das blöde 
edaͤchtniß / ſeynd gut in Ohnmachten zu gebrauchen. 


Lima, Frantzoͤſiſch Lime, eine Feile/ vide Seite, 
Limatio, die Feilung / ift eine Pulverifirung eines harten Leibes / 
mitelner ſtaͤhlernen Zeile, | 


Zimmelium Gratiola, ” 
Ert 2 Lim- 





77% Lim fig 
Limonexc, mala limonia, Limonium Pyrola, Limonien. 
 *  Limonade, ein tühlendes Betränd im Sommer / wird aus Limo⸗ 

nien oder Eitronen / dieman famt ihren Schaalen Scheiben » weiß 
ſchneidet / aus Eanarien-Zuder und frifchen Brunnen-Waffer berero 
tet. Die Handgriffe darzu 1. in vechter Unterfcheidung der Ci⸗ 
tronen / als dag nemlich ihre äufferfte gelbe Schaale / in welcher Ihw 
Del und befter Geſchmack ſtecket / dünn abgefchnitten/ und ihre Krafft 
in heiffen Waſſer in einen vermachten irrdenen Geſchirt / oder in eie 
ner zinnerne Flaſche etlihe Stunden lang ausgezogen werde / ihre 
meilte Hautoder das Fleifch dienet zur Limonade nicht / weil es mit 
feiner Bitterfeit den Geſchmack verdirbt / deswegen es gang wegge⸗ 
worffen wird. Den inwendigen Safft anbelangend/ Fan folcher wol 
gebraucht werden / er machet aber trübe/ es fey dann / daß man ihn 
borher durch Maculatur-"Papier filtrire. 

L inaria, feinfraut/ wird fonft auch Ofyris, Tabinaria Maj. Pfeudo* 
linum genannt. - 

Linctus, tft eben fo viel ald Eclegma, 

CLinden⸗ Baſt /Ulmus, 

Linden⸗ Baum / Tilia Phylirea. 

Lindenweich / Lychnis Sylveftris, Ocymaftrum Matth, 

Lingots, ein Frantzoͤſiſch Wort / werden die gegoffeneZin-Klunpen 
genennet/ fo wie ſie den Kaufleuten bon den Berg · Amt / oder aus der 
andern Hand zum Verkauff zugeſand werden. 

Linimentum, iſt ein fettes Medicament, dicker als ein Del/und flüf 

figer als eine Salbe / dannenhero aud) bequemer als diefe zu gehrau⸗ 
chen. Vide Salben. 0 

S.infen/ Lens, Zenticula Phace, 

Linſen⸗Baum / Colutea. 

P.infen-Anofpen/ Typha. 

Linſen⸗Unkraut / Hedyſatum, Faba lupina. 

Linum, Flachs / Sativum & Sylveftre, das ausgepreſte Oel iſt nicht 
allein gut in Lampen zu brennen / weil es nicht ſo bald als das Baum⸗ 
öhlverzehret wird. Es wird auch don den Buchdrudern/ Mablern 
und Tifchlern zu andern vielfältigen Rugen gebraucht. Vide Flachs. 

Liqvare, durchs Waſſer etwas flüßig machen / diefed kommt allein 
dem Salg und Fettigkeiten zu; Doc) heißt es auch zu weilen fo viel / 
al8 etwas durch das Deligvium auflöfen. 

Ligvatio, Die —— wird von Fett / Hartz und Wachs geſagt. 

"Ligvidum, ein flüßige#-Ding/ item eine richtige Schuld oder Rech · 
| | nung 


- 
— 


N 





= Bw —- — . 
— — u 


| gig if 773 
nung / auf welche derjenige / den ſie angehet / nichts zu fagen hat; illi» 
* heißt / was noch in der Unrichtigkeit beſtehet. In Procels - Ga» 


en ſpricht dev Richter auf das ihm vorgebrachte ligvidum, und laͤßt 
ſolches mit den illigvido nicht bermengen. | 


Liqvid.ambra, ift fo biel gefagt/ ald ambra liyvida, flieffender Am« 
bra/ Fommt aus Weſt⸗Indien. . 
Liqvores, feynd Feuchtigkeiten / die durch dad Deligvium, oder auf 
dergleichen Weife bereitet werden. Unter diefer excelliven die re- 
- Kolvirten Saltz / die unterweilen Balfaın/ unterweilen aud) Olea, wie» 
wol nicht mit Recht genennetwerden. Die Saltze werden refolviret 
durch das Deligvium, wann fie indie feuchte Lufft geftellet / oder mit 
wöäfferigter Feuchtigkeit inbibiref werden. Die gebräuchlichften Z> 
avores feynd Ligvor Salis ammoniaci, bon Salmiack / Arfeniei Ar» 
ſenick / Coraliorum Eoralleu/ Cryltallerum Chryſtallen / Salis gem- 
re bon Stein⸗ Saltz LapisJudaici Juden⸗Stein / Ludi bon Men- 
(hen Blaſen⸗Stein / Lyncur Luchsſtein / Ocul. Caner. Kräbg-Augen/ / 
Perlarum Perlen/Saturni don Bley/ Talci von Tald. Worzu her» 
nach noch fonımen Ligvor Zumbricorum, Myrrha Myrrhen. In bes 
fondern Krandheiten werden aud) folgende Ligvores gerühmt / als 
Ligvos aperitivus D. Ramlovii, ligvor Lithontripticus compofitus 
bor den Stein/ ligvor Nephriticus mineralis, dito animalis , ligvor 
Ocul. Cancri, ligvor Styptisus feu Antidyfentericus, ligvor Perlarum, 
ligvor aduleera, &c, 


Lifiere, wird Frantzoͤſiſch das Selbband / die Egge ober der äuf- 
fere Rand eines jeden Tuchs genannt / welches die Schneider) wann 
fie jegt ein Tuch zum Kleide zufchneiden wollen/ vorhero abveifen/ und 
hernach zu Struͤmpff⸗Baͤnder / oder auch fonft gebrauchet wird. 


Liſte / Liſta. Berzeihniß/ Deſignatio, werden über unterſchiedlie 
che Sachen und Begebenheiten verfertiget Unſer Kauffmann hat 
aur mit nachfolgenden zu thun / und auf dieſelben wohl acht zu geben / 
aufdie Liſten der Waaren / welche mit den Oſt⸗Indiſchen Schiffen an: 
gekommen / und Eurg hierauf von den Oſt-Indiſchen Compagnien / 
wegen ihres angefegten Berkauff-Termins, Durch die Advifen und ans 
dere gedruckte Zettelö folgender geſtalt publicivet werden: 


LIST A derjenigen Waaren / weiche mit denen Oſt⸗Indi⸗ 
ſchen Rerour-Schiffen augekommen / und welche im April und Maji 
dieſes Jar bon denen Herren Bewindhabern. grbachter Eompagnie 
| ffentlich an denen zes follen verkaufft 
werden: Als Ä 


Eccz Ä 147940 


\ 


— [1m . 


J 


774 TEURER. | BR, 
1347949 Pfund braunen Pfeffer. ! 2,50 f- dito Panpies, 


375 Pf. weiffen Pfefler. 1256 fl. Chineſiſ. Dammaften. . 
3309 Pf. Mufcat-Rüffe. sz fl. Cambayen mit Geide 
1078 Pf. Mufcaten- Blumen. und Gold geftickt. 

421600 Pf Caneel. ‚34 fl. feine gemachte Chitfen. 
1439145 Pf. Salpeter. 8540 fl.Halstüher. - 


100114 Pf. Zip. ‚ | 890 fl. gemahlte Schuuptücher. 
250000 Pf. Japaniſ. GtabEupffer.® zo fl. Sapanifehe Geiden Ro⸗ 
630 Pf. Indigo vonDacheron, den und Cattunen » Rein« 
240 pf. dito Jabaniſches wand. | 
433093 pf. Gappan-Holk, 3000 fl. unterfchiebl. Mouris. 
3899 pf. ChinefifheGeide, 13700 fl.unterfiedi. Berhities. 
3035 Pf. Floretten-Barn, 20320 fl. unterſchiedliche Salem⸗ 
9000 pf. Jabaniſch Cattungarn.| pouris. 
 ssı2 pf. Gummi:Lack aufStähe, |3420 fl. Rallemolens. 
9:77 Pf. vund Siegellack. 3320 fl. Caſſa Bengale. 


2337 Pf. Saetlack. 2560 fl. Douriaffen, 
4000 pf. Aloe Succotrina. #0 ſt. Therindains. 
127172 pf. Coffe. 4080 fl. Hammaus. 
8000 pf. Malabriſ. Cardemom.00 fl. Sanen. 

630 pf. dito Ceyloniſche. 200 fl. Milinils. 
16036 pf. SapanifderGamphur.| 230 ft. Sologesieh, 

soo pf. Myrrhen. 2300. Sabogesied. 

087 pf Salarmoniac. 960 fl. Percallen. 


9 und atel Pfund Mufens. |4sso ft. Caatches. 
109786 pf. Puder · Zucker Eabeffe. 6320 R.Riauaniad, 


132854 pf. Cauris. soo ſt. Alibanes. 
32660 pf. Thee. soo ft. Cottebanys. 
16571 Gtüd Porcelleinen, ı00 fl. Adathays. 
2480 fl. Armofinen. 4700 ft. Bherms. 


so fl. Bandanus, 906 ft. Pathenafif. Chitſen. 
369 fl. allerhand Arten feidenelaooo fl. Garras. 
Stoffen. 19965 ft. Chiouters. 
6os, ft. weiſſe Chinejlfche Pe-| 800 ft. Kannekeyns. 
langs. 10468 fi. Roemaels. 
483 fl. Toncquiniſ. Pelangs, ' } 5500 fl. Photaffen. 


318 ft feidene Allegias. 15600 ft. Carroots. 

216 ft, Reſtas. 3600 ſt. unterſchiedl. Gingans. 
70 ſt Giammamwerts, 11640 — Baftas. 
:6o fl. Susjes. 9940 ft. unterichiedlih Guinees 


40 ſt. Hockjes. Leinwand. 
240 ſt. weiſſe Chinef, Gilams. I 2160 fl. Bengaliſ ern 


— — — — —— — 


gif 975 
Bey dieſer Specification wird gemeiniglich mit beygefüget / mas vor 
Conditionesdes Cinfauffs halber bey der Auction „ item. wegen der 
Bezahlung und Ausfuhr der Waaren zu obferviren feyn. 
Cine andere Art bon Liſſen iſt auch diejenige / welche zu Helfingör in 
Dännemard über die Schiffe / dieden Sund pail- und repfliven/ 
ausgegeben/ und Pofttäglich nach denen Gee-Gtädten zu der Kauff- 
leut ihrer Nachricht folgender geftalt verfchidet werden: Als 

| Anno 1706. den 12. biß 18. Maji, 
Schiffer Nah⸗ Gebärtig Foriende gehende geladen 
men. von von nach mit 

Hans Peterſen Amſterdam Pernau AmſterdamHoltz. 
Elaus Johannſen Weſterwick Riga Amſterdam Flachs / Henff 
Michel Rordmañ Stettin Reval Bergen Roggen. 
Detl. Wizendorff Bremen Wyborg Bremen Theer. 
Iſaac Robſen über Koͤnigsberg Rochelle Leinſ. Flachs. 
Joachim Sager. Luͤbeck IDansig Amſterdam Rogẽ / Waitze 
Dansig pfleget jährlich eine Verzeichniß auszugeben / was an aller⸗ 
hand Korn oder Getreyd des Jahrs uber eingekommen und wieder 
ausgeſchiffet worden / und iſt ſolches Anno 1702. geweſen / als folget: 


Vant Voor-Jaar af, tot den 2i. November toe, zyn tot 
E Dantzigh aen Graaenen, Angefeght. 


Ingekomen. Uytgegaan, Op Sluten Dagh. 
Tarwe 6190. Laſt. T - 3720.Lal, , T. - 354. Laſt. 
Rogge 20840.L. R - o38.l. R, - 94:L. 
Garft.M, 333. L. G. en M. 780.1. G. en M. uij. L. 
Haver 57. L. H. - ıyZ H, F 
Boeckw. 392. L. B. - 337. L. B. 2. . 
Erten 48. L E. - 42. L. E— mL. 
Geers z. L. G. - 40. L. G. — 6 

s8umma 28942, L. 8. 21180 Laft, 8 145. Zalb 





Sl. Da$h. 1453. L. 
S. 22633. Z, 


Das aber dergleichen Ziften (zu welchen man auch die wöchentlich aus⸗ 

Eoınntende Preid-Couranten und Audtions-Zettel rechnen möchte / ) 

groffen Rugen in der — ſchaffen / und den Kauffleuten zu vielen 

Speculationibus ihres Handels — Anlaß geben koͤnnen / — 
| cc4 wir 


* 





SICHER. | 9...) DERNREESERRERERERERERR 
wird niemand leichtlich in Abrede feyn ; man erfiehet daraus den 
Vorraht und die Quantität diefer oder jener Oft » pndifchen Waar / 
welche erft aus den Lande gekommen / und reguliret darnadh feinen 
Ein:und Verkauff. Es encouragiren auch manchmahl einen Kauffe 
mann die bey folchen Actionibus gefegte Conditiones , daß er fein 
Geld dabey anzulegen fich fertig hält/ und alle Anſtalt machet. Was 
iſt nicht bey privar Auctionibus gewiſſer Specerey / Seiden oder 
Wollen / 2c. offtmahls ver ein gut Profirgen zu machen / wie folches al- 
les in groffen Sandels-Städten die Erfahrung vielfditig bezeuget. 
Wegen der Schiff: Fahrt Pofttäglich Notitiam zu haben / ift ebenfals 
hoͤchſt nohtwendig / weilbeydes die Kaufleute als Allecutatores ihre 
Speculationes darüber machen Fönnen/ fonderlich iſt ed denen Kauff- 
leuten der Correfpondeng halber hoͤchſt nũtzlich / und dannenhero aller» 


 » dings zuloben gemwefen / daß vor einiger Zeit In einer gewiſſen Ham⸗ 


burger Gazette die auf die Elbe kommende und wieder abgehende 
sh iffefpecifieiretworden / und wärezumünfchen gewefen/ daß da⸗ 
mit fo fleifig continuiret werden möchte / aldes in der Holländifchen 
Couranten gefchiehet/ welche vlelmahls gange halbe Geiten voll Rach⸗ 
richten von ihren Hier und dar eingelauffenen/abgegangenen/ genoriie« 
nen / geſtrandeten / infadung liegenden/het und hinwerts deflinirten/ 
mit und ſonder Convoy — reich oder ſchlecht beladenen Schif⸗ 
fen / geben / welches gleichfalls noch wol der Mühe wehrt wäre / in 
groſſen Handels⸗Staͤdten wöchentlich ein befonderes Blätgen/ lauter 
Sachen das Commercium betreffend / auszugeben; Was aber da⸗ 
bey vor eine Methode müfte gehalten / undwiefaft in allen Handels⸗ 
Städten das Commercium durd) ein gewiſſes Correfponden:-Hau$ 
Fönnte #acilieiret werden / ſolches wird Fünfftig in unfern vollkom⸗ 
stienen Commercien-Raht zu erfehen feyn. * 


Lithanthraces, Steinkohlen / werden haͤufſig in Engelaund und 
Schottland / auch ſouſt in andern Ländern mehr / ſonderlich in Teutſch⸗ 
land / in dem Lütticher / Bergiſchen und Jͤlichiſchen Ländern gefun⸗ 
den / und ſowol in denen Küchen / als Schmiede⸗Eſen nuglid ge⸗ 
braucht. Vide Stein-Robhlen. 


Lithargyriumargenti, vide Silberglätt. 

Z thofpermon Milium Solis. 
Zithontriprica ſeynd ſowol einfache / ald zufammen gefekte Artze⸗ 
ney:Mittel/welche den Stein in den Nieren und Blafen brechen, Der 
feichen fennd Rad.allir. alch, faxifr, Herb, cherefol, thee, parictar, 
ap. Judaie, Iyne. mephrit, cancr, Tart, vitriolat, 90 m 
Sal. 


- . - - - - 
— —— > 


Loc Lüb 777 


a u EN SR Er aa ne 
5 ſuccin. . & coagulat, cyſſ. &ii, utergve R. apert. a · 
Can, tartar. 5 
Livorno, vide Italiaͤniſche Waaren. / 

' Loculamenta , die Häufelein / da der Saame ber Gewäcdfe ein- 

egt. | 
Loͤffel · Gans ift Fleiner ald unfere gemeine Gaͤnſe / aber fehr de- 
licat zu eſſen / daher fie in Engeland gehalten und geinäftet werden. 
An der Eaſpiſchen Gee werben ſie huffig gefunden. Aus Bralilien 
erden jie auch gebracht. 


Loͤffelkraut / Cochlearia, ein bewaͤhrtes Mittel gegen die Faͤu⸗ 
lung und Scharbock / und ift ſonderlich der Spititus Cochlearim davon 
beruͤhmt / welcher des Früh: Jahrs muß gebraucht werden. 


Lohoch vide Eciegma, 
Colch oder Luͤlch / Acra,Zolium, Zizania,Spelta, 
Lolium frumentum fatuum,, Lolch oder Taubes⸗Korn. 

3 Lorasder Lurcke vide Moſt. | 

>» Horbeer/ und Lorbeerbaum Laurus, Baccz Lauri. 
Corbeer⸗Roſen / Laurus rofea, Rhododendson , Nerium, 
Corbeer· Rraut / Laureola Daphnides. =: 


Zntus‘, Lotus Sativa Trifolium Diofcoridis, Siebengezeit / zah⸗ 
mer Stein-Kiee/ diefes Kraut treibt den Harn und Gifft/ und wider: 
ſtehet der Waſſerſucht. 

S.00f/Porca,Scrofa. j " 


Lotus urbana, Melilotus diefes it mehr in Gebrauch als ſenes / es 
waͤrmet / trocknet / ablergivet / dienet wider Bifft und Seitenſtechen / 
das trockne Kraut pflegt man auch zu demKleidern zu legen / die Scha⸗ 
ben und Motten daraus zu vertreiben. | 


xowen⸗Fuß Alchimilla, PesLconis, Mufcus Terreſtris. 
Coͤwen⸗ Tapp / Zeontopodium, Rhapejon Plinii, 

oöwen⸗ZJahn / Taraxacon. Caput Monachi. 
1.ozonge feynd fo viel als Merfellen. 


Luͤbecks Waaren und Sandlung / dieſe erſtrecket ſich mehrenthefls 

u Waſſer über die gantze Oſt⸗See / gãis welche an allen Seiten / mit Lũ⸗ 

eckiſchenSchiffen defahren wird / jedoch bey weiten nicht mehr in der 

Freqveng/ als da diefe gute Stadt oder dielmehr der Hanfearifche 

Bund und die denfelben incorporitte Städte / deren Haupt die 

Stadt Lübed iſt / noch in thren — Flor und Kraͤff⸗ 
ces 


- un 


778 | Lüͤb | 
ten geftanden / und die meifte Handlung / Zufuhr der Masten Die 
uach und don Schweden / Dännemard / Norwegen / Enge: 
fand und Holland gefchehen / durch Luͤbiſcher und anderer Han- 
. featifchen Kauffleut Schiffe verrichtet worden / allein dieſe Zeiten 
ſeynd pashırt/ und ihre Wiederherſtellung ſchwerlich mehrzu hof: 
fen / daß alfo die Stadt Lübeck mit den, wenigen befriediget feyn 
muß / mas ihr die Zeit/ und der in weltlichen Dingen vegierende 
Gluͤcks⸗Wechſel / vornemlich aber die Provideng des Hoͤchſten an 
Handlung undNahrung übergelaffen/ folchesbeftehet nun ineiner zim⸗ 
lihen Schiffarth nach der Oſt⸗See / und zwar von den dufferften 
End deflelben anzufangen infriedend-Zeiten nad) Narva, wojelbft die 
gübifhen Schiffe allerhand Tugermannlandifche / ſonderlich aber 
Mofcovifhe Waaren sbholen/ welcher Handel vor dieſen legtern 
Krieg der maſſen zu Fübeds DVoriheil angewachſen / daß mancher 
Kauffmann befler feine Rechnung über Narva, als über Archangel 
nach Mofcau zu handeln gefunden hat wie dann auch die Mofe 
coviſche Waaren fchon fo Häufig in Lübeck zu finden geweſen / daß 
die Ober⸗Lander inden Einkauff derfelben/ gleichen oder noch wohl 
— Preiß / als in Hamburg haben bedingen koͤnnen / ſeither 
dem aber Narva in Moſcowitiſchen Haͤnden / und die Farth dahin / von 
deuen Schwediſchen Schiffen unſicher gemacht wird / liegt diefer Han⸗ 
del todt Darnieder/hingegembeftchet noch der Lübecker ihre Schiffarth / 
auf Pernau. Reval, Riga, Memel, Königöberg / Libau , und Winda, 
item auf Dangig / undeinigen andern an der Oſt-See gelegenen 
Plaͤtzen mehr / jedoch dergeſtalt / daß wo die Hollaͤnder nicht die befte 
Handlung weghichen / dannoch wegen der ‘vielen Monopolien, 
Privilegien und Freyheiten / welche die Nordiſche Potentaten/ Dan» 
nemard und Schweden ihren Unterthanen verleyhen / der Lüͤbecker 
Handlung fo fehr beklemmet wird/ dag kaum der Schatten von der 
vorigen Herrlichkeit mehr übrig iſt; zwar iſt noch etwas weniges in 
der Weſt⸗See nad Frandreid und nn. zu thun / allein der 
letztere Frantzöſiſche Krieg und die Unſicherheit zur See / machen 
dieſen Handel ebenfalls ſehr duůnn der Neutraſen Puiſſancen aber ih⸗ 
rerUnterthanen Handlung groß / weil ſolche haͤuffig und ungehindert/ 
die Weſt⸗See / wiewohl mihrentheils vor Hamburger und Lübecker 
Rechnung befahren / indeſſen aber auch unerhoͤrte Fracht⸗Gelder da⸗ 
für weg ziehen / welche die Waaren um fo viel'theurer und den Profit 
um fo viel Eleiner machen. Zu Land hat Lübeck feiner Situation 
wegen / nach Mediendurg/ Hollſtein / und den Lüneburger Land / 

als welche drey Serogehimer ihr am nachften gelegen/ ziemlichen 

Handel / welcher ich auch fonft noch hin und wieder weiter er 
| a 


—— — — — —— 


Lüb 779 


anf in Teutfchland ausbreitet / als woſelbſt hin / biel Moſcobiſche / Lieff⸗ 
und Curlaͤndiſche / Preuſſiſche / Schwediſche und If laͤndiſche Waaren 
abgefuͤhret / und allerhand Sorten Leinwand / wie auch vielerhaud 
Kram · Waaren wieder dargegen (mehrentheils zur Provifion jetzt 

edachten Lander) eingehandelt werden. DieManufaduren in Luͤ⸗ 

eck betreffend/ beſtehen in guten Sohl⸗oder Pfund⸗Leder / welches 
den Engliſchen und Dantziger an der Qualitaͤt nichts nachgiebet / 
ſeither dem daß (ich auch einige refugirte Frantzoſen daſelbſt nie» 


dergelaſſen / iſt das Engliſche Leder-⸗Bereiten in ziemlichen Auff⸗ 


nehmen gekommen / ſonderlich aber floriret der Corduan-Handel / 
weicher hieſelbſt / ſo wohl an Bock als Ziegen und Schaaff-Corduan 
haͤuffiger und beſſer / als ſonſt in keiner teutſchen Stadt gemachet wird. 
—2 eine groſſe Menge Bernſtein darinn verarbeſtetwerden / ge⸗ 
ben die nach Leipzig haͤuffig reiſende Luͤbeckſche Bernſtein⸗Drehers 


zu erkennen. Auſſer dieſen hat es noch unterſchiedliche / Tuch und 


* 


andere Wollne und Baumwollne Zeug und Stoffen Manufactu- 


ren / ſonderlich auch die fo genannten Haar⸗Decken / welche bey 


denen Meiſtern die ſolche verfertigen / groſſen Abgang finden / ſo 
iſt auch nicht des Segel⸗Tuchs zu bergeſſen / davon Jaͤhrlich etliche 
tauſend Stuͤck nach Holland und Engeland abgeſand werden Wollte 
ich die treffliche Schiffbauerey / die in Lübeck Aoriret/ mit unter dieſer 
GStadt-Manufadturen rechnen / wurde id) gantz nicht unrecht daran 
thun / indem dadurch der Stadtein groffer Profit , wegen der ſich 
darmit-nahrenden Schiffö- Zimmerlent / und andern bon denen 
Schiffbau dependivenden Handwerdern / venen Kauffleuten aber 
oder Entrepreneurs, die ſolche Schiffe aufden Kauff oder vor Provi- 
fion und Auslandifche Rechnung bauen laffen/ ein groffer Bortheil zu 
waͤchſt / indem ſie / wann egliche groſſe / fo wohl zumKrieg als Kauffar⸗ 
den dienende Schiffe fertig ſeyn / ein anfehnliches Stuͤck Geld/ ent» 
weder in Spanien oder auch in andern Reichen und Laͤndern / wo 
folche geſuchet werden/ dafur zu gewarten haben. So bringet aud) die 
Spedition Ausländifcher Maaren/ welche von Hamburg. oder ans 
dern Zeutfchen Handels-Städten nach Luͤbeck verfandt werden/ daß 
maiı fie von dar weiter nach der Oſt-See befürdere / oder welche 


auch Aus der Oft» See zu Luͤbeck angelangen / und weiterhin nad) 


Zeutfchland deftinivet ſeyn der Stadt an Zoll / den Schiffs⸗Reh⸗ 
dern und Factoren aber / an Fracht und Provifion einen groffen Ru⸗ 
gen / welchen / ein gewiſſer (durch den Eigen-Rug ervegter) Zufall/ 
vor einigen Fahren bald follte-unterbrochen —— / wann nicht anff⸗ 
richtige Natrioten / der Sache tieffer eingeſehen / und wie es ein ge⸗ 
meines Handeld-Axioma iſt / daß die Commercia keinen Zwang ec 

en 


780 a Zub 
R - ⏑⏑⏑—— — 7 
den /undaud) die Monopolia nicht wohl dertragen fonnen / alfo die» 
fen legten bey Zeiten Einhalt ware gethan / und die alten Statuta 
nach den jetzigen Zeitenund Conjundturen/ nicht abet diefe nach jenen 
“"accommodiret worden. Das Muͤntzweſen in Luͤbeck belangende/ ift 
felbigeö eben wie in Hamburg / und lauffen die Wexel auf Hamburg / 
zumeilen Alpari, zuweilen auch vor den Geber oder Nehmer mit etwas 
Gewinn oder Berluft. Die fo genannte Zulgge oder Zoll/Liccnt, 
oder Accieß vor ein» und ausgehende Waaren / iſt in Luͤbeck fehr ge: 
(ind / daß man nicht nöthig hat diefelbe zu fraudiren /die Manier zu 
Handeln/ und der Umgang mit den mehrern Theil der Kauffleut das 
felbft/ gefchiehet auch inaller honerere Auffrichtigkeit und Freundliche 
keit / welche durchgehends allen dafelbft ſich einfindenden Fremden 
erwiefen wird. Zwiſchen Lübeck und Hamburg hatman die tägliche 
Commodıtät der Poft und Fracht» Tagen / welche leptere auch 
nach andern umliegenden Städten gar wohl eingerichtet/ von Lübeck 
aus kan man ſich bis auf den halben Weg nad) Hamburg des Travens 
Strohnis zum Transport der ſchweren Guͤter bebienen/ da fle dann in 
der Stadt Oldeslo abgeladen /und fo ferner zu Wagen s.oder s. Mei⸗ 
fen über gebracht werden. So ift auch vermittelt eines Heinen Fluſſes 
bie Stegnig genandt/ bis nach Lauendurg / in den SachſenLauenburgi⸗ 
ſchen gelegen/ und von dar völlig in die Elb zu gelangen / dap alfo ſol⸗ 
cher geftalr/ die Oſt · See ſchon einiger maſſen mit der Weſt· See con- 
gungiret ift. Obbemeldten Traven⸗Fluſſes feine Ergieflung in bie 
Oſt⸗See / welche 2. Meilen unterhalb der Stadt bey den fo genannten 
Staͤdtlein Travemünde geſchicht / macht den Lubifchen See⸗Haven / 
end zugleich eine ſichere Rheyde / vor die aus der Oſt-See konımende 
Schuͤfe / welche aber/ warn ſie nach der Stadt wollen / und groß und 
ſchwer beladen ſeynd / in die fo genannten Pramen erftlich müffen er» 
leichtert / und ihre Ladung bermindert werden / worauff ſie dann voͤl⸗ 
lig nad) der Stadt zu gehen / und daſelbſt bis an die Waag und vie» 
fer Kauffleut Häufer anlegen Fönnen / welche Häufer mebrentheils 
Durch die ganze Stadt durch / wohl zur Handlung aptiret/und aus ih⸗ 
ven Bewölbten Kellern / geraunıen Hand Dehlen/ und ſtarcken Haus⸗ 
Böden zu erkennen geben/dap fie zur Zeit des Hanfearifchen Handels · 
Flors nicht leer müſſen geweſen / oder ohne Urſach fo daurhafftig ge⸗ 
bauet worden ſeyn / wie dann auch Die übrigen zum Commercien ges 
widmete Bebäue / als die Börfe/ der fogenannte Schütting / die 
Maag Häufer / und einige groſſe Speichers / ferner die loͤb⸗ 
lich eingerichtete Kauffleut · Zuͤnffte / und deren bieltältige Bes 
diente / Träger und Arbeitd= Leute / ein ſolches Ausweifen / und 
noch flattliche Yelligia der vorigen alten Handlung darftellen 


Fonnen. 
2Zuchs 


— — — —— — 


Sue Sun 781 


——— — — — — — — — — — 
S.uchs/ Zur / Thiegerwolff / Lupus Cervarius & Lynx. 


Luchs·Stein / Lyncis Lapis, Lapis Phrygius, Lyncurius, vide. 


Bælemnites. 
- Lucians-Aranı/ Damafonium alterum. 


Luctusein Hecht / diefe Fiſche werden nicht allein frifch auf den 
Marckt / fondern auch bey Tonnen voll er. /von den Kauffleu⸗ 
ten die mit dergleichen fetten und groben Waaren handeln/ verFaufft/ 
Der Groͤſſe nach werden die Hechte unterfchieden/ daß einige der» 
felben feyndZucii maximi, Frantzoͤſtſch desBrochers groſſe Haupt⸗ Hech · 
te/ andere Z. Mediocres, Frangöfifch Lancerons Mittel⸗Hecht / z. L. 
parvißrochetons Graß⸗ Hechte / den Ort nach ſeynd ſie uciilacuftres, 
pifcinarti & fluviatiles See / Teich / und Strohm⸗Hechte / ihreLeichzeit 
iſt in Mertz und Aprill / und zwar nennen die Fiſcher ſelbige Mertz 
oder Poggen⸗Hechte / weil ſie alsdann ſchon Poggen oder Froͤſche 


fangen / ehliche leichen früher als nemlich in Februario, und dieſe 


heiſt man ur abev befler ald die andern. Ben den 

mernwurden.bie Hechte inter obfonia plebeja gerechnet/ vielleicht 
weil die SItaliänifche Hecht durchgehende Ungeſchmack / oder daß 
Die groſſe Hecht die ohne dem hart und m von Fleifch ſeyn / darunter 
Gerhanden werden. Bon den Hecht ift fonft das era Lucius 
aſt pifcis Rex , atqve Tyrannus agvarum, weil er nicht allein klei⸗ 
ne Fiſchlein friſt / fondern auch grofle Karpen angreiftt / deßwegen 
man ihn fo viel ald möglich aus den Karpen · Zeichen ausvottet. 


Lueii Pifcis Mandibule, Hecht⸗Kieffer werden von vielen Leuten 
ſelbſt geſammlet / und in denen Apothecken verbraucht / man lobt die» 
felbe —* wider das Seitenſtechen / weil ſie das Acidum abſorbiren 
und das geſtockte Geblüt auffloͤſen. | | 

Lujula acetofella. _ 

Tumbrici terreſtres, Regenwuͤrm / Erd-Würm/ hierbon iſt in de» 
nen Officinen der Spiritus Lumbricorum, item das Oleum vor das 
Schwinden der Glieder berühmt. 

Luna vide Silber. 

Lunariaracemofa Mond ⸗ Kraut / Raut / May Traͤublein / Reber» 


Raut / waͤchſt auf Bergichten Wieſen / dienet vor den weiſſen Fluß und 


rothe Ruhr. 


Cungen ⸗ Kraue / Pulmonaria ſ. Botrys, Pulmonatia maeuloſa, 
Lychen arborea. 


Cungen ·Pappel / Aleea, malva venatiea. I 
Kur 


782 Lun Loſ 

Cungen⸗ Blumen / Pneumonanthe, Viola calathiana. | 

Zupinus Sativus Wolffs⸗Bohnen / Tuͤrckiſche Wicken / der Trand 
davon treibt die Monath- Blum/todte Frucht und Mürmer ab. 
Der Saame ſiehet aus wie Kuͤcher Erbſen / aber nicht fo edfigt / ſon⸗ 
dern platt. . 

Zupulus, vitisSeptentrionalium Salidtarius Sopffen / bie jungen 
Shöplingetreiben den Urin/ dienen auch fonft zur Reinigung des 
bluͤts / der fürnehmſte Gebrauch des Hopffens ift im Bier/ deifenGalg 
ober Gewuͤrtz es billich maggenennet werden/es bringt aber immer eis 
'neProving dor der andern/beffern Hopffen herfür/alfo gibt die Marck⸗ 
Brandenburg undas Braunfchweigerfand fehr vielHopffen aus / wel⸗ 

er nach den See-Städten und von dar / ſonderlich bon Lübeck weiter 
nad Dännemard verfuͤhret wird. 


Lutum keim / aus welden die — —— Chymifche Ofen 
chet werden / beftehet aus zwey Drittel Erde / wie ſolche die Secker 
zu ihren Ofen gebrauchen / und ein Drittel reinen Pferd Miſt / wel⸗ 
ches man mit einander vermiſchet / und mit Waſſer befeuchtet / wann 
diefe Mala inden Keller in ein Faß gefehet wird fo faulet (fe/ und 
wird fogefchmeidig/ daß man fie die Ziegelfteine damit zu binden 
brauchen Fan. ER: | 

Lybiſcher Pappel · Baum / Populns Zybica. 

Lybiſticum vulgare, Lebiſticom Liebſtocklein. 

Lychnisagria, Cyanus blaue Korn⸗Blumie. 

Lycium Gummi, kommt aus Alla von einen Baum deſſen Blätter 
fich den Buxbaum gleichen / es wird aus den Beeren gepreft / und an 
der Sonnen aufgetrodnet/ welches aber eher ein Saft als Gummi zu 
ſeyn fcheinet/ diefer Zeit wird es nichts geacht / man findet es auch fel- 
ten gerecht / es muß recht bitter ſeyn / roth ausſehen / im Feuer gern 
brennen / und wohl riechen. 

Lysopodium ‚Mufens terreſtris. 


Lyneis lapisvel Zyncurius Luchoſtein / wird haufig in Teutſchland 
gefunden/und dannenhero wenig geacht/ er iſt unterſchie denerFarben / 
theild durchſichtig / truͤb / Aſch⸗ Farb / auch wie Lyncur, welcher aus Ita⸗ 
lien komumt / und zu Wappen / Ringen ſehr gebraucht wird / vide Tapa⸗ 
Judaccus. 


Lyſimachia Zytron, Galericulata Zobelii Weliderich / iſt ein gut 
Wund⸗ 


Bun — — nn — — - - — — — * 
euer rY # 


In Maa 783 


Rund» Kraut / der Rauch dabon toͤdtet die Schlangen und die 
Fliegen. | Ä 


Lytron lyſimachia Weidreich. 


M. 


M Iſt ein Medicinalifches Zeichen / welches in Verſchreiben der 
® Recepten entweder Manipulus eine Hand voll/oder Miſee 
vermiſche / bermenge / eineSpecies unter die andere / bedeutet. 


Maaſſe und Gewichte / Menfurz & Pondera, Frautzoͤſiſch Poids 
& mefures, ſeynd ſelten an einem Ort wie an den andern / weil keine 
Natior, Proving oder Gemeine / hierinn von feiner lang her gebrachten 
Gewohnheit und Ordnung abgehen / oder einen andernzu Gefallen 
dasjenige mas von Alters her bey ihnen eingeführet worden / changi- 
ren / und ſich etwas neues aufbürden laffen will / da doch ein überaus 
groſſe Dienſt der Kauffmannſchafft koͤnte erzeiget werden / wann 
durchgehends einerley Maaß und Gewichte eingeführet wurbe/.oder 
Doch die geringern Oerter die ihre Feld⸗Fruͤchte zuverkauffen haben / 
ſich nach den groſſen Abkauffs ⸗Oertern richteten / und ſonderlich wo ſie 
unter einen NandessKerrnleben / anch mit deſſelben Bewilligung / 
durchgehends einerley Maaß and Gewicht in denen Ländern feiner 
Herrſchafft einführten/ wie aber diefes in Anfehung der gar wenigen 
Dorforg die heutigd Tags theild Obrigkeit vor die Beförderun 
der Policey und Commereiatragen / leichter zu wuͤnſchen als zu hof» 
fen ſtehet / indeſſen aber einen Kauffmann die Wiffenfhafft der un- 
terfchiedlihen Maaflen und Gewichten / und deren Redudtion 
zu wiſſen fehr nöthig iſt / als wollen wir allhier Die befandteften und 
nothwendigften Fürplich anführen / wegen des Uberreſts aber unfern 
Handels Liebhaber /auf die Authores die ex proleſſo von Maaſſen 
und Gewichten gefchrteben/zum theilauch auf da 16. Kapitel unfere 
neu eröffneten Rauffmanns-Börp /undeinige Rubrigven und Wörter 
dieſes gegenwärtigen Wercks / (da bey einer oder derandern Waar 
mehrmahis Gelegenheit gemefen / die darinn gebräuchliche Maaß 
und Sewicht mit anzuführen) verwieſen haben. Dieſes Orts erſt⸗ 
lich die Ellen Maap betreffend / ſo thun 100. Amſterdamer und aller 
anderer Hollaͤndiſcher Städte / wie auch 100. Nuͤrnberger Ellen / als 


welche mit den Holländifchen gleich ſeynd / 984. Ellen Brabander / An⸗ 
tuerper und Brüßler/ssz Frantzoͤſiſ. und Englifche/ 
vand« 


⸗ —— 
784 Ma | 
Srandfurter / Leipziger / Coͤllniſche Berner / und Bapler / vr. 
Breßlauer und Schlefifche/ ı23- Dantziger / no. Berger und Drons 
theimer oder Vorwegiſche Ellen / 1143. Schwedifche und Stocholiner/ 
86. St Baller zur Meffung der Leinwandten / ıız. dito zu Mellung 
der Tücher/ so. Genffer Ellen/ 35. Canes pon- Marfeille und Mompel- 
tier,37$. Canes bon Folofe, Albi, und Caftres, 303. Canes don Ge- 
nua zu 9. Palmen / 33. Canesde Rome, 75. Verges don Engeland 
oder Ronden/ so. Verges und Barrasbon Spanien / 6i. Barras bon 
Liffabon ober Portugall, 100. Cavidos pon Portugalloder Liflabon, 


102. Bralles von Vencdig, 1054. Braffes Von Bergamo, Bolognien, 
Modena, und Mantua 1163. Braffes bon Floreng/ Zivorno und Lucra, 
und 1283. Braffes von Meyland. | 


100. Brabander oder Antuerper Ellen / thun in Solland und zuMürn 
perg ron, in Frauckreich und Engeland 60. in Hamburg / Franckfurt / 
Leipzig und Coͤlln 1213. in Breflauund Schleſten 126%. in Danpig 
"314. in Bergen und Drontheim in Rorwegennit. in gang Schweden 
ns. in St. Ballen Leinwand⸗ Maaß 57. Tuch ⸗Maaß / 113 F-inGenf 
sc} Aunes oder Ellen/ in Marfeillen und Montpellier 7 Cannes, in 
Toutoufe, Albe und Caftres 38. Cannes, in Genua 30F. Cannes fon 


Neun Palmen/ in Rom 3;$- Cannes, in Engeland und fonderlic in 
Londen 75: Verges, in Spanien Sı. Barras, in Portugal und fon- 


derlich in Ziffabon 615 Barras » noch in Portugal und Ziflaben 
1014. Cavidos, in Benedig 1035 rafles, in Bergamo ‚Modenaund 
Mantua 106$. Braffes, in Floreng/ Zivorno und Zuccauıg, Brafles, it 
Milan 130. Brafles. : 


Um aber diefe Reduktion Fürker zu faffen und des offt⸗ 
mahligen Wiederholens der Länder und Städte überhoben zu feyn / 
wird folgends in 2. Theil abgetheilte Tabell allhier 
borgeſtellet : 


“ Redu- 





len. j 
147) 1914 
3) 9% 
685) 89% 
„7651. 998 
77%) 1003 
753 98 
1001 130 
70 100 
..143}| 1303 
246| 3205 
229;| 298; 
2813 366, 
2604| 339% 
114$ 1495 
‚1072| 140 
| 241] 1834 
| ,86| 12 
ı. 8434| 1095 
814 1007 
733 95; 


67) 878 


‘785 


Städten verhält. 


St Gal · St. Gal· Genffer⸗ 
«ev Rein: lerZud- ; Ellen. 


1023 
so 


53} 
543 
52; 
695 
53} 
100 
1712 


160 Js. 


1965 
1817 
80 
75 
943 
60 
58% 


51} 
463, 
Fort⸗ 


x 7 
87 


Sorte. 


diefer fe 


> 9 h F 


3WVerge⸗ Ver, A 
Very. 


33 751 % 
3251 7331| 3 
33| 725 #% 
285] 65] Au 
2541 58 6, 
er 
43 
& 


ge 3 


en ges Barras Cavi-. | Brafles 


Brafles 


— in Por⸗dos in in Bene |inBerga- 
in | tugal. — dig. Imo,Mo- 
2. Fuge gal. dena & 
Moden Mantua, 
und ı 
65] 1044] 171 1749| 179 
00.554) Sol 83] 85| 884 
berg 64] 4845| 80] 81) 844 
keipiyug| 54]. 89] 903 934 
na in 72 55 90 91 94% 
ns.in7ol 533] 873] 895) 92 
sc}dı$| 702] 6] uf 2 
Toutzıs) 54] 89] 915] 94 
Meunzzz| 10131 1665] 170) ı72$ 
tondggF| 1748| 286] 2913 301 
berlitgzs| 1623| 2663| 272] 280% 
vor ij 1995| 327| 3333| 3444 
Mtzt| 2848| 303) 309] 319 
| 
| 2 1273| 1314 
Um Di ı8) 100) 164| 1672| ı r 
3'r 4| 7 
mahli Gil 200) 102 1052 
| 59 98 1200| 1075 
761 58| 95| 97| 100 
| Sarlı Bil 8751| 95 
47) 7 791 8 


Braffes | Braffes 
in Flo- in May- 
rentz &| land, 
Livorno 
1995| 2195 
97\| 107 
933 ı02$! 
1032, 014 
ı05| 115} 
102| Az 
135:| 149 
104! 1144 
1933| 214r 
3335| 3673 
3095| 3427 
381] 420 
353] 389% 
1544| 1715 
1453| 1595 
91] 210% 
1163] 128: 
1142| 126 
1004] 12 
ı00| 109% 
9 100 


53. Am⸗ 


gr 


Tv 
Maa 787 


bs; Amfterdamer Ellen werben auf 36. Eonftantinopolitanifche Pıcs 


| 


oder Ellen gehalten / auf welchen Fuß man rechnet / 100. Amftere 
Bamer Ellen thun 103. Pıcs, und 100, Piss thun 97. Amfterdamer 
Ellen undeinwenigdarüber. Man rechnet auch / daß 100, Fratie 


toͤſiſ. Ellen 166}. Pics, und ioo. Pics 6o. Ellen machen. 


Die Cavidos in Oſt⸗Indien / deren eine 3. Amſter damer Ellen / und 


kommt / ſeynd Hamburger 


die Amſterdamer Ellen anderthalb Cav dos macht / ſtehen folgen» 
der geſtalt in Reduction: 100. Amſterdamer Ellen thun 150. Cavi- 
dos, und 100. Cavidos thun 663, Amſterdamer Ellen 


3. Den Wehrt einer Brabandiichen Ellen in Hamburger Ellen zu 


reduciren: So addire F. aus der gegebenen BrabandiſchenEllen / 
zu derfelben gegebenen Brabandifchen Ellen / fo koriien Hamburger 
Ellen; Als es kaufft einer 480. Eln Brabander Ellen Tuch / hier» 
aus das Fünftel genommen / feynd 96. diefe zu Die 480, addırt/ fp 
feynd s76. Hamburger Ellen. 


-». Den Wehrt einer Brabander Ellen in den Wehrt einer Ham⸗ 


burger Ellen zu reduciren : So fubrrahire 5. aus dem Wehrt 
einer Brabander Ellen von den Wehrt derfelben Brabander Eh 
fen / foreftirt der MWehrt einer Hamburger Ellen, - 


+. Die Hamburger Ellen in Brabander Ellen zu reduciren: Sofub- 


trahire 3. aus den gegebenen Hamburger Ellen/ von derfelben ges 
gebenen Hamburger Ellen / fo reſtiren Brabander Ellen. 


4. Den Wehrt einer Hamburger Ellen in den Wehrt einer Brabans 


der Ellenzureduciren: So addire +. ausden Wehrt einer Ham⸗ 
burger Eile zu derfelben Wehrt einer Hamburger Ele / fo kommt 
der Wehrt oder Geltung einer Brabander Ellen. 


'4. Die Gärden in Hamburger Ellen zu reduciven: So addire Fa 


aus der gegebenen Odeden ju derfelben gegebenen Gaͤrden / mas 

en. 

e. Den Wehrt einer Gaͤrde inden Wehrt einer Hamburger Ellen zu 
reduciven: fofubtrahire 3. aus den Wehrt einer Gaͤrde / von ges 
dachten Wehrt einer Gaͤrde / fo reftist der Wehrt einer Hambur⸗ 
ger Ellen. Ä 


3. Die Hamburger Een in Barden zu redueiren: fo fubtrahire + 


aus den gegebenen Hamburger Ellen / bon derfelben gegebenen 

Hamburger Ellen/ fo reft. Gaͤrden. | 
4 Den ehrt einer Hamburger Ellein den Wehrt einer Bärbe zu 

reduciren ; fo addive F. aus den Wehrt einer Hamburger Elle / 

zu derfelben Wehrt einer Hamburger Ele / was kommt / ift der 
ehrt einer Gärde. 


. Die Ruͤrnderger Ellen in Samburger Een zu reducixen: fo ad. 
vs 













—⸗ — — — — — | 


788 Mad 


dire 7. aus der gegebenen Ruͤruberger Ellen / zu derſelben Rürnber⸗ 
ger Ellen kommen Hamburger Ellen. 

2. Den Wehrt einer Nürnberger Ellein den Wehrt einer Hambur⸗ 
er Ellezu reduciven : fo fubtrahite 3- aus den Wehrt einer Rürn⸗ 
erger Eile / von gedachten Wehrt einer Nürnberger Elle / fo relt. 

der Wehrreiner Hamburger Eile. 

3. Die Hamburger Ellen in Nürnberger Ellen zu reduciren: fo fub- 
trabire 5 aus den gegebenen Hamburger Ellen / von derfelben ge⸗ 
gebenen Hamburger Ellen / fo reßiren Nürnberger Ellen. 

+ Den Wehrt einer Hamburger Elle in den Wehrt einer Nuͤrnber⸗ 
ger Elle zureduciren: foaddire Z. ausden Mehrteiner Hambur⸗ 
ger Eile / zu denfelben Wehrt einer Hamburger Elle/ fo kommt der 
Wehrteiner Nürnberger Ele. 

x Die Brabandifche Ellen in Rürnberger Ellen zu reduc ren: fo ad- 
dire 20. aud der gegebenen Brabandifchen Elle / zu derfelben ge⸗ 
gebenen Brabandifcyen Ellen / fo fonunen Rürnberger&ilen. 

2. Den Wehrt einer Brabandifchen Elle in den Wehrt einer Nürn- 
berger Elle zu reduciren: ß fubtrabive 34. ausdem Wehrt einer 
Brabandifchen Elle / von demfelben Wehrt einer Brabandifchen 
foreftivetder ehrt einer Nürnberger Ele. ’ 

3. Die Nürnberger Ellen in Brabandifche Eller zu reduciren : fofub- 
trahite z7. aus den gegebenen enge Ellen / von derfelben 
gegebenen Rürnberger Elle / fo reſtiren Brabandifche Ellen. 

4. Den Wehrt einer Rurnberger Elle in den Wehrteiner Braban- 
difchen Elle zu reduciven : fo addive 35. aus den Wehrt einer 
Rürnberger Elle/zu dennfelben Wehrt einer Nürnberger Elle / fo 
kommt der Wehrteiner Brabandifchen Elle. 


— — — 


Die Gaͤrden in Nürnberger Ellen gu reduciren: foaddire zwey 
fünfftheil aus den gegebenen Gaͤrden / zu derfelben gegebenen Fr 
den / was kommt / ſeynd Nürnberger Ellen, 

2, Den Wehrt einer Garde in den Wehrt einer Nürnbergifchen El⸗ 
le zu reduciren: fofubtrahive zwey flebentheilaus den Wehrt ei- 
ner Bärden / von den Wehrt der Bärden/ reftiret der Wehrt eir 

ner Nürnbergifchen Elle. | 

s. Die Nürnberger Ellen in Gaͤrden zu reduciren: fo fubtrahire 
zwey ſie bentheil aus den gegebenen Ruͤrnberger Ellen / von denen 
negebenen Nürnberger Ellen /rettiven Gärden. 

4. Den Wehrteiner Nürnberger Elle in den Wehrt einer Bärden - 

j redusiven : foaddive zwey fühfftheil aus den Wehrt einer Ruͤrn⸗ 
erger Elle/ zu den Wehrt einer Ruͤrnherger Elle / was kommt / 





* 


ſind Gaͤrden. Die 


Maa 789 


1, Die Bärden in Brabander Ellen zureduciren : foaddire ein fünffe 
theil aus der gegebenen Gaͤrden / zuderfelben gegebenen Bärden/ 
fommen Brabander Ellen. . 

2. Den Wehrt einer Bärde inden Wehrt einer Brabander Elle zu 
reduciren: fo (ubtrahire ein viertheil aug den Wehrt einer Gaͤr⸗ 
den/ bon demfelben Wehrt einer Garden / was reftiret / iſt der. 
Wehrt einer Brabander Ellen. 

3. Die Brabander Ellen in Gaͤrden zu reduciven/ fo fubtrahire ein 
viertheil aus den gegebenen Brabander Ellen / von derfelben gege> 
benen Brabander Ellen / fo reſtiren Gaͤrden. 

4. Den WehrteinerBraband.Elln in den Mehrt einer Goͤrde zu redu- 
cirn: fo addire ein stel aus den Wehrt einer Brabander ie den 
Wehrt derſelben Brabander Ellen / kommt der Wehrt einer Gaͤrden. 

Bey der Keduction der Ellen Maaß iſt zu beobachten / day wann die 
Hamburger Elle fo theuer verkauft wird alödie Brabander Elle 
geftehet / daß alödann zo. proCento gemonnenfey. | 

It. die Hamburger Eile fotheuer als die Nürnberger Elle / 145- p.C. 

Item , Die Hamburger Eile fotheuer ald die Garde 60, pro Cento, 

Item , die Nürnberger Elle fo theuer ald die Garde / 40. pro Cento, 

Item , die Brabander Eile fo theuer als die Garde / 333. pro Cento, 

Item, die Nürnberger Ele fo theuer ald die Brabander Elle / s.proC. 

Welches daraus abzunehmen / daß / wann die Elleder Heinen Maafe 
fe fo hoch verkauft wird / ald die Elle der groflen Maaſſe geftanden/ 
fo muß auch erfolgen / daß /fo viel Theile die Elle der gröffern 
Maaſſe groͤſſer als die Elle der kleinern / auch fo viel Theil aus 100. _ 

gewonnen fey. Weil nun befandt / daß die Brabander Elle ein 
stel gröffer ald ein Hamburger Elle / ergo J. auß 100. iſt 
20, und fo mitallen andern. : 

- Die Eintheilung der Ellen wird gemeiniglich bey den Kauffleuten fol⸗ 
gender Geſtalt gemacht / als erſtlich in J. 5. z3- und 25. zweytens 
in 3-2 5- und iz | Ä 

Will man noch genauer die Difference obbemeldter Maaffen wiffen/ fo 

iſt don einem zmwölfftel zu einem ıstel / ein 43. Theil. Von 15. 
zu ein achtel ift ein = Don ein drittel zu ein achtel ein zz. 
Theil. Don iz. zu J. ein za, Theil. Vonz- zu 3. einız. Theil: 
Mon 3-30 3.eins.Theil. DVonz. zu J. einstel. 

Wegen des Geomerrifchen Fup-Maafles ift zu willen / daß der alte 
Roͤmiſche Fuß Ina, Palmen, 12. Daumen/ und ı6. Finger einge- 
theilt geweſen. 

Der Frantoͤſiſche Fuß / welchen mananchPied duRoy neñet / iſt bon i2. 
Pouces, jede Pouce hatız.Lignes, und jede Ligne io. Theilgen oder 

Ddd; Haar 


790 Maa 
Haarbreiten:die Ligne ſelbſt iſt ohngefehr eins Gerſten Korns breit. 

Der Hollaͤndiſche oder Amſterdammer Fuß iſt beynahe bon ır. 
Daumen / wird aber weiter in keine Linien eingetheilt. 

Der Haagiſche Fuß iſt bon iꝛ. Daumen. | 

Der Maſtricher von ı0. Daumen / welche juft 10. und drey viertel 
Daumen des Rheinifchen Fuſſes machen. 

Der Weßiifche/ deflen man ſich in Dordrecht gebraucht / iſt ein wenig 

mehr als n. Daumen. 

Der Hamburger / Luͤbecker und Rigiſche Fuß iftıo.undein halb 
Daumen des Frangöfifchen Fuſſes ı7. Daumen Königsberger 
thun ı6. Frlantzoͤſiſche / und ı. ransöftfcher Fuß thus so, Daumenz. 
s. Linien / 3. Iheilgen des Gtetiner Tuffes. 

ı. Schod hat 3. Steige / oder so. Ellen / oder 240. Nbart. 

. Steige 20. Ell oder 30.Dbart/ı Elle 4.Dbatt/it.z Fuß oder 24. Zoll. 

s. Hamburger Elln thun s. Brabander/ s. Hamburger Ellen .Rüras 
berger oder,. Garden / 20. Brabander Ellen tun 21. Rürnberger/ 
3. Garden thun +. Brabandes Ellen s. Barden 7. Rürnberger El⸗ 
ten / ı. Hamburger Elle thut fünff stel Brabander / oder jieben stef 
Nürnberger / oder fünfft achtel Barden. ı. Brabander Elle thut 
,.undeinstel Hamb. oder ı.undeinzwangig Theil Nürnberger/ 

oder drey viertel Barden. 1. Nürnberger Elle thut 1, undein tel 
Bamburger oder 2°. Brabander / oder}. Barden. 1. Gar 
de thut . und drey stel Hamburger / oder ı.undein Drittel Braban⸗ 
der oder». undaweyfünfftelMürnberger. 

Von denen Gewichten iſt zu mercken / daß nad) Unterſcheid ihreö Ge⸗ 

halts / der kaͤnder Städte und Mund⸗Arten / ſelbige unterſchiedliche 

Nahmens und Eintheilungen haben / als da ſeynd Schifflb. Charges, 

Waagen / Centner oder Qyintal, Arobes, Liß lb. und Stein; dieſe alle 

werden hernach wieder abgetheilt in Tb. dieſe aber wieder in Marck / 

Uatzen / Loth / Dventin und noch geringere Theilgen; alſo hat 

+. Schiffſh. zo0. bis 400. Ih. nach Unterſcheid der Waaren undDerter. 

Eine Charge macht 2. Ballen oder 3. bis 400. Tb. 

Eine Waage oder Chariot »55, Tb. mehr oder weniger. 

Dir Eeniner oder Qrintal 104, 105, big uꝛ. [b. 

Die Arobe zs. bis z2. Ib weniger oder mehr. 

Das Lißpfund »4, 15. auch wol 20. Pfund, 

Der Stein s. 2, auch wol 40. Pfund. 

DasTb.16.Ungen oder 2. Marck / oberz2. Loth / oder 128, Dbeutin. 

Die Mardis. Ungen / oder ein halb Tb. oder ı6. Roth. 


m—— Ale Unges. Gros oder Drachmas , oder 24. Deniers ‚oder 20. Engelö, | 


Das Bros ober Drachma 3. Deniers , 0der 72, Grain, 
Ein Denicr 24. Gran. 
Ein Eugels thut 32. As, oder zo. Grain oder Gerſten Korn! Fol⸗ 





791 


Rbell / 


Wie ſichdas Gew elsStaͤdten verhaͤlt. 








In In In 
- | Genff. | Sonden, |_ Han 
| urg. 
100, [B. in Amfterdam / Parlsl 
deaux, Stradburg und ein 
deru Plägen/ ald welche ul _ , lH. 
gleiche Gewicht haben | 8189 109 81102 
100 Ib Antwerper 84 51103 12|96 10 
roo tſh RouanerdeVicomte |% 92 9nʒ3 141106 
soo fBLioner Stadt · Gewi 476 8 94 3 87 2 
oo fBRocheller - 112189 141110 9103 
oofB Touloufer - |u175 719% 686 7 
oofbMarkillr = ‚72 188 ı182 10 
>0 Ib Benffer “ )4 100 |n23 114 10 
»o FB Londifche - \. 81. 7100 19 5 
olbHambuge - | 187... 41107 5 * 
o ſB Franckfurter 90 1201 11104 
> Tb Leipziger 11284 mliog 596 2 
» Tb Genucfer 135159 517 68 
»[B Livorner . 4161 6165 9,70 6 
Tb Milanefer 8153 65 360 11 
Ib Venediger - , » 1.2153 6165 1161 3 
T6 Neapolitanifde 14152 8164 10,60 2 
B Spaniſche nſs4 2lı03 796 6 
BPortugiſiſche 77 14195 "1 + 
„| sig4 8104 196 14 


b £ütticher 5 








Sort 


‚sung 
er 







a ı m | 
— May⸗LVene⸗ — — — — 
land. | big. ls. — 
| ig. 









168 1166 1169 J1ı06 14 $lıog 4 
6159 311575 1160 2100 81109 8|99 I 
131174 1 1725 175 2uo 4/19 109 7 
145° 6:92 3198 890 8 
71169 u 167 10170 nlıo7 Ins 10/106 $ 
141142. 6140 1144 4189 13197 89 3 
7136 1134 8136 14 |85 13192 nd 4 
188 131186 8189 14 119 2n8 8118 4 
ıtjrsz rılıs2 (154 10197 104 1396 5 
21164 2 162 111167 101103 13117 4105 2 
61169 5172: 6j108 21116 13 
11160 Hı5$ 2/1612 |ıor 109 [1004 
ı|sı2 jno zılım n|70O 1176 570 
16  (u4 $in6 9173 179 72 10 
4lıco 198 ı2|100 8163 68 2162 5 
ı00 13100 ſior 6163 965 11653 z 
‚8199 2198 00 162 8167 9,62 


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r -fı5$ 121156 14159 12100 |108 3! 99 14 
> 131147 1145 41148 (92 12100 02 
ı ı2h59 957 nt16010lı00 Ylıog 12/100 


Die 


— 


‚ Dieferner Eintheilung der Maaſſen beſtehet in Waaren / die nicht 
mit der Ellen fonnen gemeflen werden / fondern weil fie flüßig oder " 
förniht/ oder auch von ungleicher Weite / Laͤnge / Dice und Breite 
ſeyn / eineandere Art des Meffen erfordern / alfomerden die flüßige 
Gachen / alz Branntwein/Bier/ Del/ Meth nad) Tonnen/Wocders, 
Muiden, Piecesoder Stuͤcken Pipen/ Boten/ Eymern / Ahmen / Ba- 
riqvenoder Orhoͤfften Andalen/ Poicons, Faffen / und in Hleinern 
Maaſſen nah Anckern / Vlertels Stübgen / Dvart oder Maaffen / 
Chopinen, Pinten. Seidlein/ ze. gerechnet: _ 
Es wird auch mehrmahls der Gehalt ſolcher lüßigen/ Eörnichten oder 
Coͤrperlichen Waaren bey einigen mit gewiſſen Inttrumentis unterſu⸗ 
chet eh ed als beyflüfigen Sachen und allerley Getraͤnck / 
— — it. Ruhten / bey Schiffs ⸗ Gefaͤſſen durch das Fuß» und 
n⸗Maaß. 
In förnichten Waaren/ als da tft allerhand Korn / Rocken / Waiten/ 
Garften/ Habern / braucht man abermahl gewiſſe Eintheilungen ih- 
ver Qyantität/ nachdem nemlich felbige groß ober gering ſich befinder/ 
ıl8 Laftenoder Left, Mudde, Scheffel / Muid , Setier, Mine, Minot , 
3oiffean, Tonnen/ Himpen / Spind/ Dithäufflein / ꝛc welche jedes 
and und Stadt / nach feiner alten Gewohnheit her/ befonders benah⸗ 
set und eintheilet / dannenhero auch allhier unmuͤglich alle zu fpecıfici- 
en; Aus folgender Tabell aber mehrentheils zu erfehen/ und fo mei» 
rö durch Die Regulam de Tri, der Berhalt des einen gegen dad an» 
rezucalculiren und zu reduciren ift: 
ergleichung verfihiedener Maaffen der vornehmften Hans 
beld-Städte in Europa / gegeu Amſterdamer / Parifer 
und Bourdeauxifche, 


Parifer 


Amender verſchiedene Amſterdam⸗ Rordeauxiſ. 


taͤdte. Maaß. meir Maaß. Maaß. | Maaf. 
ſterdam | ı Laft 27 Mudden |ı9Sextiers 38 Boillcaux. 
werpen |r40Qvart, |25 Laſt 475 Sextier: —7 Boill, 
rdeaux 38 Boilleaux| 27 Mudden |19Sextiets 138 Boifleaux | 


nen 4 Scheffel |27 Mudden 








ı9 Sextiers 38 Boil, | 
t ı Zonne 14 Mudden | ro Sextiers |zo Boifl, 
Tel es Güde 27 Mudden |ı9 Sextiers 38 Boiſſ. 
r 46 Anegras | 27 Mudden | 19 Sextiers |33 Boiſſ. 
8 ı2.Sextiers |18 Mudden j13 Sextiers 26 Boili, | 
hagen 42 Tonnen |: Laſt ı9 Sextiers 38 Boill. | 
ig ı Laft 143 Mudd. io Sextiers 20 Boiff, 
rg Mines, |13 Mudden la Sextiers |zBoil. | 





794 Mac 


Nahmen der verſchiedene Amfterdam-; Parifer | Bordeauxif. ; 
Städte. Mad. merMaaß. Maaf. Maaß. 
Dixmuden 30% Raziers | ı Laſt ı9 Sextiers 38 Boiff, 
Dordredt |24 Säle Laſt 19 Sext. 38 Boiffeaux 
Dünfivchen | 00 Raziers ! 8 Laſt u SM, I1oz Sextiers 204 Boifl. 





Dunes 00 Saͤcke 3 Laſt 57 Sextiers ua Boiſſ 
Emden + Tonne a Laſt io Sextiers 38 Boifl, 
Engeland 1240 Qvart, 25 Laſt 475 Sextiers o5o Boiff, 


Euchuyſen Ja4 Säde Laſt ı9 Sextiers 138 Boiſſ. 


Flißingen J40 Saͤcke Laſt 19 Sextiers 38 Boiff, 
Groͤningen | 3 Mudden Laſt ı9 Sextiers ‚38 Boifl, 
Harlem I Side |ıkafl ı9Sextiers 138 Boill, 


Hamburg so Scheffel | ı Laſt 19 Sext. 38 Boiſſ 
Hardewick Ir Mudden 10 Mudden |7 Sext. lia Boifl, 
HavredeGr. |t$ Boiſſ. |!3 Mudden 1 Sext.  |[e. Boifl 
Leyden 144 Sacke 36 Säde Sext. 38 Boiſſ. 


Pin ._ ]3Afnets Mudden 14 Sextiers 8 Boill. 
Liſſabon 240Alqviresi Laſt 119 Sext, 38 Boifl. 
Livorno Saͤcke Mudden 1 Sext. Boiſſ. 
Londen  J103 Qyart, |! Laft 19 Sext. zs Boiſſ 
Luͤttich 96 Sextiers |1 Laft ı9 Sextiers [38 Boifl. 
Marfeille |sCharge [13 Mudden ıSextiers |2Boill. 
Nimmegen |z2 Mouvers |1 Laſt 19 Sext. 38 Boiff. 


1 ı Muid 17 Mudden 12 Sext, 24 Boifl. 
Paris S |100 Sextiers 53 Laft ı00Sext. |zoo Boifl, 


Riga 146 l.oopen |1Rafl : ı9Sext.  .|38 Boifl. 
Rotterdam ⸗9 Saͤcke Laſt ı9Sext, 138 Boiſſ. 
Rouen 12 Sextiers | 20 Muddes |14 Sext. 23 Boifl, 
Seville 46 Anegras | ı Laſt io Sext. 38 Boifl. 
Toulon, |3Emines |3 Mudden |zSextiers |4 Boifl, 
Venedig |2Starro |'% Mudden |ıSext, ı Boifleaux, 
Utrecht 25 Mudden | ı Lafl io Sext, 138 Boiſſ. 
Zwoll 93 Mudden | 9% Mudden | 7 Sextiers * Boiſſ. 


Die Amſterdamer Laſt iſt zu 27. Mudden oder 36. Saͤcke gerechnet 


Aachinen werden bey den Waaren entweder in denen Bearbeitung 
und Transport, oder auch in ihrer Auf- und Abladung ſehr viel ge⸗ 
braucht / wir wollen hier nicht reden von denen überaus groſſen und 
Beſehenswuͤrdigen Machinen welche indenen Bergwercken zu finden/ 
fondern nur kon denen welche denen Kanffleutenund Handwerckern 
dienen/ nnd ihnentäglich dor Yugen und auch vielen — | 

emmen 


Mac —— ———— 


lommen. Dergleichen ſeynd nun; allerhand Fünftliche Weber ⸗Stuͤh⸗ 
le zu Geiden / Wollen / und Leinen Stoffen / ſonderlich aber die 
SteänpfBebn-Stühle/ und Band-Mühlen/ wider welche bor« 
mahlz viel Redensund Klagens (auch fo gar auf öffentlichen Reichs⸗ 
Berfanmlungergemefen / wie folches aus des Antonii Fabri Staats- 
Eomnplepzueriehen/ welche Klagen ſich aber hernach wieder verlohren / 
vermuthlich aus ſolchen Urſachen / dergleichen wir an einen andern 
Drtangeführet/ und dabey bewiefen haben / daß alle dergleichen In- 
ventiones durch welche mit weniger Müh Fan zu weg gebracht werden / 
aß font vormahls fo bieler Menſchen Arbeit und Unkoften gefoftet, 
nad) den Sprichmort qvod potefl fieri per pauca non debet fieri per 
mulca gar wohl Fönne zugelaflen werden/ Inftrumenti enim cujusvis 
Jauselt, ur fitexpedirum & facile. ie 


Nechſt diefen Weber-Stühlen ift das bielerley Mühlen und Same 
merwerck unter die Rauffmännifche Machinen zu rechnen / derglei- 
hen feynd Mehl und Srüg-Mühlen/ Del-Mühlen/ Wald, Pulver/ 
Papier / Pod / Drath / Schneid:und Gig-Mühlen/ Sqleiff / 
Bohr/ Mangund Plätt-Mühlen / welche alle den Kaufleuten zu 
ihren Manufadturen hoͤchſt nöthig werden/ und dannenhero auch bils 
lig ein jeder deöfenigen Dinges wormit er täglich umgehet eine accu- 
rate Wiffenfchafft haben muß. 
Wann aud) in die Machinen mit hinein lauffen / die zur Beregungs« 
träfften dienende Infteumenta, worunter pornemlid die vier Ruͤſt⸗ 
'euge / (ald der Hobel / das Kamm-Rad mit dem Getrieb die 
shraube/ und endlid) Seil und. Kloben ) die vornehniften feynd/ 
Ache in Handel und Wandel / fonderlich aber bey den Schiffen gar 
terfordert werden /alsift ja abermahl die Nothwendigkeit diefer 
iſſenſchafft daraus gar deutlich zu beweifen. In einigen vornehmen 
ichs· und Fandels-Städten hat man die groffen Schnell-Magen/ 
sfft welcher gantze ſchwer beladene Fracht- und Heu-Wagen / mit 
ter Muͤh in die Hoͤh gewunden / und abgemogen werden. Mas 
aicht die fo genannten Kraniche / mit welhenman Inden Sees 
dten die Lafıen aus den Schiffen hebet / für groſſen Nutzen in dee 
imannfchafft. Item die Winden / vermittelft welcher groffe 
re Packen und Faͤſer / inn⸗ und vor der Kauffleut Haͤuſer offtmahl 
nten auf die hoͤchſten Boden gewunden werden / fo vieler an: 
feinen Machinen , welche wohleetablirten Kaufleuten in ihren 
und Handels-Weſen ne wohl zu flatten kommen Fönnen/ 
zu a weil ſolche allbereit vielfältig bey andern Au- 
ıs befchrieben anzutreffen / unter welchen die vornehmſten / 
r erſtlich: Br a a 
Zu, 


796 | Mac Mäc. 


| Zu der Theorie allein dienende feynd 
Cafp, Scotti Curfus Mathematicus, 
NB, Jungnickels Clavis Machinaram Norib, 4, 1661, Cours de 
Mathematigve de Mr. Ozanam, 
N B.P. Cafati Mechanicorum libri O&to. Lugd, 4.1694. 
J.C.Sturmii Mathef, JuvenilisPars, i. & ». Altd.8, 1699, 
Zur Praxis indgemein gehörige feynd 
Joh, Brancæ Machinz Rom, 4.1629, 
Jae, Strada ır, Theile Fünftlicher Abriffe von allerley Machinen, 
Aug. de Rımellis, Schatz Mechaniſcher Künfte / Lips. 1620, fol, 
Leonbh, Fioravanti, Kunft-und Welt-Spiegel/ Francof. 1619. 
Zeifings Theatrum Machınarum fleben Theile / Lips. 4.1556, 
G. Andr, Boecklers Schau-Plak bon Machinen, Nürnberg fol, 


1673. 
Befondere Mechanifche Bücher feynd. 
Calp. Schotti Technica Couriofa. | 
Mapiflerium Nature & Artis Franc, Lanz Tom.'ıı. Brixiz 
fol, 1636, 
Dion, Papini Exercitationes Academic. 
Ozanams Recreations Mathematigves Paris 8. 
Vitruve deMr. Perrault, Paris fol, 1677. 
L’ Art de rendres JesRivieresnavigables, 
G. Andr. Boecklers , Architedtura Curiofa Nor. fol, 1673, 
C.Hugenii Horologium Ofcillatorium Paris fol. 1673. 
Felibiens Didtionaire de l’architedture , Sculpture &Peinture, 


Der von Herr Profeflor Sturm verteutfchte Goldmann / infonderhett 
aber des Herrn Doctor Bechers / feine Schriften in welchen ex dies 
ferhand Machinen uahmhafftig machet / die obgleid) ihre Betfertigung 
und die darzu behörige Handgriffe nicht allzeit mit darbey befchrieben 
oder unpracticabte angefchen werden / dannoch ein fonderbahres 
Rachdencken / und fernere Speeulation Vornemlic den Kaufleuten 
und Manutacturierd erwecken Fönnen / ald da ift in feiner Raͤrriſchen 
Weißheit / feine Inveation aller Orten Waller-Mübhlen zu bauen/ 
“fein Compendieufes Filatorium oder Seiden Abwind Jnftrument/ 
feine in Waldgebaute Säge und Schneide-Muhle / die mit Od» 
fen getrieben wird / und keines Waſſers bedarff / x. ein mehres 
hiervon / vide unter dem Wort InSentiozes und Inflrumenta, 

Macis, vide Muſcaten⸗Bluͤhe. 

Maͤckeler / Unter⸗Haͤndler / Proxenetæ Senfalen, Courretiers, 
und ihr Lohn Senferia Courretagie genannt. Wie in vielen Menſch⸗ 
lichen Handlungen die Maͤckler und Unter⸗Haͤndler ſehr nöthig fen 

| gie 


f 
⸗ 


Mic 797 _ | 
alfo auch bornemlich in denen Commerciis, da ſie fo wohl Frem⸗ | 
den ald Einheymifchen (dardurch daß fie Kaͤuffer und Verkäufe =. 

zuſammen führen) nüglicheDienfte leiften/ und manchen / der mit ſei⸗ 

ner Waar feinen Ausweg weiß / oder bi deren Verkauff / mit groſ⸗ 

fen Untoften lang liegen müfte / einen Abkaͤuffer zu weiſen / die ſen hin⸗ 

gegen auch dadurch Vortheil ſchaffen / indem (le anzeigen/ bey wel⸗ 

hen Kauffmann dieſe oder jene Waar am beſten zu finden. Es ſollen 

aber die eigentlich fo genannte Waaren Maͤckler / ehrliche / getreue/ 

unverdroflene/ fleifige/und verſchwiegene Leute feyn/aud) der Waar 

in welcher (ie am meiftenhnäceln/ eine gute Kaͤnntniß haben. Die 

Aufrichtigkeit wird an ihnen erfordert / damit ſie demjenigen / welcher 

ſie am erſten um ihre Dienſte een! und entweder Wagren 

duch ſie verkauffen / oder kauffen laſſen / Wechſel ⸗Gelder abgeben 

oder nehmen will / den vortheilhafftigften Preiß und Cours procuri⸗ 

ven/mit rechtfchaffenen Leuten zuſammen führen / nicht an Partheyen 

— / bey welchen er des Einkauffs wegen Schaden leyden / mit 
öfen Waaren beladen werden / oder gar um fein Capital kom» 

menmöchte / und ift bald nicht zubefchreiben / was ein ungetreuer 

Mäder / wann ex nicht treulich handeln will / vor Schaden thun kan. 

Unverdroſſen můuſſen (ie feyn/ die Stadt Ereugiweiß durchzulauffen /· 

wann eined Käufers oder Verkduffers Gattung etwa an diefen oder 

jenen Ort / bey diefen oder jenen Kauffmann nicht wäre/ einen andern 

aufzu füshen / und nicht gleich müde zu werden / ob den erftenTag die 

Contrahentes nicht einig werden können. 5 


Die Verſchwiegenheit wird darum an ihnen erforbert/ damit (fe 


nicht zum Rachtheil deöjenigen der fie gebrauchet / ſeineSchwaͤche oder - 
Staͤrde / demſenigen mit weichen er handeln will / herrathen. 

Verſtand der Waaren muß ein Mäder darum haben / damit erfele 
nen Principalen die beſten derſelben aufſuchen / ihre Qralitaͤten und 
was mehr von den Ein · ind Verlauff dependiretiim Fall der Roth das 

es begehret wůrde / anzeigen koͤnte. 

Was der Maͤckler ihre Belohnung anbelanget / iſt dieſelbe an einen 
Drt anders ald an den andern / nur deren einige zu gedencken / ſo zah⸗ 

fen in Hamburg n | , J 
Vor Wechfel zu ſchlieſſen heyde Parteyen ı. Marck von 100. Warck. 
kiegende Gründe zu verhaduten / zahlen beyde Partheyen von 100. 


arck 1. Mard ® RER 
u verkauffen von 100. Marck 4.8. . 
Affecurangen zu fi nbon 100. Mar 4. ß. | 
- Schiffzubefrachten zahlt der Schiffer allein von der Lafls. $. 
Don Korn / Saih / und-SHering/ zahlen beyde Parten von der£afl 4. j. 
Rothſchetr gibs die Lau. Marck⸗. J. — — a 


— 


7238 Mic — 

Seiden und Seiden Waaren / item Geld und Silber mungen age 
fponnen/ und alles was davon gemacht iſt / zahlen. ee 
iein von den Werth eines Pfundð laͤmiſch / (oder von 7. Marcks. ß.) 


1.5. Lübiſch. 
Von allerhand Teutſchen / Frantzoͤſiſchen / Engliſchen und | 
Alu male Rn. 
na einwand / Leinſaat / Flachs und Barı/ 
ahlen Verkaͤuffere allein/von Tb. 51.8. $. lachſen 
1. Kol Oßnabrugger Leinwand / gibt 3. Marck. | 
on aller ereitet Leder / Baumwolle und Wollen⸗ ö 
{en Verkäuffere allein 1. $.pr. 1. Tb. Sl. » nn zah 
Hingegen von allerhand Schaaff · Wolle / von einen Sack von 100. 
\inıso Stein 3. Marck. 
1. Laft Lein⸗Saat gibt 12. f. 
‚. Schif-Pfund Flachs / Hanf und Tam. 4.8. 

Pan Garn / roh / gebleiht und Coulcart, 8. $. pr. 1. Tb. Fl. 
erhand Lacken oder Gewand ı. $, pr. 1.15.51. | 
». Stich Märdifch Tuch / gibt. 2.P. 
Pr. allerhand Specereyen zahlen Verkäufers allein / als pr.r. Sack 

pfeffer / Priftilfchen und Englifchen 12. $. 
’ pr. dito Liß boniſchen und lang gut 6. ß. 
Pr, Ingber vor. Hein Gad 6. $. 

Groß dito von soo. Th. 12.$. 
Eoneel/ 1. Hein Fardel ı. B- 
1. Groß von z5o. in 300. 1B.2.9. 8. f. 
1. Kift von soo. Tb.3. 8. 
Mandeln’, ı. Hein Sad z.f. 
| 1, Groß dito 4... 
Rageln / Macis, Mufcaten/ 6.%. pr.1. 16.51. 
an er — —— gef — Confecluren / Zu⸗ 
17 Farb⸗ Waaren / allerhand Proguiſtereyen / Virginiſch und 

Braͤſiliſch Toback / 1.B-pr.'. b. Fl. * giwiſch 
Rei / ein llein oder groffer Sad 3. P- 
Roſinen in Fäplein von 4. Arobbe 2. ? 

= in dito vons. in s..Arobde 4. ſ. 
Kofinen in Korben / 1. ß. pr. Korb. 
Feigen in Faͤßlein 2. ß. pt. Faͤßlein. 
HfaumendasOrböfts.h 
Dliven 6. ß. pr. Oxhoͤfft. 
£tmonen ik Pdel/ die —* F | 
Pudre-Zuder oder Farin giht i. Kiſte / 1.9.4.8. 


—7 


Maäc- | 799 
Ma’gvebadedito 12, f., ES 
Rannell dito 10,$. 
Barbados und St. T omas uder 12.f. Shrop dat 100, D. 1, 
Malvalter 1.Both/s. 
Saͤckt dito .ee ⸗ ns p. 
Alicanten/ 1. Pipı. B- 
Spaniſch Wein / dito 12. $. 
Stange Wein / 1. Orhobets.. 
Mhein-Wein/ 1.&tüc von 8, ahm; 2. 
Brandtwein/ı. Stüdı.Y- 
Eßig / 1. Uxthofft 4.$. 
Meih / . Laſt z. ſ. | 
Allerhand Papier und Spiel-Karten / Nürnberger Kram · Waaren / 
Menedifche/Alicantifcye/und Denebiftpe ——— 
Weinſtein / Gummi Tragant, Aurumpi — undDielen/ 
Eifen-Drath/Dvediilber/ a el/ Armatugen/Befüg und 
Munition, zahlet alles. von i. . 
Don Del/ Honig und Wachs / wie A: — — N zah⸗ 
len Verkaͤuffer allein und Sr Ä | | 
. Pr. 1. Pip Baum: Del, | 
1. Loth dito bon ıs. in 1600, 4. —* 2. ß. 
Bein / Hanff / und Aiß-Del pr 1, Orpöftn. ß. 
Pr. . Laſt Honig ı. Beh 
Pr. Poͤllniſch und Lün eger Wach dor’. Rollen vonzooo.TE.,.B. 
1. SchiffPfund Sped 2. $. 
Zaldditoz,.B. 
s.Laft Iheer und Ped a. ſ. 
a. Laſt Ihranı. iz. 
. Faß Breilauee R th. 
3. Oxhoͤfft / Engliſch Vitriol; ß. 
Goßlariſch dito 1. Faß von. 1000, fh. 8.f. 
Alaun ı. Faß von 1000. T6 10, f. 
Thüringifche Weyde / Faß s. ß. 
Schmad de porto, ı, Ballen groß ober klein 4. f. 
». — ne Schwedifhe / Dorner / un Wogdehurgifäe si 
4. | 
oe 8, & Pr 
tall⸗Waaren ı. Punda.f. ‘. 
Een Behr. Einfach Fäpgen ;. FE 


a dito 5 fr 4 

Etafl ı. Säßlein 2 En EN 
1. Bund ober C — ug * u" 
Eee 2 ‚Bian 


goo —-— Maͤe 


Zinn / das Shiff-Pfunds * 
er * Blech / Platen / Hein und stoffe Keſſel / das Schiff⸗ 


— ai Pie und — das Schiff⸗ «Pfund 12.6, 
Kupffer⸗Drath / 100. IB 
Weßing in Rollen/ 100. is g 

Di Stadı Riga Mackler· Taxa ift als folger: 


aBcieu Rogge € Gerfen/Sabern / Malk / Grüdengibtdie daſt 


| Senf — Schlag⸗ Saat / die Tonne $-Grofchen. 
GSir-fein-Saamen / Erbſen / Bohnen / allerhand Srüg und Mehl, 
„art Ar — 
ottaſch / Fla euff / und Torf /da nd 3. Gro en. 
Talch / Eiſen und Stahl / da das Shiff-Pfund;. Groſchen. ſch 
Kupffer / Wachs / Honig / Butter / Zinn / Toback / Corduwan / 
Pfund Leder / Garn / oll / Federn / Bley / Meßings Keſſel und 
Kupffer⸗Drath / gibt daskieß-Pfundı. Groſchen. 
Salb / die Laſt s. Groſchen. 
Hering / Weydaſch / Bier und Meth/ die Laſt 12. Groſchen. 
Holtz · Waaren / als Wagen⸗Schoß / das Stück 3. Groſchen. 
— 
role Hundert 72. Gro 
Eh Kia Klapp-Hols 36. Groſchen. — 
dito Franf. 18. Groſchen. 
Eichene Plancken / das Stück 2. Groſchen. 
Sharn und Straſſen⸗Leder / der Dr erz. Gro 
Reuſch⸗ Leder und Bock· Fell / der Decher 8. Grohe 
Baar Leder / der Decher 5. Groſchen 
Alerhand Baden / Seyden Waaren / Deißeseyen/Droguesepen/unb 


en / z. pro Centum. 

ipe pr. Faß so. Grofchen. 
— — pr Both ⸗4. — — 

paniſch Wein pr. Piy 13. Gro 
Sa bein pr. Urböft 6. Groſe eu. 

Wechſel auf fremder Plapen/ z. pro Centum, 
Ger —— item auf Bodmerey / bezahlt Jeder Theil & 5. 

pro Centum 

Säufer zu verhaͤuren / jeber Theiln Reichsthaler. 


Soif dey den Haufen —— ———— — 
n 





Mac Mag dor 
Sn Amfterdam befommen die Mädcler vermög Ordonance von Aa. 
1615. und ı624. boneinen jeden gefchloffenen Wechſel ıs. Stüver / vom 
100. Liv. $lämifch oder soo. fl halb durch den Nehmer und Halb durch 
den Geber des Gelds zu bezahlen. Zu Paris bekommen fie von jeden gs 
und alfo 2. Sols vor iooo. Francken. Zu Zion gibt ihnen ein jeber 20. 
Jols vor zooo. Francken Zu Londen einjeder z bor 100, TB. Ster⸗ 
lings. Zu Venedig J. von iooo. Zu Genua, J. bon 100. Zu Livorno 
vor 1000. BuBologne 1. Sol hox 100, Thlr. und ſo fortan nad 
eines jeden Handels Platzes Maͤckler Ordnung und Coſtum. 
Gin mehres von Maͤcklern / vide unter dem Wort Læio. 


Macronen werden vor denConfecBeckern verfertiget / man ninmt 
darzu ein biertel Pfund Mandeln / ein achtel Pfund geſtoſſen Zucker / 
das Weiſſe von 2. Eyern / die Mandeln werden geſchaͤlet / und mit 
Kofenwaffer untereinander geftoffen / wiewohl nicht zu duͤnne / das 
Cyerweiß ſchlaͤgt man zu m / und thut hernach den Zucker und 
die Mandeln darunter / dieſe Maſſam legt man dann auf Oblaten / 
und badet fie ab in einer Torten Pfanne / die zubor mit einen Pas 
vier muß beleget feyn / laͤſſet ſie alsdann ſo lang baden / bis ſie gelb 
‚werden / hierauf wird ein Glatt⸗Eyß darauf gemacht ( nemlich von 
guten weiſſen klein geriebenen und init Roſenwaſſer dünn angee 
— Zuder) alsdann in linder Wärme adgetrocnet / fo ſeynd 
ſiie fertig. Ä | 

Magalep Saamen / {ft ein Rern bon kleinen Früchten/ welche einen 
Kirſch⸗ Kern nicht unähnlich ſcheinen / er muß noch friſch / dick und grob« 
förnigt / auch bon der aͤuſſeren Schale wohl gereiniget / und ei» 

eß guten@eruch ſeyn / wann man ihn zum Parfumiten gebrauchen foll. 

Magazin, ift wie iu der Vorrede ſchon gedacht / der Ort / wo die 
Kauffleute ihre Güter hinlegen/ welcher Ort entweder gewölbt / oder 
doch ſonſten nach Befchaffenheit der Waar / fo wohl aptırt/ daß nicht 
Jeicht ein Einbruch / Feuer oder Waſſers Gefahr / oder Wetter Scha⸗ 
den dabey zu — — im Krieg ein Magazin fey/ iſt iedermanu 
befandt/ wird auch bielfältig die Anfuͤlung deſſelben / mit dvenenKanff- 
-feuten beraccordirt / worbey dann ein jeder was darunter zu feinen 
Vortheil dienet/ es ſey in Sclieflung des Liefferungs-CTontradts, - 
oder in Transport der zu lieferenden Munition. nad) der Magazyn, 
von felbften wird zu confideriven wiffen. Dieſes Orts wollen wir 
nur noch den Vorſchlag (des in Policey und Commercien Gachen 
fehr erfahrnen Herrn B. Be Heu eined allgemeinen Land⸗ 
Magazins anführen/ und Fünfftig bey anderer Gelegenheit/ wie der⸗ 
gleichen Magazin ordentlich — und wohl zu — 

ee;, y 


802 ___ Mag — 
ſey damit es auch denen Commerciis gedeylich falle / zu beſchreibeu 
und vorbehalten haben / es lauten aber die Wort /befagten D. Bee 
chers als folger: IR 
Um ind: Werd zu richten daß der arme and und-Bauerd- Mannz 
feine GOttes Babe berſilbere / dem Land Feine Theurung zu wachfen / 
und bey wohlfeilen Zeiten der Land⸗Mann auch nicht zu wenig vor ſein 
Korn bekonimen möge / fo iff nothiwendig/dag man ein Magazin auf⸗ 
richte / wobey folgende Puncten in obadtau nehnen. | 
1. Das alle 10, Meil mehr oder weniger nachdem der Diſtrict nahe» 
hafft ift/ zu verftehen biö anden Umkreyß / melde? In Diameter zwan⸗ 
ig / inder Ruͤndung fechbig/ indem gantzen Begriff ober Arca aber 
y die drey hundert Meilwegs macht / “auf Grund und Bo⸗ 
den / wann er ein wenig fru / viel wachſen kan / und doc) von je⸗ 
dem / auch dem weiteſten Ort nicht weiter nad) der Magazin Stadt/ 
ald zehen Meil / fo weit anfegomohl ein meinev-Bauer auf bloß Ge⸗ 
—— ein ungewiſſes nach Marck faͤhret) ein Magazin aufs 
erichtet werde Er ey 
: nieder dergleichen Magazyn Stadt / foll man Jaͤhrlichs bow 
denen darzu deputirten Vifitatorn einen Tag halten / worben alle dar⸗ 
unter, gehörigefand-Leut erfcheinen follen /- und dafoll man ſich des 
Jahrlichen Preyſes aller Victualien und Commercien uud Fruͤchten 
———5 bey welchem Vergleich ed bleiben ſoll das ganbe Fahr 
uber/und foll fein Landt-Mann oder Bauer auffer dieſem Preif ge 
dachte Zeit über. weder an das Magazyn ‚noch an jeinands anders 
verkaufen börffen. R | r 
3. Es ftehet jedem Landmann frey / feine Fruͤchte zu behalten / oder 
zu berkauffen / doch daß er denCurrenten verglichenen Jaͤhrlichen Preyß 
nicht ũberſchreite / feinem Nachbarn / fich felbften / ober der gantzen 
"Gemeinde um Schaden / und diefes in zu verfiehen Don ‚deu Di- 
Prrict'der Zehen Meilen/ wann ers aber daraus und darüber ns 
vet / mag et ſich nach deffelben Rands-Conftirurtionen richten / es waͤ⸗ 
te dann Sache / daß eine gange@emennd/eine Magazyn, Statt/oder 
mehrer ſelner Nachbarn dahin handelten/dann fol man in gleichen ſich 
des Preyſes wegen vergleichen. 
4. Aneine Magazyn-Stattinöge alle im ſelben Dilrit wohnende / 
auffgezeichnete / und herglichene Land⸗Leut ihre Feld⸗Früchte / Ge⸗ 
waͤchs / Getraͤyd / Wein / und Vieh um den verglichenen Preyß ber⸗ 
kauffen / und iſt das Magazyn ſchuldig / ſolche von einem jeden der⸗ 
gleichen anzunehnien / und baar zu bezahlen / doch daß edauffrihtig/ 
und Kauffmanns · Gut feye. 
Daß Magazyn mag hingegen zu allen Zeiten / wie und in was 
bvor Preyp es fan / an wem / und wohin es will / die — 
er 


Mag — ge; 
ter verkauffen / doch daß esauffrichtig But halte/ und einen leydlichen 
Gewinnuefme. . - \ 

6. Ju das Magazyn mag auf Intereffe wann noch Stellen übrig/und 
—— von noͤthen / fein Geld legen wer da will / auf ein ehrliches 
Intereſſe. 
7, Jede Magazyns-Stadtmag Ihre eigene DirectionKammer has 
ben/nach Kaufmanns Art/ aber alle Magazyns-Städte eines Landes 
follen mit der ey ———— und mit einander correfpon- 
diren / damiteine Obrigkeit wiſſe / wie reich gedachte Städt an Vor⸗ 
rath feyn / und wie das gemeine Landweſen flehe/ aus Beftellung 
nun diefer Band» Magazynen folgen viel herrliche Bortheilund Nu⸗ 
Gen einem Land. 

Dann erſtlich wird der Vorkauff abgeſchnitten / wegen des insgemein 
a Feen Preyß. u: i 

e — ein jeder kandmann und Bauer feine GOttes Gabe gewiß ver⸗ 
Iſt ſtaͤtigs / und anfallen begebenden Nothfall das Land mit herr⸗ 
lichen — verſehen. 
4. Kan nie durch Miß⸗Jahr wegen der Magazynen eine allgemeine 
Land⸗Theurung einfallen. z 
5. Werden die Lebend- Mittel bey nahe zu allenZeiten gleiches Prey 


feö fe 
6. Werbeirzu wohlfeylen Zeiten gleichſam um einen Spott fallende 
Land» Früchte nicht foliederlich aftimirt/ fondern auf eine Vorforg/ 
und theute Zeit aufgehaben / deflentwegen ein Land nie in Extremis 
der Wohlfeylung oder Theurung flehen wird. 
+. Kan wegen baarer Mittel der Landınann auch beffer feine Con- 
tributiones und Steuren entrichten. 
Aus welchem allem/ und noch vielen andern abzunehmen ift/ mie 
durch did eingige Mittel der allgemeinen Land» Magazynen einem 
sangen Land foeine herrliche Huͤlffe zuwachſen Eönne / ja gleichſam 
dieſes das eingige Mittel feyn/ wordutch ein Rand erhalten werden/ 
und ind Auffnehmen gerathen koͤnne / da Hingegen fo man folches nicht 
achtet/ ein Land in einen gefährlichen Ruin geratben kan. 
Dann was Fan erſtlich undilliger feyn / als dem gemeinen Land⸗ 
mann flätige ewige Contributiones aufflegen / und demfelben nie 
darzu behüulfflich ſeyn / daß er dad Seinige / wann er gleich was hat/ 
verſilbern Eönne. / 
2. Was kan naͤrriſcher feyn / als auf die mohlfeyle und theure Jahr 
nieeinige Reflexion machen / fondern folche Sorgen allein einigen 
wenigen Privar und ungewiſſenhafften Wein» und Korn - Zuden üe 
berloffen/ und alfo einen Sand mit Steig — annoͤthige Theurung a 
"Eee 


- 


x 


804 | Mag 


den Hals laden. Pharao Hätte auch fagen könıen / was frage id Date 


nah / meine Unterthanen mögen zufehen / wie fie ſich proviantiren/ 

—— ſſete eine andere Refolution , die ihme und dem ganhenkan. 
nuglid war. , . \ ü 

3 Vachdeme es umumgaͤnglich iſt / daß / zumahlen bey ans in Teu 

land auffs wenigſte alle drey Fahr ein Viß. Jahr undAenberung f 


- foverfäumet man la nichts / und gehet nicht fehl / fondern im vechten 


Einkauffdergleihen Güter gewiß / zumahlen wann ſie fauder con- 
fervirtwerden, . ! 


4. Ron ift gewiß / daß die halbe Theure eined Miß Jahrs fo viel | 


Gewinn gibt / daß die bey mohlfeilen Zeiten erfauffte Güter und 
Früchte / welche etwann ein paar Jahr geruhet/ reichlich mit ihren 
Intereffe bezahlet werden. " | 


“9 Kat über diefes ein ſolches Magazyn bielandere und beqheme⸗ 


ve Mittel in groffo feine Güter an den Mann zu bringen/atgein armer 
privat Landmann und Bauer, Ä | 

6. Gleichwie es auch gar viel Bortheilim Einkauffen baben Fan/ zu» 
mahlen / weilman einem oder dem andern auf fein Gewãchs / und 
een GOttes Seegen etwas vorſtrecket / welche Praxis an dem 
Rheinſtrohm ſehr im Gebrauch. — | 
7. Schlieſſe derohalben / daß die Anlegun der@elder zu dergleichen 
Magazynen nicht allein einensands-$ürfien/fondern allen und jeden 
ermöglichen Leuten růhmlich / ehrlich / und beyderſeits nuͤtzlich ſeyn / 
** einem gantzen Land dardurch kan geholffen werden / auch 
derentwegen nicht zu zweiffeln iſt / welĩ es die Propolia dampffet⸗ 
daß ſie GOtt abſonderlich fegnen werde / wie dann auch folheMaga- 
zynen im Theurungen und Kriegs · Zeiten bielen armen Menfchen zu 
Nutzen kommen. 

Sleichwie nun ein gantzes Land durch Magazynen voriger Weiſe 
verſehen wird / alfo iſt es auch noͤthig / daß man jede groſſe Volckrei⸗ 
che Stadt ſolcher geſtalt in obacht uehme / und ein Particular-Maga« 
zyndarinnen auffrichte/ aud) eigene Leute beftelle / welche von dar 
ausindem Land herum reifen / und die benöthigte Sachen einfaufr 
fen / auch) auf den Märdten Marckmeiſtet halten / welche die Bau 
ven und Verkäufer in ordentlichen billigem Preiß / nd Büteder 
Waaren halten/ dann was Fan von einer Obrigkeit lie derlichers ge» 
than wer den / als daß ſie den Baurenim Verkauffen en freyen Wil⸗ 
len und Muthwillen ohne einige Inſpection laſſet / und lche Rachlaͤßig⸗ 
keit vor ein gering Werck halt/ dadoch durch ſolch —— Ding eine 
gautze Stadt in Abgang / Theure und Malheur fan kommen / dann 
nach ſolcher Theure ſich nicht allein der Handwercks · und Kauffmann / 
fondern auch das Geſind / und alle Bebiente richten / und aufftei —* 


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Mag. 805 
hingegen iſt der Baursmann ſchwer zum Abſteigen zu bringen / und ' 
wann bor fünff Jahren einmahl eine Theurung gemeien/und er ind 
Auffteigen kommen / bleibt er doch allezeit darbey/ GOtt gebe / die Zei⸗ 
ten feyn fo wohlfeyl ald ſie wollen/und diefed thun dann au die Hand⸗ 
werd ö-Leut / ald Schufter und dergleichen / das Malter Korn geite 
viel oder wenig / fo gilt doch allzeit ein paar Schuh einen Thaler / 
durch ſolche unnöthige Thenre nun ſeynd gange Staͤdte in Teutfchland 
befchreyetiworden. Diefennun —— ſoll man zwar den 
Bauersmam aufdem Marckt laſſen kommen / aber nad) den lauffen ⸗ 
den Zeiten auch einen lauffenden Preis auf die Guͤter ſetzen / und nie⸗ 
mands darüber noch darunter verkauffen laſſen. Es werden auch die 
Bauren deſtoeher darzu zu bringen ſeyn / wann ſie ſehen / daß das 
Stadt · Magaæym oder allgemeine StadtSpeis-Rammer/ durch Die 
uk feibften auf dem Lande einkauffen / und ſich verforgen thut / wel» 
es Doch das Magazyrı nicht than foll / wann anders die Bauren ſich 
in einem rechten ‘Preis und mit gnugfamen Waaren einftellen / da 
dann gedadhted Magazyn den Bauren und Bürgern nupen wird / den 
Bauten zwar/ indem edalleMard-Tag/ was fie nicht verkauffen koͤn⸗ 
nen / von ihnen um ein billigeö nimmt / und ſie alfo der Ruͤckfuhr ent 
hebet / und eines gewiſſen Kauffs verſichert / doch daß fie dann auffer 
dem Marckt an niemands / weder zuvor oder darnach (das Propolium 
und Unordnung zu verhũten) ausgenommen an das Magazyn Vers 
Bauffen/ und etwasleidlicherd als auf dent Marckt geben / damit ſich 
auch dad Magazynhernad im Verkauffen auffer den Märdten erho⸗ 
len koͤnne. Andern theils/ fo wird aud) diefed Magazyn den Buͤr⸗ 
ern einer Stadt nuͤten / indem ſie ſtets / auch auffer den Märckten / 
Keifhe und allerhand Victualien don dem Magazyn um ein billiges 
haben koͤnnen / und nicht fotheuer don den Maͤcklern und Unterkaͤuffer 
ſolche nehmen duͤrſſen / welches dann ſowol vor die Reichen / welche 
roſſe Haushaltungen re als bor die Armen / die eat aus der 
and in dem Mund das ihrige Fauffen muͤſſen / ein gutes Mittel ift/zus 
mahlen in gefährlichen Zeiten/ da Iheurung zu beforgen / und derente 
wegen bisweilen die Menfchen/ fo zur Defenhion in einer Stadt nöhtig 
wären / aus Mangel ſolches Magazyns müffen hinaus geſchaſſt wer» 
den/ welches dann das erfte Kenn-Zeichen eines fahrlägigen und 
sichtönügigen Regiments ift/ wann nemlich in einer Stadt nicht viel 
Probiant derhanden / dap man zweymahl 24. Stunde, wil gefchwei« 
gen 24. Wochen / aushalten Fönnte / und heift es hler wol: Felix 
tivitas quæ inAnnona depenuriacogitat. | | | 
Magdalenen⸗Aepffel / Mala auguſtea. 
Magd⸗Blumen / Cotula ſeœtida Herba Virginea. 


Eece⸗7 Magd · 





goh " Mag 


Magdlieben / Bellisminer, _ — 
Magd⸗Palmen / Vinca pervinca, 
Aagsiſſerium, iſt ein (bermittelſt der Chymie , jedoch ohne Extra- 
&ion) zubereitetes und von auſſerlichen Unfauberfeiten gereinigtes 
Werck / wohin dann gehören (1) das Oleum tartari per deligvium, & 
aurum potabile &c (2) die gemeine Magifteriapoy Corallen/ Perlen 
die Virriola, Vomitiva, Pulveres und Calces metallor, 2 aurat, 
&iicrocus und die Flores don andern Metallen. 
"Magiltrantz, vide Imperatoria, ofrutium, 
Magpelia. vide Zaffera, item Braunftein. | 
Magnetſtein / Magnes oder Lapis magnetis , der beſte wirb in 
Schweden und Norwegen gefunden/ in denen Alpibus, Africanifhen 
und Aharifchen Bergen hat man auchdeflen fehr bie. Seine Sym- 
pathie, welche er mit dem Eifen hat / daß ernemlich ſolches an ſich zie⸗ 
het / auch daß eine eiſerne mit Magnet beftrichene Compaß-Radel ſich 
jederzeit nach Norden wende / iſt bekannt. Feuer und Knoblauch bee 
. nehmen den Magnet feine Rrafft / undein guter —— van» 
ſchwaͤrtzlicht / dadey auch roht ausſe hen / und ſtets in Eifen-Setlig beo 
decket liegen / damit er etwas zu zehren habe. So will er auch / wann 
er eingefaßt iſt inner etwas zu tragen haben / als etwan einenSchlüfe 
ſel / oder nach Proportion ſeiner Groͤſſe / einander Stuͤck Eiſen; mit 
Fett oder andere Unſauberkeit laͤßt er ſich gantz nicht gern beſchmieren / 
fondern berdirbetbald. Es wird au der Magnet treflich geſtaͤr⸗ 
cket / wann man taͤglich fein Gewicht / fo viel nemlich ein eingefaßter 
Magnet tragen kau / um einen kleinen Zuſatz vergroͤſſert. —* den 
herrlichen und unbefhreiblihen Nugen / welchen der Magnet in der 
Seefahrt preftiret/ ifter auch in der Artzney⸗Kunſt feiner anhalten» 
den und austrudnenden Krafft wegen eben wie der Blutſtein / jedoch 
nur äufferlich zu gebrauchen. Es fol ſich auch ein weiſſer Magnet» 
ftein finden/ welcher bon denen Staliänern Calamita Bianca genennet 
‚wird/dieferiftaberfehrrar. Verwundernswürbig ift/daß nicht al⸗ 
fe Magneten einerley Effedt oder Wurdung haben / als da zichet eine 
Art derielben das Eifen/ und richtet ſich zugleich auch nach dem Nord» 
ſtern; Die zweyte Art / welche in Böhmen gegraben wird/ richtet (ich 
zwar nach dem Nordftern/ziehet aber fein Eifen ; Die dritte Art if 
begierig/ andere Magnetenan ſich zu ziehen; und die vierte ſtoͤßt dag 
Eifen gar von fich/ welche Art Theamedes oder auf Teutſch Bleſer ges 
nennet wird. Ginarmirter Magnet wird genennet / wann man an 
deflen beyde Polos oder gegen einander überfiehende Seiten zwey 
ya eiferne Schendel/dieuntenbreite wohlabgefchliffene Füffe dar 
en/ anleget/und mit Quer⸗Blechen oben und unten feſt anzichet ; rn 
wei _ 


— —— a 


Mag Mai 807 
weilen Fleidet man auch die übrigen Seiten mit Eifen ein/ alſo daß der 
— a darzwiſchen liege. Zu mehrer Verſicherung 
vor Roſt / machet man über dieſes noch Zwlllich oder Tuch oder Sam⸗ 
mit barüber/ foift dev Magnet Völlig armiret. | 

Magfaamen/Papaver Sativum. 

Maguey, fonft auch Mer! genannt/ ift ein Baum / welcher gar haͤuf⸗ 
fig in Neu-Spanien wächft / und weil man zur Nohtdurfft mit Waſ⸗ 
fer/ Wein/ Del/ Epig/ Honig / Syrop/ Faden/Badeln und vielen au⸗ 
dern Dingen mehr Davon kan verfehen werden, fo halten die Einwoh⸗ 
ner deflelbigen Landesgar viel darauf / daß ſie gemeiniglich zu ıhren 
Nutzen einen neben ihr Haus pflangen Sonſt wächfet er im Felder 
wo man ihn hinſetzet / und feiner wartet. Er hat breite und dicke Blaͤt⸗ 
ter/ welche an den Euden ſcharff zugeben / da man ſie an ſtatt der Na⸗ 
del gebrauchet/ dann wann man diefeibe abreift/ fofolget ihraus dem 
Blat ein zaͤhes Haar nach, welches an der Spike feſt ſihet / daß man al» 
fobald damit naͤhen kan. Deu Stammi ſchneidet man auf / wann er 
noch jung iſt / und laͤſſet eine Hoͤle im Baum / darauf ziehet ſich der 
Safft / wie Waſſer / welches man trincket / und ſehr friſch und für 
ſchmecket / heraus; warn man es ſiedet / ſo wird Wein daraus / wann 
es hingeſetzet wird / ſo gibt es Eßig; beyan Feuer geſotten und gelüus 
tert / gibt es Honig / und wann es nur halb aufgeſotten / wird ein Sy⸗ 
rop daraus: es hat einen guten Geſchmack / und iſt ſehr geſund. Er 
dienet auch ſonderlich Feuer zu behalten / dann er brennet langſam 
fort / wie eine Lunte. Man hat aber wol ıo. befondere und berſchie de⸗ 
ne Sorten vou dieſen Baum / welche noch über vorgemeldie Rutzbar⸗ 
feiten/ Holt zum Brennen und Zäunen geben/ mit den Blättern des 
det man die Hdufer / jaman Fan daraus fihöned Garn fpinnen zur 
Kleidung / aus der Wurgel werden ſtarcke und dide Geiler gemacht ; 
und wer wolte allcd erzehlen was man aus diefer Pflange vor Nuhen 
haben kan. Diefes ſtehet noch zu erinueen / daß aus ciner eingigen 
Pflantze offtmahls über so, Eymer Saffts tröpffelt/ aus welchen man 
Honig / Eßig / Del/ Syrop und Zuder bereitet. Ich rechne aber den 
Eymer mit Marggrafio zu 2. Spaniſchen Arcben; eine Aroba hält 
nach unferer Teutfchen Rechnung s. Rheinländifche Maaß / oder Halb 
fo viel Stuͤbchen. 

Mahlern / vide Gemaͤhld. 

en Amaragus,Sampfucus, Majeran/ Maferan / iſt entwe⸗ 
der majoräna peregrina vel marum, oder Tativa latifolia vulgariste- 
nuifolia minorundfylveftris, Aus diefen gebraucht man beyderley 
majoranasfativas, doch iſt latifolia Die befte. Die Tugend dieſes 
Krauts beſtehet in einem ſale volatili admodum oleofo , . 

| au 


Er 


En 


808 Mai Mal . 
auch feine Kräfte und Mürdong mit denandern Gewürgen überein 
fommen/ und infonderheit dienet es in Nerben:Krandheiten und Ca⸗ 
tharcen des Haupts. Der Saame fommt aus Franckreich und Ita⸗ 
lien / und wird in Teutſchland nicht zeitig ; hingegen hat man das Del 
und Kraut in Uberfluß. 

Mairz, Frumentum Turcicum, Türdifch Korn. - 
“ Mala infana,melogena, melautana, Poma Amoris, Solanum po» 
miferum, Tolläpffel. | 
- Malabatrum ‚ Folium Indi Seplafiariorum , Indianiſch Blat 
wächlt an wäfferichten Orten/ und ſchwimmet in den Waſſer / wie fon 
die See-Linfen/ kommt einig und allein aus Indien aus Malabar,, hat 
mit den Spickenard gleiche Krafft und Geruch. 


Malachites, vel Molochites, Lapis Pavonius ober Malagvitte, ges 
hört zu dengrünen Marmor / oder iſt vielmehr eine Art von Jafpis, 
wiewohl einige, gefunden werden/die dem Saphir nicht viel ungleich / 
man findet ihn in Italien und Teutſchland / bisweilen in der Groͤſſe 
einer lachen Hand / und fo dicke daß man Eleine Becher daraus ma⸗ 
chen Fan / feine “ai ſoll nn den Schwachheiten der Kinder zu 
widerſtehen / und (le vor gefährliche Zufällen ‚zu bewahren. Boetius 
- fagt/ fo man ſechs Gran ſchwer davon ein nehme / fopurgiere er gleich 
wie dad Spieh-Glas. . 

. Maladticum, iſt ein Mittel das erweichet. 

Malagma, ift bey denen Alten fo vieljald Cataplalma , bey dee 
nen Chymicis aber durch Verſetzung der Buchftaben fo viel als 
Amalgama. | 

Malaxare, bie Pflafterd werden malaxiret/ indem ſie mit der Hand 
oder einen Stöffel/in eine Maffam gefnetet werben. 


Maltha vide Afphaltum, : | 
Maltʒ wird aus Gerften und Weigen gemacht / wann nemlich daB 
Korn eingemweicht / hernach zum Auswachſen und Kaumen auf den 
Boden geleget/und dann auf der Daare / oderan dev kufft / ( jenes 
zum braunen/ die ſes zum weiſſen Bier) getrucknet wirb / in denen 
See⸗Stãdten wird nicht allein vlel Malg / welches ſie in kurtzes und 
rauhes eintheilen / zu eigenen Bebraud) / fondern auch um über See 
und Sand damit zu handeln gemacht / es muß ſchoͤn rein/truden und 

von guten Geruch feyn. " | 
Maltzen naſſe / Sorbus. 
Manlten / Atriplex, aureum olus. 


Malvaſier, ein delicater Wein / hat feinen Rahmen von einer Stadt 
| in 


— 


Mal Man 809 
in Morea oderPeloponelo,Malvafıa genaũt / woſelbſt er am aller beften 
wähft/man findet ihn auch in Spanien / Franckreich und Jtalien; durd) 
Kunzt wird diefer Wein nachgemacht / wann man nimmt guten Gale 

gant / Gewürg-Rägelein/ Ingwer alled gröblich zerftoffen / und 24. 
Stund in Spiritu Vini in einen hölgern wohlvermachten Gefäß ein» 
geweicht / hernach diefe Dinge in ein Leinen Tuch thut / hänget (ie an 
einen Faden in die Tonne / in welder ein guter Clare Wein ift/ fo 
wird folcher den Geſchmack des Malvafiers befommen, Von den rech⸗ 
ten Malvafier ift dad Sprichwort / daß er ſey Manna alla bocca & 
Balſamo al Cervello, Manna im Mund und Balfanı im Gehirn, 


Malvz Semen, Papel-Saamen/ ift fehr gemein / wird im Auguft 
und Septembr, Monath geſammlet. Die Blätter und Blumen bon 
den Pappeln/erweichen/zeitigen/ laxiven den Bauch; Die Conferv pon 
den Blumen/dienet vor die Schwindſucht. 

Malva hortenfisfivearborea, Romana, Garten- Pappeln/ Roͤmi⸗ 
ſche oder Roſen · Pappeln / Etndt / Herbſt / Winter/ Garten · Rofen / ha⸗ 


ben einerley Wuͤrckung mit dem vorigen. 

Malva paluftris Althæa, Malvavifcus Althæa Eybiſch. 

Aalum, Pomum, Malus Aſſyria, Gtrus, Malus medicaCitrus 

Malus Adami, Pomum Adami five Aſſyrium Adams - Aepffel / dies 
fer ——— faſt Blätter und Bluͤh wie die Limonien· Baͤume / 
wiewohl etwas breiter / die Frucht iſt wie groſſe Pomerangen/wird in 
Portugall / Spanien und Ealabriengebauet.“ 


Malus Armeniaca, Mala armeniacz, Ymarellen Baum * 
iſt eine bekandte Fr ucht. | — 
Aalus Aurantia, Pomerantzen⸗Baum / iſt gleichfalls nicht un⸗ 
bekandt. 
Aalus * ae Ras — # ke 
Malus Cydonia Quitten⸗Baum / w ugetheilt / in 
— milden. Die Qvitten ziehen zuſammen / nehren / —— 
agen. | j 
Malusdomellica, Pomus zahmer Apffel-Baum / eö gibt aber ſau⸗ 
re / füffe/fauerliche / und weinfaure / rauhe und herbe / gefchniagfe : 
' und ungefchmacde Aepffel. | 
Malus Perfica PferſiſchSaum. 
Malus Punica Granaten-Baum.' 
Mandeln / —— item Nuces græcæ & thaſiæ, werden ab» 
getheilet in bittre und füfle / jene / wel vor Die:Zsuudenpeit binnen) 
x 7J om⸗ 








gro | Man 


— ⸗ñ— e7e — — 
kommen aus Apulien und Sicilien, wann ſolche ſchoͤn hell braun/ 
hart / gantz / und nicht wurmig ſeyn / fo Fan man fe noch zimlich lang 
halten/ ſie müſſen aber nicht viel Staub haben. 

Amygdala dulcia, füfle Mandeln kommen aus Franckreich und Ita⸗ 
lien / es wachfen auch deren viel in Zeutfchland / am Xheinftrohm/um 
Landau und andern Orten mehr/ man hat dabon unterſchiedliche Sor⸗ 
ten / nemlich Ambrofin-Mandeln / welde aus talien Eommen/ 
hernach die Comum fo eben dergleichen/ oder Doch nicht diel fchlechter/ 
ferner die Probenzifche fo aus Provence in Saͤcken gebracht werden/. . 
und dann die Barbadifche die ſehr weit herfonumen / doch wollen etlie 
che die Valenzer Mandeln vor die beften halten / weil fie breiter und 
groͤſſer als andere Gorten / auch angenehmer von Geſchmacke find/ 
werden in Soͤcken überbracht. Dieſe Sorten werden bey 100, 
Pfund mitez.preCentum Rabbat. berfaufft/und mit courranten@el> 
de bezahlet / die weiſte und befandtefte bey uns find/ die Probenzifche 
ſuͤſſe Mandeln / diejenige welche (hongelban dev Farb / innwendig 
weiß und hart / und nicht ſtuͤcklicht ſeyn / auch Feine Schaalen oder 
Stein und Staub haben / die hat man am liebften. Es feynd a 
Amygdala moliiputaraine Krad- Mandeln / an weldedie Schale fo 
dünn daß man fie mit einen Finger auffdrücken kan/undAmygdalz du- 
roputamine Mandeln mit harten Schalen / welche von den gemeinen 
wenig unterſchieden / unter allen Mandeln fennd Die Ambrofinen die‘ 
beften/ fie ſeynd dick und rundlich von Figur/haben einen angenehmen 
Geſchmack / die Barbadiſchen kommen in geflochtenen laͤnglichten Kor⸗ 
ben / fallen aber ſehr klein die Von Valenza ſeynd beſſer als die 
Barbadiſche / und die aus Provence übertreffen fie beyde / die fo ge» 
nante lange Mandeln feynd die anfehnlichften unter allen. Die bittern 
Fommen daher wann entweder die füllen Mandel-Bäume nicht wohl 
gewartet / oder in ein untuchtig Erdreich verſetzet werden / da fie dann 
aus der Art ſchlagen und bittere Mandeln tragen / werden nad) ihver 
Gröffesftimiret. Das friſch ausgeprefte Mandel-Del ift gut zum 
. ‚Satat an ſtatt des Baum ⸗ Oels / fonderlid wann anftatt des Eßigs 
frifcher Eitronen-Safft gebraudjet wird. 

Mandibule Lucy Pifcis vid, Zucy pife, Mand, Hecht⸗Kiefſſer. 

* Mandragora Jabora, Dudaim, Circea, Antropom..rpbin Alraun/ 
deſſen gibt es zweyerley Gorten/ Männlein und Weiblein / und flebet 
die Wurtzel unterhalb des Nabels einen Menſchen aͤhnlich / wachſet 
in vielen Orten Welſchlands / von wannen die Frucht als Aepffel / 
item auch die Rinde von der Wurtzel zu und gebracht wird. Dieſe Car- 
texoder Rinde muß ſchoͤn weiß / und trocken ſeyn. Was die Marc: 
ſchreyer von ihren Alraun / ober fo genannten Galgen · Maͤnnlein vor ; 

| geben 


Man | gır 


geben iſt Fabelwerck / maſſen ſie folche aus der Gicht-Rübe/, Brio- 
nien, oder Roͤhr⸗Wurtzel fchnigen/ und zwar weil (ie noch frifch ſeynd / 
da ſie dann Berften oder Hirfen-Körnlein / andie Derter fleden da 
fie wollen Saar haben / hierauf ſtecken (le dieß Bildniß in heiſſen 
Sand / und laſſens eine Zeitlang darinn ſtehen biö Zaferlein daraus 
wachſen / dann graben ſie es wieder aus / beſchabens uud formirens 
hin und wieder nah Menſchen Geſtalt und verkauffens vorAlraun. 


Maͤngel⸗ Wurtz / Lapathum Sylveſtre anguſſi folium. 
Manngolt / Beta Teuthlis, Teuthlon wald Manngolt/Pyrala,La- 
pathum wilder Manngolt. 
Manipulus eine Hand voll. je - IR 
Manna / Manna Calabrina, vel Mel Rofcidum {ft ein Art des 
Honigs oder vielmehr ein gewiſſer Ligyor, welcher wie der Ihau 
wann Tag und Racht gleich iſt auf Bäume und Kräuter herunter 
faͤllt / worauf er fi granulivet oder koͤrnet / man findet felbigenan 
bielen Orten / abfenderlich gegen Aufigang der Sonnen/ ſonderlich 
wirberaufden Fraxino gefunden. In Zeutfchland haben wir die 
Manna fo in Calabria im Konigreich Neapolis fällt / am liebſten / wie 
Dann aud) die in Puglia/ man findet ſie nicht weniger in China, und 
alten ſie die Chineſer vor einen gefrohrnen Thau / folchen Thau thun 
Fi in Käften/ und miſchen zu ieden Pfund ein halb Pfund fchone: 
Grana, damit ed fauber heraus kommt / die Wanna muß ſchoͤn weiß / 
in Lang und breiten Stüden feyn /und ineinemtrodnen Gemach auf 
behalten werden. In unfern Apothecken hat die Calabrifche wie allbe⸗ 
zeit gemeldt den Borzug / fouderlich die Granata, das iſt Die aus 
kleinen Körnlein beſtehet / man nennet felbigeinsgemein Mannam : 
foliorum. Bartholinus gedendet einer Manna / die ev aus einer Hag⸗ 
bũchen habe tropfien fehen/ nicht anders ald wie das Hark aus Fichten / 
und das Gummi aus den Kirſchen⸗Baum flieſſet / es feynd aber die. 
Authores noch ſehr uneinig was die Manna ſey / etzliche halten dafür 
es fen ein infpishrter und coagulirter Thau / andere ein fettiger Baum. 
Safft. Es wird auch die Manna, in Mannam foliorum und Man- 
nam Corporisunterſchieden / jene wird bon den Blaͤttern / dieſe bom 
Stamm geſammlet. Unter der Sammlung iſt ſie faſt einer Thau 
Sabftang/ welche auch das Eiſen roſtig machet / weßwegen man (ich . 
olherner oder ſteinerner Meſſer bedienet / damit die Mannanicht 
— werde Nach den Unterſcheid der Laͤnder iſt die Manna J 
rientaliſch o derSyriſch / Perſiſch / Calabriſch / Tridentiniſch / Poliniſch | 
und Preufifh. Die Mannamaflichinagranata beftehetin gröfferm - 
Körnern diebald den Maftix gleihen/ ſie iſt aber fchlechter alsdie 
Foljau, die rothund braune Manna iſt alt / ihre Berfälfchung gefchie- 
| het 


gie Man — — 
het mit Penid · Zucker / den manum die Blaͤtter ziehet / alſo ift ad 
bie welche auf Senet Blättern wie Körnichen Hebet falfch / man . 
kan aud) eine Mannam bereiten / aus Krafft- Mehl /Scammonium 
und einen milchichten Saamen. Die Manna Maflichina wird nicht 
mit Recht ein Manna genannt / weil fie vielmehr ein zuſammen 
geſtandenes Hark oder Lachryma der Bäume ift. Der Mannzla- \ 
xivende Kraft / beflehet in motu fermentativo , da fie dann die - 
Sordes laxirt/ und diefelbe gelbflüßig veraͤndert / daher man fie 
unter die Mittel feget/ welche Colagoga oder Gall abführende ge⸗ 
nennet werden. 

Manns⸗Harniſch / Victorialis mas. 

Manns treu⸗ Wurtz / Eryng i Radix, dieſes Gewaͤchs iſt eine Di« 
ſtel / wird im Junio geeagben! alsdann mundirt / und der Kern her» 
aus gethan und au * rret. In unterſchiedlichen Staͤbten wird 
diefe Wurtzel in groſſer Quantitaͤtmit Zucker eingemacht / und Pfund» 
weiß berkaufft. Es waͤchſt auch ein Eryngium am Ufer des Meeres / 
bey Venedig / welches milder und kraͤffliger zum Zucker · oder Honig· 
Elnmachen ift/ als jene : das Teutſche aber hat Linde zerſchnittene Elei- 
ne Blätter: Wann diefed noch jung ift/ wird folches Kraut / wie an» 
dere Kräuter gegeſſen. Es wird auf dürren Hügeln und Bergen / 

umeilen auch auf Heyden und Wegſtraſſen gefunden. Diefrernde 
ammlet man im Sruhling/ die einhe imiſche im Herbſtz ſte muß fchön 
weiß und vom Kerurein ſeyn. | 


Mantel unſerer £. Frauen / Alchimilla, 

Manus Chrifti, Perlen-Zuder/ oder wie Blaneard in feinen Lexie. 
ſchreibet / überzuderte Perlen. SER 
Marabel Marrubium album, 
AMearcaſita, ſeu Marchafita, Wißmuth/ift eine Generatio Metallo-. 
rum gantz weiß/ und hateinen groben bißweilen Chryſtalliniſchen Sil⸗ 
berhafften Bruch/ kommt aus den Zinn-und Kupffer Bergwerck / ab⸗ 
fonderlich bey Schneeberg her / raucht im Feuer gern hinweg / daß 
kaum etwas blefbt/ iſt gut zum Löthen. Unfere Kunſtwercker brau- 
chen ſolchen ſtarck; einige wollen auch einen gelben Wißmuht haben / 
wodurch ſie vielleicht den gelben Zinck meynen Aus dieſen weiſſen 
machen etliche Kugel / welche die Feſtigkeit zu Schanden machet. Er 
wird auch ſonſten zu Silber · Farben durch verſchie dene Kunſtler / und 
awar auf untevſchiedliche Weiß gebraucht / item prepariret man dar⸗ 
aus Magifterium, Oleum, Ligvorem ſal, Flores. Agvam, Extractum. 
Magilterium Colmetisum, vide Blancards Thsat, Chym, p. m. 32. 88 


a 


Mar | 813 
Man hat aud einen Kupfer Marcalıth, £ateinifch Pyritesund von den 


Srangofen Mendiqye genannt / fo ein ſchwerer und grauer Stein 
mit gelben und glängenden Flecken und Adern iſt woraus auh Vi- 
triol gemachet wird. Derbeianntefte unter allen iſt der Zinn Mar- 
caſit. oder das Bismuthum ‚welches fonft auch Stannum Cinereum, 
und von den Frantzoſen L’ etain de glace zu teutſch Wißmuth / oder 
per Excellentiam , fonderlic) in den Apothecken Marcafıt genennet 
wird; weil es alle anderean der Schönheit und Büte übertrift/ es 
wird auch an ſtatt des Wißmuths eine Fünftliche Mixtar,aus Zinn, 
Weinſtein undSalpeter von denen Materialiften Verfauffet; den@olp 
Kiesoder Marcafıtam Aurcam ſuchen die Alchymiften gar fehr / als 
davor haltende / daß foldes der Saame des Goldes fey / gleich wie 
die andern Marcalıten der andern Metallen ihre Saanıen ; der 
gemeine Marcafıc oder Wißmuth / wird auch fehr von den Kannen. 
gieffern an ſtatt des Reguli &. gebrauchet/ und in der Artzney werden 
einige äufferliche Mittel / als weiſſe Schmincke daraus gemocht / fo 
nichts anders il als das Magiſterium Mareaſitæ, welches einige 
auch Blanc de Peries und Blane d’espagne nennen. Schröderus 2 
feiner vollftändigen Apotheck lib.3. cap. 18. lehret folgende Wunder: 
reiches Waſſer aus der Marcafıt zu ziehen / nimm des beten Wißmuhts 
Ertzls⸗. Pfund che dann ed einige Feurs:Hig erduldet / thuees in eie 
ne Retorte, lege einen groffen Recipienten vor / und deftillireßpr. 
radusetwann ı2. Stund / fo bekommſt duein weiſſes und gar ſuͤſſes 
aſſer / dieſes Waſſer redtifieive zum drittenmahl/ fo wird eg noch 
ſuͤſſer / deſſen thue . Pfundin ein Glas mit Wachs / und einer Blaſen 
wohl vermacht / daß aber das Glas den dritten Theil leer bleibe/ ſtelle 
es an einen Ort da es ruhig ſtehe / fo wirft du ſehen daß ſich das Waffer 
in Plenslunio bermehrt / und das Glas gantz boll wird / und wann der 
Mond abnimmt / ſo nimmt das Waſſer auch ab/ indem Novilunio 
wird es zu den Theil den es gewachſen noch. einen Theil verlieren 
und ganz ſchwer werden / jedoch wird es fein erſtes Gewicht behalten/ 
diefes Waſſer ziehet aus den Gold feine Animam in z. Tagen / undfo 
man das Waller abftrahivet / und wieder angieffet /fo wird dteAni- 
ma in Form eines Oels an Boden bleiben / und das Silber in Bold 
transınuriven/ abernicht mehr dann des Goldes anfänglich gewefen/ 
ebenfalls fo du ein duͤrres Kraut nimmſt / oder eine gange P anthze ge⸗ 
doͤrret / fo daß man ſie zu Pulber reiben kan / und haͤlſt allein die Wuͤr⸗ 
Gel in diefes Waſſer 3. oder 4. Stunden lang / fo wird das Gewchs fo 
grün/als wann es erſt aus der Erd genommen worden / und ſo es zuvor 
Slamen gehabt / wird es dieſelbige wieder bekommen / oder thue dies" 
ſes Waſſers in ein Glas / darzu ein gebrannt Waſſer von einem 
Kraut / welches du wilt / und ſeines 8 3. Qdentien/und füle 


das 


81; ‚ Mar 1J 

das Glas alſo an / daß ed gan doll werde / ftelle ed dann an einen ge⸗ 
subigen Ort/ fo wird in 2. oder. Tagen die Pflange oder dad Kraut 
anheben zu wachfen / davon das Waſſer und Galg genommen / fo 
baldıman aberdas Glas beweget / fo zergehet auch das Kraut / fest 
* es wieder an den geruhigen Ort / fo ſteiget es wieder in die 
Hoͤh. 

Marcepan iſt eine bekandte Art bon Conlect, welches die Confect- 
Berker auf mancherley Weiß wohl zubereiten wiſſen / insgemein 
nimmtman zu anderthalb Pfund Zuder ı. Pfund Mandeln/in Roſen⸗ 
waſſer wohl abgeftoffen/ machets untereinander / bis ed dicke wird / 
—— auf Odlaten / und backt es in den Oefelein oder einer Pfanne 

ar aus. 

Marchand ein Kauffmann / Marchandiſe Kauffmanns⸗Waar / Mar- 
chander feilſchen / dingen / um eine Waare kauffſchlagen / handeln/ 
Aarchand en grosein Kauffmann ind Groß / M. en detail, ein Kauff⸗ 
mann in Ausſchnitt / M. quinqvailler, ein Kaufmann mit Eiſen und 
Rürnberger Waaren / M.de Soye Geiden-Händler/M. de Drap Ger 
wand-Schneider/ detoilleder mit Leinwand handelt. 

Marciliana ein Venediſch Schiff / welches das Bildniß St. Mar- 
ei führet. i | 

Marcobell. Marrubium album, 

Marder Martes, werden in Stein⸗ und Ebel-Marder abgetheilet/ 
kommen viel aus Schweden und Mofcau/ werden aud) viel in Teutſch⸗ 
fand gefangen/ ihr Excrementum foll wie Biſam riechen. 

Marga Saxatilis, Frantzoͤſiſch Mouclte des Pierres, Mergeloder 
Stein⸗Marck / iſt eine fette Erde faft wie der Rolus, wird hin und wies 
der in Teutſchland fonderlic in Böhmen gefunden/fie fiehet entweder 
Fleiſchfaͤrbigt / roth oder gang weiß aus / welche letztere die gemeinfte 
Sorie iſt / und auch Lac Lunæ oder Monden⸗Milch von andern aber 
Aparıcus mineralisgenennet wird / weil fie von den Aneraliſchen 
Dünften zwiſchen den Felſen / gleichwie dev Lerden- Schwamm bon 
des Baums Ausfäulungen gezeuget wird: ihr Gebrauch und Qyäli- 
tät iſt mit der Terra Sigıllara eins / Aufferlih trucknet und hei⸗ 
fet fie die alte Schäden / und zwar ohn einige Schmergen oder 
SBeiflen, 

Margarethen ⸗ Bluͤmlein / Maßlieben / Bellis, 

Margaritæ ſouſt auch Uniones, Perlen genannt/ werben in Orien⸗ 
—* und Occidentaiiſche abgetheilet / haben eine Hertzſtaͤrckende 

rafft / rid. Pexlen. 
Margranten / Mala granata, J 
Maria 





en 4 


wm 
3 


Mar 815 

Maria Magdalena Blum / Spica Celtica 

— — Kraut Valeriana, 

Mearien-Dieftel / Carduus Marie, 

— Muͤntz / MenthaSaracenica, vel Romana, HerbaS, Mariæ? 

— Roͤſel / Lychnis Coronaria, Thryallis, 

— Sloͤcklein / Viola Mariana, 

— Traͤher⸗Wurtz / Cynoſorchis. | 

Marillen / Armeniaca. Ä 

_ Marmelada ift ein Apotherfer Runft- Wort / bebeuteteine Art von 
Doitten-Gallrey / mit vielen Gewuͤrtzen zubereitet. 

Marina oder Sachen die aus den Meer kommen / ſeynd Ambragri- 

fea mohlviechende Ambra, Blatta Byzantina Indianiſche Muſchel⸗ 

Schalen / Corallina Meer-Mooß / Corallia alba’ mei je Eorallen/ 
dit, rubra fragmenta rothe Eorallen/ mittelmäßig / Dentalia majo- 
ra groffe Zahn⸗Schnecken / oder Zaum-Mufcheln / Dentalia minora 
HeineZahn-Schneden / Entalia Purpur-Scneden/ Fabz feu um. 
bilici'marini Meer» Bohnen/ Margaritæ occidentales, Occidenta= 
life Perlen / Margaritæ Orientales Orientalifche Perlen / Mater 
Perlarum Perlen: Matter / Offafepia Fifchbein / PilamarinaMeers 
Ballen/ Sperma Ceti Wallvath/ Spongix marinæ majores feinegroffe 
Schwaͤmme / Media Mittel-Schwamme /Spongix marine minores 
Feine Schwaͤmme / Spongiarum fragmenta Schwaͤmm⸗Stuͤcker / 
Kropff⸗Schwaͤmme / Succini albi fragmenta weiſſer Agſtein in Stũ⸗ 
cken / Suceini albi raſura Ahgang bon weiſſen Agſtein /Suecini Citrinä 
fragmenta gelber Agſtein in Skuͤcken / Succini Citrini raſura Agſtein 
zum Raͤuchern / Suceinum in Corallis. 

Mariniren heiſt in en Fiſch in Eßig legen / daß fie (ih 
ein Zeitlang conferviven koͤnnen / fonderlich wann man Gewuͤrh und 
etwas Lorbeer» Blätter dazu thut / mie biel taufend todte verfaulte Fir 
ſche aber auf diefe Weife uns Teutfchen von den Italiaͤnern zugeſand 
merden/ ſtehet leichtlich zu erachten/ in Italien hat man auch kleine Boͤ⸗ 

gel dergeftalteingemacht / weiche man nennt Ave di Cipro in Teutſch⸗ 
nd macht mand alfo mit den Lerchen / welche man gebraten in ei» 
nen Haven legt / Lorbeers Blätter und Wacholder: Beer darzu thut/ 
hernach den Haben mit Eßig voll gieft / und dans oben mit Butter 
zu ſchmeltzet fo bleiben fie lange gut. he 
Mirmelaraifteine Dditten Gallerey. I 
Marmor ein in m Landen zimlich Eoftbarer/ und dannenhes 
ro mehr zu Publiqven Staats⸗ und Kirchen / ald Bürgerlichen Ge- 
bäuen gebrauchter Stein / befindet ſich von bielerley Arten und Far⸗ 
ben ; Die bey dein Alterthum in * gehaltene ſeynd etwan folgende, 
* Ra: 2 er 








816 Mar, 
der grüne Laconifche / welcher der ſchoͤnſte und Lieblichfte / dem der 
von Donyfa nachzuſetzen und zwar was bie dee Farb belanget. Der 
weilte Marmor kam aus Paro, einer Inſul des Egzifchen Meers/ 
dem folgte der Zanenfifche/ welcher an Weifleden aus Paro faft über» 
troffen / beydenging weit vor der zum Tenipel-Bau zu Terufalem/ 
auf den Libanon gebrochene Marmor / welcher Schnee · weiß war / und 
als zartes Glas ſich poliren ließ / der Numidiſche war Bundfaͤrbig 
und fleckigt / aus ſolchen hat M.Lepidus ein Roͤmiſcher Rathsherr/ 
Tiſche und Schwellen machen laſſen. Rechſt dieſen thut ſich hervor 
derSynnadifche / ſo meiſtens Purpur⸗faͤrbig. Weiter der aus einer 
Inſul in Propontide welche daher jetzt Marmora, und dad Meer - 
herum Mar. di Marmora genennet wird / item ein anderer Vielfarbi⸗ 
er der aus der Inſul Chio, (Heut zu Tag Sciogenennet) kommt; ein 
itronen »färbiger aus Corintho. Ein anderer aus Rhodis , item 
der Proconncelifche / damit in Halicarnaflo des Maufoli Haus ausge» 
Jeret gemefen/ ob es gleich ſonſt Wände von gebadenen Steinen bat» 
te ; der von Caryfto oder Caryftio damit der Mamurra ein prädtiger 
Roͤmiſcher Ritter und Handwercks Hauptmann des C.Cafaris inGal⸗ 
leen / ſeine Haus⸗Waͤnde überziehen / auch Seulen daraus hauen ließ⸗ 
der Luculliſche Marmor welcher meiſtens Kohlſchwartz / ſonſt aber von 
andern bunten Farben wohl ſpielend / waͤchſt in einer Inſul des Nili, 
und hat allein unter allen Marmol den Rahmen von feinen Hochſchä⸗ 
ger den L.Lucullo einen Roͤmiſchen Conful oder Burgermeifter em⸗ 
fangen. Vach der Zeit wurden die Marmor-Stüde aud aus den 
— Immenberg Hymetto bei) Athen und noch weiter über 
Meer bon Minio,vor Alters Thebæ genannt/ einer Haupt-Stadt des 
Dber-Egpptens hergebracht. Der Auguftifhe Marmor war von 
Käyfer Augufto, der Tiberifche von Tiberio alfo genennet / weil ſie iu 
Zeiten ihrer Herrſchafft zuerft in —— gefunden worden / je⸗ 
ner ſpielte wie Schamlot und wande ſichkrauß herum auf / wie ein Waſ⸗ 
fer- Eiche (Undatim Crifpum in vertices) diefer der Tiberiſche 
oder Tiberianifche war von lang geflochtenen Gtriemen hin und wie» 
der wie graue gefraufte Haar ineinander gemunden (Sparfum con- 
voluta sanicie,) Gin anderer Gtein war/der inden berühmten Flug 
-Tiberis gezeugte Tiberinum, folder war loöchericht / und ſchwammicht / 
aber an bey (ehr veſt / ſtarck und tuͤchtig / zu allechand äufferlichen 
Mauer-Merden / ſonderlich aber zu Bogen Fuhrungen. Dieſer 
als ein koſtbarer Bau⸗Stein / iſt von den Tiberiaoiſchen Marmor/ 
fo wohl den Nahmen als auch der Geburts-Stelle nad) unterſchie⸗ 
den / und alfo der eine mit den andern nicht zu verwechſeln. 
Heutigs Tags werden gebraucht die Italiaͤniſche / nemlich der von 
kiftria ‚eine Landſchafft des Venctianifgen Gehiets / der yon nn 
e 


Mar 817 


 einerubraltenfveyen Stadt in Hetrurien / der bon Carrara, einer 
der Benuefer Herrſchafft zuftändigen Städtlein. Cöläftaud Un⸗ 
garn an unterfchiedlihen Orten Marmol hauen / in Teutſchland fin» 
det ſich der Meißniſche / Boͤhmiſche / —— Schleſiſche / vor 
allen Teutſchen Sorten aber moͤgen wohl die Saltzburgiſche / welche 
daſelbſt herum auf den Schwammberger Alpen gebrochen werden / 
den Vorzug behalten / es waͤre dann Sache / daß ihnen die in Naſſau 
Gaar-Brudifchen Landen um Izſtein und anders wo herum befind⸗ 
liche Marmor gleich oder zubor fämen : Welche theild preyßlich 
ſchoͤn wegen prangender vermunderlihen Bermifchung/ theils gang 
weißliche / gantz ſchwartze / grünlichte/ bleichfärbige / weiß und rothe/ 
und allzumahl fehr hart feyn / und ſich aufs veinfte poliven/ und den 
Juwelen gleich bearbeiten laffen / vor allen andern werden die weiſſe 
Marmelfteine gepriefen / befonders wann jie zarte Pünctlein/ wie 
ein glaͤntzend Saltz haben / wie die obbenannte aufden Berg Li- 
bano befindliche / die aud) zum Zempel-Bau von ungeheuser Groͤ 
ebraucht worden. | 
uͤnſtlich nachgemachter Marmor / welcher heutigd Tags zur Aus» 
zierung der Wände in Palläften gebrauchet wird/ beflehet mehren- 
theils aus Fleingeftoffenen gepulverifivten / und wohldurchgeſiebten 
Bips/ mit ein von Pergament gekochten Leim angemacht/un mit denen. 
Farben vermifchet/ nach welchen man den Marmor haben will / wann 
dieſe Maſſa in Form gegoffen/ nunmehro truden ift /fo polırt man 
anfänglich mit Bimsftein fehr ſtarck / nad) und nad) aber etwas gelin- 
der / ſchuͤttet auch wol etwas klein⸗gemachten Tripeldarunter/ endlich 
wird ihm mit Leder und durch ferneres Abreiben der völlige Glantz ge⸗ 
eben. Wer von dergleichen Marmortr⸗Gips und Stockarur-Ars 
eit eine ausführliche Befhreibung verlanget/ der nehme vor ſich das 
17. Eapitel der neu⸗ eroͤffneten Runfl-und Schatz⸗ Kammer varer und 
neuer Curieufitäten / wofelbft er nicht allein den Marmor / fondern 
auch den ſchwartzen aſpis. Porphier und Serpentin - Stein kuͤnſtlich 
nachzumachen / auch infonderheit die Farben zu fehöner Marmelirung 
zuzurichten wird erlernen önnen. 
Hieher gehoͤret auch die vor Zeiten nicht unbekannt geweſene Kunſt 
des Steingieſſens / in welchen ſonderlich ein Nürnbergifcher Bau⸗ 
Meiſter / Nahmens Adam Araffı/ welder.Ao. 1,00. gelebet/ und in 
daſiger St. Laurenger-Kirche das im Chor aufgerichtete Fünftliche 
Gacramentö-Häuslein zur Perfedtion gebracht / wohlerfahren gewe⸗ 
en; Er vermifchte nemlich den Thon mit geftoflenen Steinlein / 
rannte hernach denfelben/ und ſtrich ihn mit einer GStein- Farbe an/ 
oder er machte auch die Harteften Kiefelftein fo weich und flupig / daß 
man (ic hernach mit leichter Muͤh in 7— Form abgieſſen — 
| 3 a 


\ 








818 Mar | | 
Bas die fo genannte Musfiv-oder Mufaifche Arbeit betrifft / iſt ſolche 
erftlich von den Griechen um die Helffte des 13. Secutinach Italien ge= 


bracht werden, da fie die Marcus-Kirdjedamit gezieret/von denen hat | 


ed Andrea Taf, and von diefen ferner Gaddo Gaddi , ein Flotentini⸗ 
ſcher Mahlet / gelernet/und immer hoher getrieben / biß fie zu des 
Johann Lanfrane — aufs hoͤchſte gekommen: Mai ſetzet nemlich 
aus allerhand färdigen und glaſurten Steinen in einen daurhafften 
Kütt gange Gemaͤhlde zuſammen / die in der Weite eben fo gutlaflen/ 
als mad mit den —— iſt / aber unendliche Zeit dauren koͤn⸗ 
nen / dergleichen Wercke ſeynd zu Venedig und Rom biel zu finden. 
Vide Mufaifche Arbeit. 
Dr Marmor⸗Handel iſt heutiges Tages fo weit in der Kauffleute 
Händen/ als ſie auf Ordre groffer Herren zu publicq Gebäuen oder 
Statuen groffe Stuͤcke verſchreiben und anfchaffen müffen / oder alier= 
band Manufadturen/ als Tiſchblaͤtter / kleine Statuen, polirte Geulen/ 
Pfoften und Geſimſe / davon haben/ worbey aber acht zu geben / daß 
Diefe Arbeit wohl geglättet/und nichtzerkraget auöfehen muß ; je tief⸗ 
fer der Marmor ans der Erden gegraben / und je geichwinder er vev⸗ 
arbeitet wird / je beffer undgelinderer ift. Heutiges Tages eignen 
(ich die Marmor-Brüche die Fürften und Landes⸗Herren zu/ und zeh⸗ 
len folche unter ihre Regalia, | 

Marobi, iſt eine Frucht / die aus Brafilien kommt / eine gantz dünne 
Schaale hat / undeinen Kern / wie eine Hafelnuf / der an Geſchmack 
fehr —— iſt / aber auch leichtlich / wann er zu viel genoſſen wird / 
das Haupt beſchweret. | 

MarogvinCorduan, eine befante Art von Leder / welches ſonderlich 
in Samburg und Lübeck haͤuffig gemacht wird. Vide Corduan, 


- Margve, ein Zeichen aufden Kauffmannd-Bütern / daher kommt 


‚margviven/ zeichnen. 


Marqveterie,, eine Art bon Moſaiſcher oder eingelegter Holtz⸗ Ar⸗ 
beit / Frantzoͤſiſch ouvrage da rapport genannts die Alten nenneten es 
Ceroſtrota. Vide Mu/faifcye Arbeit. 


Marfılien eine Stadt in Franckreich / an dem Mittelländifchen 
Meer gelegen/ treibt groſſe Handlung nach Afıa, oder der fo genann= 
ten Levante, das iſt nach den jenigen See-Städten/ die an den Archi- 
pelago und in Natolien, oder Mein Afıen, item in Egypten liegen / ſle 
iſt eine von den veichften und gröften Frantzoͤſiſchen Bandels« Städten‘ 
fehr alt / undbeyJulii Cæſaris Zeiten ſehr berühmt geweſen; ihr Has 
fen iſt vortrefflich groß und ficher/ die Situation der Stadt an ſich ſeibſt 
ſehr laſtig / wie dann allein um dieſelbe herum / ſonderlich an dem Meer: 


Strand 


._. 


| | Mar Maf 819 
Strand hinaus/ so. bi? 12000. Luſthaͤuſer gezehlet werden. Ihre 


ni _ - —7* en] — — — 


Kauffleute ſeynd —— und ihr Marck⸗Platz mit allerly Natio 
fe 


nen, fonderlich mit Türden/ Perflanern/ Armenianer und Mehren/ 
die alle dafelbft Handlungs halber fich aufhalten / angefüllet. Wer 
Correfpondeng wach Eonftäntinopel verlanget/ der addreshire (id) nur 
in Marfeille an die vornehmfte Kauffleute/ und weil auch diefe Stadt 
in den fruchtbaren Provence, welche wol das fhönfte Land vonFranck⸗ 
reich mag ern werden / lieget / als ziehet lich dannenhero dahin 
der Del/ Wein / Mandeln / Früchte und anderer Waaren-Handel/ 
welche gebachte Proving/ ſamt ihren benachbarten Languedoc , jähre 
(ich anszugeben pfleget / und die hernach von Marfeille / nebenft de⸗ 
nen dafelbft angefommenen Levantiſchen Waaren / haufig und bey 
ngen Schiffs⸗Ladungen wieder nach Holland und Engeland ausge» 
andtmerden. Was die Maaß und Gewicht dafelbftbetrifft/ dar 


bon fiehe weitere Nachricht unter dem Wort Frantzoͤſiſche Waaren - 


em unter Maaß und Gewicht. 


Martagum, Alphodelus, Goldwurtz / wilde Lilgen / die Wurgel iſt 
der weiſſen bilienwurtz an Kraͤfften gleich. Hieher gehören auch Li- 
lium rufum five cruentum, hemerosallis rohte Gold⸗oder Fener ⸗Li⸗ 
lien / und Lilium intortum five Cymbalum, Türdifcher Bund. 

Martitis panis, Marcipanis, Mazapanis, Pafta regia, Panis dulcia* 
rius, feynd Brödlein aus gefcheelten und hernach geriebenen Man⸗ 
deln und Zucer / mit Roſen⸗Waſſer angemacht / gehörenden Con⸗ 
ſect·Beckern zu bereiten zu. 


‚ 


Marubii Herba, gleichet den Majoran / wie dann auch ſolcher / item 
Ber Diptamnus Creueus im Rohtfall dafür gebrauchet wird. Es wird 
fonft abgetheiltin- | 

Märrubium album , weiffer Andorn / & nigrum five ſœtidum 

ſchwartzer oder ſtinckender / item in Marrubinm agvaticum , Waſ⸗ 

r:Andorn / & Marrubium campeftre five montanum, Feld⸗oder 

erg⸗ Andorn / und endlich in Marrubium Creticum, Eretifcher An» 

orn/ die Blätter davon eröffnen / faubern und ſtaͤrcken den Magen; 
äufferlich ſeynd (fe gut vor Hunds ⸗Biß und Feigwartzen. | 

Marum verum, Maflichina, Clinopodium ‚Amber oder Maftir 
Zraut / veucht wie Maftiz/ hat einen fchönen Geſchmack / und gleiche 
Wüuͤrckung als der Maſoran. 

Maferan, vide Majoran. 

Maffa, iſt ein gekneter Teich / ans welchen hernach Brod / Mareepan 
oder auch Pillen formiret werden / nachdem nemlich das Materiale ge⸗ 


weſen / fo ju ſolchen Teich genommen wordeu. Jn laventarüs. Erb⸗ 
— | if ſchaffts 


4 


— — * — — — — 
— — — 


— 
— — 


| 





— 


820 Maf i 
nn nn mn 
ſchaffts⸗ und Concurs-Fällen/ wird es auch vor den gangen Inhalt des 
Inventarii oder ber Erb-Berlaffenfchafft an Mobilien » baaren Gel 
dern/ Waaren und Schulden/ ic. genommen. 1 
Masfıcots und Maflichots, vide Sandix, 
Masfıv, das Hübfch ſtarck / grob und dick und nicht hohl iſt. 
Maßlieben / Margsrechen-lumen/ Bellis, 
Maßholder⸗Baum / Platanus. 
Maßiliſcher Kraͤhenfuß / Coronopus maflilioticus, 
Maßiliſcher Seſel / Sefeli mafilioticum. 
Maßiliſcher Poley/ Pulegium maſſiliotieum. 

MNaßbach iſt nichts anders / dann der aus den verwundeten weiſ⸗ 
fen Mohn⸗Hãauptern ſchwihender Safft / warn fie nemlich ihre beſte 
dalſamiſche Rrafft haben der bey wachfen den Mond gefammlet wor» 
den iſt; Einige fagen/ die Tuͤrcken gebrauchen ſolchen / che ſie in die 
Schlacht gehen / um dadurch defto tollfühner zumerden / allein man . 
Bat foldyeö falſch befunden/ und if vielmehr die von ihnen geglaubte 
— welche macht / daß ſie den Tod getroſt unter Augen 
gehen — I 

Maflicatorium, {ft ein Mittel’ welches warn ed indem Mund ge 
Balten/ und mit den Ahnen zerbiffen wird / viel Feuchtigkeit auszie- 
het / flieſſend machet/ und aus den Gehirn inden Baumen leiter. 


Maftir-Aols/ Li gnumLentifeinum waͤchſt in Stalien in grof- 
fer Menge/ ſowol auf den Zeldern / aldauf Bebürgen undam Meer ; 
den beften findet man auf der JafulChio , allwo der Maftix am meie 
Kengefunden wird. Dies Holtz iſt ſehr hart / deswegen auch Lantzen⸗ 
fiel daraus gemacht werden. ie Blätter gleichen fich den Morr⸗ 
hen⸗Gewaͤchs. Derjenige Maſtix / welcher in den Gärten gepflan: 
get wird / bringt biel eine gefchlachtere und ſchoͤnere Art hervor / als der 
andere. Wann ſie den Maftir abnehmen / fo graben ſie vorhero um 
den Baum herum einen faubern Platz / und ſammlen ſolchen alsdann 
als ein edles und bey ihnen ſehr wehrt gehaltenes Hark mit groffen 
Fleig ein. Es iſt aber derMaftirweiflerund rohter / und ſagen etli⸗ 
che / daß er aus einen befondern Baum der ſich nur dem — Len- 
ulcino gleichet / rinne / jedoch nur Tropffen⸗weiß / mas behangen 
bleibt / und auf eine reine Stelle faͤllt wird mit unter emifcht / dahe⸗ 
vo er dann in Sorten zu —— Er muß ſich gern zermal · 
men laſſen In Java, einer Oſtind. Inſul / gibts viel Maſtix auf den Bit- 
fhen/ welcher gar lieblich riechen fol. Der beſte Maſtix muß von 
Schönen fautern Granis feyn/ wenig Rinden und Unreines/ auch£einen 
Staub bey fih haben, auch wohlriechend / weiß wie Wachs / glaͤntzend / 
groß / zerbrechlich und rein falen. Der ſchwarhe / der den Fe 
| e 





— —, . — — — 


Maſ Mat gr1 
Pech — / item der bleiche und unreine iſt nichtönüge; Er wird 
berfaͤlſcht mit Weyrauch und Hark von Fichten / allein der Geruch of» 
fenbahret den Betrug alſobald. Aus allen Bummi iſt der Maſtix 
faſt Die edelfte Lacryma aus dem Lentifco zu rechnen; Er hat eine 
Säure bey ſich / und gibt ein geiſtiges Phlegma bon ſich; je alter er 
iſt / je gelber er wird/undjemehrer würdet. Er waͤchſet in der In⸗ 
ful Chio oder Scio, welches eine Inful des Archipelagi an dem Mittel- 
laͤndiſchen Meer ift/ fo ſchoͤn und häuffig/ daß auch Bellonius ſchreibet: 
der Einwohner größtes Glück beftehe auf den Maſtix / wie ſie ihn dann 
auch fo häuffig/ als die Frautzoſen den Weinſtock bauen. Die aus 
den Maſtix bereitete Stücke feynd (1.) das delillirte Del / (z.) dad 
rohte Deloder Balfaın/ item der Maftiv-Spiritus , der Spiritus vini 
maflichatus,Syrupusmaflichinuin, Maftiy-Pilulen und vergleichen. 

Maſuſelen / Bellis minor. 

Aataliſtæ Radix, iſt eine fremde und noch unbekannte Wurtzel / 
wird unter die Mechoacannen und Jalappa gerechnet / iſt dato noch 
wenig verlangt und gebraucht worden. Giefommt aus Baravia, ſie⸗ 
bet weiß-grau in ſchwartz gemengt aus/ ift felten einerley Farb. Weil 
diefe Wurgel noch nichtwil bekannt werden / als wird fie auch felten 
berſchrieben / vornehmlich, weil auch ver Wurm gern hinein kommt. 


Material·Waaren / ſeynd mehrentheild Apotecker⸗Waaren / nur 
daß der Apotecker ſolche zu Artzeneyen entweder eintzeln oder unter ein⸗ 
ander vermiſchet / gebrauchet / und hernach feine Pulber / Pillen Ex— - 
tracten, Oel / Salben und Pflaſter ſich theuer genug bezahlen laͤßt. 
Der Materialiſt hingegen mehr einen Kauffmann aegrret / der derglei⸗ 
chen Materialia theils in ihrer erſten Form / und noch unzubereitet/ bey 
groſſen Qyantitäten/ und manchmahls weit genug her verſchreibet / 
hernach felbige in eben der Form / wie erö enipfangen / wieder ber- 
tauffet/ und um deren Zubereitung andere / die es zu dieſen oder je: 
nen Gebrauch verlangen/ ſorgen laͤßt. Es dilleriret aber ein vedht- 
fchaffener Materialift don einen ordinaiven Gewurs-Kramer dar: 
inn / daß er fonderbare feine und koſtbare / vornehmlich aber zur Artze⸗ 
nen dienende und ungemeine Waaren führet / daß ev gleichfam das 
Mittel iſt / zwiſchen den Apothecker und Gewurtz⸗Kramer / und mit jes 
nen die Krafft der Kräuter / der Gewuͤrtze / vieler flieſſenden Sachen 
und aufgetruchneten Gäffte/ Compofitioneg, Tincturen, Olien, Spi- 
ritus, Mineralien, Vegetabilien und Animalien wiſſen muß; mit die⸗ 
fen aber (nemlic den Gewürg-Kramer) nebenft feinen Droguifte- 
reyen⸗Handel / auch an etlichen Orten gemeine in die — 
dienende Species, fuͤhret; der Ort / wo er feine Waaren herholet / ſeyn 
ſo zu reden / die bier Theile der ve weil in einen jeden en 

fs ie 





— 


822 Mat | 

Naturetiwas fenderbahres / welches der andere nicht mit ihr gemein: 
hat/ hervor gebradt. Vornemlich aber hat Alien, Egypten/ und 
das fo genannte Oft-Indien darinn einen groffen Verzug / weswegen 
dann groffe Materialiften (dergleichen in Hamburg / Nurnberg / Aug⸗ 


ſpurg / Leipzig / 2c. viel zu finden) ihre Correfpondenf, ftard auf Ber 


nedig und Anıfterdam führen/ und zwar nach jenen/ weil daſelbſt noch 
einige Veltigia der vorigen Orientalifchen Handlung anzutreffen/ nach 
Amfierdam aber / weildafelbft die Raritdien Oftsund Weſt⸗Indiens 
zu fauff kommen / welche alle hier zu erzehlen unferd Vorhabens nicht 
iſt / weilohne dem in diefem Merck cine jede Waar Alphaberifcher 
: Orbnung/ auch ihren Urſprung und Qyalität nad) befchrieben wor» 
den/ und dannenhero um ſo viel leichter zu beurtheilen ftehet / welches 
eine Material-Maar ſeyoder nicht / generaliter aber mag bon eines 
vornehmen Materialien Gewoͤlb gefagt werden/dag in denifelben ane 
zutreffen fenn nriffen 
3. Allerley Stüde von den Thieren / als Gemſen⸗Kugeln / Spaniſche 
Kliegen/Bibergeil/ Hirſchhorn / Elends⸗Klauen / Mumien oder 
Menſchen⸗Fleiſch und Hirnſchaalen / Krebs⸗Augen / Strauſſen⸗ 
Eyer /Biſen / Zibeht / allerley Axungias, als Menfchen: Fett / 
Schlangen / Dachſen und Bähren-Schmalg/ Kirihen-Unfchlit/zc. 
. Allerley Gewuͤrtz / als Nägelein/ / Zimmet / Saffran / weiſſer / Spa⸗ 
niſcher langer und ſchwarher Pfeffer / tc. ze 
3. Allerley Farben / ald Gold in Mufcheln/ weiſſer und rohter Bolus, 
Zinober / Orleans / Florentiner· und Rugel-Lad/ ıc. 


4. Ätlerley eingemachte Sachen / als Calmus / Ingwer / Indianiſche 


Ruͤſſe / tc. 

5. Allerley Rinden und Schaalen der Bäume und Früchte / als Pome⸗ 
rantzen und Granateun / Fieber⸗Rinden / China China genannt/ Ta- 
marisquen⸗Holtz / x¶c. 

5. Allerley Blumen / als Roſmarien und Grauaten ⸗Blüht / Camillen 
und Lavendel-Blumen. | 

7. Allerley Blaͤtter / ald Lorbeer und Gened-Blätter / ic. 

s. Allerley Früchte / ald Feigen / Datteln / Wacholder und Lorbeer⸗ 


Piftacien, 


s. Allerley Gummi / flieflende Sachen und aufgetrudnete Säffte/ als 


Ambra, Aloe, Teufelsdreck / Gummi anime, Myrrhen / Weyrau 
Weinſtein / Terpentin / ac. hen / Weyrauch / 


— 


10 Allerley Kraͤuter / als Werumht / Leber⸗Kraut / Hirſchzungen / 


Thee / Ehrenpreis /x. 
w. Allerhand Edelgeſtein / als Amethiſt / Orientaliſcher Bezoar, Car. 
neol, Chryſoſit. | 


12. Gemeine Steine/ als Alabaſter / all / Magnet/ Bi 
Schmirgelfein. ee ® * — 


— — .— e en 


en ar i 823 

13. — Hoͤltzer / als Paradies / Roſen⸗ und Frantzoſen⸗ 
doltz / 2c. 

14. Allerhand aus dem Meer fommende Sachen / ald Corallen / Mu⸗ 
ſcheln / Schnecken / Perlen / Agtſteint / zc. 

15. Allerhand Metall und Mineralien, als gebrannt Kupfſer / Allaun/ 
Spießglas / Queckſilber. 

16. Allerhand deſtillirte Olea, ald Wermuht / Anis / Roſmarin⸗Oel. 

7. Allerhand gemeine Oel / als Mandel / Hanfl-Saamen/ Terpen⸗ 
tin / Ruß · und Baum⸗ Oel. 

i18. Allerhand Geiſter / als Scheidwaſſer / Saltz ⸗· und Schwefel⸗Gei⸗ 


ſter / x. 
ı9 Allerhand Wurtzeln / als Angeligven, Calmus, Gifft / Gemſen und 
Aland⸗Wurktz. 
20 Allerhand Saltz / als Salmiack / Salpeter / Weinſtein · Saltz / ic. 
2, Allerhand Saamen / als Wurm⸗Saamen / Citronen / Pomeran« 
tzen⸗Kern / Leinſaamen / ꝛtc. 
Welche Species insgeſamt jede unter ihrer Rubric hin und wieder im 
dieſem Werck weitläufftig befehrieben werden. Daß aber bey ober⸗ 
zehiten Speciebus allen ein Materialiſt groſſe Erfahrung und lange 
Praxin in feiner ProfesGion haben müffe/ wird niemand anders in Ab⸗ 
rede fenn/ als der etwan Gefahr Lauffen will/ vor aute böfe/ vor neue 
undfrifche/ alte und verlegene/ vor nügliche und heilfame / fchädliche 
und gefährliche Wuaren zuempfangen. Was ſchließlich den Preis 
fo vieler Material-Waaren anlangt / ift folcher wolam beften aus des 
nen Hamburger und Anıfterdamer Preis-Couranten zu erſehen. 
Materialianennt man auch allerhand zum Bauen und denen Manu- 
faAuren erforderte Waaren / ald Holß / Stein / Kalch / Eiſen / Kupf- 
fer / Seiden / Wolle und dergleichen / welche Waaren insgeſamt à ma- 
teria von den weſentlichen Stoff ihren Nahmen ziehen/dap (ie Materia · 
lia genennet werden. 

Mater perlarum, ve! Margaritarum , Frantzoͤſiſ. Nacre de Perles, 
Perlen⸗ Mutter oder Perlen-Mufcheln/ weil nemlic;die Perlen ges 
meiniglich darinn gefunden werden / dienen Inder Artzeney eben wie 
andere Meer⸗Gewaͤchſe / ald Kraͤbs Augen / rohte Corallen / Orienta- 
mſche Perlen / lange Muſcheln / Sce⸗Pferds⸗Zaͤhne und dergleichen 
zu einem KHerg-Magifterio, indemman ſelbige anfaͤnglich in deillir- 
ten Sig folviret/ und hernach mit Spiritu Vitriolipracipitirvet. Pre- 
parirte Perlen Mutter wird gemacht / wann man fie auf den Reibftein 
mit Maffer lavigiret/ und wieder trocknen läßt. Die Zierrahten / 
selche an gewiſſen Manufacturen / ald an Meſſer⸗Schaalen / Spiegel» 
Rahmen und dergleichen aus Perien- Mutter gemachet werden/ km 








924 Mat Mar 


— eu un — — — — — — — 
ſo mannigfaltig / daß man ſelbe nicht alle erzehlen kan. Vide ein meh⸗ 
res von Perlen·Mutter unter dem Wort Perlen. 

Matricaria, artemifia tenuifolia feu Noftras, Partemium, Amara” 
eus, Metram/ Mütterfärber- Kraut / Mether-Rraut / hat mit dem 
Benfuß und Camillen eine Verwandniß wegen feined angenehmen 
— und weil ſie von gleicher Tugend und Wuͤrckung mit einan⸗ 
der ſeyn. Se | 

Matricarix, 2. Species Tanacetum odoratum , hat groffes Lob in 
der Wafferfucht und Mutter-Rrandheiten. 


Matricen werden bon gewiſſen Künftlern und Handwercks⸗ Leuten / 
fonderlich von den Schrifitgieflern die Formen genannt / da (le bie 
Schrift eingieffen- 

Matri ſylva. Caprifolium, Hepatica Stellata, Sternleber-Rraut / 
es wird auch die Waldwinde und der Scharley Matrifylva genannt. 


Matrix heißt bey) den Gemwächfen fo viel / als ber Kern oder das 
NMatron Araue/ Matricaria Matronella, 

Matt⸗Blumen / Chryfanthemüm. 

Matten⸗ Blumen / Amaranthus luteus. 

Matten⸗Flachs / Gnaphalium lana pratenlis, 

Matt Kuͤmmel / Carum, Careum Plinii, 

Matten / enckelte und doppelte / werden von Baſt geflochten / kom⸗ 
men viel aus Liefland und Moſcom / dienen / um\der Kauffleute Gü⸗ 
ter zu emballiren / werden bey i0o. verkaufft. 

Maulbeer⸗ Baum / Morus Sycaminos. 

Maulbeer die Frucht / Morum. 

— Feigen / Ficus Ægyptia, Sycomorus. 

— Eſel / Burdo mulus. 

Maul⸗Trummel werden viel in Ruͤrnberg gemacht / u 
und Dutzend⸗weiß verkauft. | "x 1 una Denbe 


Maur ·Pfeffer / dedum min. £.fedum majus, Staphi fagria, ver« 


micularis, Piper murinum. 


Maur⸗Rautoen / Ruta muraria. 

— Epheu / Hedera Terreflris, 

— Rolben / Typha, Typhaagvatica, 

— perterlein / Tragofelinum petræum. 

— 3wibe / Scylla Sqvilla. 

Maͤuß· Dorn / Brußfen-Wurg K. Bruſci vel Ruſci, ſonſt an 
Spina Marina genannt / wird in Frühling und Herbſt beydes der 

Sau: 


| Maͤu Med 82° 
Saame als auch die Wurgel eingefammlet und gegraben / ſie ver- 
gleichet ich den Schwarg/oder Heydel-Beeren an Blattern/und wird 
in Teutfchlandin den Gärten gezogen/ in Welſchland aber waͤchſt (fe 
wild / und hat Stacheln wie Radeln / man bind ſie in Büfchlein und her⸗ 
kaufft ſie ſehr haͤuffig. 
Mäuß-Obren/Pilofella auricula muris. 
Mauß-Gifft / Arfenicum album 
Mauß-Rorn/ Phanix Diofcord. Hordeum murinum) 
Mauß- Wurs/Staphifagria. 
-— Graf oder Schwänsel/ Cauda muris,gramen murinum; 
— Pfeffer/ Pipermurinum, Vermicularisminor, 
— Geäpf 
— Geddrm 
n-Blumlein/Flores Liliorum vel Convallium Cacalia ge⸗ 
hören mit unter die Materialien, weil derſelben gantze Saͤcke voll ber⸗ 
trieben werden / in Moſcau und auch anderwerts / iſt der dabon dẽllil 
lirte Braudtwein in ſehr guten Abgang. 
Maͤpen⸗Traͤublein / Lunaria Racemofa. 
Maͤys eine Art Indianiſchen Weitzen oder Tuͤrckiſchen Korns / wird 
in Peru Chili und Reu⸗Spanien bieltältig gebauet / die Judianer ko⸗ 
chen es erſt und machen alsdann Brodt daraus. 


Mechanicusein Kuͤnſtler in Bau⸗Weſen / oder Vielmehr der aller» 
. band Mathematiſche Inſtrumenta von Meßing und Holg kuͤnſtlich und 
accurat zu machen weiß. 

Mechoacanna, Rhabarbarum indicum, vel albumScammonium 
Americanum ‚Bryonia, Peruviana weiſſe Rhabarbarn , Schmede 
Nicht genannt / kommt aus Indien aus der Inſul Mechoaca, daher 

e auch den Rahmen führet/ihre Geſtalt ift faſt der Gicht oder Zaun« 
üben ahnlich / fie hat eine Afchfarbe Rinde / ift innwendig weißlicht/ 
ſchmecket und riedet nah Nichts / die frifche / weißlichte / grofle/ 
ſchwere und ungeſchmackte iſt die befte/ wann ſie alt iſt taugt (fe nichts 
mehr / ſie ift ein gutes Purgier-Mittel/ und zwar don dem gelindeften 
eines / alfo daß man (le auch den jungen Rindern ohne@efahr eingeben 
an / da eddannein wahres Panchymagogum iſt / welches alle ſchaͤd⸗ 
liche Feuchtigkeiten / fonderlich die gefalgene zugleich ausführer. 
Diefe Wurgel wird in den Hirſen gut behalten / diejenige welche 
nicht weißund lang gefchnittenift/ wird nicht gut geachtet. 
Aechoacanna nigra vide Falappa, 
“ Medaillen oder Schau-Pfenninge werdentheild aus Silber und 
Bold / theild aus Kupffer und Zinn von denen Silber / Juwelen und 


Curio- 


1 Anagallis (mas) Corchorus Theophr, 





9:6 Med 


Curiofitäten Händlern/mehrentheildAugfpurgern undRürnbergern/ 
als in welchen beyden Reichs » Städten / die beften Medailleurs und 
Künftier welhevon Stempel:Schneiden/ und dergleichen Kunſt · Sa⸗ 
chen Profestion machen / und felbige (weil fie nicht in groſſer Herren 
Dienften ftehen / fondern von ihrer Arbeit/ Kunſt und Invention leben 
müffen/ ‚ indie Welt/ ſonderlich aber auf die Leipziger und Frauck⸗ 
furter Meffen zur freven Handlung ausſchicken gemacht/dann daß vor 
diefen das Königreih Schweden / an feinen Carlſtein Eopenhagen/ 
an Meybuſch / Berlin an Falk / ac. vortreffliche und unbergleichliche 
Reute gehabt/ und deren theils noch unterfchiedliche in groſſer Po⸗ 
tentaten Dienften bin und wieder ſtehen / wird niemand leihtlich/ 
auch ſo gar Nürnberg und ugfpurg felbft nicht in Abrede feyn/nur ift 
dieſes derlinierfcheid/dag ihre Arbeit werig und gut/der andern ober⸗ 
zehlren Künft:er aber ihre Arbeit viel / und Dahevobey einigeA/ welche 
nur de pane lucrando , befünmert feyn müffen / mediocre iſt / ob ſie 
gleich fonft / wann ſie nichtfo wohl Fami, al6 Famz arbeiten doͤrff⸗ 
ten/ jenen fein Saar breit nachgeben würden. Es dienet aber einen 
Medaillen Handler / und welcher fonderlid, feine Zoutigve und Ge: 
woͤlb mit einen guten und abgänglihen Vorrath derfelben / auszu⸗ 
ſtaffleren ſich unternehmen will / vornemlich die Connoiflance der 
Medaill, fo wohl was ihre Materiam, Stempel / Gewicht / Kepræſenta⸗ 
tion, Alter / Form / als die lnvention, Sculptur uũ Kunſt anbelangt/aug 
den Grund zu verſtehen / dieſes zu beweiſen / wollen wir in moͤglichſter 
Kürze dem geneigten Leſer vorſtellen / daß Medaillen nichts anders 
feyn als ein Stüd Metall miteiner Figur oder Bild bezeichnet / oder 
eine Sort von Muͤntzen / deffen Anaglyphen, oder Gefichter und Fi— 
guren / aufdas Kuͤnſtlichſte auögearbeitet / um durch felbige denen 
vortrefflichen Ihaten der Helden und andern meritirten Männern 
ein unfterbliches Angedenden zu erwecken / woraus dann der Medails 
len Unterfcheid von ordinaire Münsen ſich felbit an Zag giebt / ins 
dem diefenur zur Handlung uud Waaren dafür einzufauften erfuns 
den worden / auch täglich in Handel und Wandelunter den feutenron. “ 
Iıren / die Medaillen aber zum Gedächtntß auffbehalten/ und mehren: 
theilö nur zum Prefent weggegeben werden. Don dem Alter der 
Medaillen, item bon ihrer Bergleihung unter einander iſt zu wif⸗ 
fen / daß die Griechiſchen die Aelteften/ die Nömifchen aber die 
Scharffſinnigſten / und welche mehr in die Hiſtoriam Hneinführen 
und offt nicht ohne groſſes Nachdenden müſſen befchauet werden / 
wie jie dann eine gar fubtile Erklärung fordern / che man (mas jede 
derfelben andeutet wohl faflen möge es ift auch über dem/ihre Rari- 
tät bey einigen fo gteß/ dag man (ie faſt nicht mehr befommen kan / und 
bannenhero ıwo ſie ja zukauff fichen / mit groſſen Geld müffen aufgemwo> 


\ gen 


1X 


— — — — Be 
| Med | 817 
gen werden / nach den Sprichwort Om ne rarunı,Carum, alles was rar 
iR auch theur / wie dann des Käyſers Ottonis Müng von Erg / gar 
gern bon manchen Liebhaber der raren Muͤntzen / vor 1000. und mehr 
Reichsthaler follte bezahlet werden / wann er ſolcher nur habhafft wer⸗ 
den fönte / eine güldene Münge von Olivier Cromwel, demgewefenen 
Protedtor in Engeland gefchlagen/ ob ſolche gleich unter die neuen Me- 
daillen, Die ihrer Vielheit wegen nicht fo car als Die alten feynd/zu zdhe 
len / iſt wohl ehe 200, und mehr Reichsthaler bezahlet worten/und mag 
würde man wicht wohl Vor die Medaille YoRHeinrico VII, König inEne 
geland geben/mwann felbige zu bekommen waͤre. Unter den Griechiſchen 
Muͤntzen ſeynd die jenige die beften/die zu Alexandri Magni Zeiten ges 
yräget/weil damahls die Kuͤnſte auffs höchfte gefommien/undAlexan- 
der felbft ein groffer Liebhaber und Beförderer derfelben geweſen. Un⸗ 
ter den Roͤmiſchen Medaillen übertreffen diejenige die andern an der 
Kunft/ weiche entweber mitten in Frie dens⸗ Zeiten / als in welcher die 
feeyen Rünfte am meiſten floriren / geſchlagen und gemünget/ oder 
auch ben Teb-Zeiten derjenigen Käyler gemacht worden / welde vor 
eine groſſe Gloire gehalten / die Rünfte zubefördern / Dannenhero die 
Müngen fobon Nerone an / bis auf Pertinacem gefchlagen / wegen 
Ihrer Kunft höher ald andere gehalten werden / befonders aber die zu 
BeitenKäyfers Hadriani gemunhet / als welche alle die übrige an Zier de 
übertreffen/ weil dieſer Käyfer vornemlich eintiebhaber der Sculptur 
gewefen / dahero ſiehet man unterfchiebliche Müngen/ fo Alia, Africa; 
Arabia und andere Provingien mehr dem Hadriano zu Ehren ſchlagen 
laſſen worunter die Medaille fo ven Kaͤyſer das Lob Reititutoris or- 
bis Terrarum deyleget/ vornemlich zu gehlen. Etwas geringer an Kunſt 
ſeynd die Münken von Zeiten Pertinacis an bis auf Gallienum, mit 
welchen Die Ruuft/nebenft dem Roͤmiſchen Reich fehr verfiel / und findet 
man zwar don biefer Zeit an bis auf Juftinianum Medaillen, pon allen 
Kaͤyſern / allein ınit groſſen Verluſt der borigenSchönpeit/diejenigen 
aber fo man nach Juflinianum hat / ſeynd fo ſchlecht / daß tie kaum der. 
Mürde ſeyn / angeſehen zu werden. | 
Unter denen neuenMedaillen befindet ſich gleichfalls / daß dieſenige die 
beften feynd/ welche wärender Regierung derjenigen Fürfken undPuif- 
fanceın gefchlagen worden / die Liebhabers derKunft und Wiſſenſchaff⸗ 
ten geweſen. Alſo muͤſſen wir faſt Frauckreith den Vorzug laſſen / wei⸗ 
ches vornemlich auffzuweiſen hat / die Medaillen fo der groſſe Künfts 
ler Varinus gemacht / welche denen alten Roͤmiſchen nicht ungleich/ 
und ben jegiger Zeit denen andern Nätionibus zur Nachfolge dienen. 
In Schweden hat ſich ebenfalls dieRönigin Ehriftins ihverZuneigung 
wegen welche jle zu guten Künften und gelehrten Leuten getragen / eie 
nen ſonderbahren Ruhm erworben / wie dann auch zu ihrer Jeit * 
| treff · 








918 Med 


De — — — TR TER VE EEE BR 
treffliche Medaillen gefchlagen worden / feine vollfommmereSuite aber 
guter Medaillen findet man unter den Schwediſchen / als diejenige 
ſeynd / ſo währender Regierung Königs Caroli XI, geſchlagen worden / 
mweiche ein unfehlbarer Beweiß der Zuneigung ſeynd / fo dieſer groſſe 
Koͤnig zu den Künften getragen. In Teutſchland meritiren beſonders 
gedacht zu werden die Brandenburgiſche Medaillen, ſo auf Ihro 
Königliche Majeſtaͤt von Preuſſen Friderico 1. gefchlagen/ welche = 
gleich ein Zeugniß abgeben/berM agnificence,und Gewogenbeit (0% 
Konigl. Majeftt wie zu allen alfo auch zu der Medaillen Wiſſenſchafft 
tragen / daß alſo in diefen Punet weder die alten Römer ſich eines be» 
fondern Vorzugs / noch fonft eine Nation or der andern jich viel zu 
rühmen hat / weil ſich unter allen. Müngen gute und ſchlechte be» 
finden / jene rühren aus der Liberätität und Liebe der Fürften zu 
uten Künften her/diefe von ihrer allzugroſſen Sparſamkeit undKalt» 
Hnnigkeitgegen diefelbe. / 
Es muß (ic) aber ein Räuffer der Medaillen wohl verfehen/daf er nicht 
falfche vor wahre Suppofititia. ober nachgefünftelte / vor Originalia 
Fauffe / mie dann darink die gröften Kenners efft betrogen / und 
um ihr Geld vexivet worden/ es führetegliche ſolcher fonderlic von 
Johanne Cavino aus Padua gebürtig/nachgefünftelter alterKömifcher 
Muͤnhen welche capables feyn/dieXlügften hinter das Licht zuführen, 
der gelehrte Patinusan/ in Hiftor. Numismatum ‚cap; 28, 
ge purer und reiner bie Metallen vonGold und Silber ſeynd / je höher 
Herden fiezftimiret / wie dann inſonderheit dießriechen und Römer 
uns darinen mit guten Exempel vorgegangen / alſo daß man auch Müns 
gen von Philippo und Alexandro M. findet / an welchen das Gold bey 
nahe 24. Caratift. Die Römer thaten ebenfalldwährender ihrer Re- 
= publiceinengargeringen Zuſatz zu dem Golde/welches alfo continuir- 
te bis auf Alexandrum deverum. der den⸗. ten Theil Silbers zu ⸗. Theil 
Golds zu ſetzen bergoͤunet / alſo daß von ſeiner Zeit an die ſchlechtere 
Mant Gorten aufgelommen. Um aber von der Güte der Güldnen 
dud Silbern Müng-Gorten ein rechtes Fundament zu haben, fo lefe 
man mas in diefen Buch) unter dem Wort Gold und Stiber/ von der 
höchften feine dieſer Metallen und deven Zufag dor Meldung geſche⸗ 
hen / nach welcher Regel dann auch dad Examen der neuen Medaillen 
en und felbige daraus zu probiren feynd. 
Die Figur dev Medaillen betveffend/feynd felbige gemeiniglich rund / 
wiewohl auch einige Ovale dergleichen eine die Königinn Ehriftina/ 
und Dero Glorwürdigfter Herr Batter Guftavus Adolphns ſchlagen 
laſſen / aufs deſſen einen Seite ein Thier mit 7. Köpffen welches Her⸗ 
cules mit feiner Keule beſtreitet / cum inſcriptione, compelle intrare, 
zu fehen war, Souften laſſen ſich Die Modernen Medaillen gar füglich 
u j in 


he mn ne a nn — — — 
Med 82 


| | 9 
inz. Sorten / als kleine / mittlere/ und-gröffere eintheilen/6f@Heinern 


Gortenfindet man wenig / feyud aber ob fie gleich klein/ nicht minder 
iu zllimiven als die groflen/ wohl aber mehr zu admiriren/indemalleg 
dasjenige fo in einer groffen Medaille ſchoͤn und bortrefflic in einen 
Heinen/gleichfam in einen Furgen Begriff / mit groͤſſerer Runft gefe 
mird. Die mittlere derneuen Medaillen, haben ohngefehr die ſſe 
von einen Reihöthalet/ und ſeynd wohl die gebräuchlich en/bon dies 
fer Groͤſſe ſeynd die meiſten Brandenburgifche oder Preuflifhe Me- - 
daillen, dieaber von ‚gröffern Modulo , fo man gleichfalö Medail« 
ons nennen kaun / werden felten/ und mehrentheild nur wegen er» 
haltener Vitorien, oder auch andern Remargvablen Begebenheiten 
gm et/ ihre dicke oder 8olidite richtet ſich nicht allemahl nach der 
roͤſſe / indem ſolche nach Belieben desienigen/ der ſie ſchlagen laͤſt / 
dick oder důnn gemachet werden. 
An der Form der Medaillen ſeynd beyde Seiten wohl anzuſehen / was 
erg auch was ihre Umfchrifft fey/gemeiniglid) fin» 
det ich auf der einen Seite das Geſicht eines Fürften/ oder fonft eines 
berühmten Mannes infculpirt/ die andere Geite seiget durch Sinn» 
bilder und Charadteren/ die. Gloire und Familien der Reiche an / ends 
lich be zieren und erklären auch die vielfältige llberfchrifften / den Inn⸗ 
halt und Bedeutung folder Medaillen , welche Überfchrifften fo fie 
aicht mit dev auf denMedaillen Horgeftellten Figur in fhöner Harmo- 
nie und Allufion überein kommen / ald ein groffer Fehler an einer 
ſolchen Medaille anzufehen / offt findet (ich auf den Revers einer 
Medaille gang Feine Infeription, welcheg aber nichts hindert / wann nur 
unterdeffen die Figur deutlich / oder die Hiftoria fo fie anzeigen will / 
leichtlich zu erkennen iſt. 
In Summa ein Kunſt oder AMedaillen · Handler muß auf alle gute 
Regvifica einer Medaille ſehen / welche er an ih zu handein / und fols 
He hernach wieder zu verhandeln gedendet / zudem End wird ihn 
nicht undienlich feyn / die Bücher fo von Muͤntzen und Medaillen in 
Drud gegangen / fleißig durchzuſtudieren 7 unter welchen fonderlich 
ſehr deutlich und Compendiös ift / dag fo genannte geöffnete Münp- 
Gabiner und die neu-eröffnete Hiſtoria der Medaillen , welche beyde 
nüpliche Tradtar.dem neueröffnetenKitter-Plag einverleibet.Bas ein 
Medailleur oder Stempel» Schneider (der felbft ‘Medaillen inven« 
tigt) zubeobachten hat / iſt erſtlich: Daß er die Figuren und Cha- 
raeteugen in den Stempelnvein und nett einfchneide / und zwar mit 
ſolcher Kunft/ daß weder ein Mahler noch Bildhauer das geringfte 
darauf zufagen wiſſe / ſolches aber um fo viel befler zn effedtuiren/ 
— * einen guten Vorrath von Alten und Roͤmiſchen Muͤn⸗ 
gen haben / um aus ſolchen die fouberbahre DRanier nErgge — 
“ 89 en 


830_ an 


den zu Arnen / ee muß auch die Sculptur oder Bildhauer Kunſt 
aus dert Grund verftehen / und weil die Griechifche Statuen mehreti⸗ 
theild nackend / die Roͤmiſchen aber mit Gewand verſehen / als muß ew 
bon beyden Sorten treffliche Muͤntzen / Medaillen, undAbbildungens 
por fich haben davon dann am füglichften zu befommen/ der Lottato- 
rc, die en Venus, Diana, Cupido ‚ Neptunus,Hercules, &c, 
item einige Köpffe als deö Homeri,, Scipionis Africani ‚ber Agrippi- 
. nz, Calarıs, Ciceronis „ und eineSuite von Römifchen Burgermei⸗ 
——— etliche Koͤpffe von Thieren alg von Pferden / Camee⸗ 
n/Schlangen/Hunden/bevenAbgüffe bieRun ler vornemlich inKoms ° 
zu ſuchen willen / unter den Modernen ſeynd beſonders in Aitim, des 
Michael Angelo und Cavalier Bernini feine/ ed wurde auch von einen 
foichen Künftler nicht übel gethan ſeyn / einen Suppellectilem Anti- 
qyariam einzufanınılen / unter welchen gehören Die Marmora ‚ nnd an« 
dere Gteine/ befonder6 Agath , Urnen, Kannen/Töpfle und Schüffeln 
der Allen / voraus diejenigen worauf unterſchledliche Figuren / undIn- 
fcriptiones zu finden/ die ſo wohl zur IluftsirungderAntigveoHiftorie 
als der Sculptur dienlich. 
Endlich mug ein Medailleur auch Docimafticam , ober die Waͤg und 
Probier Kunſt wohl verftehen / um bie Gute des Metalld dadurch zu 
unterſuchen / wozu ihm auch ſonderlich die Notitia des Roͤmiſchen / Gries 
chiſchen und Hebraͤiſchen Gewichts nicht undienlich iſt. 
Gine alte Muͤntz oder Medaille abzuformen / brauchen egliche folgende 
Wege / man nimmt Hauſen · Blaſen / ſchneidet ſolche klein / und gleſſet fo - 
viel Waſſers drauf / daß alle Theile bedeckt werden / diefes ſetzt man an 
ein gelindes Feur / läft e6 langſam zergehen / und nad) und nach kochen / 
ſchaͤumt es waͤhrender Zeit mit einen Spatel fleißig ab / wann alsdanu 
der Ligvor zu einer vechtmäßigen Tenacitätgefotten‘/ nimmt man es 
von Feur ab / läft es ein wenigerkalten / und überlegt die Medaille die 
man abdrucken will damit/alfo daß ſie aller Orten eines Reichöthalers 
dich / mit dem Liqvore bededtfey/ hierauf ſeht man folde an eine 
remperirte Lufft / die webergu warm noch zu kalt / und laͤſt es von (ich 
felber hast werden / worauf jich folches dann mit leichter Muh von der 
Medaille ablöfentäft / je gröffer dDieMedaille je dicker mugman denLi- 
qvorem auftragen / welchen man auch nad Belieben mit allerhand Far« 
ben ald gruͤn / roth / sc. vermiſchen fan/allein der Abdruck wird alddann 
nicht fo ſauber / beſſer thut man / wann man etwas Leim / des aus Perga⸗ 
ment gefotten worden dazu thut / dieſer macht den Liqvorem haͤrter / 
und daß er (ich auch beffer tractiren laͤſt. Einige falſche Muͤnter nehmen 
rein geliebte Holg-Afche,vermengens mit dem Weiſſen vonEy / thuns 
hernach in ein vieredigt BüchenSJols wie ein Schrot · Form / legen ald» 
Vvann die Thalers dis e nachgieflen wollen darein / aonn fe nun dieſe l- 
| ba 





| Med — 83 
bean Gepraͤg ſcharff abgedrucket / und die Aſche hart wor den/ fo gieſſen 
fie die falſche Thalers darein / will die Aſche nicht mehr halten / ſo jerreis 
ben ſies / und machens aufs neu nieder an / der endliche Lohn aber vor 

ihre Muͤhwaltung iſt Feur / und Rad / ein mehres bon dieſer Materia vi- 
de unter dem Wort Abformen. Es laſſen (ich aber dergleichen Nachgse 

fünftelte/ abgeformte / und abgegoflene Müngen/ leicht erkennen/ 
als (1.) warn ſie doneiner Art ſeyn / dergleichen man vor diefen nie= 
mahls geſehen / ald ed ſtuͤnde auf einer des AugufliSymbolum, Fefli- 
na lente,da man doch niemahls ein Original bon dergleichen geſehen / 
(c.) wann ſie abgegoſſen worden / un doch hernach fo zugerichtet mers 
den / daß lie als gefchlagen follen ausſehen / allein weil gemeint lich et⸗ 
was Sand / und Heine Loͤchlein hin und wieder erſchelnen / auch bieL.i- 
neamenten an den Bildern unvollkommen die Buchſtaben ungeſtalt / 
und eine nachgegoſſene Müng jederzeit leichter als eine geſchlagene iſt / 
fo erkennet man den Betrug gar leicht / obgleich einige Betrieger fü 
vorſichtig feynd / daß ſie dergleichen Müngen mit einer ewiſſen Farb 

u überziehen pflegen / dadurch ſie alt fcheinen/ und ihre Fehler zimlich 
—* werden / (z.) graben einige dieAlten ausgebrochenen Müngen 
mit einen Griffel fubtil nach / wiſſen auch die Schrift und Figur boll- 
kommen wieder zu erhoͤhen / und was daran fehlet mit Maftivanzufles 
ben/ daß das Stück wieder gang bollkommen fcheinet/fo aber ebenfalls 


nicht lang Beſtand haͤlt die (4) Manier ift/ daß man nad) Art der _ 


raren und alten Münpen neue Stempel gräbet / item alte Münpe 


gleich Elopfft/ und darauf ein neues rares Seprägmachet / oder an 


berändert einige Buchſtaben Inder Infeription,, und brinat ſolcher ge» 
ſtalt eine nene Münge zu meg / und was etwann der etrügereyen 
mehr feynd/ wofür ſich Medaillen Haͤndler porzufehen haben, 
Medefufium, Ulmaria.. * 
Medicamenta Chymica „feynd durch die Deſtillier ⸗ Kunft zu weg 


ebrachte Artzeney Mittel / deren fo vielfältige in dieſem Buch erjch» 


worden. 
Mediſch Heu / Herba medica, Fenum græcum, Burgundienſe. 
Aedulla Marck iſt eine Fettigkeit in den hohlen BeinenderThiere/ 
und werden deven in denen Officinen folgende gefunden, | 
Medulla bubuläfeu bovilla Ochfen 
Canina Hunde 
‚Cerina Hirſchh  " 
Ä -Egvina Pferd * Mar, 
/ ‚Hircina Bode 
"  Hoedina Kikleikt 
Ovilla Schaaf | 
Vitulina Kalbe J Ä 
| DIT Uniew 





- 


guroß wa 


334 Mel 

MelafpermumNigella, 

Melcagris fritillarıa precox, Ririgblume/ Kivitz⸗Ey; ber ſtarcke 
Geruch diefer Blume ſtillet dad Naſen⸗Bluten. or 


Melicraton, Honig Waffer oder Meth. 


Mfelilotus, Trifolium odoratum, Zotusurbana, Saxifraga lutea, 


' gemeiner Steinklee/ dienet dufferlich zu den Geſchwulſten. 


Meliffe Semen, Meliffen-Rraut-Saamen ift nicht alle Jahr zu ha⸗ 
ben, In Handlungen wird folcher nebenft venDelhäuffig gebraucht. 
Das Krautift ein koͤſtlich Haupt / Magen / Hertz und Mutter-Kraut/ 
dienet vor den Schwindel/ Schlag und Laͤhme / ift auchaͤuſſerlich gut 
in Bädern und Pflaftern/ und hat mit der Caryophillata und Sclarca 
einerien Krafft / fouderlich aber einen fhönen Citronen⸗Geruch / der 
im Fruͤhliug / ehe fie zur Blähte kommen / am lieblichften/ gegen dem 
Herbſt aber etwas widerlich ift. 


Meliffa Turcica , Turckiſche Meliffen/ Moluccana odorata , item 
peregrina folio oblongo. itera Meliffophylion, feynd allerhand Ar» 
ten fremder Meliffen. | 

Meliffa fylveitris Cardiaca, Hertzgeſpann. 

Melosarduus Echinatus, iſt ein Americanifches Gewaͤchs / den Me⸗ 
lonen gleich / jedoch ſchoͤner wegen der ordentlich darauf ausgetheilten 
Sternen von harten Stacheln / deswegen ſie auch Melocarduus Echo- 
natus genennet wird. 


Melonen / Melones, Melopepones, eine bey uns in den Bärten 
geziehlte bekannte und delicate Frucht / wiewol ſie zu Viel gegeflen/den 
Magen u erfältet. In Mofcom follen die Melonen ungentein 

fen s_ einige derfelben follen gang durchſichtig und meit de- 
heater und füffer feyn/ als die / welche in ven übrigenEuropdifchen Rin- 
dernmwachlen. Cine gute Melone muß volle Nahrung gehabt haben/ 
und an einer lebhafften ſtarcken Pflanze gewachfen feyn. Gie ſoll 
nicht unreiff und auch nicht überreiff ſeyn / einen kurtzen Stiel haben/ 
ſchwer in der Hand feyn/ nicht weich / ſondern härtlich im Druͤcken / 
inmwendig aber trucken und roͤhtlich. 
Melonen⸗Diſtel / Melocarduus Echino melocadtos, 

Melongena, mala infana, - 


‘ Melonum Semen, Melonen-Saamen wird fpdt im Serbft ausge» 
waſchen / —— und welcher ſchoͤn weiß und ſchwer auf der 
Hand oder im Waſſer iſt / derſelbe iſt voller Kern; wann der Kern 
alt ift, ſo ſchmeckt er rantzigt. Es wird des Jahrs ein groſſes davon 
verſchicket. Der beſte koammt aus Mofcom./ und wird unter bie 4. 
groſſe kuhlende Saamenauf den Apotecken gezehlet. Me⸗ 


u - = — 


Mem Meer | 33z3. 

Memitten Chelidonium majus. 

Menge eine rohte Farbe. Vide Minium. 

Mengelwurtz / Lapachum. 

Menſchendieb / Moͤrder / Laureola Mezereon. 

Menſchen⸗Handel / vide Sclaven. 

Menftruum,heißt bey den Apoteckern undChymicis ein Aufloͤſe ober 
Scheide · Safft / welches ein Ligvoroder Feuchtigkeit iſt / vermittelft 
welchen ein feſtes Corpus aufgeſchloſſen wird / oder welche fähig iſt / 
die Tugend und Kräffte aus den Dingen zu ziehen: Es hat den Nah⸗ 
men daher / weil dasjenige was dadurch aufgefchloffen werden ſoll / 
gemeiniglich einen Chymiſchen Monat oder 14. Tage lang in Dige- 
ftion ſtehen muß / in folcher Zeit jergeht der Leib eines Dinges. Es 
ift aber ein ſolches Menftraum er Art /einSpirituofum oder 
such ein Agvofum, nach erheifchenden Nohtfall. 

Mentha agvat. Balfamina agrellis , MWaffermünse/ Balfamuht / 
mächft gern au naſſen Orten / hat faſt gleiche Krafft mit der Kranfes 
münge.. Ä | 

Mentha cattaria, Calamintha montana, Ragenmünge/ die Wur⸗ 
gel davon gekaͤut / fol die Verzagten Leute behergt machen. 

Menthaerifpa, fativa, Krauſemuͤntze / iſi bekannt genug / und ein 
get Magen’ Mutter-und Leber⸗Kraut. 

Mentha acnta ceifpa, Spigmünge / hat gleiche Würdung mit der 
Kraufemünge, * 

MenthaSarracenica, Coſtus hortorum, Salvia Romana, corym- 
bifera Roͤmiſcher Salbey / Franenmünge. 


Menthaſtrum, mentha fylveftris, caballina five eqvina, Roßmũn⸗ 
he / Kahzen⸗Balſam / Hertzeutroft. * 
Mercurialis Herba, Due waͤchſt in Teutſchland / ik männe 
und weibliches Befchlecht/ wird Saͤckweiß verfandt. Diefed Kraut 
m die wäflerigte Feuchtigkeiten ab/ dienet auch vor die Unfrucht⸗ 
barkeit. | | 
- Mercuriusvel mercuriumvivum, vide Qveckſilber. 
Mercuriusprzeipitatusrubens &salbus, rohter und weiſſer prxci- · 
pitirter Mercurius, if den Marckſchreyern undðoß ·Aertzten wohl be⸗ 
jannt / und thun abfonderlich die erſten / wann fie feine Dofis nicht wohl 
verſtehen / mehr Schaden als Nutzen damit. | 
Unter denen mercurialifchen Praparatis iſt erftlich det Mercurius fu- 
blimatus , welcher aus dem mit Scheidemaffer und andern rg ze 
Eörpern geſchaͤrfften und — — gemachet wien. * 
994 ° eſte 


34 _ Me 
Melafpermum Nigella, 
Melcagris fritillaria precox, Ririgblume/ Kivig-Cy; ber ſtarcke 
Geruch diefer Blume ftillet dad Nafen-Bluten. * 
Melicraton, Honig · Waffer oder Meth. 


Aclilotus, Trifolıum odoratum, Zotusurbana, Saxifragaluten, 


 gemeiner Steinklee/ dienet dufferlich zu den Gefchmulften, 


Meliſſæ Semen, Meliffen-Rraut-Saamen ift nicht alle Jahr zu ha⸗ 
ben, In Handlungen wird ſolcher nebenſt denDel häufig gebraucht. 
Das Kraut iſt ein koͤſlich Haupt Magen / Herh und Mutter⸗Kraut / 
dienet dor den Schwindel / Schlag und Laͤhme / iſt auch aͤuſſerlich gut 

in Bädern und Pfiaſtern / und hat mit dev Caryophillata und Sclarca 
einerlen Krafft / ſouderlich aber einen ſchoͤnen Citronen⸗Geruch / der 
im Fruͤhling / ehe fie zur Blähte Foimmen/ am lieblichften/ gegen dem 

ft aber etwas widerlich iſt. 


Melifla Tureica , Türdifhe Meliffen/ Moluccana odorata , item 
peregrina folio oblongo, item Melilfophylion, feynd allerhand Ar» 
ten fremder Meliſſe. | | 

Meliffa fylveftris Cardiaca, SSerggefpann. 

Melosarduus Echinatus, iſt ein Americanifches Gewaͤchs / den Me⸗ 
lonen gleich / jedoch ſchoͤner wegen der orden tlich darauf ausgetheilten 
Sternen von harten Stacheln / deswegen ſie auch Melocarduus Echo- 
natus genennet wird, 


Melonen / Melones, Melopepones, eine bey uns in den Garten 
geziehlte bekannte and delicate Frucht / wiewol fte zu biel gegeſſen / den 
Magen ſtarck erkaͤltet. In Moſcow ſollen die Melonen ungemein 

groß wachſen; einige derſelben ſollen gantz durchſichtig / und weit de- 
Acater und füffer ſeyn / als die / welche in ven uͤbr igen Europaãiſchen Rin- 
bernmachfen. Cine gute Melone muß volle Nahrung gehabt haben/ 
und aneiner lebhafften ſtarcken Pflanze gewachſen feyn. Sie ſoll 
a — 7— nicht —— / — — Stiel haben/ 
mer in der Hand ſeyn / nicht weich / ſondern härtlich im Drücken 
inwendig aber trucken und roͤhtlich. * 
Melonen⸗Diſtel / Melocarduus Echino melocactos. 
Melongena, mala inſana. 


Elonum Semen, Melonen-Saamen wird ſpaͤt im Herbſt ausge⸗ 
waſchen / fleißig getrocknet / und weicher ſchoͤn weiß und ſchwer auf der 
Hand oder im Waſſer iſt / derſelbe if voller Kern; wann der Kern 
alt ift, ſo ſchmeckt errangigt. Es wird des Jahrs ein groffes davon 
verſchicket. Derbeftefonmt aus Mofcom./. und wird unter bie 4, 
grofk Fühlende Saauien auf den Moteden gejehlet. Me 





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Memitten Chelidonium majus, 

Menge einerohte Farbe. Vide Minium. 

Mengelwurtz / Lapachum. 

Menſchendieb / Moͤrder / Laureola Mezereon, 

Menſchen⸗Handel / vide Sclaven. | 

Menftruum,heiftt bey den Apoteckern undChymicis einYuflöfe ober 
Scheide · Safft / welches ein Ligvoroder Feuchtigkeit ift / vermittelſt 
welchen ein feſtes Corpusaufgefchloffen wird / oder welche fähig iſt / 
die Tugend und Kraͤffte aus den Dingen zu ziehen: Es hat den Rah⸗ 
men deher / weil dasjenige / was dadurch aufgeſchloſſen werden ſoll / 
gemeiniglich einen Chymiſchen Monat oder 14. Tage lang in Dige- 
ftion ſiehen muß / infolcher Zeit ergeht der Leib eines Dinge. Es 
ift aber ein ſolches Menftruum —— Art / ein Spirituoſum oder 
auch ein Aquoſum, nach erheiſchenden Nohtfall. 

Mentha aqvat. Balfamina agreſtis, Waffermünge/ Balſamuht / 
mächt gern annaffen Orten / hatfaft gleiche Krafft wit der Krauſe⸗ 
münge., Ä 

Mentha cattaria, Calamintha montana, Katzen muͤntze die Wur⸗ 
tel davon gekaͤut / ſoll die berzagten Leute beherht machen. 

Menthacrifpa, fativa, Rranfemüne / iſi belannt genug / und ein 
gut Magen’ Mutter-und Leber- Kraut. 

Mentha acntaceifpa, Spigmünge / hat gleiche Wuͤrckung mit ber 
Kraufemünge, = 

MenthaSarracenica, Coftushortorum ‚SalviaRomana, corym 


bifera Roͤmiſcher Salbey / Franenmünge. 


Menthaftrum, mentha fylveftris, caballina five egvina, Roßmũn⸗ 


ge/ Rapen-Balfaın/ Hertzeutroſt. 


— 


Mercurialis Herba, Bingelkraut / waͤchſt in Teutſchland / iſt maͤnn · 


und weibliches Geſchlecht / wird Saͤckweiß verſandt. Dieſes Kraut 


— waſſerigte Feuchtigkeiten ab / dieuet auch vor die Unfrucht⸗ 
barkeit. | 


- Mercuriusvel mercuriumvivum, vide Qveckſilber. 


Mercuriuspracipitatusrubeus &salbus, rohter und weiſſer praci- · 
pitirter Mereurius, iſt den Marckſchreyern und Roß⸗ Aertzten wohl be⸗ 


Fannt/ und thun abfonderlich die erſten / wann fie feine Dofis nicht wohl 

perftehen/ mehr Schaden ald Nutzen damit. 

Unter denen mercurialifchen Præparatis ift exſtlich det Mercurius fu- 

blimatus , welcher aus dem mit Scheidemafler und andern ge 

Eörpern geſchaͤrfften und —— — gemachet — 
gg + ° eſte 


Mem Meer | 835. 


— 


| 


* 





3 ____ Mer Mer 


befte kommt aus Holland und Benedig/der aber ausSumyena kommt / 


taugt nicht biel / und iſt gemeiniglich mit dem Arfenico verfaͤlſcht: 
Die beſte Probe iſt / man reibe ihn mit Weinſtein⸗Saltz / wirderales 
dann gelb / ſo iſt es gut/und ein Zeichen / daß es aus Qbeckſiiber ge⸗ 
macht ſey / wird er hergegen ſchwarh / ſo taugt er nichts Diefer Su- 
blimat iſt einer von den aͤrgſten Gifften. Manhat auch in denen Of. 
ficinen mereuriumdulcem und precipitatum, die Probe dieſes letztern 
iſt / wann man ein wenig auf Kohlfeuer leget / und die Blut denſelben 
gang berzehret und wegnimmt. 

Aerlũ.vide Stocffifh. 

Meſpilus, Miſpelbaum / vide Obſt. | 

Meſſen oder Jahrmaͤrckte / Lateiniſch Nundinz , Franktoͤſſſch 
Foires genannt / ziehen ihre Etymologiam, wie Limnæus mil / äme- 


. tiendo von Ausmeſſen / weilin Mepzeiten viel Waaren mit der Elle 


pflegen ausgemeſſen zu werben ; ober weil anderer Meynung nad) die 
Papiften vor diefen Ihre Meflen miteiner Mefle angefangen / warum 
aber nicht aud) A meſſe bon der Erndte:Zeit / da do mancher Kauffe 
und Haudwercksmann in folchen Öffentlichen Meffen entweder einen 


gan Gewinn auf feinen Waaren / oder ein gut Stüc Geldes bor 


eine Manufadturen und berfertigte Arbeit einzuerndten pfleget / wo⸗ 
bon er hernach bis auf die Fünfftige Meß Haushalten/und wieder neue 
Maaten ober auch Materialiazufolden anfchaffen Em / wie man dann 
gar leicht derfpühren kan warn durch Krieg oder Peft: Zeiten / oder 
auch aus andern Urfachen/ die Meffen an einem Ort gehemmet / 8 
ſperret oder geleget werden / mas ſolches für Schaden und Confuhlon 
in rg und bor Lamentiren unter der Haudwercks ⸗Leuten Vers 
urſache. werden aber die Meſſen eingetheilet ih folennes und 
minus folennes, jene ſeynd die groflen bon den Roͤmiſchen Ranfern in 
Zeutfchland allein privilegirte Meffen / als die Leipziger und Franck⸗ 
furter/ Diefe/ Die von einer jeden Obrigkeit in ihren Sand / Krafft des 
habenden juristerritorialis, aufgerichtete Jahrmärdte / die aber dei 
folennen Meffen an Freqveng der Kauffleute / Menge der Waaren/ 
realer Handlung / und ftattlichen Privilegiis bey weiten nicht beyfont« 
men / fonderlich/ wo es ſolcher Derter ihre Situation, in refpedtu der 
umliegenden und angrängenden Derter/ oder auch die zu Facilitirung 
der Kauffmannſchafft erforderte Begbemlichkeiten an Seeund Stat 
fen/ wohl aptirten Gewölbern/ accurar eingerichteten Poft:und Fuhr⸗ 


weſen / nicht mit ich bringet / ob fich gleich mancher Potentat oder 


Eandö-Obrigkeit ſolche herbey gu ſchaffen noch fo fehr darum berüben 
möchte. Einige Jahrmoͤrckte und kleine Meſſen / haben auch nur im 
gewiſſen Waaren / ald Seide / Leinwaud / Wolie / Del / Saffran — 

£i> 


RT - — 


Meſ 837 


dergleichen ihren größten Handel / andere hingegen in allerhand 
Haaren / welche häufig zu · und abgeführet / und von Fremden und 
Einheimifchen an Fremde und Einheimifche entweder vor baar Geld / 
oder in Taufch oder auf Zeit und dagegen gegebene Handſchrifften ver» 

deltwerden Dieheutigd Tags in Europa berühintefte und be⸗ 
nntefte Meſſen fenn/ die Leipziger / weiche von Maximilıano I. Ao. 
1497. privilegirt/ und ſolches Privilegium hernach von Kaͤnyſer Carolo 
V. Ao. ıszı. Und 1547. confirmiret worden ; die Franckfurter am 
Mayn/ welche ihre Privilegia von Känfer Friderico 11. erhalten / wies 
wol einige wollen / es habe Käyfer LudovicusWV, folde Meß vonFrid ⸗ 
berg in der Wetterau nach Franckfurt verleget; ferner die Franck⸗ 
fürter an bey Oder bon Känfer Alberto I. privilegiret; die Raums’ 
burger/ und die noch neulich im Flor gefommene Braunſchweiger⸗ 
Meß / weiheden in®Oft-ruhenden Zeopoldo Magno ihre Solenni- 
tätzudanden.. Auſſer diefer fennd noch in Teutfchland viel confıde- 
table Meſſen / oder vielmehr grofle Jahrmoaͤrck / deren Beniennung/wie 
and) die Zeiten/ warn folcheeinoder mehrmahlen des Jahrs gehalten 
werden / in den Ealendern der Ordnung nad) (pecificiret zu erfchen. 
Eine groſſe Meffe oder vielmehr Jahrmard/ mag auch der Archange⸗ 
liſche in Mofcom genennet werden/ nach welchen fo viel reich-beladene 
Holländifche / Englifche / Frantzoͤſiſche Hamburger und Lübecker 
Schiffe jährlich im Junio und Julio abfahren / und im Octobr. und 
Novembr. mit glei hmäßigerreicher Ladung wieder zuruͤck kommen. 
In Italien ift der Bozner Ward / in Frandreich die Lioner Foires, 
item la foire de Baucairein Provence berühint. Holland. hat Feine 
Meſſen / und alfo aud) viel andere groffe Anfee-und Handel-Städte 
nicht / weilinfelbigen ohne dem Tahr aus Jahr ein eine fo groſſe Fre- 
greng bon Kaufleuten / Ab⸗ und Zufuhr der Waarenzu Maffer und 


Land ift/ das ſie keiner fernen Meſſen nöhtighaben / und waͤre hier · 


beynicht unebene Belegendeit/ die Frage zu erörtern: Ob die Meſ⸗ 
fen einem Lande oder Stadt deren Obrigkeit und Einwohnern nuͤt⸗ 
lich oder ſchaͤdlich wären? item: Ob in fpecie dieſe oder jene neuans 
elegte Meſſe gewiſſen Städten mo fie angeleget worden / profitables 
enodernicht? Weil aber diefes von und anleinen andern Ort / fon 
derlich aber in unſern volllommenen Commercien-Xaht wird erör« 
tert werden / alöführen wir nur dieſes Orts unfern nach den Meſſen 
mit feinen Waaren veifenden Kauffmann zu denen Maximen und 
Lehrfägen / welche er in Befuhung foicher Meikn und Jahrmärde 
zu beobachten haben möchte. 
Es reift aber ein folder Kauffmann auf die Meſſe entweder Waaren 
einzukauffen oder zu verkauffen / von beyden verrichtet er entweder eines 
allein / oder beydes zugleich / die nach * Meß geführte Waaren müf 
8 


85 ſen 





ı 838 Me | 
fen folche fenn / die daſelbſt koͤnnen theurer ausgebracht werden als 
ſie an dem Ort / von welchen ſie herkommen eingekaufft worden / hin⸗ 
gegen muͤſſen die Einzukauffende mit Nutzen wieder an dem Ort/ 
wo fie follen- hingeführet werden könyen verkauffet werden / wer 
bieſes nicht betrachten wolte / würde ſchlechten Mard halten / und, 
gleichwohl fehlen ihrer fehr viel darinn/theild aus Unberſtand /theil® 
aus andern Urfachen / unter welchen eine auch nicht der geringften iſt / 
dag mancher nur Waaren auf die Meß führet/ um durd deren baaren 
Verkauff ein Stüd Gelds in die Hand zu bekommen / ob er gleich wife 
fentlich weiß / daß wenig Profit darauf werde zu machen feyn / man⸗ 
eher dem die Waaren in der Meß auf den Hals liegen/ mug offt folche 
Unfchläge halten/ die wenig oder nichts & Conto tourniren / am ſi⸗ 
erftenift / man mache in unkefandten Waaren / vor denen mau 
zweiffeln fan / obfie abgänglich feyn werden / ober nicht/ nur Pro» 
ben und feine groſſe Partheyen/ man laſſe ich auch nicht anloden/ 
über Vermögen einzukaufen / ob man gleich auf eklihe Monath 
Zeit folche Waaren haben koͤnte / weilder Debir angewiß /derTer- 
minus Solutionis aber gewiß ift/in Winter: Meflen ſich mitSommere 
Waaren / und in Sommeroder Herbſt⸗Meſſen mit Waaren Die ges 
gen den herannahenden Winter dienen zu verſehen ift allzeit rathſam / 
es will auch gegen die beborſtehende Meß eine Reflexion auf die ver⸗ 
gangene gemacht und dabey confiderirt ſeyn / welche Waaren in der⸗ 
felben viel oder wenig abgegangen/ob alle Länder aus welchen Kaͤuffers 
und Verkäufferd auf der Meß ſich einzufinden pflegen / offen / oder 
einige derſelben durch Kriegs oder Peft:Zeiten geſperret liegen / was 
dor Maaren diefe oder jene Saifon oder Conjundtur erforbern/ 
obin vergangener Meffe an einer Waar Vorrath oder Mangel ge= 
weſen / ob die Mode changiret / gewiſſe Waaren diedenlinfrigeu gleich 
Hon andern Orten auch werden zugeführet werden / ob die Frachten 
und Reiſen koſtbar / Wechſel· Oours hoch oder niedrig/ die Wege un- 
ſicher oder boͤß / oder auch ſicher und brauchbar feyn / mie ed mit den 
Zöllen und andern Unkoſten befchaffen / ob in diefer oder jener Waar / 
eine Steigerung oder Abfchlag zu beforgen / dieſes alles wohl erwo⸗ 
gen fennde / macht ein Kauffmann / ehe er noch nad der Me veifet 
einen Auszug feiner Mef-Debitorum ‚ und Creditorum, die ihm ober 
denen er in bevorftehender Meß / vor in voriger Meß oder auffer fol« 
eher vor auf Zeit gekaufte Waaren / oder vor auögegebene Wechfel 
zu bezahlen fchuldig / in der Mei felbft / fachet er ſichere und vebliche 
Kund-Feut/ wartet Tag und Nacht feines Gewoͤlbs wohl ab / Läft (ich 
Keine Muͤh noch Fleiß verdrieffen / ift in der Zahl- Wochen fleißig auf 
der Boͤrß oder der Kauff-Leut ihren DVerfammlungs-Plag / zahlet 
prompt, hält richtigen Scontro „ fidiwet nicht leicht / hůtet ſich in Ba- 
Latte 


— 


U — — — 


| mer 830 
rättiren mit den Juden / diſponiret über die underkaufft liegend ge» 


bliebene Waaren / dergeftalt/daf erfolche wohl inventire/ und einpa⸗ 
deyund foer ſolche bis zur künftigen Mep ftehen laͤſt / feinenFadtoren 
zu getreuen Händen lieffere/ oder foer fie zuriick oder aud) weiter ver: 
fenden will / daß es alles wohl eingepadet / und zur Grfparung der 


Froviſion undanderer Unkoften felbft ſpedire, wann aud) der End» 


zweck des Mep-Keifen ift / feine Handlung immer weiter zu exten- 
diren / als wird hierzu das Auffuhen neuer Kund⸗Leut / (um de» 
ven Zuftand man ſich doc) zuvor unter der Hand wohl erfundiget) 
erfordert / man vergiſt auch nicht Remargves über diefe oder jene 
Maar / und vor Augen gefommene Handlung zumachen / und (id) 
deren zu feiner Zeit und Ort zu bedienen / zu. Haus gefommten 
ſeynde / trägt man aus dem Ward Verrichtungs-Buch / das paflirte 
in die Haupt Hendels⸗ Bücher / und fchlieffet endlich denfelbigen Meß 
Conto mit Beminn und Berluft Rechnung / wie hierzu die Anleitung 
in unſern Probier-Stein der Buchhalter gefchehen. 
DiePrivilegia belangend deren ich / die mac den Meflen reiſende 
Kauff-Leut mt ihern MWaaren zuerfreuen haben / beftehen ſolche 
vornemlich darinnen/dap einen jedennach der Meß veilenden Kauff⸗ 
mann/ bor feine Perfon feiner Privar Gläubiger wegen / Freyhe it ge: 
ſchaffet wird alfo daß ehe die Meß ausgeläutet / weder feine Perfon 
oder Güter fönnen arreftivet werden/ arg. I. un, Cod. de nund. 
1. 3. ff, de fer, ja man fan nicht einmahl in Meß⸗Zeiten Repreflalia 
wider ihn gebrauchen / info fern nur die Schuld anderswo als inden 
Meſſen contrahiret/ und gemachet worden / in wiedrigen Fall aber 
würde der Arreft nach Einhalt 1. 19.8.2. ff. de jud, frengegeben wer= 
den / wiewohl Fritfchiusde Nundinisc, 7.n, zz. Das Gegentheilbe> 
hauptet / und dag in Mei-Zeiten auch nicht einmahl Mep-Schulden 
wegen / jemand an feiner Perfon oder Gütern mit ArreN könne bele« 
get werden. Die den Waaren in Mep-Zeiten zulommende Privile- 
gia, erſtrecken ſich auf diejenige / welche in der Meß erkaufft / ob fie 
gleich nicht in derfelben fondern erſt nach dev Meß abgefuhret worden/ 
einanders ift es mit denen dor der Mer En Waaren / melde 
wann fie ia der Meß gelieffert werden / darum nicht unter den Meß⸗ 
Privilegio begriffen / ſondern füglich mit Arrell Fönnen beleget wer⸗ 
den /eben wie diejenige Kauff-Leut / welde des Austretens oder 
der Flucht halber verdächtig feyn / oder fchon in der Flucht und 
Bangverotiren begriffen / item diejenige die ſich in ihren Schuld» 
Verſchreibungen / und Obligationibus der Meß: reyheit Dege- 
ben / und ihren Creditoribus Gewalt eingeräumet haben / (id) ih- 


‚wer. Perfonen auch in Meß-Zeiten verſichern zu Eönnen / diefe alle 


haben ſich der Meß ⸗Freyheit nicht zu getröften /- fondern mei 
= mitten 





140 — Mef Ä 


* in der Meß angegriffen / und um die Bezahlung angeftvenget 
werden.: 


Meſſer / Cultri Frantzoͤſiſch des Couteanx, feynd unterfchieblicer 
Arten ald gemeine Eß⸗Meſſer / Tafchen/Trenchier, Befchneid:und 
alleriey Handwercks⸗ Meſſer / welcher etwann diefer oder jener Haud⸗ 
wercksmann zu feiner Profesfion gebrauchet / ob nun wohl faſt aller 
Orten Meſſers gemacht werden / fogar daß auch der Schwediſche 
Bauer felbft / folche ſehr zierlich iu berfertigen meiß / und einige der⸗ 
felben zu Anden / die wegen des künftlich von Stahl ausgearbeiteten 
Haffts bis. odermehr Reichsthaler das Stüd berkauffet werden/ 
fo ſeynd doch auch hin und wieder einige Derter der Meffer wegen, 
fonderlih beruͤhmt / als nemlich Engeland wegen der guten Klingen/ 
Die gemeiniglich born vund / zimlich breit/ und von guten Stahl ge⸗ 
ſchmiedet ſeyn / in Franckreich werden ſaubere Haͤffte von Stahl 
gemacht / und ſeynd die Staͤdte Nevers und Moulins, ſonderlich der 
Meſſer und Scheeren wegen / (als welche den Durchreiſenden haͤuffig 
zu kauff angeboten werden) bekandt / einige machen groſſes Weſen 
von denen Siebenduͤrgiſchen fo genannten Wiedertäuffer Meflern/ 
twelche die daſelbſt wohnende Anababtiften berfertigen / und auch hin 
und wieder nachgemachet werde» Drefinifche Meſſer finden auch 
ihre Approbation, des guten Stahld wegen fo darzu genommen wird. 
Schmalkalden madet viel Meffer melde in groffen Qyvantitäten 
bin und wieder in Teutfchland und auch nach Piefland und Ehurland 
ihres geringen Preifeshalberverführet werden / boraus aber hat die 
Mutter aller Kunftedie werthe Stadt Nürnberg einen groflen Han⸗ 
del damit / als in welder theild Meſſer / Stüd/ theild Duhendweiß / 
theils auch nach den Gulden Werck verkauffet werden. Steyermarck 
weil es ſehr viel Stahl hat / ſchickt ebenfalls biel Meſſer / ſonderlich 
aber Scheer⸗Meſſer aus / welcher Handel mehrentheils in der Ruͤrn⸗ 
berger Haͤnden iſt / ſo weit nemlich ſolcher diſſeits Nuͤrnberg ſich 
erſtrecket. Ben den Einkauff der Meſſer und Scheermeſſer kommen 
die Zeichen des Meiſters ſonderlich zu beobachten vor / von welchen 
eines mehr abgaͤnglich als das andere iſt / ſolche Zeichen ſeynd bielmahl 
von Kupffer oder ale ausgefüllet / weiches Daher feinen Urfprung 

aben foll/ weil einmahl gewiſſe boßhafftige Peute ſich unterftanden 
einen ſcharffen Gifft in dergleichen hohlen Zeichen zu fchmieren / da⸗ 
bon diejenige ſchleunig gefforben / die mit dergleichen Meffern ges 
geſſen haben / dannenhero hernach Öffentlich geboten worden / folche 
Seichen hinführo mit Meßing oder Rupffer auszufüllen / wie etwann 
folcher geftalt auch die vornrunde Meffer / in Engelandan ftatt der 
Spitzigen eingefuhret worden / weil mit diefen gar offtermahls / (wann 
| | etwan 


ee MN 
etwaun beyden Trund StreitHäudel vorgefallen) Mord» Ihaten 
und Berlegungen gefchehen. Che wir aber diefen Meffer Difcours 
ſchlieſſen / Fönnen wir nicht umhin Die artige Gebanden welche Ifaac 
Peyrerius über die Berfertigung eined Meflers mit einen Elffenbei⸗ 
nen Haft oder Schale gehabt / und dap darzu ehe ſolches zur Perfe- 
&ion kommen können / übereglichehundert Menſchen haben müſ⸗ 
fen employvet werden / allhier anzuführen / ed beftehen aber folche 
in folgenden, daß man erftlich das Eifen zu dev Klinge durch viel Muͤh 
unb Juſtrumenten aus den Bergwerd hätte ziehen muͤſſen / zu welchen 
fhonum diefe erſte Arbeit zu thun / theild auch Die Initrumenta dazu 
verfertigen / bieler Menſchen Hände wären erfordert worden/ 
ernach ware ebenfalls als ſolches Eifen gefchmelget / gefchmiebet und 
gehärtet worden / zu Herbeyſchaffung des Kolges und andern Werck - 
Jeugs ein groffe Menge Menſchen nöthig geweſen / wie viel Menfchen 
ude hätten nicht an den Schiff gearbeitet / welches das Helffen⸗ 
bein zu den Schafft aus Indien geholet / wofelbft abermahl eine 
roſſe Menge Volcks hätte müffen emploiret werden/ che man den 
ephanten von weichen das Eiffenbein gekommen / hätte fangen und 
gödten koͤnnen / daß alfo ohne die vorbemeldte grofle Anzahl der Leute/ 
das Meffer nicht Hätte können zumeg gebracht werben / welches eine 
auf den Nutzen der Manufadturen nicht unbillig zielende Reflexion 
zu nennen iſt. 


Meßing / lat. Auriehalcum, Franhoͤſiſch du Loton iſt zweyerley 
Art / ein aus der Erd gegrabner / und ein durch Kunſt gemachter / 
eöfoll aber der von Ratur gewachſene und aus der Erden gegrabene 
Meßing / deſſen auch Plinius und Scaliger gedenden/indenenOrcadi- 
fchen/ oder wie Herr Ortelius will in den Schottifhen Inſuln insge⸗ 
mein Hebrides genannt / gefunden werden / wieaud nad) Diodori 
and Strabonis Zeugniß an einigen ‚Orten in Indien / und fchreibet 
Ambrofinus in dem Mufeo Metallico Aldrovandi,eg ſey wahr / daß auf 
der “ufulS. Martha, eine groſſe Menge Meßing gefunden werde / wel⸗ 
chen ſie mit den Safft eines gewiſſes Krauts ſehr offt zu reiben pfleg⸗ 
ten/ davon er dann eine dem Bold gang Ähnliche Farbe bekaͤme. Go 
daß auch die Spanier / da fie das erſte mahl dieſe Inſul heſuchet _ 
ſolches vor Gold angeſehen haben / warum man aber heutigd Tags 
Beinen natuͤrlich gewachienen Meßing mehr finde / vermeynet ge» 
dachter Ambrofinus es gefchehe ſolches nicht darum / daß folder nicht 
mehr zu finden / fondern weiler heut zu Tag mitleichtern und gerin⸗ 
gern Koften Fönne gemachet ald gegraben werben. Der gelbeMar- 
chaũt ift gewißlich den Meßing ſo gar unaͤhnlich nicht / und wird noch 
heut zu Tag fehr haͤuffig gegrahen / ſtehet auch dahin / oh er — 
| WR 





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342 Meſ 


ü— — ⏑ — — (GB —— — 
wann den Titul des gegrabenen Meßings führen koͤnte / zumahl der 


Zinck fo ebenfalls ein Marchalit und unzeltiges Metall iſt / insgemein 
auch der weiſſe Meßing genennet wird. 

Uber den durch Kunſt gemachten Meßing ſeynd die Gelehrten auch 
nicht einerley Meynung / dann es wollen — ſonderlich Ihdorus 
und Feſtus, daß er aus Bold und Kupffer durch einander geſchmoltzen / 
und dahero mit einen halb Lateiniſchen und halb Griechiſchen Wort 


Auri chalcum, quaſi exauro & ære mixtum genennet werde / welches 


auch Cœlius Rhodiginusangemerdet. Scaliger aber ad Feſtum und 
Salmuthin Pancirollum widerſprochen: Faͤllet alſo auch die Mey⸗ 
sung derjenigen dahin / die den Meßing vor das ſo hoch geachtete Co⸗ 
rinthiſche Ertz der Alten gehalten haben / wiewohl Pancirollus bes 


ſagtes Corinthiſches Ertz / aus Meßing beſtanden zu ſeyn / darum 


laubet / well es in der damit angeſtellten Prob nichts von Bold oder 
Silber nach ſich laſſe / und iſt nicht zu laͤugnen daß der Meßing bey den 
werthen Alterthum ſehr hoch geachtet / und wohl oͤffters auch den 
Silber vorgezogen worden. Heut zu Tag wird der Meßing aus 
Kupffer und Gallmey gemacht / diefer Gallmey ift eingegrabener 
artbee noch: nicht harter Stein / welcher wann er gebvennet wirds 
einen gelben Rauch von ſich giebet / und wird fonderlich zu Goßlar / 
Eöllen und Aachen gefunden / viele wollen den Aachiſchen / denen 
andern borziehen/ ſonderlich weiler nicht nöthig hat wie die ans 
dere / gevöftet / gebrannt / und auf denen dazu gemachten Gtampffs 
Muͤhlen klein gemahlen zu werden / datin — dieſes Gall⸗ 
meyes einen Theil / und miſchet zwey Theile klar durchgeſiebet Koh⸗ 
len⸗Staub darunter / befeuchtet es um das Stauben zu vermeyden / 
mit Waſſer / undrührers mit einer Krucken durch einander / foift der 
Gallmey bereitet. Es gehoͤret aber zu den Meßingmachen ein ſehr 
groſſer und weiter Plag/ mit einem Dad) alſo verſehen / daß der 
auffteigende Dampff fuͤglich ſich dardurch hinaus ziehen koͤnne / auch 
ſollen um deſto mehrerer Sicherheit willen die Dach-Patten woran 
die Ziegel bangen / nicht von Holy / fondern von Eiſen feyn/ die Defenr 
ſeynd indie Erde alfo gemacht / daß der Wind das Feuer durch diefd> 
er die unten in den Dfen feynd/treiben/und die Kohlen anfeuren Fan. 
Ja einen ſolchen Ofen pflegen die MIefing- Brenners in die Runde 
herum gemeiniglich acht groſſe Schmelg-Tiegel zufegen/ und wann 
ſie wohl heiß feynd/ felbige behende heraus zu heben/ und den Gallmey 
darein zu ſchütten / doch haben ſie ein gewiſſes Maaß wieviel fie nch» 
men ſollen / damit fie infoldhes. Tiegel den Gallmey richtig einthel⸗ 
len / welcher insgemein 63. Pfund beträgt. Nach) diefen legen (ie 
oben auf den Gallmey in einen jeden Topffs. Pfund Elein zerſchlagen 
Kupfer / fegen bie Ziegel wieder hinein und laſſen ſe Siunden 


lang 


Me | 843 


lang in groffer Gluth ſtehen / alddann rühren die MIefing-Brenner 
mit einen Eifen ein wenig inden Ziegel / umzuſehen wie die Materia 
ſſen ift / laſſen ſelbige noch eine Stunde mit der Mafla in ihren 
Bund Bradirung ſtehen / danısheben ſie einer Tiegel nad) den 
andern heraus / und gieflen dieſelbe / wann ſie Stuͤck Meßing haben 
wollen/ zufanımen ineine Gruben/und warn der Zeug J. warm iſt / 
brechen ſie denſelben / jedoch daß die Stüde fein dichte beyſammen 
liegen bleiben / fo befonmet der Meßing eine fchöne gelbe Farb ins 
Bruch. Wollen jie aber Keffel und andere Arbeit daraus machen / 
oder ſelbigen zum Drathziehen anwenden / ſo gieſſen ſie die Tiegel 
in groſſe abfonderlich hiezu gemachte Steine / welche man Britanni- 
fhe Steine / als woher fie gebracht werden / nennet / zu gtoffen Tafel 
and Platten/ welche nachgehends durch den Mrefing-Schneider 
oder Saͤger auf e.nem Werck · Tiſch / glei den Holtz⸗ Schneid ⸗Müh⸗ 
len feſt gemacht / zu ein zwey auch wol drey Finger breiten Schienen / 
Zainen oder Staͤben zerſchnitten oder geſaͤget und darauf denen 
Meßing · Schlagern oder anders wohin nach Belieben zu verarbeiten / 
überliefert werden / jereiner und gefchmeidiger nun das Kupffer 
und je röther der Gallmey gewefen/ je ſchoner wird auch derWeßing 
ſeyn. Es iſt aber ſonders merckwuͤrdig daß der Mefing in foldhen 
Brennen an ſeiner Schwere und dem Gewicht um ein merckliches 
zunehme / dann fo man indie s. Ziegel ss. Pfund Kupffer einſehet / 
wächfet der Meßing innerhalb ız. Stunden an Gewicht aufdie 32. bis 
3. Pfund an / alfodap man wiederum bey so. Pfund guten Wefing 
ausgieffet/ oder wie Mathefius berichtet / ſoll man ſedesmahl vor vier 
Eentnes eingefepteö Kupffer fünff Erntner guten Meßing bekommen. 
Schweden wofelbft heutigs Tags der meiſte Meßing gearbeitet und 
bermachet wird / hat man denfelben von unterfchiedlichen Fabrigven 
und Zeichen / als Mepings-Drat von die groſſe Kron / fo itziger Zeit 
zu 320, Thaler/ dito hon die drey Kronenzız Rthlr. dito mit dem Zei⸗ 
en von gekrönten Baum von gefrönten Hertz / von Niecoͤping / don 
Nacca 310, big 312. Mepinge Keſſel / Becken und Platen aber big 400, 
und Lartun 330. Rthl dad Schiffpfund verkauft werden / ſolches gibt 
ne mit allen Ungeldern incirca Zoll auf ein gang frey Schifſ 
ur ein halb frey 3. Rthlr. und auf ein unfrey Schiff 39: 
40. r. — 
Der Handel mit Meßing geſchiehet mehrentheils in denen hielfaͤl⸗ 
tig daraus verfertigten Manufacturen / ſonderlich in Keſſeln / wovon 
die fo genannten Keſſeltraͤgers / welche gemeiniglich der Gegend von 
eürtie her ſeynd / faft das Monopolium an fich gezogen / indem fie in 
gewiſſen Provincien ſolche nur allein verkauften / und fremde Keſſel 
ra perbinderumögen; wiewol ſie dieſes Pxiyilegiusn * 
au 


au 
27. 
bis 





44 | | Mef 


auf die Keffel/ die auseiner gewiffen Manufadtur feyn / und welche 
diefeö Privilegium von langen Zeiten her aus Obrigkeitlicher Conceſ⸗ 
fion inderfelben Provingerlanget/ genieflen. Eben diefe Keffeltrd- 
gers nehmen auch der Hausleute ihre durchloͤcherte Keffel zu gewiſſen 
preis wieder an / und liefern ſie ſamt den, was ſie etwan hin und wie⸗ 
der an andern alten Meßing auftauffen können in die Manufadtur „ 
welcher alte Meßing⸗ Handel ſehr profitable iſt. 


Meßings⸗ Waaren oder aus Meßing fabricirte Manufacturen / 
ſeynd erſtlich der jo genaunte Meßmgs⸗Drath / wovon wir allbereit 
unter der Rubric bon Drat Meldung gethan / ferner Meßinge Keſſel 
und Becken / Koll Meßing / allerhand Haus-⸗und Küchen Beräth/ 
Waagſchalen / Gewicht / Leuchters von allerhand Facon aldKirchen/ 
Altar / Wand und Tiſch⸗Leuchter / Klocken / Eymbeln und Rollen oder 
Schellen / Röhren und Zapffen / allerhand Ringe groß und kleiner 
Gattung / Glut-Pfannen / Spangen und Claufuren , Befchläge zu 
Bürteln und Wehr⸗Gehaͤngen / vielerley Gattungen edel) Ketten / 
Haar · Nadeln / — Loͤffeln / Schalen-Meſſer / Degen« 
Gefäß / Knöpffe / Puckeln / Ringe / Raͤgeln / Rechen⸗ Pfenninge / Flin · 
dern / Streich oder Bügel-Eifen / Licht⸗Puhzen / Raͤucher⸗Schiffgen 
und Monftrangen / Uhr-Gehäuffe/ Apothecker⸗Loͤffel Zungen-Scha» 
ber / Zahn⸗Stierer / Barbierer Bindzeug/ Hals und Wund⸗ Spruͤ⸗ 
gen/ Perlen und Boratz⸗Büchſen / Schreib/ Reif / und Zeichen Fe⸗ 
dern / Geiß ⸗Füſſe / n.auch 5. und 6, fache Raſtral / Saar-Nabeinz . 
Grid und Spıd-Radeln/ Lerchen und Troſchel⸗Pfeiffen / Finger⸗ 
Hüte / deren heut zu Tag bielerien Arten feynd/ alörunde/dreyed'ige 
te / mit Spiegeln/ Har und groben Sternen / davon theils oben rund 
ſeynd / theils welche man Gternen-KHüte mit Kuöpfien nennet / oben 
einen Knopff haben/ welche man mit Balſam füllen kan ; noch andere 
ſeynd oben gang offen. Es gibt auch gedoppelte Finger Hüte/ daran 
die untere Seite gang glatt/ Die obere aber T zierlich durchbrochen 
iſt. Ferner werden auch von Meping gemacht die Steddnadeln/oder 
ſo genannten Hefflein / deren manin Ruͤrnberg zwölfferlen Gattung 
findet / worbon die von der erſten Sort 1000, Stuͤck Pfund und ı6. 
Loht mägen/ von derandern 2. Tb. ı6. Loht / don der dritten 2.15. bon 
der vierten 40, Loht / bon dersten /. TB bon dersten zo, Loht / bon der 
zben 10. Loht/ bon der sten s. Loht / bon der sten 4. Loht / von der 1oten 
3. Loht / von der uten 2. Loht / und 000. Stüd von der Heinften-Ark 
aur ein einiged Eon dieſe ſeynd ſo klein / daß ſie alle tauſend in einex 
er Nuß ſchaal koͤnnen gebracht werden. 

u allen Meßings⸗Manulacturen wird ein gefchmeidigtertFefing. 
erfordert / dann dev aus einen zuͤhen und harten Kupffer uud ** 
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Met 845 
Gallmey Herfertiget worden, der wird matt ander Farb / und Läffet 
(ih hartarbeiten. So auch der Mefing in dem Brennen mit den 
Gallmen nicht wohl durchgebrannt worden / fo findet er wiederum in: 
die Röhte/ warn er etliche mahl Durchs Feuer getrieben und geſchmel · 
het iſt. Man findet auch wol Meßinge Platen / welche pon inwen: 
dig fo wohl nicht gefärbet feynd/ als von auſſen. 

Metalla und andere ihnen verwandte Sachen ſeynd Aurum Bol 1. 
argentum Gilber / aurum foliatum finum gefchlagen fein Boldy 
Blattgold/ duplicarum halbgeſchlagen Gold / Aurum vileus miftum 
Bicolor Zwiſch⸗ Gold; Es wirdaud fubtiles Gold zum Schreibe 
gemacht / ſo man Mufchel-Bold nennet; ferner -argentum foliarum 
finun: Blatt-Gilber/ gefhlagen Silber/ duplicatum halb· geſchlagen 
Silber / Es Cuprum Kupfler/Eıisfqvamz crasfiores Kupffer⸗ Ham⸗ 
merſchlag / Kris flos viride wris Spangrün/ Ferrum Eifen / Ferri ba. 
tituræ ſquamæ Hammerſchlag / Limarurz Feilich / Feil⸗Spoͤn / Sco- 
riæ Schlacken / Fllumbum Bley / P. uſtum calcinatum gebrannt Bley / 
Stannum Zinn. 
Denen Metallen ſeynd verwandt Mercurius Weckſilber / Cinnabari⸗ 
Zinober / Antımonium Spießglas. 

Sicher gehören auch Die Excrementa, fo bon denen Metallen abgeſon · 
dert werden/ ald Bismuthum Wißniuht / Cadmia nativa metallica 
Cobaltum Müden-Pulver / C. factitia gemachte Cadmia, Lithargy- 
ros Auri Blodglett/ Pompholyx, Nihilum album, Tutia Augennicht. 
Die urſpruͤngliche Eigenſchafft der Metallen beſtehet aus einen ſaltig⸗ 
ten Safft oder. Mercurio, der durch den Schwefel in der Erden coa- 
gulrretworden. Diefe Vermiſchung ftehet daher zu bemeifen / weil 
aus den Metallen etliche Theile können gefchieden werden/ welche her» 
nad) nicht wieder zu perfedten Metallzureduciven / 3. E. der Crocus 
Martis, wann er vaporoſiſch über den Aqva Registechtcalciniret wor⸗ 
den / fobleibet eine perfeete Erde / wie ein Roͤhtelſtein / hinten nach/ 
welchen Crocum man hernach gicht wieder in ein Metall Verwandeln 
Fan ; Ebenfalls kan auch wol gefchehen/ / daß aus dem Bley feine bren« 
nende Subitang geſchieden / und ein Bley⸗Glas endlich daraus werde / 
welches Glas zwar wieder zu Bley fan gemachet werden/ es gehetaber 
der meiſte Iheil davon verlohren. “ —— 

Alle Metalla werden nach ihrer Perfection. Vermiſchung und Gleich⸗ 
heit unterſchieden; unter dem Nahmen Perfection verſtehet man die 
gebührende Daͤuung oder Zeitigung/ daß ſie nemlich nicht wohl gerei⸗ 
niget und digeriret zur Fixitat gebracht worden. Wegen der Ver⸗ 
miſchung und Proportion ſeynd ſie dergeſtalt unterfchieden / nachdem 
fie mehr oder weniger bon dieſen oder —— Aufaug etwas bey ſich füh- 

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846 Maet 
n / als z. Cx. in Sifen und Kupffer iftnach der Erde der Schwefe l 


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überflüßig / bom Mercurio aber haben le gar wenigbey ſich / dahero 


ſie auch leicht glüend werden. Eben alfo das Antimonium und der 
Regulus deffelben/ ſeynd nicht nur der äufferlichen Beftalt nad) unter» 
Ahieden/ fondern auch dahero/ weil iM Regulo aus Proportion deg 
Antimonii des Schwefels Uberfluß weggenommen / wann nun diefer 
fort/ fo kommt der Regulus mit det Natur des Bleys überein. 


Kerner fo ſeynd auch die Merallc theils edle / theild unedle / die edle 


feynd/ deren Anfänge am beften digerivet und fix gemachet (Ind / daß 
fie fo viel Schwefel bey (ich haben ald nöhtigift / den Mercurium 31 
eoaguliren / und ſo viel Saltzes ald nöhtig / den.Mercurium und 
Schwefel anzunehmen / daher iſt das Gilber weniger fix , das Gold 
aber ift das allerſixeſte / von wegen feiner gar genauen Bermifhung/ 
dahero ed auch das dickſte und ſchwerſte / welches ſich am meiften tret= 
ben laͤßt / es Fan ihm auch Fein Feur was anhaben/ demſelben etwas ab- 
nehinen/ fo werden auch Feine Schladen daraus / weil es fehr hart iſt. 
Dir uneble Metalle feynd Eiſen / Kupffer/ Zinn / Bley / und dieſe ſeynd 
abermahl entweder harte oder weiche / der Unterſchied kommt her we⸗ 
gen des Schwefels und Mercurii , hart ſeynd dieſelben / welche viel 
Schwefelhaben / und wenig Mercurii, hingegen feynd diejenigen 
weich/ die einen Uberfluß von Mereurio haben und Hingegen Mangel 
an Schwefel / jene fangen bald Feur / glüend bald und flieffen ſchwer / 
wegen Mangel Mercurii , bey diefen hingegen findet id) das Gegen» 
theil/ wegen Mangel Schwefeld. Der Mercurius iſt ein metalli⸗ 
ſcher Ligvor, und nicht das Mesall an ſich felbft/ oder es iſt wie Beche- 
zus fpricht/ Die Seele der Metallen, dahero auch) alle die Amalgamara 
zu allen Metallen daraus werden. 
Die Metalla werden von neuen gebohren / durch) die Bewegung der 
Ausdaͤmpffungen / welche hin und wieder zerſtreuet; Diefe ſchwefe⸗ 
fichte Raͤuche / die zugleich mercurialifd) feynd/ wann ſie alfo in die in» 
nerſte Theil der Erden getrieben werden/ fo werden flezu einen Alcali- 
fchen Salt als zu einer Mutter defigivetund coneenrriret / und alfo 
durch abgewechfelte Bereinigung Action und Readlion werden ſie zu 
Metallen, die perfect ſeynd. Indem Werd der Transmutation hat 
der Schwefel die Oberhand / dahero der Mercurius al$ das Subje- 
Aum der Transmutation, den Schwefel oder die Tinduram auf-und 
annimmt / z. E das Gilber iſt perlect Gold / wannesnurSchwefelz 
ebuͤhrende Zeitigung und Perfection haͤtte. 
Si wird widrigen theild das Bold extrahiret / und wann feineEx- 
traction niedergefchlagen/ fo bleibet ein weiffed Corpus, welches Fix- 
Silber genennet wird; diefed Silber fan man mit Aqva Regis nicht 
mehr Solviren/fondern man map Aqvam fortem darzu nehmen. er 


Mi 847 


— — — — — — —— — — — — — —— 
Der Spiritus Nitri Bezoardicus ziehet dem Gold ſeine Roͤhte aus/ 
und bleibet eine fixe Luna zuruck / welche wieder fan tingiret werden/ 
alfo daß man das erſte Bold wieder erlanget/ dahero werden niemahls 
die Metalle in den Mineren unterfchieden gefunden/ und diefes dar» 
um / weil ie von einer Wurhel ſeynd / durch welche alle Metalla ponei» 
nen Mexall participiven/ z. E. in jedem Bley fiadet man Silber’ das 
Eifen fonmnt von wegen des Schwefelsmit dem Bold überein / dahe⸗ 
ro danndie particulaires Transmutationes oder Tindturen mit dem 
Schwefel von Marte bereitet werden. 

Iſt derowegen der Lapis Philoſophorum nichts anders / als ein me⸗ 

tatifcher Schwefel / der aus ſich noch nicht determiniret; dieſer 

Schhiwefel/ wann er mit den Mercurio wohl und gang digerivet/ giebet 

die Solution und die Coagulatıon in das fixe Corpus, wann das Gold, 
als ein Fermen: um darzu gethan wird / dann Durch dieſe Bermitte- 

lung werden die Merallazu Gold. Hier fragt ſichs aber: Woher ſoll 

man diefen Schwefel nehmen? Antw. Etliche ſuchen ihn im Gold / als 

fein das gemeine Gold iſt ein Capur mortuum , und Fan nicht mehr 

tingiren/ als ed Schwefel in ſich Hat / fo aus ihm gezogen worden. 


Mech oder Honigwaſſer / zu Latein Melicraton und Hydromel ge⸗ 
nannt/ıft in denen Falten Laͤndern / als Moſcow / Ungarn / Pohlen / kit» 
tauen / Liefland / Schweden Dännemard und Norwegen / da kein 
Mein wãchſt / oder auch nicht wohl zu befommmenift / aus Noht erfun- 
denmworden. Es ift aber folder Meth zur Geſundheit weit beffer/ 
als mancher gefchwefelter grober Mein / fonderlich/ warn gut Honig 
darzu genommen / und die vechte Zubereitung deſſelben wohl obfervi- 
tet worden ; wiewol man aud an einen Ort denfelben beffer / als an 
den andern zu ſieden weiß. Wann er vecht gut ift/ fo pfleget er zu er» 
waͤrmenund zu ernähren/ aud) mit andern guten Effedten mehr ſich zu 
erzeigen/ nemlicham Geruch am Geſchmack undander Farb. Diefe 
letztere belangend / hat folche ihre ſonderbare Urſache dann wann ein 
Merh dünne / undan der Farb gering fcheinet / ſo iſt er noch roh und 
nicht wohl gefotten/ wo aber zu einen Meth gut Jungfern⸗Honig / wel» 
ches die Bienen von der Linden-Bluht zufammen getragen / genom⸗ 
men worden/ da ift der Methan der Farb weißlicht / gleich wie hinge⸗ 

en derjenige gelb ift/ der nur von gemeinen Honig gefotten worden. 
Siefer jegt-erzehlte Unterfchied der Karben dienet dazu / daß maͤn 
deftobeffer urtheilen und erkennen maͤge / welcher Meht gut ſey oder 
nicht / dann je ſchoͤner und höher derfelbe an der Farb / jeftärdey und 
beſſer er gehalten wird/ und auch mehrere Kraft hat zu ermarmen und 
zu ernähren/alsdieandern. Es mag aber der Meth fo gut zugerich 
tet ſeyn / als er immer wolle / ſo iſt er — ai allen Raturen mh 
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848 BR Met 
fondern den jungen Cholerifhen und Blut⸗reichen Leuten fehr ſchaͤd⸗ 





lich / wird auch bey higigen Naturen mehr in Batle ald gut Geblütver- 


wandelt / der Leib je länger je mehr davon angeſtecket / berftopffet und 
verfchleimet/fonderlic) die Leber / daraus dann folglich mancherle; 
Geuchen entftehen/ vornehmlich bey) Denjenigen/ die mit KeifferiAuf= 
ale Brennen ded Magens/ welches man den Soot nemet/ be⸗ 
laden feynd. 
Die befte Zeit zum Methſieden iſt der Sommer / weil alddann die 
Sonne mit ihrer Wirdung in allen Eräfftiger iſt / als die ſchlechte E- 
lemenrarifche Rüchen-oder Stuben: Warme. Cinen guten gemei⸗ 
nen Meth zu machen/ nehmen die Methfieder zu einem Iheil Honi 
achtmahl fo viel lauter friſches Brunnen⸗ Waſſer / fegens in einenfupf> 
fernen Keffel über ein helles Feuer / laſſens fo lange ſieden / bis ſich et⸗ 
wasauswirfft/ alddann verſchaͤumen ſie es wohl. Will man das Ge⸗ 
traͤnck friſch hinweg trincken / ſo muß mans nicht zu dick einſteden laſ⸗ 
ſen / will mans aber eine Zeitlang verwahren / fo: Läffet man den Meth 
ſo lange ſieden / bis er klebig wird / dann thut man ihn in ein Faß / wel⸗ 
ches auf zween Finger breit leer und kedig ſtehen muß/ dann der Met 
ähret gleich den Moſt. Diefer gemeine Meth iſt vor ſich felbft als 
lein ein guter gefunder Trauck / wer ihn aber will viel ſtaͤrcker und ges 
wuͤrtzet haben / der mag Cancel oder Zimmet-Rinden / Mufcaten- 
Blumen und Ragelein / Ingber und Galgant in ein Tüchlein vernd> 


het / davein hängen / auch der Farbe halber etwas Saffran nit darzu 


thun / und alfo mit einander verjähren laſſen und waun der Meth alfo 
verjähret/ foll er 3. Monat lang hart verftopffet liegen bieiben/und her» 
nach getrunden werden. An etlichen Orten wird er auch in der zuge» 
fpundeten Tonne eine Zeitlang in die Erde vergraben/ darinnen Ver» 
leuret er den Geruch und Geſchmack des Honigs und Wachfes / und 
unterſtehet jich hie durch im Geſchmack dem Wein zu vergleichen/ und 
hat diefer Handgriff der in der Erden gefchehenen DigcNion feine na» 
türlicheecheblie Urſachen. 

Einen andern beſſern und viel ſtärckern Meth zu machen / Verfahren 
viele alfo: Es wird des beften Honigs 40. Pfund genommen/Kegen/ 
Brunnen oder flieflendes Waſſers drittehalb hundert Pfund / diefes 
läffet man mit einander in einer Fupffernen Bran- Pfanne auflieden 
und kochen / bis ungefehr auf die Helffte / oder ein wenig darunter/ und 
alsdann lauwarm werden / danach gieffet man alles in ein Wein- 
Faß / das inwendig mit Sauerteig beftrichen/ oder aber manthut un» 
gefehr ein Roͤſſel fauer Bier/ oder foviel zur Jaͤhrung und Reinigung 


noͤhtig iſt / darein: etliche nehmen aud an ftatt des fauren Bierg 


ein: Moft auf den vierten Theil fo viel als Meth ſeyn mag/ desglei⸗ 
chen ein gut paar Handvoll Hollunder⸗Bluͤht / oder ſchũtten ein WMein⸗ 
| Römer 


— — — 


Met 849 


Roͤmer voll Hollunder⸗ Safft darzu / und alsdann nähen fie inein 
nach laͤnglichter Geſtalt formirtes Leinenes Saͤcklein folgende Ge⸗ 
wuͤrtz / und hängen ſolches in den Meth / nemlich Caneel oder Zimmet⸗ 
Rinden 4. Loht/ Nägelein anderthalb Loht / Pfeſſet / Ingber / Para» 
dis⸗ Koͤrner / jegliches ein Loht / alles groͤblich zerſtoſſen / laſſen hier⸗ 
auf den Meth einen Winter über in einen warmen Keller wohl zuge: 
fhlagenliegen / im Sommer aber bey 6. Wochen an die Sonne / fo 
berlieret ſich der fülle Honig · Geſchmack / und wirdfafteinem Wein 
—— man mag ihn alsdann in eine andere Tonne abzapffen / daß er 
av und lauter werde / und dabon trincken / ſo hat man einen ausbuͤndi⸗ 
gen/ koͤſtlichen und ſtarcken Meth / daß ſich über feine Güte nicht ge⸗ 
nugſam zu verwundern. Es wird bey Tonnen verkaufft / wiewol die 
Handlung damit in Teutſchland nicht ſo conſiderabel als in Pohlen 
und Moſcow iſt. udeflengibt doch dev Meth und das Bier fo viel 
ern) daß in — Land den Einführen fremder und koſt⸗ 
ev Weine/ dadurch groſſer Abbruch gefchiehet / und esalfe in vie⸗ 
len Stücen ander Menfchen Fleiß nur lieget / durch Kunſt zu erfegen/ 
was etwan die Natur vermeigerthat. 
Etliche nehmen an fkatt des gemeinen Waſſers Bircken⸗Gafft / ande» 
re thun auch Safft von Kirfchen darzu / und neunen ihn hernach einen 
Kirſchen⸗Meth. 
Einen gewuͤrtzten Meth zumachen / nimmt man zu einer Tonne fol» 
gendes Gewuͤrtz / Jugber 5. Loht / Zimmet / Paradis-Körner/ ſchwar · 
hen ana 4.20ht/ Gewuͤrtz⸗Nagelein / Cardomomi / Veilwurtz 
ana ⸗. Loht / Muſcaten⸗Ruͤß . Wentien / dieſes alles klein geſchnitten / in 
ein Buͤndlein gebunden / und in das Faß gehängt. Item, nimm 
Kraut von Iſop / Salbey/ — — Wohlgemuht / Ehrenpreis je⸗ 
des eine Handvol/ Wurhel von Lackritzen⸗Holtz 6. Loht / Fenchel / Huff⸗ 
lattig / Alaut / ana 2. Loht / Saamen von Anis und Feuchel ana ein 
Loht / altes groͤblich zerſchniten / und in ein Bundlein gethan / alsdann 
nimm Honig ı. Theil / Brunnen⸗Waſſers. Theil/ koche es zuſammen / 
ſchaͤume die dicken Feces ab / und hängedas Buͤndlein darein / laß es 
wohl mit einauder kochen und abſchaͤumen / bis ein friſches Ey darauf 
ſchwimmet / geuß es dann durch ein Tuch / und thue es in ein Gefaͤß / in 
welchen zuvor Wein geweſen / nach dreyen Tagen / ſo du den Meth 
Aromatıfch haben wilit / ſo haͤng in einen Buͤndlein darein des beſten 
und ſcharffften Zimmets / Gewuͤrtz⸗NRaͤgelein / Galgant, langen Pfef⸗ 
fer / Paradis-Körner / ana ein Loht / laß alsdann unter einander 
fermentiren und gaͤhren / bis er wohl depurirt iſt / alsdann Fülle das 
Fãßlein zu mit andern Meth/ ſo duin Flaſchen aufgehaben haft / ma⸗ 
che es zu mit einem Spund / doch ſo / daß der Nodulus mit denen Aro- 
matibus dariun bleihe/ lege es als dann — / fo haft du = 
3 herr⸗ 


— Ze 
— — — 





850 Met ‚1 
herrlichen Tranck / welcher in Bruft-und Blteder-Rrandheiten/ ſon⸗ 
derlich bey alten Leuten/ fehr heilfam zu gebrauchen. Noch mehrere 
Gattungen von Meth werden in des Elsholti Dizteticon folgendere 
maffen erzehlet: Al3Medo Helenites Aland-Meth / Zedoarites Zitte 
mer: Meth / Medo Aromatites Gewuͤrtzmeth (dabon oben fchon ge= 
dacht) Medo Anglicanus five Metegla der engtlinket / Meteglin , 
welchen Tranck L.obelius Theriacam alteram five ligvidam Septen- 
trionalium nennet / indembey nah so. abgetruckneie Geſundheits⸗ 
Kräuter hinein kommen / Medo ex Rubo idæo. SHimbeer-Meth/deffen 
Bereitung Olearius in feiner Perflanifchen Keiß:Befhreibung er= 
zchlet/ nemlich fie thun reiff Hinbeeren in ein Faß / gieſſen rein Waſſer 
ta auf/laffenes ı. oder. za alfo ſtehen / a sdann ziehen fie fol 
Waſſer von den Hinbeeren ab / rühren in daffelbe rein Honig / etwan 
zu z. Runnen Waffer eine Kanne — werſſen ein Stüdlein geroͤ⸗ 
ſtete Semmel mit Hefen oder Bier⸗Jaͤſcht beſtrichen darein / neh⸗ 
mens aber wieder herans / ſo baldals der Weth beginnet zu jähren/ 
welche man alddann 4. bisr. Tage in ſolcher Jaͤhrung laffen muß / als⸗ 
daun in die Kühle rücken / und von den Hefen abziehen kan ; will man 
folchen e nen Gewuͤrtz⸗ Geſchmack geben / hängt man etwas Gewürg 
darein. Auf ſolche Weiß kan auch Kirſch⸗und Brombeer-Meth ge⸗ 
macht werden. Medo feu Hydromel ſpirituoſum Malbaſier⸗Meth 
und Medo ſeu Hydromel paſſulatum Roſin⸗Meth / deren beyde ihre 
Compofition in dem obangefuͤhrten Diæteticon P- 304. ausführlich 
zu erſehen. 

Metter / Metterich / Matricaria, Matronella, 

Meuchelfraur/ Adianthum album, ruta muraria. a 

Meum, Meu,Daucus Creticus, Tordylum, Sefeli Creticum, Baͤr / 
Hertz⸗vder Mutter· Wurtz / iſt ein Gifft⸗ treiben des Kraut / ſo auch dem 
Haupt und der Leber ſehr dienlich / wie es dann auch unter den The- 
riac und andere Compofitiones genommen wird. 


Meum Paluftre, Olfenichium, Daucus Paluftris, wilder Eppich / 
die Wurtzel dabon widerſtehet den Gifft / und treibet den Gtein. 

Mexyr / Blitamalbummajus, meiffer Meyr / der. groffe iſt von 
ſchlechter Rahrung / und faſt eine Bauren⸗Purgantz / bon dieſen unge⸗ 
ſchmackten Kohlkraut wird ein dummer abgeſchmackter Menſch von 
denen Comicis, Bliteum genaunt. 

Meyxs / vide Mays. 

Mezereum Laureola Maj. Daphnoides, Kellerhals / Seidelbaſt / 
wird auch genaunt Chamelæa oder Mezereon Germanicum Daphnis 
alters, iſt eine Staude / deſſen Beerlein Cocognydii oder grana Cni- 

. dia 


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* 
Mic 851 
dia genannt werden. Diefe Beeren feynd erſtlich roht / hernach 
ſchwarh / und wie Pfeffer fo beißig und ſcharff / der Gefhmad der 
Kinden Hatfaft die Natur des Euphorbii und Cataputiz, fie purgiret 
mit Ungeftühn allechand Ligvamina, wird aber wegen ihrer chen⸗ 
den Krafft feltengebraucht. 


Microfcopia Vergröfferungs-Gläfer / And mit Fug und Recht 
unter die curieufeften Mathematifchen Inftrumenten mit zu vechnen/ 
fonderlich/ da ſich fo viele gefchichte und gelchrte Leute gefunden / die 
(ich bemühet haben ſolche Inftrumenta zu ihrer Dollen ommenheit zu 
dringen. Unter folchenfeynd vornehmlich) berühmt Tortonus,Cam- 
panus, Cherubin d’Orleans, rang Grindel don Aacken / der Herr 
von Tſchirnhauſen / Leyen Hoeck und Hoock, Es laſſen ſich aber 
alle Nicroſcopia fuglich in 2. Claſſen eintheilen/ daranter die erſte al⸗ 
te diejenige begreifſt / die nur aus einen Glas beſtehen / die andere 
aber diejenige / welche zwey und mehr Gläſer haben die in einem 
Roͤhr zuſammen geſetzet ſnd. Andererfien Art ſind die Vergroͤſſe⸗ 
rangs· Glaͤſer in runde Rahmen eingefaflet/ die fo tieff ſeyn / daz man 
das Aug wohl hinein legen kan; ſolcher Glaͤſer find viel unterſchied⸗ 
licher Groͤſſe beyſammen / deren groͤſtes einen halben Zoll breit / das 
kleinſte aber fo groß iſt / als ein Ruͤ faamen ⸗Koͤrnlein; jekleiner die 
Gtäfer (Ind / je mehr bergroͤſſern ſie hingegen aber Fan man fo viel 
weniger aufeinmahlfehen Die andere Art von Microfeopiisbeftehet 
in einen Loch durch ein Stuͤck Holtz alfo gebrochen / daß man beguem 
durchſehen kan hinten hat das Hoitz auf beyden Seiten eine Ruth / die 
Sialer berẽ an der Zahlıs. das gröfte aber nicht viel groͤſſer iſt / als das 
kleinſte bey der vorigen Art / ſeynd in Meßing —* gefaßt / welches 

an geheb Fan in vorbeſagte Ruth geſchoben werden; das Obiectum 
an gleich wie in der vorigen auf ſpihigen Nageln angeſtecket / und mit 
Schrauben hoch und nieder gevegieret werden / da dann eines Mens 
ſchen Haar faft Fingers dick daranferfcheinet. Die dritte Art ftellet 
des berühmten&ngeländer Hoocks fein Fünftliches Mieroſcopium bot / 
diefes beftehet auss. groſſen Glaͤſern / die in einer Köhre zuſammen 
die Röhre iſt mit Schrauben folcher geſtalt aufein Brett be 
eftiget/ daß man ſie nach Belieben richten Fan / wie man will: nicht 
weit von den Poftementgen/ worauf die Obje&ta geleget werden/ ſte⸗ 
het eine gläferne Kugel / die mit Waſſer angefühet wird / Hinter ſolche 
eine Lampe / und hinter der ag ein holer metallener Spiegel / wauu 
gun die Rampe angeſtecket wird / ſammlet der hole Spiegel ihre Strah⸗ 
fen/ und wirfft fie auf die mit Waſſer gefüllte Kugel / alwo fie noch eu⸗ 
ger zuſammen gebracht/ und alfo miteinen fehr hellen Punct aut das 
Objetum gemorffen werden/ alſo / daß es dadurch fo Helle wird / als 
von der Sonn am Mittag. 9hhh 4 Mie⸗ 


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852 Mie 

Mieten / Conducere, Franhoͤſiſch Loüer, heift / wann einer fein 
Schiff / Haus / Zimmer oder Gewoͤlb But oder Arheit/ einen andern 
zu feinen Rugen und Gebraud) / um einen gewiffen Ruten oder Lohn 
hinzuleihen bewilliget/ und ift dergleichen Contract in Vielen Stüden 
dem Kauffen und Verkaufen / weil ſich beyde Theil in biefem um das 
Kauff-Pretium in jenem um das Micht- Geld bergleichen/ da dann/ fe 
bald dieſes abgeredet/ der Contradt gefchloffen iſt / eöwäre dann dag. 
beyde Contrahenten unter ſich abgeredet und bedungen/ daß erſt nach, 
Beſchluß der Vergleichung / der Miehter oder Coñductor dasjenige 
geben folte/ was ſie ſich mit einander würden bertragen koͤnnen / in 
welchem Fall es ein Contractus innominatus zu nennen wäre; glei— 
chergeſtalt wäre auch ein folder Contra&t innominarus , warın der 
Zins vor das Haug / oder der Lohn dor die Arbeit / welcher fonft in Geld 
ſolte zu geben verſprochen werden / mit einer andern Sache vergnüget 
wird / es waͤre dann / daß ſtatt des berſprochenen Geldes dergleichen 
Sach vder Ding hernach in folutum gegeben würde / Conf.1, 9,C. 

de refcind, vend, add, 1,57. # defolur, — — 
Von den Vermiehten insgemein if zu wiſſen / dat wann llegende Gũ⸗ 
ter / Haͤuſer / Keller / Boden oder Gewolber bermiehteh werden der 
Verleihet ſu.) ſchuldig ſey / das Hans oder andere Gebau und Giter/ 
ſo er vermichtet / den Michtmann in einen ſolchen Stand zu liefern/ 
dap er den Gebrauch deſſelben berſprochener maffen haben Fönne/ dan» 
genherd muß er ſolche Bebäu in baulichen Wefen unterhalten / und 
mann er ein fremdes Gut bermiehtet hat / weiches vor Ablauf der 
Padt- Fahr evincivet worden, in ſolchein Fall muß er demPachter die 
Gewähr teiften/unddhm allen Schaden / nebeuft dem Interefle erſe⸗ 
Gen/ per.l.ss.8.1.t,locad, So imuß er auch (2.) wotern der Con- . 
ductor wegen des ——— Guts durch fein des Locatoris Schuld 
Schaden leiden ſolte / (als z. E. daß er das bermiehtete Zimmer nicht 
wohl bor den Regen oder Feuer bewahren laſſen) ſolchen Schaden er⸗ 
segen. (3. Iſt der Locacor ſchuldig / die bomCondudtore nohtwen⸗ 
EN oder dem Gut zum beften (nicht aber Die aus Luſt) gethaue Bau: 
ofen zu erſetzen geſtalt auch derConductor dag Jus retentionis (je: 
doch / daß dem Locatori der Güter fich anzumaffen undfolche zu be⸗ 
fellen/ nicht verwehretiwerde/ Mev. 7 Decif, 168. biß zu feiner Befrie⸗ 
Digung / wann die aufgemandte Unkoſten ligvid und richtig ſeyn / ge⸗ 
air Fan; wären aber ſolche ılligvid. und nicht fofort erweißlich / 
To müftever Pachter gegen einer genugfamen Veriherung das But 
dem Locatorieimäunen/ item Mev.Decif,23. Endlich und(4) muß 
der Locator die Miehte anshalten/und darff ev den Pachter dor Ab- 
lauff der berglichenen Zeit regulariter nicht vertreiben / wiewol Dies 
ſes feine Abfaͤlle darinnen hat / wann.) der Wiehtmann den — 
— Ka Ä enen 


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ſenen Haus · Zins nicht entrichtet / noch zu entrichten erbötig ift/ (2.) 
wann ev das bermiethete Haus oder But fo uͤbel und ungebükrlid) hiel⸗ 
te / daß deflelben Abfall und Berringerung ſcheinbarlich vor Augen / 
als3.C.einKauffmann befchwerte einem ihm vermiehteten Boden fo 
übermäßig mit Korn / daß die Balden davon zu brechen beginneten/ 
oder er legte Theer und Pulver/ die leichtlich brennen’ an ſolche Der» 
ter / da ſie doch an feparirte Derter don andern Bürgerlichen Häufern 
behörten hingebracht zu werden. (3.) Kan aud ein Cigenthämer 
den Miehtsmann austreiben / manner das Haus / fo es anders nicht 
verfallen ſoll / unumgaͤnglich bauen muß / foldesaber nicht gefchehen 
kan / wann der Miehtsmann darinnen bliebe. 4.) Wann den Ber: 
miehter oder feinen Erben und Kindern eine ſolche underfehene doc) 
kündige Noht / ohne ihre Schuld vorfiele / daß ſie ihr Haus felber zur 
Wohnung brauchen müften/ und felbiges nicht entrahten könnten ; Es 
darff aber der Loe ator den Pachtmann eigenmaͤchtig nicht austreiben/ 
ſondern muß ihn dieſerwegen gerichtlich belangen / geſtalt auch / waun 
der Conductor caufam expuſſionis läugnet / ihme L.ocatorı folche/ fo 
viel die drey legtere oberzehlte Urfachen anbelanget / zu erweifen ob⸗ 
lieget/ vide Carpz. 2,37, 6. obaber der Locator des Rechts / den Pach⸗ 
ter aus zutreiben / durch eine Renunciation ſich begeben tönne / ſolches 
wird affirmiret; was den vierten Fall betrifft / ſo gar / daß auch des 
Vormundes Renunciation den Pupillen im Weg ſtehet id. Carpz. 
cit,locol.d 7. Dahingegen tan auch dev Pachter oder Miehtmann 
vor Ablauff der bedungenen Zeit den Pacht auffündigen und fahren 
laſſen / oder auch Erlaffung ded Pacht: Geldes fordern/ wann (ich nem⸗ 
lich etwas undermubtetes zutraͤgt / wodurch er den völligen Gebraud) 
des gepachten Guts verhindert wird. Ban auch nach dem gemet- 
nen Sprihwort: Kauff gehe vor Miehte / ein Miehtsmann noch 
vor Ablauff feiner Mieht⸗ Fahr zu weichen ſchuldig ift / wann der Ei» 
genthuͤmer oder 1.ocator ſolches Haus verkauffet hätte/fohat Doch der 
Miehter auch desfalls das Recht / ihn den Locatorema ad ıntereite zu 
belangen/ das iſt / dap ſolcher ihm gut thun muß / den Schaden/ dener 
der Condudtor dariiber leidet / daß er jetzt bor der Zeit muß auszie⸗ 
Ta es ſeynd auch gewiſſe Fuͤlle / da der Pachter zu weichen nicht 
ſchuldig ift/ als wann (i) dev Verkäufer es ausgedungen hat/dap der 
Käuffer den Conductori den Pacht aushalten fol. (z.) Wann zu 
Verſicherung deöPachtö-Contradtsder Locator die verpachte Guͤ⸗ 
ter zum Hypotheceingefeget hat. (5.) Wann dad Gut fub halta er» 
kaufft ift/ vid. Synt. Cıv, Ex. th. 27. 
Es ift aber ein jeder Beftänder oder Miehter verpflichtet / (1.) des 
Hauſes oder gemiehteten Gutes ſich manierlich zugebvauchen. (2) als 
waun ed fein eigen wäre/ dabey zu tr daß ſich kein Schaden da⸗ 
Hhh⸗ gu 





854 Mie 


zu eräugne/ entftunde aber ein ſolcher bloß durch Unterlaffung der groͤ- 
ften Vorſichtigkeit / welches man im Rechten Culpam levislimam nee 


net/ foifter davor zu ftehen nicht ſchuldig / noch weniger aber / wanı 


ohne feinen Unfleiß oder Verwahrlofung ein unverſehener Zufall vom 
Zeuer oder Waſſer / oder andern dergleichen/ denfelben zugeſtoſſen / es 
wäre dann / daß er ſolchen ausdrücklich uber ſich genommen / oder des 
Schaden von des Pachters Leuten (welches aber der Locator bewei⸗ 
fen muß) wäre verurſachet worden / oder er ſelbſt Urſach zur Feinde 
fchafft negeben/ und den gemiehteten But dadurch Schaden zugekom⸗ 
men wäre/ videl. 25.8.4. & l. 41. locati. 
ann ein Mieht-oder Adursmann ein gemichtetes Haus oder Gut 
nicht länger zu bewohnen oder zu gebrauchen Luft haͤtte und doch 
gleichwol feine beftimmte Haͤur⸗ Zeit noch nicht verfloſſen waͤre / ſo kau 
er ſolches wol andern anſtaͤndigen Perſonen uͤberlaſſen / es waͤre ihm 
dann ſolches im Contractausdrucklich verboten / in jenen Fall a 
muß er jedoch allezeit vor das Mieht · Geld und allen Schaden / der 
den Beftand Gut könnte zugefüget werden / ſtehen / und denfelben dent 
Locatori gut machen. 
So lang ein Miehtmann das gemiehtete Haus / oder ein fremder 
Kauffmann das gemiehtete Gewoͤlb / Keller ober Boden beſitzt / ſo haff, 
ten alle deſſen eingebrachte fahrende Haab und Waaren dem Locato- 
ri ftillfchwweigeud vor den Zins / obgleich ſolches in den Yacht » oder 
Haur· Contract nicht ware bedungen worden. 
Gine fonderbare Cautel in Miehten und Vermiehten iſt auch diefe / 
daß man nlemahls einen Mieht-Contradt über 9. Jahr mache / weil 


fonft dev Rechtögelehrten Meynung nach / einjus reale aufden Con-_ 


dudtorem gebracht wird / dahero nicht unbitlig diefe Clauful, wann et» 
wan einer ein But auf Lebenslang gemichtet haͤtte dem Mieht-Con- 
“ era&t Fan inferiret werden: daß zwar der jet«getroffene Mieht-Con- 
traat, folange als der Michter leben würde / beftändig feyn follte/ jeo 
Doch mit diefen Beding/ daß alle neun Jahr der Contract folte renovi- 
vet werden. 
Eine andere zu inferirende Cantel {ft aud) diefe: Golte etwan ber 
Miehter bey währenden Miehts⸗Jahren das Gut / Haus oder Ges 
mölb/ ac. einen andern fublociren wollen / fo fol ihm ſolches anderer 
gan nicht frey ſtehen / als wann vordere ber $ub-Condudtor ihme 
eml.ocatori, neue Verſicherung bey Verpfändung feiner Haab und 
Güter wirdegeftellet haben. Ä 
Item , fönnteman auch (um den Miehtsmann zu defto richtiger Ein⸗ 
haltung mit Bezahlung des Haus-oder Gewoͤlbs⸗Zins zu verbinden/) 
Dem Contradtinferiren / daß fo entwan der Miehter alle halbe Jahr 
Dieverfprochene Pacht nicht richtig würde abtragen / als daun den 


Ders 


Mi Min 855 


Vermiehter frey ſtehen ſolte / ihn ſofort aus denen vermiehteten Guͤ⸗ 
tern eigenmaͤchtiger weiſe zu depofled'ren und auszutreiben. Gin 
mehres de Cautelis circa Contractus locationis & conductionis iſt bey 
dem Hn. Stryckio Sect. II.c. IX. zu leſen. 


Milchen / Sonchus laciniatus, Sonchus afper. 

Milchgloͤcklein / Campanula ladaria, ſeu lacteſcens. 

Milchſtein / Lapis lacteus, galactides, vide Murochtus 

Milchwund⸗Zrant / (onſolida lactaria, Pulmonaria Galliea. 

Milum, Hirſen / eine bekannte Frucht: der davan mit Waſſer und 
Wein gemachte Tranck / ſo Decoctum D. Ambrofii genennet wird / iſt 
gut den Waſſerſüchtigen / mit Stein-Schmergen geplagten und de⸗ 
nen Gebaͤhrerinnen. 

Milium Solis, Lithofpermum, Lachryma Marix Saxifragia Ter- 
ia, Meer:oder Perlen-Hirfe / Perl» Kraut; der Saame dabon 
bricht der Stein/ treibt die Monat-Zeit/ Geburt und Afiterbürde. 

Millefolium, Schafgarbe/ Garbenkraut / Taufendblum; Seine 
Blätter und Blumen dienen vor die Blurflüfle / Auslauffen des Saa⸗ 
mens/ Blutfpeyen und Brechen ; feynd auch aͤuſſerlich gut vor Ge- 
ſchwulſt und Entzundungen. 

Mille gran, Maj. Herniaria, 

Mille morbia,Scrophularia major. 2 
Miltʒ⸗Kraut / Scolopendrium verum, Ceterachium, 

Milzatella urtica mortua, . 

Milium Solis Meerhirſch / davon ift nur der Saamengebraͤuchlich / 
deren wir zweyerley Gefchlecht haben / Klein und groß / davon doch 
nurder Heine im Gebrauch / iſt Schnce weiß wie Perlen anzufchen/ 
dahero ed aus Perlenkraut genennt wird. | 

Minera heißt die Erde / aus welchen die Metall und Mineralien ent» 
fpringen- | 

Minera martisfolaris, Gold · Erde / item ihrer-Eyer- Form halber 
Ovum Philofophicum genannt/ iſt ſchwartzgrau / mit glaͤntzenden Ertz 
ftüclein vermiſchet / und hat einen Virioliſchen Gefhmad. Die chy- 
miften machen eine Tincturam dabon / welche fie Tincturam-Martis 
Solarem nennen/ und abfonderlich den Frauen» Bold wider Berftopf- 
fung der monatlichen Reinigung Hülffe leiften fell. 


Minerälia insgemein laffen fich zu ihren fo viel leichtern Begrift/ 
gar füglich unter gewiſſe Farben bringen / und ſolcher geftalt fo viel 
Leichter keñen lernen. Als da ſeynd etliche Arten dev Waſch. Erde / Alaun / 
Federweiß / Sperrglas oder Frauen · Eis / Mellitkes, en 
aba⸗ 





256 Ä Min 

Alabafter/ Diamant) Silber/ Qvediilber/ Zinn und Marmorftein/ 
weiß von Farb / die Terra Pingiti, Jeat, ſchwartz Atrament, (Sorii) 
blau⸗grau Atrament, (melangerica) ſchwartz oder Aſchfaͤrbig / als die 
Eritrianifche und Meliſche Erde / oder blau als der Saphier / der Cya; 
neus lapis, der Tuͤrckis / der Lafur-Gtein und lapis Armenus, oder 
grün/ ald der Smaragd/ der Prafem : dad Berggrüm oder Atineas , 
eine gewiſſe Art Kreide / und der Vitriol oder das Kupffer-Waſſer: 
Belber Farbe ift dad Gold / Berggelb/ der Chritopras , der Chrifo- 
lith und das Operment. Roht ſeynd der Kubin/ der Branat / der 
Ballafs, der Carneol, derrohte Berg - Schwefel / die Corallen / Schi- 
ftum, der Blutftein/ das Kupffer / die Mennige/die Lemmiſche Erde / 
und der Röhtelftein. Purpurfärbig feynd der Syacinth und Ame⸗ 


thiik; Richtgran ft der Jafpis) fo auch Boria genennet wird / dag 


Spangrün und der lapis Armenius oder Ultramarin. Weißroͤhtlich 
ift Aphrodifia, rohtweißlich Xanto. Zwiſchen ſchwartz und roht iſt der 
Kroͤten⸗Stein oder ſchwartz und etwas Purpurfaͤrdig der Alabandico. 
Gelb weiß iſt der Topas. Der Aphito hat rohte Adern auf einen 
ſchwartzen Feld zerſtreuet / und hingegen der Naſomonte —* 
Adern in rohten Feld; der Sonnenwende⸗Stein hat in feinen ſchoͤ⸗ 
nen grünen Weſen Adern/ ald das veinefte Blut / und in den Sapht⸗ 
ren und Laſur⸗Stein feynd recht Bold-glängendeStrahlen zu fehen/ 
zwey Adern/ die eine weiß / die andere roht / gehen * durch die 
Subftang der Egitilla. Der Opal hat4. Farben / nemlich blau / Feur⸗ 
roht / grumund Pfirſchbluͤt oder Apffelfarb. 
Von denen Kraͤfften / Tugenden und Wirckungen derMineralien 
ſchreibet Alonſo Barba in feinem Berg:-Büchlein am 35 Capitel / daß 
etliche Mineralien durd) ihre verborgene weſentliche Eigenſchafften 
oder ſpecia Form / andere vermittelt ihrer Elementariſchen Eigen⸗ 
ſchafften / ſo denen Eigenſchafften der Kranckheiten zu wider ſeynd / 
würden. Von der erſten Art ſeynd der Smaragd / die Lemniſche 
und Armeniſche Erde / welche der Peſt widerftehet ; der Saphier ein⸗ 
genommen / dienet wider den Biß der Scorpionen; Schwefel/ Sal⸗ 
peter und Vitriol ſeynd gut wider die gifftigen Schwäinme ; Saltz 
Pflafter weiß gebraucht/ ift gut wider den Bif der Nattern und Scor⸗ 
pionen / eingenommen ift ed gut wider dad Opium und gifftige 
Schwaͤmme. DBondenen Mineralien, die durch eine verborgene Ei⸗ 
nichaft heilen / ſtillen etliche das Blut / fo auseinen fonderbahren 
heil des Reibes flieffet/als der Blutftein; andere ftärden den Ma⸗ 
r / wann ſie an einen Faden an den —— / ald der 
aſpis; norh andere/ wann ſie au den lincken Arm gebunden werden/ 
Verhuten die Mißgeburt / wie der Adlerſtein; und ſo er auf den lin» 


fen Scheuckel gebunden wird/awärdererdas Widerfpiel/ gleich = 
ı Ä au 


Min 857 


auch der Jafpis ; andere purgiren die grobe Feuchtigteiten / wie der 
Magnet; andere die Melancholey / wie der Lapis Armenus oder Ci- 
bairo: andere erregen ein Erbrechen) ald der eben jegt-gemeldte La- 
pis Armenus, imgleichen dad Vitriol und der Pracipitat. , 
Unter denen / die durch die Elementarifche Eigenſchafften würden 
(wiewol faft alle Mineralia austrocknend feynd ) erhitzen etliche den 
Leib / als der Alaun/ Vitrio!, Calehitis, Mifi, Sori, ſchwartz Atrament 
und Grünfpan ; anderefühlen denfelben/ als die Eritrianifche Erde / 
—— oder Antimonium, Bleyweiß und Glaͤtte; andere durch 
ihre andere Eigenfchafften/ die ſie haben/ erweichen harte Dinge/ wie 
der Gagat-Gtein/ weiter fo viel Bergharg ben (ich hat; andere im 
Begentheil echarten die weiche Theile / ald das harte Bley und das 
Gpießglas : etliche öffnen die Schweißlöcher der Haut/ ald Galpeter 
und vertreiben die Schuppen deflelben; andere verſtopffen die Lufft- 
Löcher / ald die Samiſche Erde und alle andere Erden thun / die 
da ſchleimicht und zähe feynd ; etliche vertreiben Die Wargen und Ge⸗ 
ſchwuͤr / und die Beulen am Leib / ald der Mühlenfteinund der Marca- 
fit oder Kiß;, audere heilen Wunden / als der gebrannte Vitriol, Mi-, 
fi und Alaun; andere zerfreflen das Fleiſch / als das Pulver des 
Steins Afla, der Vitriol und Gruͤnſpan, etliche machen das Fleiſch 
fauber und rein / als der lebendige Kalch / Opermenr, rohter Berg⸗ 
Schwefel / Sandaraca genannt / und Berggrün. Der Mercurius 
fublimatus, Operment, rohter Berg- Schwefel und lebendiger Kalch 
feynd ein Bifft/ weil fie die Gedaͤrme zerfreffen und in Fäulung brin« 
gen als auch der Bips / Bleyweiß und calcinirter Talc , weil fle die 
ucchgänge der Beifter verftopfien / bringen fie die Menfchen durch 
Erſtickung ums Leben. 
„  Minesheiffen Frantzoͤſiſch die Bergwercke / aus welchen Metall ger 
graben wird/Lateinifch Fodinz. 

Miniatur: mahlen/gefhicht mitSafft oder Zuder-Candi- Farben 
auf Pergament/ und beſtehet in lauter Fleinen wohl zuſammen geſetzten 
Puncten/ aus welchen endlich das Contrefait, oder was man fonft bor« 
ſtellen will / zierlich und lieblich hervor bricht- Vide Mahlen. 


M:nium, Menning/ wird aus Bley gebrannt/ und eingetheilt in 
feine/ ntittelmäßige und fchlechte Menninge. Sie führet etwas Gifft 
mit fich/ welches ihme aber meiften-benonmmen wird; die Menninge 
wird nirgends ſchoͤner und zärter gemacht/ ald zu Rürnberg/ derglei⸗ 
chen Hütten nicht viel im Roͤmiſchen Reich zu finden. Es wird auch 
Schöne Menning in Engeland bereitet / die aber ſehr grobift; Man 
bat auch einen Bley-Zuder/ welcher gangfüg und weiß / aus derMen- 
ning gemacht/ und in den Gewoͤlbern Pfundweiß verkauffet wird, a | 

" oll 





858 Min Mil 
——— — EN — 
ſoll auch ein Minium in Spanien wachſen / allein ob ſolches in der Kraft 
und Wirckung als der gemachte ſey / ſtehet dahin. Die Menning / ſo 
man gin Ruͤrnderg machet / wird fehr viel unter das Ruͤrnbergiſche 
Pflaſter gebraucht: Cine gute Menning muß trocken / klar und ſchoͤn 
roht ſeyn. Die verfalſchte Menning oder Minium, wird gemacht 
aus Glaͤtte / welche ſich leicht zu einer Menge oder Menning caſciniren 
läßt, wann man nur zur Fermentation ein wenig Minium hinzufeßet/_ 
allein diefe Menge ift hartund unvein/weil die Glätte einen rohen irr⸗ 
diſchen Zufag von andern Metallen hat. Einige Betrieger miſchen 
auch wol unter Die Menge geftoffenen Röhtelftein / oder hochroht Zies 
elmehl / allein der Pinfel mit ein wenig Del macht es bald offenbar; 
o iſt auch die vechte Menning fubtil im Reiben aufden Reibſtein / und 
hoch von Farbe / die baren hart und heßlich. 

Minutal, ein Gehacktes / aus Kraut / Fleiſch und Fifch / wie beym 
Apicio Minutal Tarentinum , Mariannum , Varium beſchrieben 
werden. Ä 

Mifchio, eine Art eined Marmor⸗Steins / welcher bey Verona in 
den Steingruben gefunden wird: feinen Rahmen hat er von Ver⸗ 
mengen / weilergleichfam aus unterfchiedlichen Steinen zufammen 
geleintet oder gefroren ift / woraus hernach Die Zeit und das Waſſer 
endlich ein Stud machen. Geine Farb ift purpurhafftig/ mit weiß 
fen und gelblichten Adern / und ſcheinet / als wann die Natur vor au⸗ 
dern in diefen Stein mit der Bielheit ihrer Farben fpielen wolte. Die 
Egyptiſchen / und die aus der Zuful Chiofommen/ follen noch ſchöner 
als die Italianiſchen von Luftre und auch härter feyn. 

Miſpel / Miſtel / Vifcum Vifcus, 

Miſpel Baum / Æſculus. 
— —— weiſſe gläugende Berg-Art/ aus welcher Rauſch⸗ 
Gelb gemacht wird. | 
Millitia, werden die ben groffen Solenrüfäten unter dad Volck auß* 

eworffene Müngen und Gedächunif-Pfenninge genennet / über wel: 
F derjenige/ dem ſie alsdann zufallen / fo gleich das Eigeuthums⸗ 
Recht erlanget. Vide im Gegentheil verlohrne / item gefundene 
Sachen. 

Aiſtio, mixtio, mixtura, miſtura, eine Vermiſchung unterſchied⸗ 
licher Specierum zu einer Maſſa oder Hauffen; als ich Vermenge Flo- 
res, Ligna, Folia, allerhand Gewuͤrtz / 2, unter einander. 

Miſtmilten / Atriplex fumaria. 

Mifi, ift ein Goldfarbes Mineral, und glänget voll Bold «gelber 
Düpfelin; es waͤchſet über ben Chalciti nicht anders/ ald wie Gruͤn⸗ 





ſpan 


m — — — — * 
Mit Mod 859 

aus dem Kupfſer / ja es iſt gleichſam die Blume des Chalcicis, 

as Cypriſche Mihi wird den andern vorgezogen / iſt dem Gold gleich / 


und glaͤntzet wie die Sterne. Man findets auch bey einen jeden V- 
wriol, er mag naturlich oder bereitet ſeyn. 


Mithridat / Michridatum , eine vortrefliche Arkenen wider den 
Bifft/ welche von dem König in Ponto Mithridate, der ſolche zu erſt zu 
machen erfunden/ und täglich gebrauchet/ ihren Rahmen führet. Wie 
dann auch diefer König durch den Gebrauch diefer Gifft-Latwerge feiz 
ven Leib dergeftalt vor den Gifft preierviret / daß / als er hernach fol« 
chen nehmen wollen/ am fich dadurch dad Leben abzufürgen / damit er 
folches nicht in ſchaͤndlicher Gefangenſchafft zubringen müfte/ felbiger 
nicht würden wollen/ fondern es muſte Michridates, nachdem er feinen 
frengelaffenen Knecht gebeten / daß diefer ihm mit feinem Schwerdt 
—2 moͤchte / der Ruetht aber wegen feines Herrn Majeftätie 
fchen Anfehens / ſolchen tödlichen Streich wicht vollführen kunnte / 
felbft einen Dolch zur Hand nehmen/und ſich folchen eigenhändig in die 
Bruſt ſtoſſen. Es wird aber folhe Gifft-Artzney des Mithridarıs 
aus vielen Ingredientien eomponiret und zuſammen geſetzet / und 
zwar nach vieler Reichd- Städte Policey-DOrdnung/ in Gegenwart der 
Herren Stadt»Phyficorum und Medicorum, welche ein jedes Stuͤck / 
fo zu den Mithridar genommen wird/ fleißigexaminiren/ ob es frifch/ 

utund gerecht fen; dahero dann die Sn. Apotheckers und Materialis 

en/ welche dieſe bortreffliche Gifft-Lattwerge unter öffentlicher Auf⸗ 

ht und Authorität auflegen wollen / die darzu gehörige Matarialia 
aufdas fleißigfte faubern und mundiven; was aber Hümpler und 
GStümpler feyn/ welche das Licht ſcheuen / und entweder nicht alle zum 
Mithridat gehörige Materialia, oder felbige doch. nicht frifch in ihren 
Apotecken und Gewoͤlbern haben/ die machen offt ein Miſch Maſch zu⸗ 
fammen/ welche zwar das äufferliche Anfehen eines Michridars, keines⸗ 
weges aber deffelben Effect oder Würdunghat. 

Mittel⸗Baſilien / Ocimum medium five Citratum. 

Mixtio, mixtura, eine Berniengung allerhand Specierum unter 
einander. Vide Potio. 

Modell, feynd durch Runft:gemachte Sachen / welche ins Fleine oder 
uf Holg oder Papier vorſtellen / was hernad ins groffe ſoll ausge fer⸗ 
tiget werden. Es werden aber vornehmlich) Modellen über folgende 
Dinge gemacht: Als (1.) von Beftungen / fo von KHolg mit Geide 
überftäuber / von Wachs oder von Gips gemiachet werden. Neben 
der Arbeit ift auch darauf zu fehen / ob dadurch eine neue Erfindung 
oder eine Borftelluug einer wuͤrcklich lebenden Beſtung prafentivet 
wird, (2) Bon Gebaͤuden / deren Lob in ſchoͤner Arhen / — 

or⸗ 





060 Mod Mo 


Borftellung der Bau Materialien, accurater Obfervirung des Maaß⸗ 
Stabes / und cörperlicher Vorſtellung des Schnitzwerckes beſtehet. 
(3 ) Bon Michinen. (4.) Bon Waſſer⸗Künſten (5.) Bon Artollerie. 
Die ſe müffen alle nad) dem verjüngeten Maaß ⸗Stab in vollenkomme⸗ 
net Proportion ihrer Gröfle dasjenige thun / was bon den Groſſen 

feibfterfoudert wird. Die Modeile , welche die Kauffleute in ihrer 
Profeshon nöhtig haben / mochten bon Machinen feyn / als allerhand 
Hebzeug / Krannich und Winden/ die ſchweren Guͤter / Paden und 
Fäffer mit aus⸗ und in die Schiffe / aufund don denen Fracht⸗Woͤgen 
zuladen. Giehaben ferner nöhtig Preflen/ allerhand Zeuch und ü> 
cher zu preſſen; Mang- Wald-und andere dergleichen Muͤhlen ⸗Wer⸗ 
cke / welihealle unter dem orte Machinen ſchon weitläufftiger ange: 
führet und befchtiebenworden. Endlich möchte man auch dieüber‘ 
gerviffe Waaren / welche der Veränderung der Mode unterworffen/ 
gemachte Modellen, (neu⸗inventirte Blumen / Züge und Rancken zu 
den feidenen und auldenen Stoffen/ Spisen / Neben und Wirden ; 
wie dann über dieſe letztere ein eigenes fo genanntes Modell-Bud) in 
Nürnberg ausgegangen) mit darunter zuzählen / ſonderlich da der⸗ 

gleichen Modeil- einen Kauffmann der Invention und des Abzeichnens 
halber efft viel zu ſtehen kommen. 

Modelgeer/Cruciata, Gentiana minor. 

Mohatra Contradtus heißt / wann ein Kauffmann / oder Vielmehr 
ein Wucherer/ einen in Nohtſteckenden zwar mit Waaren auf Credit 
ausilfft/ folche aber ihme in ſehr hohen Preis anfcylägt/ alfe/ daß der 
Debitor, wann er wieder Geld daranslofen will / felbige weit wohl⸗ 
feiler geben geben muß / als er ſie eingekauffet hat. Vide de Contractu 
Moharra de5 Sn. Calpar. Zi glers Special Diddertation, 


Mohn / Papaver. 

Mohn⸗Haͤupter /Capita Papaveris, 

Moͤhren / haſtinacia Sylveftris, 

Moͤhren⸗Kuͤmmel / Daucus Creticus, Daucum. 

Moͤhren⸗Kraut / Æthiopis. | 

 Möhren-Waigen/ Melampyrum Theoph. Triticum nigrum, . 

Moͤhren⸗Seſel / Seſeli Æthiopicum. 

Molien ⸗Bley / was in einer Pfannen auf einmahl an Bley ge⸗ 
goſſen wird. 

Mollitio, eine Erweichung / dadurch ſowol compofira als fimplicia 
weich gemacht werden / und dies auf zweyerley Art / (1.) Durch Zuthun 
einiger Feuchtigkeit / alſo werden die Pillen mit Saͤfften / die Pflaſter 
mit Del weich gemacht / (2.) durch das Feuer / vermittelſt welchen die 
* und Klauen der Thiere / ja das Eiſen ſelbſt / weich geinachet wer“ 

th. M ii 


Mo Mon 86r 

Molii, ein Kraut wider die Zauberey: 

Molybdena, Plumbago Plinii, Dentilaria Rondeletii H.S, Antonii, 
if nad) Diofcoridis Meynung zweyerley / natürliche und bereitete ; die 
erfte iſt nichts anders dann ein Stein / oder vielmehr ein Bley und 
Gilber-Er& / die bereitete aber ift eine Art des Lichargyrüi , diein 
Reinigung des Gold und Silbers mit Bley an dem Boden deö Ofen 
zufannen waͤchſt / und gleichfam als verbrannt an denfelben Elcbet ; 
jie bejiget mit demLicharg yrio gleiche Kraͤffte / kuͤhlet auch / abſtergiret 
aber nicht; beyde ſchmelhen gar leichtlich. 

Momordica Balfamina mas cucumerina punicea Pomum mirabi. 
le vel Hyerofolymitanıım, Balfam-Apffel / Stechapffel / iſt ein Ge. 
waͤchs / fo ſich an die Pfäle flechtet / hat Blätter mie Bryonien oder 
Weinblätter geftaltet. Dee Früchte oder Aepffel / wann fie reiff / ſeynd 
roht / oben zugeſpitzt / ſonſt laͤnglich rund / wie ein Ey/ und ſtachlicht/ 


haben inwendig ein rohtes Fleiſch und biel Saamen / fo den Citrullen- 


Saamen aͤhnlich. Die Blätter und Aepffel dienen vor die Schmer⸗ 
hen der Wunden / Bauchgrimuuen / und Nachwehen der Kludbet 
rerinnen. 

Moͤnchs⸗Kopff / Taraxacum, Caput Monachi. 

Moͤnchs⸗ Khabarbara, Rhabarbarum monachorum; 

Moͤnchs⸗Kappen / Napellus Thora. 

Moͤnchs ⸗Pfeffer · Saamen / Semen agni caſti. 

Mond-Zraut/ Boriza, iſt den Mafor an Blättern nicht ungleich / 
ohn allein/ ar mit Himmelblau gefärhet / der Stengel if Viol⸗ 
braun / der Geruch dem Bieſem und Safran gleich / und ind die 
Blaͤtter rund. Ermeldtes Kraut führer eben daher feinen Rahmen 
Mondkrant / weiles mit dem Ab-und Zuwachs gleiche Abmwechfeiun 


mitdem Monde haͤlt: Nemlihift der Reumond einen Tag ait fo- - 


befönnmt diefed Kraut ein Blat/ und gewinnet bon Tagzu Tag fo viel 
Blätter mehr/ ald der Mond Tage bekommt / bis an die Dierzehende 
Naht; heruach bey abnehmenden Monde laͤſſet esordentlich alle Tas 
ge wieder ein Blätlein fallen/ wird zulegt gang Eabl / und huuet (ich 
gleichfam traurig ein. 
Monventrauts-Raute/LunariaRacemofa, Botryitis, 
Mondenjtein/ vide Selenites, 
. Monoceros. jiehe Einhorn, 
Monophyllon, Unıifolium, ; 
Monopolium beffehet eigentlich (wie es der Sr. D. Becher in ſei⸗ 
nen policifchen Difcourfen bon denen Uifahen des Aufund Abneh⸗ 
mensder Städte p m. 110, beichreibet \ dariun / wann ein Glied in der 
Gemeine dasjenige allein in — naar) wobon ſonſt viele um 
eve 


862 | Mon 


ans 04 _22 
dere leben könten / dann weil das End der CivilSocietät die Vielheit 
Ser Menfchen ift/ und folche gleichwol zu leben haben wollen / das Mo- 
nopolium aber nur einen oder ihter wenigen daslenig⸗ ibt/ wobon 
viel ehrlich leben könnten / al6 folget/ daß diejenige / welchen dadurch 
Die Nahrung entzogen wird / verderben und aus dem Lande müflen/ 
alfo daß dadurch dasband arın un depopulirt wird / welches wider daB 
End der CivilSocietätift / die in Menge der Menfchen beftchet ſoll. 
Dann ohnerachtet / daß der Monopolift um ſo viel reicher wird/ als er 
anderer Leute Nahrung an ſich gezogen/ fo ift es doc) einer Gemeinde / 
Stadt oder fand effer/ wann ſie biel mittelmaͤßige reiche / und bon 
ehrliche bürgerlicher Rahrun (ebende Leute hat / ald wann fie arm 
von Menfchen ift/ und nur etliche wenige Sauptsreiche Leute in ſich be⸗ 
greiffet/ welche im Fall der Roht / und mit ihnen die gange Gemeine 
durchgehet / daß alfo Dad Monopolium der Populofität und Vermeh⸗ 
rung der Einwohner eines Bands hoͤchſt⸗ ſchaͤdlich iſt. Warum aber 
das Monopolium von etlichen fo ſehr berlanget werde / iſt die Urſach / 
weit ſie gern reich ſeyn / koͤſtliche 2 uſer bauen / in Gutſchen fahren/ 
frartlich Haushalten / und mit Weib und Kinder prächtig daher ge⸗ 
en wollen/ welches aller Monopoliften Zwed it: daunenhero hießen 
e alles alleinan fich / und in deme fie diel zu ihrem Uberfluß vonmoh- 
ten haben / nehmen ſie andern ihren Mitburgern dasjenige hinweg / 
das ſolche Leute zu ihrer täglichen Rohtduͤrfſtigkeit gebrauchen / ma⸗ 
chen alſo / Indem (te in Gutſchen fahren / Föftliche Käufer bauen / ins 
Fraß und Wolluſt lehen / daß andere ihre Mitbürger nicht einmahl 
zu Zußgehen/ unter Dad) kommen / ein Lumpen über dem Leib / oder 
ein Stüc Brod bekommen koͤnnen / welches ja unchriſtlich und unbillig 
iſt / einen andern feine Rohtdurfft zu nehmen / und ſolche hernach zum 
Uberfluß anzuwenden. Weil dann nun das Monopolium ſolcher ge» 
fait der Civil-Socıerdt ind Hertz greifft/als haben wohlbeftellte Obrige 
eiten durch allerhand gute Policey-Xeguln die Berordnung gethan/ 
wie ein jeder mäßig und bürgerlich in feinem Stande leben / und ſich 
im Hausbauen/ Eſen und Kleidern verhalten folle/ damit er auskom · 
men / undicht vonnöhten habenmöge/ ein Monopolium zu effedtui- 
ven/ fondernfeinen Mitbürgern aud) ein Stüd Brod zu laſſen. Den 
Monopolio ift zu wider das Polypolium, dann gleich wie in dem Mo- 
nopolio einer hat/ wovon viel leben Fönnen / alfo theilet dad Polypo- 
kium unter viel aus / worvon nur etliche zu leben hätten/und ift alfo das 
Polypolium ein Berderb der Bürgerlichen Nahrung / gleich wie daß 
Monopolium der Populofität/ dann ob ſie gleich / wie gefagt / beyde 
ganf & Diametro einander contrair feyn / fo feynd ſie doch in — * 
rinig / daß ſie beyde der Civil-Societät ihre hoͤchſte Feinde ſeyn / in⸗ 
demie das eine Die Populofität / das andere die Nahrung der Gemein⸗ 
| de 





— 2 un 


Mon 863 


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de fehmächet/ beydeaber von den Kauffleuten meiſterlich pradticivet 
werden. Diefes defobeffer zu verſtehen / will ic die Sache vun 
ein Exempel erklären: Wann ein Schufter in Wien wäre/ und könn» 


ten doch so. ihrer ſich darinn ernehren/ fo beginge dieſer Schufter ein’ 


Monopojlium, dannn er triebe 49. Menſchen aus der Gemeinde und 
ſchwaͤchte ſie an der Populofität; hingegen wann so. Schuſter in der 
Gemeinde ehrlich mittelmäßig/ und eben Bürgerlich leben koͤnnten / 
und man ließ frey / daß noch so. Schuſter darzu kãmen / fo wärekein 
Zweifel/ das Handwerck wäre uberhaufft/ und würden nicht allein die 
borige so. fondern Die darzu gekommene 15 mit einander berderben/ 


dann es wurde wenig Arbeit und ſchmale Biſſen geben / unddasuns 


ter viele getheilet werden/ wovon nur etliche leben koͤnnen / welches ei⸗ 
gentlich das Polypolium ift / dann gleich wie der Civil-Societät Gore 
träglicher/ daß viel mittelmaͤßige reiche Leute / ald nur etliche wenige 
haupt⸗ reiche Monopoliften in ihrer Gemeinde feynd / alfo ift hinge⸗ 
gen dev Gemeinde auch nuͤtzlicher / wann ſie eine gewiſſe Anzahl mit⸗ 
telmäfig reicher Reute/ aldeine über groffe Menge Bettler und armer 
Polypoliftei hat/ dann folche beute / wie oben bereits gedacht / im Foul 
der Roht / oder —— eines Orts / entweder aus Hunger ſelber 
rebelliren / oder mit Schaden und Schand dem Feind zugewieſen wer⸗ 
den muͤſſen. Mit einem Wort / das Monopolium iſt der populi- 
rung eines Landes zu wider / indem ed nur einem gibt / worbon viel le⸗ 
ben koͤnnten und das Polypolium iſt der Nahrung eines Orts zu wi» 
der/ indem es allen dieſes zulaͤſſet / wovon nur etliche (ich ehrlich zur 
Roht durfft ernähren fönnen ; beydes ift/ wie erwiefen/ einer Gemei⸗ 
ne fehr ſchaͤdlich / dann es werben dadurch alle drey Stände verdor- 
benund ruinirt. Wann nur ein Bauer im Lande / ein Handwercks⸗ 
Mann und Kauffmann in der Stadt wÄre/ fowärs ein Monopolium 
unddelertes Land und Stadt; warn hingegen mehr Bauren als 
Land verhanden/ mehr Handwercks⸗Leut als Arbeit/ mehr Kauffieut 
als Conlumption in der Gemeinde feynd/ fo wärs ein Polypolium , 
und wurde durch beyde die Gemeinde bald ruiniret werden. Ein 
Mittel derhalben zu finden/ daß fowol das Monopolium als Polypo- 
lium aus der Gemeinde gewiefen werden/ haben die alten Obrigfeiten 
dieZünffte und Gilden erfunden / wodurch jeder Stand und Haud⸗ 
werck in eine ſolche Zahl reducirt wird/ als es der Horizont oder Nah⸗ 
rung felbigeö Drtöleidet / damit folcher geftalt ſowol das Monopo- 
lium als Polypolium perhütet werde / und nicht jedem frey fiche/ ale 
les allein zu haben / oder feinem Belieben nad) zu thun / was er will; 
Iſt derhalben das End der Zunfften/ daß ſie daran ſeyn follen/ aufdag 
die Zahl der Handwercks⸗Leute und Meifter ſich nad) der Proportiom 
der Confumption und Nahrung richte d - nicht zu biel/ noch zu * 
a nig 


* 
* 





864 Mon | 


— ö — — — ——— — — — — — 7 
nig ihrer in einer Stadt ſeyn und einer den andern berderbe; ni 

fentwegen auch die Störer / Stümpler und Boͤhnhaaſen / und fol 
Mol / weldesdurc heimliche Arbeit den Meiftern das Brod vor 
dem Munde wegftichlet/ u der Gemeinde nit zudulden. Als 
tein diefed wohl ausgefonnene Mittel / welches ein Remedium wider 
das Monopolium und Polypolium feyn fol / ift heutiges Taged zu ei⸗ 
nem böfen Mißbrauch worden / dann bie uffen Handwercks · Gerech⸗ 
tigfeiten / ihreüble Gebräuche mit den Lehr-und Geburtd-Briefen/ 
die Meifterftüc/ das Schelten / unehrlich und durch eine Gaufferey 
wieder ehrlich. machen / die gefchendte Handwerder / der Befellen 
Muhtwillen / und hunderterlen andere Dinge mehr / welche die Hand» 
mercer zum Schein der Aufrichtigkeit in ihren Zunfften haben / ma⸗ 
chen/ daß fein ehrlicher armer Gefell zum Meifter oder Bürger wer⸗ 
den kan; Ja unter allem diefem ſteckt ein heinsliched-Monopolium ‚uns 
weiches willen man die Zünffte ſo ſchwer machet/ daß niemands hinein 
\ begehret noch kommen kan / und alfo den Meiftern/ fo bereits darinnen 
fennd/ das Weſen und die Arbeit alleinbleibet / weldhe dann (weil ie 
wiffen/ daß le allein feynd) den Räuffer mit dem Preis übernehmen/ 
teugen/ and ihrem Gefallen nach die Arbeit ſtehen laſſen / und die beu⸗ 
te mit der Arbeit nicht befordern / welches aber der Gemeinde über 
ali maſſen ſchaͤdlich iſt. Diefes —— zu remediren / und dies 
heimliche Monopolium aufzuheben / haben die Hollaͤnder alle Zünffte 
cashiret/ und dad Polypolium zugelaſſen / dergeftalt / daß jeden frey 
ſtehet / neh 'y ernähren, wie er kau / deswegen dann ein groſſer Zulauf 
don Menfchen da ift/ und ſich die Handwercks · Leute wegen ihrer groſ⸗ 
fen Menge um die Arbeit veiffen / ja / damit einer dor dem andern ei⸗ 
nen Zulauff habe / befleißigen ſie ſich guter und wohlfeiler ſauberer Ar⸗ 
beit/ und will alſo einer mit dem andern darinnen certiven und den 
Morzug haben. Dies zugelaffene Polypolium tn den Handwerckern 
if nun den Kaufleuten und Derlegernein gemachtes Spiel/ dann da» 
durch erhalten fie den Handwerdö-Mann in fteter Armuht und Are 
beit ; dann ihre Menge macht / daß ſie fleißig und wohlfeil arbeiten/ 
und die Beute befordern/ ja der Arbeit nachlauffen müffen/ und mit ale 
- ter ihrer Mühe dennoch kaum ein Stud Brod verdienen können ; bey» 
des aͤber iſt onbillig/ ſowol die viele Difficaltäten der Zünffte/ als auch 
Died Polypolium ; dam ohneracht Holland Runder vermennet/ wie 
es durch dies lehte auffomme und forire / fo iſt doch gewiß / daß ed chen 
dadurch einmahi zu äuffefter Ruin kommen wird / nemlid mann es 
evft derfreunden Confumption beraubet/ und Menfchen arm worden ; 
dann folcher geftalt muͤſſen die Handwercks · Leute in Holland nohtwene 
diglich ſich in ein geringere und gewiſſe Zahl reduciren / oder mit ein⸗ 
ander berberben undentlauffen; deſſen man genugſame Exempel hat / 
vann 





Mon 865 
nann Holland in Krieg und Ungelegenheit mit den Ragbaren it / 
daß als dann die KHandwerdö-Lente mit Hunderten aus dem Lande 
lauffen; hingegen in Teutfchland / mo Zünffte und die Handwercks⸗ 
Beute in gewille Zahl reducirt feynd/ fpühretiman in Krieges : 7 
die geringſte Alteration bey den Handwerckern nicht / fondern ſie blü- 
ben alsdann vielmehr / und konimen auf. So laſſen ih auch im 
Teutſchlaud darum die Zünfftentchtabfchaffen / und je dem frey geben 
zu arbeiten / was er will / weil Teutſchland keine auslaͤndiſche Confum- 
ption hat / als die Holländer / ſondern ed würden in kurtzer Zeit die 
-  Bandiwerder fo überhänftet/ / daß (le aus Mangel der Confumption 
- mit einander verderben muͤſten. Wie nun hierinnen das Mittel zu 
treffen / daß nemlich weder zu biel noch zu wenig Menfchen an einem 
Ort feyn/ fondernihre Zahl ich ſtetigs nach) dem Maaf der Nahrung 
proportioniten/ wie auch ſolche Proportion und Maaß / daran eines 
gangen Ortd Wohlfahrt gelegen / in Obacht zu nehmen fey / darvon 
wäre viel zu melden/ und iſt nicht eins von. den geringften Secretispo- 
litieis, wiewol es unter hundert Orten kaum in einem in Obacht genoms 
men und pradticirt/ oder ein Monopolium oder Polypolium verhütet 
wird/ dann gemeiniglich/ indem man ſich vor dem einen huͤtet / fällt 
man in dad andere/ alfo erfordertö auch viel Snbtilitäten/ Rundfchaff> 
ten undgutedjudisium , jagange geheime Handgriff / die Nahrung 
nach den Beuten/ und die Leute 9— der Rahrung zu proportioniren / 
und auf jeden begebenden Fall ohne Confuſion und Rain, oder Aende⸗ 
zung und Neuerung eines Orts zu moderiren; das bishero befanntefte 
und nechſte Mittel darzu aber iſt dieſes ein wachendes Aug aufdie 
Handlung / Baurenftand und Zünffte der Handwercks⸗Leute zu ha⸗ 
ben / wie nemlich folche Stände gegen einander und unter ſich ſelbſt 
—— inſonderheit / daß den 3 n nicht in allem ihren Willen ge⸗ 
laſſen werde / die Handwercker und Meiſter in einen ihnen beliebige 
Zahl zureduciven / und Die Meifterftüce ihren Belieben nahzube- 
—— und mit allerhand Rarrethey zn überhäuffen und diffcit zu 


ma 
Bis hieher gebachter D. Becher / welcher gewißlich nichts anders als 
die par lautere(von wenigen aber bisher in dieſer Sache wohl⸗ erkannte 
and unterfuchte) Wahrheit gefchrieben/ dann fo jemahls in der Melt 
etwas abfurdes und ungereimted gewefen/fo ſind es die bey dei nteiften 
Hoͤfen und aud) in vielen Republiqven die fo leicht zugeundene M»- 
nopolia, Daß ich jest nicht allein von der Kauffmannſchafft rede / fo 
erſtrecken (ich ſolche auf viel andere Facultäten/ Rünfte und Wiſſen⸗ 
ſchafften mehr / offt fo gar naͤrriſch und abfurd, daß offt in 10. Aemtern 
Stümplerövon allerhand Profestionen und Exercitien figen / dage⸗ 
gen/ waun auch Apcllas, Homerus, ie Salome ſelbſt kaͤme / ſolcher fete 
* 3 nen 





865 Mo 


nen Stab weiter fegennrüfte ; warum? weil der privilegirte Mono- 
polift gleich mit den bezauberten Bellona Schild feined fub & obre- 
ptitie evfchlichenen Privilegio, mit dem groffen Inſtegel unterdrucket / 
herbor wiſchet / und dem / der doch) beſſer als er iſt die Augen damit 
dergeſtalt verblendet / daß er GOtt dancken mag / wann er nur wieder 


den Weg zum Thor hinaus finden kan. Indeſſen bleibet die Welt in 


der Ignorance, und ınuß Kleyen freſſen / da fie reinen Waͤihen haben 
Fan; Eben alfo gehet ed auch mit denen Monopoliis in Handels⸗ 
Sachen / da hat wol eher in einer groſſen und bekannten Stadt einer 
allein eine Handlung oder Manufadtur haben müſſen / davon ſich wol 

undert hätten ernähren können... Wann dabey von den Obrigkeit⸗ 

chen Beldern/ dientan aus ungegründeten Faveur mit zugefchoflen/ 
etliche 000. übel adıminiftrivet und verhandelt worden / fo iſt mau 
noch froh geweſen / daß die bisher an der Manufactur gemwefene Geſel⸗ 
fen jeder. vor ſich ind kleine was eigenes angefangen/ und dadurch der 
kLandsherr fo vielmehr Buͤrger und Unterthanen / die Handlung aber: 
einen fo viel feftern Fuß bekommen / welcher nicht fo baldzu hindern 
angefangen/ ald wann das Werd in eines einigen Händen geſtauden / 
oder bey demſelben Eräbsgängig geworden wäre / dann gleich wie ein 
Fenſter / 10 aus vielen Scheiben zuſammen gefeßet/ durch einen unge» 
fehren Steinwurff nur etwan an einer Scheibe zerbrochen wird / und 
leichtlich wieder Fan reparivet werden/ dahingegen ein grofled Spies 

el⸗Glas mit einmahl fein Berderbendavon empfindet: alſo iſt das 

therfte/ mad eine Lands⸗oder Stadt Dbrigkeitthun Fan/ daß lie vor 
dem Wort Monopolio einen groſſen Abfcheu trage/alledahin gerich⸗ 
tete Suppliqven, erfchlichene Interceshiones, in olims Zeiten gegebene 
Privilegia ſtehendes Fuſſes verwerffe / revocire/ und ſich niemahls im 
Sinn kommen laſſe / dem einen ihrer Unterthanen mehr ein gütiger 
Vater als dem andern zu ſeyn / nicht bloß Hin ihr Fiat jeden Supplican- 
ten uͤber ſein geſuchtes Monopolium zu ertheilen / vielweniger ſeine 
angeführte Kationes als unumſtoßliche Evangelia anzufchauen / biel⸗ 
mehr ihn mit feinen Klagen / als wann er auſſer ein ſolches Manopo- 
lium nicht leben Cbielleicht nicht Kutſchen und Pferde halten/und grofe 
fe Patläfte bauen Eöunte) dahin anzumeifen / daß er fein möge zu Fuß 
sehen/ und Buͤrgerlich wohnen / und hingegen feinen Reben-Ehriften 
auch neben ich ein Stüd Brods gönnen/ und wohnen laffen foll. Ges 
fest auch daß dem würcklich alfo waͤre / dap von einer Profeflion nicht 
mehr als ein einiger ſich In einer Stadt folteernähren koͤnnen / fo halte 
mans danmiit / wie es inder Fabel bon dem Chevaliers Errants gehalten 
worden / daß allezeit der tapfferſte Ritter / oder die ſchoͤnſte reiſende 
Princeßiun / in den Ort / wo nur eine Herberge geweſen / dieſelbe zu 
deziehen gehabt / bis ein anderer tapfferer Ritter / oder — 


1 — — 
— "un u —— — — 


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- Mon 857 


Princeßinn ald die erfte gekommen / worauf ed dann geheiffen: Cede 


potiori, oder fey zum wenigften Secundus in ordine ; Es können auch 
wol geringere bey. den groflen Monopoliften füglich zugelaffen wer⸗ 
den/ wann diefer entweder ſchon zualt oder abgadnglich / zu reich und 
ehe ober mehr Arbeit findet/ als er beſtrelten kan; da iſt es ja 

illig / und der Ehriftlichen Liebe gemaͤß / daß der 2. Röcke hat / dem 
einen abgebe der keinen hat. Offt verſiret auch darunter die gemeine 

Wohlfart / ald warn ich in einer Stadt ein —— braber Mann nie⸗ 
bderlaſſen wolte / der 4. vder mehr wackere Söhne bey ſich haͤtte / das 
durch heut oder morgen die Republic fo biel tapffere und nahrhaffte 
Bürger haben koͤnnie / und feine Profesfion treiben wolte / es waͤre aber 
ein reicher / alter und verdrießlicher Monopolilt, der feines Privilegũ 
' fang genug genoffen / der ſolches hinderte / folte nıan deswegen den 
neuen Ankoͤmmlingen mit feiner zahlreichen Familie abmeifen / das 
wäre die größte Abfurdität von der Welt / welche zwar ehemahls tn al» 
ten Zeiten ein gantzes Koͤnigreich begangen/ba ſie einer gewiflen Stadt 
allein dahin zu handeln Odtroi ertheifet/ bald aber / als der Fehler er» 
kannt worden/ ſolche revociret/ und Eur darauf ihre See · Haͤfen allen 
Nationeneröffnet / und hierauf den Handel und Wandel durch das 
gange Königreich florren gefehen. Jedoch will bey allen dem / was 
jest gemeldet worden/ auch Bernunfft adhibivet feyn / daß man nicht 
Yon einer Extremität zu der andernfalle / undindiftindte ein Polypo- 
Lum einführe; Welches zwar eben nicht fo groſſe Gefahr / wie Herr 
D. Besher von Holland præſagiren will / mit fich führet / aber doch 
auch feinen — pe nach / nicht fo gar Schadloß abgehet/ 
und alfo die Zůn 


zu unterfuchen freylich groſſes Nachdenefen und fubtilitäten / ja gantz 
ungemeine Handgriffe erfordert) müffen beybehalten werden. Sin 
Hermeynen unſers Orts ſolche in unfern volllommenen Policey-und 
Commercien-Raht (welche nüglihe Bücher der geneigte Refer fünff- 
tig/ geliebt ed GOtt / von und zu gewarten) gefundenzu haben / wann 
wir darinn deutlich gewiefen / wie der Anwachs einer Buͤrgerſchafft 
in einer Stadt und Republic. am füglichften gefchehen koͤnne / und wie/ 
ohne in die Extremität — Polypolii zu verfallen / bon Zeiten zu Zei⸗ 
ten ber Numerus der Zunfft Genoſſen / ohne jemands Prajudig könne 
vermehret werden. | 
Ri noch übrig von dem Propolio etwas wenige zu gedencken / dieſes 
aun nichtö anders ald ein Vorkauff / welchen etliche Gewinnfüchti- 
e Kauffleute mehrentheils warn fie dor andern ſolches in Vermoͤgen 
aben / intendiren / und dadurch ihren Mittbürgern die Waare vor 
der Raſen wegkauffen / daß diefelbe rn nichts davon u 
| 4 oͤnuen 


te und Gilden nicht fo gaͤntzlich zu aboliren ſeyn / ſon⸗ 
dern gewiſſer maffen nach (welches aber / wie weit fich folche erſtrecken / 


— — — — — 





868 Mon 


ge — 
konnen / welche alfo auffgekauffte Waaren / nachdem ſie in ihrer der 
Propoliften Händen allein iſt / ſie hernach auf Hoffnung eines Miß⸗ 
wachſes oder in der Weynung / daß nicht bielmehr darzu kommen wer⸗ 
de / Bis auf eine Theurung / oder ſtarcke Nachfrage — laſſen / 
und alsdann fohoc ins hir d halten / daß Capital auf Capital zu 
perdienen iſt / welches nichts anders als ein vollkommenes Monopo- 
lium mag genennet werden alſo iſt die Oſt⸗Indiſche Compagnie 
in Holland ein rechtes Propolium, wie es der Herr hH. Becher nennet/ 
und würden wir die Specereyen nicht halb fo thener bezahlen dörffen/ 
wann folche nicht in fo feſten Händen fünden / zwar heiſt es wie in 
den gemeinen Sprichwort eſaget wird / Jura vigilantibus fubve- | 
piunt, das Kecht ifk vor den Warkenden und nicht vor den Schlaffen« 
den / und muß ein fleißiger Kauffmann der nach feineh Brodt aug iſt 
des Faullaͤntzers (welcher worten will bis ihm die Sonne ins Haus 
ſcheinet) freylich nicht entgelten / iſt auch darum Feines wegs / mit 
den Tieul eines Propoliften zu be — fondern nur diejenigen 
weiche machen / daß bor ihnen ein an erer zu den Einkauff gelangen 
n/ welches ſich dann unter Kauff⸗Leuten / Handwerckern / und den 
Bauer-Stand gar bielfältig zutraͤget. Bon den erſten nur etwas we· 
giges zu gedencken / fo berurfachen die in Fand und Städten haujleren/ 
erum lauffende fo genannte Tablet · Kraͤmers /Frangofen / Savoyar- 
en und Juden / das erſte Propolium, aiß melde Beute/alle Windel 
dur chſtreichen / den gefeflenen Bir er die Nahrung entziehen und 
| ” den gemeinen Oneribus doch niet das geringſte conrribuiren/ 
eine ehrliche Haushaltung führen / berdorbene auch auffgepugte 
Waaren unter die Peute bringen/ und lieber (fonderlich aber die 
Juden) mit Schaden berfauffen / ehe fieeinen Chriſten neben fich et- 
was gewinnen liefen / die andere Art bon Propolio gennetder Herr 
‚ D» Becher Die öffentliche Jahrmärde/ weil dadurch) wie er fagt ) 
ben Junlandiſchen Rauff-Peuten ihre Rahrung entzogen wird / indem 
faſt ein jeder . und Sandmann feinen Einkauf auf die Meffe 
fpahret/ und dafelbf don den Fremden befferes Gut / und in wohifel. 
lern Preiß / als bon feinen Mittburger zu erlangen berhoffet. Die 
dritte Art von ne nennet ex die fo genaunte Niederlagen / oder 
Stapel Berechtigteiten / Krafft welcher / ein Fremder feine durch 
führende Waaren gewiſſe Tage nieberlegen/ und zu Öffentlichen Ber⸗ 
Fauff/nicht ohne groffe Unkoſten und Hinderung feiner SHandlung dar» 
Bieten muß / dapon ebenfalls unter dent Wor Stapel-Srädre/ nrit 
mehrern gehandelt worden. | 
Die vierdte Art von Propoliofft eigentlich diejenige welche ſchon Au⸗ 
föngs gemeldet / daß ſie bon den reichen und vermögendenKauffleus 
sen getwichen werde / wider welche wie folder zu begegnen / ſchon — 
I E 8 


— 


— —Me⸗ Mit 3 ' 869 
mahlgedachter Herr Dortor Becher im 25. Capitul feiner Politifchen 
Difcourfe unterfchiedlihe Mittel anzeiget. Mir fchen aber mıcht/ 
wie ſolche kräfftig genug feyn / dieſen Unweſen zu ſteuren / angefehen/ 
daß dadurch nicht leicht eine andere Facies der Haudlung (melde unge 
zwungen ſeyn will) kan eingeführet werden / ein bermögender Pro- 
polift findet doch allezeit diredte oder indıredte neue Wege / wann ihm 
die Alte verfchloffen feyn / offt lauffet er auch wohl Gefahr durch feinen 
Aufkauff wann ihm folcher fehl fchlägt und die Waaren über en 
Hals beliegen bleiben / auf einmahl zu verlieren / was er in vielen 
ahren gewonnen / das befte was eine Obrigkeit thun kan/ ift / daß 
die Waaren (als Korn / Wein und dergleichen, die unentbehrlich 
zu des Menfchen Nothdurfft gehören/ uichtmit einen ſchaͤdlichen Pro- 
polio heſchweren lafle/und dag jle die Handmwerdd-Zunffte und Aemter 
(welche eine rohe Waare wieder verarbeiten müͤſſen / und nicht fo 
.. wohlaufder Waar wie die Kauff⸗Leut thun/als auf ihrerHand⸗ Arbeit 
den Gewinn fuchen ) bey ihrem wohlhergebrachten Jurıbus, daß ſie 
ich an gewiſſen Waaren / gleihwie in theils See-Städten die 
Schmiede mitden Stein-Kohlen / die Beder mit den Weitzen / se. . 
den erften Kauff allein behalten mögen / mwohlmaintenire/ hinge⸗ 
genaud) / wann bey Benieflung diete Privilegji fleanf der Waar 
den gemeinen Weſen zum Schaden etwarın lucr:ven wollten/ihnen ſol⸗ 
bed eruftlich inhibire/nechft dein einen falfchenNarratis folder Kauff⸗ 
Leute / weiche dad Commereium einfhrenden/ eine fingirte Stapel» 
Gerechtigkeit aufrichten / oder die freye Durchfuhr hindern wollen/ 
leichtlich Gehoͤr gebe / weil darunter ein heimlich intendirtes AMono · 
polium unzweiffentlich berborgen lieget. 
Mooß-Blumen / Chryfanthemum. ; 
Mooß / Mufcus arboreus ulnca Moof-Rraut / Lichen Petræus 
Hepatica Saxatilis, 
Mooß ⸗Kuh / Botaurus vel Butorius. 
Morainen Murznz, Salmonatæ Lachs⸗Moraͤnen / weil He einen 
Lachs es ſehen / die gröften uñ fetteften fängt man in Hinter⸗Pom⸗ 
mern / ſie ſeynd bißweilen einer Ellen lang und haben einen Forellen / 
die in der Buff gedörrten aber einen Lachs Geſchmack / kteine Mord 
nen / ex genere Albularum feu Albiculorum, ſeynd wie Heine Weiß⸗ 
Fiſchlein / laſſen ſich wie kleine Heringe einſalhzen / und in Faͤßlein einpa⸗ 
cen / und alfo über Land verſenden. 
Wiorchein/ Frangöf. Morilles, eine Art von Erd-Schwämmen, 
diefo genannte Spitzmorcheln feynd die beften und auch bie t eurſten / 
kommen haͤuſſig aus Böhmen und Schleſien / und wird das Pfund zu 
. bis Reichsihaler verkauft. , Galenus vechnet ſie inter Cibos inh- 
is pidos, 





870 | Mor 
— „die den Leib eine kalte Pflegmatiſche und boͤßhafftige Rahrung 
even. j 

Moretus {ftein gewiſſer Tranck / welcher denen ſchwangern Frauen 
ſehr zutraͤglich ſeyn fol / wird aus Gewuͤrtz und andern ſtaͤrcken den 
Sachen mit Benfügung eines Syrups oder Zucker bereitet / in beit 
Officinen findet ſich Moretus ufualis gebräuchlicherMoretus vor Reiche 
und auch vor Arme / Moretus ohne Species, Nodulus pro puerperis 
diefe zubereiten nimm ganten Saffran g. vi. Galgant/ Mufcatblüh/ 
jedes 1.Scrupel/ Mutter⸗Naͤgelein / N. 4. Cardamomen 1.Scrupel,ger 
ſchaͤlte Lorbeer n. vj. M. 

Morfuli Morſelli, Tabula Morſellen / iſt eine truckene / gezuckerte 
Arheney / aus Pulvern / Conſerven, Condituren, und uberſchneyten 
Slumen / zum Exempel R. Conſerv. flor. Anthos. ein Loth / Cort.Citr. 
Cand. 2. Dventin/ Zingibr. Cond.tonf, Alkerm 3. Qbentin/ Ambrs 
Mofch. & gr. ji. c- f. q. Sacchr, in aq. Menth. folut. f. Morful $. 
Hauprftärdende Morfellen.Die in wohlbeftallten Officinen gebraͤuch⸗ 
lichſten Morſellen ſeynd / Morſuli, contra ardorem gulz,Stomachi, 
Bezoardicicontracalculum; ad caput, catarrhos,deCitro,Cephalici 
&Specif.Ceph, € confedt, Alkerm, oonfortantes , cordiales Hepar 
confortantes, imperatoris, Nutritivi & refriger, Pectorales, poft 
Paflum ‚contra peſtem, antiphthifici ‚Prxfervatorii‘, Saponea,fli- 
mulantes Venerem, ſtomachales, contra vermes , vertiginem , € 
Zedoaria, Zir.giberiscolli. | 
Unterden Purgier-Morfellen feynd folgende im Gebrauch / Morſu- 
li Dia-Citro folutiv. M, Dia-jalapp folutiv. , de Diagrydio folut, 
Laxativi, Dia manna, de Mechoacanna, Diamofchi Dulcis,Pur- 
gantesDia y Citrati, & fucco rofartım, Vitrum &. Morfulatum, 


Die Weife Morfellen zu bereiten/ift als folget: refolvive den Zuder 
in einen tauglichen Liqvore über dem Feur / koch ihn bis zur rechten 
Confiftent; damit er in der Kaͤlt hart werde / (welches man probieren 
kan / wann man ein wenig davon auf Zinn oder Stein gieſſet) als dann 
miſche die Pulver nach und nach darunter / ruͤhrs wohl untereinan· 
der /giehesaus/ indem es in der Waͤrme noch flieſſet / auf eine Kupf⸗ 
ferne oder Steinerne Taffel / damit alles erkalte und hart werde / 
dann ſchneids in Taͤffelein / che man aber die Pulver aufferhalb 
dem Feuer einträgt / fo Fan man wohl den Zuder in etwas agitren/ 
* auchtragemandie Pulver nicht ein/ weilder Zucker noch recht heif 
iſt / fonftzichet die Hihe die Farb zu ſehr aus / NB. wann viele Con- 
dita unter Die Morſellen verordnet worden / ſo muß man denZuder alle 
zeit etwas haͤrten kochen / maſſen derfelbe von benenConditis — 
tigke 


er. 


Mor Mof 871 


Sigkeitempfängt/und die Confifteng verhindert. In denen purgies 
renden Morfeilen, wird an ſtatt deöZuderd Manna genommen / deſſen 
wie auch des Zuckers nach Gutdinden adhibiret wird / ammeiften 
nimmt man den Zucker ſechs oder acht Fach / nachdem die Sachen die 
darunter vermiſcht werden ſtarck oder unangenehm feyn. 


MorfusDiaboli, Suceifa, Jacxa nigra, Teuffel3 Abbis /wann ben 
dieſes Kraut / Wurtzel / Blumen und Blätter nebenft dem Kraut Ge- 
sanio, fonft auch Stord-Schnabelgenannt/ ein Decoctum gemacht / 
und bon folchen gegen den Antritt des andertägigen Fiebers getrun- 
een wird/ fo wird es gemeiniglic davon vertrieben. 

AMorus Maulbeer-Baum/ Alba & Nigra, ein genugfam bekandter 
Baum/ die reiffe Frucht davon erweichet den Leib bringt Appetit 
and Löfchet den Durſt / mit dem Blättern werden die Seiden Würmer 
— doch freſſen ſie lieber von des weiſſen als rothen Maulbeer⸗ 
Baums Blaͤttern. 

Morgenſtern / Barbula hirci. 

Morgenlaͤndiſche Nuͤſſe / Cocci orientales. 

Moſaſſche vide Mufaifche Arbeit. 

Aoſchata, Nux Moſchata & Muſcata, myriftica ungventaria vel 
aromatica, Moſchocaryon, Moſchocarydion, vide Muſcaten. 


Aloſchus vide Bieſem. 


Moſcoviſche Waaren ſeynd vornemlich allerhand koſtbare 
Peltzereyen / als Zobeln / welß und ſchwartze Fuchfe / Marder / Her⸗ 
melinen / Lux / Haaſen / Bären und wilde Pferd: Felle / item aller⸗ 
hand rohes und bereitetes Leder / und unter dieſen die ſo bekandte und 
beliebte rothe Juchten / davon wir in dieſen Buch unter ihrer Benen⸗ 
nung weitlaͤufftig Meldung gethan / ferner rohe Perſianiſche Seide / 
und Tuͤrckiſches Garn / Fiſch / Thran / Butter / Honig / Pottaſch / 
Wachs / Pech / Holtz zu Haͤuſer und Schiff-Gebaͤu / item Klapp⸗ 
Holtz / Theer / Talch / Flachs / Henff / etwas Saltz / ſonderlich um 
Altracan herum / woſelbſt es durch Krafft der Sonnen⸗Hitz aus den 
See Waſſer gemachet wird / in Sibirien finder mar auch eine Art 
Eiffenbein / welches Mammotovikoft genennet wird / item das be⸗ 
kaudte Adams Holtz / oder Adamovoi koft, welches ſchwartz bon Far⸗ 
be / undinder Härte jich einen Stein ‚gleiche, Es finden ſich auch 
unter den Kräutern / das Kraut Kofa Trawa GSichel⸗Kraut genannt / 
welches in Syberien machfen und Eifen zerbrechen foll / item die 
Wundheilende Wolffs⸗Wurtzel Voltfchnoykoren genannt / grofle 
Melonen fonderlid; um Afracan , den invothen Hülſen wachsenden 
Pfeffer / welcher gelb don Farb und ſchaͤrffer als gewelner Piefier ty 


14» 








4 





972 Moſ 
Rhabarbar; welche jedoch nicht fo gut als die Chineſiſche oder Tuͤr⸗ 
ckiſche ift / fo follman auch in Rußland ein Art Ertz finden / welches 
fo wohl der Farb ald den Gewicht nad) / dem Bold-Erg gleichet / aber 
wegen feiner ungemeinen Slüchtigkeit / kein Feuer aushalten kan / 
die Berg-Peute halten dafür / dof wann man dieſes Ertz recht zu figi- 
ren wuͤſte / das befte Bold daraus zu bringen wäre. 
Die Maaren und Manufadturen welche aus andern Ländern nad) 
Woſcau geführet werden / feynd Wein / Saltz / Zuder / Syrop / 
truckene und eingernachte Früchte / allerhand Gewuͤrtz / Toback / Pa⸗ 
pier / gemeine und feine Hollaͤndiſche und EnglifheTücher/Leinwand/ 
Barchet / Gewehr / Hollaͤndiſch / Milaneſiſch / Nürnberger und Ham⸗ 
burger Gold⸗ und Gilber-Drat/ allerhand Guͤldene / Silberne / Sel⸗ 
dene / Wollene / Eiſene und Meßinge Manulactures, inſonderheit Meſ⸗ 
ſinge und Kupfferne Keſſel / etwas weniges bon Nürnberger Waaren / 
viel Augſpurger Silber Arbeit / kuͤnſtliche Sack⸗Uhren / Edelgeſtei⸗ 
ne / Perlen / Indigo / und andere Farb⸗Waaren / Zinn / Italianiſche 
Taffi und Damaſt / Spiel ·Karten / gemein und Spiegel⸗Glas / Or» 
gelwerck / und allerhand andere Kuuftflüde / dergleichen hin und 
wieder im Römifchen Reich/ abſonderlich in Nürnberg undAugfpurg 
gemacht werden . Es geſchiehet aber miehrentheild die Haudlung 
nach Mofcau von denen Europdern über Archangel,und auch vor die⸗ 
fen über Narva/ die Flotte nad) Archangel gehet im Julio Von Holland / 
Gngeland und Hamburg aus / um gegen den September (als zu wele 
cher Zeit fich der Jahrmarck in Archangel anfängt ) dafelbft zu feyn/ 
der meifte Handel mit den Ruſſen gefchichet in Baratto oder vertau⸗ 
ſchen einer Waar * die andere / fo daß offtermahls Waar gegen 
Maar / oft ein Iheil Geld zu geben/ offtınahls das was von den Ruf⸗ 
fen gefaufft wird /baar / was aber an fie verfaufft wird/aufZeit muß 
gegeben werden / da es ſtch dann vielmahls beym Barattiven zuträgt/ 
dag man in Teutſch⸗ und Holland / nicht wieber vor die Yuchten be= 
kommt / was man folche in Tauſch angenommen / weil man aber hin- 
gegen die eingeführte Waar theuer angefchlagen und ausgebracht/ 
auch aufmancher ein chrliched Eapital verdicnet worden / als gehet ei⸗ 
nes gegen das ander auf/ indeſſen ift doch dabey das beſte / daß man ſei⸗ 
ne Waaren / infonderheitimann man ein Theil baar Geld zuſetzen will 
leicht loß werden kan / weil es ein fonrofler Jahrmarck iſt / in wel» 
chen innerhalb s. Wochen biel Millionen umgefeget werden / wer 
baar Geld hinein bringt Hat allzeit Hoffnung guten Marck zu treffen/ 
weil man deffen niemahls zuwiel hinein bringen fan / indem dasienige 
was nicht an Waaren beftätiget wird/ allezeit mit guterl agio anGeld- 
bedürftige kan —— werden / um gegen Ult,November in Ham⸗ 
burg oder Amſterdam in Banco wieder zu empfangen / das Gewicht 
in 


—.$ arm. — — e > u - 


Mo 873 
im Rußland belangend / ſo hat eine Pude 40, Pfund oder Funta, die: 
fe machen ungefehr in Hamburg 333. Pound / ſintemahl es zo, pro 
Centum differiret /.1. Pfund oder Funta hat 96, Sollotnich. Bercko- 
wiz {ft ſo biel als ein Schiff-Pfund/ nad) welcher die groben Waaren 
infonderheit Pottaſch verkauft wird / thut in Franckreich zey. Pfund / 
wird in Rußland 10.Pude oder 40, Pfund Rußiſch Gewicht gerechnet/ 
zur Zeit des groſſen Aufruhrs in Mofcau/melder Anno 1645. gewefen/ 
und wegen des Eigennuß der Ezaarifchen Bedienten / (ald welche dem 
Volck allzuviel Laft aufgeleget/) feinen Urfprung genommen / foluns 
ter andern auch eine Eiferne Elle mit einem Adler geftempelteingefüh- 
vet worden ſeyn / welche jeder Haus: Vater der jich einer Ellen —* 
nen wollen /um 1. Reichsthaler an ſich kauffen muͤſſen / ſo ein überaus 
groſſes Geld gebracht / wiewol dieſes Ellen Monopolium fur darauf 
wieder abgeſchaffet worden. | 
Regen des Muͤntz⸗Weſens in Rußland ift folgendes zu mercken / Anno 
1250, find man zum erſtenmahl an aus Leder Geld zumaden/welhes 
aber nicht laug gewaͤhret / da die Bold und Silberne Müngen in Ge⸗ 
brauch gekommen / deren Valor iſt als folget: 
1. Rubtihält 10, Grieven oder 100, Cupecken, 
1. Grieve hatro. Copecken oder 20. Molcoflskes, 
1. Copeck hat 2. Mofcoflikes oder 4. Poluski. 
1. Altin hat 6. Mofcoflskes oder 3.Copecken, 
1. Rubel wird füreinen Ducaten oder 2. Reichöthaler. 
3. Copeck für einen Hollaͤndiſchen Stüver / deren 100. auf z. Reichs⸗ 
thaler geben gerechnet. " 
Iſt alfo der Pari gegen 1. Reichsthaler so. Copeck, gegent.Ducaten 
100, Cope 
Savary meldet/ es laffe der Groß⸗Fuͤrſt alles Geld fo er in Moſcau 
an Zoil⸗Geld befommt/ umſchmeltzen / und hernach von so. auf so, 
fegen/ alfo daß er zo. anjeden hundert verdiene / dannenhero denen 
Speciebus fo eyfrigdafelbft nachgetrachtet wird / in maflen 100. ihrer 
Copecken, nad} Okearii Bericht ein Halb Loth geringer an Gilder als 
2.Keichöthaler waͤgen. Welches eben eine Urſache des differenten 
Wechſel Cours mit ift / alfo / daß obgleich der Rubel in Mofcau bes 
fändig bleibt / dannoch derjenige der zu Archangel in Mep»Zeiten 
300, oder mehr Rubeln auf Wechſel nimt / dafür in Hamburg vor ei» 
nigen Jahren nicht mehr ald 53. Marck in Banco, oder etwan or. Stü⸗ 
ver in Holland in Cafla-Geld zubezahlen ſich verſchrieben,; Ja es iſt 
u. Zeit der Mechfel fo herunter gekommen / daß man nur sa, 
Gtüper vor einen in Archängel empfangenen Rubel Von 100. Co« 
pecken wieder hezahlet ; Hingegen feyud Die Species, als Ducaten und 


Thale - 





874 Me 


Thalers / fo hoch geſtiegen / daß man für jenen bis 150. Copeck, für den 
Rihlr. aber bis 75. hatgein müffen/ da doch den Pari nach der Rubel 
oder Ducat nur 100, der Rthlr. aber nur so. Copeck gelten folte. 

Die vornehmſte Handels · Staͤdte in Rußland / nechſt vorbemeldten 
Archange!, ſeynd die Rehideng-Stadt Mofcow ſelbſt / nach ihr Novo- 
gorod, Plescow, Coflrom und Jerislau, an welchen letztern drey Orten 
die beften Zuchten (die man bis anheroin andern Ländern nicht nach⸗ 
machen fönnen) berfertigetwerden. An der ſchwartzen Gee haben 
Die Mofcomiter Afoff, undan der Cafpifchen die Stadt Altsachan , 
welche beyde groffe Stapel-oder Niederlag-StädieT — Per⸗ 
ſianiſcher und Indianiſcher Waaren ſeynd. Und gewißlich / wann 
man die groſſen und Schiff⸗ reichen Fluͤſſe / die in Moſcow zu finden/ 
als die Wolga oder Rha, den Nieper oder Borillenes, den Don oder Ta- 
nais, &ec. item des Mofcomitifchen Reichs Situation , wie ed nicht weit 
von der Oſt⸗See gränget / anfiehet / fo verdienet ſolches eine genaue 
Reficxion, ob nicht von folder Geiten der Oſt-Indiſche Handel unfern 
Europa etwas näher zu ziehen ware / daß man nicht alles den weiten 
Wegum Africa, oder aus der Hollander Sande haben dürfte. Die 
jährlich zu uns über Narva kommende Perfianifche und Armenifche 
Kauffleute weifen und hierzudie Wege / welche aud) der berühmte Vo- 
yageurTavernier gegangen; wolte man mit diefen nicht zu frieden 
fenn/ ſo uchme man des Hu Olearii Reis-Befthreibung vor ſich / und 
fehe darinnen’/ was des gottfeligften Hertzog Friderichs in Holſtein 
feine Eoftbare Geſandtſchafft nach Persien vor ein Abſehen gehabt/ item 
mad Seine Czaariſche Majeftät mit des Hn. Jsbrands Neife nad) 
China intendiret ; fouderlid) aber/ wie fie ſich bis auhero Die Commer- 
cia und Aanufadturen / inihrem Lande auf guten Fuß zu fegen fehr 
eyfrig habe angelegen ſeyn laſſen / daß alfo an guten Erfolg ſo viel weni⸗ 
ger zů zweifeln. In der Stadt Moſcow feibft iſt allbereit eine fo 
groſſe heqrentz von Teutſchen uud Niederländiſchen Kauffleuten/ 
welche alle mit ſtattlichen Magszynen und Palaten das iſt nit Wohn⸗ 
und Padhäufern) verfehen / dap ſolches nod) manchen eine Luft erwe⸗ 
een foite/ fein Handeld-Glud ebenfalls dahin zu verſuchen; nur wi 
mit den Rugifchen Kauffleuten voriichtig umgegangen feyn/ weil diefe 
ſehr raffinivetaufdie Commercia , (ic) — und wo ſie denen 
Fremdem einen Vortheil abjagen koͤnnen / keinen Schlaff davor in die 
Augen nehmen. Vielleicht / daß auch mit der Zeit der lang geſuchte 
eg un Rorden zu Waſſer möchte gefunden werden / ſonderlich wann 
Seine Czaariſche Maleſt. darzu hulffliche Hand leiſten ſolten. Ein 
mehrers von der Rußiſchen Handlung vide in unſern Moſcowitiſchen 
Kauffmann. | 


Moſt / 


———— ——— Mof Muh87 
Woſt / neuer ausgepreſter Wein / Muſtum, der beſte wird Lixi- 
rium genannt / welcher von ausgetretenen Trauben gleich zu erſt 
kommt / der ausgepreſte Muſtum Fortivum gan / if ſchon ſchlech⸗ 
ter/ wann man hernach gar auf die Treſt Waſſer zur Vergaͤhrung 
gieffet/ fo wird Lora Lurcke daraus / welches ein zwar fühlender aber 
aber fehr geringer Trand E Den Moft betreffend / je füffer der⸗ 
felbige/ je mehr er laxivet/ dabey er dann auch aufbläht / den Urin ver» 
hindert / die Leber Milg und Kroͤß⸗Adern verſtopffet / und den Wies 
renſtein verurfachet ; fo Fan er auch wegen groffer Dicke feine Geiſter 
nach dem Kopf fenden oder truncken machen / ſondern er bleibt im Un- 
terleib als Honig und andere füfle Dinge ohne völlige Vertheilung 
fieden. Sicher gehöret auch Sapa, welcher entſtehet wann man den 
a auf 2. Theil einkochet / Defrurum wirder genennet/ wann er auf 

Die Helffte eingekochet wird. ! 

- Moftfpeiß/ Sorghi, Sagina, Milium Indicum, 

Motten⸗raut / Blattaria, 

Mouſſerons, Mooßſchwaͤmme ſeynd eine Art kleiner Erdſchwaͤm⸗ 
me / welche nur im Monat Majo zu finden; ſie halten ſich unter dem 
WMooß verborgen / daher fie auch den Rahmen haben. 

Můcken⸗Xraut / Perſicaria. | 

Muffel / ift ein einer Bogen von Leim gemacht / welchen die Gold⸗ 
ſchmiede / und ſonderlich die mit SchmeltzGlas umgehen / in das 
euer fegen / und unter ſolchen hernach ihr Schmelg-Blas zuſammen 

effen laflen. 

Muͤhlen / dieden Rauffleuten dienen feynd unterſchiedlich / als 
Korn-Mühlen/ das Brod⸗Korn / und aud) den Waitzen vor die / Die 
groffe Amidam⸗ Macherey darauf zumahlen/ ferner Wald / Mang/ 
Yuiber / Papier/ Loh / Drat Gewürg-Mühlenund dergleichen / wel» 
che alle unter dem Wort Machinen nahmhafftig gemacht werden. 

Muͤhl⸗Staub / Farina volatilis, Haliabbatis gloffographi, 

Möhlen-Srein/ein ſehr nuͤtzlicher Stein / weil man deſſen taͤglich / 
am das Brod⸗ Korn damit zu mahlen / noͤhtig hat. An einigen Orten fon» 
derlich in der Marck Brandenburg / hat die hohefands-Obrigkeit den 
Verkauff derſelben ſich allein refervitet/ alfo daß Fein Privarus damit 
handeln mag/ wiewohl niemand dabey gewehret wird/ daß er nicht zu 

einer’ eigenen Mühlen Gebraud Steine bon andern Orten möge 
mmen laffen/ wann er ſich nur des Handels enthält / vide Dietherr, 
änaddir, pract. ad Specul. Speidel, f. 397. v.in Lapidibus, Die befte 
Mühlen-Steine kommen jegiger Zeit vom Rheinftrohm / item gu 
Sachſen und Schweden / und von der Juſul Bottland. 


Mumia 


876 | Mum 


Mumia gebalfaniert Meuſchen⸗Fleiſch / kommt mehrentheild aus 
> Egnpten / woſelbſt man esin denen Höhlen undGräbern/ auch unter 
Denen verfallnen Pyramiden noch häufig antrifft / wiewohl (ie alle 
heimlich müflen auspracticiret werden/weil ſie die Egyptier nicht — 
abfolgen laſſen / es ſeynd aber ſolche Mumien nichts anders als bal⸗ 
ſamierte Menſchen⸗Coͤrper / welche ſolcher geſtalt ſchon etzliche hundert 
ja tauſend Jahr in der Erden gelegen / und Krafft der Myrrhen und 
Aloes als welche die bornehmften Ingredientien ſolcher Balſamie⸗ 
rung ſeynd / von dev Verweſung befreyet worden. Heutigs Tags 
zeiget man dergleichen Mumien ‚welche offtmahls noch in einen vom 
Saflafras Holt gemachtenGarg liegen/ hin und wieder in unferhEuro» 
difchen Ruuft-Rammern / ſonderlich wie fie noch in ihren Todten» - 
Kitteln nach Egyptiſcher und Orientaliſcher Art zierlich eingemwickelt/ 
derer Geſicht mit gefchlagen Gold belegt/ und der Leib mit allerhand 
Hieroglyphifchen verguldeten Figuren ausgeſchmuͤcket ift / oder man 
braucht auch folche Mumien in denen Apotheden / unter gewiſſe Artz⸗ 
neyen. Diebefte Art der Mumien ift/ wann ſie gang dundel ſchwar 
braun/ wie hartgesäuchert Fleiſch ausfehen / dabey aber aud) hübfi 
fleifchig und dog leicht feyn. Die Specereyen welche zu den balfami> 
ren folcher Mumien gebrauchet worden / waren Myrrhen / Aloe ‚Ges 
dern Safft / Saltz / Wax / Honig / Saffran / Gips / Hark / eine ge⸗ 
wiſſe rn Dean den⸗Leim / und andere koͤſtliche Wuͤr⸗ 
tzungen oder Rauchwercke mehr / ſonderlich aber der unvergleichliche 
alfa welcher in Egypten und Syrien zu finden iſt. * 
Diefe Sachen ob ſie uns zwar alle befandt / werden aber darum nicht 
alle gebraucht / Fonumen auch nicht alle zu und in gleicher Büte und 
Auffeichtigkeit / fonderlih der Balſam / zu dem ift uns unbemwuft 
daseben Maaß der Theile / wieviel nemlich die Egyptiſche Leichen- 
Galber von jedweden Stud zu einen Mumien genommen. 
. Wir haben aud) feine volllommene Wiſſeuſchafft / dev Artund Weiß 
u balfamteren / weswegen aüch zu unfern Zeiten den Entgeifterten 
Beibern feine ſolche langwierige Unverweßlichkeit Fan gefchaffet 
werden / bielleicht daß auch der Egyptiſche Sand / welder.in den 
Gräbern zu findengemwefen / bielzu. der Todten⸗Leiber ihrer Auge 
trucknung contribuiren. Die heutige Reu⸗erfundene Materialia 
die Todten dor der Verweſung zubewahren/ beftehen aus dem Balſamo 
Sulphuris, ald welcher fo eine Krafft hat / daß er ſowohl bey lebendigen 
alötodten Eörpern die Verfaͤulnng hintertveiber/ ein mehres biebon 
vide in den erſten Theil des Herru Happelii feine Relationibus Curio- 
fis pag. 697. Seleqventibus, item in Schröders pollftändiger Apotheck / 
lib, 5. 1. Clafl. unter dem Wort Homo. 


monchs 





——me 


Mün Muf 877 


Munchs Rhabarbara, Rhabarbarum Monachorum, 
Mund⸗Holtz / Liguſtrum, alba liguftra, 
Mund ⸗ Leim / Collapifeium,ichthyocolla, 


Mundubi Li ein Braſilianiſches Kraut / deſſen Frucht unten gang 


nahe an der? 


urgel heraus waͤchſt / und in einerdünnen Schaale 2. 


Kern trägt/die faft wiePiracienf mecken / wenn man ſoiche aber zuviel 
iſſet / Haupt · Schmertzen berurſachen. 
Muͤntz / Moneta vide Geld. 


Muͤntzʒ / MenthaCrifpa, 
Muria, vide Pockel. 


Murmel-Chier / mus alpinus, dieſes Thier wird haͤuffig in 
Schweitzer land gefangen / und ſonderlich von den Obackſalbern geſucht/ 


welche das Fett oder Schmaltz 


davon unter ihre Salben miſchen / und 


ſolches für ſehr heilſam ausgeben. Es foll dieſes Thier die Natur 


an ſich haben / daß es ſchlaͤfft 
Tag / und bey dieſen Schlaff 
Murochtus Milch⸗ Stein / 


bon Gt. Juͤrgen bis auf St. Gallen 
dochfehr vu * fett — 


iſt ein weicher weiſſer Stein / die Lein⸗ 


weber brauchen ſolchen ihre Leinwath damit weiß zu machen. Gr 
wird haͤuffig in Sachſenland gefunden / muß aber ehe man ihn brauchen 


fan zuvor aufgelöfet werden. 


Murten:Dorn /Bruscus Rufeus, 
Muß⸗Hahnenfuß / Ranunculus Hoferaceus, 
Mufa ein Indiauiſch Gewaͤchs / PalaClufii, Mufa, Maus, bon den 


Indianern Bacoba genannt / i 


R ia Brafilien fehr gemein/feineBldt» 


ter ſeynd 10. biß 12. Spannen lang/diegrüchte/deren 40. big so,arı ef» 
nen Stiel hangen / feynd fo groß als Gurcken / werden aber nicht eher 
zeitig / als bis man ſie abgebrochen und eine Zeitlang anfgehangen hat. 
Einige meynen es fer dieſe Frucht gar die Dudaim,deren im erſten 
Bach Mofe gedacht wird / wiewohl andere ſolches vielmehr bon der 
Mandragora quödeuten wollen. — 


Muſaiſche oder Moſaiſche Arbeit / ſonſt auch Nuſſi undMargveterie 


oder eingelegte Arbeit genannt/ ift daher entfprungen / weil als man 
geſehen / wie die im Pflaftern angewandte/ und in ſchoͤner Ord⸗ 
ebte 


nung zufanımenge 


Marmor⸗GSteine / einen fehr fhönen Effedt in 


Vorſtellung allerhand Figuren thaten / fohat man endlich angefangen 
die kleinſten Stuͤck / (daher auch der Rahm der Stücdatur-Arbeit 
entfprungen) derſelben auszuſuchen / und ſolche in eine naſſe und von 
zerſtoſſe nen und mit Kalch zugerichtete Mallam ordentlich einzuſetzen / 


und wann ſie trucken geworden 


glängend zu machen / bis end 


“ 


/fetbige alsdann ſchoͤn zu poliren/und 
lich gar die Mahler (ich darhinter ges 
Ki macht 





83 — Mußß — 
macht / und ſolche Steinlein dergeſtalt kuͤnſtlich auf die Fuß ⸗Boͤden 
und an die Waͤnde zuſammen gefüget / daß eublich gantze Figuren / 
uud zwar fo ſchoͤn / als wann ſie mit dem Pinſel wären gemahlt gewe⸗ 
fen / heraus gekommen / endlich hat man gar dergleichen gefärbte 
Steine / weilfievon Marmor nicht ſo accurar anzutreffen gemefen/ 
durch Kunft aus Glas und Schmelg nachgemacht / und die ſe Mofaifihe 
Arbeit damit noch höher getrieben/ alfo/ daß ſie auch endlich / weil fie 
in allen Wettern beftändig aushielte/ der Mahler⸗Kunſt vorgezogen 
worden. Die fchönften Wercke / welche man von diefer Arbeit / und 
zwar noch von den alten Zeiten her jiehet / feynd zu Rom in dem Bac- 
chus-Tempel/ heutigd Tags St. Agnes genannt/ item zu Pifa und zu 
foven& / und vielen andern Städten mehr. Unter der neuen Mio» 
aifchen Arbeit ift wol die vornehmfte/ die Borftellung unfers Heylan⸗ 
des / wie er mit Petro auf dem Waſſer gehet / welches Kunſt⸗Stück in 
der Peters · Kirchen zu Rom zu ſehen iſt. Zu Venedig iſt auch die 
St, Marcas-Rirche trefflich mit dergleichen Arbeit gezieret / wiewol ſol⸗ 
che mitten indem 13. Seculo ſchon ſoll gemacht worden ſeyn. Zu Flo⸗ 
renh in dev Kirchen 8. Felicitas iſt beruhmt das Contrefait eines Bar- 
badorigenannt. Undzu Rom findetmans. Stüd in dem Pallaft 
Borghefe, worunter ein Orpheusift / der mitdenen neben ihm ſtehen⸗ 
den Thieren aus mehr ald 9000. färbigtenGteinen zuſammen gefeget/ 
und von Miniatur nicht fhöner feyn koͤnnte. 
Es werben aber zu der Mofaifchen Arbeit die durch Kunſt gemachte 
Steine folgender geftalt gemacht: Wann inden Blaö-Defen auf de⸗ 
nen Glashuͤtten die Ziegel voller gefchmolgener fertiger Glas-Mare- 
siafeynd/ fothutman in ſolche Tiegel die Farbe / bon welcher man das 
Glas haben will / und Hebt von der helleſten an / bis auf die dündelfte/ 
in folder Aufeund Abfteigung / wie immermehr die Tapeten Wolle 
könnte gefärbet wer den / —* ninunt man mit eiſern Löflel das ge⸗ 
ſchmolhene und gefärbte Glas aus / thuts auf einen ebenen und glatten 
Marmorftein / und macht es mit einen andern Marmor gang platt/ 
fchneidet es Hierauf geſchwind in kleine Stüdlein / und betmaßret ſie / 
waun ſie kalt gemorden/ zum Gebrauch; will man ſie verguͤlden / fo 
nimmt man dieſe zerſchnittene Stůcklein / macht fie auf der einen Sei⸗ 
tennafmit Gummi⸗Waſſer / und legt die Gold⸗Blaͤttlein darauf / 
terauf legt mans auf einer eifern Schaufel vorn ins Ofenloch / decket 

e mit andern Glasftücen zu/ und läßt fie fo lang liegen / bis ſie gang 
e. geworden / ziehet fie hernach heraus, läßt ſie erkalten/ fo ſeynd 
ge fo ſtarck verguldt/ daß man das Bold auffeine Weiſe mehr Davon 
ringen kan. Bann man ſie nun verarbeiten will/ fo hat man die Fi⸗ 
gur / die davon fol gemacht werden / fchon auf gepapt Papier abge 
zeichnet und ausgemahlet / die legt man aufeine Did mit Kal — 
eng 


— — 5 / — ! - == 
Muf 875 


ö—— —— — TEEN EEE TER — GERA — 
- fene WMaur / eben als wann man al freſco mahlen wolte / nimmt hier- 
auf mit Heinen Zänglein die Eleine Blad-Stüdlein / und drudt fo et: 
nes nad) den andern fauber in den naffen Kalck hinein/ nach der borha⸗ 
benden Figur / und damit ik dad Werck fertig / und wann es hart ge- 
mworden/unvergänglid, 
Eine andere Art von Mufaice iſt / mann man allein aus den gefchnit- 
tenen weiffen / grünen und ſchwartzen Marmor-Stüden gange Bil 
der zuſammen feget/ ald wären (le grün in grau gemahlet / wie alfo in 
der Haupt⸗ Kirchen zu Siena das Opfer Arahams zu fehen / welches 
von einen berühmten Mahler / Rahmens Duccio angefangen/ und von 
einemandern/ Dominico Beccafumi genannt/ bolljogen worden. 
Diedritte Art Mafaifcher Arbeit / iſt von Holgeinzulegen / und diefe 
wird Marqveterie don den Jtaliänern Taufıa& Tarfıa genennet ; dag 
fie den Alten nicht müffe unbekannt gewefen feyn / iſt beym Plinio lib. 
16. c.43. zu erfehen/ wiewol man zweifeln kan / ob fies fo hoch getrieben, 
als jest bey un —— da zu Florentz Philippo Bruncle- 
fco. undzuXom einer Rahmens Jean de Veronne diefe Arbeit faſt 
auf die hoͤchſte Stuffegebraiht / indem fonderlich diefer lehtere die 
Kunft erfunden / dem Holg mit dDurchdringenden Delenund Güd- 
eiffen Farben / allerhand Couleurs — mit welchem ge⸗ 
been Holger hernachmahld denen Mahlern nachahmte / und Hau⸗ 
fer und Perfpedtive davon borftellte. Diejenige Künftlers nun / 
welche ihm fieder der Zeit nachgefolget / haben erfunden/ das Holg 
ſchwartz zu brennen/ ohne daß es ſich verzehrte / Indem ſies etwan im 
heiffen Sand gethan/ oder Kalch-⸗Waſſer und Sublimat, item Schmes 
fel⸗Oel darzu gebraucht. Es erfordert aber diefe Arbeit gebultige 
keut / weiles langfam nn / fomüffen fleaud) die Mahler» 
Kunft etwas verſtehen / wie ſolches aus den uberaus raren Kuͤnſt⸗ 
ftücen eines jean Macẽ, bon Blois gebürtig / welcher Ao. 1672, vor 
dem wie Franckreich gearbeitet/ zu erfehen ift. | 
ft noch übrig von den Ouvrage de Rocailles , oder @rotten-Arheit/ 
etwas weniges zu gedenden/ bon welcher die Grotte zu Verfailles recht 
por ein Meifterftud mag gehaltenwerden. Man gebraucht aber me 
rentheils zu folder Arbeit die Congelationes, Marcafiten/ Chriftallen/ 
Amethiſten / die Petrificationes, rohte und weifle Corallen Zinden/die 
dianifche Croiflances, welche wie Hanen · Kaͤme ausfehen / Eiſen⸗ 
chlacken / Schmeltz⸗Glas / allerhand Gee und Fluß / ſonderlich die 
fo genannten St. Jacobö-Moufcheln / die hübſch breit und flach feyn/ 
Perlen-Mutter und unzehlig andere Heine Mufcheln und Schnedfen/ 
- die ſowol hier bey uns in Europa / als auch an dem Afiarifchen und 
Aſricaniſchen See-Strand gefifchet und gefunden werden, 


Ri s Ye: 





280 Muf 
Mufeareller-Wein/ Vinum Mufcatellum , der befte kommet aus 
Italien / wofelbft man folchen bey der;Stadt Montefialcone am Berg 
Alcino nellaCampagna di Roma hauet / deraus frifchen Apianiſchen 
Trauben gekältert wird / iſt bland/ den man aber aus etwas etrude 
neten kältevt / iſt vöhtlich ; beyberley feynd fo delicar, daß jich ein Fe 
taliänifcher brælat darinn zu tode geſoffen / welcher alezeit / wo er ger 
reift/feinen Diener voraus — unterwegs den beſten Monte- 
fialconer oder Muſcateller⸗Wein auskoſten laſſen / da dann der Die⸗ 
ner/woer etwas guts gefunden / au des Wirths ⸗ Haus Thür geſchrie⸗ 
ben EN, hier iſt ein guter Wein; worauf dann der Herr im Vor⸗ 
befahren fill gehalten / und ein Maͤßlein ausgetruncken / bis er end⸗ 
fich von vielen Sauffen geftorben / da ihm danu fein Diener auf das 
Grab fegen laffen: | 
Propter ER ER, Dominus meus mortuus eft, 
In Languedoc, einer Probing in Franckreich waͤchſt auch herrlicher 
Mufcateller/den man häufig nah Lyon führet’/ und dannenhero 
Mufcat de Lion nennet. 
Muſcaten⸗ Bluͤht / Macis folium flos Mufcatz , Cortex aroma- 
ticus. | 
Muſcaten⸗Nuͤſſe / Nuce⸗ aromaticæ, Moſechatæ vel Muſcatæ, der 
Muſcaten · Baum / an welchen dieſe Nüffe wachſen / fol in der Groͤfſe 
unfever Pfirſig + Bäume ſeyn / die Blätter aber etwas ſchmaͤler haben. 
Es wächfet aber Feine Muſcaten ⸗ Ruß ohne Blumen / dann wann man 
fie an dem Baum betrachtet/ fo iſt erſtlich Die Ruß / die hat auffen her» 
umeine dicke weihe Sthelfen / welde gant grün / und gleihfam un⸗ 
fern frischen Welchen Rüſſen gleichet / die mittelfte ift Ihön braum/ 
gelb und Licht / und ſolches ift die Blume oder Macis , die dritte oder 
unterfte ift hart und hoͤltzig darinnen ſteckt die rechte — en 3 
Don der Blühteerftlic zureden / ſo gibt es um felbiger Gegend Voͤ⸗ 
el/ welche dieſem Gewaͤchs groffen Schaden thun / indem ſie Die Ruß 
mt der Blühteverfchlingen/ und nicht nachlaſſen / bis fie ihren unge» 
wöhnlichen geoffen Kropff Damit gefüllet / worüber leader don ſelbi⸗ 
gen Lands-Einwohnern gefangen / mit fanıt dem Eingeweide verzeh⸗ 
ret / und vor eine delicate Speiß geachtet werben. ann die Nuß 
überzeicig/ fo fpringet ſie entzwey / und fällt die duſſerſte Schaale ab/ 
(eich wie an den unfrigen gefchiehet ; diefed willen nun obgedadhte 
ögel wol/und machen ſich dannenhero um felbige Zeit herbey / wes⸗ 
wegen fie auch Ruͤß· Freſſer geheiſſen werden. Ein gewiffer Autor 
fchreibet/ daß diefe Vögel die eingefchlucten Rüffe wieder durch den 
Unter-Reib don ſich geben und fallen laffen / und wo alödann ein ſolche 
Nun aufs Erdreich falle/ da fhlage ſie bald Wurhel / und ** * 
win⸗ 


— 


mu | 38 


ſcw inder als andere auf / aus Urſache / weildie Ruß in des Vogels 
Magen erhitzet worden; dieſe Art bekommt auch Fruͤchte / aber nicht 
daurhafftig / ſondern wie gedachter Authot meldet / ſollen die Rumpffe 
oommen / welches aber unwahr ſche inet / ſintemahl die Ruͤmpffe 
Auswurffling / und mehr vor verlegene Rüf / als obiger Meynung 
nach zu halten ſeynd. Cs tragen aber die Mufcaten- Ruß» Baͤume 
des Jahrs zweymahl Früchte / als erſtlich tm Majo und im Decembr, 
Sie werden aber nicht alle zugleich reif; “ihre Einfammlung ge: 
ſchiehet im Majo, Auguſto und Septembr. nachdem das Fahr gut oder 
das Wetter variabel gewefen. Die Macis Electa oder Finislima muß 
von Blumen/ ihn gelb und von derbraunen ausgelefen fenn. 
wohldieNüffe als die Blühtewerden auf gleiche Condition mit‘ 
33. oder. Marck Rabbat in Hamburg berkanfft/ und-mitcouranten 
Beide ae: 
Mann es in den Ruͤſſen ein Miß⸗ Jahr giebet / ſo ſind (fe ein und zus 
ſammen gefchrumpffet/ werden als dann gerne wůrmicht / und dannen · 
hero bey uns genennet. Die gute bollkommene Ru werden 
im Lande mit Kaich Waſſer gewaſchen / um ſie dadurch dor dem 
Warm eine Zeitlang zu preſerviren; ich fuͤrchte aber / le befoumen 
davon ſchwerer Gewicht / und fen eben auch darauf angefehen. Es 
gibtiauch unter den Nuͤſſen eine groſſe Art / davon eine vier bis ſechs 
andere hinweg wieget/ diefe werden don einigen Mutter · Nũſſe genen- 
net, wiewol Ile nicht die rechten Mutter⸗Rüſſe fenn / ſondern ‚folche 
müflen laͤnglicht und rim / und unter andern Ruͤß⸗Baͤumen 
wachſen / nur daß fie zu duſſerſt an des Baums Spitzen ind und ges 
meiniglich 3. in 4. beyſammen gefunden werden / diefe keommen zu weis 
len auch unter andern Nüffen heraus / fonderlich aus Bantam , mo ſie 
häufig wachen / wie (ich dann auch in guten Jahren die Bäume da ⸗ 
ſelbſt von Schwere der Nüffe bis aufdie Erde biegen. Alle Mufcas 
ten-Rüffe werden von den Blumen durch die Indiantfche Weiber erft 
fortivet/ und hernach verkaufft Das ansgeprefte und deftillirte Mus 
fcaten-Del wird in Holland und Teutfchland verfertiget. 
Nuces Mufchatz Indicz Conditz , eingemachte Indianiſche Nuͤſſe / 
werden gleich frifch in Indien in Honig oder Zuder eingemacht / und 
deut.ı000. nach verfaufft/ und zwar ind ieh gewiſſen Zeiten / gleich 
wie bey und um Johanni die Welſchen Rüffe am beften / dahero fie 
auch die Gewohnheit haben / ſolche noch unzeitig abzumachen/ und zu 
cendiren; Die/ welche in Zuder und nicht Flein ſeyn / haͤlt man vor 
diebeften. Aus diefen eingemachten Mufcaten-Nüffen erſtehet mau/ 
daß die Muſcaten ⸗· Ruͤß das wahrhaffte Marck der Indianifhen Ruß 
ſey / uud dag ſie zu erſt in eine harte re — 
— ur 


582 Mut 

77 Term ——— — — 
durch Die Zeitigung abfallen / wie andere Welſche Nuſſe. Die frifche/ 
ſchwere und fette Muſcaten / welche / wann man mit einer Radel hinein 
ſticht / eine Öhligte Feuchtigkeit von ſich geben / ſeynd diebeften.. 
In dem artzeneylichen Georauch hat man befunden / daß die Muſca⸗ 
ten-Rüffe waͤrmen / trocknen und adſtringiren / fie dienen dem Ma+ 

en / Haupt und der Mutter / zertheilen die Winde / verbeffern den 
Fr nckenden Athen / feynd gut in Ohnmachten und Hertzklopffen. 
Auſſer denen —— Mufcaten-Rüffen / hat man auch noch in 
den un folgende daraus zubereitete Stüde / ald das Mufca- 
ten-Blüht-Confedt, Muſcaten⸗Waſſer / Wuſcaten⸗Oel / welches aus 
denen friſchen / zerſtoſſenen und in einer Pfanne geroͤſteten Mufca= 
ten ausgepreffet wird. Man hat ferner Mufcaten - Salt / wei⸗ 
ches aus der zurück gebliebenen Afchegelaugetwird / der Mufcaten- 
Bluͤht⸗Balſam / wird aus dem auögepreften Del bereitet / wann man 
etliche Tropffen des Deftillirten darzu ihut. Vide hiebon mit meb- 
= Schitders vollſtaͤndige Apotheck lib. 3. 1. Clalſ. unter dem Wort 
Aoſchata. 


Muſcheln und Schnecken / Conchæ, in dieſen ſpielet abſonderlich 
die Ratur / alſo daß ein curieufes Aug ſich nicht genug daran ergößen/ 
vielmeniger die Allmacht des allein meifen Sch; ffers genugſain bes 
wundern fan. Ein Kauffmann / vornehmlich aber ein Marerialift ; 
möchte derfelben zu Auszierung feiner Material- Kammer / item im 
der Rachfrage willen geoffer Herren / welche diefelbe in Kunſt⸗Kam⸗ 
mern und Grotten berſetzen / oder auch anderer Urſachen wegen noͤhtig 
haben / weswe Feed ug Arten derfelben alhier nahmhafftig 
machen / die Figuren halber aber auf die in Hambur ausgegangenẽe 
geoͤffnete Raritaͤten und Naturaſien · Kammer berwiefen haben wollen / 
woſelbſt folgende Arten von Conchis glg die vornehmſten beſchrieben 
und abgebildet werden: * 
Hertz⸗Muſcheln Concha Striata, Schieffer Muſcheln Concha Imbri- 
eata, Gt. Jacobs⸗Muſcheln Pecten, Sach-Mufchel Concha porcel- 
lanica, See⸗Apffel Aurantium marinum, Venus-Mufchel TonchaVe- 
nerca, Purpur-Mufchel Concha purpara, ein kleines Horn beiffet bey 
einigen Concha ad afthma , & iffgen Nautilus, > sendelftiege Co- 
chlea duplicara, ſtachlichte Ohren. Schnecke Purpura aurita echina- 
ta, ſtachlichte Blaſe-Horn Buccina echinara Noten · Schnecke Purpu⸗ 
ra mufıca, Tieger⸗Kreuſſel Trochus maculatus, Convolute, Cochlea 
Cylindroites, Perlen⸗Schnecke Cochlea margaritis zmula , Fiſch⸗ 
Maul Nerites, Chineſiſche Muͤze Patellaperforata , diefe legte Art iſt 
zu oben erzehlen Sorten nicht wohl zu bringen / und vielleicht ein Miß⸗ 
Geburt / ſie befindet ſich aber unter den Groß⸗ Hertzoglichen Raritäten 
zu Florentz. | Die 


0. Mi) 8 
Die befte Eintheilung oberzehlter Raritäten geſchiehet in Mufceln 
und Schneden/ jene theiltiman wieder ein in ein⸗ und doppeltfchalige/ 
die Einfchaligte in — und weit⸗offene / rund und eng⸗geſchloſſene; 
man findet ſie auch laͤnglicht / ſchuppicht / geſtricht / rauh / Corallen⸗Farb 
und glatt. Hieher gehoͤren auch die Auſtern / Perlenmutter/ Blatta 
bizantia, Chamz, gruͤnende Muſchel/ Umbilicus Maris Meerbone / 
Dentalium und Entalium. Es werden auch dergleichen Teſtacea, 
Oftraodermara geheiflen / und zehlet man auch unter folche die bey 
den Fischen befindliche Steine / Eorallen und Eyerfchaalen / welche 
manchmahl beſſer inder Argeney/ ald alle gemeine Magifteria zu ge⸗ 
brauchen. 

Miufchel-Bold / Aurum in Conehis, wird folgender geftalt ge⸗ 
macht: Nimm einige Gold: Blättlein / und reibs auf einen reinen 
Gtein mit Jungfern-KHonig/ fo lang bis edunter dem Oberſtein gan 
nett gebracht iſt / dann thus in ein Glas helles Waller / vühr es um / 
und gieß das Waſſer ab / bis ed Elar wird / nachmahls nehmet füreinen 
Schilling Scheidewaſſer / nemlich ı. Roht/ und laſſet es⸗ Tage darine 
nen/ hernach nehmt es heraus / und hebet dad Scheid⸗Waſſer zu fer⸗ 
= Gebrauch auf; Eben fo macht mans auch mit dem Muſchel⸗ 

iiber. - | 

Mufcus, Biefem/ vide Bieſem. | 

Mufcus, Mooß / waͤchſt ftatt einer Wolle an denen Bäumen. 

Muſei TerreftrisSemen, vide Beerlappen oder Trutten Fuß⸗ 
Saamen / das Kraut davon wird auch Lycopodium pes Urſinus, 
Wolffs⸗ und Teufels· Klau genennet / kreucht in Geſtalt eines Stricks 
oder Seils an der Erden hin / und traͤgt gelbe Kaͤtllein oder Bluͤhte / 
welche ſtatt des Saamens ein gelblichtes Mehl oder Pulver geben / fo 
zu den Blutfluͤſſen und Durchbruch dienet. 

Mufeus arboreus, Qernus, Baum⸗Mooßÿ / waͤchſt an allerhaud 
Bäumen / dad Eichen ⸗Mooß dienet vor die Baud-Flüffe/ Durch⸗ 


bruch / überflüßige Weiber⸗Zeit. 


Muſcus ex Cranio humano ‚FlosCrani , UfneaCräniihumani, 
Moog von Todten⸗Koͤpffen / iſt ein gewaltig zufammen-ziehended 
Wooß / dienet zu den Wunden und Blutflüffen ; man ſammlet eö ge» 
meiniglich von den gehängten Dieben/ die lang im Galgen gehangen/ 


pird mit unter die Waffen⸗ und Wund-Galde genommen, und ift ein 
Geheimniß dor die fallende Sucht. 


Mufeus pulmonarius, Lungen: Moof / Baum ⸗Lungen · Kraut / hat 
weißlichte / runtzlichte und Lederfoͤrmige breite Blätter / iſt ehenfalls 
gut hor die Blutflüffe und wider die Schwindſucht. 


Kita Mu- 


884 | Muf 
„  MufeusTegularic, Mooß das aufden Dadernwächft / wird vor 
das Naſenbluten mit Eßig auf dem Wirbeldes Haupts gelegt. 
Muſicaliſche laſtrumenten ſeynd entweder ſolche / die mit den Fin⸗ 
gern und Fuͤſſen zu einen Thon gebracht / oder auch mit dem Munde 
geblaſen werden; Die erſten Arten vide unter dem Wort Geigen / 
Die andere unter den Wörtern Pfeiffen und Tromperen. | 
Muffiv, vide Mufaifene Arbeit, | 
Muſters / Franhoͤſiſ. Echantillons, bon einigen auch Proben oder 
Staͤhligen genannt/ wird gefagt von demjenigen/ mas von einer tru⸗ 
ckenen oder lüßigen Waar abgefchnitten und abgenommen wird / da» 


nut derjenige/ der folche zu kauffen Luft hat/ ihre Qualität daraus ere 


Eennen möge. Alſo haben die Tuch⸗ und Seiden⸗Haͤndler gantze 
Cartons oder Buͤcher / in welchen ſie von denen bey ihnen zu kauff ſte⸗ 
henden Tüchern / Seiden und Wollenen Stoffen / Baͤndern und Sei⸗ 
de/ ıc. kleine Stũcklein und abgeſchnittene Muſters aufgeklebet / aus 
welchen ein Kaͤuffer nach ſeinem Belieben eine Sorte oder Couleur 


choiſiren und. erwehlen Fan. Die Wein⸗Haͤudler geben von ihren. 


Weinen unterſchie dliche Proben zu verfuchen / wiſſen aber doch wol 
hernach qvid pro qro zu geben. Alſo iſt auch nicht in jeder Waare all= 
zeit dem Muſter zutrauen / weil ſolches gemeiniglich aus den beſten 
auserleſen / und das gangeübrige Stud darum gleichwol ſchlechter 
fallen kan / fonderlich in gewiſſen Waaren / deren Grund. man nicht 
wol penetriren kan / fondern nur durch das Mufter aus der Superficic 
ober der Oberfläche ſolchen beurtheilenmuß/ als da hat (ich manch⸗ 
mahl in einer Rolle oder Zap Toback / die von auflenzwar tieff ange: 
ſchnitten worden / die Probegutbefunden / da gleichwol inwendig an 
dem Stod viel verfaultes geweſen. Mancher Kramer weiß auch ein 
Stud Zeug fo zuſammen zu falten / und den guten End/ aus welchen 
er die Proben ausfchneidet/ vor die Augen zulegen/ da e3 doc inwen- 
dig fledigt/ von Wurmern angefreſſen / oder auf andere Weiſe ſchad⸗ 
hafft iſt. Bender ſchwartzen Farb Haben wir bom Abileden der Pros 
ben und Mufter gehandelt/ auf was Weiſe folches Abileden müffe vor: 
genommen werden/wann man ein ſchwartzes Tuch unterfuchen will/ob 
es vorhero behöriger maffen.einen guten Grund / entweder mit der 
Weide allein / oder mit der Weide und Roͤhte bekommen / ſolches iſt 
nun nöhtigbey denen Zeuchen / anmelchen die Färber Fein Roͤßlein 
—— aus welchen man / wie der erſte Grund geweſen / haͤtte erſe⸗ 
en koͤnnen. In wohlbeſtallten Handels- und Manufadtur- Städten 
wird desfalld eine eigene Schau⸗Kammer aufgerichtet/ in welcher 
erftlich gewiſſe und aufgutem Grund gefärbte Muſter von allerhand 
Couleur Zeudhe aufbehalten/ und diejenige/ welche neu-gefärbet * 
n/ 


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— — — Muſßſß885 
den / und von welchen man etwan Sufpicion hat / daß die Faͤrber nicht 
aufrichtig damit gehandelt / dagegen gehalten / auch wol eine Probe 
von ſolchen neugefaͤrbten Zeuch mit einer Probe von den verſichert⸗gut⸗ 
ärbten Zeuch zuſammen gekocht / und alſo daraus beyderſeitiger 
uſter Qualitäten unterſuchet werden/ worauf dann erſt nach Befin⸗ 
den der neugefaͤrbte Zeuch von denen Deputirten zum Manufactur- 
Weſen als ein wohl-oder falfch-gefärbter Zeuch geſtempelt und J 
zeichnet wird. = 

Piebhabern der Kauffmannſchafft / fonderlich aber jungen und anges 
henden Kauff⸗Leuten ftehet bey dieſer Materie von den Muftern und “ 

NBaaren- Proben zu rathen / daß fie vonallen Waaren / ſo ihnen entwe« 
der in ihren Dienſt⸗ Jahren bey andern Kauff-Reuten und Kramern / 
oder audy gleich von Anfang ihrer Handlung von denenihnen unter 
Handen kommenden Waaren (von welchen ſich füglich Proben aufbehal- 
ten und abſchueiden faffen) die Proben aufnchmen / und zwar folgen- 
dergeftalt/ nemlich daß mas die Proben bon Tüchern / Seidenen 
Stoffen und Bändern / Leinen und Baumwollen / Einfachen oder me- 
lirten Zeuch betrifft / fie dabey Die Couleuren / Battungen/ Preifen/ 
und Fabrigren dergeftalt obfervirten/ daß ſie den Cuuleuren nad) 
von den Hoͤchſten anfangen / und zum Exempel die höchfte Nacara 
Couleur unter No, ı. oben mit Oblaten oder Siegelwachs ankleb- 
ten / und fo wiedie Farben herunter giengen / und (ich nad) gerade 
derringerten und weißlichter würden / bis auf die allerbleichfte oder 
Kofen-Farb/ und alfo von einer Exrremität zu der andern / als von 
der gantz dundel ſchwartzen Cramoyfın bis faft in roͤthlich weiß / da: 
mitcontinuirten Eben mie die Schattier: Wollen/ die man zum 
Zapetenmacen gebraucht / weil doch alle Farben aus den weiſſen an⸗ 
fangen / und inden ſchwartzen fi endigen, Mach den vorhen fünten . 
fie die blaue/ ferner die grüne / gelbe/ braune / Biolet und dergleichen 
fo wohl Einfache / als aus andern zufammen gefegte farben mehr neh⸗ 
men. Solche alle / wie fie in der Farb aufſteigen / nach einander auff> 
kleben / jedoch dergeftalt / daß ſie nicht Tafft mit Atlas / Damaſt mit 
Sammit / faconirtmit ſchlecht oder glatt Band / Hollaͤndiſch Lacken 
mit Schleſiſch oder Crepon und dergleichen vermengten / ſondern jede 
Sorte Linden von etlichen dicken Karten-Papier zufanımen gemach⸗ 
ten Buch) beſonders auf einen Blatt klebten / und zwar müffen ſie alle 
folche Mufter in Duplo abfchneiden / eines in folhe Buͤcher zugebrau⸗ 
chen / die man denen Kaͤuſſern zeiget / damit fie (ich nach ihren Belieben 
daraus auswehlen mochten/woben denn aud) zugleich die Numer des 
Stücks (wie ſolches damahls ald man ed aus dem Bande empfangen/ 
auf der Factura gezeichnet geweſen / item in was vor einem Preiß fol- 
che zu verfauffen ftehet/mit den |. ——— 
5 ⸗ 


886 - Mur 
- pr En N 

Bruchſtab zahlen) Fünte bemercket werden/ und zwar darum / damit der 
Kram ⸗Diener / wann etwa dieſes oder lenes Stüd verlanget wuͤrde/ 
ſolches nach der Numer gleich finden / uud in allen Fall ſchon zum vor« 
aus den Kaͤuffer des Preyſes wegen Bericht thun koͤnnte/ die andere 
Probe dienet in ein Muſter⸗Buch zu des Kauffmanns feiner beſon 
dern Nachricht und heimlichen Verwahrung / und mufte in fol» 
chen dabey gefchrieben werden / erſtlich das Gtuͤck felbft/ deffen Nu- 
mero wie es gezeichnet / fein Ellen⸗ Maaß und der Preyß / was es geko⸗ 
ſtet. Ein Kauffmauns⸗Diener der ſich zu feiner künfftigen Nachricht 
ein ſolches Mufter- Buch verfertigen wolte / koͤnte über vorbeſagtes 
annoch dabey notiren / den Ort und die Manufadtur „ wo dieIKaae 
ve eingekauffet oder don wannen ſie verſchrieben wordent/ ob man 
ed erſt aus der erſten Hand bon den Meiſter ſelbſt / oderbon bemFas 
or belommen / des Meiſters Rahmen und Zeichen/dielinfoften vor 
jenen Aus-und hier Eingehenden Zoll / die Fracht vor den Tra nsport, 
Die Conditiones des Ein-und Verfauffs/ bie Qbalitaͤt / welche das 
Gut muß an ſich Haben / warn es berkaͤufflich ſeyn ſoll / worinn deffen 
Mängel beſtehe / wohin es am meiſten debitiret werde / und was 
dergleichen mehr. Alſo koͤnte von den Luqvefer oder doppelt Tafft 
nouret werden/ daß s bis⸗ Ellen aufein Pfund gehen müften/ und 
daß / welche darunter wägen/ ſchon fo biel ſchlechter wären. Inden 
Luftre Tafft hätte er die breite/ wie ſolche in Diefer oder jenerFabrigve 
gemachet / und wo ihm der ſchoͤnſte Luſtre gegeben wuͤrde / ſammt 
allen Dvalitäten diefed Taffts mehr zubemerden. Gleicher geftalt 
laͤßt es ſich auch mit andern Waaren / ſie mögen ſeyn von welcher Art 

fie wollen / oracticiren / nemlich daß man von jeder da es ſich thun laͤßt / 
eine kleine Probe nehme / und ſolche wohl verwahre / auch im Roih⸗ 
fall die eine gegeu Die andere halte, Was grobe Wagaren feyn/ 
als Eifen/ Theer / Flachs / Henff / Pottafche / gibt ſolches dietägli= 
he Erfahrung und der Umgang / welden man mit ſolchen Waaren 
hat von ſich ſelbſt / daß eben darzu Feiner fonderbahren Speeulation 
vonnoͤthen ift. 

Muthen / heift bey Bergwercken / wann der Finder des Ganges 
dem Bergmeifter durch einen Zettel zu erkennen giebet/ wie er an ei» 
nen gewillen Ort / in unverliehenen Felde eine Fund⸗Grube / oder ei» 

tie ind freye gefallene Zeche aufzunehmen und zu bauen begehrte / der 
nur ſolches thut wird Muthen genannt / es wird aber der Muth Zet⸗ 
tul folgender geftalt eingeriht : Tir. Herr Bergmetfter/ich muthe 
‚und begehrte meined genädigften Herru Freyes als eineFund⸗Grube / 
ſammt Dbern und Untern⸗-Nechſten Maffen / auf einen ſtehenden Fla⸗ 
chen / oder Spad-Bange/derN.N. genannt/aufN,.N, Gütern gelegen/ 
Vormittag ung. Uhr deu 1. Iulii Anno 1707, 





Mu th⸗ 


y-— eo. — ee 


Mur Myr 887 


Muchrill/Herba vel Tunica fuperba, 

Murtter⸗Kraut / Marricaria, Melifla. 

Mutter⸗ Naͤgelein / Antophylli, | 
Mutter⸗Wurtz / Anica, Meum, Meu, Anethum urfınum, 

‘ Mlurter-Zimmer / Caflialignea. j 

Murtter⸗ Stein / Hyfteroliıhos bon Cardano , Hyfleropetra ober 
Lapis Hyftericus genannt / wird in Heſſenland ſonderlich um Darm⸗ 
fadt gefunden / in der Groͤſſe einer Welſchen Nu / auswendig bie 
Geftalt eines Weiblichen Geburtd-Glied vorftellend / dannenhero 

epliche ſchlieſſen wollen / daß er gegen die Mutter Schwachheit nütz⸗ 
lich zu gebrauchen ſey. 

Muzagranata, Granaten-Apflel. 

„.Myz, Myxaria Gebeften. 

Myrica Tamariscus, 

Myriflicanux, Mofchata, 

Myrobolani Chebuli ‚ Citrini, Bellyrici, indi , & Emblici, ſeynd 
fünfferley Geſchlecht / davon ein jedes feine eigene Form hat / es brau⸗ 
qheus allein die Apothecker / und werden nur 3. Sorten nemlich die 
Chebuli, Citrini , und Bellyrici, im Lande frifch mit Zuder einges 

macht / und in Zaplein heraus gebracht / die Chebuli feyn groß / 
und gefchrumpt von ſchwartz/ brauner Farb / und doch lang / die Citrini 
ſeynd etwas kleiner / aber glatt und gelb/auch laͤnglicht / Beihyr ici ſeynd 
mittelmäßig groß / rund / glatt und Aſchen⸗Farb / gleichwie der Gal⸗ 
las, die Indi feynd zerfpalten / und ſelten gang/ ſehen [hwarg-grau und 
ſchimmlicht / die fünfte und legte Art als Emblici, feynd rund ges 
Schrumpen / gelblicht / mehres auf Aſchen⸗Farb geneigt/ fie werden 
um Theil auch wurmicht / kommen aus Indien / und wachen wie 
nö bey uns-die Pflaumen / ſie haben wie die Gall-Aepffel eine 
pffende Krafft / unter atlen Sorten Myrobolanen feynd allzeit 
die fletſchigten / dicken und fchwerften die heſten die gelben Myro- 
bolanen führen die Gall aus / die Indi oder fchwarge/die ſchwartze Gal⸗ 
fe/ die Chebuli den Schleim undGallen / die Emblici und Rellyricibloß 
den Schleim. * 


Axyrcho, Myrrhen / iſ ein Gummi eines Baums der in Egypten und 
Arabien / waͤchſt 6. Ellen hoch / dornicht und gewunden / die Myrrha 
wird durch die Hit; herab gefloͤſt / die ſchoͤnſte wird in Sumatra,die mei: 
fe aber in Pegu gefunden / ſie kommt in Sorten zu und/ muß hernach 
erſt auẽgeſucht / und in drey Sorten vertheilet werden / die erſte und 
beſte foll auserleſen / hell / roth / klar / vud durchſichtig ſeyn / die andere 
Sort heiſt Commun oder Meffana iſt grob / aber nicht gar rein / die 
dritte Sort iſt Hein / daher konimt Myrrha parva, wird zum erſten / 

—J wann 


888 Myr Nac 


wann (ie noch alle beyſammen iſt / davon geſiebt / alle MAyrtrha muj 
bitter und doch lieblich auf der Zungen / dabey auch zerbrechlich / leicht / 
einfarbigt / klein gekoͤrnt / ſchatff und wohlriechend ſeyn / auch wann ſie 
zerbrochen wird / glatte weiſſe Adern zeigen / jedoch wird die Troglo- 
aytiſche / bleiche / oder grünlichte / glaͤnhende / beiſſende / allen andern 
dorgezogen / die ſchwere / Pech⸗Farbe oder ſchwartze Myrrhaaniminca 
enannt / iſt nichts nutze. Was die Myrrha dor Rutzen in derArtzeney 
be / iſt nicht genugſam zu beſchreiben / and kan hiervon ausführ⸗ 
lich diez. Claß des 4. Bach der vollftändigen Apotheck Schröderigele 
fen werben. | 

mMyrrhen⸗ Kraut / Smyrnium verum peregrinum, Ä 

Myrrhis major, Cicutaria odorata Bauhini , Spanifher Koͤr⸗ 

n die Kraut löfet die Bruft / macht Auswerffen / treibet den 
arn. 
AMyrtacanta, tha, Ruscus. | 

Myrten⸗Dorn / Rufcus, Brufeus., 

Myrten / Wolffid: Milch Tichymalus,Myrfinites, 

Myrti Italiei, Welſche Hendels Beeren wachſen an einem groffen 
Myrten⸗Baum neben den Meer / kommen aus Welſchlaud und Franck⸗ 
reich / ſeynd laͤnglicht ſchwartze Beer / faſt noch eins ſo groß als unfere 
Schwartz oder Heydel ⸗· Beer. — 

Myrtillus ſchwartze ober blaue Heydel⸗Beer / ſeynd kalt / ſtopf 
fen / und dienen vor den hitzigen Magen / hieher gehoͤret auch Vac- 
cinium rubrum , five vitisidea rubra, vaccinia nigra, 

Myrtus, Myrten-Banım / Myrtus Brabantica, Chamzleagnos, 
Myrſine Myrrbine, 


Myxa,Schneden-Schleift der ans den Schnecken flieſt / wann man 
fie mit einer Nadel ſticht. 
Myxaria, Myæ, Sebeſten. 
N. 


X Iſt ein Mediciniſch Merckmahl fo offtin den Recepten gefun⸗ 
den wird / und bedeutet Numerum diedahl / wie hiel von dieſem 
oder jenen ſoll genommen werden / bey den Kauff Leuten / iſt es zu Be⸗ 
zeichnung der Stuͤck / weß Numero oder Zahl dieſes oder jenes fey/ 
ebenfalls höchft gebräuchlich / N. N, bedeutet fo viel ald Notetur No- 
hen es werde der an diefelbige Stelle gehörige Nahme gefepet. 


Kiabel-Rrane/Umbilicus veneris, linaria,ofyris, 
Nabel⸗Saamen / Lappago Plinii,Afpergula. 
Nacht⸗Syatten / Solanum, Solatrum. 


„ 


Yacht» 


u — — — — 


Mae Nar 889 


Nachtgruͤn / Caprimulgus. 

Nackende Auren/Bulbus agreflis, Hermodactylus offic, Colchi- 
sum commune, | 

Nackend Kom oder Berften/ Zeopyrum, Tritico fpeltum, 

Nadel⸗Koͤrffel / Seandix diole. HerbaScanadria. 

Nadragula, eine Wurtzel welche auf den Car parhifchen Gebürgen 
Die Ungarn und Fohlen von einander ſcheiden wächfet/fol wann ſie in 
Milch gefotten/und die Milch ausgerrunden wird/ dad Podagra voͤl⸗ 
figeurwen.. _ | 

Nadel⸗Moͤheen /Scandix minor. 

Naͤgel⸗Krau / Pilofella auricula muris, 

Naͤgelein Bohr) vide Naͤgelein. 
Kragen Rrase/ hetaſitis, Tuslılago major Matt, Ä 
Napelius Cauleus Teuffels⸗Wurtz / blau Wolffs⸗Wurt / iſt ein 
efftiges Gifft / wird jedoch in freie als ein — * 
zittel gebrauch / fein Gegen⸗Gifft iſt die Wurtzel von Anthora, Bir 
ſem⸗Wein / Theiack / ec. 

Napellus lurus,aconitum , Wolffs · Wurtz / Hunds · Todt / iſt ebene 
falls ein Gifft⸗Kaut / fein Gegen⸗Gifft ſeynd oberzehlte —2 
auch Zittwer / Caern / Scorpiou⸗Oel. 

Napellus Molſis, ſiehe Anthora. 

Napht⸗ ein ſutil Mineralifc) Del / hat die Eigenſchafft daß es die 
entfernte Flammaan ſich ziehet / und (ic) von ſelbſt etitzunder/ / kommt 
aus Alia und Italen / und toll ſonderlich um Babylon wie das Waſſer 
a qpillen / des weiſſe iſt das beſte die andern Couleuren feynd 
chlechter / und wrden gemeiniglich unter das Petroleum gemiſchet / 
das weiſſe fo das urſte / kommt an Krafft mit dem asphalto und Stein⸗ 
Delüberein. | 

Napi Semen. Stid-Rüben Saamen / mug hraun roth / und nicht 
ſchwartz feyn. ' 

YappensZörffel / Myrrhis Smyrrhiza Plinii, 

Narcotica Chlaffmahende Argeneyen ald da feynd / Solanum, 
Hyoiciamus Mindrag. e 

Nardus ſiehi Spica indica, 

Ylarden-Zkaut/ Nigella. 

Narden⸗ Wurtz / Cariophyllata, 

Ylarren:R;ppen/ Napellus Thora, 

Narten⸗ Kelben / Typha, 

Naſturtii denen, Brunn Kreß⸗Saat / wird gegen den nen ge: 

| ’ j amm⸗ 


— 





890 Naf Nat 


ſammlet / muß fharffvon Geruch feyn/ man hat Nafturtium horten- 
fe Garten» Kreffe / fogutvor den Scharbock / und ar att Salats ge⸗ 
geilen mird/ Nafturtium hyemale, Winter KRreffe / der Saame 


bibig / treibet den Harn und Grieß / und kan in Snapismis und zum 


Blaſenziehen gebraucht werden. 

Nafturtium indieum Indianiſch Kreß / if zwryerley Art / mit 
wincklichten und SchildförmigtenBlättern/hat mit den andernKref- 
fen gleiche Rräffte. \ * 

Naſturtium aqvaticum ‚Sifymbrium, Cardamiiæ aqvaticum Pri- 
mum, Sion, Sium Cratevæ ſ. majus Brunn⸗Kreſſe. 

Naſturtium pratenſe magno flore, flos Cuculi weiſſen Kreß / 
Gauch⸗Blumen. 

VNatter Kraut / klein / Numularia, = 

Natter⸗Wurtz / Biltorta,Dracontium, Serpentara, _ ; 

Natter⸗Zuͤnglein / Gloffo petr&, ophio gloffumlinguaViperina 
feynd dreyeckigt zugefpfste Aſchfarbe Steine / oben glatund unten mit 


einen rauhen Gap verſehen / (ie werden in der nfulMalra, daher (ie 


auch Iinguzx Melıtenfes heiffen / und auch in Teutfchlmd im Hertzog⸗ 
thum Lüneburg gefunden / jedoch ſeynd jene und zwaibie Afchfärbige 
die beften / fie muffen aber fein glatt und müch / uninicht hart feyn/ 
ſondern (ich. wie gebrandt Helffenbein, mit den Zähnen zermalmen 
laſſen / ſie ſollen abſonderlich den Gifft widerſtehen und viel andere 
Kranckheiten mehr heilen / vide Schröders vollſündige Apotheck 
lib. 3. Cap⸗ 2. 


Naturalia begreiffen unter ſich allerhand bon dr Natur hervor 
gebrachte Handgreiffliche Dinge / ald da ſeynd / Mefcliche und Bie⸗ 
hiſche Eörper und deren Theile / alle Vegerabilia und Mineralia, 
und was etwann fonft die Natur fo wohl inder Erden ald im Waſſer 
und in der £ufft / fonderbahtes oder auch gemeines erbor bringet. 
Das Regnum naturæ & qvidem Animale erſt zubetrahten / fo kom⸗ 
men darinnen vor / Menfchen/ Fiſche Voͤgel / Infektaund bierfußige 
Thiere / in Regno Vegetabili, Saamen / Wurgeln/Kinden/ Rohr / 
Holtz / Blaͤtter / Fruchte / Huͤlſen / alerhand Gummi uniSäffte/gange 
Gewaͤchſe / ald Kraͤuter Schwammen / Moß / vieleley See⸗Ge⸗ 
waͤchſe / Ein⸗ und Auslaͤndiſche Baum⸗Fruͤchte / und eidlich aus dem 
Regno Minerali, allerhand Art von Erden / Steinen/Retallen/biel« 
fültige Arten von Saltz / Schwefel und Hartzen / und ms dergleichen 
mehr / welche alle in diefem Buch jedes unter feiner Gcieral-UndSpe- 
sialen Benennung zu erfehen ſeynd. | 


——— Navi- 


—— | u — 


Nav Mel 891 


"Navigare Shiffen/ zu Waffer fahren / Navigatiodie Sqiferih / 


Navigium ein Schiffs⸗ Getaͤß. 

Naulum, das Schiff⸗Lohn / die Fracht. 

Naͤgelein / Nelcken / Caryophyſlata Aromatiea Frantzoͤſiſcholoux 
de Girofles, iſt ein Gewuͤrtz ſo von einen Indianiſchen Baum kommt / 
welcher ſich mit den Buchsbaum / was das Holtz betrifft / mit den Blaͤt⸗ 
tern aber den Zimmmet-Baum vergleichet / ausgenommen daß ſie ein 
wenig runder und Fürger ſeyn / dieſe werden Sommers ⸗Zeit / wann ſie 
zeitig ſeynd abgenommen / und gibt es alsdann unter ſolchen groſſe 
Mutter-Näglein/weldye Antophylli heiffen. Garzias ab horto meldet/ 
daß diefe Naͤgelein allein in den Moluccifchen Juſuln wachfen/ wies 
wohl auch viel aus andern Oftindifhen Provinzien kommen / deven 
einige die Rägelein fo haͤuffig als den Pfeffer verkauften könten/ waun 
fie ſolche nicht Lieber verbrenntenoder ein Del davon deftillirten/ das 
mit te nur in ihren Werth verbleiben möchten / warn die Nägelein» 
Bäume blühen fo vegnets gemeiniglich / jte werden aber durch den 
nachfolgenden Sounen⸗Schein den ſie gern haben / wieder ergbidet/ 
und befommen alödann eine neue Bluͤh / ſo daß allezeit zehen in zwantzig 
Raͤgelein beyſammen anf einen Klumpen ſtecken / inhisigen Jahren 
ſoll vor Fruchtbarkeit der beyſammen hangenden Raͤgelein / die Son⸗ 
ne oder dad Tages · Licht kaum durchſcheinen können. Es ſchreibt auch 
ein gewiſſer Autor, wann ein gutes Jahr vor die Naͤgelein kommt / 
welches ſich zu dreyen Fahren gemeiniglich ereignet / fo ſoll man auf 
theils Bäumen 1250. Pfund Naͤgelein Hollaͤndiſchen Gewichte finden/ 
wenn ſie noch wachſen / ſeynd ſie weich / ſo bald ſie aber zeitigen / wer⸗ 
den fie hart und braun / da ſie vorher roth ſehen / die Einſammlung 
geſchiehet dad Fahr einmahl von September an bis in Februario,und 
werden ſie alddann mit Händen und Stangen abgefchlagen / weiche 
Nägelein über das Fahr hangen bleiben / daraus werden Nüß-oder 
Mutter⸗Naͤgelein. Es muß aber diefe Waar im Einfauffen wohl 
beobachtet werden / daß ſie nicht genetzet fey / oder ſich gern entziwey 
brechen laffe / item and mit Cappletten oder Staub nicht unternite 
ſchet / oder gar ihre befte Krafft ſchon ausgedeftilliver fey. Der Ber» 
kauff ift mit dem Mupkat-Nüffen und Blühten eineriey. 

Naͤgelein⸗Blumen / vide Caryopbilli Flores. 

Naͤgelein⸗ Zimmet / vide CAſa Caryophillata, 

Negen⸗Krant / Petaſitis. 

— Handeln / Bewerb treiben/ Negocium, Negociator 
Handlung / Kauffmann. 

Negros, die ſchwartze Mohren / vide Sclaven. 

Nelcken / Mutter⸗Nelcken / Antophylli. 


— 


892 - Nen Na 


Nenuphar, Calamintha, 

Nepeta, Mentha felina, Cattaria,Calamintha montana. 

Nepeta fruticofa Katzen⸗Krautt / Nept / die Blätter feynd wie an 
der Meliffe geferbt/ und mit einer graulichten Wolle überzogen/ das 
Kraut davon dienet in — — / Berftopffungen/und 

Unfruchtbarkeit / wegen des allzuftarden Geruchs wird es felten in⸗ 
nerlich gebraucht / wie dann die Kraufe-Münge ohne dem alles thun 
kan / was man bon der Katzen Muͤntze möchte zugewarten haben. 


Nephritica werden alle Argeney Mittel genannt / die den Zufall 
der Nieren zu Hulff kommen / als fol. adianth, alth, anferin Cort. 
fraxin. flor, acacia , petrofel, urtic. Thee, faxifr, frudt, alkekeng, 


eynosb, bacc, junip. balfam tolu A, tereb, lap,nephrit,&c, 


Nephriticus Lapis , fonft aud) enden oder Brieß-Gtein genannt/ 
ift ein blaugrünlicher und gleichfan wie Lnfchlitt oder Fett anzugreif- 
fender Stein / kommet aus Indien und wird alfo genennet/ weil er 

vor den Steinfhmergen dienen foll / man muß aber zufehen daß er 

nicht verfälfcht ſey / indem einige Betrieger den grünen Marmor Ma- 
lagvitte genannt/barbor verkuuffen. Boctius rechnet beyde den Son⸗ 
nenmwende als den Grieß⸗Stein unter den Jafpis, anmelden ſie auch 
offt angewachſen gefunden werden / wiewohl man ſie auch wie die 
Wetz ⸗Steine auf den Feldern findet. 

Nephriticum lignum Grieß⸗Holtz / kommt aus America don einen 
dicken und hohen Baum und hat die Art an ih dap wann ed in Waſ⸗ 
fer gefchabet wird / ſolches das Waſſer blaulicht mache / es iſt ein 
Gefchlecht des ligni fraxini , wovon allbereit erwehnet/wird auch fonft 
genannt Ligenum adrenum affeetiones& Urinæ ıncommoda , item 
Lignum peregrinum, aqvam Corruleam reddens, das Infufum dabon 
in Wein purgieret überaus die Nieren / iſt auch ſonſt ſehr lieblich zu 
trinden. | 

Nerantia, vide Aurantia Poma, 

Nervina ſeynd Mittel welche die Spann⸗Adern ſtaͤrcken / als Salvia, 
majoran, Roſmarin, Spica, lavend. ruta, hyperic. lil. alb,Gum,elemi, 
maſtich. balſ.nervia, ſtyr. calam, flor. &c. 

VNeßpel⸗Baum / Meſpilus. 

Neſſel⸗Koͤnig / Pafler traglotites. 

Neſſel⸗ Farn / Ceterach. 

Netto, rein / ſauber / lauter / da das Thara ſchon abgezogen. 

Netto procedido, Neto provenu, was nad) abgezogenen Unko⸗ 

ften pon einen verkauften But an dem Kauff-@eld noch überbieibt. 


Neun⸗ 


— — — — — 


Meu Nin 8 
Neunaugen / Lampreta oculata, kommen in Heinen Faͤßgen ge⸗ 
braten und in Eßig eingelegt: die Luͤneburger und die Bremer wer⸗ 
den fuͤr die beſten gehalten/ und hauffig ins Reich verführet/ ſonderlich 
gegen die Faſten⸗Zeit. 

Nicotiana Herba, vide Toback. 

Niederhold / Fbulus. 

HNiederlags⸗Staͤdte / vide Stapel · Staͤdte / unter den Rieder⸗ 


lags⸗Stadten iſt vor andern berühmt die Wieneriſche daher, / 
8> 


wofelbft denen Nürnbergifchen / Augfpurgifchen und andern Rei 

Städifchen Kauffleuten/ ob ſie gleich —— Religion ſeynd / 
bergoͤnnet iſt Feuer und Heerd und offene Gewoͤlb zu halten / auch ans 
dern Bürgern gleich zu negocüren. 


Niederlaͤndiſch Borax / Borax Antwerpiana, 

Niederlaͤndiſche Waar / vide Hollaͤndiſche Waaren. 

Niederliegend Hartheu / Hypericum tomentofum, 

Nieſenkraut / Ptarmiea Olivella. 

Nießwurtz / Radix Hellebori nigri, beſtehet aus vlelen düntten 
zaſigten Wurtzeln / auswendig ſchwartz / und inwendig weiß / eines bit⸗ 
tern und ſcharffen Geſchmacks. Sie hat die Krafft zu purgiren / wird 
* ſon ——— zu Lateiniſch Veratrum à Vertendo genannt/ 
vide Hellebor. 


— Melafpermum, Cuminum nigrum, ſchwartzer Kümmel / | 
ch 


bey gangen Feldern voll in Teutſchland / wird auch ſchwartzer 
Coriander genennet/ ift gut bor die Enabrüftigkeit/Colica und Wuͤr⸗ 
mer. Das Kraut davon wird auch Melanthium genannt. 
Nigellaftrum, Radenkorn / Raͤgelein · Roſen / waͤchſt im Getreyd / 
treibt die Monat⸗Zeit / Urin und Geburt / dienet auch vor die Wür⸗ 
mer und gelbe Sucht. 


fer Richt genannt / iſt eine weiſſe caleinirte Materia, fo ſchoͤn weiß / lo⸗ 
dericht / leicht / gleichſam fliegend / duͤrr und trocken feyn muß, Das 
beſte kommit in gröſſen runden leichten Kugeln aus Holland / mo ed am 
fauberften collıgivet wird. Es dienet fonderlich zu Augen⸗Kranck⸗ 
heiten und Kraͤbs⸗Gchaden. Vide Porium Grecorum oder grauet 
Nicht. 


gel gleichende Wurtzel / eines ſcharffen doch ſuͤſſen / mit einer nicht un⸗ 
aͤngenehmen Bitterkeit vermengten Geſchmacks / und ſehr angenehm⸗ 
lichen Geruchs / wird von den Japonenfern Niſi, von den Wilden Can- 
na, bon den Sinefern aber Ninfing oder er Gin-Sem genannt / .. 

© 


Ninfing oder Gin-fem if eine laͤtglichte fat det Peterfitten- Wut» 


2994 = Nit Mor 
diefe Wurtzel faft Menfchen Beftakt hat / dahero ſie aud) von den vor- 
nehmen Chinefifchen Herren zur Rarität aufgehoben wird / und felten 
in gemeiner Leute Hände koͤmmt. Einige Gelehrte vermeynen / es 
fer) ſolche eine Art des Alvauns oder Mandragorx, einige halten (te 
auch por Sifarum montanum, als mit melden das Kraut Diefe Wur⸗ 
geleine groſſe Verwandtniß hat. Ihre Einfammlung ift fehr cu- 
„ricus, dann weil fie des Winters / da ſich das Kraut ſchon verlohren/ 
muß gegraben werden / ſo geben die Einwohner bey naͤchtlicher Zeit 
genaue Achtung/ wo ſie ausder Erden eines Glantzes gem hr werden, 
welchen die Wurgel/fo etwas aus dem Erdreich herber gemahfen/von 
(ic) gibt /umd etwan von dem Thau oder von feiner eigenen Feuchtig⸗ 
feit / oder auch von der Sonnen / wie ein Phosphorus empfangen hat, 
Auf diefen Glang freuen fich etwan Kald oder Aſchen / und wo fie des 
andern Morgens diefes Merckmahl antreffen / graben ſie die gröffere 
Wurtzel aus / und bededen die Kleinere wieder mit der Erden. Die 
ausgegrabene müffen ſie ihren Herrn bringen / welche folche zur Rari⸗ 
aͤt /auch wel zu abergläubifchen Dingen behalten / dahero es kommt / 
daß (ie in Holland forar und theuer gehalten / und die Ung bis zo. und 
mehr Gulden werkaufft wind, 
Nitrum, vide Salpeter. Se ne | 
Niveau, ein Frantzoͤſiſch Wort / bedeutet ein Inftrument, damit die 
Maur⸗und ZimmerleutedieHorizontal-Liniam nehmen / und ſehen 
koͤnnen / ob ihr — Stein oder Holtz gleich liege; einige nennen es 
WaſſerPaß / Schreg⸗ Maaß / Perpendicul, weil die Bley⸗Kugel / die 
in der Mitten haͤnget / flux anzeiget / ob die Materia gerad / oder zu 
hoch oder zu niedrig liege. 
Nodulus,, ein Saͤcklein oder Taͤſchlein Adergleichen werden unter» 
fchiedliche in denen Officinen beveitet/ um Species darein zu thun / die 
man in Wein oder Bier hängt/ als z. E. R. hh, Menth, Mij fol. fenn. 
ft. rad. Enul. anaı, halb Quent. hellebr, nigr. bryon. ana 2. Qvintl, 
fem. anis, Galang. Zedoar ana ;. Qyiutl, Sal. Tart. 2. Qyintl, incif 
contuf, M,S. Laxir-Buͤſchel in Wein. 


Naoͤrtz / Norrza, 

Norwegiſche Waaren ſeynd Maſten / Bretter / Latten / age 
dad Brennhols/ Theer / Thran / Eifen/ Kupffer / Gilber / einige Mi- 
neralia und Materialia zur Artzeney / item gefalgene und an der Lufft 
getrucknete Fiſche ald Stockſiſch / Hering / Lachs und dergleihen; es 
werden auch viei Tonnen voll von den Fifh-Eingeweyd nad, Franck⸗ 
reich gefandt/ fo ſie Küt nennen/ und bon den Frangofen zum Laper- 
dan-ang gebraucht wird. Bergen / als die Haupt-Gtadt in Norwe⸗ 
gen / hai groſſen Kandel nach Frauckreich / Holland / ER und 
{ ’ Püs 


| Mor 895 
Spanien / und bey diefen legtern Kriegen / da die Schwediſche und 
Daniihe Schiffe freye Fahrt gehabt/ zimlichen Profit gemacht / wie- 

wol es hingegen auch durch den Brannt fehr viel erlitten. In diefem 
Bergen findet ich noch das alte HanfeatifcheContoir, davon aber Mes 
nig mehr als der Schatten über iſt / auch Die alte Freyhe iten faſt gaͤnh⸗ 
‚lich verlofchen / ob wol die Berger⸗Fahrer⸗Compagnien in Luͤbeck/ 

Hamburg und Bremen noch ſteiff und feft beybehalten werden. Als 
Ao. Chriſti 1474. König Chriftianus 1, in Dännemard nad) Kon vers 
reiſet war/ brachte er dem Pabſt feiner dreyen Reiche / die er damahis 
befaß/ ihre Ratur⸗Gaben mit/ ald Hering / Berger: Fifch und Hermes 
lin: Sutter / davon er jeden Cardinal ein gäten Theil zum Prxfene 

b/ welches * ſelbigen Zeit ſehr wohl aufgenommen worden. Die 
Waaren / welche aus andern Ländern nach Rorwegen gebradjt werden / 
ſeynd Saltz Wein und Branntwein/ Wein · Eßig / Papier / Fenſter⸗ 
Glas / allerhand Krahm⸗Waaren / Kaͤß und Toback / Seidene und 
Wollene Manufacturen / gedruckte Bucher / viel Nürnberger Waa⸗ 
ren / weil nemlich gantz un: wenig Handwercks. Leute hat / und 
dannenhero fi don den Auslaͤndern verſehen muß. Ihr groͤßtes 
Wechſel⸗Negotium wird über Copenhagen eingerichtet X 
penhagen bis Chriftiania in Norwegen / rechnet man so. Meilmegs/ 
und bon Chriftiania bis Bergen / der Haupt-Stadt in gang Rorwes 
gen/ 60. bis 70. bon Chriftiania nad Druntheims. | 
Chriftiania an der Meer-Engedon Anslo gelegen / Aft Feine unebene 
Gtadt/ und zu mahlen berũhmt / weil in daſigem Hof⸗Gerichte in 

enmwart des ordentlichen König. Vicarii, der (ich zugleich als Vice- 

Roy über gantz Norwegen allhier aufhält/ alle Streit-Sadhen debar- 
tiret werden. a 

Druntheim / fo weiter gegen Norden hinauf liegt / — eine feine und 

mit einen wohlgelegenen Hafen verſehene Stadt; Sie wird gegen 

das Meer von dem Schloſſe Manckholm / und von der Land. Seite bon 

einer Citadelle befhüget; fuͤhret den Titul eines Ertz⸗Biſchofthums; 


mar vormahls der alten Norwegiſchen Könige Kelidentz deren B1o- . 
numenta noch dafelbft anzutreffen. In diefer Stadt Gegend ift aufder 
See der bekannte groffe und gefährliche Deer-Strudel oder Mael- - 


Strohm / welcher zehen / andere fhreiben 12. Meil im Umkrels bat / 
und alle ihm zu nahkommene Schiffe ins. Stunden verfchlinget/ in. 
—— aber mit groſſem Gebrauſe wieder von ſich gibt und aus» 
“ | | 


Die Ellen⸗Maaß in Norwegen iſt etwas geringer als die Amſter⸗ 


damer / indem. Berger oder Drontheimer io. Amſterdamer ma⸗ 
chen / und alfo 100. nurso. thun / gleich wie hingegen 100. Amſterda⸗ 
mer dor no, Berger Ellen gerechnet re | 


on Co⸗. 


2 | Zu - 


896 | Muc | 

u Arendahl/ Bergen) Bragernes, Chrifliania, Dramen/ Dront⸗ 
— wie auch an andern Handels⸗ Oertern in Norwegen / wird 
Buch und Rechnung gehalten / in Reichöthaler / Reichs⸗Ort und 


Schillingen. | 
— —— ilt daſelbſt wie in Coyenhagen. Die Daͤniſche / Glůck⸗ 
ſtaͤdtiſche und ottorffiſche Duͤtgeus gelten 6. j. Dänifch / hingegen 
aber die Fremden ohne Unterſcheid wicht Höher alds. ß Daͤniſch. 

Die tim vorigen Krieg dafelbft geſchlage ne Kupfferne Muͤntze iſt gang 
gerboten/ vide Koͤnigl. Verordnung vom zs. Oct. Ao. 1682. 


Nuces Indicz, fonft auch Coccus-Nüßgenannt / wachſen aneinen 
hohen Baum in Jndien/ welcher den Indianern viel Rutzen bringt/ 
daunenhero auch bon ihnen ſehr wehrt gehalten wird/ dann feine Blaͤt⸗ 
ter brauchen ſie an flatt des Papiers und Käufer damit zu deden ; Die 

richte / deren man alle Monat zeitig don einen Baum haben Fan/ 
dlieſen in ſich eine Harte Ruß/ welche wieder in ſich einen Kern gleich 
‚ einer Bafelnup hat / aus welchen man gute Milch gleich einer Mandel: 
Mitch machen / ind auch Del preffen Fan / zu innerſt aber iſt folcher 
Kern voll Waſſers / welches an Lieblichkeit des Geſchmacks den Wein 
oder einen * gleichet. Die Nußſchaale ſelbſt mit Gold einge⸗ 
faft/ wird zum Trinckgeſchirr gehraucht. Don den Bäumen bauet 
man Häufer/und von den obern Ruß-Schaalen werden gute Kohlen 
gebrannt, item auch Geil und Gtrid wegen der haarigten Kinden/ 
quit welchen ſie umgeben ſind / daraus gemacht. 


Nuces Pinie, Imiebel-NRüffe / kommen aus Indien und Italien / 
abfonderlich machten fie bug um Ravenna, die beften muͤſſen friſch / 
füß/ fchön weiß und nicht fleckigt ſeyn. 

Nuces vomicz, Kraͤhen⸗Augen / ifl eine Maseriale, in der Gröffe 
wie ein guter Groſch / eines Diefler « Rüden dick / Hein haͤricht und 

fatt anzugreifen; Es wird felten unter Artzeney ebraucht / waͤchſt in 
ndien und Arabien / wo ſie Orientaliſche Schwaͤmme genenuet wer⸗ 
den. Diebeften muͤſſen ſchoͤn hart und weiß ſeyn. Nuxmetel. of- 
ficin. if groͤſſer als nux voraica, und auch nicht fo rauh / noch fo rund/ 
fondern am Kand etlihemahl eingebogen und gefrummet. ' Beyde 
. Yrten feynd fehr narcolifd oder zum Schlaf veigend / und iſt ſonder · 
lich You der Nuce vomiea wunderfam / dap ſolche den bierfügigen 
Thieren / fo blind gebohren werden/ ein Bifft/ dem Menſchen aber ei» 
ne Yrgeney fey wider den Gifft / auch ein bemährted Mittel vor das 
dreytägige Fieber. Sie wird auch unter das Electuar ium de ovo,. 
und Wund Traͤncke genommen. Nux metalla offic. hingegen ES 
trunckfen / eckeln und brechen/ weswegen dieſe nicht zu — 
or 


mu as \ 


— 


— — — — 


Nuec Num J 307 
Doreiniger Zeit waren ſie in exceshiren Preig/ nunmehro aber ganh 
wieder beranter. | 

Nucifta, Mofchata._ 
— der Kern und Saame / der in den Früchten eingeſchloſ⸗ 
en iſt. — 

Nudi chirographarũ, Gläubiger / die bloſſe Handſchrifften und 
fein Unter-Pfand haben. | | 

Numero der Waaten ift nichts anders / als etne geheime Schreib- 
Kunft / durch welche der Principal einer Handlung feinen Den 
fie mögen gleich um den Einkauff und Preis der Waaren Wiſſenſcha 
haben oder nicht / zu berſtehen gibt / wie hoch ſie ſolche / ſonderlich die 
Krahm⸗ Waaren / verkauffen * und zwar ſolcher geſtalt / daß fole 
eher margvirte Preis entweder das äufferfte iſt / und gewiſſe pro Cen-- 
tum Gewinn ſchon darinn ſtecken / oder auch der Berkäuffer uocheta - 
was Gewinn darauf fchlagen kan / oder daß die Numero nurbloß dem 
Einkauffs⸗preis andeutet. Es wird aber diefe Bezeichnungs-Art 
aus det Cryptograhia ober geheimen Schreib-Kunft anf mancherley 
Weiſe hergenommen: In unfers allzeit-fertigen Handels· Corre⸗ 
pondentens andern Theil pag. 1069. iſt hiervon ee 
fhehen Hier wollen wir/ was bad Numeriren der ABaaren beteifts 
alö welches in unſerm Magazyn höchfinöhtig/ aus des An. Heins A- 
rithmetiſcher Schag-Rammer p. 644. anführen! daß ſolches Numerf- 
ven am bequemſten verichtet werde / qus gehen einzeln Buchſtaben aub 
dein Alphaberh, welche an ſtatt der zehen Zahl⸗Zeichen oder Ziefernges - 
brauchet werben / und in einem oder mehrern (nad) Belieben ausge: 
fühten) Mörtern vorkommen / old man nehme eines deu folgenden: 


- Mörter: 


Sparer doch, Untadelich. $reundlich/zc. 
Da ſiehet many daß jeded Nummer- Wort 1o. beſondere Buchftabes 
in jich Habes(dann einerley Buchftaben muͤſſen in einem Wort nicht 
kommen) Wann nun jemand zum Numero annehme das Wort 
Sreundlich / foverfähret man damit folgender geftalt: Man feget 
erftlichhindas Wert Freu ndLich/ und unter ſolches 
die Zahlen 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. o0. welcheZahlen nach 
den Suchſtab fi. re. ez. wa. ny. ds. 17.8. 09. ho. bedeutet. 

Mit diefen zehen Buchſtaben kan man alte Zahlen ſchreiben: 
a soIlnhlichif 9 
bedeutet. 10. | 29. | 58. | 46. | so. | 89 | 7u | #2- 


| — uß. |o.Hrß | nc | Re 
100. } 9 . 4. 6, 2 49. R=- 
| Bil s 











Die 


—f 


8o88 NMaum 
ö— — e —ñ ñe ñe ñs — 
Die noch ubrige 14. Buchſtaben des Alphabets, fo in dieſem Numero- 
Wort (freundlich) nicht enthalten / werden doch im Nomeriren der 
Waaren fleißig mit gebrauchet / nicht darum / daß ſie hier noch etwas 
bedeuteten / ſondern / daß ſie kuͤnſtlich verdecken / und alſo dieſes Ge⸗ 
heimniß deſto unerforſchlicher machen/alfo könnteman obige s8. H. 4.f - 
folgen dermaſſen ſchreiben? 
Imo. 9. abu. $.dg dann die Buchſtaben mo, ab, nur todte und unbe⸗ 
deutliche Zeichen feynd/.die in dem befagten Numero · Wort Freunde 
lich nicht vorkommen. | 
Zu mehrer Übung fe nachfolgendes Exempel aus bemeldten Author 
hierbey geſetzet / nemlich 
Ein Krahmer empfängt aus Venetia 10. Stüde differente Waaren / 
fo-allda eingekaufft worden / als: Ein Stuͤck N. 1. vor Ducat. 36. 
“a1. Groſetti. | No, 2.Duc,7.12; | No.3.Df. 35. 20, FNo,4. DE. 63. 
18. | No. 5. D£:s6. 6. | No, 6. DP.48, 3. | No.7. DF. 80: No. s. 
D$,91.6. | No, 9. DE, 55. | No, 10, DE. 95.10. | Hierauf werten 
noch berechnet pr. Unkoſten /.Provifion und Rifigobid Hamburg 9. 
‚Due, 14, Grofetti, Der gantze Belauff an Koften und Unkoſten (be: 
ftehende in Ducati Currenti) wird mit zo.pro Cent Lagio in Ducati 
di Banco redueiret / und auf Samburg traſſiret a 373. gr. pr. Ducat. 
Hamburger Unfoften an Porto, Zoll und andern werden‘B. 39. 10. 7. 


— pr. Lagio auf das Banco-Geld (womit der Wechſel be⸗ 


let wordem)s.pro Cent, berechnet.” Fragt ſichs nun / wie hoch je⸗ 
des Stuͤck eigentlich zu numeriren ſey / damit man ſich im Verkauff 
darnach richten könne? Fac. No.i. 8.103, 11.(43-) | No.z, en S. 
No. 5. D.178 3. 





6. | No.3..100.12,6, | N0,4,.8.179.(4: 5). . 
(.) | No.6,8. 371. (5.73-) 6.6. | N0,7.. 225. | No,8.D. 256. ie. 
G-) | No.9.8. 182.13. | rn 6.6. | 9 
Addivedie Preifen aller 10, Stüden/ fo wird man befinden soo. Due. 
hierzu 69. Duc. 14. Groffetti, fonımen zuſammen 659. Ducat. 14. Gro- 
ferti Correnti di Venetia, die machen mit zo. proCent.Lag. Banco di 
Ducati ss8. welche anhero trastıwet.worden.a 873. gr Flaͤm thun 
. 25, 12. 6. 
Hierauf berechne s. pto Cent, Lagio, thun 122. 1. 0 
An hieſige Unkoſten ME ⸗ J 30. 10, 6, 
Ä Zufommen D. 1637. 8. ß. 
„ Und fo viel belauffen Roften und Unkoſten von obigen 10. Stüd. 
Diefe Gelder werden gerepartiret nach obbefagten 600, Duc, ald den 
erſten Anfas/odir Einkauf der Waaren folgendergeftalt: 


600, 


Num Mür 899 
600. Ducati Correnti di Venetia thun allhier 1537. 9 8.8. in Hans 
burger courant Geld: Was thun 36. Ducati 2i. Groferri, alö der Ko⸗ 
ſten des Stücks No,r, - Facit 103. ®, n. ß. 44. K. und fo fort an. 
Rach welchem Preis dann ein jedes Stüd / fo biel ſeine Ausrechnung 
betraͤgt muß numeriret werden / damit der Verkaͤuffer wiſſen möge/ 
was es ihm Einkauffs gekoſt: Wolte ev feinen Dienern ſolches nicht 
wiſſen laſſen / ſondern gleich den Gewinn zu 10. oder 20. pro Centum 
Weniger oder mehr darauf ſchlagen / und ihnen alſo nur vorſchreiben / 
wie hoch ſies berkauffen muͤſten / fo gehoͤret da eine andere Ausrechnung 
darzu / und würde er ihnen das Stüd N. 1, ſo er etwan 12. pro Cent, 
darauf zu gewinnen dächte/ ihnen 1:6. H. 4. f. numeriren müffen/ auf 
melche Weiſe / fo fie die Fadtura und den Calculum nicht zu erfehen 


bekommen / ſie nicht willen Eönnen/ was ihm die Waar gekoft/ oder wie 
viel daraufgemonnen worden. . 


- Nummularia, Hirundinaria, Centum morbia, Serpentaria, Pfette . 
ning-Rraut/ Kein Ratteru Egel:oder Schlangen-Kraut/ziehet zuſam⸗ 
men / und ifteingut Wund:und Scharbodd- Kraut, Nummularia_ 
wird es genennt/ weildeffen Blätter einen Pfennig gleichen/ Centum 
morbıa aber wegen deſſen wunderbahren Kräfte / die wider unter: 
fhiedlihe Krandheiten dienen. 

Nundinz, vide Meſſen. | 
Nunnen⸗Kraut / Fumaria Capuus, 
Nuͤrnberger Waaren beſtehen theils in rohen und natürlichen/ 
theils durch Kunſt / Fleiß und Müh verfertigten Manufacturen bon der 
erften Gattung möchte man zehlen den Taback / der um Nürnberg 
herum gepflanget wird / und andere aus der Nachbarſchafft gezogene 
Feld/ Erd und Baum-Früchte / welche (wie etwann das file Holy 
und feines Meel/fanmt den Franden- Rein) in Nücnberg gleichfam 
aus der erften Hand Finnen gefaufft und weg geholet werden / zu den 
Mainufadturen aber ift faft alles zu zehlen was zu des Menſchlichen 
Leibes Nothdurfft / aus Wolle / Flachs / Gold / Silber / Meßing / 
Stahl und Eiſen / aus Holtz und andern unzehlbahren Materialien 
mehr gedachtes Nürnberg ausgiebet / welche Manufadturen dann fo 
viel und mancherley feynd / dap etliche Bogen Papiers wurden erfor: 
dert werden / diefelbe der Drdnung nach zu fpecificiven A dergleichen 
Specifieation auch denjenigen wenig heiffen würde/ der nicht ben die⸗ 
fer Waar felbft umgegangen/ und derofelben Preiß und Dvalität/ 
item die beften Zeichen / Sortens und Meifter die folche verfertigen / 
fanımt der Art des Ein-und Verkaufs erlernet hätte / ſintemahl die 
biofe Benennung derfelben wegen der bieten Veränderung faft un 
möglih/weil der Verſtand der Ber | und des Fleiß der —* 
ia wercks⸗ 


wercks⸗Leute fehr penetrant und unermüd 
g immer was neues 
ero das Sprichwort ga 


et/ auch fo mancherley iſt / 
zuſehen und zu bewundern hat / und 
r fuͤglich Statt findet / Nuͤrnberger 
Sand / worbey dann gleich anfaͤnglich zu 
infonderheit Holt: Waaren be- 
g berfertigt werden / fondern 
Isgaden einer in Biſchoffthum 
it / woſelbſt die aumenkand-Fente 
gleichen Poppen⸗Zeug / Schach⸗ 
garen ) haben / weiches fie hernach 
die Nürnberger Kauff-Leut 
ferner in alle Theile der Melt 


erinnern/daf was Kleine 
trifft / folche eben nicht ale in Rürnber 
ein groß Theil derfelben von Berchro 
gelegenen Stadt herkomn 
andere Raͤhrung / (als der 
teln / und andere geri ngere Holtz⸗ W 
‚wieder an ihre Verlegers / und die 
handeln / welche folche 
gar daß man auch in Africaund Aınerica 
ſſer / Spiegel / Schellen / und dergl 
ne dieſelben keinen 
ſchwartzen und wilden Reuten treffen Fa 
Mas aber die Stadt 
machet / iſt eigentlich 


wird / und faſt oh proſttablen Handel mit dem 
Nürnberg fo voller Rünfter und Manufadturen 
Welt beruͤhmte Stadt auf 
en / welcher die groſſe Menge ihrer Ein⸗ 
en konnen / warn ſolches nicht durch die 
en gefchehe / Voraus abe 
Leute / welche fo leichtlich feine 
fdumen/ daß tie nichtdabey mit 
Handwerds-Mann ſelbſt ſteht 
exrten oder freyen offenen 
udwercker / welche bis he⸗ 
il ſie ſonderbahren Bor» 
Griffe / bey Ausarbeitung ihrer Waa⸗ 
ero ihre Geſellen nicht veifen laſſen / da⸗ 
halten mögen / wie dann auch 
is dieſen Tag nicht kund geworden 


die Urſach / weil dieſe 


Handlung und Manufadtur 
Bemuͤhung ihrer Kauff- 
eſſen oder Jahrmaͤrck ver 
Hi ven fich finden follten / der 

fi öffentlicher Zunfft / und iſt entmede 

Handwerckern zugethan / jene ſeynd ſol 
 ronuv allein in Nũrnberg geblieben / und ve 


ven gebrauchen / dannnenh 
auffer Nürnberg b 


Freye Handwercker nennet man die 
getrieben werden / wiewohl auch in 
vor andern etwas boraus haben / fon 
unter ihnen immer einer den andern 
Ä Meifter allein wiffen 
Hauptwerck zimlich verhinder 
terſchiedliche Meiſters 
iſt / und auch die benoͤhti 


ienigen welche auch anderwaͤrts 
dieſen die Nuͤrnderger jederzeit 
derlich warn man betrachtet / ie 
indie Hand arbeitet / und was 
und thun muß / (dadurch aber au 
twird) ſolches hier viel und uns 
tin welchen jeder in feinen S 
gte Inftrumenta darzu gleich 
dahero dann auch die geſchwiude 
ud dag die Fadtors nad) ihren Memori 


— 


V 


Nuür 901 


leicht zuſammen treiben fönnen / ıtem der wohlfeile Preiß kommiet / 
welche die ſo genannte Verlegers um deſto mehr befoͤrdern / als (ie ih⸗ 


ren Handwercks⸗Leuten die ihnen nach Haus arbeiten / DierohenMa-. 


terialien gleich in Bereitfchafft halten / etwann auch die verfertigte - 


Waar in Hoffnung kuͤnfftiger Abkduffers an fich echandeln/und folder 
geſtalt den Handwercksmann / (welcher ohne dem nicht groffe Schaͤtze 
weil alles gar genau bedungen wird / bey feiner eig: Arbeit auffles 
gen fan), in den Stand fegen / daß erum den Abſatz feiner Waaren 
nicht verlegen feyn darf. Es werden aber ſolche Waaren theils nach 
den Gewicht / theils nach den Geſicht / einige bey Dutzend / einige 
nach den Hundert / noch andere nach den Gulden Werck / das ift/ dap 
fo und ſo viel Stüd oder Dugend boreinen Reichsfl. oder Thaler 
gegeben werden / bedungen / und berfauffet / welche Condition nach 
den Lauff der Zeiten und der Handlung / wie auch nad) Befchaffenheit 
derZeitund der Waar fehr variableift / und baidfteigt/ bald fällt / 
maunchmahl auch einer gemiffen — bedurffte/ damit nicht allzu⸗ 
viel nit der Maar gefchleudert / und alfo deniarmen Handwercks⸗ 
mann/ (derohne dem guf groffen Ausgaben — und gern guten 
Montag machen / oder Wöchentlich einmahlzu feineh Divertiflement 
Die umliegende Wirthö-Haufer auf den Land befuchen will) etwas 
mehr als das bloffe Leben übergelaffen würde / wiewohl auch theils 
derſelben wann ſie etwann bor andern gute Waare verfertigen / und 
eigenen Verlag haben / und alſo des Kauffmanns ſeiner Gnade nicht 
leben dürffen / oder etwann mit neuer Invention (auf welche fie 
mehrentheils Racht und Tag (peculiven) herbor kommen / ihre Waa⸗ 
ven ſchon im Preig zu halten wiſſen. 
Letzlich kommet auch das Einpaden folder Waar in Confideration, 
als an welchen fonderlich ein groſſes gelegen / wann anders nicht ein 
folcher Nürnberger Haudler ſich diſſortſren / oder viel Papel machen 
soill / welcher ohne dem bey diefer Handlung ſich mehr als zuviel findet. 
Damit aber auch einiger maſſen der Preiß und die Art die Rürnber⸗ 
giſche Manufacturen zu verkauffen / den Sefer Fund werde/als wollen 
wir nach den eigenen Bericht der Handwercks⸗Leut / wie die Waaren 
etwann diefes "Fahr verfauffet worden / eine kleine Speeification der 
vornehmſten derfelben hieher fegen / diefen nach feynd feiter einigen 
Jahren her verkaufft worden. | 
Daß ıoo. groffer Schlitten-Schellen vor 63. bis zu. fl. 
Das Bulden- Werd gemeiner Schellen pr. 15. Batzen. 
Kordetfchen das paar zus. big 30. Creugen. 
soo. Meßinge Schreib⸗Federn pr. 1. fi. . 
Das Gulden Ward Meßinge Zirdel pr, 48. bis 60. X, oder 
Cceutzer. As 108 


* 


902 | Nuͤr 
100. Brillen⸗ Glaͤſer pr. so. Creutzer. 
Das gülden Werd Schlangen -Leudhter a 17. Batzen. 
Das gulden Werd Wachsſtock⸗Leuchter a 17. Bagen, 
sa, Drat⸗Leuchter pr. 1. fl. & 
Das gülden Werd Meßinge Lichtfcheeren a 14. Batzen. 
30. Verzinnte dito dor ı. fl. eo 
36. Eiſerne dito vor 1. fl. | 
Den Eentner Rechen-Pfenning zu 72. fl. 
Den Eentner eingelegt Mefing Gewicht asa. bis /7. fl. 
Den Eentner Lohn-Golda sı. fl. 
‚63. Laden-Brillen pr. 1. Rthlr. 
Ein Dusend Helffenbeine Kaͤmme pr. 1. Rthlr. 
s. Dutzend Horn⸗Kaͤmme pr. ı8.Bagen. 
16. bis ı5. Paar verjilberte Schufpangen pr. v.fl. 
s. Dutzend hölgerne Trompeten pr. u | 
Die Mardlilber-Blättleina 1er. Batzen. 
die Marcdgüldene dito a 14. Bagen. - 
das 1000. Schüffer oder Marmorfteine Löpers pr. 36, Creutzer. 
das 1000. Hoͤrner pr. iꝛ fl. 
von 100. Schachteln gibt mau nach Pröportion zu mahlen. 
die Meſſer werden auch bey 100. geflohen. 
32. Gießfaß⸗Haͤhnlein pr. 1. fl. 
das Pfund weiß gezwirnten Schwerd-Drat a 36. Creuger. 
das tb. gelbgezwirnten dito a 363. Creutzer. 
das Tb. ſchwärtz überloffenen dito a 2s. Er. 
das Tb. rundblauen Schwerd-Dratass. Creutzer. 
gelbe Trompeten/ das Stück zu zz. in 3. fl. 
berſilberte dito zu 3. in;&. fl. 
Schwartz verfilberte dito zu 3. insg. fl. 
Pofaunen das Stüd zu 9. fl. 
Porthörnlein das Stüd zu zo. Creutzer oderr. halben fl. 
Meſſer feynd entweder ser/ ser/1oer / irer / iaer / icer den Bund a ı$. 
Batzen. | 
250, Ziunerne Balfam-Schraubenpr. i. fl. 
100, halblöhtige Balſam⸗Buͤchlein pr. 13. fl. - 
100, löhtige dito pr. 2.fl. 
100, weiſſe Toback⸗Buͤchslein 2. fl. 
100, gemachte dito fl.23- 
Das guͤlden Werd Meßinge feuchter 224. Batzen. 
ein gulden Werck diro Fürker pr. 23. Baten. 
ein gülden Werd Wärm-Pfaunen 25. Basen. Ein 


* 


ne: a r — 





Nuͤr | 903 
ös— — çe — —— — 
Ein aülden Werd Haͤhngens 26. Batzen. 
ein gulden Werd S hlü el⸗Zapffen pı. 15. Baben. 
ein gülden Werd W andſchrauben / pr. i8. Batzen. 
ein gülden Werd Zugraͤdlein pr. is. Batzen. 
ein gülden Werck Fuͤrhaͤng⸗Ring pr. zo. Basen, 
ar Erb. Knoͤpffe ift nach Proportion ihrer Groͤſſe unterſchiedlich 
m Prei 
das Tb. geſponnenen Gold-Drat zu 283; fl. 
Ulmer Boltfchen das Stüd 6; fl. 
Ulmer Leinwath 12.in 14, fl. 
Augſpurger Barchet das Stüd a Groſchen 37. in se. 
48. Bündel zer Schachtel pr. . fl. / 
56. Buͤndelzer Ratwergen Schachtel pr.i. fl. 
70.Bindel dito a4erer pr. 1. fl. 
230. lange weiffe ser Schachtel pr. 1. fl. 
46, meifte e ser dito pr. 1. fl. 
zz, gemahlte dito 4erpr. fl. 
10. — und dreyeckigte Schachtel pr. 1. 4 
24. Schachteln mit Handmwerdern pr. , 
Das Stüd gemahlte Mürk-Schadteln pr. 6. Creutzer. 
16, Büchsleinmit achten pr. 1. fl. 
13. Luſthaͤuslein mit Rädlein pr. ı.fl. 
22. Hammer⸗Muͤhlen pra. fl. 
20. Caroſſen mit 2. Perfonenpr.1.fl. » 
22. Belt« «Mühlen pr. fl. 
s.. Gufgud- Mühlen pr.'r. fl 
20. Hausraht-Büchjfen pr. 1. fl. 
1. Schachtel mit aufftehenden Soldaten pr. s. Erenher 
44. Thurn⸗Schreibzeug pr. . fl. 
8* Dutzend roht Kinder: Pfeifflein pr.i. fl. 
12. Duthzend Pferdlein mit Raͤdlein und rn pr.i. fl. 
65. Stuͤck Pferde mit Jungen pr. ı.fl. 
13. Dutzend Scloͤtterlein pr.1. fl. 
12, Dutzend hölgerne Trompeten pr.1.fl, 
so. Stu Mittel-Rappier pr. 1.fl. 
33. Drehſpiel pr. 1.fl. | 
32. Kinder-Beigen pr. 1.fl. 
66. pickende Hüner pr. 1. fl. 
16. Kutſcher⸗Waͤgen mit Bögel/ pr. 1. fl. 
43. einfache Dögel-Säuslein pr.ı.fl, 
30. doppelte dito pr. i. fl. £ Fer 
, 70. Bogelmit Bladbälgen pr. i. fl. | 18, 





yo4 Nuͤr 

is.hoͤltzerne Piſtohlen mit Raͤdern pr. 1. fl. 

1. Spinnraͤdien in Büchfen für 4. Kreuger. 

das taufend Radeln N. z. zu 24. Creutzer. 

No 3.ditoa ze, Creutzer | 

. Marck Rohrgold/ 3. Branda 22. Ereuger/ 4. Branda 26. Creuher / 
s. Brand a 30. Cr. 6. Branda 34. Er. 

1, Marck Silber ʒ brand a 30. Erenger/ 4. brand a 34. Er. 5. brand 8 
38.Cr.6.branda 42. Creutzer. Se 

2. Marck Blatt-Silber N. s. mit dem Zeichen der 3. Kronen a so. Er. 
N.6,.are.Cr. N.7.264.Cr. N.8.a70, Ereuper. 

s, Marek Blatt-BolaN. s.a 35. Creutzer / N.6.246. Cr, N,7. ayzu 

Creutzer / N. z. a ss. Creutzer. 

ein Marck verſilberte Canatiilie Math Hohl N. 9.250. Creutzet. 

ein Marck vergäldte dito N.s.afl. 2. ı6, Ereuger. — 

ein Marck gelbe Blättlein N. n. und 12. a 28. Er. | 

ein Dz. paar Hemds ⸗ Knoͤpfl. mit Steinen ars. Creugens 

ein Da. runde Doſen mit ſilbern Platen a 34. Cr. 

ein Dz. in Hol gepreſte dito a 70. Cr. | 

ein Dz. ovale Sad-Gpiegel a fl. z. 

3. en — Brillen mit dem Meer⸗Weiblein / N.c. x. 10.12 
a1, Rthlr. 

7. Laden detti mit dem wilden Mann pr. 1. Rthlr. 

ein Dz. ovale Dofen mit filbern Platten und Randen pr. 23. fl. 

ein Dz. randedettipr.13: fl | | | 

ein Dz. dito in Holh geprefte a zo. Ereuger. 

ein — Raternmitz. Glaͤſern / und darzu gehörigen Laͤmplein 
a 22. reutzer. x 

ein Dz. Scheermeffer mit dem Zeichen des Huff ⸗Eiſens a 45. Er; 

ein Dz. dito mit doppelten Auff-Eifen a 85, Creutzer. 

ein Ds. dito mit dem Zeichen LL. 2. fl. = 

ein Dz feine Britlen in hölgern Futtral N. s. a Cr. u 

ein Dj. ditoN. 10.233. Creutzer. F 

ein D;. dito in überzogenen Futtral N.s.a 71. Er. 

ein EN ditoN, 10.2 70. @reuter. 

ein Mardk gelbe Blättlein inhölgern Büchfen N.ır. 12.228. Ct. 

ein Mar gut verguldte dito N, u, 12.2 23.fl. 

eiugefepte 1. viertel Tb. Gemicdtarz.Ereuser das Gtüd. 

ein gülden Werd fortirte Goldſchmids Grabſtichel ass. Ct. 

ein Bund Saͤgen⸗Blaͤtter a zs. Creuher | 

ein Bund dre hecligte Strohfeilen aıs. Creutzer. | 


— — Ne 09% 

Ein Tb. gelbe Zitter-Säiten in Schädtel zu 2. Pfund. 

No. ı | :|;:|j4ıl s| s|> | s| >» | 10 | ısjız, 
a Ereuger 36] 36 AS IETLIEN, 

».[bfählesuezsi ze | 30 | 32 | 34 | 398 | 42 | a6 | ss | 62 | “eo. 

‚ein Dz. groflerohte Hornene Löffel a 223 Creutzer. | 

- ein Stud Mepingegefhlagene Barbier-Beden 48.72.und56. Er, . 
ein gulden Werck Eiferne rund und Egg⸗Schloß | 


No, 6. 8. 10. 12, 16, 


— — 





| . 2. 3. 3. 3. 24. Creutzer. 
ein TB. erdinaire Rohtſtein in Kiſtlein zu ı. biertel Tb. a 22. Creutzer. 
ein Tb. dito feiner a as, Ereuger. 
ein gülden Werd Mefinge Kuöpff N. 16. 20. 24,30. a Creutzer 46. 
ein gülden Werd Mefinge Schellen N. 60.80. 100.120, Er. 54. 
ein gülden Werd weille dito N. ı70 ass. Creutzen. 
ein gälden Werk Meßinge Eirculmit ſtaͤhler Spigen N. 4. 6. 8. 10. 
12,16. a 44, Creutzer. | 
ein Dz. Mefinge Schreib-Zeug mit Sandfaf a 23. fr 
ein Dz. ſchwarhe Beinerneditoa so, Ereuger. 
ein Da. dito ohne Sand⸗ Faß a 48. Er. 
ein Dz. ſchwartze ahnſtoͤcher Buͤchslein a 24. Creufer. | 
ein gülden Werd meßinge und ftählerne Lichtputzen N. 6, 8. 10. und 
12.260, Ereuger. or 
ein gülden Werd meßinge Bleyweiß⸗Federn mit Ringen 20.30, und 
zotta 34. Creutzer. 
"ein gülden Werd Schreibfedern 40. 50. 60. 70er 254, Ep, 
ein Dz. weile Kamm⸗ Buͤrſtlein a 24. Creutzer. 
ein Ds. gebeihte beinerne Schheider-Zeug a 90. Er. 
ein Schadhtel ſchwartze Schu⸗Zweck a ıs. Ereuker. 
1000. Englifhe Oerter mit ı. Spig/ N. A. a K. a z6. Er, 
1000. detti mit. Spiten/ N. A.a F. a 3. Creutzer. | 
2,0. Englifche Abfag-Derter mit. Spitz N. A,A.A. a36, his 80. Gr. 
— Weßing un 2. fl. " | 
ein Groß Stahlerne dito a36. Sagen. 
ein Groß Meßinge Männer-Fingerhut a27. Sagen, e 
ein Groß Stählerne dito a 25. Sagen. / 
ein Dz. Hörnerne Zungen-Schaber a so, Er. 
ein Dz. Gläferne Paternofler a 45. Creutzer. 
100, Englifche Pergament⸗ Bilder a3. fl, 
‚00. Stüd ditofleiner afl.ı3. | 
ein Meßing verguld Meſſer⸗Beſteck ar. bisn. fl | 
j oo | Ein’ 


Je DER: 13 DEE — 
Ein Bund ſchwere Hefftlein mit 2.Zeichen N.4. a 40, Ereuger. 

ein Bund dito N. 2,a40. Er, * 

ein Dutzend Schreib-⸗Tafeln N. x. 3. 4. | 


J a Creutzer 48. co. 7z. 

ein Dz. dieo Frangöjifche a 84. Creutzer. 

sooo. Fercken⸗Nadeln a 54. Creutzer. u 
ein Tb. Bleyweiß in Kiftlein zu ein viertel Pfundazo.Er. ‘- 

. ein Dz. Zinnerne Schufhnallenaso.36.24.Cr, 1 groß/ mittel/ 
ein Dz Mefingediroazs. flig. und a5. Ereuger.f tlein. 
ein Dz. Tobacks⸗Doſen groß a Creutzer 40. klein. ze. * 
ein Dz. dito mit Pumpen a Creutzer oo. 
Die Geld⸗Mouͤntzen und das Mechfel-Negotinm in Nürnberg be> 

treffend / ſo iſt daſelbſt die Reichs-oder Kaͤyſerl. Münge allein gang» 
bar / uud hat nach ſolcher | 

1. Rthlr. 13. Gilden, oder 223. Baken/ oder zo. Kaͤyſer⸗Groſchen / 

oder 90, Kreutzer. 

1. Diderthaler hatız: Bulden/ oder 25. Bagen / oder zzzj · Kaͤyſer⸗ 

Groſchen oder 100. Kreuger, 

1. Gülden hat 20, Kayſer⸗Groſchen / so, Kreuger 15. Batzen. 

1. Kaäyſer-Groſchen hat 3. Kreugeroder 1.9. ° 
u. Baze hat 4. Kreuger oder 10. h. 

x. Kreutzer hat 4. K. | 
Sieder dem aber / daß indem Römifchen Reich fo viel Münk-Redu- 
ctiones und desfalg publicirte Edieta zu fehen geweſen / hat es auch mit 

dem Preiß verfhiedener Muͤntz⸗ Sorten eine andere Beſchaffenheit 

bekommen / dann was man jegund Giebenzehner nennet/ das war vor 
diefen ein Orts⸗Guͤlden oder 15. Rreuger. RE 

Ein Frantzoͤſiſcher oder Rthlr. in fpecıe gilt jetzt 2. Gulden. 

DasCafa Geld von 6. und 3. Kreutzern gilt zJ. und 3. Creutzer / 
_undiftz}-proCent, beffer al Banco, - — 

Brandenburgifche und Saͤchſiſche Groſchen gelten y Pfenning / und 

die fl. oder 16. Groſchenſtuͤck feyndaz- big 4. pro Cent. beffer als 
Nürnberger Geld. | AN | 
Der Burgundiſche / Hollaͤndiſche und Schweiger Thaler gilt 2s. Ba» 
tzen oder nz. Kreutzer. a 
Don Nürnberg aus wird auf Holland gewechfelt und gegeben 1. Gul⸗ 
den Von 55. Kreutzer courant, umin Holland wieder zu empfangen 
70. bis zo. Groot Flaͤmiſch / oder man gibt 120. bis 140, Rthlr. 
von so, Kreuger/ ua wieder dargegen zu empfangenroo, Rthlr. 


von so. Stuͤver. 
a auf 


Pür 907 


a en u 

Auf Franckreich gibt man 56. bis 96. Kreuger courant vor 1, Rihirx. 
bon so. Sols, oder ioo hon 90. Kreutzern vor 90. big 104. Rthlr. 

Auf Hamburg gibt man sız. bis 70. Erenger vor ein Wechfel von 
33. 5. Luͤbiſch oder man gibt zo. bis 140. Rihlr. zu so. Kreutzern 
von 100. Rthlr von 43. 8. Luͤbiſch. . 

Yuf Frandfurt gibt man 100. his 104, Rthir. bon 90. Creutzer vor 07. 
bis 104. Thaler zu 74. Kreutzer. ’ 

Auf Benedig gibt man 140, Did 180. Gulden von so.Rreugern dor 100, 
Ducati di Banco, 

Auf Dansig ı. fl. don ss. Rreuger.courant por so. big go. Pohlnif. Gr. 

Auf bLeipzig 98. bis 105. Rthlr. von no. Kreuger vor 100. Kıhlr. zu 24 
Groſchen. | 

Auf Augfpurg ss. dis 100, Rthlr von 90. Kr. vor 100. Rthl. daſelbſt. 

Auf St. Gallen 100. fl. von so. Kr. vor no. bis 15. Schweiher Gulden. 


000. Pfund Venediger alagroffa thun in Nürnberg 40. Tb. der 
Saum aufder Fuhr ala fubtila ift 400, TB. in Venedig / fonft aber 

iſt ein Saum netto soo, TB. ‚ 

Zu Bozen iſt das groſſe Gewicht den Ruͤrnbergern gleich / der Heine 
Botzuer Eentnerabevthut in Nürnberg ss. in 67. Tb. fonften aber 
wird in Bogen gemeiniglich das Wienerifche Gewicht gebraucht / 
und wiegt man beyden groſſen Gewicht Eifen / Stahl/ Kupffer / 
a. und Federn / bey dem Kleinen Gewicht aber Saffran und 

ecerey. | 

Der Eoftniger Centner / dabey das Wachs verfaufft wird / iftıs. Tb. 
gröffer dann die Würnberger. | 1 

In Genua wird das rauhe Kupffer⸗Gewicht Cantar genannt / und 
thut ein ſolcher Cantar in Ruͤrnberg os. Tb. oder 100. Tb. Nuͤrnber⸗ 

er thun in Genua 103. Ißb. 

In Pohlen iſt das Leder⸗Gewicht 12. Tb. pro Cent, ſchwerer als in 

WRuͤrnberg. | 

In Nürnberg haͤlt i. Eymer Wein oder Bier nad) der Vilier. Maaß 
32. Biertel/ oder 64. Maaß / nad) der Schend aber 34. Viertel oder 

6s. Maaf. ! 

1, Fuder Wein oder Bier hat 12. Eymer / oder nach der Vilier 394, 
un 763. Magß / und nach der Schend 408. Viertel oder 
816, Maaß. Ä 

1. Amer Honig hat 64.Maap/ aber eine Tonne Honig haͤltoo. Maaß. 

1, Suͤmmer Korn ald Kern / Waigen/ Erbſen / Linſen / Heidel / Hauff / 
MWidenhatıs. Metzen. 

1. Suͤmmer Dündel/ Haber und Gerſten hat z2. Metzen. 

ı. Sümmer Hirß hats, Metzen. . f 

Wi . 1. Suͤm⸗ 


9008. Nuſ Nyg 


Suͤmmer hart Getrayd hat 2. Malter / aber in rauhen Getreyd 4. 


Malter. 
1. Malter hart Getreid hate. een ri auch in rauhen Getreid. 
1. Suͤmnmter von allen Getreyd hat vier Viertel oder s. Achtel, 
1. Mes hat s. Dithäufflein. 
‚ . Dithäuflein hat Maaß. 
10. Stüd Tuch Ift ein Packen. 
ꝛ Stuͤck Tuch ein Saum⸗Gewand 
22. Ellen iſt ein Barchand. 
4. Barchand iſt ein Vardel. 
10. iſt ein Decher. 
16. Buͤſchel Stroh iſt ein kleiner Schober. 
30 iſt ein Schilling. 
65. Buͤſchel Stroh iſt ein groſſer Schober, 
22. Tonnen iſt eine Laſt Hering. 
no, iſt eine Zahl Plateiß. 
Se ein Pfund Kabiin/aud . Pfund weiſſ Rrants-Gäupter/ 
240. ift ein Pfund Radſchin / auch 1. weite Krauts⸗Haͤuptet / 
oder 1. Pfund Welfhe Rüß. 


VNußbaum⸗Holtʒ wird zu allerhand ſauberer Tifher-Arbeit ge> 
brauchet / welche unſere Teutſche Tiſchers jetzt eben ſo ſchoͤn / ſonderlich 
mit eingelegter Arbeit / als die Frantzoſen machen koͤnnen. Es kom⸗ 
met dieſes Holtz / ſonderlich gar ſchoͤne und breite Plancken / aus 

Ftanckreich von Bourdeaux, item auch von Königsberg aus Preuſſen / 
und wird / nachdem es vein/ breit und fchön geflammt/dem Fuß ⸗Maaß 
nach/ zu gewiſſen Preis bezahlt. Die Wurgeln/ Kindern und Blaͤt⸗ 
ter der Rußbaͤume / wie auch die Rußſchaalen / brauchen ſowol die 
Schoͤn⸗ als Schlecht · Faͤrber / um die fhlechten Zeuche damit braun 
zu färben. Ä | 

Nuxaromatica, Mofcata, vide Muſcaet. 

Nux avellana, Hafel-Wuß/ Juglans Welſche Ruß / Myriftica Mo- 
fchata, Regia juglans unguentäria, Mofchata. 


Nux Vomica, Rtähen-Augenyeine ylatrunde undAfchfarbe Frucht / 
miteinen wollichten Haͤutlein überzogen; wann diefes abgefcheelet 
wird / iſt fie weißlicht und Hart wieein Horn. . Sie wachen in In⸗ 
dien / feynd fehr giftig / dap auch das Sprichwort davon ent⸗ 
fprungen? Nux tinica Wberfiche Mofchata) prodeft,nocet altera, 
(avellana vel Juglans ) tertia (vomica fciliset) mors eſt. Vide Nw- 
ces Vomicæ. | 


Nygmaticos, wird bon Galeno por ein Stich⸗Pflaſter gehalten 


—— — En — — 
—Mym Obſ 909 
insgemein aber wird Emplaſtrum Stipticum Crollii darunter here 
fanden. Vide deffen Zubereitung in Woydens Mediciniſchen Lexig 
eonp.m, 266, 
Nymphza, alba vel lutea ma}. & min. nenuphar, Seeblumen / wer⸗ 
den inweiffe und gelbe/ beyde aber in groſſe und Kleine unterf&ieden, 


Beyderley Wurgel und Saamen feynd Fühlend / dienen vor ben 
Durchlauff / vohte Ruhr / Ballen- Fieber und innerliche Nige. 


D. 


ER Blaren werden aus gut Waitzen⸗Mehl mit Waſſer recht dunne 
augemacht / das Waſſer muß aber ein wenig dide von Mehl 
feyn / Hierauf trägt mans, mit einem Löffel. auf das warme Eifen / 
drlicket es ſtarck zuſammen / und haͤlts ͤher das Kohl-Feuer/ wendetg 
zu weilen um / bis ſie ausgebacken ſeynd. Dergleichen weiſſe Obla» 
ten dienen den Sonſect · Beckern zu Marcepan und Macronen; dieje⸗ 
nigen aber / womit Briefe ſollen berſiegelt werden / und welche gemei⸗ 
niglich roht ſeyn muͤſſen / darzu kommt unter die Maſla ein wenig Zi⸗ 
* Sie werden alsdann mit einen darzu lormirten Eiſen Hein 
rund geſchnitten / und hernach soo. Stuͤckweiß in ein Schaͤchtlein ges 
than / undalſo verkaufft. a — 
Obligation, eine Hand⸗Schrifft / Verſchreibung / Verbindung 
dergleichen werden auf vielerley Arten gegeben / vide unterfchiedliche 
Formalia davon in unfern Handels · Correſpondenten. wer 


Obſt und Obſt ⸗ Baͤume / beftchen in unterfchtedfichen Sorten / 
als in allerhand Arten Aepffel / Birnen / Dvitten/ — Mandeln/ 
Wallnuß / Haſelnuß Eaftanien und Pimpernüffes diefe Früchte ins⸗ 
geſamt werden mehrentheils Winter-Obff’genanut / weil ſte nemlich 
erft im Herbſt oder gegen dem Winter zeitig werden / und (ic) alds 

dann ohne Abtruckung baden oder einmachen/ oder auch eine Zeitlang 


roh erhalten laſſen. Der Aepffel am erſten zu gedencken / fo’zehlte Pli- 


nius ſchon zu feiner Zeit 29. Arten der Aepffel / die dazumahl ih Italien 
bekannt geweſen; Bauhinus in Lib. I, Hiſt. plant, e. ı, Fam ſchon auf 
60. Arten / und dad Franhoͤſiſche Tractaͤtlein inſtruction pour con- 
noiftee les bons fruits, welches zu Paris Ao. 1670. ausgegangen/hält 
163. Rahmen der in Franckreich bekannter Arten von Xepffeln in 1 
Die in unfern Teutſchen Gärten befannteften Arten ſeynd: Adams 
Aepffel / a deux tetes, Aftius Yepffel/ Pommes d’ apis, frühe und fpate 
Borſtorffer / rohle weilfe und Sommer⸗ Calbillen / Cardinal / Ey. 
rus / Englifche Aepffel Corpendu rouge & gris, Franſche Kant⸗ 
Aepfſel / Fenovillet, Glas⸗Aepffel / Sommer⸗und Winter⸗Glocken⸗ 

ee Mm > Aepf⸗ 


go VOdbſ' 
Aepffel/ Gold⸗ Aepffel / Grappe Cul, Grüninger / Guͤlderling X 
und dopdelt/ Grittelinge / von Rheims/ Grand Blane, Grand Richard, 
roſſe Rabauen / halb ſaure halb ſuͤſſe / Hartlinge / Hennegauer / Herrn⸗ 
—32— Hollarſen aus Flandern / Hundert⸗Marck / Houte bont, 
Kantaͤpffel / Kaͤyſer⸗Aepffel roht und grün / Kir⸗ 
ſchenapffel / Kiapfferaͤpffel / Kreidaͤpffel / Kurtzſtenglichte / Klapper⸗ 
aͤpffel / Rallieff⸗Aepffei Sommer-und Winter-Pallter / Pappelinge 
aus Engeland / Pariſer⸗Aepffel / Paſſepomme roht / weiß und helle 
weiß / Pafle Calville, Paternoſiet-· Aepſſel / Pigeons, Poſtaͤpffel / Pre- 
fent-Yepflel Perenetties, Pomme de Wing de liyre, de Printz, Pfund- 
aͤpffel / Reinettes gris Jaunes, Rouges, Plattes, Sommer⸗ und Herbſt⸗ 


En Reinettes, Rambour rouge & Vert, Rambour d’ Orleans, Rambouil- 


letRobillard, Rozeau d’ Hyver, Roͤmiſche Kiecker / roht Hahn⸗Aepf⸗ 
fel / dito Hollaͤndiſche Krieger / rahteSonimerfüffe/ / Roſenheeger / Ro⸗ 
ſenthaler / rohte pr Roſtocker Sagäpffel/ Scheibäpffel/ 
Striemsund Suͤßaͤpffel / Schmieraͤpffel / füfle Ribbert/ Waflerwin- 
del/ Wiener⸗Aepffel / Wolffaͤpffel / weiſſe Holländische Krieger/ Win⸗ 
ckeling / Ztppelaͤpffel / Violet / groſſe Zuckeraͤpffel / Heine dito , Zwerg⸗ 
Repffei / ec. Es laſſen ſich aber alle Aepffel inn ſaure / ſüſſe / fäurlichte/ 
Weinſaure und ſaurſuͤſſe eintheilen; die erſten ſeynd kalt und zuſam⸗ 
menziehend / dieandere wärmer und laxiren / Die dritte haben eine 
vermengte Natur / welche aber dem Hertzen mehr angenehm / als die 
andere beyde; uͤberdem ſeynd annoch die ungeſchmackte oder waͤſſe⸗ 
rigte Aepffel / die aber nicht geachtet / ſondern bielmehr den Schweinen 
vorgeſchuͤttet werben. 
Birnen werden in dem Frantzoͤſiſchen Regiſter bis 300. Arten ange⸗ 
geben/ und ob wol biel Synonima darunter ſeynd / alſo daß bisweilen 
eine eintzige Gattung Birn 2. bis 3. Nahmen hat / ſo bleiben doc) nad) 
Abzug derſelben noch über zoo. Arten / unter welchen die voruehmſten 
ſeynd / als folget: Amadotten-Birn/ Aepffel⸗Birn / Augſtbirn / Am- 
brettc, a deux iẽtes, d' Angleterre, Arnsberger / Arnandel/ Sommer: 
Herbſt⸗ und Winter⸗Bergamoten / Bergamotte Bugii, Bezyderi, 
Blur:Birnen/ Bon Chretiens, Brederodiſche Birnen/ Brixer rohte / 
weiſſe uud graue / Butter⸗Birn / Bux⸗oder Feine Muſcateller⸗Birn / 
Bourdon musgve, Brutte bonne. Bezidairii, Beziide la Motte, Ca- 
dillac de la Champagne, Citronen⸗Birn / Comadye,Conillefoif, 
Clair villelongue, Chere Adame musgree , Colmar doppelte Bluͤh / 
Doverat musgre, Dierkies-Birn/ doppelte Riet-Birn / Eſpine roſe, 
Efpine d’ hyver Finor, Gänfe-Köpfle/ Goldbirnen / Görliger Grau⸗ 
linge / Guͤnters⸗Birn / Grand Citron de Carmes, Grand Cuiffe de Ma- 
‘ dame, Grand Rofattes, groß Blangvet, groß Certeau , groffe Pfund⸗ 
Birn / Hader Birnen / Kangelbisnen/ Hamburger / — 
| uͤner 


| DObf gu 
Hũnerbirn / Jobauten / lſembert Jargonelle , incognu d’ Orleans f 
Jungfern⸗Birn / Kant · oder Würg-Birn/ Kaulbirn/ Käyfetiun/dops 
gelte Känferian/ Röntgs-Birn/ Kräuel-Bten/ Kräuter-Bien/ Mar: 
geeten-Birh/ Martin Sec, Mehl-Birnen/ les Meilleurs gveDieuafait, 
Meſit Jean gris,'Mont-Dieu, Mofchus:Birn/ Mouille Bouche, Mu« 
fcat alatour fait, Mufcateller / fpäte Mufcateller/ Mat graͤfinnen⸗ 
Birn/ Mafnere, Muſcat Rubert, Musqve parable , Obriten- Bin / 
Dignetterauge , Orenger d’ hyver » Paradis-Birn / Parid-Birn/ 
Perfingii, Pfalpgeäfer / Pfeiff-Bien / Pfund-Bien/ Sommer-und 
Minter-Pomerangen-Birn/ Portail, Pragifche Birnen / Preugifche 
; Bien/ Poire de la Champ, Petit Certeau, Poire de Vj gne, Petite Cuiſ. 
fe de Madame, Petit Mufcat,Poire de Caneel , Quad⸗Birn / Roſen⸗ 
Birn / Rouſſelet d Et&, Rouffeletd’ hyver, Rateau blanc, Ratean gris, 
Roufleletde Rheins, Sucrain S, Michael, S, Martial Salviati, Suiffe , 
Supreme, S. Germain, S,Pon, Schagmeifter-Birn / Saffren⸗Blrn / 
Sommer⸗Safftige / Winter dito, Scheibelbirnen/ Schmaltzhirnen / 
Ara san Gteddirnen / Steinbirnen / Stockmeß Birnen / 
Traubelbirnen / Trautenbirn / Treforier, Teu Rouslet, Voyeaux 
pretres, Virgine musqve, Vir gouleufe, Vert@Tdugue, weiſſe Bien 
weiſſe Rün —— / Winterbirn / Waſſerbirn / Zeithir: 
nen / frühe und ſpaͤte Zuckerbirnen / zweytraͤchtige Birnen, 
Alle dieſe jetzt · erzehlte Birnen ſeynd der Farb nach entweder weiß⸗ 
licht oder grau / gruͤn / gelb / fahl / Leibfarb / roht/braun/ geſtreifft oder 
bund. Det Fahr-Zeit nach werden leientweder früh im Sommer) 
ober ſpat im Herhſt reiff· Ihre Form iſt pyramidal, platt/rund ober 
hoͤckerich / etliche ſeynd groß / etliche Elein., Was ihr⸗ inwendige Sub: 
fang oder Fleiſch betrifft / ſo eniſtehen dabonz. SHaupt-Claflen „ als 
(1.) feynd Pyra butyracea, Butter ⸗Birnen/ weiche gleichfan im 
Munde fehmelgen / (2.) Pyraagvofa, Waſſer⸗Birnen / welche zwar 
voll waͤſſerigten Safftes / aber das Fleiſch —— nicht / ſondern iſt 
derboder hart / 13.) Pyra aromatica, Wuͤrh⸗Bhnen / die trucken und 
aromasifch/riechende nach Bieſem / Zimmet / Fenchel und dergleichen. 
Vwerden aber die Birnen entweder roh gegeſfen/ oder gekocht / oder 
in Zucker eingelegt und zu Compoſten gemacht / oder trucken condirt/ 
und in Paften gebracht / oder man macht auch Sider / Cidre oder 
Birn-MoftyundendlichEfig daraus.  . Be 
©rviteen/ mala Cydenia, follen den Rahmen bon ihrem Baterland/ 
das iſt von der auf der Inſul Creta gelegenen Stadt Canca , die bor 
diefen Cydon geheiffen/ erhalten haben/ weil ſiraber nn gleich» 
ſam mit Wolle überzogen/ hat man ſie nach diefen vielmehr Mala Co: 
ronca genennet/ deven ſeynd nun eigentfich zweyelley/ ‚groffeund klei⸗ 
ne Quitten⸗Aepffel / Die groſſen feynp on fo fleinigt alö die a 
mm ⸗ ‚an 


! 





> 


9 | Obſ 


und deswegen hoͤher zu achten. Dieſes haben die Quitten vor an⸗ 
dern Obſt voraus / daß ſie nicht allein ſchoͤn riechen / fondern auch ſtarck 
zufammen ziehen / und einen Safft haben / der lange dauren Fan / da 
der andere bald verfäuret. Der Gebraud) der Quitten iſt / daß man 
fie Eoche/ oder auch mit Zucker einmache. 

Miſpeln / Miſpeln⸗ Baͤume / Meſpilus folio laurino non ferrato, 
item Mefpilus folio laurino major, Mefpilus frudtu praeftantiore,do- 
meftica. oxya cantho infita, Mefpilus Aronia ‚item Apii folio laci- 
niata, LUnterfchiedliche Arten von Mifpeln feynd haͤuffig in Teutſch⸗ 
fand zu finden / werden aber niemahls am Saum / fondern auf dem 
Siroh muͤrb / dahero das Sprichwort entftanden : Coltempo, € col- 


- fapaglia, fi maturano le nefpole ; mie der Seit und auf dem Stroh 
werden die Miſpeln reiff, DieScholaSalernitana gibt ver / daj 


fieden Urin treiben/ welcher Krafft mehr in den Steinen/ als in ihrem 
Fleiſch ſtecket / dannenhero einige dieſelde pulveriſiren / und in Peters 
filten-Wafler wider den Stein einnehmen. 
Mandeln / Amygdalusfativa, dieſer Saum wird in den Hoͤhen / und 
ern in den Weinbergen wachfenden/ it. in deu Riedrigen oder Zwerg⸗ 
andel⸗Baum eingetheilet; diefe legtere tragen :urehrentheils bit- 
tere/ gleich wieiene lauter füffe Mandeln. Vide hievon einmehrers 
unter dem Wort Mandeln. u 
Wallnuſſe / Nuxjuglans ſive Regia vulgaris;daßingehöret NuxJa- 
glans puiamine duriſſimo. item die kleine harte Stein· Ruͤſſe / welche 
Cafalpinus Nuces ſurdas nennet. Es finden ſich auch Nuces Juglan- 
des cortice tenuiſſimo, duͤnnſchaaligte Nulles dieſe ſeynd den ge» 
meinen an Groͤſſe gleich / aberan Gätigkeit überlegen/ weil ſich Die 


ESchaalen zwifhenden Fingern zevdräden laflen. Endlich findet id) 


auch Nux juglans fructu maximo, velnuces caballinæ, groffe Malle 
nüffe/ welche dievorigen zwar nicht an Guͤtigkeit / doch an Groͤſſe über» 
treffen. Mer des Morgends 2 truckne Ruͤſſe / 2. truckne Feigen / and 
20, friſche Rautenblaͤller / mit ein wenig —— durch einander geſtoſ⸗ 
ſen / nuͤchtern iſſet / dem ſoll deſſelben Tages kein Gifft ſchaden. Die 
Salernitani befräfftigen ſolches / und fügen : Nux eft medicina 
Veneno, Ä | 

Saſelnuͤſſe / Nux avellana, bon der Stabt Avellaoder Abella in Cam⸗ 
panien gelegen / alfo genannt / wachfen hinund wieder wild aufden 


- ap Haſel · Stauden am Weg / berbeſſern ſich aber durch Berfegung in die 


\ 


A r 
Corylus ſativa fructurotundo maximo, vel Avellana major Lugdu- 
„ nenfis, groſſe runde Lioniſche Haſelnuͤß / und Corylus ſativa fructu 


Gaͤrten / und heiſſet als dann ihre Staude Corxlus domeſtica, item ſa- 
tivafrudtu albo minore, gemeine Garten⸗Haſelnüß / nechſt denen iſt 


eblongo rubene lange rohte Haſelnuſſe / welche man bon der Lam, 


ardie 





— — _ De Och233 
bardie Lombardiſche / oder weil ſie um Lamberten Tag reiffen / Lam⸗ 
pertiſche Nüffenennet. Der gemeinen werden biel aus Schonen und 
auch bon Koͤnigsberg in Tonnen gebracht / und in denen See⸗Staͤdten 
fuͤr einen billigen Preis verkaufft. | | 
Eajtanienfollen von einer in Macedonien belegenen Stadt Cafta- 
num ihren Rahmen haben; Dieunterfchiedliche Arten der Caſtanien 
feynd als folget: Caftanex folio multifido, eqvin®, Rop-Eaftanteır/ 
womit die Tuͤrckiſchen Pferde gefuttert werden / Caftanca fylveftris 

popularis&codtiva , Eleine wilde Caftanien/ die in heiffen Rändern 

ungebauet wachfen/ und Dann Caftanea fativafeu domeflica, Gartens 
Eaftanten / die aber wieder unterfchiedlicher Groͤſſe und dannenhero 

fortiret/ und die gröften Maronen genermet werden. Vide ein meh⸗ 

vers unter dem Wort Caftanien. 

Don denen Kirfchen jiche unter Dem Wort Cera/a. 


Oceanus, daß groſſe Melt:Meer / welches der Kaufleute ihre 
Schiffe / fonderlich der Ofl-und MWeft-Fodifhen Eompagnien zime 
lich durchſtreichen müflen; Es wird genennet das groſſe Welt⸗Meer / 
weiledEuropam, Aſiam, Africam und Americam umflieſſet / da die 
andern Meeren/ ald das Mittelländifche / der Pontus Euxinusoder ' 
das ſchwartze Meer/ die Oſt⸗See und dergleichen / nur zwifchen die» 
fen Welt⸗Theilen gleichfam als groffe Sinus oder Meerbüfen feynd/ 
nachdem nun der Oceanus an ein Land oder Melt-Theil anftöffet/nache 
dent empfaͤngt er auch in derfelben Gegend herum feinen gewiſſen 
Nahmen / alfo wird er um Brönland Oceanus Septentriönalis , um 
Norwegen die Nord⸗See / auch etwas beffer herunter Mare Germa- 
nicüm, um Engeland Mare Britannicum „ um Africa Mare Atlanti- 
cum, don dem groffen Berg Atlas, und in Indien Mare Indicum ges 
nannt. - t 


Ochra, Ocher / wird von Bley gemacht / welches ſo lang gebrannt 
wird / bis es die gelbe Farbe befommt/da ſie dann die Mahler gebrau⸗ 
hen fönnen. Es gibt auch ein natürlich gewachſen Ocher oder Ocker⸗ 
gelb/ welches nicht nur um und bey den Metallen / ſondern auch wol in 
eigenen groſſen Adern gefunden / und aus den Bergen als eine harte 
gelbe Erde / die Füpffvigter und eiferner Natur ift/ gegraben wird. 


Ochſen / mit ſolchen wird jaͤhrlich ein groſſer Handel inallen Laͤn⸗ 
dern getrieben / wie ſolches die groſſen Ochſen⸗Maͤrckte zu Hamburg / 
Luͤbeck / Dantzig / x. ausweiſen / abfonderlich geben die beyden Könige 
reiche Pohlen und Ungarn jährlich eine ‚gro e Menge Ochfen aus/ 
welche durch gang Ober-Teutfchland herkauffet werden. - Aus Sche- 
nen/ Bornholm und Tütland konumt ebenfalg eine groffe Qvancitdt 

Odchſen / wie dann befagten Königlichen Dinifchen 30 Regiſter in 
| Mmmm;3 einem 


\ 


I 


914 Och Ode 

einem Fahr allein bey so000. Städ aus Jůtland ſollen ausgegan⸗ 
gen feyn/ welche guten Theils nach Frieß-und Holland getrieben/ und 

daſelbſt geweydet werden/ welches dann denen / diegroffe fändereyen 

haben/ viel Rugen bringet/ indemein paar magerer Ochfen zu 24. bis 

so. Rthlr. erkaufft/ und hernach zu so. bis so. Rthlr. wieder verkauft 

wird. Die Pohlnifhen und Ungarifchen Ochſen / ob ſie gleich ein 

ſtavckes Fleiſch haben / fo ift doch ſoiches / warn anders der Ochs noch 

jung ift/ fehr ſchmackſam und mürh. Unter denen in Norden fallen: - 
ben Ochfen/ werden die Bornholmifchen vor die delieiteften gehalten/ 
2 ſie klein boy Knochen / niedrig von Beinen / uud dabey fehr fett 

yn, 

©chfenbrech/ Ononis Relta Bovis. 

—— geraͤucherte kommen biel aus Ungarn / Chur⸗ 
und Schweitzerland. | 

Ochſenzungen / ein Kraut dieſes Nahmens / Buglofla Bugloffum, 
Auguſti folium majus, item vul gare & Italicum. 

Ockergelb / vide Ochra, item gelbe Farb. 

Odtroy, ein Privilcgium oder Freyheit / welche einen Kuͤnſtler über 
ſeln verfertigtes Werck oder neue Invention, item über ein gewiß Corn- 
mercium und Monopolium gegeben wird / daß niemand darinn Ein⸗ 
griffthun foll/ daher kommt privilegirte oder otroiirte Conipagnie. 


Ocularia, Euphragia, 





Oocul Cancri, Kre gen. 


Ocymalflrum, Scrophularia major. 

Ocymum medium, Baſilicum. —V v. 

Oder / ein berühmter Fluß / welcher durch gantz Schleſten / einen. 
Theil von der Marck Brandenburg / und durch das Schwediſche 
Pommern flieſſet / woſelbſt er ſich unterhalb Stettin in die Oſt⸗See 
ſtuͤrtzet. Diean dieſem Fluß liegende / und dadurch ſonderbare Be- 
quemlichkeit zur Handlung genieffende voruehmfte Städte ſeynd 
Stettin / Franckfurt / Croſſen / Glogau/ Steinan/ Breslau / Brieg 
uud Oppeln. m verwichenen Seculo ließ der Ehurfuͤrſt zu Bram 
denburg / Friederich Wichelm der Groſſẽ / mit groſſen Koften einen 
Dur chſchnitt aus der Spree in die Oder niachen / daß alfo nunmehro- 
die Schifſe aus Schleſien mit ihren Waaren beladen nach Berlin / und 
don dar vermittelſt des Spree in die Elbe / undfo weiter nad) Ham⸗ 
burg kommien können ; durch welche —— die Oſt · See mit 
der Weſt⸗See gleichſam zuſammen gehaͤnget iſt / welches noch nähen 
in Holſtein und (nachdem ehmahligen Vorhaben des General Wal⸗ 


tenfleiners) in Mecklenburg komite practiciret werden, 








Dde Del | gıs 

Oder⸗Menig / Agrimonia, 
Odontalgica, ſeynd Argeney-Mittel/ welche den Zahn⸗Schmerhen 
ſtillen / als da iſt Oleum buxi.rad.pyretri.opiat. mit warmer Milch 
auf den ſchmertzhafften Zahn gehalten. Pilul.de Cynogloſſ. Theriac. 
in die Schlaͤſſe geſchlagen / Schellkraut · Safft aus der Wurhel / und 
ee aan DUB DTRENON. bis er ohne Schmertzen nach und nad) weg⸗ 

efreſſen wird. 
e Odoramentum, Odores, wohlriechende Sachen / welche abſonder⸗ 
Lich die Geiſier erquicken / Ind das Haupt ſtaͤrcken. Ä 

Oel / Oleum, Frantzoͤſiſch del’huıle, wird in denen Officinen in 
dreyerley Sorten eingetheilet/ als in deſtillirte / ausgedrückte und ge» 
kochte Dele: Die deltillirten Fönnen aus allen dreyenKeichen der Na- 
tur / als Mineralifchen/ Vegetabilifhen und Animalifchen bereitet‘ 
werben. Die Mineralia, fo Delvon ſich geben/ ——— Stein⸗ 
Kohlen / x. dieſe werden deſtillirt wie die Hartzen und Gummi ; Un⸗ 
ter denenVegetabilibus geben die Kraͤuter / Blumen / Früchte / Saa⸗ 
men / Wurteln/ Hoͤltzer / Rinden / Gewuͤrtz Oel von fi / die andern. 
ſeynd Oel / Hartz und Gummi. Aus dem Thieriſchen Reich ziehet 
man Oel / aus den Hoͤrnern / Marck / Gehirn / Gebeinen / Klauen und 
Fettigkeit / aus dem Geblüht / Koht und dergleichen; wie aber ſolcheß 
geſchehe / dabon beſiehe D. Schroͤbers vollftändige Apoteck / lib. x. cap. 
*0. woſelbſt folgende einfuche defillirte Oel nahmkündig gemachet 
werden: Als Oleum abſynthii Wermuht⸗Oel / Anethi von Dillen / 
Angelicæ voun Augelicken / Aniſi von Anis / Aurantiorum von Pome⸗ 
ranhen / Benzoin bon Benzoe / Buryri Majalis hon Mayen ⸗Butter / 
Calami Aromatici von Calmus / Camphoræ Campher / Cardomomi 
von Cardoniomen / Carvi von Wieſen Kuͤmmel / Caryophyllorum hon 
Naͤgelein / Ceræ retific. retificirt Wachs⸗Oel / Chamæmeli hon Ca⸗ 
millen / Chærefolii von Kroͤbelkraut / Cinamomi bon Zimmet / Citri 
cort, don Citronen⸗Gchaalen / Coriandri von Coriander / C. c. bon 
Hirſchhorn / Cranii Humani von Menſchen Hiruſchaalen / Cubeba- 
zum von Cubeben / Cymini bon Kũmmel / Euphorbii von Euphor⸗ 
bien / Foenicali von Fenchel / Fuliginis von Ruß / Galbani von Balbas 
u0/ Guajaci hon Franhoſen⸗Holtz / Heraclini Haſenſtauden⸗ Oel / Hyf- 
ſopi bon Iſop / Juniperi € Baccis bon Wacholderbeer / ex ligno bon 
Wacholder⸗Holtz / Laterinum Philoſoph. Ziegelftein-Del/ Lavendu · 
læ von Labendel / Lauri € Baccis hon Lorbeer / Levifticipon Liebsſto-⸗ 
del/ Ligni Guajaci Frantzoſen · Holtz⸗Oel / Rhodir Roſen · Oel / Lum- 
bricorem Regen⸗Wuͤrmer⸗Oel / Macis hon Mufchat- Blüh/ Ma⸗ 
jorana von Majoran/ ‚Mallichis von Maſtix / Meliliz von. Melif⸗ 
fen/ Nenthæ yon Müntz / Myrrhæ rectif. reificirt Myrrhen ⸗Oel / 
Nucis moſchatæ von ie 4 Origani hon Doſten / Piperis 
wu 4 von 


916 | © + Ger 

bon Pfeffer / Pulegii bon Poley/ Roris marini hon Roſmarin / Rofa- 
rum don Kofen/ Rutz bon Ranten/ Sälviz bon Salbey / saponis hon 
Seiffen / Sabinæ von Sevenbaum/Satureiz Pfeffer⸗Krant · Oel / Ser- 
pyl i von Qwendel Smegmatis Schmuck⸗Oel/ Spieæ bon Spick / Sty- 
racis Calam, bon Storax / Succini albi bon weiſſen Agtſtein / dito Navi’ 
bon gelben Boͤrnſtein / Sulphuri⸗ Schwefel⸗ Oel / Tartari Meinftein,; 
Del/ Terebinthine Zerpentin«Del/ Thymi bon Thimian / Vitriola 

1-Del/ Zedoariaihon ittwer/Zopiflz yon Schiffpedh. 

Die deftillirte Del mohlu Buß zu erhalter/ daß le nicht dick oder: 
vanhigt werden/pflegen einige ein Stuͤcklein Aleunhineizumerfien, 
Ausgedruͤckte Delnennet man diejenigen/ we che ohne einiges Feur 
—— werden / und ſolcher geftalt ihren natuͤrlichen Geſchmack 
bief ſtaͤrcker behalten / ais da feynd Oleum amyedal, amar, & dule, 
ſuͤſſe und bittre Mandel>Del/ Avellarum A, bon Hafelnüffen / Balz. 
rium € balano myrepfica Beenöhl/ Cannabis von Hanff / Carthami A. 


mi ex ſem. hon Bilfen-Saameny) uglandium bon Melfchen Rüffe 
Lauri A, von Rorbeer/ LiniSem‘' bon fein-Saamen / Macis bon Mile 
ftat=Blüht/ Nigelle exfem, bon ſchwartz Coriander / Nucismofcha- 
te Mufcat-Müß/ Oliviarum Yon zeitigen Oliven / Omphacinum aus 
unzeitigen Oliben / Ovor; ex vitellis Yon Eyerdotter / de Palma ſ. de 
pala von Datteln / Papaveris bon Mohn / Perlicor, nucleorum von 
ig⸗Koͤrnern / binearum Yon Pinien/ Piftaciorum bon Piftacien / 
Rapar. fem. Küb»Saanieit‘/ Ricinum ſ. de Cherva yon Wunder» 
Baum/Sambuci granorumfeminis Hollunderbeere Kern · Oel/ Sefa- 
minumA, bon Seſam / Sinapios Hop Genff. u 
Gekochte und infundirer®el/ (welche nemlich gemacht werden / wann 
man die friſche einfache Stücke zerſchneidet / ſeibige in Oel / mit Waſ⸗ 
ſer / Wein / oder einer anbern tauglichen Liqvore vermiſchet/ und fo 
lang hernach kochet / bis die wäfferigte Feuchtigkeit gaͤntzlich berzehret 
—— folgende: Oleum Abf, ynthis don Wermuht / Abrotani von 
abwurtz / Anethi bon Dill / Chamzmelum bon Camillen / Cheuri- 


phorbii cum ol Cheurin. bon Euphorbien mit gelben Viol⸗Oel / For⸗ 
mitarım von Omeiſen / Hederæ terreſt. hon Gundel⸗Reben / Jalmi=- 
num don Jeſmin / Irinam bon Violwurtz /Liguſtrinum, Ciprinum 
de Alcanna bon Reinweyden / Lilinum von Rilien / Lilior, Cenvall, 
von Mäyenblünichen / Lumbricorum sum-omph, Yon Kegemvire 
metn/ Mattichinum bon Maſtix / Menthz bon Müng/;Melrloti von 
Steinklee / Nomordicæ ex fruct, bon Balſam⸗ Aepffeln / Myrtill. von 
er. oo. | — Myrrten 


me — — 


| Del 917 


DD bmg —ñ —ñ —ñ —ñ —— hmmm nn nn — 
Myrrten / Nardinum Narden-Oel / Nicotianæ von Toback / Nym- 
pheæ alb: von weiſſen Seeblumen / Populeum Alberbaums · Oel / dito 
purgans compof. zuſammen geſetztes Purgier⸗Oel / Ranarum bon 
Froͤſchen / Koſatum volgare gemein Oel von Roſen / dito omphaci- 
num mit unzeitigen Oliben⸗Oel / Rutæ hon Kanten / Sambucinum 
bon Holder / Scorpionum Scorpionen⸗Oel / € Styrace bon Storax / 
Verbaſci von Wullkraut / Verniſum, Vernix ex ol, Lini Vernieß / wor⸗ 
zu auch noch gehoͤret der Balſam Sulphuris, Silberglett und derglei⸗ 
hen / die nichts anders dann ein Oel oder Terpentin-Spiritus, der mit 
gedachten Mineralien imprepniret iſt. 
Sekochte zuſammengeſetzte Oele ſeynd: Oleum Arancarıum Min« 
dereri,Ol. Adftringens, Amiepilepticum Antipeſtiſentiale, de Cappa- 
ribus, Caflorei Bidergeil / de Colocyntide von Coloquinten / Cotti- 
num Koften-Del/ Croci Saffran»Del/ Circalatum, Febrifügum, Flo« 
rum Balfamicum, Hyperici compof. infrigidans Kühl-Del/ Majora- 
næ Sampfuchin bon Majoran / contra Marricis affedtus wider Mut⸗ 
ter⸗Beſchwer / Mirabile Mandragoræ bon Alreun / Mofchellinum bon 
Biſam / Nardinum Papaverinum Moöhnoͤhl / de piperibus bon Pefe 
fer/ € Pomis amoris in Pleuritide, Pürgans, Refolutivum ‚Refolvir- 
Oel / Rofar. Meſuæ Rofenöhk/ Stomachale Cratonis Magen-Del/ 
Contra Venena, contra Vermes, Vulnerarium Wundoͤhl / Vulpinum 
x Snaschl Zanetinum Melichii Operment-Del. | 
iefe Dele indgefamt dienen bloß vor Apothecker und Materialiften; 

Bingegen wird das Lein Rüb-und Baum-Del in groffen Qrantitäten 
don denen Rauffleuten geführet/ und zwarjene in denen bin und wieder 
aufgerichteten Oel· Muͤhlen / felbft geichlagen und gepreſt / das Baum⸗ 
oͤhl aber oder Oleum Olivarum, kommt meiſtenthells aus Spanien / 
Italien und Franckreich / und zwar aus den erſten beyden Ländern in 
groſſen Pipen und Faͤſſern / oder auch in irrdenen inwendig wohl-ber= 
glaſurten Krũgen; die Frantzoſen aber / ſonderlich in Provence und 
Languedoc pflegen ſolches in lederne Schlauche von Bocks⸗Fellen / an 
welche die Haar einwaͤrts gekehret / zu fallen / und ſo auf Maul⸗Eſeln 

u transportiren / da dann dasjenige / welches nach Geneve und 

eutſchland deſtinirt / in gedachten Geneve in Faͤſſern geftürget / und 
ſeoweiter über die Genffer See nach Schweitzerland und Teutſchland 

erführet wird. Unter allen Baumoͤhl wird das Liſſaboniſche und 
das — / weiches um den Lägo diGardaherummächft / vor 
das beſte gehalten / weil es ſchoͤn rein / heil und klar / und wie ein Ruß⸗ 
Kern rein und ſuß von Geſchmack iſt. Das Auspreſſen des Oels aus 
denen Oliven geſchicht in obgedachten Fändern / mo die Oelbaͤume 
häufig zu finden / gemeiniglich um die Zeit / wann die Oliven zeitig 
worden / und faſt Idwarg zu werden beginnen; dieſe Oliben brechen 

- Ä MNmums — ſie 





1 Del 


— e e—— — — —— ——— — — —— —— — —— ag Bing 
fie des Morgens fruh / wanns ſchoͤn Wetter iſt / ab / und zwar nicht 
mehr auf einmahl / als man in Tag und Racht auspreſſen kan; ſo bald 
fie abgebrochen / werden ſie auf geflochtenen Hurten ausgebreitet / da⸗ 
mitdie übrige Feuchtigkeit von ihnen komme / hierauf ſchuͤtten ſie ſolche 
indie Preſſe / welche auf einen gepflafterten und etwas abhaͤngigen 
Eſtrich ſtehet damit das ausgepreſte Del in denen darinn gemachten 
Heinen Gaͤngen deſtobeſſer ablauffen möge. Der Dit ſelbſt wo mar 
das Del preſſet / muß warm feyn/ damit das Oel in der Waͤrme befloo 
befier flieffe und nicht bald erfalte/ fo werden auch alle Inftrumenta und 
ſonderlich Die Del-Preffe/ fauberund flurs bey der Hand gehalten/da= 
mit ſie in waͤhrender Arbeit an nichts gehindert werben; warn num 
alles fertig / fo werden die Oliven in —* Koͤrben / von friſchen 
Menden gepflochten / nach der Oel⸗Trotte oder Preſſe getragen und 
daſelbſt getrottet; etliche Oelſchlaͤger treten auch wol vorher die Oli⸗ 
ben mit Fuͤſſen vorgebende / daß das folcher geftalt ansgetretene Del 
viel beſſer / lauterer und wohlgeſchmackter als das ausgepreſte fey/ weil 
aber das Treten viel ſchwerer und langſamer als das Preſſen / als iſt 
dieſes auch mehr im Gebrauch. Der erſte Druck / welcher mit der 
Preſſe geſchiehet / giebet allezeit das beſte und klarſte Oel daheramanı 
jolches auch gleich beſonders faſſet / und Jungfern ⸗ Oel oder Protropon 
nennet / der andere Druck iterativum genannt / iſt ſchon etwas ſchlech⸗ 
ter von Geſchmack / und wird auch beſonders aufgefaſſet / und dieſes 
Oel vielfaͤltig zum Salben gebrauchet; der dritte Druck Tertiatum, 
als der ſchlechteſte / gibt dad Oel / fo man in den Rampen breunet. Se 
bald das ausgeprefte Delein Zeitlang in den Sy geſtanden / fo 
ſchuͤtten die Delfchläger ſolches in andere Gefühle / weil das Del die 
Art an ſich hat/ daß je mehr eö beweget und durdjlüfftet wird/ je klarer 
und lauterer es wird. Dieneuen Del-Fäffer werden allezeit wohl be⸗ 
icht/ und mit Hark wohlverfehen/ die alten aber nur mit fangen ſau⸗ 
ker ausgemwafchen / und in ſolche nach etwan so. Tagen / wann ſich die 
Del-Drüfenoder dad Bene und unveine fchon gefebet/ / das Deleinges 
goſſen. Hierauf in friſche und kalte Kellers / fonderlic) die gegen Mit⸗ 
ternacht zu liegen / berwahret / auch wol des Winters (wann etwan daß 
Oel über den Drüfen geftanden) etwas geröftet Saltz darunter ge> 
ſchuͤttet / dann folched ſchmeltzet das geftandene Del / und fcheidet es 
von allen Unflaht ; will man es hernach ferner bewahren / daß es nich 
rantzig und garſtig werde/ fo nimmt man Wachs und Del in gleichen 
Schiwere / zerlößt es auf dem Feuer / thut geroͤſt Galg und Anis darun⸗ 
ter / und wirſſts zuſammen In die Del-Tonne. Truͤb und unfauber 
Baum⸗Oel wird an der Sonnen oder am Feuer lauter gemacht / man 
fchütter ouch wol ſiedend · heiß Wafler in dte Oel-Tonnen; Zu ſtin⸗ 
Enden Oel ummt man die Broſamen bon Gärten red / 5* 
So 


| Del Ä 919 
Galg daranter/ und wirfft es in das Delfaß s item gebeigte edleGtein- 
klee⸗Bluͤht / auch wol grüne unzeitigeDliven/weiche man ohne die Ker⸗ 
ne Hein Kößt/ und in das Oelfaß thut. Wann das Del verderben end 
faul werden will / nimmt man eine Hand⸗ boll Coriander⸗Kraut / und 
hängt es indie Tonne / oder ſticht das Delab / auf ein friſches Faß. 
Wohlriechend Del wird von Tungfern-Del gemacht / in welchen 1 
ſtoſſene Lorbeeren / Vlolen⸗Wurheln und andere dergleichen wohlries 
chende Materialia, ſamt klein geftoffenen Salg geworffen werden / wor⸗ 
auf es 14. Tage an die Sonnegeſetzt / auch wol gar bey einem gelinden 
—— 3. Stunden lang gekochet / und alsdann durchgeſeihet 
wird. 
Das meifte Del / ſo man in denen See-Stäbten verbraucht / kommt 
aus Portugal und Spanien/ von andern kommt fo viel nicht ein / und 
wird nur von kiebhabern und Kennern verlanget. Cine Pipefolchen 
Delshdit nad) dem Bewicht szo. Pfund. Damis man nun die Sor⸗ 
ten and Thara wiſſe / dienet folgendes: | 
1. ers Delift gang wei / kommt in Bohten / gibtıs,. pro Cent, 


ra, 
3, Sevillifcheffeine Pipen geben 120. Ib Thara, die groffen aber 130, 
bi 140. Tb. 

3. Mallagaifche geben 135. Tb. Thara. 

4. Pugliſche Del in Bohten ıs. pro Cent. 
$. Majorckifchezo.pro Cent, 

6. Marfeillifche 14.pro Cent, 

7. Liffabonifche undPortifehe geben 135. bis 140. TB. Thara, 


Mey dieſem Qel⸗Kauff Hat man wahr zu nehmen / daß es nicht galſtrig 
widerwaͤrtigen Geruchs und Geſchmacks ſey / weniger dundelgrun/ 
muttig und unrein. Mechft ‚dtefen hat man ſich wegen dev Thara 
nicht weniger in acht zu nehmen / wo man nicht 40. 60,70. 15 zu kurtz 
kommen will / worüber bishero bon denen Gewuͤrtz⸗Kraͤmern nicht 
unbillig groffe Klagen geführet worden. In Holland, Engeland/:c. 
— altes Del gemeſſen / da man dergleichen Verluſt nicht zu be⸗ 
Zu Amſterdam rechnet man das Fap Delaufrır. Mingles oder 1434, 
Pintes, die Bohtenoder Pipen halten gemeiniglic) bis 70.Stekan, 
fedeSteckan zu ı6. Mingles, die Mingle aber zu ». Ib. 3. bis 4. Un» 
hen gerechnet/ welchen nach ein Baril Oel netto 1873. {b, Genueſer 
Gericht wiegt/ fo 125. Tb. Amſterdamer thut / Und 14. Barils thun 

ungefehr 717. Mirgles, welche 1750. Tb mägen follen. 
Zu Livorno macht man das Baril Baum · Oel von ss. Pfund/ fo so. Pf. 
Amſterdamer austragen. In Provenecs wird dag Del bey Mit 
crollca 


920 Del Def 


lerolles, die 66. Pintes Parifer / oder 100, Pintes Amſterdamer 
Maaß halten / verkauft. 
Die Spanier und Portugiefen füllen ihr Del ie grofe Faͤſſer ein / fo 
man Bottesoder Pipes nennet; manchmahl komimt es auch in Jer⸗ 
res oder Jarres, welches glaſuͤrte Erdene Krügefeyn / zu uns in 
Teutſchland / und bringen deſſen ſonderlich die Bootsleute mit / die 
Feine gantze Pipe bezahlen koͤnnen / oder mit ſich führen dürffen. Es 
wird aber dad Del in Portugal bey Almoudes, davon 26. eine Pipe 
“ machen/ verkauft ; die Almoude thut 12, Canadors,und der Cana- 
dor bey nahe. Amfterdamer Minglc, - 
Schurtz in feiner Material-Rammer ſchreibet / daß zu Puglia im Nea- 
politanifchen ein treflicher Oel⸗Marck jähritch umJohanni ſey / und 
dag ı. Salma Del 10. Stara, 1. Stara 32. Pignatoli, 4.Salma in Benedig 
s. Miaro oder Meyler / oderızıo. TB. groß Gewicht allda maden/ ı. 
Meyler halte 40. TB. Belten ober Miry, r. Miry 25: Maaf oder 3o5- 
1b. alagroffa oder groß Gewicht. In Boteen (Botzano) würden 
jährlich 3 Del-Märdte/ ald der erſfte Montag nad) Mitfaften / der 
andere aufEgidii denı7 Novemb, der dritte aufSt. Andrei gehalten/ 
und waͤhrte jeder Marcks. Tage. In diefen letztern Mark würde 
mehrentheild Bartfeer Delund zwar nach dem Mubtverfaufft / ſo na. 
Nuͤrnberger Pfund wiegt. In Pugliamirde bis ultimo.Novembr. 
viel alt Del verkaufft / weil das neu noch nicht lauter / oder doch nur auf 
den Hefen und Drüfen/ wiewol 2. bis 3. procent. geringer als das lau» 
tere verkaufft. Die befte Einladung des Oehls gefchehe in die 
Bifcayer Schiffe / welche die Fracht nicht / mie die Raguſer voraus 
forderten. Die gefährlichfte Zeit/ das Del zu verfuͤhren / wäre/ warın 
es noch dick iſt / weil es (ich alddann unter Weges lauterte/uf viel ausle⸗ 
det. Alles Delwürde am Geſchmack erkannt / ob eögutoder nicht / 
Die Farbe koͤnnte man machen. Bis hieher befagter Auther, ‘ 
Von Berfalfchung des Oels fhreibet ein anderer Author , daß viel 
deffelben in Teutfchland komme /'in weiche fich die raͤudige Itallaͤner / 
die Ine Venerea laboriren/ fchon einmahl gebadet / hernachmahls fol» 
ches Dei wieder an die Sonne fehen / aufs neue verjähren laffen / und 
folgends in Tentfchland fchichen/ weswegen fonderlich wohl acht zu ges 
ben/ daß man ſchoͤn gruͤn / wohlriechend und fluͤßig Del / und fein gel⸗ 
bes / dickes oder geſtocktes Oel kauffe / weil in ſolchen unfehlbar ſchon 
einmahl krancke Leute gebadet worden. | 


Oenanthe, Filipendula, J 
Qebpus, das Fett von der ſchmutzigten Schaafs⸗Wolle / insgeme in 
Wopu: humida genannt / wird (don Schaafen / dienichträudig ſeyn) 
folgender geſtalt bereitet: Mau maceriret die Wolle 7.bis s. Stum⸗ 
den 


T 


Dff Die 921 


den in fiedenden Waſſer / ruͤhrets mit einen Holtz ſtarck um / bis alle 
Settigfeit ins Waſſer kommt / hierauf nimnıtman die Wolle heraus / 
ruͤhret dad Waſſer mit einem Stod ſtarck um / bid ed einen Schaum 
gibt/ dann nimmt mans ab/ und alsdann auch die Fettigkeit / die auf 
Dem Waſſer ſchwimmet. 


Officina, eine Werckſtatt / Lehr-Schul/ item ein Ort / woſelbſt oͤf⸗ 
fentlich etwas verkguffet und zubereitet wird / als da ſind die Buchila⸗ 
Den Ofticina Libraria, die Schul Offieina Scholafiica, im eigentlichen 
Verſtande aber eine wohl-angerichtete Apoted ein Oficin genennet / 
weil in folcher viel Fünftliche Operationesporgehen/ undjeder inden - 
Apotecken / bon dem hoͤchſten bi zu dem niedrigſten / fein Officium, 
Amt und Angelegenheit hat/ als daß dereine zum Recipiven / das ift/ 
Die bon denen Dostoribus verſchriebene Recepta zu machen / derane 
dere zum Deitilliven / und in dem LaboratorioChyniico zu arbeiten 
gebraucht wird. Daß alſo / wann wir in diefem Werd bon Officinen 
reden / die Apothecken darunter verflanden werden. / 

Officinalia, feynd fo wol fimplicia einfache / als compofita zuſam⸗ 
men gefegte Medicamenta, 

Oel / Baum⸗Oel / vide Gel. 

Oel⸗Magen / Oel⸗Saamen / Paparer ſativum. 

Ohmkraut / Alchimilla, Drofium Cordi. 

Ohnblat / Sqvamaria, Dentaria major Matthioli, 


VOhren⸗Gehaͤnge / werden gemeiniglich bon Bold / Silber / mit 
Diamanten und Perlen gezieret / nach der Goldſchmieds Kunſt groß 
und klein / und auf allerhand Fagon gemacht. Etliche groffe Dames 
tragen etwan Foftbähre Perlen in den Ohren / wie alfo die Koͤniginn 
Cleopatra gethan/ und zwar von folder Koſtbarkeit / daß / ald ſie folche 
in einen ſcharffen Eßig zerfhmolgen/ und hernach ausgetrunden / fie 
h rahmen Fönnen/ dap fie mit den einigen Schlud etlidye 1000. Ta- 
enta, und alfo weit mehr verzehret / als des Antonii E foftbahre 
Feftein, fo er ihr zu Ehren angefkellet/ gefoftethabe. Heutiges Tag 
haben die Goldſchmiede und Jubilirer mit den ang ni 
Del wenig zuthun. In Africa und Weſt⸗Indien zieren die wilden 
Mohren und Indianer noch hänffig ihre Ohren mit Perlen und Eos 
rallen / auch wolnur mit fhlechten und unechten Steinen / welche ih⸗ 
nen unter andern Nürnberger Waaren zugeführet werden. In des 
nen Kunſt ⸗ Kammern findet man hin und wieder Ohren⸗ Gehaͤnge / wie 
ſolche die alten Roͤmer und andere Nationen vor dieſem getragen / ſie 
ſeynd aber gemeiniglich nur von ſchlechten Merall, und bisweilenwmol 
garmit unechten Steinen Verfeget. Von dergleichen Ohrgehaus⸗ 
on 





> rd EN Ole Oli J 
und Armbänder hat Bartolinus ein beſonder Buch geſchrieben / unter 
dem Titul : delnauribus & Armillis, BE. | 


Olea Æthiopica, Rhodium Lignum. 

Oleandrum, Laurus Rofea, Nerinum vel Nerium,Rhodedendron, 
vorbeer⸗Roſen / Unholden⸗Kraut / ift ein brdunliges Stäudlein/ fo 
Zlaͤtter gleich den Lorbeer⸗Blaͤttern und Blumen wie Roſen hat ;e6 
waͤchſt in Welfchland und Franckreich. Die Blätter feynd dem Vieh 
ein Gift / dem Menfchen aber ein Begen-Giflt vor der Schlangen», 
Biß / doch mag man damit vorjichtig feyn. Mit dem Safft werden 
die Pfeile vergifftet / daß ſie hernach tödtlich und unheilbar verwunden. 

Oleum Olivarum, vide Bel. 

Oleum omphacinum , ift dad aus den unzeitigen Oliven geprefte 
Del; man muß ed nicht confundiren mit den Del/ welches aus unzei⸗ 
tigen Trauben gepreft wird. Ä 

Oleum Talci,vide Talck. 

Oleum Philofophorum wird bereitet / wann man glüende Ziegel> 

nin Baumoͤhl wirfft / daß ſie ſich vecht vollziehen / hernach diefe 
Stücke in eine Retorte tut / und in offenen Feuer das Delherüber 
deftillivet/ welches alsdann fehr penetrant iſt / und fonberlic harte 
Falte Geſchwulſt zugertheilen dienlic). 

Oleum Laurini, ohr-Del/ wird aus Lorbeeren gepreft/ kommt aus 
Mayland; deſſen Verkauft geſchitht ſtarck in Botzen in dem Andreæ 
Mardk/ nachdem Welſchen Centner / welcher in Ruͤrnberg 66. Pfund 


thut / mit Abſchlag 10, Pfund pr. dad Holh. - 


Oleum Tartari, Weitiftein-Del/ Hierzu nehmen bie Materialien 
12, Pund ausgeflebten Weinftein/brennen ſolchen / fo bleiben etwan 4, 
Pfund nach / diefe geftoflen/ und in einen leinen Sack / der unten fpigig 
N gethan / und an einem feuchtigen Ort gehangen / fo ziehet ſich das 

el von ſich ſelbſt heraus / und giebt gemeiniglich fo biel / als des ges 
brannten Weinfteind geweſen. 

Olibanum Thus, vide Weyrauch. 

Oliven feynddie Fruͤchte des Oelbaums / welche / ‚ehe fie noch holl⸗ 
koͤmmlich reiffen / abgebrochen / und in Saltz⸗ Laack eingemachet wer⸗ 
den. Sie kommenaus Spanlen / Franckreich und Italien / ſeynd 
gelb-grümlicht und etwas graulicht / eines herben Geſchmacks / der den 
Appetit erwechket / dahero ſie vielfältig bey Gaͤſtereyen gebrauchet wer⸗ 
den. Das Saltz / fo aus ihrer Saltz Laacke gezogen wird / bat eine 
treffliche Krafft / den Urin zu treiben / die reiffen Dliven aber beſchwe⸗ 
ven mehr / wegen ihrer Oeligkeit ben Magen / dahingegen die — 


— Pe. a We = 


Of Dny 923 
fe wegen ihres Säure deufelben ſtaͤrclen; Gie feynd entweder groß / 
mittelmaͤßig oder Hein / die erſten nennet man Superbas , die andern 
Narbonenies, die Heinften / welche offt nicht guöffer als die Cappern / 
und aus Italien kommen / feynd die lieblichften am Geſchmack: böfe 
ſchimmlichte Dliven verderben den Magen. Die Böhmifche Dli- 
ben / oder die Früchte des in Böhmen wachfenden Delbaums / feynb 
Die kleinſten von allen Dliven/ und haben einen ftreiffigten Stein oder 
Kern. In unfern Ober⸗Teutſchland verfehen ung die Staltäner mit 
ihren Ital laͤniſchen / in Unter⸗Teutſchland aber und in denen See⸗ 
Städten hat man die Spaniſche und Portugififche Oliven in Faͤſſern 
und irtdenen Krügen / welche — gemeiniglich die Bootsleute / 
wann ſie von der Spaniſchen Reiſe wieder zu Haus kommen / ihre 
Kauffmannſchafft iſt. 

Olßenich / Olſenichium, iſt eine Wurgel/ die inwendig im Brechen 

graulicht / in der Mitten mit einem runden Loͤchlein oder —8* ge⸗ 

‚ geichnet. In Peſt⸗Zeiten ninint man einwenig davon in dem Mund 
für die böfe Lufft. | 

Oltra marino, outre-mer, Ultramarin / eine bortrefliche blaue Far⸗ 

be / die vor dieſem fehr var war/ heutiged Tags aber aus dem Lapide 

Lazuli nachgemacht / aber auch brab mit Schmelg verfälfchet wird. 


— ER 





Vide Ulramarin, | 
Olus album, Lactuca @pnina, Olusatrum, Hippofelinum, 
Ombria, groffer Kröthftein. Vide Chelomiris, 


Omphaci — Verjus, iſt der aus denen unveiffen Trau⸗ 
ben auögeprefte/ dur feige in den Fäffern zuruͤck geſtellte / und in 
einem berfchloflenen Gefäfle aufgehobene Gafft; man nimmt aber 
gerndarzu die Zrauben die 4. s. Lage an der Sonnen gelegen. 

Onitismaj. origanum, Prey 28 

Onocrotalus , ein Kropffgaus oder Peltcan / wird haͤuffig an der 
Caſpiſchen See gefunden. „ 

Ononis , Spinofa velnenSpinofa, Reſta Bovis, Remora Aratri, 
Hauhechel / Ochienbrech/ wächft an Wegen und Dornheden/die Wur⸗ 
Gel ift gut vor dem Stein und Berftopffung der feber ; die nicht ſtach⸗ 
lichte Hauhechel hat viel Schwefels bey ſich / weil ſie einen Geruch von 
ſich giebet/ wann mans veibet/ wieder Schwetel-Balfam ; die Wur⸗ 
Heldavon eröffnet und refolvivet. Man machet eö mit gemeinen 
Galb/ ehe ed Stachel bekommet / ein/ da ed dann wider den Nieren» 
und Blafen-Stein kaum ſeines gktichen hat. 

Onydy-Stein und Chamehuja, Lateiniſch Onyx und Onychium, 
Steliänifch Nicolo, Hehraͤiſch Schoham, iſt ein Edelgeſtein / — 

wie 


924 | Opa 

wie ein ſchoͤner und weiſſer —— eines Menſchen ausſiehet / und biel 
Adern hat / die mit Mild-Farbden/ Zirckeln oder Gaͤrteln um ihn her⸗ 
umgehen: Er wird offt ſo groß gefunden / daß man auch Trinck⸗Ge⸗ 
ſchirr daraus machen kan. | 


Opal / ein Edelgeftein/ in weichen fich faft aller anderer Edelgeſtei⸗ 
ne ihre Farben finden/ indem er mit einer reinen Purpur⸗ und Meer⸗ 
grünen Farbe gleich einen Amethyſt und Smaragd durchzogen iſt / 
weswegen er auch nicht / wieandere Edelgeſteine / nachgeknftelt wer⸗ 
den kan / und dannenhero vor den fehönften unter allen Edelgefteinen 
gehalten wird. Er findet ſich in Indien und auch in Ungarn / und 
wird in der Artzeney⸗Kunſt aldein Mittel gegen die Ohnınadt und 
Melancholey gerühmet. Nicols in feinen Edelgeftetn- Büchlein / 
ibt vondem Opal folgende Befchreibung: ⸗ 
Der Opal ift ein Edelgeſtein / welcher in ſich hat die fubtile feurige 
Slamme des Carbundels/ die vein-glängende Purpurfarbe des Ame 


thiſten die Grüne des Smaragds / und alle diefe Farben mit eineruns - 


glaublichen len / undrecht groſſer Lieblichkeit zuſammen / 
alſo daß er nicht leichtlic kan verfaͤlſcht / oder wie andere Edelgefteine 
nachgtkuͤnſtelt werden / wiewol doch die Betrieger ihre Hände nicht 
davon laflen/ und in dein fie Zian-Afche in geichmolgen Chryſtall werf- 
ſen / einen Opal dadurch zu weg bringen wollen/ item nehmen ſie einen 
biauen Fluß / legen benfelben in einen Schwelg-Tiegel/ und bedecken 
ihn unten und oben mit Eifenfeilig/ geben Mn aber nur eine ſolche Hi⸗ 
ge/ davon er nicht ſchmeltzen könne / fo werden ihm die Vapores ferri 
zu einem raren Opal von allerhand Karbenmachen. Item, man fol- 
virt Silber in Scheid⸗Waſſet / ſchlaͤgt es mit Saltz nieder/thut etwa 
Magnelſia darunter, reibt es wohl unter einander / fo gibt eödiverfe 
Couleuren/alfo daß ſie einen natürlidyen Opal præſentiren. : 
Insgemein werben biererley Geſchlechte der Opalen gezehlet/ davon 
das erfte Geſchlecht durchſcheinend ift / und eine rohte Himmelblaue 
und Purpurfarbe/ zuweilen auch eine Purpar- Farbe unit einer gelben 
Farbe intich dat. Die beften werden erfennet bey ihrer Earbundele 
SFlammen. Ihren Amethiſten-Glantze und der, Smaragdinen Gruͤ⸗ 
ne / welche alle zuſammen in unglaͤublicher Vermiſchung und ihrer 
wunderbahren und ſeltzamen Wichtigkeit zu ſehen ſeynd / dann dicfer 
Stein / ob er ſchon ſelten groͤſſer als Fine Bohne / oder meiſtentheils 
Kleiner gefunden wird/ fo it doch deffen Gewicht unglaublich / wie bey 
dem Cardano zu erſehen / der da fagt/ daß ein ſolcher Stein / der nicht 
ſo lang als eine Bohne / auch nicht dicker geweſen / dennoch zwe) Dena- 
xios. Das iſt fuuffzig Waitzen⸗Koͤrulein gewogen habe. Die beſten 
ſeynd gar hart / die andern weicher / die Urſache feiner nn 
"Si | nehin · 


— 


| - Dpa . 9 
aehmlichen Farbe / ift nad) des Cardani Meynung dieſe: weil der 
Stein kraup/ und viele durchſcheinende Theile hat / durch diefe Thei⸗ 
le / welche nicht durchgehend oder boroliſch ſeyn / empfaͤhet er das Licht/ 
and bringet es wieder zuruͤcke / und zu dieſem Gude ſchickt ſichs gar 
wohl / * er einen Schnee⸗weiſſen Schein und Glantz hat; Im Ge⸗ 
gentheilden einer widrigen Converfion empfängt er zidar das Licht/ 
ibt ed aber nicht wieder zuruͤck und daher kommts / daf der Stein 
nfter/ dundel und von einer brausen Farbe zu feyn ſcheinet. Beſie⸗ 
— Cardanum im Buch don Steinen. 
as ander Geſchlecht iſt (mark / und gibt aus feiner Schwärge 
gleichfam eine Flamme herfuͤr / diefer iſt ſehr annehmlich 7 gar ſeltzain 
undgartheus, --Boctiusfagt/ daß er dieſer Arteinen geſehen / Inder 
Groͤſſe einer groſſen Erbſen. | rs 
Das dritte Befchlechtgat manderley Farben / aber ineinemgelben 
Leibe / und diefer fheinet zu vuhen / ſtille zu liegen/und nicht fo zu fun⸗ 
dein / und deswegen ſaͤtligt er die Augen mit dem Widerſchein feiner 
Strahlen nicht ſo / wie die andern. Dieſe drey Geſchlechte werden 
aus Ungarn gebracht. * ee. | 
Zu diefen letztern wird noch einander Gefchlecht mit einer. milchigten 
Farbe gevechnet/ welches die Itallaͤner heiſſen occhio del Gatto, ocu- 
hus catı oder Kahzen⸗ Aug / von etlichen wird er genannt Pfeud’ opalus 
oder ein falfcher (mv | | 
Das vierdte Geſchlecht wird and) Pfend opalus oder foffcher Opal ge= 
heiffen/ und diefer hat mitten in jich eine Milchblaue Farbe / oder et⸗ 
wasgelblicht. Die Teutfchen heiſſen diefen Wehſe / die Italiaͤner 
Gita’Sole, etliche nennen ihm Aftroites und Afleria, weiber in ihm ein 
Licht hat / daß gleichſam wie ein Sternfortgebet. 
Die Tugend des Opals belangend/ fo wird von ſolchem gemelbt / daß 
er das Geficht derjenigen ſchaͤrſſe / die ihm haben / und verdundele der 
ver Augen, die bey ihm ſtehen / ſo daß ile nicht fehen noch dencken koͤn⸗ 
nen / mas vor ihnen Er Aus diefen Urſachen wird ev füreinen 
guten Patron der Diebe und Räuber gehalten / wie im Lapidario zu 


then. 
Seinen Wehtt betreffend / ſo iſt erbey den Römern hoch gehalt 
worden / wie dann erzehlet wird von dem Rahtsherrn Nonio daß 
ſich Lieber ſeines Landes und Rahtöherin-Standes/ als eines Opals / 
den er von dem Antonio bekommen / berauben laſſen wollen. Dieſer 
des Nonii Opal iſt einer Haſelnuß groß geweſen / und auf 20000. Gůl⸗ 
den geſchaͤtzet worden. Boetius ſagt / daß er einen geſehen / der ſo 
groß / als eine Welſche Ruß geweſen / durchſichtig mit mancherley 
Farben / und milchigt / welcher auf 290. Cronen gefchäget: worden. 
Heut zu Tage ſeynd ſie nicht gar theuer / dann einer / der 4. Gran 
Run wiegt / 





a 


926 Ope Opi 


—r — — — —— — — — — — — 
wiegt / und von der erſten und beften Art / if kaumz. Cronen wehrt / 
die andern werden nach ihrer Bröffe und Schönheit verkaufft. | 
_ » Operment Arfenicum Citrinum vel auripigmentum , Kauchgelb 
oder rohter Schwefel / ift ein Minerale , welches / fo es ineinem 
Schmeltz⸗Tiegel gethan und gefocht wird / eine fo lebhaffte Farbe als 
der Schwefel felbft befonmt. Wo dergleichen Operment in den 
Bergmerden gefunden wird / daiftein gewiſſes Zeichen / daß ein 
Boldgang vorhanden. Diebefte Art dedOpermentsift/ welches an 
der Farb wie Gold glänget/ nicht fehr dich und Hart iſt / und (ich leicht 
brechen läßt. | . 
- Ophiogloflum,Linguaferpentina, Natter-oderSchlangen-Füng: 


fein/ift ein gut Wund-und Leher⸗Kraut. 
:  Ophites, vide Serpentin-Stein, 
Ophiofcoridon Vidtorialis, RER 
Ophthalmica, YAugen-Mittel / die zu befchädigten Augen dienen / 
als Agva forniculi, flor. cyan „ Euphrag, agvafellis Lucii, Cœrul. 
ophthalm, vitis, rof. majalis. TEE | 
Opiata feynd weiche Electuaria oder Antidota , welche ihren Rah⸗ 
mæen von dem Opio und andern ſchlaffend⸗ machenden Sachen führen/ 
diedarunter kommen. ve. 004 . 
——— Handwercks⸗Mann / Opifisium ein Hanb⸗ 
werck. | 
- Opium-Thebaicum, Egyptiſcher trockner Mohnfafft; Schlaff⸗ 
Safft iſt dreyerley Geſchlechts / ald Opium Album, ie & Fla- 
vefcens ‚'dererfte und befte ift Thebaicum , und der flärdftefonmg 
aus Ofl-Iudien/ der andereaus Syrien und Alexandria ‚ der dritte 
aus Cambaja, wofelbft er gepreft: / geläutert und zu einen ſchwartzen 
‚Saft oder Gummi eingetrocknet und hart gemacht wird. Er macht 
ſehr ſchlaͤffrig und faft truncken / if aber dem Hirn ſchaͤdlich. Der gu⸗ 
ie muß rein / iauter / gelind / gelb wie Roſenſafft / und nicht ſandigt 
feyn. Etliche verwirren das Opium und Meconium, und halten Die» 
ſe beyde vor eins / aber. gantz unrecht / weil das Opium eine Lachryma 
iſt/ Die aus den veiffen und gerigten Mohn-Häuptern flieffet/ dad Me- 
coniumhingegeniift der ausgeprefte Saft. Das Laudanum Opia- 
tum iſt nichts anders / dann ein Extradt des Opüi , der buch Beymi- 
ı fhung der Gifft-Mittel und Hertz⸗ſtaͤrckenden Artzeneyen verbeſſert 
worden ;- Man nennet eöLaudanum, wegen des Lobs / ſo es feiner Tu⸗ 
‚gend Halber in denen ſchwerſten Kranckheiten berdienet. | 


- Opo Balfamum & Xylo balfamum , kommt bon einem Heinen 


A —— 


| Dps Ord 9827 
Baͤumlein aus Judza, welches des Jahrs zweymahl dieſen Safft gie⸗ 


bet / iſt aber ſchwerlich in Teutſchland zu beiommen / ſondern man muß 
ſich mit den Peruvianifchen behelffen. | 


Opoponax, wãchſt inCypern, Africa und Griechenland / kommt 
Yon einem Kraut / fo faft der Ferula aleich/ deffen Wurhel / wann jiege- 
siget wird / dieſen Safft von ich gibt; Gie legen rings umbergroffe 
Blätter/ und laſſen ihn alfo darauf trocken werden/ alsdanıı bekomme 
ereine gelbe Furb. Es kommt auch da$ Gummi opoponax in groffen 
Broden / und gang feinen Graniszu uns heraus / fo aber verfälfcht: 
der unverfaͤlſchte muß hitter / auffen gelb/ roͤhtlich und mit Granis ber⸗ 
fest/ inwendig weißlicht / leicht / feft und zerbrechlich feyn / und ſich 
gern ſolviren laſſen / iſt ein gut Purgir-Mittel. 


Optiſche Sachen ſeynd allerhand geſchliffene Perſpectiv, Verklein⸗ 
oder Vergroͤſſerungs⸗Glaͤſer / Laternæ magicæ, Spiegel und der⸗ 
gleichen. | 
Orant anthirrhinum. A: R 

Orbis, ein Teller/ item ein Heiner Fifch dieſes Nahmens/ der recht 
mieein runde Kugel anzufehen/ an welchen gang kleine Augen ftehen/ 
und einkarger Schnabel an ſtatt des Mauls / hinten iſt noch ein dünnes 
Schwang daran/ dahereinige in der Meynung ſtehen / daß er eben 
durch das Maul / mit welchen er die Speife elnfhlucet / auch feinen 
Unflaht wieder auswerffe. Vide Ol Wormium in feinem Mufeo, 
woſelbſt er noch anderer Arten dergleichen Fiſches gedencket. 

_ Orcanette, eine vohtbraune Farb / fo (ich etwas aufs Tanner ziehet / 
weil ſie nicht fo ſchoͤn noch fo gut/ auch nicht fo wohlfeil / als dievon der 

Roͤhte / über das aud) ein freindeö oder ausländifches Materiaic iff/alg 
wird ſie ald ein unnüges Ingrediens gänglich Verboten. | 


Orchis, Satyrium, Orchis abortiva fufca, Indianiſche Bögelnefter, 
Ordonnance, Ordre , Ordnung oder Befehl / in dem erſten Bers 
fand heißt es bey Kaufleuten / allesin guter Ordnung / fowol die 
Waaren ald Scripruren halten. In der Mahler: Kunft wird die gu⸗ 
te und kluge Anordnung der Figuren; in der Bau⸗Kunſt aber eine 
geik Regul zur Proportion der Geulenund Figuren die ander, 
eulen feynd) darunter verftanden/ welche Seulen Ordnung die Ar- 
Chitekti oder Sau-Künfkler eincheilen in fünfferiey/ als in die Tofcan 
nifche/ Doriſche / Joniſche / Römifche (die man auch Compolitum nette 
uet) und in Die Eorinthifche/ zu welcher dev gelehrte Sturmius, Profef- - 
for Mattheſeos zu Frandfurt an dev Oder / nod die Teutſche Ord⸗ 
kung erfunden. R Br * 
Die Toſcaniſche Orduung aphenore erkennet man ſolche / wann 
| ne an 


' 


| " 
(1 Orbd 


— | 
an dem Capital keine Schnede/ und andem Senlen-Zuf nnr ein 
einig groſſes rundes Glied / das Balcken · Werck aber gang glatt in. 

Die Doriſche Ordnung hat unten an dem Fuß mehr runde Glieder/ 
aber aud) Feine Schnedenan den Knaupff ; meiftentheils hat ſie in 
ben Borten gleichfam herausſtehende Salden-Ruöpffe / mit zwep - 
gangen und zwey halben Einfchnitten / die man;. Schlige nennet/ 
und zwifchen (icheinen Kaum haben müffen / der gleich fo hoch ala 
breit ift / weil ſie ſonſt unrecht außgetheiltfeynd. Unter dendreg 
Schlitzen hängen an der Architrave 6. Zapffen. Ä 

Die Jonifhe Orbnung hat an jeder Seiten ihres Capitals zwey 
Schnecken und feine Blätter / biöweilen feyud die Schneden nut 
born und hinten / ander Geiten ift an ſtatt derfelben nur die Un 
wickelung der Schneden zu fehen. _ | 

Die Römische Ordnung bat an den Capitaͤl auf allen bierSeiten zwey 

groſſe Schnecken / und darunter noch zwey Reihen Blaͤtter. 

Die Corinthiſche aber auf allen Seiten des Capitaͤls 4. Schneden/die 
aber etwas Heiner feynd / als an der Roͤmiſchen Ordnung / und 
noch darzu unter (Ich drey Reihen Blätter haben. 

Die Teutfche Ordnung hat an jeder Seite des Capitäl# 4. Schne⸗ 

chken / eine Reihe niedriger Blaͤtte / undz. Fruͤchtſchnuͤr 

Uber oberzehlte 6. Ordnungen remarqyiren auch einige Author , 

die von der Bau⸗Kunſt geſchrieben / noch 2. andere / nemlid l’ ordre 

des Caryatides, & 1’ ordre Perliqve, wiewol die erſte nichts anders als 
die Jonifche / und Fein andere Changement darunter ift / ale daß an 
ſtatt der Seulen man Figuren gewiſſer Welbes · Perſoiien gemacht / 
welche das oben aufgelegte gleichſam unterftügen müflen. Die Per⸗ 
ſtaniſche abe Eorinthifche Art/und werden anftatt der Weibs · Per⸗ 
fonen Maͤuner⸗Sclaven gefeget / fo aus einer gemiffen Art bon Sie⸗ 
ges⸗Zeichen oder Trophaen herrühret/ welche m. die Griechen / 

als ſie die Perſer überwunden / zum Zeichen ihres Sieges aufgerich⸗ 

tet. vide Seulen. . 

Ordre, eine Berorbnung ober Befehl / die ein Oberer anfeinen Un⸗ 
tergebenen/ ein Kauffmann an feinen Fators Maͤckler oder Bedienten‘ 
ergehen läßt. Diefer Kauffmannifhen Ordre muß mehrmahls fe 
Ntriete nachgelebet werben/ daß es auch bey ihnen zu einem Sprichwort 
ee : —— und thu quat / weil nemlich einen Factor, 

aͤckler oder Diener nicht allzeit kan wiſſend ſeyn / was fein Commit- 
tent, Principal oder Patron por Abſichten habe / ob gleich die gegebene 

Ordre manchmahl etwas widerſinnig lautet. Von dieſem Frangöft- 

ſcheu Wort Ordre kommet her ordonner, Befehl geben / ordonniren/ 

aurichten / item ich habe libere oder limicirfe Ordre ‚jenes heißt / 2 

| | — 


Ori 929 
—r — — — — —— — — · — m — — — — 
ich fo hoch ober fo wenig gehen / und in dieſer Sach thun und laſſen kan / 
was ich will / dieſes: es * mir die Haͤnde gebunden / ich darff nicht 
anders als ſo und ſo hoch gehen. In den Wechſel⸗Briefen findet man 
auch das Wort Ordre, Payes a Monfieur N. N. ou ordre, der Sr, be⸗ 
zahle an Ar. N. N, oder Ordre, das ift oder anffeine Anweifung an je⸗ 
mand anders. | | j 
Orientaliſcher Bolus / Bolus Armena. “u 
Orientaliſche Compagnie / gleich wie die Commercia feine an» 
Dere Brängen/als den Umkreis der gangen Welt kennen / und man⸗ 
cher Kauffmann / wann er wüfte/daß in dem Mond Handeld-GStädte 
wären/ in welchen Profit zu machen / und daß ein Meg dahin offen 
ftünde/ er noch wol folche weite Lufft⸗Reiſe (mie felbige chmahls der 
fliegende Wanderdmann gethan) auf ſich nehmen folte: alfo geht es 
ae a aufgerichteten Handels-Compagnien 30 / davon 
einejede des Welt-Theild/ welchen fie befegelt / ihren Rahmen zuge» - 
leget und angenommen. Da werden / dienad) Indien fahren / die 
Oſt⸗und Weſt⸗Indienfahrers / die nach Grönland / Nörwegen und 
Mofcom handeln/ die Nordfahrers genannt; Schweden hat vor dies 
Ten eine Süder-Eompagnieetabliven wollen / wobon ausführlich in un» 
fern Schwedifchen Kauffmann p. 220. & fegg. zu fefen. In der Kay⸗ 
—— Reſidentz⸗Stadt Wien wurde Ao. 1664. nad) damahls geen⸗ 
igten Türcken- Krieg eine Drientalifche Compagnie (verſtehe inre- 
Spettu,dap man bon Wien aus / ald wo die Haupt-Niederlage feyn 
folte/ den Donau-Strohm hinunter gegen Belgrad/ und den Pontum 
Euximum, und alfo gegen Orient handeln molte) aufgerichtet. Bon 
welcher Doktor Becher in feiner Weifen Rarrheitifolgender maffen 
fich vernehmen läßt: | 
Die Drientalifche Compagnieift / wie ans meinent Commereien⸗ 
Tractat zu erfehen/ eines von meinen Concepten , ein fehr nuͤtzliches 
practicables Werd / womit ich groffe Mühe gehabt / biöder Känferl- 
Botſchaffter BrafLesie, ander Ottomanniſchen Pforten die Frey⸗ 
beit erlangt/ died Negotium zu thun und da man an dem Käyferk, 
Hof geſehen / daß es profitable und pradticable wäre/da hat man gleich 
wie man mit allenandern gethan / er auch hier D. Bechern daraus 
gelaffen/ und unter ſich eine Compagnie gefchloffen / von fehr groflen 
Miniftris und reihen Kauffleuten/ zu ſolcher groſſes Capital zuſannmen 


farm und einen ſolchen Apparat gemacht / als wann mangang Con⸗ 


antinopel hätte ausfauffen wollen. Das Direttorium mard gege⸗ 

en einem Rahmens Triangel Fuchs von Paffan/ einen ſtolhen / ver: 

wegenen / arglifligen/ unberfchänten Meufihen; Er warfonften ein 

Kanffmann in der Wienerifchen —— / ein Mann von Pr 
Nun; 


ı 


930 Ori 
— — — — — — — — — — — — — — J 
Mitteln / aber mein Tod-Feind; DieCommillarii von der Kaͤyſerk· 

Hof⸗Kammer über diefes Mer waren zwey Bof-Fammer-Räptet 
Geld und Afcher/ die Unter-Bedienten/ Confuls und Factoren waren 
Lelio, Poftaluziund dergleichen Leute mehr ; der Anfang wurde ge⸗ 
macht / und die erfte Faute beftund inz. Stüden/ in welchen dev Tri⸗ 
angel pr<liminariter ein abfonderliches Stüd feiner meifen Rarıheit 
blicken ließ / nemlich er pachtete den gantzen Auripigment-Berg in 
Zürdey / und wolte alfo das Monopolium in der ganpen Melt vom 
Auripigment allein haben / eben al$ wann Mafticor und Ockergelb 
nicht eben fo gut waren / damit brachte er viel taufend Pfund Auri- 
igment zuſammen / daß man gantz Defterreich damit hätte gelb faͤv⸗ 
ben können / undlagen viel taufend Reichſsthaler Capital darauf um» 
fonft Item, er brachte eine groffe Parthen Enopffigte Baummolle/ da 
wolte er zu Augfpurg Barchet bon machen laffen/ allen niemand kunn⸗ 
te fie fpinnen. Item , erbrachte eine Parthey Buͤſſels⸗Haͤute / und 
wolte Pfund-Leder Daraus machen/ aber wegen ungleiher Dice der 
Häute am Halſe / Rüden und Bauch / ging es auch nicht an; Kuͤrtz⸗ 
lid) davon zu reden / er trieb der Weiſen Narrheit fo diel/ und die Bes 
dienten der Compagnie haußten fo ubel / daß endlich die Compagnie. 
einen Stoß über den andern bekam; um nun bey fo verdorbenen S- 
chen den groffen Herren ihr Capital zu retten / wurde dieſe Oriental- 
Eompagnie dad Monopolium bon dem gangen Dchfen-Handel gegea 
ben:, Diefes aber war nicht genug/ Triangel verpachte alle des Kaͤy⸗ 
ſers Zoͤlle / jaer trieb denJoanelli vom Kupffer⸗Haudel hinweg / und 
nahm auch felbigen zufih. Als er nun alles zufamnıen und im Gang 
gebracht; ſich andere Kaufleute zum Feind gemacht / und der Kan» 
° mersProchdent vermeynte/ er feyyının zeitig/ da zichet er die Schlinge 
zu/ und läßt ihn in groffe Mechfel einlauffen / und darnach auf einmahl 
wieder aufihnziehen / damit war Triangel bangverot , nnd hierauf 
gu wahnwitzig und toll; Gelb hingegen vihitirte in mittler Zeit die 
uͤcher / nimmet und fchneidet heraus / was ihm beliebet / der Reſt 
- wurde unter die Participanten auögetheilet / und die Negocia fielen 
dein Rayfer heim; Wie diefed die Bebienten zu Conſtantinopel hoͤr⸗ 
ten/ griffen fie der Compagnie eigene Güter an/ und machten ſich da⸗ 
niitbezahlt. Unterdeflen kam Triangel wieder zur Bernunfft / klag⸗ 
te den Selven eines groffen Diebſtalls an / demonllrirte fein Dermide 
gen aus den Büchern) und redete fehr laut von den Sadden ; ihme nun 
das Maut zu ftopffen/ gab man ihm Belegenheit/ wollene Manufadtu- 
ven zu unternehmen/ und darzu die Fabrigvanten aus dem Kaͤyſerli⸗ 
her Werckhaus zu nehmen Sieder dem / fhreibet D. Becher / bat 
dieſe Compagnie auch das Ochfen-Monopolium auf ſich genommen / 
zu welchen fie aber Feine Antereflenteh ounehmen wollen. 2 " 
| Eine 


— 


use SO Mır.0..08 
Eine andere Art bon Oriencalifcher Compagnie könnte man auch die 
fo genannte Lebant⸗ Fahrers nennen/ welche durch die Mittelländifche 
See nad) den Handeld-Städten in Natolien oder klein aſen. den Ar- 
chipelago , Syrien und Egypten handeln / und meiftentheild die 
Smyrna⸗Fahrer / ihre Flotte aber die Smyrnifche genannt wird / 
welchen Handel die Engeländer / Holländer und Frangofen/ wie auch 
die Venetianer ſtarck treiben. So war ja auch des Herhog Friede⸗ 
richs in Holſte in ehmahliges Deſſein mit feiner koſtbahren Ambaſſade 
nach Perſien auf nichts anders gerichtet / als wie er über Moſcow die 
Handlung nad) Perjienund China erabliven möchte / welche Ronte, 
wie (te noch wol die Commodefte unter allen / inden das ſchwartze und 
Caſpiſche Meer/ famt den berühmten Wolga⸗Strohm ein grofles 
darzu contribuiren kan / alfo möchte noch) ins kuͤufftige die Eroͤffnung 
derſelben / wann die Rordifche Potentaten einmahl des Kriegens muͤd 
ſeyn ſolten / noch wol zu hoffen ſeyn / immaſſen der Weg hierzu ſchon 
gebahnet / Caſan und Aftracan in Chriſtlichen Händen, auch det Weg 
bon der Stadt Moſcow bis dahin nunmehro ſchon als eine ordinaire 
Meis-Rouregehalten und gebrauchet wird, r | 
Orientalifche Waaren feynd Seyde / Edelgeftein/ Gewürg und ars 
dere foftbare Waaren mehr/ welche wir unter dem Nahmen der Aſia⸗ 
tiſchen und Oſt⸗Indiſchen befchrieben' / fie werden aber darum in 
unſerm Zeutfchland offtmahls mit dem Rahmen der Orientalifchen ex- 
prefle benennet/ um felbige Dadurch bon den Occidentalifchen gleicher 
Art / wiewol von fchlechterer Guͤte / zu unterfcheiden / als die Orienta- 
lifchen Diamanten/ Rubinen/ Branaten / Bezoar-Steine und ber: 
gleichen/ von den Böhmifchen Diamanten/ Schleſiſchen Rubinen / 
Americanifchen Bezoar/ic. 


Origanum Creticum, Agri origanum ‚ Onitis major , Eretifcher 
Doften/ währt in Ereta/ Spanien und Frandreich ſchier wie der J⸗ 
fop / hat Purpur=braune Blumen und dünnen Samen / muß fehr 
wohl und ſtarck riechen. Diofcorides machet dieſes Krauts dreyer⸗ 
ley Sorten / als origanım onites , origanum Heracleoticum, und 
eriganumfylveftre, Es wird gebraudtin Schlag-Flüffen / item 
wider die Berftopffung der Lungen und Reber; Aeuſſerlich gebraucht 
mans auch in Mutter- Bädern und Haar: Waſchungen. Das von 
dem Origano Cretico deflillirte Del zieht nian in Haupt⸗ und Zahn- 
Schmerhen fogar den Nägeleinöhlvor. se 

Original , dad Gemaͤhld / Schrift oder Bildniß / fo aus freyer 
Fauſt und Kopff gemahlt / formiret/ oder zu Papier Te worden / 
ſo bald nun ſolches ein anderer nachmahlet oder nachſchreibet / ſo heißt 
das Abgeſchriebene eine Copia, lenes aber bleibt das Original, 


Rund Orlea- 





97 Orl Oſff 
Qrleana, iſt eine Erdfarb / oder eigentlich eine Focula oder he⸗ 
fichter Satz einer Tinctur, ſo von einen fremden Saamen gemacht 
wird / hat eine dunckel und roͤhtlich gelbe Farbe / einen Violen Geruch 
und etwas anhaltenden Geſchmack / kommt aus Weſt⸗Indien / theils 
in viereckigten Kuchen / theils in runden Klumpen. Einige wollen 
Ben Orlean unter Die Succos Concretos vechnen / und ſagen / daß fol» 
cher bloß aus den Körner der Frucht des Orleans Baums gepreſſet / 
eingekochet und aufgedürref werde. Wan findet aber zweyerley Gor- 
ten bey den Materialiften/ ald Humidam undSiccam. Die erfte if 
tie ein dicker Teig bon Oranien- Farb / und iſt biel wohlfeiler als der 
truckene; deſſen man wieder verfchiebene Sorten hat / als in groſſen 
bierecfigten Broden / wie die Geiffe / oder inrunden Klunwen und 
Fleinen Küchlein eined Thalers groß / welches die feinfte Sorte iſt. 
Der beſte muß wie Biolen- Burg riechen / truden und hoch an der 
Farb / und nicht ſchimmlicht / feucht oder garftig feyn. Die Färber 

ebrauchen ed zum Branntgelb ; die betrieglichen Bauten aber in Hol⸗ 
Rein und Holland die Butter damit fchön gelbe zu machen / warn fie 
‚aber nicht bald verthan wird / bekommt ſie nach einigen Monaten das 
von einen bittern Geſchmack. — = 

“ Orfeille ein kleiner Moß oder Rinde/ welche aufden Felſen des Ge⸗ 
bürges in Frauckreich wächfer/ und mit Kalch und Urin bereitet / eıne 
ſchoͤne Vermiſchung der Farben giebet. Es findet ſich auch eine Art 
- Orfeille, die in Rusſillon wächfet/ item in den Canariſchen Eylanden / 
fol’ orge oder Offolle des Canariesgenennet wird. Ob nun woldie 
Orfeille nicht eine beftändige oder daurhaffte Farbe giebet / fo macht 
ihr dennoch) ihre fchöne Farbe fo aroffen Vertrieb / daß Monfieur de 
Bethancourt nad) Eroberung Dieter Inſuln ſolche Handlung ihme ein⸗ 
Gig und alleine / als eines von feinen beſten und gewiſſeſten Einkommen 
vorbehieltes Und wũrde auch die Orſeille dem Koͤnigreich Franckreich 
noch viel ein groͤſſern Nutzen ſchaffen / wann ſich die Franhoſen nicht 
viel lieber der Orſeille, ſo von Genua und andern auslaͤndiſchen Or⸗ 
ten herkommet / als derjenigen / fo im Rande waͤchſet und zubereitet 
wird / bedieneten / und die doch zum wenigſten eben ſo gut iſt / auch eine 
noch biel ſchoͤnere Farbe hon * giebet. 

Oryza, vide Reis. 

Oſſa de Corde Cervi, Hirſch⸗Creutz ift ein Beinlein / foder Hirſch 
in feinem Hertzen ſtecken hat / wirdaller Orten gefunden / aber nicht 
viel gebraucht/ ſie werden mit der Zeit gelb Uad wurmigt. 

Oſſa ſepiæ, weiß Fiſchbein / wird viel verbrauchet / und tauſend⸗ 
weiß verkaufft / kommt don einen Fiſch Sepia , ſonſt auch Meerſpinne 
genannt / deſſen Gebluͤt fo ſchwartz als Dinie iſt. Dieſe — 

| | mmen 











⸗ 


Oſſ Oſt 933 
fommmen meiftens ans Welſchland fchön aufgetrudnet / und wann fie. 





gantz groß, hart und weiß feyn/ ſo bleiben ſie lang / fonderlich wann (le 


trocken liegens Die noch gang und unzerbrochen ſeynd / brauchen die 
Goldſchmiede / die Stücken aber die Farıqven Machers zum Haar⸗ 
Pourdre, Offamwerden auch in denen Früchten die harte Schaalen 
genennet/ die den Kern in ſich begreiflen. 

Oſſiftaga, vid Ofeocolla. 

Oſleocolla, Beinbruch⸗Steinlein / iſt ein weiß und graulichter 
Stein / groß und Elein unter einander/wächft haͤuffig um Darmſtadt / 
an der Bergſtraſſe in ſandigten Orten / auch ſeynd ſſe in Sachſen und 
Schleſten zu finden. Dieſer Stein hat wunderliche Krafft / diezere 
brochene Beine zu heilen; auch wollen einigedenſelben noch vor andere 
Kranckheiten mehr ausgeben/ und ſonderlich dag er dem Vieh / wann 


ſolches durch Fallen oder Stoffen Schaden gelitten/ fehr dienſam feyn 


fol. Bisweilen findet man diefe ſteinerne Roͤhrgen / welche etwan ei⸗ 
ned Fingers dick und lang / weicher und gebrechlicher Conllitat: on 
ſeyn / mit einen ſandigten Kern angefüllet / der / wann er auf die Zunge 
genommen wird / ſtarck anziehet. 

Ofter-Blämlein/ Bellis. F 

. Öfter-Zucey/ Ariſtolochia longa, lange Hohlwurt. 

Oeſterreichiſch Seabiofen, Scabioſa rubra auſtriaca. 

Weſtern / vide Auſtern. 

Oſt ⸗Indianiſche Waaren / ſeynd allerley koſtbare Gewuͤrtz / 
Seide und Baumwollene Stoffen / vielerhand Drogues bor die Apo⸗ 
tecker und Materialiſten / allerley Farb⸗Waaren / item Kupffer / Sal⸗ 
Beier! Zinn/ Edelgefteine und dergleichen pretieufe Sachen mehr/ 
welche jährlich von denen in Portugal / Frauckreich / Engelund/ Hol⸗ 


- fand und Dilunemard erablirten Of Indifchen Compagnien ihren 


Retour-Schiffen/ zu und heraus in Europa gebradht/ und als dann auf 
einengewillen Tag durch öffentliche Auction an den Meiftbietenden 
rkauffet werden: Wieaber fotcher Verkauf fonderlic in Holland 
efchehe / ift unter dem Mort Holländifhe Waaren befchrieben. 
Gemeiniglid kommt einige Wochen vor der Auction ein Catalogus 
heraus / mas vor Maaren/ und wie viel von jeder Sort ineiner jeden 
Kammer / die zu der Compagnie gehöret / zu verkauften fey. Alſo 

hatte Ao. 1698. Montags den 23. April. und die folgende Tage darauf). 
die Kammer von Anıfterdam zu verkauften 4,00. Ballen braunen 
Pfeffer/ viel taufend Pfund Zimmet in Eardelen/ gute / mittel und 
ſchlechte Muſcat⸗ Ruͤſſe / Maeis, Salpeter / Japaniſch Kupffer/Zinn/In- 
digo Biana, dito Circhees, dito Jamboefer, dito de Coromandel, item 
einige Pfund diro zur Prob/ dieode Javane, dito de Sourattc, Japon⸗ 
Be 1115, Sol 


| SSUNEREINENTENNE 
Holtz / Caliatur-Holk/ Ebenholtz von Zeylon/ dito von Bouros, Mut= | 
ter⸗Raͤgelein / eingemachten Ingwer / eingemachteRüffe /Laccaitg 
Folien, Siegel⸗Wachs / Gummi⸗Lack in Stangen / Eompher / Care 
domom / Javaniſch dito, China Wurgel/ Galiga,Salarmoniae, Drge 
chen: Blut/ ausgepreſte Mufcatenöhl/ 533. Muſcus, 133. Ungen Zibet/ 
103 Unten Ambrasgris, eine groffe Quantität Namracq.Cauris, Erf . 
4568. Ungen Perlen / 235. Pfund Voͤgelneſter / viel tauſend Pfun⸗ 
Pexſianiſche Geide/ dito Bengalifche/ dito Chinefifche/ dito Floret⸗ 
Geiden/ Coton oder Baunmmollen Garn bon Bengala, Ceylon und. 
‚Cormandel, von Guratte und Jaban / Kirwaniſche Wolle/ allerhand 
Baumwollene und andere Gtoffen/ ald Mouriſſen, Salambouris, The- 
sindains, Bethilles, Malemolens, Douriaffen, Tansfeps , Hammanı, 
Garras, Parcallen, Nıqvanais oder Tapfeyls, Cambeyen, Photaffen‘, 
Roemals gefchilderte Chitfen vandeKüft , gefchilderte Kamer-Be- 
hangfels;Giengans4. Drats/ Guinees ordinair Sort, und fyne, Zaa- 
men, Adathays, GerberisSjouters, Tanfieps, Chiayonoiis d’ oirnael, . 
Dongrys, Chambayen, Negros Kleden, blauwe Boelangs , Fotaffen . 
oder geruyre Kleden, Rouwe Camifes, gebleehte Catchies, Rouwe 
dito ‚Sologeliens ‚Cheronfe Zitzen , Pattenafe dito, gefchilderte 
van Tutucorin, Salpicado Gingans , Taffache las Gingans van Ben- 
gale, cffen dito, gebleckte 4. Drat dito , vitte breede Bafftas van.de 
Küft, blaue dito, dito Souratfe, geblecktenrouw Zeyldoeck vas de 
Küft; Bengals dito, brede Tapeehindos van Suratte , fmale dito &c. 
allerhand Seidene Stoffen/ ald Armoifin , Seidene Stoffen von un» 
terſchiedlichen Arten / Bandanoesoder Tafft don Foula, Reftas, Ley- 
menias, Pelangs vonChina, Yon Toncgvin, Panfies bon China,Gielans 
und Damalt von China, Chiourongs on Toncgvin, Socfies, Allegias, 
Atlas, Hokies. Golgas, gemahlte Schnuptücher bon Tutucorin, Hals · 
‚ tücher / Japoniſche Schlaf: Röde / unterfchiedlich Senueſiſch Rein» 
wand / ⁊c. 
Den Anfang zu dieſer fo hochberuͤhmten Hollaͤndiſch⸗Oſt⸗Indiſchen 
Eompagnie/ machten Ao. ıs92. etlihe Geeländifche Rauffleute / als 
welche die hertzhaffte Refolution faften / einige Schiffe nah Oſt⸗ In⸗ 
dien zu ſenden; damit ſolche aber die Vielfältige Incommoditäten von 
unerträglicher Hitze und harten Sturmwinden / welche gemeiniglich 
Diejenigen auszuftehen haben / dieunter der Eqvinodtial-Piniedurdy 
pahırenmüflen / entgehen möchten / als ſchickten fie ſolche Norden 
um/ wo muͤglich / laͤngſt den Aharifchen Tartarifhen, Küften einen 
Meg nad) China zu fuchen. Wie aber ſolches nicht gelingen wolte / 
müften fie den ordinairen Weg / nemlich um Africa herum, ergreiffen/ 
wie ſie dann auch unter einen alten Schiffer / Nahmens / Coraclius 
| | Ä * Out- 


7 gr — — — — — — 


ac m ae ol 935 
@utmann, welcher bon denen Portugiefen das Geheimniß diefer Oſt⸗ 
Indiſchen Schiff-Fahrt erlernet hatte / Ao. ısos. bier Schiffe dahin ab» 
fandten/ welche nach x. Jahren und a. Monaten ohne Profit zurüc ka⸗ 
men. Hier hättenun jemand gedencken mögen/ diefe zweyfache Mike 
glücung würde fle von fernern Unternehmen abgehalten haben ; allein- 
imgerinaften nicht. Sie richteten vielmehr eine Compagnie inAm⸗ 
ſterdam auf/ und fandtenabermahl s. Schiffe nach Oſt-Indien zu/ 
welche mit guten Profic wiederbamen/ und denen Sn. General⸗Staa⸗ 
ten Anlaf gaben Ao.1602, den Grund zuder General: Dftindifchen 
Compagnie / welche bis diefe Stunde noch in fo vortrefflichen Fler ſte⸗ 
het / zulegen/ und allen Particular-Kauffleuten / die nicht in die Com⸗ 
pagnie mit eintreten wolten/ zu verbieten/ daß (ich Feiner folte geläften 

en / von Capo bonæ fpei an / bid an das aufferfte Ende von China 
Handlung zu treiben. 
Die General-Eompagnie alfo erabliret und privilegivet ſeynde / ſchoß 
vs Capital zufammen bon 6440200, Bülden / an welcher groffen 
amema J 


Amfterdam participirfe bor 3636430. 
Geeland vor ⸗ 1275653, 
Delfft vor ⸗ ⸗ 466562. 
Rotterdam bor ⸗ 174562, 
Hoorn vor ⸗ ⸗ 268430. 
Enckhuyſen vor ⸗ 163563. 





Summa des gantzen Capitals 6440200. Guͤlden. 


Mor diefe Summa wurden >. Flotten ausgerüftet/ eine von 14. Schif⸗ 
fen/ welche von Holland im Monat Februarii , and eine andere von z. 
Shiffen/ welheim Monat Decembris Ac. 1603, abfegelte. Meil 
aun dieſe Flotten einige Zeit glücklich fuhren / als fand lich Ao. ısı0. 
Schon ſo viel Profit darauf / daß die Compagnie denen Intereflenten 75. 
pro Centum Gewinn / und fur& hierauf abermahl so, pro Centum 
austheilen könnten. _ | 
Dieſe Compagnie ift feither der Zeit fö mächtig worden / daß ſie mit 
dengrößeftenOrientalifchen Rönigen/fonderlic den von Ceylon Krieg 
führen/ und daben ihren Handel dergeftalt forttreiben Fan / dag kein 
Menſch fo Leicht ihre Oſt⸗Indiſche Schiffe zur See attagriren darff / 
sie man dann berficherte Nachricht Hat/ dap ihre Sce-Macht in Oſt⸗ 
dien inıso. Capital⸗Kriegs⸗Schiffen von zo. bis so. Eanonen bes 
ehe. Das Haupt-Concoir iftinder Gtadt Batavia , woſelbſt auch 
der Holländifche Gouverneur feinen Sitz hat. Diefe Stadt ift auf 
Holländische Manier gebauet / und wird fowol bon Hollandifchen als 
Oſt⸗Indifchen Kauffltuten / die jedoch unter der Hollaͤuder — 
e 


GE en SOME nen 
ftehen/ bewohnet. Die Guarnifon darin ift gemeiniglich von 1000. 
Mann Hollaͤndern / und 4. oder sooo, Mann Ehinefern und Java⸗ 
nern / welche inder Compagnie Dienften ſtehen. 

Die Vorfteheroder Bewindhaber diefer Compagnie in Holland / wer⸗ 
den genennet die Siebenzehner / und haben unter (ich einen Directo- 
rem und Deputirte don denen nachfolgenden Kammern / als 8. Depu- 
tirte von der Kammer bon Amſterdam / 4. von Middelburg wegen dee 
Provintz Seeland/ ı. von Delfit/ 1. ton Rotterdam/-ı. von Horn / 1. 
don Endhuyfen / 1. bon —n von der Maaß and Rord Hole 
land / welche unter fich alterniren. Dieſe Deputirte befchlieffen num 
unter ſich durch die Bielheit der Stimmen/ mas die Angelegenheit des 
antzen Eontpagnie betreffen kan / es fey in Ausrüſtung der Schiffe/ 
Berkaufber aven/ oder auch deren Repartition , welchen ihren 
Schluß (id alddann' jede Kammer en particulier gemäß bezeigen 


muß. 
Waͤs die Gewuͤrtz ⸗Naͤgelein / Muſtaten⸗Vuͤß und Blumen 
. fonft auch Macis genannt Janbelanget/feynd ſolche Waaren der Com⸗ 
agnie gang eigen/ weil fie in denen ihnen zum freyen Commercio of⸗ 
En ftehenden Moluguifchen Inſuln wachfen und geſammlet werben. 
Es verkaufft aber diefe Compagnie von folcher Waare wol zweymahl 
fo viel in Indien / als ſie nicht nad) Europa bringet. Seither etlichen 
Jahren her/ hat fie den Preisder Rägelein auf 7,.-Stüber per TB. 
feftgeftellet. Man rechnet nach / daß wann fie alles verkauffen wolte/ 
was fie davon in Ihren Magazynen hat / ſie auf einmahl ein Capital 
‚ borrz. bis 8. Millionen ſammlen könute. Damit aber vorbemeldter 
Preis allezeit feftbleibe / und auch die Käufers ihren Vortheil dabey 
finden mögen / fo verkaufft le nur jedesmahl eine gewiſſe Quantität / 
als etiwan in der Kammer bon Amfterdamıoo. Tonnen / in der See⸗ 
Ländifchen 40. zu Rotterdam zo. zu Delfft / Horn und Endhuyfen in 
jeder io. Summa zufammen 200. Tonnen. Was den Zimmet 'an⸗ 
belanget/ gehet das meiſte davon nach Spanien. Der Verkauff des 
Oſt Indiſchen Waaren gefchichet 2. mahldes Jahres / und gemeinige 
lich im O&obr, und Novembr. und dann auch das folgende Jahr dar⸗ 
aufim Januario und Februario, und zwar folgender geftalt / als die 
Helfſte inder Kammer von Amſterdam / das Diertel in der Ranımer 
von Middelburg/und injeder der andern Kammern nur ein Sechs⸗ 
schentheil. Gemeiniglich iſt der ſchwartze Preffer die erfte Waare/ 
fo berfaufft wird / dadannofftina.as. Stunden ;. bis 4000, Ballen 
perkauflt feynd : Hierauffolgt der Zimmer und andere Waaren / 
welche den Meiftbietenden zugefthlagen werden/ und zwar alled gegen 
Banco-Geld / welcheserft muß in Banco abgefchrieben werden / che 
man die Waaren bekom̃en kan. Einige Waaren werden verkauft nach 
s | Tote 


— — DO 97 
Srot · Flaͤmiſch / weldes.K.oder einen halben Hollaͤndiſchen Stuͤber 
betragen / andere nad) Stübern / einige nach Flaͤmiſchen Schilling / die 
33. Grot Flaͤmiſch oder 6-Stüver gelten / noch audere nach Kolländiz 
ſchen Bülden/ die zo. Stuͤber oder 40. Grot Flaͤmiſch haben, 
Alle Waaren / welche die Compagnie verkaufft werden vor die Kam⸗ 
mer bon Amſierdam in beſagter Stadt in Banco, vor die Rotterdami⸗ 
ir Kammer inder Banco dev Stadt Rotterdanı/ und vor die Mid⸗ 
delburgiſche Rammer in grob Permifßs-Geld bezahlet. 
Die Compagnie thut den Kaͤuffern gut ein pro Centum Rabat , und 
ein pro millehor die Armen. Auf den Pfefter iſt der Rabar einen 
Salben pro Cent. und ein proCent. gut Gewicht auf die Waaren / die 
ewogen werben. Ferner einen halben pro Centum vor diefenige/ 
Sie contant bezahlen/ und die 3. Monat / welche fonft die Compagnie 
Beitgibt/ nicht auslaufen laffen. Wie dann aud) derjenige / welcher 
noch innerhalb ders. Monat bezahlt / prorata der Zeit / ein halb pro 
Gentum pr, Monat fürgen fan. en hat derjenige nichts zuge⸗ 
warten, der dies. Monaten auölauffenläßt ; Ja / ſo es noch daruͤ 
ſtehet / mußet?. pro Centum pr. Monat Xentegeben. Gin jeder 
Auffer muß (ich feine Rechnung ſelbſt machen / und der Compagnie 
in Banco ſchreiben / was er ihr an Capital und Intereffe ſchuldig iſt; 
bat ers nicht recht gerechnet / fo weiß ſich Die Compagnie ſchon zu mel⸗ 
den; Sie gibt aber Rechnung über die Raͤgelein und Mufcaten/ wel · 
che in jeder Kammer des Jahrs aber verkauffet werden. Ferner 
thut ſie auch gut denen Käuffern die Courtagio , oder bezahlt (le den 
Maͤcklern / die darunter feynd gebraucht worden / ſelbſt aus ; Es koͤn⸗ 
sen aber Feine andere old geſchworne Mäcler / nach dem Verkauf ih⸗ 
cerPrincipalen Rahmen fehreiben laſſen fondern die andern müffen es 
erſt zu Ende einer jeden Seslion thun/ oder fofle diefen zu wider han» 
deln / müffenfie felbft bezahlen. Es iſt auch ferner einen jeden / der 
Beld hat / vergoͤnnet / in diefer Compagnie Antheil zu nehmen. Mas ‘ 
das Negocium der fo genannten Adtien anbelangt / dabonift unter 
dem Wort Alien mit mehrern gehandelt worden, 
Oſtritz / Oftrutiam, beflche Drrperatoria, 
OfyrisLucaria, 
Oticum, das den Ohren bienet. 
Oval, längliht rund / faſt wie ein Ey. 
Oxalis, acet 
Oxyacanthus Berberis. | 
— Eßig mit Waſſer vermengt / ſonſt auch Polca ge⸗ 
ann ä 


x 


_ Oxyaoccum , ein Rahme eines gewiſſen Pllaſters / deſſen au 
| aache 


\ 


a 7 
038 Oryh Pae 
fache Deferigtion, mie nemlich das eine mit Saffran und Eßig / das 
er ohne Eßig gemachet werde / in den Difpenfatorio Auguflane 
zu en. 
Oxylapathum, Lapathus ſylv. anguſti fol. 
Oxymel, Eßig · Meth / beſtehet aus Honig / Eßig und Waſſer. 
rn nm Kofen:Epig / ift aug Epig und Roſen⸗Oel zu he⸗ 
ite r | 


Oxys, Mäler- Kraut. 2 
, „ Osyfıccharum, Eßig⸗Zucker / aus Eßig und Zuder zubereitet ; ders 
gleichen Oxyfaccharum Emeticum zu machen / R. Croci metallorum 
2, Qy, aceticorum ꝛ0. Loht / ſetze dieſes zuſammen 3. Tage an einen 
armen Ort / agitire es und Altrives hernach / thue alödann gleid) fo 
viel gefochten Zuder darzu / und verwahre das Glas en am 
warnen Ort / big der Zuder zergangen , DieDofis ift von z. bis 4, 
Dointl, denen Rindern aber nur s. Tropffen. 
. Oxytriphylion, Acetofella, 


p als ein Zeichen tu den Recepten,bedeutet pugillus,ideft fo biel / als 

man zwifchen drei) finger begreifen kan / und werden alfo pu- 
gillatim die Blumen verfihrieben. Be 

P.P. heiffet in politifchen und Juriſtiſchen Schriften und Eopeyen 
prx&miflis pramittendis, das ift/ borgefegt / was vorgeſetzet werden 
ſoll / nemlich den Titul oder Vorrede. J | 
Poachten / Ammodiare, gehövet mitunter die Mieht-Contradten , 

und wird gefagt / wann ein Fuͤrſt oder Herr die fümtliche Einkünffte 
dieſes oder jenen Amts / Zolls oder anderer Revenuen , eifier privat 
Derfon um ein gewiſſes Pacht-Beldüberlägt/ weldes die Frantzoſen 
ammodiren zu nennen pfiegens Weil nun dergleichen Pachten den 
—X auch nicht ſeltzam iſt / indem ſie bald der Obrigkeit gewiſſe 

ölle/ bald das Poſtweſen / bald Laͤndereyen und liegende Gründe 
abpachten / oder um das Monopolium in die ſer oder jener Waar allein 
zu haben/ dem Landesherrn jährlich ein gewiſſes geben / als haben jie/ 
mas desfalls ihnen zu thun/und dagegen auch von Kechtöwegen zu for« 
* frey ſtehe / unter dem Wort Miehten weitern Unterricht einzu⸗ 
ziehen. 

Pacifeiren / ſich uͤber eine im Streit gelegene Sache vertragen / 
bergleichen/ vereinigen / Dahevo entipringen Die Facta , oder die unter 
denen Contrahenten geſchehene Vereinigungen / dieſes oder jenes zu 
erſtatten / zu leiften/ zu uchmen oder zu geben. | 
Pastum 


Pac Pan 939 

Pactum Commifforium, vide Kauffen. ; 
Pagament, heit allerhand unter einander gefehmolgen Silber / bon 
Muͤnden undaud) von ungeprögten Erhen / wann es hernach in breite 
Stuͤcke gegoflen wird/ fo Heißt es eine Planche, in digen Gtuden aber 
ein König/ in Koͤrnern heißt mans Granulien. | 

Palatius, vide Balæaſſs. | | 

Palingenelia ift eine Wieder⸗Erweckung der Gewaͤchſe / die aud 
etlichein der Aiche etlicher Thiere weifen wollen. Wer hiervon und 
fonderlich de refufcitatione Vegerabilium ex Sale Chymico eine aus» 
Führliche Rachricht derlanget/ der lefe Rofenbergium in Rhodologia, 
Libavium inSyntagmate, |, 1.c. 22, Kircherum de Magnete, Digbii in 
Diflertatione de Rerum Vegetatione, 


; — bleich / Couleur de paille Strohfarb / pasle oder pale gantz 


Palma, eine flache Hand / oder das Maaß einer Handbreit. In et⸗ 
lichen Orten Italiens werden die Ellen Palme genennet / als —— 
polis und Genua, in der Maaß don Seiden · Waaren. Vide Maaß 
und Gewicht. | : 
Palmen · Baͤume / ſeynd maͤnnliches und weibliches Geſchlechts/ 
werden haͤuffig in Africa gefunden; Ihre Früchte ſeynd die Datteln/ 
"ans den Blättern wiſſen die Einwohner des Koͤnigreichs Comzo «in 
vortreffliches Zeuch / weldesdas Seide weit übertrifft (und nur hou 
ihren Königen zur Kleidung gebraudet wird) zu prepariren; Die 
größte und Eöftlichfte Stuͤcke / fo daraus gemachet werden / glei⸗ 
hen ſich den Sammet / welchen ſie Zachas nennen / auf Damaften Art 
‚gervebet ; nennet man eöinfulas, den Atlas Maricas, und den Tafft 
Engombos.; 

. Palma dadtylifica, Tamata, Dadtylifsum, Dactyli caryotæ, Cariti- 
des, Datteln-Baum/ vide Datteln. u m 

PalmaChrifti, Ricinusvulzaris, _ 

Palmalddicanucifera, deflen Frucht Nux Indica , Indianiſche 
oder Cockers⸗Nuß heiſſet / wachfet in Oſt ⸗ Indien; diefe Nuß wird 
eingemacht zuund gebracht / ſie ſtaͤrcket dad Haupt und den Magen / 
mehret den Saamen und ſchaͤrffet das Beficht. 

Paludapium, Apium, 

Palus fandtus, Guajacum. 

Faunacea, eine allgemeine Argeney / welche man auf allerhand Zu⸗ 
fälle und wider alle Kratickheiten gebrauchen kan. u | 


Panax hszagleum vel Hereulcum, Panax⸗Kraut / Died Gewaͤchs if 
Be * der 


J 


— 


2 To —Pan 
der Baͤren · Klau ſehr ühnlich/ doch) in allen groͤſſer / aus deſſen berwun⸗ 
deten Wurtzel triefft Der Opaponax, welcher ein Gummichter Safft 
iſt / heraus / welcher in Seitenſtechen und verſchleimter Bruſt gute 
Huͤlffe thut. | 
“  Panchymagogum, {fi ein Zuwort einiger Purgter-Mittel/ welche 
alle boͤſe Feuchtigkeiten abführen. ndenen Difpenfaroriis hatıaan 
das Extractum panchymagogumcCrollii, 


Pancratium, Sqvilla ſcylla. 


Pandaleum, ift faft eine Argeney wie Miorfellen / die man in aufge 
loͤſten Zuder wirfft/ und hernach in einer Büchfe gießt daß ed darinn 
erhaͤrte. IE : 

Panis Brod / Frantzoͤſiſch du Pain, des Brodsllnterſcheid iſt Hon bie- 
rerley genommen / als (1) à materia neceſſaria, das iſt von dem Mehl 
ſelbſt /(ãa materia condimentaria, damit das Brod gleichſam ge⸗ 
wuͤrtzet wird/(3) A præparatione bon der Zubereitung / (4)ab acci⸗ 
dentiis aliis, bon einigen andern Zufaͤllen. Nach den Unterſcheid des 
Mehls hat man erſtlich Waitzen⸗Brod / welches fünfferley iſt/ als 
pania ſiligineus ex flore ſarinæ, Herren· Brod / aus eitel Waitzen⸗ 
Mehl⸗Blumen / welches man zu Rom panem primarium genennet / 
(2) panis fimilaceus oder ſimilagineus, Semmel,Brod / fo etwas ge⸗ 
ringer ald das borige/ (3) paniscibarius Speiß-⸗Brod / (4) panisTur- 
£uraceus, Kleyen⸗Brod / fo von ſchlechter Nahrung ift/ (5) panis con- 
fufaneus, — da-Blum und Kieynoch alles unter einander 

emenget ift- , 
Hut dem Roggen Mehl wird dreyerley Brod gebaden/ als panis can- 
didus, Herrn» Brod/ panisdomefticus Hausbaden-Brod/ panis fur- . 
furaceus, Kleyen-Brod. Mas des Rocken-Brods Farb anbetrifft / 
fo beftehet die Schwmadhafftigkeit deflelben nicht eben inder WMeife / 

intemahl mancher Roggen | wartz Brod giebet / welches doch daben 

aͤfftig und wohlgeſchmack iſt. | 

Gaͤrſten · Brod / welches vor dieſem in Jüdifchen Rande fehr gebraͤuch⸗ 
lich geweſen / wird heutiges Tages bey uns wenig gebraucht / imgie⸗ 
chen auch dad Haber / Reis-und Hirfen-Brod nicht. Die Abwür- 
gung des Brods — mit Sauerteig / Saltz und Waſſer / die Zu⸗ 

ereitung durch Kneten mit Waſſer oder Milch. Nach andern Zu⸗ 
fällen iſt das Brod friſch und neugebaden/ oder altes Brod / es iſt ent⸗ 
weder weiß oder ſchwartz / klein oder groß / feſt und derb / oder leicht 
und lucker, Vide hiebon wit mehrern Elshoktii Diæteticon pag. 94 
& ſeqq. — 

Panis Gondimentarius, gewũrhtes Brob/unter ſolches gehören fol⸗ 

| gende 


l 
⸗ 


Yan Pan 94 

— — — — —— — — un 
Bende Sorten / als panis piperatus five dulciarius, allerhand Pfeffer⸗ 
Kuchen / panis dulciarius craſſus, Thorniſcher dicker Pfeffer⸗Kuchen / 
panis dulciariustenuis, Nuͤrnbergiſcher / panis dulciarius communis 
gemeine Pfeifer-Ruchen/ Kotula dulciar iæ Pfeſſer⸗Plaͤtzlein Rhom- 
buli dulciarii Pfeffer: Ruffe. j 

PanisSaceharatus, mit Zucker⸗gebacknes Brod / Rotulæ facchara- 
te Zucker⸗Plaͤtzgen / panis bifcodtus primariusZuder:Bifeuit. Da» 
hin auch das fo genannte Franſch / Moſcowiter Damafcener » Brop 
und Macronen gehören. 

PanisPorcinus, Cyelamen Gäubrod, 

Pannus, vide Tuch. 

Panftsın Röhrlein/ Taraxacon DensLeohis, 

Pantoffel:&Jolt/ Suber Phellos, Franhzoͤſiſch Liege, ein leichtes 
ſchwammigtes Holtz / dienet zu unterſchiedlichen Gebrauch / ſonderlich 
auch um Pfropffen auf die Bouteillen dabon zu machen. 


Papagey⸗Kraut ober Federn / Amaranthustricolor, | 

Papaver Erratictum, Fluidum rubrum, majus& minus, Rhaas flo- 
re puniceo, Koru⸗Blumen / wilder oder Feld: Mag-Saanıen / wer 
den bielmahld bey denen Matetialiften gefucht / und dannenhero zu 
Sommers⸗Zeit eingefammlet/ und im Sıhatten gedorret, Beſagte 
Korn⸗Blumen feynd ein fonderlich Mittel wider das Geitenftechen 
oder Pleuritidem, five inflämmationem tunicz coflas eingentis, 


Papaveris albi &nigriSemen Taxthax, weiß und ſchwartz Mohn⸗ 
Säanten/ dabon wird meiftend der weiſſe im Herbſt geſammlet. Aus 
den Mohnhäuptern treufft auch und rinnt ein gemwiffer Safft Opium 

enannt/ dergleichen ein anderer Meconium , beyde feynd narcotifh/ 
ördern den Schlaff / muͤſſen aber fehr vorſichtig und niemahls roh / 
ſondern allezeit mohlprapariret und corrigirt gebraucht werden. 
apen-Aräut/Taraxacon, Herba urinaria. 
ier / Charta, Frantzoͤſiſch du Papier, hat feinen Nahmen bonet- 
nem Egyptiſchen Schilff-Rohr Papyrus genannt / welches die Alten 
dergeftalt zu zubereiten gewuſt / daß ſie es um darauf zu fchreiben ge⸗ 
brauchen konnen. Heutiges Tages wird das Papier auf eine fehr 
Verwunderns⸗ wuͤrdige Weiſe aus alten Leinen- und Wollen⸗Lumpen 
gemacht / und zwar ſoll die Kunſt ed alſo zubereiten Ao, Chriſti 1470. 
in Baſel ſeyn erfunden worden / wiewol der Jeſuit Balbinus in feiner 
Hiſtotia Bohemica bemweifen will / daß es allbereit Ao. Chrifti 1340, in 
Teutſchland bekannt geweſen ſeyn / es mag aber deſſen Urfprungs Ort 
und Zeit ſich herſchreiben / wo und mie lang er will / ſo iſt und bleibet 
dieſes doch gewiß / daß das aus Lumpen ra Papier ſehr . 
60 un 


2 BE. \).) — 
und Arbeit koftet/ bis es zu feiner Perfedtion gebracht werde, Dann 
erftlich werden die Lumpen / wann jie tn die Mühl gebracht worden/ 
ausgefucht/ die weile zuden Schreib / die bunte aber zu den blauen/ 
wie aud) zu den Maculatar-und Fließ-Papier angewendet hernad) 
eingenetet / aufeinander geleget / und die Fäulung überlaffen / als» 
Dann gehacket / eingefeuchtet/ nochmahls gehadet/ geſtampffet / zuſam⸗ 
men geſchlagen / und zum halben Zeug getrocknet / hierauf wieder ge⸗ 
ſtampffet / zum gantzen Zeug in die Buͤtte gethan / mit Waſſer auge⸗ 
macht. RNachmahls wird mit der Form (welche in der Groͤſſe / wie 
die Bogen verlanget werden / aus ſehr engen / nach der Laͤnge an ein⸗ 
ander gemachten feinen Drat beſtehet / und in welcher Mitten das Zei⸗ 
chen des Papiers / als etwaun in dem Poſt⸗Papier das Poſthorn / in 
dem Memmingiſchen das Wappen mit den halben Adler und Creutz / 
ebenfals aus feinen Drat fubril eingeflochten ift/) der Zeug aus den 
Büttengefchöpffet / jeder Bogen auf einen befondern Zilg zufammen 
geleget/ alddann unter die Preſſe gebracht / und das Waſſer davon 
auögepreflet/ dann werden die Bogen auf die Stridegehänget / ger 
teucnet/ gefcheelet/ geleimet / fortivet/ und die Mangelhaffte ausge- 
fchoflen/ geglättet und in Bücher/ deven jedes 25. Bogen / diefe wieder 
in Riß / davon einer zo. Buch / die Riß aber in Ballen / wovon jeder 
10. Riß zu halten pfleget/ zuſammen geleget. 
Es können aber ſolche Bögen dünn und did / wie auch / nachdem die 
Sormeingerichtet / groß und Fein / breitund ſchmal / nad Belieben 
efchöpffet werden / woraus dann der Unterſcheid des Papiers ent- 
ringet. Dann ed ift entweder groß fuper Regal und ordinaire Re- 
gal, groß/ mittel und Elein Median, Poſt / Median und klares Poft- 
Papier/ dides Noten- Papier / um Muficalifhe Sachen darauf zu 
fihreiben/ weiſſes ordinaire Schreib-und etwas brauneres Concept, 
auch allerhand Sorten ungeleimtes Drud»Papier / welches alled aus 
Leinen Lumpen gemachet wird. Wollene Lumpen hingegen unter ein» 
ander/ geben das fo genannte blaue grobe Schrant und Maculatur, 
Fließ-oder Loͤſch Earten / Hefftlein⸗ und Einbind-Papter / davon 
aber das letztere wohl geleimet ſeyn muß. In Franckreich wirdge⸗ 
meiniglich das Papier eingetheilet in fin Imperial, dito ſuper Royal , 
dito Royal , dito grand Conte , dito moyenConte , SecondFin & 
Gros bondito, fin grand Cornet, Gros bon dito, fin Conte, Grosbon 
dito, fin petit, cornet, Finlis, Grosbon dito, Gros bon de France, € pa- 
pier au pot, dito au Pantalon, &c. | 
Es ift aber der Papier⸗Handel — aa in / bie 
foichen aus langer Praxin treiben/ eigen Papier: Mühlen haben/ oder 
doch ſolche mit Geld und —* verlegen / und uͤber das wiſſen / wo 
jede Art Papiers wieder fuͤglich abzuſehen fen. In den — 
d£ 


Pap 943 


See⸗Staͤdten wird viel Frantzoͤſiſches Papier. conſumiret / Ober⸗ 
Teutſchland hingegen hat hin⸗ und wieder feine Papier ⸗ Mühlen / daß 
es keiner fremden Zufuhr bedarff. Zu dem Papier⸗Handel moͤchte 
man auch alle diejenige Sachen zehlen / welche auf Papier gemahlet/ 
eftochen und gedruckt werden/ als da feynd allerhand Bücher) Kupf⸗ 

erſtücke / Land:und Spiel · Carten / von welchen mehrentheils in die⸗ 
ſem Werck beſonders gehandelt worden. | 
Bon dem Rechr des Papiers ift zu wiffen / daß wann etwan jemand 
eines andern Papier oder Pergament aus Unmiffenheit/ in der Mey⸗ 
nung/ daß es fein eigen Papier gewefen/ befchrieben hätte/ daß ala» 
dann das fremde Papier dem Schreiber zukomme / und das Papier 
oder Pergament der Schrift weichen muͤſſe; jedoch daß den Eigen: 
thums⸗Herrn der Wehrt dafür gut gethan werde. e gleiche Be⸗ 
windtniß hat es auch mit den Gemaͤhlden auf fremde Tafeln / da der 
Mahler dad Gemahlte behaͤlt / die Tafel aber bezahlen muß. 
Geftempeltes Papier/ fo heutiged Tages au bieler groffen Herren 
Höfen in Eangeleyen/ item zu allen Contradten gebrauchet wird / alfo/ 
daß Fein Notarius oder fonft eine.andere privar Bürgerliche Perfon/ 
etwas gültige fchreiben kan / wann es nicht auf dergleichen Papter ge» 
ſchrieben / iftein mit des Koͤnigs / Churfürkten oder andöheren feinen 
Wapen bezeichnete Papiers / welhesvon unterfihiedlichen Preifen 
map gekaufft werden/ nachdem nemlich die Wichtigkeit des Contragts, 
oder die darinn vorkommende Summa ſolches hoch oder niedrig er» 
fordert/ und bringt foldhes jährlich eine groffe Einnahm / fonderlich an 
denen Orten / wo hohe Tribunalia und unterſchiedliche Gerichts. 
GStühle/ auch etwan die Refidengfelbft / wiezu — und Ber⸗ 
lin iſt. Man ſchreibet die Erfindung deſſelben den Niederlaͤndern 
zu / wie Boxhornius de ſtat. fœderat. Belg.cap. iz. 8.43. meldet / von 
welchen es hernach auch auf andere Reiche und Ränder. kommen / und 
heutiges Tags faft durch gank Europa. (ausgenommen in den Reichs⸗ 
Städten) als ein Modus ohue fonderliche Befchwer derlinterthanen/ 
Geld aufzubringen/und dieRevenüen zu verbeflern)angenommen; ges 
meiniglich abereinen Hof-Bebdienten / Kauffmann oder Buchhändler 
in Berpacht gegeben wird/ etwan auch eine eigene Stempel-Rammer 
darzu aufgerichtet/ und mit unterfchiedlichen Bedientenbefeget iſt. 

Papier⸗Kraut / Papyros, Papyrus Nilotica, 

Papillaris, Lampſana. 

Pappelbaum / Populus. 

Pappelftiel/ Typha. . 

Pappel⸗Schnabelktaut / Geranium, folio Althex, Geranium 


Mompeliacum. 
Dos pap⸗ 


944 | Pap Par 


Pappeln/ Malva. . 

Parade, ein Pracht / ein Anfehen/ daher Parade Bett/ Gutfche/ 
Zimmer / Kleid und dergleichen paradiven heißt / ein ſchoͤnes Anfehen 
haben/ einen groffen Aufzug machen. 

Paradies⸗Holtz / Agallochum, Lign, Aloes, 

Paradies-Adener/Grana Paradilif, Cardamom. maj. 

Paradoxa', feynd wider die ſcheinbare Vernunfft lauffende / und 
doch manchmahlwahre Lehr⸗Saͤtze / als zum Exempel / die wenigften 
Kauffleutetaugen in Commercien-Sadhen zu rahten, Kine grofle 
Manufadtur läßt (ich beffer mit zehen ald hunderttaufend anfangen vzc. 


Pardalianches aconitum doronicum, 

Pareira Braya, ift faft gleich der Seidelbaſts-Wurtzel oder Rad. 
Thymelzz, sch auswendig ſchwartz / inwendig weiß / ſchmeckt fü 
wie Süfhols/ und euriret trefflich den Stein. 

Parere,ein Rauffmannifches Butdünden/ welches über einen vor⸗ 
egebenen Cafum (in welchen dieintereshirte Perfonen nicht eben ben 
Grafen genennet werden / fondern nur anderen Stelle A. B.undC, 
geſehet wird) der / oder diejenige Kauffleute / denen folder Caius zu 
beleuchten / und ihre Meynung darüber zu geben / zugefandt wird/ 
fchrifftlich von fich ſtellen / mit der modeften Clauful, daß ſie allezeit eis 
wer beſſern Meynung und Sentiment ftatt geben wolten ; fo lang aber 
diefe nicht bewiefen wurde / ware indeflen diefes ihre unmaßgebliches 
Bedünden ; esfey nun gleich über einen ftreitigen Wechſel / See-Ber 
feachtung oder Kauff-und Verkauff⸗Sach / wie ſolche aud Rahmen ha- 
ben möge/ warn (le nur in der Kaufleute Forum hinein läufft/ und ſich 
de ſimplici & plano fecundum confuetudinem & leges mercatorum, 
das ift nach der Gewohnheit und Uſantz / die unter Kauffleuten einge- 
führer ift / entfcheiden und beurtheilen läßt. in ſolches parcre 
wird nanofft in einer Sache von unterfchiedlichen Handeld- Plägen 
eingeholet/ da dannn/ wann anders der Cafus recht formivet und ein- 
gegeben worden/ der Richter im Urtheilsfprechen groffe Reflexion auf 
diefelbe (eben ald wie auf eingeholte JuriftenRefponfa) zu machen pfle⸗ 
pet; welcher Kauffmann nun , um dergleichen Parere zu unterfchrei= 
en/ will angefprochen —* muß ſich erſtlich als einen honneten und 
ehrlichen (2.) als einen klugen und berftändigen / (3.) als einen in 
Commercien-Sadhen Wohlerfahrnen auf feinen Handels⸗Platz ha- 
bilitirt und legitimiret haben ; vor allem muß er den Cafum, worüber 
ein Sutdünden begehretwird/ und deflen Statum Controverſiæ wohl 
einnehmen / die Rationes dubitandi wohl im Kopff herum gehen laſſen / 
hierauf feine erlebte Praxin zu Raht ziehen/ und ſo er in feinem Leben 
capabel geweſen / ein gut und nügliches Buch mit Verſtand zu — / 
» 


* 


Par 945 


(welches ſonſt fehr viel heutige Rauffleute vor eine Schande und un» 
nüted Ding halten) felbiges anfprechen / ehe er fein Sentiment und 
Butdünden aus der Feder flieffen laͤſſet Damit er nicht mas ungereim> 
tes ſetze und fich dadurch mit feine wenige Experieng proftituive; de⸗ 
nen die bon diefer letztern Gattung / das ift die in Commercien-Sa> 
chen nicht erfahren feynd / ſtehet ald ein gutes Mittel an die Hand zu 
geben/ daß wann dergleichen Parere vorkommen / fleallezeit diejente 
gen/ von denen jieperfuadiret feynd / daß fie inihren Sachen feſt ge⸗ 
gründet ſtehen / zu erft fchreiben laſſen und hetnach / wann mann wie⸗ 
der zuihnen kommt / diefe Formalia zur Unterfchrifft gebrauchen : 
Uber den‘ vorgegebenen Cafum habe ich mir obenftchendenr 
Hn. Titio gleiche Meynung / nemlich daß / 2c. wiewol auch dieſe 
Unterſchrifft von Leuten / die den Statum Controverfix wohl gefaſt / 
und eben darum nicht priota repetiren wollen / indeſſen aber nad) der 
gefunden Vernunfft und Kauffmaͤnniſchen Praxin eben derſelben 
Meynung feyn/ wol Fan gebrauchet werden. Dahero es auch citra 
illorum pr&judicium , und nur don denen gefagt feyn foll / die ſchlech⸗ 
te Potentaten in Kauffmaͤnniſcher Wiſſenſchafft feyn/ und dannenhe⸗ 
to pour fauver les apparences ſich mit fremden Federn ſchmuͤcken muͤſ⸗ 
fen. Wereinen ausführlichen guten Tractat von Kauffmaͤnniſchen 


Pareres {efen will / der nehme des Savary feine Pareres ou avis & ' 


Confeils furles plus importantes matieres du Commerce zur Hand / 
da er über die ſchwerſte Handels Vorfälle / fonderlich über Bangve- 
rotten, Mechfel-Briefe/ ausgegebene Ordres, Blangvets, Novatio- 
nen der Handfchrifften und Wechſel⸗Briefe / Geſellſchaffts⸗ Handlung 
and andere dergleichen Materien mehr / ſtattliche prajudicara zu feiner 
künftigen Nachricht (marın ihm etwan auch dergleichen Fälle vorkom⸗ 
men foiten) finden wird. | 


Parfumiree Westen / kommen Meer lich aus Spanien / 
Franckreich und Italien / als woſelbſt fie die Blumen und die daraus 
ex: rıbirte Effenzien des warmen Climatiswegen / Viel beffer als bey 
und fa Zeutfchland haben. Es ſeynd aber folche unterfchiedlich/ und 
werden gemeiniglich bon denen Italiänern und Frantzoſen geführet/ 
und dadurch nit wenig Geld aus Teutſchland weggefchleppet / ſon⸗ 
derlich/da folder perfumirte Sachen / deren ich das zarte und wohl⸗ 
luͤſtige Frauenzimmer hor andern zu gebrauchen pfleget / fo viel und 
mancherlen ſeynd / daß auch die Parfumeurs , welche in Italien und 
Franckreich eine eigene Profesfion und Handwerck machen/ gang groſ⸗ 
fe gedruckte Catalogos darüber ausgeben können / aus welchen wir 
nur die vornehmſten Stüce allhier anmercken wollen / in folgenden 
beftehend: Allerhand parfumirte brodirte Tafel-Tücher / Hemd⸗ 

| Don; Ovaͤr⸗ 


946 Par 


Quaͤrders / Schuuptücher/ Beutels /-Handfehu / parfumirtes Haar⸗ 
poudre bon Ambrette, Jafmin, Pomeransen/Jongville, Tuberofe und 
Veilwurtz; allerhand Maflaoder Pafe, die Hände weiß zumachen/ Ef- 
fences bon Ambra, Neroli, Cedro,Casfia, Jongville, Tuberofe,Rofma- 
rin, Pomadcs bon eben dergleichen Berud) / parfumirte Mund· Kuͤch⸗ 
lein oder Paflilles don Ymıbra/ bereitete Mufcadinen , Raͤuchwerck in 
Kammern zu gebrauchen / Schlag/ Gemürg-Rägelein/ Cancel, Thi- 
mian, und andere Balſams / weile Jungfern⸗Milch / Spaniſch Roht 
auf Porcellain-Art/ dito in Blaͤttern / bereitete Rinds-Gale / Safft 
bon unreiffen Trauben / Pomade vor Zitracht und Flecken / dito zu 
den Lippen / alles die Geſtalt und Angeficht dev Frauens⸗Perſonen 
ſchoͤn zu machen und zu erhalten; Ferner Opiata , Corallen / Pulver 
und Staͤnglein von Althee / die Zähne weiß zu machen; Vielerhand 
wohlriechende Waſſer / Spiritus vini,Savonetten- Kugeln / allerhand 
Roſſolis, Schnup⸗Tohack und barfumirungen von ſtarcken Kraͤu⸗ 
tern / xc. ee 

Pari alpari, au pair, vide Zagio. 

Parictaria, Perdicaria, Herba Muralis Urceolaris Vitraria , Tag 
uud VRacht / ir St. Peters · Kraut / wächftgernan den Wänden und: l: 
ten Gemaͤur.  Manhat deffelben zweyerley Sorten/ als das Leipzi⸗ 
ger oder Melampyrum, und des Dioſcoridis; Es iſt ein trefflich Diu- 
retieum, reiniget die Rieren / und treibet den Urin in der Waſſerſucht. 

ParisHerba, uva Verfa, Vulpina, Lupina, Aconitum falutiferum, 
Cinbeer-Kraut/ Augen-Rrout / waͤchſt in fchattigen Wäldern; die 
Beeren davon widerftehen den Bifft/ fonderlich des Artenici, item der 
Peſt / fallenden Sucht und Wahnmwig ; dufferlich dienen die Blätter 
zu den hitzigen Geſchwüren und altch Schäden. | 


PariusLapis, meiffer Marmor / ift das erfte uud befte Geſchlecht 
des Warmors / wird ſonderlich in Jtalien (hön gefunden; Einige halz 
ten dafür/ daß wie die Chineſiſche Gefaͤß durch kuͤnſtliches Ausarber- 
ten der fetten und reineſten Theile der Erden / mit Vermiſchung des 

pulverilirten Sardonych-Stein geinacht werden / alfo Fötnte ſolches 
auch wol mit gepulverifirten weiſſen Marmor angehen / ald welcher 
nicht meniger tüchtig/ ald dev Sardonych-Stein darzu wäre. Vide 
ein mehrers von Marmor anter deffen Benennung. 
Parmeſan aͤß koͤmmt aus dem Hertzogthum Parmaqus Italien / 
und wird aus Eſels-Milch gemacht. Vide Kaͤß. 
Parnaſſer⸗Sraß / Gramen Parnasſinum. 

Paronychia, Ruta muraria, Maurxauten. 

Part, cin Theil partagiren / theilen / einen ne — 
ad: 





— 


Par Paf 947 


Kachrichtgeben: Er hat einz. oder z. Parc in diefem Schiff oder 
Handlung dieſes ift a part, befonders/ participiren/ mit Antheil neh⸗ 
——— einer der mit Theil nimnit / particularia ſonderbare 

ei * 2 . u 

* Parthenium Matricaria Tanacetum. 

Partida, Partie, eine Partey / dieunter Raufflentengefchloflen/ oder 
eine Partey Waaren / über welche contrahiret wird/ item eine Poft in 
dem Journal, beftehet aus dinen Debitore und Creditore , dahere fagt 
man tenirleslivresen parties doubles, die Bücher nach Jtaltänifcher 
Manier in doppelten Parteyen oder Poften halten. 

Pafementen / Borten/ Schnüre / feynd entweder bon feinen oder 
unechten Golde und Silber/ gantz oder halb Seiden / Wollen/ Leinen 
oder Cameelhaaren / breit oder ſchmaal / glat oder erhoben/ zu vorneh⸗ 
mer Stands-Perſonen Libereyen / oder auch zu Auszierung der 
Mannd:und Frauen:Kleider/ zugerichtet / werden auf fonderbahren 
hierzu aptirten Stühlen verfertiget/ faft meiftentheils in Teutfchland/ 
mwofelbft anfere Pofementirerd und Borten⸗Wuͤrckers die Runftiafo 
wol wiſſen / ald die Frantzoſen / daß man alfo desfallfein Geld nach 
Srandreich ſchicken darf; ja es wird an theild Orten fchon ein fo gu⸗ 
teö doppelt Seidened Band gemacht / ald nimmermehr fein Parifer 
feyn kan / bornemlich bon der Zeit an/ daß bie ——— Reformir- 
te Flüchtlinge ſich in Teutfehland niedergelaflen / und dadurch den 
Frantzoöſiſchen Manufacturen feinen geringen Schaden gethan. 


Paſſage, ein Durchgang / Reisweg oder eine Straffe / welche die 
Meifende entweder zu Waſſer oder Land nehmen/ dahero (le auch Paſ- 
fagiers , Reifende / Vorbey⸗ oder Durchgehende genennet werden. 
Man fagt: diefe Pallage ift eng/ weit/lang/ kurtz / luſtig / gefährlich/ 
Eoftbar/befchwerlih Wonder Paflage oder bielmehr dem —2 
Wort paller, vorbeygehen / kommt das Wort Paß / Paßport / Frey⸗ 
Brief/ ungehindert zureifen/ Literefalvi Condudtus, Paflage-@eld 
iſt eine Art von Bruͤcken⸗Zoll / Aalſage wird aud) ein gewiſſer Ort oder 
Reale in einem Buch genannt. 


-  Pafle par tout, ein Haupt-Schlüffel/ der alle Gemaͤcher eines Hau⸗ 
ie aufſchlieſſet / item ein Schloß mit z. Schlüffel-Löhernund Schlüfs 


Paſſulæ majores & minores, groffe und Heine Rofinen/iene Eonmen 
in Körben und Faͤßlein aus Spanien / diefe/ nemlich die Kleinen nen- 
net man Corinthen / und kommen aus Peloponefo oder Morea, mo bor 
dieſem die Stadt Corinchus gelegen. Es finden fi auch palıı'x 
Damafcenz, yon Damafco aus ae Cybebx, blau Roſin 

094 oder 


948 Paf Pat 
ober Zybeben / Mashılioticx, ſchwartzblaue Kojinen fonımen aus Mar- 
filien, feynd am Geſchmack diebeften. 

Palla Regia, beflehe Marzius panis, 

Paftel vide Farben / die Mahler machen ſich dergleichen Paftels/ 
indem ſie unterfchiedliche Farben unter einander reiben / folchehernadh 
mit Gummi⸗Waſſer und ein wenig Gips. anrühren / warn ſolche her⸗ 
nach trucken worden / fo läßt ſich gar gut damit auf dem Papier zeich- 
‚ nen/ daß man meynen folte/ es waͤre mit dem Pinfel gemacht. 


Paſtemen⸗Krauit / Scabiofa. 

Paftillus Trochiſcu⸗ ein Kuͤchlein / wird don einem gewiſſen Medi- 
cament geſagt / welches aus Pulvern und unterfchiedlichen Feuchtig⸗ 
a trucken und dicht bereitet wird / Und eine Eirculsrunde Figur 

at, | 

Paftinacadomeltica, Paftinac/ weiſſe Möhren / werden in Kraut? 
Gärten gezeuget/ der Safftdavon foll das im Leib befonımene Qued- 
füber wieder austreiben/ dienet auch vor dem Gtein und verftopffte 
Monat:Zeit, 

Paltinaca fativa, tenui folia Iutea, carota lutea fifer alter, elbe 
Möhren/ Rüben oder Earoten / der Saft davon fol den Bifft wi⸗ 
derftehen. 

Paftinaca fylveftris, Daucus German, Nidusavis ftaphylinus, wild 
Paftinad, Vogelneſt / waͤchſt an ſteinigten Orten ; der Gaanıen hat 
eben Die Krafft/ wie der Eretifche Bogelneft-Saamen/treibt den Urin 
und Monat⸗Zeit. 

Patacon, eine Spaniſche Müng-Gorte / gilt ſo biel als ein Rthlr. 

Pategoricum, ein Schmertzen · ſtillendes Mittel/ welches mit feiner 
ſachten Waͤrme die Wärme des Llibes erhält/ und dadurch die Lufft⸗ 
Loͤchlein erwaͤrmet und erweichet. | 

Pater Nofter oder Kofen-Rränge werden biel an Catholiſchen Or⸗ 
ten gebrauchet / und ſollen wie Polidorus Vergilius will / bon einen ge» 
willen Eremiten Nahmens Petro von Amiens buͤrtig / um das Jahr 
Chriſti ooo. exfunden worden ſeyn / ſie beſtehen ins:. t einen Kuͤgelein / 
entweder bon Knochen / Corallen / Edlenſteinen / old oder Silber, 
ingleichen von Bern / oder Agtfteinen fo meift in Preuffen / Dantig 
und Luͤbeck gemacht werden / item hon Roſen oder andern koſtbahren 
Holtz / welche ſaͤmmtlich an eine ——— ſeynd / alſo daß jedes 
mahl zwiſchen zehen kleinen ein etwas groͤſſers (ich befinde / dabon die 
Kleinere fo viel Ave Maria und Wiederholungen des Engelifhen®rufs 
feö/die gröffere aber je des mahl ein Vater Unfer andaͤchtig dazwifchen 
zu betew/ bedeuten, Heut zu Tage beftehen lie mieinft aus drey und 


ſech⸗ 


— — — — 


Pat 949 


ſechtzig Ave Maria, fieben Pater noftern und einem Credo, alſo / daß von 
den Beten des Ehriftlihen Glaubens der Anfang gemachet / darauf 
ein Bater Unfer/ 3. Ave Maria , und wieder ein Bater Uinfergefpro= 


chen / und alödann jedesmahlnach zehenmahliger Wiederholung des 


— Engliſchen Gruſſes / auch das Vater Unſer und Gebet des 
Errn wiederholet wird. 

Roch eine andere Art des Roſenkrantzes hat Dominicus Calaguri- 
tanus eingeführet/ welcher im Jahr Chriſti 1204. den nad) ſeinem Na⸗ 
men genannten Dominicaner-oder Prediger-DOrden angefangen. 
Diefer Roſenkrantz beftehet nach der Zahl der heiligen Pſalmen Da» 
vids / aus 150, Ave Maria, alfo/ dag nachdem foldhes 10, mahl nad) ein> 
ander wiederholet worden / jedesmahl ein Vater Unfer und andädtige 
Betrachtung de3 Lebens und Leidens Chriſti gebetet und gefprochen/ 
der Anfang aber mit dem Chriftl Glauben gemacht wird / worauf :. 
Vater Unfer und;. darzwifchen gefprochene Ave Maria folgen/ fo aufs 
fer obbemeideten ıso. Rügelein/ mit Vemedaran hangenden Ereuglein 
zweyen groffen und drey Fleinern Kugeln angedeutet werden ; welche 
Art des pater noftersman den gröffern/ oder auch den Pfalter der 9. 
Mutter GOttes Marien nennet. Der Handel mit ſolchen pater no- 
ftern iſt an Catholiſchen Orten gimlich groß / abſonderlich Fauffen die 
Sraliäner aufden Reipziger Meſſen viel Bernftein-Corallen ein/ wel» 
che hernach zu paternofter-Schnüren/ und theuer wieder zu verkauf: 


- fen pflegen / dahingegen müffen unfere Teutfche Kauffleute von ihnen 


die rohten Eorallen haben / welche fehr häufig zu Hald- und Arms» 
Gehängen in Teutſchland gebrauchet werden. 

Pathologia ift dad Theilder Medicin, welches der. Rrandheiten 
Natur / Urſachen undZufälle genau erforfchet. 

Parron wird gemeiniglich ein Kauffmann bon feinen Dienern 
genannt/ Patron diCala, der Herr des Hauſes. Cine Patron wird 
auch genannt die Form nad) welcher man etwas zufchueidet / abzeich- 
net oder würdet / als wann ein Schneider ein gefchnitten Papier hat/ 
nach welchen er ein Roc: Theil zufchneidet/ oder eine Spitzen ⸗Wuͤr⸗ 
ckerinn ein abgezeichnetes Muſter / ein Perlenfticker imgleichen/ nad) 
welchen fie wuͤrcken / oder Elöppeln und ſticken follen, . 

Patron⸗Taſchen / dienen um die fo genannten Patronen die man 
in Die Mufgqveten und Slinten laͤdet darein zu thun ein Kauffmann 
nimmt offt die Liefferung auf ſich dergleichen Patron-Tafchen vorn. 
2. oder mehr Regimenter zu liefern. | 

Pavame Saflafras. 

Pavi!lon iſt in der Bau⸗ Kunſt ein Theil eines Hauſes / bey dem Kauff ⸗ 
Leuten und ſonderlich denen se Tre / der oben ſpitzig 

005 aus 


950 Pec Pet 
— und gleichſam ein Gezelt formirende Uberhang / über eiu 


uh und Campagne⸗Bett / von Coton, Tafft oder anderuStoff gau 
fertig aufdem Kauff gemacht. ff gautz 


Pech / Pix de la Poix iſt der hartzige Theil / der von den angezundee 
ten hartzigen Baͤumen / die gleichſam Alters halber durch allzu viele 
Fettigleit erſticken / geſchmeltzet / die Art ſolches Pech zu bereiten wife 
fen die Bauren am beften / als welche dabon ihre Nahrung ſachen / 
fie bereiten aber ſolches auf die Art / wie man ſonſten unter ſich dettilli- 

ret / indem ſie nemlich einen Hauffen Hartz Holtz ͤber und über mit Er⸗ 
de bedecken / damit nichts ausrauchen koͤnne / alsdann ſtecken ſie durch 
ein offen gelaſſenes Loch Feur hinein / ſo flieſſet der hartzigte Theil / 
in gewiſſe darzu bereitete Rinnen / erſtlich gang dünn alsdann die 
cker / und letzlich gar dick / etzliche machen es auch von dem feinſten 
und duͤnnſten Theer. Es ſeynd aber vornemlich hartzige Baͤume / die 
Fichten / Tannen / der Lerchen⸗-Baum / Terpentin und Cedern⸗Baum / 
wenn man obbemeldtes aus den Baͤumen gezogenes Pech / durch das 
Kochen wieder reiniget oder dephlegmiret / ſo wird es immer dicker / 
und heiſſet Pix ſicca trockenes Pech / Palimpiſſa, Pix navalis weil es die 
Schiffe dicht zu machen gebraucht wird / das meiſte Pech kommt aus 
innland und Thüringen / ald welche Provintzien / fonderlich mit 
dichen harkigen Bäumen begabet ſeyn / je härter das Pech / fo daß 
es in Hauen gleichſam ald Glas fpringet / je beſſer es.ift/ je weicher 
und zäher hingegen/ je fchlechter/ wann ed auch im Schmelten über» ° 
— fo iſt es ein Zeichen / daß es don unreinen Theer gemachet 
worden. 
— der Stiel / an welchen das Blatt oder die Frucht 
haͤnget. | 

Peintre Frantzoͤſiſch ein Mahler / Veinture ein Gemaͤhl. 

Peisfer/PxcilrasPifcis fosſilis weil die ſer Fiſch zuweilen aus einent 
ſchiammigten Erdreich gegraben wird / feine Geſtalt gleicht (ich ei⸗ 
ner Schlange / wann man fie inein Glas ſetzet / und nur ſchlecht 
Maffer darauf gieffet / fo können jie ohn einige Speiſe bey 5. Mo⸗ 


Nnath leben. 


Peiſſel⸗Beer / Berberes,Baccz oxyacanthz. 

Peltſchen / Hedyfarum, Securidaca. 

Peltzwerck / Pelerrereyen/ eine hoͤchſt nüglidhe und in gewiſſen 
Sorten auch fehr koſtbare Waar/beeftehend in Fuchs und Wolffs Baͤl⸗ 
gen/ Beeren’ Tyger und jungen Pferd-Häuten / dergleichen um 
Aftrachan herum fehr gefchmeidige mit langen und zarten Haaren ge» 
funden werden/ ferner in Marder / Dachs / Schaaff / Canninchen / Haa⸗ 
ſen 


Del —X 
fen / Eich⸗Hoͤrnigen / Ziegen / Hunds / Luchs / Hermelinen und Zobel / 
Vielfraß und Otter⸗Fellen / ac. davon ſonderlich die vier legten Gat⸗ 
tungen ſehr theuer / Hermelinen und Zobeln aber am aller theuerſten 
gehalten werden. Belangend anfaͤnglich die Fuchs und Wolffs⸗Baͤl⸗ 
ge / ſo haben wir deren genung in Teutſchland / kommen auch viel 
aus den Nord⸗Laͤndern / welche aber mehrentheils wegen der daſelbſt 
regierenden Kälte weißgrau ſeynd / man kaufft ſte Stuͤck / Decher / und 
Zimmer⸗weiß / und oblervirt vornemlich daran / ob ſie ſchoͤn lang von 
Haaren / nicht von Wurm angefreſſen / oder ſonſt fchadhafft / 
ob fie klein oder groß / und was dergleichen Bemerckungen mehr 
ſeynd / unter welchen ſonderlich die — Fuchs⸗Baͤlgen hoch 
æſtimiret werden. Beeren⸗Haͤute ſeynd ſelten aus Teutſchland / hin⸗ 

egen fo vielmehr aus Pohlen Moſcau und Lieffland und zwar die 
sachen / ‚die weiffen aber aus Grönland (don denen dahin auf 
den Wallfiſch⸗Fang fahrenden Schiffern / item aud) aus Mofcan) 
zu befommen/ welche beyderley Sorten eben fo wohl nad) der Groͤſſe 
und Ovalitaͤt der Haar Stuͤck⸗weiß eingekauffet werden;die obbemeld⸗ 
te Aſtrachaniſche Pferd⸗Haͤute ſeynd ſehr rar / ingleichen auch die Zo⸗ 
bels. Marder und lItis finden ſich genug in Teutſchland / wer⸗ 
den auch viel aus Franckreich und Mofcau gebracht. Einige ſortiren 
fie in Stein und Edel-Marder / und wird daran eben wiean andern 
Peltzwerck auf die Farbe und Qvalität der Haare geſehen. Dachs⸗ 
Felle gibt Teutfchland in Uberfluß / ingleichen auch Schaaff-Fell / 
doch werden die Tartariſche um Aſtracan fallende / allen andern 
vorgezogen / weil nemlich etliche darunter Pechſchwartz von Wolle / 
und ſo zart und krauß ſeynd / daß ſie mit der Seide um die Wette 


ſtreiten koͤnnen / weiche Krauſe auch ſo lang ein Stuͤck daran iſt / 


durch kein Regen oder ungeffüm Wetter ſich verlieret / fondern ber 
ſtaͤndig bleibet. | 
Caninichen / Haaſen / Eichhoͤrnigen / Ziegen-und Hunde: Fell ſeynd 


ebenfalls überflüßig in Teutfchland zu bekommen / die Eichhoͤrnigen al⸗ 


fein ausgenommen / deren es eine gröffere Menge in Lapland und 
Moſcau giebet / daß man tie auch wie ein gewiſſer Auchor ſchrei⸗ 
bet / ber) gantzen Heerden eben wie ein Flug-⸗Voͤgel / dienur zu ge» | 
wiſſen Zeiten des Jahrs sich fehen laſſen / anziehen / und wieder ab⸗ 
ziehen ſiehet / fogar daß etliche meynen / ſie egenentweber des Win⸗ 
ters.in dem Waſſeroder in dev Erde begraben / oder ziehen auch in ein 
auder Land. Otter⸗Felle kommen in grofler Qvantitat aus Canada, 
einer: denen Frantzoſen zugehörigen Landſchafft in America , wel⸗ 
che folche häuffig nach Moſcau führen / woſelbſt die Rufen das 
Bieber- Haar kuͤnſtlich abzuziehen wiſſen / und ſolches hernad) wie= 
der an die Frautzoſen und andere Nationen verkauffen / Bu zur 

> anu» 





952 Pe 

Manufadtur derHüte felbige mehrentheild gebrauchen/in Teutfchland 
werden zwar auch Ottern gefangen/. welche man aber dafelbft ge⸗ 
nugſam nutzen an / die Zobel und Hermelinen allein müſſen aus 
Mofcau und Lapland geholet werden/ da dann auch ein ſo groſſer Un⸗ 
terfcheid unter folchen jich befindet dapein paar bor4. oders. Kubeln 
oder Ducaten / ein anderes hingegen vor ro. bis. co, und mehr Kur 
bein verkauft wird / nachdem eö’nemlich unbeſchaͤdigt / ſchoͤn bon 
Blank / und fhwarg bon Couleur , groß / breit/ und lang von Haas 
ven ift ;derbefte Zobel⸗Fang grfihiehet in Syberien / einer an die 
Tartaren und Samogitengrangenden unbebauten wilden Landſchafft / 
woſelbſt die bon den Moſcowitiſchen Czaaren ind Elend verwiefene/ 
und in Ungnaden verfallene ( ——— roſſe und vornehme Her⸗ 
ren) dieſer Thiere wöchentlich eine gewiſſe Anzahl fangen / und an 
den Ezaarifchen Commiffarium fieffern müffen / der ſolche her» 
nach in des Czaaren Schatz fendet / von wannen (le entweder, ber» 
kaufft oder an grofle Herren zum Præſent, item auch wohlber⸗ 
dienten Leuten zur Belohnung Shi wann man te fangen 
will fo gefchiehet es eutweded mitSchlingen / oder fie werden auch ger 
fchoffen /.mit einen Arm⸗Bruſt auf welcher ein Pfeillieget der vorn 
- mit Bley begoflen/ damit des Zobeld+ Fell feinen Schaden leyde. 
Hermelinen ſeynd nichts anders als weiffe Wieſeln / deren Schwantz au 
den Spitzen gantz ſchwartz ift/ in Sommer iſt ihr Fell etwas roͤthlich / 
des Winters aber Schueeweiß / zu weicher Zeit auch ihnen am mei⸗ 
ften nachgeftellet wird / ıhr * iſt mehrentheils eine Tracht groſſer 
Herren wegen der Koſtbarkelt / wer bon geringern Stand fid) 
auch ein Anfehen mit folchen weiſſen Peltzwerck machen will / muß mit 
Caninichen Fell verlich nehmen. Alles oberzehlte Peltzwerck nun/ 
erfordert einen groffen Fleiß und Sorgfalt / ſo wohl in feiner Zu⸗ 
bereitung ald Conſervation, welches legtere durch Beylegung ſtarck 
riechender Sachen gefchiehet / als nemlich durch Campher / Biſem / 
Zibeth / und Juchten / wann ſolche bey die Peltze und Kleider geleget 
werden / da fie dann mit ihren ſtarcken Geruch / alle Schimmeldun⸗ 
ſtigkeit der Kleider / (woraus Die Mottenund Schaben entfpringen/ 
und die Kleider zernagen und in Verminderung bei abhalten) 
es müffen aber dieſe Dinge vorher in Kaftenoder Behälter geleget 
werden/ damit ihr ſtarcker Geruch dieſelbe durchgehe / und allen 
Muffsenden Moderhafften Geruch audtreibe / it folder Ge⸗ 
ruch von Bifem und Zibeth einigen Weibs-Perfonen zu wider / der 
Eampher hingegen fchadet ihnen nicht. Es feynd auch etzliche 
Kräuter und Wurtzeln für die Motten dienlich / wann foldye in die 
Käften zu Deu Kleidern geleget werden / nemlich Violen⸗Wurtz / Sie⸗ 
Beuzeit/ Benedieten· Wurtz / uund Rein⸗Blumen / das — 

i 


Pen 953 
iſt / daß man die Kleider und Peltzwerck / offt an die Lufft / nicht aber 
an die Sonne bringe und wohl ausfchüttele und ausklopffe. 
Degen der Zubereitung deö Peltzwercks / weil ſolches eine gange Pro- 
feslion des loͤblichen Kurfchner Handwercks ift / erachten wir die- 
fes Orts unnöthig mweitläufftige Meldung zu thun / nur wollen wir 
Eurglich anführen / daß auch Diefe Kunft fo = geftiegen/ daß heu- 
tigs Tags unfere Kürfchner die Fell auf vielerley Art ſchön zu fürs 
ben /und gleichfam aus geringen Marder: Tellen ſchoͤne Zobel- Fell zu 
machen willen / fonderlich aber gibt das feine Gilber dem, Pelz: 
werck und andern Sachen eine fhöne ſchwartze Farb warn mart 
nemlich ſolches Silber in Scheidwaffer oder Spiricu Nitri folviret/ 
oder auf warmen Sand zergehen läft / wann es nun alles zergangen/ _ 
fo ziehet man einen Theil des Scheidwaſſers / dvurchöDeftilliven ab/ 
und laffet das übrige an einen Falten Ort ftehen/ fofchiefferes an in 
Ehriftallen/von welchen man fo viel man will in gemeinen Waffer zer» 
gehen laͤſt und damit Peltzwerck / Haar oder was man fonft will bend- 
bet / fowirdesbefländig ſchwartz oder brann / nachden man nemlich 
viel Silber⸗ Chryſtallen zergehen;laffen / es muß aber vorher mit Al⸗ 
laun ein Grund gemachet werden / damit die Farb deſto beftändiger 
daran hafften koͤnne. 

Die Handlung mit den Peltzwerck ift mehrentheildin denen Gee- 
Städten / (welche nach Mofcau/ Schweden und Norwegen handeln) 
es bringen auch die Eugeländer und Frantzoſen viel aus America, 
und verführens fo daun weiter hin und wieder durch gantz Eu— 


ropa. 
Die Probe ob das Peltzwerck wohl gefaͤrbt ſey / iſt leicht zu nehmen wann 
man nemlich die Finger naß machet / und etwas davon zwiſchen dein 
Fingern reibet / fo offenbarts ſich bald / ob die Farb beſtaͤndig und 
concentrirt oder nur ein angetuͤnchtes Weſen ſey / es kommt aber 
dieſes letztere daher / wann der: Gallus in welchen der Haupt⸗ Puuct 
der Peltz⸗ Faͤrberey beſtehet / nicht wohl gebrannt / da dann die Farbe 
nicht wohl eingreifft/ und nur einen äufferlichen Anflug berurfas 
het welchen die Sonne verzehret / oder die Näffe hinweg frift/ 
ber welcher Beſchaffenheit das Peltzwerck heßlich ausſiehet / alſo 
* ? beſſer geweſen wäre / man hätte ihn feine natürliche Farb 
gelaffen. 

Pendant d’ Oreille ‚vide Ohren⸗Gehaͤng. | 

Penetrant durchdringend / ein penetranter Geruch / etwas ponetri- 
ren wohl begreiffen. 

pPenſion eine Summa Geldes die man jährlich bon einen groſſen 
Herrn einzunehmen hat / item die Pacht⸗ Gelder dahero Penſiondcius 
einer ber ein Gut gepachtet | Penfd⸗ 


954 Pen Der 


Penyd⸗Zucker / Sacharum Penidii. } 

Peonien , oder Biht-Rörner / bon diefen Gewaͤchs wird DerGaa- 

men im Junio, die Wurtzel imMartio geſammlet / es gibt 3. Geſchlecht 
der Poenien Roſen / nemlich bicke und dünne /Männlein und Fraͤule in / 
und dann die weiſſen Peonien / welche aber nicht gar gemein ſeynd. 
Das Weiblein bringt den meiſten groͤſten und ſchoͤnſſen Saamen. 
Peplus Enula. | 
Pepo Melones, 
Pera Paltoris, Burſa Paſtoris. 
Percarum Lapides Berſing⸗Stein / kommen aus denen Orten mo 
viel dergleichen Fiſche zu finden. 
> Percelenfeynd in einer Kaufmanns oder Kramer⸗Rechnung / eine 
jedwede Poſt oder Reyy. | 

Perdicium Parietaria. | 

Perfoliatz Semen, Durchwachs Gaamen / er muß fhön braun / 
gelb und wohlzeitig ſeyn imAugufto eingethanund trocken gehal- 
ten werben. 

Pergament) deffen Gebrauch ift ſehr alt / und wollen einige / daß 
eö von der berühmten Haupt-GStadt in Myfien, Pergamo feinen Rab: 
men und Urfprung ziehe / es wird aus Kalb / Schaaff und Ziegen- 
Haͤuten gemacht / und zu allerley Gebrauch zugerichtet / daß es ent- 
weder ein zartes oder flarded Schreib Pergament / item ein roth/ 
grün-gelbsund auf andere Art gefärbteö Pergament / gemeines Schaaf⸗ 
und guted Kalb⸗ Coinpert / oder auch ſonſt ein beſonders zugerichtetes 

Pergament / zu Rechen⸗Haͤuten und Schreib⸗Taffeln / wie auch vor 
die Mahlers / und Kupffer⸗Stecher wird / man gebraucht auch das 
Pergament (ſonderlich das von Rind⸗Leder gemachte) die Trum⸗ 
meln und Paucken darmit zu überziehen / die Buchbinder / und nach 
ihnen die Riemer und Sattler / item diejenige welche die grünen 
Licht · Schirm machen / haben alle des Pergaments hoͤchſt nöthig/ an 
denen Orten / wo Fein Pergament⸗Macher iſt / führen ſolches die 
Kramer oder auch die Buchbinder/und wird ſolches gemeiniglich nach 
Decher verkaufft / das Hollandifche ift das beſte / Danhiger / Franckfur⸗ 
ter ꝛtc. (ind auch ſauber. we 

Periamna, Periapton, Amuletum Xenechton, foll mann es am als 
getragen wird/die Peſt vertreiben. Ber N 

Pericarpia feynd Argeneyen/ welhe man auf den Puls bin- 
det / ald Schlag Waller / Rofen / Violen / Lilien und Carfunckel 

Waſſer / xc. 
vecciclymenon, Caprifolium. 


- Peri- 


Der — 5 
Perigueur iſt ein ſchwartzer und ſchwerer Stein ober Minerale 
welches ſich nicht gern zerſtoſſen laͤſt Fommt aus Dauphine und 
Engeland und wird von den Toͤpffern und Emailleurs gebraud)t. 
Periflereum, Verbena, 


Perlen Margarirz, Uniones, $rangöflfch des Perles woher folche in 
den Perlen-Mufcheln generivet werden / iftbishero nicht wenig unter 
den Naturfündigern dıfpuuivet worden einige meynen daß die fo ge⸗ 
nannten Perlen-Mufcheln/ ſich in den Frühling ein wenig eröffneten/ 
von den lieblichen Thau des Himmels gleichfam gefchtwängert/ und 
fo dann die edle Perlen daraus erzeuget und gezeitiget wurden : Weil 
aber die Perlen-Mufcheln meinftens zehen bis 12. und mehr Klaffter 
tieff aus dem Grund hervor geholet werden / als feynd einige aufdie 
Meynung gekommen / als ob befagte Mufcheln zu einer gewiffen Zeit 
ſich in die Höhe begeben, und wann ſie bon den Ihau oder Regen be: 
feuchtet worden / ſich alsdaun wieder nad) dem Grund finden allein 
auch dieſes flveitet wider die Erfahrung / infohderbeit weil mit 
den Regen = Waffer viel fchleimiger Moraft dem Meer zuflieſſet / 
welcher eine geraume Zeit auf der Fläche des Meer-Waffers zu 
ſchwimmen / und fo dann nach dem Grund zu finden pfleget/ an wel: 
chen fi zwar die Meer » Mufcheln und Perlen-Auſtern häufig an- 
hängen / aber auch leichtlich davon ſterben / hingegen urtheilen einige 
nicht übel dag folder Schlamm und Mooß ihnen zwar zur Gpeiß 
und beqbemen Aufenthalt diene / doc, gleichwohl aber folge nicht/ 
daß ſie auch daraus gezeuget oder gemehret wurden. Viel glaubli⸗ 
er iſt es / daß beydes die Perien als die Mufchel/ oder fo genannte 
Perlen: Mütter / aus dem durchſichtigen Schleim und Ligvore, 
welchen der Perlen⸗Schneck von ſich zu ſpeyen pfieget /erwachfen:und 
wollen einige / daß / mann befagter Liqvor in dem Fleiſch des Schnee 
densverbleibe / er ſich coagulire und erhärte / und ſolches ware der 
rechte Urſprung der ‘Perlen / foeraber ausgeſpyen würde / und den 
Schnecken von auffen her gleichſam überzöge / fo pflegten daraus die * 
Mufcheln zu wachſen / daß aber folder Ligvor erft nah und nach er- 
— ſiehet man aus der Scructur fo wohl der Perlen als Perlen: 

utter / welche beyderfeitd aus gank fubtil und zarten auf einander 
gelegten Haͤutgen / faſt wie die Zwiebeln beſtehen / wie ſolches fo wohl 
der bielberühmte Helmontius , ald andere Authores mehr angemer- 
det. Man findet aber die Perlen nicht nur in den fo genannten Per: 
len⸗Wuſcheln / fondern taft in allen Gattungen und Arten der Auftern/ 
fo wohl in der Gee als in den Flüffen und füffen Waſſern / in Oſt⸗ 
und Weſt-Indien / ja. auch hin und wieder in Europa / wiewohl 
die Orientaliſche por allen andern den Vorzug haben, a 

14 








Per 


956 _ 


Die fürnehmfte Perl-Fifcherey befiget der König in Perfien an den 
Gtrand des glüclichen Arabiend / nach diefer folget die in Der Inſul 
Geylon, wofelbft Die Perlen zwar nicht gar groß und felten über drey 
oder bier Caroten wiegen / doch gleichwohl ihrer Helle und Kunde 
wegen/ bor die fhönfte gehalten werden/ ſo giebt es auch an den Japo- 
nifhen Strand fehr helle und groffe Perlen / jedoch meiftentheilg 
eckigt / inOccident werden fein den groffen Mexicanifchen Meer» 
Bufen und anderer Orten mehr 7 infonderheit aber bey der fo ge- 
nannten Margareten Infuloder ‘Perlen Eyland in hefonderer Boll: 
kommenheitan Kelle und Groͤſſe aufgeffchet. 
Die Perlen⸗Fiſcherey felbft gefchichet folgender geftalı. Wann die 
Zeit des Fifchens herbey gekommen / fo kommen die Indianer mit ih: 
ven kleinen Fahrzeugen an den Ortwo der Fang gefchehenfoll zuſam⸗ 
men/ laſſen (ich alsdann mit einen Korb und Schwammen mit Del ge: 
füllet/ in die Zieffe hinunter / um in jenen / die aufgefammlere Au⸗ 
5 einzulegen / den Schwammen aber um Lufft dadurch zu ſchöpf⸗ 
en / vor den Mund zu halten. Wann (le nun genug eingeſammlet / 
geben (ie mit einen Strid an dem ein Kldctlein hänget ein Zeichen / ſo 
werden ſie wieder ſammt ihren Korb herauf gezogen / die Auſtern 
aber fo lang an die Sonne geleget / bis ſie verfaulen/und ſich aufthun / 
alsdann man die Perlen frey darin liegen ſehen / uud ausnehmen kan / 
ſelbige werden alsdann ſortiret / unddie kleine Sorten nach den Ger 
wicht / die groͤſſere aber nad) den Geſicht verkauffet / unter allen Perlen 
behalten die Birnfoͤrmige und Runde den Vorzug / fo dann die etwas 
ungleiche / edigte und fo genannte Broden: Perlen / fonderlic) 
wann ſie eine zimliche Groͤſſe haben / die aufeiner Seiten flach feynd/ 
nennet man Karten» Perlen / die gar kleine Sorten und welche nur zur 
Artzuey verbraucht werden / heiflen Staub- Perlen /und fo ſie etwas 
gröffer ſeynd / Zahl-Perlen/ weil mar (ke Stüchweiß zu verfauffen 
pfleget. In Schweden findet ſich aud) in groffer Qvantität eine Art 
Perlen die zwar fehr fchön / ıheild vund/ theils eckigt ſeynd / aber doch 
noch nicht ihre volllommene — erlanget / ſondern / wann 
gleich an einer Seiten offt auch uͤber die Helffte / der Anſatz wie an 
einer ſchoͤnen Perlift/ ſo gleichet doch die übrige einen braunen oder 
weiten Marmor / welches durch die Kunſt zu verbeffern ſich viel wie⸗ 
wohl vergeblich bemühet. Wer alte Perlen zu erneuren / aus Kleinen 
Groß zu machen / echte Perlen kuͤnſtlich nachzuahmen/dießelben weiß 
zu machen / und den Spiritum aus den Perlen ziehenwill / der befehe 
Die Neneröffnete Kunft und Schag- Kammer / rarer und neuer Cu- 
riofitäten / allwo er unterſchiedliche Deferiptiones in den zehenden 
Theil finden wird / dieſes Orts nur des Magitterii aus denen Perlen 
zu gedencken / fo nimmt man Orientaliſche Perlen / thut die groͤblich 
zer⸗ 





Per 97 
IE DET EEE TEE TEE EEE HE ELLE NEE — — 
zerſtoſſen / ineine Phiole / und gieffet alödann deftillirgen Wein⸗Eßig 
oder Eitronen-Gafft barüber/ welcherlegterenod beffer it / weil ev 
nihteine fo. groſſe Schaͤrffe hat / daß er 3. qveer Finger hoch über dag 
Pulvergebe‘/ hernach vermacht das Gefäß mit guten Spaniſchen 
Wachs / und ſehzet es hinzu digerir en / in warme AÄſche / rühretödeg 
Tags zwey oder. dreymahl um / bis ihr ſehet daß die Perlen am Grund 
im den Eitronen-Safft aufgeloͤſt / alsdann gieſſet den Safft allmäplig 
dabon ab / und laſſet das übrige bey einen gelinden Feur abrauchen/ 
bis ihr fehet die Perlen an den Boden des Gefaͤſſes liegend bleiben/ als 
ein weiſſes Pulver / dieſes wafchet s.oder 6. mahl mit deftillirten Kes 
gen-Waffer ab/ bis (le alleihre Schärfe verlohren / und wann als. 
dann das Pulver gang trocken ift/ fo iſt es das wahre Magifterium bon 
Perlen / welches jich fo bald zu Boden ſchlaͤgt / als man egliche Tropifen 
MWeinftein hinein tröpffelt. Die Doſis iſt 12. Gran oder ein Scry« 
pel in einen Fulep eingenonimen/da eö dann fafteben die Krafft als dag 

beſte Aurumpotabile hat. | 
Der Kandel mit den Perlen gefchiehet es Tags entweder 
Stüůcksweiß /oder nach den Gewicht / jene müffen ſchoͤn rund / von ſcho⸗ 
nen Glantz und reinen Waſſer feyn/da ſie dann ihre Groͤſſe nach / ſon⸗ 
derlich wann ihrer ſo biel ſeynd / als zu einer Tour oder Schnur um 
den Hals erfordert wird / bezahlet werden / die kleinen oderlingen Per 
fen werden nad) den Lingen Gewicht gekaufft / und entweder zumbro- : 
diren / oder and) in die Artzeney berbraucht. Zu Amſterdam foll eins» 
mahl eine Perle zu eilff taufend Hollaͤndiſche Gulden oder 4040. 
Reichsthaler ver ſetzet / aber nicht wieder abgeholet worden ſeyn / wel. 
che ald man fie einige Zeit hernach genau examiniret/ hatınan befun⸗ 
den daß nach re der erſten Haut / eine nichts wuͤrdige Mallaund . 
alſo die gange Perl falſch geweſen / die ſchoͤnſten falſchen Perlen wer» 
den in Venedig gemacht. / 1 
Perlen» Mutter Mater perlarum,bon dieſer iſt in der borhergehen⸗ 
den Befhreibung gehandelt, Die Kuͤnſtler und Handwercker brau⸗ 
chen ſolche / um allerhand kuͤnſtliche Sachen damit auszuzieren und 
auözulegen. ! | 
Perlen⸗Zraut / Miliumfolis, Gorgonium, 

Perlen» Sarb/ifteine aus Weiß und Blau zufammen gefeßte Far⸗ 
be ; folche auf Seide zu ſetzen / fo wird in einem fauberd Keflel vein 
Waſſer gethan/ und zu jedem Pfund Geiden ein viertel Pfund Seife 
fen/ und die Seiden darinnz. Stund laffen kochen / darnach in eine 
Balge etwas rein Waſſer gethan/ und dann von der Blau: Kipp. Lau 
ge eine Gelte voll / oder da es zu viel / erſtlich halb voll gethan / hierauf 
die Seide durchgefpühlet und getrudnet. | we 
F Ppp Per⸗ 





— 


658 Per 


Perlen · Farb auf Wolle zu ſetzen. 
So nehmet zů ein Pfund Wolle 2. Pfund blau Lackmuß / 1. Loht blau 
Holg/ı.Lohtgebrannten Alaun. Das blaue Holtz muß erftlich eine 
Hiertel Stunde fieden/ alödann den Gad — / das Lad» 
muß durch ein Haͤrin⸗ Gieb getrieben / den Schaum abgefhlagen/ 
den Keffel ausgerieben/ mit dem But eingegangen/ eine viertelStun- 

de gehandthieret/ und mitein halb Loht egefchauet. 
Perpendictfar-Linea, eine gerad pon oben herunter fallende Linca 
wird dorgeftellet / wann eine Bley Kugel an einem Faden gebunden/ 
und foan die Wand gehangen wird / da ſie dann / wann fie (Ich nicht 
mehr beweget / eine perpendicular-lineam , und mit der Linca, auf 
welche jie fänt/ zur Lincken und Rechten einen geraden Windel macht. 


Perpetuum mobile, ift eineö bon denen acht Sachen / wornach bie 
Mathematici und Curiofi anno) ſtreben; die andern feynd Lapis 
Philofophorum ligvor Alcaheft, dad Glas weich J machen / ein ewi⸗ 
ges Licht / ein Linea Hyperbole in einem Brenn piegel/ die gradus 
longitudinis zu finden/ und endlich qvadratara Circuli. Von dem 
perpetuomobili meynet D. Becher / daß er ſolches motu phyfico Me- 


chanico gefunden / der motus perpetuus artificialis aber werde an⸗ 


noch geſucht. Vide Thermoſcopia. 

Pexfıca Malus, Pfirſch⸗Baum / waͤchſt in Garten und Weinbergen / 
Bringt im April die Bluͤh / und feine Früchte im Septembr. Die da⸗ 
von bereitete Stuͤcke ſeynd / die eingemachte Früchte/ dad Waſſer aus 
der Blüh/ Agvadiureticacxnucleis, der Gyrup / die Conferv und 
das Del. | 
. PerficariaHydropiper, Pulicariaperficaria urens, five mas, & mi- 
tisfive femina, & hc vel maculofa, velnonmaculofa, Waſſer⸗ Pfef 
fer / Floͤh⸗Kraut iſt zweyerley / ſcharff und brennend / oder gelinde / 

an ftehenden Waſſern / dienet — und Pflaſtern. 
Der Safft davon vertreibt die Ohren⸗Würmer. 

Perficorum flores, Pfirſig⸗Bluͤh / wird im Frühling eingeſammlet. 

Perlicorum Nuclei, Pfirſig⸗Kern / haben zu weilen auch Nachfrag / 
and werden bey Centnern verkaufft. 

Perſier⸗Baum / perfea. | 

Perſiſche Lilien / Lilium perlicum, 

Perſilium, petrofelinum vulgare. 
Perſonaria, — — hler⸗ Fanſt: hi 
verſpectiv, ein Stü ahler⸗Kunſt; hiebon tft zu wiſſen / da 
ein guter Theil der Mahler⸗Kunſt beſtehe ne drey —— 
palen Linien / als erſtlich in der Erd⸗ vder Grund-Linea, ziweytend in 

53 der 


127 
ar 


— — 


12 Per 959 
derHorizontal-Linea , auf welcher ſich allezeit der Augen-Punct bes 
findet/ und drittens in der Diftanz-Linca , welche allezeit paraleli mit 
derHorizoptal-Lineaift/ und fonderlid) den Mahlern hoͤchſtnoͤhtig 
wird. Eigentlich nennet man perfpedtiv,, was ſich auf einer gemahle 
ten Tafel / bon einen Haus / Hof / Wald oder Beftung/ die nad) allen 
Bau⸗Reguln aufgeführet / in die Weite an Linien und Farben / dem 
Geſicht nach perliert/ Kleiner und fchwächer wird; dergleichen peripe- 
&iv - mablen erfordert eine eigene Wiſſenſchafft und einen guten 
Grundin der Geometria, ? | 

Perſpectiv, Lünettes de longue vüe, Telefcopia, werden bon denen 
Glas-Schleiffern und Brillen-Machern/ fonderlich aber von denen 
fünftlichen Opticis, und welche was mehres/ als ein gemeiner Brillene 
Macher in ihrer Kunft verftehen/gemachet/und zwar groſſe und Fleine/ 
kuttze und auchetliche Fußlang / damit man fonderlich auf einen plate 
ten Horizontfehr weit in die Ferne fehen Fan / und wird fo leicht Fein 
Schiffer mit feinen Schiff ausfahren/ der nicht einen guten Guͤcker 
(mie ſie es nennen) ſolte bey Ich haben. Unter dem Kayſer Rudol- 
pho war der berühmte Altronomus, Tycho Brahe, unter Kaͤyſer Fer- 
dinando III. Gervalius Mattmuͤller / in Italien Galileus de Galilzis, _ 
in Holland der Herr von Zülden/ in Dantzig Hövelius, und in Sad» 
fen und Nürnberg ein gemefener Capueiner / Rahmens Fran Gründ- 
ler / des perfpedtivs-machens halber berühmt. In denen Englifchen 
Ephemeridibus des Oldenburgs wird eines perſpectivs gedacht/ wel⸗ 
ches gar nicht von Glas / fondern von Holtz iſt. So ift auch ſieder 
dem das Binocular auflommen / welches ein berühmter Capuciner 
Pater Maria genannt / der ſich zu Mayntz aufgehalten / am erſten er⸗ 
funden / was bermittelſt der Meroſeopien vor wunderſeltzame Dinge 
entdecket werden / iſt zur Genüge bekannt. 

Perugven lommen zwar eigentlich den Perugven-Machern zu ber⸗ 
kauffen zu / jedoch hat mancher Kauffmann offtmahls ein Stück ſei⸗ 
nes Handels damit / fonderlich / wann er dem Geid⸗ verſchwenderi⸗ 
ſchen und Frautzoͤſiſchen Teutfchen/ welche vermeynen/ daß jie keine in 
Teutſchland gemachte Perugve wohl kleide / fondern erftlich müffe ans 
Franckreich verfchrieben werden/ ſolche anfchaffen muß. Es werden 
aber die Perugven heutigs Tags der. Facon nad) entweder in kurtze 
Buͤrgerliche / oder auf dem Rüden abhangende Spanifche/ oder in 
Perugven mit Allonges, Zöpffen und Schwaͤntzen / ec. den Haaren nad) 
in natürliche lebendige/ oder Naturelle ‚ das ift/ daß die darzu gefom« 
mene Haare von eines lebendigen Menfchen-Kopff (der etwan ges 
flammte und gefräufte Haar gehabt/ welche Kräufe nicht fo bald als die 
durch Kuuſt gemachte vergehet) abgefchnitten worden / item in ordi- - 


pp » naire 


960 Per Det 
naire Menſchen / und dann auch Bockſ⸗und Pferds ⸗Haar. Der Cou- 
leur aber nad) in Blondes ; Cendrèes oder Aſchfaͤrbige / in hell · und 
dundelbraune und gantz ſchwartze (welche Haare aber gemeiniglich ge- 
färber feynd) eingetheilet. | | 
Wer nun indem Perugven-Sandel (ich einzulaffen det / muß 
der Facon halber beobachten / daß er allerhand wohlgemachte Peru- 
gven die alaınode, und von Haaren wohl garnivet ſeyn / befonnme ; ſo 
ift auch an den Haaren die Belindigteit derfelben/ ob fie weichlich oder 
grob anzufühlen/ zu confideriven. Die erſte Qualität kommt gemei- 
niglic) den Brabandifchen Haaren zu/ dahero felbige auch vor andern 
bon den Perugven-Machern gefuchet werden / und feyud Dadurch die 
ang Blonden und Cendreen, item die natürlich Kohlſchwartzen / fon» 
derlich wann inallen drey Couleuren die Haare fein lang fallen / die 
theureften: wo diefe Brabandifche Haare nicht zubaben / müffen die 
Einlaͤndiſche das beſte thun. Vor diefem ift der Haar-KHandel noch 
in —— Kauffleuten Hãnden geweſen / heutiges Tages aber wird 
er ſo gemein / daß allerhand Landlaͤuffers · Geſinde / von Manns-und 
Frauens⸗ Perfonen/ ſonderlich aber Juden / auf den Doͤrffern herum 
lauffen/ und den Bauren / auch wol Stadt⸗Maͤgden / ihre Haare vor 
ein lie derliches Geld abvexiven / und folche hernach wieder an die Pe- 
sugven-Macers theur verhandeln. Es iſt aber heutigs Tags der 
Preis dergeftalt in den Peruqven gefallen/ daß / daman vor zo. oder 
30, — eine blonde Perugvebor so. und mehr Rthlr. bezahlen 
müffen/ eine folche jegiger Zeit denen / die ihr Geld zu raht halten/ 
kaum is. oder 20. Rthlr. zu ſtehen kommt. Vide ein mehres unter 
dem Wort Haar. | 
Peekeruwvianiſcher Balfım / Balfamus dePeru ‚Balfamus Indicus, 

Hyofeyamus Peruvianus, Tabacum Indicum,, iſt eines fehönen Ge⸗ 
ruchs / und noch zimlichen Preiſes zu haben. Er wird indie Medicin 
und zum Parfumiren gebraucht. 

Pes Cati, Hifpidula. 

Pesſi, peſſaria, fonft aud) Nafcalia, hon Hippocrate aber Talum oder 
en vulve genannt / wird in gemwiflen weiblichen Kranckheiten ge⸗ 
brau 

Peſtilentz · Wurtzel / Rad. petafitidis, wächft aler Orten / wird im 
Märg und Herbſt geſammlet / leerer in Pläge geſchnitten / borhe⸗ 
vo aber wohlmundirt, Ihre Tugend iſt / daß ſie den Gifft widerfte- 
hbet / und der Engbrüftigkeit zu Hulffe konnit. 

Petaſites, Peſtilentz⸗Wurheel / Tuſſilago maj. Matthioli. 

Sr. Peters⸗Kraut / parietaria, Helxine, Vitriola. 

Peter 


Per Pfa 968 

Perer-Scyläffet/ paralyleos. f 

Petroleum, Stein: Del/ quillet in Italien / Franckreich und Teutfch« 
Sand aus den Bergen/ ift voneiner mittelmäßigen Conlifteng / eines 
ſeht ſtarcken Geruchs und [hwarger Couleur. Das rechte und wah⸗ 
re Oel iſt ſehr rar / und wird an deflen Stelle das Oleum Petrx ru- 
brum verkaufft/ fonderlic) von den Quadfalbern / welche ſolches ver 
eine Panacza den arınen Leuten auſchwatzen. 

Petrofelinum hortenfe perfilium, Orefelinum Karphi, gemeine Pe⸗ 
terfilien-Saamen/ muß braunigrün feyn/ und ſpaͤt gegen dem HHerbſt 
geſanunlet werden. | 

_ Petrofelinum Macedonicum verum & veterum ‚apium faxatile , 
Welſcher Peterjilien/ wird in den Apotecken verbraudt/ kommt aus 
Welſchland und Franckreich / ſoll eines Mannes hoch wachfen/ ift nad) 
den aͤuſſerlichen Anfehen den Ammi Saamen ungleid) / und 
laͤnglichter ald der gemeine Peterſilien⸗Saamen. Er fol friſch / 
Kernhafftig / und von gutem Geruch feyn. 

Petrofelinum montanum, Apium montan, Elaphofelinum poly- 
chrefton, Berg: Peterlein/ Eppig / Hirfchpeterlein/ wilder Peterlein / 
dienet wider Bifft/ treibetden Schweiß ; wird aud) gebraucht in Rie⸗ 
ren:und Blaſen⸗Stein. | 

Petum, Nicotiana, 

Peucedani-Radix, feeniculum porcinum , Haarſtreng⸗Wurhtzel / 
Gau-Fendely Schwefelwurs / Himmelsgall wird meiftentheild auf 
hohen Bergengefunden. Die Wurgel treibet den Urin / zerbricht 
den Stein / dienetder Milg und Brufl. Das Kraut davon wird 
auch fonft Feniculum porcinum Himmelgall und gelb Schwebel⸗ 
murb/2c genennet. -» 

Pezette.diLevante, Schminck⸗Flecklein / vide Chermes. 

Pfaffenpint / Arum. . © 

Pfaffenblar/ Taraxacum,Caput Monachi. . 

Pfand) pignus, Verpfändete Sachen / resoppienorat« des mar- 
chandifes engag£es, werden ſehr offt von bemitteltenRaufflenten genem 
Darleihen einer gewiflen Summa Geldes / gegen ein billigeö Intereile 
angenommten/ und biö zueiner gewiffen Zeit in Verwahrung gehul- 
ten/ bon andern Rauffleuten aber / denen etmanaufder Eil ein Wech⸗ 
fel» Brief zu bezahlen fonimt-/ worzu fie feine provihion oder Vorraht 
in Caffa haben/ zu Pfand negeben / welches aber ein Achile Kefugium 
ift / wie wir ſolches unter dem Wort verfeee Waaren mit mehrern 
angemercket. Das befte iſt / es ſtelle einer feine Handlung nicht ber 
feine Rräfftenan / damit er nicht Den Wuchtrer in die Hand falten 
* —— Ppp; doͤrſſe 


962 Pfa — 
dorffe / welcher ihm ſonſt ſehr kurh in dem Zügel halten / und offt auf 
das / mad 100. Thaler wehrt iſt / kaunt/ o leihen / darzu aber noch ıwol 
Juden⸗Rente ſich ausbedingen / undetwan andere Conditiones mehr 
borfchreiben wird / Die einen ſolchen nohtduͤrfftigen nicht allzu wohl ge- 
fallen/ unterdeffen —— Credits , in der Hoff. 
mung/ daß fein Berfegen verſchwiegen bleiben werde / müſſen einge: 
angen werden / welches der gewiſſenloſe Wucherer auch ſtricte thůt / 
lang er nehmlich an dem Verſeher ein fette Kuh zu milchen Hat, und 
Beimfelben bey einem jeden Verleihen zu 3, Geldo noch wo FJ. alte ver⸗ 
legene Mobilien, oder Krahm⸗ und Kaufmanns: Waeren aufdringen 
Eanı/ die der auf ſchwachen Fuͤſſen ftehende/ und nad) dem baaren Geld 
ſchnappende Kauffmann and) geduldig annehmen muß. Daß aber 
ſolches Uberſetzen und Bervortheilen des arınen nohtleidenden Nech · 
ſten tam in foro poli,qvam Soli, dag n ber @Ott und der Dbrigkeit 
groſſe Verantwortung nad) fich 3iehe/daben ſeynd alle Schriften boll/ 
selche von wucherlichen Contracten und deren Straffe geſchrieben ; iſt 
auch allerdings eine löbliche ** in wohl policirten Stoͤd⸗ 
den und Republigven gerifke Lehn⸗Haͤuſer oder Bangven,alias montes 
pietatis, Lombard, Aflifiengsoder Accideng-Häufer aufgerichtet / in 
welchen dem nohtduͤrfti en Buͤrger mit einen prompten Vorlehen / ge⸗ 
gen Chriſtliche und in Rechten zugelaſſene Zinfeunter die Armıe ge⸗ 
griflen wird. Weil mir aber fpecialiter yon diefemmontibus pietatis 
einem beſondern Tractat gehandelt / als brechen wir dieſes Orts 
bon dieſer Materia ab / und unterrichten zur ferner unſern entweder 
xf Pfand leihenden oder daranfnehmenden Kauffmann / was wegen 
folcher Pfänd / welche bermubtlid; unter Kaufflenten- mehrentheilg 
Kaufmanns Waarenoder Güter feyn werden / in Rechten berord» 
net/ auch fonft an vornehmen Sandels-Plägen Styli und gebräuchlich 
fey. Diefen nach mup der Creditor ober derjenige / der Geld auf 
Pfand austhut/ dem O ignoranti oder Geld auf Pfand Nehmen- 
denallezeit Freyheit (a n / ſolches Pfand: an diejenige / die ſich als 
Käuffer dar zu angeben, / weiſen zu koͤnnen / ja ihm — damit er aus 
den Zinſen komme⸗ und das But nicht Von: Tag zu Tag ſchlechter wer- 
de/ fo biel an ihm iſt / da behülfflich feyn ; nicht aber das berfegte 
d gegen andere verkleinern/ damit er es nur felbft dermahls vor 
ein Spottgeld in.die Faͤufte belommen moͤge. Es ſtehet auch den 
Verſetzen den nicht zu rahten / daer (i deym Aufnehmen des Geldes 
gu der Condition perobligive / Dap wann er in gewiſſer Zeit das Gut 
nicht wieder einlöfete/ —* es dem Creditori folte herfollen / oder ihın 
zuselaſſen ſeyn / felbiges nach eigenem Gutduͤncken beſtmoͤglich / auch 
inter des Debitaris Wiſſen und Willen/ zu verkaufen / weil in dem 
erſten Fall der Creditor, der offt wenig genug aufein Pfand gegeben, 
or 





Pfa 963 
bor ein Spottgeld wegbefommen wuͤrde / was weit mehr wehrt wäre ; 
ja er würde dem Oppignoranti qvidpro qvö, andnur fo viel / als er 
ihm gönnend wäre/dafür in Rechnung bringen/wiewol auch ein Credi- 
tor nicht ſchuldig / über Die beſtimmte Zeit / ſonderlich / wann er fein 
Geld ſelbſt nöhtig Hat/ und felbiges in Handlung zu employren weiß / 

u warten/fondern wann er den Debitoren zuvor unterfchiedliche mahl 


endlich erinnert/ daß er fein Pfand einlöfen / oder ihm / folheszu 


verkauffen die Freyheit geben / auch ſelbſt mit dabey feyn möge / er 
wolle eine Audtion darüber anftellen/ oder die Commisfion des Ver» 
kauffs ehrlichen Mäcktern in Händen / ihme aber dent Debitori gern 
den Uberſchuß herausgeben / under wiil auf folches freundliches An» 
erbleten doch nichts zur Sache thun / fo mag der Creditor gar wol dem 
Richter umdie — daß er das verſetzte Gut innerhalb ei⸗ 
net gewiſſen Zeit verkauffen / oder der Oppignorans gehalten ſeyn moͤ⸗ 
ge / zen, welches darin der Kichter Amtshalber concedi- 
renmuß. | | 
Wegen Gefahr und Schaden) fo einem berfeßten Pfande zukommen 
moͤchte / aldz E. in einem —— Keller voller Weine leckten / uner⸗ 
achtet aller des Creditoris Vorſicht / etliche Faͤſſer gang ledig aus / oder 
der Wurm kaͤme in ein verſetztes Korn / iſt der Creditor nicht / ſondern 
nur de dolo wegen ſeines eigenen Betrugs / item ob latam & levem 
eulpam wegen ſeines augenfcheinlichen und handgreifflichen Verſe⸗ 
hens zu antworten ſchuldig / dann weil ein Pfand um zweyerley lUrſa⸗ 
chen willen gegeben wird / als erſtlich des Debitoris halber/ damit fol» 
cher deſtoeher Beld überfommen moͤchte / und dann des Creditoris es 
en / damit er feined Geldes deftobeffer verfichert feyn moͤchte / fo 
‚spricht der Käyfer Juftinianus$. Creditor qvogve4. Inftit. qvibus mo- 
dis re contr. obligatio, Daß ed gnug ſey / wann man ſolch Pfand zu vers 
wahren exactam diligentiam oder eine gank genaue Auflicht angewen⸗ 
det; hingegen ift der-Creditor nichtverbunden / einen Caſum tortui- 
tum zu praftiven / ald welcher in Feinen Contra&tu bonæ fidei pfleget 
præſðret gu werden/ weil folcher nicht vorher geſehen werden kan / viel 
ehr Ban er der Creditorungeadht dad Pfand verdorben / dennoch um 
‚die Schuld fordern / peri. fi cum veonderet, 13, &ı ff. de pignorati 
actione, die Ratio iſt / weil der Debiror Herr des Pfandes iſt / und der⸗ 
halben auch den Schaden deſſelben billig über ſich muß gehen laſſen / es 
waͤre dann zwiſchen beyden Parteyen ein auders verglichen / nentlich 
daß der Verluſt des Pfandes auch dem Debitorem befreyen folte/ d. J. 
1. & 6. C. de pig. act. plura de hac materia vide apud Dn, Struvium in 
Syntagmate juris Civilis Exere 26: th. a43. & ſeqq. item beim Carpz. 
Part, ı.Conft. 28.def, 136. itemDn.Stryckio in Cautel. Contract. Set, 
H. cap.IV.de hypotheca & Contradtu pignoraticio, 
PrP 4 Pfann⸗ 


— — 


a —— u ee * 


964 Bra Pip 
Pfannkuchen⸗ Kraut / Mentha Saracenica, Coflus hortorum, 

Pfauen⸗Spiegel / Perficaria, 
Pfeben=Melones, Pepones. 

- Pfeffer / piper , dupoivre , iſt ein Gewuͤrtz aus Oſt⸗Indien fom- 

mend / fo abgetheilet wird in weiffen/ ſchwartzen und langen/ auch wol 

in vohten Pfeffer. 

— album, weiſſer Pfeffer / iſt der unzeitige von ſchwarhen 
effer. 


- Piper nigrum, ſchwartzer Pfeffer / deſſen hat man dreyerley Gor⸗ 
ten / erſter lommt ůber Enge land / der ander über Holland / und der drit⸗ 
te über Daͤunemarck / lehier wird für den ſchlechteſten gehalten / weil 
ex Bein von Körner und mager / die beyden erften aber guöber (ind; 
Er waͤchſt gleich den andern auf zarten Reben / gefellet ſich zuandern 
Baumen/ und fleiget an ſolchen hinauf: Die Blätter vevgleichen ſich 
faſt mit den Eitvonen-Laub. Der Pfeffer an lich ſelbſt waͤchſt zuſam⸗ 
men gedrungen wie Trauben / im Wein⸗Monat werben dieſe Beere 
* / und liefet man ſie auf Matten von Palmen⸗Blaͤttern / und läßt 
ſie z. Zage an der Sonnen liegen/ alddanıı werden ſie durr und runtze⸗ 
licht. Einige melden / daß der runde und weifle Pfeffer nicht an ei» 
nen Gewachs mit den ſchwartzen ald ein Unzeitiger wachſe / fondern 
es fey ein befonder Gewaͤchs / gleich als fchwarge und. weille Weine 
Trauben / welches wol zu zugeben / eines Theils / weil er nicht häufft 
und befonder gefunden/ andern Theils auch viel fchärffer/ beifer/ au 
in der Artzeney vor biel tauglicher befunden wird. Derobige wird 
An Säden zu und gebracht / bey Pfunden verkaufft / und mit Banco 
oder Species bezahlt. Hollaͤndiſche und Dänifche geben 4. [b.Thara, 
‚der Englifche aber nur 3. Tb: und 1. halb pro Cent, gut Gewicht. 

Piper longum, langer Pfeffer / waͤchſt auch in Oft-Indien / iſt ein 
-onderer Baum/ woran er haͤnget gieto als ein Wurm / mit vielen 
Heinen Koͤrnlein befeffen; dieſen hudet man häufig in Bengala und 

Sumatra Crmirdgern würmicht/ober faftunter-allen Pfeffern der 
ſchaͤrffſte if. Es gibt aber unterfchiedliche Arten Pfeffer / ald grob / 
mild und klein But; Wann er zeitig iſt / foller faſt die Gröffe einer 
- Lorbeer bekommen / hernacher aber/ wann er gedoͤrret worden/ zuſam⸗ 
men fchrumpfien. In Weſt⸗Indien wird auch etwas Pfeffer gefun- 

den/ tichet aber gelblicht und roͤhtlicht aus. Wann der ſchwartze Pfef⸗ 
fer/ welchen man meiften gebraucht / fchön grob volltommen ſchwartz 
und nicht taub / auch nicht leicht zerbrechlich iſt / fo iſt ed die bee Gat- 
tung/ dabey muß er aud) ſchoͤn duͤrr / hart und trocken ſeyn / und nichts 
von Staub und Unraht bey ſich führen. 


Piper Indicuin rubrum, xohter Indianiſcher Pfeffer / waͤchſet in 
Teutſch⸗ 


le ae — — 





Pin Pfe 965 
Teutſchland auch in Menge / iſt doch ehe deſſen auch fremd geweſen / 
wird in Scherben gezogen; dieſer leidet Feine Kälte / muß ausgeſaet 
werden/ wann er noch jung iſt / uud nicht geblüherhat. Er befümmt 
nach der Bluͤht gruͤne Schotten Fingerslang / bey dem Gtiel breit/ 
bornen fpisig/ die werden hernach gelb / endlich gantz hoch fchön roht ; 
ur er ſchaͤffer / dann aller andere/ wird meiſtens zum Ofig 
ebraucht. 
an hat auch einen geſchwaͤntzten Pfeffer/ Piper Caudatum, welcher 
Heinere Körner hat als der weiffe und ſchwartze / die aber etwas länge 
licht / ander Farb ſchwaͤrtzlicht oder braun / und am Geſchmack dem 
gemeinen Pfeffer gleich ſeyn. | 
Der Egnptifche Pfeffer waͤchſt in länglicht runden Schotten, in wel⸗ 
hen die Körner / fo etwas kleiner als gemeine Pfeffer⸗Koͤrner fenn/ 
fiegen. Der runde Pfeffer waͤchſt in Malabar und denen benachbar⸗ 
ten Inſuln Jave, Sunda, &c, Kraut deö Pfeffers hat eben fol» 
chen ſcharffen Geſchmack als die Körner ſelbſt / wie etwan Senff oder 
Loͤffelkraut. * 
Pfeffet-⸗uͤmmel / Cuminum. A 
. Pfeffer-Araue/ PiperitisLepidium, Saturegia Satureja, 

Pfeffer Peterlein / Sifon,Sinon | 

Pfeiffen / ein Muficalifches Inſtrument / fol die Goͤttin Minerva, 
von den Geziſch der Schlangen / an der Medufx Haupt/ oder wie 

andere wollen/ der Hirten Bott Pan, bon den Wind fo in ein hohles 
Rohr gewehet erfunden haben / diefer geringe Anfang der Pfeiffen ift 
mit der Zeit fo weit gebracht worden/ daß man faſt unzehlbare Arten 
derfelben/auf mancherley Weiß formiret / die Materiam,fo man dazu 

enommen / ſeynd entweder Beine der vierfüßigen Thiere und des 
flügels / oder auch Gold / Silber / Elffenbein / Horn / item Roſen · Cy⸗ 
preſſen⸗Eben⸗Braſilien· und ander dergleichen Holtz / aus welchen 
allen folgende Arten von Pfeiffen verfertiget werden / als: Flagolet und 
Floͤten / nad gemeiner Art / wie auch andere / fo einen etwas gehen, 
meten Laut von ſich geben / und daher Flutes douces genennet wer⸗ 
den / Alt, Tenor und Baßs-Flöten / welche man theils durch einen ge⸗ 
ringen KHandgriffnad einem jeden Clavir hoch oder nieder ſtimmen 
Yan / ferner Corneroder Zinden / Fagott und fo genannteDulcians, 
unterfchiedlicher groffer und allerhand Arten Schallmeyen / wie 
‚auch die heut zu Tag faſt am. meiſten beliebtefte Haurbnis, und bes 
fondere Spasier-Stäbe / ſo man ebenfalls Katteiner Flöte gebrau⸗ 
hen fan / abfonderlich (ind der Zeit in Nürnberg zwey berühmte 
Meiſter annoch im Leben / welche dieſe Inſtrumenten aus dermaſ⸗ 
fen wohl verfertigen / davon der eine Sr jegt benaunte nicht nur 
vs zu 


966 Pfe 
zu machen / ſondern auch mit accurater Beobachtung der Menfur 
ſchicklich zu blaſen weiß. 
’ pfälsifche Sand-Pfeiffen/ Lapides Sabulofi,ift eine Yrt alfo ges 
nannter felgamer Steine. 

Pfeiffbalter / Papilio, 
pfeii⸗Rohr / CannaSagittalis,arundu Toxiem. 
. Pfenning / eine gemiffe kleine Müng deren 4. in Roͤmiſchen Reich 
öufeinen Kreuger ız. auf einen Groſchen gehen / darnach desbandes 
Mint leicht oder fchwer ift / darnach feynd auch die Pfenninge/die 
Franhoſen nennens Deniersdie Lateiner Nummi. | 
. Pfennings-Bewiche/ift der 250, Theileiner Marck. 

Pfenning-Arsut/Numularia, | 

Pferde / Egvi ‚ Franhoͤſiſch desChevanx gehören in fo weit in une 
ferö Ranffinannd-Mag>zın,aldRauff-Leut nicht allein zu ihren eigenen 
Gebrauch), fondern auch um an Privarund Stande »Perfonen wieder 
zu verhandeln/ Pferde an ſich kauffen / ia offt gange Liverangen 
don etzlich taufend auf (ich nehmen / wie alfo in diefen legtern mit 
Srandreich getührten Kriegen / viel Gewinnſüchtige Teutſche Reichs⸗ 
Bürger und Unterthanen gethan/ und durch Zuführung der Pferde 
an Franckreich / felbiges nicht wenig zu Fortfegung des Krieges / ge⸗ 
gen die hohe Alliirte geſtaͤrcket / fonderlich haben die Juden fol 
ches wohl zu pradticiren gewuſt / und ihren Brüdern zu Metz in Los 
thringenbiel hundert Roppeln zupradticivet/daburd) dieſe leichtlich ſich 
engagiren fönnen. / fo viel tauſend und mehr Stud an Franckreich 
u lieffern / wie aber der Mißbrauch eines Dingesden rechten Ge» 

rauch nicht aufhebet / alfo ift auch der Pferd⸗Handel wann er debito 
& liciis modo & tempore geſchiehet / bor manchen ein gar profitabler 
Sandel/ und datinenhero auch gute Comnoiflance davon Fr haben 
allerdings nöthig / diefe beftehet nun kuͤrtlich fo wohl in derKänntnig 
der Pferde ihrer Lands⸗Art / ald auch indenen an einen guten Pferd 
'erforderten Leibs und Gemuths⸗ Dbalitäten und daran ereignenden 
Mängeln. 
Die Lands⸗ Art der Pferde belangend / fo haben faſt eines jedenkands⸗ 
pferde etwas befondered au ſich / als da ſeynd die Ungariſchen Pfer⸗ 
ve gerne ſcheu / doch wo es ebene Wege giebt) dauerhafft / lauffen 
wohl / im Gebuͤrge aber wo ſtelnigte Hohe Wege / werden ſie bald ab» 


ſeynd die beſten. es ———— 
Die Moldauer ſeynd mehrentheils klein / doch wohl geſetzt / haben 
ſtarcke hagrigte Züffe/ / insgemein hell⸗hraun / koͤnnen ſtarcke — 
| ur vail, 


‚gematt/ Die aus denen Berg-Gtädten und Gieben-Bürgen kommen 


Pfe 967 
vaillen ausſtehen / und werden deſto lieber von hohen Officierszur Ba- 
gabe gebraudit. | 

nden Teutfchen Pferden haͤlt man insgemein darfür / daß (ie zum; 
Karen mehr als zum Reiten begbem feyn / wie an denen fo von den 
Bande /obder Eus von Saltzburg und Bäyerland kommen / zu erſehen / 
doch finden ſich in Oeſterreich / wie auch in Sachſen / Heſſen / Mecklen⸗ 
hurg / Braunſchweig / der Marckbrandenburg und Pommern / noch 
bisweilen gute Reiß⸗ und Kriegs⸗-Pferd. Wann nur dieſe böfe Ge⸗ 
wohnhe it fönte verbeſſert werden / die Füllen nicht allzu jung und zart 
zum Einſpannen und Reiten zugebrauchen / weil dadurch die Pferde 
nicht zu ihrer gehoͤrigen Stärde kommen können, : ö 
Die Frieß-und Zolländifche/ Flaͤmiſche / Meftphälifche und Geldert⸗ 
he Pferde / werden vor fchöne abet weiche Pferde gehalten / jedoch 
feynd noch die Frießländifchen vor Caroflen und Cuiraflirer ihrer 
Gröffe megendiebeften. Pe 
Die —. Pferde feynd zwar gro / alleine gang weich / matt 


undplatthüfig: : . | 
Die Holiſte i niſchen fallen klein feynd. aber Edel / ſtarck / von har» 
— und geſunder Art / die Daͤniſchen aber noch kleiner und 
er. 
Die Boͤhmiſchen ſeynd — groß / haben aber die Unart am 
ſich / daß ſie leicht Mangel am Geſicht bekommen. | 
Die Maͤhriſchen befindet man beffer / weil ſie mit denenlingarifchen 
vermiſchet | 
Die Poilniſchen / (worunter die aus Podolien, und aus der Ukrai- 
ne die Beften) fallen ſtaͤrcker und danerhafftiger als die Ungarifchen/ 
und werden fonderlich die Tyger und gefprendefte ſehr var gehal⸗ 
ten. Es ſeynd aber etliche unter den Podolifchen Pferden fo mwild/ 
—* ſich nicht beſchlagen laſſen / haben auch ſo harte Hufen daß ſie 
deſſen nicht bedürffen / dieſe nennen fie bei) ihnen Bachmatten taugen 
‚aber beffer in ebenen als einigten Orten, 
Die Spannifcyen Pferde feynd zweyerley Gattung / die Genetten 
ſeynd fchöne ſtattliche Roffe / er ph zu hoch / aber von Bruft und 
Ereng / und andern Bliedmaffen fehr wohl formivet/ bon Kopff und 
Hals aufrecht / auffenüber die maſſen wohl. Dieandere Art heife 
«fet Monvillanos, ſeynd ſtarcke / und zimlich groffe Pferde / zum 
Krieg und Arbeit beffer als die Genetten, feynd raſch / freudig / treu 
md gut von Maul / in Andaluſia fallen die beſten / unter den Wel⸗ 
ſchen Pferden / Die Neapolitaner den Vorzug / zum Theil weil 
die Artan ihr ſelber ſchoͤn und edel / theils weil ſie wmeift,angeburgig- 
ten Orten fallen und erzogen werden. Mas den. Brand auf der 
linden Seitenhat / koumt aus Calabria, die ihn aber auf der ee 
. : ti⸗ 


968 Pfe 

Geiten haben / aus Apulia , dieſe ſeynd ſehr groß / und. werden Car- 
fieri genannt / die Genetti del Regno feynd Mittelmäßige de/ 
kommen vonder Spänffchen Razza her / feynd ihnen auch faft ähnlich / 
aber etwas ſtaͤrcker / werden ſpaͤt zur Arbeit gebraucht / und bis ins 
ſiebende ober achte Jahr Polledri oder: Füllen genannt. Die Man- 
tuanifchen und Toscanifchen ſeynd fehr gelehrige und gehorfame 
— Art — die Beſcheler / meiſt aus Tuͤrckey und Spanien 
dahin gebra 

Die Frantzoͤſiſchen ſeynd hurtig / die Englifchen gut und dauer⸗ 
hafft / und werden ſonderlich die Engliſchen Zelter halten 
wegen ihres ſittſamen Gaugs / fo ſehr beguem vor das Frauen⸗ 


mmer iſt. 
* den Tuͤrckiſchen Pferden haͤlt man die Theſſaliſchen vor die 
beften / thun aber in Teutfchland felten:gut / wegen der unterſchiede⸗ 
nen Lufft und "Wartung / auch harten/ ſteinigten und ſumpfichten We⸗ 
e/ ſie ſeynd den Menfchen ſehr zugethan / laſſen ſich allerhand anges 
woͤhnen / fo ihren Keuter was entfällt / heben fie es mit den Maul wie ⸗ 
der auf/ und reichens ihn wieder in die Hand / hingegen laſſen fie ſich 
sicht Euch wenden / fondern Lauffen nıit einen langen und ſtarren 
Halfe/ ſeynd hart und langfam aufzuhalten. Unter allen Orientali⸗ 
fehen Pferden erhalten die Perfianifchen den Preiß / weil jie alle 
Tugenden haben / die ein Krieges⸗Roß haben fol / fie ſeynd raſch / 
freudig / ſiarck / Arbeitſam / vorn etwas ſchmal / aber überaus 
iebbaft und flüchtig / hingegen etwas untreu im Stall / und beif- 


fengern. 

Die Arabiſchen Pferde ( melde in ihrem Lande / gleich denen 

 Menfchen / in gewiſſe Claſſe ald Adeliche und noch höhere Geſchlechts 
eingetheilet / und dannenhero auch wann ihre Bütigkelt und Tugend/ 
mit ihrer noblen Ankunft und hohen Stamm überein trifft / in fo viel 
hohern Eftim und Preif gehalten werden / werden mit den Perflaneru 

verglihen/ wiewohl fie etwas Eleiner und fubtiler feynd / fie lauf» 
en — * ſeynd ihrer Schenckel gewiß / dabey gantz fromm und 

anfftmüthig. 
Mohriſche Pferde aus Africa ſeynd noch Heiner) allein Arbeitfam/ 
dauerhafft / und Eönnen ſehr gut ſchwim̃en / weil jie aber weder geſtrie⸗ 
gel noch abgewiſchet werden / ſeynd ſie heßlich / zotig / rauch / groß» 
chig und großkoͤpffig | j 

Die Farbe bey den Pferden zeiget ebenfalld ihre Complexion und 
Ratur an / voraus aber welches Element in denfelbigen die Oberhand 
habe / deren ſind nun 4. Haupt ⸗ Farben / als ben den Braunen herrſchet 
die sang iniſcht Complexion ‚alfodaf ſie allzeit freudig) behergt und 
dauerhafft ſeyn / fo können aud) ohne Schaden mehr Blut N 


Dfe 969 
als andere Pferde / weil ſie Blutr eich ſeyn / fie-find daben hurtig/ 
geſchwind / Lauffen wohl / ſeynd gelehrig und Arbeitfam / je dundier 
die Farbe / jekräfftiger Ind die Eigenfchafften. Ber) denen Rappen 
| die MelancholifheComplexion von der Erde / dahero dies 

e Pferd [hmermühig / ungelernig / zornig / ſtuhig / und untren/ 
lernen bald das Böfe und vergeffen leicht das Gute. 
Die Fuͤchſe ſeynd Colerifcher Complexion bon den Feuer / dahero ffe 
allezeit feusig / hitzig / und begierig / hurtig / freudig / und diſponiret 
zum Springen / dabey aber zornig und ungeduldig feyn. | 
Scimmeln oder weiſſe * feynd Phlegmatifcher Complexion 
von den Element des Waſſers / dahero etliche dieſer Farb Pferde 
gang berwerffen wollen / dom gibt die Erfahrung / daß man bisweilen 
unter ihnen noch gute Pferde findet. | 
Yuffer Diefen Haupt⸗Farben fonımen auch noch die bermengten Farben 
dor/ bey welchen wider die Haupt-Kegel gilt/ / daß welche Farbe bey 
ihnen herrſchet / deren Compledtion nehmen fie auch gemeinlich gern 
an / es ſeynd aber ſolche zweyfärbigePferde in zweyerleySaupt-Fare 
ben zu unterſchieden. | 
Die erften Ind die Schecken / fe dundeler nun diefelbe von Farbe 
feynd / je beffere Sigenfchafften und Mürdungen erfcheinen an dene 
felben / fonderlich wann der Kopff dundel oder roth / die beſten ſind / 
welche mit 3. Farben geflecket. | 
Die andere Art zweyfärbigter Pferde/ feynd Schimmel/unter wel 
hen C1.) die Apflelund Spiegel-Schtinmel/ foman unter allen bor 
die beſten haͤlt / fonderlich wenn der ante Leib mit Spiegeln überzo» 
en, und dfe Farbe faft auf Grau Er (2.) Die Brau Schimmel. 

3.) Die Shwark Schimmel, und (4) Die Roth Schimmel / alle 
diefe Arten ſind eines guten temperirten Gemüuͤths / Vermögens und 
Gefundheit. (s.) Hat man auch die Fliegen oder Muͤcken⸗Schimmel/ 
bon welchen die mit ſchwartzen Flecken die beften / die mit rothen aber 
werden vor die ſchoͤnſten gehalten / weit fie beydes zierlich / dauerhafft / 
und eines guten Temperamenis feynd, 
Die Proportion und Obalitäten eines Pferds zu beobachten/fo ſiehet 


man vornemlich nach den Raul. 
nen/ Ohren / 
Schopff / Mahn und 
unge Schwantz / 
Kinn und Kinbacken / Hals/ 
Rafen / Sruſt / 
Augen /i Bügen/ 
. Gtirn/ Ruden/ Ereug/ 
Kopff / Bauch / 


Seförd- 


970 Pfe 


Geſchroͤte / Huͤffen und 
Koͤten / | Wuͤrbeln. 
Fuͤſſen / 


Dieſem nach iſt die Geſtalt eines Pferdes entweder ſchoͤn oder Man⸗ 

elhafft / die Schönheit beſtehet in der guten Proportion des gantzen 
Leibes / wann alle deſſen Theil und Glieder wohl formiret / recht 
an einander halten / und zuſammen geſetzt / auch deren keines oder 
doch nur wenig unproportioniretfeynd / wann ein Pferd nicht zu 20% 
oder zu niedrig / fondern reht Mittelmaͤßig / wohl gefärbt / wohl ge 
zeichnet / zartundrein ift / infonderheit aber wird bon Glied zu 
Glied — vor ein ſchoͤnes Pferd gehalten / an welchen der Kopff 
kurtz / duͤnne / ſchmal / dürre von guter Farbe / wohl gezeichnet / lieb⸗ 
lich und ſcharff it. Die Ohren muͤſſen klein / kurtz / enge / ſchmal / 
wohl ausgeſchnitten / noch beyſammen ſtehend / vor oder aus⸗ 
waͤrts gerichtet ſeyn / auch allezeit wechſeln und lebhafft bleiben. 
Der Nacken ſoll ſeyn Mittelmaͤßig / breit / und vorwerts ein wenig 
rund erhoben. | 
Die Stirn gleich dürr und ſchmal / auch wohl gezeichnet mit ei» 
nem. Stern oder ſchmalen Bleſſe an rechten Ort oder auch don einer 


Farbe. 
Die Augen ſollen ſeyn groß / don einerley Farbe / und auſſer den 
Kopffliegen/ dabey freudig / klar und lieblich feyn. u 
Zwiſchen der Stirnen und Naſen muß ein guted Pferd ſchmal / bürr 
und rund ſeyn. 
Die Naaſen ſelbſt fol ſchmal und rund / und das Maul Mittelmaͤßig 
und aufgeſchnitten ſeyn. | Er 
Donden Obertheil der Baden oder Tanaflen wird erforbert/ daß 
ſie ſchmal / rund / nicht zu weit/nichtäu eng beyfanımen ſtehen / lieber 
enger als weiter /und ohne Fleiſch ſeyn. 
Im̃gleichen muß es auch zwiſchen den Baden und Kinn ſchmal / duͤnn / 
und kurtz. — 
Der Canal tieff. * RER 
Die Lefftzen Mittelmapig ander Dicke / zart / gleich neben einander 
ſtehend in geziemender Länge /der Hals von einer Mittelmäßigen 
Ränge doch mehr zu lang als zu kurtz / auc hoch aufgerichtet/ duͤnn 
und ſchmal feyn. 
Der Leib foll feyn faſt rundlich / kurtz gleicher Proportion nah Höhe 
der Schendel/ mittelmäßig Fett. | F 
In des Leibes ſonderlichen Theilen ſoll ſich befinden : 

Die Bruſt fett und mehr breit als rund. | 
Die Croupe oder das Ereug breit gewölbet auch wohl ———— 

— r 


Pfe971 
Der Bauch wie ein wohlgemachtes Faß in der mitten / vorn am gr» 
* und hinten am kleinſten. 
ie Lenden gleich doch nicht gantz ausgefuͤllet. 
* — nicht länger als der Leib hoch iſt / duͤun und die vor« 
derften rund. A 
Die Anien Mittelmaͤßig und gieih gerichtet. 
Die Anschelglatt/ Mittelmäpig. 
Die Huff hoch / laͤnglicht / ſchmal / und ſchwartz. 
Die Haut vein/ zart / dünne / ledig. 
Die Haar zart und kurtz / glaͤntzend / und ſchoͤn gefaͤrbt. 
Der Schoopff lang / dünn / rein / zarte von Haaren und glatt. 
Die Maͤhnen lang / dünne /vein/ zart. 
Der —— dick / glatt/ zart / rein. 
Dieſe gute Geſtalt kan man aus der regulirten Austheilung am bes 
ſten finden / wenn nemlich ſich die Groͤſſe des gantzen Pferdes gegen 
den Gliedern / und dieſelbe wieder gegen einander proportioniren. 
Die Mängel eines Pferdes find entweder an denen Äufferlichen oder 
innerlihen Ginnen / oder an den äufferliden Leibe und zwar 
fenab * dreyerley als Erb⸗Maͤngel / Haupt⸗Maͤngel / gemeine 
aͤngel. 
Erb⸗Maͤngel ſeynd die / welche die Geſundheit benehmen / als Rotzen / 
Maucken / oder die gute Geſtalt verkleinern und ſchaͤnden / als weitoͤhri⸗ 
e/ Spechkhaͤlſige / — welche dreyfache Maͤngel ſchaͤdlich 
a uder Pferde ihrer Abrichtung und zu andern gemeinen Ge: 
—8 ſonderlich / wann auch ſolche Pferde dabey untreu / boßhafft / 
beiſſend / *5* /ftoffend / an die Wand druckend / tuͤckiſch / falſch / 
vollhuͤffig / kollerich / Haarſchlechtig / vogig / unheilſam / anſteckend / 
und hartmaulich ſeyn. | 
Haupt⸗Maͤngel an einem Pferde nennet man des Athems⸗Gebre⸗ 
chen / eö ſey gleich/ daß derfelbe an fich felber zu kurtz und zu ſchwer feyy 
daß die Pferde folchen nicht von ſich laſſen Fönnen / — ſelbi⸗ 
ger (ich in ihnen berſchlaͤget / oder daß es von groſſer Fettigkeit gleich 
voller Odem wird / don geſchwinden Lauffen und eylfertiger Arbeit 
feicht ermuͤdet / und nicht genug fchnauffen oder blafen kan / welches von 
innerlihen Gebrechen der Lungen/ von Huſten / oder bon andern 
Kranckheiten herkommt. 
Der andere Mangel iſt an den Gewaͤchs ald ein verke Hals / 
Scheib⸗Schencklicht oder Bockbeinig / Kuhfuͤſſig / Hochkoͤthig / oder 
ſo die Pferde in die Eiſen ſchlagen / welches ein Kennzeichen / daß ein 
Pferd noch zu jung / nicht ſtarck genug / und zu ungeſchickt iſt. 
infache Maͤngel ſind. | 
Die an dem Gewaͤchſe einen groſſen ſichtbhahren Mongel haben / = | 
N) 





2— Pe— 
daß ſie eutweder gar zu lang vom Leibe / oder gar zu ſchmal ſeyn / 
Wann die Bruſt breiter als die Groppe / oder das Ereuh breit und 


die Bruft ſchmal iſt. 

Der Sınnen/Bebrechen und Mängel find: 
- Mangel des Geſichts / Mangel des Gehoͤrs / übermäßig empfindlich 
oder zu wenig empfindlih / Geſchmacks Maugel / Geruchs Ab» 
gang / langfames oder geigiges Eſſen / zu weichlich / oder zaͤrtlich / 
plump / toͤlpiſch und ungeſchickt / ſchwach / wenn die Pferde vornen 
creutzen / wenn ſie ſtreichen / nichtaus den Bügeln heben / nicht von 
Stall oder Pferden abgehen wollen/ Zorn / —* gegen den Men⸗ 
ſchen tragen / Rachgierig / und ſcheu ſeyn / wann ſie beiſen / furcht · 
ſam / zaghafft / blöde / mißtrauend / vergeſſend / nachlaͤßig / ungeler⸗ 
nig / argliftig/faul oder traͤg / traurig / ungedultig / kutzel und heigelich 
wider den Manngehen / auch dabey ſtaͤttig ſeyn. 
End lich find auch geringe Fehler / ſo entweder wenig ſcha⸗ 

den / oder doch zu verbeſſern ſind / als: | 


Zu fett/ zu mager / zu weich Fleiſch / zu hart Fleiſch / fhläffrig/ wenn 
fie (ich ind Waſſer legen / wenn ſie ausreiſſen / nichtaufoder abligen/ 
(ich nicht zaͤumen / fatteln/ pugen/ oder befchlagen laffen. Die fordere 

Schenckel auswerffen / Cigenfinnig und Tückiſch ſeynd. 
Der Pferde Alter erſtrecket (ich gemeiniglich bis is. abi daß man 
fie noch brauchen Fan / wiewohl man aud) deren findet / die bis ins 
ag. und z0 Jahr dauren/ fo aber bey uns in Teutſchland gar felten 
geſchiehet weil tiran die Pferde gar zu hart und jung zum Gebrauch 

anmwendet/ dadurch ihre Natur verdorben wird. 

Die gemeinfte Art der Pferde Alter zu erkennen gefchiehet / durch die 
aͤhne / ſie haben aber von der Natur wo ſie durch Zufälle nicht darum 
mmen / ordentlich 40. Zähne / dahingegen die Maul-Efel nur 36. 
haben / und weifet die Erfahrung, daß fie ihre junge Zühne/ welche viel 
iweiſſer als die andern feyn / innerhalb 2 Jahren auf 3. unterſchied⸗ 
liche mahl abfchiebenund abwerffen. Und zwar warn ſie das andere 
Jahr erreichet / zum erſten mahl 2. im Mittel des vordern Mauls oder 
Die Feder⸗Zãhne oben und unten. Mit den britten Jahr die naͤchſien 
4, dabeyoben und unten. Mit den vierten Fahr die legten s.anı der 
Eden / abermahla.oben undunten. Mit Beichlieflung dieſes Ab» 
fchiebens der jungen Zähne / und des vierdten Jahrro erheben ſich in 
den fünften Jahr die beyden Hacken / diefezeit ift vor der Pferde Ju⸗ 
d zu achten. Von dem fünften Jahr an bis zu den ſiebenden / 
aben die Zaͤhne eine Hoͤle / daß gleichſam wie auf einem gebogenem 
Pfenningein Waſſer in demſelben bleiben koͤnte Wann ſie 7. Jahr 
iurückgeleget / iſt diefelbe Höhle gang heraus gewachſen / uud — 
ie 


—— o.— 
ni 


pfe Pfi * 


u A BARON. ——— 
die Zähne gank gleich / dargegen erzeiget ſich ein brauner Flecken. 
Rad Jahren verlöfchen ſolche braune Flecken / chen is der@rdnung 
wie ſie die Jungen abgeſchoben / neimlich Die Mittlern zu erſt und die 
nachſten dabey nach einander / daß (te oben weif werden. Nachio. 
Fahr erhebet (ich die Ebene des Zahnd — über (id) bis in das 
33. Jahr. — — wird ſolche Erhebung noch runder. Nach 
16. Fahren werden (le je länger je ſpitziger / nach welcher Zeit nichts ge⸗ 
wiffesmehr von ihren Alter zu mercken. In dieſer Zeit wachfen auch 
die beyden Haacken immerfort / daß ſie groͤſſer und dicker werden / jr 
mehr Fahr ſie erreichen; Uber dieſes werden die Zähne an der Farbe 
eändert/dafie von dem xoten Jahr an je länger je gelber werden / im 
* hoͤchſten Alter aber je weiſſer und das Zahnfleiſch weichet zuruͤck. 
ferd⸗Schwantz / Kquiletum, Cauda Egvifetum; : 
ferdmuntz / Mentha caballına, menthaegyina.: | 
ferfing oder Pfauenkraut / Perlicaria Pavonaria, Br 
fifferling/ F —— weil ſie etwas nach Pfeffer ſchue⸗ 
cken / ſeynd klein / laͤnglicht / roͤhtlich / wachſen haͤuffig im Sommer und 
Herbſt / werden gedoͤrret / und auch in Eßig eingemacht. 
PpPfingſt ⸗Rofen / Læonia pentorobon. 

5 haben nach Plinii Zeugniß ihren Rahmen bon der Land⸗ 
fchafft Perften/ weil fie von dar zu erſt in Griechenland / und fo weiter 
fortgepflanket feynd.. Mach ihren Gefchlechtenwerden fie in zmen 
Clafieseingetheiles/ in der einen ftehen die eigentlich alfo genannten 
Peches ober —— welche ihren Stein leichtlich loͤſen oder fallen 
laſſen / und für Weiblein gehalten werden / dergleichen ſeynd: Perfıs 
camolli Carne & Vulgaris viridis, & alba, gemeine weiche Pfirſchen/ 
ſowol grüne als weiſſe perlicafucco * —— Slut⸗ Pfirſchen / 
perfica flore pleno, Pfirſchen mit gefuͤllter Blͤhte. Ju die andere 
Claffe gehören dieienige/ welche ihren Stein nicht loͤſen oder fallen laſ⸗ 
fen/ diefe werden für Männlein gehalten/ dergleichen feynd Perfica 
dura, carne candida, aligvando ex albo fubrübente, harte oder 
Herb » Pfirihen / Perfica Düuracina alba , Perlica dura, wars 
ne buxea ,. Mircotons oder mirlicottons , 'qyali goſſypio ob⸗ 
ducta, perfica cotonea cydoniata, lutea, Ungarica ‚colore, auteo 
Doitten-Pfirfchen/ perlica eftiva,armeniacis fimilia, perfica præco⸗ 
&ia,pumila ‚ perficz qvartum genus Fruh-oder Johanns⸗ Pfirſchen / 
perfica Juglandiva, Nuci perfica, Nuß oder glatte Pfirſchen / qvia nuls 
Ialanugine pubeſeunt, & nueum juglandum faciemreprzfentant , 
perfica Amygdalina velamygdaloides, Amygdalo perhicus, Mans 
del-Pfirfchen/ an welchen das Fleiſch zwar wie eine Pfirfche/ der Kern 

ber, mie fühle Mandeln ſchmecket. Mehrere Arten von Pfirſchen 
feyab in der Kunft- Gärtner ihren Catalogus zu erſehen. 
Zr — 29. Pflan⸗ 


. 3 —— 
Pflangen/ Plants, vide Kräuter. 
Pflantzen⸗Kraut / Fabaria. 
pflaſter werden unterfchiedliche in denen Apotecken gefunden ; de⸗ 

Senigen/ derer ihre Compofition Schröder in feiner vollftändigen A⸗ 

gotedenLib, 2. Cap.ss. befchreibet/ feynd folgende: Emplaftrum ar-. 

“ shriticum, Ztpperleind-Pflafter/ dito zu den hängenden Haͤnden / dito 

ad nodos podagricos vel venereos, dito adtophos podagricos, con- 

tra Bubones peftilentiales wider Peft-Beulen/ ein anders zu gemeinen 

Beulen / diefelbeaufzulöfen / und zu attrahiren / Empl. ad cancrofos 

Tumores zu KraͤbsSchaden / diro Kraͤbs⸗Schaden zuheilen / foer 

anders noch mit feinem Eifen eröffnet worden/ dito in Catharrho fuf- 

£ocativo & Abortu Rhumelii, Empl. Cephalicum,, Haupt-Pflafter / 
ein anders im Schlag/ ſchweren Gebrechen und Carcharren, dito Dia- 
phoreticum oder ißpflaſter / Empl. Diafulphuris Sultzberge- 
ri, dito Rulandi, Emplaftrum divinum,, einanderdadFebres, ditoad 

Fonticulos, $ontanellen-pflafter/ ditoNobilepro fonticulis, dito pro 

Fradturis & Luxationibusoflium, dito Gummatum Parac. dito ad 

gvamvis herniam excepta hydrocele, Bracdpflafter / Empl, Hydro- 

picum, Pflafter wider die Waſſerſucht / dito Ichiadicum wider dag 

Hufftweh / dito contra Lumbricos, wider die Würmer/dito magne- 

ucum Magneten-pflafter/ dito mercnriale feu anti Venereum, wider 
Die Frangofen / Empl.munus Dei, ed bat dieſes Pflafter alle die Tu⸗ 

nden an ſich / die das Empl.Divinum hat / nur das jenes etwas ſchaͤrf⸗ 

iſt / Emp!. Mundificativum reinigendes Pflaſter / Empl. in ma- 
millarum inflammationem, Pflafter in Entzundung der Bruͤſte / 
Empl. NigrumChirurgi Anglici.ſchwartzes Pflaſter wider die Bein⸗ 
Brüche und —— Zerfallung des Leibes / Empl. Nigrum 
dticticum ſchwartzes Stichpflaſter / Empl. ad Nodos & Dolores o- 
mnes venereos,breviter emolliens & ſanans, Pflaſter vor die Fran⸗ 
tzoſen / ſolche zu erweichen und zu heilen / Emplaſt. Norimbergicum, 

— Pflaſter / Empl. Oppodeldoch ſecundum Fel, Wurtzen / 

Emp!, Pleuriticum wider das Seitenſtechen / dito Saturninum Bley⸗ 
ſter / Empl. ad Scirrhos, Empl. Spleneticum de Cicuta, Miltpfla⸗ 
er / dito Spleneticum Forelli de Ammoniaco dictum Miltzpflaſter 

- bon Ammoniack / Empl.Stomachicum Kepleri Magen-pflafler / Em- 

plaftr.ad Tophos & gummata Qrea S,Clofl. Knipffel-pflofter / Em- 

plaft, in Tumoribus Serophulofis, Scirrhofis & nodofis plane irrefo- 
lubilibus, Empl,contra Vermes, ditocontra Verrucas, dito Velica- 
torium, Blafen-Zugpflafter/ Empl. Fluxus attradtivum ad fonticulos 

E& Veficatoria, Emmp', valnerarium, Ylt-Schaden-pflafter. 

Aller Pflaſter Kraft iſt emp)alliſch / underfüllet gleihfam / dann 

- wann man eines einen Theil uͤberlegt / fo verſchlieſſet es wegen feinee 


[>] 


Hebrichten Stüce die Bänge der Haut / hält die daͤmpffende Spiritus 
auf / und erhaͤlt des Theils Wärme. Inzwiſchen ift auch deſſen Krafft 
nicht müßtg/ ſondern berrichtet / von der Waͤrme des Thelis angerei⸗ 
get/ unterſchiedliche Wuͤrckungen / dannenhero man auch) fo unter⸗ 
ſhiedliche Pfaftern findet. DieCerata oder Cerota feynd don den 
Pflafteen nichts unterfchieden / als daß ſie ein wenig weicher ſeynd/ 
weswegen ſie auch gar oft unter einander confundiret werden. Die 
gebräuchlichfte Cerotain denen Offieinen feynd folgende: 
Cerotum ad abortum pr&cavendum, E, Betonica, Capitale Zur. Ceri« 
ne Ctefiphonis, Citrinum al, S. Laurentio, Diachalciteos, Diapalma, 
de Galbano feu matricale, Gratia Dei Zw. infri gidans Galeni, Mercu. 
riale Patavo al.S. Laurentio Oclypi, Diapiper, ex pelle arletina, pro 
Hernioſis zu den Brüchen/ is, facrum feu Diadiftamnum , Santali« 
num Sparadrapum Vigonis, Stomachale Hifpanicum , ad To 
Gallicosexulceratos,dito Venerisdiffolvendos, —— 


Pflatmen/ Purna, Frantzoͤſiſ. de Purnes, unter ſolchen ſeynd bie 
Ungariſchen ſo genannte Zwetſchgen die beſten / weil ſie nicht allein 
roß und ſtarck von Fleiſch / fondern auch im Kochen noch mehr aufs 
weilenund dick werden. Die beften Pflaunten müffen alle wohl 
cknet / hernach in faubere Fäffer eingeftampfft und trucken ber⸗ 
swahret werden. Aus Franckreich / fonderlich bon Bourdeaux kom⸗ 
men jährlich gange Schiffd-Ladungen Pflaument/ und auchbiel Brus 
nellen in denen Teutſchen See⸗Stadten an. Die unterſchiedliche ir⸗ 
ten der Pflaumen ſeynd als folget: Pruna vulgaria gemeine flau⸗ 
men/ an Farben roht und gelb vermengt / pruna — acida Kriecken / 
ſeynd von Farb ſchwaͤrtzlicht / von Geſchmack — ng / und alſo nicht 
viel geachtet / pruna Damaſcena majora gro Damaſcener⸗Pflau⸗ 
men/dito minoraatrocoeruleafeinere dito, pruna Hungarica majo« 
ra &paninora, item crafla (ubacida groffe Ungariſche Pflaumen/pruna 
magnarubra rotunda vel afınina, alınaria rohte Roß · Pflaumen / pruu= 
na magna flava rotunda gelbe Roßpflaumen, diefe beyde Sorten 
übertreffen an Groͤſſe alle die andern / pruna mali amplitudine flava 
Malonden oder Maronden/ pruna maliämplitudinerubra rohte di- 
to, pruna colore ceræ, excandido in luteum pallefcente , gemeine. - 
gelbe oder Wachsgelbe Spillinge/ pruna Cerea & Ceriola frlihzeitte 
ge dito, ptuna cerea ex parte rubra Spillinge halb gelb halb roht / 
pruna parva'albicantia, kleine weiſſe Spillinge / wie Tauben⸗Eyer / 
pruna ex flavo rufeſcentia mixti faporis gtatisſima C.B.desBri gnol · 
les Brunellen. | 
Die Pflaumen ifjet man entweder. friſch vder gettuchnet / oder in Zus 
der condist/ und dies entweder feucht oder trucken. Don den Zus 
genden der Pflaunien hat die dalerniſche Schule c. 41, nür Diefen eint+ 
gen Berk: * qq⸗ Fri- 


— 


976 Pfr Pho 
| Frigidafunt, laxant, multum profunt Tibi Pro. 
ſonderlich feynd die füllen zur Ermweichung des Leibes mit ihren lento⸗ 
.. ze lubrico oder fhlüpffrigen Schleim die bequemſten / weil ſie aber 
—8 den Magen widerlich / ſo dienen die Saurfüflen zur Speiſe 
er. | Bu 
> Pfriemen/ ift ein fpigig Inftrument bon Stahl / mit einem hoͤltzeru 
Handgriff / welches fonderlich die Riemers / Sattler! und Squfters 
gebrauchen / Löcher in das Leder damit zu ſtechen. 
Pfriemen · Rrant / Genifta. Br | 
‚ Pfund / eine gewiſſe Qvantität bed Gewichts / fiehe unter dem 
Wort Maaßund Gewicht. 
Pfund / ein gewiſſes Kraut / Lateiniſch Anagallisaqvatica. 
rg gmus; iſt ein gelinder Sinapifmus , der die Haut allein roht 
machet. | 
Pharmaceutica, ift dad Theilder Medicin, welches lehret / wie die 
Irgeney-Mittelfollen befchaffen feyn/ und zubereitetwerden / auch 
wieman felbige denen Patienten beybringen foll. | 
Pharus ‚ ein Leucht⸗ Thurn / Wacht · Feuer an den See⸗Strand / 
welcher bey Nacht⸗Zeiten denen in der See ſchwebenden Schiffen / 
fonderlich bey dundeln neblichten Wetter/ durch die darauf angezuͤn⸗ 
vete Richter/ Lampen oder Feuer ein Zeichen und Anmeifung giebet/ an 
welchen Ort der fichere Hafen zu finden fey. Jusgemein müffen die 
in einem Hafen ein oder auslauffende Schiffe/ zu Unterhaltung folcher 
See⸗Laternen der Wacht Feur/ ein gewiſſes nad) der Groͤſſe ihrer 
iffe contribuiven/ weil ſie alle Ihren Nutzen davon haben / und bey 
Racht · Zeiten / voraus in Gturmund Ungemitter / ſich darnach rich⸗ 
ten koͤnnen. 
Phengiticum Marmor, fonft auch Marmor Flavum genaunt/ iſt ein 
_ Marmor/ welcher gelbe durchſcheinende Adern hat / und zwifchen den 
Metallen gefunden/ auf Zeutfch aber ein gelber Spat genennet wird. 
Phillyrea, Liguftrum, Tilia, 
Philtrum „ etwas das durch Teuflifche Zauberen die Liche zu wege 
bringt. a” 
Phlegma, iſt der waͤſſer igte diftillirte Liqvor , bon deitSpiritu un» 
terichieden. 
Phlegmagogum, eine Argney- Mittel / daß die zähe Feuchtigkeit 
auspurgiret. | 
Phosphorus, LapisBononienfis , feu SpongiaSolis & Lunæ, iſt 
ein ſchwerer / grauer / glängender Gtein/ welcher / foer auf gewiſſe Art 


‚ealci- 


ealcinitet / und hernach an die Gonne oder bey einem Feuer geleget 
wird / die Klarheit und den Schein dabon an nd ziehet / und hernach 





in dundeln Orten leuchtet. Es feynd aber dieſes Steins unterſchied⸗ 


liche Arten/ einige laffen (ich in Täflein zerlegen wie das Frauen⸗Eis / 
andere haben weißlich glängende Streifen / wie das Antimonium , 


noch andere ind fchwark / und dabeymürb / und koſtetes biel Muͤhe / 


ebe ein folder Stein zum feuchten Fan wohl praparivet werden. 
Durch Kunſt gemachte Phosphori werden folgender geftalt zu wege 
gebracht: Nimm eine leineunglaffärteerdene S hy mache mit 
Spiritu Nitri und pulverifirter Kreide einen Brey / thue folchen indie 
— etwan eines Schillings groß / ſetze es ins Feuer unter einen 
Wuffel zu trocknen / es wird dabey ſehr ebulliren / nimm es hierauf 
wannn es trucken iſt / heraus / laß ed abkuͤhlen und imbibire es wieder 
mit Spiritu Nitri, dieſes thue s. oder 10. mahl / fo iſt es fertig. Hier⸗ 
auf haͤlt mans ein wenig gegen ein Licht / daß es warm werde / und trägt 


es alsdann im ein dunckel Zimmer oder Keller / ſo ſoll es leuchten wie 


ein breunendes Licht. - 
Phu Valeriana. 
Phyllitis, Scolopendria vulgaris. 
Phylion, archenogonon Mercusialis, 


Piecesde Rapport, eingelegte Holtz · Arbeit / welche unſere Teutſche 


Tiſcher nunmehro ja fo zierlich und beſſer / als die Frautzoſen zu ma⸗ 
chen wiſſen. Vide Mu/aifche Arbeit. 
Pieſen / Beta Teuthlis. 
Pigmenta, vide Farben. » 
Pigniolen / pinix nuces, Strobili, 
Pignus, vide Pfand. 
Pila Caprz feu Egagropila, vide Gemſen⸗Kraut. | 
Pilz Marinz, ANeerballen / kommen über Venedig / muͤſſen ſchoͤn 
Leicht und trocken ſeyn; Einige halten ed vor einen Schaum des 
Meers / welcher bon deu anwohnenden Leuten zu Ballen gemacht wird. 
Man findet viel See-Hunds-Haar / Steine / Sand und Mufceln 
Darinnen. Sie werden vor die Kröpffe gebraucht. 
Pilofellamaj. Aurieula Murismin, Ragelkraut / kleine Mãus ⸗Oehr⸗ 
lein / iſt ein zuſammenziehendes gutes Wund⸗Kraut. | 
piloſella min. Hifpida, Hifpidula, luropus fivepes Cati, Katzen⸗ 
fötlein/ Mäusöhrlein wachfen an trugen Orten/ und dienen vor die 
ungen⸗Geſchwaͤr. | 
‚ Pilule, Pilulen/ werben bereitet (1.) aus allen dürren Sachen / ber: 
mittelſt eines Flebrichten Ligvoris, (Gyrups/ Schleinis / infpishrten 
D49 3 Saſſts 


Phu Bil 977 


——— — vin — 
Saffts / Extradts, &c.) wann man dieſe beyde mit einander incorpori- 
ret / (2.) aus allen inſpisſirten Saͤfften und Extracten. Wiemol dieſe 
letztere beſſer in Pilulen zu bringen/ wann man ihr zugeeignetes Pulber 
darzu thut/ ald wann ſie nur bloß infpishiret werden. Die Art felbe 
zu bereiten beftehet darinnen, man zerftößt die darzu taugliche Medi- 
camenta gder Pulver mit einen leimigten und ſich darzu ſchickenden 
Ligvore in einem Wörfer / damit jich alles wohl vermiſche und bey⸗ 
ſammen bleibe/ und formiret hernach Pillen daraus. Unter aller» 
band Pilulen feynd die alterirende rar / gebraͤuchlicher aber die purgi- 
rende. Vide hierbon D. Schröders bollftändige Apoteck / lib, 2.cap. 
71. woſelbſt folgende alterivende Pilulen nahmhafftig gemacht wer» 
den: Als pilulæ aperitivæ Gröffnungs-Pillen/ de Bdellio, Cattorco 
pon Bibergeil / Catarrhales Fluß-pillen / Cynoglofla bon Hunds⸗ 
Zungs / Diaphoretice Schwißpillen/Diuretiex HaratreibendePillen/ 
Antepilepticæ, Febriles,. Hyfteric» Mutter - pillen / Narcoticz 
Schmertzſtillende Pillen/ Opiato moſchatæ, peflilentiales, Specificae 
in nimiefluxu Sanguinis, Starky, de Styrace bon Storax / conıra 
Tusfim wider den Huſten. * | 

Purgiren Pillen feynd de — bon Lerchenſchwamm / Mefux, ag- 
gregative minores meſuæ, dito majores, Aloe phanginz feu aromati- 
eæ, pil. ſol. meſ. de alae lota, Ammoniacogverc. Amftelodamenfes, 
Antifcor buticæ Timzi, Angelicz Beyeri, Arabicz Nicolai, Arthriti- 
ex, Benedictæ CapitalesLuchtemi, ditoD, Hannekenii, Catholic 
Heslingii, Cholagogæ, q. Cochix, de Colocynthide Damafceni, A. C. 
‚de Croco martis, Antieolicæ Charas, Diæteticæ, Epileptic&, Hoflın, 
de Euphorbio Mefu. Febriles antimoniales Hartmanni, dito Senner- 
ti, Fœtidæ Mef, de fumaria Avic, Gummofz, de Hermodaßtylis, Hie- 
za picra, Hydrotice Maffer-treibende Pillen’ Hydropicz Bontii vor 
die Waſſer⸗Sucht / Hypochondriacz Iliacæ Rhafıs vor das Darm⸗ 
gicht / ImperialesC. A. indæ Hali A. C, yon Indianiſchen Mirobolani, 
- delapide Armeno, dito Lazuli, Lucis maj. Mes, Ladano von Ladano/ 
Marocofline Minder, Maftichin@Concil. matricales Schafferi mar- 
wiales digeſtivæ, purgantes, de Mechoacannz Renodai, Mefentericz. 
de Aqvin Mercuriales, dito de Mezereo, de Nitro, panchymagog& 
papales peftilentiales, antipodagricz, polychreftz, Becoheri, de Rha- 


barb,mef.deSagapeno,Saracolla fine qvibus Nicolai D.R. Spleneticæ, 


Stomachicz Alkiodi, deSuccino, de Terebinthina detribus, de Sale 
«apadocio, Vitæ uſuales Arnifei, &c, 

PilyufaDiefcoridis, v, Efula, 

Pimento, eine Spanifhe Stauden⸗Frucht / eines Fingers lang / 
and ſehr ſcharffen und faſt wie Pfeffer beiffenden —— 7 


— 


4 
— — —— — 
⁊* —2 


Pim Piſ 970 
ſie lange Zeit in Saltz und Eßig muß eingeleget werden / um derſelber 
jhre Schaͤrffe und Hitze zu benehmen. 
Pimper⸗ Nuͤſſe / piſtachia Fiſtici, kommen aus Italien / und ſeynd 
mit daurhafften Schelffen umgeben; ſie loͤſen ſich aber in warmen 
| Waſſer auf/ und erfcheinet alsdann der Kern Brad-grün. Sie wol⸗ 
len ſehr trucken gehalten feyn/fonft werden ſie leicht vanigt. Hier zu 
Lande handeln mehrentheils die Italiaͤner damit / welche ſolche Pfund⸗ 
weiß verkauffen. | 
PimpinellaRadix , Pinellen⸗Wurtz wird abgetheilt in Pimpinel- 
lam Italicam, & pimpinellam vulgarem, Bon der Vulgari wird 
nurallein die Wurtzel gebraucht; Man theilt ſie auch in pimpinel- 
lam fanguiforbam , die abermahl zweyerley ift / als groß und klein / 
rauch und glatt; und in pimpinellam faxifragam , welches eigentlich 
die obgemeldte Pimpenell if. Taberoxmontanus rühmet diefe 
Wurtzel dermaffen wider die Frantzoſen / daß man auch mehr damit als 
mit der Salfaparilla foll ausrichten Fönnen ; Mit Waſſer und Bütter 
gefocht/taugt fie gut vor die rohte Ruhr. 
Pimsftein/ Pumicis Lapis, vel pumex, diefer Stein währt klar / 
art und grob / weißgrau und ſchwaͤrhlich. Der beſte muß weiß und 
icht ſeyn. Er kommt uͤber Venedig / iſt bisweilen ſehr loͤchericht: 
Man meynet / daß dergleichen Steine aus den Erna und Veſuvio und 
andern Feuer⸗ſpeyenden Bergen ausgeworffen werben. 
Pinas oder Pincke/ eine Art don Rauffardey- Schiffen. 
Pincatum gder Pincolatum, wird aus Pimpernüglein/ Zuder und 
Roſenwaſſer gemacht / wie fonften die Marcepan. £ 
Pingucdo, ift eben fo biel ald adeps Schmeer/ Fettigfeit. 
‚Pinguieula Viola humida feu palluflris, cucullata , Butter obet 
Schmeerwurtz / Kiwitzfett. 
Pinſel / Penicillum, Franhoͤſif. pinceau, werden don bielen Rünfke 
fern und Handwerckern / am melften aber von Mahlern gebraucht / des 
ren ihre Pinfel von Eichhornleins⸗Haaren / der andern aber ihre/wel« 
che nicht fo feine Arbeit damit zu machen haben / von Schweinöborften 
feynd/ jene werden Dugend/ diefe mehrentheild Stuͤckweiß verkauft. 
Pinys.fativa, pinez , Zirbel⸗Baumꝛ / Krafft ⸗Ruͤßlein / keumen aus 
Italien und Franckreich. | 
 Piper,vide Pfeffer. 
 Piperitis, Raphanus fylveftris, Pfefferkraut. 
Piflasphaltum, vide Afbalzum. | . 
Biltacia peregrina, Fructu Racentofo, TherebitthusIndiea , Wel⸗ 
| Dir 4 ſche 


980 Pif Blu 

ſche Pimper-Rupbaum/ waͤchſt biel in Italien ; Mau hat auch bey uns 

In denen Bärten Piftaciam Germanicam, nucem Veficariam vel folfi- 
 eularem, wirdaber wenig gebraucht. Es kommen auch viet’Pifkacien 

. aus Alten / fonderlich aber bon Tripolis, da fle die Holländer und En» 
— in groſſer Qrantitaͤt einhandeln / und zu uns in Europam 

berbringen. 

Piftolochia Fumaria Bulboſa. 

Pifum, Erbs. 

Pix, vide Pech. 

Aacage. heißt die Tiſcher⸗Arbelt / damit feinen Eben⸗ober Nu. 
baum⸗Holtz dünn in Tafeln gefchnitten/ ein ander grob Holt beleget / 
und eine fhöne Figur borgeſtellet wird, 

PlantaginisSemen , breiter Wegereich · Saamen / ift fehr gemein / 
wird im Herbſt geſammlet und trocken bewahret. Sonſt zehlet man 
such des Plantaginispber Wegereich folgende Arten: Als da iſt (1.) 
plantago major, latifoliarubra, groffer breiter oder rohter Wegereich / 
(2.) mittel Wegereich / plantago media, larifolia incana, (3.) Eleiner 
oder ſpitziger Wegereich/ plantago minor, ———— maj. (4.) 
Mofen-oder gefüllte Wegereich / plantago rofea, plantago multiplex, 

$-) Meer Negereich / plantago marina, Coronopus marinus, (6. 
he und fhmaler Wa er Megereich /Krofch-Jegerel Froſch⸗ 

oͤffelkraut / plantago agratica, latifolia & anguftifolia, groſſer / mit⸗ 
tel und kleiner Wegereich. Das aus dem Wegereich gebrannte 
* ex / {pl por die Mundfaͤule / Schwind⸗ und — t dienen. 

er Wegereich genoſſen / auf was Art und Weiſe er woile / ſoll die 

Blutflüffe ſtillen / auch wider den nächtlichen widerwilligen Saamen⸗ 
pie Die Blätter bon Wegreich reinigen den Wanden-Ge- 

chwür und Fiſteln / Vor den tollen Hunde: Biß iſt es auch * 
Remedium, dann es ziehet den Gifft aus / und heilet den Biß; es 
auch dieſes Kraut herba polyehreſia, eines etwas bittern und herben 
Geſchmacks, ſtillet alle Durchbrüche und Nafenbiuten.  . 

Planta, eine Pflantze / vide Kraͤuter. 

Planta Leonis, Alchimilla. | 

Platanus, Ahorn, 

Tieseinn/ vide Fiſche. | 

lumbagö Plinii, Molybdæna, item que) Lapis Molybditesges 
aaunt / vide Plurzbum, item Molybdena, 

Plumbum, Bley/ ift das unvollkommenſte / weicheſte und füßtgfte 

„ Metall unter allen / doch wegen ſeines Mercurü nechſt dem Bolde das 


‚ Fehwerefte- Das heſte unter den Bley⸗Ertzen ift das Glantz⸗ Ertz / 
ide Toͤpffer zu ihren an) wird feat auf 
‘Da 


— — —— — — — 
* 
J 


Pine P dc 981 
Galena plumbum minerale, und von den Frantzoſen Alqvifoux geheife 
fen. Wann es in groſſen Stüden / ſchwer und gleichſam fettig/ auch 
zart zu traetiren / und fchöne glänkende Schuppen hat/ und den hei, 
muht gleich ſiehet / fo ift esgut / welches aber voller Kiß und Stein / 
und mit vielen Bley⸗Ertz vermenget / tauget nichts. Die andere Art 
Bley-Ertz iſt pambago ceruſſa nigra, don einigen Lapis Molybdites, 
bon den Frantzoſen Crayion noir, von den Holländern potelot genen⸗ 
net / wobon allbereit unter dem Wort Bleyweiß Meldunggefchehen. 
Das Bley-Erk oder Glantz zu Pulver geftoffen / und geh ein ſtar⸗ 
ckes Feuer caleinirt/ gibt anfangs die Ochram plumbariam fadtitiam, 
oder das fo genannte Bleygelb / und dann Minium oder Mennig/ 
item dad Biey- Pulver / gebrannte Bley/ Schiefer⸗Weiß / Sandix, 
Masfıcots, oder Maflichot, daß Lythargirium, von welchen jeden un: 
ger feiner Benennung geredet worden. 
 Pnevmaticum, ein Artzney⸗Mittel wider die Rungen. 
poͤckel⸗Fleiſch / CaroSale condita, Frantzoͤſiſch delaViande Salte, 
iſt ſonderlich in denen See⸗Stadten / und auf ihren Schiffen gebraͤuch⸗ 
lich / als welche ſich zu ihrer langen Reis mit ein gut Stuͤck geſaltzenen 
Fleiſch / Speck / Butter / Gruͤß / Erbſen / Kaͤß Branutwein/ Eßig / 
Wein / Bier / friſchen Waſſer / Zweygebackenen Brod/ Saltz / Pfeffer / 
Oel / Licht / Holtz / Stockfiſch / Hering / Thran und Theer / und was 
dergleichen Victualien und fette Waaren mehr ſeynd / wohl verſehen 
muͤſſen / weil unterwegs in der See nichts zu befounmen / und der mit⸗ 
tenommene Vorraht das deſte thun muß Ob nun wol das fo genann⸗ 
ge Poͤckelfleiſch gegen Anfang des Winters ein bequemes Eſſen in 
Der Haus haltung iſt / da man wegen des boͤſen Wetters nicht allzeit zu 
Marck lauffenkan/ und auch die Schlachter das friſche Fleiſch theurer 
als im Sommer halten / ſo iſt doch auch der Mißbrauch deſſelben ſowol 
der Oeconomie als Haushaltung und bolicey ſchaͤdlich / weil nemlich 
bey manchmahl uberhauffig eingeſchlachteten Fleiſch unrahtſam damit 
umgegangen / auf einmahl ein zimliche summa Geldes darinn muß 
angeleget / und aus manches Burgers Wahrung genommen werden/ 
wofür er. noch lange Zeit hätte zu Schrang und Marck gehen / und ſein 
Haus DEE mit frifcher Speife verfehen koͤnnen / durch 
welchen den Scharbock (der gemeiniglich nach unmaͤßigen Genuß der 
gefalgenen Speifen die Oberhand nimmt) waͤre gemähret / und ſein 
uögefind mit einer Erfriſchung erguicdet worden. Endlich em⸗ 
pfindet auch die Policey das ihrige darunter / wann nemlic) derglel⸗ 
chen andermertö eingefalgenes Fleiſch bey 1000. und mehr Tonnen 
eführet/ dabey aber Fein Verſicherungs-Brief gegeben wird / ob 
ſches von gefunden / Franden oder gar — ich air 
195 u \ 





982 Poe 

ſey. Die einlandifhe Schlaͤchter werdenauch durch ſolcher Zufuhr 
des Tonnen⸗Fleiſches abgehalten / ihren Vieh⸗Handel weit herum zu 
extendiren / welches aber in Zeiten / da die Zufuhr des Tonnenfleiſches 
mangelt / groſſe Theurung und Mangel im Fleiſch bringen kan. In⸗ 
deſſen bleibet aber doch dieſer geſaltzene FleiſchHandel in feinem ho⸗ 
hen Wehrt ; dann wo ſolte Manche Flotte oder groſſe See · Stadt / die 
viel Einwohners hat / mit Fleiſch koͤmen gnugſam verſehen werden / 
wann nicht die Kauffleute in andern weitbegriffenen groſſen Viehrei⸗ 
chen Laͤndern / das Vieh (ſonderlich / da es wohlfeil / als wie in Poh⸗ 
len / Chur / Lief⸗ und Irrland zu haben) auftauffen; und weil es nicht 
lebeudig fortzubringen / ſelbiges ſchlachten und einſaltzen lieſſen / und 
fo nich ihren See-Plägen überbrachten ; bey welchen Handel nur dies 


ſes in acht zunehmen / Daß man entweder felbft in das Land reiſe / und - 
das lebendige Viehe einkauffe und ſchlachten laſſe / (fonderlich weil in . 


folder Handthierung der Talch⸗ und Leder-Handel mit eingefchloflen) 
oder auch / daß man aufrichtige Fattorsund Commißsarii habe / welde 
als eigen vor ihrenCommittenten zuſehen. Die beſte Art von ausländie 
fchen gefalgenen Rind-leifch kommt aus Mofcow und Irrland / wies 
wol das Ehurländifche auch nicht zu verachten. Geſaltzen Schaaf» 
Fleiſch gibt Jsland und Irrland das fettefte und wohlgeſchmackte / und 


penhagen aus der erſten Hand gehandelt werden. D aber auch 
das Poͤckel⸗Fleiſch nicht verderbe / ift vonnöhten / felbiges immer im 
frischer und volter Laack oder Poͤckel / Lateiniſch Muris genamit/ zu un« 
terhalten/ ſonſt wird es ſtinckend und ſchimmlicht / wann ihm die. Laack 
mangelt. Diefe Laack oder Muria ziehet ſich ſelber / wann das Fleiſch 
in die Tonne eingefalgen worden/ aus dem Fleiſch; je frifcher und an⸗ 
nehmlicher ſie nun viechet / je beſſer ftehet es um das Fleiſch. Diefe 
Muria wird aud) zu Dielen Leibs⸗Gebrechen / und fonderlich zum Uber» 
fchlag/ want man (ich underfehensverbrannnt/ gebraucht. Eine ge» 
machte Muria, Salg-Raaef oder Pöcel iſt diejenige/ welche man über 


Früchte/ die eingemacht werden follen/ nıit Salg und Waſſer machet / 


da man nehmlich fo viel Sal in das Waſſer wirfft/ und felbiges fleif« 
fig umrühret/bid ein Ey auf den Waſſer ſchwimmen Fan / welches ein 
* iſt / daß die Poͤckel nunmehro ihre voͤllige Golg-Rräffte era 
anget. | 
Pockenholts/ vide Guajacum Lignum, | 
Poocken⸗Stein / Zapis Variolatus , iſt ein dundfelgrüner und ſehr 
harter Stein / welcher auf einer Seite etwas erhobene uud hellgrüne 
Flecken gleich den Kinder-Poden hat / vahero er auch feinen Nahınem 
befommen. Er kommt aus Indien/ woſelbſt er Gamaicu — 


\ 


ini infnderheit das erſte von der Jsländifchen Compagnie in Co⸗ 


Doc Dot | 983 


hei ex die Krafft an fich haben / daß wann mar ihm In laulicht Waſſer | 


legt / und mit folchen denen in den Blattern liegenden Kindern das 
Geſicht wäfcht/ daß ſie vor den Pocken-Raͤrben dadurch follen praefer- 
viretwerben/ ja ihnen die Pocken gar unſchaͤdlich ſeyn / wann ſie dies 
fen Steim am Hald tragen. 
Pocken⸗oder China⸗Wurtzel / ſonſt auch Smilax afpera Chinenſis 
enannt/ eine glatte auswendig gelb⸗braune / inwendig roͤhtlicht weiſſe 
artzel / ohne Geruch und Geſchmack; kommt aus China, wird vor 
denen Materialiſten in die Feine / Mittel und Gemeine ſortiret; thut 
ehen den Effect als die Sarſaparilla. 
Podagra-Kraut / Ægopodium, Podagraria. 
Pœoma, Peonien fennd in Männlein und Weiblein unterſchieden / 
ſene werden auch Pfingſt⸗Gicht / peronia mas roſa benedicta & regia, 
„das Weiblein aber poonia foemina genannt; Beyder ihre Wurtei/ 
- Blumenund Saamen/den man Pöonien-Körner nennet / ſtaͤrcken das 


Haupt / und prefervirendor dem Schwindelund Schlag ; fenderlic 


ober feynd ſie gut vor die follende Sucht. | 
Pofift/ CrepitusLupi. 
Poley / Pulegium. 

Polemonium, Fraxinella. 

Poligonum, majus & minus Centumnodia , Weggras / Wegtrit / 
Denngras / Blutkraut / ſoll gut ſeyn zum Blutſtillen. Der Wegtrit⸗ 
Safft mit ſieben Pfeffer- Körner eingenommen / ehe der paroxiſmus 
des Fiebers komnit / vertreibt daflelbe ; aͤuſſerlich täugt er bor die 
Wunden⸗Geſchwaͤr und Engündungen. Vide Polgonum. 

Police oder Pols/ iſt dev Verſicherungs· Brief / welchen der Alſe 
urator unterfihreibt. Vide Afecwrixen, 

Poligonatum, Latifolium & Angullifolium, Sigillum Salomonis, 
wvird alſo genanut / weil dieſes Gewaͤchs MWursel gleichfam als ein 
Siegel traͤget; Die Wurgelfelbft / ſo man ſie in Wein kochet / 
sder infündiret/ und die Geſichts⸗Flecken damit beſtreicht / vertreibt 
— / dahero fie auch unter die Schminck-Waſſer gerechnet 
Bird, 

Polieen/ Frantzoͤſiſ. polir, heißt einen noch rohen Materiale, es ſen 
gleich Eiſen / Stein oder Stahl, feine Schaalen und berroftete Haut 

arſtlich durch Schleifen und Schneiden abzichen / und das polirte 
alsdann vermittelſt des Blech-Zunders / Schmirgels / ek 
dinn Aſchens und anderer befonders zubereitete Glang- Pulver (na 
dem nemlich der Stahl das Eifen oder die Arbeit/ fo fie poliren follenf 
gehärtet und hefchaffen if) hellglaͤntzend und ſchoͤn wachen, 


* 


ei 


' 





- — ——— — — — — 


Es gehöret aber zu ſolchen Poliven ein an einen ſtarck vinnenden Fluß 
wohlzangrrichteted Muͤhlwerck / an welchen das Wafler-Rad mit ſei⸗ 
nen Wellbaum von dem Flug herum getrieben mird/ fo dag ed mit der 
Stirn oder Kamm in die Kumpff / Trieb und Spindeln ded Melle 
Baums eingreiffet / und die an einer eifernen Stangen befeftigte 
Scheiben und Steine / vermittelt gewiffer Riemen herum treibet/ 
und an deren Blätten härte / die daraufangehaltene Waffen und In- 
ftrumenta poliret und glängend machet. 
Diefe Scheiben befteden theils aus Gtein/theils aus Holtz / theild aus 
Stahl / und feynd die hölgerne öfters mit Kupffer / Bley oder Leder 
überzogen / nach Erforderung und Befchaftenheit der fo mancherley 
ihnen vorkommenden Arbeit. 
Bon dem Poliven der Edelgeſteine und anderer durch Kunſt gemach⸗ 
ten Flüſſe ift zu mercken / daß felbige mehrentheils anf einerlen Art ges 
fchnitten und polivet werden/ nemlich man ſtreuet geftoffenen Schmir⸗ 
eL auf die Bley. Scheiben mit Waſſer / Hält den Stein darüber/ und 
hneidet ihn. Aufeine Zinnernen Scheibe aber firenet man gerie⸗ 
benen Trippel mit Waſſer / und thut ein wenig Kupffer-Afche daran» 
ter / und polirt ſie. — — 
Auf einer glatten Bley⸗Scheibe ſtreuet man ſubtil pulveriſirtes Anti- 
monium, mit Trippelünd Eßig; hierdurch poliret man nicht allein 
Glas / Chryſtallen / Granaten / Chalcedonier, Agathen und Amethy- 
fen gar ſchoͤn / ſondern auch alle andere natürliche Steine / auſſer den 
Diamant. Der Diamant allein wird durch ſich ſelbſt geſchnitten und 
polirt ; welcher Diamant pon Schmirgel/ Bley / Kupffer oder andern 
aus Metallen gemachten Sachen angegriffen oder gefchnitten wird/ 
ift falfch. Und diefes ift die einige Probe des Diamanten | 
Alle andere edle und harte Steine fonnen mit Metallen und Schmir⸗ 
gel gefchliffen werden / ihre Polirung aber ift unterfchiedlid). 
Topas, tie aud) Saphir feynd nach dem Diamant biehärteften: Gie 
werden am beſten nit Spießglas und Eßig auf Bley polivet/ item mit 
Feuerſtein und Waller auf Kupffer, | 
DerRubin ift den Saphir ander Härte fchier gleich wird dannenhero 
eben auf felbige Weifepolivet. . 
Smaragd wird polıret mit Then und Waſſer auf Birubaum⸗Holtz / 
oder mit Trippelauf Holtz / oder mit Spießglas auf Zinn. | 
Der Berillmitgebrannten Perlen Mutter oder Mufcheln auf weiſſen 


‘eder. . 
Dr Balaſius mit Spießglas oder Wißmubt auf Kupffer / oder mit 
Muſchel auf Leder/ item mit Amethuften- Pulver, 
Topas mit Leder aufzinn. = 
mi 


— — —— — — ® — — 


Pot 085 


— — — r — nn — — — 
Amethyſt mit caleinirten Feuerſteinen / oder mit Trippel auf Birn⸗ 
baum⸗ Holt. 
Der Türckis wird polirt wie der Smaragd. 
Garneol , Onix, Agath, Chalcedonier und lafpis werden politt auf: 
Zinn / mit Trippeloder Zeuerftein auf Birabaun-KHois/ und Spieß⸗ 
glas auf Bley. 
Chryftall mit caleinirten Chryſtall auf Lindenholtz. 
Den Chryfolic auf einer Rupffe Scheibe mit Marcaſit Pulber / dad 
geftoflen oder. geflöflet iſt. 
Amethiften, Topafen, Türckisund andere weiche Befteine/ polirt 
man auf finden-Scheiben und aufder Scheiben vou lautern Zinn / 
auch aufder Scheiben von Leder / und zwar polivt man die Steine 
zum erften unten/ und dann oben aufder Linden · Scheiben / fo gewin⸗ 
nen le ihvenvechten Schein. | 
Die weihen Steine fol man anılegtenpoliven mit trockenen Pulver 
auf der feder-Scheiben / und die harten polivt man auch eben auf der 
Binden» Scheiben. Das Pulver zu weichen Gteinen made alſo: 
Nimm Eiſenfeilich / miſche es mit Eßig und —* laß es ein Tagz. 
oder 4. je mehr je beſſer / ſtehen / dieſes ſoll man reiben / einfloͤſſen / hien⸗ 
auf trockenen / und dann in einen Hafen / der recht wohl vermachtiſt / 
hrennen / daß keine Lufft darinn komme / fo iſt das Pulver bereitet. + 


Polium Montanum Cupreſſus Herba, Berg: Poley/ weil er ander» 
gen gefammlet wird / muß einen fehr ſtarcken und lieblihen Geruch 
ben, iſt grauweiß / hat laͤngliche Blätter/wie ein WelfherOvendel, 


Pohlniſche Waaren feynd vielerhand Korn / als Rocken / Wai⸗ 
n / Gaͤrſten / Habern / ıc. rohes und zubereitetes Leder / Stein⸗Saltz / 
chs / Meht / Honig / Talch / Pferde / Schaaf und Rind-Vieh / 
Lammwolle / Federn / Gallmey / Peltzwerck / ſonderlich aber Bern / 
Wolff⸗ und Biber⸗Haͤute / etwaß von groben Tuch; viel Hanff / Flachs / 
Theer und Pottaſch / und dann die ſchöne Farb Coceus „fo von den in 
Pohlen hauffig wachfenden ie eſammlet wird. Da⸗ 
| — werden wiedernach Pohlen h ſhen allerhand Seiden⸗ 
und Wollen⸗Zeug / feine Hollaͤndiſche und Engliſche Tücher / Leine 
wand / vielerhand Nürndergifche und Frautzoͤſiſche Krahm⸗Waaren / 
Qunqyvailleries, oder feine Eifensund Gtahl-Manufadturen ; biel 
Gewuͤrtz / Zucker / eingemachte Sachen / Hering / Stockfiſch / Franſch / 
Rheiniſch / Ungariſch und Spaniſchen Mein / Gewehr / Gold und 
Silberne Spitzen; Farb⸗Waaren / koſtbare Mobilien, Droguiſte- 
reyen / und was etwan ſonſt in andern Euvopdifchen Reichen und Pro- 
vinzien ſonderbahres waͤchſt und fäbricıvet wird / welches in Pohlen 
um ſo viel heſſern Abgang findet / weil die Pohlen an ſich ſelbn u 
— ie 


986 Pol — | 
viel auf die Handwercker Halten, fondern diejenige / welche ſolche una 
tex ihnen treiben / mehrentheils (gleich wie in Spanten) Ausländer. 


feyn. 4 
Es gefchiehetaber der größte Handel von und nach Pohlen über Dane 
tzig und Koͤnigsberg / woſelbſt die Pohlnifche Edelleute / wann fiemit 
ihren voll Korn beladenen Struſen oder langen Schiffen / die Weich⸗ 
fel und’ andere Flüffe herunter kommen / ihr vor das Korn erhobenes 
Geld reichlich wieder in andere Waaren anlegen / und eben nicht viel 
Dingens machen / fondern / wie eseine fehr genereufe , hoͤfliche und 
 großmühtige Nation iſt / wann ihnen anders nur mit gleicher Maaß be> 
egnet wird / alfo auch den Kaufleuten guten Profit geben, . 
hre befte Handels⸗Plaͤtze in dem Rande felbft/was den Hand-Rauff 
anbelanget/feynd die Stadt Warſchau / wegen der daſelbſt ſich in Frie⸗ 
dens⸗Zeiten befindlichen Reſidentz / und wegen der vielfaͤltigen Reichs⸗ 
Taͤge / die daſelbſt gehalten werden; die ſo genannte Pohlnifche Liſſa 
ift auch der Handlung wegen berühmt‘/ und wohnen daſelbſt viel be⸗ 
mittelte Kauffleute/ ei de Juden / welche groſſen Handel mit 
Pohlnifcher Wolle treiben / und viel taufend Stein jährlich nach 
Standfurt ander Oder indie Meffe bringen. In Littau ift Wilde 
die Haupt-und vornehmſte Handels-Stadt; Eracan hat mit Ungarn 
und Schleſien einen ſtarcken Handel; Go profitivt auch Leipzig viel 
Bon Pohlen/ weil infonderheit die Pohlnifhe Kaufleute die Meflen 
on fleiftgfreqvenuren / und einen confiderablen Handel darinu 
ausmachen. | | 
Die Muͤntz ⸗· Sorten in Pohlen betreffend / beſtehen felbige in fol» 
enden: 
inSzelong iſt ſo biel als ein Schilling: 
Grosz,einGrofch oder 3. Schilling / gilt einen Kreuger ; man hat 
auch doppelte Groſchen / ſie ſeynd aber nur einfach / dann diedoppelte 
dreyfache ſeynd zimlich dünne worden / weil ſie treflich Silber 
alten 


Paltorack iſt ein Stüd bon 4. und einen halben Schilling / z. machen 
einen Dütgen/ s. aber 2. gute Groſchen. 
Trojackoder ein Dütgen / oder, Schillinge / oder 3. Groſchen iſt ſo 
viel als ein Kayſer⸗Groſchen. 
Szoftack ein Sechſer / ſeynd is. ß. oder 6. Groſtchen oder e. Kayſer⸗ 
Groſchen / alſo machen5. 820ſlack ı, Zlotus, oder 3, gute Groſchen. 
Opt / ein Ort ſeynd is Groſchen oder s, Kayſer⸗Groſchen / s. Ort ma⸗ 
chen einen Thaler ; die beften ſeynd / ſo die Staͤdie Thorn / Elbin⸗ 
gen und Danzig ſchlagen laſſen. u 
 Zlotus ein Gulden / hält 30. Pohlnif. Br. oder ı0. Räyfer oder 3» gute 
Groſchen / man trifft ſie aber in einem Stuͤcke felten in Payne, 
| ö opa 


Pol 987 
Kopa, zwey Bülden oder 2. Drittelftüche/ deren auch nur ausländifche 
gefchen werden / die rohten Schillinge folten zwar auch gelten / al⸗ 
lein es will ſie niemand höher annehmen/ als 3. vor einen / oder aufs 
. wenigftes. Schilling auf einen Groſchen; geben alfo ıs. Schilling 
. einen Trojack (oders. Gr. rohte Schilling) 30. einen Szoflack , 
(oder io. Br. Schillinge) ıso, einen Zlotus oder so. Br. Schill. 
Die Tymten, worauf Nullafalusbello, &c. feynd zwar auf einen Zlo- 
tus geſchlagen / man nimmt ſie aber nicht höher ald vor iz. Groſchen 
oder einen Ort / und da ſonſt z. würden einen Thaler gelten / muß 
. mans. darzu nehmen. Ihren Rahmen haben fie von dem Muͤntz⸗ 
meiſter / der Timpfigeheillen/ empfangen. ö 
Ein Duraten in Gold hatordinaire 6, fl.und mitder Lagior3. nad) 
rohten Schillingen 12. auch 123. Gulden. 
Von der Pohlnifhen Maaß und Gewicht / vide unter dem Wort 
WMaaß und Gewicht / item unter den Woͤrtern Dangigund Ad» 
nigsbag. Ä 
Polyehreftum, da3 Hiel Tugenden hat. 
“ Polygola, Ereusblümlein. BE 
» Polygonatum, Sigillum Salomonis, Welßwurtz / waͤchſt in Waͤl⸗ 
dern / und dienet bor den weiſſen Weiber⸗Fluß; aͤuſſerlich aufgelegt 
vertreibt ſie die Geſchulſt / und lindert den Schmertzen des Podagra. 
polygonum majus Centum nodia, Herba proferpinaria , Weg- 
gras / Wegetrit / Tauſendknotten / Blutkraut / iſt ein gut Wundkrauf / 
und dienet dor die Bauch⸗ und Mutter⸗Fluͤſſe. 
Polygonum minus, Herniaria. . 
Polygonum Polonicum Cocciferum , Pohlnifches Weggras / fo 
Purpur⸗ Koͤrner träget/ und häuffig um Warſchau herum/ item in der 
Ukraine waͤchſet / in Teutſchland aber St, Johannis-Blut genennet 
wird; iſt von Camerario in feinem Epitome Matthioli, item von Ca- 
fpar. Bauhino &c. weitläufftig befchrieben. Vide hiervon ein mehrers 
unter dem Wort Chermes. | | 
Polypodii Radix, — oder Engelfüß/ waͤchſt auf den Stet · 
nen und Klippen / an Eichbaͤumen uud alten Waͤnden. Die an > 
bäumen iſt die befte/ aber var ; Sie muß ſchoͤn braun / inwendig gelb⸗ 
grün feyn/ und tun Abdoͤrren auch alfo bleiben. Die Wurtzel purgi- 
vet dieverbrannte Galle und sahen Schleim/ dienet auch vor die Ber» 
ffopffung der Bruft und Leber. 
Polypolium, vide Menopolium. 
Polythrichum aureum, adianth, aureum, Ofheinar, Trichomanes 
Pomade, vide Salben | 


— Pomam- 


) 


988 Vom Pon — 
Pomambra, ein Bieſem⸗Knopff / dermit wohlriechenden Sachen 
als R.Styrac, calamıt, ligvid, mofch. ladan, ana halb Qyentl. Cina- 
mom, caryoph. Santal. citr.ana2, Qvintl, N.M.lign. aloes, Gum. 
elem,ireos. illyr. ana z. Scrupl. Mucilag. tragacanth cum Vroſ. 
Maſſa angefüllet. I Eee - 
Pomerantʒen;· Baum / Malus aurantia. 
Pomerantzen / Aurantia, Nerantia., Aurea five Aurantia Mala 5 
Frantzoͤſiſch Oranges, ift einebefannte Frust / welche häuffig in Ita⸗ 
fien/ Spanten/ Franckreich und Portugal waͤchſet; Sie wird zwar in 
Teutſchland aud) durch groffen Fleiß und Martung gezogen / kommt 
aber wegen deö falten Climatis nicht zur Reifung. Es fenndaber die 
Pomerangen zweyerley Arten / dereneine gang ſuͤß und annehmlich 
zueffen/ und ſolche werden Pommesde China , Aepffel-Gina / oder 
Oranges dc Portugal genennet / weil ſie erſtlich aus Chyna gefommen/ 
und zwar durch einen Geiſtlichen / der einen ſolchen füllen Pomeran⸗ 
hen⸗Baum mit ich nad) Portugal gebracht / und daſelbſt gepflangetz 
bon welchen hernach fo viel tauſend andere entſproſſen / die heutiges 
Tags ganhe Schiffs⸗Ladungen bolldiefer herrlichen Früchte ausge 
ben. Die andere Art iſt ſaͤuerlich / und nicht fo voll Saffts / hat. auch 
bittere und dickere Schaalen/ als die erſte / welche Hingegen zum Auf⸗ 
trucfen und Einnsachen beſſer ſeynd Was die Pomeransen-Blüht 
por einen. herrlichen Geruch und Elfeng gebe / ift genugfanı befanut / 
und wird mit folher Blüh und den Pomerantzen⸗Schaalen / aud der 
Frucht felbften/ geofler Handel / fonderlich aus Portugal und Stalie 
nach Teutfchland getrieben; wie dann in guten Zeiten eine Kifte ſchoͤ⸗ 
ner und friſcher Aepffel-Sina , die gemeiniglich 5. bis 600. Stücke in 
ſich Hält / in Hamburg vor wenig Thaler berkaufft wird. In Ober: 
Teutſchland haben ſich dieſes Commercium allein die Italiaͤner zuge 
eignet/ und treiben ſolches mit nicht geringen Vortheil. | 
Pompholıx, vide Nibilum album oder Weiß nichts / item Tutia, 
- Pomum Hierofolymitahum, mirabile momordica, 
Pondus, ein Gewicht / ponderiren / abwaͤgen. 
Pontifeher Wermuht / abfınthium Ponticum, 
Pontiſche Wurtʒ / Rhabarbara , Rhaponticum verum, Rha, 
Rheum, Rheon, ’ 


Populeum unguentum, Pappeln:Salbe / aus eln⸗Knoſpe 
und Schwein⸗Schmaltz gemacht. — 
Populus, Pappelbaum iſt insgemeln zweyerley / als populus alba 
vel Leuce,& nigra vel egeros, weiſſer und ſchwartzer Pappel; Die 
Gemmz oder oculi, fo auch Spermata und Alber⸗Knoͤpff heiffen / die» 
nen vor das Zahn ⸗Weh. Das Waſſer ſo in den holen und abgehaue⸗ 
nen 





Por 989 


— — — — — ———— —— — — — 27 
nen Pappel⸗ Staͤmmen gefunder wird / vertreibet die Wartzen und 
Flecken des Geſichts. 
Porcellana, portulace, - | 
' Porcellan, de la Pourcelaine, komnit and Oſt· Indien / und beflehet 
in allerley Toͤpffer⸗Geſchirr / als Schaalen/ faubern Thec-Zeug und 
uaterſchiedlichen Zierrahten / mit welchen ſonderlich in Holland die 
Gemaͤcher ausgezieret werden. Dieſe Waar / ob ſie wol ſehr gebrech⸗ 
lich und koſtbar / iſt doch allenthalben bey vornehmen Leuten fo im Ge⸗ 
brauch gekommen / daß auch — * gange Cabinet holl davon zugeleget 
haben / und ſolches als die Raritaͤten ihres Hauſes denen Fremden zei⸗ 
gen. Der Einkauff des Porcellains geſchiehet hieſiger Landen aus 
der erſten Hand von denen Oſt⸗Indiſchen Compagnien / welche diefel- 
be in China erhandeln/ und zu uns in Europam überbringen. Einige 
ftehen in der Meynuug / ob wuͤrde die Mallk , aus welcher die Porces 
lain⸗Geſchirr formiret werden/ auß calcinirten Eyerfhaalen/ Gum- 
mi Arab, Waſſer und Eyerweiß praparivet/ welches zufammen zu eis 
nen Teich gemacht / in eine Forme gedruͤcktt / und ferner (wie wir et» 
wan hier zu Land das Porcelain nachzukunſteln pflegen) an der Son⸗ 
nen getrucknet; ſolche Mafaaber ſoll einiger Reis-Befchreibungen 
Bericht nach / wolhundert Jahr zuvor von denen Vor-⸗Eltern ihren 
Nachkommen gant fertig praparivet hinterlaffen worden wiewol ans 
dere das Widerfpiel behaupten/ und vorgeben/ daß es ein — 
oder leimigte Erde ſey / welche nahe bey der Stadt Neeicheun gegraben 
werde / aus welcher — die Chinenſer, und zwar nach gemeiner 
Toͤpffer⸗Art ihre Gefaͤſſe formirten. | 
Ben und in Tentfchland Hat man von einigen Jahren her / eben wie tn 
Holland angefangen/ die Form und Couleuren des Indianiſchen Por⸗ 
celain⸗ Geſchirr nadhzufünfteln / auch darinn zu Hanau und Berlin 
tnalich reushiret / wiewol den Sinehfchen / ob ſeiner Reinigkeit und 
archſichtigkeit der Preis vor allen andern unwiderſprechlich blei⸗ 
bet. Was etivan fonft noch denen Kaufleuten von Töpffer-Arbeit 
unter Händen kommen möchte/ feynd die Tobacks⸗Pfeiffen / unter wel⸗ 
chen abermahl die Holländifchen ihrer Zeine und Zierlichkeit wegen 
den Preisbehalten. | oo Ä 
“_ Porcillen,, beftehen aus einen Saturninifchen und Arlenicalifchen 
Weſen / ſie werden durch Kunſt nachgemacht / mit Sand / Galpeter/ 
Borras, Bleyweiß und Operment, tan kan aber dieſe falſche Steine 
leichtlich durch ihre Weiche uud das Anhauchen erkennen. ne 
„Poroticum, das eine zarte Narbe zeuget. F 
Porphyritcs Lapi:, Porphyr⸗Stein / iſt ein rohter ſehr harter Mar⸗ 
morftein/ welchen durch das Reiben nor ober wenig abgehet / Ban 
| BRxrr | nenhero⸗ 


nenhero er zuden Mörfernund Reibfteinen bon den Apothedern und 
Mahlern gebrauchet wird. Go der Porphyrftein einige. weille Fle⸗ 
chen hat/ nennet ihn Plinius Leucoftidtos, Rulandus .erzehlet vierer⸗ 


ley Geſchlecht des Porphyrs / als da iſt porphyrites uniformis , dito 
ruber candidis punctis diflindtus, dit. Ratisbonenſis, dit, rutilans cum 


candidis maculis, dito ruber Bohemicus, dito in rubro candidus Bel- 


gicus, dito Annabergicus in metallis repertus, Soc. 
Porrum, auch / iſt entweder domeflicum vel fylveltre zahm oder 


wild/ jenes heißt porrum capitatum Yefch- Lauch / item porrum fedti- 
vum, velfe&ile Schnittlauch ; der wilde wird genennet porzum ſylv. 


ſ. agreſte Schnitt-und Afch-Laud) ; die Wurtzel / Blätter und Saa⸗ 


men zertheilen/ treiben den Harn / und befoͤrdern die Geburt. Zu 
Biel Lauchs gegeffen/ macht unruhige Nächte, und böfed Geblüt. 

Porft/ Tamarifcus, Bryaria, Myrica, nr 

Port / Portus, port de Mer, ein Seehafen oder Anfurt / vergleich 
ein jedes an dieoffenbahre See augrängendes Land feine befondere / 
fichere und wohlsrenommirte hat. 

Port desLLestres, Pofl-oder Brief-Beld/ iſt manchmahl ſehr unbil- 
fig und ungleich angefeget/ und ſtuͤnde noch zu difpuriven/ ob das hoch⸗ 
geſetzte Poft-Beld die Handlung nicht mehr Schaden ald Nutzen brin⸗ 
ge; jaobdie Poften ſelbſt dadurch mehr profitiven oder. verlieren / 
wann le dieCorrefpondeng mit fo hohen Porto belegen / weil id) in 
diefem Fall ein jeder auf duͤnnes Poft-Papier / das Einfhlagen der 
Briefe und Menagirung der Correlpondeng befleifiget/ welches alles 
— geſchehen winde / wann die Billigkeit im Poſtweſen obferviret 
würde, N ü 

Portio, eine gewiſſe Abtheilung. 

Portugiſiſche Waaren feynd mehrentheild diejenige / welche (fe 
aus ihren in Oftsund Weſt⸗Indien liegenden Provineien befommen/ 
als Zucker / Pfeſſer Zimmet/ Ingwer / Brafilifhen Toback / Coche- 
nille, Indigo, Campech-Holtz / Medicinaliſche und andere Drogues 
und Specereyen / Perlen und Diamanten / x. In dem Lande ſelb⸗ 
ſten haben ſie Wolle / ſuſſe Pomerantzen und Citronen / Oel und Oli» 
ben/ Salt und vortrefliche Weine / 0. Rad; Portugal führet man 
Flachs und Henff / Leinwand / Eifen/ allerhand Korn und Hülſen⸗ 
Früchte / Sarges, Tuch / Band/ Zwirn / allerhand Beine Rrämer/ fon» 
verlieh Rürnberger-und Eifen-WBaar / Papier und zubereitetes Le⸗ 

er/x. 
s, Arobba Zucker oder Toback zu Liſſahon und PortaPort hat 32. TB, 

thut in Hamburg 30. Tb. * 
ı. Schifflb. Flachs In Hamburg rendirt in Portugals. en 

j 4 — I. Un- 


— 


soo 


P or 998 
1. Qvintäl diät 4, Arobba oder 128. Tb. . 
105. B.ʒu Liſſabon machen 106. Tb. in Famburg. 

1. Moy Korn oder Galp hat 50, Algver, und 4. Moyen rechnet man 
aufeine Laft. ‘ vi » 
26, Almuden Delthunalldbaeine Pipe. . u | 
4.Riften r oder 4. Pipen Olie vehnet Man anhero boreine Laft, 

imgleichen 
4000.16. Tobad oder 3,00. 15. Schmack / wird nah Hamburg vor 
eine Lafl gerechnet. j 
Alle Jahr fahren von Hamburg / Lübe und Danpig / ſonderlich von 
dein erften Ort / unterfiedlihe Schiffe nad) Portugatab / mit wel» 
chen oberzehlte Waaren in groffer Dbantität hevaus kommen / und 
alsdann ferner hin und wieder in Zeutfchland verhandelt werden. 
Die Ellen⸗Maaß in Portugal iſt nad) Barros & Cavidos eingeriche 
tet/ und thun ı00. Amfterdamer Ellen sı. Piffabonifche Barros , und 
hingegen 100, Barros 164, Anafterdamer Ellen/ 100, Portugiſiſche 
Cavidos thun 100, Amſterdamer Ellen. DieCavidos bon der In⸗ 
ſul Fayal undandern Inſuln / dieman Flandriſche nennet / und 
melde dem König von Portugal zugehoͤren / feynd gleich mit der 
Amfterdamer Ehen. | 
240, Algviers Korn werden zu Liffabon dor .Amfterbanierkaft gere 
net / oder vor 4. Muids, habende das Muid so. Algvieres, man theilt 
auch das Muid in ı5. Fancgues, und die Fancgue in 4. Alqvieres. . 
In denen Azores-nfuln/die den Koͤnig von Portugal unterworffen / 
rechnet man so. Alqvieres Vor 1. Muid, oder 27. Scheffel oder ein 
Viertel Amſterdamer Laſt / daß ulfoz4o. Algvierseine Laſt machen. 
Das Korn / ſo bon der Inſul St. Michael nach Madere übergeführet 
wird / gibt 4. Alqviers Ubermaaß auf so. Alqviers, welches c. pio 
Cent. austraͤgt. | | 
. Die Muͤntʒen in Portugal werden eingetheilt in Res, Rees Öder Raix, 
dabon 400. eine Cruzade machen / dereñ man ſich in Wechſeln auf aus⸗ 
laͤndiſche Oerter bedienet; etliche nennen fie Ducaten / wiewol man 
auch auf andere Oerter auf dem Fuß bon iooo. Res wechfelt. 
Die Ufances feynd berechnet.bon.», Monat / und doppelt Ulanee bon 
4. wattn man nemlich auf Holland / Braband/ Flandern und Engeland 
mechfelt. Der Wechſel auf Franckreich geſchicht vermutelſt der 
 Correfpondenf ten / Anttverpen oder Humburg. Wiu 
man auf die Azores oder Klandrifche ufuln / ald Fayal, Tercera und 
dergleichen wechfeln / ſo muß es vermoͤge der Correfpondence , die 
man zu Eiffaborhat/ gefchehen. er. | 
Die Handels⸗Buͤcher in Portugal — gehalten ki Millions, 
— ir 2 | Mil- 


992. Bor 
Milliers, unb in Sundertenbon Rees , indem man erftlich Die Hunder- 
—** ni ie . a mit der — und die 
Unonen von denen Milliers durch einem Punet auf folgende Manier 
Ma und unterſcheidet: — 8 
4: 229. | 450. Rees, 
2; 041. 103, 
690. | o21, 
61 960 | 674,.R8s, 
welche Summa ausgeſprochen wird s.Millions, 960, taufend/474.R ss, 
oder 6960674. Res. J 
Die wuͤrckliche Müngen in Portugal ſeynd als folget: 
Groſſe Ducaten Goldſtücken / welche roooo. Kes gelten. 
Des Poppio Moeda oder doppelte Piftohlen von aooo. R£s; 





Des Mocda, oder 1. Piftohl von - 2000, R&s, 
De My Moeda oder halbe Piftohlen von 1000. Rẽs. 
Ä Silberne Müngen feynd : 
ie Pataguesober Patagons, diefegelte 6o0o. Rees. 
Dienicht margvirtenPatagons 00. Res. 
Die marqvirten Cruſadssss 00 .kKkes. 
Die Stuͤcke vons. Reaux de platte, welche Ao. 1643: mar quirt worden / 
elten aA. ⸗ 430.Res 
Die Teftonspber s. Vintains - - _ 100,R8s, 
Die von 4, Vintains na - go.Res, 


Mon, Vintaia . - 20.R&s, 

on ein halben Vintain, in Silber und Kupffer 10. Kẽs. 

Die Spanifche Piftohlen werden gegehltyor 2000. Res. 

Die Piaftresoder&tüd von s.Spanif. Realen gelten 750. Res; 
Die Wechſel⸗Preis in Portugalfeynd / als folget: 

Auf Holland / Braband und Hamburg 1. Cruzade' vor 40. hiß co; 
Groot Flaͤmiſch. — Er 
Auf Spanten 200, dis 260. Cruzades, vor 100, Ducaten bon375. Ma- 

ravadıs, RR : 
Auf Franckreich soo. bis 750. Res, Horr.Eeudon co, Solsteurnois, 
Auf dFlorenh 600, biß 750. Resbor 1. Ecu bon 73. Lirea. 
Auf Benta 600. bis 750. Rẽs, dor i. piaſtre Vens. Lires, 
AufLivorno soo. his 750. Res bor ı. piaftre bon s.Lires. 
a Engelaub — Res * — * 4 —— Sterlings. 
€ Cruzados bon 400, Res ſeynd diejenige / deren man ſich in = 
feln bevienet. * in N 
Bon Port a port wird pie geſtalt auf fremde Pläge / als wie yon 
giffabon aus gewechſelt. Por: 


——— I 
Por Pet 993: 
Portugiſiſch Anemone Roͤßlein / Anemone Lufitanica. & ; 
Portugiſiſch Hanenfuß / Ranunculus Lufitanicus Cluſũ. 
Portugiſiſch Steinſpargen / Corruda Luſitanica, Alparagus 
Luſitanicus. | 
Portulacz vel porcellanz femen, Bortzel⸗ o der Genſel · Kraut ⸗ Saa⸗ 
men / iſt klein / ſchwartz / ſtetig friſch und ſafftig; in Handlung wird 
nur der Saamen gefuͤhret; Er waͤchſt wild und zahm. Man finder | 
dreyerley portulac , als (1.) zahme / ſo auch fette Henne ge⸗ 
nennet wird / (2.) wilde Burkel/ portulaca anguſtifolia, ſive ſ, yheſtris 
enannt / und (3.) portulacum marinum Meer⸗Burtzel. Dieſes 
— die Fluͤſſe / iſt gut vor die Schwindſucht / innerliche 
Hitze und die Wuͤrmer. | | | 
Pofca, befiche Oæycratum. | F 
Poſt / Chamæ loagnos. | 
Potentilla, Anferina. I 
Potio, ein Trindbarer Liqvor , in der praxin aber werben nich» 
rentheils Purgir-Trändeverftanden. Die Weife/ felbe zubereiten/ 
beftehet nur in einer Bermifchung / welche / wann die Sache / die aufe 
gelöft oder diluirt werden foll/ vifcos oder klebricht iſt ineinen Moͤr⸗ 
«fer vollbracht wisd s darum fo heißt man dieſe Art Trände auch Mixtu · 
ren / wiewol das Wort Mixtur Yon denen Neorericis nicht allemahl 
vor einen Tranck pro unaDofi gebraucht wird / fondernntan hat jetzo 
Mixturen/ davon man nur etliche Tropffen auf einmahl nimmt. Die 
gebraͤuchlichſte Traͤncke oder Mixturen in der Medicin ſeynd: Potio 
ieu mixtura alterans, & confortansin Apoplexiæ initid, dito in Epi · 
lepſia, contraangorem cordis, antidotalis, Bezoardiea , contra coli- 
cam, cordialisconfortans, in Diarrhaa, Hyfterica, Nephritica, inpar- 
tu difhcili, in pefte, antipleuritica, ad reititutionem logvelx, fomni- 
- fera, Stomachalis in vomitu biliofo, fudorifera, Vulneraria. Purgi- 
vende ſeynd: Manna liqvidamanagettz, potio purgans, &c, 


Poaottaſche / CineresClavellati , beftehen aus eiuen weiſſen and et 
‚was blanlicht calcinirten Saltz / welches anfangs aus den Tauben oder 
Clavellis derjenigen Fäffer und Potten / worinnen die Meid-Afche 
kommet / gemacht / und derowegen-Cineres Clavellati und Pottaſche 
game worden ;. und weil dieſes Salt aus. denen zu Aſchen ver⸗ 
brannten Faͤſſern auögelauget/ und nachmahlen in Ei Keſſeln ab» 
geſotten wird/ heiſſen es einige auch Keſſel⸗Aſche. Nachdem aber fol» 
che Potten und Clavellæ in folder Menge nicht zu haben ſind dag mar 
fo viel Pottafche/ als jährlich confumiret wırd / darbon machen fön- 
nen / ſo hat man nachgehends auch das bloſſe Eichenholtz / woraus fie 
beſtehen / darzu genommen / ir bey ung die Potts — 
— Art 3 n 


as 7 








994 Pot 
in groffer Menge zur Afchen verbrennen / und das Salt heraus lau⸗ 
gen/ welches uachmahlen in groſſen darzu bereiteten Oefen ferner cal- 
‚ einivet wird; dergleichen in demberühmten Elofter Haina im Eaffe- 
liſchen gefchiehet/ wo die Pottafche in groffer Menge verfertiget / und 
ſowol ind Reich als in Holland und anders wohin geführet wird. Es 
kommet auch aus Pohlen and Mofcom über Dansig eine groffe Quan⸗ 
titaͤt in Holland Engeland und Franckreich. Die Artund Manter/ 
wie mit Zubereitung der ‘Potrafche ed zugehe / befchreibet vor andern 
Merrer und Kunkelius gm Ende der Anmerckung über deö Neri Glas» 
macher⸗Kunſt / pag.347 item Dodtor Valentini in feiner Naturalier 
und Material-Kammer pag. 25. Woſelbſt er auch meldet / daß ums 
zu wiſſen / ob das calcinirte Saltz der Pottaſchen durch und durch gut 
und rein ſey / ſo nehme man eines von den größten Stücken heraus / 
fchlagt es bon einander / wann es nun inwendig wie auflen gank weiß 
iſt / fo iſt es ein Zeichen/ daß ed gerecht fund gut fey / wo aber nicht / fo 
muß man es laͤnger calciniren / bis ed ſchoͤn weiß / und zum Theil von 
der Hitze etwas blaulicht werde / als woran die Pottaſche erkennet wird. 
Es iſt aber die gute Pottafche viel ſtaͤrck er als die Weyd-Afche/ wiewol 
fie immübrigen heyde einerley Nutzen haben / und von den Weyb:und 
- andern Faͤrbern / Seiffenſie dern und Glasmachern häuffig gebraucht 
und berthan werden. So hat auch die Pottaſche inder Chymie einen 
groſſen Rutzen / und wird allda indgemein verftanden/ warn man des 
Salis Alkali fehlechter dings gedendet. Und ob man fchon aus allen 
Kraͤutern aufeben diefe Manier ein dergleichen lixiviofes Saltz aus⸗ 
laugen kan /_fowerden (le doch insgemein von dem Kraut / davon. jle 
‚ berrühren/ benahmet / als Sal. Abfinthii, Centaurii, &c, wiewol ges 
wiß / daß unter folchen fixen und urinofifhen Saltzen die Cineres Cla- 
vellatĩ und das Sal Tartari (an deflen Gtelle fie offt gebrauchet wer» 
den) den Borzug haben/ auch viel beffer uud wohlfeiler zu Haben ſeynd. 
Das beym Pottafh- Machen übergebliebene Asfcherigte/ ift eine treffe 
liche Düngung auf die Meder / weil es aus der Lufft das Nitrofifche 
Saltz ansich ziehet/ welches der Cardo vegetationisift/ wie aus Dig- 
F a de vegetätione plantarım und Beecheri phyſica fubterranca zu 
erfehen. ö 
Den Pottaſch⸗Handel an ſich felbft betreffend/ fo mird Hon den Kaͤuf⸗ 
fern vornemlich geſehen (z.) auf der Pottafche ihre Truckenheit oder 
Raͤſſe / (2.) aufihre Schwere sder@emicht/(3 ob die Aſche naß gewe⸗ 
fen/ und wieder getrutfnetworden/ und (4.) auf die Tounen / worin: 
nen ſie gepackt / und dad Zeichen / womit ſolche Tonnen gemargviret 
ſeynd / auch den Ort / von wannen die Pottafche hergekommen. 
Von den Tonnen erfllich zu bandeln/ fohat man principaliter dab 
scht zugeben auf ihre Laͤnge und Weite / auf die Dünnigkeit des Sol: 


tzes / 


— 
— — 


Veott0 


he / und auf die Vielheit der Tauben / die an den Tonnen zu zehlem 
fenn. Die Weite und Ränge kan manmeffen mit einen federn Kie> 
nien/ auf welchen dad Wert · oder Boßmaͤrck gezeichnet ift. Es if 
aber nınfo vie imehr auf die Weite fleißig acht zu geben / weil ſehr groß 
daran gelegen / uud ein Daum in dev Weite viel Gewichts der Afche 
einbringt/ ja mehr als eine Handbreit in der Länge ; deffen ein Exem- 
gel zu haben/ fonehmet 2. Tonnen/ feget folche .-, einander/ und füllet 
fie voll mit Afchen/ fo wird nicht mehr / ald was ſonſt in 2. eingeln Ton» 
‚nen geweſen / darinn gehen ; nehmet aber auch Hingegen vonz. Ton⸗ 
‚nen die Tauben / und lafteine Tonne daraus. machen / felbige Tonne 
mit Afche gefütlet/ fo wird üchö befinden / daß dieſe Tonne 4. von den 
‚andern Tonnen in fich faſſen fol. Die Dicke oder Dünnigteit des 
Holtzes ift darum zu confideriven/ weil / wann das Hola dick iſt / ſolches 
nicht allein vielmehr wiegt / ſondern auch ſo viel weniger Pottafche in 
Die Tonne gehet / als warn (le aus dünnen Stäbeh zuſammen geſchla⸗ 
enwäre: ſo wird auch die Vielheit der Tauben / aus welchen eine 
onne zuſammen gefeget/ fchon etwas mehr in der inwendigen Weite 
auötragen/ ald wo ſich nur wenig Tauben befinden. 
Diebefte Pottafche wird diefe gehalten / die man im Stechen und 
- Streichen mit denn Meffer zwifchen den Tauben und in den Spalten 
gleichſam ſteinhafftig / hart und rauſchend befindet / item daß bey Er⸗ 
dffnung der Tonnen die Aſche an groſſen Stüden / Tafel oder Stuͤck⸗ 
weiß an einander / als Oßnund / roh Eiſen oder Steinkohlen hange/ 
: auch Faßrund wohlgepackt und eingefchraubt / und gleihfam einge» 
preſt fen / daj ſie grobe Knoͤllgen habe / und ſolche je groͤber je lieber / 
Die Farbe muß Himmelblau in Welß / gls warn gleichſam ein duͤn⸗ 
ner weiſſer Flor daruͤber * durch welchen es durchſcheinet / anzuſe · 
hen ſeyn / und alsdann gilt ſie am meiſten / weil man ſie nicht allein zu 
Leinwand und anderngroben Waaren / auch um einen Glantz zu ma⸗ 
chen / item zu Garnſie den um fo viel protitlicher gebrauchen kan. | 
Die Kolländifche oder Waſſerlaͤndiſche Bleicher-Afch/ ob ſie wol nicht 
ſo er als die vorerwehnte / fo iſt ſie doch auch fehr von den Bleichern 
& ucht/ ja fie wird der andern faft von Ihnen vorgezogen. 
Schiyien⸗Aſch ift nechft dem beften Bleicher · Gut / und etwas gran 
and dunckelblau/ findet man die inwendige groſſe Tafel-Stüde meift 
biau/ foift es ein guter Schlyter; Sie wird aber ihrer Unreinigkeit 
« Balber nianmermebr oder gar ſelten zumBleichen a 
if ie zum Seiffemieden deſtobeſſer / wann ſie ins vechten Preis zu be⸗ 
Fommen/ wie ſie dann auch mehr ald Keſſel⸗Gut aelten mus. | 
- Die Seiffenſieder Hand-Afche erfordert gute Kanntniß / koͤmnit anch 
in groͤſſere Dantitätald die Bleicher⸗· und Schlyter⸗Aſche; Sie muß 
erkannt werden/ eben wie die vorige / an dem Band / ihre Weite und 
— Rrr a . Laͤnge 


Pr 


996 — U SE 
Länge; ſie muß trucken / ſchwer / wohlgepackt und hart zwiſchen dei 
Tauben und vor dem Boden feyn / auch faft wie Oßmund klingen / 
warn ſie mit Gewalt oder aneinander gefhlagen wird; Die Coulcur 
ift etwas grauer / ald die bon Schlyter / welche zerfchlagen inwendig 
blau/ diefe aber grau ausſiehet. er | 
Neue und frifche Afche erfordert eine fonderbare Kanntnif / die auch 
manchen alten und erfahrenen Kauffleuten offt fehlen kan / fte ſiehet viel» 
mahls ungeloͤſchten Kalch gleich / und ift meift Mehlhafftig ; wann fie 
An der Hand fchwer befunden wird/ fo ift ed ein gutes Zeichen/ man kan 
auch ihre Tugend probiren / wann man einige Tonnen in die Höhe 
hebt und überftürgenmill/ fo felbige geſchwind fallen / fo ſeynd ſie gut / 
item, wann die Couleur huͤbſch weiß / oder wann ſie am Ende des Bo⸗ 
dens koͤrnicht zuſammen laͤufft auch mann man mit einem Meſſer Hin» 
ein ſticht / daß noch harte Stüde darinn anzutreffen / welche wann (fe 
‚an die Lufft geleget werden / hart werden ; Sie differiret aber gegen 
Die vorige Sprten faſt um die Helffte im Preis / weil ed mit der Zeit 
feine Rrafft verliert ; hingegen gibt es als ein gelinded But fein Ber» 
mögen / wann esin der Lauge gekocht wird / defloeher von ſich und 
zwar che/ ald das alte und harte But. | | 
Naſſe Afche wird genennet / welche etwan unterwegs im Schiff halb 
‚oder gantz naß worden / oder da das Schiff zu Grunde gegangen, aus 
dem Waſſer wieder heraus gezogen worden ; diefe gilt am wenigften/ 
weil das Waſſer albereit viel Kraft davon ausgelauget / jedennoch 
‚behält es feine Farbe noch eine gate Zeit / fo lang es nemlich an einem 
feuchten Ort lieget/ und die Boden dichte zugehalten werden / aber fo 
bald es an Die Luft kommet / und Bon der Sonnen befcheinet wird/ fo 
mird ed sank todt bleichfaͤrbig / und jleht / da ſie zubor blau geweſen / 
hernach aus als getruckneter Mauer⸗Kalck. Die Probe / ob noch et⸗ 
was guts daran iſt / iſt dieſe / daß man etliche Körner dabon auf die 
Zunge nimmt / ſo ſie dann noch etwas ſcharff ſeynd / und beiſſen / ſo iſt 
die Aſche noch gut / gen aber das Beiflen geſchwinde weg / ſo taugt ſie 
nicht viel mehr. Die Afche / Welche in See oder Salk-Wafler naf 
worden; iſt hiel fehlechter/ als die im frifhen Waſſer gelegen/weil das 
Salt Waller fehr unbequem und ſchaͤdlich iſt zur Lauge / laͤßt ſich auch 
sicht wohl zu der Seiffe gebrauchen / und macht den Seiffenſiedern 
offt groffen Verluſt / dahero ſie / ſo biel möglich/ zumeidenift. Cine 
Aſche / die auch im flieſſenden Waſſer naß worden / ift nicht fo gut / als 
die in einem Schiff oder Kahn untergangen/ weil in einem laufenden 
Waſſer die Krafft von der geſchmoltzenen Afche jedesmahl wmeggeipüh: 
let wird. Offtmahls findet (ich auch naffe und belauftene Afche unter 
der truckenen / aus der Urfache/ weil/ wann die Alche in den Waͤldern 
gebraunt wird / ſie offt Jahr und Tag unter dem frehen Kinmel lie> 
gen 


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gen muß / bis (ie fan fortgeſchaffet werden / indem es an benoͤhtigten 
Fuhrwerck / oder aud) des Vorjahrs and Herbſts am WWaffer ınangelt. 
Indeſſen ift dieſes noch eine gute Brad oder Ausſchuß / welcher eniwe⸗ 
der Ereup/ oder Horens / oder Bollen / oder harte oder linde-Brad 
—— wird / und offt im Gebrauch beſſer ausfaͤllt / als man gemey⸗ 
net Hatte. 
Die unterfchtedlihe Sorten der Aſchen und zwar ihren unterſchiedli⸗ 
chen Orten nach / da ſie herkommen / betreffend / fo kommi erftlich viel 
aus Pohlen nach Dangig/ um dafelbfl gefront zu werden/ welches bey 
einer geſchwornen Perfon gefchicht/ welcher/ fo bald die Afche aus den 
Eameggenoder Kaͤhnen auf dem Afch- Sof gebracht worden / diefelbe 
Tonnen ben Tonnen aufeine lange Reihe legen laͤßt hierauf nimmt ee 
ein groß Meſſer und Beil / bieget mit diefem die Fugen der Tauben 
ein wenig bon einander) und ſticht mit dem Meſſer etwas von derAfche 
heraus / welches er beflchet/ ob es unre ine Afche fey ; findet er ſie aber 
land und rein/ fo befiehleter zu kroͤnen / dasifty der Stadt Wapen 
drauf zu brennen/ ed mag gleich hart oder gelind Gut feyn / wann es 
nur vein ift/fo wird ed geksönt; ImGegenthti wann es nicht ſchoͤn weiß 
und vein ift/ fo hauet er mit dem Beil 2. Schläa recht in die Mitteder 
Taube / und alsdann heißt es Brad ; dabor iſt vor Alters 10. weniger 


als vor das gefrönte But bezahlt worden, Zu Amfterdam wird vor 


die Laſt⸗. Pfund Flamif, gegen die Kron gekuͤrtzt. Go aud) der Bra⸗ 


‚er befindt / daß es Klein Brad oder Ereus halten mag / fo machet er 
davon Bradd Brad ; MWelchefchlechte oder fimple Brad genennet 


wird / auf dergleichen Tonnen wird eine tiefe Kerbe ausgehanen/ohne 
Braunt / dieß heißt man insgemein Holt: Braden/ und verfichet dar⸗ 
unter / daß dergleichen Afch bloß ihrer Unveinigkeit / nicht aber der 
-Räffe halber gebradet worden. Vormahls wurde davor zo. Pohl: 
niſche Bülden pen das Krohn⸗Gut gekürget / und in Amſterdam e. 
Pfund Flaͤmiſch. . 

"Die Afche/ welche aus Pohlen/-Littauen und Reuſſen nsch Königsberg 
‚gebracht wird/ wird eben fo/ wie in Dangig gebracht. Die befte iſt / 
da die Barenklau auf gebrannt wird/ was aber Fein Bärenklau mag 


halten’ iſt Brad, und wirdzu Amſterdam Horn genannt / und dafür 
egendie Bärenflau gefürgt 4. fl. Pohlniſch / und zu Amſterdam s. 
A Hollaͤndiſch vor die Laft.. Was aber fein Horn halten mag / wird 


Bracks Brack genennet/ und als zu Dani — mit dem Un⸗ 
terſcheid als in dem Wald⸗Zeichen. Zu Koͤn 

und zum Amſterdam ız. fl. eourant gekuͤrtzt. 

Nach Riga kommt aus Preuſſen / Ehurland und andern Orten eben⸗ 


gsberg wird dafür 8. 


falls viel Pottafch/ mit welcher es im Bracken wie zu Dangig gehalten 
wird / nur allein iſt es zu nn in dem Brannt/ und wird ges 
Its 


nannte. 


2 BEER SEEN...) SERBSEHEASHENERRSAEN 
naunt Spiegel-Boll/ alldar im Land aber Bärenflau ; das Zeichen des 
Branntsifteine Hand und Stern ; Vor die Tonnen / welche dieſes 
Zeichen haben/Eurgen fie allda 4 Thaler auf die Laſt / und zu Amſter⸗ 
dams.fl. pesen den Spiegel: was kein Spiegel-Bolle halten mag / 
aus denfelben wird Brad gemacht / und werden die Tonnen mit einer 
tiefen Kerb recht in der Mitten ausgehauen / daran erkennet man ei- 
nen reichen Brad ; der Brad aber/ der aus Spiegel-Boll iſt / wird 
aus den aufgebrannten Stern erkannt. In Riga empfängt man dies 
fer letzten Art 2. Tonnen vor ein Boll/ und zu Amſterdam liefertman 
diefe :. Bracen vor 2. Tonnen Spiegel. Insgemein hält man die 
KRigifche Pottafche vor die ſchlechteſte die Dangiger bor die beſte / und 
die Königsberger bor die mittlere Gattung. Zum Beſchluß wollen 
wir noch eine fonderbare Probe / die mit der Pottafhen borzunehmen / 
wann man ſolche kauffen / und ihre Quantität vorher erforſchen will / 
anzeigen: Man nehme von diverſe Sorten Pottaſchen ungefehr ein 
Pfund / thue jedweder Sorte in einen neuen glafürten Pott/ und gieſſe 
auf eines ſo viel Waſſer als auf das andere / laß es hernach za. Stund 
ſtehen / und ruͤhre es zu weilen um/ bis daß alles zerfchmolgen / beſiehe 
alsdann fleißig / welcher Topff von allen die Flarfte Lauge hat / auch in 
welcher die Pottaſche gantz zerſchmoltzen / die iſt als dann die beſte. Ih⸗ 
re Staͤrcke ferner zu probiren / fo nehmt ein Stücklein Hollaͤndiſche 
Seiffe / groß als eine Welſche Nuß / werfft es darinn/ und wann es auf 
der Lauge treibet / ſo muͤßt ihr in den Pott fo biel Waſſer gieſſen / bis des 
Stücklein Seiffen zu Grund finden will / alsdann haltet mit Zugieſ⸗ 
fung des Waffers auf / und nehmet gedachtes Stüd Seiffen heraus / 
und thut es in den andern Pott/ gießt abermahl Waſſer zu/ bis es glei⸗ 
cher geftalt linden will/ und fofort don einemPott zu dem andern / wel⸗ 
cher Pott nun dasmeifte Waller zu ich genommen, das ift dic ſtaͤrckſte 
Pottafche von allen / und dieandern nach Advenant , weswegen man 
das zugegoffene Waffer wohl bemercken muß. Offt treibt auch die 
Geife.auf einer trüben Lauge / in welcher viel Schleim und Moder iſt / 
und erfordert alddann eben fo viel Waſſers / ald die befte / ehe ſie ſin⸗ 
den will; allein darum iſt ſie doch biel ſchlechter / als die Pottafche mit 
en a Laugen / und anders nicht ald dor die Seifſenſie ders zu ge» 
rauen. 

Die Weid-Afche wird aufgleiche Art ald die Pottafche aus zu Aſchen 
aebrannten Weyde ausgelauget. Die Frantzoſen gebrauchen offt an 
ſtatt derund bekannten Weyd⸗Aſche die Wein-Trüfen oder Trüt- 
afche / wann nemlich die dicke Weinhefen / dabon die Branntwein- 
Brenner das Säfftige ausgepreffet/ gedörret/ zu Afche gebrannt/ und 
aus folcher das falgige Weſen gleichergeftalt gelauget und eingekochet 
wird ; Gie nennen es Cendres gravellces, die Pottafche aber Potaſſe, 

oder 


You Praͤ | 999 


oder and) CondresCuites , jadiele gebrauchen aud) wol zu weilen ge⸗ 
brannten Weinftein/ wann mat nemlich den Weinftein in einen offe⸗ 
‚nen und Feuer:beftändigen Geſchirr glüet/ bis ev zu einer meiffen ſehr 
ſcharffen Afche wird. Allein weil der Weinfteintheurer ald die Pott⸗ 
aſche iſt / fo ift leicht abzunehnten / daß diefe profi abler als jene Aſche 


ſey. 
Alle dergleichen Aſchen / wann ſie in dem Keller geleget / bald weich 
werden / ſo ſeynd ſie gut / geſchicht es aber nicht / ſo iſt es ein Zeichen / 
daß ſie entweder mit 4 gefaͤlſchet oder ſalpetrigt; welches let» 
teve gefchicht/ / wann die Afche vor den Auslaugen lang geftanden/ und 
Feuchtigkeit an ſich gezogen/in welchen Fall der Galpeter ihrer Wuͤr⸗ 
dung in dielenentgegen ift. . ’ 
Die Indianer brennen eine Afche aus den Blättern eines gewiſſen 
Baums / welchen wir Adams Feigen-Baum heiffen/ und Eochen ſolche 
fo weit eın/ bis fie wohl ſcharff alsdann beitzen fle darein die rohe Gei- 
de / wie fie von ben Seiden- Würmern gantz gelblichtfonumt / fo wird. 
fie Schneteweiß/ wie ſolches Tavernier in feiner Reis « Befchreibung 
Cap. 7.p,n. 180, vom Königreich Afem beinerdet. 
Poudre, vide Aaar:Poudre, 
Praecipitantia, feynd Argeney- Mittel / welche die Saͤ ure im Ma⸗ 
gen / item die übermäßige Bewegung des Gebluͤts daͤmpffen / als da 
iſt Ol. ſepiæ, C. C. uſtum alabaft. ocul, cancr, limat. mart. hæmatit. 
Corall. Ebur. dens hypopot. &c. | Ä 
Pr&cipitatio, eine Niederſchlagung / iſt ein Chymifc) Kunſt⸗Wort / 
dieſe macht / daß das ſolvirende Menſtruum den diſſolvirten Leib von 
ſich laͤſſet / welches durch einige Gleichheit / ſo ſich unter den Geiſtern 
und Saltzen findet / zu wege gebracht wird; dann alles / was durch 
Spiritus diſſolviret wird/ Fan ein Saltz præcipitiren / und hergegen die 
bon den Salibus diffolvirte Dinge præcipitirt man mit den Spiritibus. 
Dieſe Arbeit muß ein Laborant wohl betrachten / weil fie ihm den 
—— Generation und Corruption des Dinge klaͤrlich zu ver⸗ 
eben gibt. . 
Ei — aus dem Mercurio wird folgender geſtalt gemacht: 
Solvire Dvedfilber in agva fort, ſetze es auf ein gelindes Feuer / und 
laß die Feuchtigkeit abrauchen fo wird das Oveckſilber hart bleiben/ 
wie ein Stein/ alödannveibe es fehr Hein/ und ſetze es abermahl auf 
das Feuer in einen Schmelg«Tiegel oder kuyffern Gefäß / ruͤhre das 
Dvedfülber ſtets um / bis es eine ſchoͤue rohte Farbe befomnt/ alsdann 
iſt es fertig / und dieſes heiſſet præcipitat. | 
Praparara feynd in denen Offieinen etliche harte einfache Stüde/ 
die mit einem Hertz⸗ ſtaͤrckenden Waſſer in ein fubtiles En * 
| ve 


1000 — Pra Pre 
bracht werden / dergleichen ſeynd Erde / Stein / Perlen/ Eorallen/ 
Klauen / Schaalen. Die Weiſe ſelbe zu bereiten / beſtehet darinn / 
daß man dasjenige/ was mar præpariren will / auf einen Reibſtein klein 
reibe / unter dem Reiben aber ein wenig Hertz⸗ odder Roſen · Waſſer 
daran gieſſe / daß es wie ein Teiglein werde / dies ſetze an einen laulich⸗ 
ten Ort oder in die Lufft damit es im Schatten trocken werde. Was 
aber hart ift/ und fich nicht reiben läßt / muß man vorhero calcinivem 
und brauchbar machen / aldda ſeyn Körner / Gebein und Schaalen. 
Auch muß man beobachten, ob die zubereitenden Dinge härter als der 
Reibftein ſeyn / in welchen Fall ſie leicht etwasnon dem Keibfteinab» 
nehmen möchten. Die gebraͤuchlichſtetæparata feynd: Præparatum 
Carneoli zubereiteter Carniol / Cinnabaris bereiteter Zinnober/ Ton- 
chx marine Meerfchaalen/ Corallia alba weiffe Corallen / dire rubra 
rohte / C. C. uſtum gebrannt Hirfhhorn/ Cranium humanum Mens 
ſchen Hirrnſchaalen / CryNalli Chryſtallen Granati Granaten / Hx- 
matites Blutſtein Hyacinthus Hyacinth / Lapis Armenus Armener⸗ 
Gtein/ dito Calaminaris Ballmey-Gtein/ dito Judaicus Judenſtein / 
Lazuli Laſurſtein / Lyncis Donnerkeil-Stein /: Nephriticus Grieß⸗ 
ftein/ Magnes Magnet/ Mandıbulx Lucii pifcis Hechtkiefer Marga- - 
ritæ Perlen / Mater perlarum Perlen-Mutter / Ocul. canc, Kraͤbs⸗ 
Augen / Ovorum putamina Eyerfchaalen / OvaStruthii Gtraufen- 
Eyer / percar,Lapides Perjigftein / Rubinus Kubin/ Saphirus Sa» 
phir/ Smaragdus Smaragd / Succinum Agtſtein / Tutia Zutien/ Un- 
gula alcis Elends⸗Klau. A, | 
Praßir⸗Stein / Prasſius Lapis , Smaragdus adulterinus , vide 
‚Smaragd. 


Prefericulum, ein Opfer⸗Gefaͤß bey den Römern ohne Handhaben. 
Preuſſen⸗ Lands Waaren und Handlung / vide Dangiger/ 
item Königsberger Waaren. 


Preis:Couraneen feynd gedrudte ober gefchriebene Zettels / wel⸗ 
che eine jede arofle Handeldö-Stadt wöchentlich ausgibt/ denen Kauff⸗ 
leuten zur Raͤchricht mas die Waaren verfaufft werden. Es ift aber 

ſolcher Preis der Waaren unterfchiedlich/veränderlich/ ungewig/und 
ſtehet dabon nichts eigentliched zu determiniren / ſintemahl weil ein 
jeder Menſch arbirer & Dominus Rerumfuartim , alip ſtehet es auch 
mehrentheild (einige wenige Falle und Zeiten ausgenommen) in eis 
nes Kauffmanns Wohlgefallen und eigenen Willen / wie hoch er feine 
Waar / wann ſie geſuchetund begehret wird / halten wolle / ſintemahl 
die Zeit doch wol kommet / die ihm den Preis auch wider feinen IRil« 
len/ in gewiſſen Waaren feget: als nemlich ein fruchtbares Jahr ſehet 
denen Korn Juden einen leidlichen Preis in ihren auf — auf⸗ 

| | altes 


— 


Pre 1001 


behaltenen Korn; Denen / welche Gewuͤrtz / Wein und Brauntwein / 
Tran und Fiſchbein im Preis gehalten / ſetzet die Ankunfft einer rei⸗ 


chen Oſt⸗Indiſchen Flotte / eine gute Weinleſe / reicher Wallfiſch⸗ 


Fang und dergleichen ihr Ziel. Solche Preis-Beränderungen nun 
fiehet ein kluger Kauffmann zum Steigen oder Fallen vielfältig vor- 
des / undrichtet dannenhero feinen Ein-⸗ und Verkauff darnach ein/ 
fchlägt entweder in beyden mit dem Ja-Wortnicht leicht zu / oder ber 
dencht (ich auch nicht lang damit ; Vor allen erfündiget er die Urſach 
der Wagren ihres Steigens und Fallend / ob folche aus Mißwachs 
See) Krieg/ Wetter/ Waſſer / Feuer » und Feinds⸗Schaden / aus 
Mangel oder Vielheit der Waaren / Käufferoder Berkäuffers / aus 
falſch ausgefprengten oder wahrfcheinlich befundenen Zeitungen/ von 
Her Ankunft einer reichen Schiffs⸗Flotte / guten Erndte / Fiſchfang 
und dergleichen herkoume. Crerkundigt ſich ferner alle Wochen oder 
Pofttägiic in den gedructen und gefchriebenen Preiß-Couranten 
oder Zettuln / auf welchen gedruct zu erſehen / was diefe oder jene 
Waagre / dieſes letztere mahl oder diefes abgemwichene Monat / Poft: 

Tage oder Wochen verkaufft worden / vichtet hierauf feine Mefures 
ein/ ertheilet Ordre zum Ein-oder Verkauff / hält diezu Haus bey ich 
habende Waaren im Preis / derfchlägt fie von der Hand weg / und 
führet (ich inSumma dergeftalt damit auf / daß er allezeit gewinne / 
oder doch zum menigfteu feinen Schaden leide. Manchmahl wird 
Diefer oder jener Waar ein allgemeinerfand-Kauffoder Preis geſetzet / 
als den Korn in gewiſſen Provingien/ den Wein/wie unter dem Wort 
Babelung zueriehen. Go machet and) die Quantität und der Cre- 
dit des Käufers vielmahls den Preis Höher oder niedriger als ges 
woͤhnlich / weilman im Sprichwort fagt: Wann die Narren zu 
Marck gehen / loͤſen die Kraͤmers Geld. Einige die Credit ſu⸗ 

chen / muſſen aus Roht die Waaren theuerer bezahlen/ als / fo ſie folche 
vor baar Geld kauffen Fönnten. Andere / die Geld noͤhtig haben / 
verkauften offt unterm Preis / dap alfo in diefer Materianichtö gewiſſes 
zu dererminiren. Vide den allgeit-fertigen SHandelö-Correfponden- 
gen p-1064. bon Preiß-Couranten und Wechſel · Zetteln. 

Premium, ein Lohn / item das Geld / ſo man denjenigen gibt / der 
Büter/ die über Land oder See gehen / vor ein gewiſſes pro. Centrum 
perfichert. Vide Aßerurigch, 

Preßilgen⸗Kraut / Bafılicon, Ocimum odoratum. 

Preffen/Prelum, Franhoͤſiſ. Preffe; feynd allerhand Arten/ als Ti⸗ 
ſcher / Buchdrucker / Buchbinder / Müngmeifter/ Tuchbereiter / Oel⸗ 
und Wein⸗Preſſen / welche alle ihren Rützen in denen Manufadturen 
und zum Dienft ver Kauffnannfhaftt ſuden. - 

— Pre- 


1002 Pre Pro 








Preuoß koſtbare Sachen / als Juwelen / Ringe / — Ketten 


und Medaillen, item Antigvitäten und Raritaͤten / welche in Kunft-und 
Schatz⸗Kammern aufbehalten werden. 
prrießlauch / Porrum ſectivum vel Tarentinum, 

Primula veris, paralyfıs Herba, Verbaflcum odoratum Arthricum, 
Schluͤſſelblum / Hinmelsſchluͤſſel St. Peter-Schlüffel / weifle Beto⸗ 
nien. 

Probiren/ Gold oder Silber auf den Teft / ob ed aufrichtig und 
nicht falfch fen/ item auf dem Probierftein/ Lapis Index, LapisLy- 
dius, ranhöflf. Pierre de Touche genannt. Auf den Bergmerden 
werden die Erh probiret / um zu erforfchen / was (fe dor Metall bey 
dich haben/ item deren rechten Gehalt / wiebiel fie an Bold und Sil⸗ 
ber rühren) item ob es ſtreng oder flüßig ſey / darnach man dann feinen 
berfchlag der Unkoſten halber machen Fan. | 

Proceffus heißt in der Chymie eine jede Arbeit oder Chymifdhe 
Verrichtung / die nach einer vorgefchriebenen Regul geſchicht / und 
zwar per dellillarionem, fublimationem , cohöbationem, precipira- 
. tionem, detonationem, &c. In foro politico heißt ed eine anhaͤngig 
gemachte Streit⸗Sache / die von dent Richter ſoll unterſuchet / beur⸗ 
theilt und decidirt werden. En | 


Profil, bon einem Beficht oder Kopff/ ift warın man denfelben in Ger 


maͤhld nur auf einer Geiten anfehen Fan ; fonft heißt in ber Baukunft 


das Wort Profil die Geomerrifhe und ee Elevation 
oder Aufzeichnung eines Gebäues ; ſolcher geſtalt / daß man fein Yu» 
nerftes betrachten könne. Einige und unter andern M. Perrault, hält 
dafuͤr / daß Virruvius durch feineScenographiam, item Sci ographiam 
fovielalsprofil fagen wollen. 

Propolium, vide Monopolium, \ . 

Proportion, Vergleithung eined Dings gegen bad andere / Wegen 
der Ubereinſtimmung ihrer Theile ; Bey den Gebäuen heißt es faſt 
- eben fo vieials Symmetrie , mann nemlic) der rechte mit dem lincken 
Fluͤgel gleich gebauet/ das oͤberſte Stockwerck mit dem unterfien/das 
vorder Theil mit dem hinterſten in gleiche Ubereinſtimmung iſt bite 
gegen iſt das Feine Symmetrie, fondern eine proportion ‚Wann }. E. 
ein Bild / foro. Fuß hoch waͤre / den Kopff ein Fuß lang / und ein a 
fo 10. Daumen lang/ den Kopff einen Daumen hoch hatte. in wel 


Stüc diefe Bilder in gleicher proportion, aber nicht in gleicher Sym- 


metrıa ſtehen. | | — 
Protefliven geſchiehet / wann Wechſel⸗Briefe nicht asceptivet oder 
bezahlet werden. | 


er 3 


Dre 


— — 


— — Pre Mi 1003 
Provenec, ein Probintz in Franckreich dieſes Nahmens / Teutſch 
Provintz genannt; die Haupt⸗Stadt iſt Marſeille an der Mittellaͤn⸗ 
diſchen See. Vide Frantzoͤſiſche Waaren. 

Provingiſch Goldblum / Helioshryfum, Halighryfum. 

Provintz⸗ Feigen / Caricæ provinciales. 
Provintz⸗Traͤublein / paſſulæ waſſilienſes. 

Provintʒ⸗Mandeln / vide Auygdala, 

Provifion, die Belohnung / die ein Kauffmann dem andern gibt / 
pon1. 3. did 3. pro Centum, bor feine Muͤhwaltung / daß er Waaren 
vor ihm ein oder verkauffe/ vor Gelder eiüzucasiıren oder auszuzah⸗ 
len / wird x. oder 3. proCent, vor Waaren ein>und verkauffen ges 
meiuiglich 2. und fo einer del Credere ftehet / das ift / daß er vordie 
auf Zeit verkaufte Commisfion-MWaaren Bürg ift/ 3. bis 4. procent, 
gegeben. Vide Commisfon-Wsaren. | 

Pruna, vide Pflaumen, 

Prunella Confolida minor five minima fymphytum petrxum , 
Braunele / Gottheil / St. Antoni⸗Kraut / dienet (ondertich bor die 
Lungen undgeronnen Blut. 

Prunella — conſolida media. | 

Psunus, Pflaumen-Baunt/ die Früchte der Pflaumen ſeynd unter⸗ 
ſchiedlich / ald entweder Gpillinge / prunacerea oder — 
Damafcena , Hungariſche / pruna Hungariea, Prunellen prunella, 
Spanifde Pflaumen Iberica, Koß-pflaunen Afınina , gemeine Pflaus 
men Vulgarianoftra, Die friſche Pflaumen (baden dem Magen, 
verurſachen Fieber und Durchbrüche; dieabgedörrte aber ſeynd nicht 
ſchaͤdlich. Die Prunellen ſeynd eigentlich abgeſcheelte Pflaumen, 
aus welchen die Kern genommen; ſie werden adgetheilt in Brignoles 
ordinaires, petites Brignolcs, Brignoles Blauches, Citrondcs, yiolet- 
tes & de Provence, — 


Prunus, Sebeſten / ſchwartze Bruſtbeeren. 
Prunus ſylv. Acacia. | 
Pfeudoiris, Acorus Adulterinus, , 
‚Pfeude linum, Linaria, 
. Pfeudo melanthemum, Nigellaftrum, | 
“  Pfeudo Nardus, Spica Nardus, 
Pfeudo pyretlirum, ptarmioa, 
- . Pfıdıum, Granata, | 
Pſillien⸗Kraut / Plyllium, Herba pulicaris,, der Saame dabon 
argirt die Balle/ und hemmet durch feinen Schleim die Schärffe der 
Seuchtigkeiten Ä s 
Je | | - . ‚Plilo- 


.ı » 


1004 Pſi Pue 
Pfilothrum, daß die Haare vertreibet. 
pſotico, wird gemacht von 3. calcinirten Vitriol, und J. Kreyde / 
alles zuſammen gevieben/ und mit Wein⸗Eßig vermifcht / hierauf ı4: 
Tage im Mift vergraben/alödann ausgenommen / und in einer Scher⸗ 
be über den Feuer calciniver/ bis es recht roht wird. I 
Ptarmica, Draco fylveftris, Tanacetum album feu acutum, vel 
yrethum, pfeudopyrethium, Dracunculus pratenlis , Serratis foliis , 
wilde Bertrammurg/ kommt der rechten an Kräften zimlich nah / ift 
hitzig undeines fubtilen durchdriugenden Weſens / und verurſachet 
 fonderlich ſtarckes Riefen. - | 


pPtelea ulmus. RR 
Ptifana , ein Decoctum aus Anis und Suͤßholtz / item Gaͤrſten⸗ 
Waſſer. F u — 
Pubenfiſt / Crepitus Lupi. | 

Pubenfraut/ Lapathum fylveftre, Anguflifolium. 
Pach, ein Ebräifch Wort / heit fo viel als Spießglas / it. Schmin⸗ 
cke. Der Atıchor des Teutſchen Fegfeuers der Scheide⸗Kunſt / 
fchreibet / daß diefer Stein puch dem Lapidem philofophorum oder 
den Weifen-Stein bedeute / dann alfo ruhme David im ı. Bud) der 
Chronic. aut 30. Cap. v. 23, Er binterlaffe feinem Sohn Salomoni 
Umilluim zbni puch , (impletionum lapides puch,) Anfüllungen 7 
Steine des —— welches nichts anders als den Stein der 
reifen bedeuten könne/ immaffen ſolches Sonnen-Flaraus dem Loca 
beymEfaiam 54. c. im u. vers erhelle / da GOtt troͤſtet: Er lege die 
Steine in Puch 5 und auch in den folgenden Verliculn, die gange Be⸗ 
veitung hinzufeget; und ber Chaldäifche Ausleger gebe eben dieſes 
ausdruͤcklich zu erkennen / wann er fage : puchfey fo biel als Cohal oder 
Spiefglad. Gedachter Autor fähret auch ferner fort / und ſaget: 
Buxtorffius, Opitius, Coccejus herteutfchen eben dieſes Wort puch. 
daß es fey eine Schmincle / item aud) Spießglas / welches beydeögar 
wohl könne beyſammen ftehen / doch fpricht er ferner / fehen ſie aud) 
noch hinzu / daß ed auch einen andern koͤſtlichen Stein.bedeute /, den jie 
aber nicht nennen Eönnen/ und wollen ſolches aus dem Elia amısa:be- 
haupten. Allein / weilpuch nad) ihren eigenen Geſtaͤndniß überall 
Spießglas heiffet / als wird er nohtwendig beym Efaiaauc) daffelbe 
heiffenmüffen. Arias Montanus merdt in feinen Rand-Glotienibey 
feiner Uberſetzung an / daß Puch ftibium oder Spießglas ſey. Calo- 
vius in feiner Biblia illuſtrata muß auch geftehen/ daß puch Spießglas 
fey. . Rad) des Chartier Zeugniſſe / im Buch) Seientia plumbi tacri, 
Art, VL. iſt in Spanien noch heutiges Tages bey den Weibern der Ge⸗ 
brauch / daß ſie die Augen: IBimper und Aug-Branen ſchwart ko 
Ä en / 


— 


Ba u — 


| _ Bug Bull ___1005 
ben/ mit Pfiedrade alcohol , das iſt mit dem Stein bom Spießglaſe. 
Wer in Moſcow geweſen iſt / wird an allen fuͤrnehmen Frauen in acht 
enommen haben / dag ſie die Yugbranen und Augen: ABimper ſchwarh 
—* wor zu fie die Farbe auſſer Zweifel aus Perſien kriegen. Daß 
aber die Perſianer ihre Augbranen/ die Männer aber AR ihre Bär» 
te ſchwartz färben / iſt aus dem Petro della Valle und Mandelsloh zu 
erfehen/ da ſich des Mogols Befandten verwundert haben / wie es 
käme / daß der Koͤnig in Perfien keine alte grau-bärtigte Raͤhte hãlt⸗ / 
die ih aber bald gezeiget / nach Abthuung der waͤrtze. Es iſt 
aber dieſe Schutincke nicht erſt Heut im Braͤuch kommen; Galenus, 
der laum hundert Jahr nach Chriſti Geburtgelebet/ rühmet im Bud) 
de confervanda fanitate Lib. 6, cap. ı2, die truchene Augen · Artzneyen/ 
die man mit einem Pinfel fol aufftveichen / wie die Welber thun / die 
ſich mit dem Spießglas ſchmincken. Aus dieſem if leicht zu ſehen / 
was das bedeute / wañ in derSchrift geſagt wird / Jeſabel habe ihredin. 
en in Puch) ins u geleget/ zu der Zeit war es Bar gemein. - 
Aus diefem meyne ich / wird nun unmiederfprechlich erhellen / dag Mo» 
jeß/ Dabidund Cfaias wahrhaffte Kunf-Befiger und volkommene 
Sheide-Künftler geweſen. ’ 
Pugillus, fo viel man mits. Fingern faffen Fan, 
Pulegium, Poley/ eingut Leher⸗Kraut / treibt den Stein und Urin. 
Pulicaria, Conyza, perficaria, | 
Pulmonaria maculofa latifolia, fleckigt Lungen⸗Krant / dienet hor 
die Lunge / Schwindſucht und Blutſpeyen. 
Pulinonaria arborea, Muſeus puimonarius, Lungen⸗ Kraut 
Pulmonica, Artzney⸗Mittel / die der Lunge zu Huͤlff kommen. 
Pulpa, {ft dad Fleiſch oder ſafftige Wefen der Fruͤchte / da⸗ zwiſchen 
ber Rinde und den Kern iſt. — | 
Pulfatille Radix, oder Küchen⸗Gchellwurtzel / waͤchft hin und mies 
der in Teutfchland/ bringet im Frühling kleine Blätter / faft wie der 
Fenchel Herbor/ mit fhönen Purpursbraunen Blumen, Die Kraft 
und Eigenfchafft der Rüchenfchell kommt mit den Hanenfüſſen oder 
‚ Ranuncahıs überein / dahero ſie auch von einigen zu derfelben will ges 
zehlet werden/ indem ſie alfo hitzet und brennet/ daß es fo gleich Bia⸗ 
fen giebet; weswegen das Kraut nur aͤuſſer lich in den Hinfftweh / po- 
dagra,Chiragra und dergleichen / wie andere Velicatoria auch die 
Runtzeln an den Nägeln / Warten / Zittermahlen und Flecken der 
Haut weazuägen gebraucht wird / wie dann die Blumen auch derglet» 
chen Schärfe, doch etwas gelinder/ bey ſich führen / mit welchen fon« 
ſten inder Pfaltz die — ſchoͤn * ſollen gefaͤrbet werden / ob 
fon die Blumen eine biel andere Couleurhaben. | i 
‘ Die Wurgel iſt etwas temperirter/ er eine erwaͤrmende aus⸗ 
tru⸗ 


= 





“ 


1006 But | 

truckende / ja Gifft und Schweiß-treibende Qualität an ſich dahero 
ſie auch innerlich gang ſicher und mit Rutzen gegen die Peftileng und 
alles Gifft gebrauchet wird. 

Pulver inder Artzney haben dreyerley Benennungen/ ald Alce- 
höl ‚Siefund Tragea, Alcohol, alcool,oder alehohol , ift ein Arabi⸗ 
ſches Wort/ deflen Derivation und Bedeutung beym Rolfincio Chym. 
Lib.4. Sect. s. zu befinden. Es bedeutet zwenerley gang ungleiche 
Dinge / ald( ) ein gar fubtiles Pulver / welches man kaum zwifchen 
den Fingern fühlen kan / z E. wann man die Orientaliſchen Perlen/ 
oder dergleichen auf einen Keibftein/ oder in gläfern Mörfern die Ma- 
gifteria auf dasfubrilfte und zarteftereibet / (2.) bedeutet es auch im 
Der Chymie den hoͤchſt redificirtenSpiritum vini, der warn er ange» 


zuͤndet wird/ gantz auöbrennet/ oder fo man ihm ans dem Glas giept/ 


nicht w Erden fällt / fondern in der Lufft verſchwindet; In dieſem 
aber kommen beyde widerwärtige Bedeutungen überein / daß ſie die 
aller fubtileften Theile feynd / und die reinſte Subftang eines Dinges/ 
welches von feiner Unveinigkeit gefchieden ; zuweilen wird auch Al- 
cool vor Eßig genommen. 
Siefiftgleichrals ein Arabiſches Mort / und bedeutet die Pulver/ fo 
man in Augen-Befchweren in die Augen blafet. 
Trageaift bor diefem eben das / was Bellarium geweſen; heut zu Tag 
aber ift Tragea ein gewürgteö Pulber/ welches mit Zucker in gleichen 
Gewicht vermiſchet worden. Deſſen Nutzen iſt den Magen zu ſtaͤr⸗ 
cken / und die Winde zu zertheilen. Der Unterſcheid aber dieſes ge⸗ 
gen ander Pulver iſt / daß ſolche nicht Hein gerieben/fondern nur gröbe 
lich gefchnitten werden. | 
Species werden insgemein die Pulbergenannt/ die yon Gewürgcom- 
poniret feyn/ diefe werden durch Stoffen und Keiben/und zu weilen 
auch durch borher gehendes Trodnen und Calciniven prapariret. . 
Weilaber aller Pulver ihre Kraͤffte (ich leicht verlieren / als thut 
man beſſer / man behalte diejenigen Sachen / die ſich leicht pulverifiven 
laſſen / gantz / bis man ſie gebraucht. Es ſeynd aber die Pulver theils 
einfache/ theils zuſammen geſetzte; von beyden gibt Shröderus in ſei⸗ 
ner voilſtaͤndigen Apoteck Lib. 2. cap. 77. folgende Speciſication, und 
zwar erſtlich von den gebraͤuchlichſten Einfachen / derenfennd: Pul- 
vis agarici von Lerchen⸗ Schwamm / Angelica Angelid‘/ Anethi Dil⸗ 
fen/ Aniſi Anis/ Api Eppich/ Aqvilegia Ageley:Gaat/ Aurantiorum 
Cort. bon Ponserangen-Schaalen/ Baccar, Lauri Lorbeeren / Carda- 
momi gehen Eardamon / Cardui Benedidti Eardob. Mariæ Semi- 
nis geſtoſſen Marien-Diftel-Gaat / Carvi geftoffen Garten-Rürm« 
mel/ Caryophyli. von Nägelein/ Centaur, min. geftoffen Aurin / Cha- 
momeli for.;geftoffen Camilleu⸗Blumen / Cinamamı yon Zimmet / 
Cinæ 


— — — — — _ 


| Pul 1007 


Ene feminis geftoffen Wurm-Saat / Conloige majoris geſtoſſen 


Beinwelle /_Coriandri prapar. eingebeister geſt. Eoriander / Citri 
corticumgeftoffene Eitronen-Schaalen / Crocı bon Saffran / Cube- 
barym bon Eubeben/ Cumini geftoffen Pfeſſer⸗Kuͤumel / Curcamz 
geſtoſſen Eurcumä/ Enulx geftoflenAland/ Feniculi geſtoſſen Fenchel⸗ 
Saamen / Galangæ geftofl. Galgant / Gentianz® Entian/ Glandium 
geftoffene Cicheln/ GI — don ſuͤſſen Holtz / Granor. parad geſt. 
Paradis⸗Koͤrner / Hellebori albi von weiſſer Nießwurtz / Jalappæ von 
Jalappen / Ireos flor. geſt. Violwurtz / Leviſlici Liebſtöckel / Ligni aloes 
Paradis⸗Holtz / Lumbricor. von Regenwuͤrmern / Majoranæ Majo⸗ 
tan/ Mechoacannæ von Mechoacanna / Myrrhæ geſtoſſen Myrrhen / 
Oftruru Meiſterwurtz / Piperis Pfeffer / Pimpinellx Bibenell/ Rha- 
barbari von Rhabarbaren / Santalor. candtor, por beyden Santel⸗ 
hoͤltzern Sen bon Genet/ Serpentum bon Schlangen/ Sefeleos Puls» 
Haver / Tormentille von Tormentill / Ventriculi gallinar, Yon Hü⸗ 
ner-Magen/Zedoariz Zittwer / Zingiberis bon Ingwer. . 

Die zufimmengefigte Pulver / welche man Species nennet / und 
unter folchen erftli die gebraͤuchlichſte Alterir- Pulver / ſowol der 
alten ald neuen Medicorum feyndfolgendes Pulvis contra abortum 
wider die frühzeitige Geburt/ Alexiacus Laurentii wider Gifft/ Ale- 
xipharmacus Carolı Ducis Mantux, pulvis pretiofus compolitus ru- 
ber oderrohtes componirtes edles Herg-Pulver/welches in den Dan: 
Giger Apoteden gebräuchlic) / Alexıterius Viperarum , P,in angina 
spider die Bräune/ Anodynus confortans Schmergenftillendes Pul⸗ 
ber/ Bezoardicus, Bezoardifches / Cachericus Eröffnungs- Pulber / 


‚contra calculum Gtein-pulber / contra canerum wider den Kraͤbs / 


Capitalis Haupt⸗pulver Carıninativus Windpulder/ contra Caſum 
Fallpulber / Cautticas Etzpulber / Cathæreticus pro oflibus verzeh⸗ 
rend Pulver zu den Gebeinen / de cineribus hon Aſchen contra Coli- 
cam wider die Colit / pro Collyrio Augen-pulver / Confortans 
Staͤrck⸗pulber / Cordiali⸗Edel· Hertzpulber/ de Cypero Cyperiſches 
Pulver / Dentifricius Zahnpulber / contra deſluxiones wider die Fluͤſ⸗ 
Diaphoreticus Schwitzpulber / Dyfentericus rohte Ruhr⸗pulber / 
pilepticus Marchionis, cum & fine unicornu Marggrafen-Pulver/ 
mit und ohne Einhorn, wider die ſchwere Woht/ pro epithemate C api- 
tiszum Haupt⸗Umſchlag / dito cordis & eparis zum Hertz⸗ Und Leber⸗ 
Uberfchlag / Febrili; Fieber-pulber contra Auxum Mentium wider 
ben Weiber⸗Fluß / contra Gonorrhzam wider den Saamen⸗Fluß / 
Hepaticus feber-pulver / contra Hxmoptylin wider das Blytfpeyen/ 
Hyitericus q. Mutterperlen / inLienis & Epatis ſcirtho, Memyriam 
confortans, anti Nephri:igeus Stein-pulber / partum provocans Bes 
burt-treibendes Pulber / peötoralis FE a pleuriticus Sei* 
| 2 | tens 


1008 1. Pul 


— 


m —ñ —ñ —— —r — — — — — 
ten⸗Stichpulver / pretiolus Edel⸗Hertz⸗ pulber / puerorum Kinder⸗ 
pulder/ Reſumptivus Naͤhr⸗pulber / Rubens Pannonicus A, dito Sa- 
xonicus, Solaris, Sperniolæ compoſitus zuſammengeſetztes Froſch⸗ 
Leich⸗ pulver / Stomachicus Magen-pulber/ ad ſtrumas Kropff⸗ pulber / 
Venerem excitans, contra Vermes, contra Vertiginem wider den 
Schwindel / Yiolarum odoratus wohlriechendes DViolen-pulver / pro 
uleeribus gutturis wider die Geſchwaͤt der Kählen. 

Unter die Species werden gezehlet: Species Diambr& A. Diambr. fine 
ambra A, Dianifu A. Dianthon A, Rofmarin-Blüh-Species , contra 
apoplexiam, Aromaticz caryophyllatz cum & fineambra & moſcho, 
ditorofatz, Diacalamenthes, Cephalicz Haupt⸗Species, Diacinna- 
momi don Zimmet / Diacoralii, Confedtionis cordialis, dito contra 
peflem, Djacubebar. Diacurcuma feu Diacrocu, Diagalanga, de gem- 
mis calide cum & fine ambra & mofcho, de gemmis frigid&, de Hya- 
cintho A, Diahyffopu ‚A.imperatotis, A. Diaireos Salom, A. dito 
fimpl, A. Jultini, f. Ele&tuarii Juftini A, Dialäcca A. Lztificantes Ga- 
len. cum & fine ambra & mofcho, Lxtificantes Rhafıs, Liberantes 
confedlionis, Liberantis A,Lithontribon, Diamargariton calidæ di- 


‚ tofrig.Diamofchu amaræ, dito dulcis cum & fine ambra ‚ Diapeni- 


dium A, Diatrion pipereon A. Diapleres Archonticon A. Dia pœo- 
nias cord, Dia praſſiu Nie, A, Ele&tuarii refumptivi, Diarrhod. Abb. 
cum & fine mofcho , Rofatz novelle A. Diafpoliticon A, Diatrion 
Tantalon, Disthamaron,Diatragacanthi, Diaxylaloes,Diazingiberis. 

Purgisende Pulver feynd: Pulvis Arthericus Parac. Cholagogus 
averc, Cornachini Hydragogus D,J.M, Läxativus, Tragea Laxatıva 
C.Laxativus Vegetabilis D.G.R. completus D, V,S.Melanagogus 
qverc. Nafalis ad nafalia A. Panchymagogus — Senæ præparatæ 
Moniagn. A, Solutivus de tribus A, Magiftralis Stockſtaldi A, Ster- 
nutatorius A, ad ſuppoſitoria communia A, dito acutiora A, dito Sic- 
ca A. Spec. henedictæ Laxativa, Diacarıhami, Caryocoflini, Diatur- 


bith cum Rhabarbaro. 


Wohlriechendes Pulver zumadhen/ befiche Haar⸗Poudre. 
Pulver/ Pulvis Nitratus, ſoll / wie einige Scribenten meynen'/ 40. 

1330, ein Francifcaner-Münd / Rahmens Barthold Schwarg (der 

ein groffer Kiebhaber der Chymie gemwefen) erfunden haben; dann da 


er Schwefel und Salpeter Klein geftoffen in einen Mörfer bey ſich ſte⸗ 


bend gehabt/ und ungefehr ein Licht angeſchlagen fey von dem Feuer» 
fein ein Funck in dem Moͤrſer gefallen, welcher die darinn befindliche 
Materiam angezündet/ den Stöffelmit Gewalt in die Höhe geprellet/ 
und ſolcher geſtalt Anlaß zu der Erfindung des hoͤchſt⸗ſchaͤdlichen / und 
auch zu gewiffer Zeit hoͤchſtnuͤtzlichen Schieß-Pulversgeben. Allein 
waun ſchon zu feiner Zeit Julius-Aricanus, welher um das — 


_ ——— 


Pul 11009 
fit eis. gelebet / die Art / wie das Schieß⸗Pulver gemacht werde / ſehr 
deutlich beſchrieben / ſo folgt nohtwendig / daß die Erfindung deſſelben 
weit aͤlter ſeyn muͤſſe. Zugeſchweigen / daß auch die Sinenfer vorge⸗ 
ben / die Wiſſenſchafft des Pulvermachens lang vor den Europaͤern ge⸗ 
habt / ia ſolche ſelbſt erfunden zu haben. | 
Die Materia des Pulbers / woraus ſolches gemacht wird / beſtehet aus 
dreyen Stücken / als aus Schwefel / Salpeter und Kohlen. Der 
Schwefel / fo von Natur gern breunet / muß ſich entzunden / und die An⸗ 
feurung des Salpeters befordern / daher dann alles Pulber zuerſt eine 
Flamme giebet / ehe der Schlag und Knall deſſelben erfolget / der mit 
‚Recht dein Salpeter zuzuſchreiben / als welcher von dem Pulber ent⸗ 
zündet / einen weitern Kaum ſuchet / und mit Gewalt durch die ihme 
entgegen ſtehende Lufft durchzubrechen trachtet. Weil aber ſolcheß 
Feuer aus bloſſen Schwefel und Salpeter bald nad) dem Blitz und 
Schlag verſpritzet und alfo ausgeloͤſchet werden würde / als werden 
bie Kohlen beygemifchet / theils / um die euer- Funden zu fangen/ / 
und den Schwefel anzuzüinden / theild auchmit ihren fixen Körper die 

antze Materiam beyſammen zu halten. 

n Bereitung diefes Pulverd müflen der Schwefel und die Kohlen 
geftoffen/ durchgeſiebet / und in einem darzugehörigen Zuber wohl un» 
ter einander bermiſchet / fo dann auch der Galpeter rihtigabgewogen/ 
ineinem Keffel/ darinnen etwas vonveiner und heiffer Salpeter-Rau- 
ge befindlich/ eingetragen werden, damit er ſich nur ein — 
alsdann wird derfelbe zuſamt der Lauge in den Zuber zu den Schwefel 
und Kohlen geſchuͤttet / mit hölgernen Ruͤhr⸗Schauffeln wohl abgear- 
beitet/ und ın die Pulver-Mühl gebracht. Dieſe ſoll von den Städ- 
ten/ Dörffern und bewohnten Haͤuſern / um alled Unglück zu verhüten/- 
weir entfernet feyn/und ift gemeiniglich wie eine Papier-oderStampf- 
Müuͤhl mit Stampffen gebauet ; wiewol der-berühmte Frandfurti- 
ſche Stuͤck⸗Hauptmann / Daniel Ellerich / in feinem Artillerie und 
Feuerwerck⸗Buch noch zwey andere Arten derfelben anweifet. Want 
nun in folher Mühl der Zeug fubtil genug zerſtoſſen / wird er annoch 
* feucht herausgenommen / und in das fo genannte Kirn⸗Haus gebracht / 
alsdann ein gutes Theildabon in ein eng oder weites Kirn⸗Sieb 
(uachdem man nemlich dad ‘Pulver grob oder Elar berlanget) gethan/ 
folches mit einer ſtarcken hölgernen Scheibe oder Teller bhedecket / und 
fo dann das Sieb wohl herum getrieben / bis der Zeugim Form der 
Koͤrner / nach der Groͤſſe der Löcher im Sieb durchgehet / hierauf wer⸗ 
den ſolche wieder in das Staubſieb gethan / der Pulber⸗Staub durch⸗ 
geſchlagen / und das / was in den Sieb verblieben / anf den mit Leiften 
umgebenen Dürr: Ofen gefchüttet/ oder auch zu Zeiten mit einent klei⸗ 
nen Rechen umgewondet / und warn es recht duͤrr und trocken / wohl: 
verwahrt aufbehalten. Sſſ3 Es 


geweſenen Königlichen Pohlniſchen 


od ul 

Es wird aber das Pulber insgemein in dreyetley Sorten abgetheilet/ 
ald(ı.) in grobes Geſchuͤtz und Carthaunen⸗Pulber / deſſen Sat; ge> 
meiniglic in ginem Eentner Salpeter / und des Schwefels und ver 


‚Kohlen jedes 25. Pfund beftehet / wiewol auch einige nur 20. Pfund 


Schwefel und 25. Pfund Kohlen gebrauchen / (2.7 in Mufgbeten-Pul- 
ver / worzu man zu jedem Eentner Galpeter nur ı5. bisıs. Pfund 
Schwefel / und is. bis 20. Pfund Kohlen zu nehmen pfleget. (3.) 
Pirſch⸗pulber / bey deflen Berfertigung man aufı. Eentner Galpeter 
10 bis 12. [B. Schwefel / unds. bis 15. TB. Kohlen rechnet. Obnun 
wol diefer dreyerley Arten des Pulbers bon den beygemiſchten Kohlen 
ſchwartz (ind / fo Fan man es jedoch) auch weiß/ roht / gelb / blau und 
grün machen / worzu Die Saͤtze in der geofen Artillerie des weyland 

eneral⸗Feld⸗Zeugmeiſters Si- 
mienovic2 aufgezeichnet zu findeu. Von dem ſtillen Pulver/ foohne 
Knall feinen Kſſect thut / nichts zu melden / weilvielmehrzu wuͤnſchen 
waͤre / daß folche Erfindung um vieler böfer Menfchen willen wäre un 
terblichen/ und niemahlen bekannt gemacht worden. Die Qralität 
deö Pulbers kan man auf folgende Weife probiven: Man fchüttet ein 
wenig auf Papier und zündet es an / je weniger folches nun das Pa» 
pier ſchwaͤrtzet / je beſſer es iſt / je fchwärser hingegen das Papier wird/ 
je ſchlechter und ſchwaͤcher ift feine Wirckung; Oder wann ed im Rei⸗ 
ben Beinen Schmutz giebet / wird es ebenfals fuͤr gut gehalten. An⸗ 


dere haben ein gewiſſes eiſernes Inſtrument, beftehend in ein eifern 


Rad / bey welchen eine eiſerne Feder angemachet / welche das Pulyver / 
nachdem es ſtarck oder ſchwach ift/ auch biel oder wenig / zuruͤck fchlägt. 


Wann es fertig / wird es in Tonnen He / undbeyıoo. [b auch 


Centnerweiſe verkaufft. Es darff an keinen feuchten Ort geſehet wer⸗ 
den; wann es geoͤffnet wird/ muß man es mit hoͤltzern Schlaͤgeln und 


nicht mit eiſern Haͤmmern thun / weiln gefährliche Zufälle mit legtern 


zur Gnuͤge bekannt. 
Den Pulver⸗Handel an ſich ſelbſt betreffend / ſo haben theils Potenta⸗ 
ten und Republigven ihre eigene Pulber⸗Machers / denen ſte die Ma- 
terialia darzu anfchaffen/ und ihrer Mühe wegen ihnen gewiſſe jaͤhrli⸗ 
che Befoldunggeben. Theils iſt auch dieſer Handel inder Kauffleu⸗ 
te Haͤnden / welche allerhand Art Pulver bey Eentner und Pfunden / 
ſonderlich die Specerey-⸗ und Eiſen-Krahmer ein-und wieder ber— 
kauffen; etliche ſich ex profello darauf legen / ihre eigene Pulver: 
Mühlen haben / und offt groffe Liverangen an hohe Potentaten uud 
dero Magazinen und Armeen thun/ daben dann die Confervation des 
Pulders zu confideriren/ daß ſolches allzeit an truckenen und nicht am 
feuchten Orten / damit es ſich nicht folvire / und von Kräften komme, 
gehalten werde / item dag man es an ſolchen Orten bewahre/ — or 
| | euer⸗ 





— — — _ 


Pult | ıo1X 


Keuer-Schaden gefichert ey. Es prætendiret aber immer ein Land : 
oder Stadt / undein Meifter vor den andern gut Pulver zu machen / 
welches am beften durch die Probe Fan unterfuchet werben. 
Pulveratio, pulverifatio, eie Zerftoffung einer Mixtur im Mörfer/ 
oder Zerreibung auf dem Stein ; fie fol gautz fein und inpalpable 
ſeyn / alsdann wird die Operation alcoholifatio eben als wie die / Die 
mit Erhöhung der geiftlichen Sachen in liqvidis gefchicht/ benahmt. 
PulvisSympatheticus , beftehet nad) der Befchaffenheit der Wun⸗ 
Den / entweder aus einer einfachen oder aus zwey Subſtantzen. Kine 
einfache wird erfordert/ warn beyeiner Verwundung Fein Bein zer» 
brochen/ oder fonften keine Schmetterung gefchehen ; Das zuſammen⸗ 
geſetzte Pulver aber braucht man / bey den gebrochenen Beinen oder 
zerichmetterten Schaden, Die einfiche Materie zum Pulver ift Ro» 
mifch Vitriol, nemlich der grünfte und — / deilen groͤßte Krafft in 
folgender Zubereitung beſtehet: Man ſtellet gemeldtes Pulver im An⸗ 
fang des Auguſti in das reinſte Waſſer zu ditlolviven/ läßt es hernach 
bermittelft eines glatten Papiers / nah Anweifung der Pyrotechni- 
ſchen Kunſt ausdaͤmpffen / wann man nun hier abermahl ein dickes 
Pulver bekommen / fo ftellet man folches an die Sonne auszubren> 
nen / und laͤſſet es ıs. oder is. Tage fichen / bis es durch die Krafft der 
Sonnen zu einer feinen weiſſen Farbe gekommen / oder verkalchet iſt / 
doch muß man es in keine regeuhafftige oder dampffigte Lufft kommen 
laſſen. Wann nun dieſes Pulver durch die Hitze der Sonnen und 
gute Obacht gedachtermaſſen zubereitet worden / muß man es alſobald 
an einen truckenen temperirten Ort verwahren; ſolte es aber durch 
einen Zufall etwas naß werden / fo Fan man es durch eine gelinde Hitze 
wieder in den vorigen Stand und Krafitfegen / ſo man es gebrau- 


hen will. | | 
Das zuſammengeſetzte Pulver beftchet aus obgeſetzten einfachen /und 
aus Gummi Tragacanth , dabon man ohne fernerer Zubereitung fd 
viel als des Virriol nimmt / und unter einander mifchet. Cinige than 
wol zur Verſtaͤrckung der Kraft / Mrabifh Gummi / Sarocolla und 
andern Medicinifchen Gummi darzu/ aber die gene Kraft und Wuͤr⸗ 
fung beftehet doch eigentlich in dem Virriol. Mit diefem Pulver ein 
feinen Laͤplein / fo indes Vermundeten Blut getuncket worden / be⸗ 
— und in temperirter Lufft aufbehalten / wird dem Patienten in 

rtzen zur Geſundheit bringen. | 

umex, Bimöftein/ iftein ausgefreſſener Löcherichter ſchwammig⸗ 
ter Stein/ und zwar fo leicht / dag er auch aufdem Waller ſchimmet. 
Die ſchoͤn weiß undleicht/ auch ſich leicht zerbrechen laſſen werden 

dor die beften gehalten. | 
Purgans, eine pargivende Artzney / fo den Uberfing bon unten aus⸗ 
Gil 4 führet 


— 


1012 Pum Pur 


—— — —ñ— — LMU — — ——— 
führet / dergleichen ſeynd: Rhabarb. rad. Jalappa, polypod. fol. fen, 


G. Gutt. aloe Qᷓ dulc. & purgans agaric. aſar. ireos Manua, mechoac. 
turbith, &c, 

Purgirende Casfıa, Casflıa in Fiſtulis. Ä 

Purgirende Bohnen aus America, Phafeoli Americi purgantes, 

Purificare, reinigen / dieſes geſchiehet durch austieben / auslefen/ 
wachen, clarificiven/ filtriren/ digeriren. 

Putpur / Purpura, eine ſchoͤne rohte Farb / deren Benennung etli- 
he Von Pyrpyr. aus dem Griechifcher Wort TIve ‚fo Feuer bedeutet/ 
oder nach der Niederteutfchen Sprach Purpur / qvalipurvür, ein 
pures lautered Feuer / weil die hohe Farb des Purpurs die Yugen wie 
ein heilfcheinendes Feuer verbiendet/ herleiten wollen. Es kam aber 
por dieſem derrechte Purpur von dem Blut eines Meer-Schnedens/ 
wie alfo Vitruvius Lib. VIL Cap. XIII. bon ihn fchreibet: Conchylia 
ifta cum funt ledta, ferramentis feinduntur, € qvibusplagis purpurea 


ſanies utilachryma profluens, excufla ita,mortariis terendo compa- 


ratur. Das iſt: Diefelbe Art von Muſcheln / verſtehe verPurpure 
Schnecken / wañ fie aufgeſam̃let worden / wird mit Meſſern ent⸗ 


zwey geſchnitten / woraus hernach ein rohtes Eyter gleichſam 


wie Chraͤnen heraus flieſſet / welches hernach im Moͤrſer fer» 
ner abgerieben und zu recht gemacht wird. Dieſer Purpur⸗ 
Schnecke Erfindung ſchreiben etliche / und unter andern Georgius Ce- 
drenus in Compendio hiftoriarum p, ı5, einem / Hercules genannt / 
nit diefen Worten zu: Daß als derſelbe einsmahls am Ufer bey der 


Stadt Tyrusfpapiren gegangen / habe der mit ihm lauffende Hund 


bon ungefehr eine Purpur⸗Schnecke entzwey gebiffen / davon! deffen 
Mund gang roht gefärbet worden/ Hercules, welcher bermeynet / da 
er ſich wol verleget/ und dannenhero blutigwäre / habe ſolchen mit ein 


wenig weifler Wolle dad Blut abmifchen wollen/ aber befunden / daß 
die Wolle vortrefflic babon —— / der Hund aber gantz 
ern dieſer rohte Safft aus der entzwey 


nicht ſey verletzet geweſen / ſon 
gebiſſenen Purpur⸗Schnecke — weswegen er deren etli 

aufgeſammlet / mit ſich in die Stadt Tyrus gebracht / ſelbige dem Koͤ⸗ 
nig precfentivet/ der ſich gleich ein Wollened Kleid mit Purpur gefaͤr⸗ 
bet zu machen befohlen / von derſelben Zeit an ſey auch die Kunſt / das 
Geiden:oder Woilen⸗Gewand zu faͤrben / den Menſchen bekannt wor⸗ 


den; wiewol Blomius in feiner Diſſertatione de Purpura 8 Cocco be⸗ 


weiſen will / daß fo wol der Purpur als das Färben den Menſchen ſchon 
fang vorher ſeynd befannt geweſen. Dein fen aber wie ihm wolle/ fo 
iſt das Purpur· Gewand lange Zeit aexns ruwoAov , Ein Zeichen 
der Ober⸗Herrſchafft geweſen / fo daß bon denjenigen/ welche 

en 


— 


Pur 1013 
den Ränfern die Revereng zu machen/ gefagt würde: Sie kaͤmen / den 
heiligen Purpur — l.1.C.deappar. præf. Præt. lib. i2. me» 
wegen nicht allein hoͤchſt verboten war / den Purpur zu verfaͤlſchen / ſon⸗ 
dern es doͤrffte auch kein Kaufſmann oder Kramer anders nicht damit 
handeln / als nur fo viel qls die Kaͤyſer / und nach der Zeit der Roͤmi⸗ 

e Raht / oder der Kaͤyſer ihre geheime Nähte zu ihren Bebraud 
noͤhtig hatten/ wie fie dann dahero Purpurati genennet worden /-vid.), 
1. C. null, licet. ı1, pen.C, de Conſul. lib. 12, item in J. fi qvis navicu- 
lamC, de Murileg.lib.ız. Heutigs Tags gehen noch die Vornehm⸗ 
fen in Benedig/ und auch andere vornehme Herren mit Röcen bon 

rohter PurpursCouleur, (wiewol folhe nicht mehr diejenige ift / des 
ren ſich die alten Kayfer und Romifche Rahts⸗Herren allein bedienet/ _ 
und wodurch fie die Gewalt über eben und Tod / und das Blut eines 
Menfchensandeuten wollen.) Es war aber der Purpur felbft fchon zu 
der Alten Zeiten nicht glei, hoch bon Couleur, undfchreibetVrtruvius, 
daß die Purpur· Schnecken / meiftentheilsdieienigen / welche an den 
Srangöfifhen. See-Kuften gefunden worden / einen ſchwaͤrtzlichten 
Purpur-Gafft/ die aber weiter hinein um Africa. Oſt⸗ und Weſtlichen 
Theils / einen Biolbraunen gegeben ; die ſchoͤnſte Purpur⸗Farb aber 
fey an dem Mittägigen Gee-Strand gefunden worden. Heutiges 
Tags ift dieſer Purpur gantz nicht mehr zu finden / fondern an deren 
Statt wird mitder Cochenille (fo eine Axt Heiner aufgebörrter Muͤ⸗ 
cken iſt / welche inndien hauffig gefammlet werden) gefärbet. Es iſt 
auch eine gewiſſe Frucht / Kermes oder Scharlachbeer genannt / welche 
ebenfalls wegen des in ſich habenden koͤſtlichen Scharlach-Farben⸗ 
Saffts / von denen Frantzoſen Vermillon genannt / zum Färben viel⸗ 
fältiggebraudht wird. Beſiehe weiter die Wörter Cochenille und 
Chermes. und vonder Bereitung des alten Purpurs Braunium infei> 
„ nen Commentario de VeflituSacerdotum Hebra&orum 1.c,14, &jır. 

Purpurine, vide Cäncant. Ä 

Purpur auf Glas und Porcellain-wird gemacht aus gang fubtil 

riebenen Ehryftall-Blas/ precipitirten Gold und Zinn / alles gar 
auber unter einander gerieben / deme hernach zugefegt wird ein hoc) 
reverberirter Crocus Martis , wann aber dad Gold zufehr gefparet/ 
und des legten zu viel ift/fo wird er allzudundel in der Farb / und hart⸗ 
flüßigim Schmelgen / dahero muß man denfelben auf ein Stüdlein 
Schmeltzwerck im Feuer probiren. Ä 

Purpur⸗Baum / Anemane, Anemonealtera purpurea. 

— Rohtgarb / Millefolium flore purpureo, 

— roht Fuͤnfffinger⸗Kraut / Qunqvetolium Theoph.'pur- 

ureum. ® 

— rxoht Alyſſen / Alyflum fecundum Galeni, flore purpureo, 

Siis. Pur- 


- 


’ 


‚4. Pur Por 


Purpursbraun Waldrebe / Clematis purpurea, 

— — peltſchel / Hedyfarum purpureum, 

Purpur-bzaun&Stallfzaur/OnonisTertia,non fpinofa purpuren 

Purpur-Vogel/ Porphyrio. Ä 

Putatos, eine Amertcanifche Frucht / unfern Erdäpffeln nicht un« 
gleich/ laͤßt ſich / wie Doct. Becher in feiner naͤrriſchen Weisheit ſchrei⸗ 
bet / auch in Teutſchland glücklich fortbringen / und ſoll / wann ſie zei⸗ 
tig iſt / gutes Brod / Wein und Brauntwein geben / womit bemeldter 
Author beſtaͤrcken will / daß (ich auch ſolcher ar noch viel andere 
ausländifche Früchte und Materialia, die wir bis anhero mit groffen 


Koften auöder Fremde geholet/ in unfern Teutfchland / als etwan die 


ndianifche Ananas, Cajou, Carfavia , dad Zucker ⸗Rohr und andere 
mehr fortbringen und erzielen lieffen / immaſſen ſolches unter andern 
ſchon aus der Pflantzung der Färber-Röht / des Weyds / Safflors / 
Keis/ Rübfoamen und Taback zu erweifen ſtehet / von welchen unfer 
Teutſchland vor so. oder 100. Jahren wenig oder nichtögemuft/ da ſich 
doch anitzo diefer Waaren unterfchiedliche Zeutfche Provincien mit 
guten Rugen bedienen/ und alfo auch mit den Maulbeer-Bäumen und 
Erzielung der Selde würden thun Fünnen / warn nurjede Landis 
Obrigkeit dad Pflangen derfelben bey fich einführen wolte. 


Putrefaciens, das mit feiner Schärffe der natürlichen Waͤrme g 


zu wider / und felbigevertreibet; dergleichen feynd beiffende — 


Sachen / als wie Arfenicum. | 

Putrefacizgen/ ift eben fo viel als digeriren. 

Pyrethrum, Berteram-Zähn/ Speichel / Geiferwurtz / kommt aus 
Itallen und aus der Schwettz; fie dienet vor dem Schlag / fallende 


Sucht / verſchleimte Lunge / zc. 


Pyrolalimonium, Wintergrun / Waldmangolt / wächftgern in 
2 Mäldern/ die Blätter dienen vor dem Brannt/ Wunden und 
Schäden. | 

— Birnbaum / iſt zweyerley / ſativa zahmer / und ſylveſtris wil⸗ 
der / und alſo ſeynd auch die, Früchte zahm oder wild; jene werden 
abermahl eingetheilt in Pyrapracocia& ſerotina, in frũhzeitige und 
ſpaͤte / in pyra dulcia, acida & auſtera, füffe/ faure und herbe Bien / 
avenacea Haber⸗Birn / aurea Gold-Birn / auguftana Augftbire/ 


Bergamenha, Buxea, Chriftiana (bon Chretiens) Cineracia, eruenta 


five fanguinea, globofa, Gorlicenfia, Hyematica, Mufeatellina, pen- 
dula, ftrangulatoria virginea, &c. Vide Öbft. 


— Q. 
lajacum lignum, ſive ſanctum, heilig Frantzoſen⸗Holtz. 
Quacanda Hyofciamus, Pilſen⸗Kraut. 


J 


Quali- 


— — — * — — — — — 


Pyr Ovbe Io 
Qualitas, die Beſchaffenheit einer Waar. | 
Quantiras, die Zahl oder Bielheit eines Dinges / wie groß oder 
wenig es fen. J 
Guappe / Muſſela oder Muſtella Anviatilie, ein glatter Fiſch / aus 
dem Geflecht der Yale; das Maul iſt weit / und gleichet einen Froſch⸗ 
Maul. Sie haben im Kopffe weiſſe Steine / faſt wie die Kaul⸗ 
barſſe / aber wol zweymahl ſo groß / welche bon einigen zur Artzney ge⸗ 
brauchet werden. J 
Queameos, Squilla, Meerzwibel. 
Quebrium, Querich, Schwefel. 


Queckengras / Gramen Volubilis, Convulvulus major. 





Queckſilber / Hydrargyrum, Argentum vivum, item Mercurius 


genannt / iftein flieffender mineraliſcher Cörper / ſchwer und gläne 
Hend / finder ſich auch folcher geftalt an bielen Orten / indem die Centra- 
lifche Waͤrme daffelbige biö über die Erde treibet / wie man derglet⸗ 
een bey Eracan in Pohlenfindet; insgemein aber wird es gefunden 
mit einer mineralifchen Erde umgeben/ davon man es durch Deit:!li- 
ren in einer aͤuſſern Retorten scheidet ; wie dann nahe bei) einem 
Dorff / wann man bon Börig/ einer Sclavenifchen Stadt/ nach) Lu- 
biana der Haupt-Stadt in Erain reifet/ eine ſolche Queckſilber⸗Gru⸗ 
be lieget/ wilche fo fruchtbar und reich iſt daß insgemein ro. oder ı2, 
Tb. diefes Ertz / welches anfangs/ wic eine graue Erde ausſiehet / mehr 
dann +. Tb. Queckſtilber durch die äuffere Kerorten gibt. Man findet 
auch in Ungarn und Siebenbuͤrgen Queckſilber-Ertz / welches roͤht⸗ 
lich / und dahero vor das beſte gehalten wird. Gonften findet ih 
auch in America genugfam dergleihen Erg / intgleichen aud) In Hi- 
Nria, s. Meilen bon Labach / an den Benedifchen Graͤntzen / welcheGru⸗ 
be Achaci genannt wird ; Alldar macht manQueckſilber und Zinober. 
Seldiges Erg fol gut zu brechen ſeyn; Es wird in fleinern Krügen 
Jublimirt / an welchen ſich der Zinober 4. Finger und noch Dicker an⸗ 
haͤnget. Wann das Queckſilber vein/ und der Zinober noch einmahl 
aufgetrieben/ ſo ſoll 4. Centuer felbiges Ertzes 3. Centner Zinoder ge» 
ben. Von dar bringen ſie es in das Reich / und kommt meift nacher 
Holland und andere Ser-Städte. Es wird unter beyden Stüden 
foot Zinober ald Queckſilber viel Betrug getvieben/ und folcher nicht 

ering. Das Queckſilber muß in einen Metallifchen Geſchirr ger 

chwinde mit ablauffen/ und (ich nirgend anhangen/ fo ift es rein / der 
Zinober aber muß nicht klein / kranß wäfleriht / fondern im Brechen 
lang und ffrahlend befunden werden. Mas der Hr. Dot. Becher 
dor einen Queciitiber- Handel mit denen Holländern zu erabliren ge= 
dacht / if in feinem Tradtar bon Aufnehmen der Städte und Republi- 
gnen zu erſehen. J Cinige 


— — — — 








1016: Due 


* Ginige Materialiflen/ wann ſie die Probe bon dem&wedjllber nehmen 


J 


wollen / fo defilliven ſie entweder ſolches / oder laſſen es in einen ſilber⸗ 
nen Löffel über den Fever abrauchen / gehet es dorten gang über / oder 
fäffet hier einen gelben Flecken hinter ſich / foifteögut / bleibet aber 
nach dem Deſtilſiren ein sediment, und nach dem Abrauchen ein ſchwar⸗ 
ger Flecken hinter ſich / fo iſt es — Den Gebrauch des Queck⸗ 
filbers betreffend / fo brauchen ſolches die Spiegelmacher / Goldſchmie⸗ 
de und Wardeinen / item die Medici in der Arheney / ſowol innerlich 
als äufferlich/ jenes in den Frantzoſen⸗Curen / Darmgicht / oder Paf- 
hone iliaca, fonft auch Miſerere miei genannt; dieſes gegen die Fran⸗ 
hoſen zu der Salivation und Spey⸗Cur / item gegen die Kraͤß und 
Meudigkeit. Das Ovbeckſilber wird verfälfcht durch Bley und Wiß⸗ 


muht / warn ſie zufanımen alfo fubtil gemacht werden / daß ſie ſamt⸗ 


Lich Durch Lederoder Barchent ſich drũcken laſſen: ein ſolcher vermehr⸗ 
ter Mercurius aber iſt träger und ſchwaͤcher in ſeiner Bewegung / als 


der gerechte und homogeniſche Cr laͤſſet auch immer eine ſtarcke 


Haut zuruͤck / warn er beweget wird; feine Farbe iſt dünckler und 


gleichfam tod / und wann er lang ſtehet / wird et abermahl mit einer 


ftarcken Haut umhuͤllet / und endlich gang matt / laͤſſet auch auf dem 
weiſſen Papier eine Schwaͤrtze hinter ſich / wann er beweget wird. 
Quendel / Thymus, Serpillum Herpillum, 
Quercula, Calamandria, Chamedrys, | 
-_ Quercus Eichen⸗Baͤum / das Holk und Spänegefotten / und da⸗ 
von getruncken / dienen vor bie Waſſerſucht und Frangofen / weswe⸗ 
gen diefed Holtz aud) lignum Guajacum Germanorum genennet 
wird. - 
Guertz eine taube Berg-Art. 
Aiueften-Araut/ OnonisRefla bovis, 
Quetſchgen / vide Pflaumen. | 
Quetſchwerck / iſt ein gering Erg/fo bon den Siebwaſchen abgeht. 
Quid pro qvo iſt wann ein Kauffmann / Materıalift, Apoteder ent» 


_ weder mit Fleiß / oder ohne Berftand/eined vor das andere giebet / als 


Maͤuſedreck vor Pfeffer/ c. 2 

Quincunx, eine Römifche Zahl / bedeuts. Ungen. 

Quinque folium, Pentaphyllum, Funffblat / Fünfffinger-Rrgut/ 
die Wurtzel dienet vor dem Bauch und gulden Aderfluß / item äufler- 
Lich Bor die Wunden’ Zahnweh und Mundfäule. 

Quinta Effentia, hedentet einen Spiritum , der. aus den fermentir- 
ten Liqvore deftillivet und erhöhet worden, | 

Quital, vide Centner. 

Quitten⸗Baum / Cydonia malus. GOvit⸗ 





\ 


| Due Rab 1017 
Am 4 m nn — —e — — · — * 
Quitten / Cydonia, Cythania, Cotonea und Quitten⸗Kern / Sc- 
men Cydoniorum ‚ iſt eine bekannte Srucht / die ſonderlich inden 
Wein⸗Laͤndern häufig zu finden. Man machet daraus Duittene 
Safft und Latwerge/ braucht (le auch zur Speife- Die Kern müſſen 
au gewiſſer Zeit ausgenommen/fchön grob und reinaufgetrucknet ſeyn. 
Quittiren / loßſprechen / loßzählen | 
— eine Handſchrifft / Schein / Beweiß / daß man bezah⸗ 
abe. 


R. Mr 


| R der erfte Buchftab in allen Recepten, heißt Recipe, nimm / und 


wird gemeiniglich k. gezeichnet. 
Rabatt oder Difconte, Frantzoͤſiſch Excompte, iſt in der Kauff⸗ 
mannſchafft zweyerley/ als erſtlich wann ein gewiffes pro Centum auf 
einbaar bezahlte Geld⸗ Summam gefürget wird / welde Summam “ 


man erſt über etliche Monat / oder gat innerhalb Fahres-Frift zu be⸗ 


zahlen wäre ſchuldig geweſen weöwegen dann der Bezahler billig wer 
gen feines voraus gegebenen Geldes die Interefle aus derHaupt-Sum- 
ma nach Proportion der Zeit abfurget. Dergleichen Abfürgung a⸗ 
ber — 55 — gemeiniglich in Erkauffung gewiſſer Obligationen und 
Handſchrifften / welche derjenige / der ſolche in Händen hat / nicht fan 
auslauffen/ oder die Zeit des Verfalls erwarten / dannenhero er ſolche 
an jemand andets/ der beffer in Cafla verſehen ift/- verhandelt / und 
bor die Zeit/ daß foldye zu lauffen hätten / ein halb / oder zweybrittel/ / 
oder gar ı.proCent. pr. Monat ſich abkuͤrtzen läßt ; Zum Exempel 
Einer kaufft eine Obligation ben . ıso2. fo über 9. Monat pracis erſt 
- fällig mit s. pro Cent. pr. Anno Rabatto, mie viel muß er baat da> 
vorzahlen! . , .. Fac. 1700,98, - 
Berechene/ wie biel Interefle in diefen ı802. H. nad) Belauff der >. 
Monat enthalten/ 12.Monat —3.— 9. Monat ® Fac. 6. proCenr, 
Ergo, ſeynd auf jede ioo. B. die man baar bezahlet / 6.9. zu rebatti- 
ren oder zu fürgen; Oder wann man 100. B contantzahlet / muß 
mannoch 6. Marck vor der zubezahlenden Summa decort'ven / und 
demnach vor 106. H. nur 100. 9. contant entrichten/fege derohalben 
por 106.9. Capital undZinfe — i00. . Capit, wie diel vor ı802.3. 
Eapitalund Zinfe? J Fac,ı700. Marck Capital 
müffen baar bezahlt werden / beträgt alfo die Interelle, fo gefürget 
wird (und allhie eigentlich Rabat heiſſet /) ⸗ 102. Marck. 
Der klare Beweiß dieſer Regul grundet ich In der Intereß-Rechnung/ 
dann warn obige 1700. Marck auf 9. Monat gegen 8. procent. per A. 
Zinfe ausgethan werden/ bringen felbige juft gherwehnte 1302. 2 
ö | wie⸗ 


108 Rab | . 

wieder / ald 12. Monat procent. —3,— 9. Mt. Fac. 6. | 100,8. 

106%. 1700... Facit eo »,.... Fac.ıg02,». 

Icemeine Handiehrifft ift uliimo Marti ausgegeben auf 2600. Mard/ 

isbers Jahr zu bezahlen/ felbige wird auf ult. Sept. as, procent, per 

A. —— viel muß davor bar erlegt werden Fac.s0o0o®. 

Von ut. Mart. bis ult. Sept.ſeynd s. Monat / die ſchon berlauffen / er- 

oreftiven noch bis zum Verfall⸗Tage 6. Monat / davor der Kaͤuffer 
abatt geneuſt. — 

12,Mt.—3.—6. Monat? Fac.4. | 104.—100.—B. 2000.⁊ 

a  Fac, 8. 2500. — 
Notandum. | A 

Bey Solution diefer und dergleichen Aufgaben ift zu beobachten / daß / 
feichtern Calculi halber/ nicht allein das Fahr in 12. gleiche Monat / be⸗ 
ſondern auch jeder Monat durchgehends ın zo Tage eingetheilet wird. 
Wann etwan einige Tage vorfallen / die nicht juſt oder Lo: 
Monat machen / fo wird die Rechnung / nad) denen vorfallenden Mo⸗ 
naten und Tagen zugelegt / und alsdann (wie geſagt) jede Monat zu 
30. Tage/ und alſo das gantze Jahr jn z00. Tage (als eine zur Intereſſe 
oder Rabart-Rechnung geſchickte Zahl) reſolviret. 
Item eine Obligation von sizo. .iʒ. — iſt datirt am is.Jan. dabon 

die Helffte über 6. Monat / die übrige Helffe abermahl über s. Mo⸗ 
nat nach dem erften Termin fol bezahlet werden/ wird verkaufft am 
3. Apr. mifs. procent. pr. A. difconto , wie viel muß davor bezahlt 
werden? . > Ki ⸗ Fac. J. 808.12. — 
Allhie iſt gar wohl zu notiren / daß über 6. Monat die erſte / und über 

12. Monat die andere Helffte bezahlt werden ſoll. 

Weil dann die Obligation am is. Jan. quögegeben / und am 3. April 
vVerkaufſt worden/ ſo hat ſie damahls ⸗c¶ Monat gelauffen / reſtiren al⸗ 
ſo noch von dein erſten Termin z. Monat / und don dem andern 93» 
Monat / wornach zu diſcontiren | ü 
1. Monat —s— 3 Mt. Fac. 23: | 1z.Monat—s— 04 Mt. Fac, st, 

1023.:—100.— 5060: 6 6? Fac. »D. 2990, 10, — 
1063.—100,— 3060: 6: 6?. Fac. 9, 2878. 2. — 
j Thut Contant D. 5868, 12. — 

Die andern Species der Rabatt-Rechnung gehet die ein-und ver⸗ 
Fauffte Waaren an / warn nemlich folche / wie in Hamburg gebraͤuch⸗ 
lich / aufız.oder 7. Monat Zeit eingetaufft oder verkaufft / und hernach 
mit s.procent.pr. Anno, oder mit 43. procent. pr. 7.0dersz-proC. 
pr. Monat rabattiret werden. Es ſeynd aber bie Waaren / auf 

welchen Rabatt gegeben wird / folgende: Als | gie 
| Ä ie 


Rab 1019 


Ziel z. Monat werden mit 3}. procent. Rabatt ein⸗ und verkaufft / 
braun und fein Macis, Nägelein/ Muſchaten · Ruͤſſe Eaneel / ſchwar⸗ 
tzer Ingber / weiffer Ingber / gefchrabten Ingber / Reis / Commien / 
Corinthen / kurtze Mandeln / Anis / Seiffe in Kiſten / Cappers / Juff⸗ 
ten / Indigo in Fäſſern und Kiſten / Liſſaboniſche Succade, Cochenilia, 
Ballen/ Schmack / Krappe / Breslauer Roͤhte / Italiaͤniſcher Wein- 
irre Puder-Zuder / Mafcovado-Zuder / Caribis und Bar- 
ados-Zucher/ Eottanen) Freyſtaͤdter Leinwand / Jeberſche Leinwand, 
rohe und weiſſe Glatzer Leinwand / Zůchen oder Betts · Buͤhren / Tafel⸗ 
Lachen undServierten, Marglieſer Leinwand / Schleyers. 
Ziel7. Monat werden folgende Maaren mit 45. procent. Rabatto 
ein und verkaufft / allerhand rafinirte Zuder/ Englifche und Holldndi- 
fche —— / Englifhe Kyrſaͤyen / Boyen und Kron⸗Raſchen / auch 
Kattinen. 

x Alle andere Waaren / welche hierinn nicht benennet werden / genieffen 
in Hamburg feinen Rabatı, fondern müffen contant bezahlet werden. 
Folgen hierauf einige Exempla von folder Waaren Rabatt Rech— 
nung / aus des. Sn. Rademannd Kamburgsihen AWBechfel » Bauıns 

p. 75. genommen: Als 
Kine Partey Waaren betragen 930. Marck Zielı. Monat mits. pro 

eent.pr. A.Rabatto , wiediel beträgt der Rabatt und hernad; die 
eontante Zahlung? Fac. der Rabatt beträgt 78.9. 2.8.6.8. und 
die contante Zahlung 90. 9.13.8.68. 











1. Monat —s. —13.Monat.] 1053 — 82 — 980,9, 
8 — — — 
— 2) z326 2)26 2940. 
12) 104 — 6 
163 13 | 
85. proC. — 
980. H. Br | 163) 12740. 
m — — — — 
ab 78. « 26 Fac. 78. DD. 28. €. $&. 


Fac.901.9.13. .6..contant, der Rabat. 
Mann man feinen Rabatt, fondern die contante Zahlung allein wiffen 
will / fo kan man nad) Berethnung der procent, die bon iz. Monat re- 
niren/ folgender geftalt feben: | 
1095. — 100. — 980.8. 
£ 3, | 150, . 


x 


) 326. 2) 300, : 49000, 
1655. 150, >. | 
165) 147000, 

Fa son Dr. j. 6. G. contant. 

Wann 


1020 Bi Rab ' 


Wann voneinerSumma 13. Monat rabartivet werden foll / fo darff 
man felbige mit 13. vermehren/und mit 103. abtheilen / das daraus kom⸗ 
mende iſt der Kabatt; Woher nun die 13. damit man vermehret / im⸗ 
gleichen auch die 163. damit man abtheilet / entſpringen / ſolches iſt aus 
obigen / da nad) der Kegula datri auf folgende Art geſetzet wird / zu er» 
fehen/ nemlich : 
1085. — 83 — 90,8, 
2) 326, 2) 26. 


163. der Theiler/ 13 der Bermehrer. 

Woraus zu bemerden/ daß in Verkleinerung dutche. vorn / die 165. 
als ein Theiler in der Mitten/bie 13. als ein Vermehrer fommen. 
Mann man demnad) bon eitter Summa 1. Monat Rabatto rechnen 
will / fo kan Kuͤrtze halber felbige nur mit 13. vermehret / und mitıs3. 
abgetheilet werden/ wie deflen Fundament in obigen genugfam erkläs 
vet worden | 

ItemeineParteygaden geftehet Ziel >. Monat 1255 Y.2.$. fo wird ra- 
battirtag. prC; pr A, wie biel beträgt derKabat uñ auch Da8Contante? 
Fac. der Rabat beträgt 7.9.1.8 6.&. un da$Contante.1228,.9.12.8.6.8, 

i2. Mt.— s. — 7. Monat. 








8 1043. — 457. — 1286,D. ꝛ j. — 
12) 56, 2) 314 2) 14% * 
M agq · PrC. 157. 7% 157) 9002.9.14.$. = 
186.9. 2.f. = “ Fac, 1.81.86. 1 
ab ı7! = r. = 6.Rabatt, . — 


| Fac.1223.9. 12 f. 6. Q. contant. 

Und alfo Ean auch jedesimahl/ da mıan von einer Summa 7, Monat Ra- 
battorechnen will / felbige mit 7. vermehret / und durch 177. abgeo 
theilet werden/ weil 7. und ıs7. durch Verkleinerung in 2. aud) ihr Fun- · 
dament haben/ gleich wie 13. und 153. in vorhergehender Aufgab. 
Die Ein-und Berkauffung gewiſſer Waaren aufız.oder 7 Monat/ 
Mita. procenr. pr. A. Rabatr, iſt gewiſſer Nachricht nad vor mehr als 
120, Jahren durch die theild.Adelichen Familien der Niederländer /wels 
che aus Braband/ des Ducd' Alba Tyranney zuentfliehen/ in Ham⸗ 
burg ſich erabliret/ und (leder der Zeit ſtarcle und anſehnliche Hand⸗ 
tung dafelbft getrieben/ eingeführet worden. Zumehrer Übung die 
nennochnachfolgende Erempel?- -  \ 
Cine Partey Waaren beträgt Ziel. Monat zis0. Y. a87. procent, 
“ Rabatt contapt zu zahlen / der Käuffer ſaͤumet mit ſolcher Zahlung / und 
zahlet erſt nad) Verflieſſung s. Monat / fragt ſichs: wie biel er als dann 
richtiger Rechnung nach / abtragen muſſe Fac.3000.9. 

| | 13. Mo⸗ 


ab | 1021 











13, Monat 1055» — 100, — 3160, u 
- gb s.Monat/ fo perfloffen u. 5 a 
Reft, 8, Mona | .. 300. 316) 948000, 
3. Mk geben — 87. — z. Monat Fac. 3009, »- die 
= | nach Berflieffung ders. 
* | Monat zugahlen. 
N J 4 
'B) 695» 
. pfocent, 
Obiges Exempel wird pon.einigen auf folgende Art ſolvirt: 
1087.—100.— 3160,94. .Monat — 35. — 1. Monat. 
326, 300, 300. r 
315) 948000, | - ur 
2907, B: 15. 8.78, cont, 13) — 
— IR, proceni 
10 807.217 
300. 10 5 
z * 30) 96. S. 14. ß. u. . Interefie, 


2007. 9. 15. . 7. 8. contant, 
Dabey 96. 14. ßq. i2. K. Intereſſe. 
fFace. 3004, 9.14. 6. $. 
Iſt alfo aus diefer letztern Calculation zu erfehen/ daß 4.9. 14.8. 6.83 
mehr aldin den erften bezahlt werden muͤſſen. Diefes paflıret im 
Handlungen zu öffteru/ und zwar / daß man von verfloffenen Monaten 
3. procent, per die Monat gleich denensz. procent. fo über 13. Monat 
(älige Intereffe rechnet / wodurch in ſolchem Fall / und da anfangs die 
Condition nicht alſo geſchehen / der Debiror überfeget wird / dann 
wann Creditor als Verkaͤuffer aufdie verfloffene s. Monat / nach dem 
procent. der 13. Monat Interefle rechnet / fo befomnit ex eine folche In- 
terefle; die ſhm erſt in einer gröffernSumma über s Monat / nemlich 13. 
Monat nach dent Berkauffgebühret. Dannenhero/wannobigess,D. 
14. $. 11. Q. Intereffe, die noch s. Monat Zeithaben a F- procent, per die 
Monatrabbarivet/ und zu contant gemacht werden/ (ich eben die 4. B. 
14. 8.6.8. (davon oben gemeldt) finden/zum Exempel; 
1, Monat —3.—3.M. 10, rt, 








a er er RT ER 
. 7 Fa ra 


2 Ttt Mm 





Rab 









02? 

Yan hat fo wol zur Sriefehterung/ 
fallen / die — 2— Rabbat 
RABATT- 

Bgeben 8. ſ. 6. Bicch 

1857 
— 8] 88 
11 5 19| 
i 2| 1} 107 
4|—| 2110| 38 
5— 3| 6| 126 
6|—|.4| 3| 57 
7,7 4) Ill, 
81—| 5| 81.76 
a A 
101 — 77 1 95 * 
201-21141333 
30p 11j154 128 
401 ılız| 6| 66 
so] 2|.3: 8) 4 
60] 210 9| 99] 
701 3] ı a1] 37 
801 31 9 —| 1332| 
90) 41 - 2) 70 
ı00' 4| 7| 4|: 8 
200: 8lı4| $| 16 
300 131 6,—| 24 
40017113, 4| 32 
500122) 4, 8] 40 
600,26] 12'—ı 48 
700! 31] 3 4] 56 
gool3s 1O 81 64 
yool40| 2/—| 72 








/ als auch denen Ungeubten zu Ge⸗ 
Zafeln hierbey inferiven wollen: 


Tafel vor 7. Monat 28. — p. An. 


ich geben — 5. Bruch 


157 
2113230 
29 

ı2|. 3 83 
5 6 
222|14}ı0| 8 
8! 3].-:9 
ı) 7 89 
ıi—| 12 
Be 
IB] 91.15 
ı1! 6] 30 
9731 4% 
71—| 60 
41 9| 75 
2| 6| 90 
—| 3105 
14 |— | 120 
mn 9) 135 
9| 6| So 
7 u 
—!ı nn 
j—] 2) 22 
Zt + 
el 4 
— — 14 
38 ——i—j—1 2ı 
— — 28 
— — 42 





dr 






RABATT-Tafel vor 13. Monatä g.pr,Cent. p. An, 


Rab 





1027 











* 














| — ij. 8. Bruch. Bgeben . 6.8. Bruch 
163 | 163 
— nf | 
—| 1) 3) ST 1000| 79; 12/ - 144 
2 —26102 2000 | ı59| 81 ix5 
3 3! 9) 153 3000| 239| 4| 2 JIO6 
45. 4000 |: 319 —| 3| 87 
sl 6| 4 92 5000 398 12| 4| 68 
6—| 7| 71 143 6ooo| 478 8] 5| 49) 
7\—| 8] ul 30 7000| 558! 4| 6, 30 
gl—lıo| 2| 82, 8000| 6381—I 7 KL 
9I—| ul S| 1233 gooo| 717/12] 7lıss 
ı0l—|r| 9) zı 10000| 797] 8 8136 
20| ı| 9| 6| 42 20000| 1595| ı| 5109 
30| 2| 6! 31 63 30000 | 2392| 10| 2] 82 
40) 3! 3 —| 84) |-40000| 3190| 2] 11] 55 
50 3} 15 9 105. 5000 3987| 11] 81 28 
60! 412 6 126) 000014785 4451 ı 
70 5|9 3| 147 70000 $5$r| 13} 11137 
801616 1 5 80000 6380| 510 no 
90 7| 2 10| 26| | 9P000| 7177114|.7| 83 
a] Sue u —— 7 
100 7lı5| 7| 47 100000 7975 — * 
200 i5 15 2] 94] (Schill, ı — 1 —1— 1156 
300| 23j14|.9| I41 2 — — 11149 
400| 3114| 5| 25 —— —3 
> 39]14.—| 72 8 — — 7107 
00147] 13| 7] 119 > Welpe 
700| 55] 13 A 3, 5 2 Sl 2 
800! 63] ı2 | 10, 50 3, — — 
900 70 ı2) 5997 4 4 
| Gh 78 
zit a 5 


/ 


1024 Kab | | 


Folgende Conditiones feynd bey) denen Maaren / fo mit Rabatı ver 
" Faufft werden/ zu obferviren: 


1. Ob der Käufer / wiegebräuchlich / den Rabatt zu genieflen/ und 


contant bezahlen foll? | 
2. Ob Käuffer den völligen Rabatt zu genieſſen / und doch noch einige. 
Zeit wegen der Bezahlung haben fol? — 
3. Ob der Kaͤuffer nach Genſeſſung völligen Rabatts das Contante, ſo 
lang pr esohnbezahlet ftehet/ mit ein gewiſſes prosent. Verinteref- 
firen toll. 
4. Db Kaͤuffer / wann er einige Zeit bedinget / von der Reflirenden 
den Rabatt genieffen foll. x 
s. Ob der Käuffer nach Begbemlichkeit und eigenen Gefallenen rabat- 
tiven und bezahlen folle- | 
Was die erfte und andere Condition beteifft/fo ift folche Denen vorhin- 
gefegten 2. erften Aufgaben gleich / wie auch die dritte Condition, auf 
welcher contanten Summanac) det Intereßs-Rechnung/ die verfloffene 
Zeit nad) ihren beraccordirten procent. gerechnet werden muß ; Die 
bierte und fünffte Condition aber (allwo der Kaͤuffer nicht mehr Ra- 
batt genieflen kan / alg die reftivende Monaten feynd) wird der dritten 
Aufgabe aleich gerechnet das, Monat von 13. Monat fubtrahiret wor⸗ 
den. ” NB. Unter der Englifchen Nation in Hamburg ift gebräuchlich 
daß ſie die aus Eugeland gekommene Lacken / Kirſaͤh / Boyen undKron« 
Kafchen / an ihre gewöhnliche Toin Tage aufs. Monat Zeit verkauf⸗ 
fen / wodurch (ie 7. Monat pracis verfichen. Wann demnach ein 
Käuffer/der beym Empfang folder Waaren feine Obligation darüber 
ausgegeben / vor oder auf den 20. Tagadatofelbige einlöfet und be⸗ 
zahlt / fo genieffet er von 7. Monata 4F- procent, Rabatt , bezahlt er 
aber nach folchen zoften Tag / fo genieflet er nicht mehr / als was noch 
von der Zeit an bis zun Ende der 7. Monat reitirt, 
Item, es Faufft einer am 2r. Januar. Ao, 1705. bon einen Engliſchen eine 
Obligation don 650. Kthlr. di Banco, datirt amt 10. Sept, Anno paſ- 
fato auf s. Monat courant, mit 8, procent. pr. Ao. Rabatto, am 25. 
Aug. werden ihme von den Debitore auf Rechnung bezahlt sro. - 
am io. Sept soo, H.undants. Nov. der Reſt. Nun fragt ſichs all» 
hier / wie bielev den Engelömann contanr bey Erkauffung bezahlt/ 
und an Interefle dem Debitori , weil derfelbe zu rechter Zeit nicht con⸗ 
tentiret/ berechnet habe? | 
NB. Waun eine Obligationgefaufft wird / fo prafentiret der Käuffer 
vorhero diefelbe an dem Ausgeberoder Debitoren/ mitder Frage: 
Ob folche durch feine felbft-eigene Hand unterfchrieben/ und alfo ſei⸗ 
ne fhuldigeObligation ſeye? iſt dem alſo / und daß hernach felbi= 
| ge 


— — — 


\ \ 


Rab» 1025 

e crkauffet wird / fo wird auf Berfal-Zeit von dem Debirore die 

g hlung erwartet/ watın aber darinn gefüumet/ und nad) Verflieſ⸗ 

fung einiger Monat (mie obgefegten Erempel zu fehen) die Zahlung 

“ erfolget / alsdann wird per Interefle für jede Monat ein halb pro 
cent, gerechnet, 

Borhingedachte Obligation iſt den 10. Julii Ao. 1707. fällig / vom 25. 


“ Januariianbid gedachtem 10. Julii iftss. Monat / vom welche der 
Käuffer Rabatt genieffet. Ä 


12. Monat — 5. — s3.Monat fro3}. — 100. — 60. 


8. zu, 3. 3» 
—— — — — -. — —— 
12) 44. 300, 1950.09. 
— — — 300. 


37. procenk, H zu 8000. 
Fac. 1381,.9. 6.&. 
welche sr. B. 6.9. dem Englifchen contant bezahlt feynd. 
Dem Debitori wird Die latereſſe berechnet / als: 
Yınıo. Julii Ao,ızor. ift die Obligation von so. Rthlr. fällig/ dabon 
bis denzs. Auguſt.iæ. Monat Intereſſe a 3. procent. pr. Monat be⸗ 
trägt s . s . 14.10, — 
Vom ꝛ⸗. Aug. bis is. Septembr. ift s Monataz.prc. 
per Monat bon 1000. ° > 
Vom io. Sept. bido. Novembr. iſt i. Monat az prC. 
per Monat von soo. B- E » 


4. 8 6. 


4. 2.6, 


Br Summa 22. 9. .ß. > 
welche 22.9. 15. ß. Intereſſe der Debitor zu bezahlen ſchuldig. 
Zu Facilitirung der Ausrehnungen des Rabatıs , ſeynd auf einiger 
Kauffleute Contoiren gewiffe Tabellen im Gebrauch / auf welchen der 
Rabatt pon 1. bis 100000, 4. nad) gewiſſer Monaten und procentum 
ausgerechnet zu finden/ weil aber aus —— Tabellen die Kabatts- 
Rechnung zu formiren faſt eben fo viel Muͤh koſtet / als wann ein ge⸗ 
uͤbter Rechner folche aus freyen Kopff ausrechnet / ald fchreibet Hr. Va- 
lentinHeinsin feinen Gazophylacio Mercatorio, oder Schat- Ran» 
mer Kauffmännifcher Rechnung/ pag-3n. (mofelbfter auch ein Modell 
von dergleichen Rabatt-Tafeln gegeben) nicht unbtilig zum Hohn fol> 
her Rauffleute und Kauff-Geſellen / die offt nichtsẽ. Nthl. Zeug / 
oder bonetlicheroo. Y den Lagio oder Rabatt ohne Tabelien aus⸗ 
„rechnen können / folgender geſtalt: 
Tabellen brauche dar/ dem es ſo mag belicben / 
Doch werden meiſtentheils dieſelbe nur geſchrieben 


1026 | Rab 


Dem / der ihm ſelbſt nicht traut / und nicht wohl rechnen kan / 
Wer feſt gegruͤndet ift/ ſpricht keine Tafel ar. 

Ehe mir aber dieſe Materia ſchlieſſen fo ift wegen des Rabatts noch zu 
mercen/ daß felbiger nad) Condition der Ränder/und wegen des man 
nigfältigen Accords, welche zuſammen contrahirende Kauffleute un⸗ 
ter einander fchlieffen / eben nicht gewiß zu determiniren fy. Im 
Italien fennd ſie an etlichen Orten gemohnt / bis auf :o.procent. Ra- 
bar auf Seiden⸗Waaren zugeben. Go hat ſich auch ein je der Käuf- 
fer nicht darauf zu verlaſſen / daß es in feiner Milkühr ſtehe / ober die 
auf Zeit gekauffte Wagren erſt nach Verflieſſung folder Zeit bezahlen, 
oder au) Rabatt genieflen wolle / fondern es iſt der Rabacı nur bey de: 
nenobfpecificirten Waareneine eingeführte Gewohnheit / welche dar- 
umdenjenige/der kein Credit hat, nicht nachgelaflen/oder die Maaren 
(mann er (ich gleich der Summa des Rabatts begeben wollte) auf Zeit 
gegeben werden; geſeht / daß er ſolches auch ſuchen folte/ wuͤrde es nur 
Sufpicion, daß es mit feinen Sachen nur ſchlecht beſtellt ſeyn můſſe/ ab» 

eben/ weil er / daer eine groff⸗ intereſſe durch den Rabatt genieffen 

n/ sich deffen dennoch begibt / und die Zeit der Bezahlung will aus⸗ 
lauffen laſſen; wiewol anderer Seiten dem Verkäufer au Eönnte 


 ebjicivet werden/ daß er des Gelds benoͤhtiget waͤre / indem er ſonſt / 


wann er die verkauffte Poſt auslauffen ließ / ebenfalls ein gutes Interef- 
fe, durch Einbehaltung des Rabatis zu genieſſen hätte, Hierauf moͤch⸗ 
te aber aus des Savarıı polfommenen Rauffınannd cap. 2 geantwor⸗ 
tet werden: Daß heutiges Tages die Groshrer ihren Abkaͤuffern/ fon- 
derlichdenen/ die ins Kleine die Waaren wieder verhandeln / nicht fo 
lang mehr C- edit als zubor / und diefes zwar um deeyerley Urſachen 
willen geben koͤnnen: Erſtlich / weil die Foftliche Waaren ais da ſeynd 
Guͤldene / Silberne und Seidene ſehr hoch kommen/ und muͤſte ein 
Kauffmanu groß Guthaben / wann er 1z. oderıs. Monateinen jeden 
borgen folte/ wieman dann Exempel at / daß ein Groshirer ich allein _ 
beyeinem Kauffmann des Handkauffs um s. bis 600000. Gülden ver⸗ 
tieffet wie nun derſelbe kaliret / wurde der Grosfirer gezwungen / des⸗ 
gleichen zuthun; Dieſes hat nun vielen Kauffleuten veranlaſſet / nicht 
mehr fo lange zu borgen. Selbſt zu Lion / allwo der Anfang mit Ver⸗ 
kauffung der rohen Seide an die Manufacturier der GSelden:Zeug auf 
Termine etlicher Zahlungen gemacht worden / verkauffen fie anjego 
wenig mehr/ald nur vor ein oder zwey Zahlungen. " 

Die audere Urfache iſt / weil zu selbiger Zeit die Handelsleute meikten- 
theils fremder Städte Gelder in Händen hatten / welche fie ihnen va- 
Jiven gemacht / und vor ihr Provilion 2. oderz. procentum gehabt, 
Gleicher geftaf berhielt ſichs auch mit den Maaren/ welche die Frem⸗ 
de in Frauckreich ſchickten / und auf 4. oder 5. Zahlungen verkaufen 


lieſſen / 


- Mab 1027 


liefſen weil damahlen wenig Manufadturen in Frandreih./ uudalfo 
auch wenig Grosfiver / welche dad Gewerb vor ihr eigen Conto trie⸗ 
ben/ fondern allein in Commisfion por Fremde berfaufften/ gefunden 
worden. | 
Die dritte Urſache iſt weildamahld die meiften Stands-Perfonen/ 
Gerichts⸗ und andere Beamten ihr Geld den Großirern geliehen / da⸗ 
mit ſie daſſelbe hoch hinaus bringen moͤchten / dieſe aber borgten ihre 
Waar den Kauffleuten des Handkauffs auf 4. oder s. Zahlungen / um 
durch dieſes Mittel 10. pr. C. jaͤhrliches Intereſſe zu bekommen / und 
alſo gewonnen ſie auſſer dem Profit an der Waare / auch noch an dem 
thnen anvertrauten Geldz bis 4. pr. Centum, nachdem aber Treu und 
Glauben unter denen Kauffleuten erloſchen / und ſo biel Fallimenten 
im Schwang gingen / will heut zu Tage keiner oder gar wenig ſein 
Geld miehraugleihen/ welches dann die Urſach / daß das Beld in der 
— / und daß die Großirer ſo groſſe Summen auf ſo lange 
Zeit nicht borgen koͤnnen. “ar 4 
G3waraber nicht allein dad Crediciren vor Rauffleute / ſonderu auch 
dor andere Perfonen fehr bequem; Denn mas die Kauffleute des 
Handkauffs betraff/ foführeten fie ihren Handel leichter / weiln fie ıs, 
Monat/ oder ein Jahr Zeit hatten/ in welchen fie die Waaren verfauf> 
fen/ das Geld davor einziehen / und ihre Gläubiger bezahlen könn⸗ 
ten. Diejenigen/ welche keine Kaufleute waren / hatten auch Davon 
ihren Ruhen / indem fie bey den Kauffleuten viel leichter Credit fanden; 
dieſes eben war auch eine Urſach / warum fle ihre Pacht⸗Leute nicht 
ſehr nöhtigten / welches dann denfelben beffere Zeit und Gelegenheit 
a ihr Getreyd/ Mein und Früchte / die fie von den Bütern ſamm⸗ 
en/ zu verkauften / und durch dieſes Mittel lebte ein jeder viel bes 
gnügter. Ob nun wol dieſe Art / die Waaren auf 4 oders Zuhlungen 
zu kauffen / dem Handel ſehr bequem war / nichts deſtoweniger aber / 
wann die Kauffleute ſich dieſes Credits mißbrauchten / und in ihrem 
Handel nicht wohl vorſichtig waren / entſtunde daraus groſſe Unord⸗ 
nung/ dann erftlich/ wann (te (ich auf den Credit berlieſſen / und garzu 
viel einfaufften/ wie nichtö minder allen denjenfgen / fo nur kamen / 
borgten/ verurfachte e3/ daß ſie nlemahls rabattiren oder difconiren/ 
kunnten / welches doch der erſte Gewinn iſt / welchen ein Kauffmann 
des Handkauffs Haben kan / weiln ein Zeuch / welcher auf Jahrs-Zeit 
so. Francken koſtet / wann er nux vor 2. Zahlung diſcontirt / fos. Mo⸗ 
nat iſt / ag pr. cent. gerechnet/ der Preis um ı0.Sokper Elle verrin⸗ 
gert / welches / wann man viel einkaufft / groſſe Summen bringt. Daß 
alſo ein Kauffmann / weicher nicht diſcontiret / ſeine Maar nicht fe 
wohlfeil als ein anderer / der ſolches zu thun pflegt / geben / oder die Un⸗ 
koſten / welche er in ſeinem Handel nn / fowol als ein anderer 
2. tt ge⸗ 


1. Näb Has 


ewinnen kan. Zum andern / wann ſich ein Rauffmannmit bielew 
aaren überhäuffet/ werden diefelbe immer fchlechter / die Tracht 
dergeht/ und er macht viel unnuͤtze Reſte / alſo / daß er offtmahls diefel- 
be auf Credit geben / oder auf dem/ was (fe ihm an baaren Gelde ge⸗ 
koſtet / berlieren muß. Zum dritten / wann er mangelhaffte Maare 
auf Credit gibt / fan es auch nicht anderfter ſeyn / als daß es an üble 
Bezahler geſchicht / bey denen man offtmahls alles mit einander ber: 
lievet ; dann Diejenigen / welche wohl zahlen / wollen gute Maar vor 
ihr Geld haben / deromegen an ftatt Gewinns ſie auzeit Beflieven. 
Zum bierten / ſtecken ſich auch dergleichen Kanffleute auch bermittelſt 


dieſer Uberhaͤuffung der Waaren in die Schuld / weil fie denjeni en/ 


die nimmermehr zahlen/ borgen / weswegen ſie dann nicht einmal in 
berfloffenen Terminen zahlen / will geſchweigen / difcontiren fönneny 
und dieſes zwingt diefelben / daß ſie die Zahlung weiter hinaus / um 
groſſes Interefle prolongiven laffen müffen / woraus dantı hernach 
nichts anders / als er ſie allgemach zu Grundegehen / und eudlichen 
falliven muͤſſen / erfolget, Ä Ä 
Wannnun junge Leute / die bad Bewerb des Handkauffs vor die Sand 
nehmen / dieſes / mas hier angeführet/ wohl inacht nehmeny werden ſie 
der Zeit/ welche ihnen die Waaren zu bezahlen, gegeben wird / nicht 
mißbrauchen/ das iſt / ſich nicht mit zudielen Waaren überladen / da- 
mit ſie ſich im Ausborgen auch nicht ſo leicht vertieffen / ſondern ſich 
deſſen allezeit erinnern / daß / wann ſie bey den Großlrern Credit 2. 
ben wollen / fie auch unfehlbar auf Verfall » Zeit zu halten müffen. 
Dann / wann ſie ehrlich und richtig bezahlet / bekommen (le auch gute 
Waare / underhalten dadurch fo wol / als wann fie mohlfeil geben / 
groffen Ruhm. Und diefes fen occafione des Worts Rabarr gefagt, 

Räberwurts/ Ipesvitia, 

RKaͤbwurm / Convolvulus, : 

Rabinengras / Gramen Rabinam vel Rariſum 

Raden / Nigellaftrum, 

Radendiftel/Eryagium, Centum capita Plinii. 

Radennaͤgol / Pfeudomelantium, Githago. 

Kadere, ſchaben mit einen ſcharffen Meffer oder andern ſcharffen 
inſtrument, daher kommt ralura Cornu Cervi, Eboris, 

Radices, ide Wurgeln, P 

Rad rr/ mird von Kupfferſtücken gefagt. - 

Raffinixon/ laͤutern / ins feine bringen / dahero heiſſen Rafftnenrs N 
de den Poudre-Zucer oder die Mafcovade (äutern / und Hut⸗ Zucker 
daraus machen / Raffinerie ihre Werckſtelle / Werckhaus. 

Ragione, wird bey den Italiaͤnern eine Handlung oder getriebene 
Kauffmannſchafft genannt, Rag⸗ 





— — Ras Rͤp —2029 

Ragwurtzel / Bryonia alba, Vitis alba. 

Rahm / am Spiegel / Tiſch / Schildereyen oder andere Hausge⸗ 
väht/ Frautzoͤſiſ. Cadre vel quadre, item Bordure genannt / ſeynd von 
vnierſchlediicher Form und Materia, als entweder rund / oval, vier⸗ 
oder bieleckigte / platt oder erhoben / glatt oder eingelegte / von Gil» 
ber) Bold Meßing / Holtz / Glas oder Papier. Die Ttaliänernen- 
nens C*rniehe , und fagen / daß ein guter Rand oder Rahm an einer 
Tafel oder Gemaͤhld fer il Ruffiano del qvadro „ oder der Verkaͤuffer 
der Tafel / welche fie Quadro , dahingegen die Frantzoſen den Rand 
Qnadrenennen / wiewol dieſes Wort qvadre nur eigentlich bon bier⸗ 
ecfigte Rahmen folte gebraucht werden / allein fo ift es auf allerhand, 
Form eingeriffen. 0: 

Raminen⸗Hoͤd lein / Serophularia minor. 

Ramſal / Polygala, Flos ambarualis Dodonæi. 

Rampferen/ Allium urſinum. | 

- Ranunculus, Hahnenfuß ; unter dieſes Krauts bielerley Arten iſt 
(s.) der ſcharffe Wieſen⸗Hanenfuß / Ranupnenlus luteus acris macu- 
latus, und (2.) der kleine Hanenfuß / Spinnen⸗Wurtz / Kanunculus 
minor bulbofus am gebraͤuchlichſten / ihre breunende Wurtzel iſt 
ſcharff / und aͤhet die Haut. Der Safft davon vertreibet die Wartzen. 

Raparum alharum ſemen, weiſſer Rüb-Saamen / wird imJunio 
undJulio eingefammlet/ mug ſchoͤn grob nud friſch feyn. 

Raparumfiferum, gelber Ruͤb ⸗Saamen / muß ſchwer in Haͤnden / 
grob koͤrnicht und grünlicht im Reiben ſeyn. 

Rape / ein gewiſſer Raub⸗Fiſch / arapacitate alfogenannt / dahin 
ziehlet aud) der Nahme Corvus Auviatilis , item Capito fluviatilis ra- _ 
pax, &c. Diefer Fifch wird häuffigin der Oder und audern groffen 
Fließ⸗Waſſern gefangen. 

Rapenblum / Napellus Thora. 

Raphani femen, gemein Rettich⸗Saamen. 

Raphanus marinus, ruſticanus, armoracia, Meerrettig / ſeine 
Wurdel widerſtehet den Gifft; die Blätter zerſtoſſen / und in einer 
Pfanne geroͤſtet und aufgeleget / benehmen das Rohtlauff. 

Raponticum verum, Pontiſche Rapontica / kommt an Geſtalt faſt 
mit der Rhabarbara überein/ ſtopffet aber / dahingegen jene purgiret. 
Mau bekommt ſie über Venedig gerecht und gut / ſie will aber wohl 
trocken bewahret ſeyn. RR | 

- Rapontica vulgaris , iſt von jener etwasan den Blättern unter« 


ſchieden. 
Rapp / ein Pferd bon ſchwarher — 
Tttee 


— 


1030 Map Rau 

Rappenfuß / Coronopu⸗ Pes corvi. 

Rarefacien⸗, daß die Gaͤnge der Haut eroͤffnet; Dergleichen Sa⸗ 
chen ſeynd warm gemaͤßigte / duͤrtr bon dünnen Weſen / ihre Wuͤr⸗ 
dung kommt mit denen Aperientibus und Diaphoretieis überein / und 
werden diefen die Condenfantia entgegen gefept. 


Rafoir, Scheermeſſer. 
Raſſel / Perficaria, Hydropiper. 


“ Rafura, ein Abgefeiltes oder Abgefcheltes bon Holß / Eiſen / Hoͤrner / 


Klauen/ als da iſt Rafura C.C. Eboris, ung. alcis &c, 


Rataphia , rohtes und weiſſes / wird folgender geftalt gemacht? 
Mehmet fchöne zeitige Kirfchen/ vohteoder ſchwartze / Hinbeeren und 
Johannesbeeren / und zwar diefer beyden legtern jedes ein Drittel zu 
zwey Drittel Kirſchen / zerknirſcht alled wohl / und treibt es durch ein 


Sieb; auf zwey Maaß dieſes Saffts nun nehmt ein Maaß Brannt- 


wein / und auf jede Maaß ı2.Loht Zucker / etwas Caneel / 4. Gewuͤrtz⸗ 
Naͤgelein und 4. Pfefferkoͤrner / alles klein geſtoſſen / thut es in ein 
wohlverwahrtes irrdenes Geſchirr / worauf man alles / wann es ein 
Zeitlang geſtanden / durch ein fein Sieb zwingt / fo hat man ein gut 
roht Rataphia. | er 

Das weiffe zumachen / fo nehmt zu 12. Maaß Bratntwein 'i. Pfund 
zerftoffene Kirfch-Kern / oder auch zerftoffene Abricofen-Kewn / mit 
ein wenig Zimmet / NRägelein und Coriander / viertehalb Pfund Zu⸗ 
der/ 4. Maaß geſotten und wieder laulicht gewordenes Wafler / mi⸗ 
ſchet eö alles unter einander/ und zwingt es durch ein Sieb / und ver« 


wahret es hernach in Boureillen wohl bermacht. 


Ratten⸗Pfeffer / 8taphisagria. 

Rattenkraut oder Pulver / Arſenicum album, 

Rauch Futter / iſt Heu und Stroh vor die Pferde. 

Raͤuchwerck und Raͤuch⸗ Kertzen / wird in denen Apotecken und 
Materialiften-Gemwölbern — und Be geftalt zubereitet: 
Nimm Benzoe 2. Untzen / Stovar ı. Loht/ Aloes-Holgı. Qventin/ und 
Heyden: Kohlen nad) Gutbefinden / mache alles zu einem fubtilen Pul⸗ 
ver / thue darzu 20. Gran Zibeht und etwas feinen Zucker / pulverihir 
und vermiſch alles wohl / und thue es in eine Pfann mit fo viel Roſen⸗ 
Waſſer / daß es die Materiam bedecke / laß ed wohl aufſieden / und ruͤhr 
es ſtets um / daß es nit anbrenne/thue als dann noch ein wenig mit Zus 
cker zerriebenen Ambra daran / doch ehe nicht / als bis die Maſſa ge⸗ 
kocht iſt / nimm ie alsdann vom Feuer / laß es kalt werden / und mache 
Küchlein daraus. | 
Item, nimm Beuzoelein Pfund/ Storax Calamita 2, Loht / Linden⸗ 
Kohlen za. Loht / alles in einen Mörfer Elein geftoffen/alsdaun .. > 

11 


% 


zu. me. 21 Zr —— — — — — —— 


| Rau Mec 1031 
Loht Gummi Draganr, laß es 2. Tage in Kofenmaffer weichen / mache 
mit den vorigen Stüden einen Teich daraus / und arbeite alles wohl 
‚unter einander / thueauch / fo du wilt etwas Ambra grisund Zibeht 
dabey / und formire hernach Stänglein daraus / die laß im Schatten 
trockenen. 
Item, nimm Benzoe 1. Pfund/ Aloes⸗Holtz 2. Quentin / Storax Cala- 
mitaı. Soht/ Linden-und Tannen⸗Kohlen / jedes 4. Loht / alles zu Pul- 
ver geſtoſſen / einwenig Ambra gris und Zibeht in Roſenwaſſer mit 
Gummi Dragant und Gummi Arabicum zerfaffen darunter gethan / 
und Raͤucher⸗ Kaͤrtlein daraus gemacht. NB. Die Linden⸗Kohlen 
werden folgender geftalt gemacht; Man nimmt Lindenholtz / ſchneidet 
es in klleine laͤnglichte Stuͤcklein / läßt ſie in einen Back⸗Ofen zu Kohlen 
brennen / loſcht ſie als dann in Roſenwaſſer ab / ſtoöͤßt ſie klein / und fiebt 
ſie durch ein Sieb. 
Einen herrlichen Rauch in ein Zimmer zu machen / ſo nimmt man nur 
ein wenig Roſenwaſſer / geſtoſſen Zimmet / geſtoſſene Nägelein / thut 
es zuſammen in ein Hein Schuffelein / und ſtellets auf eine Glut⸗ Pfan⸗ 
ne / fo raͤucht es ſehr annehmlich in den Zimmer. 

Raucke / Ruckette / Eruca latifolia alba, Exuca ſativa, Ruchetta 
ãtalorum. Garten⸗Raucke / welſſer Senff-Saamen / wiewol zwiſchen 
dieſen und den rechten Senff⸗Saamen ein groſſer Unterſcheid iſt. 

Rauchwerck / vide Peltzwerck. 

Raupen:Araut/Scorpioides, Bupleuri folio, 

Rauſchgelb / muß nit unrein noch fhmugig feyn / ſonſt taugts 
nicht zum Färben. i | 

Rauſch⸗Gold / wird aus Meßing gefchlagen / und zu unterfchled- 
lichen Manutacturen gebraucht / fonderlich (chlagen die Nürnberger 
viel Flinder daraus. Ä 

Rauten / vide Ruta. 

Realgar, Huͤtten⸗Rauch / vide Arſenicum. 

Realia, wuͤrckliche wichtige Dinge. 


Rechen⸗Pfenninge / Rrantöfif. desJettons, macht man aus Gil» 
ber/ Kupffer und Meßing; diefe legtere werden zu weilen auch) weiß 
efotten/ umdenenSilber-Münten defto ähnlicher zu feyn. Die Art 
olche Rechen⸗Pfenninge zu prägen/ gefchichet fat auf gleicher Weiſe / 
wieder denen echten Muͤntzen / wiewol diejenige / die folche nachma⸗ 
chen, lich endlich verbinden muͤſſen ihres Muͤnh⸗Zeuges nicht zu mif- 
brauchen / oder ſolches in böfe Hände kommen zu laſſen. Heutiges 
Tages werden faft die meiften Kechen-Pfenninge in Ruͤrnderg ber: 
Faurft/ und hat die Laufferifche Fabrieg vor allen darinn den — 


— 


103% | Rec Hef 


Cs machen ferner auch Die Rechen⸗Pfeuningmacher aus dünn geſchla⸗ 
aenen Mefing/ oder auch aus vergüldten Gilber / die fo genannten 
Slütteroder Flinder / wormit in Francken und Schwaden das Frauen⸗ 
zimmer ihren Kopff⸗ Zierraht haͤuffig zu behangen pfleget. So gehet 
auch dieſe Waar ſehr viel nach Ungarn / und von dar in Siebenbürgen 
und Moldau / woſelbſt ſolche ebenfals das Frauen-Volck zu ihrem 
Schmuck zu gebrauchen pfleget. J— 

Reckling / Reckel / Raff / iſt ein Wind-getvochneter Fiſch / fo aus 
Norwegen kommt / und wie der truckene Lachs aufgeſpalten iſt. Ei⸗ 
nige halten ihm vor einen geraͤucherten Stoͤr / wiewol ohne gründliche 
Nachricht; jedoch kommt das Wort Rachis, davon unter dem Wort 
Fiſche bey der Befchreibung des Stoͤrs Meldung geſchehen / mit die⸗ 
fen beyden Nahmen Raff und Recklinggleichſam überein. “In denen 
See · Staͤdten wird er nad) der Mahlzert klein zerſchnitten zum Trunck 
aufgeſetzt / iſt aber was hart zu verdaͤuen. 


Reclamiren/einen Anſpruch auf etwas / z E an aufgebrachteSchif⸗ 
fe machen / die manreclamıret / ſonderlich wenn ſie in Rriegd-Zeiten 
mit guten Paͤſſen veriehen gefahren / und alfo hätten frey pashıren fol« 
len/ wiemol dergleichen Reclamen fehr viel Geld erfordern / und offt 
wenig beiffen. * 


Recognofeiren/ erkennen / manum recognofciten/ feine Sand und 
Unterſchrifft erkennen. FE 


Recognition, eine Erkaͤnntlichkeit / Verehrung. 

Recrementa, Schlaggen oder Schlacken; die Recrementa aus de⸗ 
nen Metallen ſeynd: Cadmia, Diphryges, Lithargyrium, Molybda- 
na, oder Plumbago Tutia, oder Pompholyx und Spodium, 


Redtificatio, iſt eine wiederholte Deftillation, Damit man die deftil- 
lirte Materiam fürbtiler/ und ihre Tugend und Wirdung kraͤfftiger be⸗ 
komme / oder den Spiritum don feinen Pblegma und irrdiſchen Theilen 
gant; loß mache/ nachdem ed faure/ fine/ fluͤchtige oder auch brennende 
Spiritus ſeyn. j 

Redhibiren/ das Befauffte dem Käuffer gegen Erlegung des Kauff⸗ 
Gelds wiedergeben. 

Redimiren/ etwas wieder einlofen. 

Redudtio, eine Wiederbringung/ heiffet / mann ein Corpus zu fei> 
per torigen welentlichen Geſtalt wieder gebracht wird ; dieſes geſchie⸗ 
bet gememiglich mit den Metallen / duch Schmelg: Feuer in derRe- 
rorte/oder duch Musdünftung: Vornehmlich aber durch Praxcipi- 
ren oder Rieberfchlagung mit den Weinftein/ Saltz oder Del. 4— 

| iefe 


⸗* 


Ref Reg 1033 


dieſe Weiſe wird der Bley⸗Kalck bereitet / und alſo præcipitiret man 

«per oleum Tart, per deligvium die Corallen. Das boͤſe Beldreduci- 

ren/heiffet von dem Fuß / wornach ed geſchlagen / weil es ſolchen an 

— Schrot oder Korn fein Genuͤgen thun kan / ſoudern gering⸗ 

haͤ 

genennet wird | 
Refinare, reinigen / wird eigentlich von Zuder gefaget / welcher in 

einer Rauge/ von Waſſer und ungelöfhten Kalch bereitet / gekochet / ab⸗ 

eſchaͤumet / und in die — Hut⸗Form hernach gegoſſen wird : 
hero diejenigen / fo dieſe Arbeit berrichten / Rafineurs, zu Teutſch 

Zuckerbeckers oder Laͤuterers genennet werden. Man findet viel der⸗ 

leihen Rafinerien in Holland / Engeland/ Franckreich und Ham⸗ 
urg | 

Refrigerans, ein Kuͤhl⸗Mittel. 

Regeln der Asuffieure/ diemit Waaren handeln: 

1. Für allen fürchte GOtt / und vuffe ihm an um feinen Segen in dei: 
nen Gewerbe ; ehre die Obrigfeit/ und liebe deinen Nechften. 

2, Iß und trinck maͤßig / meide vielfältige Baftereyen / und fen nicht 
lieber nochöffterer in den Garten / oder bey den luftigen Geſell⸗ 
fchafften / weber in ver Schreib⸗ Stuben; niit vielen Spagiren: 
fahren fpagivet die Zeit/ und das Geld fein gemach hinweg. 

3. Halte dich in Kleidern fauber/ doch nicht zuprächtig/ noch über dei» 


nen Stand ; und hüte Dich vor der / der dir an der Seiten ſchlaͤfft / 


daß ſie mit allzu koſtbaren Schmuck dich nicht verderbe. 
4. Dein Weib I) im Haushalten das linde/ du aber das rechte Aug / 
verlaß dich aber richt zu ſehr auf ihren Fleiß / daß du darüber folteft 


unfleißig feyn/ laß ihr weder Hoſen noch Seckel / und von dem / daß 


ſie hat / dir allzeit richtige Rechnungthun. 

5. Halte und verſorge deine Diener und Geſinde / wie ſichs gebühret/ 
* aber auch gute Acht auf ſie / und gedencke allezeit / daß der Herr 
elber der befte und getreufte Knecht ſey. 


6. Gehe zurechter Zeit ſchlaffen und früh wieder atı dein Bewerb, 


7. Was heut zuthunmüglich ift / das ſpare nicht auf den morgenden 
Zag/ denn die Zeit ift Föftlich/ die Gelegenheit verfhwindet bald/ 

‚ morgen dürfftefich die Arbeit haͤuffen und etwas nohtwendigers 
zuberrichten borfallen, — 

s. Das noͤhtigſte ſoll allezeit borgehen / als dann / was nochetwas Ver: 
zug leidet / damit nichts berſaͤumet werde. 

s. Sielie deine Handlung oder Feilſchafft zur rechter Zeit an / und ſo 
du auf die Meſſen und Maͤrckle ziehet / trage Sorge / daß du zeitig 
mit deinen Waaren da ſeyſt. | — 


10. 


tiger iſt / um fo biel weniger ſetzen welches eine Muͤntz⸗ Reduction 


X 


1034 Reg 


10, Brauch aufden Zoͤllen feinen Unterfchleift/ und hüte dich bey Anſe⸗ 
gung deiner Waaren vor Schaden und Ungelegenheit / wann du 
den Zoll entrichteſt. 


uꝛ. Den Fuhrleuten / Schiffern und Arbeitern gib einen billigen Lohn / 


damit ſie Fünfftig deſto geſchickter und williger zu deinen Dienſt 
ſeyn / wann du ihrer bedarffſt. 


2, Sey nicht brutal, ſtreng noch unbeſcheiden / ſondern freundlich in 


Worten und Geberden; dann Beſcheidenheit reitzet den Kaͤuffer / 
Grobheitaber ſchrecket ihm ab. 

33. Frag fleißig nach / glaub aber nicht alles / noch einem jeden / ſon⸗ 
derlich den Tuden nicht. | 

14. Fertige deine Schreibenzu rechter Zeit ab/ damit die Boten nicht 
aufgehalten/ noch die Poften verfeflen werden. . 

1s. Gortive deine Waaren fein ordentlich und ind Auge / denn das 
macht den Räuffern offt eine Luft. | 

16. Mache vorhin einen Uber küian und Rechnung / was du ohn Scha⸗ 
den thun kanſt / und zwaͤr nicht oben hin im Kopffe / ſondern aufs Pa⸗ 
pier / zu welchem Ende es dir dienen kan. 

17. Wie auch die richtige Verzeichniß und Buchhaltereyaller deiner 
Ausgaben und Unkoſten / und was ſonſt dir im Einkauff der Waa⸗ 
ren darauf gangen. 

13. Bietet man dir ein billiges / ſo ſchlag loß / es iſt beſſer zeitig ber⸗ 

kaufft / als mit Reu behalten. | 

19, Dein dufferfted Wort gib aber feinen fo leichtlich/ fondern laß den 
Käufer felber herzu rücen/es fey denn ein rechter refoluter Mann/ 
der auf dein Abort und Ausſpruch handelt ; dann dafern du einen 
ſolchen überfegeft/mird er nicht allein deiner inöfünfftig müßig ges 
ben/ fondern auch andere für dich warnen. 


zo, Erkundige dic fleifig / ob aud) mehr deine Waaren feil haben / 


und halte in Betrachtung deſſen nicht zu hart oder geuau auf einen 
Pfenning / auf daß man dir nicht den Ruͤcken kehre / und wieder zu 
kommen verheiſſe / welches dem Kramer Schaden bringt; Ein 
Verluſt zu rechter Zeit iſt offt groſſe Gewinn. 
zi. Sp duabereine Waar allein haft / kanſt du wol einen ehrlichen 
Profit füchen/ doch alſo / daß es Chriſtlich ſey und dein Gewiſſen 
feinen Berluft erleide/ oder du an deiner Seelen Schadeunchmeft. 
2:, nfonderheit hüte dich daß du in denen Waaren / deren die all⸗ 
gerheine Nohtdurfit nicht entbehren kan / als Getreyde und derglete 
hen / dir feinem Fluch an dem Hals wucherſt; Denn wer foldhe 
ein behaͤlt oder übertheuvet/ ladet des gangen Landes Geuffzen auf 


ſich. 
33. Im übrigen werde keiner unberderblichen Waar feind / * ſte 
| Kwan 


ö— —s— — — —5——— 

. etwanhentenichtgelten will / ſo gilt ſie morgen / und findet ſchon all» 
zeit ihten Herren. 

24. Wende keinem feine Runden oder Handelsmann weder minde 
noch fchrifftlich ab; und thue einem andern auch nit / was du 
wilt/ daß dir nicht gefchehe. \ 

a5. Handele kein geraubtes oder geftohlenes Gut an dic) / wann es 
gleich fpott wohlfeil; danıı es fi nichtöweilfeilers weder dev Fluch. 
Solcher Vortheil hat Adlers⸗Federn / und dürfftemie dev Kraͤbs 
* deiner Haabe um ſich treffen / oder deine Erben davor büffen 
muͤſſen. wer 

26. Schreibein/ ehe du aus gibſt / und nimm ein / ehe du auffchreibeft ; 
Lege dich nicht zur Ruh / bevor du des gantzen Tages Handlung auf: 
gezeichnet/ und was du einfhreibeft/ das fey lauter / klar / ver aͤnd⸗ 

ſich und ſauber eingetragen. 
— 22. Schließ des Jahrs einmahl einen richtigen Billant. | 

23, Pop dich nicht verdrieffen / alles was du einfhreibeft / wiederum 
noch eins zu überfehen. — 

29. Laß dich von niemand mit Wechfeln belaſten / ſonſt ſchwebt dein 
Credit in groſſer Gefahr. | 

so, Wird dir ein Wechfel-Brief vor Ankunff der ordinaiven Poft 

— prælentiret / fo gedencke / daß edeinen ſonderlichen Zufall bedeute / 
darum mit der Acceptation behutſam zu gehen. — 

sı, Zahle keinen Wechſel vor der Zeit / daß du ihm nicht muͤſſeſt noch 
elus zahlen / wann irgend derfelbe immittelſt fallirte/ an dem die 
Zahlung gefchehen. | | 

In 32, Præſentire gleichfalls den Wechfel-Brief zu rechter Zeit / nach Ord⸗ 
nung und Styl des Orts / da er fol bezahlt werden. - 

33. Wann er ———— wird / fo proteſtixe mit Notarien und 
Zeugen / damit du wieder zu deinem Gelde gelangeft bey deinem 
Aufnehmer. 

34 Laß dir / dafern Proteſt wieder zuruͤck kommet / den Aufnehmer 
nach Gelegenheit der Sachen ohne Verzug Buͤrgen ſtellen / oder gu» 
te Waaren und Pfände liefern damit du deines Hauptſtuhls / Un⸗ 

koſten und Schaden gefichert ſeyſt. 

5. Bon allen Dingen befieiß dich / von des Aufnehmers Zuſtand und 
er gute Rundfchafft zu haben / bevor er die Gelder von dir be« 
ommit. 

36. Deine acceptirteund bezahlte Wechſel und Obligationes fordere 
> I vo ein/ um Verhütung geoffer Ungelegenbeit in Ster⸗ 

ens⸗ Fallen. Ä | 

37. Dein gutes Credit bewahre gleich deinen Aug-Apffels ſtrehe da- 

hin / deine Creditoren zu vechter Zeit zu befriedigen / und —— 

jedem 


060 RB 
jedenrichtige Rechnungs: Dannvichtige und Eure Rechnung er⸗ 
hält die befte Freundſchafft. ö EEE 

38. Werde nicht leichtlich für jemand Bürge/ du habeſt dann doppelt 
fo viel in Händen/ oder ſonſt genugſame Berfiherung ; Jekürger 
die Bärgfchafft benannt/ je beifer und vortväglicher es bir ift / und 
alsdann tiehe zu/ daß ſie vecht getilget wird. N, 

3» Kommt dumit jemand in Streit / fogebraude did zum Ver⸗ 
gleich ehrlicher und verftändiger Kauffleute / die deu Handel in 
der Güte beylegen/ und fliehe die Rechtö«Proceffen als einen Ruin - 

deiner Zeit / Handlung und Vermögens. | 

40. Schau/ wen du leiheft und borgeft/ und gedende/ daß viel Bor- 

gen macht viel Sorgen. 
ar. Thuſt du Geld auf Wucher aus fo nimm feinen unbilligen Zins / 
daß nicht dermahleins Capital und Interefle im Stich bleiben. 

42. Bertieffe dich nicht im Bauwerck und Land-Gütern ; dann es iſt 

nichts mißlichers / weder das Seinige auf die Wände verfdunie- 
ven oder ind Landwefen ſtecken waun man fonft ehrlich auskom⸗ 


mienkan. u 
45. Sieheſt du gleich viel Karitäten / die nichts anders als das bloſſe 
Auge contenciren/ hergegen das Geld aus deinen Beutelbringen/ 
fo bilde dir nicht ein / du ſeyſt eben dev Maun/der ſolche haben muffe. 
44. Letzlich / fey eingedend / dem HErrn von deinem Bermögen zu 
ehren / und Allmofen zu geben von deinem Gewinn. Ninunſt du 
dieſes alled wohl inacht / fo wird dir. GOtt vor dem Banderot / 
- Merderben und Bertelftab wohl bewahren. 
In der MaynsifcenPolicey Ordnung feynd unter andern biefe Pun- 
Aaenthalten/ dap niemand den andern von Kauff abtreiben/ oder mit 
hoͤhern Bieten demſelben eine Waare vertheuren fol / bey Verluſt 
der gekauften Waar CH folte auch jeder mit ‚feinen Waaren alfo 
imDerkauffumngehen / als er es bor GOtt und der hohen Obrigkeit 
edaͤchte zu verantworten/ Feiner folte ſich mit unvechten Gut / Maaß / 
Kahl oder Gewicht bereichern/ niemand ſich in des andern Handel ein» 
dringen/ oder feinen eigenen fo ſtarck führen, dap andere Bürger dar» 
über zu Grundegehen / vide D. Bechers Polit, Difcur. don Yufrund 
Abnehmen der Staͤdte p. m. 73. = 
Regenbogen/ Irisfylveftris, Chamæiris. 
Regiftriven/ die Kauffmaͤnniſche Brieffchafften und Documenta In 
Ordnung zubringen/ und an ihre gewiffe Stelle fegen. 
_ Regreß, eine Wiederfuchung eines erlittenen Schadens. 
Regülus, ein Koͤnig / iſt ein Chymifch Wort / worunter das jenige 
verſtanden wird / weiches nach Schmelg und Gieſſung eined Minera- 








ü Rei 1037 
lis überbleibet. In der Mediciniftunter allen der gebraͤuchlichſte der 
Regulus Antimonii. — PR: | 

Reinfarn / Tanacetum, N. 
RKReinbluͤmlein / Stoechas Gitrina, Amaranthus Juteas, 
Reinweiden/.Liguftrum, Alba Liguftra, | 
Reinfall / Vibacum feuReibolicum, ein bekannter Ttalidutfcher 
Mein / der prope ‚Fontem Timavum, auf den Hügel Profec waͤchſt / 
und daher Profeder Reinfall / item vinum pucinum genennet wird; 
es follen diejenige / die ihn trincken / lang leben/ und fehr gefund blei- 
n. 


be 
— Be Berberes, Öxyacanthz Baccæ. or 
Reis) Oryza,fommtaus Italien / und iſt bey uns in Teutfchland 


grob und klar / iſt et gut. Ju 
Hamburg hat man folgende Sorten? | 
. Milaneſer / welche fehr gutund beften Kauffs iſt; er befindet ſich 
© zuweilen ſo ſchoͤn / ald der befte feyn kan. | 
2. Veronefer, founter den taliänifchen vor den beften gehalten wird / 
hat aber ftreiffigte Koͤrner. ie Ä | 
3. Tuͤrckiſch⸗ oder Levantiſchen / welcher ſauber und ſchoͤn faͤllt / 
aber bieie Salg- Körner bey ſich führt, | 
4. Caroliner, foüber Engeland aus den Caroliniſchen Eyland / feynd 
einige Jahren gebracht und befannt worden. Diefer iſt über die 
maſſen fchön/ länglichten Koͤrnern und Schueeweiß / dabey gank 
: Beine KHülfen oder rohtſtreifftigten Koͤrnern. Dieſer konimt in 
. Tonnen andere in Saͤcken. . | J 
Vom erſten genieffetman;. Tb. Thara, bon andern was die Tonne 
- wiegt / wird mit Courant Geld bezahlt / mitsz. Rabbat, und i. pro 
Cent,g, Gen. Man bat zwar mehrer Sorten / weiln fie aber ſchlecht / 
dder ſo — erfordern als ſie gelten Eönnen / kommt. er nicht 
. zum Borfchein. | 
n gantz Oſt⸗ Indien / Africa und America iſt der Reiß ſo gemein / als 
beyuns das Getreyd; ſie baden Brod daraus / machen auch wol einen 
Tranck daraus / den ſie Acua nennen / in Japan wird gar eine Art 
Weins Aracle genannt / und in Pegu ein ſtarckes Waſſer / welches uns 
fern Aqra vitæ nichts nachgiebet aus dem Reis zugerichtet. In der 
Pröving Kiangfi ſoll der beſte Reis in gantz Sina wachſen / den man 
ſeiner Süntteflichkei halber Silber⸗ Korn nennet / vide Reuhoffs Gt. 
nefifche Reis · Beſchreibung / p. 349. Die Indianer haben im Brauch / 
dag ſie den Reis nur halb gahr kochen / und heruach trocknen / alsdann 
ihre Schiffe damit / eben wie wir mit die Zwyback / proviantiren / und 
ſoll der alſo bereitete Reis 3. bis ur — koͤnnen; ebeumaͤßig 
u rau⸗ 


eine bekannte Speiſe; wann er weiß / 





108° Rel Rep 


brauchen ſie viel Reis: Mehl." Bey den Zürdken wird ihr Hammel⸗ 
Sie mit Reis gekocht / und der gefochte Reis auf maucherley Art 
gefürbet. | Me —— 
Relais, abgewechſelte Poft-‘Pferde / relais, nehmen oder beſtellen / 
ideit, friſche Poſt⸗Pferde und Vorſpann / bey denen Kauffieuten⸗ die 
ach den Meilen reiſen / und geſchwind fort wollen / nennet mans Hau⸗ 
dern / da nemlichz. oder 4. Freund zuſammen treten / und von gewiſſen 
Staͤdten / Flecken oder Doͤrffern friſche Pferde nehnen/ und alfo fort 
zeifen und fill liegen koͤnnen / wann le wollen. ° - -- J 
Relation, Nachricht / Relation abſtatten. | 
Kelaxiren / ein angehaltenes oder mit Arrelt helegtes But wieder 
ſrey geben. | | 
Religvia,da8 UÜbergebliebene.. » er 
Keluiren / ein Pfand wieder einlöfen. ve, 
Remedium, ein Huͤlffs· Mittel ift alled Dasfenige / mad wider bie 
Rrandheitoberandern Anliegen und Gebrechen / Huͤlff leiftet. 


Remora, ein Fiſch / von dem Fabelhafftigerzehlet wird / day er ſoll 
groſſe Schiffe Inder See aufhalten koͤnnen / ungeachtet‘ er nicht ein» 
mahl eines Schuhes lang iſt / es foll aber ſolches durch den Knochen ge- 
ſchehen / den er auf dem Kopff traͤget; wieer dann bor diefem des An- 
son Schiff ſoll gang feſt gehalten haben / als folchermit dera Kayfer 
Augullo zur See ſchlagen wollen. "Unter denalten bat Plinius, und 
unter denneuen Autoribus , Scaliger die Kräffte dieſes Fiſches für 
wahr gehalten/ ob ed wol in der That nichts anders als eine Fabel ift. 


Reparigen / wieber erfegen / dad Verdorbene wieder zu recht 
bringen. | : | 


Repellens, ein Mittel/ welches die in äh / die entweder in 
die Glieder fchon gelaufen / oder erſt Lauffen wollen / zuruͤck treibet/ 
dergleichen feynd entweder Fältoder feucht / die die Gaͤnge zuziehen / 
ober kalt / trocken und irrdiſch / als da feynd die herbe und zufaıımen» 
giehende Sachen. j 


; Repoßitorium, eine Stellung von Brettern / daman Bücher oder 
Waaren aufleget / dergleichen die Kauffleute in ihren Magazinen oder 
Kram: Buden haben. 


Ropreffalia, gegen gebrauchte Macht / Gewalt und Recht / wird ſon⸗ 
derlich in Kriegs⸗Zeiten gebraucht / da ein Potentat deſſen Unteriha⸗ 
nen Schiffe oder Guͤter weggenommen oder angehalten worden / des⸗ 
jenigen / der ſolches gethan / feines Unterthanen Schiffe oder Güter 
wieder anhält oder confilsivet, | 


! 


Regvi- 


J — 
7 1J tn — — — — — —— 


— 


a Ku ur 


z _ Reg Red 1039 
- Regvifita,noftmendige Dinge/ die zu einerSad) erfordert werben. 
Refcontrigen/ im Buchhalten nachfehen/ob vecht übergetragen/ mis 
einander abrechnen. | 
Reſel / Perficaria, Piperagvaticum, 
Referans, das don dem Wuſt befveyet und eröffnet. 
Res furtiva, ein geftohlen But. | - 
Refina, Hartz / iſt ein Weſen von öhligter Ratur/ es mag weich oder 
hart feyn; dergleichen Hartze feynd entweder naturlid) / oder durch 
ChymifcheExtrabirung zubereitet/ 3. E. bon Scammon, Jalappen, Re- 
fina auridft der Crocus aus dem Golde ausgezogen/ vide Gummi,  ; | 
Refina in veſieis, ift das Hark / fo aus den Fichten-Bäumen ges 
ſammlet / gef hmolgen und in Blafen gegoffen wird/dergleichen koͤmmt 
fehr viel aus Thüringen. Refina abietis, Tannen-Harg / bon ſolchen 
iſt dasjenige, welches von weiſſen Tannen · Baͤumen geſammlet wird / 
beſſer / als das von den rohten Tannen. 
Refolventia, ſeynd Artzeney⸗Mittel / welche zaͤhe ſchleimichte Mate- 





terien auch geronnen und unterlauffen Geblüt zerthe ilen / und wieder 


in ihren natuͤrlichen Fluß bringen / dergleichen ſeynd: Sperma Ceti 
Myrrh. oculicancr. fangv. hirci & diaphoret,antihedtic. poterii.CC, 
uft.Ebur, Terr, Sigill. Goldberg. Marga Saxon, vini camphorat. 
flor. Sambuci R, Bezoardic, &c, 

Reftanten/ ausftehende Schulden / über gebliebene / manchmahls 
alteund verlegene Waaren. ur 

* Retardat, ift ein Bergwerdifcher Terminus, und wird gebraucht / 

mann die Bewerte ihre Zubuſſe mit N. 6. des Quartals nicht entrich⸗ 
ten/ noch ſich auf die Zubuß⸗Zettul auhaͤngiſch machen / ſo wird ſolches 
im Gegen⸗Buch nouret / und dieſes heißt ind Retardat ſetzen; warın 
nun N. 6. deö folgenden ‚Quartals die Zubufle noch nicht abgetragen 
worden, fo werden ſie ihrer Kuxe verluftig/ und im Gegen⸗ Buch aus · 
gethan / das heißt die Kuxe ſeynd in retatdat verſtanden. 

Retourniren / wieder umkehren / inde Ketour Waaren / die man 


| Her andere Waaren / welche man ind Land ſchicket / wieder zurüc‘ bes - 


kommt. · | 
Retradtigenfein gegebened Wort wieder zurüc ziehen = 
Reverberatio, eine Burchflammung / ift eine Chymifche Arbeit/ges 
ſchiehet / wann die Körper mit flammend Feuer calciniret / oder zu et⸗ 
nen Kaick gebracht werden; Dieſe Arbeit gefchiehet entweder mit es 
nen offenen oder gefchloffenen Feuer / und zwar mit dieſem / wann ein 
runder Deckel auf demOfen iſt. ut bedienet ſich auch des — 
uu 2 | enen 





R 


1040 Rev Reu 


fenen Reverberir-Feuerd / um die Spiritus und Dele durch die Retors 
zu treiben / den Rahmen eines Reverberir- Feuers traͤgt es darum / 
weil un deö Feuers von allen Seiten auf die Materiam, oder auf 
das Gefäß/ darinn die Materia ift/ zuſchlaͤgt und ihre Wuͤrckung 
dadurch aber Yon den Eörpern dieCorrolivifche Spiritus abtreibet/ 
felbige fubtiler machet / und auflöfet. | 
© Reverberium, ein Reverberir-Ofen/ tft entweder offen ober zu. Ei⸗ 
nen befchloffenen Offen nennet man/ in welchen man Scheide Waſ⸗ 
fer und die Spiritus bon den Salien deftillivet; In den offenen fan man 
geverberiren und calciniren. 

Rexerſiren / ſich dargegen verfchreiben/ zu etwas verbinden. 

Revificatio, revificiven / wirdinder Chymifchen Arbeit dem Mor- 
sificiren entgegen geſetzet weil dadurch der Mercurius , der zu einem 


- Sublimat , Zinober oder Przcipitarund dergleichen gemacht worden/ 


wieder zu einen flieffen Mercurio, wie er zuvor geweſen / gemacht wird. 
Reu⸗ Kauff / Poenitentia,Poena conventa,wird genennet / wann ih⸗ 
ver zwey auf ein bewegliches oder unbewegliches Gut zuſammen con- 
‚rahiret/ und bed Rauffeö einig worden feynd/der eine Theil aber here 
nach (ich deſſen gereuen laͤßt / und den Kauff nicht halten will/ dannen- 
hero dem andern Theil / damit er ihm davon loßzehle / eingemifles 
Stüd Geld (nachdem das gekaufte But entweder vieloder wenig von 
Importang gewefen) giebet/ welche Summa, wie groß ſie feyn foll/ auch 
vielmahls beym Verkauff felbft abgeredet wird / daß derjenige / der 
am erften fein Wort zurüc ziehen / und vom Kauf abgehen würde / 
Dem andern 10. odermehr/ auch mol ıoo. oder zoo, Rthlr. geben folte/ 
"if aber ſolche Summa, oder des Reukauffs⸗geben nicht abgerebet / fo 
Kan der eine Theil/der den Contract Halten will/ dem andern, der da⸗ 
don abzutreten gedendet/ Händel genug machen / ſintemahl in ſolchem 
Sal und da ein Rauff-Contrat gänglich vollzogen ift / auch feine O- 
rigkeit capabel iſt / ſolchen in Faveur deseinen / der gern zurüd zie⸗ 
ben wolte / zu reſciadiren / J. de eontractu 3. l. non eñ probabilisl., 
© de reſcind.Vendit.wann auch gleich der / dem der Neue ankommen 
ſolte / gedoppelt oder zehnfach das Interefle oder den Reukauff fallen 
n wolte/ vide Speidelium in ipeculo Reukauff / item Carpzov,lib, 

5. Refp.23.n.4.& feg, dann indem die Archa oder Botted-Pfennin 

‚zum Beweis und Bekraͤfftigung des Contraäts darzu kommet / 1. qvo 
foepe 35. pr. ff. de contrali, em, fo muß das / was zur Bekräfftigung iſt 

Binzugefüget worden / nicht zudeflen Infirmation und Bernihtigun 
bienen / arg. 1. legata inutiliter 19. princ. ff, delegar, wie dann auch alfo 
der Schöppenfuhl zu Leipzig in cauſa A. K. geſprochen; Ob wol in 
folder Handlung soo, Bülden zum Reukauff verwilliget / der - 

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au Kemmül 


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Rhaear 
auch noch zur Zeit nicht gerichtlichen raificiret worden / weil aber doch 
ſolcher Kauffeinmahlrichtig geſchloſſen / in welchem Fall der bedunge⸗ 
ne Reukauff anderer geſtalt keine Wirckunghat / als woferne einer oder 
der andere Contrahent, mit Beliebung und Einwilligung des andern 
Theils poœnitiret / ac. fo bleibet es = bey angeregten Kauf billig/ 
und mag derfelbe vom Begentheil/ wider euren Willen /nicht hinter⸗ 
zogen werden/b.R.w. Ein mehrers von diefer Mareria ſiehe unter 


Den Wort Kauffen/ item beym Hn. Stryckio, in ſeinem Tradtat de 
Cautelis Contradtum Sectione 3. Cap, s.$, 2, & ſeqq. & Sekt, 3. Cape 


7.& 13, 


Rhabarbarum, eine braungelblichte Wurtzel / kommt häufig aus 
Mofcom/ und auch aus Fndien und Perfien/ hat entweder ihren Nahe 
men bon dem a Rha, der durch Mofcom flieflet / und ſich in die Ca⸗ 
fpifche See ergieflet / um welchen Fluß diefe Wurtzel häufig zu mach» 

en pfleget/ oderbon denen wilden Leuten/ welche Diefelbe einfanımlen/ 
und welche etwan Dor Zeiten von den alten Romern Barbari genennet 
worden. Diejenige Wurbel/ welche aus Oft: Indien kommt / ift bie 
befte; ſie hat roht und gelbe mit weiß unterlauffene Adern / ift dabey 
sompadt, und jeder Zeit an der Farb beftändig ; dahingegen die Mo⸗ 
fcomifche nicht fo fhön roht und gelb beſtriemet / auch meiftens Ins 
ſchwartz faͤllt / dabey ſchwer und von ungeſchickten Stüden iſt Beyde 
Sorten wollen trucken und rein gehalten ſeyn / weil ſie gern wuͤtmigt 
werden. Einige Materialiſten vermeynen ſie in friſchen Honig und 
Terpentin zuconferviren/ und dadurch beſſer zu machen / allein dieſer 


Anſtrich kan bald erkannt werden; Das befte/ wahre und unverfaͤlſch⸗ 
te Rhabarbarum muß am Geſchmack bitter / am Peru) lieblich ſeyn / 


und wie Saffran / ſo ſie auf Papier geſtrichen wird / faͤrben; Die ver⸗ 
faͤlſchte iſt zuvor ausgekocht / und alſo die beſte Krafft ſchon hinweg / 
dannenhero auch zimlich leicht / wiewol ſie bald wieder ſchwer kan ge⸗ 
machet werden. 

Rhabarbarum Monachorum, Lapathum maj, five Latifolium, 
Müuͤnch⸗Rhabarber / iſt nicht ſonderlich in Apotecken gebraͤuchlich / 
wird aber in Teutſchland gezogen und gefunden/ iſt lang / ſtarck zaſigt / 
mie die Angelıca, aber ſchwer / compact, gelbſchwartz / und hat imglei⸗ 


chen eine ſtarcke purgirende Krafft in ſich / jedoch alfo / daß / da ſonſt al. 


le purgirende Artzneyen etwas gifftiges ben ſich führen / die Aloe und 
Rhabarbar davon befreyet iſt 

Rhapontica & Rhaponticum verum. Thracicum vel Rheum, Cen- 
taurum magnum, Rhapontie / die rohte Rhapontic iſt eine ſchwartze 
Wurgtzel / auswendig der Angelica , inwendig aber der groflen Tau⸗ 
ſend⸗Guͤldenkraut⸗Wurtzel gleich / doch aber Kleiner und branner / 
Ä Uuu 3 ſchwam⸗ 





3042 Rha Rib F - 
ſchwammicht/ leichtbruͤchig / am Geſchmack etwas ſcharff / und gelb» 
kaͤrbend / fo fie gefäuet wird. “ Sie kommt mit der Rhabarbar in dies 
fen Stüdenüberein / alfo daß auch einige meynen / es Fämen beyde 
Wurtzeln von einem Kraut her / und fänte nur der Unterfcheid bon 
— 7— Erdreich / in welchen fie gepflanget würden; Indeſſen dif- 
 erivet ſie von der £ebantifchen Rhabarbara / daß Diefe gemeiniglid) 
in geoffen und breiten runden Stücen kommet / und inwendig uber 
zwera Striemen hat ; die Pontifche Rhapontic hergegen aus langen 
Stůcken beftehet/ und inwendig lange und rohte Striemen hat/ über» 
dem aud) eine Schleimigkeit im Munde zurück laͤßt / welches die rech⸗ 
te Xhabarbar nicht thut. Die Rhaponticum gut zu erhalten / muf 
man ihre Enden in zerlaffen Wachs oder Hargeinfteden. Ä 
Rhaponticum commune , folioheleniiincano , ift eine längliche 
Wurtzel / auswendig brann/ und inwendig gelb/ eines bittern und an» 
ehenden Geſchmacks / ja faſt mehr als die Khabarbar ; komnit aus 
lien und Rugland. Ä 


Rhod a radix, Roſenwurtz / waͤchſt in Kärnten und Steyrmarck / iſt 
antz uneben / knolligt / leicht und inwendigroht; fie ſoll einen liebli⸗ 
en Roſenhafftigen Geruch haben / wann man ſie zwiſchen den Fin⸗ 
gern reibet. In Engeland traͤgt ſie jaͤhrlich Saamen / ſo anderwerts 
nicht geſchicht. 

Rhodisdorn / Aſpalathus, Eryfifceptrum Diofeorid. 
Rhodiſſer⸗Holtz / Aſpalathus ſuppoſititius, Lignum Bugiæ. 
Rhus / Sumach / Faͤrber⸗Baum / waͤchſt wild in Spanien und 

Franckreich / bey uns aber wird er in Gaͤrten gezogen. Der Saame 
oder die Beeren ſtillen die Galle / ſeynd aͤuſſerlich gut vor Faͤuluug und 
Kraͤbs; die Blaͤtter in Lauge geſotten / färben die Haar ſchwartz. Mit 
den jungen Schoͤßlingen machen die Gaͤrber ihr Leder ſteiff und dick; 
fonderlich gebrauchen den Smack viel die Schwartz⸗ Farber und Cor⸗ 
duan-Bereiters/ dahero er datın bey groffer Quantität aus Spanien 
und Portugal in die See-Gtädte verführet/ und in Eurgen dicken Saͤ⸗ 
den/ ſo man Pahlen nennet/ gebracht wird, | . j 

Ribes, Fohanned-Beer / ſeynd dreyerley / (1.) gemeine und groffe 
ohannis· Trauben / Ribes domeſtica Uva urfi, (2.) weiſſe Johannis» 

er/Ribesfrudtualbo, (3 wilde ſchwartze Johannis⸗Beer / Ribes 

Nigrafylv, Piperella. Diefhwarge waͤchſt an den Bächen / wird 
4 tie andere In Bärten angetroffen ; vohte und weiſſe zichenein 
wenig an / ſtaͤrcken den Magen und das Hertz / dienen vor die Site im 
* Sieber / Dur undandere Durchläuff / rohte Ruhr und Blut-Aus» 


werffen. 
Kichen· 


— — er — + = 


—— — — — ö — — 
Ric Min 1043 4 

Kichender Andorn / Stachys. . ee 
- RieinnsPalma Chrifli, Cataputia major, Wunderbaum / Mollen- 
Rramt/ wird jährlich in Gaͤrten geſaͤtt. Die Blätter werden gegen 
die verlohrne Mannheit/ ſo von Zauberen herrühret/ gebrauchet. Der 
Saame und Kern purgiren hefftig von oben und unten / nnd führet die 
 Balke ab / werden aber ſeiten gebraucht Das daraus geprefte Oel / 

Oleumricinum , reiniget und dienei vor Die Waſſerſucht und Wur⸗ 
mer / ͤuſſerlich zu den Fiecken der Hant / Flechten und Narben. 
Rlieinus Americärftis, Curcas Faba, purgatrix, Fiſcus infernalis» 
Americaniſcher Wunderbaum / Purgier- Ruͤſſe / iſt den gemeinen 
Wunder · Baum an Blättern und Früchten gletch/ied chgröffer/trägt 
‘den Saamen in dreyeckigten doch aber glatten — 53— Schoten. 
Dieſer iſt gantz ſchwartz / gar nicht fleckig / und hat einen harten und fe⸗ 
fen Kern / wird aus America gebracht. Die ausgeſcheelten Kern ei⸗ 
nen ganhen oder auch nur einen halben genoffen / machen hefftig Bre- 
chen uud Stuhlgang werden in der Wafferfucht gehraucht. 

Ried / Arundo,'Harundo, Canna Anthele. 

Riedgras / Carex, gramen harundinaccum. 

Riedſchnepf / AfcolopasGalinago. 

Riga / vide Lieflaͤndiſche Waaren. 

Rimkorn / Ftumentum Monococcum. KR: Ä 
Reanden / Sortiees laſſen jich eintheilen in Rinden / Gchaalen oder 
Sceiffen / von den Fruͤchten / und in Rinden von den Baͤumen und 
Wurtzeln / jene fennd: Cortices aurantiorum Pomerangen » Schar 
feu/ Caftanearum Eaftanien-Schaalen/Cirri Eitronen-Schaslen/Cy- 
doniorum Dpitten -Schaalen/ Glandium, Copulz gladdium Eicher 
Huͤtle in / Granatorum, Mali Corinm Granatäpffel-Rihde/ Juglandis 
viridis grüne Nußſchaalen / Lauri Lorbeer-Schaalen / Limonum Li⸗ 
monfen-Rinde, ’ | 
Bon den Baͤumen und Wurtzel hat man: Corticesacaciz,feu pru- 


nafylveftris, Schleedorn-Rinde / Radix Capp. Eapper-Rinde/ Caf- 
fie Fiftule Caßf ien ⸗ Schaalen / Ebuli radieum interiorum Mittel⸗ 
Rinde von Attich / Frangulz alninigrx Faulbaum ⸗Rinden / Fraxint 
6interiores, JEfden-Riuden/ GuajacrdieRinde von Frantzoſen · Baum / 
Rad. Mandragoræ Alraun⸗Rinde / Quercus Eichen⸗Rinde / Sambuci 
ex frutice &radice (medii) mitttere Holderrinde/ Tam arjfei Tama⸗ 
risken⸗Rinde / Thymiamitis Thuris Weyrauch⸗Rinde / Tilix (into- 
ziores) die Rinde bom Lindenbanm. J 

Rinds⸗Wurtzel / Hyoſcyamus Faba Rovis. 

Rindsaug / huphthalmus, oculus Bovis. 


Uun4 | Rin⸗ 


“ 


1044 Kin Roe 

Ringe/ Annuli, Frautzoͤſiſ. desBagues, werden entwedet ans 
Bold / Silber/ Edelgeſteine / Stahl; Eifen/ Zinn / Bley’ Meßin 
oder aus Horn / Glas undandern Materialien gemacht oder auch zier- 
lich mit Haaren oder Drat unnsutiden / wiehiemit jonderlih dad ga- 
lante Frauenzimmer wohl umzugehen weiß. Was aber die ser 
koſtbar machet/ fennd dir darinn gefafte SteineoderSigilla, e 
bie Goldſchmiede fo zierlich zu berſetzen wiſſen / daß mancher an denfel- 
ben befindlicher Fehler dadurch bedecket wird. Heutiges Tages ift 


‚ diefer Rings Handel in der Tuwelirer und Juden Händen / bey wel⸗ 


ben letztern lich abfonderlich vor Betrug wohl zu hüten/ daß Feine Du- 
pletten oder falfche Steine bor gute von ihnen untergefchoben werden. 
Was die Goldſchmiede binund wieder vor zierliche Bedend / Blend 
und amulirte Dat zu machen wiſſen / jſt aus den vielfältigen Yugen« 
fhein bekannt falſche mit Boͤhmiſchen Diamanten verfegte/.item aus 
Elends⸗Klauen / Mercurio undandern ElcAris (zu weilen abergläu« 
biger Weife in einer gewiſſen Conftellation) Herfertigte Ringe / fin- 
denebenfalls ihre Abkaͤuffers. Geringere Ringe aus Mefing gedre« 
het / zudenen Bardinen oder andern gebrauch/ werden in denen Eifen= 
Krämen der Nachfrage halber angefchaffet / und fowol in Ruͤruberg 
als anderswo häufig verfertiget. 

Ringelblumen/Calendula Solfeqvium aureum. 

Rindcerotis Cornu „ Rhinocer oder Nafenhorn / kommt bon dem 
bier Rhinoceres / und ift Erummı wie ein halber Mond / und fora zu⸗ 
gefpigt/ wird mehr vor eine Rarität zu Bechern und andern Sachen / 
als in der Artzeney gebraucht. Sie feynd der Zeit fehr gemein, 

Risgviren, Riligiren / hazardiren / etwas wagen / fpuderlic) in 
Kriegö-Zeiten/ Schiff und Gut auf einen Hazard daran fegen/ eönie- 
ge gut oder ubel gehen. ‚ Ä 

Kietterſporn / Confolida Regalis, Calcatrippa. 

Rob vide Roob. —* | 

Robiner, dad Meßinge Hähnlein in den Wein⸗ und Bier⸗Faͤſſern / 
wit welchen man dad Beträud Fan aufhalten und lauffend machen. 

Roche/ Raja,ift ein flacher Enorplichter Seefiſch / vide Fiſche. 

Rochetta, oder dag Orientalifche Pülverlein / ift nichts anders als 
dit Orienralifche Soude, fo aus Syrien kommt / und in grauen Säden 


‚gebracht wird/ welche beffer iſt / als die von Tripoli , fo in blauen Sä⸗ 


Aenkommt. Die gange Gtüde heiffen Rogvette , und wann ſie ge> 
ſtoſſen / das Orienzalifche Puͤlberlein wird am meiften von den Blase 
machern gebraucht, Vide Pomet. p. 171, uud Neri in der Blasma- 


cher⸗·Kunſt. | 
Rocken 


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—— —Roc Ra 1045 

Rocken oder Roggen / Secale filigo,Siligo frumentacea Colu- 
melix,der gemeinfte davon iſt Secale hybernum, Winter· Rogge / weil 
er noch des Winters gefäetwirdund aufgehet / folgenden Frühling 
‚aber geht er erſt in den Halm / und im Sommer wird er reif ;Secale 
hybernum fertilius, Stauden Roggen / hat Aehren von s biös. Zoll 
fang/ die voller Körner ſtecken. Er erfordert aber einen ſtarcken trag» 
baren Acker und fehr dünne Ausfoat/ wann er reiffet / muß er geſchwind 
eingebracht werden/ ſonſt fälter inz. Tagen gantz aus. In Rorwe⸗ 
‚gen ift diefer Rocke fehr gemein/ wie auch in Vommern. Secale Ver- 
aum, Sommer Roden/ witd mit Anfang ded Frühlings gefäet / und 
zeitig darauf im Sommer / wiewol der Winter - Rogge am ge⸗ 
‚bräucdlichfien. Vide Korn. 
+ Rocourt, eine ausländifch Sarb-Materiale, welches man aber, weil 
man mitder Bourre viel wohlfeiler und beftändiger färben Fan / nicht 
viel gebrauchet. 

Roͤdelſtein / Kubrica montana. 

Roͤdelkraut / phthirion. Pedicularisaltera, 

Rodoul , ein gewiſſes Farb⸗Materiale, ſonderlich zu grauen und 
Wurtzel⸗ Farben dienlich. 
Rogenſtein / Stalactites, iſt eine Art eines figurirten Steins. 

Rohrlein⸗Kraut / Taraxacon, Altaraxacon. 
Roͤmiſche Waaren / vide Italiaͤniſche. F 
Roͤmiſch Felleis / Alcea Veneta, Hypeeoon Matthioli, 
Wermuht / Abfinthium Ponticum vel Romanum, 
Coriander / Nigella Romana, Papaver nigrum. 
Camillen / Chamomilla Romana. 
Hanff / Cataputia major, Ricinus. 
Neſſeln / Urtica Romana. 
Salboy / Salvia Romana, Mentha acuminata. 
Quendel / Thymus. 
Saturey / Satureja Romana, Thymbra ſylvat, 
Spick / Nardus Celtica, Spiea Romana, 
Kohl / Klee / heta Teuthlis. 
Ruͤben / Bryonia alba Vitis alba. 
Cyminum Cuminum. 
Gras / Holtz / Beta, Sicla, Teuthlon. 
— Ammey / Ammium Creticum. 
Roob, Sapa ober Rohob, wird ein dick eingefottener Safft genen⸗ 
net / dergleichen in denen Officinen zu finden; Roob Acaciarum , 
Berberum, Ceraforum nigrorumcum & {ine Saccharo , Cinosbatt 


Diamori cum melle c, Sacchar. Fragorum, Juniperi bacc, Myrtillo- 
uns rum 


1111111111111 


1046 Kof 

En Se u a a 
rũm, Nucum, Ribium pellueidi in Scatulis-purgantis Simpl, c. Sao- 
char-S,Saccharo. Rubiidsi, Sambuc-purgant-Simpl, S,Säcchare, 
ſapæ Vini. Loch, ad AllımaS, de Scilla de Althæa · caulibus farfa- 
ra-papavere-paflulis, Pineis-portulaca-pulmone vulpis. Diacodii 
Montani, fani &experti. PanisCydon, c. aromat. fimpl, Geclat, 
Cydonior-purgant-duplicat. Simplieis, | 


Rofa, eine befannte und wohlriechende Blume Giemerden abge* 
theilt in rohte / Leibfarhe/ weiſſe gelbeund bunte Rofen: Rohte ſeynd 
entweder einfach oder gefüllte/ Blut · rohte / Sammet · oder Probinge 
Roſen / Rofa rubra fimplex & plena fina, die Peibfarben ſeynd entwe⸗ 
der genteine Centifülien, Centifolia vulgaris, oder groffe Hollaͤndiſt 
Centifolien / Centifolia batavica, oder blaßrohte Zudter-Rofen/ rub⸗ 
pallidior, damafcena rubra oder Monat-Rofen/ Menftrua. Die weiſ⸗ 
- fen fennd entweder feüh / gemeine / einfache/ gefüllte und halb ⸗volle 

‚ weiffe Rofen/ rofa alba pr&cox vulgaris, oder fpäte/ einfache und volle 
Herbft:Rofen/rofaferotina plena& ſimpl. oder groß und kleine / ein⸗ 


fache und gefüllte Mofch-oder Damafcener-Rofen / rola Damafeena ” 


maj.& mm flor. ſimpl. & plen, Die gelben feynd entweder einfache 

oder gefüllte/ rofalutea ſimpl. & plena, Die bunten Rofen ſeynd 
groß oder klein / rofa verficolor. maj. &&min. Es gibt aud noch ande- 

ve Roſen / ald die Zimmet⸗Roſen / roſa cinamomea, Tuͤrckiſche Zino» 

ber⸗rohte Roſen / roſa Turcica. Die Roſen werden überall in Gaͤr⸗ 

ten unterhalten; ſie Fühlen insgemein; die rohten abgetruckneten zie⸗ 

hen zuſammen / die friſchen laxiren und ſtarcken das Haupt; dad Gelbe 

in den Roſen trocknet / ziehet an / und iſt ſehr gut vor das Zahnfleiſch / 

weswegen ed auch unter das Zahn- Pulver genomnien wird, 

Rofa Hierichuntina, vide Amomi S, 

Rofscer-Wein/ Rofacium waͤchſt in der Landſchafft Frioul , in 
der Gegend Agvilegia, nahe bey der Stadt Rofaccio, iſt fehr delicat , 
und ahmt den Falerno nella Campania etwas nach. 

_ Rofarum rubrarum finiffimarum Flores, rohte feine Ulmer: Rös« 
fein / werden in groffer Menge aufgetrodnet und verſchicket. Die 
friſche braucht many den Roſen⸗Eßig davon zu bereiten / da ich dann 
sol zu verwundern ift/ daß unter allen Simphicibus in der gangen Ar⸗ 
genen fein einiges zu finden / woraus ſo viel Bereitungen/ derer an der 
Zahl 37. fenn/ koͤnnen zumege gebracht werden / als eben aus den Ro⸗ 
fen: Dann da ift erſtlich der Epig bon rohten Roſen / 2. das deltillirte 
Waſſer aus bleichen/ 3. dasdeltillirte Waſſer aus rohten / 4. das deNil- 
ſirte Maffer aus weiten Roſen / s. der Balfam aus den deftillirten Def 
und den gereinigten Wachs / wird Bereitet wie Rauten-Bolfam/s. die 
friſche Copferv aus rohten Rofen/ 7. die alte Conferv, 8. die ne. 

- Lof- 


„_u.on 91 


— — — nr 


— — Re. no047 
Conferv aus rohten Roſen / 9. die Conferv aus bleichen Roſen / ro das 
Electuarium (1.)rofatum Meſuæ, 11, (2.) de fucco roſat. folido Au- 
guft. 12. (3.) Liquidum Auguſt. 13, Morſellen oder Roſen ⸗Zucker / fo 
auch Saccharum roſatum tabulatum genennet wird / 14. Rotulæ ma- 


nus Chriſti, ſimplices und perlatæ, ı5. das deſtillirte Oel / welches mit 
demSpirku herüber ſteiget / io. das infundirte Oel / (1) das gemeine / 


17. (2) Omphacinum, 18. (3.) das zuſammengeſetzte / i0. roſirte Pilus 
len / Pilulæ roſatæ, dito Aloe roſatæ, 20. Spec. Elect. de fucco roſar. 
Aug. 2ı. Aromatic, 22, — Diarrhod. 23. — Roſat. novell. Auguft, 24. 
Spiritus aus rohten fermentirten Roſen / 25. Syrupus roſat. ſinplex 


oder laxativus, 26, dito roſatus ſolutivus Muchar, 27. dito Laxativus 
Compoſitus oder Elleboratus Auguft. a8. ditofine Ellebore Aug. 29, 


de roſis ſiccis, 30, rofatus regius oder Julp. rofatus, 31, Mel Meſua Ro⸗ 
ſen⸗Honig / 32. einfaches Rofen-Honig/ 33. Citratum mit Citronen / 34. 
Mel laxatıvum Laxir⸗Honig / 3. die Tindtur, 36, Trochife. Diarrh, 
Aug. 37. Rofen-Galb; Derenallen ihre Bereitung in des Schröderi 
Hollftändigen Apoteck / lib. 4 unter dem Wort Rofen zuerfehen.. 
Roſen⸗Hanenfuß / Ranunculusrofeus, 
Roſen⸗Wegreich / Plantagorofea. 
Roßampffer / Hippolapathum, Rumex agvaticus. 


Rofinen / werdeneingetheilet in groffe / Paſſulæ majores, Heine 


Roſinlein oder Eorinthen/ halſulæ minores, und ingar groffe zibebæ 

enannt. Seynd allzuſammen Wein-Trauben/welche an denen Or⸗ 
en wo füffer Wein waͤchſt / als in Spanien/ Italien und Griechen⸗ 

and/ an der Sonnen aufgetrocknet werden/ dahero te ihre Suͤßigkeit 
und Fleiſch behalten / hernachmahls werden ſie fortiret/ und die grof- 
fen Spanifchen/ die man auch blaue Roſinen nennet / in Fäffer einge: 

ackt / welche zumtheil von 2. Aroben waͤgen / etiwan 100. TB. in 4. Aro- 

en ıso, bis 170. TB. ins. Aroben, 230. in 8. Aroben bis ro. Tb. end 
in Hamburg zu 100. Tb, weiß / mit Rürkung ıo procent Thara, und 
1.procent.g. Gem. in couranten Gelde verkauft. Die fhlehtern 
Roſinen padet man in geflochtene Körbe / dahero ſie auch Korb⸗Roſi⸗ 
nen genannt/ und auch bey Körben / foetlidhe so. Pfund wägen/ ver» 
kauffet werden. Die Roſinen / ſo man in Ober-Teutfchland hat / ſeynd 
meift Genueſer / die Venetianiſche kommen in kleinen Centner-⸗Faͤß—⸗ 
gen. Die ſo genannten Weinbeerlein oder Corinthen / kommen von 


‚Maltha, Zante, Cephalonia, Candia und aus Puglia, haben den Nah» 


menbonder Stadt Eorintho/ wo ſie Hluffig wachſen: Alle dieſe Fruͤch⸗ 
te/ fo ſie ſchoͤn bollkonmen / troden und doc) aud) ſafftig / daben feft und 
hart ſeyn / feynd gut. Ausden Verdorbenen laͤßt ich im Fall der Noht 
gut Branntwein deltilliven. Noch hat man Pallulx Damafcenz, Da» 

a | maſce⸗ 


— — — 


02 BE ZIEHE. 1.) VE 
mafcener-Rofinen/ werden in Schachteln / melde in groffe Kiſten 
gepackt ſeyn / nurfelten wegen Entlegenbeit überbracht / indem (te 
leichtlic) verderben. Sind groß von Beeren / und mittelmäfigen 
Pflaumen nicht ungleich/ aber ſuß und herrlich von Geſchmack / 
vᷣurchſichtig and Klar. 
Mufcateher-Rofinen fonımen ebenfalls felten / ſeynd eined überaus 
angenehmen Geſchmacks / gan heil und durchſichtig / werden nebenft 
botigen var gehalten / kommen in kleinen Körben und Tonnen zu ung, 
Der Einkauf und Conditiones (ind / wie bey den blauen Roſinen ge» 
meldet worden. I 
Roſmarien / Lateiniſch Anthos, ein bekanntes Kraut / wird in zah⸗ 
men und wilden/ oder in Garten · und Feld⸗Roſmarin abgetheilet/ je⸗ 
ne wird bey und in Teutfchland durch fleifige Wartung in denen Gaͤr⸗ 
ten fortgebradht/ diefer aber / nemlich der wilde / waͤchſt in Italien / 
Spanien und Franckreich fo haͤuffig und ſtarck / daß man auch aus dem 
Holt Hausgeraͤht verfertigen / und wie in Spanien geſchicht / die 
Schaafe darein treiben kan/folchen abzuweiden/ dahero auch der gute 
Gefchmack des Spanifhen Schaaf. Fleifdjes kommt / daß man nieht 
noͤhtig hat / Gewuͤrtz daranzuthun. Die Blätter und Blühte des 
Roſmariens werden häuffig verführt/ und in groflen Körben und Gaͤ⸗ 
den uͤberbracht / und bey 100, Pfund verkaufft/ und fonderlich von die» 
fer legtern das fo genannte Ungarifche Waſſer deftillivet; Wann jie 
grobundgrün / paflivet flefür gut. Wilder Rofmarin / Sylo feu 
Rofmarin ſylo genannt/ wird mehrentheils aud Böhmen in Büfcheln 
gebracht; Erfichet an Stengeln gegen den andern rauh / roͤhtlich und 
gelb/ auch viel hölgigter aus/ wird in theild Ländern mehr als der zah⸗ 
me verbraucht / waͤchſt ſehr hoch / aber zur Handlung und Argeney wird 
er nur einer Spanuen lang bonoben abgenommen / in Büfcheln ge⸗ 
miht/ und fo verkauft. Antheild Orten willen fich deffen die Braus 
er bey) ihren Malglofen und Waſſer⸗reichen Bieren zu gebrauchen / ums 
die Rente damit trunden/ ja bald toll und voll zu machen. 


Roſmarin · Kraut / Libanotis. 

Roſmarin⸗Poley / PulegiumCreticum, 

Roßhueff / Tushlago, ungulacaballına, _ 

—  $enchel/ Foeniculumerraticum velfylveftre, 

— Eppich / Hippofelinum. 

— Ruͤmmael / Seſeli masſilienſe Platycyminum, 

— Schwantz / Egvifetum Cauda egvina, 

— SEiſen / Hedyſarum, Securidaca. 

— Balfam/ Mentha caballina equina. 

Kosfolis, Rorella, Sponſa ſolis, Sonnen» Than / iſt ein herrliches 
ſchoͤnes 


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— — Rf 0 1099 

ſchoͤnes Kraut/ in Beftalt einer Sonnen / rings umher mit einen roh⸗ 
ten fubtilen Schein ; jeheiffer die Sonne ſcheint / je mehr (ich diefes 

Kraut befeuchtet / und viel Tröpfflein in groſſer Hitze an ſich haͤngend 
bat. Es iſt nunmehro hin und wieder in Zeutfchland zu finden / und 
wird ein herrlich Aqva virz daraus gemacht / ſo auch daher den Rah⸗ 
men / daß es Rosfolis genennet wird/träget. . 

Die Compofition des berühmten Unriner-Rosfolisift / als folget : 

Nimm Ambra gris ein Quentin / Mofchi Alexandrini einen halben 
Scrupel / reibe es wohlunter einander, mit einen fehr wohlriechenden 
Spiritu Romano ‚daß es werde wie ein Brey / the darzu Confedtio- 

naem Alkermesı, Loht / weiffen Zudercandi in Roſenwaſſer zerlaſſen / 
und zur Confifteng eines Juleps eingekocht / anderthalb Roht/ Spiritum 

‚vini, der nicht retificiret ift/ 4. Pfund/ u und menge alleö wohl un» 
ter einander/und thue es in ein geraum Glas / vermache deffen Mund⸗ 
Loch gar wohl mit einer zweyfachen Rinder-Blafe / ſetze es etliche Tas _ 

ein Digeftion , hernad) filtrive es / und bewahre es zum Gebrauch. 
ilt du es ſchoͤn hochroht haben / fo nimm Klapper⸗Roſen / die in den 
Wattzen wachſen / thue das Schwartze davon hinweg / das uͤbrige laß 
in Rosfolis oder einen andern Aqva vitæ liegen / ſo wird es fehr ſchon 
Dabon, 
Yufeine andere Manier wird Rosfolis gemacht: Wann man eine 
Kaune guten Branntwein nimmt / anderhalb Pfund Zuder / geme in 

Waſſer / oder an deſſen Statt Chrenpreiß-Maffer 3. halbe Roͤſſel / laͤft 
in ſolchen Waſſer den Zucker kochen / biser faft als ein Syrup werde) . 
nimmt hernach pulverihrten Zimmetein Loht / thut ſolchen in den ges 
kochten Syrup/ macht Ihn mit Bieſem an / ſo iſt es fertig. NB. Der 

Auſeus etwan z. Gran, muß mit ein Loht Zuckerkandi und etwas Ko» 
ſenwaſſer gerieben / und ſo daruͤber gethan werden. 

‚Item, nimun anderthalb Pfund des feinften Zuckers / ein halb Loht Zim⸗ 
met / 4 oders. Naͤgelein / weiß Sandel-Kolg vor einen Groſchen / die 
gelbe Schaale von einer friſchen Limonie / 6. Gran Mufcus , eben fo 
Biel Ambra, ein Maaß klaren ſchwachen Brahntwein/ das Meiffe von 
einen Ey/ alles mit einander bermenget/ und dann filtrirt, 

Item nimm 2. Maaß Spiritus vini, 2. Loht Zimmet / und halb fo viel 
Mägelein laß ed 24. Stund oder nur eine Racht über in dem Spiricu 
Vini ftehen/ alsdann 3. Pfund Canari-Zuder ineiner Maaß Bruunen- - 
Waſſer zerlaſſen und über das Feuer geſetzt / aber nicht ehe abgefchäu- 
met/ bis der Zucker clarificirt iſt / hernach ein halb Loht&ochenille oder 
— kermes im Moͤrſer klein geſtoſſen / 14. oder 15. Tropffen Olei 

artari darinn getroͤpffelt / und ferner des beſten Spiritus vini ſo viel 
zur Auszlehung der Tinctur genug iſt / darzu gegoſſen / fo wird es in⸗ 
nerhalbza. Glunden eine ſchoͤne Tinstur gehen / den Ros ſolis damit 


170 Rof DER 


nad) Belieben damit zu färben ; weiter nimm 4. Gran Ambra gris, 2, 
Grarf Mutcos, reibe beydesmit ein wenigZuckerkandi unter einander/ 
thue es in ein Bläplein / und gieß darauf ein halb Loht Spiritus Rofa- 
rum, laß ed auch 24. Stunden ſtehen / mifche es mit Rosfolis , und la 
es durch ein fauber Tuch Lauffen. 
Item, nimm einige Maaß Brunnenwaſſer / laß es wohl Fochen/ und faſt 
wieder laulicht werden / nimm hernach einerley Art wohlriechender 
Blumen / blättere ſie ab und lege die Blätter in einem Topff / und gieß 
von dem Waſſer darauf) bis die Blatter bedeckt feyn/ mache es mit 
andern Blumen-Blätter eben fo/ und begieſſe ſie mit Waſſer / fo wird 
ſolches / indem es darauf erfaltet/ den Geruch der Blumen an (ich zie» 
ben; diefe müft ihr — einem Schaum⸗Loͤffel fauber heraus 
nehmen und abtropffenlaffen ; Endlich gießt ihr alle das Waſſer in et 
ten Krug zuſammen / und aufjedes. Maaß Waſſer nehmt ein Maaß 
guten Branntwein / thut 4. Maaß zuſammen / hierzu noch anderthalb 
Maaß gelaͤuterten Zucker / etwas deftillirten Caneel und auch Anis⸗ 
Ellen; ſo das Rosfolıs etwan zu ſuͤß wuͤrde kan man mehr Brannt⸗ 
wein hinzuthun / hierauf noch etwas Mufcus und Ambra, und damit 
Mirirt / fo iſt es fertig / und haͤlt ſich ſehr lang. 
Dad ſchwache Rosfolis, ſo auch du Populo genennet wird / zu machen / 
iſt eben wie das vorige / nur daß man nicht gekocht Waſſer und weni⸗ 
er Branntwein nimmt; Auch muß man bey Zubereitung alled Ros- 
olis in Obacht nehmen / daß man den Zuder / indem man ihm clarifi- 
eiret oder läutert/ nicht zuviel kochen laͤßt / weil er ſich fonft in dem Ros- 
foliscandıfırt/ und Wolcken darinn macht. | 
Wer denAmbra und Mufcus wohl preparıren will / daß er nicht mehr 
Eitet in denen Ligvoribus al alle Effengenthue / der muß nehmen 4. 
Gran Mufcus , eben fobiel Ambra, und feinen Hutzuder eines Eyes 
:08/ ſolches alles mohl zuſammen pulverifiven ineinen ſteinern Moͤr⸗ 
* folgends in viel Papieren wohl eingewickelt zum Gebrauch vers 


wahren. 

Den Zucker wohl zu läutern / ſo thut in eine Pfanne 3. Röffel Waſſer / 
mit einem Weiſſen von Ey/vührt es wohl unter einander/ nehmt her⸗ 
nachs. Pfund Zucker / und werfft ihn in ſolches Waſſer / laßt ihn darinn 
ſchmeltzen und kochen; er muß aber immer mit dem Schaum-Löffel 
ungerühret werden / daß er ſich nicht anlege ; wann er wol im Kochen 
auffteigen will / fo müßt ihr ihn von Zeit zu Zeit mit Zugieflung kalten 
— daͤmpffen; hierauf nehmt ihn vom Feuer / und ſeihet ihn 
durch. 

Anjetzo iſt der Rosfolis-Handel in der Frautzoſen / Italiaͤner und Ju⸗ 
den Händen / da abſonderlich dieſe letztere offt allerhand Miſchmaſch 
zuſammen machen / welches die groſſen Herren hernach trinden / und 





ihuen 





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ihnen noch wol für eineBouteille einen Bülden oder Thaler bezahlen 


müffen/dienichtss Ereuger wehrt ift; Allein es bleibt dabey: Mun- 
„ dus vult decepi, geoffe Herren wollen bedient feyn- 
Roͤſten / dad Ertz durchbrennen/ bon feiner Unart faubern. 
Roht / Rubrum, Rouge, ob wol unter dem Wort Särber- Röhre 
und Sarben/ ald Zinober/ Meninge/ 2c. Meldung der vohten Farbe 
gethau wird;/ fofeynd deren doc noch ſo viel übrig / fonderlich aber 
8 die Compofition und das Abfärben rohter Leinwand / Seiden 
Bund Tücher betrifft/ day wir ſolches zu befchreiven eine eigene Rubrie 
nöhtighaben. Es ſeynd aber ſiebenderley Gattung * rohter Far⸗ 
ben/ welche vier unterſchiedliche Mittel: Zarben/ zur Vermiſchung der 
andern Farben geben: Dieerfle wird genannt Ecarlatte Rouge de 
France, ou de gobelins oder Frantoͤſiſch Scharlach. Roht; die ande⸗ 
ve Rouge de Cramoify, Kermenſin⸗roht; die dritte Rouge de Gäran- 
ce , roht von der Faͤrher⸗Roͤhte oder Erap:roht; bie biete Demy 
graine, halb Scharlach⸗roht, die fünfte Demy Cramoify, halb Cars 
meſin⸗roht; diefechfle Rouge oder Naccarat de — 
cken⸗roht oder Nacarat; die fiebende Ecarlatte de Cochenille oder 
Facgon d’Hollanda, Holländifch oder Cochenillen⸗Scharlach. 
Das Scharlach-rohr/ nachdem es mit dem Krafft⸗Waſſer ausgefote 
ten worden / und hernach nod) einmahlınitandern fauren Waſſern / 
als Alaun / Pottaſch und Arfenico gefotten wird / wird hernach roht 
gemacht mit Lerchenſchwamm / Weyde und Scharlach⸗Koͤrnern / fonft 
Vermillonoder Kermes genannt; unter welchen diejenigen die beſten 
ſeyn / welche von Languedoc und aus Pohlen gebracht werden. Cini: 
ge Färber thun Eochenille darzu / andere Fenu Gra&cum , heruacher 
- werden ſie licht gemachtmit Eauxfures, Lerchenſchwamm / NBeinftein 
und Curcuma oder Terramerita. Die Scharlady Farben aber / die 
man was lärder haben will / daß ſie ich nicht auf Racarat zichen / 
dürften nicht licht gemacht werden. . 
Die Roht⸗ Scharlachene auf Holländifche Manier gefaͤrbte Tuͤcher 
werden gekocht mit Allaun / Weinſtein / Salgemma oder Stein-Saltz / 
Scheide⸗Waſſer und Erbſen⸗Mehl / entweder in einen Zinneru Keſ⸗ 
fel/ oder mit Scheidewaſſer / darinnen Zinn zerlaffen worden/ herna⸗ 
cher wird ihnen die Cochenille oder rohte Farbe gegeben / mit Kraffte 
Mehl / Weinftein und Cochenille metligve in eben denfelben Keſſel. 
Die Manier abet/ denfelben die Eochenill-Farbe zugeben / muß un⸗ 
terſchiedlich ſeyn / nachdem ſolche auch auf unterfchiedene Weife geko⸗ 
chen worden; Und ob wol diefe Farbe eine von den gar hellen ift/fo wird 
fie dochgar leicht Roſenfarbe und fledigt vom Koht / ſtillſtehen dem Waſ · 
fer/ Laugen und andern dergleichen Zufällen / yor welche Flecke Ir 
N 


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1052 WMot 


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ſich ſehr huten muß / weiln / waun (le auf die Weiſe beflecket wird / kein 
ander Mittel davor gefunden werden mag / als das Unifärben. ' 
Unterdiefen beyderley Arten vohter Farben / welche gut und zuläfig 
feyn/ wird annoch eineandere Art gefunden / und mit Braitlien-Kolg 
bereitet/ welche als eine falfche Farbe muß verboten werden / aus Ur⸗ 
ſachen / weiln ſowol die Lufft / Sonne) Koht / und das geringfte ſcharffe 
oder ſaltzige Wafler felbige fleckigt machet / ald auch / weiln diefeß 
Holtz eines bon den auslandifchen Materialien ift / daß biel Geld ans 

dem Lande führet/ undzumahlen alle diejenigen Mittel-Farben/ fo von 
derfelbigen entfpringen / gar leichtlich mit guten rohten Farben und 
uten Materialien, fo eine gute robte Farbe heraus zu bringen dienlich 
—* koͤnnen nachgemachet werden. | 
Bey allen Roht ift nöhtig/ die Tücher vorher zu allaunen/ welches or- 
dinair mit zwey Theil Alaun und ein Theil Weinſtein gefhiehet; zum 
andern folche zu ſtaͤrcken / mit Kleyen / Krafft-Mehl/ Bohnen-und 
Grbfen- Mehl / im Alaunen oder im Sud mit dem darzu bereiteten 
Semmel⸗Waſſer / Stärd-oder Krafft-Waſſer / wie folches unter- 
fchiedlich genennet wird. Diefed Semmelwaſſer ıft nichts anders / 
als ein gantz dünner Sr man nimmt nemlich5. oder 6. Kants 
nen Wãitzen⸗Kleyen / laͤßts mit Regenwaſſer bey einer viertel Stunde 
lang ſittſamlich kochen / thuts fo dann mit noch etwas kalten Waſſer in 
ein Faͤßlein / und mifcht bey einer Handvoll Sauerteig darzu; je ſaͤu⸗ 
zer ed wird / je beſſer wirds gemacht. Der Effett, den die Zärber 
don dei Kleye hoffen ift Die Weichmachung des Waſſers / und Linde: 
rung der Wolle und Tücher; Sie wird in dem erften Sud unter da 
Allaun⸗Waſſer meiftens gebraucht ; das Senimel⸗Waſſer ab 
koͤmmt gemeiniglich mit in die Farbe. Mas der Agaricus oder Pers 
chenſchwamm bey der Farbezu thun / iſt den Meiftern felbft ae 
aufler daß die wettlänfftige Nachricht lautet, er helle ; auf was Mei 
aber/ Fan niemand determiniven / die Meynung Fönnte dahin gehen/ 
daß / indem esein mehliger Schwamm / er den ſtarcken Waffer einige 
Beyhulfte zu Truckung und Verſchlingung der Fertigkeit gebe. 
Das Arfenicum bey dem Scharladh Färben zu gebrauchen / ift eben 
nicht von der hoͤchſten Rohtwendigkeit / weil dıefer Gaſt allzu ver daͤch⸗ 
tig/ und man an deffen Stelle Aqva fort, Spiritum Salis, oder auch Sal- 
miac gebrauchen fan. Es wird auch das Scheerflocken⸗Roht wenig 
gebraucht / weil es von bieler Arbeit/ unnöhtigen Unkoften/ geringen 
Rutzen / und allzu unbeſtaͤndig. Hingegen ift zu dem Naccavat die 
Cochenille defto gebraͤuchlicher / und zwar nach folgenden Aüffag: 
Nimm aufein Pfund Waar 2. Loht Cochenille / weniger oder mehr/ 
nach deren Büte / ferner. Loht Ayva fort ind Alaunen; etliche thun 
auch Salmiac darzu an ſtatt des Alauns / es mug aber die m. 
alle: 


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Kot 1053 


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allezeit mit Weinftein abgeftoffen und vermifcht eingetragen werden. 
Den Scharlad) recht zu befchreiben/ fo ift folcher nichts anders / ats 
eine gehellte und weniger oder mehr ind Gelb gebrachte Carmefin- 
Farb. Das Scheide Wafler iſt der. ganzen Veränderung Gruud / 
wie man dannn in einer Fleinen Probe/ als etwanin ein Wein laͤß⸗ 
lein / die Farbe bis ins Gelb / ſa endlich gar ind Gelbe bringen kan / 
mit Preecipjeirung deffen/ was die Farb zubor conſtituiret gehabt, 
Die aus der rohten Farbe herkommende Mittel⸗ Farben ſeynd bie⸗ 
rerley / nemlich Rougede garance oder Crap⸗Roht/ Rouge Cramoify 
Earmefin-Koht/ Rouge de Bourre Scheerwollen⸗Roht / und Hollan⸗ 
diſch Roht oder Scharlach; bon welchen dieren hernach wieder andere 
Mittel-Farbenentflehen. Die Mittel-Farben von der Erapp-Nöhs 
te ſeynd die Fleiſch⸗Farb peau d’ oignon mit einen Heinen — 2 — in 
der Kuͤpen / Fiammette, Ifabel’ de garance, Ziegelroht und Incarnarde 
garance giniolin, melde alle auch mit Eochenille fönnen gemachtwere - 
den ; aber die Iſabel und Ziegelvoht werden weit beffer/ wann man ffe 
— Sud Hollaͤndiſcher Naccara⸗Farbe mit der Köhte gehen 

et. 


Die Mittel⸗ Sarben bon Carmoiſin⸗Roht feynd Yepffel-Blühte 
Leib» Sarbe/ Pfirfhen-Blüht/ Rofinfarde/ incarnadin, incarnatrofe, 
und Rouge cramoiſy, oder Carmeſin⸗Roht. | 
Die Mittel⸗Farben bon der Bourre oder Scheerwolle feynd eins 
nit denen bon der Carmeſin⸗Rohten / ausgenommen / daß diefe Faro 
ben entweder mehr auf KRofen-Farbe oder etwas lebhaffter kommen / 
nachdem das Einmweichen derfelben wohl oder übel zu Wercke gerich⸗ 
tet worden/ ober auch die Zeuche kurtz oder lang mit Alaun geſotten has 
ben. In den Zeuchen oder Tüchern von hohen Preife muß man ſich 
der Mittetfarhe bon der Bourre auf Incarnadin nicht bedienen / 
weiln ihre Farbe nihtfogutift / als die / fo mit Eochenille gemachet 
wird / fondern bloß in ſolchen Zeuchen oder Züchern / davon die Ele - 
nicht über zo. Rreuger zu ftehen fömmt. ot 
Die Mittel⸗Farben von — Roht oder Hollaͤndiſch 
Scharlach / ſeyn auſſer Fleiſch⸗Farb / noch Fiamette, Pfirfch-Blüht/ 
Roſenfarbe / Incarnadin und Incarnas, welche fie mit dem Earmeſin 
roht und Rouge de Bourre oder Scheerwollen⸗Roht gemein hat. 
Wann man Alaun in ihren Sud wirfft / fogiebet ie noch andere Far⸗ 
ben/ als Kirſchfarb / Nacarat, Ponceau, Couleur de Feu und Ecarlate 
d’ Hollande, welche auch mit der Bourre fönnen gemachet werden/ fo 
aber vielmehr eine gelbe Farbe den Zeuchen oder Tüchern giebet. 
Den Anſatz derrohten Farbe felbft betveffend/ und zwar erftlich nur 
ſchlecht Roht auf Seide / fo nimm zu jeden Pfund ein Pfund Ferne⸗ 
bock / laß es aufileden/ als dann durch — Sieh in eine Balge gegofieny 
Fk un 


1054 Rot 

und dann das Hoit noch einmahl aufſieden laſſen / fo muſt du aber et⸗ 
18 kait Waſſer darzu thun/ darnach die Seiden darinn gekehret / und 
nicht ausgewrungen / dann wieder auf Stecken geſetzet / und in der anu⸗ 
dern Suppe — bis es genug hat / dann darein gethan ein wenig 
Pottaſch in kalt Waſſer / und darinn gekehret / und wanns roht genug 
iſt / geſyuͤhlet und getrucknet. | 


Voch aufeineandere Manier Blutroht zu färben. 
So muſt du vorhero die Seide wohl einbeitzen / alsdann nimm auf ein 
Pfund Seide ein halb Pfund Allaun / ein viertel Pfund Weinſtein / 
alles klein geſtoſſen / laß es mit einen Eymer:voll Beitz⸗Waſſer eine 
viertel Stunde iochen/ ſtecke als dann die Seide 2. Stunden lang dar⸗ 
inn / wanns vom Feuer abgenommen / ſo laß es ein wenig darinn ſte⸗ 
hen, und fpühle es alsdann wohl aus / ſchlage esüber ein Holtz/ haͤnge 
esauf/ und iaß es alsdann trocknen. Hierauf nimm einen Eymer 
Waſſer / thue darein ein viertel Pfund Gallaͤpffel klein geſtoſſen / haͤn⸗ 

ee uber das Feuer / und laß es warm werden / ſo lang bis du deine 

and nicht mehr darinn leiden kan / ſtecke alödann die Seide darinn ꝛ. 
Stunde lang / nimm fie aus / laß ſie ablecken und trudnen / alsdann 
nimm ein halb Pfund guten Fernebod / thue den in Waigen-Kleyen« 
Waffer in einen leinen Beutel / und laß es aufkochen / fege den Keſſel 
vom Feuer / und decke es dichte zu / laß es eine Nacht alſo ſtehen / und 
thue hernach darinn ein Halb Pfund Pottafche/ und hänge ed abermahl 
aufs Feuer / laß es eine gute Stunde lang aufiieden / gieß hernach fo 
bielfileffendes Waſſer darzu / als ed eingekochet iſt / nimm den Beutel 
mit der Farb heraus / und ſtecle die Seide darein / wanns ein wenig 
berſchaͤumet iſt / decke hernach den — zu / laß es eine halbe 
Stunde darinn ſtehen / wringe ed aus uͤber Holtz / ſpuͤhle und laß es tru⸗ 
enmwerden ; ſoes noch nicht roht genug / fo nimm und ſiede die Farbe 
wieder auf / und ſtecke die Seide wieder darein / und ſpuͤhle es als⸗ 
dann in der Seiffe / wie die Carmeſin⸗Farb / und darnach in flieſſen⸗ 
den Waſſer / ſo haſt du ſchoͤne rohte Geidhe. De 

Wollen⸗Zeuch roht zu färben. 

So muß man ſelbiges vorher wohl / und zwar folgender geſtalt allau⸗ 
nen: Rehmit aufı. Pfund Waare reines par Regenwaſſer 
mit den dritten Theil Krafft⸗ oder Kleyen-Wafler übers Feuer / u. 
darinn 4. Loht Naun und 2.Loht Weinftein/ wann es ſiedet und fchäu« 
met/ ſouehmet erftlich den Schanmab / thut eure Paare darein/ rühe 
retsein Stund lang wohl um / nehmets alsdann heraus/ und fpühlet es 
 aus.i Wegen des Gewichts des Alauns und Weinſteins ift zu mer: 
den/dap allezeit des Alauns noch fo viel als des Weinſteins genom- 
men werde ; Etliche Meifter verwerffen den vohten Weinftein N und 

rau⸗ 


—— 


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brauchen allein den weiſſen / andere hingegen halten den rohten für bef⸗ 
fer/ welches auch auf Cramoify und alle bräunliche rohte Farben/ tem 
auf bie guten Zucher die erftiich einen röhtlichen Grund haben / ehe 
fie ſchwartz gefärbet werden/ mit guten Rühen wahr befunden wird, 


Folgen einige Defcriptiones, und zwar erfklichy wie 

‚_ das Wollen-Zeuch ſchlecht rohe zu färben, 
Recipe, Auf zo. Ellen Tuch 5. Pfund Alaun / 2. Pfund Weinftein/ein 
b.iertel Pfund weiſſe Kreide / thue Waſſer in einen Keffel / und ninam 
s Pfund gute Erapp/ ein Glaß voll Eßig / und laß es zufammen ware 
werden / hierauf thue die Waare hinein/ und hafpele es herum / bis es 
roht genug ift/ alsdann fpühle ed aus / fo wirft du fhön rohi Haben. 
NB. Du muft vorher das Wollen-Zeuch ;.Stund in Allaun und Bein 
fein jeden laffen. - | 

| Roht aus Sommer-Robtzu färben, — 

So nimm;. Pfund Allaun / anderthalb Pfund Weinſtein / laß das 
Tuch anderthalb Stunde wohl fieden / darnach ſchlag das Waſſer 
weg / thue wie der Waſſer im Keſſel / mache eine Flotta ro. Pfund Sonm—- 
mer⸗Roht / 3. Loht Pottaſchen / oder etwas von Urin / fiede e$ auf / wann 
es eine Racht eingeweicht iſt. a 

Erngliſch roht Tuch zu faͤtrben. 
Rimm;. Pfund Alaun/ 2. Pfundweiſſen Weinſtein / ». Scht Bley⸗ 
meiß/ ein halb Metzen Waigen-Kleyen / das Tuch in einen Keffel ge» 
than/ und anderthalb Stunde wohl ſieden laffen / undeine Nacht tm 
Sud haagen laffen/ und hernach aufieden Stück Tuch / wann es ge⸗ 
ſpuͤhlet iſt / fo.nimm in die Flottes. Pfund guten Brappen/ 4. Loht Or- 
leans, 3. Loht Carcuma, 4. Loht Scheid⸗ ABaffer / laͤß dag Zuch drey⸗ 
viertel Stunde uber den Haſpel lauffen / ſo wirſt du ein gut Engiiſch 
roht Tuch haben / dann fpuhle es aus. a, ah 


Scharlach zufärben. ' 
Rimm auf. Pfund Waare 4. Loht Weinftein / 2. Loht Salmiac, fols 
hes thue man Klein gerieben erft wanns aufjieden will / ind Waſſer / 
famt 4. Loht weiſſe Stärde und ı. Loht Gummi Gutta , die beyde legte 
Städt in Waſſer gethan / famt e. Loht Eochenitle/ und aufwauen laf⸗ 
ſen; — und zuletztz. Loht Scheidewa I a aufs 
kochen laſſen / alsdann heraus genommen / geküͤhlt und kalt ausgefpühlt, 
Roht Scharlachen zu faͤnben. 
So allaune ſie wie ein Cramoiſy, hievaufin Strohmwaſſer⸗ Gtun⸗ 
de geſotten / laß es auch eine gantze Nacht unausgewaſchen haugen / des 
Morgens aber ausgewaſchen. Die Farb zu geben/nirmnrzein Kleyen. 
Baer, laß esſie den / fihaume es p ab / thue damn darein * J | 
* x12 | un 


- 


1056 | Rot 
Pfund Waaren ꝛ. Loht —* epulverten Weinſtein / davon bermiſche 
erſtlich die Helffte mit ein. Cochenille / und wann das Waſſer im 
Keſſel / darinn die übrige Helffte Weinſtein iſt / geſotten hat / fo thue 
dieſe Cochenille darinn / laß es mit einander aufwallen / und hernach 


v 





ein Loht Scheidewaſſer / darinnen einer Erbfen groß Salmiac zerlaffen/ / 


in den Sud gegoffen / und zwar / wann die Waare fchon ein viertel 
Stunde gefotten/ und als dann noch etwas zufammen Fochen laffen/ ges 
Fahlt und ausgefpühlt. 


Gut Scharlach aufein Pfund Waare. 


Sehet einen kupffern Keſſel übers Feuer mit Regenwaſſer / dann thut 


in ein zinnern Geſchirr 3. Loht Scheid-sder Starck⸗Waſſer / 3.Loht - 


Hein geſtoſſen Weinftein/ und 2. Loht Salmiac ; oder habt ihr Schar» 
lah-Suppe/fo nehmt ein wenig Cochenille / rührets wohl darunter/und 
thuteuer Werck drein/ laßts eine Stunde darinn ſieden dann nehmts 
heraus, kuͤhlets und fpühletsaus / und gebt dieCouleur , wie folget: 
Aufı-Pfund Waare nehmt 2. Loht Cochenille und 4. Loht Hein gerie⸗ 
benen Weinftein/ein halb Loht Flein geſtoſſenen Salmiac, rühret ed wohl 
um / und euer Werd datingethan/ und laßts anderthalb Stunde ſie⸗ 
den; diefes follmit Regenwaſſer gefchehen / und wohl über den Ha⸗ 
ſpel handthieret werden/dann daraus gethau/gefühlet und ausge ſpuͤh⸗ 
let / fo iſt es ſchoͤn Scharlad). - 
Engliſch Roht zu faͤrben. | 

So nimm aufein Stud Tuch 26. Pfund ſchwer / drittehalb Loht Al⸗ 
laun / und ein Pfund weiten Meinftein / Hein wie Mehl abgerieben/ 
ſſedet das in eurem Waſſer auf / und wann ihr mit euren naffen Tuch 

leich eingehen wolt / fo fchüttet vorher ein halb Pfund temperirt 
— er indem Sud / rühretö um / und gehet gefhiwindein/lafit 
ed 2. Stunde ſieden / und 12. Stund in dem Sud beliegen bleiben/dann 
ausgewaſchen. | 
Zum Ausmachen nehmet 4. "Pfund Grapp / 3. Loht Gummi Fuita, 
3. Loht gereinigte Pottaſche / 1. Pfund Waitzen Kleyen / bringt ſolches 
mit eurem Waſſer in den Sud/ und dann mit eurer Waare eingegan⸗ 
gen und handthieret / wie ſichs gehoͤret / daß es nicht pladeriht wird; 
die Farb mird gang gut werden. 


Engliſch Roht aufeine andere duncklere Art zu färben. 


So ſiedet die Waare mit 4. Loht Allaun / 4. kLoht Weinſtein / 4 Loht 


Scheidewaſſer / temperirts mit 4. Loht fein Berg⸗Zinn / ein biertel 
Pfund Brapp/ verſtehe fo viel auf ein jedes Pfund Wolle oder Waare / 
und alfo nach Proportion, auffer daß des Ziund auch wol auf 20. Pfund- 
Wagre nicht diel mehr qls etwa noch ſo viel noͤhtig; Ja / wann zer 


4 Rot | 1057 
- das Scheidewaffer mit den Zinn gekoͤrnt zu temperiren weiß / kan man 
wol mit ein paar Loht mehr ausrichten/ als fonft mit ein viertel’ Pfund. 
Hiermit die Waare 2. Stunden lang gefotten und handthieret / wie 
fih3 ehöret/ als dann / nachdente es tim Sod erfühlet/ ausgefpühtet. 
Zum Ansmachen nehmet auf jedes Pfund eurer Waare ein viertel. 
Pfund Grapp/ ein halb viertel / oder nad) dem ihr. die Farb haben 
wolt / auch ein atel blauols/einLoht Attaun ; eure Waare wohl hin» 
durch handthieret / wann ed durchaus wohl angefallen/ zulegt aufiedes 
Pfund ein Lohtgereinigte Pottafche/ und eure Waare wohl herdurch 
handthieret / daß nicht plackericht wird. Die Farb fan gan gut wer⸗ 
den ind Yug; aber alle KHolg- Farben flecken ſehr / nicht alleine vom 
Wein / Urin / Epig/ fondern auch von faulen Wafler / Pfügen/ Koht⸗ 
befprüugen/ etc. Ä . | 


Scharlach zu faͤrben auf 62. Pfund Waare. 
Nehmt 2. Pfund temperirt Scheidwaſſer / 2. Pfund Weinſtein / ein 
halb Pfund Salmiac, 6. Loht Cochenille ‚damiteine halbe Stund ge> 
fotten/ dann verkuͤhlet / und feget in die Flott 1. Pfund rohten Allaun / 
gehet drauf mit den Tuch wieder ein/ und laßts drey viertel Stund 
wieder fieden/ alsdanu verfühlet und rein ausgewaſchen. 

Zum Ausmacyennehmet 2. Pfund Eochenille / und damit eine halbe 
Giunde — Item, nehmt auf +. Pfund Waare 10. Loht Scheid⸗ 
waſſer / eben fo viel Weinftein/anderthalb Loht Cochenille / damit drey⸗ 
viertel Stunde geſotten / alsdann ausgenommen / friſch Waſſer in den 
Keflekgethan/ und ausgemacht / wie folget: 6. Loht Cochenille, 6. . 

Leht Amidam, 5. Loht temperitt Scheidwaſſer / s. Loht Chryftalli Tar- 
tari, anderthalb Loht Gummi Guttæ, Damit eine halbe Stunde gebuͤh⸗ 
rend geſotten / wird gut. 

Rohre Farb / waͤchſt haͤuffig um Nürnberg / wird biel Klaffter 
tieff aus der Erden geholt / hernach im Backoffen gedoͤrrt / und Ernte 
ner- weiß verkaufft. | 

Rohr Ginzel / Tormentilla. 

Rohtlauff⸗Kraut / Geranium, Gratia Dei, 

Rohr Klettenkoͤrffel / Apium arvenfe, 

Ackerkletten / Lappa Boaria Rlinii, 

Ruͤben / Carotta Matth. | 

Wurtz / Alcanna, Anchufa, 

Stendelwurtz / Satyrioo Erythronium. 
Schluͤſſel⸗Blum / Par alyſis alpina Aore purp. 
Wiederſtoß / Ocymaſtrum rubeum. 

Hirſch / Blitum majus Hungaricum. 

Engelblum / Gnaphalium montanum. — 


Xxx3 Rohr 


11111111 


PC Kor Rub 


Rohr Wegretch/ Plantago major, 

— Ochſenzung / Alcannaanchufa, 
Buckeln / Artemilıa. 
Nachtſchatten / Alkekengi, Ceraſa judæorum. 

Meyer / Gauchheil / Anagallis mas, Corchorus Theophr, 
Heilwurtʒ / Tormentillifeptifolium. . 
Fuͤnfffinger⸗Krtaut / Pentaphyllon paluſtre. 
Steinbruch / Philipendula Saxifraga rubra. 
Mauerrauht / Adianthum rubrum, Politrichon aureum. 
Ackerwurtz / AcorusDiofe. 
Tannen-Baum / Picea, 

— VOpperment / Sandaraca. 


Roheſcher oder Stockfiſch / kommt ans Norwegen und Jsland / 
wird in mittel / klein und zart Fiſch abgetheiiet; flach und rund Fiſch 
iſt eine deſondere Art. Vide Stockfiſch / item Cabliau. 


Rotuke, runde Kuͤchlein oder Zeltlein / ſeynd von unterſchiedlichen 
Compoſitionibus und Ingredientien/ in denen Officinen zu finden / als 
Rotul Atomat.roſat. Berberum exfuceo, Rotul. Ambratæ, ad aerem 
inbenignum, Caput confortantes, Diacodii Diambræ, Cordiales, Fe- 
bris æſtum mitigantes, pro itinere, Dianthos, manus Chriſti ſimpl. 
perlataæ, in melancholia Hypochondriaca, Diagalangæ Pectorales, 
in Tuſſi inveterata, Laxativæ, Diacurceumæ, Venerem ſtimulantes, 
infantiles laxativæ, Diacumini, contra Vermes, Diairidis c. ol. aniſi 
fimpl.Diamarparit. fri gid.Diamofchi,Diatragacantbhi fri gid.Diatrion 
piper liberantis, Preferv. D.Wend. Ribiumexfucco. . Ihre Berei> 
tung iſt eben als der. Morfellen, nur daß die Pulber darzu zärter / und 
nicht fo viel feyn müffen; Man beveitet auch Zeltlein aus Safft und 
Zuder/ wann nemlich dieſer injenen folvirt/ und zur gehvrigen Con- 
Sitenggefochet und rotatiret wird, Allein zu merdenift / daß die 
Zeltlein die aus fauren Säfften / 3. E. Citronen⸗Safft bereitet wer- 
den / ſich nicht Fochen laflen / fondern man miſcht ſie nur: Man nehme 
pulverifirten Zucker. Pfund/ laß ihn bey uden Feuer erwaͤrmen / 
a gieß daran des Saffts / z. E. bon Erbſig s. Loht / miſch und gieß 

eltlein. 

Route, der Strich oder Weg / den man auf einer Reiſe nimmt. 

Rubaces, vide Granaten. | 

Rubel / iſt in Mofcom fo biel als e.Rthlr. Wie hoch anigo pr. Ru⸗ 
bel aus Moſcow heraus gewechſelt werde / vide unter Moſcowitiſche 
Waaren. 


Rubia Tinctorum, Faͤrber⸗Roͤhte / vide Grapp / item Rohr. 
j | Raubi- 


III 11 


Da 4 , — — — 
Rub 1059 
Rubinus duorum fratrum, iſt bey denen Chymiſten rubinus arſeni · 
ci und Schwefel. 
Rubinſtein / Rubinus, ein ſchoͤnes rohtes Edelgeſtein / kommt aus 
Oſt⸗Indien / ſonderlich aber aus dem Königreich Pegu; Es wird 
auch eine wiewol ſchlechtere Art in Böhmen mid denen Schleſtſchen 
Gebirgen gefunden / ſonderlich aber eine Art von Kieſelſtein / offt groͤſ⸗ 
fer als ein Ey / welcher / wann er entzwey geſchlagen wird / ſchoͤne Rubi⸗ 
nen in ſich haͤlt / die den Orientaliſchen nichts bebor geben; ſie ſeynd 
aber rar zu finden. Wann der Rubin eine Gelbe an ſich hat / ſo wird 
er vor einen Granat oder Hyacinth æſtimiret. Unter den größten Ru⸗ 
binen / welche heutiges Tags in der Welt zu finden / moͤgen wol dieje⸗ 
nigen gezehlet werden / deren der berühmte Tavernier in feinen Reis⸗ 
Beſchreibungen Meldung thut: daß er gemlich unter den Juwelen 
des Königs in Perſien / einen Rubin (in der Dicke und Form eines 
Eys / uͤber zwerg durchloͤchert / ſehr hoch an der Farb / ſchoͤn und ſau⸗ 
ber / ausgenommen / daß er au der Seiten einen kleinen Schiefer ge⸗ 
habt) geſehen: man habe ihm aber nicht ſagen wollen / was er geko⸗ 
ſtet / auch ſolchen nicht wollen waͤgen laſſen. Ein anderer / ſo in des 
Koͤnigs von Viſapour Schatz geweſen / ſoll a. Maͤngeleins / welches 
273. unferet Caraten macht / gewogen / und i4200. neue Pagodes, ſo 
damahls;. und ein Halb Rupis gegolten / (welches unſerer Muͤntze 
7450. Francken oder halbe Reichs-Gulden machet) gekoſtet haben. 
Noch ein anderer / den ein Banjanifher Kauffmann gehabt / habess. 
Ratis. oder joJ. Carat gewogen / und fen damahls 5000. Roupies 
schimiret worden. Thomas Nicols in feinem Edelgeſtein ⸗Buͤchlein 
meldet / daß ein Carbunckel und groſſer Rubin einerley ſey / und daß 
der RönigzuPegu in Judien einen fo groſſen und hellen Carbunckel 
habe / daß er bey deſſen heilen Schein an einem finſtern Ort eben ſowol 
ſehen kan / als wann ſelbiger vor der Sonnenſtrahlen erleuchtet würde. 
Es mag aber ein Rubin fo herrlich und furtvefflich ſeyn / als er immer 
wolle / fo hat er doch / wie alle andere Edelgefteine einer Folie zum Uns 
terlegennöhtig ; folhemird entweder gemacht von Maſtix, oder von _ 
einer gefärbten gläfern Subftang/ oder man braucht auch ein roh: Guͤl⸗ 
den Folie darzu. 
Die Verfaͤlſchung des Rubins gefchiehet entweder an einen Rubin/ 
der gar einer bleichen Röhte iſt warın man eine roht Gold Folic- Far» 
be darunter leget / oder auch / fontan darunter [rget ein glängended mit 
einer rohten Farbe gefärbtes Glas / und alfo mag er ohne fleifige Fuͤr⸗ 
ſichtigkeit vor einen vechten Stein angefehenmwerden / unddas um fo 
pielmehr/ weil ihnen allen mit einer Folie geholfen wird. Eine an⸗ 
dere Weiſe / ihn zu verfälfchen / geſchicht durch einen weiſſen Saphir / 
Ä Zik 4 Eiry 


1066 - Rub 


Cryſtall oder Topas, oder gar durch einen rechten Diamanten / unter 
welchen man eine roht gũldene Folie leget / wann er in einen Ring ein» 
efafletwird. Man Bat auch noch einenandern Weg folche zu verfäl» 
Pen, und zwar wannman zween fchöne Eryftallen mit ein wenig Mae 
ftix zufammen leimet/ fo mit einer vohten oder Carmeſin⸗ rohten Far⸗ 
be gefaͤrbet ſind. Soicher geſtalt habeich zwey Stuͤcke von Cryftall 
zuſammen geleimt geſehen / die / nachdem ſie mit einer Folie einmnahl 
eingeſetzt waren / ſchwerlich von einem rechten Rubin unterſchieden 
werden Funnten. * 
u. aber die Berfälfhung diefed Edelgeſteins alſo entdecket wer⸗ 
den: Erſtlich an dem Mangel des Blanges / daß er nicht fo lebhaffte 
Farben von sid) giebet und daß man den Stein mit der Zeile probi- 
re / da dann ein rechter Rubin die Felle aushalten kan / ein weicher 
nachgemachter und verfaͤlchter Stein aber nicht. Roch ein anderer 
Weg / die kalſchen bon den rechten zu unterſcheiden iſt dieſer: Nehmet 
den Rubin / der euch verdaͤchtig fürkoͤmmt / und richtet euer Auge von 
dem Rande feiner Eiufaſſung durch den Stein / gegen über die andere 
Geite der Einfaſſung / und foer aus zwey Stuͤcken mit darzwifchen 
elegter Folie beftehet/ werdet ihr leichtlich den Obertheilohne Farbe - 
ken) daher ihr ohn ſchwer abnehmen Eönnet / daß er feinen lang 
bon der Folie befonme ; Ja es koͤnnen etliche Zubiliver ſolche kuͤnſti. 
Windel undEden an dem Boden der weichen burchfcheinendenSteine 
ſchneiden und ausgraben/ daß wegen der mannigfältigen Wiederfcheie 
nungen dieſes untern Theils in alle öberfte Theile des Steins ein er⸗ 
‚Fahrner Jubelirer ſchwerlich den Betrug merden fol. - Es werden 
auch falfhe Rubinen gemacht mit gefochten Operment ; diefe aber die= 
nen zu nichts anders / als zu Bilder-Seulen / davon bey den Bapı. 
Porta fn feiner Magia lib, de gemmis gemeldet wird. 
In der neu«eröffneten Runft-und Schag-Ranımer rarer Curieufitd- 
ten werden folgende Handgriffe/ den Rubin nachzukünfteln/ beſchrie⸗ 
ben/ und zwar erftlic) | 
Einen unveinen Rubin zu clariren: 
So nimm weiſſe Kißlingſteine / thue deren fo viel du wilt / in einen ver» 
glafürten —— denfelben wohl / fee ihm in ein ſtarck Feuer / 
Balles wohl glůhen / loͤſche ſie in einen ſtarcken Wein⸗Efig ab / das 
thue fo lang / bis alles bon einander faͤllt / den Efig koche ein / thue die 
Maſſa in einen Tiegel/ ſchmeltze es zu einen Stein/ die ſes ſtoß zu Pul⸗ 
ver / von ſolchen Pulver nimm ein Loht / klein geriebenen Zinober 2. 
Loht / thue es bermiſcht in ein Glad- Kolben / übergiefle es mit obigen 
Waſſer / daß ed wie ein Brey wird/ in demfelben legeden Rubin / fe 
eö1e. Tage in linde Wärme/ als dann ninnu ihm aus/ veinige ihm mit - 
Waſſer / fo wird er gut ſeyn. j Einen 


Kub 106X 


Einen Rubin von neuen zu machen. 
So nimmms. Loht Alcali ‚6. Loht pulverifirten Cryſtall / I. Loht geſchla⸗ 
gen Kupffer oder Kupfſerſchlag / 6.Gran Gold⸗Blaͤtter / miſche alles 
unter einander / laß flieſſen in einen Goldſchmieds⸗Tiegel / bey 
einen Reverberir-euer ; dad Feuer laß darauf allmaͤhlig abgehen / 
und wann der Tiegelkalt/ fonimm es heraus / und laß es poliren. 


Den durcb Kunſt gemachten Rubin zu verbeffern. 
Nimm gefeilt Kupffer ı. Untz Nitri, Weinſtein / Venediſch Glas / je⸗ 
des i. Untz / laß es mit einander flieſſen / ſtoß es klein / laß es perdeli- 
gvium flieſſen / ſchmeltze es wieder / dieſes mit der Her Gold⸗Tin⸗ 
&ur gleich viel bermiſchet und vereiniget / fo wird deſſen ein Scrupel 
bielthunin mehr als ein Pfund Blas. Item Gold / Kupffer / Zinn/ je 
des alleine und befonders folviret/ und dann conjungiret/ wird auch 
biel Eflect thun. | 


Die befte Art von Rubinen zumachen. 

Nimm einen Theil Bold/ Kupffer / Zinn / jedes gleich biel / ſolvire je⸗ 

des nach feiner Art / die Solutiones geuß zufanımen / tunde hinein 

wohl Heiß gemachten Cryſtall / glue den wieder/ wieder intingivet/ und 

dieſes e. 3. oder 4. mahl gethan/ fo imbibiret dad Glas die Corpuſcula 
Auri, alödann in den Dfen gefegt / fo wird es biel eher fhmelten und 

Im — als auf andere Weiſe / und wird zu den allerſchoͤnſten Ru⸗ 

n werden. 


Rubin / Cryſtall und dergleichen su clarıren/ daß Feine 
Blaͤslein darinnen bleiben. J 
Wann ed genug geſchmoltzen und gekocht/ fo nehmt den Deckel bon den 
Ziegel ab / und leget rund herum Flein dürres Holtz / daß es cin gut 
Slammen-Feuer gebe / laſſet daffelbige alſo eine halle Stunde dar» 
über fpielen/ fo wird ed alle Blofen tilgen. Ä 


ARubinPalais zu machen. 
Nimm geftoflenen Flintenſteinz Ungen / fixen Nitrum ein Quentin/ 
Borrod 3. Quentin/ mifche ed untereinander / und die folgende Tin- 
&ur darunter bon Venere und Marte 54.Gran , von der Tindtur Ma- 
"gnefieso. Gran, mifche es mit den vorigen Stüden wohl unter einan- 
der / in einen neuen Tiegel / gebt ihm erſt Hein Feuer / bis es zu kochen 
beginnet/ alödann 2. Stunden ſtarck Feuer / und laſſet es kalt werden. 


Die obgemeldte Tinctur zu machen. 


Nehmet rohtes Oleum Vitrioliz, Loht gemein Waſſer 2.Loht / dat» 
inn folviret Eiſenfeilich auf der Waͤrme, kiltrirt es gantz warm / ſo 
ſchieſſen unter demFiltrigen we iſſe —— an / die calciniret N d r 

N ERS öchfte 


. 


J 


or —Rub 
hoͤchſte Roͤhte / extrabiret ſie mit Eßig / Taf den Efig abrauchen / was 
an dem Grunde zuruͤcke bleibet als Purpur / das iſt die Tinctuta Ve- 
neris und Martis. | 
Binen Rubin zu machen. \ 
NRehmet Berg-Eryitall/ Bleyweiß / fo gan und ungeftoffen / thut es 
in einen glafürten Topff / ſett es; oder 4. Stunden in ſtarcken Fener; 
es Fan auch auf Kohlen gefchehen / nur daß es nicht rauche / bis daß es 
beginnet gelblicht zu werden / alsdann nehmt fo viel rohten Weinſtein / 
n droben Stuͤcklein / thut das Pulver in einen glafürten Topff / ſehzt eſ 
aus Kohlfent/ gebet gelinde Feuer / bis es nicht mehr rauchet / alsdann 
nehmer es weg / ſtoſſet / ſſebet und verwahret es / und laßt es wohl tro⸗ 
Fen werden / aisdann ſchmeltzet ed mit Nitro und Magneſia zu einen 
Chryſtall auf gemeine Weiſe / und ſetzet zu einem Pfunde dieſes Chry⸗ 
ſtalls einen halben Gran Hyacinth, einen Gran Purpur / 1. Quentin 
Garmelin: Farbe ; diefes feynd alles’ Pulver / die man bey den Mate- 
zialiften findet. | Ä . 
Zum Rubin fonderliche Handgriffe. 
Sobald man den Tiegeleinfebet / legetman rund herum todte Koh⸗ 
fen bis an dem Dedel / das Feuer zundet man von oben an / alddanı 
gibt man Feuer fogelind aldmüglich/ daß es eben anfange roht glücnd 
zu werden, eine Stunde lang/ ſo durchdringet die Farbe natürlich alle 
Materie , danngibtman ein wenig ſtaͤrcker Feuer / daß ed anfange zu 
ſchmeltzen; wanns flieſſet / nimnit man mit einem Meßing Drat eine 
probe heraus/ db es genug efärbet iſt wann das ift/ fo Fan man Feur 
geben fo ſtarck ald man wil / bis zur Laͤuterung. Es iſt alles in z. oder 
s. Stunden gethan. 


Kleine Orientaliſche Rubinensu einer Mafla und. gröfe 
ſere daraus zumachen. 

Rehmet Limonien-Safftı Loht / Spiritus Salis anderthalb Quentin / 

thut darzu Weinſtein⸗Oel / mifchetalled wohlunter einander. ry 

dieſes Waſſer !eget die Beinen Rubinen 2. oder;. Tage; wann fiefol- 

viret und hernach wieder coaguliret worden / fo polivet ſie. 


Topas und Rubin zugleich zu machen. 
Rehmet Operment und Arfenici Cryltallifati, jedes ein halb Loht/ cal- 
einitt Glas ı. Loht / alles auf das feineſte pulberifiret/ / thut es in einem 
Tiegel / auf dieſe Materie thu einer Ruß groß Stücke Berg Chryſtall 
(die haben mit den Rubinen gleiches Gewicht) fo biel darzwifchen Fon» 
men Fan/ bis der Schmeltz-Tiegel voll iſt / alödann fee einen andern 
. Schmelt; « Ziegel daranf-/ verlutiret es wohl / lapt aber oben in den 
oͤberſten ein kleines Löchlein / und laßt es drey ober mehr en in 
arden 





an Be 


ftarchen Feuer ſtehen / fo wird es oben feyn wie ein Rubin / und unten 
wieein Topas. 
Kin Pulver zu machen, weldbesden Chryſtall ſo roht 
als ein Rubin faͤrbet. 
Rehmet Eiſenfeilich / dabey nichts unreines iſt / ſolviret es in Agva 
fort, præcipitirt es mit gemeinen Waſſer / das niedergefichlagene Pul⸗ 
der laſſet in einen Schmeltz⸗Tiegel bey gelinden und gleichem Feuer / 
als bey einen Lampen⸗Feuer / oder einem andern / daß ihm gleich iſt / 
trocken; ſo wird das Pulber ander Farb wie ein geſtoſſener Ziegel» 
ſtein werden; aufdiefes Pulver muß man 2. oder:.mahl einen wohl» 
redtificirtenSpiritum vinigieflen/ der garftardeund fubtile dienet 
Hierzu am beften ; das Glas verftopffet wohl mir einen gläfern Stöpf- 
fel/ und festes an einen laulichten Drt / der nicht zu warm ift / ſonſt 
würde das Glas zerfpriugen/ laßt es 24 Stunden oder z. Tage alfo 
ſtehen / und fchüttelt das Glas offt herum / fo wird der Spiricus ein me» 
nig bon der rohten Farbe aus dem Eifen- Pulver an ſich gerogen ha⸗ 
ben; Diefenrohten Spiritum vini gieffet man hernach ab/ und einen 
andern wieder darauf/ und das fo lange / bis man dieſes vohtgefärbten 
Spiritus vini genug hat; hernach läßt man dan Spiritum vim in Bal- 
neo Maris abrauchen oder abdeftilliven/ fo bleibt die rohte Farbe / die 
er aus dem Pulver ausgezogen/ an den Boden zurück / welche viel hoͤ⸗ 
ber und röhter ift/ ald das erfte Pulver Mit diefem andern Pulver 
wiederholet man die erfte Arbeit / das iſt / manfolvirt es wieder in 
Agva fort, und ziehet ihm mitSpiritu vin: die Farbe aus / wie zuvor; 
und diefe Arbeit wiederholet man fo offt / bisda das Agva fort das 
Pulver nicht mehr folviven Fan / alödann ift das Pulver unverbrenn⸗ 
lid ; undein Grandabon tingivetein halb Loht Chryſtall mit der 
fchönften Farbe des Rubins / fo man jemahls ſehen mögen. 
Die Sigenſchafft des rechten Rubins betreffend / fo muß fein Blang 
gleich einer hellfcheinenden Feuer⸗Flamme feyn; Er wird aud) als 
ein Amuletum am Peib getragen; eingenonmen dienet ev wider 
Gifft / Pefileng und Melancholey. Er wird auch ſchwartz und dun⸗ 
ckel / wann einen Menſchen / der ihm traͤgt / ein Unglück bevorſtehet / 
bekommt aber ſeine Farbe wieder / wann ſolches borbey. Ein Rubin 
von 4. Karat oder 16. Gran ſchwer / wird eben ſo hoch gehalten / als ein 
Diamant von gleicher Schwere, Welche Rubinen fo groß ſeynd / daß 
man Tafeln daraus ſchneiden kan / die werden vor Die beften gehalten. 
Rubrica,Röhtel/ Rohtſtein / wird haͤuffig um Nürnberg gegraben. 
Rubus Batus, Mora Rubi, Brembeer / kuͤhlen / trocknen und adftrin- 
ziren; ſeynd auch dienlich in alten Schaͤden / ſo man le mit Wein ko⸗ 
het / und die Wunden damit waͤſchet. 


) ; ‚ Rubus 


1064. | Rub Rut 

Rubus idæus, Hinbeer / ſeynd groß und klein / roht und weiß. Von 
zubereiteten Stuͤcken aus den Hinbeeren hat man das Waſſer / den 
Spiritum, den Syrup / den Hinbeer⸗Wein / die eingemachte Frucht 
und den Eßig. 

Ruffenberg / iſt ein Berg Unart / ſo bey Zwittern gefunden 
wird. | 


_ Rumexagvaticus, Lapatum agvaticum, Waſſer⸗Ampffer / Grinde 
Kraut. 
Raumex rubens, Lapathum ſanguineum, Rohtmaͤngel⸗Wurtz / 

Drachen⸗Blut. | — 
Ruß aus dem Schorſtein / gibt einefchöne aber übel-riechende 
braune Farbe; indeſſen iſt er uͤberaus tuͤchtig zu den Feuilles mortes 
und Poil de boruk · Farben / wann man ihn in ein Rrap oder roͤhte Bad 
darzugebraudet. 

Rufcus, Brufcus, Chamzmyrtis, Mäußdorn/ Myrtendorn / ſtecken⸗ 
de Palm; Ihre Wurgelmird unter dies. Aperientesgerechnet Das 
Decoctum dabonift gutin der Waſſerſucht. In Welſchland haͤngt 

man dieſes Kraut beym Fleiſch / die Ratzen dabon zu berjagen / daher 

es auch den Teutſchen Raͤhmen bekommen. 


| RutzSemen, Weinrauten⸗GSaamen / iſt ein ſchwartzet Saamen / 
and wird bloß um des Oels willen geſammlet. Man hat ſonſt auch 
Rutam hortenſem domeſticum. zahme Weinraute / und Rutam mon- 
tanum ſeu ſylveſtrem, wilde Bergraute. Das Kraut und Saamen 
der Weinraute treiben die Monat⸗Zeit und Geburt / widerſtehen den 
Gifft / dienen vor boͤſe trieffende Augen / dahero auch der bekannte 
Vers gekoumen: 
Nobilis eſt Ruta, qvia lumina reddit acuta 
Auxilio rutz,VirLippe videbisacute. _ N 
Item, feiner den Gifft widerſtehenden Wuͤrckung halber / fpricht die 
Schola Salernitana : - Tr 
SalviacumRuta, faciunt tibi'pocula tuta, 
Salbey und Raut vermenge mir Wein/ 
7 Bäßedirden Trunck nicht ſchaͤdlich ſeyn. 


Die Naturkündiger ſchreiben / daß wann man ſich dad Geſicht und die 
Haͤnde mit Rauten⸗Safft beſtreiche / daß einer weder von Spinnen / 
Scorpionen / Weſpen oder Hummeln könne geſtochen werden; item, 
daß / wann man um die Hüner⸗ und Tauben⸗Haͤuſer Rauten herum 
haͤnge / daß kein Kahe / Marderoder Wieſel hinein komme. Raute 
gerieben / und denen ſo in ſchweren Gebrechen oder im Schlag * 

offt 


Kur Sac 1065 
offt vor die Raſe gehalten / erwecket ſie wiederum. An ſtatt eines Pfla⸗ 
ſters über die Bruͤſte — mindert ſie die Milch: in Wein gekocht 
und den Mund mit ausgeſpuͤhlet / vertreibet das Zahnweh / und reini⸗ 
get das Zahn⸗Fleiſch. In denen Apotecken bat man das deſtillirte 
und infundirte Kauten-Del/ das Saltz und den Balſam 

Ruta muraria,Capillus Veneris, Adianthum Candidum & nigrum, 
Saxifraga oder Empeton , Paronychia , Salvia vite, Maurraute / 
Stein⸗Raute / Venus⸗Haar / waͤchſt anden Wänden und auf den 
Mauren/ ift ein haarichtes Kraut / und mit einen Sale volatili impræ- 
gniret/dahero ed in morbis Chronicis, abſonderlich inden Scharbock 
faſt von den beften eines ift. Aeuſſerlich mache es die Haare wach⸗ 
fen/ und Heiler die flieffenden Haupt⸗ Geſchwaͤr. 

wird in allen Medicinifchen Recepten gefunden / und bebeutetSi- 

netur, Die Artzeney werde gezeichnet oder tiruliret/ was es vor 

eine Arteney fey/ und worzu es gebrauchet werde; dannenhero die 

Apoteder an die Gläfer, Zettuld anmachen/ und auf Die Pulver und 

Schachteln fhreiben / wie man die Argeney gebrauchen foll/ und auf 
was vor einen Zufall diefelbe gesichtet fey. 


Saamen/ vide Semina. 

Saam · Kraut / Potamogeton, 

Sabina, Seven⸗vder Saden⸗Baum / iſt zweyerley / als gemeiner / 
unfruchtbarer oder Maͤnnlein / Sterilis aut mas, und Frucht⸗tragen⸗ 
der oder Weiblein / Baccıfera ſeu femina , beyde Arten werden in 
Gärtengezeuget. Die Blätter treiben ſtarck den Harn Die Monate 
Zeitund Geburts; Gie dienen auch vor die Berftopffung des Urins ° 
Gugbrüftigkeit und Heiferkeit. Die Gewaͤchs tödfet / wie Galenus 
bezeuget/ die lebendige Frucht / und treibet aus die todte / weswegen 
fehr behutfam damit umzugehen. | | | 

Saͤchſiſche handlung und Waaren / vide Leipzig. 

‚Saccarum, Saccharum, vide Zucker. 

Sacculus medicamentofus, ift eine gewiſſe Art der Medicamenten/ 
beftchend aus trockenen tauglichen Argeneyen/ die man in einen Saͤck⸗ 
fein nähet-/ weiche auch Noduli genennet werden. Was die Ingre- 
dientien/ die Form und der Unterfcheid folder Sädlein fey / if bey 
dem Schrödero in feiner bollſtaͤndigen Apoteck lib. 2. cap, 78. zu erſe⸗ 
hen) allwõ folgende Arten nahmhafftig gemacht werden: AldSaccu- 

uscontra dolores Capitis, ex Caufa frigida, Haupt-GSädlein / Cor- 
dialis Herg-Gädlein/ contra Dyfenteriäm wider Die rohte Ruhr / pro 
ſomenio ad Vuluera, Nepbrisieus Stein⸗Saͤcklein / Fullale⸗ Zei 


— 
1066 _ Sac V 


Saͤcklein / Stomachalis Magen · Saͤcklein / in Teneſmo, ad Vellimenta 
um die Kleider wohlriechend zu machen. Zu dieſen legtern nimmt 
man Lavendel⸗Blumen 1. Quentin / Rofmarin-Blumen 4. Scrupel, 
Gtorarı. Duentin/ Gewurgnägelein halb Quent Zimmet / Veilchen⸗ 
Wurtz jedes ı. Duentin/ gelben Santel/weiffen Santeljedes2. Duens 
tin/ rohte Rofen/ Spidnardi jedes halb Quent. Benzoin:. Quentin / 
Ladani ;.Scrupl,Zibeht gr. vı. Mofchihalben Scrupl, mifchet ed zum 
groben Pulver/ und nähetes in ein Seiden-Sädlein ; wann man e# 
zu Kleidern) Leinen oder Peltzwerck legen will / um ſolche dadurch zu⸗ 
gleich vor Wuͤrmer und Motten zu bewahren / folegt man Campher 
1.Scrupel, oder ein Stuͤck von einen ſchoͤnen rohten friſchen und ſtaͤrck⸗ 
riechenden Juchten⸗Leder dabey. | 
Wider die Haupt⸗Schmertzen / fo bon Kälte oder bon der auffteigen- 
den Mutter entflehen / recommendirt befagter Author folgendes Re- 
cept: Nimmein wenig — Hirſen / geſtoſſen Saltz ledes ein 
Hand voll / Kraut von Ehrenpreis / Blumen von Camillen / jedes eine 
halbe Handvoll / pulverilirte Roſen⸗Wurtzel m. Loht / mache alles in ein 
rundes Säcklein / und unternaͤhe es / und lege es aufs Haupt. 


Sad) Saͤcke / werden bon Leinwand / Wachs⸗Tuch / Matten und 
auch wol hon Leder gemacht / ſonderlich aber bon Leinwand / und koͤn⸗ 
nen dieſelbe insgeſamt die Kauffleute ſo wenig entbehren / daß ſie viel⸗ 
mehr derſelbigen immer eine gute Anzahl im Vorraͤht haben müffen. 
So gar / daß auch in gewiſſen See-Gtädten eigene Leute ſich finden / 
welche bey 100. and mehr Gäde ſtets parat halten / um ſolche auf ge⸗ 
wiſſe Zage/ Worhenoder Monat/ bey Stuͤcken Dugend oder Raften 
an andere Kauffleute(foxderkich an dieicyige / die Korn / Ingwer / 
Mandeln, Reis / Schmad oder andere dergleichen Waare werter ver 
fenden wollen) ausleihen; Es margvirt aber gemeiniglich ein jeder 
Kauffmann feine Söde mit feinen Handeld-Zetchen und Numero, 
oder auch mit desjenigen feinen Zeichen / an dem die Waaren verſchi⸗ 
cket werden. Don folden Saͤcken / welche allezeit wohl unterhalten 
und trucken liegen müſſen / haben gewiſſe Waaren ihren Rahmen/ als 
die Sack⸗Leinwand / item eine Art von Flachs / die man Sackoder 
Matten⸗Flachs (bon denen von Baſt gemachten Matten oder Natten/ 
in welchen ſolcher efugenchetift) nennet. Viel Waaren / fonderli 
an etlichen Orten das Korn / die Kohlen und dergleichen/ werden u 
Siden verkaufft/ und zwar ein gewiſſer Gehalt Darunter verftanden/ 
wie viel ein folder Sack Maap oder Scheffeln begreifen muß; dan= 
nenhero auch etlichen Orten die Gäde niit des Rahts Margve oder der 
Stadt Wappen bezeichnet feyn / damit fie nicht verfälfchet werden. 
In denen Sprichwoͤrtern Salomonis cap. 16. J. u. flehet: Redhre 
Ä —— Wing 





‘ 


Sir Saf 1067 
Waag und Gewicht ift vom HErrn / undalle Pfund im Sad 
ſeynd feine Werck; welches etwan Anlap zu der gewoͤhnlichen Tha- 
ra oder bug / denmanim Verkauf der Waaren wegen ded Ges 

wichts der Saͤcke macht / maggegebenhaben. Alfo werden in Ham⸗ 
burg auf ein Sad Engliſch Pfeffer z. Pfund / auf Hollaͤndiſch dito 4, 
Pfund / auf i. Beutel ſchwartzer Ingwer e. Pfund/ aufı. Gad mweiflen 
dito 4. Pfund/ auf ı. Sad Valenziſche Mandelnz. Pfund / auf Pro- 
vintziſche diro 4. Pfund gegeben. Endlich dienet auch ein guter Vor⸗ 
raht von Saͤcken den Kauffleuten (ſonderlich denen / die mit Seiden⸗ 
Waaren handeln) ſehr wohl / damit ſie in Feuers⸗Roht alles geſchwind 
hinein ſtecken / und alfo beſſer in Saͤcken als in Faͤſſern oder Kiſten / die 
(ich nicht fo wohl handthieren laſſen / ihre Waaren fortbringen und 
ialvirensönnen. | | , 

Saͤckelkraut / Burſa Paſtoris. | F 

Saͤmiſch und Weiß⸗Ceder / Frantzoͤſiſch du Chamois, iſt ein ſehr 
nuͤtzliche / und wegen ihrer Daurhafftigt eit ſehr courante Baar ; aufe 
fer den zubereiteren Elend-und Buͤffel⸗Leder / führen ſolches die Kauff⸗ 
feute und Kramer wenig / es wäre dann / daß ihr gantzer Handel in 
nichts ald lauter Leder beftünde / oder daß jle vielfältige Liverangen 
an Regimertter und Compagnien davon zu thun hätten ;_fonften aber 
wird es allein ber den Weipgärberngefucht / welche daffelde auf uns 
gerichiedliche Manier zurichten/ ald entweder mitFiſch⸗Schmaltz oder 
Trahn / welches zu den gelben oder Saͤmiſchen Leder genommen wird/ 
oder auch ohne Fiſch · Schmaltz / mit Mehl / Alaunund Weinfiein/ 
wormit man das fo genannte Sämifch verfertiget. Die Felle / wel⸗ 
che dieſes Handwerck verarbeitet / ſeynd von Schaafen / Hameln / Zie⸗ 
gen und Boͤcken / Kälbern und Ochſen / Hirſchen / Rehen / Gemſen⸗ 
Kenn-und Elend⸗ Thieren / auch wol bon Menſchen⸗Haͤuten; die da⸗ 
von gemachte Nohtduͤrfftigkeiten aber zu dem menſchlichenLeben ſeynd: 
Eolletten / Carabiner⸗Riemen und Gewehr-Behänge vor die Golda» 
ten/ welche insgeſamt zur Genüge bekannt feyud. 


Saffian / voht und gelbes / aud) wol blaues Schaaf / Kalb / Bock 
und Ziegen-Peder/ wird mehrentheils in der Tuͤrckey gemachet / und 
ift unter folchen dad Rohte (welches die Türen mit den Scharlach⸗ 

Beeren / die von den Polygono oder Gt. Johanniskraut in Pohlen ge- 
ſammlet / und von den Juden und Armenianifchen Rauffleuten/ ihnen 
zu verfauffen/ zugeführet werden / färben) das rarſte und koſtbarſte / 
nicht allein wegen feines ſchoͤnen Blanges / fondern auch wegen der 
vortrefflichen Couleur, wiewol es dabey ohme Geruch ifl. Das mei- 
fte kommt heutigs Tagsüber Smirna und aus vielen andern Tuͤr⸗ 
difh-Europäifhen Proxincien mehr ;, Die Schufter — 

| ehr 


108 Saf 
ö— — — 
ſehr viel zu Stiefeln / ſonderlich zu den Pohlniſchen und Ungarifchen/ 
— beyde Nationes mehrentheils in Stiefeln umher zu gehen 
pflegen. 
Safflor, wilder Saffran / Fl, Carthami, Cnici, davon findet man uns 
terfchiedliche Geſchlecht / weil nemlich diefe Blume an vielen Drten er» 
gen wird / dahero kommt auch der groſſe Unterſcheid / welchen die 
$ rber am beften wiffen. Die fchonfte-Saflor-Blume kommt von 
teasburg / hernad) folget die Thuringifche und die Böhmifche ; in 
welchen Lande ed hauffig gezogen / und unterfchtedlih am Preis ver» 
kaufft wird. Das Gewaͤchs ift nur ein einiger Stengel / woraufein 
Bipffel oder Diftel wächft/ welcyer ſich endlich aufthut / und mit ſchoͤ⸗ 
nen kleinen Zäßlichten Blättlein ald Saffran / aber auf gelb geneigt/ 
doch wohlviechend ſtehet ud pranget / ſolches muß nad) der Zeitigung 
wohl in acht genommen werden/ daß der Wind nichts davon berwirfft / 
ſonſt verfliegt fie gerne. Es bringt auch diefes Gewaͤchs einen Saa⸗ 
men/ welcher weiß/ edigtund hart iſt / und ſehr viel in Handlung ger 
brauhtmird; Er muß aber ſchwer und hart / uud die Blum friſch 
und fchön roht feyn. | | 
Saffra,videZufera. | 
Saffran / Crocus, deffen gibt es bielerley Sorten in Sanblungen: 
die befanntfte feynd der Defterreichifche / Orientaliſche / Gaftinois , 
Qnercy, Lisle, Orange, Maglian, Candat, Zima, Rofcha Gaffran/ ıc, 
welche allevon denen Materialiften geführet werden. Der vornehm⸗ 
fte unter allen ift der Defterreichifcher / als welcher gar Feinegelbe un⸗ 
zeitige Blumen hat/ darnach folget der Gaflinois, Maglianifde / Ro- 
cne und Lisle, unter welchen abfonderlich der erfte ſchoͤn und groß bon 
Blumenift / auchnebenft der dritten Sorte die gebräuclichften (ind, 
Bor diefem haben die Alten den Saffran / fo-aus Griechenland ger 
bracht worden/ vor den beften gehalten. Es bluͤhet aber der Saffran 
fehr fpär im Herbſt / ehe dann feine Blätter wachfen ; die Wurgelift 
eine runde graue Zwiebel/ welche alle 4. Jahr zur Zeit des Frühlings 
ausgegraben wird / daman dann bey jeder Zwiebels. as. Kleine Re⸗ 
ben»Zwiebel finder/ welche lich mehren. Der Defterreichifche wacht 
meiften 3. Meilen um Gt. Bölten unter der Ens / jemfeits der 
Donau; die andern wachfen in unterfchiedlichen Königreichen und - 
Provincien,aldin Franckreich / Spanien/ Steilien/ Perſien und zu 
Madagafcar. Theils Saffran haben ihren Nahmen von den Ort / 
wo ſie gepflantzet werden; ſo hat auch der Saffran an gewiſſen Orten 
feine ordentliche Maͤrckte / woſelbſt er von denen Bauersleuten in Klei⸗ 
nigkeit zuſammen gebracht und verkaufft wird. In Engeland haben 
fie 4. Saffran te / es taugt aber der EnglifheGaffvan nicht N 
—* zeit 


—2« 


1069 
zeit / und iſt gemeiniglich ſtarck gepreſt. Wer ſich der Saffran⸗ 
Maͤrckte in Italien bedienen will / der muß ſich den Ockobr. auf die 
Reife nach Venedig machen / und nad) der Landſchafft Puglia und Ca- 
labria begeben. Die Türdenzichen ihren Saffran vorhero die beſte 
Farbe ab / und fchmieren ihn als dann mit Honig wieder ein / ehe ſie 
ihn verfauffen / welches aber ein groffer Betrug ifl:. : Der Zimma- 
Gaffran ift nur ein —— / undein halber Saffran / ſowol 
an Kraͤfften als Farben. DieProbades Gaffvand bringt der Geruch 
und Geſicht mit ſich; einjeder Saffran foll grob von Blumen/ wenig 
gelb/ fchön von Farb und trocken feyn. DenRofcha-Gaffran haben 
die Böhmen gern/ warın ev etwwadangeloffen. In Teutfchland wächft 
auch guter Gaffran/ aber manwird denfelben nicht gewahr. Alleals 
te Saffran geben mehr Mehl als der neue / aber Die Farbe ift bey wei⸗ 
ten nicht fo lieblich / als bey dieſen. Wilder oder auch Dorff⸗Saffrau 
iſt ein ingtediens, ſo zur Färbung der Wolle weder gut noch nüglich 
ift/ weil felbiges die Farb / welchees gibt / vielbeffer mit der Bourre 
annimint/weswegen dann jener den Faͤrbern verboten ift / damit fie 
nicht Belegenheitnehmen / aus einen Marerial , fo doch gar theuer 
kommt / eine falfche ac machen. 

Der Türdifhe Safran wird gemeiniglich In Venedig in Ledern Saͤ⸗ 

‘den eingekauft / Puti genannt; / deren einer in circazo, Nürnberger 
Pfund wiegt... Der Englifche Saffvan ift zuſammen geklopfft und 
gepreßt / inder Gröffe eines runden Zellerd ; wann er fchön trucken 
und roht von Farben / fo wird ee noch zimlich gutgehalten. Mer von 
Venedig aus auf die vorgedachte Saffran⸗Maͤrckte in die Landſchafft 
Paglia, in dem Koͤnigreich Neapoſis gelegen / ſich begeben will / mug 
ſich zuvor / damit er die Reife nicht vergeblich antrete / erkundigen / wie 
die Recolea allenthalben beſchaffen / ob der Saffran wohl oder uͤbel ge⸗ 
rahten fen ; Hernach iſt bey dem Einkauff ſelbſt in acht zu nehmen / dag 
man nicht geſchmierten oder feuchten / ſandigt oder knollichten Gaffran 
bekomme. Zu Adler / fo gleichfalls eine Stadt in Italien / fangen ſich 
die Saffran⸗ Maͤrckte J Allerheiligen an / und ſeynd deren bis auf 
benz. Februarii (da der legte FieradiSant Biafco genannt / gehalten 
wird) inallenız. In diefen Maͤrckten kommen die Bausen/ uud brin⸗ 
gen ihren Safran bey z. bis 3. Pfund zu verkaufen / dahero es dann 

ommt / daß in manchen Zimma-Goffran-Sädlein fo vielerley Sore 
tengibt; was nun bon folden Saffran einerley Preis / das wird zu⸗ 
mmen auf einen Hauffen-geworffen. Wann die Bauren feinen 
Safran mehr zu Marck bringen, fo endiget ſich auch der Marckt / und 
reiſt ein jeder wiedernah Haus. Die Reflexiones und Beobachtun⸗ 
gen/ welche man fonderlich bey diefem Einkauf machen muß / ſeynd fol⸗ 
gende: Wie hoch der Saffvan a werde ; ober guten Den 
Pyy abe 


00 | Saf 
habe; ob das Gut real und ſchoͤn colligivet; ob Feine Dudermiß ars 
Denen Orten zu befürchten / wohin hernachmahls der Saffran wieder 
foll verkaufft werden / als etwan von Krieg oder Peſtilentz; ob viel al⸗ 
ter Saffran vom vorigen Jahr übergeblieben ; wie theuer er einge⸗ 
kaufft und verkauft worden ; mie hoch die Recolta gefchätet werde; 
in was Händen der Saffran ſich befinde ; ob die Leute ober Bauren in 
dem Land Beld benöhtiget ; wie in andern Laͤndern ald Spanien und 
——— / die Recoſta auögefallen ; was der Wechſel⸗Cours fey ; 
ob viel oder wenig Käuffer vorhanden ; ob le (ich Higig im Einkauffen 
bezeigen ; obs beſſer fey auf Die Voce (welchen Terminum mir b 
unten erklären wollen) auszuleyben / oder auf dem Marck des freyen 
Kauffes fich gebrauchen. Bey welchen Pundten allen man endlich die 
Reflexion und Schluf zu machen / ald (1°) daß bey einer gemeinen oder 
mittelmäßigen Recolte und ordinairen Abgang oder Verſchluß des 
Saffrans / Feine fonderbahre Veränderung im Preis zu befürchten. 
(2.) Daß folder hingegen abſchlagen werde/ wann die Recolte richtig 
and der alte Borraht groß ; Gleich wie (3.) ein Aufſchlag zu befürch- 
ten / wann die Recolte und der alte Borraht Hein. 
Es erfordert aber das Einkaufen zum Adler einen der des Orts Ge» 
brauch weiß / ſintemahl es ſich nicht lang bedencken läßt / wann higige 
Kauffers borhanden / als zu welcher Zeit der Saffran alle Tage / jaalle 
‚Stunde auffchlägt : daß wer lang auf beſſern Preis warten wolte/end- 
lich gar dahinder hergeben würde. j 
Wann fich auch befindet, daß noch eine gute Quantität alten Saffrans 
in guter Leute Haͤnden waͤre / und daß man gelinnet/ die Voce hoch zu 
ſehen / damit der altemit deftobeflern Nugen möge ausgebracht wer⸗ 
den/ ob fie gleich auf den neuen nichts gewinnen folten/ auf ſolchen Fall 
iſt es beffer/ den Einkauff indem Lande einzuftellen / und zu Venedig 
oder gar in Teutſchland acht zu geben/ ob man dafelbft von andernken« 
ten Saffranerhandelnkönne Wirdaber verfpüret / daß der Saf⸗ 
fran billigen Preiſes zu haben / fo thut man alsdann auch fein Beſtes / 
feinen Theil mit davon zu bekommen. Kat jemand groſſen Vorraht 
in Händen, fo bemuͤhe er ſich fo viel er kan den Preis im Lande hoc) zu 
halten/ entweder durch Einkauffen oder Warten. Es fehe auch nie» 
mand ein Carlini, fo eine Art der Italiaͤniſchen Muͤntze iſt / ſo genau 
au/ daperfoldesüber den gewöhnlichen Preis auf das Pfund gebe / 
wann er nur ſchoͤn und gerecht But dafür befommen fan. Insgemein 
fängt ſich die Recoltaan den 10, Octobr. und währet 10. oder 14. Ta⸗ 
ge / alfo daß auf den 24. Octobr. alles gefchehen iſt Nun gebe man/ 
um die Anzahl der Recolta wohl au errahten / borhero fleißig acht auf 
das Gewitter / dann wo etwan die Recolta zum Adler auf zoo. Ballen 
vor dem Augultigefchäget waͤre / und es würde hernach Inbensfeiben 
i ongt 





 — — — 
u Saf 1071 
Vonat nur dreymahl regnen / fo koͤnnten wol so. Ballen mehr werden / 
fo ed aber im Martio feucht Wetter iſt / ſo berderben die Saffran ⸗Zwi · 
bel oder koͤpffe / iſt es aber den gantzen Junium durch trucken / ſo gibtes 
eine magere Recolta, daß al eine gute Saffran»Recolta will haben 
einen trunddenen Martium, ein wenig Xegen im Junio, und viel Re⸗ 
en im Augufto, . 
te vorbemeldte Stimm oder Voce belangend / hat ed damit eine fol 
che Befchaffenheit / daß wie die Preifen in derfelben geftellt werden / 
dabey es auch bleiben mug / und müffen beyde Kaͤuffers und Verkaͤuf⸗ 
fers / (eben wie bey der@abelung am Rheinſtrohm) damit zu Frieden 
feyn/ und den Saffran davaufannehmen. Es wird aber ſolche Voca 
insgemein primo Octobris gemacht/da die Teutſche Kauffleute / Krafft 
ihres Rechts / fo ſie zu Neapolis erlanget haben / in eines Factors Haus 
ziſammen kommen / und ihre Opinion anzeigen / was ſie von allen Or⸗ 
ten her des Saffrans wegen bor Avifo haben / ſolchem nach ſetzt man 
einen gewiſſen Preis / nach welchen der / fo Geld darauf genommen/ 
denfelben liefern mug ; Fan man fich aber nicht vergleichen / fo wird 
aufs neue umgeſtimmet / und endlich folcher geftalt die Voce gemadhts 
Der jenigenun/ der folche machen hilfft / muß wohl confideriven / ehe 
er feine Stimme ausgibt / ob die waͤhlen oder Factors biel Geld auf 
den Saffran ausgeliehen/ in ſolchem Fall muß man die Voce defto hoͤ⸗ 
Ben damit ſie defto weniger daran gewinnen / und dad andere 
hr nicht wieder anbeiffen mögen/ Geld darauf auszuleihen / die Vo- 
ce wieder abzufegen/ und.defto theurer in die Hand zu bringen. Die⸗ 
ſer Gebrauch ift wie Schurg in feiner Material-Ranımer meldet) erfk 
Ao. ıö2r. aufgekommen / und wird noch continuiret / dadie Gewohn⸗ 
it vorher geweſen / daß man die Voce nach dem Preis/ was derSaf- 
an den einen oder den andern Taggekoftet/ angefeget / und alfo hat 
man auch den auf Lieferung erfaufften Saffran bezahlen müflen. 
Biöweilen pflegt man auchneued But auf Condition anzunehmen/baf 
man nemlich felbiges bezahten wolle / was ed un Lichtmeß gelten wer⸗ 
de; oder manmwolle audy alddann fo viel andern Gaffvan dafür ge 
ben ; bey diefem Accord muß nun der Einkäufer auf diefelbe Zeit mit 
ſo biel Saffran verfehen ſeyn / und auch denjenigen / mit dem er con- 
erahiret / ungefehr fo viel heraus geben / als der Saffran wehrt feyn 
ſolches auch in deffen Händen laſſen / bis der völlige Accord geo 


In den Botzner Maͤrckten / deren jährlich 4. ſeynd / wird nur der 
Saffran in dem Andrææ Marckt verkaufft. 

Die ſchon gemeldte Prob des Saffrans iſt / wann er groſſe Blumen 

und hoch an Farbe iſt / fo iſt er gut und wird ſonderlich von den Poh⸗ 


len viel geſucht. 

Ya Den 
a, 
F 
x. 


1077 | Saf:Sai 
Den koſcha · Saffran haben Die Böhmen gern / fo er wehl angelauf- 
fen und trucken / es iſt auch einer von den theureſten Saffran. | 
Provenz-Safftan ift faft den Arragoniſchen gleich / jedoch nicht fo 
hoch von Farb / ſonſt aber gar trocken. 5 * 
Ein Saffran der lichtroht an der Farb iſt / breite / lange und ſtarcke 
Blumen / einen ſtarcken guten Geruch / nicht zü viel weiß oder gelbe 
Endenan den Blumenhat / nicht fhmierig / Eebricht oder ſchwartz / 
knollicht / feucht oder naß iſt / der iſt der beſte. Wer den Saffran 
wohl verwahren will / der halte ihn in einen Leinen oder Mollenen 
Sack / hart aufeinander gepadt/ in einer Kiſte oder Faß geleget / daß 
£ein Lufft darzu fomme / an einen trocknen Ort / fohälter ia 2.bisz, 
Jahr gut  Rofcha Saffran mill fonderlic warm gehalten und zuges 
deckt ſeyn / fo erſchoͤn anlauffen foll 
Den Saffran zu verfaͤlſchen / miſchen etliche Betrügers Fein ge⸗ 
ſcharbtes geraͤuchertes Fleiſch darunter / item andere gelb:rohte Bin» 
men ; allein es wird folcheö bald erfennet/ wann man ſolchen Saffran 
An ein wenig Allaun⸗Waſſer beiget/ und ein Stüclein feinwand dar» 
ein legt; dann jefchlechter hierauf die Farb / jeverfälfchter ift auch 
der Saffran; fo man auch ein wenig zwifchen den Zähnen kaͤuet und 
ihn hernach auf der Hand reibet / fo offenbahret (ich auch der Betrug. 
Safft / vide Succi. SR 
Safftgruͤn / Succus viridis, Suceus Baccarum Spin infedtorix, 
ift ein eingefottener dicker grüner Safft / welcher fowol in Teutſch⸗ 
land ald andern Orten fan gemacht werden/und zwar von Creutz · Bee⸗ 
ren; Er wird aber fehr verfälfcht/ und zu weilen in Eleinen/ zu weilen 
auch in groſſen Blafen verkauft. — 


Sagapenum, Sacaponium. oder Serapinum Gummi, iſt ein Safft 
von einen Kraut / des Geſchlechts Ferulæ, das Kraut an ſich ſelbſt wird 
Pſeudocoſtum — welches das Sagapenum hervor bringet: fol» 
ches iſt ein indender fafftiger Gummi / der zu weilen ſchwaͤrblich zu⸗ 
ſammen gefloflenaus Oſt⸗Indien kommt ; die meifte und befte a 
ift in Granis, gelbroht/ durchſichtig / am Geſchmack ſcharff und bitter / 
der Geruch gleicht ſich faſt dem Lauch; In der Wuͤrckung iſt er dens 
Gummi Ammoniacogleih. Er wird auch zu den Menftruisund Lo- 
his fehr geruͤhmt. 

Seide) ein geringed Kauffardey-Schiff bey den Tuͤrcken und im 
Mittellandifchen Meer. 

Saifon, die Jahres-Zeit/ die ein Kauffmann wegen der Recolte, der 
Schiffahrt / dem Gewitter und anderer Urfachen mehr / wohl zu confi- 
dernen hat. Manchmahl wird auch Saifon politick genpmmen/ daß 

man 


PR: | . 
Sai 1073 
man fagt: Dies iſt jetzt nicht de tempore, nicht von der Saifon, ed iſt zur 
ungelegenen/zur unbequemen Zeit. 


Saiten / ohne welche die Muficalifche Inftrumenta gleichfam todt 
und ohne Leben ſeyn / ſeynd dreyerley Arten/ als erftlich ſolche die von 
dem Gedaͤrm der Ihiere bereitet werden; zweytens/die man aus 
Metallinfabtile Fäden ziehet; und drittend / die von Seide und 
dergleichen Stoff gedrehet werden. Von denen aus den Thier⸗Ge⸗ 
daͤrmen gemachten Saiten erftlich zu reden, fo dienet ar eines jeden 
Thiers Eingeweyde darzu / jedoch des einen feines beffer als des an⸗ 
dern/ wiedann diejenige Saiten/ welche von den Schaafen / Ziegen: 
und Katzen⸗Gedaͤrmen Formen / allezeit die beften feynd. Die/ ſo 
von den Kuͤhen und Ochſen genommen werden / feynd gemeiniglich 
welck / laſſen fich nicht fo hoch ſpannen / und halten übel. Ka ai⸗ 
ten ſeynd zwar zaͤhe und halten wohl / geben aber keinen hellen Klang. 
Die Zubereitung dieſer Saiten geſchiehet folgender geſtalt Man 
ſchlitzet fie erſtl. nach derLaͤnge auf / ſchabet und reiniget ſie auf ein Bret⸗ 
lein von, Eichen-Holtz / fo viel als imer möglich iſt / als dann werden ſie 
über ſehr breite Rahmen gewickelt / und gedoͤrret / hernach wieder das 
von abgezogen / in ſcharffe Lauge (Die ben den Seiffenſiedern zu bekom⸗ 
men) acht Tage lang eingelegt / und taͤglich viermahl daraus gema= 
ſchen / hierauf die Fibre oder Faden derſelben auf Seiler⸗Art / vermit⸗ 
telſt etlicher Schrauben / auf ein Rad feſt gemacht / und durch vortheil« 
hafftes Umdrehen gefponnen. 

Zu den kleinſten und klaͤrſten Saiten werden die Fibræ und Faͤſern 
der Gedaͤrme geſpalten / und annoch zaͤrter gemacht / und zwar zu den 
mittlern Gattungen nad) dero Unterfcheid zwey / drey bis vierfach / 
zu den groben und groͤſten Saiten zwoͤlff oder dreyzehen / und zu dem 
Gebrauch der Hüter wol ſechszehen⸗fach genommen. Wann tie alſo 
befagtermaffen Elar oder grob gefponnen/ pflegt man ſie über hoͤltzerue 
an der Wand feftgemachte Nägelzufchlagen/ und abermahl zu irock · 
nen ; das Zimmer aber aller Orten Bu vermacht / mit Schwefel 
durch zu raͤuchern / damit die Saiten ſchoͤn gelb werden. 

Mann es verlanget wird / kan man fie auchroht / grün oder blau faͤr⸗ 
ben/ indem die darzu gehoͤrige Farben glatt abgerieben / mit fcharffer 
Lauge angerühret/ und die Gaiten darein getundet/ und wieder auf» 
getrockuet werden. Wann fie nungans fertig/ (ie moͤgen gleich gelb 
oder gefarbt feyn / werden fie mit dem beften Del überftrichen / über 
eine befondere von Eifen gemachte Form gefchlagen/ und in Büchlein 
aufgemunden; Man vechnet,aber insgemein fechtig Buͤſchelein hor 
einen Bund/ und werden gemeiniglich ſechs zehn Bünke in einem Kaͤſt⸗ 
leitı zuſammen gepackt / verſendet und verkaufft. 


Yyyz en Auſſer 


1074 Sai 


Auſſer deme / daß die Saiten zu Belebung der davon alſo benahmten 
Salitenſpiele und Beforderung der angenehmen Mufic dienen / nüges 
man (le ferner an ftatt der Schnüre / die Räder bamit zu mancherley 
Arbeit zu belegen / und felbige defto bequemer in den Zug zu erhalten. 
Sie werden gebraucht bon den Hutmachern / zu denen fo genannten 
Woll⸗Boͤgen / um die Haare feſt aufeinander zu ſchlagen. Sie dies 
nen zu falſchen Schein-Beweb/indem fie mit Silber uberfporinen/und 
fo dann aus ſolchen Darmſilber allerley Arten von Borten und Galau⸗ 
nen gewircket werden/ die fehr wohl in das Geſicht kommen / und an⸗ 
bey mwohlfeil feynd ; zu gefchweigen/ daß man auch mancherley fehr ars 
tigeund curiofe Notiometra , die Trocdene und Feuchte der Lufft das 
durch zu erfennen/ durch Hulffe der Gaiten verfertigen fan; woraus 
dann abzunehmen / es feyn auch offt dem Anfehen nach / geringe Din» 
er) Bd Fluge Erfindung / zu vielfältigen Ruten anzuwenden und zu 

ebrauchen. 

ie Qualieät der Saiten / obdiefelbe gut feyn oder nicht / wird aus 
der Flebrigen Zähigkeit erkannt / welche von der Nahrung des Thiers 
—— daher diejenigen Thiere / fo an feuchten / waͤſſerichten und 

umpfichten Orten ihr Futter ſuchen / keinen guten Zeug zu Saiten ge⸗ 
ben/ und hingegen der allerbequemfte von denen genommen wird, die 
* inbergigten Orten begraſen / und klebrichte und hartzigte Kraͤuter 

eſſen / als den Quendel / Maſtix / Stauden und dergleichen / daraus 
ferner zu ſchlieſſen / daß es nicht gleich gelte / zu welcher Zeit man die 
Gedaͤrme von ſolchen Thiere zu den Salten nehme) ſondern man muͤſ⸗ 
fe es um die Zeit thun / da ſolche klebrichte Weyde borhanden iſt / weil 
Durch ſelbige das Eingeweyde geſtaͤrcket und zaͤh gemacht wird. 
Woraus zu erſehen / dap die Daͤrme von dem Vieh / ſo im Herbſt ge⸗ 
ſchlachtet worden beſſer dann desjenigen / welches man im Frühling 
ſchlachtet; dannzu Frühlings-Zeiten gewinnen ſie von der vielen 
Feachtigkeit des noch friſchen und grünen Futters eine waͤſſerige Com- 
plexion, im Sommer und Herbſt aber / da das Futter von der Son⸗ 
nen beffer ausgekocht / eine feftere und gleichſam oͤhligte Zaͤhlgkeit. 
Die beſten Saiten werden in Rom gemacht / weildie Schaafe daſelbſt 
viel ein beſſeres Futter und Temperament als bey ung in Teutſchland 


aben. 
le Metallene Saiten werden aus Ertz und Stahl / etwan auch aus. 


Silber / und zwar folgendermaſſen zubereitet: Man ziehet nemlich 
das Eifen/ Erk oder Silber erſtlich in ablängliche fehr fubrile Gtäb: 
lein / diefe wiederum durd) engere Löcher / alfo daß ein folcher Metal» 
lener Raden manchesmahl durch 50. unterfchfedene Löcher gebet / bis 
ex fo klar und zart wird / ald der fubei'fte Haͤrlein / wie uns deſſen unſe⸗ 
ve Drat⸗Zieher gnugſame Proben weiſen konnen. Go weiß man 


en 
Sal 1075 


— — 


auch aus der Erfahrung / daß ein halbe Uns Silbers / nachdem fie 
durch unterfchiebliche Löcher geftreiffet / inden Aufferften ſubtilſten 
göchlein auf soo. Schu lang koͤnne gezogen werden. , 
Seidene Saiten / welche von den Befpinnft der Seiden- Würmer 
gemacht worden/ werden zu weilen auch in der Mulic gebraucht/ je doch 
mürfen fie wohl zuvor mit Geigen⸗Hartz beftrichen werden ; fie klin⸗ 
n aber dennoch fo wohl nicht / alddie Saiten / die aus den Gedaͤrm 
es Viehs gemacht werden. | 
Endlich gibts auch noch eine Art der Saiten / die man bon wachfenden 
Zeuche zubereitet/ als bon Flachs Hanff / Indianifchen Coecos-oder 
Coccer· Laub / von Aloes-Blättern/ von der Jucca und andern derglei⸗ 
hm. Die Flahd-oder Hanff-Schnur / wann flemit dem Hart zu⸗ 
vor geſchaͤrffet iſt / gibt zwar an den Muficalifchen Inftrumenten einen 
Klang/ doch keinen fo guten und geſchickten / wie die Seidene / hält 
auch nicht fo wohl/ ald wie diefe ; aber die / fo von befagten Coccos- 
Blättern gemacht / und den Indianern zu Saiten dienen / follen das 
ihrige ſtattlich thun / einen treflichen Refonanf geben; Die Aloes- 
Siferiehn taffen (ich zwar auch eines Schalles verlauten/ mögen aber 
einen ſtarcken Schlag halten. 
Bon der Stärde und Probe der Saiten fehreibet Merfennus , daß 
wann eine Quint don einer Schaafsfaiten durch ein fleben-pfündiges 
Gewicht zerrieffen werde/ ſo reiſſe eine güldene Saite allererft von 23. 
Pfunden / die Silberne und Ersene bon 133. und die Eiferne von ıs. 
Pfunden; wiewol auch diefe Obfervation wegen der dabey lich befind- 
lichen Umpftände nicht allzeit zutrifft. 


Sal, Saltz / Frautzoͤſiſch du Sel, iſt ein Gewuͤrtz oder Condimentum, 
ohne welches kein Coͤrper beftchen Fan / wie dann auch der gange Erd⸗ 
boden mit folchen durch und durchangefüllet. Es gibtaber des Gal« 
&eö vielerley Arten/ ald (1.) ein aus der Erden gegrabened / (z) aus 
den Brunnen / Pfügen und den See-Waſſer Durch der Sonnen/ und 
(3.) aus den Salg-Quellen oder Solen/ durch des natürlichen Feurs⸗ 
Hit gekochtes Saltß. DasSpring-Brunnen-Salg komnit aus war⸗ 
mer Brunnen / und bricht herfuͤr aus den ſalpeteriſchen und ſchwefel⸗ 
hafften Adern der Erden; felbigeö wird eben fo wie dad See⸗Waſſer 
durch der Sonnen-Hige zu einen reinen Saltz gekocht ; ein gleiches ges 
8* auch an etlichen Orten / ſonderlich in Burgund mit den Sumpf⸗ 
Waſſer / welches offt fo viel Salg ausgibt / daß die Leut daſelbſt auss. 
Cymern die ſes Sumpff· Waſſers fovielSalg Kochen koͤnnen / als ſie 
etliche Wochen in ihre Haushaltung noͤhtig haben. Das Felfen-und 
Stein⸗Saltz wird aus den Bergen wie groſſe Steine gegraben / iſt ſehr 
hel / und einen Cryſtall gleich / dahero es auch die Medici Sal Gemmæ 

Dyy a Edel⸗ 


1076 Sal 


Edelgeftein-Salg nennen. Das Meer · Salt waͤchſt zuſammen / 


wann das Meer wuͤtet / und einen Schaum machet / da es dann das 
Saltz an das Ufer auswirfft / dergleichen vielfaͤltig zu Narbonna in 
Franckreich gefunden wird / ſonderljch wann der Nordwind wehet. 
Dieſe Art von Saltz wird von Plinio und Agricola Meerſchaum und 


Jungfrauen⸗Saltz genennet. In dem Spanifchen Königreich Va- 


lencia feynd in den Felſen lange Kanäle ausgehauen/ durch weiche das 
aus dem Meer auflauffende Wafler in weite Pfannen geleitetwird/ in 
welchen folches hernach durch der SSonnen-Hik coaguliret / und alſo 


das Spanifhe Salk gemachet wird ; dergleichen Salt wird aud) in- 


Franckreich in der Grafſchafft Xaintognegemadt. Manfudet auch 
daſelbſt ein aus dem Meer und füllen Waller coagulirtesSaltz / wann 
nemilich jenes austrit / und in die nechfigelegene fühle Seen ſich ergief« 
fet/ hiernechſt aber bey heiffer Sommer-Hik Salg daraus entflehet/ 
wie deflen gar vielfältig in denen Balearifchen Inſuln des Mitteländi» 
fchen Meers anzutreffen. In der Inſul Ormus, in den Perftanifchen 
Meer-Bufen gelegen / follen faft ale Waſſer / Fluͤſſe und Schöpff- 
Brunnen/ fo gar auch die Erde voller Salg feyn/ alfo daß die Einwoh- 
ner fich bloß don dem damit geführten Handel reichlich ernehren kon⸗ 
nen. u China gibtes ebenfalld ganye Berge von klar gediegenen 
Saltz / und in der Graffchafft Brafilien in America, waͤchſet ein Stau= 
den⸗Gewaͤchs / auf deſſen Blättern/ wann dDie&sonne fehr heiß feheinet/ 
ein ſchneeweiſſes Salt zu finden/ fo aber bey Racht-Zeit und dundeln 
feuchten Wetter wieder ſchmeltzet / und als Tropfen herunter’ fällt ; 
Indeſſen können doch jedes Tags die Einwohner fo viel Saltz davon 
ſammlen / als fte in ihren Haushaltungen nöhtig haben. 
In Europa hat unfer Teutfchland Hor andern einen groffen Überfluß 
an Salt. Wer Bünerland / Sahfen-und das Puneburger-fand 
durchreifet/ wird wiſſen / mas daſelbſt Vor ein groſſer Saltz⸗ Handel 
etrieben werde, Inden Seeftädten gebraucht mar fich aut den Ta> 
ein des Füneburgifchen / zum Einfalgen aber des Spanifhen oder 
Frantzoͤſiſchen Meerfalges/ von deffen Zubereitung allbereit gemeldet 
worden / daß nemlich dieienige/ welche an der See wohnen/ dag Meer- 
Waſſer zu geroiffen Zeiten in gewiffe Behälters oder Eandle lauffen 
laſſen / woſelbſt e8 durch der Sonnem-Hite zu Sal gebürretund coa- 
ukret wird / und zwar in folder Quantitaͤt / daß mangange Schiffe/ 
nderlich in Franckreich damit beladen/ und in andere Länder ver⸗ 
ſchickenkan / woraus der Koͤnig sährlich piel Millionen anzoll erhebet; 
welcher Zoll die Einwohner am meiften drücket / weil erihnen ſchwerer 
als den Fremden aufgeleget wird / alſo daß ein jeder eine gewiſſe Quan⸗ 
uitoͤt Saltzes dem König abzukauffen Verbunden iſt / er mag gleich fol: 
he verbrauchen oder nit. CH wird aber ſolches Saltz gar theuer 
te: 


 — — - — — 


Sal 1077 


derkaufft / und unter die großten Frautzoſiſchen Revenüen, dabey aber 
auch unter die groͤſſeſten Beſchwerungen der Unterthanen mit ges 


rechnet. : 
Bon den Pohlnifchen Salg-Gruben meldet ein gewiſſer Author, daß - 


ſich folche nicht weit von Cracau auf eine geraume Weite unter der 
Erden erftecken / alfo daß man ſie vor eine gebaute unter⸗irrdiſche 
Stadt anſehen ſolte; Man haͤlt aber dabor / daß in der ganhen Weit 
keine tieſſere Gruben / als eben dieſe in die Erde hinein gemacht ſind / 
ſiutemahl ihre Tieffe ſich bis auf 200. Klaffter erſtrecket: und ob man, 
wol von einigen Bergwercken ſagen wolte / daß deren Schaͤchte ſich 
eben fo tieff / wo nicht tieffer hinunter ſenckten / ſo iſt doch ſolches zu ber⸗ 
ſtehen von denen Bergen / fo uber der lachen Erde empor ſtehen / dieſe 
aber fangen in der Ebene an/und reichen fo tieffhinunter. Die Ein: 
gänge zu ſolchen Saltz⸗· Gruben gefchehen durch s. Schächte / dabon 
Die zween vornehmſten in einen Flecken fennd / wo das Berafals aus⸗ 
gehoben wird/ glei wie man durch zween andere das Holtz und ande» 
ve Rohtwendigkeiten hinunter ſencket. Diefe Eingänge (ind fünff-. 
edigt/ 4..0ders. Sup lang / und faſt eben fobreit/ allenthalben mit, 
Brettern verwahret/ oben darüber {ft ein groſſes Rad / ſamt einen 
ſtarcken Strick / fo eines Arms dick iſt; an drefem Strid wird das 
Rad durchein Pferd umgezogen/ wie eine Roßmuͤhle. Wer fi nun 
in die Grube hinunter laffen will/ der mug zuvor einenKittel anlegen / 
und einen Mann mitjich nehmen / welcher einen andern Strict au ven 
vorbeſchriebenen bindet/ wann nun diefer den andern Strich wohl um 
feinen Leib gebunden/ daß er gleihfam darauf ſitzet / fo nimmt ev den 
Fremden auf feinen Schoos / und hält ihm fefte; fonun der lange und 
dicke Strick mit diefen Leusen aufeine gewiſſe Maaß hinunter gelaſ⸗ 
fen worden/ fo be’eftiget ein anderer wieder einen Strid an den grofe 
fen/ feget ich darauf/ und fähret alfo mit den Fremden weiter hinab / 
und ſolche Abwechſelung gefchiehet offt / alfo dag wol zo. a 40. Mün« 
ner oder Beleitö-Lente an einem eingigen Fremden hinab fahren; 
dann fo der erſte den Grund ruͤhret / machet er ſich loß / und gehet feines 
Wegs / und ſolches thun aud) die übrigen einer nad) demandern ; und 
aufdiefe Weiſe gelangen lie ineiner Tieffe von 100. Kluflter oder soo, 
Fuß. Allda nehmen je eine Lampe / und führenden Befichtiger durch 
wunderliche Bänge/ geben allgemach weiter hinab/ und gelangen end⸗ 
lich an etlichen Leitern / auf denen fie weiter biö noch aufıoo. Klaffter 
tieff hinunter fleigen. Da trifft man doppelte Gänge in groſſer Man⸗ 
nigfältigkeit an/ eineviftüber den andern / dann die Gräber graben 
den Sal: Adern nach/ fo lange Diefelbe waͤhren wann ſie aber die A⸗ 
dern verlieren/oder diefelbe aufhören / fo fuchen ſie eine friſche / und 
ſolcher geftalt find fo viel Labyrinrhifcpe rrgänge in diefen Saltz⸗ 

Dyys Gruben 


— — — — 


1078. Sal F 


Gruben erwachſen: Diefe Gänge oder Hölen And durchgehende mit 
dicken Balken und ſtarcken Brettern dergeſtalt verwahret / daß man 
aus der Menge dieſes Gehoͤltzes unter der Erden einen groſſen Flecken 
erbauen koͤnnte; ſolches aber geſchiehet darum / damit die Erde nicht 
einſtuͤrtze und der darauf ſtehende Flecken indem Abgrund ſtucke. 


Aus diefen Gruben hauen und befommen fie nun dreyerley Salgz 


Die erſte Artift gemein und gering/ oder grob und ſchwartz / dieande- 
re ift etwas weiſſer und feiner / Die dritteaber ſchneeweiß / undfo klar 
wie ein Cryſtall. Das geringe und ſchwartze Saltz hauet man aus in 
offen Stücken / welche s. Ellen lang / und eine Eile dicke feynd / doch 
ud die Pohlniſchen Ellen viel kleiner als die Teutfchen. Ein ſolches 
Stuͤck wird um o. bis 70. Pohlniſche Guͤlden / deren 3. auf einen 


Reichsthaler gehen / erhandelt: die Stadt Cracau aber hat das Pri- 


vilegium , daß man ihr ein ſolches Stück Saltz zu einem geringern 
Preis erlaffen muß / dahero man aud) ſolche Salpftüde gar haͤuffig in 
ermeldter Stadt Eracau auf den Gaſſen vor den Bürger-Hdufern/ 
wie auch auf dem Lande/ aufden Dörfern und vor den&schlöflern und 
Edelhoͤfen liegen ſiehet da dann das vorbey gehende Viehe daran le⸗ 
cdet. Hernach wird ed auf Mühlen oder mit andern Inftrumenten zer⸗ 
foflen/ und zum Gebrauch zugerichtet. 

Die Farbe diefer Salgftüde ift dundelbraun und aſchgrau. Ale 
Berg-Inftrumenten/ womit das Salg gegraben wird / wennet mar 
auf Zeutfch / wiewol mit einer Pohlnifchen —— dann als die 
Gruben zum erſtenmahl erfunden worden / (welches etwan ver 400. 
Jahren geſchehen) da waren die Arbeiter lauter Teutfche/ dannenhe⸗ 
ro auch ihre Sprache noch bis auf dem heutigen Tag im Gebrauch blei= 
bet. Es gehöret aber dieſer herrliche Saltz⸗ Schatz dem Könige al» 
fein zu/ welcher alle dabey gehörige Bedienten unterhält und verpfle⸗ 
get/ hingegen auch wieder ein groſſes Geld daraus erhebet / weiches 
daher zu ſchlieſſen / weil felten weniger als 1000. Menfchen in dieſer 
Grube arbeiten / und daß die gange Menge des bereiteten Saltzes / 
weiches offt im Vorraht lieget / auf 2. Pohlnifhe Millionen oder 
666000. Rthir. geſchaͤtzet wird. 

In diefen Gruben ſind; Pferde / fo ſtets in der Zieffe unterhalten 
werden / dafelbft haben Ile ihre Gtälle und andere Nohtburfft/ diefe 
fchleppendas Saltz von dem Ort / da es gehauen wird / welches man 
hernach mittelſt des droben erwehnten groſſen Rads / welches gleich⸗ 
falls von einem Pferd gezogen wird / vollends au dad Tagslicht herauf 
bringet. Die Pferde werden nicht lange / nachdem ſie in die Saltz⸗ 
Gruben gelaſſen worden / gantz ſtockblind / ohne Zweifel wegen des beiſ⸗ 
ſenden ſcharffen Salhes / und hat ermeldter Author damahls alle;. 
Pferde blind befunden / davon dem einen / welches am laͤugſten in der 


Grube 


. 
vw u 4A A DH E u u a a 


Sal | 1079 


Grubegearbeitet / der Huffanden Füllen doppelt oder zweymahl fo 
lang/ als den andern Pferden/ gewachſen gewefen / alfo dag man fol- 
hen mit einer guten Spannen kaum abermeffen koͤnnen. 
Ferner findet manaud in der Tieffe diefer Gruben etliche Saltz⸗ 
Srunnen/ davon das Saltz · Waller durch Eanäle anders wohin gelel⸗ 
tet/ und gutes Saltz daraus gelochet wird. Michtweitbon dem Bo- 
ayftene oder Riper- Fluß iftein gefalgener See / deſſen Waſſer von 
der Sonnen -Hige dergeftalt ausbämpffet/ daß das pure Salt über» 
bleibet/ und die Leute daherum mit Wagen und Pferden / gleich wie 
über Eis fahren/ und daffelbe Saltz in Stücken zerhauen/ und ſo wei⸗ 
ger verführen koͤnnen. Mercklich iſt es auch / daß das Saltz in denen 
vorher beſchriebenen Pohlniſchen Gruben an ſich ſelber weich und 
leicht iſt fo bald es aber an das Tages⸗· Licht kommet / wird ed in einem 
Augenblick Hart und ſchwet / alſo daß ein Stuͤck fo von einen en 
Wann in der Tieffe hat Fönnen gehandthieret werden / hernach kaum 
von 4. Ochfen mag von der Stelle gebracht werden. 
In unſerm Teutfhland feynd dermahlen die vornehmſte Galtfiede- 
reyen zu Lüneburg / Hall in Sachſen / Frandenhaufen in Thüringen/ 
Aldendorff in Hellen / Salzungen an der Werre / Eueder im Gtifft 
Fulda, Hall in Schwaben, Artern in der Grafſchafft Mannöfeld / zu 
Saltza, Afcheröleben/ Staßfurt / Eolberg in Hinter⸗Pommern / Apol- 
lo im Weymariſchen / Hall im Saltzburgiſchen / Kitzingen in Francken / 
Sitten in der Schweiß/ ıc. zu welcheu man auch die Saltzſie dereyen 
zählen möchte/ welche hin und wieder in den Geeftädten aufgerichtet/ 
an welchen dad Spanifche und Frautzoͤſiſche Saltz rafinivet / und zu 
Schönen weiſſen Salg / dem Lüneburgifchen und Hällifchen nicht viel 
ungleich/ gefotten wird. 
Damit aber auch die Salg-AAndler dad ir zu probiren / und 
welches unter fo vielerley Arten das befte ſey / wiſſen mögen / fo dienet 
ihnen folgender Unterricht / nemlich / daß an einem guten Sal zu he⸗ 
mercken 8 ———— 
». Candor, oder die fhöne weiſſe Farb / welche ich bey dem Haͤlliſchen 
und Luneburgifchen am fchönften findet. 
8. Pelluciditas, die Durchſichtigkeit / welche gleichfalls von derfinner- 
lichen Reinigkeit zeuget. 
3. Forma Cryftallina, daß es wie ein Cryſtalle geftaltet und eckigt ſey: 
Dieſes Eryfkallinifche Wefen oder Beftalt/ mug billig mit Unter» 
ſcheid als ein Kennzeichen des guten Saltzes genommen werden / 
nenılich daß das Stein⸗ oder gegrabene Salß gang groſſe Cryſtallen / 
das Saltz aber / fo aus Waſſer mit Feuer geſotten wird / gantz klei⸗ 
ne Cryſtallen habe. Hierbey iſt auch ungemeldt nicht zu laſſen / daß 
der Salpeter und das Saltz / es ſeyn ſolche gleich groß oder Hein ſtͤ⸗ 
igt/ 


1080 Sal 


un man ea en 
ckigt / ihre Geftalt behalten / indem der Salpeter allzeit laͤnglich / 
und das Saltz drey / bier / fünff-undfech8-edigt befundenwird. 

4. Denfitas, die Dichte / daß nemlich dad Saltz fein feſte ſey / und ſei⸗ 

ne Koͤrner einmahl wie das andere behalte / auch bey ſeiner natuͤr⸗ 
lichen Trockenheit lucker über einander liege / und nicht wie naffe 

Erde oder Sand aufeinander falle. ' 

5 Levitas, Die Reichtigfeit/ denn je leichter ein Salt oder Erd-Safft/ 
je weniger Feuchtigkeit er bey ſich hat / und je fchärffer er ift/ wie ſol⸗ 

Ä —— fr Virriol zeiget / und auch allen Chymicis genugfam be» 

6, Siccitas, die Trudenheit / durch welche alle Erdfäffte und Salhe / 
als Vitriol und Galpeter zu ihrer gröften Vollenkommenheit und 
Schaͤrffe gelangen / indem durch das Trucknen alle unnöhtige 
Feuchtigkeiten — werden / alſo daß je trockner ein Salt 

e ſaltziger daſſelbe iſt. 

7. Granorum parvita-, kleine Koͤrner / weil ſolche nicht fo viel Feuch⸗ 
tigkeit als die groſſen haben / and dahero ſchaͤrffer ſehn / wie ſolches 
EN der Vitriol gang ordentlich zeiget wann derſelbe getrock⸗ 
net wird, | 

s. Sapor puras, ber reine Geſchmack / daß es nemlich nichteinen bit- 
tern oder andern übeln Geſchmack habe. | 

9. Odor, der Geruch / daß es nicht übel oder wibrig rieche. 

10. Puritas, die Reinigkeit/ daß nemlich mit dem Saltz nichtö bermi⸗ 
fchet fey/ und Feine andere Erdfäflte oder Materiam bey ſich habe/ 
welches am beften durch die Zerlaffung des Saltzes im Waſſer und 

Schmeltzung über dem Feuer zu erkennen / wie.bey der 15. 14.16, 
und ı7. ‘Probe mit mehrern gezeiget wird. — 

m. Solubilitas, die leichte Auflöfung/ daß es im Butter und Kaͤſe / wie 
auch auf Fleiſch und Fifche/ leicht und bald ſchmeltze und darinnen 
nichts ungeſchmoltzenes überbleibe. 

12. Aptitudo ad Salituram, daß es zum Einſaltzen dienlich und be= 

uem ſey. | 

13. pi in Aqva, dad Schmelgen im Waſſer / wobey fonderlich zu 
beobachten: 

(".) Daß dad Gchmelsen ohne Aufwallung und Giſchen oder 
Schäumen bald gefchehen müffe. 

(2.) Daß durch das Schmelgen des Saltzes im Waſſer / das Waſ⸗ 
fer feine Farbe behalte / und keine andere Farbe durch unartige 

Dinge ſo im Saltze verborgen liegen / bekomme. 

(.) Daß in dem Waſſer von geſchmolhenen Saltze feine oder doch 
wenig Unreinigkeit weder. auf dem Boden noch in dem Waſ⸗ 
fer ſich zeige. a 

4 


— — — 
Sal aobi 
4.) Daß das Waller von dem darinn geſchmoltzenen Saltze ein 
guten Geruch und Geſchmack habe. | 
(s.) Daß das mit Sals angefültte Waſſer die Salk-Maage fein 
hoch trage/ dann je höher ed die Waagen trägt/ jebeffer es ift. 

14. Deipumatıo, die Abſchaͤumung / wann nemlich das Galk inreinen 
flieffenden warmen Waſſer zerlaffen und zerkocht/ und dann mitet⸗ 
was Rinds⸗Blut / wieder Zuder mit Eyerweiß / ſeine Unreinigkeit 
von ſich zugeben/tradtiret wird. 

15. Crepatura, das Rnaden des Salbes/ wann es über dem Feuer in 
Toͤpffen oder eyſern breiten Befäflen getrocknet wird / da dann / je 
feſter / dichter und trockner dad Saltz iftyje mehr ed über dem Feuer 
knacket. Cöiftaber bey folder Trocknung des Saltzes nicht als 
leine das Knacken / fondern auch die Farbe / die es daburch bekoͤm⸗ 

meeet / zu heobachten / da dann die weiſſe Farbe vor andern den Vor⸗ 

zug behaͤlt / weil ſie die Reinigkeit anzeiget. 

16. Calcinatio feu fulio per ſe, wann ein Saltz allein und ohne Zufaß 

6. bis s. Stundenin einem Schmelg-Tiegel ——— wird / da 
man dann durch ſolches Schmeltzen ſiehet / ob das Saltz einen Ab⸗ 

— Verbrennung anderer bey ſich führender Dinge bekom⸗ 
men habe: Ä 

17. Calcinatio feu fufio cum additione , wann bad Salgmit einem 

Zuſatz deren wird/ nemlich / wann man erftlich zus. Loht Salg 
ein halb Loht trocknen Galpeter nimmt / und im Schmelt-Tiegel 
ſchmeltzet / weilman dadurch ſiehet / was der davon gehende Rauch 
por eine Farbe hat. Zumandern / waun man auf ſoich geſchmol⸗ 
gen Salg ein Löffel-voll Baum-Del gieſſet / und wieder ſchmelhen 
er ob es vieloder wenig Unveinigkeit 
ey e. 

38. Confervatio, daß das Saltz ſich wohl halte / und nicht leicht ſchmel⸗ 

tze / und gleichſam zerflieſſe. | 

29. Acrimonia, die Schärfe und Galgigfeit / daß nemlich das Saltz 
dem Menfchen eine durhdringende Empfindlichkeit oder Schaͤrffe/ 
und gleichfam ein maͤßiges Brennen auf der Zunge berurfache. 

20. Omnia optime confervans, daß ed alled / was darmit eingefalgen 
wird / wohlerhalte / und von aller Berderbung oder Putrefacuou 
eonfervire, _ , | 

Einige wollen aud) die Güte des Saltzes (welches aus quellenden 

Gals-Waflern gefotten wird) aus der Sole oder Saltz⸗Waſſers 

Schwere urtheilen / weldyes aber andere gans und gar contradiciren/ 

und mit beffeen Grund urtheilen/ daß die diche und ſchwereSole auch 

viel Cruditäten und Unflaht bey (ich führe. 

Dieſes wären alſo Fürglich die pornehmſten Proben/ weide/dasSats 
5 zu 


1082 Sal 


zu erkennen und zu beurtheilen/ in achtmüffen genommen werden ; (Te 
treffen aber nicht beyallen Arten des Saltzes ein / aud) fo garnicht bey 
den vier Haupt: Arten/ aldda feynd (1.) das Spanifche Boyſaltz / (2.) 
das raffinirte oder umgefottene Boyfalg/ (3.) das Füneburgifche / und 
(4. ) das Haͤlliſche Saͤchſiſche Saltz wie ſolches nachgeſetztes Examen 
ausweiſen wird: 
Nach der erſten Probe / welche iſt Candor oder die Weiſſe / iſt das Spa⸗ 
niſche Salt grau / die andern drey Arten aber weiß / unter welchen 
das Lüneburgifche das allerweiſſeſte 
— finde (ich in allen vieren / auffer daß das Spaniſche etwas 
undel. | 
Formam Cryftallinam, haben alle Hier Arten. 
‚Denlitatem imgleichen. 
In Levitate difieriven ſie Daß das Spanifche das Schwerſte / daß Ra- 
finirte etwas leichter / das Rüneburgifche noch leichter / und das Haͤlli⸗ 
ſche das allerleichtefte ift. 
Siccitas iſt bey dem KHällifchen im hoͤchſten Grad / die andern feynd 
ſchon etwas feuchter/ das Spauiſche aber ift dasallerfeuchtefte. 
Rach der fiebenden Prob / welche iſt Grariorum patvitas, hat das Spa⸗ 
niſche die groͤßten / das Haͤlliſche aber die allerkleineſten Koͤrner. 
‚Puritas Saporis, duſſert ſich am meiſten bey dem Haͤlliſchen Das Spa⸗ 
niſche hat einen widerlichen / das Raffinirte einen reinen / das Luͤnebur⸗ 
giſche einen ſcharffen / aber etwas bittern Geſchmack. 
Daor iſt bey dem Spaniſchen etwas See⸗oder Fiſchhafftig / bey den 
andern drey Arten aber gantz rein. 
Puritatem, hat das Haͤlliſche im hoͤchſten Grad / hingegen zeigt das 
Spaniſche feinen Unflaht an / wann es im Waſſer zerlaſſen wird / ein 
gleiches thut auch das Raffin:rte und Luͤneburgiſche / wann man es mit 
Kinder-Blut ſchaͤumet / oder mir Baum ⸗Oel ſchmeltzet. 
Solubilitas zeiget ſich in dem Haͤlliſchen am allerbeſten / indem es auf 
Fleiſch und Fiſchen / in Butter und Kaͤſen leichtlich / das Spaniſche 
— — voͤllig das Raffinirte und Luͤneburgiſche aber lang⸗ 
am ſchmeltzet. 
Nach der zwölfften Probe dienet das Spaniſche zu nichts als Seefiſch 
einzuſaltzen / das Rafinirte iſt auch zum Fleiſch nicht gar —— / 
* sl und Hällifche aber wird Fleiſch und Fiſch in kurtzer 
eit zu ringen. 
Solutioin aqva findet ſich / daß das Spanifche langfaın/ das Rafinirte 
geſchwinder / das Rüneburgifche und Haͤlliſche aber am allergefihwin- 
deften ſchmeltzen und ich auflöfen ;. vom Spanifchen wird die Farbe 
des Waſſers grau/ vom Lineburgifchen weißlich / dom Rafınirten aber 
und Haͤlliſchen behält es feine Zarbe. - Das Spaniſche und ar 
i ® 


“Sal 1083 
gifche zeiget beym Auflöfen etwas Unveinigkeit / die andern beyden 
aber nich, 


Rach der vierzehenden Probe / gibt das Spanifche bey der Abfchäu« 
mung einen ſchweren Schaum und Schleim/das Raflinirte gleichfalls/ 
dasfüneburgif. etwas weniger / das Hoͤll iſche aber am allerweniaften, 
ach der funfizehenden Probe knacket das Spanifche / aberfehr heff⸗ 
tig / das Raffinirtenicht fo ſtarck das Luͤneburg iſche ſehr wenig / dag 
Haͤlliſche ſtarck / und faſt unaufhoͤrlich / und befommt auch im Trudte 
‚nen die weiſſe Farbe / da die andern graulich bleiben. 

Durd) die Calcination gehet dem Spaniſchen das en / dem Luͤne⸗ 
— und Raffinirten weniger/ dem Haͤlliſchen aber das wenig» 


e.ab. 
In der Schmeltzung miteinem Zufagung etwan von s. EohtSalpetery 
gibt dad Spaniſche eine ſchwarhe / das Raffinirte und Lüneburgiſche 
eine blaue / und das Haͤlliſche eine gelbe Flamme. 

Die Confervation belangend / ſeynd ſie alle vier gut / das Haͤlliſche aber 
lapt ſich im naſſen Wetter am beſten berfuͤhren / iolvirt ſich auch nicht ſo 
bald als die andern. 

In der Schärffe gibt auch feines demandern nach / auffer daß das Lũ⸗ 
aeburgifche eine bittere/ das Haͤlliſche aber eine ſuͤſſe Schaͤrffe hat. 
Nach der zwangigften und lepten Probe / welche ift/ dieVidtualien wo 
zu conlervigen/ feynd ſie alle vier gut/ das Haͤlliſche aber zum Butter» 
Einſaltzen das beſte / weil An durchgehends einerley Couleur bes 
haͤlt / die Dänifche und Holſte iniſche Butter Hingegen / welche mit ans 
dern Saltz geſaltzen / viel weiſſe Flecken hat. 

Aus ober — Proben allen erhellet nun / daß das Spaniſche Boy⸗ 
Saltz nad) s. derſelben / dad umgeſottene und Luͤneburgiſche nad) 10. 
das Haͤlliſche aber nach allen zwanhigen gut und bewehrt erfunden fey. 
Die Salz: Maß an unterfchiedlichen Orten/ fonderlich aber in den 
Seeſtaͤdten ift/ als folget: = 

Ein groß Hundert hat vier Fleine Hundert. 

Ein Hundert:Gad hält ızz. fhmale Tonnen. 

1. Laſt is. Zonnen/ eine Tonne 4. Scheffel. 


Ein Hollaͤndiſch Hundert Frauſch⸗ Saltz thut in Stettin ⸗I. Laſt a'ıs. 


Tonnen. 
Ein Hundert Franſch⸗GSaltz halt in Franckreich / Rochelle / St. Mar- 
tens, — 28. Muy, eine Muy hat 24. Maaß / thut in Amfterdam iJ. 


Kun 
Ein Hollaͤndiſch Hundert hat 400. Maaf. 
Ein Hundert Saltz in Frauckreich thut in Holland ız, Laf / In Stettin 
95. oder nz. Laſt. | 
Eine 


1084 Sal 


Eine Hamburgifche / Lübecker / Dangiger oder Stralfundifche Laft 
Saltz a ıs. Tonnen / thut in Stettin 145. oder 143. Zonne: : 

Ein Hollaͤndiſch Hundert Frauſch Salt / gibt nero in Lübeck 7. Laſt 
aıs. Tonnen. 

Ein Hundert Franſch Saltz thut in Stettin s. Laſt / auch wolz. Ton⸗ 
nen mehr oder weniger. | 2 
2. Wey Salt aus Neu-Eaftel/ liefern zu Stralfund 1. Laft/ biswellen 

etwas mehr oder weniger. z 
1. ChaldeerStein-Kohlen liefert in Stralfund 2. Zander voll / io. Tone 
nen Stein-Kohlen/ liefern einen Zander. 


Ein hundert Spaniſch Saltz hat in Stettinsg-Laft a ıs. Tonnen pro 
Laſt / jego aber s2.Lafl. | | | 


— Meß · Tonnen bringen in Hamburger 223. Meß ⸗ Ton⸗ 
nen⸗Saltz. 

is. Meß⸗Tonnen⸗Galtz thun ı9. 193. auch 20. Pack⸗Tonnen. 
Eine Stettiniſche Trag⸗ Tonn hat viertehalb Scheffel Saltz. 

Ein Trag-Laſt Saltz von ıs. Tonnen hältıo. Pack- Tonnen. 
Ein Trag⸗ Laſt Salt hat 27. Scheffelin neu Saltz. 1 

Ein Hundert Franſch Saltz in Seures thut in die Bay Bourneuf re. 
© Charges, welches Dangiger Laftı2 ausliefent. 

Ein Laſt Salt in Dantzig / fo da ıs. Tonnen liefert / giebet in Stock⸗ 

holmi43. Tonnen. | 

Cine Lübecifche Laft liefert 16. Tonnen / in Stralfund aber voll is. 
Tonnen / undwol etwas mehr. | 

Die Schottiſche Saltz-Magß iſt auch unterfchiedlich / dann 71.Chal- 

deer thun ungefehr. 43 Pommeriſche Laſt und 7. Tonnen. | 

300, Boles yon Grenfpanslicfern in Pommern ıs.Lafle 

630 Boles bon Walewilv ihun 37. Laft. 15. Tonnen. Bu 
Je fchwerer dad Saltz je heſſer es ift / und fe älter ein Salg je ſchwerer 
es wird. 

Grob Salt verlieret daserfte Fahr 10. pro Cent darnach aber gar 
wenig/ und im dritten und vierten Jahr eaft gar nihts. Auch wird 
an unterfchiedlichen Orten das Saltz nachSchifflh. verkaufft / als zum 
Exempel zu Riga werden z. Schiffib. für eine Laſt aufandern Orten 
aber i5. a is. Sciffib. geliefert; das neu Salz aber wird meiften- 
theilö nach der Maaß verkaufft. 
In dem Sieden und Bratenvermehret ih das Salt / wie oben ge- 
dacht / nach der Schwere/und geben ioo. Pfund neu Spaniſch Saltz ızr. 
bis 140. und and) mehr / und fo es 4. Jahr gelegen / kommt von 100. 
grob 200. gebraten oder geſotten Galg. : 

j Bebra« 


TE Viren — > 


Sal 1085 
BU We O O — 
Sebraten Saltz nennet man das beſte / weiſſe / welches lanafamı ohne 
Aufſieden gebraten/ und dieſes iſt hart im Handeln / und farder im 
Galgen; denn das jledende Salt wird fo biel ſtaͤrcker durchs Feuer 
getrieben, und nimmt deswegen fo vielmehr Waſſer an / wird alfo fo 

viel ſchwaͤcher und zum Einfalen des Fleiſches fo bielunfräfftiger. 
Das weiſſe oder Brat-Galg lacket im Berführen/ und berlieret 10.2 
8. pro Cent, dag ſiedende Salt aber noch mehr. 
Im SiedendesGalgesiwerden auch die Winde / infonderheit Suͤ⸗ 
den und Norden in acht genommen. 
In dem Trai’& General du Commerce Ao. 1705, in Amfterdam ge> 
druckt / fhreibet der Auchor deffelbenvon dem Salß⸗Haudel pag.79, 
folgendergeftalt: Das Salt wird zu Amſterdam bey 404. Maafen 
oder Scheffels berkaufft / welche ein fo genanntes Hundert dieſes 100, 
aber 7. Laſt ober 14. Tonnen machen / wobondie Tonne 2600. dfe La 
aber 4000. und alſo die 7, Laſt 28000. Pfund waͤgen; und diefes i 
es / was man ein Hundert Saltz nennet. Item, vechnet man es au 
auf 208: Sacks / wiewol auch dabey zu beodachten / daß ein Saltz ſchwe⸗ 
rer iſt als das andere. Der Verkauff in Holland geſchiehet nach Pf, 
Flaͤmiſch oder s. fl. Hollaͤndiſch / und zwar zu fo ungemiffen Preiß / dag 
ſolches bom zo. bis aufırö. Pfund Flaͤmiſch lauffen/ und auch fo bald 
— * J nachdem nemlich die See ſicher oder unſicher / Krieg 
oder Frieden iſt. 
Die vornehmſten Plaͤtze aus welchen Franſch Saltz kommt / ſeynd in 
Franckreich Marennes,Brouage, ja Tremblade, laRiviere de Sudre » 
lIslede Rhe,d’Oleron, laRochelle, Marans , und andere Derter in 
Xainttogne und dem Lande von Aufnic, in welchen Rändern insgefamt 
das Saltz par muids , die nach Unterfcheid der Derter auch groß oder 
Hein feyn/ verkauft wird. | 
Zu Paris hält dad Muid 12, Setiers oder 48, Minots, das Setier 4.Mi- 
— das Minor wird hernach wieder abgetheilet in kleinere 
eile. | 
Das Hundert ded Saltz bon Marenne, Brouage Tremblade, Isle de 
Rhe &c, beftehet aus es. Muids ras, und dad Uuid aus 24.Boiffaux, 
die hernach in Amſter dam nz Laft oder 23. Tonnen ausmachen / 
nachdem nemlich Die Maaß und Courtage oder Leckage groß oder 
klein iſt. Obbefagte Muidgibt zu Bourdeaux ı}, Pipe, diePipe 
6. Gad oder s. Minors , thut zuſammen 42. Pipes Oder 2x2. Sad 
oder dinots; eögibt auch noch ein ander Muid Yon Boffe fo zu 
Bourdeauix 2, Pipesund ein wenig mehr auf die Cargafon bringt, 
Ein Minot wiegt ungefehr 240. Pf. Poids de Marc , weniger oder 
mehe / welches derUnterſcheid / der in — ſelbſt ift/veruefache/ 
35 in- 








10899 Sal 


indem das Saltz aus der Inſul de Khe, item das von Brouage 
ſchwerer als dad Saltz von der Inſul d' Oleron, de Marennes, de 
Mornac und de la Tremblade iſt. | 

Das Hundert Salt von der Inſul Rhe und don Breuage gibt zu Ham⸗ 
burgırz. a 113: Laſt aus/ welche a5. biß 46000. Pf. thun. 

In Dannemarck macht es 03. Laft / die Laſt Hält daſelbſt ıs. Tonnen) 
und machen so. Dänifche Laſten in Rönigsbergs2. odenns..Laft un“ 
fehr 10. oder 40000. Pfund / wobey dann zu wiffen / daß benen 
Fremden zu Koͤnigsberg nicht zugelaſſen iſt / das Saltz aufzufhlite 
ten/ fondern fie muͤſſen es fo gut/ als ſie können verkauften. 

Zu Kiga gibt das Hundert Frantz Saltz eben die Maaß aldin Königd- 
berg/ und machen 53. Laft Rigifch ein groß Hundert von After» 
dam. Denen Fremden gehet esin Riga eben wie in Koͤnigsberg / 
das ſie nemlich ihr Saltz nicht durffen in Magazinen haben. 

Zu Stettin thut das Hundert Franſch Saltz io. Laſt oder 40000. Pf. 

in Portugal wird das Saltz be) Muid verkaufft / davon 4. eine Laſt 
thun / und die7. thun ein Hundert von 404. Scheffels Amſterda⸗ 
mer Maaß. 

Man rechnet auch dad Muid bon St. Ubes Saltz zu 4. Alqvieres ala 

panegue, und ix. Fanegues oder so, Alqvieres machen obbeſagtes 
Muid. 

In Engeland rechnet man / daß 3. Laſt ein Frantzoͤſiſch Muͤd machen / 

und alſo auch in andern Ländern etwas mehr oder weniger. 


Sal alcali, ift etwas anders als die Pottafche/ indem es nicht aus Ei⸗ 
chen oder andern Holtz / fondern einen fremden Meer-Rraut / welches 
die Alten Kali geniculatum, die heutige Kräuter Berftändige Anthyl- 
lida heiffen/ gemacht / und aut den Blashütten insgemein Soude, Lat. 
Soda, Solıgorniafalfol, &c. vide Soude genennet wird. 

Sal ammoniacum, vide Sabmiac. 

Sal Fosſile oder Gemmæ, ift ein hartes helles und durchſichtiges 
Saltz / weswegen ed auch Sal Gemmz, und weited mehrentheils in Poh⸗ 
fen aus der Erden gegrabeu wird/ Sal loslile genennet wird. In Ca⸗ 
talonien/ allwo man es auch findet/ follen fie gange Figuren / aldCruci- 
fix und Rofenfräng daraus machen. Man braucht es Klein geftoffen 
in die Speiß und indie Yrgeney/ auch wol zu den Farben. 

Sal indum oder Pyramidale, weil es in Geftalt eines kleinen Pyra- 
midis in dev Erden gefunden wird/ ift in Teutfchland nicht bekannt. 


Sal artificiale , ein durch die chymiſche Kunſt zu bereitete Galg/ 
derer ſeynd zweyerley / ein Fluͤchtiges / Sal Volarile genannt/ als aus 
| den 


Sal 1087 


den Hirſchhorn / Eiffenbein/ ec. und ein fires oder Feuer-beftändiges/ 
fo aus Kräutern gezogen wird/ wiewol man auch aus Kräutern. Salia 
Volatilia hat/ wobonD. Wedelin feinem Tradtarde Sale volatili plan- 
sarum zu fehen; a 

“ Sal’volatile oleoſum ein ſtuchtig Oleoſiſch Saltz / beſtehet aus vielen 
Aromatibus mit Spit. viniabgezogen. Vor dieſem war des Sylvii 
Sal vol.oleolum in groſſen Æhnn, jetzo aber hat faſt ein jeder Medicus 
feine eigene Invention, unter welchen allen D. RıviniP, P. in Leipzig 
höchſt zareconimendiren/ als welches aus folgenden beftehet: R. Bacc. 
Junip. Rad, Angelit. Sem. Anis, Cort, Aurant. Fol. Laur, recent, ana 
1, Quinel, in&f, & contuſ. infund, in fpirit. frument, Menf. ij. adde 
& Rei hf. Ciner. Clavel, fi. deNil, per alembic, Dieſes dienet 
fonderlich wider die Colic und ſchwachen Magen. 
Die in wohlbeftalten Ofsinenrgebrüuchlichffe Saliatam nativa qram 
factitia feynd Mphabetifcher Ordnung nach folgende: Salalkali, am- 
moniacı, coınmunisf.Luneburg. Hılp. Bay⸗Saltz / Sal. gemmz, in. 
dı, Nitri, ab ynthii comm, dit, Cryftallil. acetofe eilential, acetofel. 
læ effent. Agrimonie, Anifı, Angelicx, Agvilegix, Artemifix, Bahıli- 
ci, Betonicz, Borraginis, Brasſicæ, Calami aromat. Calaıninthx, Ca- 
lendulæ, Carduibenedidti Crylfallifati, Marix , Caryophylior, Cen- 
taurii min, Cerebrihumani, Chamamill. noſtt. Roman, Cichorii , 
Cinnamomi, Cochlearix, Coriandri, Cornu ceryi fixi , Volat, Cranii 
humani, Cydoniorum, Cymini, Eboris, Ebuli, Endivix, Enulæ, Epa- 
ticæ Nor. EfuleEuphrafiz, Fabarum flipit. Feeniculi Fraxini, Fuligi- 
nis volat, Fumarix, Gallitrieii, Geniftx, Hyperici, Hyflopi, Jovis, ſu- 
niperi ex baecis, Lactucz,Lavendulx ligni fandti, Lumbricor. Lu- 
næ, D. H. Majoranz, Malvx, Marrubii, Martis, Matricarix, Meliloti, 
Meliſſæ, Menth&, Naflurtii agvat, Nepethx, Nicotianæ, Ononidis , 
Pxoniz, Panchrelt, Papaver, albi, Perfoliar, Perficarix, Petafit, Pe- 
wrofelini, Piforum, Pimpinell& ‚ Plantaginis, Polychrefli aqvisgra- 
nens, Prunellz f, nitr.tabulati, Quingve nerviæ, Rhabarbari , Roſa- 
rum, Rofmarini, Rutx, Sabinz, Salviæ, Sambuci, Saturej@, Scabio- 
ſæ. Scariolx, Serpillt, Suceini fixati volat, Tanaceti, Tartarialbi, ru- 
bri volat, Thyminoftr, Tormentillx,Valerian®, Verbenx,Veronic®, 
Viperarumvol. Vitis, Vitrioli, Ungulæ Aleis, Volatilis oleofi D, 
Hann. Urinæ volat. Urtic& major, Zinziberis, 

Solarium, ift die Gage, die ein Kauffınann feinen Buchhalter oder 
Dienern / nad) Proportion feiner Handlung und ihrer Verrichtung 
und Capacität jährlich giebet. . | 

Salben / ſeynd von denen Balfamen und Lintmenten / nicht d 
Bereitung/ fonderu nur hloß. der Dicke nach unterſchieden / inden die 

" Bis erſte 


4 


1088 | Sal * 


erſte fluͤßiger wie Honig / die andern aber dicker / und die letztern uvch 
dicker und härter ſeyn / wiewol der Rahme Liniment und. Salb in dır 
Praxi gar öffters mit einander confundiret wird. Linimenten feyn/ 
wann die Salben ſolche Confifteng haben / daß fle dünne feyn/ und nur 
aus Delgemeiniglid) allein beftebens de variıren auch nad) Unter⸗ 
ſcheid der Dele/ dann fo mandeftillirt Oel nimmt / fo feynd es Balfa- 
me/ fo es aber gekochte / oder infundirte/ oder ausgeprefte Del feynd / 
fonennet man es Salben. Die durch Kunſt bereitete Balfame ie 
abermahls zweyerley / eingele und zufanımen gefegte/ entweder dur 
geſchwinde Bermif u oder daß man ſolche durch Delilliven mik 
einander vermenget. ‚Der Zeug/ woraus befagte Sachen bereitet 
werden / ſeynd Del/ Butter/ Fett/ Unſchlitt / Marck / Hartz / Schleim / 
. Gäffte/ ſamt andern Sachen / die ſich mit beſagten Sachen in Form 
eines Pulvers vermiſchen laſſen / oder auch darinn zergehen. Die 
Balſame nehmen wegen ihrer Weiche kein Wachs zu ſich / die Lini- 
menten auch nichts / oder gar wenig / die Salben aber / weil ſie dicker 
und grober ſeyn / erfordern Wachs und zu weilen auch Gummi. 
Die in denen Apotecken gebraͤuchlichſte Schmier⸗Balſam feynd Bal- 
famus ad ambuſta wider dad Verbrennen / Antipodagricus wider das 
Podagra/ Balfaminz, contra Colicam , Hifpanicus Hyperici Magi- 
ftralis, Mercurii mirabilis feu Compofitus, Parturientium Podagri- 
cus Tabaci, Uterinus, Mutter-Balfanı/ Vulnerarius Wund:Balfant. 
An Linimenten feynd folgende zu finden: Linimentum de Amian- 
tho bon Federweiß / Antipodagricum ad ariduram, contra Cancrum, 
ad contracturam, Dentifricium Zahn-Liniment / Errhinum Nieß⸗Li- 
niment/ adHamorrhoides, Lienis & Hepat, Scirrho, pro Nervore- 
tracto, Purgans Saturninum,Salutis, Ulcefa cervicis uteri, 

Don Unguentisoder Salben feynd folgende diebekfannteften: Un- 
guentum agrippz, Egyptiacum, Alabaflrinum , Album dito Cam- 
phoratum, Althex, Anodynum Schmertzſtillendes / Apoftolicum , 
Aregonis, Arthanitx, Aureum, Bafılicon, de Bdellio Butyraceum 
nervale, de Calce, contra calculum, contra Cancrum, adcarbuncu- 
lum, contra Carunculam penis de Ceruffabon Bleymweiß/ dito de An- 
timonio, Citrinum, Clyfmaticum, Comitiſſæ, ad contufiones, Cardia- 
cum Befpann/ Cordiale Hertz⸗Salbe / de Cyclamine , Cynogloſſa 
rohte Butter/ Defenfivum, eontra epilepfiam, contra faciei Rubo- 
rem, Fufcum graue Salbe/ ad Fetum expellendum, de Glyzyrrhiza, 
ad Guttam rofaceam, Gryfeum, ad Hæmorrhoides, Nöribergenfe, in- 
frigidans Galeni Kuͤhl⸗Salhe / Jovis ſeude Verbena, Lenitivum, de 
Lithargyrio, Martiatum magnum & parvum, Mercuriale honQueck- 
ſilber / in memoria diminuta, de Minio Camphoratum,, Narcoticum 
Schlaff· Salhe / Nervinum, de Nicotiana, von Zaba As ad ocu- 


— * N — zer 


an > 1089 
los Yugennicht/ Ophthalmicum Auden-Salbe / Pe&torale Bruſtſal⸗ 
be/ Anti Pleuriticum Geiten-falbe/ ad Perniones zu erfrohrnen Füfs 
fen/ Polychreftum, Pomatum Pomade / Diapompholygos, f. Nihili, 
Populeum Pappel-falbe/ Potabile rohte Butter / pro pueris fafcina- 
tis, refumptivum, rofatum rubeum camphoratum, ad Rubedinem 
oculorum, ad Scabiem, ad Serpiginem, Splenetieum Milg-falbe/ de 
Sueco Aurantiorum bon Pomerangen=fafft/Stoinachale, Sympathe- 
ticumcontra Tubem, Terebinthinz, ad Tineam, de Tutia , adVer- 
mes, contra Veneficia, Violarum, ad Ulcera, ad Vulnera, Uinbilicale 
purgans, ad uflionem, uteri dolorem, contra urinæ mintionem, Vi- 
ride Reginz grüne Salbe/ Butyrum viride, | 
Aller diefer Schmier-Balfam/ Linimenten und Unguentorum ihre 
Compolfition ift in desofft angezogenen Schröderi hollftändigen Apo⸗ 
ted lib. 2.cap. 87. zuerfehen / aus welchen wir nur die Zubereitung ei⸗ 
ner guten Pomade allhier anführen wollen. - 

R. 2. Tb. weiffen Schweinfhmeers / ſuͤſſe und faure Nepffel jedes ;. 
Stuͤck / Citronenſchaalen stehalb Quentin / gelben Sandel/ Violen⸗ 
wurtz 3. Quent. veinen Benzoin anderthalb Quentin/ Mufcaten-Nüffe 
und Blüht/ Zimmet/ Gewürk-Wägelein/ Storax Calamitha , jedes 
s. Quent. des beften Roſenwaſſers / h viel ald genug ift / koche alles zu⸗ 
leich beymgelinden Feuer zum Unguento , aufs legte thue darzu des 
en Mofchiiij. Gr. Item, nimm gereitigten Borhfchmeers.. Tb. 
Schweinfett 3. Tb. wohlriechende Aepffel 24. Stuͤck / Klein gefhnittene 
Veilwurtz 2..Roht/ Hein gefchnittene frifche weilte Rofen ı, Tb. koche ala 
les bis zum Abrauche der Feuchtigkeiten/hernad) colirs und exprimirs, 
in der ausgepreften Fettigkeit zerlafle s. Loht weiß Wachs / und waun 
es erkaltet/ fo'thue darzu Storax Calamit, Benzoin in Spirit. Rolar, 
aufgeloͤſt jeded s. Quentin/ deitillivt Deldon Zimmet 1.Scrupel, Ge» 
wuͤrtz⸗Raͤgelein / Muſcaten⸗ Nuͤſſe / jedes halb Quentin/ Lahendel / Po⸗ 
merantzenſchaalen / Citronenſchaalen / jedes ı.Scrupel , Roſen⸗Holtz 
ein Halb Quentin / ausgepreſte Mufcaten-Ruß-Delz. Quentin / miſche 
und ruͤhre ed fo lang / bis es weiß wird. 

Salbey / vide Salbia. 

Saldiren heißt eine Rechnung ſchlieſſen / oder im Saupt. Buch rich- 
— / daß ſie in Debet und Credit gleich aufgehe / oder ſo was 
überbleibt / daß ſolches aufs neue vorgetragen werde / welches man 

alsdann den Saldo-Reſt nennet. Ein Kauffmann / der groſſe Corre- 
ſpondentz mit jemand hat / thut wohl / daß er offtmahls courant Rech⸗ 
nung überfende/ und jedesmahl faldire/ und was ihm zukommt / oder 
er feinen Freund noch ſchuldig bleibet/ daß er folches aufs neue vortra- 
ge / fo kan deſtodeſſet Richtig Baia / unter ihnen beyden i ie 

35 3 effer 


wo Ga —“ 
beſſer d’ aecordo gegangen / und die Fünfftige Rechnung hernach aller 
zeit von demSaldo der vorigen angefangen werden. 

Salix, Frantzoͤſiſch Saule, ein Weiden-Baum / die Sproffen davon 
ſtillen den Blutfluß / die Aſche von der Rinden ziehet die Hüner-Au> 
gen aus. } 

Salix amerina, vide Agnus Caflus. 

Salmiac / Minera Salis Ammoniacifeu Armoniaci , wird nun⸗ 
mehro häuffig von unfern Laboranten nachgemadht/ wiewol ned, fang 
nicht vonder Guͤte / ald wie wir folhen ehemahls aus Alıa und Africa 
bekommen / mwofelbft er anden Dertern gefamnilet wird/ wo die Cara- 
vannes oder veifende Geſellſchafften / die viel Cameels bey fich haben/ 
ihr Mittag oder Nacht ⸗ Lager halten/ und wo die Hitze derSonnen den 
Salmiack aus den indem Sand gelaffenen Cameels⸗Urin gleichſam 
ſublimiret / welchen hernach die Einwohner auffanmlenund verkauf: 
fen. Zu mercken ift/ daß der Salmiack in Scheiben allezeit beffer als 
deran Glocken iſt. Der TeutſcheSalmiac beftehet and Meer⸗Galtz / 
und allerley Horn / iſt aber nicht zu allen Dingen nutzbar oder üblich. 
Es gebrauchen ich auch deſſen die Goldſchmiede mehr als die Medici, 
indeflen wird doch der Salmiad unter die 4 Geifter (davon die ;. 
übrige das Queckſilber / der Schwefel und Salpeter ſeynd) gezehlet / 
weil dad Feuer denfelben in Rauch verwandelt / daß er dabon fliehet. 
Seine fonderbahre Eigenfchafft beftehet darinn / daß er das Bold er- 
hoͤhet / und wann erzu dem Agva fort oder Scheide-Waffer geſetzet 
mird/ fofolvireter daſſelbe. Bon denen Chymiften wird der Sal⸗ 
miac genennet: Sal folare, agqvilaCceleflis, alba mercurialis ful'go , 
Sal mercurialis Philofophorum , Lapis Adir, Audix, Anacab, Ala- 
cab, &c. wie indesSchröderi hollſtaͤndigen Apoteck hb. 3. cap. ı5. zu er» 
fehen/ mofelbft auch die Bereitung des Heutigs Tags bey und fo fehr 
bekannten und berühmten Salis ammoniaci folgender maflen angege= 
benwird: Rimm;. Theil rohten Urin von einen gefunden Menfchen/ 
1. Iheil Saltz / einen halben Theil Ruß / diefe 3. bringt man vorher 
durch Kochen ineine Maflam. und-fablimirets. Der in Venedig ge⸗ 
machte Salmiad ift derbefte. Der cryftallifirte Salmiad ift nichts 
anders/ dann ein. aufgemeine Weiſe gereinigter Salmiad / der in 
Waſſer ſolvirt / und nad) einiger Ausdampffung eryftalliiret worden ; 
3. E pulverifire s, Pfund Salmiack / Tapes in einen Kolben auf war: 
men Sand in ʒ. Pfund warnen Waſſer zergehen/ Fierive dag Solvirte 
purch Pofch- Papier / und laß es bis auf die Trockne abrauchen / fo haft 
du ein rein und ſchnee⸗ weiſſes Salhz. 

dalniter iſt bitterer als das Saltz / aber weniger geſaltzen: Es ſchei⸗ 
net / daß der Salpeter das beſte Mittel zwiſchen dieſen beyden ie. 

: 3 


c 


Sal 0091 
Salpeter / Nitrum, eine flüchtige / irrdiſche und falgige Materia, 
welche aus einer ſolchen Erde und Materia zubereitet wird/die an dun⸗ 
dein und fehattigten Oertern (zu welden weder der Sonnenftrahlen/ 
noch der Regen oder ander füß Waller kommen Fan) am häuffigften zu 
finden/ fonderlich aber in Pferdftällen und ſolchen Oertern / die nicht 
unter freyen Himmel / fondern unter dem Dad) (Ind / daman allerley 
Vieh / als Rinder / Ziegen / Schweine/ Schaafe und dergleichen 
aufzuftallen und zu verſperren pfleget / item mo die Leute am meiften 
ihren Urin —8 und endlich an ſolchen Orten / da nad) gehalte⸗ 
nen Feld⸗Schlaͤchten dieltodte Coͤrper in Gruben geworffen/ und mit 
viel Erbdeüberfchüttet worden. Dergleichen falpetrifche Erde nun 
zu probiren/ welches die Eräfftigfte ſey gefchiehet aufdreyerlen Ma⸗ 
nier/ als daß man ein wenig davon auf die Zunge nehme / fo es diefele 
be ſcharff angreiffet/ fo iftd ein Zeichen / daß die Unkoſten und Mühe/ 
ſolche zuzurichten / nicht werde vergeblich feyn ; wo nicht / fo muß fie 
als unnützlich verworffen werden Dieandere Art iftdiefe : Mache 
mit einen hölgernen oder eifernen fpigigen in die Erde gefchlagenen 
Pfahl ein Loch / in folhes Rede ein gliiend Eifen / made das Loch ges 
fchwinde allenthalbenzu/ und laß das Eifenerkalten / nimms alsdann 
heraus / und fo du einige gelbe und etwas zu weiß geneigte Flecken an 
dem Eifen befindeft/ fo darffſt du an der Güte der Erden feinen Zwei⸗ 
feltragen. Diedritte Art beftehet darinn: Gprenge ein wenig bon 
der Erde aufglühende Kohlen / wann ſie dann ein Geraͤuſche und lichte 
flammende Funden von ich giebet / fo darffſtu gleichermaſſen urthei⸗ 
len / daß dieſe Erde viel Salpeters fͤhre. 
Aus diefenjegt-erzehlten Erden / oder auch aus dem Maur · Saltz / wel⸗ 
ches in alten Gewolbern und dumpffigten holen Kluͤfften / aus der Er⸗ 
den zwiſchen den Ritzen herbor ſchwitzet/ wird der Salpeter nach 
Kunſt der Feuerwercker geſotten und gelaͤutert / wobon der gantze !’ro- 
ceis mie mit ſolchem Sieden und Läutern umgegangen werde ) in des 
Simienowiez vollkommenen Fenerwerder und Büchfen-Meifterey- 
Kunftp. m.s4. & ſeqq zuerfehen. . 
ann dergleichen geläuterter Salpeter hieranf den Kauffleuten une . 
ter Händen kömmt / ober aud) von den Feuerwerckern felbft berbraucht 
wird / fo werden/ feine Güte zuerforfchen / folgende Proben vor uns 
fehlbar gehalten: Lege auf eine veine und glatte Hölgerne Tafel ein 
wenig Salpeter/ zunde ihn mit einer Kohlen an / und mercke auf nach⸗ 
folgende Stüde: Wann er ein Geraffel macht / wie dad gemeine 
Saltz / welches auf glüende Kohlen geworffen wird/ fo bedeutet es / daß 
er viel ſolch Saltz bey ſich habe. Wann er einen fetten und dicken 
Schaum gibt/ fobedeutetes / daß er zu fettfey. Wann nach gäntli- 
her Berbiennung des Salpes einige , zurück bleibet / Ir 
3 4 iſts 


1092 Sal | 

ifts ein unfehlbared Zeichen/ daß er viel irrdifche Materie halte / und 
je mehr derfelben Remaneng/ je mehr ift auch derfelben Materie inden 
Salpeter / undalfo ift er um fo viel unreiner und ſchwaͤcher zu achten. 
Denn er aber eine helle/ lange und in viel Strahlen zertheilete Flam⸗ 
me giebet/ und die Tafel rein bleibet/ dap er wie eine reine Kohle ohne 
Schaum und ungebührliches Beräufche ansbrennet/ fo darff man frey 
gedencken / daß er wohl gereiniget und volllommen ſey. Es fchreibet 
auch Joſeph Furtenbach infeiner Buͤchſenmeiſterey / daß dieſes ein un⸗ 
truͤglich Zeichen des Salpeters ſeiner Guͤte ſey / wann nach gebuͤhren⸗ 
der zum andernmahl verbrachter Laͤuterung / nicht mehr als 4. Pfund 
an ıoo. Pfund abgehen. | 
Die allergewifte Probe) die bon den Salpeter / ob er gut ſey / kan ge> 
nommen werden / ift/ daß man einen Eentner deffelben in einen kupf⸗ 
feen Keſſel chue/ und hernach vein Waſſer / bis —* Finger hoch 
uber den Zeug darauf ſchuͤtte / hierauf ſolchen wohl ſie den laſſe / bis der 
Salpeter zu Waſſer wird / wann ſich nun kein Saltz oder Unraht auf 
den Boden ſetzet / ſo iſts ein gutes Anzeigen / und laͤßt man ihm als⸗ 
dann ferner einſieden / nach der Art / wie an obbemeldten Ort des €i- 
mienoviez , item in deſſen 2. Theil p. 40. & ſeqq. gelehret worden. 
Es Reden auch einige Kauffleute / die Salpeter kaufſen / die bloſſe 
Hand / ſo tieff ſie kͤnnen / in den Salpeter hinein / wird ſie alddann 
feucht und naß / fo iſt ed ein Zeichen / daß noch viel Saltz bey den Sal⸗ 
peter / und derfelbe noch nicht recht geläutert fey- 

Nitrum fixum zu machen, fo ninnm Salpeter ». Theil / Hein geftoffene 
Kohlen ı. Theil / menge folches wohl unter einander/alödann made un= 
ter einen eiſern Topff ein gut ſtarck Feuer/ bis der Boden unter gluet/ 
dann trage Die Mareria darein / wirff noch ein * Kohlen darauf/ 
ehe eö gar kalt wird / Frage die Materia miteinen Löffel heraus fonften 
ſetzet ie ich an dem Topff hart an / wann du dieſes Nitrum fixum wie⸗ 
derum ineineneiferu noch warınen Topffthuft/ und ihn an einen feuch⸗ 
ten Ort oder in einen Keller ſetzeſt / fo wird ed in Furger Zeit zu Waſſer / 
das Niltrive per Chartam, damit die und andere Unreinigfei» 
ten davon kommen / dephlegmire daffelbe ein wenig / fo haft du ein 
Menftrurim, welches aus dem Regulo Antimonii,Martiali und audern 
ſchwer zu folvirenden Dingen/ durch Die Digeflion in etliche Wochen 
eine Rohte ausziehet/ als dann nimm einen hocheredtificirten Spiritum 
vini, gieß ihn über ſolche Solution, fo wird der Spiritus vini ſolche Roͤh⸗ 
te alte in ſich ziehen / und (ich mit dem Menftruo gar richt vermengen / 
fo dann kauft Du ſie durch ein Separatorium bon einander ſcheiden / und 
die Exttoclion durch Abrauchung oder Abziehung des Spiritus vıni 
sroden befomuen/ die man fo dann mit Regen⸗Waſſer wohl edulco- 
uirt / und heruad die Materiam abermahlso wit friſchen Spiricu vin; 

| wie- 





Sal 109; 


wieder folviren kan bon diefer Materia ein Theil folvirt / iſt gut zn 
Kräutern und Suamen. 
Den Satpeter felbft zuzeugen/ fonimm ungelöfchten Kalck / Löfche ihn 
mit Regen Wafler/ fo mit dem Nordwind gefallen ift / des Kalchs 
nimm 3. biertel/ Schaafss Urin ein viertel/ und Schaafs⸗Miſt z. vier» 
tel/ alles wohl durch einander gefchlagen / mit nemeinen Salt wohl 
befprenget und durchgefchlagen/ dieſes brauch an ftatt des Kalcks / und 
maure damit ein Gewoͤlb z Steinedid/ 4. Ellen hoch/ und fo lang als 
man will / auf dad Gewölb machet man einen Barten von Sal: 
peter⸗Erden / befprenget ihn im zunehmenden Mond mit geſammleten 
Regenwaſſer / der mit dem Nordwind gefallen / mit Salpeter⸗Lauge 
und Schaafs⸗Harn gemiſcht / thut das alle 14. Tage / fo waͤchſet der 
Salpeter ſehr. J 
Den Salpeter zu cryſtalſiſiren oder zu caneliren / ſo nimm ein Pfund 
Salpeter und ein Maaß Waſſer / fee es in finde Waͤrme / daß es dar- 
Inn zergehe / und ein Theil des Waſſers ausdaͤmpffe / wann man nun 
ſiehet / daß er wieder anſetzen will / fo ſetzet man ihn in einem Keller 
oder ſonſt an einem feuchten Drt / fo calcinırt ſichs In 24. Stunden/ ift 
alsdann noch etwas Wafler übrig/ fo gieſſe es ab/ ſetze es wieder in ge⸗ 
linde Waͤrme / wie zuvor / fo iſt nichts berlohren. 
Der Dre Salpeter⸗Handel geſchie het heutiged Tags in Holland/ 
woſelbſt folher von der Oft: Indifchen Eompagnie / die jährlich eine 
roſſe Quantitätheraus bringen läßt / gefaufft wird. In Neu⸗Hi⸗ 
ien foll die gantze Mericanifche See fo voll reinen Salpeters und 
weiffen Aphronitri feyn/ daß man denfelben fo gleich ohne fernere Laͤu⸗ 
terung brauchen fan. Ben denen Chymiften wird der Galpeter Cer- 
berus Chymicus, Sal infernalis, Salfulphuris, Hermes, Baurach, Al- 
gali Sal Anderonæ, Anatron, Cabalatar, Serpensterrenus „ item Sal 
Bermaphroditicus genannt / und vermittelft feiner Reinigung/ Cal- 
cination, Deftillation und Extradtion, unterfchiedlihePraparara aus 
denfelben heraus gebracht / ald Lapis Prunellx, Nitr. tabularum oder 
pr&paratum, fixum anodynum oder Chryflallum minerale Sal poly- 
chreftum, antifebrile, Chryftallum minerale Sacchararum , Nitrum 
perlatum, Nitrum faturnıfatum, Chryftall, Nitr. oder Draco fortifi« 
catus, Terrafoliata Nitri ſ. Cloff, Tartarus Vitriolatus Bartholeti , 
Nitrum Vitriolatum DacisHolf, Panacza duplicata , Arcanum du- 
plicatum, Salcacheticum chalybeatum ; vermittelſt der Sublimation 
dat man die Salpeter⸗Blumen; durch die Deſtillation fommt der Spi- 
titus Nieri, Die Aquæ Cauflicz oder Agra fortes, & Aqva Regia, Wie 
aber ſolche Species alle componitvet /und die Salpeter-Pauge aus der 
Erde gemacht / und endlich der Salpeter recht geldutert werde/ ſolches 
bejiche in des Schröderi vollſtaͤndigen Apoted‘/ lib. 3. cap. 23 — 
Zi, em 


en 
1094 Sal 


den ſchon obangeführten Siemienowiz,Furtenbad) und andernAutho” 
ribus, die bon der Artiglerie geſchrieben. | 


Salfamenta, eingepoͤckelte Sachen dabon werden bey den Alten ſon⸗ 
derlich gerühmt Salfamenta Horæa, Melandrya, Thynnia , Pontica 
und dergleichen. Dieben uns heut zu Tage gebraͤuchliche Salfamen- 
ta ſeynd Laͤchſe / Stoͤre / Cabliau / Hering / Sardellen / Hechte davon 
unter eines jeden ſonderbare Benennung mit mehren gehandelt wird. 


Salſen⸗Ampffer / Aeetoſarotunda. 

Salvia, Salbey iſt zweyerley / als zahmehortenfis, und wilde cam- 
pefris & ſylveſtris, jene ift wiederum entweder groß oder klein ma- 
jor & minor, breitund ſchmalblaͤtterig / latifolia & anguflifolia, mit 

rauſen und nicht krauſen Blättern/ folio Crifpo, velnon Crifpo ‚fie 
Fleinefte ift entweder geöhret oder ungeöhret/aurita vel non aurita,die 
wilde ift (1-) Wild-Galbey/ Wald⸗Scharlach / Salvialylveftris vera, 
Horminum, Colusjovis, (2,) Wald⸗Salbey / Scordium Sphacelus, 
(;.) Alpen-Salbey / Salvia nigrior, Marrui'um montanum, pfeudo 
Nlackysalpina. Beyde werden in Gärten unterhalten; fie treiben 
den Urin und flärden das Haupt. Hieher gehöretauch die Eretifche 
Salbey / Salviacoccifera, baccifera , deren Beeren —— aus 
Ereta und Cypern zu und heraus gebracht werden / welche eine gute 
Magen ⸗ Artzeney ſeynd. In Indien ſoll die Salbey ſo angenehm ſeyn / 
daß ſie 2. Pfund Thee gung willig vor ein Pfund Salbey geben / wor⸗ 
aus unſere Thorheit erhellet / daß wir unſere Aromatiſche herrliche und 
geſunde Kräuter nichts achten / und hingegen ein Krafft⸗loſes Thee- 
Kraut hoch ſchaͤtzen / ja gar mit vielem Geld bezahlen; Sed mundus 


regitur opinionibus. 


Zalviren / in Sicherheit bringen / daher ſagt man: Schiff und Gut 
iſt nunmehr in Salvo oder in Sicherheit. | 

Salvoerrore, oder Salvo errore calculı, fegen Die Kauffleute gemei⸗ 
niglich unter ihre Nechnungen/ damit) warın ſie etwas vergeſſen / oder 
fich verrechnet / ſie ed nachfordern/ und wieder einbringen Fönnen. 

SalvusCondudtus , einficher Beleit / wird reifenden Kaufleuten 
auf ihre Perfonenund Bütern/ aud) denen Bangverottirern gegeben/ 
daß tie fich frey einftellen / und mit ihren Creditoribus accordiren 
mögen. 

Sambucus, Hollunder/ iſt zweyerley Art/ als niedriger und Baum⸗ 
Hollunder / oder humilis & arborea, von dem Rieder-Hollunder beſie⸗ 
he Abulus, der Baum⸗Hollunder it wiederum (1. )gemeiner Hollun⸗ 
der/ vulgarisdomellica, ()Hollunder mit ausgeſchnittenen Blättern/ 
laciniata, (3) Baum:Rofen-Schlieeballen/ rofca Lycolta phylos ma- 

fcula 


u = —“ 





* 


Sam 1095 


ſcula. (a) Wacholder / Agvaticapalultris, (5) wilder Mald:Berg 
oder Hirfhholder / Sambucusfylveflris montana cervina; der ges 
meine wächft an feuchten und ſchattigten Orten/ an den Mauren und 
Zäunen. Der Hollunder mit ausgefchnittenen Blättern wird in 
Holland in Gärten geheget.Schneeballen findet man häufig in unfern 
Gärten. Bachholder flehet an den Baͤchen / der wilde wird an bergichten 
und mooflichten Drten angetroffen. Desgemeinen KHollunders jun⸗ 
ge Sprößlinge dienen zum Salat / erweichen den Leib/ und machen zu 
weilen auch brechen; die Blätter führen per ſedes ab / treiben den 
Schweiß und Monat:Zeit/ dienenbor den Huften. : Aus den Beeren 
wird gemacht (1.) der dicke Safft / (2.) die Tinctur, (3.) der Spiritus, 
und (4) die Tragea, &c. 

Samech, Meinftein-Galß. 

Spaniſche Erde/ Semia Terra, oder LapisSamius, iſt eine weiche 
Erde / die ſich leichtlich in der Hand zerbrechen laßt / Faft wie ein 
Thon oder Leim ; etliche heiffen ſie auch Collyrion, und theilet ſie Pio- 
ſcorides ein in weiche und leichte / welches die obbemeldte ift / und in 
Eruftaccam, die eine dicke und härtliche Subftang / gleich einen Wetz⸗ 
ftein hat; dieſe wird calcin vet und gewafchen wie Ercetriades, wird 
- auch dafür gehalten / daß ſie eben diefelbg Kraft und Tugend habe/ 
fonderlich wider Bifft und Schlangen⸗Biß. Die Goldfchmiede ge» 
brauchen aud) Lapidem Samium, das Gold damit zu poliven/ und hell 
und fchön zu machen. 


Samiſch Leder/ vide Sämifch Leder. 

Sammer) Lateiniſch Vnlutum. Frantzoöſiſch Velours, Italiaͤniſch 
Veluto iſt eine ſehr bekannte / koſtbare und bequeme Tracht zu Kleidern / 
Beziehung der Mobilien / und vielen andern Gebrauch mehr / er 
kam erftlich aus Italien und Franckreich / heutigs Tags aber / da 
Zeutfchland mit fo viel herrlichen Manufacturen pranaer / gibt Ham⸗ 
burg fo viel Sammet aus daß es faft alle Nordifche Känder / und halb 
Teutſchland damit verſiehet / wie deſſen die feftbare Gewoͤlber / die 
die Hamburger Sammet - Händler in Leipzig haben / Zeugen feyn 
können /der Sammet an fich felbft iſt unterfchiedlicher Sorten / der 
feftund dick gefchlagene wird guter/ und der dünngeichlagene fchlech: 
ter Plüfh-Sammetaenennet/welhen Rahmen auch derien.ge führet/ 
der Leinen Boden hat. Wenn der Gamer fehr tanghärig iſt fo 
heiſt er ein Peltz· Sammet / weiler an ftatt des Peltzes untergefut- 
tert wird. Heut zu Tag wirdaud ein Art Sammet fo wohl glatt ale 
gebtünst bon Eameel-Hauren und Peinen- Faden durch einander ge» 
wircket / welcher den Nahmen des Cameels Haaren Plafches fuhret. 
Man laͤſſet auch wohl auch Erheiſchung der Sachen / die Quaͤſtlein 


unart⸗ 


r 


1096 Sam ' z 


— — ô — — EEE. — 
unauffgeſchnitten / welches man einen geriſſenen Sammet nennet. 
So laſſen ſich auch allerhand Blumen und Figuren von Sammet auf 
einen glatten Boden vorſtellen / und ſolches nennet man den geblüm⸗ 
ten Saͤmmet. 
Es wird auch ferner der Sammel’ eingetheilet / in bier / drey / zwey 
und ein und ein halbhärigen Sammet / welcher Unterfcheid daher 
kommt daß bey den vier Haar-Sammet mehr Seydene Fäden zu 
den fo genannten Poil ald zuden andern/und ringhärigten Sammeten 
enommen werden / dahero er auch dicker und fefter als die andere 
ammetift/ man erfennet aud) den vier Haar -Sammet / an den 
bier Streiffen/ welche er an feinen beyden Leyften/ Lifieres oder Saͤl⸗ 
Banden hat / gleich wie hingegen bey den drey Haar: Sammet nur 
drey Streifflein und fo nad) Proportion bey den zwey Saar zwey und 
bey der legten — nur einzufinden. Die hoben Sarben haben 
zum Unterfchied ihre Leyften mit einen Gold und Silber-Faden 
durchzogen / nachdem der Sammet dicht / ſchoͤn von Couleur, ſchwer 
und breit ift / nachdem ift auch deffen Preiß von. bis 3. und mehr 
Reichsthaler die Elle/vor diefen ift Fein andererSammet als Italiãni⸗ 
fcher gebrauchet worden/ und ift fonderlic der Genuefer und Mäy- 
ländifche beruͤhmt geweſen heutiged Tages aber hat Hamburg in dies 
fen Handel den Vorzug zum Beweiß daß es nur bey und Teutſchen 
felbft ſtehe / daß die fremde Manufadturen in unfer Fand introducirt 
und darinn fo glücklich ald anderwaͤrts pradticiret werden, 

Sammer-daum/Amaranthus, _ 

— Roſen / Lychnis CoronariaDiofanthos, 

— Roͤßlein / Flos indianus, Tages indica. 

— pappeln / Malva Theophrafli. 

Sana Munda, Caryophyllata. 

Sana Sancta, Nicotiana herba Tabaca. 

Sanct Antoni Kraut / Prunella. 

— Johannis Blum / Flos 8. Johannis, Buphthalmus. 
Jacobs⸗Blum / FlosS.Jacobi, Jacobea, Senetio major, 
Georgen⸗Kraut / Herba 8S. Georgii. Valeriana major. 
Fohannis-Araut/ Hypericon perforata. 
Ehriftophs-Arame/ViciaSylvellris,Aphace, . 
Perers:Arant /HelxineParietaria, 

Peters⸗orn /Spelta,Zea,Semen, R 
Peters Schlöffsl/Betonicaalba,primula veris. 
Georgen⸗Wurtzʒel /Sqvamaria dentaria majorMatth, 
Quirins⸗Axraut / Farfara. | 
Runigundis-⸗Kraut / EupatoriumAvicen. 


BEE ZUTES 


4 
| 
) 


San 1097 


St. Johannis-Gärtel / Artemilia. 

—. TJohannes-Beer/Rıbes, 

—  Tohannis-Brodr/Siligva dulcis, 

— Johannis Pferfing / Perlica Precocia, 

— Baͤrbel⸗Kraut /Barbarea ‚ Herba SanctæBarbaræ. 

— Esthrinenölum oder Riedlein/ Nigella , melanthium 
fativum, — ——— 

Sand oder Srieß · Stein / Lapis Nephriticus, 

Sandarachafftein gewiſſes Gummi / und zwar in den Unterfcheib 
daß ein anders ift der Araber , nemlic von Wacholder bey ihnen 
Sandarox genannt / ein anders der Griechen / foeine Art von Auri- 
pigment , doch aber röther als Auripigmentift / dahero es auch rother 
Schwefel genennet wird / weil es hoch roth / gang rein und brüchig 
an der Farb / wie ein Einoberift / und einen fchwefflihen Ge: 


ruch hat. 
Die Sandaraca gleich einen polirten Agtftein zu machen / fo nimm der 
Sandaraca fo Hiel du wilt / thue edin ein fauber Tuͤchlein / und habe 
zur Hand einen. Topff mit jledender gar ſcharffer Bauge von Büchen 
Afche/in dieſer Lauge / weiche roͤthlicht feyn fol ) halte das Tuͤchlein 
mit der Sardaraca , etwarın 6. Minuten lang / ſo wirft du es hören 
knaſtern / alödann nimm es heraus / und halte es in einen andern 
Heinen Topff darinn Ealt Waſſer iſt ız. Minuten lang / fo iſt es fer⸗ 
tig / und wird wie Bold / oder wie ein polivter Bern oder Agtftein 
auöfehen. 

Sandel⸗Holtz / Santalium lignum, waͤchſt haͤuffig inOfindien/vi- 
de Santalum vel Santalinum. 


Sandel / weiſſer und gelber / dieſer iſt von den weiſſen darinn un⸗ 
terſchieden / daß wann man etwas davon auf kohl Feur legt ſo gibt 
er einen guten Geruch von (ich / und wirfft auch ein Gummi auf/wels 
ches der weiſſe nicht thut dann der hat gar feinen Geruch / ift 
auch auffen herum etwas ſchwaͤrtzlicht / wann der rothe Gandel 
iR/ und die Adern nicht gleich auf einanderdurchgehen/fo 

er gut. _ 

- Sandix ein rothes Pulver / oder vielmehr calcinirted Bleymeiß/ 
welches ander Farb und Gebrauch mit dem Minio IR überein fommt/ 
jedoch aber wohlfeiler ift und dannenhero auch mehr ald der Sandix 
gebrauchet wird / warn das Bleyweiß nicht ſtarck in Feuer gebren- 
net fondern nur gelind geröftet wird / ſo entſtehen daraus einige an⸗ 
dere Farben / welche insgemein Maflicors oder Maflichots genennet 
werden. Die Holländer uͤberſchicken wohl drey bis Hier Sorten/ 

nem⸗ 


Jr 


1098 e Sat - 


nemlich die gemeine / mittel und feine‘ / welche von unt hiedlichen 
Farben ſeynd / nachdem ſie durch viel oder wenig Feber gegangen. 


Laͤſſet man das Bleyweiß oder Zinn» Kalck nur einwenig Zeit im 


Teuer / fo wird es etwas geblicht / welches das weiſſe Mallicor ges 
nenuet wird : kaͤſſet man es kinger darinnen / wird es recht gelb uud 
gibt das gelbe Maflicot , treidt man das Feuer ſtaͤrcker / fobefomme 
es eine Goldgelbe Farbe / davon ed auch den Nahen hat / und 
auf ſolche Manier koͤnte man noch die bierte Art Maſſicot zumege brine 
gen / wann man das Bleyweiß fo lang im Feuer arbeitete / bis es 
gang roth wide / weldes doch nichts anders ald das obige Sandıx 
oder gemeine Vemillion waͤre. Sonſten aber / muͤſſen alle Maſſicots⸗ 
ſchwer ſeyn / doch aus einen zarteften Pulber beſtehen / und doch an der 
Farbe ſeyn / nachdem es die Art und Sorte erfordert / (ie werden ins⸗ 
geſammt zur Mahlerey gebrauchet. . > | 
Sangvis Draconnm Draden-Blut/ift ein wohlbekanntes Gummi / 
fo zum Mahlen und Lacciren gebraucht wird / es iſt unterſchiedli⸗ 
cher Gattung / die doch alle von einen. Gewaͤchs kommen / aus den 
erſten / welches unrein / machen (le ger ein feines lauteres Drachen⸗ 
Blut/ weldes man in Schotten bindet / hernach machen fie ein et⸗ 
was geringeres / jedoch vein / aber den erftennicht glei) / und thuus 
in Brod formiren/ einige aber verfalfchen das ſchlechſte / wie wir dan 
jetziger Zeit kaum ein gerechtes/weldyes ohne Zuſatz des Arabifchen 
Bummi fey/ zu fehen betommen / der Baum bon welchen diefes Gum⸗ 
mi des Draden-Bluts konumt/foll eine Frucht tragen ald bey und die 
Kirſch⸗Baͤumie / und vorh Laub haben/ er ifthäuffig auf der Tuful Ma- 
dagafcar zu finden. Das Draden- Blut muß fchön Har und hochroth ın 
Zerveiben feyn/und (ich gern brechen laſſen / ed lolvirt ji) zwar in war» 
men Waſſer und macher es Wild» Farb / aber fonder Vermiſchung / 
dann warn ed wieder Falt worden, fo feget es ſich auch / und hänat ſich an 


die Seiten des Gefaͤſſes / etliche meynen daß ſolches des Diofcoridis 


Cinnabaris fey. Seine Berfälfchung geſchiehet mitgiegenoder Bocks⸗ 
Blut dahero eö feine Wuͤrckung in der Artzeney / die ihm Die Alten zu⸗ 
geleget nicht allemahl thun will / indem es nicht allzeit adſtringiret / wie 
es wohl (wann ed unverfaͤlſcht iſt) thun ſolte dasjenige welches dDieMa- 
texialiſten feil haben / und in Blättern eingewickelt / tſt ſo roth als Zino⸗ 
ber / welches daher kommt weil es gereiniget und wiederum inſpisſiret 
worden iſt / nachdem man die Lacrymam vorher mit Spiritu Vini aus⸗ 
gezogen hat / ſintemahl wann das Drachen-Blut in ſolchen infundi. 
reiwed / es die zierlichſte Farb von ſich gehen laͤſſet / welches in Waſ⸗ 

fer uud Del nicht geſchiehet. 
Sangviforka Rimpinella , Sorbiaria welcher Bibernel/ ift major 
und 





— ——— SEHE — um 
un | 


San . 1099 


—— —— — — —— — — — — — 
nd minor, hirfuta & læris, welcher geſtalt die welſche Bibernelle 
you der gemeinen unterſchleden werde / iſt aus folgenden Verß zu 
_ Pimpinella pilos : Saxifraga non habet ullos. | 
Sie wird beyuns in Gärten gepflanget und bludet im Majo und Ju- 
nio. Die Chirurgi brauchen ſie viel zu den Wund-Tränden/ite ſtillet 
auch den Blut-Fluf. Dasdarausdelillirte Waſſer wird fehrgelobet 
wider die Schwindſucht. 


‚- Sanicula Fertaria Eonfolida , Sauickel / Bruch⸗Kraut / die Blätter 
dienen inn-und:Aufferlich zuden Wunden uud Gefchwüren / dahero 
es auch aSanando, confolidando & Ferruminando,, weil es die Wun⸗ 
den gleichfam zufanımen Häfftet / feinen Rahmen führer. 


Sanicula montana, flore calcari,Pingvicula Berg-Ganidel/ waͤchſt 
gern auf Stein-Felfen / der Safft davon heilet ebenfalld die Wun⸗ 
den/daher dad Sprichwort kommen: non eget Chirurgogvi Sanicu- 
lam haber, der bedarff keines Barbiererd der Sanidel bey der Hand 
vw Etzliche fagen gar / es häffte die Wurtzel wann es beym Fleiſch ge- 
otten wird / das Fleifch wieder in ein Stück zufammen / fo zu probi⸗ 
ven ftehet / und die Erfahrung bekraͤfftigen mag. Es taugt auch in der 
rothen Ruhr / und iſt faſt nichts beffers als diefe Wurtzel / wann man 

fie mit den Pulver von Schlangen Hertz und Leber gebraucht. 
Santalum velSantalinum lignum album weiffer Sandel / Citrinum 
[ber Sandel / Rubrum rother Sandel / unter viefen drey Sandei» 
Sibern wird allenthalben der rothe vor den fchlechteften und gemein⸗ 
fien / der jedoch am beften abgehet/ gehalten/ dann es wird so. Pfund 
rothes geftöffened Saudels verfaufft/ che man nach weiffen und gelben 
—— rothe Sandel wird meiſtens auf Mühlen geftoffen/ und alfo 
berkaufft / gantz gehet er auch wie der andere im Schwang / der gelbe 
und weiſſe Sandel wird inder Artzney um feiner beffern Krafft und 
Geruchs willen ein mehrers als jener gelobt/diefe beede Sorten werde 
auf der Inſul Timor , allwo gange Wälder mit weiß und gelbSandel 
find / gefunden/ die Bäume gleichen fich unfern Nuß-Baͤumen / has 
ben eine Frucht ald Kirſchen / welche aber nicht verlangt wird/alle drey 
Gandel wachſen in Indien / abfonderlich in java und Sumatra, in 
gleichen in Pegu und noch mehr Orten/mit den geſtoſſenen rothen Sau⸗ 
del / welcher meiftens bey Straßburg gemacht wird/gehet auch zim⸗ 
licher Betrug vor/ indem ihme.öffters feine befte vorhe Farb entzo⸗ 
gen worden / zwiſchen den weiſſen und gelben iſt Die Prob / daß der 
gelbe auf dem euer einenlieblichen und ſtärckern Geruch als der weife 
ſe / der offt ander Farb nichts den gelben vorgibt/ von (ich giebet/ und 
gleihfam wie ein Hartz gegen jenen beeden iſt. Erafmus Francifci 
| fchreibt 


A 


100 Ban So 


ſchreibt /dap die Indianer ſowohl ald Juden und Heyden dieſe beede 
Sandel ſehr lieben / und ſtoſſen / hernach zu einem Breygemadt / an 
ihrem Leib gebrauchen / und von den rothen Sandel ihre Abgoͤtter 
und Pagoden machen laffen/ in der Argeney braucht man ihn un« 
ter’ diejenige: Medicamenta , welche den Kerken und Hertzklopffen 
dienlich feynd / dad Decodtum davon iſt auch gut in Phrifi und Arro- 
phia, auch werden Sulcp wider die Fieber dabon bereitet. 


Santolina, cupreflus herba. | 

Santonicum , Semen Sandum ‚ Zedoarie , Cinnz-, Sementi- 
na, Abfinthium Seriphium , Alexandrinum Wurm-Saanıen/ Zit⸗ 
wer⸗Saamen. Semen contra vermes oder nur Semen Contra genannt 
ift ein Kleiner länglicht und gelbgrünlichter/bitterer/fcharffer Saamey/ 
eines ſtaxcken Geruchs / welcher bey den Matcrialiften und Apothe> 
ern fehr abgaͤnglich iſt / er fonımt aus Perfien und Mofcovien und 
von dar über Holland und Engelandzu uns in Teutſchland. Diofco- 
rides hält e8 Doreine Art des Wermuths / einige vor ein Art derStab⸗ 
wurtz / wie dann auc der vechte Wurm⸗Saame mit der Stabwurtz 
oder Reinfahren Saamen gar offt berfälfcher wird / weswegen man 
wohl zufehen muß / daß man ihn recht ſauber / dick / koͤrnicht / laͤnglich / 
grünlicht und friſch / auch von guten und ſtarcken vn Sr ſinte⸗ 
mahl der falſche viel leichter und geblichter iſt / auch mehr klein geſchnit⸗ 
tenen Hexel oder Stroh als einen Saamen gleich ſiehet / und weil die 
Materialiften gemeiniglich / den alt verlegenen viel wohlfeiler als 
den friſchen verkauffen / daß ſie deſſen nur loß werden / fo wird ein 
rechtſchaffener Apothecker hier ſein Gewiſſen inacht nehmen / und im⸗ 
mer die beſte Sorte ſich anſchaffen / die ſchlechte aber den Storgern 
und Landſtreichern / welche das arme und einfaͤltige Volck damit be⸗ 
triegen/überlaffen. 
Es vathen aber faft alle Medici, da man den Wurm-Gaanıen zu 
Austreibung der Wuͤrmer nicht allein / fondern mit andern laxiren⸗ 
den Medicinen ‚ als Rhabarbar, Spec. diaturbith c.Rhabarbaro und 
dergleiheneingeben fol. Damit die Würmer fo bald fie getoͤdtet 
und geftorben feynd/ auch auögeführet werden moͤchten / anders (le zur 
Fäulung im Leibe gerathen / unddadurd ein heßlich ſtinckender A⸗ 
then / Wurm⸗Fieder und dergleichen Krandheiten erregen würden, 


Sapaift eben fo viel ald Roob, eigentlich aber wird ein frifcher Moſt 
der infpishivet / und bis auf dem dritten Theil eingefocht worden/ dar» 
unser berftanden. 

Saphier,Saphirus $taliänifch Zaffıro Sranköflf Saphir, ein ſchoͤn 


blauer Edelgeftein / theils weiß/ theild Himmelblau/ man Fan ges 
ur 





ne — J > — — 


Sap | an 


——— — — — — — — — — — — 
durch Kunſtweiß brennen / poliren und den unwiſſenden vor Diaman: 
ten verkauffen / die Ortentalifchen fo man in Pegu, und Calecut findety 
feynd die beſten / nach diefen die Böhmifchen fo aber braun und klein 
feyn/ dem Saphir wird faſt eben eine ſolche Haͤrte zugeſchrieben alg 
dem Diamant | | 
Die Berfälfhung oder dad Nachfünfteln der Saphire, gefchichet manız 
man z. Böhnifhe Demanten nimmt / und folde mit einen duͤnnen 
Himmelblau gefärbten Blabe unterleget / werden folche Steine nicht 
anders ald Echte Saphir anzufehen feyn / oder nehmet weiſſe Kiefel- 
feine aus dem Bach / laſt fie in ſtarcken Feuer glüen / und löfchet ſie 
alddann in Wein⸗Eßig wieder ab/ diefe Arbeit wiederholet ſechs oder 
ſieben mahl allezeit in deniſelben Wein⸗Eßig / machet (ie Hievanf zu 
Pulver in einen Eiſern Moͤrſel / thut ſie in einem Schmeltz ⸗ Tiegel mit 
fo ſchwer blau Smalta als die Kieſelſteine ſeyn / thut auch etwas Feuch⸗ 
tigkeit von Weinſtein darzu / welche alſo ſoll gemachet werden. Cal- 
einivet den Weinſtein / und feget ihn an einem feuchten Ort in einem 
Hippocras Gad / fo ſammlet id) an dem Ende des Sacks eine Feuch⸗ 
tigkeit / die der Weinftein machet und ſich in Waſſer verändert, 
Hierauf bedecket den Schmelg-Tiegel und feet ihn ins Feuer / bist 
GStundenlang bis die Marla gefhmolgen / item, Nehmet 10. LothChry⸗ 
fallenoder Kiefelfteine/ ein halb Loth Zafferay s. Loth Salpeter eben fo 
Hiel Pottafche/ und nachdem manes ſtarck oder bleich⸗blau haben 
will / na HIdem muß auch von der Zaffera viel oder wenig genommen 
perden. 

Eine an dere Art einen nachgefünftelten Saphir zubereiten iſt auch diefe, 
Rimm desbeften Chryſtalls ſtoß es Flein /und flebe es aufis allerfein⸗ 
ſte durch / nimm auch ein ſchoͤn Laſur der Harfen / oder fhön gruͤn/ 
welches aus Gruͤnſpan gezogen worden / ſtoß und reibe es — 
mache ed mit Eyerklar zu einen Teig / von ſolchen mache Ringe / oder 
Zain oder vas du fonft haben wilt / leg es hernach auf ein breites Eiſen / 
daß kein Feuer daran komme / wann es nun ſchmeltzet und wieder gang 
bart wird / ſo nimm es heraus. 
Einen Saphir zum Diamant zu machen / procediret man folgendes 
eſtalt wanı der Saphir wohl glängend/ aber doch zimlich blaß iſt / 

9 wirder mi Bold zuſammen gefüget/ und bey gelinden euer fo laug 
gelaffen bis das Bold ſchmeltzet wann er nun :. oder +.Stunden in der 
Hitze geſtanden / nimmt man ihn heraus / daß er allgemach abEühle/ 
ſo findet min einen Diamant/ und die blaue Farb verlichrer ſich / 
darum diesleichften Saphir die beften hierzu feyn /andere kochen den 
Saphirn Htin Golde / fondern begraben ihn nur allein in Kreyde/ 
undlegen.dn ins Feuer / es gehet dieſes eben fo wohl an / beydes aber 

| Yaaı muß 


nor Sap 
muß per gradus erhitzet und abgekuͤhlet werden / bleibet ein Fleckeu 
daran fo iſt er gewiß vorhin ſchon darin geweſen. 
Eine andere Art die Saphir nachzumachen iſt auch dieſe / man nimmt 
S Tartari, Saldi Sola, jedes i.Quentin / caleinirten Chryſtall ·. Wen⸗ 
tin / und verfähret damit Kunſt gemäß. Item man nimmt der ſoge⸗ 
nannten Fritta 2. Loth / s. Gran praparirte Zaffera oder Kobold / mi⸗ 
fchet ſolches wohl untereinander / und Läffet ed zufammen flieflen/ ift 
nundieCouleur recht / fo macht manesin gröfflerer Menge zuſam⸗ 
nen / und behälts zum Gebrauch / weilen nicht allemahi eine Zaffera⸗ 
FJarbe wie die andere iſt / dann offt hat man ein Zaffer die ſchoͤn blau / 
bald blaß iſt / derowegen iſt es billich / daß man zu erſt klein Proͤblein 
mache / damit man ſich in groſſen hernach deſtobeſſer darein finden/ 
undjicherer gehen koͤnne. Es wird aber gemeiniglich der Fritta ges 
nommen 14. doht / praparirten Zaffera ı1. oder 12. Granu / dieſes wohl 
gericben und vermiſcht / und wie ob edacht flieſſen laſſen. 
Item , Man ſnimmt ſchoͤne Flintenſteine / gluͤhet und loͤſchet ſie offt in 
Urin / Eßig oder falten Waſſer ad / bis ſte ſich zwiſchen den —— 
dben lafſen / als dann ftößt man ſoiche in einen ſteinernen Moͤrſer zu 
fubtiien Pulver / und mwäfchet mit kalten Waſſer allen unreinen 
Schlamm derdie Steine fonft ſehr verdunckelt / auf das befte dabon/ 
alsdann nimmt man deſſens Loht mit Salpeter / item Nigirten Arſeni- 
cum 16, Loht / geläuterten Salpeter 2. Loht / Borras ein. halb Loht / 
reibt das Arlenicum mit den slinten ein- Pulver erftlich in eiuen Meſ⸗ 
fingen Mörfer wohl umy bis es geftoffenen Schiefern gleich ſie het / als⸗ 
dann den Borras und Salpeter darzu gethan / und wohl bernenget; 
damit ſie aber nicht zu grün fpielen / thut man 4. Gran caleinirten Zaf⸗ 
fer darunter / fo fpielet er als ein Orientaliſcher Saphir. 
Item ninitt der praparirten Cryſtallen 8. Loht / ſchoͤner Meunig 3a, 
Loht / praparirten Saffran 42. Gran / vermifche es wohl unter einan⸗ 
der/ und laß es wohl ſchmeltzen. | 
Item. nimm der praparirten Cryſtallen s. Loht / ſchoͤner Menning 18. 
Loht / der ſchoͤnen Mahler-Smaltensz. Gran / vermiſche ales auf das 
veinfte unter eingnder/ und verfahre damit / wie gemeldet. 
ner werden bon denen Scribenten viererley Geſchecht der Sa⸗ 
phir gezehlet: / 
aderiteund beſte darunter wird feiner herrlichen und Himmel» 
blauen Farbe halber Saphirus Cœruleus vel Cyaneus genaint. 
Das andere Gefchlecht ded Saphirs / neiget ſich vonder blaien Farbe 
auf grün/ der wird Grichifch Prahitis oder Saphirus Prafitis genennet/ 
die Simplieiften nennen ihn Saphirum viridem, einen grünen Saphir. 
Das dritte Gefchlecht neigetfich von blau aufeine Bold-Farıe/ wird 
Grichifd) Chryfitis oder Saphirus Chryftis genanut/ Die Simvliciften 
yennen 


| Sap 10} 
nenken diefen Saphirum Aureum, zu teutfch einen Bold · Saphir. Dies 


fer Edelgeftein hat güldene Düpfleinoder Flecken / wie Plinius lib, 37. 
«ap. 9, folchen befchreibet, ' 

Das vierte Geſchlecht ift Lichtmilch⸗faͤrbig / neiget fich von blauen auf 
eine lichtweifledurchlichtige Farbe. Diefer wird von denen Simplici- 
flen Sapbirus Candıdus, und zu Teutſch ein weiffer Saphier genennet. 
Man gibt fie oft für Diamanten aus; fie werden aud) in Weiblich 
und Männlicheeingetheilet. Derienige Stein / den Pliniusan etlie 
en en Saphir nennet / iſt nichts anders als der Cyanus oder La- 
für-Stein. | 

Die beften Saphire müffen fo Hart feyn / daß fie nicht koͤnnen gefeilep 
werden. Man findet auch in Engeland ſchoͤne milchfaͤrbigte mit bla 
vermiſchte / aber dabey Sehr weiche Saphir / diefe nennet man Leuco- 
Saphirus, ſie feynd aber mancherley Schaden unterworffen. 


Die Eigenſchafft und das Vermögen des Saphirs ift kalt und tro⸗ 
den/ wie aller anderer Edelgeſteine; man ſagt / daß er gut ſey wider 
ale Fieber/ daher diefe alten Verſe: 


Corporis ardoremrefrigerat interiorem 
.. Saphirus & Cyprie languida bota fact, 

Die guten Saphier ſtͤrcken das Geſicht; fie folten and ihren Glantz 
berlieven / wann fie bon Ehebrecherifchen Leuten am Finger getragen 
werden; Mangibt aus) vor/ daß ein guter Saphier den Gifft derinaf: 
fen zuwider fen/ daß fo er zueiner in ein Glas gelegetwird/ / 
die Spinne alfofort davon ſterbe. Die Heyden heiligten diefen E— 
— * dem Abgott Apollini, weil ſie in der Meynung ſtunden / dag 
Bann ſie dieferStein beyllch hätten/unddasOraculum umXaht frag⸗ 
ten/ ſie deſto eher Antwort bekaͤmen. Ber die fintreflihe Schönheit 
eines Saphirs will Hochachten lernen / der lefe was im2. 3. Mof am 
24. cap. 9. 10. v. ftehet/ wofelbft nach menſchlichex Weiſe geſaget wird: 
Daß die Rinder Iſrael unter feinen/ nemlih GOttes Fülfen/gefehen/ 
daß es fo blau war / wie ein ſchoͤner Saphter / und wie die Geſtalt deß 
Himmels / wann es klar iſt Es wird aber ein jeder Saphir gefchä: 
helnach der Fürtreflichkeit ſeiner Farbe / Schoͤnheit / Neinigfeit und 
Groͤſſe; einer / der 4. Granen wigt / iſt auch fo biel Kronen wehrt, 
Der — ihnen iſt eben fo biel wehrt / alb ein Diamant von glei⸗ 

er Groͤſſe. 

Sapo, Seiffen / beſtehet aus Aſche / Kalck und Laugen / weiches alles 
— zu feiner gehörigen Conliſteng gefotten wird, Vide Seif⸗ 


Saponariamajor, Lauaria, Viola agreftis, Seiffen ⸗Kraut / Hund 5 
4 > Yaaa a ‚Mäges 


1104 Gap Gar ‚ 
Fägelein/ wachſen an Bächen und Wegen. Die Blätter and Wurgel 
faubern/ zertheilenund treiben den Schweiß. 

Saponca, iſt ein aus Mondeln zubeveitetes Mittel / welches gleich⸗ 
ſam gelecket wird. 


Sarbach⸗ Baum / Populus alba. 
Sarcocolla,glutenCarnis, Fleiſchleim / iſt ein Safft von einem 
Baum / der haͤuffig in Perſien zu finden dad Gummi ſiehet wie feiner 
weiſſer Weyrauch aus / iſt am Geſchmack bitter / und ſo es ſolches nicht 
waͤre / ſo iſt es berfaͤlſcht. In der Medicin kommt es zu den Hefft⸗ 
Pflaſtern / um die Wunden zu agglutiniren / und in ſolchen Abſehen 
wird es auch zu dem Durchlauff und Blutſpeyen gebraucht. 

Farcotica, ſeynd Arkeney-Mittel / welche in tieffen Wunden das 
Fleiſch wieder wachſen machen / alsSarcocolla. hyperic C.C.lap.cancr. 
partes animal. gelatinoſæ & glutinoſæ, ſymphit. maj. ulmar. plantag. 
bardan. balſam. indie. &. 

Sardellen / Frantzoͤſiſ. Anchois, eine Art von kleinen Fiſchen / wel⸗ 
che in dem Mittellaͤndiſchen Meer / ſonderlich aber um die Inſul Sar⸗ 
dinien (von welcher ſie auch den Rahmen führen) gefangen werden ; 
fie werden in kleinen Faͤßlein in Saltz eingepöckelt / und hernach Hin 
und wieder verkaufft / und entweder auf die Speifen oder auch roh mit 
Eßig und Delgenüget. Diefer Handel ift indenGSeeftädtenmeiften» 
theils in der Botsleuten * Haͤnden / welche dergleichen Kleinig⸗ 

keiten mit ſich nach Haus — Es kommen auch viel dieſer ein» 
geſaltzene kleinen Fiſche aus Norwegen / mit welchen man ſich gar wohl 
an ſtatt der Itallaͤniſchen behelffen kan. Wann ſie gut ſeyn follen/ 
muüſſen ſie huͤbſch hart / inwendig roht / und friſch von Geruch ſeyn. 
Die Sardellen / welche von Liſſabon kommen / ſeynd kaum halb ſo groß / 
als die man von Livorno hat. Gallenus haͤlt die Sardellen vor die be⸗ 
ſten Salfamenten / welche man in der Küche haben kan / immaſſen er 
lib, LI, Aliment, c. 41, fhreibet: Prerantisfma omnium , 95. mibi 
experientiacognoftere licuit, [unt,g62 a Beteribus Medicis Sardica [al 
[amentabocantur, bodie Sardas nuncupant, In der That ſeynd die 
Sardellen noch eins fo zart als die Heringe / und wann man ja ben Apr 
petit zu erwecken / oder den Leib abzufpühlen /\ein Salfament genieffen 
will / fo wurden die Sardellen wol die delicateſten ſeyn / ſintemahl ſie 
doch) unter den ordinaiven gefundenSpeifen Feinen Plag finden. Ih⸗ 
re Zubereitung in der Speife gefchieher folgender geftalt: Man leget 
fie in Wein / daß das Saltz ſich ausziehe / wo man Ile nicht falgig eſſen 
will / hernach ziehet manauf beyden Seiten das Fleiſch bon den Grä» 
ten/ ——— Deldaruber ; oder man ſiedet ſie auch / und gebraucht 
ſich derſelben zu vielerley Rageutsund Sauces. N Sr 


Sar og 


Sardonych⸗Stein / Cameus, Sardonyx,gvalı Sardius & Onyx, 
ift ein durchſichtiger Stein/ welcher in lich det Blank zweyer Edelge⸗ 
fleinehat / als die Röhte von den Sarder / und die Weiſſe von dent 
Onychſtein. Boetius ſagt: Ein Sardonych beftehe aus einer Blut 
rohten / weiffen und ſchwartzen Farbe / welche durch Eircul-rundesstri» 
che Hon einander dergeſtalt unterſchieden / als mann ſie durch Kunſt 
darauf gemacht waͤren. Dieſer Stein wird in Alia und Europa ge- 
funden / doch ſeynd die Orientaliſchen allezeit die beften / und oft fo 
groß, dag man Triuck · Geſchirr daraus machet / die dann fehr koſtbar 
undtheur gehalten werden; und foll infonderheit der König Mitkrida⸗ 
tes einen groſſen Vorraht derfelben gehabt haben. — 


Sarfa, Sarca oder Salſa Parilla, Zarzaparilla, Smilax aſpera peru- 
viana Rubus viticofus , Sarmentum Indieum , Sarfaparill-Wur& ; 
Diefed Gewaͤchs iſt am erften von den Spaniern aus Peru gebracht 
worden / wird aber aud) / wiemol von geringerer Krafft / in Spanien 
gefunden: iſt ſtachlicht / und windet ſich mie Neben durch einander / 
die Blätter find auch ſtachlicht / die Wurtzel ift ſtarck / and in viele Aeſte 
ausgebreitet; fie wird vornemlich heraus gebracht / weil ſie vor lang⸗ 
wieriges Haupt Weh vortreflich gut ſeyn fol. An Geſchmack ift ſie 
ein wenig bitterlich / haͤlt sich fonft Viel Fahr gut / und iſt ungebunden 
beffer zu kauffen / als in Bunden / weilte viel Unreines darunter ver⸗ 
mengen. Ohne die Spaniſche wird auch eine Art aus Holland in klei⸗ 
nen Schachteln gebracht/ welche an beyden Enden befchnitten ift/ aber 
von verftändigen Marerialiften nicht viel geachtet wird. So bringt 
man auch eine Art aus Srandreich inlangen Kiftlein / fo auswendig 
roͤhtlicht iſt / welche etwas beſſer und der Spanifchen fehr nahe kommt. 
Es wiſſen fie auch die Droguiften/ nachdem ſie alt feyn / zu fortiven/ 
und indie feine/ mittel und gemeine zu unterfcheiden/ darunter immer 
die feine/ ob fie gleich theuver einzukauflen/ rahtſam iſt / ſo man anders 
was nuͤtzliches damit ausrichten wid. Diejenige/ weiche nicht feucht / 
und dabey mittelmaͤßiger Dicke etwan wie ein Federkiel ift/ auch den 
Waſſer im Stehen eine fhöne rohte Couleur gibt / haͤlt man vor die 
befte; In der Frautzoſen⸗Cur fol fie noch groͤſſern Efſect ald das Fran⸗ 
gofen-Holg felber thun; fofoll ſie auch fette und dicke Leute mager ma» 
chew/ und wider faule Wunden und Kraͤbs⸗Schaden dienen / weswe⸗ 
gen ſie von einigen auch die Heilwurtz genennet witd. Wann die Ma- 
teriahften die Salfaparilla binden / fo wiſſen ſie das fchlechte gar artig 
unter das gute zu vermengen / wiefolhes Schurtz in feiner Material- 
Kammer gar deutlich befchrieben ; woſelbſt er auch meldet / daß die 
Bunde der Sala parilias. bis anderthalb Pfund zum gröften ſeyn ſol⸗ 
len / fo wären ſie deſto angenehner. Die kleine Fragmenta, die da⸗ 

Aaaa; von 


7* 








PT 


— 


\ 


1106 Saf Gau 
on überblieben und abgingen / wären gut unter die Rieß ⸗ Wurh zu 
offen. Ze 


Saffafras, Arborex Florida, ein gewiſſes Holtz / welches / wie auch 
das koſtbare daraus gezogeneDel / den Europdern nunmehro gar be 
kannt iſt / und wegen des dem Fenchel ähnlichen Geruchs auch Fen⸗ 
chel⸗Holtz genennet wird; iftein Baum in Florida in America defind» 
lich / der fo ſtarck und fo hoch aufwaͤchſt / als ein Fichten ⸗· Baum; feine 
Blaͤtter ſeynd den Feigen ⸗Blaͤtteru nicht ungleich. Heutiges Tages 
hat man es dahin gebracht / daß er auch in unfern Gewaͤchs⸗ Hauſern 
einigermaſſen fortgebracht wird. Wir brauchen meiftens nur das 
20 dabon/ daraus ein Extradtund deſtillirtes Oel ein Wein / Tin- 

ur und ein Sal gemacht wird / die allzumahl groſſe Krafft haben / 
and infonderheit in vielen Frauen zimmer Kranckheiten bewähret ſeyn. 
Die Aeſte und Zweige vor dieſem Holtz / wann fie in Teutſchland koin⸗ 
men / fehen mehr einer Wurgel als Holtz ahnlich); mas davon fchön 
oh rlechet / und im Spalten gelb⸗weiß fällt / hat nıan por andern 

ieb/ und kan es lang behalten. 
Ssß:Aranı/ Alliaria, j 

Saturcja velSaturegia, Hyflopusagreflis Cunila, Thymbra, Satu- 
veja montana, GSaturey / Garten · Winter⸗Iſſoy / iſt ein gutes Magen» 
und Bruſt⸗Kraut / widerſtehet auch den Gifft In der Küche wird es 
wie ein Condiment an Fleich / Fiſch / Paſteten und andern Speifen ge» 
braucht / und fan auch wol im Nohttall die Stelle des Pfeffers vertres 
ten/ dahero ed auch Pfefler- Kraut genennet wird. | 

Satyrium, Orchis, Tefticulus, Knaben⸗Kraut / ift bielerley Arten 
und Geſchlechts / welche doch allefamt in des Argency genüget werden. 

Saͤu⸗Bohnen / Hyofciamus, 

— Scrod / Cyclamen. 

— Fenchel / Peucedanum. 

— Kraut / Solanum nigrum. 

— - Wurs/Scrophularia major. 


Burtzel / Portulaca, Porcellana Andraehne, 
Caſtanien / Balano caſtanum. 
Sauciſſes de Bologne, vide Bolonniſche Wuͤrſte. 
Sauer⸗Ampffer / Acetoſa. 
— Kileece / Acetocella. 
— Dorn / Saurach / Berberis. 
— Kirſchen / Ceraſa acida. 
Sau⸗Blumen / Taraxaconu. 
— Diſtel / Sonchus aſper. 
— Portze!/ Portulaca, 


— —·— —— 


Sau Sca 1107 


Sau Codt / Chenopodium, Pesanferinus, 

Sauer⸗ Brunnen⸗ Waſſer / ride Waſſer. 

Sau Henchel / Peucedanum, Herba ſtataria. 

Saug⸗Igcl / Sanguiſuga. 

Saxifraga, Ruta muraria, Maur-Kauten. 

Saxifraga alba, Chelidonides, weiffer Steinbrech / waͤchſt an rauhen 
fleinigten Drten ; Das KRrauttreibt den Stein / die Monat-Zeit und 
Nachgeburt. 


 Saxifragalutea, melilotus , gelber Steinklee / dito rubra ſ Alke- 
kengiFilipendula,ditotertia,milium folis, 


Scabiofa, Herba Apoftematica. Scabiofen/ Apoften-Rrant / iſt gut 
bor die Bruft und Lungen / und widerftehet den Gift. Die Wurtzel 
dieſes Rrauts mit den Purpur-farben-Blumen / fol infonderbeit die 
Srangofen heilen / fo daß jle deswegen den Sarfaparillen wenig gder 
nichts weichet. 2 | ö 

Scammonium, Scammonia , Scammonea , iftein Safft’von einer 
langen/ dicken und weiſſen Wurgel/ deren Blätter-den Epheu-Blät- 
tern gleich ſeynd fomımtaus Egypten über Venedig; es muß ſchoͤn 
ſchwartz⸗grau / leicht und gern brechend feyn/und wann man es ein me» 
nig im Mund Fäuet/ muß es einen weiſſen Schaum gleich einer Milch 
geven/ wann ed aber ſchwer / compa& und hart iſt / fo iſt es mit Sand / 
Bohnen⸗Mehl und andern Materten berfoͤlſcht / dahero nicht zu ver» 
wundern / warum manches Scammonium weit anders als das ander 
ausſiehet / und in feiner Operation ungleich purgiret / weil in theils 
Orten das Kraut geſtoſſen / ausgepreſt / und nit unter der Wurtzel ih⸗ 
ven ausgepreſten Safft (als der eigentlich die Krafft zu purgiren hat) 
bermenget und aufgetrocknet / hernach vor ein recht Scammonıum vers 
fauffet wird; Ja wann nur ſolches Scammonium nicht gar extrahi- 
ret / und hernach mitColophonium vermiſchet wäre/ fo möchte ed noch 
pasfıren ; ſiehet man alfo/ daß zum Einkauff des Scammonii ein groſ⸗ 
fer Berftand und Aufſicht erfordert werde, Das Scammonium pur⸗ 
give hefftig/ und führet die Galle und Gewaͤſſer ab/ zerbeigt aber da⸗ 

cn das Eingeweyd / dahero ed auf mancherley Art corrigivet / und - 
alddann Diagrydium, Scammonium $ulphuratum, Vitriolatum, Ro- 
ſatum, Refina feammonii genennet wird / muß aber nur bey ſtarcken 
geuten gebraucht werden. 

Scarabzus, ein Kaͤfer / weil diefe einigesmaffen indie Artzenen ge- 
nommen werden / ald wollen wis nur derfelben unterfchiedliche Arten 
erschlen. Deraleichen feynd nun Scarabzus oder Cantharus Cornu: 
tus, Schröder, Pılularius Kopkäfer / Undtuofus, Cantharellus Ka⸗ 

| Agaa a ten ⸗ 


uog Sca Sch 
ö — —ñ e —ñ — ñe — 
genſchmaltz⸗Kaͤfer / Cantharusrutılus major Mäyenfreug-Käfer/dire 
minor Brad Käferlein/ Bufonius viridis Krottenkäfer/ Pifrinarius 
Mehikäfer/ Cadaverum Nas: Käferlein. den Apotecken hat man 
von den Schröden bie Hörner und das infundirte Del. 


Scariola arabum, Endivia minor, der Saame ift den Lattich · Saa⸗ 
men nicht ungleich / nur daß dieſer mehrentheils ſchwartz / und ein we⸗ 
nig weiß darunter / der Lattich Saamen hingegen gant; weiß iſt. 

Scarta faccia, Scarta foglia, Porte feuille, ein S eib· Taͤfelein / 
Gedend:Zettel/Memorialicyen/anf welcher einer berzeichnet hat / was 
er an ber Börfe oder des Tags über zu verrichten habe. | 

Schabab / Nigella, | 

Schaben-Kraue/ Botrys, Blattaria, Verbafeulum, 

Schaben-Blum/Stachas Citrina, Amaranthus luteus. 

Schacht / iſt ein in die Erde tieff gebrochene Meite / wodurch man 
einfaͤhrt / und Ertz oder Berg dadurch heraus zieht. 


Zchachteln / beſtehen meiſtentheils aus Fichten und Tannen / wie 
«ud aus Salweyden⸗Holtz / bon welchen legten fonderlich die kleine 
braune Schadhtelu zu Berchtoldsgaden gemachet / und ingroffer Wen» 
gr weit und breit verführet werden. ihrer Gattungen werden une 
gefehr biererley gezehlet/ (1) Pack⸗ und Zutter-Schachteln/ (e.‘ groß 
und Feine Apoteder-Schachteln / weiche theils bieredigt / theils ab⸗ 
längliht gemachet werden/ (3.) lange groffe Peruquen-und kurtze Fe⸗ 
der⸗Schachteln / (4) runde hohe Hauben und niedere Latwergen⸗ 
Schachteln. Jede von dieſen Gattungen wird alſo eingerichtet / daß 
die aͤuſſerſte hier oder fünff auch mol mehrere ihres gleichen unıfchliefe 
fet/ deren doch immer eine kleiner ift als die andere/ die innerften aber 
die kleineſten / nnd die duſſerſten die gröften/ welche man zufanımen ei» 
nen Einfag neunet. Auch pflegen die Schachtel-Macher die Zargen 
ji den Gieben zu verfertigen/ und alfo den Siebern in die Zand zu ar» 

eiten. Die Schachteln werden öffters don den curicufen Händen 
des Frauenzimmers mit der fo genannten zierlichen Fleckel⸗Arbeit / 
bundfaͤrbigen Corallen / oder Fleinengläfernen mitFaden durchfchlune 
genen Kügelein/ mit glatt underhabenen Geftick · und Befchling/ oder 
auch mit baden · Gewirck ſiberzogen / oder mit gefärbtem Stroh / nach 
artig zuvor eingetheilten Figuren üͤberkleidet. Die Schachtel-Mahe 
ler hingegen fennd gewohnet/ die Schachteln mit bundten Farben/ und 
auf ihre Art friſchrgemahlten Blumen und Linien zu beſtreichen / mit 
Virniß zu überzichen/ um durch deren Glanh die Kaͤuffer in groͤſſerer 
Menge herbey zu locken. 

Schadheil / Fymphytum . Petræum flore albo. 


5 5chæ · 


| St h 110g 

Schsnantbum, Juneus odoratus,öSgvinanthum Offie. foenum Ca- 
melorum, Rameelheu/ift ein graſichtes Gewaͤchs / ſo aus Alten kommt / 
und davon in denen Apotecken dad Stroh / die Blumen und bie Wur⸗ 
bel gefunden werden. Die Indianer brauchen folches nicht allein zur 
Pferd⸗Streu / fondern aud) in der Kuch zur Speiß · Wuͤrtzung an flatt 
des Calmus: item zu den warmen Bädern / fonderlic brauchen es 
die Indianifchen Weiber in Berftopfung des Monats-Flufles / dee 
Leber und der Milges; Es widerftehet den Gifft/ / und kommt deöhale _ 
ben unter dem Theriack und andere Antidota, aͤuſſerlich verbeflert e 
den ſtinckenden Othen und ſtaͤrcket das Haupt. | 

Schafgarb / Millefolium. 

Schäfflein/ Aſelli millepedes. 

Schaffmällen/ Agnus Caftus, 

Schafftenheu / Equifetum, Cauda egvina. 

Shaffzungen/ — miner. Arnogloffa. 

— Wollfeifte/Lana luccida, 

— Scabioſen / Scabioſa ovina, Scabiofa medm Lobelũ. 

Schalmeyen / Hautbois, vide Pfeiffen. 

Schamkraut / Vulraria garoſmus. 

Schamwurtz / Conſolida major. 

Schampanien⸗Wurgtzel / Elleborusalbus, 
Scharbock · Kraut / Chelidonium minus, Cochlearia, 

— / Horminum vulgare Sclarea, Flos Scarleti , Galli- 
trıchon. 


Scharlach Farb / Frantzoͤſiſch Ecarlatte iſt eine überans hehe und 
foft die Augen verblendende Farb warn le anders auffrihtigund gut 
gefärbet iſt. Es wird ſolche wann ed mit den Krafftwaſſer ausgeſot⸗ 
ten worden/und noch einmahl mit andern Eauxfures, Alaun/ und ein 
wenig Gravelle,mie auch Arfenic gefgtten ift / hernacher voth gemacht 
mit Agariz,Rerchenfchwanm/Eauxfures, Weyde undScharlach⸗Koͤr⸗ 
nern/fonften Vermillon, oder Alkermes genannt / unter welchen dieje⸗ 
nigen die beften ſeyn / welche von Langvedocgebracht werden. Cini 
ge Färber thun Cochenille darzu / andere Fenum grecum,hernacher 
° werden jtelicht gemacht mit Eauxfures, Agaric, Lerchenſchwamm / 
Meinftein und Curcuma oder Teramerita: Die Scharlach⸗Far⸗ 
ben aber/ die man was ſtaͤrcker haben will / daß ſie ſich nicht auf 
Nacarat ziehen / dürffen nicht licht gemacht werden. 

Die Demigranes oder halb Scharlach gefärbten Tücher / nachdem ſie 
auf Art und Weiſe wie die Scharladyene gefottenworden / werden - 
hernacher roth gemacht mit Tannenſchwamm / Eauxlures einen hal» 
ben Theil Scharlah- Körner / und einen halben Theil Nothe / sine 

\ ass | 14 


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thun darzu die Teramerita, oder machen ſie hell auf eben diefelbe Ma⸗ 
nier/wie bie Scharlah- Tücher. “ 


Gut Scharlach oder Nacarat auf 27. Pfund ſchwer 
Wollen Zeug sufärben. | 

So nimmt man wann die Waare erſt wohl rein gemacht / 2. Pfund 
einftein/z. Pfund Sal gemmæ, 8. Loth Sal Ammoniacum, 2. Pfund 
Scheidwaſſer mit Zinn temperirt/ 6. Loth Cochenille, mit dieſem af» 
len die Waare ein halbe Stund gefotten / und ausgewaſchen. Zum 
Ausmachen nehmt. Pfund Cochenille, 2. Loth Sal gemme ‚2, Loth 
Weinſtein / anderthalb Pfund temperirt Scheidwaffer / mit diefen 
Gtücden die Waare eine halbe Stunde ohngefehr gelinde aufwallen 
laſſen / alsdann ausgewaſchen. Man kan auch des Salmiac mehr als 
des Sal gemmæ nehmen: | 


Scharlach auf ein Pfund Wolle zu färben. 
Mehmet 4. Loth Scheidwäfler/2.LothBerg-Zinn/a-Roth weiten Wein⸗ 
ſtein / 3. Loth Alaun / ein Halb Loth Cochenille, damiteure Waare eine 
halbe Stundegefotten / alödennderfühlet und gefpühlet. Zum Aus» 
machen nehmt auf jedes Pfund anderthalb Loth Cochenille: Mil 
man es nut Carmoifin haben / ſo muß mehr Alaun genommen wer» 
den / auch wohl ein halb Loth / oder etwas weniger Salmiac. 


Pito aufʒ Pfund Wolle / nehmet s. Loth temperiret Aqvafort,8. Loth | 


Weiuſtein / 2. Loth Salmiac, 2. Loth Salgemmx, 2. Loth Cochenille, 
hſemit die Waare eine halbe Stund gefotten/ alsdenn verkühlet / 
in die Flott z. Loth Alaun geſetzet und wann es aufgewallet/ noch ein 
balbe Stunde darinn aufgefotten / alddann mit 4. Loth Cochenille 
vollkommen ausgemacht. Diefe Farb wird etwas Purpnr reicher 
als dievorige. Alle Mollene Waaren müͤſſen erſt wohl genehet wer» 
den/ che man fle in den Sud bringet/fonderlic) aber ift ſolches nöthig 

und gut zum Scharlachfaͤrben. | 
| "31 Nacarat Cramnyfiizu färben. 

So nehmt aufs. Pfund Waaren s. Loth temperirt Scheidwaſſer / 7. 
gothIReiuftein/ 16. Loth Alaun/ anderthalb Loth Cochenille, damit ei⸗ 
ne halbe Stunde gefotten / dann ausgekuͤhlet und gervafchen. Zum 
Ausmachen/nehmt s. Loth Cochenille, 6, Loth Amylum,s. Loth weiſſen 
Treinftein/:. Loth weiß Arſenicum, dieſes muß eine gute viertelStund 
untereinander gefotten feyn/ che Die Wagre darein kommt. Alsdann 
domit eingegangen und etwas länger als eine halbe Stunde ſieden 
laffen bis alles gůt iſt und die Farb gefaͤllet. 

Scharlach Incarnat fehr hoch zu färben. 


Rehmit aufs. Pfund Wollen Waare 2. Pfund Scheidewafler air F 
| ehe 


— Sch | Im 


koth Zinn temperiret / drittehalb Pfund weiſſe n Weinftein/anderihalh 
Pfund Sal gemmæ, s. Loth Salmiae. Mit dieſen Materialien die Waa⸗ 
ve eine halbe Stunde geſolten / und wieder ausgewaſchen. Zum Aus» 
machen / nehmt ein viertel Pfand Cochenille, z, Loth Salmiac, damit 
ein viertelStunde gefotten/ wird fehr gut. ! 


Bonfo auf 26. Pfund Wollene Waaren zu färben. 


Rehmet 4. Pfund weiſſen Weinſtein / . Pfund Alaun/anderthalbPfund 
Aqrafort temperirt mit iz. Loth Engliſchen Zinn / 4. Loth Cochenille. 
Hiermit Die Waare eine Stunde lang geſetten / dann ausgekühlet und 
rein gefpühlet. Zum Ausmachen /nehmet fünff viertel und Coche- 
nille eine viertel Stund aufgefotten / alsdann die Waare ein viertel 
Stund darinne gelotten/ wieder ausgewafhen. Man Fan auch zung 
Anſieden des Alauns mehrnehmen /aldanderthalb bis zwey Pfund/ / 
auch der Cochenille ein Loth mehr / nemlichz. Loth / desZiuus aber weni⸗ 

ger / nemlich s. Loth. 


Einen Engliſchen Schub zu machen sum Schar, 
ven. 


lady ſch 

So ſie det ein Pfund Weihen Kleyen in fovielWaffer/ald eure Waare 
auf 10. bis 12. Pfund dadurch zu handthieren / zulangen kan / darzu 
aehmt s. Loth Alaun/ s. Loth geſtoſſene Florentiner Veylwurtz / nach⸗ 
dem es miteinander gefotten/ ſchlage es in ein reines Faß und laß - 
to xuhen bis klar wird. Solches Klahre in einen reinen Keſſel zimlich 
heiß gemacht / und den Scharlach darinn geſchauet / wird ſehr gut 
erden. Ein mehreres von den Scharladh: Farben / ſiehe unter dem 
Wort Rorh. | 

Scharten⸗Blum /Alter, atticus,Stellaria, 

Scharten⸗Kraut / Pes Columbinus, geranium alterum, 

Schatz / Thefaurus Franhoͤſiſch Trefor wird zwar felten von Kauff⸗ 
. feuten gefunden / auffer daß man den Reichthum den ſie durch ihre 
Wuͤh / Fleiß und Klugheit/zuforderft aber durch Goͤttlicheu Segen er» 
wverben / einen Schatz nennenfönte/ weil aber auch ſichtbare und un⸗ 
ſichtbare annoch In der Erden verborgene Schaͤtze mit unter die zeitli⸗ 
He Haab und Guͤter gewiſſer Maſſen gehoͤren / als wollen wir denen 
zur Rachr icht dieetwarn Heut oder Morgen Schäge finden / oder fur 
den moͤchten / was depfalls erachtens ſey / kuͤrhlich allhier anzeigen. 
Es wird aber ein Schaf; genennet/ wann Gold⸗ ünd Silber⸗Geſchirr / 
Gold und Kleinodien / oder andere dergleichen Dinge welche lange 
Zeit verborgen gelegen / (daß niemand gedencken noch wiſſen Fan 
wer es dahin geleget / und deſſen Eigenthunsherr gang unbekandt iſt) 
Befunden werden / dann wann uian ſolte erweiſen / oder zum zn Ä 


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and genugfamen Bermuthungen/nemlich aus einen dabey befinvlichen 
Schreiben / oder auch aus der Münge und aus der Tahr-Zahl des 
Gelds abnehmen koͤnnen / wann und zu welcher Zeites dahin geleget 
worden / und wer es dahin bergraben/alddann ift es für feinnSchag 
zu achten / darum fo jemand etwas das aus Furcht des Kriegs oder 
Feur / von einen andern bergraben worden / faͤnde / und ſelbiges (ob 
er gleich denjenigen kennet der es bergraben) dannoch behielte und 
ſich heimlich zueignete / der begienge einen Diebſtall / und koͤnte ver» 
mittelſt ſeines Eydes die Summa des Schatzes und mie viel ſolcher ge⸗ 
weſen / auch was er gefunden anzuzeigen / wohl angehalten auch wo⸗ 
fern er wegen eines beſorglichen Meyn-Ends verdächtig wäre / / und 
andere Umſtande ſich erzeigten/ woraus ſcheinbarlich abzuuehmen / daß 
ein mehrers vorhanden geweſen / als der Finder angiebt / gar mit der 
Tortur beleget werden / Carpzov. 2.13.d.10.&in Crim gvzlt, 86. 
n.ıs hingegen erwirbt derjenige einen Schag rechtinaͤßig / der fol- 
chen aneinen Ort ober Stelle findet die fein eigen iſt / entweder daß 
ihm das vollkommene Eigenthum / oder das (utile dominium) daran 
zuftehe/alfo gehöret der Schatz einen Lehn ⸗· Mann / Str. Syat. Feud. c. 
12.8... item einen Erb-Zinnd- Mann Carpz.z, 13.6. und dem / wel⸗ 
eher das ins Superficici das iſt das Recht auf eines andern Grund/ ein, 
Haus gegen ein Solarium oder gewiſſen Boden⸗Zinns zu halten hat / 
diejenigen aber / denen das Ober· Eigenthum Dominium Direcium 
zuſtehet / haben an den gefundenen Schatz jure dominii nichts / wohl 
aber wann tie folchen finden jure inventionis, die Helffte zu fordern/da 
aber jemand aneinen Ort/ fo entweder einen andern privato zugehoͤ⸗ 
ret / wohin aud) zu referiven / wannein Pachter auf denen gemieteteh 
Gütern ein Ufufructuarius in denPrediis, woran er bie rugtdtiefung 
hat / ein Kaͤuffer aufden gekaufften / aber ihm noch nicht extradisten 
Gut / (es waͤre dann daß das But ihme allbereit gelichhert worden / 
in welchen I erden Schatz wohl behalten möchte / wann ev aud) 
gleich zur Zeit des Contra&ts,bon dem auf den erkaufften Gut befindli- 
chen Schatz ſchon gewuſt hätte/) Perez in C.adtit, de Theſaur. u. iſ. 
einen Schatz fände / in ſolchen Fall gehoͤret / ſolcher Schatz zur 
Helffte dem der ihn ungefehr gefunden / die andere Helffte aber demje⸗ 
nigen den der Ort zuſtehet / es waͤre dann das jemand mit Fleiß im 
eines andern Grund und Bodeneinen Schatz ſuchte und fünde / der 
gehoͤrete fo dann allein demjenigen / dender Ort oder Platz zuftehet/ 
wann auch der Inventor den Schaf mit zauberifchen Mitteln / wos 
von jedoch der Herr des Guts nichts gemuft / gefunden hätte / fo ge⸗ 
bei in folchen Fall der Eigenthums⸗Herr dem Fifcodor / Brunnem. 
inComm. ad. 30. juſt. de Ret. Div. Findet aber jemand mit unzuläßlte 
hen zauberifhen Mitteln, Cunter welche jedoch nicht zu zehlen / wann 
| einer 


Sch uiz 


einer bermittelſt der Wuͤnſchel⸗Ruthe einen Schatz findet / weil dieſer 

modus invefligandi be) denen Bergwercken gebräuchlich iſt) einen 

Schaf auffeinen felbfl=eigenen Grund und Boden / fo ift alles was 

— Be dem Filco heimgefallenv. Carpz, in Crim, quæſt. sa. n. 37. 
eg 


Schatʒkammer / ſeynd folheDerter darinnen alles basienige auf⸗ 
behalten wird / was man aus den koſtbarſten Materien / als Edelge⸗ 
Fein / Perlen / Gold / Silber / Perlen⸗Mutter / Elffenbein / raren und 

oſtbahren Holk/sc. durch Kunß verfertiget oder zuſammen ſetzet / da⸗ 
Hero man dann dieſe Schatzkammers· Sachen leicht von denjenigen une ⸗ 
terſcheiden kan / welche eigentlich in die Kunſtkammer gehören / weil 
man bey jenen mehr auf die KRoftbarkeit derMaterie / als auf die Kunſt 
fiehet / bey diefen aber mehr auf die Kunſt und eben Feine fonderliche 
Abficht auf die Materiam hat / ohne nur fo weit die Arbeit dadurch 
defto Kunſtreicher zu halten ift / fefchwerer fich die Materie derfelben 
Gerarbeiten läft. Ze 


Schau⸗pfenninge laffen ſich füglich in vier Theil eintheilen; Der 
erſte begreifft die Bedähtnif-Müngen/ welche aus Bold und Silber 
publica authoritate Herfertiget worden / und diefe ſtehen wiederum 
abzutheilen nad) den Ländern oder denen Potentaten die ie haben 
ſchlagen laffen / als in Kaͤyſerliche / Koͤnigliche / Chur⸗ und Reichsfuͤrſtl. 
Paͤpſtliche und Republicaniſche. In der andern Abtheilung koͤnte man 
haben Hiſtoriſche / Fatyriſche und andere von indifferenter Erfindung. 
Der dritte Theil koͤnte begreiffen GenealogifcheMüngen/ beftehend in 
ſolchen / welche bei) der Geburt/ Vermählung und Abfterben Fürftl. 
Perfonen auögefertiget worden. Endlich mochte der vierte Theil he⸗ 
fliehen aus Couranter Muͤntzen aller Nationen, die in der Welt niit eine 
anderCommerciatgeiben Dabey dann wieder eine zweyfache Ein⸗ 
theilung zu halten / als in der erſten Eönte man in guter Ordnung ans 
ſchaffen / alle Müng-Sorten von der gröften bis anf die kleinſten. 
FH der andern eine Svite von den Foftbahrften KHaupt-Müngen fols 

er Nationen, Ein mehrers hievon / vide unter dem Wort Me- 
daillen, ‘ ⸗ 

Scheerflockenroth / vide Roth. 

Scheidewaſſer / beſtehet aus Vitriol und Salpeter / wie unter den 
rer fa zu erfehen/ed wird aber verfälfcht/wan der Salpeter 
nicht rein iſt /und viel Salg hat / odevan ſtatt des Salpeters Alaum 

oder Arlenicum zugefeget wird / da dann mit einen ſolchen Scheide: 
waſſer in Scheidung des Bold und Gilbers-groffer Schaden gelitten 
wird / indem ſolch Scheidewaffer viel raubet / oder auch matt wird/ 
daß man 3. bis 4. Loth haben muß / da von deu gerechten ı. Roth genug 
ie , | Scheiß⸗ 


un 4. Sch 

Scheiß» Kraut / Catapuria minor Mercurialis ‚ EfulaVulpina« 

— Sorbeer / Mezercos, | 

— Wurtg/Bryonia. ' 

— Milden / Arripiex, 

Schellen / Tintinabula, Franhoͤſiſch des Sonnettes ſeynd untede» 

ſchiedlicher Arten / als Schlitten⸗Schellen / Falcken und Sperber⸗ 
Schellen / und andere kleinere zu unterſchiedlichen Gebrauch dien⸗ 
fich/ weiche aber inögefanmt faſt nur in Ruͤrnberg allein / und auſſer 
Beufelben nicht gemacht werden, 

Schell⸗Fiſche / Afellusminor oder Callariası iſt eine Fleine Gort 
bon Cabliau etwann 2. Spannen lang wird hauffigin der Weſt ⸗Set 
gen en /und entweder frifch oder eingefalgen oder getruchuet bey 

tücken und Tonnenweip verfaufft. \ 


Schema ein Geftalt / "Figur / Abriß / und Entwurf eines 


Dings. 
— Schaaff · Ripp / Schaaff · Sarben / Millelolium 
Achillea. 


Schencken / Donare, Schenckung Donatio, geſchiehet unter le- 


bendigen Perſonen / entweder daß einer dem audern den er gewogen 
iſt etwas ſchencket / und zugleich uͤbergiebet / daß er bon Stund an das 
eſchenckte genieſſen und ſolches zu ſeinen Rutzen anwenden moͤge / oder 
er ſchencket ſhin auch ſolches mit der Condition daß er nicht eheEigen⸗ 
thums⸗Herr von ſolchen geſchenckten Gnut / als bis nach des Schenckers 
Zodt ſeyn ſoll / und dieſes nennet manDonationem mortis Cauſa, oder 
bon Todes wegen. Es hat aber einjeder Macht dad Seinige zu ber⸗ 
ſchencken / der contrahiven und verkauffen mag / die Faͤlle in welchen ein 
Schencker fein Geſchenck wiederruffen kan / ſeynd warın der Beſchenck⸗ 
te vndanckbahr ſich dagegen erzeigete / ſeinen Wohlthaͤter ſchmaͤhete / 
mit Schlägen tractirte / ihn nad) den Leben ftünde/an feinen But Scha⸗ 
dei thäte/oder der Schender berarmete / und alfo das Seinige wieder 
brauchte /oder daß er Kinder nach diefen bekaͤme / die er aus dem bete 
ſchenckten Gut erhalten müfle/ etc. a 

Scherbet oder Tferber iſt ein gemeiner Trand bey denTürden/ 
und nichts anders ald Waſſer mit Zuder abaefüflet/ weiches aufden 
Saſſen herum getragen / und den Bold verfaufft wird / die Reichen 
aber fühlen ſolches Waffer mit Eitvonen und allerhand dergleichen 
czuckerten Säften ab / alſo daß zwifchen ihren Scherbet und un« 
ern Julep eine zimliche Bleichheit/ ausgenonnnen daß man zu unfern 
‚Sufepen/ warn ſie vor Krande aufden Apothecken bereitet werden 
Birfchhorn oder aus Kräutern deftillirte Waſſer nimmt/und mit einen 

oder deu andern Mineralifchen Spiritu felbige abſaͤuret. — 
e 


» 


Sch 10097 


Schicht / if (1.)eine gewifle Zeit zu s. 8. bis 12. Stunden fo 
lang ein Bergmann nach einander an feiner Arbeit bleiben muß / 
(2.) ift es auch das vierdte Theil einen Zeche / oder 32. Kuxe / (3.) 
was auf einmah! gefhmelget wird/ E. g. über einen hohen Ofen 
werden 35. über einen krummen Ofen 24. und über einen Stich-Ofen . 
1. Schichten aufein Wochenwerck gerechnet / (4.) fagt man auch 
—* ein Berg⸗Mann von feiner Arbeit gehet / ev hat Schihtges » 
macht. 

Schieferweiß wird aus gegoſſenen Bley gemacht / wann nemlich 
dieſes zu duͤnnen Blechen geſchlagen / hernach alfo daß eines das an» 
der nicht anruͤhre zuſammen gerollt / und in einen Topff worinnen 
Feine Stänglein geleget / und guter ſcharffer Eßig enthalten / endlich 
mit dem alfo angefuͤllten und wohl verſtopfften Topff in einen Mifte - 
Hauffen verfharret und dreyfig * allda gelaſſen wird / nach wel⸗ 
her Verflieſſung der Topff heraus gelanget werden Fan / da ſich dann 
das Bley von den Eßig⸗ Dampff alſo durchfreſſen und corrodiret bee 
finden wird / daß es gang zerbrüchlich und von weiffer Farb ift / wor⸗ 
auf es völlig in Stüden zerbrochen / undan der Luft getrucknet wer⸗ 
den muß / alsdann mup es ſchoͤn ill aus und innwendig weiß / 

+ inauserlefenen Stücken / und mit feinen ſchwartzen Schiffern bielwe⸗ 
niger andern Heinen Unrath vermifchet feyn / der Gebrauch ift den 
Mahlern am beſten bekandt. Aus diefen Schifferweiß wann ed als⸗ 
dann in Moͤrſer oder auf der Muͤhl zerſtoſſen / mit Waſſer angeruͤh⸗ 
ret / und zu einer Maſſa in gewiſſe Formen zu kleinen Kuchen oder 
Kegeln getruckuet ift / fo wird es zu Bleyweiß oder Ceruffa, dabon daß 
beſte aus Venedig das meifte aber aus Holland kommt / wiewohl die» 
ftö letere auch vielfältig mit Kreyde bermifcht iſt / das Engliſche aber 
od mehr / das beſte Bleyweiß iſt welches fchön weiß/zart/und dabey 
hart und recht trucken / auch nicht bruͤchig iſt / was aber gen bon eins 
ander faͤllt / oder ſonſt andern Unrath in ſich hat / ſolches iſt zu ber⸗ 
werffen / weil es gemeiniglich nicht wohl getrucknet eh es eingepacket 
worden / heutigs Tags wird auch viel in Nürnberg nachgemacht. 
Schieß⸗Gewehr / Frangöfifcharmesä feu unter ſolchen werden 
berſtanden / Flinten und Mousgveten/item Mousgvetons und Carabi- 
ners gemeine undgezogene/ Bogel und Pirfch-Röhr/Stuger und hal« 
be Flinten / Tiſchinigens / Piſtolen / Terzerols oder Puffer / auch wohl 
die fo genannten Wind⸗Buͤchſen / wiewohl dieſe letztere nicht nAt Puls 
der/ ſondern nur mit Wind getrieben werden / an ſolchen jetzterzehl⸗ 
ten Gewehren allen waren vor dieſen die Feuer- Schlöffer/ (wen fel⸗ 
dige ſehr gewiß feyn/ und felten verfagen) in Gehrauch / die manvder- 
mittelſt eines Rads aufgezogen / und geſpannet / hernach Zund-Pul« 
| ber 


“ 
1116 Sch 


der darauf gefchüttet/ und den Hahnen mit einen guten Feuerſtein 
verſehen / auf die verſchloſſene Zünd-Pfanne gefegt / welcher durch 
Berührung des Zungleind und dadurch geöffneter Züund » Pfanne / 
auf das ſchnell ablauffende Rad loß gefchlagen/ Häufig Feuer gegeben/ 
das Zund- Kraut entzundet/ und dadurd) die Ladung mit ſtarcken 
RKuall durch den Laufhinausgefchichet / weil aber diefe Art Schloͤſſer 
etwas Zeit zu fpannen erfordert/ als hat man an deren Stelle die ſo ge⸗ 
nannte Zlinten-Schlöffer erdacht / an melden der Kahn nur. allein 
mit den Duumenzurüd gezogen / und gegen die Pfanne loßgeſchnel⸗ 
let wird / iu melden Augenblick er diefelbe aufpräuet / Feuer gie⸗ 
bet/ das Pulver anzändet / undden Schuß vollführet/ daher dunn 
wegen folder Fertigkeit zu fchieffen / dieſe Art Schlöfler / Cfonder« 
lich nachdem man die Mousgveten welche mit einen Lunten oder Zünd⸗ 
Schwan angezindet werden abgefchaftet) faſt —— bey 
‘allen Europäifchen Armeen beliebet worden / wiewohl die Feuer⸗ 
Köhre noch zur Luſt und zum Scheiben⸗Schieſſen / item aufder Jagt/ 
und in denen Belagerungen/ vornemlich aber die gezogenen ( weil 
damit weiter und gewiffer zu fchieffen ) beybehalten werden. 
Dergleihen Gewehr nun eingeln / oder aud) bey hunderten / ja bey 
taufenden aufgange Regimenter anzufchaffen / hat ein Rauffmannfchr , 
offt Gelegenheit / dabey er dann erftlich zu betrachten hat / den Ort 
Hon wannen er ſolches Gewehr verſchreiben will / dergleichen in 
Teutfchland feynd /die Stadt Suhla in Thüringen / als welche jaͤhr⸗ 
lich viel taufend Flinten Earabiners und Piftolen ausliefert / item 
die Städte Maſtricht undLuͤttich / in den Niederlanden inFranckreich 
wird zuSedan, in Italien zu Meyland / Turin und Breſcia gut Ge⸗ 
wehr gemacht / ſonderlich aber ſeynd die Italiaͤniſchen Läuffe ſehr bee 
ruͤhmet / auſſer dieſen finden ſich auch noch zu Teſchen in Schleſien 
and zu Eſſen in Weſtphalen viel Buͤchſenſchmiede / wie nicht weniger 
in Schweden und Daͤnnemarck / und alſo hin und wieder in allenwohl⸗ 
angerichteten Städten / deren theild wann fie aur Gelegenheit die 
Laͤuffe zu ſchmieden / item die Bergwerde und Eifen-Hammer/fammt 
deniberflug an Holgund Kohlen bey der Hand Hätten / die Gewehr⸗ 
Fabric eben fo wohl / als obberührte Derter bey (ich einführen wurden/ 
inmaſſen fo gar der Bauers-Mann in Schweden und Lieffland ſchon 
ein fertiged Gewehr von Lauff-Schloß and Schafft zu machen weiß. 
Es mug aber auch vors andere ein Gewehr: Händler die abgängltche 
Sorten und das rechte Caliber , das iſt wie weit Die Mündung des 
Lauffs ſeyn muͤſſe / wohl inacht nehmen / fonderlich in Liverangen vor 
gangen Regimentern Wann er anders nicht das angeſchaffte Ge⸗ 
mehr (zumahl wann er Fein Geld anf die Hand befonmen/ ) auf den 
Hals behalien will. Was den Handel mit foffbaren uñ — 
| ctrifft / 


Sch 17 


ET EEE EEE ET TEN Te 
betrifft / ald an welchen etwann die Räuffe Staltänifche / die Schlöffer 
von Maſtrich / Sedan oder. Paris, und der Schafft Yon Rus: Brafiiiens 
Eben⸗Cypreſſen · und dergleichen Holtz mit Gold / Silber / Meßing, 
Stahl / Elffenbein uud Horn auf das tünfklichfte eingelegt iſt / ſo ſtehet 
nicht zu ldugnen / daß in dem Verkauff au vornehmen Herrn offtmahls 
ein guter Krofir darauf zu machen ſey / welches die im Rand: herum 
freichende Gavoyarden / Italidner und Frantzoſen wohl wiſſen / 
als welche vielmahls ein in Teutſchland / zu Suhla gemachtes paar Piſto⸗ 
len / auf deren auff ſie etbaun Milano, und auf die Schloͤſſer Paris ffe⸗ 
ben laſſen / vor ein Auslaͤndiſches Gewehr verkaufen / es till ab 
bey allen folchen ehr eine fleißige Auffſicht ſeyn / daß es nicht ein⸗ 
woſte / item daß es von der rechten Längeund Caliberfen / Dannenberg 
In Stalien die Piftolen ſchon von gröfferer Länge als in Teutſchlaud 
ſeyn / und die fo genannte Tertzerol oder Sad puffer gantz zuruͤck ges 
laſſen werden muͤſſen. Voraus aber hat ein Gewehr⸗ Haͤndler die 
berbotene Zufuhr des Gewehrs / welche den Feind in Kriegs⸗Zelten 
geſchicht / zu meiden / oder doch borſichtig damit umzugehen / weil die 
Waare contrabande, und wann fie folte er haſchet werden, Ohne einige 
Gnade weggenommen und confilciret wird, | 

Schiffergruͤn oder Steingruͤn / Chryfocellametallichfeu nati, 
vaBorax viridis. ; y 

Schiff⸗Pech / Pixnavalis. * 

Schildkroͤt / Teſtudo, Frantzoͤſiſ. Tortüe, die Schaalen dabon 
erden zu allerhand Manufacturen / als Tobacks · Doſen Kimmen I 
Defler-Sefften und dergleichengebraudht; man muß aber wohl zuſe⸗ 
hen / dap man nicht etwan gemeines und auf Schildkröten Yet zuge -· 
tihtetes Horn an ſtatt dev wahren Schi Idpatten bekomme. 
Das Gebrochene von Schildkröten wird wieder zuſammen gemacht/ 
Dann man die Stüden etwas zuſammen über einander füget/ hernach 
ein naſſes Leinen Band 3. oder 4. doppelt daruͤber It! und folches mit 
einer breiten wohl Heiffen eiſernen Feuer⸗Zangen uͤberſtreicht / fo wer» 
den ſich Die Fugen wieder Vereinigen. Item, nimm Zerpentin/ Co-. 
lophonium, mit Branntwein angemachten Leim / und thu ein went 
Zinnober darein/ und leime alddanıı danıit, " Vide hiervon ein mich» 
tes unter dem Wort Horn. — 

Schild· Peponen / Melopepo Clypeatus. 

Schilff/ Arundo Calamus. 

Schiffe/ Naves, Navires, Batäux, Batiments, fonnen in ſo weit un⸗ 
feen- Rauffimannd-Magazin einderleibet werden / als ſie beydes den 

auffleuten zum Transport ihrer Büter / alda ftatt einer Waare 
dienen/ die le ein und wieder MEN * ſelbſt labrieiren laſſen/ 


und 


zug Sch 


und damit ihren Profit fuchen / ſonderlich wann ſolche Schiffe erſt ein 
guar Reifen gethan/ und ſich halb frey gefahren / da dann vielmahls 
noch ein Potentat / bornenilich in Kriegs⸗Zeiten / ſich zum Kaͤuffer an 
ibt/ und ſolche eben ſo theuer bezahlt / als wann ſie neu vom Stapel ge» 
uffen wären/ wie ſolches die Seeſtaͤdter treflich wahr zu nehmen wife 
fen/ und ſchon manches Schiff nad) Spanien verkaufft / dafür ein 
Sapitalerhoben worden. Es werden auch dergleichen Schiffe bey 
dorfenenden Transport der Milig oder Artiglerie gefucht / am mel» 
ften abery wann eine neutrale Natıon in bemeldten Kriegd-Zeiten bie 
freye Fahrt hat, und daher derjenigen Nation , die fin Krieg begrife 
fen/ und ihre Schiffe nicht gebrauchen Fan / ſolche abkaͤufft / wie alfo 
die Dünen und Schweden in diefen legtern Kriegen gethan/ und nicht 
allein die fubeifheund Hamburger Schiffe häufig an (ich gekaufft / 
fondern auch ihre Schiffers nach | —— daß ſie in Schweden 
und Dannemarck ſich haͤuslich nie dergelaſſen / daſelbſt Bürger gewor⸗ 
den / und hernach ais Schwediſche oder: Daͤniſche Unterthanen die 
Schiffe nach als vor geführet Haben Es ſeynd aber der Kauffardey- 
Schiffe / von welchen wird jehund allein veden / unterfchiedliche Gat⸗ 
tungen/ groß und Hein/ dieStrudtur, Form und Capacität nad) unter» 
ſcieden / und auch nad) den Ländern / wolle gebauet und zu Haus ge⸗ 
hören mit vielechand Rahmen beleget/ alödaheiflen einige Bargven, 
audere Caraques, Caravellen, Gallionen, welche; Sorten (ic) die Por⸗ 
tugiefen und Spanier nach Weft> Jndien bedienen ; ferner werden 
einige genannt Boyers, Craqven, Felougven, $euer-Blafen/ (miewol 
fie von Fahnen und nicht von Eichen⸗Holtz gezimmert( Flibots / Fleu⸗ 
ten / Gallioten / Heeckbots / Houcres, Jachten / Kaagen / Londres, 
Marfeillianen, Pagvet-Botö/-Pinaflen , Polacren , Saicken , Same- 
guins, Schmacken / Tartanen, &c. Die Heinen Fahrzeug / welche 
man nur zum Überfegen eines Fluſſes / oder Güter und Perfonen an 
die aroffen Schiffe zu bringen/ gebrauchet/ theilet man ein in Alleges, 
auf Teutfch Lichters / (don Auflichten oder indie Höhheben) alfo ge: - 
nannt/ weil/ warn aus einem tieff-gehenden grofſen Schiff/ die Waa⸗ 
tenin ein folchen Fichter übergeladen werden / das groſſe Schiff als⸗ 
dann etliche Fuß fich aus dem Waſſer lichtet / oder heraus in die Hoͤhe / 
weil es nunmehr leichter worden iſt / beglebet. Ferner hat man bey 
der Scefahrt Barqverten, Booten / Cabarren, Chalouppen;, Ebers/ 
Jellen / Gondollen, Schauden / Rachen und Kaͤhne / ıc. und fo viel 
don der Schiffe ihrer mechanifchen Eintheilung ; Die Politifche ge» 
fchiehet in gang freye / halbfreye und unfreye / bon welchen —— 
fu Schwe den biel — iſt / vide unſern Schwediſchen Kauffmann / 






alediefes. Sorten / und was bor ein Schiff von 


p. zis. bis 333. woſe 
wie es heuennet werde / und wo es zu But 
ve, 


jeder Sorte ſey / au 


Sch 19 


höre / ordentlich Specificiret / zu erfehen / damit fi) ein Kauffmann 
. darnad richten / und nachdem er ingang / halboder nicht Zollfreye 
Schiffe feine Waaren einlädet /feinen Calculum darnach machen 
könne. 
MWelder Kaufmann nun ein Schiff zimmern läßt / kauffet entweder 
felbft das Holtz darzu / oder bedinget auch / das Schiff gang frey zu lies 
fern / mit den Schiffs⸗Zimmermann / zu melden Ende mit demfel» 
ben ein Contra&t auf, erichtet wird / wie viel Fuß —— breit und 
hoch / auch von was für Form und Capacität er dad Schiff machen 
fol: Beſiehe hievon ein Formular in unfern SHandeld-Correfpon- 
dentenp.sı9. ftemp. 823, eine ansführlihe Nachricht / was bon der 
Seefahrt denen Rauffleuten und Paffagirern zu wiffen noͤhtig / worun · 
ter Dann inſonderheit dad Schiffbauen mit begriffen it. 
Wer eingang fertiges Schiff kauffen mill/g' set erſtlich acht auf deſſen 
Strudtur, mo eb gezimmert/ was für Holt / Zubehör und Berähtfchaffe 
daran/ und bon welcher Capacitäteö fen. Ferner muß er confideri- 
ren / ob es alt oder neu/ob es wohl ſegle / dicht und gut/ und bor allem / 
ob es ein freyes oder unfreyes Schiff ſey / nemlich / welches ohne einige 
Prætenſion in einem Hafen einlauffen / oder bald dieſen bald jenen mei» 
den muß / und zwar aus Urſachen / weil es etwan zubor denen Einwoh⸗ 
nern dafelbft zugehöret/ und von den Capern genommen / oder ſchwer 
verbodmereyet / auch ſchon ein oder mehrmahl wegen Ein-und Abfuͤh⸗ 
tung contrabander Waaren mit Arreft beleget worden / und heimlich 
davon gefegelt/ ober ob der Filcus oder eine privat Perfon eine Prxten- 
fion — bor dieſem allen muß ihm der Verkaͤuffer die Evi. 
&tion oder Gewähr leiften / daß er ihm neinlich ſoiches Schiff aufalle 
Stroͤhme und Häfen ungehindert und unangefprochen guaremiren 
wolle. Manchmahl werden auch confilcirte oder auf ebrachte Schif⸗ 
fe und deren Ladung durch Öffentliche Auction berkaufft / bey welchen 
dann der Tag des Berfauffs dur angefchlagene Patentafund gethan/ 
und ihre Ladung famt der Zubehör / die bei einem folden Schiff ar 
Schiffs⸗Geraͤhtſchafft / als Tauen / Anders und dergleichen ſich fin» 
det/ fpecificiret wird. Vide biebon abermahl die gewöhnliche For- 
mularia, item von Aſſecurantzen / Schiffs⸗ l nventarien, Haberey⸗ Rech⸗ 
uungen / Certe partien, Bodmerey⸗Briefen / Connoillamenten und 
dergleichen / in unſers allzeit fertigen Handels-Correfpondenten arte 
bern Theild2, Claffe, wofelbft auch Don denen Arbitragen , welche in 
flreitigen See⸗Sachen (wegen Erbauung der Schiffe / elugeladener 
und in ſchweren Seeſturm geworffener Güter / wegen der Schiffs⸗ 
Frachten / Schiffer-Kechnungen / Certe partien, Bodmereyen / und 
ei. ber Haberey wegen) geſchehen / ausführlich gehandelt wor · 
R, j —⸗ 


SBbbb Den 


mo "Sch 


Den Coͤrperlichen Inhalt / oder die Capacität / und das Maaf der 
Sröffe eines Schiffes / item auch Die Befrachtung der Schiffe / einge 
führte Gewohnheit betreffend / fo iſt in der Ordonnance Königs Lud⸗ 
wigs des XIV. in Franckreich dom Augufli Monat Ao. 1681, im 2. 
Buch am ıo. Titul verordnet / daß alle zur See fahrende Schiffe vor 
Mobilien follen gehalten / item gleich nad) ihrer Zimmerung / und 
wann ſie fertig ausgebauet/ durch die Ober-Gefhworne (Grands ju- 
res) follen gemeſſen / und ihr Kieloder Fond de Cale zu 42. Eubifche 
Fuß vor das Faß geſchaͤhet werden Es wird aber zur Gee vor ein 
Faß gerechnetoder verftanden/ 2000. Pfund ſchwer / und alfo vor z. 
Tas oder eine Laſt 4000. Pfund / daß alfo / wenn man fagt: Dies 
Schiff iſt von so. oder 70. Laften/ man darunter verftche / es koͤnne so. 
rer ro. mahl4000. Pfundtragen; nad) folden Laſten werden die 
Schiffs · Befrachtungs⸗ontracten eingerichtet/ bey welchen man erſt · 
lich des Schiffes Laͤnge oder Kuͤrtze / gefaͤhrliche oder ſichere Reiſe be⸗ 
trachtet / nemlich nach dem Ort / von welchen es abfegeln und wohin es 
eben foll; wieviel Lieg⸗Tage der Schiffer bey feinem Arrivement zu 
Balten ſchuldig feyn foll: ober von dar recta zurück wieder nach Haus 
oder vor des Befrachterd Rechnung weiter. gehen; worinn feine La⸗ 
dung beftehen ; wie viel man ihm von diefen zu jenen Ort Fracht bes 
zahlen/ und wie es an den Zollftadten/ item mit der Haverey und Pilo- 
tage gehalten werden foll. Diefes alles iſt zu verſtehen / wann ein 
Kauffınanu ein gantzes Schiff vor feine oder fremde Rechnung bes 
frachtet ; weilaber nicht allezeit jeder ſo biel Waaren/ als einganges 
Schiff zubefrachten/ bey der Hand hat/ aud) etwan nicht gern auf bloſ⸗ 
fe Bretter ein anfehnliches Capital allein hazardiret / als nimmt er ete 
wan und bedingt von fo einen Schiff einen gewiſſen Raum von 10. 20. 
mehr oder —— Laſten / und mögenalsdann die Rheders oder Ei⸗ 
genthümer des Schiffes / die nemlich Part und Antheil an dem Gefäß 
haben/ entweder felbft / oder wie eö gewöhnlicher / ihrentwegen der 
Schiffer / oder auch ein Maͤckler den die Commillion darzu aufgetra⸗ 
gen wird / zu ſehen / wo er zu dem uͤbrigen Schiffs-Raum Befrachters / 
das iſt / ſolche Beute findet / die ihre Waaren darein ſchiffen wollen/ bis 
endlich das Schiff gepfropfft voll wird / und ſich fertig zum Abfegeln 
machet/ dadann/ wann es zu Winterd-oder Kriegs-Zeiten / ober auf 
weite Reife ift/ die Rheders ihr Schiff / die Befrachters ihre Güter 
deraflecuriven laſſen. Warn die Reife glücklich abgeleget/ thut der 
Schiffer bey feiner Zuhauskunfft feinen Kehdern Rechnung /und em⸗ 
give: hierauf von dem/ was dedudtisdeducendis au den Fracht ⸗ Gel⸗ 
ern aberbleibt/ ein jeder nach feinem Theil / den er an dem Schiff hat / 
auch fein Qyotum an Geld. Biswellen trägt es ſich zu / als wie in 
dent lehtern Franhoͤſiſchen Krieg geſchehen / da die Frachten fehr hoch 
ge gr 


— on — — — 


—Sch— — 6 
gelauffen / und manches Schiff bey sooo. Rthlr. Fracht-Gelder au 
einer Keishon Frandreic nad) Luͤbeck oder Hamburg ver dieuet / da 
auf den Schiffs⸗Parten ein ehrliches avanciret/ und das in dem Schiff 
liegende Capital reichlich berzinfet wird; bisweilen wirft es auch 
nichts ab / und feynd Die Rehders froh / wann ſie nur wegen der Unko/⸗ 
ſten keine Zubuß geben duͤrffen / ſonderlich wann ein ſolches Schiff 
verlohrne Reis gethan / Sturm gelitten / dem Maſt kappen oder 
hauen müuſſen / feine Anders berlohren / unterwegs in den nechſteu 
ſten Hafen ſich kielholen / calfattern oder ausbeffern / neue Segel/ n⸗ 
cker und Thau anſchaffen / wegen contrairen Wind lang liegen / oder 

ar Winter⸗Lager / Qrarantaine, Beſchlag oder Arreft haften muͤſſen. 
Sumeilen wird auch ein Schiff muhtwilliger weiß/oder aud) aus Man⸗ 
gel des Schiffers Erfahrenheit verfegelt/ in Strand 3 Pa ſonſt 
un den Hals gebracht / jenes — wann der Schiffer und ſein 
Volck das Schiff verwahrloſen / gottloſe Intriguen fpielen/ als daß et⸗ 
wan an ee Packen mit Holtz und Stein einladen ( 
und Doch gleichwol als koͤſtliches Gut hoch ver aſſecuriret werden/ oder 
daß die Schiffer ſich muhtwillig in See-und Feinds⸗Gefahr / ohne 
Noht und wider gethanes Berwarnen / Abmahnen und Ordre bege⸗ 
ben; in dieſem Fall aber/ wann fie den Cour» nicht verſtehen / ihr Be» 
fick nicht wohl zumachen willen / fiederlich und ungeubtes Bold an⸗ 
nehmen / die Convoy verſaͤumen / nicht fleigig das Loht werfen / und 
die Tieffen oder Untieffen / Klippen und Sandbände erkundigen laſ⸗ 
fen/ und was dergleichen Fälle mehr ſeynd dadurch Schiff und Gut 
(oder dtefes letztere allein/ wann es nicht wohlgeftauet/ oder an gebühs 
enden Drt geleget / zur Unzeit / oder eines vor das andere-/ denen 
Drdnungen der See⸗Rechten zu wider / geworffen wird) verlohren 
werden kan. \ 
Mad das Piloren«Beld vor Ein-und Ausgehen aus dem Hafen be» 
trifft / wird ſolches / nachdem die Schiff groß und Elein ſeynd / bezahlt / 
item, auch nachdem ſie viel oder wenig Fuß tieff geben. 
Zu Amfterdam bezahlt man gemeiniglich vor -Pilotage oder Pilotene 
Geld / der durch den Texel oder Blie aus-und eingehenden Schiffe 
bomı. April. bis zo Sept.ii. Gülden ı,. Stuͤber / und zwar nur ber die 
ee die bis 10. Fuß tieff gehen/ die aber 14. Fuß tieff gehen / 
müſſen bis 40. Guͤlden geben. Bon den i. Octob. bis den z1. Martii 
zahlen diejenige / die bis 10. Fuß tieff gehen / 14. fl.ı0. Stuͤver / und die 
bon i4. Fuß oefl. und alſo nad) Proportion, wobey dann zu wiſſen / daß 
dlejenige / ſo durch das Vlie einkommen / ein wenig mehr / es ſey im 
—— oder Winter bezahlen / als die / welche durch den Texel 
gehen. — 
Im Schiff⸗ Befrachten zählt 2 Fee oder a. Oxhoͤfft Mein/ 
* 


item 









items. Stück⸗Faͤſſer Branntwein / s. Fäffee Pflaumen / 12. Tonnen 
Hering / 12. Zonnen Erbfen/ 13. Tonnen Ther/ 4000. Tb. Reis / Eifen 
und Kupffer / 3600. Tb. Mandeln / 7. Quartelen Thran oder Fiſch⸗ 
ſchmaltz / 4. Pipen Del/ 2000, Tb. Wolle/ und fo in andern Waaren 
nach Proportion dor eine Laſt. 

Die Betrachtangen/ welche ein zur See handlender Kauffmann haben 
muß / erſtrecken ſich / wie theils ſchon oben gemeldt / nechſt der Jahres⸗ 
Zeit und Kriegs⸗ oder FriedendsConjundturen / aufdie Schiffe und 
deren Schiffer / aufdie Ferne oder Nähe des Wegs / aufdie See-Hd- 
fen/ Frachten und andere dabey vorfallende Unkoſten; Und zwar / was 
die Schiffe anbelanget / ob fie wohl oder ſchlecht beſegelt / frey oder uns 
frey / ob ſie gute See⸗Paͤſſe / biel Stuͤck· Geſchuͤtz / erfahrne Schiffers / 
gute Eqvippage, Geraͤhtſchafft und Convoy haben; was fie aufihrer 
eife vor See-Rüften und Ränder zu pafliren ; ob die Sees Häfen bon 
ficherer oder gefährlicher Einfart/ guten Schiff-Rager / fonderlich bey 
Sturm⸗und WinterdsZeit ; welcher Coursam (icherften und bequeme 
ften; ob die Frachten hochoder niedrig / und die Waaren felbige er⸗ 
tragen Fönnenodermicht ; wie lang die Hin⸗ und Zerreife/ das Some 
mer⸗ oder Winter ⸗Lager / die Lieg Tage / das Ein-und Ausfchiffen/ 
und dergleichen währen möchte ; wieedmit den Zöllen befchaffen ; od 
Aflecuratores, und wie hoch an Premie die beraflecurirte Summen zu. 
haben; wo die Retour-Zrachten herzunehnen ; ob das Schiff mit 
Ballaft beladen / an denjenigen Ort / daes Waaren einnehmen foll/ 
Bin/ ober da ed ausgeladen worben/ wieder herkommen müffe. Die 
fe Betrachtungen alle / und generaliter der gange Flor der Schiff: | 

Fahrt richtet ſich nach dem anwachfenden Commercio einer Stadt/ 
und nach den glüclichen Friedens-Zeiten ; (es waͤre dann / daß einer 
durch Die Caperey oder See⸗Raͤuberey feinen Profit zu fuchen gewohnt 
wäre/ der wird freplich den Krieg dem Frieden weit —— cs 
richtet (ic) auch nad) denen Eapitalien der Einwohner und Liebhabern 
der Handlung/ die gemeiniglid zur Winters:undRriegs-Zeiten dar- 
nieder lieget / es ſey gleich/ daß dieſe letztere nahe an einer felhen Han⸗ 
dels⸗Gtadt / und in ihren Gewaͤſſer / oder auch in denen Provincien 
und Ländern graſſiren / wo ſolcher Leute ihre meifte Handlung hinge ⸗ 
bet; Alſo muſten der Lübecker ihre fchöne/ herrliche und wohl>gebaute 
Capital · Schiffe / fobald ald Narba an die Mofcomwiter überging/ und 
Ehurland und Liefland von denen Schwedif. und Moſcowitiſchen Krie⸗ 
— beaͤngſtiget wuͤrde / zu Haug bleiben / und an dem Wall 
tegen/ weil auf gedachte Provincien , wohin ſonſt ihr meifter Handel 
in der Oſt See geweſen / die Commercia fill und ruinivet lagen. Oft 
ſchlaͤgt aud der erlittene See · Schaden die Gemuͤhter nieder / dapfte 
sicht Luſt haben ferner zu hazarditen / oder die Capitalia werden fihe- 
. | rer 


——— 1123 
ver gehalten/ wann man ſie im Kaften/ oder inliegenden Gründen auf 
inte liegend Hat/ald dag man foldye dem wutenden Element des Waſ⸗ 
ferd anbertrauen folte; ſolche Borfichtigkeit ift wolzuloben / es kan 
aber dabey Maaß in allen Dingen gehalten werden/alfo daß man nicht 
zu verzagt und auch nicht zu verwegen fey; Von beyden erfordert die 
Handlung’ warn fie gludlich gehen foll/ eine gebüuhrende Melange, | 
Die Shif- Fahrt zu facilieiven/ und denen zur Gee-fahrenden den 
Meg Fürger zu machen / haben fich fehr biel Potentaten bemüher / wie 
dann der Kayſer Nero ſchon foll willens gewefen feyn / den Ithmum 
bey Eorintho durchzuftechen/ damit man nicht gank Moream umfrgeln 
dörffte/ mann man aus dem Adriatifchen Meer in dem Archipelagum 
wolte. Kaͤyſer Carolus Magnus verſucht bey Reelheim durch die lt» 
mühl/ Regnig und Pegnig einen Durchſchnitt bis Forchheim zu ma⸗ 
then / umalfo die Donau mitdem Mayn und Rhein zu vereinigen: 
Graf jalius bon Sohenloh wolte von Wertheimaus durch Schleuffen . 
die Zauber ſchiffreich machen / bis auf Weickersheim / und pon dannen 
einen Durchſchnitt in die Wernitz graben / welche bey Donaumehrt in 
die Donanlaufft; Ein folder Durchſchnitt ware auch zu machen von 
der Donau durch Mähren in die Oder / bey Bolſching und bey der Ko» 
fel/ gleich wie der Ehurfürft von Brandenburg aus der Spree in die 
Dvergethan ; und der General Wallenſteiner mit den Travenfluß 
zu Lübeck willend geweſen / den er bis an Hamburg führen wollte / da⸗ 
mit man dadurch aus dev OR-Gee in die Weſt⸗See füglich kommen / 
und nicht gantz Juͤdland erſt umfegeln dürfte. Anderer dergleichen 
Durchſchnitte und Canaͤlen (fonderlic) des groffen Canals / melden 
der König von Franckreich durch Languedoc und Guienne machen lafe 
fen/ um die Mitteländifche See mit dem Oceano zu vereinigen) anjes 
bau gefchweigen‘/ bon melchen doch die wenigſten zur ‚Perfection ge» 
nımen. | 
Zum Befchluß diefer Materia koͤnnen wir nicht umhin / einercurieu- 
fen Kauffardey-⸗GSchiffs⸗Flotte / oder vielmehr einer auf Schiffen ges 
bauten Indianifhen Stadt zu gedenden / welche Reuhoff in feiner 
gehen Vo ee befchreibet: Es kam daher ge 
. trieben ein ganzes oͤrfflein / dergleichen die Sinefer treibende oder 
ſchwimmende Dörfer nennen ; diefe wiſſen fie fo artlich und kuͤnſtlich 
zu bauen / daß auch der aller ſinnreichſte Europaͤer ihnen ſolches nicht 
nachthun würde. Die Materia/ daraus ihr Fundament beftehet/ ift 
eine befondere Art Schiff oder Nicht / überaus dick und ſtarck / das 
mit Gewalt auf dem Waſſer ſchwimmet / und von den Portugiefen 
da zußand Pampus genennet wird; ſolche Pa mpus oder Bambus-Rieh> 
te werden mit dicken Hölgern au einander gefüget / und nit Stricken 
bon dem Sinejifchen Gewaͤchs Rotang feft gemacht; auf dieſe alfo 
Bbbb4 zuſam⸗ 


124 Sch 


zufanmen gefchnürte Richten bauet man. Hütten und Heine Häuslein 
von Brettern und anderer leichten Materia, aud decket fleoben mit ei» " 
nen Matten⸗Dach / dartnnen können fi die Sinefer mit Weib und 
Kinder aufhalten und ernehren / nicht anders / aldob ſie denfeften 
Land wohneten. Es ſeynd aber etlicher diefer im’IBaffer ſchwimmen⸗ 
den Dörfler fo groß / dap fich biömweilen mehr ald 200. Familien dare 
inn aufhalten - Diefe Leute treiben fürnemlich Kauff-Handel mit al 
lerhand Sineſiſchen Waaren/und fahren mit ihren DörffeoderHaus>» 
Flotte die Steöhme auf und ab/ von einem Ortzum andern ; felbige 
aber fortzubringen/gebraucht man feine Segel von Matten / derglei⸗ 
chen fonft aufandern Sinefifchen Schiffen gebraͤuchlich ſeynd / fondern 
laͤßt ſie entweder mit dem Strohm hinab treiben/ oder fchiebet jie mit 
Bdumen / oder ziehet (fe auch mit Striden gegen dem Strom auf⸗ 
wertd. Wann jtenmeinen Ort kommen / da fie etwas berkauffen wollen / 
ſo ſtecken ſie die Baͤume in dem Grund / und machen ihr Dorff daran 
feſte. Man findet aber nicht allein in Sina Doͤrffer auf dem Waſſer 
treiben / ſondern and) gantze Städte/ welche nicht aus Haͤuſern / ſon⸗ 
dern gemeinen Schiffen beſtehen / und daher füglih Schiff⸗Staͤdte 
koͤnnen genennet werden; Dergleichen Flotten beſtehen offt aus 1. 
bis 00. Schiffen / die fie Juncken nennen / welche ſich als gantze Staͤd⸗ 
te zuſammen halten / und auf welchen die Sineſer ihr Lebenslaug mit 
Weib und Kinder wohnen. Mit dieſen Flottenfahren ſie durchs gan⸗ 
se Land / ihren Handel zu treiben / und waun ſie damit weiter gehen / 
ſcheinet es / als waun eine gantze Schiffs · Stadt aufgebrochen: fie hal« 
ten auch auf dieſen Schiffen nicht anders als wie auf dem Lande / aller⸗ 
‚band Vieh / ſonderlich aber Schweine. An was Ort ſie kommen / da 
bleiben ſie gemeiniglich etliche Monat / reden alsdann zuſammen ei⸗ 
— Sprach / wiewol ſie ſonſt Volcker bon maucherley Sprachen 
eyn. — | 
Schierl / tine unartige Zwitter⸗Art / fo das Zinn im Schmeltzen 
ſehr raubet. 
Schildereyen / vide Gemaͤhld / item Kunſt⸗Sachen. 
Schincken / Franhoͤſiſch desJambous, kommen unter bie. allgeme-⸗ 
ne Benennung des Specks. Indeſſen werden die Weſtphaͤllſche / it. 
die von Mayence por die beſten gehalten; ſie muͤſſen / wann ſie mit ei⸗ 
nem Meſſer bis an dem Knochen geſtochen / und ſolches hernach heraus 
ezogen/uuddarangerochen wird / einen annehmlichen friſchen und 
feinen rantzigten oder ſchimmlichten Geruch haben / im Aufſchnitt 
fchön friſch / voht und nicht braun / gelblich/ gruͤn / ſchimmlicht / oder 
gar voller Maden ſeyn. Einen Schiucken wohl zu raͤuchern / ſo halten 
einige ſolchen 5. Tage tn Poͤckel/ nehmen ihn hernach a 
nr BU — un 


— 


men Sch 125 
and legen ihn io. Tage in Hammerſchlag / hievanf waſchen fie ihn im 
rohten Wein / und ſchlieſſen ihn an einem engen Ort / und machen ıo. 
Tage lang alle Tage ». mahl Feuer don Wacholder⸗ Holtz darunter. 
Einen Schinden immer frifc) zu erhalten fo lege denſelben s. Tage in 
Salt / nehmer ihn alsdann heraus / ſchabet den Saltzſchleim mir einem 
Meſſer ab / und tunckt alsdann dieſen Schincken in ein ſiedendes Waſ⸗ 
fer etliche mahl ein / fo wird er von der jaͤhlingen Veraͤnderung ſich ei⸗ 
was zuſammen ziehen / hierauf an die freye Lufft oben in das Boden» 
Fenſter gehangen / ſo Hält er ſich etliche Monat lang fo friſch / als wann 
er erſtlich wäre geſchlachtet worden, iſt auch nicht zu befürchten / daß 
die beſte Subftang/ wie dey andern Schincken geſchicht / im Rauch ver» 
zehret werde. 
Die Schincken insgemein / mie auch aller Speck / werden / wann ſte 
nochan den Speckſeiten ſitzen bey Schifipfunden oder Centner / ein⸗ 
geln aber bey Pfunden verkauft. Der Holfteinifche/ Dänifche / 
Weſtphaͤliſche Pommerifche/ und in Summa aller Speck / da die 
Schweine gute Eihel-Maft gehabt / wird bor Buch⸗oder Tranck⸗ 
Gpid beliebet/ undauchetwastheurer bezahlt. Die Handelung das 
mit gehöret den Hoͤckern oder Kaufleuten / die mit fetten Waaren 
handeln / zu/ und ift fonderlich vor die exfte mit marqvedenternin La⸗ 
gernofft ein ehrliches zu verdienen. et 

Schirl / vide Schierl. 2 mu 

Schirling / MWiterich/ Cicuta major, Cicutaria vulgaris. 

Schiftus ift eine Art eines Blutflein / welther auf den Wesftein ges 
rieben einen ſchwartzen Safft von ſich giebet man findet (ke gemei⸗ 
niglich in den Ocker und Eiſen Bergwercken / vide Blutſtein. 


Schlabeer / Wegdornbeer / Creutzbeer / Spina Cervina ſeu 

Cervalis. | | 

Schlacken / iſt das was bon den Metall abgehet/wann fie in Schmel⸗ 

en feynd da dann die Schladen ald des Metalls feces oder Unreinig⸗ 

eit wie Fettoder Schhieer oben darauf ſchwimmen. Schlackenſtein 

iſt eine bon Arfenico und Schweffel bermifchte fubtile Erde / fo fich 
von Schlacen abfcheidet / Silber an fich ziehet und behält: 


Schlaff⸗Apffel / SpongiaCynosbati feu Rofarum, 
— eer / Salannm Somniferum, 
— Roſen / Roſæ Caninæ. 
— ung / Cynosbatins. 
— Rraut / Hyofcianus, Morion,FabaSuila. 
Schlaf: Roͤck / nad) Japoniſcher Art werden von Seiden / Wollen 
und Leinen / meiſtentheils aber von Baumwollenen Stoffen bey den 
Bbbb⸗ Kra⸗ 





. 1126 | Sch 


Kramern gans fertiggefaufft / oder auch nach eines jeden Gefallen 
beym Schneider beftellt/ und berfertiget. 

Schlaa-Kräntlein/Chamapytis, 

— Balfam / vide Balſam. 

Schlag⸗ Uhren / werden hin und wieder bon Fünftlichen Uhrma⸗ 
bern auf unterſchiedliche Arten und zu unterfchiedlichen Preiß gemacht. 
vide Uhren. | 

, Schlange Serpens ein bekandtes gifftiges Thier / doch auch in der 
Hcheneydienlid), 

. Schlangen-Araue/ Veronica , nummularia, Colubrina, Scor- 
zonera, 

Schlangen · Wurtzel / Confiligo Plinii , Biſtorta, Serpentaria 

rubra, En: 
“ . Schlangen-Zänglein/Ophiogloflum,lingvaSerpentina. 
Wund⸗ Kraut / Veronica, 
Aols/ Lignum colubrinum, 
Mord / Scorzenera,Viperina. 
Zwang / Coronopus, pescorfvi,gramenSerpentinum, 
Brad / SpinzSerpentum. 
Gras / Cramen $erpentinum, CoronopusSylveftris, 
Stein / Ophites ,lapisSerpentinus, 
Knoblauch / Alhium angueinum feu Serpentinum, 
— , Sclip-Wurs / Biftorta, Doronicum,Serpentaria. 


Schlangen⸗Schmaltz / Adeps feu pinguedoSerpentum, Diefes 
Schlangen: Fett erweichet die Kroͤpffe / heilet die vothen Augen und 
Flecken / und lindert dad Podagra / andere zubereitete Stüd von der 
Schlangen fennd/ (1.) das lüchtige Saltz / befotiderd ausden Rüd: 

vad aus welchen man hernacheinen Ligvorem oder Delbereitet / der 
ie Podagrifhe Schmertzen trefflich lindert / (2.) das Pulber/ diefes 
erhält man / wann man eine abgeftreiffte Schlange von welchen man 
das Eingeweyd / wie au) Kopffund Schwantz hinweg gethan / wa⸗ 
fchet und mieber trocknet / undfle alddann ſammt dem Rückgrad zu 
Pulver brennet / diefed nennet man Bezoardicum animals Simplex, 
man nimmt aber zu 2. Qbentien Schlangen-Pulver/Baldrian/Ange- 
lick / Pinpinell und Rauten/ ana 1. Dventien/ und mifchts zum 
Pulver/ fo hat manein Bezoardicum animale compofitum, in 
Durch gank China und Indien berũhmtes Gift: Mittel ift auch der von 
den Portugiefen fo genannte PiedradellaCobra, welcher von denen 
Brachmannıs erfunden worden/ und theils natürlich in einer Schlan⸗ 
ge gewachſen / welche gedachte Portugiefen Cobra de Capello oder die 
baarig- 


111. 14141 


— 


Sch | — 1127 
haarigte Schlange heiſſen / theils auch aus bemeldterSchlangen-Stüs> 


cken bereitet wird / dieſer Stein ſoll wann er auf einen gifftigen Thier 


Bis oder Stich geleget wird / ſo ſehr daran kleben / und wie eine Blut⸗ 
Igel das Blut ausſaugen / daß er nicht ehe abfaͤllt als bis er ſich En 
bollgefogen / welches er wieder bon ſich laͤſt wannıman ihn in Mil 
wirffe / die ich dann davon gang verkehret /und Srünblau wird. Cin 
ander Mittel wider der Vipern und Schlangen: Bis iſt auch) Campher 
in Petroleo aufgelöfet; den tollen Hund» Big heilet eine lebendig auff« 
gelegte Kröte/Boyle aber appliciret ein glüendes Eifen auf den Biß / 
und ziehet damit das Bifft aus / daß alle Symtomara nachlaſſen / am 
beften aber iſts dap man alfofort Theriac, Bezoar Tindtur, Orvietan 
und dergleichen innerlich gebe / damit vis fermentariva essen 
werde; die Jtaliäner haben den Viper⸗Wein in offenen Gebrauch / (le 
ſchneiden nemlich die Bipern lebendig auf und in Stücken / thun fle in 
eine gewiffe Dbantitat Wein / und ftellen es in einen verſchloſſenen Ge⸗ 
faͤß an einen laulichten Ort/ dagiie ebulliren/ und alfo trinden (le es 
als ein Schweiß-Mittel wider die Frankofen. Das Fett von Dis 
gern hat mit den oberzehlten Schlangen» Fett gleiche Wuͤrckung / die 
äbgemorffene Vipern⸗ Haut hält man gut vor die gelbe Sucht / fo feynd 
auch in Italien die Vipern die beften Medici bor dem Ausſatz / indem 
man den damit behafften Menfchen in eine Hoͤle in welcher ſich viel Vi⸗ 
pern aufhalten bloß und nackend hinein trägt / da dann wann derſelbe 
zu ſchwitzen anfängt/ die Nattern gleich von ſolchen Schweiß-Dampff 
elochet aus ihren Löchern heraus wifchen / und des Ausfigigen Mens 
chenLeib / den man gemeiniglich einen Schlaf-Trund damit er (ich 
nicht entſetzen möge / eingiebet/) umfangen / ſolchen allenthalben bele⸗ 
den/ und alfo zugleic) das Gifft des Ausfages mit wegſaugen / fo bald 
fi aber der Schlaffende reget / wieder in ihre Löcher hie en / worauf 
es (ich dann offt zutvägt daß der Patient gefund heraus getragen wird/ 
mo nicht fo muß dieſe Cur wiederholet werden; mehrere aus den Vipern 
äubereitete und in denen Apotheden zuſammen gefegte Stuͤcke ſeynd / 
(1.)das Del aus den Bipern/ (2.)Sal Theriacale Simplex,feu Sal com- 
mune virturibus Viperarum alexipharmacis & confortantibus im- 
prxgnatum, (3.) Pulvis Viperarum, Alexipharmacus , Effentia Vi- 
in Alexipharmaca Zwolfferi , der flüchtige Spiritus und dann das 
xe Saltz. 


langen · Kron wird bey einigen Schlangen / oben auf ihren 
af efonben/if am Haupt flady/ an der Farb einen Carniol gleich / 
bon den Grund aber aufwärts grünlich / und gegen dem Licht Durch» 
ſcheinig / einige ſeynd atıch weiß / andere fprenglicht / ſie werden kuͤnſt⸗ 
lich nahgefchuitten von Ochſen oder KRälber- Zähnen / allein aufer baf 


mE Sch 


felheleicht an den unterften Theifmsit welchen bie rechten anden Kopf 


hafften / zu unterfchteden ſeyn / fo haben ſie auch Die Krafft nicht wie dies 
fe den Gifft zu widerſtehen / feynd auch viel leichter and nicht fo com- 
pact als die rechten. 
Schlehen /Acaciagermanica,PrumumSylveftre, - 
— Dorn / Agrio,Coccymelea,PrunusSylveflris, 
Schleiff⸗Steine /feynd zweyerley Arten / als OlcaresundAgvarix, 
jene feuchtet man mit Oel dieſe mit Waſſer an / wann man ſie zum 
Schleiffen gebrauchen will / der erſten Art gebrauchen ſich die Kupffer⸗ 
ſtecher und Siegel⸗Graͤber / die andern bie Schleiffer / welche Degen 
und Meffer-Rlingen/und andere&ifen und Staͤhlerne Inſtrumenta zu 
ſchleiffen haben. 
Schleim-Steine werden darum alſo genannt / weil (le leicht zu 
ſolxiren / und gleichſam nur dor die erfte Materiader Stein paftıren/ 
wie fie dann auch ihrer Fettig-und Schleimigfeit halber zu nichts an⸗ 


\ 


ders als die Felder damit zudingen dienen. 
Schleiß⸗Zwiebel / Copa fosfılis, 

Schleſiſche Waaren und Handlung / ziehet ſich in. Schleſtens 
Haupt⸗GStadt Breßlau / gleichſam als in einen Centro zuſammen / Die 

chleſiſche Waaren anfich ſelbſt Laffen (ich ebenfalls in Natürliche und 
durch Runft-: Muh und Fleiß gemachte eintheilen/ unter jene zehlen wir 
die Faͤrber⸗Roͤthe dabon wir unter dieſes Mortd Benennung außs 
führlihe Meldung gefhan/ "ferner bringt das fo genaunte Rieſen⸗ 
Gebürg / und die an daffelbe anftoffende Felder allerley heilſame 
. Kräuter hervor / deren Cafparus Schwenfeldius in feinen Bud) de 
rebus naturalibus Sileſiæ, einen gangen groffen und mweitläufftigen 
Catalogum gegebeg/ die bornehmften darunter ſeynd Adiantum 
Furcatum, Angelica Alpina maxima, Angelicaalpina tertia , Aconi« 
tum Racemofum, Anemone Alpina nivea, Acetofa alpina, Bellis mon- 
tana maxima „ Biftortaalpinamajor , Caryophillata alpina, Cirfium 
montanum, Chamædrys, Gentiana major, Helleborus albus, Hie- 
racium Draconites, feu Polycephalum, Mufcusalpinus , fonft auch 
Mirnau genannt/ Napellus major, Petafites Aorealbo, Polygona- 
tum feu Sigillum Salomonis racemofum, Tenuifolium feuPolygona- 
tum ſœmina, Ranunculus alpinus candidus, Sanicula alpina minima 
flore albo, & purpureo, Tuffilago alpina rainor: flore purpureo , & 


albo,itemramofa Trachelium alpinum maximum ‚“ Tormentilla 


alpına maxima , Vidterialismas, & foemina, Viola martia flore 
Intco , &c. nechſt diefen zur Medicin dienlichen Kräutern / hat auch 
Schleſien hiel Metalla und Mineralia , wie dann in den Thaͤlern des 
Rieſen⸗Gebuͤrgs / gange Heine Zweiglein puren Goldes a 

uns 


funden worden / Eifen / Rupffer / Zinn and Vitriol / darff auch nicht 
weit geſucht werden/ und was folk ich von denen Ebel: Steinen fa 
gen / da Schleſien folche herrliche Granaten hervor bringt/bergleichen 
der Orient nicht beffer geben Fan / an Diamanten / Rubinen/ Amethy⸗ 
ſten / iſt auch fein Mangel / wiewoblman hier geftehen muß / daß ſolche 
an ar und Blank den Orientalifchen nicht beyfommmen / die 
Topafıer feyud dafelbft fonderlich groß / an Chryſtallen und Achaten 
ift ein Uberfluß / vor allen recommendirt ſich ein gewiſſer Stein Joli- 
thusfeu Lapis Violaceus genannt / weicher an Geruch die Violas 
Martias imitirt/ was Een por einen guten Korn-Boden und 
Flachs⸗Ban habe / wie deflen Fluͤſſe fo Fiſchreich / die warnıen Baͤder 
deren Qvellen hin und wieder aus dem Gebuͤrg entfpriugen/fo heilſam 
- zur Wiederbringung menſchlicher Geſundheit feyn / folches ift aus der 
Particulair-Befchreibung Scleflens zur Genuge befandt. : 
Wir gehen von denen Naturalibus zu den Manufacturen/ und zehlett 
unter ſoiche als die vornehmfte das Leinen Garn diefeinwath und wol · 
lene Tücher/ das erſte belangend werden davon jährlich viel 100. Cent» 
‚ner auſſerhalb Lands verführet‘/ woſelbſt es gebleicht / und zu Zwiru 
und Leinwath verarbeitet wird / Schleſien ſelbſt gibt eine groſſe Qban⸗ 
titaͤt roher und gebleichter feiner und grober Leinwath aus / indem da⸗ 
ſelbſt Mann und Weib/ Alt und Jung / in Staͤdten und auf den Doͤrf⸗ 
fern ſich des Spinnens beſteißigen / und noch mehr in dergleichen / 
ſonderlich den Tuch oder Raden-Manufadturen/ (wozu Schleſien we⸗ 
gen der guten Wolle fo daſelbſt und in den angrängenden Polen faͤllt / 
dortreffliche Gelegenheit hat/) würde praftiven koͤnuen / wann nicht die 
Eatholifche Pfaffen mit ihren Religions: Eyfferdie Handwercks⸗Leut 
aus den Land / und denen Benachdarten zujagten / dadurch aber den 
Haus Oeſterreich viel taufend getreue Unterthanen entzogen / ja 
endlich das Land er wüft und öde / und zu einen Cloſter machten. ° 

Die übrige Schlejifhe Handlung betreffend / erſtreckt ſich diefelbe/ 


Sch . 1m 


mebrentheildin die angrangende Kinder / vornemlich nach Polen) / 


Sachſen und die Marckbrandenburg / in jenes bringen fie allerhand 


Gewuͤrtz / Cram⸗Waaren / Gewehr / Leinwath / Tuch / Faſten⸗Gpeiß / 
Meine und dergleichen fo mehrentheils von den Breßlauer Kauff · Leu⸗ 


ten in Hamburg / Luͤdeck / Leipzig / Ruͤrnberg / Berlin und Franckfurt 


an der Oder eingehandelt / und dargegen aus Pohlen wider Wolle / 
beder / Wachs / Korn / Vieh / 20. ausgefuͤhret wird / auf den Leipzi⸗ 
ger und Franckfurter Meſſen ſieht man die Schleſier mit ihreuLeinwa⸗ 
then / rohen Ochfen-Leder/ Farbroöthe und Tuͤchern / fie bringen auch 
Ungeriſchen Wein / welchen ( weil ihnen Ungern ſehr nah liegt / und 
auch ihre Handlung ſich zimlich dahin erſtrecket /) ſie bor andern einzu⸗ 
fauffen gute Gelegenheit Haben, - * 

e 


* 


1130 Sch 
Die Breßlauer Ein kommt faft mit der Hamburgiſchen / Franckfarter 
an Mäyn und Leipziger überein / vide ihre Redudtion gegen andere 
Ellen⸗Maaß unter dem Wort Maaß und Gewicht. Ein Schod Lein⸗ 
sach Breßlauer Ellen iſt a8. Amſter damer. 
Der Transport der Kauffmanns⸗Guͤter nach und aus Schleſien / ge⸗ 
ſchiehet die. Oder hinunter nach Pommern / oder dieſen Flug hinauf 
nach Mähren’ item auch vermittelft der Oder in die Spree / von fol« 
her ferner durch Berlin in Die Havel / und fo weiter aufder Elb nach 
Sanıburg / wofelbft unbeſchreiblich Viel groffe Garn und Leinwaths⸗ 
Kap Jaͤhrlich ankommen / welche von dannen nach Holland/ Spanien 
and m... gehen/ weil die Oder an bielen Ortennur gar feicht iſt / 
und viel Sand» Bände hat / alö wird folche nur mit langen und ſchma⸗ 
fen Schiffen die kaum die Breite eines groſſen Garn ‚oder Leinwarhs+ 
Saffeshaben/ befahren. | | 
Wegen der Schleſiſchen / und fonderlich der Breßlauer Gelder ift 
mercken daß man dafelbft die Bücher in Reichsthaler und Silber- 
Groſchen haͤlt. Es hataber | un 
. Reichöthaler zo. Kaͤyſer⸗Groſchen / Silber-Grofchen oder Boͤhmen/ 
45. weiſſe Groſchen oder 90. Kreutzer. | 
1, Kaͤyſer⸗Groſche / Silber-Grofche oder Böhme Hat Z. weiſſe Gro⸗ 
fchen oder 3. Kreuger oder 4. Groͤſchel oder 6. Dreyer oder ı2, 


fenning- 
r. gef Srofehen hat 2. Kreutzer oder z. Dreyer. 
| hat 4. Pfenning / 1. Groͤſchel 3. Pfenning ı. Dreyer =. 
Pfeuning. | | 
». Bülden oder 3-Gtüd hat 20. Käyferd-Brofchen/Silber-Brofgen 
oder Böhmen. , 
s. Scleſiſcher Thaler fonur eine ängirte Münge iſt / hat 24. Silber⸗ 
Grofchen oder 36. weiſſe Grofchen oder 72. Kreutzer. 
gr Die Wechſel⸗Preiſen feynd 
Auf Holland. Reichsthaler von zo. Groſchen / vor 33. bi8 40. Stüver 
Banco dder 138. bis ijo. Neichöthaler vor 100, Reichſsthaler Cou- 
rant und Banco, BE 
Auf Hamburg und andere teutfche Plage iſt es gleich alfo / nemlich auf 
fo viel pro Centum Geminn oder Verluſt. 
Wegen des Pollnifhen Geldes mit welchen die Schleſier auch viel 
uthun haben / fiehe weitere Nachricht unter dem Wort Pollniſche 
aaren. 


Schleyhe / Tencha & Tinca, iſt ein glatter Fiſch fchlüpfrig und dich 
zwar nicht wiederlich von Geſchmack / aber bon ſchlechter Na Fang) ar 
| | | m 


| Sch 2 
dem man bald das Fieber effen kan / ev wird fonft au Pilcium Medicus 
ein Arht der Zifche genannt. 

Schlich iſt das Klein gepochte und gewaſchene Ertz. 

Schling · Blum / Rhus,Sumach, 

—  Rıaut-Saamen/Semen ſumach. 

Schloßwurtz / Schofmwurg/Stabmurg/Abrotanum mas, 

Schlotten⸗Baum / Pulfatilla,, anemone Sylveftris, Herba 
Venti, 

Schluͤſſel · Slum / Primula veris, Paralyseos,Betonica alba, 

Schiurten/ Boberellen/ Winter-Kirfhen / Alkekengi, Haliaca- i 

um, | | | 

Schmad / Schuͤte / Schnau ift eine Art Heiner Schiffe / welche 
die Holländer viel brauchen / und von zo. biö so. und mehr baſt tra ⸗ 
gen konnen. | 

Schmack / vide Sumach. vel Rhus, 

Schmal Enden⸗Gras / Oramen agvaticum, 

Schmal Blaͤtterigte Hirſchmanngold / Pulmonaria qvartaPli- 
nii anguſti folia. | | 
Schmal Dito CLungen⸗Kraut / Pulmonaria prima angulli folia, 

Dito Thapfıa Thapſia tertia anguſti folia. | 
; = Zahm Ratzen⸗Nept / Mentha felina tertia fativa angufli 

olia, | 

Schmal Araufer-Kohl/ Brasfica felinifia angutfti folia, 

Schmaltoder Schmelgblau/ wird gemacht von Alaun / Vitriol 
und Salpeter / es Fan alle Farben annehmen wie Glas. 


Schmaltz ober Fett / Lat. Axungia,adeps,pinguedo iſt vielfältig / 
als Axungia Anatis Enden⸗ſchmaltz / Anſeris ——. — 
Reyher⸗ſchmaltz / Aleiæx vel AfchyPifcis Aſchen⸗ſchmaltz / Canis Hunds⸗ 
ſchmaltz Caponis Kappaun⸗ſchmaltz / Caftorii Biebergeil ⸗ſchmaltz / 
CatiSylveftriswild Katzen⸗ ſchmaltz / Axungia Colli eqvini Kamm- 
fömalg von Roſſen / Cervi Hirſch / Cunieuli Kaninichen / Ciconia 
Storch⸗ſchmaltz / Galline Huner- Fett / Axungiahominis Meuſchen⸗ 
Fett / Leporis Haafen- Fett / Lucii Pifeis Hedt-fhmalg/Axungia Lu- 
pi Wolffs⸗ſchn altz / Muris Montani Murmelthter-fhmalg / Serpen- 
tum Schlangen-{hmalg, Taxi Dachſen⸗ ſchmaltz / iperarum Vipern / 
Urh Baͤrn / Vulpis Fuchs / Vulturis Reyer⸗ ſchmaltz / Serum Cerrinum 
Hirſchen⸗ Unſchlitt. i 
Alles Fett von Thieren ift von eben der Natur und Eigenfchafft als 
das Gummi ift/in denen Vegetabilibus,in der That aber nichts anders 
als 


L Sch 


alsein gewiſſes Schweftelhafftiges Excrementum , jedech ni 
Krafft und Tugend/ tondern weiles voll eines bien Salnkmrs ih ng 
at es wann esanders recht aufdie Chymiſche Weiß prapariret wir 

feinen vortrefflichen Ruten in der Artzeney / man dereitet auch eine 
Doint:Effeng daraus / und zwar folgender Geftalt. Nimm Thier⸗ 
fchmalg welches duwilt/ zerſchmeltze es / und wann es wohlgeſchmol · 
gen und elarihcrt / ſo win Stüde bon alten Ziegel-fteinen/ mache ſol⸗ 
che glüend heiß / und Löfche ſie in den gefchmolgenen Fett ab / aljo da 
fie fo viel davon alö ſie Fonnen annehmen/ oder Rn gen / — 


1132 


hernach dieſe Stücke zu einen ſeht zarten Pitlver / 3 in ein 
Karckes ımd wohl verlutirtes zugemachtes Geſchirr oder Glas ⸗ Retor⸗ 
te, fee dieſelbe in einen beqbeinen Ofen zu einen bloſſen Feuer / lege 
davor einen weiten Recipienten/ ſchlieſſe und verlutire demſelben wo 
zu gib ihm das Feuer Gradatim, deflillive dabon ein Def fo lang = 
eines übergeben will/ redificive es 7. mahl in einer neuen and ſaubern 
Retorte , und verwahre es in wohl zugeflopfiten beqvemen Glaͤſern 
um Gebrauch / wann ſolches hernach impragnivet wird / dorch Intun- 
 dirung mit den kraͤfftigen Wund-Kraͤutern und Blumen / ſo iſt es ein 
trefflicher Balſam zu Heylung der Wunden. a 
Schmaltz⸗ Blum / Gleis⸗Blum / Butter⸗Blum / Spiegel-Blun/ 
Ranunculus. | | y 
Schmaltz⸗Hefen / Ononis,Refta Bovis. | 
— Kraut / Lactuca, Thridax. | | 
Schmand⸗Rohm oder Milch⸗Rohm /. Cremor ladlis, feu Aos 
lactis. 
Schneckend⸗Gras / Menthaſtrum. / 
Schmeer / Adeps, axungia vide Schmaltʒ. 
Schmelden / Juncus, Scirpus. 
Schmelg-G!las / wird von allerhand Farben ſehr biel in der Juſul 
Murano nicht weit von Venedig gemacht / vide Zmaid, 
Schmelgen/Perficaria, Hydropiper, 
Schmerbel / BonusHenricus. 
Schmeer ⸗Apffel Schmerbier / Scheyerling / Sorbum, velSorba. 
—Blum / Caltha paluſtris. 
Schmeer⸗ wurtz / Bryonia, Symphytum, Pinguicula,confolida 
major. — 
Schmergel oder Schmigel / Smiris, vel lapis Swiridis wird von 
einigen vor eine Art Blutſteins bon andern aber vor einen ſteſnigten 
Marcaſit gehalten / iſt ein harter&ifenfarbigetStein/welcher theils aus 
Spanien / iheils aus Schweden und Engeland, gebracht wird / der 
erſte 


 — — . — 


‚Sch 1133 


AT ——— — — 
erſte hat hin und wieder Bold: Adern an ſich / der wediſche weil er 
aus den Kupffer⸗Gruben kommi / ſiehet etwas r * aus / der 
legtere aber nemlich dev Engliſche iſt der gebrauchlichfte und fo wohl 
gantz als zu Pulver gemahlen / bey den Material’ften zu befommen/ 
den gangen brauchen die Blasfchneider/ weil er wie ein Diainant die 
Glaͤſer riget / das Schmirgel-Pulver aber wird von den Meſſer 
und Waffen⸗Schmieden ſehr gehraucht die Waffen damit zu poli- 
ten / der Spaniſche Schmirgel / weil er fehr var / wird’ den Bold glei 
bezahlet / und von denen Alchimiften zum Goldmachen gebraͤucht 

Schmerobel / Atriplex canina,BonusHeinricus, . 


Schminck oder Anſtrich / Frantzoͤſiſch Fard. Lateiniſch Cosmeti- 
cum heſtehet in vielerley Arten / entweder durch ein Waſſer / welches die 
Unreinigkeit / und Sommerſproſſen / Runtzel / Finnen / Maͤhler und 
Flechten der Haut weg nimmt / und ſolche rein macht / oder auch in einen 
Anſtrich dem Geſicht eine ſchoͤne und lebhaffte Farb zu geben/diecom- 
pofition einiger folder Huͤlffs-Mittel iſt als folger. 4 
Rehmet Rocken⸗Kleyen ein halb viertelund ſchlaget fe 4. mahl durch / 
bis Fein Mehl mehr dabey iſt / laſſet fie weichen in guten ig 2% 
3. oder 4. Stunden / thut hernach Eyerdotter darzu / laſſet fie darin 
zertreiben /und deflillivt esin Balneo Maria , bon diefer Deflillation 
geht ein Waſſer überfo die Haut fehr rein machet. — 
Item nehmt gute ſafftige Citronen und hartgeſottne Eyer in Scheiben 
zerfhnitten/ Schichtweiß über einander gelegt / thut es in ein Detil- 
lit Gefaͤß / andeffen Boden ein Pfund wohlgemafchener Terpentien 
liegt/und deftitlirt es bey gelinden Feuer über. Das übergegangene 
bewahrt zum Gebrauch. 

Item nehmt Peterſilien und Neffel-Saanten / Pferſiſch⸗Koͤrner jedes 
— viel / kocht es in Waſſer und waſchet das Angeſicht damit / oder 
oche Roßmarien⸗Blüh / Alaun und Weinſtein mit Wein / und waſche 
dich darmit. | Ä 
Item nimm zu Pulber gemachten Berg-Alaun / und ein frifch gelegtes 
CH / thue das Weiffe daraus und laſſe eos mit einander fieden / und 
rühre es wohl un daß es hart werde wie eine Salbe / damitfalbe dag 
Oder — Limonien und gedoͤrrte Bohnen / laß es in Men mit 
einander weichen / thue darzu Honig / Eyer und Ziegen-Milch / und 
deſtilſire es. | 
Item lag Campher in Brunnen Waffer zergehen und mafche dich 
damit. > 





Sir die Sonnenfproffen / aimm 2. Dutzend friſche Eyer / laß fein heile 
ku Aſche Heiß werden / vermiſche ſie mit einen halben Pfund fubtif 
Erce | pulve. 


1134 Sch 


pulverihisten Bleyweiß / drucke es als daun unter der Prefle aus und 
deftillirs die ausgeprefte ZeuchtigfeitinBalnco Marie, 

Item niuım 1. Pfund Agva Vitæ, 4. Loht Flores Sulphuris, ı. Pfund 
Brombeeren / laß das zufammen 24, Stunde auf warme Aſche wei- 
hen in einer Retorten, hernach deftillive es in Eiſenfeilich / bis kein 
Dampff mehr heraus gehe / und beftreich damit die Sommerfleden 
Morgends und Abends. 

Item, nehmet Rofen-Waffer 2» Untzen / Milch ı. Untz / unzeitigen Trau⸗ 
ben⸗Safft i. Untz / geſtoſſen Weyrauch 2. Quentin / Eyweiß wohlge · 
ſchlagen / veibt euch damit / che ihr zu Bette geht. 


u | 
Eine Malla, um zarte Hände zu machen, beſtehet 

in folgenden: 
Nehmet a Aepffel / ſchaͤlet fie ab/ und floffet fte in einen Mar⸗ 
morſteinern Moͤrſel / ee fe mit Roſen⸗Waſſer und blanden 
Wein / tat darunter die Kruͤme von weiß Brod/ und zerſtoſſene / ge⸗ 
fchälte und mit Wein geriebene Mandeln / hernach thut Hierzu ein we⸗ 
nig Seiffe/ und kocht eö alles bei) gelinden ne / und gebrauchts 
Item, nehmt a. Pfund ſuͤſſe Mandeln / ſtoſſet ſie in einen Marmor: 
ſteinern Mörfel/ weiche ſie ein ine. R flel Ziegen-oder Kuͤh⸗Milch 
2.oderz. Stunden / drücket ſie durch ein grob Leinen Tuch / welches 
wohl mit einer Peek andgepeeikt werden / dieſes Durchgedrück⸗ 
te ihut in einem Keſſel über Kohlfeur / thut darzu vor 2. ß. Kruͤme von 

weiſſen Brod / mit ungefehre. Obdentin Borras / und fo viel gebrann⸗ 
ten Alaun / und zulegt eine Unge Sperma Cei; man muß es im Ko⸗ 
chen allezeit wohl umrüßren/ damit es (ich im Keſſel nicht aulege. Das 
Zeichen/ wann ed genug gekocht/ iſt dieſes / wanin es (ich gang mit dena 
Gpatelaufpebet. Solches wohlund recht zu Fochen / muß man zum 
mwenigftens. oder s. Stunden darzu anwenden / es ift aber als dann die⸗ 
fe Mala eine von den vortrefflichſten / die Runtzeln des Geſichts weg⸗ 
zutreiben ; Nimmt man ferner den Safft von weiſſen Eilien-Wurgel/ 
und des beften Honigs / jedes 2. Ungen/ gefhmolgen weiß Wachs eine 

Untze / vermiſche alles unter einander / und mache eine Salbe daraus / 
mit weicher man ſich des Abends das Angeſicht beſtreichet / und des 
Morgends wieder abtrochnet/ ſo thut es ebenfalls einen guten Efledt, 
Item , nehmet Rinds⸗Gall / Spiritus von Schwefel / gebrannten 
Schwamm / Hamel⸗Unſchlit / jedes ein Quentin / menget alles unter 
einander / und machet eine Salbe daraus / dieſe ſtreicht man des A⸗ 
bends / warn man (ich zu Bette legt / auf die Sommerſproſſen und Fle⸗ 
den) und wächt ſie des Morgends mit Erdbeeren⸗Waſſer ab. 
Item, nehmet Limonien-Gafft und dad Weiffe von Eyern/ jedes ge 
viel / fehlaget es wohl unter einander / fegetes in ein irrdenes E in 

übe 





EEE? 
* 1 


— — 


—x— ——— 
überd Feuer / mit ein wenig Huner⸗Fett / und rühret es ſo lange um / 
bis es zu einer Salbe worden / dieſe muß man alle Abend aufſtreichen / 
und —5 damit anhalten / bis die Flecken im Geſicht bergangen. 
Item, 


hilft auch. 


Eine rohte Farbe sum Geſicht zu machen. 

So nimm Braſilien⸗Holtz / zu Pulver gemacht ı. Untze / und laß ed 24. 
Stunden auf warmer Aſchen weichen in einen ee deftillirten 
Wein⸗Eßig / alfo daß der Wein-Chig 2. Finger hoch über gedachtes 
Pulver gehe / darnach thue darzu 2. Pfund Waſſer / und laß es bis auf 
den deitten Theil einkochen / wann ſolches geſchehen / fo thu ein halb 
Viertel pulverifirten Allaun / and ein Loht Fifchleim in Stücken zer- 
fhnitten darzu / wann auch folches zergangen / fofeiget es durch / und 
thut es in eine Flaſche / und gebrauchtes alfo: nemlich / man nimmt 
nen Pinfel/ nehet ihn darein / und trägtesaufdie Baden und Lippen/ 
hernach breitet man ed mit mit den Fingern darauf aus. 


Die Pocken /Narben oder Blatter⸗Mahl wegzu⸗ 
treiben. 

So nimm Wallraht / thue darzu2. mahl ſo hiel bon den beſten Bienen- 
Wachs / ſchmeltze beydes zuſam̃en / darnach ſtreiche es auf Leder / wie ei⸗ 
ne darve / ſchneide Löcher aus vor deine Augen und Mund / lege dieLar⸗ 
ve ans Geſicht / und laß ed Tag und Nacht darüber liegen. 

Zu einem kupffrigen Angeſicht / nimm Gilberglätt vein gepulveri- 
lirt 4. Loht / gieß guten Wein-Epig daran / bis folcher 2. Finger hoch 
darüber gehe / laß es 2a Gtunde ſtehen / ruͤhre ed wohlum / zu dieſem 
Efig nimm hernach 4. Loht rein geriebenen Schwefel / und mache es 
zu einen zarten Saͤlblein / womit man / wann man ſchlaffen geht / den 
kupffeigen Ort beſtreicht und des Morgens mit Roſenwaſſer wieder 


* 


abwiſcht. Sublimat mit Roſen⸗Saͤlblein vermifcht/und etwas Cam⸗ 


pher darzu gethan / iſt auch bewaͤhrt. 
Item, hat 2. Ungen Schwefel-Blumen / und laffet ſie z. Tage und 


Racht in einen halben Roͤſſel Weineßig weichen / hernach deftillirte$ 


in einer Retorte in der Afche / und nehet ein Tuͤchlein in diefem Waſ⸗ 
fer/ undlegt es aufs Beliht; man muß es die gange Nacht darauf 
liegen laſſen und damit fo lange anbalten/ bis die Röhte vergangen. 

ken, nimm Efleng don Benzoin ı. Quentin / Waller von Bonen⸗ 
Blumen / Roſen Weißwurtz / weiſſe Seeblumen ana ı,Linge oder . Loht / 


vermiſche ſie zuſammen / fo gibts ein Lac Virginis, welches neben den 


angenehmen Geruch auch eine feine zarte weiſſe Haut machet / und 
wann man von dem Spiritu Vini Camphorato etwas hinzu thut / ſo be⸗ 


nimmt ed auch Die Inflammiätion und Brannt im Geſicht / abſonderlich 
Cccc⸗ wann 


u — — 


ſchmieret alle Morgen eure Flecken mit nüchtern Speichel / es 


1136 Sch 
wann man nar in der puren Benzoin-Efleng Campher allein tolvıret/ 
und diefe vermifchte Effeng mit Tüchlein appliciret und überlegt; zu 
einer Ung Effeng fan man ı, Scrupel Campher thun. Es wird abes 
ſolche Edentia Benzoi folgender geftalt gemacht: Nimm derBlumen 

bon Benzoi 2. Quentin/ Storax Calam. ı. Quentin / defillirt Del von 
Roſenholtz 2. Gr. oder auch Jafmin-Del 4. Gr. Zibeht 2. Gr. denSto- 
ax Calamita reibe mit den Olcound Zibeht wohl unter einander / 
alödann thucesin eine Phiol mit den Benzoi-Blunten/ und fchütte ei⸗ 
nen Spirirum vini redtificatiflimum darunter/ laß es bey einander ſte⸗ 
ben fo lang bu wilt/ oder wann ed wohl tingırt ift/ Fan man es don dem 
Bodenfab abgieffenundverwahren. Man könnte auch an ſtatt eines 
Spirit. vini redtificati einen Spiritum vini Tartarifatum, und fo mans 
pon Geruch noch herrlicher Haben wolte/ ein wenig Ambra oder Bifem 
darzu nehmen. — 

Schminck · Bohnen / Phafeolus, Phaſiolus. 

Schmier⸗Balſam / vide Salben. 

Schmusige Schaffwolle / Lana ſuccida.. 

Schmutziger Schaffwoll⸗Fett / Oeſippus humida, lanarum fuc- 
eidarum pinguedo. | 

Schnabelkoͤrffel / Schnabelmoͤhren / Scandix Dioſcor. Herba 


Seanariæ, Cerefolium aciculatum. 
Schnabelkraut blau / Geranium Cœruleum. 
Sehnabelwurtz · Schwefelwurtz / Peuccdanum Herba Sul- 


phurata. 

Schnallblumen / Papaver erraticum. 

Schnecken / Cochlex, Limaces Wegſchnecken / item Cochlex'ma- 
ring aut Auviatiles Meer⸗ oder Strohm-fhneden/ & Cochlex terre- 
fires, Erdſchnecken / werden in Gärten und Wein-Bergen gefunden/ 
undallez. Arten / wiewol bey uns in Teutfchland nur dielegtere zum 
Eſſen gebraucht. Der Safft/ welcher aus ihnen flieffet / wann man 
fie mit einer Radel ſticht / Hat eineneigenen ahnen und wird Myxa 
oder Schneckenſchleim genannt. 

Schneckenſteine / Conchiter. 

Schnecken oder Raupen⸗Klee / Lateiniſ. Medica oder Medicum 
trifolium, Franhoͤſiſ. Lucerne genannt / kommt viel aus Franckreich / 
hat Blaͤtter wie der Klee / und Yurpur-blaue Blümlein / die wie die 
Päppeln- Blumen anzufehen ; der Saame wächft in ſchneckigten Hüls 

fen (die abfonderlich in den Englifchen Schneden-Kieeoder Medica 
Angelica fehr artlich geftaltet) wie ein halber Mond / Klein und bleich» 
gelb von Coulcur, worner noch friſch iſt / vöhtlich aber und * 

| - vaun 


—ñ— a, | — — — 


Sch 1137 


braun / wann er älter wird ; in der Medicin hat er keinen Nutzen / das 
Vieh aber ſoll von den Schnecken⸗Klee überaus fett werden. Mit die⸗ 
fen Schnecken⸗Klee iſt verwandt der Raupen⸗Klee / von denen Bota- 
nicis Scorpioides genannt/ weil es eine Frucht traͤgt die den Raupen 
sicht unaͤhnlich iſt. »755 


Schneeballen/Sambucusagvaticusvelrofea. \ 
Schnepel/ Phoxinus, ein befannter Fifch diefed Rahmens / wird 
haͤuffig inder Elbe gefangen. 
£ Schnitten oder Schaben⸗Blum / Amaranchuslutens , Stoechas 
itrina. 
Schnitt⸗Lauch / Porrum. 
— z3Zwiefel / Cepaledtilis, 
Schnuptaback / vide Taback. 
Schœnantum, vide SchæÆmantum. 
Schollen / vide Fiſche. 
Schorſtein⸗Ruß / vide Ruß. 
Schoͤßlein / Limaria. 
Schoßſtein / Lyncis Lapis. 
— Wurtz / Abrotanum mas, - 
Schotten / Serum lactis. 
Schotten⸗Klee / Schuͤchlein / Melilotus, Trifolium ſiliqroſum, 
— Steinklee von Montpellier / Lotus trifolia filigvofa Mon- 
fpeliaca. | ar 
Shötländifhe Waaren und Aandlung / fennderftlich aller⸗ 
hand Fifche/ bornemlich aber der Hering- Fang / welchen die Hollaͤn⸗ 
der auf den Schottiſchen Küften jährlich anftellen. Zu Aberdon/ ei⸗ 
ner bekannten Stadt in Schottlaud/ ift auch ein fo reicher Lachsfang / 
daß jãhrlich mehr als 1200. Tonnen voll eingeſaltzen nach Frauckreich 
geſandt werden. Rechſt dieſem hat Schottland auch eine groſſe Men⸗ 
ge Steinkohlen / und gute Viehzucht / dannenhero es viel Butter / tro⸗ 
dene und eingeſaltzene Ochfen-Häut/ viel Tonnen-Zleifch/ in andere 
Länder mehrentheils mit ihren eigenen Schiffen verführet / weil die 
Zeutfhe Geeftädte die ihrige wenig mehr dahin fenden ; Dingegen 
treiben die Dänen/ als Füt-und Nordländer wegen der Nachbarſchaft 
noch ſtarcke Handlung mit den Schottländern. 
Die Wsaren/ welche wieder nach Schottland gefuͤhret werden / ſeynd 
ein / Brauntewein / Papier / Leinwand / Gewuͤrtz / Fruͤchte / aller: 
band Kram: MWaaren/ Serdene und Wollene Manufacthren/ ıc. 
Zur Anländung der Schiffe feynd in Schottland die ficherften und ge⸗ 
woͤhnlichſten Habens Dumber, Lith, ſo nicht weit von Edenburg gele⸗ 
geu / Port St. Androæ, Montroſs und Aberdon, 
— | Cccc3 | Als 


tt Zn — — 
———— 
Als etwas ſonderbares ſeynd auch noch / die an dem aͤuſſerſten Ende 
von Schottland auf den Baͤnmen wachſende Gaͤnſe oder Enten (don 
den Schottlaͤndern Bernacles. von den Holländern aber Robt-Banfen 
genannt) anzufehen/ von welchen aber muhtmaßlicher / daß diefe Waſ⸗ 
fer-Bänfe oder Enten nichts befonders vor ander dergleichen Befiügel 
haben/ auffer daß fle ihre Nefter etwan zu Winters-Jeit auf den Bäy- 
menmachen/ und dafelbft Häufig gefangen werden / daraus hernach 
Die Rede entſtanden / als ob die Bäume, deflelbigen Orts wuͤrcklich 
dergleichen geflügelte und begeifterte Früchtetrügen / wie etwan von 
dem Tartariſchen Kraut Boramez gefagt wird/dap folches einSchaaf/ 
welches bie um ih ſtehende Kräuter verzehret / auf feinen Stengel 
hervor bringe. Cinmehrers von der Schottifhen Handlung vide 
unter dem Wort Engliſche Waaren. 

Schrecfenftein/ Lapis Armenius, 

Schreiber-Rivd oder Rohr/ Arundo fcriptoria qvarta. 

Schuͤchlein / Schuͤlein / Steinklee / Melilorus, 

Schulweyden / Beinholtz / Mundholtz Haar-Iriegel/Liguftrum. 

Schuppenwurtz / Se. Georgen⸗Wurtʒ / Dentaria major 
Matth,Sqvamaria, 


Schwaden / ifteine giftige Lufft-Witterung / oder unzeitiger 
Berg-Saame / Kobalbifger oder Arfenicalifcher Dampff und Feuch⸗ 
tigkeit / der in den Bergwercken entftehet/ und offt viel Unheils anſtiff⸗ 
. tet/ auch manchen Bergknapen plöglich toͤdtet. 
Schwaden / Gramen Cereale, Manna Oriza minor iſt ein klei⸗ 
ner Saamen / in der Groͤſſe wie Griep ; Er waͤchſt in Boͤhmen / Schle⸗ 
ften und ander Oder / wird mit Fleiß gebauet / und haufig auf die 
Meſſen verführt; Er mug lüfftig gehalten und oft geruhret werden. 
Schwaiben⸗Kraut / Chelidonium maj, vincetoxicum. 
Schwsaibenjtein/Chelidoniusfeu Hirundinum Lapis, wirdin 
dem Magen der jungen Schwalben gefunden / voraus im zunehnten: 
den Mond/ theils ſchwartz / theils roͤhtlich an der Farb. Vide Wecke- 


rum lib. I.antidot, fpecial, de lapidib, min. pret. 


Schwslbemwurg/ Afclepias, Hirundinaria, Vincetoxicum, 
Schwammen / Spong'z, feu Fungi Marini , deren gibts groffe 
und Heinc/ weiß / gelb und roͤhtlich / zart und grob: etliche haben auch 
viel Steine/ die man ebenfalls bey Handlungen führet; Sie wachſen 
an vielen Orten Im Meer / und mwerdendie Steine abſonderlich ge: 
ſammlet; ſeldige feynd weißgrau / leicht / hohlund gern zerbrechlich / 
kommen über Italien heraus. Die beſten Schwaͤnmie müffen ſchon 
leicht / zart und mittelmaͤßig groß ſeyn ſeyn / worbey man aber an⸗ 
ere 


— 


Sch Ing 


dere Sorten miehr ermehlenmag. Der Schwanmenftein wird von 
einigen Cyſteolithum genannt/ weiler innerlich genommen gegen die 
Kröpffe und auch den Stein-Schmergen gut feyn fol. In denen Of- 
ficinen werden folgende Schwaͤmme verkauft: als Fungus agarici 
Lerchenſchwamm / Cynosbati, Spongiolz ẽ Roſis ſiccis Schlaffäpf- 
fel/ Rofenfhwamm / Juniperi Wacholderſchwamm / Sambuci Hol⸗ 
derſchwanim / Boletus Cervinus Hirſchbrunſt / item die Schwaͤmme / 
die an den Büchen / Eichen / Bürden / weiffen Pappeln und Ruͤß⸗ 
Bäumen wachen. 
Schwammenftein/ LapisSpongiz, feuSpongites, 
Schwartzer Andorn / Marrubium nigrum. 
— Aloes / Aloes ſuccotrina & Caballina. 
— Acrament oder Bergſchwefel / Melanteria, atramentune 
Metallicum. 
Schwartze Bruſtbeer / Myxæ & myxi. Sebeſten / Sebaſton. 
— Datteln / Palmula acidæ nigræ, Tamarindi. 
Sberwurtz / Chamælon niger. 
Epheu / Hedera Arborea nigra. 
Fleckenblum / Jacea nigra pratenſis. 
Sabicht⸗Kraut / Hieracium nigrum, 
Selleborin⸗Kraut / Helleborine nigra Herbariorum. 
Hirſchen / Milium nigrum, Cenchrus niger. | 
Hirſch⸗ Peterlein oder Hirſchwurtz / Roſmarinum Theoph. 
nigrum. | 
Schwartzer Indianiſcher Balſam / Balfamus indicus niger, 
— Johannis Traͤublein / Ribes, Kibeſiæ nigræ. 
— Jungfrauen⸗Haar / Adianthum nigrum, Capillus veneris. 
— Bömmel/ Coriander / Nigella, 
Mangolt / Caulis Crambe, Braſſiea rubea. 
Meiſterwurtz oder Aſtrantz / Imperatoria nigta. 
Nießwurtz / Helleborus niger. 
Pappeln oder Aſpen / — nigra, 
Pereroͤhl / Bitumen, Ligvidum nigrum, 
Pfeffer/ Piper nigrum, Meläno piper, 
Rertig/ Raphanus niger. Ä 
— Rhabarbara / Jalappa / fremde Purgir⸗Wurtzel / Rha- 
barbarum nigrum, Bryonia vel Mechoacanna nigra Jalappa. 
Schwartzer Sanickel / Sanicula nigra, 
— Schwefel / Sulphur Caballinum. 
— Stichruͤben oder Wurtzel / Bryonia nigra Dioſc. 
— Turbith / Eſula major, Turbitkum nigrum, 
Ctcc ·« Schwar⸗ 


11111114 


———— 


1140 Sch 
Schwartzer Weyrauch / Thus Judaicum. 
— Wullkraut / Verbaſeum nigrum qvartum. 
— Wellwurs/ Beinwollen / Schmeerwurtz / Symphytum. 
— Zaunruͤben / Bryonia nigta, Vitis nigra. | 


Schwarze Farb / zu folder muß der Sat für koſtbare Zeuge fehr 
kraͤfftig dunckelblau feyn / und darinn alleins. Pfund ganter zube⸗ 
reiteter Indigo / zu einen Ballen wird (wann nemlich derfelbe in 
den Keſſel erſt lauligt / und eine Blume aufzuftoffen anfängt ) gemi⸗ 
ſchet / aud) derKeſſel nachdem folcher angefeget worden / nicht mehr ald 
zwey mahl gewärmet / darnach mit Alaun und Weinſtein gefotten/ 
hierauf mit Erap gefärbet / und mit Alepifchen Gallus / Vitriol und 
Schmad/ in ſchwartz vollendet / und endlich mitgelben Kraut gemil- 
dert werden / umaud dem Schwargen die Perfection gu geben / und 
zu verhindern / daß die Tücher oder das Zeug imGebraud nicht ſchwaͤr⸗ 
gen / fo ſollen die Kauff-Leute folche in der Wald: Mühle / ehe ſie den 
Faͤrbern geliefert werden/ in Weiß wachen laffen. Ä 


Don Blau in Schwarg mittelmaͤßige wollene Zeugezu färben / zieht 
man folche allein durchs Blau / und vollendets hernadh ind Schwartz 
mit Gallus und Bitriol/ zu merden ift auch dag dergleichen geringe 
Maar / den Koftender Krapp nicht ertragen / und gleichwohl dabey 
bon guter Farbe ſeyn können. Aber den Färbern ift verboten einige 
Zeuge von Weiß InNSchwart zu färben. 
Gemeine ſchwartze Wolle oder Wollen Zeug zu färben / nimmt man 
Nupbaum:Rinde/ und Schalen in genug amer Dovantität/fiedet die 
Wolle damit zur MaſcusFarb / und ziehet es alddann duch Schwart;/ 
Erlen⸗Rinde / Eiſen oder Kupffer⸗Feile und Indianiſch Holtz darun⸗ 
ter zu miſchen iſt an vielen Orten berboten / um aber zu erkennen ob 
die ſchwartze Tücher wohl auf Blau gefarbet worden / muß man ein 
Mufter von dengefärbten Tuch abfchneiden / Römifhen Allaun fo 
ſchwer als das Mufter ift/ undaud fo viel Tartre bon Montpellier 
nehmen / beydes untereinander bermifchen/ hierauf klares Waſſer in 
eine Pfanne thun / ſolches wärmen / und wann es zufieden anfängt 
und nicht ehe fol das Mufterund Materialien in die Pfanne/ (um 
darinn ein halbe Stunde ſieden) gethan und hernach heraus gezogen 
werden. RG 
Mit den Schwarkbraun und MinimeTüchern muß die Probe auf glei- 
che Weite geſchehen / alſo auch mit andernfarben. 
Leinwand ſchwartz zu färben / ninunt man Feilſpaͤne von Eifen / macht 
fierein / thut darzu Erlene Rinden / ſiedet alles wohl untereinander 
und ſtoͤſt das Tuch darein. Ä 
Zu ſchwartzen Zindelnchmen etliche Erlen⸗Rinden / Schilff und Ham⸗ 
| mer⸗ 


ur / und ftoffen als dann denZindel darein fo wird er vecht ſchoͤn 
darnach. 

Den Kien-Ruß ſchoͤner und beſſer zu machen / nehmen die Mahler 
eine Feur⸗GSchauffel / laſſen ſolche gliend werden / ſchuͤtten hernach den 
Kien⸗Ruß darauf und laſſen ihn abrauchen fo iſt ev aut ‚er laͤſt ſich aber 
nicht mit Del ſondern nur mit Gummi⸗Waſſer gebrauchen. 

Aus Hammels⸗Füuͤſſen die in einen Schmeltz⸗Tiegel zu Pulber gebren⸗ 
net / und hernach in einen feuchtenLeinen Tuch abgelöfcht worden / wird 
auch eine gute Mahler⸗Schwaͤrt præparirt. 

Peltzwerck ſchwartz zu farben nimmt man Schufter-Schwärs und 
Silberglaͤtt mifchtes untereinander, laͤſt es ſieden bis es dick wird/ 
trägt ed alddann auf mit Buͤrſten / und zwar x. oder 3. mahl / die Haare 
mirfen aber zubor wohl getödetfeyn. Gin mehres vide unter den 
en i 

Holtz ſchwartz zu färben/befiche unter dem Wort Ebenholtz. 

Beine oder Knochen ſchwartz zu fürben/ vide das Abort Anochen, 
Dben ift gemeldet worden / daß die ſchwartze Farben bey theuren Zeu⸗ 
chen / auch mit Rrapp gefaͤrbet werden müffen / folches geſchiehet nun 
viererley Urfachenhalber. Erftiich weil die Farbe folcher geftalt.viel 
beſſer fchöner und zum Tragen dienlicher iſt. Zumandern / weilen 
die Wolle der theuren Zeuchen/ fo die feinefte ift / und am feuchteften 
und öhligften zu feyn pfleget / gar leicht fhmierig wird / und fo wohl 
dem Staub / als auch die Käfer von Tiſch-Tuchern / Servietren und 
alter Leinwand an fich ziehet / wann nicht folche zubor mit Alaun/ 
Weinſtein und Röthe / ehe ihr Diefhwarge Farbe gegeben worden / 
gereiniget wird. Drittens/ weiln/ wann der ſchwartzen Farbe der feiz 
nen Zeuche die Röthenicht gegeben wird / man defto mehr Kupffers 
waſſer / weiches ein ſcharſſes und beiffendes Material, als derAllaun ift/ 
zuſetzen muß. Vierdtens / weilen die ſchwartzen Zeuche bon hohem 
Preyle/fo man mit Röthe anfürbet/ weil fie damit wohl getrucknet uud 
ihrer Fertigkeit befreyet werden/ Viel beffer und gefunder zu brauchen 
ſeynd / als wann folche bey ihnen gelaflen ware: Zwar fonte nıan 
wohlan dem Gebraud) und Wehrung der Zeuche / fo damit gefürbet 
worden / zweiffeln/ wenn man nicht wuͤſte day (ob wohl Feines von 
den fcharffen Materialien, dergleichen alle Salge/infonderheit aber der 
Alaun und das Kupfferwaſſer ſeyn / gefunden wird/welches nicht durch 
die Hitze /fo bey ihm in einen hohen Gradift / die Zeuche hart machet / 
und ihre Mährung ſchwaͤchet / indem es die öhlichte Feuchtigkeit/ 
welche fonft die Haare der Wollen geſchmeidig macher / und feibe zu» 
ſammen hält / austrucknet /) Doc hieraus nicht folge / daß der Alaun / 
welcher in gar geringer Dbantität zur ſchwarten Farde mit Roͤthe 
gebrauchet und mit vielen Weinſtein corrigiret / auch nur darinn ein 


| Sch | Ir41 


‚Erces wenig 


25. 1 RE —SU—— 
wenig gekochet wird / dergleichen böfe Wirckung beweiſe / fondern 
vielmehr / indem er die überffüßtge öhlichte Feuchtigkeit der ‘Wollen, 
austrucknet /und felbe vernsittelft des Weinfteins und der Roͤthe von 
ihrer Fertigkeit befreyet / folche in ihrer Währung verſtaͤrcke / weilen. 
“ Dadurch der Staub verhindert wird / daß er den Faden der Wolle 
nicht. wie eine Schabe zerfriffet/und ſich an felbigen anhaͤncket / wie auch 
daß die Schleiſſen der Tiſch · Tuͤcher / Servietten und alten Leinwand 
ſie nicht haͤßlich machen / welches ſonſt ein groſſer Fehler iſt / deſſen 
Urſache den meiſten fo wenig als das Mittel darvor bekandt iſt. Wolte 
man auch einwenden / daß die rothe Farb / welche denen Tuͤchern gege⸗ 
ben worden / die da ſchwartz ſollen gefärbet werden / ſchwerer als ein 
blauer Grund zu uͤberwaͤltigen ſey / und dannenher fo bielmehr Kupf⸗ 
ferwaſſer erfordere / ſo hat man hingegen das Mittel / daß man der 
Schwaͤrtze nur ein wenig Braſilien⸗ Holtz beyſetzen darff / ſo fan die Roͤ⸗ 
the gar leichtlich uͤberwaͤltiget werden / und iſt man alsdann auch nicht 
gehaͤlten / die Zeuche lange mit den Gallaͤpffeln zu kochen / noch ein 
gar zu warmes Kupfferwaſſer⸗Bad zugeben / weilen das Indianiſche 
Holtz / ſo in dieſem Fall an ſtatt der Gallaͤpffel dienet / ſo wohl annimmt / 
ald auch die Zeuche die ſchwartze Farbe annehmen machet / wann 
gleich das Bad nur mittelmäßig warm iſt / dadurch dann dieSchärffe 
verhindert / unddie Gelindigkeit in den ſchwartz gefärbten Zeuchen 
zu wege gebracht wird. Bevor man aber entweder von der Weyde 
allein /oder Weyde und Roͤthe zuſammen / in allerhand Art Zeuche 
und Kauffmanns⸗Waaren fo man ſchwartz fürben will / nach Geſtalt 
der Feinigkeit der Wolle und Waͤhrung der Zeuche einen guten Grund 
legen fönne / muß man zubor folgendes wiſſen. Erſtllch daß die ſtar⸗ 
cken Raſch oder Sarſche die auf beeden Seiten recht / und bon guter 
Wolle genrachet ſeyn / und welche fo wohl der Zufanmenwebung des 
Dratö/ald auch der in der Wolle feft ineinander haltendenHaaren hal⸗ 
ber dichte ſeyn / und nicht gefännmet/oderKartäufcht worden/müffen ei» 
nen ſtaͤrckern Grund haben / als die Zeuche voneben der ‘Wolle die da 
gefänmet worden/ weilen die Mährung allda viel gröfferift. Zum 
. andern / daß / weilendie Farben beffer in die weitläufftigegeuche / als 
diedichten durchdringen / als foll mian diefen letzteren einen ſtaͤrckern 
Grund we, der Vortheil den jle uber folchen empfangen / die 
Farbe / ſo in dieandern Zeuche hinein geſchloſſen / erfege. Zum drit⸗ 
ten/daß die Zeuche / ſo zum Unterfuttern gebraucht werden / und insge⸗ 
mein weitlaͤufftiger ſeyn / auch weniger in die Sonne und Regen kom⸗ 
men / einen geringern Grund haben müſſen / als die/ ſo zu faͤrckern 
Gedrauche angewandt werden / und mehr in die Sonneund Regen 
kommen / wenn fie gleich von einerley Wolle feyn, Zum bierdten/ 
wird auch. Daraufgefehen / obein Zeuch au jich felbft auf die Dauer 
— ge— 


Sch 1143 


gemacht oder nicht / wo dieſes letztere ſich befindet / und daß ed etwarın 
nur ein leichter Sommer⸗Zeuch ſeyn ſoll / ſo darff man ihmauch nur ei⸗ 
nen ſchwaͤchern Grund als andern Zeuchen geben. Insgemein aber iſt 
es noͤthig / daß allen theuren Tuͤchern undZeuchen eine blaueGrundfar⸗ 
be gegeben werde / denen geringern Fan die blaue Farbe mit etwas Rd» 
the wie ein Pfirſchen⸗Blau / denen nochgeringern ein Koͤnigs⸗blauer 
Grund auf Frankölifch Bleu de Roy genannt / und fo immer nach der 
Dvatität derZeuche/auc in der Staͤrcke des blauen Grundes/bis end» 
lich auf ſchwach Himmelblau gegeben werden. Damit nun dieſe Ord⸗ 
nung defto beffer obferviret werde / und niemand eine Entfehuldigung 
habe / wegen des Grundes fo er einen jeden Stuͤck Zeuch zugeben ſchul⸗ 
dig iſt / ſo wäre in groſſen Handels⸗Stoaͤdten wohl noͤthig / daß don jeder 
Art Grund ein Muſter etwann von 4 Ellen Zeuch gefaͤrbet würde / es 
fen von der Wende allein / oder Weyde und Roͤthe zuſammen / davon 
die Helffte/ nachdem es gefärbet / indie Gerichts-⸗Kammer einer je« 
den Innung / fo wohl der Kauff⸗Leute ald Färbergefandt werden fol- 
ten/um fich deſſelben / wann ed nöthig / oder Streit darüber vorfäls 
x / an ftatt einer Waaren-Probeoder Mufter eines Grundes zu bes 
enen. _ 
Mann man glei au den Kaufmanns: MWaaren / Wollen und Zeus’ 
chen / einen guten Grund / entweder mit der Wende alleine / oder mit 
der Weyde und Roͤthe zuſammen geben läffet / fo nuͤtzet doch folches 
nichts / wann ihnen nicht auch folgends eine gute ſchwartze Farbe gege⸗ 
. ben wird / welches dann gefchiehet/ wann man nemlich folche mit Gal⸗ 
lus anſiedet / und mit einer fattfamen Ovantitat Gallus und Schmack / 
oder in Ermangelung des Schmacks mit Rodou! und Fovic ſchwaͤrtz⸗ 
lich machet / und hernacher mt einer behörlichen Ovantität Indiani⸗ 
fchen Holtzes / Kupfferwaſſers und nur ein wenig Spahngruͤn / vollend 
in eben ſolchen Keſſel ſchwartz machet; daben fie mit guter "Weile ans 
girifen Laffet / und ſie mithin offtermahls aufhebet / und luffter / fo be= 
kommen ſie durch dieſes Mittel eine viel fchönere / gelindere / währe 
hafftere / und zum Tragen dienlichere ſchwartze Farbe / ald warın das 
Indianiſche Holg wäre ausgelaſſen worden/ welches durch dieſes Mit⸗ 
tel mit dem Gallus und Kupfferwaffer gut wird / und dahero dieſelbi⸗ 
gen aud) beffer und beftändiger In dev ſchwartzen Farbe machet. Das 
gelbe Holg ift ebenfalls gut zur fhwargen Farbe. i 
Es iſt auch zu wiſſen daß ed nicht damit gethan iſt da man gnugſam 
Gallus / Kupfferwaſſer / Indianiſch Holtz oder Rodoulund Fovic an 
ſtatt desSchmacks / um eine ſchoͤne und gute ſchwartze Farbe zu mas 
chen nehme / ſondern man muß auch acht haben / daß die Zeuche fein lo⸗ 
cker / und nicht gar zu dicht aufeinander im Keſſel llegen / damit fie die» 
Garde deſto beſſer überall empfangen / und ſich nicht zerdrücken / goch 
an ſtatt des Faͤrbens verbrannt werden. | " Eine 


1144 Sch 

Eine gute ſchwartzeSeiden Farb anzuſetzen. So nimm eine nKeſſel 
don s. Eymer Waſſer / thue darein 2. Pfund klein geſtoſſene Gallaͤpffel 
4. Pfund Schmack / ein viertentheil Krapp / ein halb Pfund Spies⸗Glas 
gar klein geſtoſſen wie Staub / 4. Ochſen⸗Gallen / 4. Loth GummiTra- 
gant, zerlaſſen wie ſichs gebuͤhret / ein Spint klein geſtoſſen Ellern 
Borcken / 4.Pfund Victril, anderthalb, Pfund Eiſern Feilſpaͤne / 
Das thue auf das Waſſer wie oben ſtehet / und laß es 2.Stund fieden/ 
fuͤlle es auf mit einen Eymer Gerſten⸗Waſſer / welches die Brauer 
von Gerſten abzapffen / undlaß es wieder eine halbe Stunde ſieden / 
ſtecke deine Seiden darein / laß ſie eine halbe Stunde gelinde darinn 
ſieden / thue es dann heraus / und ſpuͤhle ſie in eiuer Kuffen ab mit 
Waſſer / und geuß das wieder zur Farbe / und fpühle fie dann bey 
flieſſenden Waſſer vollend rein / lap fie Winddröge werden/ als⸗ 
denn ſtecke ſie wieder ein / laß ſie wieder eine halbe Stunde gelinde 
ſieden / wie zuvor / ſpuͤhle ſie ab als zubor im Kübel/ und darnach in 
flieſſenden Waſſer / wanns droͤge iſt / ſo nimm gute Lauge / und thue 
darein ein achtel Pfund Pottaſche / wann die zergangen iſt / ſo ſpuͤhle 
die Seiden darinn ſtarck aus / und dann wieder in flieſſenden Waſſer 
getrucknet undgerehlivt. Dieſe Farbe faͤrbet auch allerleygewuͤrcket 
Wollen⸗Zeug. 

Item um die vorhergehender Maaſſen ſchwartz gefärbte Seide zu be⸗ 
ſchweren / fo nimm Salmiac Flein wie li / Spies⸗Glas 
4. Loth / Feil⸗Spaͤne ꝛ. Hand voll / thuedas zufammen in eine abge« 
zapffte Farb / fo du zuvor zu dev Seyde gebracht und mache fie heiß / 
daß du deine Hand nicht darinnen leyden kanſt / wann das abgeſetzte 
nun in der Farbe zergangen / und dann die Seyde ſchwartz und drög 
ift bis aufs Refilen,aisdenn ſtecke fie drein / laß fie eine Stunde ſtecken/ 
bis fie durchaus naß iſt / ziehe le dann Durch zergangen Gummi Tra- 
ganr,uud zwar durch fo viel folchen Trag ant Waſſer ald gewöhnlich 
drin naß werden Fan / laß ed alsdann drögen / und refilees, 


Der ſchwartzen Seyden einen Glantz zu machen. 
Go muſt du wann du ſolche das letzte mahl einſteckeſt / auf jedes Pfund 
Seyden :. Loth Hauſen-Blaſen / fo in Waffer zerlaffen / nehmen / 
und deine Seyden dadurch ziehen / ſo haft du einen fchönen Glanutz. 

Kine feine ſchwartze Seyden:Farb zu machen. 
So nimm erſtlich einen reinen Keſſel von 2. Tonnen Waſſer / thu dare in 
anderthalbSack Borck / s. Pfund Provineien Holtz / s. Pfund Schmack / 
und laͤß das 2. Stund ſieden / darnach durch' ein Gieb in efne Tonne 
geſchlagen / und den Dreck hinweg geſchmiſſen / und rein Waſſer wie⸗ 


derum in den Keſſel / darzu thuiz. Pfund geſtoſſen Galles / 1. Pfund 
— Agari- 


Sch ara 
Agaricum .3, Pfund Granas-Schalen / 2. Pfund Calmuß / z. Prund 
Senned-Blätter / 2. Pfund Entlan/und 2. Origo , laß diefes zu⸗ 
fanımen 2. Stunden kochen / alödann durch ein Gieb zu den andern 
Farben in Tonnen gefchlagen / 4. Tag ftehen / und ruhen laffen / dann 
in den Keſſel gethan/ darauf du färben wilt/ und ein Feuer darunter 
gemacht / und warn es heiß gemorden/fo thue darein z. Eymer Schlieff / 
{af die Farb wacker aufkommen / thue ferner darzu ı. Pfund Antimo- 
nium,ı. Pfund Honig/ ı. halb Pfund Borras,i. Pfund Lythargirium, 
. halb Pfund Schaum bon Bold / 1. Pfund Spangrün/diefes zuſam⸗ 
men geftoffen und inden Keffelgethan / und wann die Farbe warm 
ift / dann 30. Pfund Feil-Späne von einen Schloffer genommen/darü= 
ber geftveuet/und zo. Pfund Gummi / 20. PfundKupffer⸗Roth darzu 
gethan / und dann laffens. Tage ſtehen und ruhen / dann Eanft du dar» 
aut färben: Wann du aber wilt färben/ tue 1. Dbartier Brandtwein 
drein/dann gefärhet und ausgefpuhlet. | 


Recept um eine Farb gut zumachen. 

Wann (ichs etwa begebe/ daß ſich die Farbe begunte aufzumerffen/ 
fo folt du fleißig acht 5 in was Zeichen des Monats du deine Far⸗ 
be geftellet/ und in was Zeichen fie jich geworffen hat / fo folt du einen 
Keſſel nehmen von :. Eymer Waſſer / und thue darein 2. Untzen Bor- 
rax ‚ ein halb Pfund Agaricum, ein viertel Pfund Silberſchaum / 
4. Ungen Krapp / ı. Dbartier Brandtwein / a. Ungen Gpangrün/ 
laß das eine Stunde zuſammen kochen / und dann in die Farbe gethan/ 
und 14. Tage ruhen laffen / und wann du farbeft / ſo mach ein Beuvret 
Yon2 Prund Sennes-Blätter/ 2. Pfund Entian/ı. Pfund Agaricum, 
2. Sranat-Schaal / Taf dieſes zuſammen 2. Stund jleden / und den 
Keflel damit ausgefüllet / wann dieſes gefchehen /wird die Farb wohl 
gut bleiben 100. “fahr / und je länger du drauff färben wirft / je ſchoͤ⸗ 
ner die ſchwartze Farb wird werden/ du muft Dich aber wohl vorfehen/ 
das feine Geiffen darein fornmet / fonften würde es verderben / und 
nicht wieder zu helffen ſeyn. Wanns aber verfehen wird / — vom 
Licht oder ſonſt Tallich in die Farbe fallen thaͤte / ſo laß die Farbe kalt 
werden / und wo du Fett oder Talch ſieheſt / fo nimm es fein ſaͤuberli⸗ 
hen ab / fo du aber nichts ſieheſt / ſo mache deine Ruͤhrſchauffel el 
und ſtreiche damit oben uber die Farb / und fo da einige Fettigkeit auf⸗ 
ſeyn wird, foll ed alöbald abbrennen / nimm dann 2. oder 3. Saͤcklein 
bon Canevas, mit Kleyen gefullet/ und hänge die in Die Farb / wann der 
Keſſel warm iſt / laß es 2. oder z. Stunden darinn.hängen / nimm dann 
die Sädlein heraus, als dann nimm neu gran Papier / und bedecke da» 
mit oben deine Farbe / das wird alles Fett nad) ſich zichen/alsdann den 
Keſſel abgeftäuhet/ und darauf gefaͤrbet. Wann du färbeft / fo ur ft 

u 





1146 Ä Sch 





— — — ⸗ ñ —ñ —— 
du die Farbe alle Tage verſtaͤrcken morgens wann ſie warm ift/ mit 6. 


Pfund Bummi / 6. Pfund Kupfler:Roht / 4. Pfund Feilſpaͤn / ein 


Diertel bon einen Eymer⸗Schlieff / und dann pr a bei drey Ta⸗ 
ge / auf eine Partey won 6. Pf. Geide/wann die gefärbet iſt / wie folget/ 
abgeſotten und bergallet / zu jedem Pfund Geiden 12. Untzen Gall / dee 
Balles muß Stunden kochen / und dann die abgefottene Seiden dar» 
ein gelegt / wann der Galles gekochet hat / und die Seiden ſteiff ge⸗ 
wrungen 2. Racht und ı, Tag. 


Schwarge Hüter Farb zu machen die auch-fonft zu 
gebrauchen / wann was Schwarges die Farbe verlieren 
will / um denplb ın zu helffen. 
So nimm. biertel Pfund blau Provintz⸗Holtz / koche es in ꝛ Quartiee 
Bier auf die Helffte ein/ thuedareinı, Achtel Pfund Vitriol, und .Loht 
Gpangrün/ wann es erſtlich von dein Holtz abgeklaͤhret iſt / auchthue 
darein ein viertel Loht Gummi Tragant , tunde hierauf eine ſcharffe 
— darein / und fahre damit uber Wuͤllen / Sammet oder Seide / 
es erhaͤlt alles fein beſtaͤndig ſchwartz. | 
Auf Wollen eine gute Schwärge zu fegen. 
So nehmt 2. Gallus, 2. Pfund Erlen:Rinden/anderthalb Pfund gelbe 
Spänne/ laßtd3. Stunden wohl ſie den / darnach das Tuch heraus ge> 
than und gekuͤhlet. Zumandern nehmt Loht Salmiac,und dad Tuch 
bei) einer Stunden lang fanfft darinn ſie den laffen/ und immer um den 
Hafpelgedrehet/ das Tuch wieder gekuͤhlet / legtlich drittehatb Pfund 
Virriol, ein diertel Pfund Sumach , und das bey einer Stunden wohl 
gefotten/ gekühlet/ ausgeſpuͤhlet / fo wird das Tuch fhön ſchwartz ſeyn. 
Bey dieſer Farb iſt in Obacht zu nehmen / daß des Gallus weniger ſeyn 
koͤnne und das Gewicht dev Erleu-Rinden zugehen; oder contra, 
daß der gelben Späne weniger ſeyn koͤnnen / undan deren Statt blau 
Holtz / oder welches beſſer etwas Weyde zugefegt werden kͤnne. Daß 
auch etwas Krapp oder Breslauer Roͤhte / etwan ein halb Pfund zuge⸗ 
ſetzt werden koͤnne. Daß der Sumach zwar gang nuͤhlich / aber nicht 
unumgaͤnglich ſey; Daß an ſtatt deſſen etwas Blau⸗Holtz⸗ Suppe ge⸗ 
brauchet werden könne, Endlich aber / daß am beſten flugs im * 
Sud an ſtatt des gelben Holtzes / lauter blau/ oder doch die Helffte deſ⸗ 
ſelben zu nehmen; denn wiewol das gelbe Holtz zum Anfallen der 
Schwaͤrtze nutze iſt / thut ed doc) nichts fo gar merckliches zu deren Ver⸗ 
tieffung / welches hingegen das blaue Holtz beydes verrichtet. Es kan 
auch eine ſchwartze Farbe aus den bloſſen Erlen⸗Rinden gefertiget wer⸗ 
den/ mit Zuſchlag etwas Sumask, oder etwas Blau⸗Holtz ⸗ Suppe / oder 
beydes zugleich. Am allerbeſten iſts / die ſchwartze Farbe auf blauen 
oder endlich auf rohten Grund zuſetzen / dabon unten ein — Es 
| gebrau⸗ 


| Se h 1147 
brauchen ſich auch die Faͤrber der Glätte zu fchwargen und andern Far⸗ 
ben/ allein es taugt folche im Grunde nichts / und fällt aller Orten ab, 


Ein anderer ſchwartzer Saz auf Wollen-Zeug 

— iſt folgende: r. 
Nimm. Pfund Gallas, ein halb Pfund Braſtlien⸗Holtz / drittehalb 
Pfund Breslauer-Roht) laß das Tuch 3. Stunde wohl ſieden / darnach 
das Tuch heraus gethan / und wohl gefühlet / zum andernmahl nimm 
3. Koht Salmiae, und das Tuch eine halbe Stunde ſanfft fleden laffen / 
und alle biertel Stunde :. mahlum den Haſpel gedrehet / das Tuch wie⸗ 
der heraus gethan/ Fi nimm wieder drittehalb Pfund Kupffer⸗ 
Waſſer / ein drittel Brafilien/ 1. biertel Pfund Unfchlit / und das an⸗ 
. Stund wohlgeſotten / fowirft du ein ſchwartz ſchoͤnes Tuch 
haben. 


Eine andere ſchwartze Harbe / welche offtmahls ge⸗ 
| brauche uno mohl gerahten ift. 
Nimm lauteres Waſſer im Keffel/ und nimm auf io. Stuͤck Trip/ drite 
tehalb Pfund Tuͤrckiſchen Gallus, und anderthalb Pfund braun Holtz / 
und laß es mit einander wohliteden/ und thue den Tripp darein / lofres 
wohllieden z. Stunden/ und eine Racht darinn liegen / auf den Mor⸗ 
genthue ihn heraus; haft dualte Farbe / fogeuß fie zu dem Galius, 
und thue 2. Pfund Kupffer⸗Waſſer darein / und — den Keſſel wohl 
aufſieden / und eine Racht darinn liegen / und fpübfe tie aus / la ſie fein 
trocken werden / (am Kachel⸗Ofen iſt es am beſten) und reibe ſie mit 
dem Steine / und borſte ſie wohl aus / mache es noch einmahl alſo wie 
oben / aber die Farbe alles aus dem Keſſel gegoſſen / und wieder friſch 
Waſſer in dem Keſſel / und die alte Farbe behalten/ daß man mit nach⸗ 
geuft/ wie oben gemeldt. Bann nun die Stüde trocken feynd / f6 
teibe und börfte ſie aus / wie das erſtemahl / und made die Eifen Heiß 
und glũend / und fenge ſie ab/ und börfte fie aus / und farbe fie noch ein» 
mahl / nimm wieder frifch Waſſer und 2. Pfund Türdifchen Balles/ 
anderthalb Pfund braun Holtz / und färbe wie das erſtemahl / und boͤr⸗ 
Er aus / ſo ſeynd ſie ſcwartz genug. Wilſt du fie aber gar fchön ha⸗ 
n/ ſo nimm einen Keſſel voll lauter Waſſer / thue darein ein halb 
Pfund gecalcinirten Vitrol , und ein Pfund Weinſtein / und eine 
Stunde darinn gefotten/ und wieder ausgefpühlet/ und wieder frifch 
Maffer in den Keffel gethan / und auf ein Stüd von 12. Ellen ein halb 
Pfund braun Holp/ und eine Stunde oder halbe damit gefotten. Wilt 
du ſie noch fchöner haben / fo färbe ſie einmahl durch die Kaufch-Zarbe, 
Nimm Erlen⸗Rinden / Galles / daraus gegallt 3. Stunden ; zur 
Schwaͤrtze in die Sallus-Guppen/ nimm Schlieff und Raufch/ [affe le 
2, Stunden daran ſieden; zum letzten nimm Kupffer⸗Waſſer Fi | 
Ä ’ elf 


1148 Sch nz 


Keſſel / und laffe fie eine Nacht darinn liegen / und hernacher ausge⸗ 
fpühlet. j 


Schwartze antteferzte Schmack · Trip beſtaͤndig 
zu faͤrben: 


Nimm ein groß Faß / und thue die nachfolgende Species darinu: s. Pf. 
Erlenſchaalen / z. Pfund Schmack / 12. Eichene Späne/s. Pf. Vitriol. 
2. Pf Wohlgemuht oder Doſten / s. Pfund Feilſpaͤne / Schlieff nach 
Nohtdurfft / s. Pfund Nußlaub / i. halb Pfund gebrannten Weinſtein / 
2. Pfund Saltz / 4. Pf. Schrot klein / und das Waſſer ſiedeheiß daran 
gegoſſen / daß das Faß voll wird / mit dem Ablaſſen der Koͤrb fleißig 
täglich abgewartet / die Tripp abgeklävet oder abgeſotten; erſtlich J. 
viertel Pfund MWeinftein/s. Pfund Vitriol, anderthalb Stunde abge⸗ 
fotten/ gefühlet und troden werden laflen. 

Folget das Gallen: Hierzu nimm anderthalb Pfund Schmack, g. 
Loht Röhte/ z. koht gebrannten Salpeter / 1. Loht Salmiac, 3. Poht Vi- 
&riol, 1. Loht gebrannten Weinſtein / die ſe Species in zwey Theil/ und 
zwey Theil Galles / aber nicht geſpuͤhlet / und trucken werden laffen. 
Folget das Schwärgen, Fülletden Keffel zum Schmad von der 
angefegten Farbe 2. oder Site / brauchet zu einem jeden Gas s. 
Loht Vitriol, 4.2othSmak, z. Loht Gummi Arabicum, zum letzten Sat 
r, Loht Gummi Tragant, i. Qventlein Mallix, | 

Zu ſchwartzer Rauſch⸗Farb / ſo nimm in das Faß ıs. Pfund Erlen⸗ 
Rinden / ie. B. gemahlen Rauſch / Eichene Spaͤne oder Saͤgſpaͤne / 10. 
Pf. Vuriol, ꝛ. Pfund Doſten / s. Pf. braun Holtz / anderthalb Pfund 
gebrannte Allaun und Vırriol untereinander / a. Pfund Feilſpaͤne / 
Schleiff nah Nohtdurfft / 10. Pfund Nußſchaalen / wann man diefel- 
ben haben fan/ und das Waffer fiedendheig darüber gegoffen / wiein 
der vorigen Farbe vermeldet wird, Ä 

Die Tripp sbgeflärer: Erſtlich dreybiertel Pf. Weinftein / 1,Pf. 
Virriol,anderhalb Stunde abgefotten / gefpühlet und wieder truden 
werden laflen. 

Holger das Ballen: Nimm os. Loht Galles / 3. Loht Röht / andert⸗ 
halb Loht gebrannten Galpeter und Vitriol unter einander / nur ein⸗ 
mahl gallivet/ nicht gefpühlet/ in der Farbe trucken werden laffen. 
Holger dns Schwärgen mir dieſer angeſetzten Sarbe: Den 
Keſſel gefüllet 2. oder z. Satz / alle Säge eine Stunde / brauche zu ei⸗ 
nen jeden Satz 6. Loht Virriol, 8. Loht Raufch/ 2. Loht Gummi Arabi- 
cum ; zunslegten Sat ein Loht Gummi Tragant, ı Quentl, Maflix, ein 
bald Ptund Saltz. Ahr könnet diefe Trip auch wol mit den braunen 
Holtz abſchwaͤrtzen den Augen zu erneuen. Zu jeder Farb gehöret ein 
verſtaͤndiger Meifter. 15. Loht braun Holg abgefotten/ 1, Loht Gum- 


m) 


Sch 1149 


mi Albanum , 2. Loht gebrannten Salpeter und Vitriol unter einau⸗ 
der/ ſo werden (fe ſchwartz. | 

Mann ed ſich auch zuträgt/ daß denen Kauffleuten in ihren Laͤden oder 
Magazinen gewiſſe couleurte Zeuche von den Würmern angefreffen 
oder fleckigt werden / und es dannenhero nöhtig iſt / diefelbigen (chwarg 
färben zu laſſen / als muß dev Faͤrber / wann Ihm dergleichen Zeuche 
unter Händen kommen / den Grund dev erſten Farbe wohl in acht neh⸗ 
men / und nach denfelbenihme auch den andern zu geben/ oder auch den 


Zeug gar auszumachen / wofern dev erfte Grund zur Perfettion der 


ſchwartzen Farbefchongenug ift/ willen. Aldzum Exempel / iſt der 
Grund bleich-bigu / fo muß man ihn vollends zu derjenigen Mittel 
Farde bringen/ die bey einem Zeuche / dei dafchwarg gemacht / oder 
die Roͤhte empfangen foll / nöhtigift / dafern es anders die Guͤte des 
Zeuches alſo erfordert. Iſt aber folder Grund roht / ſo muß man ihn 


die behörliche blaue Farbe geben ; dafern er aber gelb iſt / ſe muß man 


ihm die blaue allein/ oder eine blaue undrohte geben. ft der Zeuch 
zuvor mit Nußbraun gefärbet worden / fo muß man wohl in acht nehe 
men/ daß man den Zend) nicht ſiede um demfelben alfo die Roͤhte zu 
geben/ weildie Schärfle des Allauns die Wolle im Kochen verhärten/ 
und.alfo machen würde/ daß der Zeuch im Schwargfärben bon wegen 
der Schärffe feiner erften Farbe ſich berbrennet / fondern man mug ihr 
in dieſem Fall die blaue Farbe zur Genuͤge geben/ nachdem er nemlich 
ſchon durch 2. oder ;. alte Rüppen gegangen / um ihn dadurch gelinder 
h machen/ und fo viel nr von aller feiner Schärffe / fo in der er» 


en Farbe geſtecket / zubefreyen. Es iſt auch vieldarangelegen/daß 


man mit der ſchwartzen Farbe / weiche man denen Zeuchen geben will/ 


die allbereits in der erften Farbe mit ſcharffen Materialien angefotten 
worden’ behutfam umzugehen wiffe/ und (ich m hüte / ſolche nicht 


mit den Balläpffeln oder in der Schwaͤrtze aufzufteden/ fondern damit 


ihnen die Farbe önne kalt beygebracht werden / muß man / nachdem - 


dieGallusoder Schmack mit den Indianiſchen Holg gefotten worden/ 
dad Feuer unter dem Keffel hinweg thun / undalödann erſt die Zeuch 
in das Bad einthun / und ohne einiges euer 10. oder 12. Stunden 
lang darinnen aufruͤhren / als dann kan man ſie wieder heraus nehmen 
und ausfpühlen ;- inzwifchen aber das Bad wieder aufwaͤrmen / in wel 
ches man die Zeuche eben wie zubor hirein leget/ und auch fo lang dare 
inn legen läßt. ar ee 2 

Wann man nun ſolche ſchwartz machen will / ſo muß man / nachdem 
fie herausgenommen / und bon Gallus ausgeſchwencket worden/ 
eben dafjelbe Bad wieder wohl erwaͤrmen / und aufs neu frifch ne 
dianiſch Holz darzu thun / welches zuvor abſonderlich gekochet /und 
drey oder vier Tage lang Falt. worden m Rn ; wann nun alfo 2 


E 


115O | Sch 


— — —ñ — — — — —ñ — —— — — — 
Bad zur Gnuͤge erwärmet iſt / ſo thut man das Kupfferwaſſer bene 
benſt denen andern Materialien darein / welche man wohl zergehen 
und mit einander incorporiren laͤſſet / hernacher nimmt man das 
Kener unten hinweg / und thut die Zeuche in das Bad / welche man au⸗ 
fänglich wohl beweget oder umruͤhret / damit die Farbe alleuthalben faſ⸗ 
ſe / und hernach innerhalb.2a. Stunden einntahl nach den andern aus⸗ 
nehmen und ausfchwenden fan / um inzwifchen das Bad ein wenig 
nieder zu erwaͤrmen / und die Zeuche wieder auf eben fo lange Zeit/ 
oder etwas länger darein zu thun / worbey zu wiffen / daß es beſſer 
a das Bad fey etwas zu Falt ald zu warm / imgleichen / daß allhier 
ein Gallus noch Indianiſches Holtz geipahret werden müffe/weilen die 
ah viel gelinder fallen / das gelbe Holg ift zu diefer Art 
chwartzer Farbe aud) fehr gut. | 
Han kan fich des Gruͤnſpans bedienen / umdas Indianiſche Holtz 
in der ſchwarhen Farbe defto befler haften zu machen / je doch / wann man 
deſſelben zuviel darinn thut/ oder es / indeine man das Bad wie derum 
aufwaͤrmet / zuviel kochen laͤſſet fo werben dadurch die Zeuche allzuhart 
und gummicht / was erfahrne Faͤrber ſeynd / wiſſen wohl die Maaß 
zu treffen / denen andern aber moͤchte es fehlen. Zumerchken iſt auch / 
daß dieſe Art ſchwartze Farbe viel beſſer werde / in einer Hoͤltzern 
Küpe mit Gallaͤpffeln angebeitzet und ſchwartz gemachet als im Keſ⸗ 
ſel / weilen der Keſſel in dieſen Faͤllen zu nichts anders dienet / 
als nur die Materialien darinn zu kochen und das Bad wiederum 
aufzumärmen. 
Endlich kommt ed auch bey allen Zeuchen / wann man an ſolchen Zweif⸗ 
felt / ob ſie auffrichtig oder falſch gefürbet / auf das Abileden einer Pro⸗ 
be an/davon wir bereitöborher etwas weniges gemeldet/hier aber noch 
mit wenigen anführen wollen, Daß an welchen Zeuch der Färber fein 
Roͤßlein gelaffen/ als weiches die befte Probe einer aufrichtigen Farb 
zu ſeyn pfleget/ da nimmt manein oder mehr Ellen von den Zeuch / am 
welchen man zweiffelt/kocht folche in einer fattfamen QuantitaͤtSauer⸗ 
waſſer oder Schaͤrſſe / denen man ein gleiches Gewicht Alaunund Weine 
ſtein beygeſetzet / als viel die ſchwarhe Proben / fo man abkochen will/ 
gewogen haben. Wann dieiesnun en halbe Stunde lang gekochet / fo 
erden die Proben derjenigen Zeuche / welche einen Pfirſchen blauen 
Grund gehabt/ gantz blaulicht werden / und (id) etwasauf Dandelgrün 
oder Oliven-Farb ziehen/und wird die erſte dunckler feyn ald die ande⸗ 
ve. Daferne aber ſolche die blaue und rothe Farbe bekommen haben/ 
ſo wird das eine PröbleinMinimen-Farb werden/dad andere aber viel 
Duncfeleralö die Couleur de prinee, 
Die Mufter derjenigen Zeuche / welche wie einBleu deRoy oder Königs» 
Blau / oder als ein Bleu Turgvin-Blaugemadt worden/wann man ſie 
wie 


— 


— 


ch ur 
wie zuvor abkochet / werden ſie wie ein dundelgrün oderOliven-Farhe/ 
erh viel leichter und grünlicher als die obigen / diefenigemaber/ wel⸗ 
se nur als ein Hinmelhlau gemacht feyn / werden wie ein ſchiecht 
Blau / etwas aufOliven-GBrün (id) ziehende / und die als ein Bleu 
Mignon oder Bleu Mourant gemwefen / werden wie Gaͤnſe Kost. 
Die Mufterder ſchwartzen Zeuche / fo weder Blau gemacht worden / 
noch Die Joͤthe befoinmen haben / werden / wann ſie aufeben diefeYRge 
nier abgekochet ſeyn / im geringſten —— ſondern bekommen 
eine Farbe / fo zwiſchen gelb und braun iſt. 
Die Proͤblein der ſchwartzen Zeuche / welche man blau gemacht / und an 
ſtatt der Roͤthe die Rußbaum · Wurhel darzu gethan hat / werden / wann 
ſie nach vorgedachter Manier abgekochet ſeyn / und keinen Glantz von 
rother Farbe haben / wie ein Baͤren ⸗Grau foauf Oliven-Farbefih _ 
siehet / und mehr oder weniger dundelund roͤthlich/ nachdem man 
ihnen weniger oder mehr von des Weyd⸗ oder Wurgel-Farhe gegeben 
bat / daferne aber ſolche gar nicht blau / fondern Blaßbraun gemachet 
worden / fo werden ſie wie ein Muſcus oder dunckel⸗ Haſſel⸗Nuß · Far⸗ | 
be. Ein mehres von diefen Abfieden der Proben/vide unter den Wort 
Muſter. 


Schwediſche Waaren ſeynd allerhand rohes und berarbeitetes 
Kupffer / Eiſen und Weßing / als kupfferne Keffel Platt⸗Kupffer / 
Kupffer und Meßing⸗Drat / Meßinge Keffel und Becken / Meßinge 
Platen / allerhand geſchmiedetes und gegoſſenes Eiſenwerck / welches 
abermahl in vielerley Sorten abgetheilet wird/ mie unter den Wort 
Eiſen zu erfehen / ferner gibt Schweden und deſſen Provingien aus? ‚ 
Ihrer / Pech / Alaun / Steine und Kalch / lebendiges Vieh / geſalhe⸗ 
ned Fleiſch und Fiſch / ꝛtc. Holtz-Waaren / als Maften / blen? 
Balden/ Klapholtz / Ratten und dergleichen / Viel Leder fo wohl berei⸗ 
ſetes als unbereitetes / als Hirſch / Renthleren / und Elends⸗Haͤute / 
bereitetes Ochſen / Ruh / Bock/ Schaaff und Ziegen-Reder / aller» 
hand Getreyd / ald Meigen / Koden/ Habern/ Maltz / Erbfen/ 
Weisen und Rocden-Meel/ Butter, Grüß/ ı. wiewohl derglei⸗ 
chen Victualien bey dieſen lehtern Kriegen auszuführen berboten 
worden, ' 

Da hingegen wird wieber nach Schweden geführet / Saltz / Mein) 
Brandisein, Ungen Bold und Silber / rohe Seide / gemiffe Sorten 
bon Laden und Stoffen / Boyen und Frieſen / Polomiten / Barchet/ 
allerhand Nürnberger Kram Maaren / Papier / Glas / Specereven / 
gewiſſe Art von Leinwand / Zucker / Roſinen/ Pomerangen/Del/ Karb 
und Apothecker Waaren / Zinn / Galpeterz Ballmeyy fremde Bir) 
und was dergleichen mehr / wie folches alles in unfern Schwediſchen 
Dddd 4 Kuuff- 


\ 


us2 Sch 


Kauffmann der Ränge nach fpecificitt / und dabey auchder Preiß fol- 
cher Waaren auch was auf jeder derfelben nach unterſchiedlichen neu⸗ 
en Königl. Verordnungen vor Zoll muͤſſe gegeben werden / angezeiget 


worden. 

Die Schwediſche Muͤntʒz⸗ Sorten betreffend / ſeynd diefelbe uuter⸗ 
ſdiedlich und werden eingetheilet / in Silberne und Kupfferne / beyde 
aber. ihren Valeur nach / in Diverſe Sorten / als da feynd erflic 
die Thaler /devem dreyerley Gattungen gezehlet werden/ als: 

1. Reichsthaler. j | 

2. Thaler Gilber-Münge, _ Und 

s. Rupffer- Thaler. 

Der Reich oder Specie Thaler halten in Schweden 2. Thaler Sil⸗ 


ber⸗Muͤutze. 
s. Thaler Kupffer⸗Muͤntze / dabon einer fo viel iſt ald.s. Schilling 


Lübiſch. 
3,Mard Silber⸗Muͤntz / und iſt 1. Marck fo viel als 6. Schilling 
Luͤbſch oder 3. gute Groſchen. , 
24. March Kupfler-Müns / 1. Marck Kupffer⸗Muͤntz iſt 2. Schilling 
Luͤbiſch oder r. guter Groſchen | 
16, Zwölf: Der / 1. Zmölff-Der ift fo biel ald ein Dütgen. | 
64. Weiß · Oer /fo auch weiſſe Rundflüde genennet werden/und fo biel 
ſeynd als o. PfenningLübiſch. 
| ein Thaler Silber⸗Muͤntzʒ ift: 
Ein halb Reichöthaler Species oder ſo biel als 
3. Thaler Kupffev-Münt oder 
4. Mark Gilber-Müng oder 
u. Mard Kupffer⸗Müntz oder 
g2. Weiß · er / weiſſe Rundftüd oderGilber-Müng. J 
Rach den Thalern folgen die doppelten / einfachen und halben Caroli- 
nen, zu den Zeiten der Königinn Chriſtina nennte man ſolche 
Chriſtinchen / und gehen deren 3. aufeinen Reichsthaler / ı. Thaler 
Carolinift 2. einfache Carolin, oder 3. Thaler 24. Der / Kupffer⸗ 


Muͤntz. 
Ein doppelter, Carolin gilt 40. Weiß⸗Oer: | 
Ein eingeled 20. Weip-Der: oder s. Der Rupffer-Müng / und ein 
halbes ıo. Weiß⸗Oer. 
Der Marcken ee rley / als Silberne und 


| . upfferne. 

Es iſt aber nur eine eingebildete Muͤntze / und wird von andern Stũ⸗ 

cken zuſammen geſetzt. 

Ein Mark Silber-Müng macht 3. Mar Kupffer⸗Muͤntz / oder =. 
weile Rundftüd oder Der / Silber-Mün. Ein 


Sch 1153 
bir Marek Kupffer-Müng 27. weiß Rundflüd oders. Der Kupffer⸗ 


ung. 
a Oere ſeynd gleichfalld zweyerley / ald Silberne und Kupf- 
ne. 
Der erftengehen s4. aufeinen Neichsthafer. 
1, Der Gilber-Müng hat z. Der Kupffer⸗Muͤntz. 
1. Schlante hatz. Der KRupffer-Müng/2e. Mei 
Bon Hamburg oder Luͤbeck nad Stockholm / und bon dar wieder hie⸗ 
ber / wird wenig gewechfelt / weil die Schweden viel Rupffer und Ei⸗ 
fen in Bezahlung fenden/ fo aber ja einige Wechfel von Stockholm auf 
Hamburg gezogen werden / fo flellen folche die Stockholmiſche Traf- 
fenten zahlbar inKeichöthaler di Banco, und empfangen in Stockholm / 
jetigen Cours nad) bor jeden Baneo Keichöthaler 27. Marck Kupffer⸗ 
Ming weniger oder mehr/rrafhrt Hingegen Hamburg / ſo werden die 
Wechſel auf Kupffer- Ihaler geftellet / und felbige mit 4. zu Mardf re- 
ducirt/ wie biel Marck hernachmahls vor einen Banco Reichsthaler 
bedungen worden / darnach geſchiehet das Abſchreiben in der 
Banco. | 
Die Maaſſen und. Bewoichte in. dem’ Königreich Schweden fennd 
als folget (und zwar ift nach der Anno 1648. zu Stockholm aus gee 
ngenen Zoll-Ordnung über die durch Reval, Narva und Meue 
Kun an und naher Rußland gehende Waaren/ zu bemers 
en / daß: | 
Buden-und Pottafche /eine Laſt zuı2. Tonnen gerehnet/undaufden 
Zoll die Tara dor das Fap/darinn die Pottaſche ift (welches nach 
Schiffpfunden muß verzollet werden ) nad) dem Gewicht des Holtzes 
abgezogen wird. , | 
Klapholtz gehen 240, Stuͤck oder 4. Schock auf ein Ringk / so. Stüd 
auf ein Schock. | 
Alle Planden fo über dritthalb Daumen did / und über zo. Fuß 
lang feyn / werdenfür groffe Schiff⸗Plancken gerechnet: Ä 
Don Flachs / Hauff und Thauwerck ift eine Luft 120. Ließpfund oder 
e.Shifipfund. 
Ein Decher if io, Stud oders. Küp, _ 
Mech und Theer ifteine Laſt 12. Tonnen. 
Eine Pude oder Rußiſches Gewicht ift 40. Pfund. 
In Kram-But / als Camelot / Grobgruͤn / Türckiſch Burat, &c. wet⸗ 
den 20. Hollaͤndiſche Ellen für ein Stuͤck gerechnet. | 
Eine Laſt Talch oder Hopffen ift 6. Schifipfund oder so. Stein ober 
izo Lleßpfund. 
Ein Centner Pulver oder Salpeter iſt 120. Pfund. 


Doddd3 | . Laſt 





1154 | Sch 


1. Laft Spaniſch oder Frantzoͤſiſch Saltz loß eingemeſſen wird auf ı8- 
Tonnen Lüneburger Salt aber auf 12.’ Tonnen gerechnet. 

Eine Laſt Fiſch iſt 12. Tonnen / und werden 12000. Stud lofe Hering 
die nicht in Tonnen gepacket ſeyn / für eine Laſt / amloſen Buͤcklingen 
aber nur zo. Engliſche Stroh oder 10000, Gtüd für eine Laſt ge⸗ 
vechket /3. Thall Flunderen werden. für eine Tonne gerechnet. 

" Ein FaßSpaniſchen Wein ift'2. Börh oder Pfeiffen / Rheiniſch Wein 

wird ein Stüd Faß aufs. biss. Ahm / Frantz Wein ein Zap von 

‘8, Pungen/ 4. Oxhoͤfft oder 4. Dbart gerechnet. 

Sin Stein Wolle iſt zꝛ. Pfund. V | 
so. Ellen Hollaͤndiſch Laden wird im Zoll vor. Stüd; gerechnet. 
soo, Ellen Itallaͤniſch Attlaß berzollet man vor ein Stud. 

43. Ellen Sammet oder Pluß vor ein Stück. 

Fremde Bierift:. Laflız. Tonnen. 
Zipolen werden 40. Keygen fürı Sonne gerechnet. 
Eine Waag Zinn iſt 155. Pfund. 
Cine Waag Blas iſt 2. Kiſten 
In Stodholm hat eine Schwediſche leichte Laſt 12. Schiffpfund/eine 
ſchwere hingegen ıs. Hierbey iſt aber wohl in acht zu nehmen dag ınan 
in Königreid Schweden zweyerley Gewicht / ald Eifen und Fett Ge⸗ 
wicht hat. Unter dem Eifen-Gemicht werden alle ſchwere Eiſen / 
Kupfferne und andre Kram: Waaren verflanden/ unter den Fett⸗Ge⸗ 
wicht aber alle Eß⸗Waaren / das Eiſen⸗Gewicht ift mir der Pommeri⸗ 
ſchen faſt gleich dann zo. Ließpfund machen fo wohl in Schweden als 
in Pommern 1. Schiffpfund. Hierbey iſt auch noch zu mercken / daß 
in Schweden felten Lißpfund / fondern fhlechterdings Pfund gefaget 
werde. Was in Pommern ein Schaaloder Befamer-Pfund genannt 
wird / ſolches nennet man in Schweden Marden. In dem Fett-Be- 
wicht hat man zo. Lißpf. auf ein Schiffpf. Ein Lißpf. hält zo, Mar: 
cken / ein Marck aber iſt etwas weniger als ein Pommeriſch Schaal⸗ 

Pfund) dann zo. Marck thunır. a ıs. Schaalpfund in. Pommern / 

nachdem es wohl gewogen. 400. Pfund Schwedifch machen zu Leip⸗ 


zig zo. Pf. 
Gin mehrer bon der Schwedischen Bandlung vide in . 
diſchen Kauffmann. re BAR link unſerm Schwe- 


Schwefel / Sulphur, Frantzoͤſiſch du Soufre, iſt ein irrdiſches fettes 
Hartz / mit etwas Vitriol bermiſchet / bon unterfchtedlicher Farb / nach⸗ 
dem er entweder alſo aus der Erden gegraben / oder durch Kunſt zube⸗ 
reitet worden / dahero ſolcher in den natuͤrlichen und gemachten Schwe⸗ 
fel oder Sulphur Nativum & factitium eingetheilet wird ; Jener wird 
auch Sulphur vivum, oder der lebendige Schwefel genannt / und fie» 

£ Ä bet 


* 


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I Sch Iıs5 
het ins gemein wie eine graue Erde dus / welche doc) gerne brennet 
und eine blaue Flamme von ih gibt ; Er muß zart und leicht zerbrech⸗ 
lich feyn/ aud) In-und auswendig glankend/und nicht viel kleineStuͤck⸗ 
lein oderj Sand beyſich haben / und wann er zwiſchen zwey eiſerne Blech 
geleget wird wie Wachs zerflieflen. Aus dieſen und noch andern 
Speciebus, als rohten Sandel / Coriander / Mufcaten und dergleichen/ 
wird der Schwefel⸗ſpan / damit die Wein-Fäffer eingebrennet wer⸗ 
den / gemacht. Einige betriegliche Apotecker mengen ihn geſtoſſen 
unter das Scammonium oder Diagridium, wie Fomet in feiner Hiſtoi- 
re des Drogues meldet; ſonſten aber wird der Schwefel in der Artzney 
langfam verſchrieben / er ſey dann gar fein und ſauber / gleich wie man 
zu weilen aus Indien / Engeland und ber Schweitz einen natürlichen 
Schwefel bekommt / welcher gantz durchſichtig und grüngelblicht/wie 
der Agtſtein iſt / ſolche neiten einige Spiritum Sulphuris Coagulatum, 
und geben bor / er diene die lauffende Gicht zu curiren. ' 
Sulphur flavum vel Citrinum, gemeiner Rramer-Schwefel/ wird in 
denen Schwefel: Hüten entweder. aus gewiſſen fchwefelichten Feuer» 
feinen gebrannt / oder auch aus ſchwefelichten Waſſer gekocht / und 
als dann in langförmigte Röhren oder Magdaleones gegoſſen/ konmt 
meiſten aus Is land / Böhmen’ Tuͤrckey Neapolid und bon Boplar. 
Man findet aber aud) deflen zweyerley Sorten / als nehmlich den ge» 
meinen in ——— oder Magdaleonen, welche ſchoͤn gelb / leicht / 

n zerbrechlich / inwendig glängend-/ und gleichſam eryltalliliret 
ynd / und wann man dieſelbe in die Hand nimmt / knacken / und gleich⸗ 
ſam Schlaͤge von ſich geben / zum Zeichen / daß ſie gut und auserleſen 
ſeyn Hernach hat man auch einen bleichen und ſehr feinen Schwe⸗ 
fel / welcher in runden Kuchen iſt / und von einigen Sulphur Virgineum 
genennet wird / weil ſolchen in Italien das Frauenzimmer gebrau⸗ 
chet / die Haare damit gelb zu machen; wie dann auch die Wollen⸗ 
Weder (ob wol mehrentheils mit gemeinen Schwefel) die Wolle be⸗ 
raͤuchern / und ſolche dadurch bleichen und. weiſſer machen. 
Der rohte Schwefel hat ſeine Farbe von dem Eiſen / indem der 
Schwefelſtein oder Pyrires, wann er in einer eiſernen Retorte getrie⸗ 
ben wird / einen roͤhtlichen Schwefel und eine Pomeranhen⸗gelbe 
Farbe gibt/ deffen (ich die Mahler gebrauchen. Der unreine Saty 
fo nad) Berfertigung des gelben Schwefels übrig bleibet/ und hernad) 
entweder allein / oder mit der Sqvama ferri in gewiſſe Rrüge oder 
> gegoflen/ und mit gelben Schwefel überzogen wird / gibt dem 
genannten | | 
Sulphur Caballinum „ oder Roßſchwefel / weil man Die Raͤudi 
feit dev Pferde damit curiret; dieſer Schwefel mug in gangen sth. 
‚gen gefauffet werben, 


— 


Dodda Unter 


— 
Unter denen Pr=paratis, welche qus denen gemeinen Schwefel verfer⸗ 
figet werden/ feynd erftlich ö 
. FloresSulphuris, welche Häufig in Holland und Franckreich gemacht / 
und inkleinen Bröden oder Kuchen verführet werden; die gute- und 
rechte Flores feynd mehr weiß und bleich / als gelb / leicht und recht 
zart / auch dabey von guten Geruch. Aneinigen Orten fublimiret die 
Natur den Schwefel von fich felbft/ durch das unter-irrdifche Feuer/ 
Dabeto der fogenannte 
Sulphur Sciflile oder Trieb:Schwefel entftehet / welcher in Pohlen 
und bey Neapolid gefunden wird. - 

Aus den Schwafel⸗Blumen / wann man’ fle' mit den Weinftein« 
Gals in Waffer Eochet/ wird das Magifterium oder fo genannte Lac- 
Sulphuris mit Eßig eh / welches aber beyweiten fo gut 
nicht ift/ als. die Flores felbft / indem der Eßig den Schwefel die beſte 
Krafft benimmt. In Thüringen, fonderlich aber zu Schmalkalden / 
wird haͤuffig der Spiritus und Ballamum Sulphuris gemacht. 
Den Schwefel zu reinigen / hat man dreyerley Manier: man laͤßt 
ihn entweder in Waſſer von ungeloͤſchten Kalch aufkochen / wodurch 
dann alle Unreinigkeiten abgewaſchen und abgeſondert werden; oder 
man kocht ihn in Menſchen Urin auf / wodurch er noch reiner wird ; oder 
er wird auch mit Wachs auf folgende Maniergereiniget: Nimm des 
gelben Wachs und Schwefel jedes gleich viel/ laß jie-tn einer irrdenen 
Patella ber) gelinden Feuer gemählig flieſſen / ſtehe aber dabey wohl zu/ 
daß lich der Schwefel nicht anzunde ; wann er nun gefloffen/ fo fchütte 
ed in warmen Waſſer aus/ ah wird der Schwefel von Wachs fepari- 
ret / und fällt zu ®runde / das Wachs aber ſchwimmet oben auf dem 
Waſſer / welches dann von Beftand und Unveinigfeit des Schwefels 
viel in ich gezogen. Andere reinigenaud den Schwefel mit Spiritu 
Vini, inden te felbigen gelind bey mäßigen Feuer / daß er ſich nicht 
engüunde/ flieffen —* den gefloſſenen hierauf in einen Spiritum vimi 
ſchuͤtten / von welchen er wieder feparivet / und hernad) getrodnet 
wird ; folche Arbeit wiederhohlet man etlihemahl / wie imgleichen 
auch die vorige mit dem Wachs / bis dev Schwefel gans vein iſt. 

Zu den fchweflichten Sachen werden auch in denen Officinen gezählet 
Ambra prifea rechter Ambra , Afphaltus vel Bitumen Judaicum, Ju- 
den · Pech / Carbo petræ Stein-Rohlen/ Gagates ſchwartzer Bernſtein / 
Naphta Babyloniſche Stein-Del / Petroleum Gtein-Del / Sperma 
Ceti Wallraht / Succinum Carabe, ı, Candidum Ageftein-Bornftein 


weiß/ ». Citrinum gelber Bornftein. 


Schwefelwurs/ Himmelsdill/ Himmelkraut / Peucedanum, 
Schweinsbrod/ Saͤubrod / Erdäpffel/ Cyclamen, 


Schweins: 





ee teen ne ER 2: 00 
Schweinstode/ Clenopodium Pes anferinus. 
Shweinswärmlein/ Nitedula, 

Schwoeißwurtz / Petafites, 

Schweiger Waarehn / werden eingetheilt in Ein⸗ oder Auslaͤndi⸗ 
ſche / durch die Natur oder Kunſt hervor gebrachte; Unter die erſte 
Gattung / nemlich die Einländiſchen / und welche die Natur herbor 
bringet / zehlen wir Kãß nund Butter / deſſen die Schweitzer wegen der 
herrlichen Vieh⸗Weyden / die fie auf ihren fruchtbaren Bergen haben / 
ſo viel erubrigen / daß (le auch andern Rationen davon mittheilen kön⸗ 
nen / wie dann jaͤhrlich alleine nach Franckreich über Geneve eine groß 
fe Oyantität von Käfen verſandt wird/ zu geſchweigen / was andere 
Länder ziehen / und im Lande felber häuffig confumiret wird. Nach 
dieſem haben die Schweiger auch einen guten Weinwachs / doch wegen 
der Enge des Bandes und Menge der Einwohner nicht in der Quanti= 
tät/ dap lie davon viel an andere überlaffen könnten ; hingegen ift ev 
in dem Lande ſelbſt mohlfeilund zur Gnüge / auch von fo erwünfchter 
Qnalität/ daß er nicht fo hitzig / wie die Defterreicher/ oder fo Eältig als 
theils Rheinische Meine feynd / fondern von lieblichen Geſchmack / 

nugfamer Stärde/und dabey doch auch fehr leicht zu vertragen / als 
9 daß ein Liebhaber des Weins noch wol eine Poruon dabon zu (ich 
nehmen kan / und doch dabey bey Verftand und ohne Kopfffchmergen 
bieiben fan. MWolte man den herrlichen Lyoner / Muſcateller / welcher 
meiftentheild in Bouteillen bey gangen Kiften voll über Geneve dutch 
die Schweis in Teutfchland kommt / item die Veltiner / Rheiniſche 
and Burgundifhe Meine aud mit zu den Schweizer Weinhandel 
rechnen/ wurde folches nicht viel ans dem Wege feyn/ weil fie ebenfals 
nach gewiſſen Ländern durch das Schweißer » Territorium pasſiren 
mäffen/ und nicht weit bon demfelben wachſen. Hiernechſt hat auch 
Schweitzerland einen ftattlichen Vieh Handel / und werden die 
Schweiger » Pferde / ihrer Dauerhafftigkeit wegen / ſehr beitebet / 
und nung in andere Landerberführet. Bon heilfamen und in der 
Medicin dienlihen Kräutern und Wurtzeln ift dafelbft auf den Ber» 
gen ein fo groffer Uberfluß, ald an feinem Ort in der Welt. Go brin» 
gen auch die auf befagten Bergen ſich aufhaltende Gemſen und Mur» 
melthieren/ wegen des an jich habenden nüslichen Fettes / und der wi: 
der den Krampff und die fallende Sucht dienenden Geuſen-Hoͤrner 
ihren Rugen. Die Blarifer und Appenzeller haben viel Schiefer⸗ 
ftein/ welche zu allerhand Hausgeraht / ſonderlich aber zu Tiſchblaͤt⸗ 

tern verarbeitet werden. 
Hingegen hat Schweißerland wegen feines engen und bevgichten 
Terrains Mangelan Korn und Galg ; auch des Ciymatis wegen an 
Gewuͤrtz / Zucker und fo vielen andern Waaren mehr / welhe GOtt 
Dddd4 dieſem 


— 





1158 Sch 


diefem oder jenem Lande beſenders mitgetheilet) oder wie in Holland 
efchiehet/ beydes durch die See⸗als fand-Commercia in diefelberin» 
Alieflet ; dannenhero uach Schweigerlandund deſſen Städten ein pro- 
fitabler Handel zu machen ift / wiewol ihre efgene Kaufleute fchon ſel⸗ 
ber dienechften Wege und Meilen zu fuchen wiffen / wo die für ihre 
Landsieute benötigte Waare zu befommen. Nichts aber incom- 
moditt die Schweitzer⸗Handlung mehr / als wann ihnen von Seiten 
des Reichs / Franckreichs oder Italien die Pälle gefperret werden/ 
daß le fein Galg oder Korn bekommen fönnen/ wie dergleichen in die⸗ 
ſem legtern Krieg einigen Catholiſchen Dertern bon Mayländifcher 
Seiten gefchehen. - | 

Die Manufadturen in der Schweiß betreffend/beftehen folche mehren: 
theils in Wollen und Geiden-Zeug / ſonderlich in wollenen Crepon 
und feidenen Flohren / und hat hierinn die Stadt Zürich den Ruhm, 
daß ſie vor andern was fonderliches in dergleichen Manufafturen pr- 
ftiven / wie dann auch ihre Kauffleute die Franckfurter und Leipziget 
Meilen Häuffig mit ihren Waaren befuchen / und’ confiderable Hand⸗ 
fung damit treiben; Ja / welches zu verwundern / und den überaus 
groſſen Bortheil/der durch Cultivirung der Manufadturen zu erware 
ten ftehet/ fonderlich beſtaͤrcket; hingegen auch den Schaden / der 
aus Negligirung derfelben einem Lande zumächft/ mächtig beweiſet / fo 
feynd eben diejenige Crepons „ welche Die Schweiger in Leipzig ver⸗ 
Fauffen / aus Saͤchſiſcher Wolle gemacht / die fie bey groffen Quantt> 
tätenin denen Leipziger Meffen einkaufen / und von dar erſt durch 
Thüringen’ Francken und Schwaben mit groffen Unkoften nach ihrem 
Schweiherland führen laſſen / bis fie Crepone zu wege bringen / die fie 
Doch hernach / wie ſchon gemeldt / wieder durch das gantze Römifche 
Reich / und fonderlih nahSarhfen verhandeln. Zwar hat man eini» 
ge Jahre her ſolches wohl obferviret/ und dannenhero hin und wieder 
en Teutfchland, fonterlich in Berlin / die Crepon-Manufadturen in- 
troduciret / auch damit fo weit reuffivet/ daß etlihehundert Stühle 
in gedachten Berlin allein jegiger Zeit von Crepon-Mader anzutref⸗ 
fen/ welches dem Rande und auch der Königl. Preugifchen Accis-Cafla 
einen groffen Bortheilbringets Allein darum ſubliſtiret dennoch das 
Schweitzer Crepon-Commercium in denenübrigen Teutfchen Pro- 
vincien, vornehmlich aber der Flohr⸗Handel / zu welchen die Züricher 
die rohe Seide aus Italien befommen / felbige aber dermaſſen wohl 
zurichten und künftlich zu verarbeiten wiflen / daß ihre Flore faft die 

taliänifche ausgeſtochen / und fehr häuffig gefuchet werden. 
Es feynd aber diefer Zuͤricher Manufadturen Urhebers einige bor 
hundert und mehr Jahren / da das Licht des Evangelit in der Schweitz 
aufgegangen/ aus Italien der Religion wegengewichene rt 

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Sch | us9 
als die Herren Orelli, Muraldi und andere / welche ſich zuZürich nieder» 
gelaſſen / (undob fie wol mehrentheild von hornehmen / ja Graͤflichen un 
Adelichen Italiaͤniſchen Familien eutfproffew/ ſolches aber im Schwei⸗ 
tzerland nicht fo ſehr / als die Bürgerliche Freyheit und die ehrliche 
Biedermannfhafft confiderivet wird ) ihr mitgebrachtes Capital 
(weil ſie eö als Sremdlinge/ und die damahls Das Bürger-Recht noch 
nicht erlanget/ in liegenden Gründen nicht beftaitigen Eunten) zuMa- 
nufadturen angewandt / worzu ihnen dann die inıhrem borigen Bas 
terland/ als dem Mayländifchen Staat/erzielte Seide und eingeführ- 
te Gewohnheit / daß die Edelleute ohne Nachtheil ihrer Adelichen Ch» 
ren wol Handlung treiben möchten / Anlaß und Gelegenheit gegeben; 
daß alfo die gute Stadt Zurich durch dergleichen Leute zu einen ſtatt⸗ 
lichen Handels ⸗Flor gediehen / welchen ihre fhöneund an bielen fri⸗ 
fchen Seen und Flüſſen bekehende Siruation, item der Fleiß ihrer Eine 
wohner/ die löbliche Policey und Regierung dafeldft / und fonderlich/ 
weil ihr kleines Gebiet ſehr Volckreich und dannenhero die Einwoh⸗ 
ner allezuernähren / eben wie Holland / andere und von auffen koni⸗ 
ende Zufluͤſſe haben muß / um ein merckliches befördert. 

Rechſt Zürich paflirt auh St.Gallen vor eine gute Handel⸗Stadt / wie 

es dann bey diefen legtern Frautzoͤſiſchen Kriegen feine Rolle wohl zu 

fptelen gewuſt / und da Die Correfpondence zwiſchen Holland / Teuiſch⸗ 

landund Franckreich verboten geweſen / (ih zum Mittel Ort ges 

brauchen laffen / durch welchen die Correfpondence und Handlung mit 

Franckreich heimlich unterhalten worden / wiewohl auf den Kaͤyſerl. 

Zollen und Paͤſſen / ſo wohl in Schwaben/ als denen Bor-Defterreicht- 

fchen Ländern fehr genaue Acht auf die durchp⸗olſirende Waaren gege⸗ 

ben / ſeldige mehrentheils auch vielmahls eigennüͤtziger und muth⸗ 

williger Weiſe / ob ſie gleich mitt guten Paͤſſen verſehen geweſen / er» 

oͤffnet worden / alſo daß viel Klagen darüber ſo wohl bey dem Kaͤyſer als 

Reichs⸗Convent zu Regenſpurg eingelauffen / welche alle in des An- 

tonäi Fabri feiner Staatd Kangleı zu erfchen. Auſſer obigen Cor- 

zefpondeng: Handel und dag St. Gallen in diefen legtern Kriegen zu 

‚einen groſſen Wechſel⸗Platz geworden / ift auch dafelbft die Minufa- 
&ur der fo —— Galler Leinwand beruͤhmt / welche hin und wie⸗ 

der / weil ſolche Leinwaud wohl gebleichet und zugerichtet iſt / groſſen 

Abgang finde. Wann auch bis anhero vielfaͤltig in denen Advifen 

gemeldet worden / daß gewiſſe St. Galler. Kauff-Leute einige tauſend 
Pferde an Franckreich zu lieſſern auf ſich genommen / als beſtaͤrcket fol» 

ches nicht allein / was wir oben von Schweitzer lands guter Dich» 

- Bucht gemeldet / fondern'auch daß gemeiniglich in Krieg begriffene 
Partheyen Neutrals Rinder fuchen/ da ſie jich ihrer Kriegs Rothdurfft 
aus erhohlen moͤgen / und iſt als daun der Gewinn DEN. 
| v 


- _— — 


160 Sch 


— nie 
fo fuß daß erofftein Aug zuthut/ und über die Confiderationes hine 
ſchreitet / die er doch vor Augen haben ſolte. 

Das Commercium derStadt Bern betreffend, iſt folches nicht Don der 
Erheblichkeit / als der Zurcher ihres / weil das Canton Bern eine weit 
guöffered Gebiet/ als Feines der andern Cantons unter ſich hat / und 
dannenhero deffen Einwohner (ich mehr auf den Land-Bau/ als die 
Commercia legen/ zuden fo tft auch in der Stadt Bern felbft einStarus 
Ariltocraticus,da Die Regimentö-Chargen und Land Vogteyen denen 
bornehmften Familien gegeben werben / dag ſie nicht ndıhfa haben / 
weitern Gewinn durch Die Commercien zu ſuchen / zugeſchweigen / waß 
ihnen die Frantzoͤſiſche und anderer Potentaten Sublidien wegen der in 
Dienften lebenden Trouppen einbringen. 

Barel/hat ſchon etmas mehr bon Negotien, auch einige Woll-and Sei: 
den-Manufacturen / gaten Wein⸗Handel und fonderlich viel Spedi- 
tiones von Geneve aus nach Teutſchland zu. 
Geneve / ſo ein mit Schweitzerland in Bundſtehender Ort iſt / hat ſei · 
ner Situation wegen / und weil es mitten zwiſchen Franckreich und Ita⸗ 


lien / auch an einen groſſen und Schiffreichen See und den durd) und 


aus denfelben flieffenden Röne- Fluß lieget / einen fehr ———— 
theils in Spedition der aus Franckreich nach Teutſchland / Itallen 
und Savoyen / & ſic vice verſa, gehenden Guͤter / welche die Benffer 


mit ihren groſſen Bargven überden Genffer-See befördern / oder 


auch die aus Tentfchland kommende Güter von Geneve aus mit Sa⸗ 
boiſchen Baur-Wagens bis Seyſſel / fo etliche Meil davon gelegen/ 
ſchicken / wofelbft dann befagte Güter auf die Rone , als welche daſelbſt 
hiffbar wird / eingeladen / und fo weiter nach Franckreich ſpediret 
werden. Hingegen kommen die Frantzoͤſiſche und Italiaͤniſche Waa⸗ 
ren / welche nach Teutſchland deſtiniret / mehrentheils auf Maul⸗Eſeln 
zu Geuff an / ſonderlich aber das Baum-⸗Oel inlauter Bock⸗Fellen / da 
es dann erſt in Faͤſſer eingethan und fo weiter auf den Barqven nacher 
Teutſchland verfand wird. Die Genffer Manufacturen betreffend / 
find felbige weit und breit berühmt / und beftehen mehrentheils im 
Gammet/Zafft und andern Geiden-Zeug/in feiner Stahl und Eifen- 
Arbett / Funftlichen Uhren und Chryſtall⸗Zeug / welches fie aus den 
nechftgelegenen Alpen bekommen / wie dann auch ſolches Chryſtall vor 
ein (auögefhmolgenen Schnee⸗Waſſer coagulirtes/ und nachdem es 
in fo biel hundert Jahren nicht wieder zum Zerfchinelgen kommen kön» 
nen/endlich virrificirtes und erhärtetes) Eiß gehalten wird. Eben die- 
fe Stadt Genff ift auch ein trefflicher Wechſel⸗Platz / und weil in 
Kriegs:Zeiten die teutſche Noblefle felbige fonderbar zu Erlernung 
der Frantzoͤſtſchen Sprach und Adelichen Exercitien zu ihren Auffent- 
halt erwehlet / als floriret dannenhero die Handlung in — 
an» 


ee 


— 


Sch | L161 


— — — — —— — —— — — —— 
lanterien und koſtbahren Manuſacturen / ſonderlich aber in Gold⸗ und 
Silber⸗Spitzen und Gallonen / als welche weit und breit verführet 
werden / deſto mehr. Es hat auch einen herrlichen Buch⸗Handel 
und iſt der Herren de Tournes ihr groſſer Verlag weit und breit bes 
sühnit. \ 

Die Shweiger Maaß und Gewicht iſt ebenfalld unterſchiedlich 
in St. Gallen braucht man zweyerley Ellen / aldeine die Leinwath und : 
eine andere die Tuch mit auszumeſſen / jeneift 3» Ellen Amfterdamer 
und hingegen die Amſterdamer 5. St. GallerEllen / die Elle womit 
man die Zuc) und ander Wollen Zeug ausmißt iſt kuͤrtzer ats die Lein⸗ 
wath Ellen und machen deten 100. nur 893- in Amfterdam/anf welchen 
Fuß man fagen kan / daß 100, Amſterdamer Ellen machen ss, St Galler 
Leinwath und ue. St. Galler Tuch⸗Ellen / und hingegen 100. St. Gal⸗ 
ler Leinwath Ellen thun us. Amſterdamer / und 100. St. Galler 
Tuch Ellen 395. Amſterdamer Ellen / etwas weniger oder mehr ſo man 

ſo genau nicht berechnen kan. 
Die Berner / Baßler / und mehrentheils alle andere Schweiher Ellen 
ſeynd der Hamburger / Franckfurter / Leipziger und Eoͤllner gleich 
deren 6. Ellen s. Amſterdamer thun / wiewohl einiges. Schweiger por 

4. Amferbamer/ oder 3. Englifche Verges vechnen wollen. | 
Die Genffer Ellen / welche Stadt zuv Schweiger Buͤndniß gehöret/ 
tragen gegen 100. Ellen Amſterdamer so. aus / oder ein wenig mehr / 
gleichwie Hingegen 100, Benffer Ellen 1655. Amſterdamer oder ein we» 
nig weniger machen / gegen der Frantzoͤſiſchen Ellen iſt die Benffer 
3a. geringer indem ıs. Frantzoͤſiſche 17. Benffer thun/ undalfo der 
Differenß incirca 5. pro Centum iſt / auf welchen Fuß man rechnet 100, 
Benffer vor 94. Parifer / und 100, Parifer vor 1064- Genfer Ellen / 
wiewohl man ſich auch zu Genff/vielfältig des Pariſer Stabs / zu Mef⸗ 
fung der Wollenen und Seidenen Stoffen / und der Genffer Ellen zu 
Meſſung ded Leinwaths und der Spigengebraucht/verftehe wann man 
fie in Yusfchnitt und nicht ins Groß verkauft. 

Die Schweitʒeriſche Muͤntzen berreffend / ſeynd 
ſelbige als folge: 
Ein Reichsthaler gilt zu Zürches. Basen und z. Zürcher Schilling/ 
weiche beffer ald die Schweiger Batzen / und geringer als die gu⸗ 
ten Batzen ſeynd. * 
Zu Bern, Lucern undFreyburg gilt der Reichsthaler zo. Batzen / ſo man 
ſchlechte oder Schweitzer Bahen nennet. N N 

Zu Bafel St. Gallen und Schaffshaufen hat der Thaler 27. gute Batzen. 

Der gute-oder Zürcher- Gulden / gibt zu Zuͤrch is. Bagen/ oder 40. 
Zuͤrcher · Schilling. Zu 


1162 Sch — 

Zu Baſel / Schaaffshauſen und St. Ballen ıs. gute Batzen. 

— Lucern, und Freyburg ı6. Batzen und 2. Schweiger Schil⸗ 

ng. \ : 

Die Reichs⸗Gulden 15, Groſchen oder 3. Stuͤck / werden ſchlechte Gul⸗ 
dengenannt / gelten auf den Reichs-Graͤntzen / und differiren 20. 
pro Centum mit den Schweitzer Geld. 

An etlichen Orten in der Schweig/ laͤſt man ſolche por 40. Lucerner 

Schilling pasliren / welche nicht mehr gelten aldız. Batzen und ı. 
" Schweiger Schilling. . 

Die Batzen gelten zu Bafel/ Schaafföhaufen/und St. Gallen / wie auch 
noch an theils andern Orten / wo man gute Baheen hat / welche 10. 

Rappen gelten. 

Die Zuccher Basen feynd wie oben ſchon gemeldt/ geringer als die 
guten Bagen /undbeffer ald die SchweitzerBatzen / welche zu3ürd) 
23. Zürcher Schilling gelten. — | 

Die — Basen welche man kurtze Batzen nennt / gelten 
weniger ald die Zürcher / und fennd gangbar in den gangen Ber- 
ner , Lucerner, Freyburger und Solothurner Gebiet / fie gelten 
drey Lucerner Schilling oder 9. Rappen / das ift drey Rappen auf 
jedweden Schilling. , 

Es ſeynd aber die Schillings zweyerley Art/alöZurdperundLucerner, 

‚zu Zuͤrch hat der Reichsthaler 72. Schilling. 

Zu Lucern 90, Schilling. n 

Ein Zürcher Schilling gilt s. Auſters oder 17. gute Ereuger. 

‚Ein Lucerner. Schilling 3. Rappen. | | 

Die Creutzer feynd auch unterfhieden / und werden deren Feine 

zu Zuͤrch gefchlagen / man zehlet ihrer, bier vor einen Bagen/ 
Nr mögen gute oder fehlechte Batzen feyn / dann nad) ſolchen feynd 
die Creutzer auch fchlecht oder gut. j | 

Zu Bafel ift wieder eine andere Art bon Müng / die nur daſelbſi 
allein gültig ift / fie beftehetin Grofchen und Plappert. 

1, Grofchen hat >z. Rappen/ und zo. thun ı. Gulden. 

. Plappertgilt c. Rappen oder 2. Lucerner Schilling. 

Alle oberzehlte Schweiger Müngen feynd reelles das ift in Natura 

—— und fein fingirtes Geld / ausbenommen die ſchlechten 

Gulden / von 40. Lucerner Schilling. Sie gelten auch alleauf den 

Zürzacher Mark / weßwegen man in Ein-und Verkauff der Waaren 

dafelbft ich wohl vorfehen muß daß man einen Unterfcheid mache zwie 

fchen der Zürcher und Schweitzer⸗Muͤntz. 

Jn St. Ballen gilt ver Reichsthaler 102, Creutzer oder.esa. Sega. 





ne — 

Sch 116 

Der Florin oder Guͤlden so. Creutzer oder ıs. Batzen. 

Die Schilling 6. Creutzer oder ız- Basen. 

Der guteBag s. Creutzer. 

Der fchledhte 4. Ereuser. 

Der Ereuper 4. Pfenning. 

Die Handelds Bücher werden! gehalten in Gulden / Ereuger und 
Pfenning. Dr 
Schweiger Floͤh⸗ Blum / Auricula Urfi, Arthritica alpı 
Schweiger Aofen/ Flos mirabilisPeruvianus. 
Schwelcken⸗Baum / Schnee⸗Ballen / Sambucus tertia, feu 

rofca, 


Schwelen oder Bintzen / Juncus anvaticus paluflris. . 
Schwerdter feynd Schlacht⸗ und Henckers » Schwerdter /jene 
wurden bor diefen eb das Geſchuͤtz aufgekommen / in Feld-Schlachten 
weydlich gebrauchet / und mancher guter Kerl damit mitten von ein⸗ 
ander gefpalten/die Henckers⸗Schwerdter brauchen die Scharff · Rich⸗ 
ter zur Execution der Miſſethaͤter / beyde müflen von guter Trempe 
und guten Stahl ſeyn. DE 
Schwerd⸗Fiſch / hiebon werben dreyerley Arten gefunden / als eis 
nige / welche vor den Kopff ein langes Schwerdt Haben / welche eigent · 
lich Priftisgenennet werden / theild haben an diefen Schwerdt an bey» 
den Seiten Stacheln / welche Serra heiffen / etliche haben an att ders 
felben ein langes Einhorn) und das feynd eben diejenige/die man lange 
Zeit bis hieher einen vierfüßigen Thier auf Erden zugefchrieben / wel 
ches die Geſtalt eines Pferds haben fol / aber noch zur Zeit von mies 
- and angetroffen worden, | | 


Schweren ft bielenKauffleuten fonderlich leihtfinnigen Kraͤmern 
fehr gemein / daß auch daher das Sprichwort entftanden / an der 
Spuren Winden / an der Hunde binden / und an der Cramer Schwe⸗ 
ven muß ſich niemand kehren / item Wer traut den Wolff auf grüner 
Heyd / und einen Juden auffeinen Eyd/ und einen Cramer auffein 
Gewiſſen / der wird von allen dreyenbeichiffen. Ob nun wohl dieſes 
Sprichwort nicht bey allen eintrifft/und noch mancher redlicher Chriſt⸗ 
lich und gewillenhaffter Kauffmann gefunden wird/der es bey den Yus- 
ſpruch Chriſti / Euer Wort ey Ja / Ja / und Ylein/Flein/vond 
daruͤber ift das ift von Übel/ bemenden laͤſt / auch ſich ſehr leyd ſol⸗ 
te ſeyn laſſen / daß des weiſen Manns Rede: Wie der Nagel in 
der Wand / alſo, ſtecket auch Die Suͤnde zwiſchen Käuffer und 
Verkaͤuffer / auf ihn gelten / und er dermahleins ein fo groſſes Suͤn⸗ 
den⸗Regiſter / unnuͤzer Worte / die er bey feiner Rauffimanufafft un 

des 


— 


1164 Sch 


des ſchnoden zeitlichen Gewinns willen ausgeſtoſſen / und von deren 
jeglichen Rechenſchafft zu geben feyn wird/ dor lich finden ſolte; fo fin⸗ 
den ſich doch leider ! noch mehr als zuviel 7 die tauſendmahl ihre Geel 
zu Pfand fegen / um nur einige Groſchen oder Schilling dadurch zu 


verdienen / uud den Rechſten aus dem Beutel zu ſchwatzen / fogar daß 


es auch ein Stüd der gechterſtreiche und Kunft- Proben feyn müffen/ 
welchedie Kramer: Fungens bey ihren Herrn zeit:währenden ihren 


| — Dienſt-Jahren lernen müſſen / daß ſie eine Waar brav 


ins Geſicht gutputzen / Mäusdredbor Pfeffer / verdorbene und verle⸗ 
gene vor friſche / nachgekuͤnſtelte vor natuͤrliche / falſche bor gute Waa⸗ 


ren verkauffen koͤnnen und zwar unter dem Vorwand: alle Kaͤuffers 


feynd Feine Kenners / item ale Bortheile heiffen; man fe mit der 


. Waagre betrogen worden/ man müfle wieder damit betriegen; das boͤ⸗ 


fe müſſe mit den guten fort dem Bauren könne es wolthun: ſit raptum 
vel captum, modo Gt aptum, und was dergleichen mehr / wann ed nur 
Geld im Beutel bringt/ die Policey - Ordnungen mögen gegen folche 
Griffe fonderlich über das Farben/ Ausdähnen/ Verlängenund Bes 
fchneiden der Waaren / ja das Göttlihe Geſetz ſelbſt daß der Bru⸗ 
der nicht foll im Kandel bervortheilet / und jedermann fein Gut 
und Nahrung gebeflert werden) fingen und dräuen fo viel es wıll / der 
Geld:begierige Kramer laͤßt es doch nicht / und verflucht gern des 
Tags hundertmahlfeine Seel / daß diefe oder jene Waar ihm fo viel 


‚ Kofteyeuft neu gekommen / nicht beffer In der Stadt zu kriegen / daß 


mancher Cinfältiger feinen Beutel darüber zichen / ja mancher / der 
der eswolbeffer weiß nur geſchwind Geld ſuchen muß / daß er das 
grauſame Bermaledeyen nicht Länger anhoͤren / oder dem Sn. Kramer 
in faciem widerfpredyen möge ; Welches alles diefe fonft nüglichePro- 
fesfion fo veracht gemacht dap man ſie Sordidam nennet/ eine hegliche 
ftindende und unfldige / —— bis anhero den Adel ſo ſehr bor Au- 
en geſchwebet / daß ſie ich fo gar von der Kauffmannſchafft und denen 
dauffleuten feparivet wiffen wollen; und gewißlich / wann man mans» 
ches Kramers / der doc von guten Umgang und Eftim ſeyn will / fein 
Thun beym Licht beſiehet / was iſt es anders / ald erft jedermann zu 
Spott und Schand gleichſam in der Budedes Tages über zu ſtehen / 
und Maul-Affen feil zu haben/bis ein Bogel auf dem Lockheerd auf- 
fliege/ und die vorgeftreute Körner reichlich bezahle / da werden nicht 
allein die vorerwehute eydliche Conteflationes uber die vermeynte und 
angepriefene / indeflen aber doch nirgends zu findende Qualität der 
vorgelegten Waaren / haͤuffig und bey Tonnen⸗weiß ausgeftoffen/ nach 
dem betannten Sprichwort; Laudat venales , qvas vult extrudere 
merces, ſondern mannberbortheilt auch dein Kaͤuffer in dem Preis / 
in der Maaß und Gewicht / in der Waaren Sortement und Qualitat/ 
und 


— — — — — — 


ee iin 2 ON. u, 
und was der Diebögriffe mehr feynd / welche dergleichen Gewiſſen⸗ 
loſe und zum Falfch-fchweren parat ſtehende Kauffleute (dann von 
ehrlichen unb rechtſchaffenen Leuten iftallhier nicht die Rede / und bleis 
bet ihr Stand allerdings in Ehren ) meiſterlich aus zu üben wiffen ; zu 
wuͤnſchen wäre es / es würde unter und Ehriften fo gehalten / wie bon 
gewiſſen Mohren in Africa gemeldet wird / welche folgende Art/ mit 
den Fremden zu halten/ eingeführet haben/ dag ſie nemlich ihre Waa⸗ 
ven an dem Strand oder Ufer niederlegen / hierauf davon weggehen / 
und den Fremden Zeit geben / ihre Waare dagegen zulegen / 
‚warn dann die Mohren hierauf wiederfommend/ * Fremde Bag» 
ven ihres bedünckten Wehrtes nach finden / als fle etwan die ihrige ge⸗ 
ſchaͤhet haben / follen fie entweder zu den ihrigen noch fo Viel zu/ oder 
von den fremden fo biel ablegen, biß (ie die Gleichheit bekommen. Bey 
theild Europaͤiſchen Krämernhingegen ift weder Scham noch Gewiſ⸗ 
fen/ dahero heutiged Tags bielmahls vor ein Drittel dasienige belom⸗ 
men wird / was ein®anges gelobet worden/ und wird doch nod) wol das 
bey) der Conto gefunden. Eylieber! mit was vor Gemiflen hätte 
dann koͤnnen dad Gange genommen werden / wann ſich ein fo einfältie 
‚ger oder bedürfitiger Käuffer gefunden / ber es willig gegeben hätte? 
Dündet mich alfo die Art der Menoniften hierinn nicht unbillig und 
fehr Löblich zu feyn/ welche Äh durch Liederliched Schweren an GOtt 
nicht Verfündigen/ bey Ja und Nein ed bewenden laffen/ und die Waa⸗ 
ve felten überfegen/ fondern etwan dasjenige dafür fordern /wasfle  * 
es aufdas äufferfte zulaffen gedenden. Gleicher geftalt iſt es auch 
ſchon unter vielen groffen Raufflenten und Großirern in Zeutfchland/ 
Engeland / Italien und Franckreich eingeführet/ da nicht leichtitch ei⸗ 
ne Waar von ihnen wird überlobet werden / fondern wann ſie 3. bis 4. 
‚pro Centum vorſchlagen / iſt es biel / das übrige mag ficheiner nurpa- -· 
rat halten/ und refolvirenzu geben’ oberer muß die Waar liegen (af 
fen ; und fo koͤnnte ed auch in Kleinigkeiten eben wie bey den Beckern 
der Preis des Brods inerdduciret werden/hätte ſich einer erſt einmahl 
auf dem Fuß eines ehrlichen Manns / der feine Waaren nicht überio> 
bet/ fordern den genauften Preis gleich dabon anzeiget / gefebet / und 
daß er hernach bey folder Gewohnheit beftändig bliebe / fo würde 
nicht allein alle das unnuͤtze Wort-Wechfeln vermieden bleiben / ſon⸗ 
dern auch ein folder vedlicher Mann vor andern Gottes Gegen und 
einen fonderlichen Zuwachs feiner Kundſchafft verſpuͤren. 

Schwertel/ blauer/ Iris noftras, 

—  gelber/ Acorusadulterinus. Ä 

—  Ried/grof Ried Igels⸗Knoſpen / Sparganium. 

— —— pardal, Doronicum. 
Eee Schwin⸗ 


— 


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- 
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—— — 1 





1166 Sch Sc 
Schwindelwurtz / Radix Doronici, Aconitum pardalianche. 
scilla, Paneratium, Hafpel/ Meer-Zwibel/ wähft in Spanien und 
Italien / ift gut vordem Schleim aufder Bruſt; der Eßig davon wi- 
derftchetden Scharbod, 


Scincus Egyptiacus,ifteine überaus fehöne Art Eydexen / die in 
Egypten ber dem Fuß Nilo,und in Arabien gefunden werden; theils 
koͤnnen nicht anders als auftrodenen Erdreich leben / theils aber hal» 
ten fich im Waſſer auf ; ſie follen vortrefflich gut in dev Argeney feyn/ 
dahero man ſie aller Orten inunfern Apotechen findet. 

Sclarea, Hominum, Tan j 
Sclaven / Mancipia , Kranköflfch des Efclaves, feynd unter den 
Ehriften Seine fo gebräuchliche Waare / ald unter den barbarifchen 
Tuͤrcken / Tartarn und andern heydniſchen Böldern/ welche mit Men⸗ 
ſchen als wie mit demundernünfftigen Vieh handeln / ja offt unbarm-⸗ 
hertziger mit ihren Leibeigenen / ald mit dem Vieh felbft umgehen: wie» 

wol auch Ehriftliche Kauffleute noch gewiſſermaſſen den Sclaven⸗ 
- Handel aufder Gold⸗Kuͤſte Guinea treiben / wofelbft fe Jährlich eine 
groſſe Quantität einhandeln / und folchennach America führen ; (uns 
dafelbft in denen Plantagien oder Feld⸗Bau / item in den Bergmer- 
cken / Zucermühlen und Tobadd-Spinnereyen zuarbeiten.) Mas 
den Sinkauff folder Mohren-Sclavenbetrifft / gefhiehet felbiger ge» 
meiniglid) zu Ardres Galbarus, Rodet, Camaronis und andern Orten 
mehr. Man muß aber merden/ daß die von Ardres die beften / und 
dievonGalbarus die geringften feyn. Gleich von befagten Orten 
bringet manfte in die Frantzoͤſiſche Inſuln in America, um ſolche allda 
zu verkauffen / ınd gegen Zuder oder andere Waaren / die von dieſen 
Drten kommen / zu vertauſchen. Zuder Uberfuhr derNegriten muß 
man Schiffe don 100. bis 300. Faß / oder 100. bis 150. Laſt groß ha⸗ 
ben. Dieſer Handel ſcheinet zwar denen unmenſchlich / welche nicht 
wiſfen / daß dieſe arme Leute Heyden und Tuͤrcken ſeyn / und dag die 
Ehriftlichen Raufflente/ indem ſie diefelbe bon ihren Feinden kauffen / 
folche von einer grauſamen Sclaverey ervetten; felbige hingegen in 
‚den Inſuln / 2 (fe gebracht werden / nicht allein in eine gelindere 
Dienftbarkett verfegen/fondern aud) zur Erkaͤnntniß des wahren Got⸗ 
tes / und auf dem Weg zur Seligkeit / durch die Unterrichtungen/ wel⸗ 
che ihnen die Ehriftliche Prieſter geben / bringen / ohne welche Abſicht 
dergleichen Handel nicht würde zugelaſſen ſeyn; wie dann auch die⸗ 
jenigen/ welche ſolchen unternehmen/ vor den Unterhalt / Uberfuhr und 
Regierung diefer armen Leute fo gute Ordre ftellen / dap Feiner durch 
ihre Schuld ſterben möge, vor deſſen Berwahrlofung ſie dermahleins 
Rechenſchafft geben müßten. Man nimmt aber auffer den et 
' en, 





Sel . 1167 


rn? ————— —⏑ — — — 
hien, die zum Schiffgehoͤren / auch zur Unterhalt der Nezriten Grutz / 
blaneund weiſſe Erdſen / viel ig und Brauntwein mit. So muß 
man and) von deut Moment, daß folche Negriten in das Schiff geladen 
werden / die Segel aufziehen / weil ſonſt dleſe arme Sclaben dor ihr 
Vaterland eine ſolchebiebe tragen / daß ſie ſolches zu verlaſſen/ Vera 
zweifeln moͤchten / welches auch verurſachet / daß ihrer viel vor Ber⸗ 
druß ſterben / etliche wol gar ich ins Meer ſtuͤrtzen / andere den Kopf 
an das Schiff ſtoſſen / oder den Odem / um ſich zu erſticken / an (ich hal⸗ 
ten / etliche vor Hunger ſterben und nichts eſſen wollen ; fo bald fie aber 
ihr Land nicht mehr fehen/ fangen fie an/ jich einander zu tröften/ bor⸗ 
ne milich / warn man ihnen mit Inftrumenten borfpielet; Deswegen 
dang zu Erhaltung folder Negriten gut iſt / wann man etliche Perfoo 
nen (die aufder Gadpfeiffe/ Geigen / Leyr und andere Inftrumenten 
fpielen könnten / um dadurch die Mohren aufdem Meg frölich zu er⸗ 
halten) mit in dem Schiff führet/ ſintemahl dieſes ein ſehr gutes Nit⸗ 
tel / um dieſelben geſund zu überbringen ; wann man fie auch hernach 
verkaufft / werden die / fo friſch und froͤlich ausfehen / viel theurer ber⸗ 
kaufft / als die andern / die ſich ihrer Gefaugenſchafft halber abgegraͤ⸗ 
met haben. Es iſt aber Lebensmittel zur Erhaltung der Nepriten 
mit in das Schiff zu nehmen allein nicht genug / fondern ınan muß 
auch allerhand, Waaren / als Meßinge Schrauben/ Rupfferne Staͤng⸗ 
lein / eine Anzahl Meſſer mit ihren Scheiden / rohten Sarge und Tuch 
bon geringen Preis und andern Zeug mehr / bon bielechand Farbenf 
item Eorallen/ Stein⸗ und Blas-Arbeit/ Kaͤmme / Spiegel, chuͤſſe⸗ 
lein von Zinn / von aller hand Groͤſſe / eiſerne Stangen und andere Elefa 
ne Kraͤmer· Waaren / Baummollen⸗Tuch / geſtreifften Taffet / De en 
und andere Gattung Waaren mehr bey ſich haben / als an weichen Ba- 
gatellen und theils nichtswuͤrdigen Dingen ſich dieſe Leute ſonderlich 
ergetzen; mie ſie dann auch zu der Zeit / als die Europder am erften 
mitihnenzu handeln angefangen / offt vor efhen fehlechten Spiegel / 
oder ein paar Meſſer und unechte Glas-Corallen / etwan auch vor ein 
Gtüdlein rohten Tuchs oder Bands (als welche Farbe fie ſonderlich 
belieben) ganßeStücklein Golds / ſchoͤne Perlen und andere weit föft- 
lichere Waaren in Tauſch gegehen: wiewol ſie heutiges Tags ſchon 
etwas Eluger geworben / und den Preis ihrer Waaren gegen dieuns 
fere auch ſchoͤn erkennen lernen, 
In Algiers; Tripolis, Sale und andern an den barbarifchenKüften lies 
genden Raub⸗Neſtern mehr / gefchiehet ebenfalls ein roſſer Handel 
mit armen gefamgenen Ehriften: claven / welche die Türdifche und 
Algieriſche See Räuber vor eine gar koͤſtliche Waare auf welcher vief 
zu gewinnen ift; halten / fonderlich wann vergleichen Ehriften-Sclar 
ven maͤnnliches Geſchlechts noch jung und ſtarck von Bliedern feony 
ee 2 ein 


— 


1168 Sel— 


e in gutes Handwerck koͤnnen / oder auch bon reicher und Gornehmer 
Extraction feyn/ damit ihre Herren dermahleins eine ſtattliche Kan 
Hion bon ihnen zugewarten haben ; die Weibs-Perfonen müffen eben. 
falls noch jung feyn/ auch wohl ausfehen / oder auch Von guter Candı- 
tion feyn/ damit ſie auch mit der Zeit ein roſſes Löfe-Geld vor ſich er: 
legen koͤnnen. Es gehet aber mit dem erkauff dieſer armfeligen 

Leute folgendermaſſen zu: Mann ſie entweder auf der Gee in e: 

oberten Ehriftlichen Schiffen gefangen werden / oder daß die Corfa» 

zen etwan an Chriſtlichen Küften heimlich ang Rand geſetzet / und da; 
ſelbſt einige Epriften-Leut/ jung oder alt erfchnappet haben / fo brin- 

en ſie ſolche mit ſich in ihre Raubnefter/ fehmeifien ſie daſelbſt in ftin- 
ende und finftere unter⸗ irrdiſche Löcher und Gefängniffen/ undge- 
brauchen fie hierauf entweder zu ſchwerer und (himpflicher Arbeit/aig 
den Miſt auszuführen/ Laften Mi tagen / Das Vieh zu hüten / den 
der zubeftellen/ und was dergleichen Bef werlichkeiten mehr fenn; 
oder fie führen fie auch an Ketten angefchloffen auf öffentlichen Ward) 
und zwar mehrentheils Halb nackend damit die Käuffer um ſo biel ehe 
erkennen können / ob fie ſtarck und gefund / grob oder zart von lie» 
dern feyn/ und bie Arbeit wol ertragen Eönnen / zu weicher felbige ſie 
danı nad dem Maag ihrer Kräfften (mann ſie ſolche gefaufft/ und offt 
um ein liederliches Geld erhandelt haben) barbariſch auſpannen / mit 

Schlägen und andern Plagen —— trackiven/ wenig oder nichts zu 
eflen geben/ und in Summa noch geringer als das undernünfftige Dich 

ſelbſt ſchaͤtzen / bis endlich ein folcher armer Ehriften-Sclav ans Jam⸗ 
mer / Hunger und Elend ſtirbt / oder auch bon —— Mitteln / oder 
bon den Allmofen guthergiger Leute loß gekauffet wird; indet ſich 

einer barunter/ ber ein gut Handwerck kan, / der kommt am ften fort/ 
ihnen auch am liebften; ein folcher muß nun entideder vor feinen 

Seren ſelbſt ſolches treiben/oder fein Hert vermietet ihn auch an ande- 

ve/und ziehet den verdienten Lohn dafuͤr / wobey er den armen Sclaben 

etwan des Tags ein Stündgen bey Feyerabend de laͤßt / daß er ſich/ 
wann er was mehrers als ſein ordinaires Wa roder Brod haben 
will / ſolches ſelbſt berdienen möge. Etliche accordiren auch mit ihren 

Selaben/ wie vie fie ipnen täglich oder woͤchentiſch einbringen follen/ 

was (ie dann Darüber erwerben / ift vor fie. 

Dieſes wäre fürglich die Erzehlang / wie es mit den Wohren und ge⸗ 
angenen Chriſten⸗Selaven⸗Handel daher gehet/ weiches alle noch le- 
endige Wenſchen ſeyn; Daß aber auch todte Menfchen / und ihrer 

Leiber· Partes im gemeinen Handel kommen / wird aus folgenden er» 
ellen: Als da werden erftlich die Mumien oder balfamirte Menfchen. 

| welche bor fo hiel hundert Jahren geforben / und in denen E⸗ 
guptifchen Begraͤbniſſen beygefeget worden / bon denen Geldebegie> 


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Sel 1169 


rigen Türden (wiewol heimlich) an curieufe , vornehme und veiche 
durchE * reiſende Ehriften-Paflagiver verkaufft / wie ſolches der 


Augenſchein an ſo vielen gantzen und zerſtückten Mumien, die hin und 
wieder in den Kuuſt · Kammern und Apotecken zu finden ſeyn / auswei⸗ 
fet. Zweytens möchte auch dieſes eine Handlung mit Menfchen ger 
nennei werden/ welche / wie ſchon anderwertö gemeldet / ein gewiſſer 
Matetialift einsmahls in der Leipziger Meß vorgehabt / daß er etliche 
roſſe Faͤſſer aufgetrocknete Türcken⸗Koͤpffe / welche in dem letztern 
Tuͤrcken⸗Krieg in Ungarn erſchlagen worden / Öffentlich zum Vet⸗ 
kauff dargeſtelit und deneinen Kopf / nachdem der Bart daran groß 
und aniehnlich gemwefen / diefen oder jenen Baſſa feinen Rahmen ange⸗ 
Dichtet/ dadurch aber fo biel zu wege gebracht/ daß er feinertgewißlich 
fehr fremde) Waar/ in wenig Zeit mit groſſem profie loß geworden / 
weilbiel cnrieufe Perfonen / zum ftetsmährenden Angedenden des 
herrlichen Sieges / welchen der Allerhoͤchſte den Ehrifitichen Waffen 
verliehen einen ſolchen Kopff gefauffet/ und mit ſich nach Haus genom⸗ 
men. Dergleisyen Kauffmannſchafft / ob fie wol ſeltzam / iſt tie doch 
zuläßiger/ als obgemeldter Selaven ⸗Handel / am allerzuläßigften aber 
iſt / warn die zur Erhaltung der Geſundheit aufgerichtete Offieinen 
oder Apotecken und Materialiſten⸗Kammern / diejenigen Stuͤcke von 
dem Menſchen zum Verkauff darſtellen / welche (indem der Menſch/ 
von dem ſie genommen / entweder todt / oder doch keinen Abgang dar⸗ 
under —2 noch lebenden und ſonderlich preßhafften Menfchen/\ 
zur Hülffe und Rettung feiner ſonſt nohtleidenden Geſundheit lommen 
koͤnnen / als da ſeynd | 
1 Die Haar / ans welchen ein mit Honig bermifchter Liqvor deltilli- 
ret wird / der die Haar wachſen macht / und auch zu andern Leibes⸗ 
Gehrechendienlich ift. Es werden and) Peruguen daraus verfer⸗ 
tiger / ohne welcher mancher mit einem kahlen Kopff würde gehen 
muͤſſen. 
⸗. Das Monatliche Geblähr / (Zenith Jjuvenculæ) welches geböte 
ret zum Stein und der ſchweren Noht dienet / auch ſonſt viel wid) 
tige/ zum theil aber auch erdichtete Kraͤffte bey ſich berborgen hat. 
s, Der Zarn oder Urin / welcher innerlich gebraucht wird zur Ver⸗ 
.  ftopffung der Leber und der Milg/ zu Prefervirung der Peft / item 
Inder Wafferfucht und Gelbſucht / Aufferlich aber die Rauden zu 
trocknen / Geſchwuͤlſte zu refolviren/und Wunden zu Heilen. Von fol» 
hen wird aud) deflillivt ein Spiricas und Rüchtiges Salt; / wovon 
mit mehren Schröders voliftändige Apoteck lib,;. 1. Clafl, unter 
dem Wort Homo zu erfehen- 
4. Der Roht/Carbon Humanum Paracelfi, Sulphur Occidentale, 
\ item der Occidentalifehe Ziheht genannt, In diefem Menschen» 
SA —— —— Eeee; Koht 


1170 Sel 
——— —— —e —— — — — — — — — 
Koht ſtecket der Anfang des Microcoſmiſchen Magneten / oder der 
eiſtigen mierocofmifhen Mumien, ja ein Geheimniß alle ange zau⸗ 
rte Kranckheiten zu heilen; wie man dann auch dadurch fan Haf 
oder Freundſchafft unter Ehleuten Rifften ; die Feinde mit einan⸗ 
der vereinigen / alfo daß der Aff und die Schlange/ die ſonſt einan⸗ 
der ſehr feind feyn/ dadurch können zu Freunden gemachet werden, 
Vid Medic, Diaftar, D/D, Andr. Tenzelii. Eben diefer Kobt iſt 
‚auch ein Öhligtes Subjedtum, wenig falgigt / und dannenhero mehr 
ſchmertz ſtillend / weswegen es auch als ein Cataplafma in Tumeri- 
busbenignisacmaligni> gebrauchet witd. Er ift auch gebörrt und 
nn das wahre Begengifft des Napelli, dann wann einer eitz 
van vou Napello einnaͤhme / würde ergemiß in 4. Stunden ſter⸗ 
ben/ welches aber der Menſchen⸗Koht / wann folder friſch oder tro⸗ 
den getrunden wird / berhindert. Item, warn Die Bauren ·Wei⸗ 
ber wegen Hexeren nicht buttern können / fo fchüitten ſie Die friſch⸗ 
gemolckene Kub-Milch an Menfchen-Kopt oder ins heimliche Ge⸗ 
math / foLäpßt die Hexerey nad; wann man aber den mir Milch 
permifchten Menfchen-Rodt mit einen glüenden Eiſen berühret/ fo 
bekommen die Hexen davon Blafen ins Geſicht / weiches die Erfah⸗ 
rung offt bezeuget- | 
1 Das Gebluͤht / dieſes frifch und warm getrunden/fol vor Die ſchwe⸗ 
ve Roht taugen / fonderlic warn man ich ſtarck darauf beweget / bis 
der Schweiß ausbricht. Cs ſtillet auch allen Blutfluß / wann man 
es friſch oder incinerirt gebraucht. Die daraus bereitete Stückt 
ſeynd / das deſtillirte Waſſer und Oel / Balſamus antipodagricus 
ſeu oleum fanguinis humanialcatifatum, Spiritus antepilepticus, 
Mumia vitzalexiteria, arcanum fangninishumani, . 
‚©. Der Stein/ welder den Tartarum in allen Theilen auflöfet / und 
‚ den Schweiß und Harn mächtig treibet / ſonderlich wann man ihn 
mit Theriack oder Mithridar vermiſchet. 
7. *2* 3 








BER / item in Dörte und Contradturen der Gelende / 
ich Handſchu / fo von Menſcheu⸗Haut gemacht/ an- 

— auch nuͤtzlich in füffocarione hypochondriaca, und 
ereitet man ferner ein gutes Wund⸗Pflaſter daraus. 

8. Das Fett / wann man ſolches innerlich friſch gebrauchet / fo tauget 
es zur Lungen ſucht und Abnehmen des Leibs / es zertheilet / lindert 
die Schwergen/ nimmt die Sontracturen weg / lindert die Haͤrtig⸗ 
keit der Wunden-Maͤhler / und hat Krafft zu conglutiniren. Es 





we / welche in der Colica warm übergefehlagen’ groffen 


iſt auch unter allen Fetten das bequemſte und tempeririſte / und die⸗ 


net ſonderlich wider die Atrophiam. 
s. Dis Gebeine / aus welchen das Pulber oder Die Aſche durch calci- 
* niren 


—ñ  —— — ————— 


— e ⸗ñ 


Sco 1171 
niren in emnes Ziglers Ofen bereitet wird; ober. man læxigirt ſol⸗ 
ehe mit einen tauglichen Waſſer;, item zieht man ein Magiſterium 
daraus / ferner ein Oel / und endlich auch eine Qyint-Efleng. 

so, Die Hirnſchaal / und an folder befonderlich das Ostrigvetrum 
Hou den Schläffen / als welches vor ein trefliches Mittel in dev 
fchweren Noht gehalten wird.’ — 

sı. Der Moos oder Ufnea, welcher auf den Hirnſchaglen / ſonderli 
der gehaͤngten armen Sündern waͤchſt / und weil er mit dem Rora 
microcofmi, dat iſt mit dem Suceo nutritio, und alfo mit der Mu- 
mia ſpirituoſa latente durch den Tod impragnitet iſt / in Regno 

Naturæ Sympathetico, wie Kircherus ſchreibet / groſſe Krafft hat / 

> An allein das Bluten / fondern auch die ſchwere Noht dev Kine 

er | 
12. Das Bebirn / aus diefen defilliut man ein Del und Spiritum, 
fonderlid aber Agvam epilepticam, deſſen und aller vorbemeldten 

Stuͤcke Compoſition in obbemeldten Schröders voliſtaͤndigen A⸗ 

poteck zu erſehen. J 

Selavoniſches Schnabel · Kraut oder Storchſchnabel / Ge- 
ranium Septimum Dioſc. 

Scolopendrium verum Aſplenium eeterach , Milhkraut / waͤchſt 
gern auf alten Mauren und Steinritzen / widerſtehet den Gifft / und 
dertreibet das Fieber / iſt faſt den Kappern ähnlich / Hat wenig Oel / iſt 
aber Nitrofifch/ daher es In morbis chronicis das befte Simplex iſt 
Es Haben es auch die alten Medici Hiel in Decodtis gegen das viertaͤ⸗ 
gige Fieber gebraucht. 

Scolopendria vulgaris, Lingua cervina offic. Hirſchzung; bie 
Blätter dienen der Leber/ der Milb/ and vor die Bauchflüffe. 

Scordium. Triflago.paluftris, Sanpuismiloi, Mithridatum verum, 

Seordien / Lachen⸗ Knoblauchkraut / Waſſer⸗Bathenig / wird meiſt 

in Gärten gezogen / die Blätter treibenden Schweiß / widerftchen den 

Gift und der Faule / und haben mit dem Knoblauch faft gleiche Kraft 
uund Gerud). | 

Scordium Ponticum & Creticum, kom̃t aus Camdia/ift bitter · lieb⸗ 
lich von Geſchmack / muß wohl trocken aufgehoben werden / ſonſt ver⸗ 
dirbt es leicht. Es iſt eben bon der Krafft als das borige. | 

Scorpion Araur/ Nepa, Scorpioides, 

Scorpions®el/ OleumScorpionum. 

Scorpion-Schwans/ Heliotropium Diofe, 

Scorzonera latifolia, Serpentaria viperaria, Scorzoner-Schlan- 

gen⸗Mord / weil Scurzo it Americanifcher Sprache, fo viel als eine 
0. | Errea - Schlan⸗ 


— 





1172 Seo Se = a 
Schlange bedeutetsdie Wurgel derScorzonera ift wider denSchlan> 


en» Bip ein bewährtes Mittel. Die befte Seorzonera kommt aus 
Sifpanien/ wiewol die Unſrige auch nicht zu verachten. 


Scorzonera Montana, Berg oder wildeScorzoncra, waͤchſt hin und 
wieder in Teutſchland. —J 


Sorophularia major, Galeöpfis, Feraria, Millemorbia;Caftrangula, 
Ocymaflrum, Bubonium, Ficaria, Braunmwurg / groß Feigwarhen⸗ 
Wurtz / dienet die hart Geſchwuͤlffe und Geſchwuͤre zu erweichen/ und 
den um fich freffenden Kraͤbsſchaden zu ſteuren. 

Scrophularia media, Fabaria, 

— minor, Chelidon. minus, I . 

Scylla, oder Sqvilla, major Pancratium rubentibus Tunicis, Meer» 
Zwibel / ift zweyerley Arten / das Männlein mit weiffen / und das 
Meiblein mit könarsen Blättern; andere machen noch mehr Sor⸗ 
tendabon. Die beften werden im Julio geſammlet; es iſt die aller⸗ 
ſchaͤrfffte Art von Zwibeln / ſo daß ſie auch friſt / beiſt und ſcharff iſt / und 
Blaſen zlehet; fie dienet in der Schlaffſucht / item vor kalt Gehirn 

und Rerben⸗Kranckheiten / widerfichet auch der Fäufung, 

Scontriren / vide Refontrixem, | 

Scrupel iſt ein Apotecker Gewicht / deren egs. auf ein Pfund/ 24, 
auf ein Untz / 12. anfein Loht / und3, auf ein Drachma oder Onentin/ 1, 
Scrupel hat2o, Bram 

Sebeften/ PrunaSebeftena, Myxx , Myxaria , fhwarge Bruff⸗ 
Beer / kommen aus Syrien und Egypten / wie auch aus Italien, dienen in 
Engündung der Lung und den Seitenftechen / kommen mit der Juju- 
ben überein/ dahero fie aud) acrimoniam Lymphz acristemperipen. 


Secale. Siligo, Farrago Brizza, Rocken ⸗Korn / wird in Secale hy- 
bernum oder Majus Winter-Roden/ und in Verrum oder Minus 
Sommer-Kocen unterfhieden. Die von Rocken zubereitete Stü- 
cke feynderftlich das liebe Brod / welches ſe ines fluͤchtigen Spiritus we⸗ 
genden Magen niemahls einem Edel macht / und dannenhero auch 
Theriaca alimentorum genennet wird, Ferner hatınan den Spisi- 
tum und das deltillirte Waller. Vide Rocken. - 

Seckelkraut / Burfa paftoris. | 
Seckel des Heiligthums / Siclus, Juͤdiſcher Denarius oder Sil⸗ 
berling (dergleichen 30. dem Juda / um unfern Heyland zu berrahten / 


gegeben worden) hatte aufder einen Seite die Ruͤhte Yarenis / mit 
er Überfchrifft : Jerufchalaim Hakkedofcha , Hierofolyma fandta, 


anf der andern aber einen Berher oder Kelch / welche etliche vor —— 
nigen 


‘ 


er — - nn ——— 
J 


u Seo ©e | 41173 


ö —— — — — — — — 
nigen halten / darinn mandas Manna verwahrte / mit der Inſcription: 
Scheckel Ifrael. pondus, ſ. Monetalſtaelis. 


Sedeney / Saturey / Huͤnerfels / Winter⸗Iſop / Satureja, 

Secunda ſettra di cambio, der andere Wechfel: Brief / der in Er: 
mangelung des erſten prafentivet wird / wann etwan folder erſte un⸗ 
terwegs ware verlohren worden / daß der andere guͤltig / und an deſſen 

Stelle ſeyn moͤchte. Cr wird gemeiniglich gemacht / wann auf weit 
entlegene Oerter gewechſelt wird / da man dann denſelben dieſe Wort 
zu inſeriren pfleget: In Grmangelung des erſten / zahle der Zar. 
auf dieſen meinen ſecunda Wechſel⸗ Brief / ec. 

Sedum minus, fempervivum minus, kleine Hauswurtz / iſt ein kuͤh⸗ 
lendes und trocknendes Gewaͤchs / fo etliche auch unter den Salat 
mengen. Ä 

Sedum majus, Sempervivum majus , Jovisbarba , Aizoonmajus , 
groffe Hauswurtz / Donnerbart/ wächft auf den alten Mauren und Da⸗ 
ae der Haͤuſer / bienet dor die Hals⸗Geſchwuͤr und Engündung der 

ugen. * 

Sedum minimum, Maur ⸗Pfeffer iſt zweyerley / als (1.) ſcharffer 
Mauer⸗Pfeſſer / ſedum minus vermiculatum acre, (2.) Maur-Pfef- 
fer ohne Geſchmack / ſedum minus vermiculatum inſipidum, waͤchſt an 
—* rauhen Orten / auf Schantzen und Mauren ; die Blaͤtter 

ühren durch Erbrechen die Galle in Fiebern ab. 


Seeapffel / Echinus, Ericius. 
Seeſtern / ein alſo genanntes ſeltzames Waſſer⸗Geſchoͤpff / welches 
in einer kleinen ſternformichten Schaale von 10. bis2. Spitzen ſich auf⸗ 
haͤlt / durch deren Huͤlffe ſie ſich auf den Trocknen / gleich wie mit Füſ⸗ 
fen fortſchieben kan. Sie werden bielfaͤltig in Raritaͤten Kammern — 
aufgetrocknet gefunden. Br L 

Seeblumen/ Lilien oder Rofen/ Nymphzxa alba. 

‚—  $Eidyen/ Quercus marina, 
| Gnaphalium, Gnaphalium marinum ı. 
Haltenkraut / Saamkraut / Potamogeton & Potamogetuim 
Holderkraut / Potamogeton, Spicata fontalis. 
Aolben/ Typha vel Typhæ. 

uͤhe / Manati, Vacca marina, 

uß / Tribulus aquaticus, Lacuſtris & marinus. 
Peterxlein / Meerfeuchel oder Bacillen / Cretamarina offici · 
nalis, Crethamus, Crethmus, Crithmusfeu Crithamus, | 

See⸗Roͤhte / Rubia marina. 

— Weggraß / Polygonum marinum, Uva marina, | 

Eeee⸗ See⸗ 


11441141 


1174 See u 


Ä a u een 
See⸗Haͤven / Portus Maris, Ports de Mer, dienet den Rauff-feuren 
vornemlich zu willen / weil ihre Schiffe ſich derfelben an fo vielen Or» 
ten der Welt/zur Ungeftunten und Winters⸗Zeit / item qud) zur Ein« 
und Ausladung/ Kauff- und Verkauffung ihrer Waaren bedienen 
muͤſſen / ob nun wohl einige derfelben unter die Benennung gemiffer 
Laͤnder Schon angeführet / jo wollen wir doch allhier bon den vornehm« 
ften/ einen General Conſpecium und Derzeichnif geben / uud und da⸗ 
der Ordnung bedienen/ welche der gelehrte Herr Beckmann in feiner 
iftoria orbis Terrarum Geographica, cap. 3. parte 3 deHydrogra- 
phia gehalten. Er faͤngt aber daſelbſt vbon Norden und zwar von ber 
weiſſen See / ober dem fo genannten Mare albo an/und bemercket erfb 
die befandte Handeld-Städte und zugleich fichere See-Häven Ar- 
ehangel und St. Nicolai ; in demäufferften Lappland dem Haven Co- 
la an einen Fluß gleiches Rahmens gelegen / item den Port Ooſter⸗ 
Haben ; in der Oſt⸗See Stodholm / Calmar / Nykoͤping / Carls⸗ 
Haven / Carls⸗Cron / Geval / Weſterwyck; in Schweden Lieffland 
Riga, Reval Narva und Pernau; in Königliches Preuſſen / Memel / 
Pillau und re: ; in den Pollnifchen Preuffen Elbingen/ 
und Danzig; in Churland Windau und Libau; in Pommern Eolberg/ 
Gtettin/Stralfund. m 
In Meckelburg / Wißmar und Roflod. 
In Holſtein oder vielmehr erſtlich i Gtormarn Trabemũnde / der 
Gtadi duͤbeck ihr See-Havenund Neuftadt, _ 
In — an der Oſt-See Kiel / Eckernfoͤrde / Schleßwig und 
Flenßburg. | / 
In Saͤnnemarck auffer den bielen Heinen Haben / fo in Geeland 
und Führen zufinden / Copenhagen feiner bortrefflihen Sicherheit 
und beavemen Einfarth halber / auch weil die groͤſte Schiffs-Flotten 
daſcelbſt Hinter dem Wall ſicher liegen Fönnen/ qvafı Kopmanns Haben 
genannt / da er vor diefen Axclhuys geheiſſen / und nur ein bloſſes 
Schloß von Biſchoff Abfolon oder bielmehr Axclio oder Aximio wis 
der den Einfall der See⸗Raͤuber / an den Ort wo jegt Kopenhagen ftes 
het / erbauet / daſelbſt geftanden. ei 
In Juͤtland anden Cattengatt/ Aarhuſen und Aalburg: gegen über 
in den Schmedifchen Territorio Gottenburg. 
In Norrwegen Bergen/ DrontheinyEhriftiania/Zlederöe. 
In Juͤtland und Holſtein au der Weſt · See Rypen / Huſem und Toͤn⸗ 
singen an den Eyder⸗Fluß. | 
An der Eib Gluͤckſtadt / Hamburg / Stade. 





Aun der Weſer Bremen / Oldenburg/Delmenhorft. 
Ju Oſt⸗Frießland Emden. 
In Holland ſelbſt Texel und Vlieland / melde bielmehr als gee 
fls 





See 1175 


Sinfarthen und Schiff Stationes gld Haben zu confideriren/ hingegen 
Baben die dafelbfi gelegene Städte / vornemlih Amſterdam / Horn / 
Enckhuyſen / und an der ander Geiten Hollands) Rotterdam fchöne 
Havens / ferner ift in Holland als ein ſicherer Haven und groſſe Aufurth 
berühmt Briel und Heelvuers Sluys, item Gorec; inGeelaudBlifingen 
und Middelburg/ einer bon denen Landes⸗Schluͤſſeln / welchen Caro- 
Aus V. auffeinen Zodt-Bett ſeinen Sohn Philippo II, König inSpanien 
zecommendiret/ daß erfelbigen ald einen Eingang in feine Länder 
wohl bewahren follte, 
In den Spanifchen Niederlanden finden (ih Sluys / Antuerpen/ 
ftende/ Nenport/ Duynkirchen / fo his dato noch Franutzoͤſiſch ift/ und 
manchen Kauffmann den feine Schiffe dafelbft aufgebracht und con- 
Bſciret worden / ein ſanres Angedencken giebet. 
In Franckreich Calais (welchen Haven und Stadt die Könige von 
Engeland vor dieſen die Thür zu Franckreich zu nennen / und davon 
zu fügen pflegten / ſo lang ſie ſolchen befäffen trügen fle die Schlüffel von 
Franckreich an ihren Guͤrtel /) Diepe, Havre de grace S,Malo, Brieux, 
Morlaix, Breft, Nantes, La Rochelle, Bourdeaux , Bayonne, diefe 
See⸗Haͤben ſeynd alle an den Oceano oder groſſen Welt⸗Meer ges 
* in den Mittel-Meer hat Franckreich Morſeille, Toulon und 
Antibes. 
In Spanien ſeynd berühmt S. Jean de Luz, S. Sebaſtian, Bilbao, 
LaredoS. Andero, Villa vicioſa, Corunna don wannen dad Paqpet⸗ 
Boot nach Engeland pflegt überzugehen/PortSt.Mariaund der von der 
neulichen Eroberuag der Spaniſchen Silber ⸗Flotte berühmte See⸗ 
Haven Vigos, und endlich Cadix, dieſe alle ſeyad an den Occano Ar- 
lantico & Cantabrico, in den Mittlaͤndeſchen Meer hat Spauien 
Gibraltar, Malaga ‚ Alicanten, Cartagena,Barcelona, 

n Portugall ift Liffabon, Setuval oder St. Ubes, Porta Port, &c. 
A Groß ⸗ Britannien oder Engeland und Schottlandzuſammen / und 
zwar erſtlich in jenen / ſeynd an See-Häven die bekandteſten / dic fo F 
nannte Qyingveportus, vulgothe Cingveports in Kennt:und Suſſer 
gelegen’ welche man fonderlich nebenft. noch einigen andern vor eine 
Schutzwehr gegen Franckreich haͤlt und danuenhero ihren Ober⸗Auff⸗ 
feher den Nahen che Lord Warden ofthe Cingveports, denen vuter 
ihm dienenden Baronen aber den Nahmen the Baronsof the Cingve- 
ports giebet/ es heiffen aber bemeldte Haben Haflings, Winchelfey, 
Rye.‚Rumneii, Hyde, Dover ‚Sandwich, Seaford ; Die übrigen Ha⸗ 
ven fo beſſer Oſtwerts hinauf ſeynd NeuCaſtle, Hulla; anden Humber⸗ 
Fluß LUyn, Varmouth, Ipsvich, Harvach, Colchelter ; an den Junloͤndi⸗ 
ſchen See⸗Ufer Chichetler , Portsmouth, die Inſul Wicht, Falmouth, 
Weymeuth,Pleymotith; in der Irrlandiſchen See Briltol; in ik 

Tr | | - amt 


———n a m a u re 


1176 | » See 
ſchafft Pen Brock Milfordshaven ‚ bey welchen Haͤben allen merckwuͤr⸗ 
dig daß eine jede Auslaͤndiſche Nation um Streit mit andern zu dere 
. menden ihre befondere Havens in Engeland babe /alfo. befahren die 
Holländer Sandwich / die Frantzoſen Dovers, dieSpanierPleymouth, 
und die Irrlaͤnder Sieſter. | 
RL Schottland feynd die vornehmfte See-HävenDumbar, Lrhbey 
dDimburg/S.Andrea«,Montrofs,Aberdon,itermDundee ein guter Ha⸗ 
venundfeftes&aftel. 
In Ireland Dublin, MWarford/ Bear⸗Haben / Croocke⸗Haben. 
Inden Mieländifhen Meer und zwar in Italien / weil wir die 
panifcheund Frangölifche Häven allbereit beichreiben/feynd erftlich 
in Piedment,Niffa, Final, ferner Genua, in Florentiniſchen Livorno 
an derfelbigenKüfte Piombino Porto Hercule,Orbitello,in den Romi⸗ 
ſchen Territorio Civitea Vecchiaund Ollia, 
in den Neapolitaniſchen Cajera „ Neapolis und an den Freto 
Mamentino Regio „ in den ZTarentinifhen Meer-Bufem Taranto, 
in den Adriatifchen Meer oder Golfo di Venetia, Ancona, don welchen 
das Sprichwort bey den taliänern entflanden/UnusPetruseft inRo- 
ma,unaTurrısin Cremona,unus Portus in Ancona, nad) dieſem feynd 
noch Rimano ‚Ravenna, Venedig und jenfeitd des Golfo,Jadera,Zara, 
Zebenico ‚Spalatro Ragufa, 
In der Europaͤiſchen Tuͤrckey fennd Navarino,in Morea , Athen, 
er Seftus, eine von den Dardanellen / und endlihCenflan- 
tinope! ſelbſt. | | 
In der Aſiatiſchen Tärckey feynd Abydus, das andere Darbanellen 
Schloß / woſelbſt die Ehriftliche Schiffe eh fie nach Conſtantinopel ge» 
hen/anläuden/ und den Tuͤrckiſchen Baſſa ioo. Ducaten zahlen müſſen / 
in Elein Aſien iſt Smyraa, Tripoli di Soria, Alexandrette ſeu Scande- 
rone, Haruti,Saido oder GSidon/Jaffo oder Joppe. 
In Egypten iſt Portus Pelufii oder Damiara, an Ausfluß des Nils ge« 
fegen/ Roferto ſo Die Türchen Raschie nennen / Alexandria in der Bars 
barey Tripolidi Barbaria ‚zum Unterſcheid Tripolisin Syrien/Tunis 
Biferta Göletta, Algiers,Oran, Ceuta, Tanger, 
Die Haͤven der Inſuln des Mittländifchen Meeres ſeynd / in Corlica, 
Portus S. Bonifacii Calvi & Florentii,in Sardinia derCagliariſcheSee⸗ 
Haven / in Sicilien der Meßineſiſche / Fyracuſaniſche unPalermitanifche/ 
in Malta das Caſteel S. Elmo / in Corfu, Sidari & Temo, it Ce- 
phalonia Argoftoli und Zante, Chieto und S. Nicolai, in Candia 
Retimum, Canea, Candia,Spinalonga Carabufa & Suda, davon die 
letzteren drey den Benetianifchen Gebiet unterworffen / gegen der Inſul 
Candia über iſt Standia und Famaguſta. 
Die vornehmſte Aliatiſche Haͤven feyud / und zwar erſtlich in en 
| Meer 


— — | — — — — — — —,—— 
Sei 1177 


Meer Aden, Suez, inSinu PerficoOrmus, Gamron,an denMalaba- 
sifchen üfer Goa ‚ Calicutum und Cochynum in der Inſul Ceylon, 
Columbo, Punte de Galle, Negumbo , aufden a bonCoroman- 
del Palicatta, inCherfonefo aurea Malacca,in der Inſul Java, Batavia, 
-Bantam, ft Luconia, der Haben-di Manilla, in China, Kanton ‚Je- 
jenciem und Tiencienwey ‚in Japan Nange Sacke ‚in den ſchwartzen 
Meer oder Mari Cafpio Ninkifchlack, und Aſtracan. 
In Africa feynd.die berühmteften Gee-Saben auffer denen die wir 
an den Mittländifhen und vothen Meer ſchon benennet / Mofambigve 
an der Africanifchen Oftlihen Küfte gelegen / wofelbft ih die Portu> 
gieſiſchen Schiffe die nach Oſt⸗Indien wollen zu refraichiven pflegen/ 
eben wie die Hollaͤnder in den Haben der Aufferften mittägigen Spitze 
von Africa bey demCapoBonzSpei zu thun pflegen. / 
Americanifche Haven und zwar in Nord = America feynd Port Real, 
in Neu Franckreich / Reu Pleymuth in ReuEngeland / Neu Amſter⸗ 
damin Neu Holland / Jameltoune in Virginien und Portus, S, Augu- 
ftini & Helenz in Florida, nechft welchen die Havanader berühimtefte 
- Gee-Haben/und gleichfam dev, Schlüffel von gantz Weſt⸗Indien iſt / 
indem dafelbft die Spanifche Silber Flotte ihren Rendevous hält/ 
und foweiter nach Hifpanien in September Monath abfeegelt / in der 
Inſul Hifpaniola iftS. Dominigo, in S. Johannes Juſul Porto Ric- 
<o, auf der feften AmericanifchenKüfte aber findet Ih der Haben Nom- 
brede Dios, item Porto-Bello-Vera Cruz und S. Juande Ulloa, in 
dem mittägigen Theil bon Neu Hifpanien iſt P. Vejo, Panama, Truxil- 
lo,Perico Porta Cavallos, Porto Velez,Fonfeca &Gatulco,PortoLe- 
xo, Portusrealis Naiivitatis, & Portusrealisagve pulchr& feu agra 
Pulco, | | | 
In den ntittägichen America iſt der vornehmſte Haben Carthago- 
na ‚ in welchen das Peruvianifhe Gold und Gilber/ und andere Waa⸗ 
ven welche über die Havana nad) Spanien follen uͤberbracht werden/ 
zuſammen geführet witd/ in Oviana ift der HabenChiana,inBrafilien 
Phernambucco, Todos los Sandtos , Pofto Seguro , Spiritus 8. S, 
Vincentii,Roderici,Buenos Ayres, über dem Gilber- Fluß aber hin- 
aus P. Lione,Portdelfire , jenfeitö. dem Freto Magellanico findet ſich 
P. del Draco inglefe,in Chili & Peru, Caflro diChiliPortusgvintero, _ 
‘  Conceptionis,Val Paraifo,P, Cogvimbo & Gopyapo, Portus arica, 
‚» CapodeLima,Porta Vejo,&ec, ...: | 


Seide born aus Itallen und Franckreich /als in welchen beydenfän- 
dern folche eben wie in Spanien/(der vielen Maulbeer⸗ Baͤum halber 
die daſelbſt zu finden/und don welchen die Seiden- Würmer ihre Rah: 
rung haben) erzielet wird/ wir haben auch in Teutſchland a 

’ | e 


0.0 Gi 
fche und Oſt⸗Indiſche Geyde über Holland / aud) zuweilen über Lieff⸗ 
fand / wann nemlich die Armeniſche Kauff-Leut / fonderlih in Frie⸗ 
dens⸗Zeiten mit ihren Waaren über Mofcan zu uns kommen / und 
genzeiniglich ihre exfte Anfurth zu Lübeck Haben / von wannen fle über 
Hamburg nach Amfterdam / und fo ferner mitHolländifhen&chiften/ 
(mann ſie ihre Handlung verrichtet ) durch die Mittelländifhe See 
nach der Levante zu / wieder nach Haus zu kehren pflegen. 
Der Gebrauch der Seyde ıfl eigentlich. fünfferley / als einige wird ge> 
fponnen/einige gewebet /einigegemwirdet/ einige geſtricket / und eini⸗ 
ge aefülst / unter die gefponnene Seyden wird wiederum gerechnet / 
Spinn⸗ Zwirn⸗Stech⸗ und Neh⸗Seyde / Franfen und Qbaͤſten · Seyde. 
Unter das Seyden⸗Geweb zehlet man Seyden Band / Seyden Bor⸗ 
ten / allerhand Seyden⸗Zeug gantz von Seyden / oder mit Wollen oder 
Seinen gemiſcht / mit oder ohne Figuren / glatt oder erhoben / item 
Taffet / Atlas / Sammet / Pluͤſch / ꝛc Diegewürdte Seydene Manu» 
facturen begreiffen in ſich was von Seyden genaͤhet / geſtricket und 
gewuͤrcket wird / inſon derheit Seyden Stickerey und Tapeten ⸗· Wuͤr⸗ 
derey. Unter die geſtrickte Seydene Manufasturen werden gerech⸗ 
net / Seydene Struͤmpff / Socken / Hauben / Camiſoͤl / und alles was 
geſtricket wird. Neulich hat man auch die Seydene Fils erfunden / 
welche die Hollaͤnder Watten nennen / darvon man gleichfalls einige 
Manufacturen als Indianiſche Roͤck / Camiſol / Schlaff⸗Hauben / Bett⸗ 
Decken und dergleichen findet / ſintemahl dieſe Seydene Filtz ſehr 
warm halten / dannenhero auch. in Holland und Franckreich ein grofler 
Handel/und auch ein groſſer Betrug damit geſchiehet / indem (ie offt 
mit Baummoll untermifchet werden. 
Die Seyde an fich felbft ift vieler leySorten / als Ardafler, Meliniſche / 
Bolognefer, Milaneliſche / Frantzoͤſiſche / Perſianiſche und Oſt⸗Judiſche 
Seyde / deren jede ihre eigenene Art hat / und zu abſonderlichen Manu- 
Fadurendienet. Es werden aber zum Seyden⸗Handel drey Stück 
erfordert / nemlich erſtli Einkauff dev Seyden / zu rechter 
Zeit / und an dem rechten Ort / als auf den Seyden Maͤrcken zuSmyr⸗ 
na/Mariilien/Milano,Bolognia, Bolzano,&c. da man friſches auff⸗ 
richtiges und wohlfeiled Gut haben Fan/zumahlen wann mans allezeit 
an einen Ort und in guterQbantität nimmt/darzu dann auch viel thut/ 
mann man gute Correfpondeng führet/und (ic) ber) Zeiten erfundiget/ 
wie dev Senden Herbſt gerathen werde / weiches man in Frühliug 
an den Würmern wiſſen kan. Mebenft dieten ift zweytes noͤthig 
die Erfänntniß der Seyden / nemlich was ed vor Seyden fen / wel⸗ 
ches man am Geruch und Fühlen hat/item daß ſolche fein lange Sträng 
habe / nicht nap noch faul / noch zerſchnitten / auch Feine groſſe Koͤpff / und 
in Koͤpffeu bisweilen Stein / oder ſonſt biel Lackalchi habe / un 
| er 








| Su | 1179 
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Der Verkaͤuffer dem Kaͤuffer ſolche Seyden Ballen auf dopoelte Tara 
lieffern muß / als eine auf die Strick und Emballage womit der Ballen 
eingefaſt iſt / die andere auf die Lackafchi. Drittens iſt auch noͤthig 
daß man die Seyde zu ſortiren wiſſe / geſtalt offt ein Strang Sey⸗ 
De dreyerley Arten in ſich hat / welche alle muͤſſen ſortiret werden. 
Von den Betrug der bey der Seyden-Aandlung/ und.Manufactu- 
riren derſelben vorgehet / ſeynd aus des Savary volſkom̃enen Kauff· und 
. KHandeld-Mann cap. 46. zehnerley zu mercken / als erſtlich betriegen 
die Kauff · keut beym Einpacken der Seyden / indem fie ſchlechtere Art/ 
und übel conditionirte&ende unter die gute miſchen / welches zuwei⸗ 
fen esliche Hundert Marck Verluſt (wegen des Abgangs / der ſich in 
Auffwinden aufdieSpulen / warn die Seyde foll gefponnen und auf 
die Mühlgelieffertwerden) aufeinen Ballen Seyde bringet/der an⸗ 
der Betrug ift daß fie die Seyden in feuchten Wetter einpacken / und 
wann die Zeit trucken und warm / diefelbe um fchwerer zumachen / mit 
Waſſer befprügen/ ſo daß wann hernach die Waar ausgepackt / und 
etliche Tag die Lufft empfangen offtmahls s. oder so. Pfund Mangel 
am Gewicht ſich befindet. Der dritte Betrug gefchiehet durch die 
KHafplerinn / dann warın Die Manufakturiers ihnen Die Geiden gelicke 
fert/ um felbige aufdie Spuhlen zu winden/ geben fie Hingegen —— 
rere als ſie empfangen wieder/ oder wann die Spuhlen mit der Manu- 
fatur-Zeichen bemercket / tuncken (te felbe um folche gewichtig zu ma» 
chen ind Wafler/ ſie thun auch wohlauf die Spuhlen alte Lumpen oder 
Faden / welder hernach mit der Seiden bederfet wird. Andere be> 
ſchweren die Geydenmit denen Belben von Eyern/ Zuder / Saltz / 
Milch / Horn / gerieben Bold-Schaum oder Glätte / und anderen Ma- 
terien,fo fie ale auf dieSpuhlen winden / und nachdem ſie die Seyden 
anf andere Spuhlen gewunden/ und davon geftohlen / nichts defto we⸗ 
niger dad Gewicht lieffern Fönnen/ offt gefchieht es auch daß die Geſel⸗ 
fen/ wann felbige Flocken und Abgang von Seyden haben / mit den 
Haſplerinnen es anftellen von ihnen die gute Geyden um ein Spott 
kauffen / die Flocken und Gtragen dargegen hingeben / und felbige den 
Manufaeturier den ihnen die Seyden zu minden gelieffert an ftatt der 
‚guten wieder zuftellen / mit Bermelden daß die Seyden gefuttert/ 
und übel befchaften geweſen fen. Der vierdie Betrug geſchichet durch 
die Seyden⸗Rheder / denen die Seyde nachdem fle aufSpuhlen gemun- 
den / zu ſpinnen gelieffert wird / dann diejenige welche betrleglich 
handeln wollen / können die Seyden / ohne daß der Principal folches 
ewahr wird / fehlen/ und mit obgemeldten Materien unbemerckt be» 
Tische /nchhen die Geyden von den Seyden⸗Rheder gefponnen 
worden / geben die Manufadturiers felbige arınen Leuten zu zwirnen/ 
diefe/ wann fe dürftig / fehlen aud) (und um das Gewicht wieder 
zu 





— — — — — — — a 


180 . | Sei 


äulieffern) befeuchten fie die. Seyde nochmahlen / welches der fünffte 
Berrug ift/der ſechſte iſt wann die Seyden gedoppliret / und den Sey⸗ 
den: Rheder wiederum zu Handen kommt kan derſelbe auf bemeldte 
Manier in der Onſoy ſo zum Zettul gebraucht wird / abermahlen be⸗ 
triegen/dann mas die Trama oder Eintrag belanget / gehet ſelber den 
Giyden Rheder nur einmahl durch die Hand / aber zweymahl den 
Dopplerinnen / nachdem nun die Seiden auf alle Weiß zugerichtet wor» 
den / hängt man ſolche an den Zapffen um ſelbige zu ſortiren / und die 
feine von der groben zu fepariven/ und alddann in die Farbe zu thun / 
da dann ſolche Ausfonderung an den Zapffen / gleichfam der Probier- 
Ziegel ift/ da allgr Betrug fo mit der Seyde vorgangen / bermittelft 


des Abjiedend erkundiget werden Fan/weilen ſolchen Abfleden die Sey⸗ 


de mehr als ein Ung aufs Pfund / welches das ısteTheilift/ perlieret/ 
wie dann auch gemeiniglich die rohe Geyde in groffen Magen / nach 
dem Gewicht von 15. Untzen verkaufft wird/ damit aber hat der Be- ° 
trug und dad Beftehlen dev Seyden noch Fein Ende/dann theils Fär- 
ber gehen ihres Orts auch betrieglich damit um / indem (le die groffen 
Stränge Heiner machen / darbon fehlen / und zuweilen um 2. oder 
3. Ungen das Pfund dureh bielerley Materien fo ſie in die Farb mi⸗ 
ſchen / beſchweren / fonderlich die ſchwartze / welche nichts defto weniger 
ſchoͤn und glaͤntzend in dem Anfang ſcheinet / hernach aber in dem Ge⸗ 
brauch den Glantz berlieret und roͤthlich wird / und dieſes iſt der ſieben⸗ 
de Betrug / der achte Betrug ſo man in der Seyde üben kan / iſt nach 


‚den diefelbe gefaͤrbt und den Haſpelerinnen auf Spuhlen zu winden / 


zu Handen geftellt worden / daß folhe (mann fie die Seyden angenont> 
men um felbige wiederum in dem empfangenen Gewicht zu liefern) (ih 
‚abermahl vieler Mittelu zu betrugen bedienen / als daß fie nemlich an 


ſtatt Heiner / groſſe Spuhlen mit dem Zeichen des Manufadturiers des 


‚merden /felbige auch wohl in das Waller damit das Kolg die Feuch⸗ 
tigkeit an (Ich ziehe / tuncken / item ſie beſchweren die Geyden uber das 
auch mit Fett / Schmeer / Butter / Delund andern Dingen / welche 
ſſe um die Seyden fchleunig abzubafpeln / gebrauchen / und endlich in 
dein (te felbige auf die Spuhlen winden / Balken fie folche noch dazu in 
genegte Leinwand damit * die Feuchtigkeit deſto befler an ſich zie⸗ 
be. Der neundte Betrug geſchicht wann man die Seiden zum Zettel 
‚der Zeuge lieffert / daß die Arbeiter vielmahld wann (te aus der 


. MWerdftatt gehen/die Spuhlen mit der Seyden mit ich nehmen / felbi- 


‚ge geſchwind aufandereSpuhlen winden/und hernach die —— 

len leer zu ruck bringen. Endlich geſchicht auch der zehende und legte 

Betrug / wann die Arbeiter nicht treu / und man kein wachendes Auge 

auf dieſelben hat / da ſie dann im Arbeiten den feinen Eintrag gegen 

groben bertauſchen / welches eine Urſach iſt daß Das gantze Su pet 
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Zeugs durch und durch ungleich ausfaͤlt. In Summa es iſt gewiß / 
mann bie Yegortianten / welche der Manufacturen ich unterwinden 
wollen / ſolche wohl zu regieren nicht tüchtig/oder fie und ihre Bediente 
den Arbeitern nicht ſtets auf den Hals liegen/ oder fonft gute Sorge 
auf alles dasjenige tragen mas oben gemeldet worden/ daß alödann die 
Waaren niemahls zu ihrer Vollkommenheit gelangen Fönnen/auch bon 
denen Arbeitern durch deren Haͤnde die Gendegehet/ beftändig beſtoh⸗ 
len / dadurch aber die Kauff-Leut in ihren Vorhaben mercklich gehin: 
dert werden. 
DieSeyden:&Rhederey oder das Zurichten der Seyden betreffend, iſt 
darzu ſonderlich ein Filatorium oder Abwind Inſtruͤment nöthig/mwels 
ches vor diefen die Jtaliäner und fonderlich die Bolognefer nur allein 
zu bejigen und inventiret zu haben vermennet / indem ſolches die Sey⸗ 
de zugleich abgewunden und gezwirnet / allein es ſeynd feiter den ſo 
viel andere Arten von Machinen zum Zwirnen undAbminden der Sey⸗ 
de erfunden worden / daß man denen Jtaliänern das Ihrige welched oh⸗ 
me dem koſtbahr / muͤhſam und viel tauſend Entia, Zahn und Getrieh 
hat / und dannenhero offt wandelbahr wird / gern Läft/und (ichmife einer 
viel leichtern / beweglichern / gantz unwandelbahren Machina behilfft/ 
bey welcher ein einiger Menſchgar füglich auf einmahl faufendSträne 
ge abmwinden kan / wiefoldes in vielen Teutfchen und Hollaͤndiſchen 
Seyden⸗Manukacturen zu erfehenift. “ 

Seydel⸗Baſt / Kellerhals/LaureolaMezereon, 

Seydel⸗ Baſt Wurgel/Radix Thymekzz,ifteine holtzigte / zaſeli⸗ 
he Wurtzel / auswendig ſchwartz / innwendig weiß / ie ſhmecke an⸗ 
faͤnglich etwas füß/läffet aber hernachmahls einen folchen ſcharffen Ge⸗ 
ſchmack auf der Zungen zurück / der wie Feuer brennet / abſonderlich 
mann (te friſch gegraben wird / ſie purgiret ſehr ſtarck / wird aber ſe 
ten gang in den Apothecken gefunden / ſondern nur die Rinde / dahero: 
ſie dann auch unter den Rahınen Corticum Mezerei zu denKinden ge⸗ 
zehlet wird. | 

Seydel-Blaft/Chamelxa, 

— Weyden / Felbinger / Weyden Salix. - | 

Seiden⸗Kraut / Cuscuta wird in Virginien gar häufig aefunden/ 
deffen Blätter in einen dünnen und glängenden Häutlein wormit fie 
überzogen gar herrliche Seyde hervor bringen / weldye die Einwohner 

zu ihren Manufacturen gebrauchen. 

Seyden⸗Baͤlglein / BHombycia, Follicuſi ſericei. 

Seyden⸗Wuͤrmer / vide bombix. 

Seiffe / Sapo, Frautzoͤſ. du Savon, eine hoͤchſt nohtwendige Waar/ 
ft zweyerley / einlaͤndiſche und — nie beyde abermapl in Dies 

lep« 


J 


1182 Sei a 
wer⸗ 


lerley Sorten / ſowol der Couleur als Qyalität wegen / abgetheilet 
den; gemeiniglich aber werden zweyerley Art Seiffen in den See⸗ 
ftaͤdten gefunden / als die weiſſe und grüne / welche letztere entweder 
rein und friſch vom Geruch / oder gang thranig riechet / and den Leinen ⸗ 
Zeug/ welches damit gewafchen wird, eben einen folden Geruch ans 
hänget/ dahero ſie auch die fchlechtefte und mwohlfeilfte. Die weiſſe 
Geiffe wird/ wann ſie jetzt gefotten/ theils in Tafelngegoffen / theils 
in Kugeln rund formiret/ etwan auch perfumiret / und mit allerhand 
wohlriechenden Ingredientien, wormit ich das zarte Frauenzimmer 
wohl zu behelffen weiß/ und von welder Compofition wir hernach han» 
deln wollen/vermenget.Eine gute weifle Seiffe zu kochen nimmt man 
zu. Scheffel Afchen einen halben Megen Kalch / mit warınen Waſſer 
‚angefeuchtet/ alfo daß der Kalch zerflieſſe / folcher Zeug wird hernach in 
einen Zuber gethan / und mit ſiedheiſſen Waffer übergoffen / bis der 
Suber gang voll iſt / als dann wird er mit Brettern und Züchern zuge · 
decket / damit die Schaͤrffe nicht ausflattere / und alfo bleibet er die 
Racht uͤber ſtehen; des andern Tags läßt man von diefen Zeug fo viel 
als noͤhtig ablauffen / gieflet ſolches in den Keffel/ und thut darzu 30. 
Pfund Unſchlit oder Talch / welches alles 10. Stunden lang fleifig 
muß in ſieden erhaltenwerden / alddann wird ein halber Meß Salg 
darzu gefchüttet / und hierauf noch zwey Stunden gefotten / als dann 
ausgehoben/ und in Tafeln gemacht: inwährenden Gieden muß der 
Zeug im Zuber ftetö mit ſiedendheiſſen Waſſer erhalten werden / das 
‚mit man — nachzugieſſen habe. 
Unter allen Seiffen / welche bis anhero gemacht worden / hat bie Ro» 
fcomitifche wegen ihrer überaus groffen Leichtigkeit und dann die Be> 
nedifche den Preisbehalten. Jnſonderheit weil zu der Benedifchen 
eine fcharffe beiffende Afche kommt / welche machet / daß hernach ſolche 
Seiffe im Waſchen ſo viel mehrere Würdung thut. Die Zeichen / 
wormit die Venetianiſche Seiffe bis anhero am meiſten bezeichnet ge⸗ 
weſen / iſt der halbe Mond und die Baͤhren⸗Klau / ob ſchon neben die» 
ſen noch andere Zeichen mehr zu finden / ſo haben jene doch einen zimli⸗ 
hen Vorzug. Was die Marmorirung anbelanget/ gibt und nimmt 
folches der Qualität der Geiffen nichts , wann jienur auffer dem fein 
iroden und fcharff ift / ald welches man vor die befte Seiffen⸗Proben 
hält. Cine Geifle / welche in dem Sud nicht genug durchgelaffen/ 
oder zu Aſchhafftig und hart worden / dringt im Wafchen nıcht wohl 
ein / uud machet die Leinwand gelb. Dieobigegrune Geiffe wird 
ber Tonnen/ welche 4. Faͤßgen halt verkaufft/ jedes Faͤßgen wiegt 66. 
Pfund bruto, unds7. biss. Pfundnerto. Die bunte aber wird zu 
(ben und gangen Kiften verkauft mit 13. Rabbat Thara 10. procent, 
ie Mofcomifche werden auch in Kiften / alfo aud die ge 
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| Sei 1183 
ſche verfaufft/ fonder Kabat. Gonften hat man auch gan weiſſe Bes 


nedifche Seiffe/ welche aber nicht allemahl zu haben / wird mit der 
Marſilianiſchen bunten auf gleiche Weife berkaufft. 


Bononiſche Seiffen Rugelnzumachen. 


So nimmt man ein Prund Violen⸗Wurtzel / 4, Ungen Benzoe / 2. Une 
Gen Storax, ſo biel gelben Sandel / einLoht Gewuͤrtz⸗Raͤgelein / für 
. ß. Zimmet / ein wenig Eitronenfchaalen/ eine Unge Macholgo / fer⸗ 
ner eine Muſcaten-Nuß / und dieſes alles zu feinen Pulver gemacht; 
hernach nimmt man ungefehr 2. Pf. weiſſe Geiffe / ſchabet und thut ſie 
in ;. Roͤſſel guten Branntwein / und laͤßet ſie 4. oder s. Tagedarinnen 
weichen / hernach knettet man ſie ſtarck unter einander / mit ungefehr 
einen Pint Pomerantzen⸗Bluͤht ⸗· Waſſer / oder ſonſt mit einen wohlrie⸗ 
chenden Waſſer. Hierauf nimmt man nah Gutduͤncken geſtoſſen 
und durchgeſtebet Krafft⸗Mehl / vermiſchet ed mit obigen Specereyen 
und der Seiffen / und machet einen Teig daraus ; ferner hat man bey 
der Hand ein wenig Gummi Tragant , fo in einem mwohlriechenden 
Waſſer aufgelöfet worden/ item das Weiſſe vons. oder 6. Eyern/ und 
machet davon Kugeln/ fo groß als einem gefällt. 
Ein mehrers bon dergleichen wohlviechenden Geiffen/ und wie abſon⸗ 
derlich die bittere Mandeln/ um zarte Hände zumachen darunter zu 
mengen / iſt in dem andern Theil der curieufen Schatz Kammer zu 
erſehen. 

Seiffenkraut / Saponaria. | 

Seiffenwerdoder Geſtein / wird bon den Bergleuten genannt 
ein fchueer-Flüfftig Gebürg / ald wann es mit grüner Venediſcher 
Seiffe beſtrichen waͤre. 

Seigern / das Kupffer von Silber ſcheiden. 

Seile oder Striche/ Tauen oder Tauenwerck / Funus, Franhoͤſiſ. 
des Cordes, gehören auch ind Kauffmanns⸗ Magazin, und werden von 
denen Rauffleuten/ die etwan die Ausrüftung einer Schifis-Fiotte/ 
und die Anſchaffung des darzugehörigen Tauwercks entreprenniten/ 
bey ihren Schiffs⸗Bau Holtz und andern zum Schiff gehörigen laſtru⸗ 
mentis und Materialien rangiret / und (mie ſonderlich in den Seeſtaͤd⸗ 
ten zu erſehen) Durch ſchwere Arbeit bon den Geilern oder fo genann> 
ten Repſchlaͤgern aus guten Hauff ioo. und mehr Klafftern lang ge» 
fponnen/ hernachmahls in einen darzu befondern Haus und Keffel/fon- 
derlich diejenige getheeret / welche auf Schiffen und im Waſſer dies 
nenfollen.. Es werden aber diefelbe mehrentheild nach dem Gew 
ben Eentnern oder Schiffpfunden verkaufft / und offtmahls vor ein der» 

. gleichen groſſes Ancker⸗Tau 100. ar — Reichsthaler beſtaͤttiget. 
— | 


J 


uſer 


1184 Sei Sel 


Auſſer dieſem fan auch ein Kaufmann des fd genafttenBindfadens oder 
Segelgarns nicht entohnigetfeyn/ beydes zu feinem eigenen Gebrauch 
indem Magazin, Krahm oder Windel / ald aud) folchen nebenft an 
dern Kram MWaaren zum Berkauffund vor das Nachfragen zu haben. 
Wie vielerley Arten der Tauen beyyeinem Schiff gebrauchet/ und wie 
folche genennet werden / iſt in des nen-eröffneten Ritter⸗Platzes erſten 
Theil/ als woſelbſt indem neu-eröffneten See: Hafen von Schiffen und 
deren Zubehör gehandelt wird / mit Luft zu lefen. Merckwuͤrdig iſt 
auch/ daß die Tauen oder Stricke / fo von guten Lieflaͤndiſchen Hanff ges 
fponnen/ in dem Waller nicht ſteiff hart und unbequem: zu handthie⸗ 
ren werden/ fondern fein weich und gelinde bleiben/ dahero dann auch 
dieſe Art von den Seefahrenden am meiften beliebet werden. Geile/ 
die von altenverlegenen Hanff oder anderer Materıa gemachet / oder 
zu viel oder zu wenig gedvehet feyn/ halten nicht / ſondern brechen/ oder 
gehen bald aus einander, | 
Seilkraut / Muſcus Terreftris, 
Seleniĩtes, auf Teuſch Spießglas oder Mondenſtein genannt / weil 
er dem Mond ſehr nachaͤffet und mit denſelben ab-und zunimmt / ſoll / 
wie Antonius Mizaldus Tract. de Conſenſu Solis & Lunæ c. 5. mel⸗ 
delt / ein weißlichten Flecken haben / der mit dem zunehmenden Mond 
groͤſſer und mit dem abnehnenden wieder kleiner wird / und dieſes 
zwar alle Tage / bis der Mond ſeinen Lauff verrichtet. Gedachter 
Mizaldus ſchreibet / er habe anfangs vermeynet / es waͤre nicht ein 
Werck der Ratur/ ſondern der Kunſt / allein nad) der Zeit habe er be⸗ 
funden / daß es wahrhafftig natürlich waͤre / dann zur Zeit dev Son⸗ 
nen⸗ und des Monds⸗onjunction, oder wann der Mond neu ift / er» 
ſchien das weile Flecklein / am aͤuſſerſten Rand des Steins etwas dun« 
ckel / ohngefehr wie ein Koörnlein Hirſe / ſolches wuchs allgemad) / und 
äffete Dergeftalt des Monden Lauff in allen nad) / bis edan dem Mit- 
tel:Punct aelanget/ wofelbft es mit feiner völligen Rundung den vol» 
len Mond recht natürlich darftellte ; nach dieſem ginge ed wieder Dom 
Mittel-Punct zurück nad) dem Unikreis zu/ würde nach und nad) Hei» 
ner / mit gleicher Proportien, wie nemlich der Mond feine Hörner all» 
gemach einzog / biödiefermit der Sonnen wieder eine Conjundtion 
getroffen / und der Flecken zugleich wieder feinen vorigen Ort und die 
erfte Form erreichet / daß alfo das Auf-und Abfteigen / Ab⸗ und Zus 
nehnen des Fleckleins / die gantze Lunariſche Revolution vorbildete⸗ 
ſo waͤhrete auch die Bewegung des Fleckleins immerzu / und haͤtte 
man es in ſeiner Operation niemahls auf einem Fehltrit erhaſchet. 
Seleri / Hippoſelinum, Apium hortenie latiſohum, iſt eine Art 
des Peterſilien: niſi quod magis aphrodiſium Seleri credatur, wird . 
= viel 


| — * —— — = 


— — Sel Sem 1185 
— der Küchen auf Speiſen / und auch an ſtatt des Salats ge⸗ 
aucht. 1 | 
Seling / Saliunck / Marien Magdalenen-Blum/Spica celtica. 
Selino/ Waſſer⸗Eppich / Waflers Peterlein/ Apium paluſtre. 
Sementira, Santonicum, 
Semina, Saamenfeynd: Semen Abelmofchi acetoſæ Saurampf- 
fer⸗Saamen / S. agni cafti Keufchlamm oder Schaafsmülben-faae 
men/ Alkekengi Judendoͤckel-ſaamen / Altheæ Eybiſch-ſaamen / Am- 
mios veri Cretiſcher Ammey⸗ſaamen / f.Amoni Amoni-faanıen/ A- 
nethi Dillſaamen / Angelicæ Angelicasfaamen/ Anitı Anis/ Apy Ep⸗ 
pich-faamen/ Agvilegia Agaley⸗ ſaamen / Afparagi Spargen-faamen/ 
Arriplicis Möltenfaauten/ Aurantiorum Pomerangen=Kern/ Bardı- 
nz Rletten-faamen/ Baſilici Baftlien-faanıen/ Bombacis Baumwoll⸗ 
Kern/ ſ Brufei Mäufedorn-faamen / Berberum Bombacis Botryös 
Braſſicæ, Semen Cannabis Hänff-faanten / Carduibenedidti Cardo⸗ 
benedicten-franten/ Cardi Marix Vehedijtel-faanten/ Cartami Gaf⸗ 
flor⸗Kern / Calendulæ Ringelt:Blunen-faamen/ Carvi Wiefensoder 
Seld-Kümmmel‘/ Caulifiori Blumen⸗oder Räskohl-faamen / Chere- 
folii Korbelkraut⸗ ſaamen / Cicerum alborum weiſſe Kichern / Cice- 
rum rubrorum rohte Kicher-Erbſen / Cichorii Wegwart⸗ſaamen / 
Cinaræ Artiſchocken / Cinæ Wurmſaamen / Citri Eitronen:Kern/ Ci- 
trultii Citrullen⸗Kern / Coceognidii Keller⸗Hals⸗ſaamen / Cochlea- 
riæ Loͤffellr aut⸗ſaamen / Coriandri Coriander / Cucumeris Kummer⸗ 
fing oder Cueummern ſaamen / Cucurbitæ Kürbiösfaamen / Cydo- 
niorum Ouitten⸗-oder Kütten: Kern / Cymini Roͤmiſcher Künmel / 
Cynosbati Hanbutten Dauci C retici Cretiſcher Vogelneſt ſaamen / 
Mohren⸗Kuͤmmel / Dauci vulgaris Vogelneſt⸗ſaamen / Dictamni albi 
ſ. Traxinellæ Ebuli, Attich wild Holler⸗Kern / Endiviæ Endiven⸗ſaa⸗ 
men / Erucæ Raucken oder weiſſer Senff-ſaamen / Fabarum Bohnen / 
Fœniculi Fenchel⸗ ſaamen / Fonugræei Bockshorn⸗ſaamen / Foenu- 
græcĩn pulvere geſtoſſen Foenu · Græcum, Fraxini Eſchbaum / Vo⸗ 
gelzünglein⸗Wundholtz⸗ ſaamen / Geniſtæ Pfriemen⸗ oder Kuͤhnſchro⸗ 
ten ſaamen / Granatorum, Gtanatill. ſ. Ricin. Americ. Hyoſcyami 
Bilſen⸗ſaamen / Hyperici Johanniskraut⸗ſaamen / Hyſſopi Iſopen⸗ 
ſaamen / Lactucæ Lattich-oder Salat⸗ſaamen / Lapathi acuti Grund» 
wurtz / Mengwurtz⸗ ſaamen / Lavendalæ Lavendel-ſaamen / Leviſtici 
Liebſtoͤchel⸗ſaamen / Lini Leinſaamen / Lupinorum Türckiſch Veil— 
ſaamen / Feig-Bohnen / Lycopodii Guͤrtelkraut oder Trutenfuß⸗ 
ſaamen / Maguleppe ein fremdet Saamen / der zum Perfumiren ges 
brauchet wird / Majoranæ Majoran-ſaamen / Malve Pappelſaamen / 
Meliſſæ Meliſſen⸗ſaamen / Melonum Melonen Kern / Melonum 
2 fff a3 excor- 


1186 Sem 


———_;; iin 
excorticatum gefchälte Melonen-Kern / Milii folis Perien-Kraut/ 
Meerhirfch-faanten/ Molchii ein wohlriechender Geamen / Semen 
Napi Stedrüben:faamen/ Nafturtii Garten⸗Kreß⸗ ſaamen / (. Nigel- 
læ crud. & pra&par. ſchwartzer Koriander oder Kümmel / Nuclei Perk- 
corum Prfig-Kern/Orobi Erbfen-faamen/ Orize Reis / Papave- 
ris albi & nigri weiffer und ſchwartzer Mohnfaamen/ Paltinacz fativæ 
Paſtinack⸗ſaamen / Perfoliatæ Durchwachs⸗ſaamen / Petrofelini Ma- 
cedonici Macedoniſcher Peterlein⸗ſaamen / Petroſelini vulgaris Pe⸗ 
terlein⸗ſaamen / Phafeolorum Schminck⸗Bohnen / bimpineilæ Pim⸗ 
pinellen⸗ſaamen / Plantaginis Wegreich⸗ſaamen / Pcœoniæ Poͤonien⸗ 
oder Gicht⸗Koͤrner / Portulacæ Burgel:faamen/ Plyllii Floͤhſaamen / 
Semen Pfyphotile Corallen⸗ſaamen / Raphani Rettich · ſaamen /. Ro- 
rismarini Roſmarin⸗ſaamen / Rofarum Rutæ Weinrauten⸗ſaamen / 
Salviæ Galbey⸗ſaamen / Sambuci ſanguinariæ klein Well⸗oder Blut⸗ 
ſaamen / Saturejæ Gaturey:faamen / Saxifragia albæ Steinbrech⸗ 
ſaamen / Seariolæ ſ. Hormini Scariol oder klein weiß Eudiben⸗ſaa⸗ 
men / Scorzoneræ Scorzoney⸗ſaamen / Seſami Seſam Lein⸗oder 
Flachsdotter⸗ſaamen / Sefeleos veri Cretiſcher⸗Candiſcher Seſel⸗ ſaa⸗ 
men / Semen Sileris montani Silermontan oder Sefel-faamen/ Sina- 
pis ſ. Exucæ rohter Senff / Staphiſagriæ Laͤuskraut⸗ ſaamen / Suadæ 
Suaden-⸗oder Koch-Manna / Sumach Sumach-Koͤrner / Tanaceti 
Thlafpios Cret vulgar. Bauren⸗-GSenffſaamen / Thymi Welſcher 
Quendel oder Tbnınlan-foanıen/ femenTrifolii Kleefaamen/ Viola- 
zum purpurarum blau Beilfaamen / Urticæ Roman & oommunis 
Römifcher Neflel-faamen. | 
Unter oberzehlten Saamen feynd etliche in der Praxi fehr beruͤhmt / 
dunnenhero man le auch warm und Falt nennet/ alfo feynd die 4. groffe 
ak Saamen/ Anis / Fenchel / Wiefen-Kämmel/ Welfher Küm- 
mel. Dies. Heinen Ammey⸗ſaamen / groß Cardomomen / Amomi 
Appich⸗ ſaamen und Möhren-fanmen. 
Die 4. groffe kalte Saamen feynd Eucumer / Kuͤrbis⸗-und Eitrulen- 
faamen/ item Melonen:Körner. 
Die kleineren Endivien-faanien/ Hein, Endivien⸗ſaamen / Lattich-faa- 
men / Burtzelkraut⸗ ſaamen. | | 
Uusdenen Saamenfan man nach Unterfcheld viel bereitete Stücke 
machen / alöInfufiones, Decoctiones, Emulfiones, &c, 
. Die Einſammlung der Saamen gefchiehet/ warn fie zeitig feyn / und 
anfangen trocken zu werden/ doch ehe ſie noch ausfallen. Je higiger/ 
ſchaͤrffer und Aromatiſcher dieſelbe ſeyn / je länger dauren ſie / und fön⸗ 
nen alſo nach Geſtalt der Sachen / 2. oder 3. gerecht behalten wer⸗ 
den Die kleinere und kalte aber muß man alle Jahr verändern / 
doch fell man zufehen/ daß ſie nicht rantzigt werden. Etliche kalte Saa- 
men 





... ......... 


Sem Sen | 1187 


men dauren über 4. Monat nicht / welches man in Bereitung der Me- 
dicamenten zu beobachten. 


Semis, die Helffte eines Dinges. 

$emper vivum majus, Sedum majus vulgare minimum feu vermũ · 
eularis, vide Sedum, 

Senatus Confultum Macedonianum, Krafft deffen die Eltern nicht 
bezahlen dörffen / was ihre Kinder von denen Kauffleuten auf Borg 
genommen / ed wäre dann / daß es mit der Elteru Willen geichehen/ 
oder der Kauffmann erweifen Fönnte / daß Dasienige/ was der Sohn 
wa. Tochter zu Borg geholt/ mit in der Eltern Nutzen verwandt 
worden. 

Senatus Confultum Vellejanum , Krafft deſſen eine Frau nicht bee 
zahlen darff / was ſie aufgeborgt / oder wofür fie ſich verfchrieben/ es 
fey dann) dag fie eine Kauff⸗Frau fey/ oder diefen ihren weiblichen Be- 
neficiorenuneitet hätte/ x. . | 

Senna Alexandrina & Italica , Alerandrinifhe und Italiaͤniſche 
Senet-Blätter / deren werden anjebe in Teutfchland / abernur zur 
Luft gezogen : die meiften kommen diefer Zeit aus Italien und Franck⸗ 
zeich/ die beften aber werden aus Egnpten und Alerandria/ aud) Syria 
gebracht:ſie muͤſſen ſchoͤn / gantz / grob / gruͤn uñ nicht fenglicht feyn. Die 
beften/ welche aus Mecha kommen / machen nicht fo Grimmen im Leib / 
als die aus Franckreich und Welfhland/fonderlic) die von Saetto,mel« 
he ſehr wohlfeil / und die Welſchen noch übertreffen. Follicula Sense 
ſeynd die Schlotten / worinnder Saamen ſtecket: ſie kommen mit un⸗ 
ter den Senes⸗Blaͤttern heraus / und werden auch darunter mit ver 
kaufft. Unter allen Purgantien ſſt die Senna am gebraͤuchlichſten / ſie 
führetdie verbrannte gefalgene Feuchtigkeit / wie ingleichen die gelbe 
Gall und Schleim aus dent Leib / operivet gelinde/ und zu weilen beſ⸗ 
fer und glücklicher als die ſtaͤrckſten Purgantien. 

Senecio maj,Jacobza Herba pappa, Verbena famina, groß Creutz⸗ 
wurtz; ſie hat — Senecio min. Erygerum oder Creutzkraut 
genennet / einerley Wuͤrckung / daß ſie nemlich beyde gute Wund⸗ 
Kraͤuter ſeyn / und vor die hitzige Leber dienen. 

Senff / Sinapi, Bauren ⸗ſenff Thlaſpi, wilder Senff Eruca Eryſi- 
mon, Wegſenff / Hederich Verbena famina, 

Sengens Aranı / Saturon / Saturey / Satureja, Hyſſopus 
agrellis, 

Sennidel/ Sanickel / Bruchfraut/ Sanicula. 

Senfale, Senferia, Madler / Mäcler-!ohn/ vide Maͤckler. 


Srffs Se 


188 Sen Ser 


. ‚Sentis,rubus vulgaris. . 

' Separare, bie widrig vermiſchte Sachen von einander ſcheiden / als 
das Oelvon Waſſer durch einen Trichter / mit einem ih ice 
am Boden/ da mandas Waller auslauffen läft/und wann hernach das 
obenſchwimmeude Dei fommen will / das Loch geſchwind zuhdlt, Item 
et hit es auch bermitteift einer Baumwolle / da man folde in das 

las, in welchen das Del und Waſſer iſt / einhänget / und neben fol- 
Hes ein niedriges Gefäß ſtellet / welches es auch berühren muß / fo zie⸗ 
het ſich das Del alles durch die Baummolle in das niedrige Gefaͤß; 
item gieß es durch ein Lofch-Blatt Papier / fo geht das: durch / 
und das Del bleibet, 

Sepia, vide Ofa Sepie, | 

“ Seplaltarsus, ein Materialift / der unterfchiedliche zur Nrgeney die: 
nende WBaaren feil hat. 

_ Septicum , das faul machet / alſo nennet man die Mittel / weiche 
dünn machen / und vornehmlich das Fleifch verzehren. Hieher gehö- 
ten die Cathæretica, die ſehr hitziger Ratur / ſaltziger und Mubtiler 
Thetlefeyn/undleichtlic würden. > 


“ Seqveftriren heißt) eine flreitige Maar oder Gut / morüber ihrer 
2 ſich zaucken / fo lang zu ſich oder in fegveftro nehmen / bis ſie ſich 

arüber Dertragen/ oder ein Ausſpruch von den Ober-Kichter geſche⸗ 
hen / wer es haben foll. | 

Serapinun, Bummi oder Gafft/ vide Sagapenum. 

‚ Serapion, Gafft/ Sagapenum, Serapinum Gummi, 
„ Serislatifolia Diofc, Endiria. 
Seris picris, Cichorium, 

Serpentaria Virginiana biftorta, Numularia, Viperina item Con- 
trayerva Virginiana , wird don einigen vor eine Art des Diptams ge⸗ 
halten; einige vermeynen/ es fen eine Art dev. Oſter⸗Lucey oder Ari- 
ftelochia, die befte ift/ welche die und vollfommeneZafeln oder Wur⸗ 
tzeln hat/ nicht alt und verlegen / fondern eines fcharff-beiffenden und 
etwas bittern Geſchmacks und aromatifchen Geruchs ift/ welcher dem 
Baldrian oder auch dem Vincetoxico gleich / aber viel Tieblicher iſt. 
Man muß auch zufehen/ daß nicht andere Unreinigkeiten damit unter: 
gemifcher fenn/ weil dtefe Wurgel ohne dem theuer / und das Pfund 
aufs. bis 6. Holländifche Zt. kommt. Der Mugen und Gebraud da» 
von iſt / den Bifft zu widerftehen/ und den Schweiß zudertreiben/ fon- 
derlich aber wird ie In giftigen Schlangen und tollen Hunds-Biſſen 
gerühmet/ daß ſie die hieraus entftchende Hydrophobiam, wann man 
16, * 2 Gran auf einmahl in Wermuht⸗Wein einnimmt / verhin⸗ 
dern foll. u 


| 


Ser Sie, 1189 


Serpentinſtein / Zeblicum oder Ophites, alfo wegen feiner Fle⸗ 
cken / dergleichen auf den Schlangen⸗Haͤuten zu fehen ſeynd / genannnt/ 
ſiehet grunlic) aus/und wird Hauffig in Merſſen gefunden/und Krüge/ 
Flaͤſchen und Becher daraus gemacht. Diefen Stein werden viel 
Tugenden zugefchrieben/ vornemlich aber/ daß er keinen Gift leiden/ 
fondern gleich davon zerfpringen/ auch fonft in andern. Krauckheiten / 
fouderlid der Colic hoͤchſt dienlich feyn foll. | | 

- ‚Serpillum hortenfe,Thymus vulgaris, | 2 

‚Serpillum, Quendel/ Feld⸗Kuͤmmel / ift gut vor Haupt ⸗Weh und 
Serratifa Flos Tindtorius, Scharten⸗Kraut / Faͤrber⸗ſcharten / ift 
ein gut Wundfraut/ und zertheilet das geronnene Geblüt, - 


Sefami femen, Rein-oder Flachsdotter⸗Saamen; der rechte femen 
Sefaminum,welcher weißlicht iſt kommt aus Alexandria / Eretz und 
Sicilla / wird zu nichts anders als Del gebraucht / er iſt Elein/ laͤnglich 
rund / hat einen ſchleimigten und nad) Knoblauch fehmecfenden Ge⸗ 
ſchmack; Es gibt zweyerley Arten / langen und runden / der lange / 
Pe auch Eanarien-Saat genannt wird/ wird nur den Vögeln ge⸗ 
geben. | | - 

Sefsmoides-Araur/ Herba Sefamoides, 

Sefeleos,. vel Sileris montani femen , Geffel-faamen / waͤchſt in 
Franckreich und Jtalien/ift ein länglicht/platter und eckligter Saame/ 
faft eine Art von —33 der Marſiliſche und Cretiſche wird bor den 
beften gehalten. Er ſoll ein fonderbahres Gifft-treibendes Mittel 
feyn/ dahero er auch unter den Iheriac genommen wird. 


Sefeli Masfilienfe, Marfeilifch Sefel-Rraut/ iſt zweyerley / (1) Se⸗ 
feli masfılioti cum ferula folio, (2) Sefelı masfılienfe foenieuli folio, 
vel foeniculum petrzum. Die erfte Arthat einen gleichen und harten 
Stengel/ wie Ferul-Kraut/ und Blätter wie Eretifch Bogelneft ; die 
andere Gattung ift nur an den Blättern unterfchieden / inden felbige 
den Fetchelblätternähnlichfennd Beyde Gewaͤchs dienen vor die 
Gebrechendes Haupts und des Magens / widerftehen auch den Gifft 
des Schirlings. 

Sevenbaum / Herba Sabina velSavina, wird nicht jondertich bey 
Den Materiähffen gefucht. 

Saͤulen / vide Ordonnance j 

Sevum, die harte Fettigkeit oder Unſchlitt / die aus denen gehoͤrn⸗ 
ten Thieren genommen wird. % 


Siccantia, ſeynd Artzeney⸗Mitel / welche feuchte Dinge trucken ma⸗ 
öfff.s | cheu/ 


5190 Sic "Sie 
chen / werden fonderlich in naffen und wäfferigen Schäden gebraucht s 
ſolche feynd ale Erden und Boli, als Terra Goldbergen / Strigonien- 
fis, Bolusalb, armen. Leim oder Thon / Minium, Ceruffa „ Lithar- 
gyrium, &c. 

Sichel-Aranı/ Chrichmum fpinofum, Jacea earyophyliatz, 

— Moͤhren / Chrichmum fpinofum. 

Sichern / iſt das Ertz in einem Troge zum Schlichwaſchen. 

Sıderitis, Sideris vulgaris, Ferruminatrix, Hirſuta erecta. Glieb⸗ 
Kraut / waͤchſt an bergichten ſandichten Ort / iſt ein adſtringitendes 
Wand⸗Kraut / wird auch in Kranckheiten / die von Hexen herrühren / 
gebraucht. 

Fidium. Granata. 

Siebe werden insgemein in dreyerley Sorten eingetheilet als (1.) 
in klare Haar⸗Siebe / (2.) in Hoͤltzerne Siebe / und (.) in Eifen/ 
und Meßinge Drat⸗Sieben / alle aber werden groß und / weit 
und eng gemacht / nachdem (fe fo wohl der Materien ald der Eigen- 
ſchafft und Qvantität nach / deslenigen fo dadurch ag foll werden/ 
befchaffen ſeyn müffen / welchen 3. Gattungen der Siebe / wirnod) die 
vierdte / nemlich die tar beyzählen wollen / hauptfächlich dazu 
dienende / daß das Durchzuſtebend nicht fo Hard Verfliege oder ver- 
rieche / mithin dem mit ſolchem Durchſieben befchäfftigten / wie fon- 
derlich bey denen Apothedern offt geſchiehet / nichts fo leicht in die Ra⸗ 
fe ftaube/ und dadurch ein ſtarckes Riefen oder andere Verdrieflich- 

eiten erweckt / wie dann neben den Apotheckern auch die Zucker⸗Becker / 
Gewuͤrtz⸗Kraͤmer / und inſonderheit die Müller und Brodt⸗Becker 
fich der Siebe faft täglich gebrauchen / ja fo gar auch die Reit⸗Knech⸗ 
te und Bauren zu Ducchfchlagung der Halmen und Hederlinge / fel- 
biger nicht entrathen können / zugefchweigen/ daß bie Giebe faft in 
allen Haushaltungen ald ein gar nuͤtzlicher Hausrath gefunden were 
den. Rechſt den Sieben wiſſen auch die Gteberdie Schienen aus 
Haſel⸗ Holtz zu den Hoͤltzernen Siebe gar ſchicklich und vortheilhafftig 
zu fchneiden / und zu fpalten / als woran ammeiften gelegen / weil fie 
der Grund und das Fundament ind / worausalle Arbeit der Gieber 
entfpringet. 

Sieb · Farb Blumen / Jacæa. Herba Trinitatis. 

Sieben⸗Gezeit / Lotus odoratus, Trifolium odoratum. 

— %aum/Sabina,Savina. 

—  $inger-Rraut/ Septifolium Tormentilla, 

—  Zemleren und neun Hemleren / Allium angrinum. 

Siebwaſchen ift eine Arbeit/da das Erg fo in den Gaͤngen mit den 
Bergen bridt und mit der Hand nicht Davon zu ſcheiden ift / durchs 
Waſſer dgvongebradt wird. | Sief, 


\ 


Sie Sig | OL 
Sieff, SeuCollyriaSicca,vide Trochifi, 


Siegel/ Pittfchafft Sigillum Frangöfifh Cachet wird in allerhand 
Metall und vielerhand Steine von den Giegel-Grabern geſtochen / 
und zwar haben ſolche Siegel oder Pittſchafft unterſchiedliche Facons 
die beſte iſt / ein dreyſeitijges Prisma. welches gemeiniglich von Stahl / 
Silber oder Achat gemachet wird / in welches ein eurieuſerLiebhaber 
eines ſaubern Pittſchaffts / dreyerley einſtechen laͤßt / als auf die eine 
Seite ſein angebohrnes / angeerbtes oder angenommenes / Adeliches 
oder Unadeliches Wapen / in das andere Feld oder Seite erwehlt man 
ſich ein artliches Ginn-Bild oder Devife mit einer Sinnreichenllber⸗ 
ſchrifft / auf der dritten den Nam nd-Zug oder Chiffre mit geſchlun⸗ 

enen Buchſtaben. MasvornehmeBürgerlihe Perfonen ſeyn / ge: 
rauchen ihre Siegel-Ninge / welche etwa am laͤngſten und vor Alters 
ber im Bebraud) gewefen. Inden Raritäten: Ranmern findet man 
bin und wieder noch alte Art von Römifchen Siegel-Ringen und ge⸗ 
vabenen Zeichen Teflerx genannt. Alſo hatten auch die alten Chri⸗ 

n ihre gemiffe Tefferas hofpitalitatis die fie einander an fremde Bruͤ⸗ 
Der / ald ein Kennzeichen mit gaben; dag ſie ohn Verdacht von jenen 
Konten ficher aufgenommen werden. Don dergleichen Tefleris 
hofpitalibus hatJacob Thomaflın ein gantzes Bud) gefchrieben. 


Siegel⸗Wachs / ift von groflen Abgangund wirdfolgender Ger 
ſtalt preparivet/laffet in einer Erdenen Schuͤſſel eine Inte Hark/ Pech 
wohl verſchaͤumen / thut darein fo biel Zinober/ und waun es kalt / zwo 
Ungen gefhmolgenen Gummi Lacca ‚ rollet eöhernach aufeiner war⸗ 
men Kupffer⸗Blaten. Oder nimm kleingeſtoſſen Siegel⸗Lack restifi- 
cirten Spiritum Vini fo biel dazu noͤthig / ruͤhre es wohl untereinander / 
daß es ſich nicht coagulire / laß es 3. Tag ſtehen / alsdann ſetze es in die 
Sonne / oder auf ein gelindes Feuer damit der Spiritus Vini davon 
rauchen kan / formire hernach die Stangen / fo laſſen fie ſich wann fie im 
den Haͤnden erwärmen ziehen wie Wachs. Item nimm 4. Loth helles 
und klares Hartzes / 2. Loth Gummi Lacex, r: Porh Wachs / . LothZino⸗ 
ber/ und 4. Loth Kreyde / miſche alles untereinander laß es ſchmeltzen / 
rühre ed wohl um / und ormire hernach die Stangen auf einer war⸗ 
meu Kupffern Platen. 

Sieg oder Stern⸗Stein / vide Afroites Lapis, 
Sieg⸗Wurt / Victorialis longa, feuMas , & vidtorialisrotunda 
feu feemina, 

Sigillum Salomonis weiß Wurg / wird hänffig in Wäldern ge: 
funden/ und zu Eud des Aprilis gegraben / vide Pohgorarum. 

Sigillum Bermetis ein Hermetiſch Siegel / wirdin der Chymia 

viel 


1192 | Sig Sil 
viel gebraucht / iſt nichts anders als eine Zufammenfhmelgung des 
Halfes am Glafe/ zu welden Ende man allgemach Feuer geben 
muß / und wann durd des Feuers Hit / der Hals des Glaſes ſich 
anfängtzu beugen / muß man eine ſtarcke Stheer haben / und da⸗ 
mit dad Glas entzwey ſchneiden / an den Ort da es ſchier zu flieſſen 
anfängt / dieſes macht daß ſich das Glas zuſammen giebet und wohl 
ſchlieſſet wann man es aber ſpitzig haben will / ſo muß man indem 
man den Hals umdrehet / hernach die Spitze ans Licht halten damit 
ein klein Knoͤpfflein / ſo das Glas gan ſchlieſſet kormiret werde / dann 
in Umdrehen bleibet gemeiniglich em klein Löchlein / welches faſt nicht 
zu ſehen iſt. Das Loͤchlein zu zumachen / damit nichts exſpirire oder 
berraͤuche / nimmt man einen Hammer der vorne halb glüend gemacht 
iſt / mit ſelben ſchlägt man gang gelind das Loͤchlein zu / will ed noch 
nicht recht ſchlieſſen ſo nimm gerieben Glas / Venediſchen Borax und 
ein ll auf das zartefte gerieben untereinander / mache es 
mit Waller und Brandtwein zu einen Muͤßlein oder Brey / ſtreich 
es un des Glas Mund⸗Loch / nimm ein Blap-Rohr welches die Gold» 
ſchmied zum Löthen brauchen / und blafe das ſtarcke Licht ſtets da⸗ 
von fo fchmelgt das Glas zu / die Circulatoria wohl zu lutiren/ ſo 
nimm 4. Loth Colophonium , ein halb Loth Wachs / darunter. 
rühre s. Loth Klein zerrieben Ziegel-Mehl/ ſtreichs wohl mit einen 
Holtzlein um die Glaͤſer / und fahre mit einen glüenden Eifen darüber/ 
daß es glatt werde / dann lag es erfalten/ und riech alle Tag wohl 
daran / ob nochwas ausrieche/ in welchen Fall du ey dann befler ver» 
ftreichen muft. ü 
Sigmars Kraut oder Wurtzel / Alcea, Malva Vehatica Herba'S, 
Simeonis. 


_ Signatara Signum ein Kennzeihen/ Merckmahl eines Dinges/ 
dergleichen Signaturen feynd gar dielin der Medicin als 2 bedeutet 
Schwefel O heiſt Salpeter FWein-Gtein. 


Signatura herrnetica, wird die eigentliche und genaue Zuſtopffung 
der Chymifchen Gefäfler genannt / daß Feine Geiſter oder Dampff vere 
fliegen noch verrauchen können. Ä 

Silber und Silber · Geſchirr / die Könige derMetallen hat zwar 
mit dem Gold was den Werth anbetrifft ganz Feine Bergfeichung/ 
auffer daß es auch etwas Gold mit fich führer / jedoch übertrifft es die 
andern Metalla/ und ift das nechſte und Foftbarfte nach den Gold, 
Sein Schwefel ift nicht fo vollklommen gereiniget oder aud) fein Mer- 
curius fo fiv nicht als in den Gold / dahero esaudy der Tinctur ere 
‚mangelt und den Mond feiner blaffen Farbe nach gleichet/ ——— 

ſiſche 





Sit 1193 
fifhe Goldſchmiede nennen die Bradus der Feinheit des Gilders De- 
niers. Der zwoͤlffte Denier iſt der hoͤchſte Grad der Purität deffels 
ben/nad) ven Reichs⸗Abſchied de Anno 1766. müffens. Specie Reichs⸗ 
thaler 14.Loth und 4.Grdnepnres Silber in (ich halten) befiehe hiebon 
Antonii Fabri Gtaats⸗Cantzley Fafcicul, V.p. 452, 

Der Silber⸗Handel beftehet gröften theild in underarbeiteten 
Silber / welches in groffen Klumpen gegoffen wird / fo inan Silber⸗ 
Bahren nennet/welche aus America, und folglich über Spanien/ (al$ 
deme die berähnteften Silber⸗Bergwercke zugehören) zu uns in 
Teutſchland gebracht werden / dadann die Marck fein oder 16. Loth 
zu 9. his 10, Reichsthaler in Baneo verkaufft wird in Ermangelung 
Diefes Silbers / muͤſſen die alten Specie Reichöthaler das befte thuny 
aus welchen hernach allerhand Silber⸗Geſchirr / (der daraus geprege 
ten geringer haltigen Muͤntz⸗ Sorten anjetzo zu geſchweigen) verferti= 
get wird / diegröfte Fabric in ſolchen Gilber-Manufacturen / vor⸗ 
“ nemlich aber in raren und groffen Gilber-Stüden/ ift die Welt 
befandte Stadt Augſpurg wie ſolches die reiche Gewoͤlber ihrer Kauffe 
£eut in der Leipziger Meg ausweifen / welche Silber-Gefchirr bon 
Zürften und Herrn zu Auszierung ihrer Palläfte/ item aͤuch von 
Kaufleuten / um folche wieder zu verhandeln häufig aufgekauft wer- 
den ) wie dann ein groffer Handel damit nach Mofcau: gefchicht / es 
beftehen aber ſolche Silber⸗Waaren / (1.) in glatter Arbeit worunter 
fuͤrnemlich alles Taffel- Zeug / Schüffel / Teller / Becher / Loͤffel Kane 

nen/ 2c. begriffen (2.) in getriebener Arbeit / nach welder obige un 
andere Stuͤcke nicht nur auf gergeine Artalfo aubgeichlagen und af. 
getrieben werden / daß fle zierliche Frucht: Gehänge und Feftons, 
anmuthige Landfchafften/ ſchoͤne Zierathen und Raubwerce / fonderh 
auch fo gargange Eonterfeye und Bildniffe / ja mas noch mehr gange 
Aeſte und Zweigeder Bäume / Arne oder Finger der Bildeun/und 
Füffe an den Pferden frey und ledig/ ohne einige Aufflöthung und 
Beyhülffe vorftellen / wodurch abſonderlich die Au ſpurgiſche Künfte 
ler einen ungemeinen Ruhm erlanget/ und zwey Gebrüder dafelbft 
Johann und Jacob die Jäger / die erfte Erfinder hievon gewefen feyır. 
(3.) in Heiner Arbeit / ald Knöpffen/ Bürteln/Schu-Spangen/ Saar: 
Nadeln / Bücher: Befchlagen und tauſenderley Arbeiten mehr/ fo ohn⸗ 
möglich alle zu benennen / (4.) in groſſer Arbeit / als in allerien ſehr 
groſſen Valis und Geſchirren / in Gveridons, Eron:und Wand⸗Leuch⸗ 
tern / Spiegel · Rahmen / Camin⸗Schirmen / Feuer⸗Hunden / Auffͤ⸗ 
tzen / und denen aus Devotion und Chriſtloͤblichen Eyffer gewidmeten/ 
gang Silberne Altaͤren / dergleichen in Augſpurg in berH.Creug- Kir 
the bon Herrn Burgermeiſter Lincker gemacht / und an vielen andern 
Orten mehr zu ſehen iſt / itemin Silbernen Baldachinen / wie zu ige 
Bl 


1194 Sil 


via Loretto gantzen Wiegen und Bett-Städten vor hohe und Königli- 
che Perfonen — / dergleichen eine fo 1600. Marck gewogen / 
vor nicht fo gar langer Zeit zu bemeldtenAugfpurg gemachet worden/ 
(s.) In Dratund p genannter-Fı'ezrain Arbeit / woraus fehr artie 
ge und mannichfaltigeSaden zuſammen gefchlungen / gebogen und 
gelöchet werden / welche fo rein und zart/dap jle mit Derwunderungen 
billig angeſehen / un darum fonderlid) beliebet werden/weil dieſe Arbeit 
ohne einigen Zuſatz gang rein und fein von Silber iſt. Es muß aber 
jede groffe Silber-Arbeit um allen Betrug zu vermeyden / die ordent> 
liche Prob Halten / und durch das ganze H. Reich vierzehen lörhig 
feyn/ vid. P.O.von Anno 1577. j 

Die Verfaͤlſchung des Silbers gefchiehet mit den fablimirtenMer- 
curio,Antimonio, Arfenico und Speauter oder Zinck / welche alle den 


De 


Silber einen groffen Zufag geben / indeffen aber doch Galgenwuͤrdige 


Künfte feyn. Aus Silber Goid zu machen / und demfelben das Ge⸗ 


sicht des Goldes beyzubringen/ fo nehmen einige den Mercuritum , 


fisiren und tingiren ihn mit einer beftändigen Tiuctur, ſetzen ihn hire 
auf * Silber zu / ſo bleibt es juſt und beſtaͤndig Gold in allen 
Proben. 


Silber⸗Blick / wird auf den Schmeltz⸗Huͤtten geſagt / wann die 
Unart ſich auf die Seite der Spur begiebt / und das ſchone und weiſſe 
Silber hervor leuchtet. f 


Silber Blumen feynd Blafen / die ich auf den Blick fegen/ / wann 
es hald abgetrieben. 


Silber und Gold⸗Glett / Lithargyrium Argenteum &Aureum, 
das erfte nemlich die Gilber-Blett / iſt eine fhwere Blaßrothe Mate- 
xia, oder vielmehr ein Schaum der VonGilber/mehrentheils aber von 
Bley herrühret. Die Bold: Blett iſt ihr faft gleich / aber vöther von 
Coleur weil fie im Feuer eine mehrere Krafft an ſich gezogen, die mei= 
fte Silber und Bold-Blett kommt aus Sachſen und wird Eentner 
Weiß gar wohlfeil verkaufft man gebraucht ed aud) in Die Artzney 
fonderlih zu Schmind und Anftreichen des Frauenzimmers/ item 
zu verhindern daß die Kinder-Blättern Feine Wähler hinterlaſſen / 
worzu man felgen Salbe praparitet. _ 

Timm a, Loth Silber-Blätt in einen Stuͤck / leg es inein Kohlfeuer 
daß edgang gluͤeud wird / hernach zu Pulber gemacht/ein halbes Seyd⸗ 
lein Roſen⸗Eßig daran gegoſſen / und ſieden laſſen bis der dritte Theil 
eingeſotten iſt / als dann 2. Löffel voll Roſen⸗ Del genommen / und z. Loͤf⸗ 
fel voll von diefen Glaͤtt⸗Eßig in einen ſteinernen Moͤrſer wohl un⸗ 
tereinander gerieben / ae es gar ein glatted Gälblein wird / alsdann 
Den Tag dreymahl die Blaͤttern wann (le anfangen zu dorren damit 

ein 


Sil in 1195 


eingefchmieret. Es iſt hoch bewerth / den übrigen Gig mug man 
auffheben damit man alle drey oder vier Tage eine frifhe Salbe ma⸗ 
hen möge. | 

Silber⸗Kraut Anferina, 

Silcke Grafle,, ein Engliſch Wort / welches fo biel alsSeyden · Gras 
Bedeutet/ift eine Art Braffes in Virginien , welches ein zartes glängene 
des Fell hat / welches fan abgenommen und gleich der Seyden berſpon⸗ 
nen oder verarbeitet werden, 


Siler montanum,Sefeli, 

Siligo vid, Secale 

Siligvadulcis, Ceratonia, Xylocaradta , Sarobi Fohannis:Brod/ 
Sodel-Brodt / waͤchſt in Spanien / Stalien und Egypten auf einen 
Baum der einen hohen und dien Stamm bat, und Frumme /braue 
ne und platte Schotten trägt / fo eigentlich das fo genannte Johan⸗ 
nes Brodt ſeynd / und innwendig Heine braune Kern haben / das fri⸗ 
ſche Johannes ⸗Brodt erweichet den Bauch / der Syrup davon (Syru pus 
diacodionf. de filigvis) iſt gut vor die dünnen / ſcharffen und hitzigen 
Flüſſe / und lindert die — * / einige Materialiſten ber 
meynen / daß die Indianer den Safft aus den Zleifch des friſchen Jo⸗ 
oe drüden/ undihre Myrobolanen und Ingber damit 
einmachen. 


Silurus der Welß / ein groſſer und offt ehlich Ellen langer glatter 
Sifd/ welcher häuffig in der Donau und Oder-Strohin gefangen 
wird. 


Silybum Carduus Marix, 

Simeons-Wurgel/ Alcea, Herba S.Simeonis. 

Sinapi, Senff iſt (1.) weiffer oder gelber Garten-Senff / Sinapi 
hortenfe, (z.)gemeiner brauner Senf, Sinapi Sativum , (3.) wilder 
Senff / Sinapi Sylveltre, waͤchſt hin und wieder in Zeutfchland. Der 
Saame des weiffen Senffs machet die Haut roth / widerftehet den 
Gifft / ift gut vor den Wagen und Scharbock. 

Sinapismus,ein Pflafter oder Maſſa bon Genff/fo Blaſen aufziehet. 

Sinau / Sindenau / groſſer Sanidel Alchimilla, 

Sinngruͤn / Vinca pervinca, 

Sinngraoͤn / mit gefüllten Blumen/ Chematis flore pleno. 

— ee Ros 

Sinter / eine fluͤßige Materia/ fo in denen Ber werden / mit de 
Waſſer aus den Gängen fleuft / und fich an das Geftein feet. u 

Sirupus ein Syrup / ift ein mit Zucker eingefottener Safft als ein 
Honig / deren in denen Olkcinen vielerhand zu finden feynd / vide 
Syrupis Sifa 


1196 Siſ Sma 
. ‚Sifarum, Sıfer, Rapuncnlus hortenfis Zuder- Wurk/Barten-Ra- 
puntzel / ift eine befandte Küchen-Gpeiß / leicht zu ber dauen / ſoll auch 
den eingeſchluckten Meckſilber widerfichen/ und gut in Durchlauff 
feyn. Ä 
Sifymbriam 'rothe Bach⸗Muͤntze / Sifymbrium agvaticum, Na- 
ſurcium Siam agvaticum , Beccabunga, Sium Cratev& majus, Naft, 
aqvat. 7) 
Smack / RhusCoriaria,Obfonior.. Sumach Arabum, Faͤrber⸗ 
Baum / Schling-Baum / kommt ausSpanien und Portugal / und iſt 


ein geſtreißiges Gewaͤchs / welches ſammt den Gtengel/ Blättern - 


und Kern klein gemacht / und heraus gebracht wird / er muß ſchön tro⸗ 
en und Hellgruͤn ſeyn / das Malgiſche Gut iſt ſchlechter als das Pob⸗ 
taportifche/welches allezeit ſchoͤner und grüner faͤllt was braun oder 
falb ausftehet/ ift abgeſtanden / welches weiß iſt / und dumpficht riechet / 
taugt auch nicht viel. Die Corduan⸗Breiters brauchen den Schmack / 
das Boc-Lederdamit zu bereiten / Inder Argeney wird eräufferlic) 
por das Ausgehen der Mutter / (wann man ihn nemlich mit Mafkix 
Eochet) appliciret / er prafervirt auch die Augen vor den Kinds-Blät- 
tern / wann man eh folche ausbrechen den Smack mit Fenchel 
in Roſen-Waſſer infundiret / mit einen Tuͤchlein über die Augen 
fchlägt. Ein mehres vide unter dem Wort Abus. 


‚ Smalta Blöhe oder Farb zur blauen Stärd / kommt in vieleriey 
Sortenaus Sachſen / fonderlid) vor un Beorgen:Stadt. Die 
feinfte muß ſchoͤn / ander blauen Farb troden / und zart feyn / die 
andern feynd gemeiniglich blaß / falb/ grob / und theils fehr ſchlecht. 
Sie wird aus der Zaffera und Geiflen: Sieder Aſch / durch nochmahli⸗ 
Segen emacht/und weil der Cobolt das Fundament und die 


zutter der Zaffera tft / als iſt den Factoren aufden Blauwerden fehr 


hoch verboten den Cobolt roh wegzuſchicken / damit dieSmalta ander⸗ 
werts nicht nachgemacht un demand de Rutz dadurch entzogen werde, 
Die gemeine Blöh oder Smalta wird in Sortis genennet ohne welche 
man auch die Mittel und Feine hat / welche gar zart und vecht blau iſt / 
wiewohl die Holländer noch eine Sort von der allerbeften haben / wel⸗ 
che blaulicht aber fehrrein / und den Ultramarin faft gleich ift / dahe⸗ 
coed die Fransofen aud) Ultramarin Commun ou d’ hollande 
nennen. 

Smaragd,Smaragdus, auch wohl Prasfinus, NeronianusgndDomi- 
tianus in Rateinifchen/Smeräldo auf Italianiſch / Spaniſch Esmeral- 
do,Frangölifh Esmeraude, &c, genannt /ift ein Edelgeftein von et» 
ner vortrefflichen grünen Farb / daß er auch den Glanß der ſchoönſten 
grünen Auen und Wiefen übertrifft / feine Auffrichtigkeit / und daß er 

ce unver⸗ 


— — — — — aea = 2 — — — — — — 


Sma 1197 


unverfälfcht fey / wird an der fheinbaren Kälteinden Mund/ nem 
ben feiner Schwere / wann er gewogen wird erkandt / er daͤmpffet auch 
die Feuer⸗Flammen wann er ins Feuer geworffen wird / daß ſie wei⸗ 
ter nicht ung ſich greiffen / er erquicket auch das dunckel⸗ — Ge⸗ 
ſicht / dienet als eine vortreffliche Hertzſtaͤrckung / wider eygebrach⸗ 
tes Sifft/wiederftrebet der Unkeufchheit/ und zerfpringt leichtlich an 
den Händen eines Ehebrechers / die beften Smaragden kommen aus 
Alıaund America, wiewohl auch deren einige in Europa gefunden wers 
den / welche den Orientalifhenan Schönheit nichts nachgeben. Kaͤyſer 
Nero fol einen fo groffen Smaragd gehabt Haben / daß er ſich deffen 
an ftatt des . els gebrauchen koͤnnen / und zu Genua foll ein 
Smaragden⸗ eh bon überaus groffen Werth in den Schatz der 
Republic wie Andreas Baceius Yermeldet/ zu finden feyn. 
Der vortreffliche Naturkündiger Plinius bemerdet vielerley Geſchlech⸗ 
te der Smaragden / als Ars eines Scythifchen/ welcher der edelfte 
unter allen/fo wohl wegen feiner fürtvefflichen Härte al fhönenCou- 
leur ift / es follen aber die Gold⸗Gruͤben in weichen diefer Smaragd 
gefunden wird / von graufamen Raub⸗Voͤgeln bewahret werden/ und 
dannenhero nit ohn Gefahr zu bekommen feyn / das ander Geſchlecht 
wird don ihm genennet Bactrianus Smaragdus weil ſolche in derfand» 
ſchafft Bactria zu finden / die dritten Boinmen aus Egypten / die bierd: 
ten ausCypern,, Die fünfften aus Griechenland woſelbſt ſie häuffig in 
den Silber Bergwercken anzutreffen/ der fechfte Eomint aus&Ehio- 
pien , der 7. wird Medicus genannt / dieſer ift ein fehr fchöner grüner 
Stein) und ſiehet zuweilen aus faft wie ein Saphir, daß 8. Geſchlecht 
iſt ein Caldedonier und wird Smara gdites geheiffen / der o. beiffet Ta- 
nos und wird aus Perfiengebracht/ der io. ausCicilien, der ır, ein 
Laconier diefer ift den Mediſchen gleich / der 12. wird Chalio Sma- _ 
ragdus genennet/ und in Cypern in den Kupffer Bergwercken gt 
nden. 
Die Verfälfhungdes Smaragds geſchicht auf folgende Manier/ 
ald mit Ehryftall / Glas und Kiefelftein zufanınıen geſchmoltzen / und 
dann ein wenig Mennig oder roth Bley dazu gethan / andere nehmen 
Es uſtum wohl pulverilirt / und halb fo biel Crocum Martis ſetzen ſol⸗ 
ches zuſammen ineinen Schmelt-Ofen s. Stunden lang / iaffen die 
Materien ſchmeltzen / her nach folche wieder ausgenommen und polirt / 
welches dann einen gar ſchoͤnen Fluß giebet / der den rechte. Smaragd 
nicht viel unaͤhnlich if. ..® 
Item nimm Fritta ız,£oth /deftillirt Grünfpan 48. @ran/Croci Mar- 
tiss. Gran/ und Dermifche ed wohl unter einander ; oder nimm Mein: 
ſteia · Saltz / Soda⸗ſaltz / jedes 2. Loht/ Cryſtall und Bleyweiß jedes 
4. Eoht/ braun caleinirtes Kupffer 8. bis ız, Gran / laß eö alles 24. 
6998 Stun- 


Stunden lang mit einander flieffen. Item, nimm 4. Loht praparir- 


ten Cryſtall / 8. Loht Menning / 2. Loth Salpeter / laß es unter einan 


der flieffen. 
Den Preis des Smaragds betreffend / fohdltLinfchott einen ſchoͤ⸗ 
nen Smaragd wol fo hoch / ald einen Diamanten/ ja er fagt: daß ein 
Smaragd/ der fodid iſt ald ein Diamant / von 4. Grau ſchwer / wol 
so. Ducaten wehrt fey: dahingegenein Diamant bon folder Dide 
mehrnicht ald 70. koſte. Wann aud ein Smaragd zu finden wäre / 
der an Sauberkeit der Farbe/ Form und Dicke im allem perfect wäe 
re / fo könnte er fo vielald drey Diamanten gelten ; allein bis anhero 
iſt noch kein folder Smaragd zum Vorſchein gekommen / der in allen 
tuͤcken perfect geweſen. Man findetdergleichen zwar wolau Far⸗ 
be und Mufter / aber an Sauberkeit und Klarheit nicht einen/ dann 
fie haben ſtets eine Fettigkeit inwenig / wiegrün Kraut und derglei⸗ 
chen / derhalben /-bamit man feine Rechnung machen fönne / foll man 
ſetzen / daß nach gemeinen Augenſchein und Vollkommenheit ein Sma⸗ 
ragd wehrt ſey so. Ducaten/ wann er fo groß iſt / daj er koͤnne poſſiren 
miteinen Diamanten von einen Qvilact allein / dann ob er woletliche 
grüne Kräuter inwendig hat / jedoch / wann ihrer nicht zu viel feynd/ 
wird er gleichwol vor perfetund vollenkommen gefchäget / wann er 
ar ſonſt mit andern Stücken gebuͤhrlich verſehen if. Kat nun je- 
mand einen und etliche Smaragden zu fchägen/ fie feyn gleich unge⸗ 
fchlieffen oder in Tafeln / fo ift erſtlich vonuoͤhten / daß man ihre Brof- 
fe wahrnehme und befehe/ welchen Gewicht oder was füreiner Groͤſſe 
eines Diamantens er könne gleich ſeyn, darnach muß man die Maͤn⸗ 
gel oder Büte/ die er hat / betvachten/ und fleißig in acht nehmen/ mas 
ein ſolcher Smaragd wol würde wehrt ſeyn / wann er nicht gröfferwäre 
als ein Diamannt von ein Qyilact , warn Diefed alled zur Benüge er⸗ 
‚gründet und erwogen worden / foll man die Rechnung machen / wie 
“ mitden Rubinen / nemlich / daß man nehme das Gewicht ded Dia⸗ 
mants/ mit welchen man ihm verglichen hat/ und dasfelbe mit noch fo 
viel multiplicive/wag dan daraus entfpringet/daß muß man multipli- 
ciren mitden Preis / auf welchen man ein Quilactgefchäget hat/ und 
was aus diefer Multiplication entſpringet / das ift der Wehrt eines ſol⸗ 
hen Smaragds. Aufdiefe Weiſe kan man mit allen Smaragden 
bandeln/ die man ſchaͤtzen will / le feyn gleich groß oder Hein/ gut oder 
boͤß / nur 5 man allezeit wol acht habe auf ihre Gebrechen / und was er 
guis oder boͤſes koͤnne en ſich Haben / nad) derfelben Gelegenheit foll er 
angefchlagen und gefchäget werden ; wo aber halbe Quilacten oder 
Granen indem Gewicht des Diamants wären / mit weldhen man den 
Smaragd vergleichen will/ fo muß man feine Rechnung gleichfals mis 
Qilaeten und Öranen machen. | ob 
| en 


— — — — — — 


Sma | 1199 
Oben hahen wir gemeldt / daß die beften Smara denaus Afıa und 
America kaͤmen; ben diefen letztern Welt: Theil fhreibet Petrus de 
Vitoria, daß nicht allein in ‘Meft - Indien viel durchſcheinende 
Marmor aus den Bergen nebenft andern Edelgeſte inen egrabeu wer» 
de/ fondern daß auch etliche Alpen oder hohe Gebirge zu Anden /welde 
boller Smaragden feyn/ fo daf fie auch vor djefem ihrer Menge wegen 
bey den Americanern faſt nichts gegolten/ eheund bevor der Geit der 
Europäer folhe Steine in einem Preis gebracht / dann man grub und 
ſcharrete fie vor diefens nur aus den Gruben wie gemeine Kieſelſteine / 
und ihre gene Farbe kam — in Betrachtung / als ihre übrige 
Wuͤrde / bis der Europder —* am / und ihnen zu erkennen gab/ daß 
fie nagend wären, das iſt / einfältige und unbetrogene Beute / die ihre 
Schaͤtze nicht zu fchägen wüften. | 
Sewiß iſt / daß ein Indianiſcher Printz / Nahmens Simandoca, einen 
Spaniſchen Advocaten Gonfalvum Ximenium um ein Schüffel vol 


+ Salges gebeten / und ihmingegen eine gangtiefle und reiche Gma- 


. Kagben- Grube gefchendet / Die man nad) der Zeit unerſchoͤpfflich bes 
funden/ und noch zu des Petri de Vitoria Zeiten unzaͤhlich viel Sma⸗ 
ragden daraus gegraben / vide Biffelium in Argonaut, Americana 

Hbro duodecimo cap. 8, pag.396, Dieſes befräfftiget auch Benzo 

hb. 2. cap. s. wann erfchreibet/ gemeldter Simandoca babe ein Koͤrn⸗ 
lein Saltzes viel höher geachtet / ald Bold und den gantzen Berg vol 
Smaragden. Dapaber die Menge der Smaragden allbereit por 
anderthalb hundert fi ihren Preis mercklich Verringert/ gibt Jo» 
fephusä Cofta verſtehen / warın ev fchreibet; or Zeiten hielte man 
den Smaragden in groſſen Wehrt / dann er war der dritte gerechnet 
nach den Diamanten und Perlen; heutiges Tages aber achtet man 
meer die Perlen noch Smaragden fo hoch / welches der Uberfluß ma⸗ 
chet / den man aus Judien bringet; der Diamam aber iſt noch hoch ge⸗ 
achtet, ihm folgen in der Würde die ſchoͤnen Kubinen/ und dieſes ge⸗ 
ſchicht / nachdem von einer jeden Gattung viel vorhanden / weil der 
Wenſq allzeit gern etwas befonders haben wid / welches nicht gemein 
iſt. So erzaͤhlet man auch von einem Spanier / derin Italien (da 
man erft die Smaragden gefunden) einen Jubeltrer einen groffen 
Smaragd gezeiget / und den Preis deffelben zu wiflen begehrt / daß 
der Jubelirer / nachdem er folden wohl befehen/ endlich Auagt/ er waͤ⸗ 
ve groß / und deswegen wol 100. Ducaten wehrt / worau ihn der Spa⸗ 
nier noch einen — ezeigt / den der Jübelirer aufzoo. Ducaten 

efchäget/ da der Spanier ſoiches gehäret / habe er den Yubeliver mit 
im gefuühret / und ihm von dergleichen Steine einen groffen Raften 
voll gezeiget/ wie der Tubeliver Die; or Üienge erblicket / habe er ges 
ſagt⸗ Sennor, das Stud gilt mehr a als einen Ducaten; alfo ine 
838 2 


1200 Sma 


in Spanien und Indien auch zu gegangen/ daß diefed Edelgeftein we⸗ 

enfeiner Menge unmehrt worden. 

ır einer gewiſſen Indianiſchen Probing foll ed gantze Felſen voller 
Smaragdengeben/ die erſtlich wie Marmorfteine ausfehen/ nach und 
nach gruͤnlich werden / und endlich ihre Bolkommenbeit erreichen. 
Theophraftus ſchreibet von einen Smaragd / dender König von Ba⸗ 
bylon den König in Egypten prefentiret habe/welcher 4. Ellen lang und 
3. Ellen breit geweſen. Item, daß zu Tyro indes Hereulis Tempel ein 
ganher Pfeiler don Smaragd geſtanden / Plinius aber vermeynet / daß 
es ein anderer grüner Stein geweſen / den man faͤlſchlich einen Sma⸗ 
vagdgeheiffen. Gonften geben etliche vor/dag in der Haupt: Kirchen 
der Spanifchen Stadt Cordua vor dieſem viele Pfeiler geweſen / wel» 

evon lauter Smaragden waren. A. 1537. brachte die Spaniſche Flot ⸗ 
te aus Indien zwey Kaften vol Smaragden mit / deren jede zum we⸗ 
nigften 4, Arroben gewogen / woraus zu erfehen/ daß in Indien deren 
fehr viel feyn müffen. 
Zu den Zeiten Kaͤyſers Friderici hat der Sultan jebt-befagtem Roͤmi · 
chen Kaͤyſer eine Kanne oder Trindgefchirr von Smaragd zum Prx- 
fent geſchicket / darinnen 20. Ungen oder ein Nöffel Balſams gangen/ 
‚wie Majolus ex Chronico Conradi erzehlet. 


Smaragdites Prasfius oder Prafemftein / ift ein durchſcheinend 
gun Siein / faſt ander Farbe wie Lauch. Die Schönheit diefes 

teinsentftehet aus Vermifchung gelber und grüner Farbe / feine 
Dur hſcheinung iſt etwas dundel / und gleichſam durch eine Wolcke 
zu fpüren; Er wird bisweilen mit rohten / weiſſen oder ſchwartzen Fle⸗ 
en angetroffen / und zwar aus Urſachen / weil er an einen Jaſpis / Cry⸗ 
ſtall oder andern dergleichen Steine anwaͤchſet / von denen er mancher⸗ 
ley kleine Duͤpffelein und Farben empfängt. Dieſer Stein wird / wie 
Baccius ſpricht / don etlichen vor das Behaͤltniß oder Haus des Sma⸗ 
ragds gehalten / und ſolches darum / weil man den Smaragd entweder 
darein/ oder auch daran hangend findet. 
Er wird ſelten verfaͤlſchet / weil er gar wohlfeil iſt; einige zählen dem 
Smarägditem unter die Geſchlechte dev Achaten / andere unter die 
nn des Er ; * — — er unter — Geſchlechte der 

maragde gezaͤhlet / welcher author dreyerley Ge te dieſes 
Gteind nahmhafft machet / al — Kann 
Erſtlich ein Geflecht einer vollkommenen Grüne / wie Land) ober 


Yauchfafft. 
Das andere Geſchlecht / fo gar viel Gelbes hat / undfo d 1 
ausſiehet / fo ſeynd ſie —* ren - zn. — 
Ds — Geſchlecht iſt weißlicht / mit ein wenig Grün aber mehr 
» | E:r- 





— —— - - — — 


Sma Smi 1201 
Cardanus ſagt / daß alle grüne Edelgeſteine dem Feuer unterworſſen 
ſeynd / wegen der überflügigen halbgekochten Feuchtigkeit / welche ſie 
noch bey ſich haben. Man findet dieſe Steine ſowol in Oſt⸗ und Weſt⸗ 
Indien / als auch vielfältig bey und in Teutſchland / und zwar noch ſchö⸗ 
ner / jedoch weicher als die Orientaliſchen. Ihre Eigeuſchafft ſoll 
mit den Smaragden / jedoch nicht in fo volllommener Krafft überein» 
kommen; ſo iſt auch ihr Wehrt ihrer Weichheit wegen geringer. 
Sonſt wird auch von dem Praſem geruͤhmet / daß er ſeine gruͤne Far⸗ 
be ploͤtzlich verliere/ wann er in der Nähe Gifft vermercke / er bekomme 
aber feinen vorigen Glang wieder / wann er gewaſchen werde. 
Es wird ihm auch eine groſſe Hertzſtaͤrckung zugefchrieben/ und daß er 
die Dunckelheit des Geſichts bertreibe. 

Smarald Praſem, iftein durchſichtiger grüner Stein / einer ber⸗ 
mengten Schönheit: Eriftder Mitteltein zwifchen einem Prafem 
und Smaragd / und fo er mit dem Prafem verglichen wird / ifter 
Graßgrün ohne Gelbe / wann er aber mit denn Sutaragd verglichen 
wird / hat er in ihm mehr gelbicht Grünes / aldinden Smaragd zu 
finden. Er iſt ſelten vollkommen durchſichtig / weil er einige Dun⸗ 
ckelheit an ſich hat. Boctius haͤlt ihm für ein Geſchlecht der Sma⸗ 
ragden / oder für einen unechten Smaragd / deren zweyerley Geſchlech⸗ 
te feynd/ als 
1. EinBoͤhmiſcher / welcher dunckel durchſichtig iſt / gleichſam durch eine 

zarte dünne Wolcke. 

2. Ein Americanifcher / welcher Halb ducchfichtig iſt / wie ein Vitriol, 
Man fagt von ihm/ daß fo er an den Arm gebunden werde / er dey 
Urin befördere / undhindere daß der Stein bey den Menſchen nicht 
wachſe. Er flilletauh die Schmertzen der Nieren / und das Poda⸗ 
gra/fo er auch als ein Amulerum an den Hals gehenget wird, beninme 
er den Kindern die Furcht und das Erſchrecken / dieſer Stein ift gar 
wenig Leuten bekandt / deßwegen deffen Werth und Preig nicht wohl 
agezeiget werden kan. 

Smegma, vide Seiffe. 

Smilax afpera Noftra, Rubus Cervinus ftechende Winde / iſt ein 
Kraut deſſen Wurgel dick und hart ift/ waͤchſt in Welfchland/ und die⸗ 
net wider den Gifft und Schaden an Schendeln. Ä 

Smilax afpera Peruviana, (leheSarfa parilla. 

Swirgel.Lateiniſch Smyris, Stallänifch Smeriglio, Frantzoͤſich Eme- 
ril. Engliſch Emeri,vide Schmirgel, 


Smiinen-Aramne/ Smyrnicum Diofc,Hippofelinum, 
—  DitoHortenfe, imperatoria. 


8999 3 Socie- 


1202 S oc Soh 


Socierät Handels-⸗Geſellſchafft / da ihrer z.0der mehr incompagnie 
zuſammen treten / gleich oder ungleich Capitel einlegen und dürch 
Handlung / entweder auf alle oder nur in gewiſſen Maaren ihr Glück 
damit verſuchen wollen / da ſie dann nach verfloſſenen Jahr oder gr- 

ſetzten Termin,den Gewinn und Verluſt / nad) Paoportion eines jeden 
ſeines Einlags Capital / oder abgeredeter und beſchriebener Maſſen 
nach theilen / und ſich auch nad) folder Proportion oder Abrede / wann 
fie nicht laͤnger beyſammen bleiben wollen / wieder von einander fepa- 
riren oder treunen. Vide bon Societätd-Contradten unfern Sandels- 
Correfpondenten / und von gar dem Probier» 
Stein der Buchhalter/ item in diefem Buch dad Wort Compagnie» 
Aandlung, 


Sohlen, oder Pantoffel⸗Holtz / Suber, Phellos, 


Sohl⸗Leder / fonft aud Pfund-L.eder genannt/ wird bon Och⸗ 
fen/ Kuͤh / aud) wol Pferd-Häuten gemacht ; zu dem Pfund:Reder aber 
die ſchwerſten Ochfen-Häute genonmmen. Solche wohl zu bereiten 
ift vor ungefehrso. oder oo. Jahren den Teutfchen noch wenig befaunt 

eweſen / fondern es ſeynd ſolche meiftentheild in Engeland und Bra⸗ 
and verfertiget worden ; heutiged Tags aber wird viel in Rürnber 
Dantig/ Lübef und Hamburg gearbeitet/ und weit und breit verfüh- 
vet. Mit ſolchen Haͤuten muß man eine zimliche Zeitzubringen / bis. 
fie einem Rutzen geben/ und man ſolche verkauften Fan: Denn erftlich 
muß man mit groſſer Befchwernif die Haar herunter thun / hernach 
das Fleifch allenthalben fauber heraus fchaben / und aufder Erben 
rein machen / alsdann gibt man mit Waffer und Fichten / Eichen-oder 
Birden-£oh eine Farbe / breitet die Haute hernach in groffe Gruben / 
welche in Die Erde gegraben feynd/ von einander, überftreuet jede mit 
gedachten Lohe/ und thut fie darauf etliche mahl wieder heraus / bis es 
wohl durchgewuͤrcket ift/ als dann man das Leder abtrocknet / underft 
verkaufen fan» Es Fanaber das Leder aufs wenigfte unter einen hal- 
ben a. nicht gahr gemacht werden. In Defterreich werden zu fol- 
chen Feder mehrentheild Rappen genommen, if eine Frucht / fo an den 
Eichbaͤumen waͤchſet. 
Was aber das fo genannte Ungariſche Leder betrifft / welches die Satt⸗ 
ler zu ihren Geſchirren brauchen / wird ſolches geſchwinder verferti⸗ 
tt / Andem man die Haut / fo bald ſie vom Ochſen kommt / durch ein 
aſſer ziehet / und von derſelben auf einen Baum das groͤbſte Fleiſch/ 
fo noch daran iſt / heraus ſchneidet / die Haar mit einen ſcharffen Eiſen 
herab ſchabet / alsdann mit einer Falg das Haͤutlein fo noch daran 
ift/ abfalfet/ die Haut in Alcun und Salgeinweichet / ein oder zwey 
Tag alſo liegen laͤßt / hernach aufhaͤnget und abtrocinet/ ferner —— 
wieder 





Sol 1203 


— — — — En nenn 
wie der weich macht / mit Unſchlit anſchmieret / und durch glüende 
Kohlen eintrocknet / worauf ſolch Leder völlig bereitet iſt / und verkaufft 
werden kan. 
Mit dem Loh⸗rohten oder Schmal · Leder hat ed folgende Be⸗ 
wandiniß: Es wird zu erſt in Kalch und Aſchen geworffen / hernach / 
fo Die Saar loß ſind / wird es abgehaͤret und rein geſchabet / fauber aus» 
geſtrichen / Hierauf in das Loh gethany mit warnen Wafler aufgewaͤr⸗ 
met’ und mit Füffen in die Spig- Rufen eingetreten/ bis es fertig ift. 
Zu den fo genannten Engliſchen fehwoargerrodienen Leder braucht 
man Sifh:Thran/ wie auch Lein-Del/ wormit man es einſchmieret. 
KalbeLeder wird entweder auf Sämifche Art mit Fiſch⸗Thran / 
oder auch wie dad Pfund⸗Leder mit Loh zubereitet ; dieſes legtere ift 
bor diefem allein (mann man was guts hat haben wollen) aus Enge» 
fand zu bekommen geweſen / wie dann noch in den Geeftädten ein groſ⸗ 
fer Handel damitgetrieben/ und dieſes Leber weit und breit verführet 
wird; heutiged Tags aber / da uns dieaus Franckreich bertriebene 
Fluͤchtlinge viel nugbare Manufadturen zugebracht/ wird es fo häuffig 
in Tentfchland gemacht / daß mit der Zeit das Englifche ſich gar ver⸗ 
lieren dürfte / wiewol es noch ihrer viel mit dem Englifchen halten / 
weil ** in dem naſſen Wetter nicht fo leicht als das Einheimiſche 
nachgibt oder weich wird. | 
Den Handel des Sohl⸗oder — belanget / iſt ſolcher 
theils in der Kauff⸗Leute / theild in der Roht⸗ oder Lohgaͤrber ihren 
Händen ; anetlihen Orten haben auch die Schuſter die Freyheit / daß 
fie einen eigenen Gaͤhrhof / auf welchen fie das rohe Leder garben laf- 
fen/ Halten mögen/ dahero auch diefelbe gar fleißig zur Herbfl-Zeit den 
Bürgern ihre gefchlachtete Ochſen⸗Haͤute entweder dem Gewicht-oder 
Geſicht nach / zu 3. bis 4. und mehr Rthlr. das Stück abkauffen / und 
felbige hernach verarbeiten laſſen. 


Sola, ein einiger Wechſel ⸗Brief / der / weil er nicht weit / oder doch 
— * Poſt ſicher gehet / keine Secunda noͤhtig hat. Vide Secunda- 
echſt 


Solanum nigrum, Officinarum, Solatrum, Nachtſchatten / Saͤu⸗ 
Kraut / waͤchſt an den Zaunen und alten Mauren / dienet bor die Febri- 
liſche Hitze / Kopff⸗Weh und Rohtlauff. 

Solanum qvadrifolium bacciferum, Paris herba. 

—Scandens, Dulcamara. 

— Tetraphyllon, Parisherba, 

— Veſicatoriam, Alkekengi. 

Soldanella, brasſica marina, Meerwinden / waͤchſt gern am Meer/ 
iſt eine Art der Haſelwurtz oder Convolvuli , dienet ſonderlich wider 

die Waſſerſucht. Gggs ⸗ Soli- 


1204 | Sol Ser 


Solidago,Symphytum, 

Solidago Saracenica virga aurea, angufti folia, 

— Bezahlung / in ſolutum, an Bezahlungsſtatt etwas an: 
nehmen. 

Som̃erdorn / Dotterblum / Loͤwenzahn / Dens Leonis Taraxacum 

— Waitzen / Triticum trimeltre, 

— Wurtz / Cauda Leonis, Herb, Tauri vel Vaccæ. 
Somniferum, iſt eben fo biel aldHypnoricum Schlaffbringend. 
Sonchenkraut und Mooß / Sonchus aſpera, Laducalcporina, 

CEicerbita,. 
Sonnenaugen / Arthemeha, 
— Blumen / PanaxChironium,flosSolis,Sol Indianus, 
Suͤntzel / Confolida folis, Heliantrhemum, Val. C. 
Braut / Kraut / Wend / Cichorium, 
Aron/ Corona ſolis,i.Chryſanthemum Peruvianum, 
Goldblum/ Heliochryfos. 
Mannsguͤrtel / Arthemifia, 
Thau / Kos ſolis, Rorella, Solaria. 
Thor / Taraxacum, 
— Wendy Solfeqvium, Herb, Cancri, weil alsdann die Sonne / 
wann ſie am hoͤchſten fteht/ in das Zeichen des Krebs tritt, 
Sonnenwende⸗Stein / Hzliotropius, iſt ein halb durchſichtig 
grüner Stein / mit Blutrohten Flecken / und waͤchſt an dem Jaſpis 
und Praſem / wird hin und wieder / ſonderlich in Boͤhmen gefunden. 
Sophia Chirurgorum, Thalictrum, Semen lubricorum, Sophien 
oder Balfanı-Rraut/ dienet zu den Wunden / faulen und freffenden 
Schaden. Der Saanıen beftehetin Eleinen gelben und laͤnglicht run- 
den Körnlein/ eines ſcharffen Geſchmacks / faft wieder Kreß· ſaamen. 
Sorbaria, Sanguiſorba. 
Sorbus ſativa vel domeſſica, Speerbeer⸗Baum / deſſen Früchte 
——— oder Sorba heiſſen / ſeynd zuſammenziehend / und ſtien 
as Blut, 
Sorbus ſylveſtris, aucuparia, Chrefhen- Baum / Quitzen ⸗Baum / 
feine Feucht iſt gleichfals adſtringirend. 
Sorbus alpina, Meelbeer⸗Baum / deſſen Früchte ſeynd gut bor 
die Engbruͤſtigkeit. 
Sorbus terminalis, Eltzen⸗Baum / Speerbeer ⸗Baum. 
Sorgſaamen / Sorgweitzen / Sorgum, Milium Indicum, ſ. 
Sarracenıcum, | 





1114111 


Sorte- 


— EEE — 


Sor Spa— 1205 


— — — — — 


Sorcement.eine auserleſene Partey Kauffimanns-Waaren bon al⸗ 
lerley Gattung. 

Sory, iſt ein ſteinigtes Compadtes, wann man ed zerbricht/ wirfites 
Hlängende Düpfflein wie Miſy von ſich. 

Soude, Rateinifch Soda,Solicornia,Salfol, Alnmen Catinum, Soer⸗ 
Saltz / Schmaltz-Saltz / Aſchen⸗Saltz iſt ein weiß⸗graues Galk/in 
Steinen von unterſchiedlicher Groͤſſe und wird in Spanien wo dies 
ſes Kraut an den Ufer des Meers wächſet nicht durch Auslaugung / 
ſondern durch bloſſe Calcination gemacht / wiewohl es wie die Pott⸗ 
Aſche in Waſſer kan zerlaſſen werden / man findet aber der Soude in 
Europa vielerley Sorten/ als erftlich die Alicantifche oder Soude d’ 
Alicani, welcher aber wieder unterfchiedlich ift / die befte muß ſchoͤn 
truckend und Elingend / blaulicht grau / inn-und auswendig mit vie⸗ 
ten Löchtein und Augen gezieret feyn / auch wann man darauf fpeyet/ 
nicht nach Moraft riechen : Sie muß auch Feine grune Rinde haben/ 
oder mit Steinen vermengt feyn ; wie dann wohl zu zu fehen/ daß die 
Ballen nicht auffgefchnitten/die guten Stücke heraus und böfe hinge⸗ 
gen hinein geftopfiet ſeyn / man hält auch mehr von derjenigen Soude, 
welche aus Kleinen Stüden wie Kiffel-Gtein beftehet / und deromegen _ 
Calorti genennet wird/ ald ven den groffen Stücken / zweytens ift.die 
Cartageniſche oder Soude de Caragene, welche etwas geringer / nicht 
fo blau ift/ und kleinere Löchleinhat / auch in gröffern Ballen kommt. 
Die dritte ift Poude de Bourde, und die bierdte Poude de Cherbourg, 
dieſe beyde ſeynd feucht/ ſteinigt und nichts nutz / vielweniger diejeni- 

e / welche die Seiffenſieder verkauffen / ſo gar ausgelauget und ent⸗ 

zaͤfftet iſt. Es wird aber die Soude in groſſer Menge — Glas⸗ 
hütten verkaufft / weil ohne dieſelbe Fein rechtes helles noch ſauberes 
Cryſtalliniſches Glas zu machen iſt. In Franckreich bedienen ſich 

auch die Bleichers und Waͤſcherinnen derſelben zu ihren Laugen / wo⸗ 
bon fie aber offt die gantze Waͤſche verderben / weil die Geiffenjleder 
viel Kalck unter ihre Soude mifchen. 

Spalt⸗ Alaun / Alumen longum Sciflile, 


SpaniſcheMuͤcken / Cantharides werden geſammlet auf aller- 
band Bäumen und Laub / fo wohl in Tentfch ald andern Ländern / lie 
find groß und klein und dabey fhöngrün / ernehren (ih don Safft 
der Blätter / des Tages fliegen ſie gemeiniglich herum / und des 
Nachts ſammlen fie ich bey Hauffen / im Auffdorren ſtincken (le gar 
fehr / eö kommen auch Viel aus Thüringen und Ungern/ den Ge⸗ 
ruch aber Fan die Sonne wann ſie ausgebreitet liegen/ vertreiben. 


Spanifcher Niederland Handlung und Waaren / vide Bra⸗ 
band, 999 5 Spa , 


1206 | Spa 


Spaniſch Alyſſen / Alyſſum ı, Galeni Hiſpanicum. 
Andorn / Marrubium Secundum hifpanicumı 
Coriander / Nigella Romana. 
Cucumern / Cucomis ex hifpanica foemina natus, 
Doſten / Wohlgemurb/Origanum hifpanicum, 
Eber⸗Wurtz / Chamæleon Hifpanicus Clufi, 
Eppig / Hippoſelinum hiſpanicum. 
Eiſen⸗raut / Verbena Hiſpanica. — 
Ginſter / Geniſta Hiſpanica. * 
Gras / Gramen Arietum ſ Hiſpanicum. 
Heilblatt / Phellandryum hifpanicum. 
Spanifcher Kaͤrbel / Myrrhis Major. 
—  %Kilee/ Trifolium Hifpanicum gviatum, 
— Kreß / Nalturtium Hifpanicum, 
| “= Magd⸗Blum / Metter» oder Mutter » Kraut / Matricaria 
Hifp. | 
Spaniſche Melonen / Melones Hiſpaniei. 
Ochſen⸗Zung / —— fecundum Hifpanisum, 
Pfeffer / Piper Chalecuticum, | 
ng / Pruna Hifpanica feu iberica. 
Kaucen/Erusa Hifpanica,RofedaPlinii, 
Saur:Ampffer/ Acetofa Hifpanica. 
Scabiofen / Scabiofa major Hifpanica. 
Scharlach / Horminumfeu Selarea Hifpanica, 
Scorgoner / Scorzonera Hifpanica, 
Wald:Reben / Clematis Boetica. 
Wund:AKraur/ Telephiumfecundum Hifpanieum 


Spaniſche Warren / ſeynd entweder anzufchauen ald Waaren 
weiche felbft in Spanien wachſen oder ſolche welche aus denen Spani- 
ſchen Provinzien Oft-und Weſt⸗Indiens kommen / jene feynd aller» 
hand delicate Weine als der fo genannte Peter Simencs, weil ſolchen 
zuerft von einen teutſchen Peter Simon genannt (dev von den Rein» 
froh etliche Reben mit (ich nad) Spanien gebracht) gepflanpet wor⸗ 
den / ferner Alicanten Wein / Xeras Sedt, alfo genannt/ weil mon fol- 
hen Wein tn Spanien / in Schlaͤuchen oder Sacken zu verkaufen 
pfieget. Rechſt diefen die in der gangen Melt berühmte Spaniſche 
Wole von deren Einkauff / Sorcirung und Qualität wir unter beim 
Wort Wolle weitläufftig Meldun Arge Die davon gemachte 
herrliche Spanlſche Tuͤcher / wiewohl ſolche nunmehro ſo haͤuffig nicht 
heraus kommen / theils weil die Spanter nicht viel von Manufadtu- 
ven und Handwerckern halten / theils auch weil Die Holländer * 

| | nad: 


141414111141 


LEFLTERTIG 


q 


| Spa 1207 
nachmachen / ſo hat man auch aus Spanien allerhand Früchte an Fei⸗ 
gen und Roſinen / in Faͤßlein und Koͤrben / Citronen / Pomerangen / 
dielerhand Droguiftereyen / Saltz / Oel / etwas Seyde/x. 
An Oſt⸗ und Weſt⸗Indianiſchen Waaren gibt; Spanien aus / Bold 
und Silber (ſonderlich dieſes legtere in gangen groſſen laͤnglichten 
* - Klumpen oder Baaren / item aud) ingemüngten Stücen von Achten) 
Perlen / Edelgefteine / allerhand Droguiftereyen und Speceseyen 
bielerhandrohes Leder / Gewuͤrtz /Zuder/ Conlecturen / Taback in 
Blättern und Schnupff⸗ Taback / Seiffen / Farb ⸗· Waaren aldCochenil- 
le ‚Indigo und Ebenholtz / ec. 

Dahingegen werden nach Spanien wieder gebracht allerhand Fran⸗ 
tzoͤſiſche Tücher bon Roüen, Coutance, Morlaix, Laval und andern 
Dertern (ald weiche die allernöthigfte Waar feynd / an der mau anı« 
meiften gewinnen und am wenigften verlieren Fan / ferner allerhand 
feine Hüte / glatteund geblümte Sammet und Plüß / allerhand 
Geiden und Wollenen Zeug / gute und falſche / Buldene/ Silberne 
und Seidene Spitzen / Wollne und Geidene Strümpffe / allerhand 
Nürnberger Rram-und Eifen-Waaren/ald Meffer und Scheer-Mef- 
fer / Brillen/ Spiegel/ Kaͤmme / Schellen / ꝛc unterſchiedliche Sor⸗ 
ten Schleſiſch Leinwand in Kiſten / Schmeltz-Tiegels / rohe Schin⸗ 
cken / Braunſchweigiſche Mume und Zerbſter Bier / Rocken und 
Weltzen / Flachs und Henff / Pipen⸗Steven / etc. 

Die groͤſten Handels⸗Plaͤthe in Spanien ſeynd / Bilbao St. Sebaſtian, 
— Madrit, Seville und Cadix, vornemlich aber der letzte Ort / 
welches ein Meerport in den Oceano iſt / woſelbſt die — — 
faſt alle Fahr im Monath Martio nad Weſt-Indien abſeegelt / nach 
dieſen Cadix kommen auch die vornehmſten Negocianten aus gang 
Spanien / um daſelbſt von denen Fremden / als den Teutſchen / Euge⸗ 
laͤndern / Hollaͤndern und Frantzoſen / die Waaren welche dieſe Na- 
tiones aus ihren Ländern zu führen/ einzukauffen und die Spani« 
ſche Waaren wieder dagegen zu verhandeln, wiewohl aud viel Schiffe 
Haken Alicanten, Malaga und andere Spanifche Plage gehen/ und 

fi 





aren dafelbft abholen / welche fe dann mehrentheild parat lie⸗ 
aden / weil faft alle oberzehlte Nationes ihre Contoirshin und 
wieder in Spanien / fonderlich zu Cadix erabliret/ und mit ihren Lan⸗ 
des⸗ Leuten befetset haben / der einige Handel nach Weſt⸗Indien muß 
durch der gebohrnen Spanier ( ald welche allein das Privilegium da» 
bin zu Handeln haben) ihre Haͤnde gehen / wiewohl ſie um die Provifion 
gern darunter dienen / die Retouren aber folgen langſam / und er: 
fordert dannenhero ber Spaniſche Handel fonderlic) bey Kriegs⸗Zei⸗ 
ten ein groffes Capital und ſchwere Unkoften / in Anſehung daß auch 
groſſer Zölle / ſchwere Frachten und Alfecurangen dafür bezahlet 
werden. Das 


1208 Spa, 
Das Gewicht in Spanien ift als folgen: 
1. Arobbe hat in Cadıx z;. Pfund / thutin Hamburg 2;3- Pfund. 
106, Pfund in Cadix machen in Hamburg 100. Pfund. 
107. Pfund in Seviliathunin Hamburg ı00, Pfund 45. Anegras ober 
bey nahe 4. Cahysthun i. Laft Korn. 
1. Arobbe in Mallaga hat 36. Pfund / thut in Hamburg 27. Pfund. 
134. Pfundin Mallaga thun 100, Pfund in Hamburg. 
1. Carga thut ©. Korbe Roſtnen und ». Korb Roſinen hat 35-Arobba. 


4.Pipen Semeni Bein. 

22. Faͤßgen Roſinen vons, Arobba, Werden bon‘ Mallaga 
23.Kaf dito Von 6. Arobba. nad) Hamburg jede be» 
44. Fäßgen dito bon 4. Arob, fonders vor eine Laſt ge» 
so. Körbe dito. rechnet. 

22. Faͤßgen Mandeln. 


1. Fanegve de Cadix wiegt % Pfund Marfeillifch Gewicht z5. Fane“ 
gues thun 243. PfundPoidsde Marc, Ein mehrers vide unter dem 
Mort Maaß und Gewichten. 
Folget wie das Müngeund Wechſel⸗Weſen in Spanien beſchaffen / 
davon iſt wegen des erſten zu mercken / daß ſich in Spanien/fonders 
li) zu Madrir, Seyilien und Cadix zweyerley Sorten bon Muͤntzen be⸗ 
finden/alö die Müng de Plate und de Bilton, jene findet (ih wuͤrcklich 
gepräget/und iſt gan bon Silber / diefe hingegen ift zum Theil nur 
geprägte/ und — muß man ſich ſelbige nur einbilden / ſie ift auch 
cheils von Silber theils von Kupffer. 
Die Realen und Reauxde Plate ſeynd würdlich und bon Silber. 
Die Realen und Reaux bon Billon beftchen nur in der Einbildung. 
La Menoye de Plate bleibt allezeit beftändig und changirt niemahls/ 
hingegen ift die von Billon veraͤnderlich in ihren Werth / wird auch 
nicht in gangeufondern nur in biertel und achtel Realen die man 
Ochiavo nennet gefunden. 
Ferner bat Spanienan würdlihen Müngen. 
Die Piftolerten welche allezeit gelten 4. Realen oder 32. Reaux, 2 
Les Ecus de Marc oder halbe Piftolen gelten 2. Realen und 16, Re- 
auX, 
Die Realen Piaftres oder Stüd bon Achten davon thut. 
Ein Realg. Reaux von der alten Plate und io. vonder neuen Plate, 
Les Reaux de Plate oder bon Silber geltenz3s. Maravadis, die Mara- 
vadis feyud Fleine Müngen von Rupfler/ welche etwann z. Pfenning 
 Kolländifch Courantthun. | 
Man muß aber wiffen daß feiter Auno 1655, obbefagte würcdflich ges 
preg⸗ 


Spa 1209 


pregte Müngen um zs. pro Centum fennd berhöhet worden / daß 
man alfo einen Unterfcheid bon zs. pro Centum unter den Realen Hs 
der — von der neuen / und unter denen von der alten Plate 
machet. 

100. Ducaten von der neuen doppelten Plate gelten 125. Ducaten Cou- 

rant, und alfo auch in den andern Speciebus. 

Der Ein-und Verkauf der Waaren in Spaniengefchieht durch Re- 
aux de Billon , welche man in Silberne Reaux de Plate zu fo piel aufs 
100. Differengreduciret. Diefe reducirt man hernach wiederin Ma- 
ravadis,indem man fle mit 34. multiplicırt/ und dad Produdt durch 375, 
Maravadis dividirt/fo bekommt man fingirte Ducaten/die man hernach 
gegen frembe Düng nach den Wechfel-Cours verwechſelt. Es hals 
ten aber alle Kaufleute inSpanien ihre Bücher nicht in einerley Müngs 
Gorten / fondern einige führen fie in Maravadis, und fepariven die 
Zaufend von Hunderten / die andern führen fle in Reaux Von 34. Ma- 
ravadis, und dividiren fle wie fchon gemeldet. 


— beſtehet die Spaniſche Wechſel⸗Wuͤntz 

In fingirten Ducaten welche 370. Maravadis oder 1. Reaux und 1. Ma- 
ravadis gelteu. 

In Realen, biaſters und Stud bonAchten / welche 272. Maravadis und 
8. Reaux gelten. 

n Reauxde Plate hon Gilber/ diefe gelten 34. Maravadis, 
a guldene Piftolerten, Diefe gelten zz. Reaux oder 1083.Maravadis, 
uEcusde Marc, diefe gelten 16, Reaux, oder s44. Maravadis, 
ie Ducaten zehlt man in der Kauffmannſchafft vor 374. in Wechfeln 
aber bor 375. Maravadis. 

DieRealan, Piafters oder Stud von Achten / werben eingetheilt inse- 
vilianifche und Mexicaniſche / jene werden in Sevilien diefe in Mexi- 
co gefchlagen: 

Der Wechfel-Cours auf fremde Resch und Laͤnder iſt als folgen: 


Holland 1 
Auf SBraband E 1. Ducat— er so. 2130. Groot Flaͤmiſch. 
Lgamburg? 
YufEngeland ı. Piaftre— Vor ss.as7. 9, Sterlings. 
Auf Portugal oo. Ducat.— hor 200.2 250, Cruzados, . 
Auf Franckr. ſ100. Piftoles— vor 102. a 105. Louisd’Or, 
item . 12702300 ı Ecu Von soSolstourn, 
Auf Nove 00 a 600 | ı,Ecude Marc. 
Auf Rom 360 a400 f Maravadisppr I 1.Ecu d’Etempe, 
Auf Florentz 4002 430 1, Ecu de 73. Lires. 
Yuf Genua 4004420 . Piaftre de 5. Lires. 
| Au 


— 


1210 Spa Spe 


Auf Venedig 3302400 1, Ducat di Banco, 
Yuf Milano 4202450 1. Ducat de 115. Soldi. 
Auf Neapolis 3802400 f Maravadishor } 1. DucatdeCarlins, - 


— — | % Florin, de 6. Tarins, 


Es können aber obige Wechſel ⸗Preiſen um fo viel weniger determini- 
vet werden/ ald die Müngen in Spanien bald fallen/ bald fteigen / fo 
wechfelt man aud) offtmahls auf Ftalien/ par Ecus de Marcdon 16. Re» 
aux 0ders44. Maravadis, und nicht auf Ducaten von 375. Maravadis, 
in MWechfeln aber zehlt man den Ecu de Mare zu 545. Maravadis, 

gleichwie man hingegen in Kauffmanuſchafft den Ducaten 374. Mara- 
vadisrechnet. Ein mehrers vonder Spanifchen Haudlung / vide un« 
ter dem Wort Amsricanifche Waaren. j 

Spaniſch Wachs / vide Siegel-Wachs, 
Sparadrapus, fonft auch tela emplaflica genannt / ein Tuch fo zum 
Pflafter gebraucht wird. 
Spargen Alparagus hortenfis ‚bon Lupo Salactario Hoff-Spar- 
* meldet Plinius da ſie mehr eineoblectamentum als rehteSpeif 
eyn. 

Spar⸗Kalch / Armeniſche Erde. 

Speer⸗Kalck / Gypſum feu Gypfus. 

— iſt ſo biel als Gyps / itemeine Berg-Art vielerley Farb wie 
ein Kieß. 

Spatzen⸗Zuͤnglein / Lingva paſſerina. EUER 

Species aromatıc, werden genennet alle einfache Stuͤcke in der Apo⸗ 
tecten/ woraus hernach die zufanımengefegte bereitet werden. Bei® 

Species feynd die harten Reichsthaler. 

Specificum heiffet die Artzuey welche eigentlid) wider eine gemiffe 
Krauckheit gerichtet ift / ald D. Michaelis Specificum Cephalicum 
R, Cinnab, &ii, redtif, vel nativ. fexredtif,2.Loth/facul.peon, anderte 
bald Qventin/Magißer, Epilept.ı.halb Qventin /Cordial, z. Qventin / 
fol, auriN.J f. Pulv.S, vothed Herk und Haupt-Pulver. 

Specularis Lapis, feu Glacies Marix, Katzen⸗Stein / Frauen⸗Eiß / 
Wiewohl diefer leptere Nahme ihn faſt mit Unrecht gegeben wird/ 
es möchte dann durch Ränge der Zeit noch felbiges daraus were 
* wozu es aber kein Anſehen hat / ſintemahl dieſer Stein ſich gantz 

art bricht / und ſpißig / auch nicht ditk / jenes aber glaſigt / ſchoͤn heil 
und durchſichtig ini / waͤchſt viel in Francken bey Windsheim / kommt 
auch aus Rußland und wird daher Moſcobiſch Glas genennet / hinge⸗ 
gen iſt das Frauen · Eiß eig weiſſer und wie Glas ———— 
| nd. 





— — — 
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2 


Sp mu 


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welcher in diele dünne Zäffelein und Blätter fan zerfpalten werden, 
und weil fich auch der Mond eben wie andere Sachen in diefen Stein 
fpiegeln/als ift er vor diefen Selenites genennet worden/einige meynen 
‚daß das fo genannte Alumen Scajole , dad Morien-Glag oderrauen» 
Eiß ſey / allein es ift darunter dieſer Unterfcheid daß jenes viel har⸗ 
ter als dieſes / auch nicht fo durchſcheinend iſt / che es zertheilet 
worden. 


Speck / Lardum derjenige der bon Schweinen kommt die mit Ei⸗ 
cheln fett gemacht worden / iſt allzeit beſſer als die in der Bud: Maft 
gewefen/meil diefer in Rauch verſchwindet und ablecfet/iener aber hart 
und beftändig bleibet/die ſchwerſten Spedt-Geiten die noch frifch und 
vein/nicht gelb noch vangigt feyn/ hat man am liebften. 

Sped»LKilien/Caprifolium,Lilium inter Spinas, 

Spedixen/ Güter weiter fort fenden/ heiffet die von fremden Kauff⸗ 
£euten an und adresfirte Güter entweder zu Rand oder zu Waffer Au 
Cameelen / Maul-Efeln oder Pferden / weiter fort fenden / dann wei 
mande Stadt eine Niederlag-Stadt iſt / undan der See oder aud) 
an einen Schiffreichen Revir lieget / fo werden viel Güter- die ſolche 
pasſiren müffen/ nur bis dahin von den erſten Verſend· Ort aus /auffe - 

dungen / hernachmahls aber an gewiſſe Speditores in einer ſolchen 
Friederlags-Gtadt adresfıret/ welche dieſelbe in Empfang nehmen/ 
und Ordre Gemäß weiter fpediren müffen / was aber ſolche Fastores 
oder Speditores bor Dvalitätenan ich haben müffen / beftehet eigent« 
lich in folgenden: als 
Erſtlich daß fie in den Niederlags⸗GStaͤdten / in welchen die Waaren 
zu Waſſer ankommen / nahe an den Fluß wohnen / auch einegute Win⸗ 
de oder Krahn anden Ufer deſſelben / vor ihren Pack⸗Raum 43 ba» 
ben / damit ſie ihren Principalen durch das Ausladen und Hinführen 
der Waaren nad) ihren Haͤuſern nicht groſſe Unkoſten berurfachen. 
se Miüfen fle groſſe und weite Gewölbe (um in ſoichen die Waaren 
begbem/und ohne Confufion einzulegen ) haben damit warn bie Waa. 
ven wiederum zu Fuhr geladen/und an beſtimmten Ort geſchicket wer» 
den ſollen / man ſolche alfobald Haben könne. 

3. Gollen (le wann ſie Ballen und Kiften von den Zuhr-und Schiff⸗ 
Leuten empfangen’ fleißig acht geben ob dieſelben wohl conditionipet/ 
dos iſt nicht naß oder durch einen andern Zufall berdorben feyn / warın 
es Zäffer mit Deloder andere flieflende Waaren / ob fle nicht gar zu 
leer /und alfo bey allen Gattungen, Waaren / warın fie dergleichen 
Shadenfinden /müffenfie darüber ein Atteſtatum machen laſſen / 
damit ſie dadurch die Streitigkeiten / welche ſich unter den Fuhr⸗ und 
Kauff· Leuten und unter Ihnen bey der Lieferung ereignen konten/ 

| ber⸗ 


0 





212 Spe 


vermeyden mogen. Dieſe Vorſicht ift auch den Fuhr-Brieffen ge- 
. mäp/ ald welche gemein:glich in jich halten. Nach deme (dev Fuhr⸗ 
mann) ſolche wohl conditioniret/ uud in beftimmter Zeit gelieffert / 
geliebe man ihme die Fracht zu zahlen/ warın nun die Mangelhafften 
und übel conditionirten Waaren von ihnen folten angenommen wer: 
den / fo würden (ie ja unftveitig vor alenSchaden und Interefle deu Ei⸗ 
genthümer gut feyn muͤſſen / nach dem alten Sprichwort: Welcher 
Commishon überfchreit/verlieret:Dann weil der Fuhr-Brieff lautet/ 
daß ſie die Maaren wohl conditionirt empfangen follen / müſſen ſie 
diefelbe nicht anderft annehmen / weßwegen dann nothwendig/ daf 
die — oder ihre Bediente bey) Abladung der Waaren ſelbſt zu 
egen ſeyn. 
Bann ed auch zerbrechliche Waare ift/ welches gemeiniglich auf 
dem Ballen oder Kiſte mit einer Hand gezeichnet angedeutet wird / 
follen ſie die Abladers und Traͤgers behutſam damit umzugehen / er⸗ 
mahnen / damit die Waar nicht zerbrochen werde. 
s. Muß ein Speditor wann er die Waaren in feinen Gewoͤlb in Orb» 
nung geleget / darauf dencken / wie er diejenigen / welde die andern 
berderben können davon abfondere : Zum Exempel / daß man Fein Del 
und andere flieflende Sachen aufdie Ballen’ Tuch und Kiften in wel⸗ 
chenfeine Waaren feyn / lege/damit ſie dieſelben / wann fie aus rinnen 
nicht verderben Fönnen. 
6. Muferdas Empfang und Berfend:Regifter der Waaren in gu⸗ 
ter Ordnung halten um Confuhon zu vermeyden: 
7. In DBerjendung der Waaren nicht einen den andern borziehen/ 
dann dieſes wäre eine Ungerechtigkeit / fondern die erften müffen alle» 
zeit vor den zulegt Eonnnenden berfand werden / ed wäre dann daß es 
Waaren waͤren die verderben koͤnnen / als Oliven, Pomerantzen / Ci⸗ 
tronen/ und dergleichen Früchte / item diejenigen / derer Verkauff 
fchleunig feyn muß / als duͤrre und gefalgene Fifch / welche in der Fa⸗ 
ſten Zeit abgehen/ dann ſiud privilegirte Waaren / die feinen Verzug 
ohne groſſen Schaden derjenigen / welchen ſie gehören/ leyden können. 
3. Muß auch ein Fadtor feinen Committenten, wann deflen Waaren 
angekommen / und den Tag wann ſie abgangen oder abgehen werden/ 
Bericht ertheilen/ damit ſolcher darnach in den Verkauft (ich richten 
koͤnne / als an welchen ihın fehr Viel gelegen. 
9. Sollen die Factors inden Preißder Fracht fein ſparſam gehen / 
und fo genau ſie fönnen folchen bedingen / um überflüßigen Unkoſten 
zu verhüten/dann die Factorn ſind allen möglichften Nugen derCom⸗ 
mirtenten zufuchen/ in ihren Gewiſſen Verbunden / ſie follen auch 
nicht mehr ald mas ſie wuͤrcklich ausgeleget / berechnen / anders wäre 
es ein öffentlicher Diebſtall. . 





. ‘Sp e 121 
10. Gollen die Factoren zu wenigften alle Jahr einmahl denen Com- 
mittenfen einen Conto courant fd wol der Lnfoften / die ſie vor dieſel⸗ 
ben ausgeleget / als auch deslenigen / was ſie ihnen vor ihre Provilion 
ſchuldig / überfenden/ um dadurch —— keiten und Gefahr mes 
gender Bezahlung zu entgehen. Es follen aber folche Rechnungen / 
die fie ihnen uberſchicken / drey Stüd bemercken/ als erftlich dag 
Datum des Tages / an welchen die Waaren abgeſchicket worden ; 
zweytens bie Zahl der Ballen’ Kiften und Fäffer ; drittens die Speci- 
fication der Unkoſten / welche bey jeden Ver ſandt / darauf gangen. Ao, 
1671, ließ Friderich de Witt in Amſterdam auf Andalten der Sn. Sche⸗ 
rer und Momforti in Bregens, eine Land⸗Karte ausgehen / in welcher 
gedachte Amici denen Herren Kauffleuten / die etiwan Belieben tragen 
möchten/ ihnen ihre Büter zu fernerer Spedirion zuzuſenden / zu wife 
fen machten, durch was vor Wege ſolche Spedition am füglichften aus 
ben Niederlanden nach Stalien könnten eingerichtet werden;fle fpecifi- 
eirten dabey Die Preiſen / was ein ordinaire hallen frey von allelinkoften 
in Srandfurt geliefert/ von bar ab und wieder zu/ von und nad) untere 
ſchiedliche Plägen Italiens und Franckreich an Fracht folte u ſtehen 
kommen ; wobey fie dann zugleich angemwiefen / mit mag 4. einen 
Contra-Mard ſolche Güter / die man ihrer Spedition anbertranen 
wuͤrde / gemercket feyn müften/ auch an wenn man ſoiche / als ihre its 
Speditoresin Amſterdam / Frandfurt oder Nürnberg nur zu addres- 
fire hätte / wann man ſolche Durch gang Ftalien oder Fran eich wohl 
beſtellt haben wolte. Welches geiwißlich Feine geringe Commodität 
bor das Commercium geweſen / und erinnere ich mich bin und wieder / 
fonderlich zu Bafel in der Schweitz und in Franckreich groffe und reis 
he Speditores —— die biel eigene Wägens/ ja offt einer 
biß 100, Maulthier ten / und damit anderer Kauffleut- Güter 
fortgeſchaffet. | | 

Speichelkraut / Staphilagria. 
— Wurg/ Pyrethrum. | 
Speyerling/ Sorbum & forbadomellica; 
Shelser wände) Spelta, Zea,Ader ‚Semen & Far adoreum; 
— KRorn/Chondrus Alica. 
Speerkraut / Valeriana, Ranunculus Lanceolatus, 
Sperglas / Specularislapis, 
Sperberbaum / Sorbus. 
— Seer / Forba. 
— kraut / Sanguiſorba major & minor. 
"Sperma Ceti, Wallroht / weiſſer Amber, item Flos Maris oder Salis 
genannt / Davon gehen wegen feines Urfprungs allerhand Muhtmaſ⸗ 
R Hhhh ſungen / 


1214 Spe 


—— > 
(ungen ; inzwifchen wird ſolcher vielfältig und mit groſſem Nutzen ge⸗ 
Braucht. Es ift anfangs eine Ziegelfarbe fette Mareria, welche / —_ 
fie gereiniget ift/ weiß und glängend wird ; Die rohe Materia kommit 
aus denen Orten / wolle die WWallfifche fangen / nad) Dännemard/ 
Schweden / Amfterdam/ Hamburg und kübeck / wofelbft ſie esrenovi- 
ren fönnen/ ſintemahl noch viel Fiſch⸗ Schmaltz ſich darunter befindet/ 
fo davon mußgefchiedenwerden. Einige melden/der Wallraht wer⸗ 
de aufdem Meer wie ein Schaum gefunden / andere meynen / eöfey 
der Saamen des Wallfiſches / da doch dergleichen Fettigkeit gefunden 
wird / wo ſich gang Feine Wauffche fehenlaffen. Etliche fpreiben / 
der Wallraht werde aud) aus dem Gehirn des Wallfiſches gemacht / 
alſo dag die Meynungen hierinnen gar nicht ubereinfkimmen. Weil 
dann der Wallraht unter demTran oder Zifchfchmalg gefunden wird/ 
fo ift leichtlich zu erachten/daß er mit unter ben Schmalg zu finden ſeyn 
. müffe / zumahl er noch in zimlicher Menge zu haben / auch eher einem 
Schmals im Feuer/ als einem Gehirn aͤhnlich iſt; Er läßt ſich glei⸗ 
chergeſtalt mit Fettigkeit ſchmeltzen / und verlichret (ich darinnen. 
Die Art der Bereitung/ und zwar deöfenigen Wallrahts / welcher im 
Meer ſchwimmend gefunden wird / und welcher unedler als derjeni⸗ 
eift/der aus der Hirnſchaalen kommt / geht auffolgende Weiß: 
ran waͤſchet ihn erftlich mit veinen Waſſer ab/ kocht ihn als dann / und 
wann er erkaltet/ fo nimmt man die Fettigkeit ab/ fo hat man denSper- 
ma Ceti aus den unteinen / fo aufder See gefammlet wird; zu den 
andern hingegen macht man eine ſtarcke Lauge / aus Afche und lebendi- 
gen Kalch / jedoch muß dieſes legtern weniger ald der Afchefeyn. Ge» 
‚darhte Lauge coliret man durd) einen feinen Sad /daf (le klar und lau⸗ 
ter werde/ warn dieſes gerhehen / fonimmt man die Maflam aus der 
Hirnſchaalen / drücke ſolche / — — / durch ein haͤ⸗ 
ren Sack / die in dem Sack zurück ern tebene Materiam des Sperma- 
tis thut man in die Lauge / ſubigiret ſolche wohl mit den Fingern / und 
läßt ſie Tag und Nacht ſtehen / des andern zog drückt mans wieder 
durch einen haͤren Sack breitet das / was zurüd bleibet/ auf einen lei⸗ 
nen Tuch wohl mitden Händen aus/ laͤßts in freyer Luft oder Sonnen 
trocknen / fo hat man Sperma Ceti, davon das weifle/ fette / Frifche und 
unverdorbene dad befte iſt. 
Sperma ranarum feu Sperniola, Froſchleich iſt der Saame von den 
Froͤſchen / woraus das Froſchleich⸗Waſſer gebrannt wird, Vide 
Froſchleich. | 
Sperniola, Froſchleich / Poggenkoller. 
ns - —— ee @ — 
Spica, iſt eine laͤng obere Spihen / z. E. an / en 
und andern Zeld-und Eavıen- Gepldien | Spica 


| 


© pi ı I2ıf 
Spica Celtica feu Närdus Celtica, Welſcher Spick / waͤchſt in Wel 
land / und auch hin und wieder in Teutſchland / ae an 
are gefammlet ; der befte mup fchön gelb und roht feyn/ einen 
iſchen Geruch haben / und in Büfchlein gebunden feyn. 


Spica hortenlis, Garten⸗Spick / bon foldhen werden die Blumen - 
gefammlet/ und da$ Oleum daraus deftilliret / dieſer waͤchſt Hin und 
wieder in Teutichland in groffer Anzahl. 


Spica Indica, Indianiſcher Spid / diefed edle wohl⸗riechende Ger 
wächs kommt aus Indien / der beſte aber wird aus Egypten von Ales 
vandria zu und über Venedig gebracht; Sie muß ſchoͤn kurtz / leicht / 
vielhaͤricht / gelbbraun / feft und wohlriechend / und wie der Balgant 
am Geſchmack bitter feyn. Bon diefer Rarde folldieedle und theure 
Salbe / damit unfer Heyland vonder Maria Magdalena gefalbet 

worden / gemacht geweſen ſeyn Heutiges Tages komnit das meifte 
Narden⸗und Spick⸗Oel aus Franckreich / —2 der Spick in gar 
groſſer Menge zu haben iſt. 

Spicanard / Spick / Spica nardus hortenſis, Fpica mas, dienet 
wider das Gifft / dahero man ſie auch in böfen Kranckheiten gehrau⸗ 
chet / und der Compoſition des Theriacks zuſehet. | 


Spicant⸗raut / Lonchitis Maranthx, 
Spiegels/ Speculz, Miroirs, feynd vielerley Arten / ald gemeine 
Spiegels / in welche man feine Beftalt befhauen/ und ſich ordentlicher 
weiß befpiegeln Fan. Ferner ſolche Spiegelö/ die aus der Optic ihre 
Compolition ziehen) dergleichen ſeynd diejenige/welde entweder dem 
entgegen geſetzten Objecto eine andere Geftaltgeben/ oder auch zu an⸗ 
dern Gebrauch / ſonderlich zum Brennen und Anzuͤnden / von erfahr⸗ 
nen Mathematicis zugerichtet werden. Die ordinairen Spiegel 
feynd mehrentheils von Blas/ Eryftalloder auch von hellgeſchliffenen 
Stahl / die andereaber auffer dieſen jest-benannten Materien von Mes 
tall/ Stein und Hol / jagar einiger Kunftler curieufen Inventiom 
nach / von Eis. Unterder erften Gattung / mit welcher heutiged Ta» 
ges faft alle woßl-meublirte Zimmer vornehmer Perfonen ausgezie⸗ 
vet / feynd die von Venedig uͤberſchickte und zu Murano (einer diefer 
Stadt nah-gelegenen Inſul / wegen des veinen Sandes / der daſelbſt 
efanden wird/ und worzu auch das dafelbft befindliche Saltz⸗Waſſer 
enebenft der Lufft das ihrige contribuiret) zubereitete Cryſtalline 
Spiegel⸗Glaͤſer die vornehmften / mit deren ihrer Zubereitung fol⸗ 
gender geftalt verfahren wird : Man machet erftlich auf den Glas» 
Hütten groffe/ TE Kleine Spiegel-Platten / und zwar 
haͤſet man hierzu gleich anfänglich eo * unterſchiedlicher — 
| a. | 2 ur &/ 


1ꝛ2ꝛuöüu —Sbpi 
ſe / fo groß nemlich die Spiegel werben ſollen / die Kugeln zerſchneidet 
man mit einer Scheer / bereitet daraus viereckigte Blaͤtter / legt ſie 
hernach auf eine eiſerne Schauffel / und ſetzt ſie wieder in den fen / 
lãßt ſie auch fo lang darinnen / bis ſie auf der gemeldten Schauffel an» 
rar zuflieflen / thut le alödann heraus / und fegt ſie in dem Kühl» 
fen / bedeckt ſie darinnen mit Afchen/ legt ferner die Tafeln oder Blät» 
ter auf einander/ und jederzeit Afchen dar zwiſchen / bis der Kühl-Dfen 
m. angefuͤllet / inzwifchen erhält man fie in mittelmaͤß iger Wärme 
pfchlechten Feuer / biste allgemad) erkalten / nimmt (le alsdann 
heraus / und verkaufft fie den Spiegelmachern / welche ſolche Tafeln 
erſt recht viereckigt ſchneiden / felbige mit einer Seiten auf einen hier⸗ 
zu dienlihen Stein kleben / aufder andern Seiten aber reiben fie fol 
che auf gantz ebenen und glatten eifernen Zafel/ mit einen abfonderlich 
klaren Sand) fo lang und viel, big fie gang rein und hell werden / wann 
ſolches geſchehen / poliren fie folche mit harter Zinn-Afche auf einem 
Filg / nehmen darnach zu jedem Spiegel nach feiner Groͤſſe / und in der 
Dice wie Regal-Papier/ ein zinnernes Blatt/ legen folches auf einem 
jener und — Stein / tragen Queckſilber folang und viel darauf / 
is ſolches überall bedecket iſt / hlerauf nehmen fie die Glas⸗Taſeln 
wieder hinweg / und legen ſolche auf das Zinn: Blat / rucken damit all» 
mäßligfort/ und fachte Hin und her / bis es ſich darauf ſetzet wann es 
nun alfo eine geraume Zeit gelegen / fo bleibet vermittelt des Queck⸗ 
filberö das Zinn an ver Glas: Tafel haften / undift alfo das Spiegel- 
Glas fertig / nur daß es noch mit einen hierzu ſchicklichen Rahm nach 
Belieben eingefaffet werde / — Rahm / nachdem er ſchoͤn ausge⸗ 
eret / oder koſtbar bon Materia iſt dem Spiegel ein treflichesAnfe- 
en giebet / fo daß fie auch im Ppreis darnach gehalten. Es führen aber 
gemeiniglich ſolche Spiegel⸗Haͤndlers auch viel uneingefaſte Glaͤſer / 
welche nach dem flelang und hoch / breit oder ſchmal / Venetianifcher 
oder Inländifcher Fabric ſeyn (mie dann in Sachſen und dem Bran» 
denburgifchen unterfchiedliche dergleichen Spiegel-KHütten anzutref> 
fen )theuer oder wohlfeil berkauffet werden. Ber folche Fauffet / ſie⸗ 
bet zuforderſt auf die Reinigkeit deö Glaſes / ob es weiß oder gelblicht 
falle die Geſtalt natürlich/ wie fie an füch felbft ift/ oder verftellet/ ſich 
prafentire. Auffer oberzehlten groflen Capital-Spiegeln / ſchicket 
auch die Stadt Nürnberg viel Heine aus / welche ihrer Groͤſſe nach ent= 
weber bey Studen oder Dutzend⸗weiß verkauffet werden. Es ma⸗ 
den auch die fo genannten Spiegel-Maders eine andere Art von . 
Gpiegeln von gemeinen Glas / welche eben nicht mit Queckſilber / fon- 
dern einer andern Materia beleget/ und bey groffen Quantitäten inge> 
ringen Preis verkauffet werben, | | 
Die Ma: hematiſche Runſt · Spiegel heſtehen in Parabolifchen 2 Cy- 


lindri« 


— — — — — — 
——— — ⁊ 


BR Spi 1217 
lindrifcpen/ Pyramidalifcen/ Columnarifchen und andern dergleichen 
Kunſt⸗ und Wunder-Spiegeln mehr / unter welchen vornemlich fo» 
wol der alten als neuen Spiegel⸗Kuͤnſtler ihre Brenuſpiegel aus Me⸗ 
tall oder gar aus Holg verfertiget/zu rechnen feyn / mit welchen man 
aufeine zimliche Diftang anzunden und Brand erwecken Fan / wie alfe 
— der Römischen Schiffs⸗Flotte in dem Hafen vor Syracu- 

han. 
EEE Ranunculus, 
Spießglas oder Glantz / vide Amtimonium. 
Spill-oder Spindeldiftel/ Atradtilis Match. Colus Rultica, 
SpinainfedtoriaalbacerviSpina, RhamnasCatbarticus, Weg- 
dorn / die Blätter davon purgiven/und führenden Schleim aus. 
Spina acura biflora Britannica, eine Art eines Be welcher 
in Engeland mitten im Winter bluͤhet und Frucht traͤgt. 
Spinat / Spinachia, Lapathum hortenſe, ſeu Spinachia femine 
fpinofa, item non fpinofa, nobilis & prima, edler Spinat. 
Spinnenftein/ Font von den groſſen Ereug-Spinnen/ wann ei» 
ne folche in ein Schädhtlein getban / und Jahr und Tag darinn ber» 
fchloflen gehalten wird / fo verzehret ſie ich endlich felbft / und wird 
ein gefprendelter Stein daraus, der den Bifft widerflehet / ſo daß / 
wann er in einen Ring eingefoft / und am Finger getragen wird / er 
fo glei die Farb verandert / und mit einer Wolcke ich uberziehet/ 
wann ev nemlich vermercket / daß in der Naͤhe Bifftlieget; welcher 
— ur ſolche Beranderung nicht fehen laͤßt / der ift falſch und nach» 
efünftelt. 
— Spiritus, Geiſter / Frantzoͤſiſch des Eſprits, werden aus den Minera- 
lien / Gewaͤchſen und Thieren / und zwar bey unterſchiedlichen Gradi- 
bus des Feuers / und in unterfchiedlichen Deftillir-Gefäffen zubereie 
tet / welche legtere mehrentheils in Schröders vollſtaͤndigen Apoteck 
lib. 1.cap. 20. item in des Glauberi Furno Philofophico recenfiret 
werden. Es kommen aber die Hüchtige Spiritus der Gemächfen aus 
den Blättern/ Blumen’ Fruͤchten Gewürgen und Saamen / diejeni« 
e aber/ die etwas fixer ſeyn aus den Hölgern / Rinden und Mifteln.- 
Die Art / die flüchtigen Spiritus zu bereiten / / kommt mit der Waſſer⸗ 
Dettillirung überein / ſintemahl unter diefen beyden der Unterfchieb 
ift/ / daß die Waſſer Viel Phlegma, die Spiritus aber wenig haben / da⸗ 
ero man auch durch das Redtificiren den Spiritnm bon dem Waſſer 
ringen fan. Es werden aber die Spiritus aus denen Bewächfen ent⸗ 
weder durch die Göhrung (Fermentation) oder durch Zuthuung des 
Spiritus vini bereitet; diejenige/ welche man durch die Goͤhrung ver: 
fertiget/ feynd eigentlich Spiricus zu nennen / welche aber mit Spirieu 
Vini deftillivet werden /_ — re nicht eigentlich an 


. 3 on⸗ 


ah 





1218 Spi 
fondern ſie werdens erft / wann der aufgegoffene Spiritus abgezogen 
wird. Zumerdenift auch / daß wann die Sachen vorher vergoͤhren / 
daß ſie alsdann mehrern Spiritum, als welcher um fo viel eher aus⸗ 
raucht / von ich geben; Es muß aber die Vergoͤhrung in hoͤltzern und 
nicht in andern Geſchirren geſchehen. Man bereitet auch etliche Spi- 
ritus der Gewaͤchſe mit Wein / als den Meyenblänlein-Spiritus, al» 
fein weil der meifte Teil deflen von Wein kommt / als ift beſſer / daß 
man felbigen einen Wein-Beift / mit Mäyenblünsein bereitet nenne/ 
;. E. Spirirum vini, Liliatum, oder Aqram Vitæ Liliatam. 
Die gebräuchlichfte mineralifche Spiritus in denen Officinen feynd: 
SpiritusCorallorum, Mercurii, Salmiac,, Sal commun. Sal Gemmz 
oder Stein⸗ſaltz Nitri Salpeter / Faturni Bley / Succini Agtſtein / 
Sulphuris Schwefel / Tarrari Weinftein / Vitrioli Vitriol. 
Vegetabiliſche Spiritus ſeynd: Spiritus Abſynthii Wermuht / Aca- 
ciæ or. Schlehen⸗Bluͤht / Acori gemein Calmus / Acer. vini Wein⸗ 
Eßig / Alkekengi Juden: Kirfchen/ Angelicz Angelicken / Anis Anis / 
Bngloſſæ i. Card.Bened, Card. Bened. Centauri min. Taufendgülden- 
Kraut / Cerafor. nigr.ſchwartze Kirſchen / Citri Citronen / Cochleariæ 
Loͤffelkraut / C.C, Hirſchhorn / Cran. Hum. Menſthen Hirnfchaalen/ 
Cydoniorum Quitten / Ebuli ex granis Attichbeer / Filicis Farn / Fo- 
niculi Fenchel / Fragorum Erdbeer / Frumenti 2. Guajaci Frantzoſen⸗ 
Holtz / Juniperi Wahholder-Holk/ Lilior, Convall, Mannz Mannen / 
Meliſſæ, Nafture, agvatic, Brunnen=Rreß / Roris marini Rofmarin/ 
Rofarum Roſen / Sabine Gebenbaun / Salvix, Sambuci, Thymi 
Quendel / Tilix flor. Lindenblüh / Veronica Chrenpreid / Vini 
Branntwein. 
Sufanmengefeste Spiritus ſeynd: Sp. Anodynus Schmergen-ftillen- 
der Spiritus, dito Apopledticus generofus Schlag-Spiritus, Antine- 
phriticus Stein=Spiritus, Arthriticus in defluxionibus frigidis, Anti- 
feorbuticus, Carminativus, Cephalicus Haupt-Spiritus, Spiritus Ci- 
namomi, Lumbricorum compofitus, Maftichinus , Lithontripticus 
Gtein-Spiritus, Theriacalis Camphoratus, Regius, Uterinus , Spiri- 
tus vitæ aureus corredtus, 


Aus oberzehlten allen / wollen wir nur die Compofition des Spiritus 
Apopledtici hieher fegen / welche in folgenden beftehet: Nimm des 
weifleften Weyrauchs s. Loht/ auserlefenen Maftir 4. Roht/ Gewürt- 
Naͤgelein / Balgant/ Eubeben/ Zimmet / jedes 2.Loht / Orientaliſch 
Saffrauz. Od. / Saamen von Puls⸗Hafer / Lorbeern jedes ı3. Loht / 
Blumen von Labendel / Ringelbiumen / jedes z. Loht/ Lilien⸗Conval- 
lien 3, Handvoll/ Kraut von Quendel / Maforan/ Rofmarin/ jedes ei» 
ne Hand voll/ Poley 2. Handvoll/giep flarden Branutwein daruber/ 
deltilir es durch die Blafe. Spir⸗ 


Spi Spr 1219 

Spir-Schwalben/ Hirundo muraria. 

Spitzen / Frangölif. des Dentelles, feynd entweder von Bold und 
Eilber/ Seiden oder weiffen Zwirn ; unter diefen legtern feynd die 
Denetianifche/ Parifer und Engliſche / als welche mit der Nadel ge⸗ 
naͤhet / die koſtbarſten; diegeknupelte feynd die Brabandifche/ Anna⸗ 
— und Tendrifche / welche insgeſamt am meiſten conſumiret 
werden. 

Spitziger Balſam oder Muͤntz / Mentha acuminata , SalviaRo- 
mana, f 
Spitziger Klee / Trifolium acutum, 

—  Rlerren/ kleine Kletten / Bettler⸗Laͤus / Buben ⸗Laͤus / Lap- 
pa minor, 

Spis Maͤngel · Wurtz / Grindwurg / Lapathum acutum, 

— Maus / Musaraneus, Sorex, 

— Nouß / Tribulus agvaticus, 

Spitziger Reinfarn / Tanacetum album acutum, 

Spisige Salbey / Falvia minor. 

Spitzig Saamkraut / Potamogeton, Anguſti ſolium. 

Spigiger Wegreich / Plantago minor. gvingvenervia, 

Spisziges Wundkraut / Digitalis, 

Splenieum, oder Spleneticum, daß der Milg dienet. 

Splisplettel / Lychnis (ylveftris, 

Spodiumde Oſſibus, gebrannt Helffenbein. 

Spodium vel Spodion Gr&corum, grauer Richt / fo auch nach dem 
Unterſcheid der Farben / grau / gelber oder fhwarger Hüttenvauch 
genennet wird / hat mit den weiſſen Richt einerley Kraͤffte; man fin⸗ 
det ihn eben wie den Pompholix gleich einen mehligten Mefen / fell 
aber leicht mit den Fingern zerreiben laͤſt / an den Wänden / wo man 
Metall fchmelget. 

Spoler/ Fragmenta Cinnamomi, 

Spongiamarina, Meerſchwamm / died Gewaͤchs koͤmmt mehren: 
theils aus Italien / iſt leicht / locker und gnugſam bekannt. 

Spongialapis, Meer⸗Schwammſtein. 

Spongiæ Judæ, ſiehe Sarıbucus. 

Spongia Solis & Lunæ v, Pho/phorms. 

Sporaͤpffel / Sporbeer/ Speyerling / Sorbum & Sorba, 

Sporco. unrein / da die Thara noch nicht von abgezogen. 
Spyprach⸗Rohr / Stentrophonicon, vide Infrumenta. 

Springend Hundskuͤrbis / Cucumer fylveftris, anguinus, 

Springkoͤrner / Kraut / Wurtz / Cataputia minor. 


CLLTW Spring 


1120 | Spr Stä 
Springkuͤrbes / Eſels ⸗· Kümmerling / Cucumis afininus f. ſyl· 


veſtris. 

Sproſſen / Cyma, fen teneri Cauliculijuli. 

Spulwuͤrm / Lumbrici inteſtinorum, Vermes inteflinorum. 

Sppyr / Apus. | 

Sqvamaria, Dentaria, feptima orobanche , radice dentala major 
Bauhini, Sanicula qvingve folia oder Pentaphyllæa. Schuppen:Ereug 
oder Streubelmurg/ dienet wider die ſchwere Noht der Kinder. 


Sqrillz feu Scillz Radix, Meer-Zwiebelmurg / iſt zweyerley Gort/ 
weiß und roht / groß / Hein und dick über einander gewachfen / blühet . 
des Jahrs dreymahl / waͤchſt hin und wieder in Europa / muß wohl in 
Stroh bemunden werden) daß es ein ander nicht berühre/fonft wach⸗ 

fen fie aus; die weiſſen und haͤrteſten ſeynd die beften. Vide Scyla, 

Squinant / Rameelheu/Juncusadoratus, Scheenanthum, 

Stabwurtz⸗Maͤnnlein / Abrotanummas, dito Meiblein/ Fa- 
minafeuCuprellüs, 


Seachelbeer / Groflularia fpinofa uva crifpa, 

— Kraut / Confolidaaculeata, Jacea aculeata, 

— Yiuß)Tribulus agvaticus, Callanex aqvaticæ. 

Stachlichter Aloes / Aloes feu fempervivum marinum; 

— Indianiſche Feigen / Ficus Indica fpinofa. 

— Magſaamen / Fapaver ſpinoſum. 

Seachelſchwein / Hiſtrix. 

Staͤrck oder Krafft ⸗Mehl / Amydum vel Amylum, wird aus den 
beſten Wattzen gemacht / und in unterſchiedliche Sorten eingetheilet ; 
das beſte iſt / welches aus groben und doch leichten gantz weiffen Klum⸗ 
a die wohl abgebörret / krauß undam Geſchmack nicht fauer ſeyn / 

eftehet ; auch müffen ſolche wann man ſie von einander bricht/ nicht 
ſchimmlich / fondern innen wie auswendig / ſchoͤn weiß ſeyn; ſie muͤſ⸗ 
fen auch zart und nicht zu hart ſeyn / welches letztere geſchicht / wann 
das Mehl nicht an der Sonnen / ſondern auf dem Ofen getrudnet iſt. 

Stahl / Chalybs Ferrum acutius defacatum Frankoͤſiſch Acier, 
iſt dem Eiſen ſehr nah verwand / und übertrifft es nur allein mit ſei⸗ 
ner Härte/ dann wann man das Eiſen mit harten Kohlen fchmelget/ 
und deſſen Feuchtigkeit bindet/ wird es gar leicht fpröt / und in Siahl 
berwandelt/ welche Sprötigkeit mit Zuſehung undegirung zaͤhen Ei⸗ 
fen / diefen gemachten Stahl ſehr geſchmeidig / und zu allerley Arbeit 
beqbem und tuͤchtig machet. Der Steyermardifche Stangen⸗Stahl 
wird gm meiften gelobet und gebraucht / wie dann auch die Damalce- 
ner Klingen davon follen gemachet werden / die Srangofen nennen ihn 

Acier 


4 
—* 


BB — eD1r — 


Sta 1221 


Acier deCarme , oder a la Rofe und machen ihre befte Lancetten und 
Scheer⸗ Mefler daraus) es wird zwar fonft auch hin und wie der Stahl 
gefunden / der aber ander Bonität den Steuermärdifchen bey wei⸗ 
ten nicht gleich kommt / vor einigen Tahren gab ſich an einen ge⸗ 
‚wiffen Hoff ein Stahlmacher an / welcher veriprach woͤchentlich etzliche 
hundert Eentner gemeinen Eifens in den beften Stahl zu ransmutı- 
ren/ woruͤber er dann auch herrliche Privilegia erhielte/ allein es kam 
die Manufadtur bald wieder ind ſtecken / weil etwann dieC onfumption 
einer fo groffen Parthey nicht zu finden/ in dem ſich mancher Schlöfs 
* oder Kleinſchmidt mit etzliche Pfund puren Stahls lange Zeit be⸗ 
helffenkan / ſonſten wird den Stahl zu haͤrten / ſonderlich der Safft 
ewiſſer Volatiliſcher Kräuter recommendiret/inmwelchen das gluͤende 
—* offtermahls muß abgekuͤhlet werden / einige Hufffchmiede ver» 
meynen/ das durch Horn von Pferd: Huff wegen des darinn verborge⸗ 
nen Volatilifchen Saltzes der Stahl zu mehrer Härtigkeit gedeye / 
andere Hirten ihn mit Urin / Saltz und Ruß aus den Schorftein/ 
welches ſie alles wohl untereinander mifchen/ das Eifen damit beftrei> 
chen / alödann felbiges in Töpffer- Thon einwicheln / welde Mixtur 
denfelben eine ungemeine Härte zu wegen bringet. | 
Die Limatura Chalybis Eifen oder Stahlfeyligt (wovon das letztere 
am beften bey den Radelmachern zu haben / und die Prob thun muß/ 
daß wann man foldhe and Licht Hält felbige gank ausbrennet / die aber 
nur bis an die Helfftebvennet/ und das Licht auslöfchet/bor untüch- 
tig nnd mit Eifen gemenget/ gehalten wird/ ; dienet um den fo genannt. 
ten Crocum Martıs aperitivum cum Sulphure, daraus zu præpari- 
ren / wann mannemlich fo biel Schweffel darunter mifcht und im Feuer 
wohl ausbrennen läft; andere feen den Feil-Staub an das Thauwet⸗ 
ter / oder feuchten ihm mit Regenwaſſer zum verroften an / damit fie 
folcher geftalt den Crocum martis aperitivum erlangen / allein es ge= 
det viel Zeit darauf. Auf den Eifen-KHütten if} der Crocus martis 
adftringens haͤuffig umſonſt zu haben. 
Die wahre Stahl⸗Tinctur, cum Succo pomorum, (welche ſehr 
gut für die Verſtopffung der Leber und den Weiblichen Monath⸗Fluß 
ehalten wird) wird ebenfalld aus der Limatura Chalybis, Bahrſtoͤrf⸗ 
F— Apffel⸗Safft und andern Ingredientien ſecundum artem bereitet / 
wie davon die Defeription in des Valentini vollſtaͤndigen Natur und 
Material·Kammer pag. 85. zu erfehen. 
Gegaͤrbten Stahl nenuet man in Schweden denjenigen / welcher aus 
den abgefhmolgenen Eiſen / wann ſolches 14. Tag in Offen gegluiet/ 
gemacht worden. 
Stall⸗Kraut / Ochſen⸗Brech / Heuhechel / Heckel-Kraut Ononis & 


Anonis. 
Hhhh— Stala- 


ı222 Sta 


Stalachites Rogen⸗Stein / ift eine Art eines figurirten Steins. 

Stalagmites aud) fonft Hammites und Ammonites genannt / ift 
ein aus einen runden Steinigen zuſammen gefegter Klumpe/ den 
Aldrovandus Pifolithum .nennet / man findet deren vornemlich drey⸗ 
erley Sorten / (1.3 dundel und röthlicht braune / die aud) etwas von 
Cifen-Stein zu haben fcheinen / (2.) Weile die aus einer Art Gips be» 
ſtehen / und häuffig am Carls⸗Bad in Böhmen anzutreffen/ 3.) Me: 
tall artige/ diebey den Silber⸗Ertzen ſich finden/ und einige Uberein- 
£unfft mit den Marcalıt haben/man hat auch eine Art die man Globu- 
los Lapideos nennet/ und offt fohart als Marmor feyn/daben aber [aus 
ter dünne Schalen wie Zwiebeln über einander haben/in Italien findet 
man folche Steine anden Gee:Ufer zu Puteoli. 

Stand» Aard/ StändelmurgOrchis, Satyrion, 

Stannum Zinn/ Stanniol vel Stannum foliatum Zinn- Blätter Se 
Stanni Cineres, Zinn-Afche von allen 3. vid. die Befchreibung unter 
dem Wort Zinn. | 


Stapel oder Staffel-Gärer / kommt bon dem teutfchen Wort 
Staffel oder Stuffen/ item auch on Auffftapeln/ auf einander fegen/ 
etwann auc) bon den Frangolifchen Wort Estappesher / welches wie 
zu Orleans den Ort oder Marck bedeutet / wofelbft die Kauffmanns⸗ 
Waaren auögelegetund feilgeboten werden. Dergleichen mitSta- 
pel-Berechtigfeit verſe hene Detter haben die Privilegia, daß die vor⸗ 
ber) gehende Büter dafelbft erſt muͤſſen aus und abgeladen und feit 

eboten werden / ehe man ſie anderwerts hin verführen fan. Es ha- 
* auch ſolche Staffel⸗Gtaͤdte die Freyheit Kauff⸗Haͤufer auffzurich⸗ 
ten/ Schiffer und Kärcher anzunehmen / Kranen-Meiſter und Kauff⸗ 
Haus: Knecht zu halten / und ihre Kauff· Haus⸗Verordnete mögen ũ⸗ 
ber auögeladene und niedergelegte Staffel-Waaren / ob ſolche von 
Wuͤrden ſeyn oder niht/erkennen/die fo unfertig verwerffen/und den 
Schiffen und Fuhr-Leuten ihre Ordnung und Taxt fegen / einige 
theilen das Stapel-Recht ein in ein vollkommenes / unumfchrändteg 
und in ein befchrändtes ; jenes fagen ſie halte in ſich / daß die Staffel⸗ 
Güter nothwendig auch nach dem Niederlegen müffen verkaufft wer» 
den /diefes aber daß wenn ſolche Güter gewiſſe Zeit zum Verkauf ges 
fegen / fie alsdenn wieder Eönnen ab und weiter derführet werden/ 
c5 ſcynd aber nicht alle Güter Stapelbahr / ſintemahl die nach Meſſen 
und Jahrmaͤrckten deftin:rte davon ausgenonmen. Heutiges Ta> 
ges zehlet man im Roͤmiſchen Reich unterfchiedlihe Gtapel-Gtädte 
Darunter die vornehmften am Rhein feynd Coͤlln / Maͤyntz und Spey⸗ 
er/an der Moſel Trier / an der Donau Negenfpurg / Ingolſtadt 
und Paffau / an der Weſer Bremen / an derElbe a Te 
ul: 


Sta 1223 


SHamburg/ vid, Limnæum lib. 2 Jur. Publ. C, 0,8. 132, Es pratendiret 
auch Frandfurt am Mäyn die Stapel⸗Gerechtigkeit / Krafft eines 
Privilegii vom Käyferl'riderico IL Ludovico Bavaro und Carolo1V, 
Straßburg wegen eines Privilegii vom KRäyfer Sigismundo „Leipzig 
vom Kaͤyſer Friderico III. ſo ihr Anno 1469 gegeben worden. Sprenge- 
rus Inlit.J. P,lib, 3.0.33. ſchreibet die Stadt Buchhorn habe Stapel⸗ 
Gerechtigkeit über die Güter welche von St. Gallen über den Boden» 
See nad) Schwaben / und die Stadt Kempen über diejenige Gü- 
ter welche aus Ftalien/ in Niederland / item uber das Saltz / welches 
aus Tyrol in Schweigerland geführet wird. Doctor Becher in fei> 
nen Politifchen Difcourfen p. 225. approbirt die Stapel-Berechtigkeit 
in f weit / danñ es der Natur und Billigkeit Gemäß fen... Wann man 
ſelbſt Brodt vonnoͤthen / daß man ſich ſolches nicht vor den Maul vorbey 
und den Fremden zuführen laſſe / ſonderlich wann man es ſelbſt / und 
zwar ſo theuer bezahlen kan als nach Proportion der Unkoſten / des fer⸗ 
nern Tranfports der Berkäuffer an den Ort wo er die Waaren hinzu⸗ 
führen/gedacht/ dafür hätte befomanen Fönnen / daß aber aus ſolchen 
Gtapel-Kedht ein Propolium um bloß den Handel allein an ſich zu zie⸗ 
Beh gemacht / ober ſolches in armen Städten / die Fein Vermögen 
haben ſolche Staffel-Güter an (ich zu Fauffen exercivet mürde/ blog 
etwann ihre Schiffer und Fuhr -Leut dadurch zu favorifiven/daß (ie die 
Staffel⸗Guͤter weiter zu verführen / Fracht verdienen möchten/ ſolches 
wolteer als eine Sperrung der Handlung / weiche dod) ihren freyen 
Lauff dehalten müfte / gang nicht gut heiſſen. Bon den Niederlagen 
meldet er / daß darinnen an geriffen Drten ein perfedtes Propolium 
getrieben werde / wann nemlich einer gewiflen Nation Kauff- Leute ich 
an einen Ort niederlieſſen / und mit ihres Lands⸗Waaren dafelbft der: 
geftalt handelten / daß die Bürger derfelben Stadt durd) der Freunden 
ihrer Handlung felbft Waaren zu verfhreiben gang abgemöhnet wur« 
den. Allein es leydet diefe Meynung ihren Abfall / und wie offter- 
mahls die Umſtaͤnde eine Sad) verändern / alfo hataud) der Englifihe 
‚Stapel in Hamburg groffe Poliuifchellrfachen feinerEtablirung gehabt/ 
wie folches bey den Seren Margqvard de Jure Mercatorum und andern 
Authoribus mehr/ welche de rebus Hanfeaticis gefehrieben zu erfehen/ 
zu dem hat jich die gute Stadt Hamburg bis Be fo wohl dabey ge⸗ 
funden / daß viele Benachbarte Städte noch diefe Stund beveuen/ 
das fie folchen (da fie doch Gelegenheit darzu gehabt/ nicht eingenom⸗ 
menhaben.) Ein mehres von Stapel-Stadten/vide unter dem Wort 
Emporium, 

Staphisagria Herba, Pedicularia Läuß⸗Kraut / Steffand:Körner/ 
waͤchſt Hin und wieder in Teutfchland und Italien dienet vor das Ju» 
fen der Haut / Kräg und Blattern. — 

tarch⸗ 


1224 Sta Ste 

Staͤrck ⸗Blum / Buphthalmum. Stärd- Kraut Catanance, 

Staubwurtz / Abrotanum Maͤnnlein. 

Staub⸗Mehl / Farina volatilis, 

Staudelbeer / Myrtilli. 

Steben⸗Kraut / Stœba.Stoœbe.Jacea Stoeba. 

Stech⸗Kraut / Carduus Mariæ, Silybum. 

Stech⸗Aerpffel / Steh: Baum agrifolium. 

Stech⸗Palmen / Agrifolium, ilex anguflifolia. 

Stechas· Blum oder Kraut / Stechas Arabica, 

Siech · Diſtel / Carduus Marie , Stech-Dorn uva fpina, groffu- 
laria. 

Stechende Bacillen / Crichmus ſpinoſus, Paflinaca marina, 

Stech⸗Faſeln / Smilax hortenſis ſeu levis. 

Stech⸗Muͤntʒel / Conſolida ſeu Jacca aculeata, 

Steckend Kraut / Ferula Narthex, | 
St:iffroder Staͤrck ⸗· Mehl / Amydum & Amylum,vide Staͤrck⸗ 
Mehl. — 

Steiffwurtz / Lapathum acutum. Rumex acutus. 

Steine Lap des Franhzoͤſiſch des Pierres, ſeynd entweder Edelgeſtei⸗ 
ne / worvon wir allbereit unter dem Wort Edelgeſtein ausführlich ge⸗ 
handelt / oder gemeiue Steine / welche abermahls in zweyerley Sor⸗ 
ien eingetheilet werden / als in Steine die man in der Medicin oder bey 
Manufacturen brauchet / und in gar gemeine Steine deren ſich die 
Bau—⸗Leute bedienen ; unter der erſten Art findeu ſich Alabaftrinus der 
AlabaſterStein / Ætites Adler⸗Stein / Calaminarıs Callmey / Cry- 
ſtallus Cryſtall / Hæcwatites Blut⸗Stein / Judaicus Juden⸗Stein / Ly- 
neis Luchs⸗Stein / Magnes Maguet oder Segel⸗Stein / Oſleocolla 
Bruch⸗Stein / Beinwell / Percarum Perſiſch⸗Stein / Pumex Bims⸗ 
Stein / Smiris Schmirgel-Gtein / Specularis ſeu Glacies Mariæ Frau- 
en⸗Eyß / Spongix Lapis Schwammien⸗Stein / ec. welche mehrentheils 

unter deu Wort Zapzs oder auch jeder unter feiner eigenen Beneunung 
ausführlid) beſchrieben worden. 

Unter denen zum Bau-Wefen gebrauchten Steinen feynd auffer dem 
Marmor, Alabafter und fo gar den Schleiffoder Mühlen-Steinen/ die 
fo genannte Schieffer-Toff⸗Brüch Biegel-und Feld-Gteine / welche 
insgeſammt von den Bau-Lenten gebrauchet/ und mehrmahls von des 
nen Rauff-Feuren muͤſſen angefchaffet werden, fonderlich von denen die 
ander See wohnen/ und allerhand Ausländifhe Gteine / durch 
Schifid-Gelegenheitmitwenigen Unkoften Eönnen überbringen laffen/ 
dergleichen mit den Marmor⸗Steinern Tiſchen / Grab-Gteinen/ und 
denen zur Belegung des Eſtereichs fo genannten Flieſen geiiichet/ 

“ wel» 











Ste 1225 
welche viel aus Schweden / ſonderlich aus der Inſul Gottland herge⸗ 
bracht / und daſelbſt den Fuß⸗Maaß nach eingekaufft werden. Schie⸗ 
fer⸗Stein ſeynd ſchwaͤrzliche Steine / werden aber in —— et⸗ 


was roͤthlich / und weil dieſer Stein ſich leichtlich ſpalten und ſchieffern 
laͤſt / ſo braucht man ihm vielfaͤltig zu Schreib⸗Taffeln / es werden auch 
gantze Tiſch⸗Blaͤtter daraus gemacht / und in Holtz gefaſſet / auch men 
den Kirchen und Haͤuſer damit gedecket / wie er ſich daun zum Dachde⸗ 
cken ſehr wohlfchichet / auch von dergleichen mit Schieffer gedeckten 
Daͤchern ein ſauberes Regenwaſſer geſammlet wird / wiewohl in Feu⸗ 
ers⸗ Brunſten bey ſolchen Dächern nicht gut zu loͤſchen iſt / weil diefer 
Stein von der Hitze zerfpringet/ und die Trummer gewaltig un (ich 
wirft. Die meiftenManufadturen und Kausgeräth von dergleichen 
Gtein/ werden in der Schweiß wie auch in Thiringeny Vogtland / 
und der Graffſchafft Henneberg / (ald an weldhen Orten derSchief⸗ 
fer-Gtein häuffig gebrochen wird) gemacht/ und von dar hin und wie- 
der in Europa derführet/ fonderlich bringen die von Glarisund Ap- 
enzell garfchöne/ und in Eünftlihe Schreiner: Arbeit eingefafte 
ifch-Blätter/die gar wohlfeil zu kauffen / und manchmahl ſo uͤberhaͤuf⸗ 
fet und unwerth ſeynd / daß die guten Leute ihre ausgelegte Fracht nicht 
wieder belommen. | 

Toff-Steine feyud wegen ihrer Leichtigkeit und ſchwammigter Holig⸗ 
keit nicht nur zu Bogen- Führungen und Gewoͤlbern / fondern aud) mo 
man fie inder Menge haben kan zu allerhand Mauerwerck in die Hoͤ⸗ 
he / und hauptſaͤchlich I Caminen fehr dienlich / wann fie gleich frifch 
aus ihre Geburt-Stätte herkommen / wer den ſie mit eingefchrändten 
Saͤgen begbemlich geſchnitten / uñ leicht in allerhand Formen gebracht / 
warn fie auch gleich echärtet / laſſen ſie ich doch gerne reiben behauen 
und tractiren / nehmen den Mortel leicht an/bekleiben feft untereinan> 
Der / und an andern Stein-Sorten / geben ein leichtes/ trocknes und 
zur Gefundheit dienfames Gemäuer / — auch und ſpringen 
nicht im Feuer / werden in den Mauren je länger je härter und feſter. 
Um Eifmannd-Berg einen Pfalg Sultzbachiſchen Dorff / feynd ſie in 
er Menge zu bekommen / weil (ie daſelbſten immer nachwach⸗ 
n/ und ihren Stein machenden Zufluß haben / dahero auch allerhand 
eingelegte Formen und Gefaͤſſe von Metall / Holtz und dergleichen mit 

Stein bedecket dafelbft überzogen werden. 
Bruch⸗Steine nennet man diejenigen welche aus den Stein: Gruben 
durch biel Müh und fchwere faure Arbeit gebrochen und ausgehauen/ 
und hernad) von den Bild und Steinmegen entweder zu Sta- 
tuen oder zu Qyader-Stüden zur Erbauung koͤſtlicher Pallaͤſte und 
folcher Bebäne/ welche vor langer Währung und groffer Stärde feyn 
follen/ zubereitet und hehauen werben / man nennet quch theild —* 
| en 


1226 — Ste 


— — — —— — — 


ben Sand»Gteine / weil ſolche wann ſie erſtlich aus der Stein⸗Grube 
ausgehauen worden/gang muͤrb und weich ſeyn / und ſich gut von einan⸗ 
der fägen laſſen / in der Lufft und Wetter aber von Tag zu erhaͤrten 
und Eifenfeft werden. Ein Kauffmanı bat ihre Ränntrig darum zu 
erlernen nöthig/ weil ihm offtmahls derfelben Liefferung zu groffen Fe⸗ 
ftunas- Public gder Civil-Bebäuen zu Handen ftoffen Fan. 
Sirgel-Sreine nennetman die durch Kunſt bereitete oder gebackne 
Gteine/ welche ſich zu den Mauerwerd am allerbeften fhicken / fo pe 
das (fe auch Vitruvius denen Marmor:Steinen borziehet / weil ſie 
fehr —— und dauerhafftig ſeyn / ſie ſolten aber billig aus gu⸗ 
ten zaͤhen / weiſſen / roͤthlich⸗ leimichten und geſchmeidigen Letten / wel⸗ 
cher den Thon / woraus man Tabacks Pfeiffe machet / aͤhnlich geſtri⸗ 
chen werden / denn dergleichen Erde veraͤndert die eingedruckte Form 
nicht beicht / und behaͤlt ebene Flächen / die nicht bald krumm werden/ 
doch mug man zuweilen aus Roth gemeinen Retten darzu nehmen / der 
fandige Leim aber wird allerdings verworſſen / defgleichen auch ſol⸗ 
cher Letten / welcher groben Sand oder Feine Steine verbirget / dann 
diefe werden allzufchwer / und warın ein ſtarcker Regen an fie fchlägt/ 
zerfallen und zerflieffen ſie / es foll aber der Letten vor Winters und 
Herbſt gegraben / wohl abgetreten/ gefnetet/ auf Hauffen gefchlagen/ 
und durch den Froſt wohl Durchgangen werden. Die Ziegel hiervon 
foll man in Frühling oder Herbft formiren und flreichen / dann wanns 
im Sommer gefchieht / fo truchen fie durch die groffe Hitze allzuge> 
ſchwind / in dem (te aber iunwendig nicht fo wohl ald auswendig trock⸗ 
nen / fo krumpffen ſie und veiffen/ dahero ſie nicht an derSonnen/ ſon⸗ 
dern in einer lüfftigen Ziegel-Scheune ehe ſie gebrandt werben/ allge⸗ 
mad) trocknen müffen/da es aber die Gelegenheit, Zeit oder Roth fonft 
erforderte/ daß man folche Steine im Sommer oder Winter machen 
nüfte / fo follen fie des Winters mit trocknen Sande / des Sommers 
aber mit Stroh zugededet werden / dieſe aber feynd nicht cher als in 
zwey Tahren zum Brennen tüchtig; fonft melden die Bau-Verftandige 
daß die einmahl gebrannte Ziegel/ fo man fie nocheinmahl Waſſer in 
fich ziehen Läft/und zum andernmahl brennet/ doppelt fohart ald zuvor 
werden follen / wolte man dergleichen Steine gröffer als fonft ge» 
draͤuchlich machen, foll man fie an vielen Orten durchbohren / damit ſie 
feichter trocknen und baden / man menget aud) zumeilen Spreu von 
Weitzen und Düncdel unter den Letten / davon werden die Ziegelbraun / 
ſchwammloͤcherigt und leichter / und ſeynd zu Gewoͤlbern und derglei⸗ 
chen Gemaͤuren deſto dienſahmer. Ob die Ziegel recht und auf die 
Dauer ausgebrannt / erkennet man etlicher maffen daraus wann ſie 
leicht feyn/oder hell klingen / wann man mit einen Finger oder Stoͤckle in 
daran ſchlaͤget / die gewiſſeſte Probe ihrer Guͤte iſt / daß man ſie * 
eit 


Y 


2 F a u — => 


Ste 1127 


Zeit in Ungewitter unter freyen Himmel liegen laffe und fo dann zufe- 
be ob jiefeft geblieben. 
Die Dady Ziegel feynd entweder hohl oder flach und beyde wiederum 
entweder groß/ mittelmäßig oder Elein / welches alles wie bey den 
Mauer-Steinen nach gemilfenZollen/derfänge/Breite und Dicke nach 
beftellet/ und gemeffen wird. - 
RU den Verkauff gehen Die flache Deck: Platen beffer ab als die hohle 
ch: Ziegel / weil diefe das Dach fehr beſchweren und niederdruden/ 
auch der Kalch leicht davon abfällt / daß Negen und Schnee hernad) 
durchdringen fönnen; welcher Ziegel⸗ Haͤndler auch gewiſſe Arten Keil⸗ 
formigte Ziegelſtein zuGewoͤlhern / it zu beſon dre Geſimſen Kraͤntzen / 
Einfaſſungen der Thuͤren / und Fenſter / auch in einander ſich ſchieden⸗ 
de Pflafter-Platen ſich anſchaffen wolte / wuͤrde ohne Zweiſſel von de⸗ 
nen Bau⸗Leuten guten Zuſpruch haben / worbey dann einen ſolchen 
——— nad) einer eigenenZiegel-Hutten zu trachten / und die» 
elbe durch einen erfahrnen Meifter gouverniren zu laffen / allerdings 
zurathenflünde 
Feld⸗ Steine ob folche zwar nicht anders in gemeinen Handel kommen / 
als ſo fern man deren eine gewiſſe Obantität anzufchaffen entrepreni- 
ren möchte / fo it doch auch unter folchen ein mercflicher Unterſchied / 
fonderlich an denen die an fandigten Drten und rinnenden Bächen ges 
funden werden deren etliche auf Kiefel-Stein Art/ andere roͤthlich / 
weiß grau / Leimfarbicht und ſchwaͤrtzlich / faft zufehens aus den’ Waſ⸗ 
fer wachfen / und ſich leicht hauen laflen. In Vogtland hat man vor dies 
fen dergleichen Bach und Feld-flein gefunden / welche die Staliäner 
beygangen Fudern aufgefanumlet/und mit groffen Koften nach Italien 
geführet / woſelbſt ſie hernachmahls der gemeinen Rede nach / Bold 
daraus 8 alſo daß das Sprichwort entſtanden / es werffe 
mancher Bauer der um den Fichtelberg herum wohnet / einen Stein 
nach einer Kuh / welcher Stein mehr als die Kuh ſelbſt werth ſey / wie 
einsmahls ein gewiſſer Schiffer welcher aus Daͤnnemarck nad) 
Grönland abgeſandt worden / eine ganze Schiffs⸗Ladungen ſolcher 
Gold⸗ſteine und Grieß mit zuruͤck gebracht weil aber die Gold⸗ 
ſchmiede / ſelbige nicht recht zu tractiren gewuſt wenig Danck damit 
verdienet / ſolches iſt in den Anno 1674. ausgegangenen Bericht von 
Grönland ausführlich zu leſen. . 
Schließlichen ift von der Probe und Känntnif derer zum Bauen gehör 
rigen Steine/ indgemein zu merden / daß die im Sommer gebrochene 
beffer ſeyn / als die zur Winters Zeit gebrochen werden / welche auch 
zwey Fahr herdurch in Regen und Schnee/ Hitz und Froft unter freyen 
Himmel gelegen und nicht zerfallen / die feynd ebenfalls fehr gut / wi⸗ 
derftchen ſie auch den Scheidwaſſer / und geben wann fje in — ge 
g 


1228 Ste 
leget und mit einer Bürftevon Drath ſtarck gekratzet werden / keinen 
mürben Schleim · Sand von ſich / fo ſeynd (te noch beſſer; ihre Feftig⸗ 
keit in Brandt auszudauren erkennt man dadurch / wann ſie ins Feuer 
eleget / nicht ſpringen oder um ſich ſchlagen / als in welchen begebenden 
El ſie das Löfchen hemmen / und alfo zum Bauen nicht füglich zu ge⸗ 
brauchen feynd / die beften werden heutigs Tags mehrentheils aus 
Sachſen geholt/weldhe Rulandus ———— eintheilet / als (1.) 
in Pirnenle Saxum arenarium, weiſſen Pirniſchen Sandſtein / (z.) 
Luteum Fribergicum gelben Freybergiſchen / (3.) Rubrum Rochli- 
cium Rochlitzer / (4.) Cinereum Querfordinum, Oderfurtifchen / 
Saxum arenarium inrubro nigrum ‚ Rothſchwartzen Sand ⸗ ſtein fo zu 
Einbeck in Sachſen gefunden wird. 
In Italien werden die fogenannten Trevertini,welde man an den 
Ufer/ fonderlich bey Tivoli findet/ hochgeachtet / ſie feynd bon einer 
fonderbahren Haͤrt / und von denen Römer fu ihren gröften und ſtaͤrck⸗ 
ften Gebäuen/ ald unter andern zu dem Coliſſeo gebrauchet worden; 
auffer diefen haben fie noch um Rom herum einen Stein Piperno oder 
Preperingo genannt ; zu Florentz einen Nahmens Serena , item del 
Foflato, und Pietra torte , welhesalled gute Stein zum Bauen feynd. 
Franckreich mangelt derer auch nicht / ob es gleich nicht ſo biel Marmor 
als Italien hat ſondern ſich mit dem bergnugen muß / der aus den Py- 
senzifchen Gebürg nahe bey S. Beal aus dem Viſchoffthum S.Bertrand, 
item aus Tlandern/von Namur und Dinant ihm jugeführet wird / fo 
hat es hingegen um Paris dreyerley Arten von Stein⸗Gruben oder 
Carrieres,alö diezu Cligvart , Bonbanc, und Liais, welche alle ſonder⸗ 
x fich die letztere gute und harte Bausfleinegeben / und faft dem Mar- 
mor gleihen. Kin mehres bon Gteinen/ vide unter dem Wort 
Marmor. 
Stein⸗Apfft / Apium ſaxatile ſeu Petræum. 
Stein⸗ Baldrian / Phu petraum,Valeriana faxatilis, 
Stein⸗Bein / Beinbruch / Bruchſtein / Beinwellen / Oſteocolla 
Oſteolithus. 
Stein⸗Bibinell / Tragoſelinum Petræum. > 
— Blum / Amaranıhvs luteus,Buphthalmum,Stoschas Citrina, 
—  Bocs»Peterlein/Pimpinells,Saxifraga, 
Steinbrech⸗Kraut / Saxifraga alba, foliis rotundis, Yon den run 
den Blättern und weiffen Blüntgen genannt / zermalmet den Stein 
und wird fonderlich das davon gebrandte Wafler bauffig denen Pa⸗ 
tienten berfchrieben. 
Steinbrech / rother Filipendula aenanthe,, Saxifragarubra, 
Stein ·Eppich / Apium Saxatile, Petrofelinum vererum, r 
Stieß⸗ 


— — — —— — — 


— — — — — — 


Ste 1229 


Sctain⸗Eſchen / Fraxinus. — 
— Farn / Ceterach, Polypodium,Filix petrea, Scolopendrion, 

— Flechten / Stein Leber⸗Kraut / Lichen faxatilis. 

—, SFeder oder Steinferlein / Adianchumrubrum Polytrichon 
Filicula. *F % 

Stein⸗Fenchel / Feniculum eiræum ferfaxatile, 

— Flachs / Feder⸗oder Schifferwelß / Steindacht / Alumen plu- 
mofum, vide Amianthus lapis. | ie 
— Schiffergruͤn / Chryfocolla nativa, Borax, terra 
viridis, Eu — 

Stein⸗Guͤntzel / Conſolida ſ. Conſolidago, Symphytum petræum. 

— Birſchen / Steinſaamen / Meerhirſchen / Milium folis, 
Lithoſpermum. | * 

Steinhuhn / Lagopu⸗ 

— Kirſchen / Grana alkekengi, E 

— . Klee / Melilotus. 


Stein⸗Kohlen / Lateiniſch Anthraces.Carbones,Petrx vel fosfıles,, 
feynd eine aus Erd⸗Hartz undSchieferftein beftehende Harte Subftang/ 
welche nad) einiger Meynung ein Satz oder Mutter des Stein-Deld 

oder Olei petræ iſt / fo daher faſt probabel feheinet / weil man ein der⸗ 
gleichen Oel davon übertreiben Fan / welches dem gemeinen Petrolio 
der Stein-Del in allem gleich ift/ auch mit denfelbeneineriey Tugen« 
den hat; ſie kommen mehrentheild aus Engeland und Schottland/ 
mofelbft man dabey Fochet/und bie Stuben damit hitzet: fie geben aber 
einen fehr böfen und corrofiven Rauch von ſich / welcher der Bruft und 
ungen fehr gefaͤhrlich / und ohne Zweifel Urſach daran iſt / daß (wie ein 
gewiſſer — meldet / der dritte Theil der Einwohner zu Lon⸗ 
den an der Schwind⸗ und en fierber. Man Ändetaber auch 
dergleichen Stein⸗ Kohlen in Teutſchland / ſonderlich in Ober-und 
Nieder⸗Sachſen. · Nach den Seeſtaͤdten werden fie bey ganhen 
Schiffs⸗Ladungen boll von Engeland und Schottland gebracht/ da fie 
dann eine gar angenehme Waare vor die Schmiede feyn / welche die» 
‚Felbe bey gangen Laften und Tonnen zu ihrem Gebrauch auffauffen/ 
auch anetlichen Orten (gleich wie in Lübeck) das Vorkauff⸗Recht dar⸗ 
an haben / daß in denerften drey Tagen Fein anderer Bürger alöfle 
folche Steinkohlen Fauffen darff / es waͤre dann / daß das Handwerck 
der Schmiede ſchon damit verſehen wären/ und folche wicht nöhttg haͤt⸗ 
ten. Denböfen Geruch der Gteinkohlen zu temperiren / und auch 
die Kohlen ſelbſt zu menagiren / fonehmen diefütticher und Brabän- 
der eine Parthey Steinkohlen/ offen zu groͤblichen Pulver / ber⸗ 


1 


miſchen 


x n 
130 | Ste | 
miſchen folches hernach mit Leim oder Thon / und bearbeitenes eben 
als wie den Mörteloder Kalch den die Maurleute brauchen / machen 
hernach aus der Mafla Heine Kuchen, wie ein zimlicher- Leib⸗Brod / laf- 
fen folchen im Sommeran der Sonnen wohl austrodnen / und legen 
des Minters einen folchen Kuchen im Ofen oder Camin / daer dann 
eine tveffliche und langthaͤhreude Hitze von ich giebet / bey welcher bie 
Braten ſich wohl braten laffen / wie dann alle die Steinkohlen beffer 
ald die Holtz-Kohlen hitzen. Die Englifchen von Neu⸗Caſtle oder 
Neuf-Chaftel kommende Steinkohlen werden beſſer als die Schotti= 
ſche gehalten/ wiewol diefe leichter ſeynd und deswegen auch / wann 
man gute Kohlen heraus bringen will / mit den Engliſchen vermenget 
werden. Die ee teinfohlen ſeynd zwar auch gut / man. 
muß aber derfelben mehr als der Englifchen Haben / (ie halten ſich aud) 
nicht fogut in dem Feuer als die Englifchen ; die beften ſolcher Frans 
görifchen Stein-Rohlen fommen von Saindt Eflienne en Forelt, die 
Auvergnifche feynd faſt noch beffer / und fommen bey nah den Englis 
ſchen gleich / die don 8. Dizier ſeynd die ſchlechteſten bon allen. 
Stein⸗Kraut / Calcofraga, Empetron. 
Leberkraut / Steinflechten / Lichen Epaticus, Hepatica 
Saxatilis. | ’ I 
Linden / Tiliamas, Macholebum Matıh, 
Marck / Marga, medulla Saxorum vel lapidum, 
Muͤntz / Calamintha montana, 
Oel/Petroleum, oleum petr«. 
Pech) Pixarida, pix concreta, 
Pereelsin/ Pimpinella, petrofelinum faxatile, 
pfeffer / Vermicularis minor. j 
Poley/ Clinipodium fecundum, 
Rauten/ Ruta muraria, adianthumalbum, 
Saltz / Sal gemmæ, vide Saltz. 
Saamen / Miſium ſolis, lithoſpermum. 
Schlangen / Holofleum petræum. 
Spargen/ Aſparagus petræus, Myacantha. 
Veigel / Flores Cheiri Petræi, Viola faxatilis. | 
| Weiden / Mundweiden / Beinholtz / Hartriegel / Li- 
‚guftrum, | | | 
Steinwicken / Lotus campellris, 
— Wolffsmildy/Efulaarborefcens, Petrophyes. 
— Wurtz / Tropfwurtz / Suͤßwurtz / Engelſuͤß / bolypodium 
Stein⸗Zungen / iſt ein Stein/ der einer Zungen gleich ſiehet / und 
wird häuffig in den Alaun · Bergwercken gefunden/ die Paturkimdte 
ger fchreiben/ daß er den Gifft und dev Bezauberung mvpehe. 
| cel 


TITEL 


* 


⸗ 


Ste 1232 

Stellaria, vide Alchymilla. 

Stendeltwurtz/ Satyrion orchis, digitus veneris, Palma Chrifti. 

. Srentrophonicon, Sprach⸗Rohr / vide Infrumenta. 

Stephans-Rörner/ oder femen Staphifagrix , fonften aud) Sta. 
pbifander genannt/feynd rauhe und ſchwartz⸗graue Körner / muͤſſen 
recht zeitig und dickkoͤrnig feyn/ auch keine Unreinigkeit bey ich Haben, 

Sterckkraut / Antirrhinum, Pfeudoftruthium, 

Stercus, Koht / worunter auch den Urin oder Harn mit zu zehlen/ 
weil beybe in denen Oflicinen in Gebrauch kommen / und zwar findet 
(ich daſelbſt Stercus Anferinum, Afıininum, A rugnum , Bovillum, 
Capinum oder album græcum, Hunds⸗Koht / Caprillum Beiffes 
Koht / Ciconiæ, Columbinum, Eqvinum, Gallinaceum, Humanum, 
Lupinum Muris,Mufcerda Mãuſe-Koht / Ovillum, Stercus Paflerculä 
Sperling3 « Roth / Pavonum , Pfauen /Suillum ‚welche alle einen 
flũchtigen / ſtinekenden / verbrenniichen Spiritum, den man einen ſtin⸗ 
enden Schwefel nennet / item ein Saltz / wodurch Die Aecker frucht⸗ 
bar gemachet werden / bey ſich haben: der Vogel⸗Koht / weil ſolcher 
von Ratur hitzig / iſt gar ſalpetricht / dahero führen ſie mit ſich eine 
groſſe Krafft zu reſolviren / ineidiren / aitenuiren/ zu eroͤffnen / und zu 
abftergiven/2c. Der Thiere Koht hat eine Schmerken-ftillende 
kuͤhlende refolvivende Krafft/ Auffer-und innerlich. Die bornehmfte 
bereitete Stüce davon feynd: (1.)dasdefiillirte Mafler/ (2.) das 
deſtillirte Del7 und (z.) dad Saltz / wiewol man auſſer dem Waſſer 
von Kuͤh⸗ Koht / welches man in denen Apotecken agvam omnium Ho. 
rumnennet/ fonft Fein anders gebrauchet, | | 
In dem Harn oder Urin/ welcher — das don Ohymo und Ges 
blüht durchgefeihete iſt und welder aus Sal und einer fetmi ten 
Erde/ welche beyde mit einer phlegmatifchen Feuchtigkeit — *— 
ſeyn / beſtehet / ſtecken ebenfalls herrliche Tugenden / ſonderlich ig 
Urina Humana, Caprina, Leporina und Ovilla, alſo dag man flüchti⸗ 
ge und fireSalia daraus præpariret. | 

Sterling/ Pfund und Schilling / vide Englifche Waaren. 

Sterndiftel/ Carduus ſtellatus, 

— TKraut / Herba paris, after acutus. 

— Seberkraut / Waldmaͤnnlein / Waldmeiſter / Epatiea 
ſlella 

Sternſchoß / Mucilago, Stellaria. 

Stern oder Sonnenſtein / vide Aflroites. 

‚Sternutatorium, Ptarmicum, das ein Riefen berurfachet, 
‚ Sternatamentum, Rießpulber / wird aus unterfchiedlichen Rräu« 
tern und Blumen ſtatt des Tr berfertiget:;. E. R. for, 
2-- N 


Rof, 


272 Ste St 
Rof, rubr.cheyri, tunic. ana3. Qyint, anthor. lavend. ſtæchad. arab, 
apaı, Quint, rad, ireos florene. cyper, ana i. Loht / lign. Rhod, aloes 
ana 4. Qvent, Benzoin 2. Qyint. incif, contuf. gros. mod, fiat Pulvis 
adde Mofch. 1. ferupl, Zibeth, Gr. xij. balfam. apoplect. 1. Quint, 
Ol,lign.rhod,y. Gr. 
- Stibium oder Stimi, Spießglas. | 
Stichelgras / Gramen aculeatum, ea 
Stid’wurs/ Bryonia, vitis nigra. re 
Stieffmuͤtterlein / Jacea, Herba Trinitatis, Ri 
- Stimulantia, anreitzende Arheney-Mittel/ ald aqvavitz, gemwürte 
rar ee ua and alle Speifen/ die einen guten Chy- 
lum geden. 


Stinci marini, (Ind Heine bierfüßige Thlerlein / welche unſern Ey» 
deren faft ähnlich fehen/ halten (ich im Waſſer und auf dem Lande auf/ 
kommen über Venedig. Wann (le ſchoͤn hart / weiß und keinen Geruch 
haben / ſo ſeynd ſie gut ſie müſſen allezeit in Wermuht erhalten werden, 

Stinck ender Äsſand / Teufelsdreck / Alſa fatida, 

— Baum / Anagyris. 
— Chamillen / Cotula, ſœtida, Chamomilla ſœtida. 

Stinckende Hure / Garaſmus. 

— Veſſel / Urtica mortua. | 

— perterlein / Petroſelinum Caninum, apium Caninum; 
— Kauchaͤpffel / Solanum fpinofum ſœtidum. 
— Schaffentheu / im Waſſer kriechend / Equiſetum agvaticum, 

— Wuoͤtterich / Schitlings⸗Kraut / Conion, Conium & Ci- 
cuta. | 

Stint/Apuaphaleriea item Aphya lacuftris, in Holland Spiring 

oder Spring — iſt ein ſchlechter übelriechender Fiſch / wann er 
nicht bald verſpeiſet wird / dannenhero ed mehrentheils der armen 
Leute ihre Koſt. 

Stipes, iſt der Theil eines Gewaͤchs / der zwiſchen den Aeſten und der 
Wurzzel ſtehet / und eben das bedeut mas Caulis. 

Stipuligen/ mit Hand und Mund verſprechen / dablenige was ab> 
geredet worden/fteiffund feft zu halten. 

Stockfiſche / kommen aus Vorwegen / — ſie ge en/ an ber 
Lufft getrocknet / und bey groflen Paden nach Teutſchland verſandt 
werden / iſt eingar nüglicher Fiſch in die Haushaltung / ſondetlich zur 

aften-Zeit an Catholiſchen HRften / dahin auch groſſer Handel mit ge⸗ 
icht. Die Stockfiſche / welche mittelmaͤßiger Groͤſſe feyn/ hat man 
am liebften/ ie werben bey ioo. Pfund verkaufft. Der or 7 


- — — — — — m 


ir 


: Sto Stö | 1233 


ſchicht bey den Bergfahrern in Hamburg / Brehmen und Luͤbeck / oder 
auch in Copenhagen bey der DänifhenO&troyrten pländifchen und 
Norwegifchen Compagnie. Es ſeynd aber der Stockfiſche zweyerley 
Arten / die erſte ſeynd Callarie mindres, die fo genannten Schellfiſche / 
& Bacchidie Cabliau. Varro lib. IV. de L.L ſtehet in der Mey» 
nung / der felgame Nahme Onos, Onifcus, oder Afellus maris, Meere 
Gfel fey diefen Zifchen darum zugeleget worden/ weil fie mit den Eſeln 
eineriey Farbe hätten ; andere deriviren ed von ihrer Trägheit her/ 
weil fie lange Zeit in der Tieffe des Meers liegen / und (ich fonderlich 
im Sommerin Sande verſtecken / daß man jle alddann nicht fangen 
tan. Daß aber Plinius die groſſe Art Bacchos nennet/ foll nad) Jon- 
ftonii Meynung daher rühren / weilfie entweder dem Baccho feynb 
gewidmet geweſen / oder weil der Bauch an ihnen dick iſt. Die Frau⸗ 
doſen heiffen fie Merlus gvafı Maris lucios oder Meer⸗Hechte / weil ſie 
eben fo freßlg als die Hechte feyn/ und allerhand Art Fifche verſchlin⸗ 


A. 

Die Zubereitung eines guten Scockfifches kommt nn anf 
folgende Puncten an: (1.) Daß man ſich einer guten Art Stockfiſches 
befleift e / ſintemahl der von Natur harte Feines guten Zurichtend 
wehri ift. (2.) Daß er nicht mit einen Beil oder Art / fondern mit ei⸗ 
nen hölgern Hammer geklopffet werde, (3.) Daß man ihn unter laufe 
fendes Roͤhr⸗Waſſer eine Nachtlege/ und alſo weichen. (4.)Langfam 
aufkochen laſſe / wiewol nicht zu lange / auch mit einer Kelle und nicht 
‚mit bloſſen Haͤnden anrühre, (5.) Daß man ihn im Kochen nicht ſal⸗ 
tze / weil ihn die Butter ralg genug madet. (6.) Daß man ihn nad) 
dem Abkochen wohl ablecken laffe/ ehe man die Butter darauf gieflet. 

Stoschas Arabica, Yrabifche Stoͤchas⸗Blum / diefed Gewaͤchs wird 
duͤrr / als wie andere fremde Blumen und Kraͤuter zu und gebracht / 
es wird in Frandreich um Montpelier und Marſilien / wie auch in une 
terfchiedlichen Inſuln / weldyevon wegen der Menge diefed Gewaͤchs 
Stoechades genennet werden/gebauet. Dasbefteund edelfte kommt 
aus Arabien über Alexandria / welches / wann es noch in gangenDoften 
und Knoͤpffen ift/ und feinen bolfoumenen Geruch und Farbe hat / 
lang Fan aufbehalten werden. Das frifche/ wohlriechende / bitter» 
lichie / und welches faft wie ein Campherriechet/ iſt das deſte. 


Stoechas Citrina, Rhein-Blumen/ haben den Rahmen vom Rhein / 
weil ſelbige am meiſten am Rheinſtrom zwiſchen Speyer und Woruis 
wachfen / iſt eine daurhaffte Blume / welche / wann (te einmahl gelb 
worden / ſtets und unverderblich alfo bleibet, Es wird auch ein Ges 
ſchlecht diefer gelben Blumen in Itallen gefunden/ welches fubtiler als 
unfere Teutfche Art / auch einen er lieblichern Geruch bon * 

| 3 | gibt, 





1224 Sto BE 
gibt Die um Rimes und Montpelter in Franckreich gefunden were 
en/ feynd grau und eines Schuhes hoch / haben aber keinen Gerud ; 
ſie heiſſen fe alldarCryfocomas, Der Stödad-Blumen ihre Wir⸗ 
dung ift/ daß ſie warmen und trocknen / den Schweiß treiben / und in 

Derftopffung der Leber dienen ; etliche tragen folche als ein Amule- 
tum anı Peib/ die Würmer dadurch aus dem Leibe zu treiben. 

Stöhr/ Accipenfer, Agvipenfer, Stora, Sturio Stut / Sturlein / 
vide Cabiar, item Fiſche. 

Stolser Heinrich / BHonus Henricus. 

Stomachia, Magenſtaͤrckende Artzeney⸗Mittel / als 7 ſtomacha · 
lis, V anhalt, mattich, Spirit, anilı Cinamomi, V borragin. Elix. ci- 
€rin, Elix,Vit, Matth. R,Corall, angelic,caryophill, rorismar. Mc- 
If, Cubeb. rofar, &c. 

Stopsloch / Durchwachs / Bruchwurtz / Nabelkraut / Her- 
niaria & Perfoliata. j 
Stctopffwachs / Bienhartz / Vorftoß/ Propdlis, Cera Virginea. 

Storax & Styrax, iſt zweyerley Art/Ligvida & Calamita, dieſer leh⸗ 
tere iſt allenthalben vor andere Hartzen wohl bekannt / kommt bon ei⸗ 
nem Baum / welcher / wann er verwundet wird / dieſes Hartz ia 
Oranis , bisweilen auch wohl unrein / hervor bringet / welches 
dann die Einwohner (mann jledie Grana, die fehr ſchoͤn fallen / nicht 
aparte ſammlen wollen) alled unter einander miengen / und in —— 
Stůcke preſſen / auch offt erſt noch den beſten Safft als einen koöſtlichen 
Balſam davon drüͤcken / und uns dei nur halbkraͤfftigen Storar / der 

ang hölgeru und trocken iſt / intheuren Preis heraus fenden; derbe: 
fe ift vor diefem in Röhrlein aus Cypern — worden / weil die⸗ 
es Gummi nicht an allen Orten —53— ob ſchon der Baum vieler Or⸗ 
ten zu finden iſt / in Sicilien / Apulien und Franckreich iſt er auch anzu⸗ 
treffen / ſonderlich fällt in Weſt⸗Indien ſchoͤner Storar; in Oſt⸗In⸗ 
dien auf der Juſul Ceylon finden ſich zwar auch dergleichen Baͤume / ſie 
geben aber nicht alle Gummi. Der beſte muß mit fhönen faft lau⸗ 
tern und klaren Granis, roͤhtlich / mit etwas Weiß untermengt feyn / 
und einen dauerhafften lieblichen Geruch Haben. 

Storax ligvida, kommt eben von demfelben Baum / wird aus deſſen 
Rinden und Blättern gefotten / und zu einem fettichten/ zehen/ brau⸗ 
nen Bummi/ welches ftetig weich bleibet/ und doch fett ift/eingefotten/ 
und in Faͤßlein heraus geſchickt. Er haͤlt ſich am beften / wann oben 
auf Waſſer — wird; das / was im Sieden bon Riuden und 

- Holt zurück bleibet/ wollen einige ber Cort, Thymiamatis behaupten / 
welches auch wol zu glauben/ vide Gummi Storax. 

Stordy/ Storckenbrod / Ciconiacolshicnm , Ephemerum no- 
Rıas, | Storch · 


Stv Str 1235 

Storchſchnabel / Geranium,roftrum eiconiz. | 

Stoßnägelein/ Fulli, Fufticaryophyliorum, 

Strasburger Salbe / unguentum £gyptiacum, 

Stramen camelorum, Schoenanthum, Cameels ⸗ Stroh oder Heu. 

Stramonia, Stechaͤpffel / dies Gewaͤchs iſt zweyerley / groß und 
klein / das erſte heiſt man Stramonin, Stramonia Pomum vel fola- 
num fpinofum, daßander wird Igelkolben / Stachelnuß /-folanum 
fomniferum, nux metella genannt; beyde Arten feynd anfangs aus 
Drient Ara mensch aber werden (le hin und wieder in unter» 
ſchiedlichen Bärtengefäet. Dad ganze Gewaͤchs / fonderlich aber 
Die Aepffel und der Saamen / haben eine Schlaff-bringende und 
dumm-machende Eigenfhafft an fich/ ihnen widerftehet aber der The: 
riac / Bolus, Armena und fühle Mandel-Del 

Stratificatio, ftratificiren / iſt eine Chymifche Arbeit / dienet zum 
cementiven/ und geſchlehet warn man einen Theil eines Pulbers 
oder einer corrofivifchen Materia auf dem Boden des Tiegels thut/ 
und daroufein Theilder Materia, Die man will corrodiren/ zerbeiſſen 
oder auch öffnen laffen darauf leget/ Hierauf wieder bon den corrofivi- 
fen Pulver / hernad) von der Materia , und alfo fortfähret ſtratum 
ſauper ftratum Schicht auf Schicht / oder ein Bett aufdas andere zu 
machen / bis man endlich mit den corrohvifchen Pulver aufhöret / wie 
man damit hat angefangen. | | 

Stratiotes, millefolium, | 

StesuffenssEyer / Struthionum ova , werben mehres vor eine 
Rarität ald zum Nutzen in denen Material Kammern gefunden. Vide 
ihre ausführliche Befchreibung unter dem Wort Eyer. 

Strauſſen· Federn / Amaranthus criſtatus. 

Straͤußlein / Baflicus Regius. 

Strazza, Brovillard, Kladde / Cladde oder Klitter⸗Buch / in mel» 
ches man auf dem Contoir, Magazyn , oder in dem Kram / pro me · 
moria einfchreibt/ was gehandelt wird. Vide Buchhalren. 

Streibelwurs/SSqvamata, | 

Streichblum / Buphtbalmum, oeulus Bovis, : 

— Eiſen / Bügel-Fifen/ werden viel von Mefing tn Nürnberg 
gemacht / und nach dem guͤlden Werd auch wol Stuͤckweiß verfaufft. 

Streiffwurtz / Miängelwurg / Grindwurtz / Lapathu 
acutum, 

Streimicht Gras / Gramenflriatum Hiſpanieum. | 

Streit oder Beerwinck / Sinngruͤn / Ingruͤn / Vinca per vinca. 

Strengwurg/ Abſtrantz / Meiſterwurtz / Magiſtrantz / Iıg- 
peratoria 7 Hit a ' Streu⸗ 


1236 Str 
Streubenwurtz / Schuppenwurtz / Dentaria major. 
Streumehl / Nihilum album, Pomphölyx, 


Streuſand / aus geraſpelt Elffenbein / wird in Nürnberg nach den 
Maetgzen verkaufft / und haͤuffig an andere Orten verführet. 


Strohbuͤckling / ſeynd Die geraͤucherte Hering / welche in gefloch⸗ 
ten Stroh eingepacket / und hernach Strohbund⸗weiß verkauffet wer⸗ 
den; es kommen derer ſehr biel jaͤhrlich aus Holland nad) Hamburg. 
Vide Hering. | 

Strobeldorn/ Carduusfcolymus,Articoca, Cinara, 

Strumaria, Bardana minor, 

Scttuͤmpffe / Srangöjif. des Bas, feynd unterfchieblicher Arten / fo 
wolihrer Form ald Materia nad) ; fie beftehen entweder in Manns/ 
Fraueas oder Kinder item in gewaldten und ungewaldten / gefärb- 
ten und ungefärbten/ AWinter-und Sonmmer-Strümpffen/ von melir- - 
ten oder einfachen Couleuren / bon zwey und mehr Drat / duplirter 
Wolle / in geftrichten/ gewebten und bon Tuch / Leder oder Leinen zu⸗ 
geſchnittenen Strümpffen. _ Bor diefem / che nod die Strümpff- 
Manufadturenin Teutfchland hin und wieder fo häufig eingeführet 
worden/ waren die Hamburger drey und Hier Drat / item die Engli⸗ 
fche und Frantzoͤſiſche WolemStrümpffe in Teutſchland fehr gebraͤuch - 
lich / wie ich dannin Hamburg etliche Hundert Familien durch die 
' Gtrumpff-Manufaäturen/ und eben.fo biel Kauffleute/ / durch das 
Faͤrben und Zubereiten der rohen aus Engeland verfchriebenen 
Strũmpffe / und durch den nad) den Leipziger und Frandfurter Mef- 
fen damit getriebenen Handel auf guten Su geſeſſet. Nach diefem 
ſeynd auch die Lüneburger und Femeriſche / item die in Islaud derfer» 
tigte Struͤmpffe ſehr bekannt geworden / bis eudlich mit Ankunfft der 
Frantzoſen faſt in jeder Probintz Teutſchlands dieſe Manufaktur zu dies 
ler tauſend Menſchen Unterhalt / hoͤchſt ruͤhmlich eingeführt worden / 
und thut darinn / wie wir ſchon anderwerts gemeldet / dad neu· erfun⸗ 
dene Struͤmpffweben feinen — weil das Wollſpinnen eben ſowol 
zu dieſen / als zu den Geſtrickten erfordert wird; was man auch weni⸗ 
ger an Strickerinnen ſgebraucht / das hat man hingegen wieder an 
Webern / und denen/ die die Struͤmpffe zuſammen nähen/ item an de: 
hen daraus entfprungenen andern Manufadturen / ald an geftrichten 
Hoſen / Futterhemden und Handſchuen. Ermeldte Futterhemde 
werden meiftentheild mit allerhand artlichen Figuren ausgezieret/ 
auch nad) Art der taliänifchen feidenen Camiſolen / mit Gold oder 
Geidengeftidt. In Paris findet fich eine'gange Zunfft Strümpff⸗ 
machers / welche aus Tuch Strümpfe fchneiden / und felbige zierlich 
auszunähen wiſſen. In dem Saltzburger Lande werden die foge- 
> N -  sannte 


— — 


Ste Stäü 1237 
naunte Baummollene/ item auch von Zwirn geſtrickte Strümpfe / in 
geoiier Quantitätgemadit/ und haͤuffig hin und wieder — 
ie Mode in den Strümpffen verändert ſich faſt jaͤhrlich. Heutiges 
Tags macht man felbige weit länger ald vor diefem / che man folde\ 
noch an den Knien aufzurollen gewohnt war. Minterd-Zeit fennd 
die gantz und halb gewalckten in guten Abgang / unter welchen die fei⸗ 
neften Caftor-Strümpffe genennet werden. Des Sommers haben 
ei — oder a. draͤtiger Wolle geſtrickte oder gewebte Strümpffe 
en Vorzug. F 
Die Couleuren werden gemeiniglich mit dem Tuch übereinkommend 
gegeben ; Wer in der Trauer iſt / gebraucht ſich ſchwartzer ungepreſter 
Strümpfe. Anden Hamburger geſtrickten Strümpffen nt un⸗ 
ten an der Sohlen ein Zeichen eingeſtrickt zu ſeyn / von wie viel Drat 
die darzu genommene Wolle zuſammen gedrehet worden. Sieder 
daß der Strumpff- Handel in Teutſchland zugenommen / hat man da⸗ 
ſelbſt auch die Hohen Couleuren als Nacra und Carmoiſin zu faͤrben 
angefangen. Zu beyderley Battungen der Steümpffe/fomwol derges 
ſtrickten ald gewebten/ will die Wolle wohl gefponnen/ oder dev Faden 
wohl —— ſeyn. In ſchwarten Strümpffen hat man ſich wohl 
vorzuſehen / daß ſie recht ſchwartz gefärbt/nicht in derFarbe verbrannt/ 
oder verlegen ſeyn / welches man mercken kan / wann man ſie über die 
Spitze des Fingers ziehet / da ſich die Wolle und Maſchen bald bon ein⸗ 
ander geben / und die Loͤcher an Tage legen. 
Strupff⸗Lattich / Lapathum acutum, Rumex. 
Struthium, Imperatoria, faponaria, | ö 
Stuceodor-Arbeit / Albarium vel Marmoratum opus , wird ges 
macht von weiflen geriebenen Marmor / der wohl burchgefiebet; wor⸗ 
den / und von Kalck. Vide Byps/ item Ma/aiſche Arbeit, 
Scuͤcke / Canonen / Tormenta, Franhoͤſiſch Canons ſeynd von Ei⸗ 
fen und Metall / auch wohl von: Leder / wie dergleichen / die Schweden 
in den zo. Jaͤhrigen Krieg / unter andern auch gefuͤhret / die Eiſern 
Stüůck kommen mehrentheils aus Schweden und Normegen / wiewohl 
auch hin und wieder ihrer viel in Teutfchland wo groffe Eiſen Berg» 
werck ſeynd /gegoflen und hernachmahls nachSchiffpfunden oder nad) 
Centnern / auch wohl nad) dem Geſicht Stückweiß verkauft werden / 
weil aber ein Eiſern Stüd niemahld fo vein in Guß und Bohren/ 
als ein Metallenes füllt / auch das Cifen viel fpröder / und leichter 
zerfprünglich als der Bronze, Kupffer oder Meping ift / als haben ſich 
ihrer viel bemühet/ ſolche Spröbdigfeit den Eiſen zu benehmen/und die 
Gifern Stüde) fo zaͤhe und tuchtig zum Gebrauch ald Die Metallene 


zu machen / bis dato abev Bergebeus / — dann auch noch Alrgrnne 
| Silis tine 


1238 - &tü 

Beine fonderliche Probe davon efehen worden / ob ſichs gleich manther 
Potentatein zumliches Foften laſſen / weßwegen dann auch die Metallene 
Ämmier den Dorzug behalten / diefe feynd nun entweder doppelte/ 
gange oder halbe Garthaunen / item doppelte, gantze und halbe Feld» 
GSchlangen/ Falconetten und Regiment-Stüde / hieher gehören auch | 
Die Orgel-Stüde/fo aus vielen neben einanderftehenden Aduffen befte- 
hen / davon die groͤſte oben angeſetzt / immer zu gleich denen Pfeiffen 


meiten Mündungverfehen. | 
Gieffung der Stücke ift infonderheit in acht zunehmen / wie die 
ormen und Modell derſelben zuzurichten / daß bet Guß wohl gera⸗ 
ihe / daß ſie nach diefen ſauber gebohret / und endlich gar voͤllig und 


chreitet / und zwar durch dreyerley Probier⸗ Schͤß / davon der erſte ge⸗ 
dicht mit halb fo ſchwer Pulver als die an wieget / und dieſes iſt 
der Schuß der Kugel / der andere mit drey viertel Kugel ſchweren Pul⸗ 
Her/und dieſes iſt derSchuß des Yulbers/der drittemit ganher Kugel 
Schwere / und dieſes iſt dee Schuß des Meiſters. 
Die Länge da Stuͤck theilet man in ſieben gleiche Theile / alfo daß 
— und 4. vorn kommen / fo wird das Stüd auf feinen Zapffen 
aag recht liegen. | 
Gin mehres davon zu wiſſen / wird unfern' Kauffmann nicht nöthig/ 
weil wann ihm ja Commiflion von einen Auslindifchen Potentaten 
> follte zugefondt werben / egliche Stüden/ oder eine gantze kleine Feld⸗ 
Artiglerie gieſſen zu (offen / entweder der Riß darzu geſchickt wird / 
dach welchen ich die Stüdengiefler ſchon zurichten wiffen / daß det 
uffmannnicht mehr als den Preiß mie hoch das Pfund oder der 
- Eentuer anden gegoffenenStüd foll bezahlet werden/ mit ihnen zu ber 
Bingen hat/oder es finden ſich auch ſchon —— Bediente deſſelbi⸗ 
gen Orts die gegen eine Recompenie, die Befteflung und Probierung 
ſolcher Stcke auf jich nehmen / und den Kauffmann alſo aller fernern 
Muͤh überheben. 
nack von Achten / eine Spaniſche Silber⸗Müuͤnhe faſt auf den 
Fuß eines Keichöthalers geſchiagen / und darum Stuͤck von Achten 
fonft auch Pefos genannt/ weil e$ 3. Real inGilber hätt / die aber feiter 
Anno 1636, auf 10. Real geſehet worden / ſie fommen unter den Waaten 
in der Kauffmannſchafft darum bor/weil man vielfältig nach den Ge⸗ 
wicht an ftatt des Silbers einkaufft / da dann . Stuͤck fuͤri. Pfund ge⸗ 
rechnet / und alsdann 453. — as. bis 483: ß. weniger oder mehr pr. 
Stick in Banso bezahlet werden/ dieſem nach fragt ſichs in der * 
— rech⸗ 


Stü 1239 


rechnung / wann zum Srempelsoo. Stüd bon Achten mägen ss. Mar 
3: Lohd wie biel zahldere Süd (nemüid 17. aufı. Pfund gerechaet) 
darinnen ſtecken Facit 4364 . Peſos. 
ss. Marck 1ĩ. Loht. 
mit 16. zu Loht. 
— 348 
| ss 
koht Süd 13. 
1. h. oder zu. —ı7. — su 


17 


6503 
929 
83 


$2) 158018 





493 54 Pel Pefos oder Stüd bon Achten. 


Itomiooo. Stüd — us: 13 Loht / wie viel Stüd * ſolche 
aufs Gewicht? 


2.Bgeben — 17008 — 116,8, nz Loht. 
ö 17 


‚gı2 
116 
12.7, 


2) _ 
Faciĩt act vä 
Item einige Stück von Achten thun aufs Gewicht ar52. Stuͤck / 
fragtſichs / wieviel folche gewogen? Facit 49. * 23 


23. Lot. 
.Stüd — . Marck — Aug I 
— — 35 
17) 3462 43 2: (: 
Facit 49.9. 123; Loht. 


Itern einer Kauft 2000. Stüd bon Achten aufs Geroicht / wägenbe 
231. 8.73. Lodt / das GStüda 475. ß. was Er 


Facit 5340. D. 15. j. 623 


Gin mehrers von diefer Muͤntz⸗Sort / vide unter dem Hort Span 
ſche Waaren. Stuͤ 


1340 Stu Sub RE 
Stuůͤck ·Guͤter / nennet man inCargafonen oder Schiffs⸗Ladungen / 
diejenige Faͤſſer Paden und Ballen / in welchen allerhand feine Waa⸗ 
ren elngepackt ſeyn / und die nicht bey Laſten / Scheffeln oder Tonnen / 
leichwie Salt oder Korn eingeladen / und von jedermann koͤnnen ges 
ſehen werben. 
Studenten-Confedt, werben Mandeln und Roſinen genannt/ 
| — ſolchen die Gewuͤrtz⸗Kraͤmers ſonderlich guten Abgang 
a en. i 
Studenten · Gut / unter ſolchen werben nicht allein ihre Bücher 
ſondern aud) ihre übrige Hardes, das iſt Kleider und Leinen«Zeu 
Muficalifheund Mathematifche Iäftrumenta und was etwann fon 
ein Studiofus feiner Nothdurfit halber bey ſich zu führen pfleget/ver» 
ftanden./ alfo daß ſolche Güter / Kiften und Packen / wann fie nur ge» 
bührender Maffen mit dein Mort Studenten⸗Gut bezffthnet / ale 
fenthalben vermoͤge Käyferlichen Privilegii, iu Teutſch nd Zollfrey 
pasſiren. | | * 
Studenten⸗RXraut / iſt eine Art ber Linarix, und wird HerbaStu- 
dioforum genannt, 
Srecuffe / wird in Bergwerden (1) genannt ein Hand⸗Stein ober 
Stuͤck⸗Erh / (2.) einZeichen oder Merckmahl / als Marckſcheide / Ge⸗ 
ding und Hbartal⸗Stuftt. SD 
Stähle zum Sitzen / feynd entweder bon Rußbaum / Eichen / oder 
andern Holhe / mit Sammet oder Tuch / gemürdten und genehten Sei⸗ 
den oder WollenStoff / verguldenesLeder / Juchten / Corduwan / oder 
Reinen überzogen / mit oder ohne Handlehnen / dieſe Arten wie ſie ins⸗ 
efamt bekandt / und auch unſer Teutſchland ſo viel Stuͤhlmachers 
* welche an kuͤnſtlicher Bildhauer Arbeit / und denen Stühlen ſelbſt 
“eine zierliche Facon zugeben / nichts an ich ermangeln laffen / als ift 
auch diefes ein thörigter Wahn / wann ſich jemand einbilden wollte / 
dergleichen Mobilia fonten nirgends beſſer als in Franckreich gema⸗ 
chet werben. - | 
S:upefaciens,ift eben fo biel aldNarcotieum,ein erſtarrend machen · 
des Mittel, | | 
Stymmaiftdasgrobe Weſen der Blumen und Kräuter welches zu 
rück bleibet / wann man ſie (nachdem ie in Del macerivet worden) 
ausdruͤcket / man nennet auch die Sachen alſo welche denen Salben ih⸗ 
re rechte Confilteng geben. 
Styrax arbor ift der Baum aus welchen der Stofazflieffet. 
Subhaftation , Subhafiven/ heift wann des Debitoris zum Concurs 
gelommene Guter und Waaren / gerichtlich an den — 
u 








u — — EEE — — 


Sub | 1241 


Baufft werden/ dabey dann denen jungen angehendenKauffleuten/ das 
ienige zu beobachten ſtehet / was wir unter dem’ Wort Audzion bemercket 
Daben / es dienet aber eigentlich die Subhaftation dazu/damit man heut 
oder morgen / warın wegen ſolcher Buter Anfpruch kommen follte / bes 
weiſen könne / daß ordentlich und denKechten Gemäß damit verfah⸗ 
zen / und die Waaren fo hoch ausgebracht worden alö (te haben gelten 
Zönnen, Damhoud, de Subhaft, c.s.n. 8. Ja ein Creditor, welcher 
feines Debitoris Güter in Händen befommen würde / (wann er gleich 
auch ein-gemonnenes Urtheil darauf hätte) des Diebſtalls & vibo- 
norum raptorum fönnen belanget werden / wann er folhe ihm zu 
erkannte Büter eigenmächtig taxirte und behielte/ und ſolche nicht zu 
öffentlichen AYusruff bringen wolte / Arg. 1. 6,8. 2. ff. de re judic. 
por allen können unmündiger Kinder: Güter, nicht ohne richterlichen 
Confens, und dann eine ordentliheSubhaftation berfauffet werden/ 
er l.23.C. de adminiftrat, tut, item Carpz. P. 2. dec, ı97. wie weit a⸗ 
er die Creditores welche ihres Debitoris Güter folder geftalt fubha- 
frivenlaffen/ denen Kaͤuffern zur Evidtiongehalten fenn/ folches fiehe in 
Her Strickens Tra&, de Cautelis Cont, Sedt. z, Cap.s. 8 so, item 
beyinCarpzovio in Proceflutit, 25. art.3. & ſeqq. woſelbſt die'Sub- 
haftatio unbemeglicher Güter in generalem & fpecialem eingetheifet/ 
und wie lang des Schuldners Recht fich erſtrecke / feine abgeiprochene 
Güter wieder einzulöfen/ ausführliche Me. ung gethan wird / eben 
diefer Author fehreibet auch in 4. Refp.1. daß bey Gütern / melde 
Fubhaftiret worden / die Klage wegen der Lxfion ultra dimidium 
nicht ſtatt habe / weil zu vermuthen/ daß das Gut welches öffentlich 
ausgeboten worben/ ein mehres als dafür gegeben/ nichi müflewerth 
gewefenfeyn. | 
“ Sublimat. vid..Mercurius, 
Sublimatio. — — eine Chymiſche Arbeit / in welcher das 
Feuer einen gantzen Coͤrper oder einige Theil davon / als eine trockene 
Exhalation in die Höhe treibet / dieſe gehen oben mit dem Glaſe zuſam⸗ 
men / in Geſtalt ſubtiler · Blumen / oder auch in einen haͤrtern und fe⸗ 
En Leib / welche Arbeit aber der Prcipitation gang zuwieder iſt / 

o werden auch durch folhe Arbeit etzliche Leiber gang ifublimiret/ 
gleichiwie der Schwefel und Mercurius , andre aber nur zum Theil/ 

als das Spieß⸗Glas / der wohlriechende Aland und dergleichen. 
subſtantz die einwohnefide Krafft und Weſen eined Dinges. 
Succinum album & Citfinum,ıtem Carabe, weiſſer / gelber Agſtein 
ober Bornftein/ wird biel in Pontmern und Preuſſen / guch an andern 
Drten am Ufer des Meers gefunden / und nach etzlicher Meynun 
von dem Wellen dahin geworffen / andere aber behaupten / ex flü 
\ aus 





% 


— 


1242 Ste 
aus den Bergen ald ein Leim ober Bitumen in das Meer / wofelbft er 
durch das Waſſer erhärtet werde / noch andere fagen/ es ſey eine tieffe 
Ader in der Erde welche aldein Hark (ich im Waſſer erhaͤrte / andere 
wollen es vor eine coagulirte Pingvedinem Maris ausgeben / fo aber 
feinen Stich hält / weil auch diel Bergftein aus der Erden gegraben 
wird. Heutigs Tags kommt der meifte Bernftein aus Preuffen / 
wofeibft nicht ohn Unterfcheid ein jeder ſolchen fuchen mag/ fondern er 
muß durch gewille hierzu beftelltefeute auffgefammlet und den Koͤnigli⸗ 
chen Bedienten eingeliefert werden / der weiſſe Bernftein ift am kraͤff⸗ 
tigſten / der gelbe am ſchoͤnſten und zu künſtlichen Sachen am taug⸗ 
kichften der kleine wird am meiften ald Rafura gebrauchet / man fan 
den Boͤrnſte in mit dem Gummi Arabico Copal und Eyer-Belb nach⸗ 
machen / allein diefer Betrug iſt leicht zu erkennen / weil ein folder 
nachgemachter Bernftein das Hein zerhadte Stroh (mie etwanu der 
Magnet dad Eifen) nicht nach ſich zichet / welchen jedoch der auffrich⸗ 
tige Bernfteinthut. Ju denen Gee-Gtädten als Dangig und Luͤbeck 
finden ſich viel Fünftliche Bernftein Drehers / welche allerhand Curio- 
BRrtaͤten / ald Meſſer-Haͤfft / Fleine Altarlein / Schalen und Buͤchslein / 
fonderlichaber viel Roſen⸗Krantze oder Paternofter und Halsgehaͤn⸗ 
e davon machen / undfelbige hernach Stick oder Pfundweiß an die 
Fraliäner in der Leipziger Mep verhandeln / weil in Italien ſon⸗ 
derlich aber in der Lombardey faft keine Weibs-Perfon zu finden/ 
welche nicht ein oder zwey Reyhen ſolches gedreheten Agftein um den 
Hals tragenfolte/ danıı weil fie dafelbft wegen des! bofen Waſſers 
den Flüffen und Kröpfien ſehr unterworften / halten ſie ſolches als ein 
gutes M:ttel darvor. In der Argney-Kunft wird dad Bornftei-Del 
oderOleum Succini ebenfalls hoch geachter und bor viele Krandheiten 
verfchrieben. Es gibt aud) eine Art des Succini nigri oder foililis, 
insgemein Gagates oder Bergwachs / fonft auch Lapis Thracicus ges 
nannt (weil er vor diefen in Thracien gefunden worden.) Heutigs 
Tags gräbt man folches hin und wieder in Europa / und wollen es et» 
liche vor eine Art Stein⸗Kohlen / weil viel hargiges davinnen ift/ und 
es wie Pech brennet / auch einen dicken Rauch von jich giebet/Halten/ 
eö auf ſchoͤn ſchwartz- glaͤntzend / und hart feyn / wann es gut 
ſeyn ſoll. 
Ein anders dergleichen Erd⸗Hartz Ampelitis genannt / iſt faſt dem bo⸗ 
rigen gleich / auſſer daß es nicht fo gerne brenner / auch nicht ſo ſtarck 
nach Harhz riechet / und fich leichter in Schieffern zertheilen laͤſt. 
Einige Betrüger nehmen um den Bernftein nachzutünfteln/ gepulber⸗ 
ten Ehryſtall und das Weiß don Ey/ichlagen es wohl untereinander/ 
thun ein wenig Waſſer mit Saffran vermengt dazu/ laffen es hernach 
über den Feuer abrauchen bis es feine gehörige Confifteng bekommt / 
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— — — — — — — — — — — — — — ——— — 
will man es durchſichtig haben / ſo ſeiht man es zuvor durch. Noch 
andere nehmen weichen Maſtix, ſeihen ihn ebenfalls erſtlich durch / da⸗ 
mit er rein werde / thun alsdann Curcuma Wurtzel dazu / und machen 
Daraus eine Geſtalt den Agtſteingleich / der beſte Weg aber iſt dieſer / 
man ſolvre die kleine Stüdlein oder Raſuram des Bernſteins / und 
coagulirs wieder zueiner Maſſam, allein wer das thin kan der mag 
wohl ein rechter Naturkundiger genennet werden. 


| Gelben Agſtein weiß zumachen. 
So nimm ı. Pfund gelben — thue ihn in einen ſtarcken irr denen 
Kolben / lege daruͤber Meer⸗Saltz oder wo du dieſes nicht haben kanſt 
Gtein-Galg e. Pfund / gieß darauf Regenwaſſer / damit Ih das Saul 
auffloͤſen koͤnne / wann es aufgeloͤſt / fo gieß friſch Fluß ⸗Waſſer darauf, 
laß es ſie den (und ſetze einen blinden Alembicum auf / damit das Waſ⸗ 
fer nicht ausrauche / du darffſt ihn aber nicht feſt zu leimen / laß es alſo 
14. Tag und Nacht rg der Agſtein durch Kochen weiß gemorden/ 
damit aber dad Wafler im Kochen nicht abnehme / ſo gieß zuweilen ein 
anders (ledendes darauf. * 
Fr denen Apotheden findet man bon dem Succino Agt oder Bern» 
ein folgende zubereiteteStüde / alö (1. den bereiteten Agıftein/ dies 
er wird wie jetzt gemeldt/aus den weiffen nach der Kunſt mit Waffer 
ereitet/ (2.) was Magiſterium oder Przcipitat,, (3.) das Phlegma 
welches man in der Deflillation. ſammlet / ſo aber gar ſelten geſchicht / 
(4.) weiß ———— undzwardagreätificirte und nicht redlificirte/ / 
item daß gelbe Dito, (s. )den Balfanı / welcher bereitet wird aus dem 
'Magifterio oder den harten Extracto, (2) aus dem Del/ (3.)aud dem _ 
Galk/ dieman den Mufcaten-Del einverleibt/auffer diefem hat man 
‚auch noch Balfamum Vitz Suceinatum ‚die Pilulen von Agftein/ 
Trochifcos de Carabe, Cryftall. ruf, und Sal volatile item ligvorem 
Cornu Cervi Suceinati , beflehe hierbon mit mehren Schröders volle 
Rändige Apotheck lib. 3, cap, 30. item bie Wörter Agſtein und Berne 
fein in dieſem Bud). n 
Succi Säffte deren ſeynd indenen Ofkicinen unterfchiebliche Arten 
zu finden als: Erſtlich 
Succi condenſati 8econcreti. dergleichen feynd Succus aloesCabal- 
lin, Epaticæ, Lotæ, Rofatz, Succotrinz,Vıolatz, Amyli albi, Amyli 
Cxrulei, Acaciæ Succ. Ambr& gryfex-liqvide-nigr& , Camphorz 
Ceræ albæ, Citrinæ rubræ, viridis, Coeru), Succ. Pidtor, Lacmus. 
Succ, Elaterii,S, Cucum, Afınini-Glycirrhize Commun-depurats, 
Hypociltidis, Mannz Calabrinæ, Mellis Virginei, Opii Thebaici ve- 
ri,Orlean,Scammoni, Spinæ Cervin, S, Gafftgrün / Sacchar, Canar, 
Opt, Canar.ff, Refinati f, Melis Opt. M£, Meliseom, M, Farin- Citrin- 
Comm, 


— 


n4_____ Sue Suf — 
eomm. Opt. alb. Thomæi, Sacchari Cant. alb. & rubr, Cant. alb. 
— Opt. vel Stert⸗ Zucker Penidii, Pfannen⸗Zucker / braun und 
weiſſer / tc | 

Die andere Art von Säfften die in den Apotheden zu finden feynd. 
Succi liqvidi, als SuccusBerberum, Citri, Cydoniorum, Granato+ 
rum,Ribiam Rofarum ‚Rubildei. \ | 
Die dritteArt werden Succi infpiflati genennet / diefe feynd Succus 


Abſinthii, Acetofx, Agrimoniz, Apii,Artemifiz, Betonicz, Bugloffz, 


Carduibenedidti,Chelidonii maj.Cichorii,Coehleariz,Ebuli,Endiviz, 
Euphraſiæ, Feniculi Fumariæ, Gran. &hermes ver, Hyofcyami rad, 
Lupuli , Marrubii, Matricarie , Nicotianz ‚Plantaginis, Yortulac® 
Pulegii, Rofarum, Rutx, Salviæ, Sambucci ebaccz,Solani, Trifolii, 
Alo&, Fibrini. 
Alterivende Säffte nennet man Succum acaciæ Schlehen-Safft Gly- 
eyrrhizx Süßholg-Gafft/ Hypociltid, opium, Mohn-Gafft / Manna, 
Eſels Kürbigfafft. . 
Wie alle dergleichen Säfte gemacht pnd conferviret werden / ſolches 
— in Schröders vollſtaͤndige Apotheck / lib. 2. cap. 82. zu 
erſehen. 

Sueciſa, jacæa nigra. morſus diaboli Teufſels Abbis. 

Sucsotrina iſt eine Art bon der Aloe, welche ſchoͤn ſchwartz / glaͤnhend 
und rein / auch leicht zerhbrechlich iſt / fiehe Aoe. on 

Suceulata inda ‚ Succulata,ift ein in zimlich grobe Plätlein ges 
brachte roͤthlicht / zerbrechliche / nicht riechende Marla, den Draden- 
Blut nicht ungleich / nur daß fie eine lichtere Farb hat. Kinige nen> 
nen jie auch Chucalate oder Chocalate, weldhe aus der Do (Ca- 
cao genannt) beveitet und haufig in Milch oder Waſſer gekocht/ 
an flatt des Thee oder Cofe warm eingetrunden wird / die meifte 
trincken es mehr aus Gewohnheit und zur Luft / ald ihre Geſundheit 
damit zu conferviren/ und wie wolten fonft die Lole und Thee-Häu> 
ſer beſtehen / wann ung nicht Indien in folche unnüge Waſſer » Debau- 
chen verleitete/ dadurch das teutſche Geld aus dem Land gezogen/und 
unnüges Zeug/ (deffen Kräffte fo vielfältige teutiche Kräuter weit ü⸗ 
bertreffen) wieder dagegen eingeführet wird. Ä 9 

Sudorifera Schweißtreibende Mittel / ſeynd diejenige welche dad 
Gebtüt fharff bewegen und zum Schweißbringen / aldSp.C.C. O 
volatil, CC. Sdiaphor. angelie.Saflafr, R.bezoard, Lap. Canc, Ebur 
uſt. C. C. uſt. Carduibened, Scorzener ‚Sarfaparilla flor Pris relin, 
lig, Sand, / 


 Suffimentum,Suffitus,Suffimigium a a 


/ 


x Sul Süf 1245. 


hierzu nim for rofar, fol, rofmar.Maflich, Benzocä 2,Qd,/Sucein, . 
"alb, ı, Qventien Zibeth, gr. jv. Ambragr, jj.£. pulv, grofl,S. Räuchers 
Pulver / vid.Trochifei. | | 
Sulphur,vide Schweffel. | 
Sumach / Berberfärber/ Schlingbaum/ Smack / Sumach 
feu Rhus,mächft in Spanien und Jtalien in groſſer Meng auf einen 
Bäumlein etwann 2. Eilen hodh/vide Smack. | 
Sumach fo man iſſet / Khus obfoniorum Rhus rubrum, 
Sumitases feynd die obern Spitzlein dev Kräuter / befonders der 
Kleinen Blättlein/zum Exempel: des Wermuths/ der Rauten / des 
Malorans. Bu 
Sunau, vide Alchymilla, | | 
Supplantalia ſeynd äufferliche Mittel / welche unter die Fuß · Soh⸗ 
len / die Hitze in hitzigen Kranckheiten und Fiebern zu daͤmpffen/ (alg 
Sauerteig mit Seuff / Saltz / Seifſe / Salpeter / ec. gemiſchet) auffge⸗ 
leget werden. 


Suppofitorium, Glans, ein Sipfchen/Gtußi-Zäpffgen/ iſt ein harte 
Compofition,don Honig undGalg rund und länglich gemacht / worun⸗ 
ter zuweilen purgierende Pulver / als Species heræ trochiic, alhand, 
Sal gemmz ‚&c, gemiſchet werben / welche dann mit Oel beſtrichen/ 
und in den intern geſtecktwerden / wann man fle aber nicht bald ap- 
plicirt fo verſchmeltzen (ie von der Rufft / zum Erempel R. Mell, ad 
conſiſtent. debit. codt.r, Obentien / add, Sal gemm. Spec hier, ec, 
agaric.äQvent. f. f.l.a. fuppofit. quod illinit ol, Colocynth, S, Er⸗ 
oͤffnende Stuhl» Zäpfchen. h 

Sureulus, {ft was aus denen Aeftlein herbor Fommt / oder ein Bes 
ſchoß der aus den Saamen hervor wächft, 
Suͤſſe Doſtenwurtzel / Colusduleis, 
— Farnwurtz / Engelſuß Polypodium, 
— Fenchel / Fœnieulum dulcẽ, velRomanum. 
— Sahnenfuß / Ranunculus auri Comus. 
Suß⸗Holitʒ/ Glycirrhiza, Radix dulcis,ligviritia, waͤchſt in Sram 
cken / ſonderlich um Bamberg in groffer Menge / dahero man feineaus 
Candia vonnöthen hat/ fondern aus Teutfchland eben fo viei desauge 
gefottenen füflen Holtz⸗ Saffts / (welcher in kleinen runden daiblein iſt) 
nad) Vene dig ſchicken kan / als deſſen von Candia aus nach Venedig ge⸗ 
ſchickt wird / wann das Holtz noch gantz / geſchwungen und gebunden/ 
iſt es beſſer als in Püfcheln geſchnitten / weil alsdaun vlel Unrath / der 
nichts taugt hinein gemacht wird / dev Safft muß ſchon fhwark und 
hart feyn/ auch kein Meel bey ſich re man die — 
FR j Ge 


uud 
oo — — — — 


⸗ 


1246 Sif Syr 


gel einfaufft muß man wohl zufehen daß ſie dicht und glatt eines Sin- 
Zers dick / auswendig roͤthlich braun/ innwenbig aber ſchoͤn Goldgelb / 
an bey eines recht fühlen und annehmlichen Geſchmacks ſey / ſie mil 
auch wohl in acht genommen werden / damit ſie nicht verderbe / welches 
leichtuſch geſchiehet / warn fie durch Hagel oder Regen geführet / oder 
in Keller gehalten wird / daß es alfo eine groſſe Sorgfalt erfordert 
folche wohl zuconfervizen. Giedienet ſonderlich wider dent Huſten 
und Bruſt⸗Beſchwerung / der.Safft davon fo in kleinen runden Kuͤch⸗ 
fein beftehet/muß auswendig recht ſchwartz und innwendig recht glän- 
gend ſchwartz auch leicht zerbrechlich ſeyn und einen angenehmen Ge⸗ 
ſchmack haben/ der weichröthliche taugt nichts / abfonderlid wann ev 
innwendig zaͤſerlich und rs iſt undnad den Brand ſchmecket. 
Der Sand in welchen man diefe Wurgel in Keller dergräbt / muß zu⸗ 
Hor im Sommer an der Sonnen getrudnet und dürr gemacht feyn/ 
fonft warn er feucht iſt fo erſtickt (ich das Holtz darunter in Creta oder 
Candia wird auch viel ſüß Holtz gepflanget. 

Suͤſſe Mandeln) Amygdalz dulces, nuces gracee, 

— Galgant / Cyperus dulcis, Theophr. Dulci chinum. 

—  Wolffs-Mildy/Efuladulcis, 
Symmetrie, vide Proportion,' 

Sympathiſches oder Sympathie -Yulber/ vide Pulbic Sympatbe- 
kicus, 

Symphitum Majus, Alum, Alus Confolida Major Solidago Ball? 
wurs/Beinwel währt aufden Wiefen und in den Gärten an fümpffich- 
ten Orten/ die Wartzel heilet kraͤfftig dDienet der Bruſt Verfehrung 
und Befhwürder Lungen. | 

Synapismusift ein dufferlich Mittel / wird aus Senff⸗Koͤrnern ge: 
macht / und if nichtö anders als ein Pflafter von dergleichen ſcharf⸗ 
fen Saamen bereitet. ı 

Syriſche Chriftwurgel/ Veratrum nigrum Syriacum, 

Syriſche Eicern/ Aftragalus Syriacus, 

Ferul⸗Kraut / Fexula Syriacavel Galbinifera, 

— dertzgeſperr⸗Kraut / Cardiaca Syriaca. 

— Roͤrpffel / Gingidium. | 

— vVenushaar / Adianthum Syriacum ſecundum. 

Syrupifimplices & compoſitæ ſeynd: de Abſinth. comp, Aeaciæ 
flor. Acetofella, Acetoſæ, Acetofitat. Citri Diarrhod, Acetoſ.ſimpl. 
Agrimoniz, Agreſtæ, Althææ Fernelii, Anthosflor, Agvilegiz, Arte- 
mifiz comp, fimp), Aperitiv, Mind, Aurantiorum, Beccabung«, Ber- 
berum, Betonicæ, Borraginis, Botryos, Bugloſſæ, Byzantini comp. 

— | dito 


5 . 


dito fimpl, Calaminthæ comp, ‚Calendulx, Capillorum vener, Car- " 
duibenedidti-Mariz, Centaurii minor, Ceraforum nigr, Chalybeat. 
Chamogpit, Chamomillz, Chelidon, maj. & min. Chermes, Cichorii 
cum Rhabarb, Cichorii fimpl, Cinnamomi, Citri coft. Cochleariz , 
Contrajervz, f.detotocitro , Coralliorum cumſueco berberum, 
Cydoniorum, Diafereos, de Duabus Radicibus,Bmetici, Afale, En- 
div. comp, fimpl. Enulæ, Epithymi, Eryfimi, Etpaterii, Euphrafiz, 

Farfaræ, Foeniculi, Fragorum, Fumaris comp, ex fucco, Granato- 
rum acidor, Hederæ terreflr. Hyſſopi, Jajubi „ Limacum, Ligviritiz, 
Malvæ flor. de Manna folutivi, Meliffe, Menthæ eriſpæ, Mivæ cydo- 
nior, cum aromat, fimpl, Mororum, Myrtillorum, Nafturtii agvat, 
Nicotianz, Nucismofchatz, Nymphææ, Po&onie flor. Papaver, er- 
rat, fimpl, Peötoralis, Perficorum flor, Pilofelle f. Auricuiæ murisr, 
Plantaginis, Polypodıi comp, fimpl. Pomorum Borftorff folut, Re- 
gisSapor fimpl. Portulacz de prafio f. de marrubio , Prunelle, de 
Qvingve Radicibus, Ribium, Rofar. fimpl. folutivi, de Rofis hiecis, 
Rhabarbar. Rubi Idæi, Salviæ, Sambue. bacc, Scabiofz, Sceletyrbici 
laxativi, Scolopendr. Scordii , Scorzoner& , Sempervivi, Sennæ de 
trib, inf, de Siligvisf. Diacodii Montani, Spinæ cervinæ alias dome- 
fticusdidtus, Stœchad. Arab, Symphyti, Tunicæ flor. Veronicx, Vio- 
larum ex fucco folutiv. UrticzJubebi Rofarum, Violarum, Mell, A- 
nacardini, Anthofati, Chelidonii comp, Deſpumati, Mercurialis, Paſ. 
ſularum Roſarum ſimpl. ſolut. Violarum Oxym. comp. Helleborati, 
Scillitici comp. fimplicis, ſimpl. Oxy. Sacchari, ſimpl. Seillitici, hrau- 
ner und Candis-Syrup, | 

T. 


back / Herba Nicotiana, ein bekanntes und bon bielen ſehr be⸗ 
liebtes Kraut / welches feinen Rahmen von der in America gele⸗ 
genen Inful Tabago träget/ wofelbft esam erftengepflanget/bon dan⸗ 
nendurd die — nach Portugal / und von dar von einem 
Frantzoͤſiſchen Edelmann’ Rahmens Nicor, nach Franckreich gebracht 
worden/ dahero es auch noch den Rahmen führet/ daß eöberba Nico- 
tianagenennet wird. Heutiges Tags waͤchſt es nicht allein in Ame» 
rica / —* auch in vielen Europaͤiſchen / fonderlich aber en | 
Probvincien / und zwar mehrentheild an fandigen Dertern / als bey 
"Mürnberg/ item in Heffen und um Sanau herum / in Pommern und 
der Mard- Brandenburg‘ / wofelbfi die aus Franckreich der Religion 
halben vertriebene Franhoſen diefes Kraut am erften gepflanget/ und 
* dem mit guten Rutzen fortgebracht. Es hat lange und breite 
Blaͤtter / welche wann man ſie von ihren Stengeln adgeſchnitten / auf 
‚einen Faden anfgefhnüret/bey ——— und warmen Sonnenſchein 
um 


1248 | - Xab | 
um die Haͤufer herum, bey Regenwetter aber auf die Boͤden / um zu 
truckenen / aufgehangen werden. Der Handel / der damit getrieben. 
wird / beftehet in dreyerley / ald entweder in Blättern / gefponnenen 

Gut / oder auch in Schuoptabad. | nn 
Die Blärrer betveffend/ fo feynd unter ſolchen die Virginiſchen / wel⸗ 
che aus der Americanifchen Landſchafft Yirginea, den Engeländern zu⸗ 
fändig/ gebracht werden / die beſten. Es verkauffen felbige die En> 
glifche Kauffleute in Hamburg nad) dem Pfund⸗Gewicht / und zwar 
noch in denen Faͤſſern in welchen folcher Tadack anfargs im Land eins 

epackt worden / da dann ein gewiſſes pro Centum pro Thara vor fols 
che Ziffer dem Käuffer accordıwet wird. Die Blätter feynd/ um ih⸗ 
ves reinen und liebliches Geſchmacks halber (den der dabon zubereiteo 
te Tabac im Rauchen von ſich giebet) die beften unter allen. Rach 
ihnen fonımen die Nürnberger/ welche ſchoͤn gelb und breit fallen/ da⸗ 
hero ſie auch von denen Tabadfpinnern zu Deckblaͤttern (den inwendig 
eingeſponnenen ſchlechten Taback damit zu verdecken) gebrauchet 
wecden. Auf ſolchen folgen die Hanauiſche / Heßiſche / Ammersfor⸗ 
ter/ und endlich das Pommeriſche und Maͤrckiſche Gut / welches Bin 
und wieder häuffig in denen See⸗Staͤdten verarbeitet / und fo wol zu 
geſponnenen ald gefärbtenund krauſen Gut verbraudet / und das 

Pfund vor wenig Schilling verfauffet wird. Wie dann ſchon einige 

Tabackſpinner bis 200. und mehr Briefe von gefärbten Tabad vor 

einen Rthlr. meggeben/ unter welchen Brief-Tabad bald diefes bald 

jenes Taback⸗Haͤndlers feine Brief und darauf gedructe Zeichen 

(welche aber offt von eigennügigen Leuten faͤlſchlich nachgedrudt wer» 

- den) den Vorzug haben/und fo gar von weiten her abgeholet werden. 
Der geſpoñene Tabad iſt wieder unterfchiedlich/ entweder veiner/ 
unangeöplter/ dick oder dünn gefponnener/ oder aud) mit Olitäten ans 
gemachtev Taback. Dieerfte Sorte beftehet entweder gantz aus Vir⸗ 

iniſchen Blaͤttern / oder auch aus ſchlechten Gut / ſo nur mit Virgini⸗ 
ſchen oder Ruͤrnbergiſchen Blättern bedecket iſt / und alſo ſchoͤn von 
auſſen glaͤnhet / inwendig aber viel verrottes Zeug und grobe Stengel 
hat / welcher Betrug aber leichtlich kan gemercket werden / wann man 
‚ein Stüc eines folchen gefponnenen Tabacks von einander drehet / und 
-alfo examiniret/ ob die innere Blätter an Farb / Geſchmack und Ge⸗ 
ruch mit den aͤuſſern uͤbereinkommen. | 
Angemachten Taback nennen wir denjenigen / welcher entweder 
mit Anis⸗Oel zugerichtet / oder aber / wie der Bräfilianifche/ Martini» 

\gvifche und das ſchwartz ⸗gepreſte Küften-Gut mit einer gewiſſen Sau- 
ce (don dünnen Bier/ braunen Syrup und andern Ingredienzien ges 

menget) angeſchmieret / in Rollen von hundert und mehr Pfunden 
eingemacht/und mit einer vohen Kuͤh⸗Haut / gleich wie der 7 

— e/ 


— —— — — 


Tab 1249 


ſche / oder in Fleinen kurtzen Rollen / gleich wie das gepreſte Gut / oder 
in ſchmalen langen Rollen in Leinwand / gleich der Martiniqvifche eins 
gemacht / und alfoverfauffet wird... Da dann der Brafilianifche (wel⸗ 
chen die Hamburger haufig aus Portugalmit ihren eigenenSchiffen zu 
Holen pflegen) nad) Ober-Teutfchland / der Martiniqvifche Taback 
nad) der Oſt⸗See / ſonderlich nach Llefland und Churland; das ges 
prefte ſchwarhe Kuͤſten⸗Gut aber vielnach Schweden / item auch hin 

> und wieder nach Teutfchland gehet/ und nebenſt den gelben oder unan⸗ 
gemachten Gut an gemeine und Bauers-Leute verkauffet wird / als 
welche gern ein langes Stüd vor wenig Geld haben mögen, 
Alle jegt:erzehlte Sorten / fowol Biatter als gefponnen Gut / ihre 
Oryalität und Confervation wohl zu wiffen / fo ſiehet ein Kaͤuffer / der 
Taback (In Faͤſſern eingepackt) kauffen will / gleich darnach / ob ſich fol 
cher in den Faͤſſern angeſtecket) ober berfault / an der Farb beraͤndert / 
erhitzet / ſtinckend / feucht oder verfälfcht (das iſt ob das in der mitten 
gepackte But mit obern von gleich guter Qualitaͤt) ſey / zu welchem En⸗ 
de tieff in die Faͤſſer hinein gelangt / ein Bund Tabacks⸗Blaͤtter her» 
aus gezogen/ und deren Geruch und Couleur erforfchet / auch fo beyde 
etwas verdächtig vorkommen / das gantze Faß abgeftreiffet / und der 
Taback rund herum befehen wird/ ehe nıan den Kauffvöllig fchlichet. 
An dem Braitlianifchen geidonnenen und in Leder eingenaͤhten Taback 
iſt / wann in der Seite der Rolle in das Leder ein viereckigt Loch ger 
fchnitten/ und dafelbft eine Probe Tabad heraus gefchnitten worden/ 
zu beobachten/ ob ver Taback gefund von Geruch feyy (welcher Geruch 
faft mit einer Prunell oder vom einander geſchnittenen gedörrten Uns · 
gartfhen Pflaumen ubereinfommen ) und auch der Tabachk feibft / 
wann diefe Probe von einander gefchnitten wird / eine ſchoͤne ſchwartz⸗ 
blancke und mit ſolchen aufgeſchnittenen groſſen Pflaumen überein: 
kommende Couleur und Compactitaͤt haben muß; mit welcher Ber 
fihtung aber mannicht allein Vergnüget iſt fondern die ausgeſchnitte⸗ 
ne Probe wird auch von einander — und alſo unterſuchet / ob 
es auf · und ae pie verfälfchtes oder neu-aufgefponnenes 
Gut fey ; und weilman/ wann diefe Belichtung alle —— / doch 
nicht wegen der Tabacks-⸗Rolle an beyden Enden vert 
als wird zum Uberfluß noch das Leder an dem einen Kopff oder Ende 
aufgetrennet / and alſo auch der Taback oben beſehen; mit einem Mef⸗ 
fer bis an dem Stock geſtochen / auf welchen der Taback aufgewunden / 
und alsdann an des Meſſers Geruch geurtheilet wird / ob auch daſelbſt 
der Taback gefund und rein befunden worden. Findet ſich manch» 
mahl verdorben But / fo man wiffentlich un des geringen Preiſes we⸗ 
gen davor Fauffet / fo wird folches wieder eimgefponuen / mit neuer 
Suppe von dunn Bier/ Syrupund Salt; angeruhret / wieder anges 

F i Kkkkz3 feucht/ 


* 


chert ſeyn kan ⸗ 


1250 Tab 
feucht/ und fo dann zum Verkauff aufbehalten. Weil nun alle Kauff⸗ 
leute feine Kenners feyn / als gehtdas gute mit den böfen/ fonderlich 
im Ausfchnitt fort/ und Fan der Preis alles gut machen. Martinigves 
Taback kommt meift aus Franckreich / wofelbft Hin die Frantzoͤſiſchen 
Schiffe aus ihrem König unterworffenen Americanifchen Inſul Mar- 
tinsgve bringen. Diele Taback ift/ wie ſchon gemeldt / in langen 


ſchmaalen und in Leinwand einballirten Rollen / welche etwan so. bis 


40. Pfund wägen/ und vor diefem eine gute Waar nad) der Oſt ⸗See 
geweſen / heutiges Tages aber nicht mehr groß abgänglich feyn. Man 
ibt wegen des darinn befindlichen Stocks 4. und an den Brafilifchen 
ollen ı0. Pfund Thara Hor gut Gewicht / etwan :. diertel procent. 


das Geſpinnſt daran ift dünner / aldan dem Brafilifhen / meiften- 


theild aber vonfchlechter Kraft. 

Den Schnuptaback belangend/fo beftehet folcher in zweyerley Sor⸗ 
ten/ als in den fo genannten Spartifchen oder Portugtilfchen / welcher 
aus bloffen entweder puren oder Brafilianifhen angemachten Blät- 
tern zu Kleinen Mehl⸗Pulver getrieben / fehr im Gebrauch ift / oder 
auch mit alerhand Olitäten und Parfums auch wohlriechenden Kräu> 
tern angemachten und zuſammen gefehten Taback; deren fo bielerley 
Compoßtiones feynd/ ald Parfumirer / Apoteders und faſt Parfums 
zu finden/ dann daift Taback de Maltha, Neroli,Cedro, Frangipani, 
Pongibon, Ambre, Tobacco di Roma,Millefleurs!de Jafmin, Haupt⸗ 
Pulver’ Eopenhagener/und andern dergleihen Tabad mehr. Bey 
welchen Gorten mehrentheils der Taback erſtlich in Waller muß ge⸗ 
weichet / und felbigen dadurd) fein Tabacks⸗ Geruch benomnien wer» 
den/ hierauf wird er an der Sonnengetrudnet / offt umgekehret / als⸗ 
dann aufs neu mit Rofen/ Orenge oder Engels⸗Waſſer befeuchtet/wie> 
der ausgenommen und getrucknet / worauf er erft tüchtig wird / aller⸗ 


hand Odeurs, die man ihn zufeßen will / anzunehmen ; ald wanns von _ 


wohlriechenden Blumen feyn foll / muͤſſen ſolche gan friſch Schicht⸗ 
oder Lagen⸗ weiß / fo man Stratum ſuper Ftratum nennet / in deuſelben 
geleget / allesz. Stunden die alten weggenommen / und neue an bie 
Stelle geihan werden ; endlichthut man aud) wol der Blumen/ nad) 
welchen er riechen foll/ ihr Eileng (welches haͤuffig ben den taliänern 
anzutreffen) darunter/ und folcher geftalt wird der Parfum fertig/ bis 
aufden Mufcus, Ambra und Zibeht nach/ welche Species man ineinen 
warmen fteinern Mörfer/ mit ein wenig weiſſen Zucker gerreibet/ als⸗ 
dann mit Rofen- oder Zimmet⸗ Waſſer ferner wohl unmühret / und 
endlich unter einen Löffel voll Taback menget; diefe Mala wird her= 
nach nochmahls wohl durchgerieben / und unter den übrigen Taback 
efchütter/fo tft die Operation fertig. Diefer Schnuptoback⸗Handel ift 
utigs Tags / da jedermann feine Tohacks⸗Doſe faft bei) ſich — 
ſo 


— - u — — — —— — 


Tab 1251 


fo profitable, daß in Spanien/ Portugal und Franckreich eindeigene 
— daraus entfanden / welche der Obrigkeit ein groſſes 
gänrlich einträget ; fo gar unter den Ehurlandifchen Bauren ift das 
Tabacks⸗Schnupen fo fehr eingeriffen/ dap von denen bloß ausgeworf⸗ 
fenen und zerriebenen Tabacks⸗Stengeln ihnen gantze Fälfer voll zu⸗ 
geführet/ und mit Rutzen verhandeln werden/ ja man erhält von eine 
Prife Schnuptabad‘/ welche ein reiſender Paſſagier einen folchen Bau⸗ 
ren mittheilet/ offt mehr guten Willen/ ald durch bares Geld/ welches 
dann auch die Reiſende veranlaffet/ daß ſie immer gefponnen und auch 
Schnuptaback bey ſich führen/ um ih dabon in den Herbergen und 
aufden Weg guten Willen zu erwecken. 
Don den Nahmen ded Tabacks haben wir vorhin ſchon gemeldt / 
Das folher von der Inful Tabago Tabad/ und von einen Rahmens 
Nicot , der ihn zuerſt aus Portugal in Franckreich gebracht / Herba 
Nicotiana gennet worden :- Mad) dieſem foll er auch eineZeitlang Her- 
ba Medicza, item Herbe de la Reine Mere geheiffen haben / weil die 
Königinn in Frandreid) Catharina de Medicis dieſes Kraut wegen ſei⸗ 
ner Krafft/ die Wunden zu heilen / fo fehr beliebet / daß ſie es in dem 
Koͤniglichen Luſt⸗Garten pflangen laſſen. Als ed nach der Zeit ein ge⸗ 
wiſſer Biſchoff Tornabonio , aus Franckreich nad) Italien gebracht / 
hat man es daſelbſt nach feinen Rahmen Tornabona lange Zeit genen» 
niet. In der Medicin heiffen es etliche Sana Sancta, item Herba Divi- 
na oder Petum, und dieſes letztere ift wol fein rechter Stamm⸗ Rahme / 
mit melden es in Indien beleget wird, Des Tabacks Krafft beſte⸗ 
het ineinen ſcharffen flüchtigen Saltz / welches / wann es friſch iſt / ei⸗ 
nen Pfeffer⸗Geruch von ſich giebt. Inögemein haͤltman den Taback gut 
den zaͤhen Schleim zurefolviren/und in Aſthmate. Orthophæa und alte 
dern Aſthmatiſchen Zufaͤllen / thut er bielRutzen: Es geht aber mit dem 
Taback / wie mit dem Wein / welcher zu viel getrunden ſchadet / maͤſ⸗ 
fig aber genommen eine Artzeney iſt / alſo trucknet aud) der Taback bey 
" Hisigen Naturen fehr ſtarck / Hat auch zugleich ben fich eine ffumpff-und 
Schlaff· machende Krafft / wie hierbon mit mehrern zu leſen AMiſo- 
capnus, Jacobi Sexti Regis Angliæ, item D. Simonis Pauli Commen- 
tarius de abuſu Tabaci & Herbæ Thee, und andere mehr; hingegen 
hat Caſtor Durantes des Tabacks Tugenden in folgenden Epigram- 
mate kuͤrtzlich zuſammen gefaßt und beſchrieben: 
Nomine gbe Sanctæ Crucis Herba Bocatur, ocellis 
Subßenit & Janat plagas & Gulnera jungit 
Difiutit & flIrumas Cancrum, cancrofagbe [anat 
Illcera & ambuflis prodefl, Seabiemgse repellit 
Difeutit & morbum, cuicefit ab impete nomen 
CAlfacit & ficcat, flringit, mundatgbe refolbis 
Riga L⸗ 


1272 Tab 

Et dentum & Fentris mulcet capitisg6e dolores, 
Subbenit antiqbæ Tuff, fomachogbe rigenti 
Renibus & foleni confert, uterogbe Genena 
Dira fagittarum domat , ictibus omnibus atris 
Hac eadem prodeſt, gingibis proficit atgSe 
Conciliat fomnum , ofagbe carne rebefit 
Thoracis bitiis prodefß, pulmonis itemagSe 

Be duo ſic preflat , non ulla potentior herba. 

Von den Indianern wird erzehlet / daß wan fie durch wüſte Derter 
reiſen wollen / da weder Speiſe noch Waſſer zu bekommen / ſie aus den 
Taback Pillen machen / ſolche im Schatten trockenen laſſen und davon 
eine born in dene Munde zwifchen die Lippen und Zähne nehmen / da⸗ 
bon ſie eine ſolche Feuchtigkeit empfinden / daß fie ich etliche Tage des 
Hungers und Durft erwehren koͤnnen / welches unfere Soldaten be 
Ihren Eommiß-Brod/ dap ed der Wahrheitgemäß ſey / gewißlich au 
befräfftigen werden/ und war es alfo ein fehr ungereimtes Ding/ von 
einen gewiffen befaunten General / welcher/ weil er keinen Tabad ge» 
ſchmauchet / das Tabackſchmauchen aud) bey der ganken Armee ab: 
fhafen wollen. Diein denen Apotecken aus den Taback zubereitete 
Stüͤcke ſeynd (1.) das Waſſern aus den Blättern / (2.)der Syrup 
vom Taback / (3.7 das deNillirte Tabacks⸗Oel / (w.) dab infundirteDel/ 
(1.)dad Galt aus der Afche des Krauts / (s.) ein Tabad3-Pflafter/ 
und (7.)der Balfanı. 

Don den Tabacks⸗Handel insgemein iſt zu merden / daß die Engli⸗ 
ſchen das Monopolium mit denen Virginifhen Blättern / weil die 
Americanifche Landſchafft Birginien ihnen unterworfien ift / die Por⸗ 
tugiefen mit den Brafilianifchen/ die Frangofen mit den Martinigvi- 
fchen / und die Spanier mit den Kanafter und Spanifhen Schnup⸗ 
tabacf haben. Das geprefte Kiſten⸗Gut / foaus Teutſchen Tabacks⸗ 
Blättern verfertiget wird / wird meiftend in Srandfurt am Mayn / 
Nürnberg und Lübeck gemacht. Die übrigen Spinnereven ftehen je⸗ 

. dem frey/ undleicht zuentrepreniren / weilefn geringes Kapital zum 

Anfang erfordert wird/ und dabey fonderlich zu remargviren/,daßbie> 
le mit geringem Geld und eigener Spinn-Arbeit angefangen / und 

zwar zu den Zeiten/ da die Spinnereyen noch nit fo gemein geweſen / 

welche Heutigs Tags groffe Capitaliſten feynd / und all Ihr Geld mit 
den Tabacks⸗Handel Verdienet haben. Mancher ſchoͤner Ader ift 
auch zum Tabacks-Bau employret worden / der fonft gut Korn hätte 
tragen können; doc) ſtehet es denen / die einen fandigten Boden / als 
die Nürnberger/ Hanauer und Heflen haben/ nicht zu verdenden/ daß 
fie ihr ſchlechtes fand zu ihrer beffern Avantagenugen. Wären auch⸗ 
wicht die Tabacks⸗Plantagen, welche die Frantzeſen in dev _ . 
Ä | ran⸗ 


——— — — . — — u — — — 


Tab Zac 1253 


Brandenburg und den Magdeburgifchen eingeführet/ es würden noch 
diefe Stunde viel hundert Morgen: Aders wüſt ungebauet liegen/ 
welches auch einige Potentaten / fonderlich aber Schweden bewogen/ 
‚ damit ihre Unterthaneh gleichfald das wüſtliegende Land zum Ias 
backs⸗Bau anwenden möchten / einen groffen Zoll ‚auf die Einfuhr 
fremden Tabacks zu fegen ; wie dann vermoͤg Königlicher Schwedi⸗ 
fcher Verordnung de Anno 1025. fub dato den 7. April niemand frem⸗ 
‚den Tabad (bey Straff der Gonfifcation deffelben/ und 24. Oer baar 
Geld vor jedes Pfund/ fo uber ıs. Pfund eingebracht wird) einführen _ 
darff / wiewol fteder Ao. 1500, dieſes Verbot fo weit gemildert wor: 
den / daß jeder Einwohner zu feiner Haus-⸗Proviſion fo viel Taback / 
als er noͤhtig hat/ desjenigen mag kommen laffen / der nicht kan im 
Meich gemacht werden/ jedoch mit dem Beding / daß er dafür Doppel» 
ten Zoll und Accife bezahle. | | 
Die Verfaͤlſchung des Rauch: und Schnuptabacks gefchiehet auf 
unterfchiedliche Manier / entweder legen fie jenen in Pflaumen-Gup: 
pe / daß er dadurch annehmlich aber auch zugleich ſchwer / und den Kraͤ⸗ 
mern nuͤtzlich werde/ die ihn nach dem Gewicht verkaufen ; zu dieſem 
Taback nehmen fie den fehlechteften / um unter dielen Betrug deflen 
Schwachheit zu berbergen. Giebeiken auch den Zabad in Urin / in 
welchen erſtlich Anis / Fenchel und andere dergleichen Sachen ma: eri- 
vet worden feun/ um eine Annehulichkeit dadurch zumürden. Der 
Schnuptaback wird mauchmahl allzufehr unit NRießwurtz vermenget / 
welches den Gehirn ſchaͤdlich / oder man nimmt gar einen trucknen 
Kuhfladen / pulveriſirt ſolchen / macht ihn hernach mit ein wenig Oli- 
täten an / und gibt ihn vor ein Eöftliches Haupt⸗ ſtaͤrckendes Pulver aus. 
Taberna, eine Kram⸗Bude. jr 
Tabinaria major, Linaria, 
Table, ein Tiſch. / 
Tableau, eine Tafel / Bemähld. 1 
Tablertes, Schreib: Tafeln. | 
Tabulx aecepti & expenfi, Einnahm⸗und Ausgab-Regifter. 
-  Tacamahaca, tft ein Indianiſches Bummi oder Hark fo durch Ri⸗ 
gen und Verwunden eines Baums gefammlet und aufgelefen wird / 
hat einen zimlichen guten Geruch / und ſiehet mehrentheils fon gelb 
undfaftdurchlichtig aus. Die Frucht dieſes Baums foll voht/ in der 
Bröffe wie Bichtkörner feyn ; er kommt aus Neu-Hifpanien / muß 
ſchoͤn rein/ groß an Stüden und fein gelb ſeyn. 
Tach⸗Marder / Martes Domellica; 
Tacitus Contractus, ein heimlicher Contract. 
Tag und Nacht⸗ Blumen / or n * item Hiſpidula. 
| Ss. 


Tas 


n54 Tag Tal 


Tag und Nacht⸗Kraut / Parietaria, Helxinc, 

Taͤſchel⸗Kraut / hurſa Paſtoris. | 

Taich / vide Unſchlitt. 
Talck oder Talci Argenti & Auri Lapis, Gilber:und Gold⸗Talck 
der weiſſe / fo mehrentheils gruͤnlich ſehen muß / kommt über Venedig / 
theils aus der Moſcow / wobey zu weilen eine gelblichte Ader anzutref⸗ 
fen/ welches der Gold⸗Talck iſt / und biel In ſich haͤlt; es findet ſich auch 
ein ſchwaͤrter Talck / hat aber keinen Abgang. Aller Talck muß 
ſchluͤpffrig / feiſt und in groben Studen feyn ; Dieſe Materia wird ei⸗ 
nig und allein zu Schminck gehraucht / wie dann nad) deſſen Del ein je⸗ 
der ſehr trachtet / aber ſolches ſchwerlich bekommt / indem der Tald 
weder geftoflen/ und noch durch das Feuer oder aufloͤſende Waſſer kan 
gezwungen werden. Es verkauffen aber einige den Ligvorem Terre 
foliatie Tartarı Vor das Talck⸗Oel / allein mit Unrecht / doch heit es 
nad dem gemeinen Sprichwort: Die Wele will berrogenfeyn, 

Tali Leporis, Haafenfprüng/ werden unter den Geleucken der Haa⸗ 
fen-Fzüffe ausgenommen. 

Talionis jus, dad Recht der Miederbergeltung- 

Talismanswerden mehrentheild aus gewiffen Metallen / auch wohl 
aus Edelgeſteinen derfertiget / und zumellen Göttliche / bisweilen 
auch Eugliſche Nahmen / (als Michael, Gabriel, Raphael vielmahls 
auch ganuge Sprüde aus der Bibel / ald etwann aus den Propheten 
Daniele , Millia millia miniftrabant Ei, & decies Centena millia 
adhiftebant Ei.) darauf gefeget /und ſche inet es daß die Aſtrologi deren 
Urheber ſeynd / als welche die Leichtgläubfgen dadurch habenperfva- 
direnmollen / daß diefe Talismans wegen der Analogie fo die Metalla 
mit denen in ihnen herrſchenden Planeten haben / wunderfame Ef- 
fe&te an denjenigen thun Fönten die ſich deren bedienten/ alfo habe das 
Bold eine groffe Berwandfchafft mit der Sonnen und dem Jove, das 
Silber mit dem Mond / das Bley mit dem Sarurno und fo fort an Fa 
ihre falfche Perfvafion gieng endlich we weiter /und gab bot dag die 
is gewiſſer Charatteren / Zahlenund Himmlifcher Zeichen/ 
erſt die gröfte Wunderwercke thun würden/und zwar wider die Grau⸗ 

famkeit der Orocodillen, wann man eine folche Talisman an Hals trüs 
ge/ in welchen ein Crocodill anf Bley gepreget wäre / oder wider der 
Schlangen und Scorpioren-Gtid) / wann der Talisman die Figur 
einer Schlangen præſentirte / noch andere wolten durch eine heimliche 
Krafft folcher Talisınakns/ in welchen oft recht Läherliche Figuren 
| eprüget waren / fich entweder beliebt und feft machen / oder aud) dor 
Si ewahren/ und was etwann dergleichen wunderliche Einfälle 


und Abergläubifche Poſſen mehr waren/welche denen (in den Talismar⸗ 
nen/ 


J 


— ———-. Lumen 


Tam Tan 1255 


—— —— — —— — ú n—— — — 
nen / Krafft der darauf geprägten Characteren) würckenden Planeten 
zu geſchrieben worden. 

Tamarinden, Acacia indiea, Siliqua arabica, ſeynd von den Tama- 
risken, einen in Teutſchland wildwachſenden Baͤumlein wohl zu un⸗ 
terfcheiden/dann der rechte Tamarinden- Bäume in Oſt⸗Indien / Ara⸗ 
Bien / Egypten und Ethiopien allein befindlich / ev trägt groſſe und 
krumme Hülſen⸗Früchte / welche eigentlich Tamarinden Bei en / und 
ein brauned Marck mitrothen Kernen in fich haben die man zum Pur⸗ 

teren gebrauchet / es kommet aber die Frucht niemahls gant heraus) 
hä: zerqdetfcht und zerdruct in Faͤſſern ei naeftatmpft/ mit Sten⸗ 

eln / Kern und Marck. Wir bekommen deren zweyerley / eine braun⸗ 

ichte Gattung / mit vielen Stengeln und Heinen Kernen und danneine 
ſchwartze die wenig Stengel aber groſſe Kerne hat / und gegen der an⸗ 
dern auch viel ſaurer iſt von den Indianern werden unterfchiedliche 
Traͤncke davon bereitet / welches in Teutſchland ebenfalls mit Rutzen 
Eönte probierer' werden / diejenige Tamarinden welche Feine Stie⸗ 
fe haben / werden mehr gefucht als die andere / halten fich auch länger. - 


‚ Tamarisken Holtz / Lighum Tamarifci, waͤchſt in Schwaben ſehr 
Häuffig/ die Rinde des Holhes kommt viel nach Augſpurg / die Schilffen 
muß gelb / und nicht mit der äuffern braunen Schelffen untermenget 
feyn / das Laub jlehet den Kraut oder Raub des Segelbaums / oder 
Baum des Lebens gleich / diefer Baum iſt fchier den Sehen⸗Baum 
gleich / und waͤchſet fo Hoch dag man auch Faͤßlein davon machen kan / die 
Blätter gleichen ebenfalls den Seven-Baums Blättern: in denen Apo⸗ 
tecken hat man das Holtz / die Wurtzel und die Rinde / das Decoctum von 
Tamarisken curiret den Ausſatz / ſo dienet auch die Wurhzel in Morbis 
Ehronicis und Hypochondriacis, 

Tanacetum agrefle fiehe Anferina. 
Tanaeetum, odoratum vulgare, Matricaria,Artemilia,Tenuifolia, 
Reinfarn / Wurm⸗Kraut / waͤchſt hin und wieder an den Zaͤuuen / iſt 
— die Wuͤrmer und Wunden / treibt auch den Schweiß / Grieß und 
fein. | \ 

Tanafı2 , Tanacetum odoratum. 

Tannen / abies, Tannen⸗Aepffel Coni, fen Strobili abietis, 

_ Tannenchols in Stein verwandele/ LapisElatites, 

— Zartz / Pix abietina. 

— Naͤßlein / Pineæ & Strobili, 

— Wedel / Folygonũm foemina, 
— WolffsstMilch/ Eſula eupreſſina. 
— Zapffen / Conus pineus, Nux pinea. 


Tan⸗ 


256 3 Tan — 
Tanner / eine Rothbräunlichte und folgender maſſen / (wann mar 
- Seide oder Wollen Zeug damit färben will/) zugerihte Farb / 
mad) deine Waar erftlih Krapproth / alddann nimm die Farb von 
Feur undıhue ein Iheil ſchwartze Farb darein / laß ſie wieder heiß 
werden / und arbeite Deine Waare darinnen bis tie licht oder dunckel 
genug iſt am beften iſt man mache Die Waare erſtlich blau / als zu Licht 

annet Lichtblau / zu dundel Dundelblau / alsdann geallaunet / ges 
kuͤhlt und auögefpühlt/ und Durch das Krapproth hanthieret/ bis fiefe - 
Licht gder dundel wird. / ald man fie habenmill. | 
NR. In den meiften gemifchten Farben / muß die Bermifchung 
nicht fo wohl im Keffel als aufder Waar geſchehen / alfo/ / daß eine 
Farbe vielmehr auf-als unter die andere gefeget werde / dahin dann 
auch die Verordnung gehet / daß die Tücher fo über 20, Kreuger nicht 
koften/bey denen Farben / da die Röthe bey koͤmmt / in der Schönfär- 
berey zwar fönnen gefärbet werden / die Schwargfärber hingegen 
feine ſchlechte vermiſchte Farbe darauf heraus bringen muß. 


Carmoifin Tannet mit Cochenille auf Seyde 
zufärben. > 

So nimm wann deine Seyde geallaunet iſt / einen ſaubern Keſſel mip 
reinen Waſſer und etwas Proventz⸗Suppe / nachdem Die Parthey groj 
iſt in denſelbigen Keſſel / thu zu jeden Pfund Geyden ı. Untze Galdas / 
anderthalb Untze Cochenille, wann nun die Seyde erſtlich wohl ges 
ſpuͤhlet iſt / als dann auf die Stoͤcken gethan / und luſtig auf ben Keſſel 
gZekehret / damit ed nicht bund oder fleckicht wird dann die Froventz⸗ 
Suppe ſetzet bunte Flecken / wanns nicht geſchwind gekehret wird / 
darnach laß es eine Nacht darinn liegen / des Morgens ausgeſpuͤhlet 
und getrucknet. a 4 


Schlecht Tannet zu färben. 

Mache ed wie mit dervothen / aber du muſt zu jeden Pfund Seiden 
1. Pfund Fernebock und ein achtel Pfund Provenk « Holg aufileden 
laſſen / alsdaun gehanthiert wie dad rothe / und getvudnet. Item 
fege die Seide 24. Stundenin flarden Mlaunmarler / nimm auf w 
Pfund Seiden ı. Pfund guten Fernebock / koche den in einen Beutel z. 
Stunden lang/ thue den Beutel draus / laß es ſtehen bis du Deine Hand 
nehrlich darinn leyden kanſt / ſtecke alödann deine Seideeine Stunde 
fang drein/und lafsie trucken werden/ alödann koche die Farb wieder 
auf/ ftecfe die Seiden wieder darein and fpühle (te! hernach fauber 
aus / nimm ferner vothen Bolus, fteffe ihn klein und vermiſche ihn 
mit Buͤchener Aſche / lege es alddann auf einen Leinen Tuch / und lecke 
Davon eine Pauge/welche 2, oder 3. mahl durchlecken muß / mache ſolche 
Milch warm und flede deine Seide darein / bis ſie hoch genug iſt / ſpuͤh⸗ 
le 


Ve fie alsdann aus/fchlag ſie und laß ſie trucken werden/ alödann refili- 


ve ſie. 1 

Vaſt Tanner auf fein Gewicht zu färben. 
So made deinen Keſſel rein / thue denfelben vol Waſſers / und zur, 
Pfund Seiden :. Pfund BlausKHols/ı. Pfund Ball/lap das eine Stun⸗ 
de fieden und darnach aufgefüllet mit dein Gall⸗Waſſer / darein dei- 
ne Seiden heiß gekehret / und darinnen liegen laflen dis des andern 
Tages / alödann auögefpühlet/ geklopfft und getrudnet. | 


Bicht Tannet auf Wolle zu färben / welche vorher 
erft Graproht gefärber worden. 

So legt man folde:. oder2. Nächte in die ſchwartze Farbe / hafpelt 

und bearbeitet ſie wohl auf und nieder / daß ſie nicht fleckicht werde / 

und ſpuͤhlet fie alödannrein aus. 


- Braun Tannet zu färben. 
Go macht eurenKeffel voll heiſſes Waſſer / und thut in folden ein Hand⸗ 
voll Krapp / ruͤhr ed wohl untereinander und laſts ein wenig ſtehen / 
nehmt alsdann das Wollenen Zeug / machts zuerſt naß / hernach 
laſts über den Haſpel in Keſſel lauffen / wenn ihr nun ſehet daß es nicht 
mehr anfallen will/ fothut noch 2. Hand voll Krapp hinein / und etliche 
mahl ausgekuͤhlt / bis ibr fehet daß es halb roth ausſiehet / alsdann 
nehmt ein Spahn vol ſchwartze Farb / ſchlagt fie in Keffel zu der 
Krapp-Suppe/ rührtd untereinander / legt Holk unter den Keffel/ 
dann wenn es recht warm ift / faltsbeffer an im Braunieren / wenn 
es euch nicht dunckel genug / fo ge noch einen Eymer ſchwarhe Farb 
in Keſſel / machets nad) eurem Gutduͤnken/ Cömuf allezeit über den 
Haſpel wohl ausgebreitet werden / fo faͤllet es beffer an und wird nicht 


fledigt: 

Tannet auf andere Weiſe zu färben. 

So muß erſtlich eure Maare einen blauen Grund haben / licht und 
dundel ſeyn / nachdem dad Tannet werden ſoll. Alsdann allaunet fie/ 
und flebets in Allaunwaſſer auf ı. Stund / laßt es fo dann Falt werden/ 
und ſpuͤhlets rein aus / alsdann ziehet te durch Krapproth / fo werden 

| ji — oder dunckel / wie ihr ſie haben wolt. Endlich ſpuͤhlets 
auber aus, _ 

Duͤnckel Tannet zu färben. 

So machet erftlich die Waare roth mit Krapp / alsdann nehmet bie 
Jarbe vom Feuer/und thut eine Kaune voll ſchwartze Farbe auf jedes 

“Pfund Wagre drein/ laßt es wieder Heiß werden/und ſteckt eure rothe 
Waare wieder drein / und arbeitet ſie ſo lange bis ſie euch gefallen. 

Alsdann laßt es abkuͤhlen / ſo iſt es eine beſtaͤndige Farbe. 
Car⸗ 


% 


1258 Tap 

Carmoyfi Tane. 
Laß den Abfud von der Carmeſin⸗Farb über den Feuer heiß werden/ 
thue drein zerftoffen Gallus 1. Loth Gummi a. Loth / Victriol oder 
Kupfferwafler 3. Loth / alles Elein zerftoffen / laß es aufmallen / bis der 
Gummi zergangen / alddann deine Waare drinnen gearbeitet / eine 
halbe Stunde lang/ fo wird (te ſchoͤn / und die Farbe feft Halten. 


Tapeten / Frantzoͤſiſch Tapifferies, werden entweder gang von Sei⸗ 
de / auch wohl mit untermengten Bold und Gilber-Drat,oder von halb 
Seide und Wolle / item gang bon Wolle / aud) wohl manchmahl mit 
etwas Leinen Garn unter menget/ oder auf Leinen Drell fünftlidy nad) 
Zapeten Art gefchillert / gemachet/ die erſte Art ift nicht vielmehr in 
Gedrauch / die andere und dritte aber defio ſtaͤrcker / und haben fon« 
derlic die Holländer mitihren fo genannten Kanımer » Behängfels 
einen groffen Handel / welche unfere teutfche Seiden⸗Kraͤmers ent» 
weder Stüd oder Garniturmweiß von ihnen einfauffen. Es werden 
auch hin und wieder in Teutfchland viel Teppicht-Weber gefunden/ 
welche allerhand Tapeten / alögeftreiffte / geflammte/gemodelte/oder 
auch gange Figuren / und Hiſtorien vorſtellende Tapeten machen/ 
dergleichen des Königs in Franckreich feine Tapeten feyn / mit wel» 
then ex fein Verfailles prächtig ausgeſchmücket / und über derer Be» 
fchreibung ein gantzes Buch ausgegangen. Unter allen Tapeten / aber 
werden die Türdifche und Perſianiſche / weil fie fehr reich von Seide / 
ſchwer und did feyn / diefe Nationen auch ſehr Fünftlich mit den Tep⸗ 
pich machen umzugehen willen / in hohen Werth gehalten; das Färben 
der Wolle zu den Tapeten/und was ſonderlich dabey in acht zu nehmen/ 
- beilehe unter dem Abort Färben, 

Tapezierer⸗Arbeit / beftehtin Derfertigung allerhand Garniru- 
ren / zu Beziehung und Ansftaffterung dev Gemaͤcher / und fonderlid) 
der Bettſtellen / felbige mit Fünftlichen Ornements don Geide/ Wole 
le / Leinwand und Federn zu verſehen /die Gardienen Fünftlich — 
bringen / und den Bettſtellen ſelbſt / eine artige und der Mode gemaͤſſe 
Facun zugeben / da es ſich dann offt zutraͤgt / daß dergleichen Garnitu- 
ven und Bettſtellen eben wie andere koſtbare Mobilien als Gveridons, 
Spiegel / Tiſch / Leuchter/ / Feld-Betten / Tliee ‚ Servicen, &c. bey 
den Kunſthaͤudlern gefuchet/ und gleich fertig zufinden/ prætendiret 
werden. re 

Tapſus Barbatus, Verbaſcum. 

Tappen⸗Stein / Albſchoß / Schosſtein / Luchsſtein / Lyncis 


lapis. | 
Tarantula,einegifftige Spinne in den Neapolitanifhen / — 
ti 





— nn = 


Tar Tav | 1259 


Stich anders nicht / als durch die Muſic und zwar durch einen gewiſ⸗ 
feu Thon / der mit der Verwundung und ihrer daraus herkommen⸗ 
den Paßion / eine Sympathiſche Ubereinſtimmung und Gleichfoͤr⸗ 
migkeit hat. 

Taraxacum Dens Leonis, Caput ſeu Corona Monachi Hieracium 
Majus, Hedipnos major Pfaffen⸗Plat Moͤnchs-Kopff / iſt ein gut Leo 
ber und Mund- Kraut / der Safft dient vor alte Schäden. 

Tarentiniſche Fichten / Picus Tarentina, 

Tariffeine 30ll-Rolle / welche fpecificivet/ wa$ eine jede Waar dor 
Zoll und Aufflage bezahlen müfle. 

Tartarus vide Weinftein. Ä 
Tartariſche Waaren / feynd allerhand Dich / und, dad dabon 
kommende Leder / Fleiſch und Wolle / einige Droguiftereyen ſon⸗ 
derlich die Rhabarbara , an eglichen Orten Saltz / und wohl gar 
Menſchen / welche diefe BarbarifcheNation , von Feinden und Freun⸗ 
den / in Krieg und Friedens⸗Zeiten / mit Gewalt und öffentlich o⸗ 
der auch heimlich wegzuranben / indie Sclaberey zu fehleppen / und 
wegzuſtehlen pfleget/wie von jenen dad Königreich Ungarn/ Mähren / 
Schleſien und Polen/ traurige Merckmahl auffzumeilen haben / von 
Ihrer Menfchen Dieberen aber / faft ale Reiß-Befhreibungen Zeug⸗ 
niß geben/ auffer diefen Haben die Tartern /weil fle ein Rauberiſches / 
berumvagirendes Bold feyn / die weder policirte Staͤdte / noch ordente 
liche Kauffleut haben / Feine regulirte Handlung / ed möchte fich ſolche 
dann / in der an China grängenden groffen Alsatifchen Tartarey fin» 
den/ wobon wir doch feine andere Nachricht haben / ald Die und Paulus 


Venedus, welcher diefelbe Länder bereifet / und erforfchet haben will/ 
geſchrieben Hinterlaffen. | 


Tartuffles {ft ein aus Peru gekommenes Gewaͤchs / worunter doch 
nicht müffen verſtanden werden / die Erd: Morcheln/ welche Tubera 
Terrz ohne Stengel und Blätter feynd/ und von den Italiaͤnern auch 
Zartuffelngenennet werden/ fondern diejenige fo unter das Gefchlecht 
der Rachtſchatten gehören/ wie fie dann Bauhinus, Solanum tubero» 
ſum efculentum ‚ und der Eichftädifche Garten Papas Peruanorum 
nennet/ ed iſt aud) noch eine Art Tartuffeln mit meiffen Blumen und 
gelben Wurgeln/ Solanum tuberofum efculentum flore albo vorhan⸗ 
den/fo von den obigen an welchen die Blumen Purpur⸗Farb / die Wur⸗ 
geln aber voth feynd unterfchieben. — 

Tavarcare eine gewiſſe Nuß / ſonſt auch Cocco delle Maldive ge- 
— en ie * rar 613 / a * — die Ratur an 

aben / daß (le das Eiſen bon ſich ſtoͤſſet / gleichwie es hingegen dev 
Magnetan ich ziehet. sing  Tan- 


/ 


1260 — Tau 

| 
TaubestZeffein/Laminm album, urtica Mortua. 

Tauben⸗Fuß / Geranium Tertium, Pes Columbinus, 

auben-Rörbel/ Aropff/ Fumaria, i 
Usuben: Weisen / Vermicularis, 
T:ub: Wurm / Lytra. 

Caucher / vide Llrinatores, 
Taurum,vide Agallochum. ”, 
Tauſchen / Verftschen/ Stutzen / Barattiren, Rat. Permutare, 

Frantzoͤſ. Changer,trocgver,ift unter Kaufleuten fonderlich auf Jahre 
Maärckten fehr gebräuchlich / vornemhich wann zwey Perfonen zufame 
men kommen / denen eö beyderfeitszwar nicht an guten Willen / doch 
aber an baaren Geld m.ngelt / und gleichwohl einer gern von des ans 
dern feinen Kram etwas zu erhandeln verlanget7 fo müffen felbige 
aus der Noth eine Tugend machen / und eine Waare vor die andere 
hingeben: Wodurd dann beyder Noth und Mangel geftopffet/und 
folcher geftalt die Handlung ohne Geld getrieben wird, 

So lange nun folche Handiung in den Schranden der Billigke t blei⸗ 

bet/ und feiner von beyden feine Waaren uber den baaren Werth er 

hebet/ befondern diefelbe fo hinglebt / oder in ſolchem Preife in dem 

Stich anfesst / ald man fie vor baares Geld Fauffen Fan / fo iſt lie nicht 

zu berwerffen/ fondern un fo biel mehr zu loben/ alö beffer fle zu Zeiten 

einen mercklichen Umſatz befördern / und beyden flugenden Perfonen 
vortheilhafft feyn fan. Und dieſes iſt eigentlich das Fundament und 
wahres Hauptftucd der fo genannten Baratt / Tauſch oder Stich⸗Rech⸗ 
nung / welchek Geftalt man auch jo lange des einen feine Waare zu 
baar eingefegten Preiß nicht mehr ald des andern feine bekaufft / aan 

Feine Gefahr hat / fondern esbeharret allesder einer durchgehenden 

Auffvichtigkeit. Wann auch gleid) des einen feine Waare un etwag 

“mehr ich belauffen follte alö des andern / fo Fan Doch Feine Vervorthei⸗ 
tung hierinn vorgehen / weil fein Uberſatz in Preip gefchicht/ fondern 
alies ıwie ed baar gilt / angefeget wird : Go daß nur derjenige / 
der mehr Waaren empfängt den Uberſchuß an baaren Gelde / 
ober was fonften demſelben agvivalent gehalten wird/ ohne einige Ge⸗ 
gen⸗Rede erftattet. 

Weilen aber die Gewinnſucht mehrentheild bey den Taufchen fn 

Schwang gehet/ alfo dap ein jeder daraufipeculirer wie er den andern 

liſtiger Weiß beziehen niöge / als iſt in ſolchen Fall erlaubt /alle gegen 

Borfichtigkeit zu gebrauchen / un ſich Dadurch fo viel al inner möge 

lid vor Schaden zu hüten/ dahero muß derjenige der ſich in einen 

Boratt oder Tauſch⸗Handel einläft / unter andern wohl darauffehen/ 

ober zudenen Waaren die er eintauſchen mill / beſſere Auswege wiſſe 

als zu denen die ev bertauſchen will / danıy ſollte folches nicht ge a 
eh 


5 


— — — 


Tau | 1261 


behält er ja lieber feine eigene Waar / als daß er fich andere unverkäuff- 
liche dafür an den Hals ehaffet / ferner muß er auch zu fehen / ob fein 
Gegenpart nit dem Einfaß feinee Waaren / bey denen baaven oder 
Corrent-Preiß bleibe oder von denfelben abgehe / gefchichet das er⸗ 
fte fo hat alles feine gute Richtigkeit /ift aber das lehtere fo mug er fo 
fort aufden Uberſatz zu reflectiren / und auf feine Waare gleichfalls fo 
* zu ſchlagen wiſſen / als fein Gegentheil ihn zu überbortheilen ge⸗ 


ucht. 
Vor allen Dingen aber muß wohl obſerviret werden / dafern etwann 
ein Theil eine gewiſſe Summam baaren Geldes zu feinen Waaren 
u begehrte / (die er doch nicht in Correnten Preiß / ſondern uͤber den 
aaren Werth in den Stich eingeſetzet )) daß folder Uberſahz nicht 
an das baare Geld mit greiffe / als welches in feiner Natur ſolchen U» 
berſatz nimmermehr leyden Fan / ſondern es muß derſelbe bloß bey 
den Waaren bleiben / und alſo auch auf die dagegen einzutauſchende 
Waaren / mit gleichen Uberſatz wieder eingeholet werden. DieSach 
mit Exempeln deutlich zu machen / ſo werden entweder 
1. (Waaren gegen andere Waaren / die gleich viel belauffen / bertau⸗ 
ſchet in ſolchen Preiß als ſie baar gelten koͤnnen) zum Exempel. A, hat 


Stahl das Faͤßlein zu 205. Marck B. hat ısooo. TB. Potafch das 100. 


Pfund zu ı7z- Mard/wie viel Stahl muß A. den B. lieffern. Facie 
100, Faplein. | 


100, Tb. foften — 73. was koſten — 15000, 
| 175» 


en 


105000, 
15000, 
7500, 


| Summa . 2625l00. der Belauff d'Potaſch 
262. pr 1, Faͤßl. Stahl / wie biel pr. 2525. 
ao 4 
105).10500, 


Facit 100. Faßl. | 

Oder eswerden(e.) Waaren gegen Waaren in contanten Preib/ oh⸗ 
ne Uberſatz verſtutzet und baar Geld oder fonft ein Aqyivalent dabey 
gegeben/zum Exempel A. hat 708. Pfund Pottafch / Eoftet den Preiß⸗ 
Courant nach / dad 100, Pfund is. Mard ı2. B. bedinget mit B. daß er 
ihm dafür foll in Baratto Z. haar Gelds / und F.an Flachs geben/ bon 
welchen den ‘Preiß-Courant nach/ der Stein zus. Marck 7, Schilling 
eingefeget wird/fragt ſichs demnach / — A.an haaren Geldi 

| wie 


— 


1262 T au J 
wie viel ev an Fec empfangen / Facit 463. 8. 8. Schilling baar Geld 
und 956. Stein Flachs. | 
100. Ib. Pottaſch — 185. B- — 1768 A 
sg 


F 





46144 
5768 
2354 
' 1442 
Bar | 5. aus) 1ogıl 206 9. oder s. j. 
| Facit 15.8. s. fo viel muß an baaren 
Steinflachs Geld gegeben werden / reſt. vor die J. 
9.7.1 — wasgeben — — — BD _ 
| Facit. 96. Gtein. 


Ber dritte Unterſcheid beftehet in Vertauſchen unterfchiedlicher / ih 
(eich hoch belauffender Waaren / jedoch mit Uberſatz / dabey dann jeder 
—2 zuſehen muß / daß er nicht verbortheilet werde / als zum 
Exempel A. hat Groͤnlandiſchen Thran die Tonne zu ıs3- B. but 
Schwediſche Kupffer-Drat dad 1000. Pfund zusz. 9-7. $. weildarin 
A. feinen Thran zu zo. . einfepet / fo fragt ſich wie hoch B. den Kupf⸗ 
fer-Drat einftellenmüffe- Facitzu 67. 33 
133. 9. werden eingeftellt zu 20.9. wie 62.8.7. ßF. 
| Facit 67.9. 8. 8. 
Item einer hatS. Hubes a die Laſt zu iu. Y: verftußt daffelbe ge> 
gen Magdeburger Weitzen / bekommt vor 2. Laſt Saltz undıs. 8.3. P. 
eine Raft Weitzen: beträgt demnach jede Partey-d. 5012. s ß. wie viel 
Salt und wie viel Weigen ift gegen einander verſtutzet. 
Facits4. Laſt 3. Tonnen Galp/ gegen :5.Laft Weiten. 
1,9. —ı. Laſt — so12.8. Facit 54. Laſt 3. Tonnen Saltz. 
.Laſt — nd. — 2. Laſt . 9. Facit 2403-9. | 
2403.3.— 1. Laft Weitzen — sor23° 9. Facit 21. Loft Weigen. 
- item A. Barattivet mit B. und hato73: Pfund Gaftinois Gafftan / da> 
bon das Pfund baar werth iſt ı83.% febet edaber in Stich an zu zo. 
B. will gar Sit darbor geben / fehet das 100. Pfund ein zu n. 
„da ihm doc) contant nur 11.'. 9. ſ. davor geboten worden/ 
agt ichs wie viel B. Fiſch an A, dor feinen Saffran lieffern müſſe / 
und um wie biel B. den A. in dieſen Baratt, zu nah, gethan. Facit zu nz. 
B.dasıoo, Pfund eingeſeht lieffert er nur 15000, Pfund/ wann . 
er 


— 





—un m —— — —ñ | — — 
* 


Tau 1263 


aber nad) Proportion daß A. feiner 185. Y.gegen zo. und alfofein 
100. Pfund Fiſch bor dem contanten Koſten der u. B.9. g. zu 12.2. 
s. ß haͤtte einſetzen follen / würdeer 15600, Pfund Fiich haben lieffern 
müſſen / weil ſolches nun nicht geſchehen und er 600, Pfund weniger 
gelieffert/ fo beträgt die Ubervortheilung a1. B. 9.8. 69. 3.6.8. 
83. geben in Baratto 20. — was geben. B.9.f.Facitızy. 2, 


123. H-gibtıoo. Pf. Fiſch wasısro.Y. als ſo biel ſich der Saffran 
973.1b.a20,Ybeträgt. Facit. ij6oo. TB, 
13.9. geben 100. Tb. was ısso.Y. Faeit 15000, TB, 
600, [b.aır.Y 9. 8 dos i0o. TB. thut 96.%. ©. $. 
Der vierte Unterfcheid beftehet in Vertauſchen differenter Maaren/ 
die nicht gleich viel belauffen/und gegen einander mit Uberfag auch Zu⸗ 
eben baaren Gelds vertaufchet werden. A, hatız. Böhten Malva- 
* i25. Rthlr. und in Stich zu 132. Rthlr. das Boht. B. hat zı. Or» 
hoͤfft kangons⸗ Wein / das Oxhoͤfft zu iz. Rthlr. wie hoch niuß B. uns 
nicht verbortheilet zu werden / ein Oxhoͤfft ein ſetzen / und wie viel muß 
er baar bezahlen? Fac. i0. Rthlr. und muß baar bezahlen uss. Rthir. 
1. Boht — 132. en inStich — ı2.Bohten. Fac. 1534.Rtl. inStich. 
uBoht—ız.Nthl » « —12.'Bohten. Fac,1500.Rtl.contant, 
Überfegt alfo A. den B. aufs4. Rthlr. 
Diefe 34. Rthlr. muB. gleichtals auf feine zı. Oxhoͤfft ſchlagen / ſetze 
demnach ⸗i. Drhöfft — sa. Rthlr. was ı, Oxhoͤfft? * 4. able 
die müffen auf je der Oxhoͤft / das fonft nur 1s.Ktl. bar gilt/gefegt werde; 





- belauft dvemnad) 19 Rthl. 1.Oxhöfft 15. Rtlr. was zı. Oxh. Fac. z1,, Ktf; 


diefe nimm bon obigen 1500. Rthlr. bleiben usy. Rthlr. haar. 


Item, einer hat Hart / daß 100. Tb. contant zu 7.3. und in Stich zu 
7.9.14. j. will aber 3. haar Geld haben. B. hat Datteln dasTb.con- 
sant zu 5. B. 4 $. wie hoch müffen dieſelbe eingeftellet werden 2 
Fac. 30 10, $. 
7.9. contant thut 7.9. 14, 8. in Stich nimm 3. aus dem Stichgeld/ 
ut2.9. 10, j. diefe 2.9. 10. $. nim̃ gleichfalld aus der contanten 
Summaber 7. 9. bleiben 4.9.6.5. ſetze nun 4. P. 6. j. contant, 
tbuns.B. 4.8. in Stich / was? 8.8.4.8. Fac. io. j. 
Wie in dieſer Aufgab die baar begehrte Summa erſt aus dem Stich⸗ 
Gelde / nachmahls aber aus dem baaren Wehrte genommen werden; 
alſo muß ſolches allemahl in dergleichen Vorfaͤllen gefchehen/ um zu 
ſehen / wie ſich das baare Geld gegen dem Stich⸗Gelde proportionire/ 
damit man folgends ſich wohl berwahre gegen allerhand liſtige Ren⸗ 
cke / die ſonſt beym Barattiren —9 — man in Calcu : * 
2 ehor⸗ 


1264 Tau Tax 


| DER RIHERES Sen. AENERAENERIRBRE En 
behoͤrlich abgerichtet iſt) Leichtlich vorgehen koͤnnen / warn man neme 
lich das baare von dem Stichgelde nicht zu unterfcheiden weiß. 

Item A. hat 100: Tb. Caneel das Tb. contant zu5.Y. im Stid) aber za 

s3.H.und willg. contant Geld haben / B. aber hat Roſinen das 100. 
Tb- zu 14.98. ß. baarı wie hoch mug nun B- die Rofineneinfegen/ und 
wie viel baar Geld und Rofinenmup er dem A. vor feine 00. Tb. Ca⸗ 

neelgeben? Fac. 3016.9.5. ß. dar zu muß er 7. 9-3. ß. baar Geld/ 

nebenſt 2500. TB. Roſinen geben. 

1,.16.5.D. maß 100. fh. Fac, soo. haar / 1.16.53.9 maß ıoo. Tb 

: ‚ Fac. 50.9. im Stich / 

9.500. —)hieraust.baartfut ⸗ 137.8. — — 

— 133728. — bleibet — B428. ß. im Stich. 

362.9. 8. bar thut imStid.B- ai12. 8. 9 144. bar Fac. 16. 9.8.$. 

vor 163. P. in ſtich 100. TB. Roſinen / was für H. 412262 Fac. 2500. Ihᷣ. 
"oder vor iað. 9. cont. 100, Tb. » was fur dd. 362. 8? Fac. zs00. TB, 
Item, einer hat Engliſch gefponnene Tabads-Blätter / das Tb. gont. 
zu 63. $. und im Stich zu 7. ß. wilz. baar Haben / B.hatgelb Holt / 
davon dag ioo. Tb. contant fauıns.Y. 10. gelten Fan/ weswegen er 
folches alfo einſetzet / daß A. über den gleichen Stich nod) s. procent. 
ayancıren foll/wie muß B. 100. Pf Holg einfegen? Fac. zus.B.14.8.6.& 
NB. Die Avanzo pro Cent, über dergleichen Stich / muß zu den 

contanten Preifezu gerechnet werden: ald 
soo, geben 108. = 64. f.cont, Fand. j. 
64. Be zn Stich. 
— J. ⸗ s 12. ! 
‚ s.Becont sA.im StihY.5.10.8? Fac. B..14. 8.6.8. 
Ein mehres hiervon vide infel. Balentin Heind Gazophylacio Mer- 
cat. Arith, p. s76. ald voraus obige Exempla genommen. 

Taufend/ Mille , 1000, wird nach Römifcher Art mit M. welcher 
Buchſtab auch eine Zahl von taufend bedeutet/ — Ein groß 
Taufend iſt an etlichen Orten 1200. einige zählende Guͤter werden 
nicht allein bey hundert / ſondern gar bei) taufenden gekaufft. 
Tauſendblat / Schaffriel / Schaffgarben / Millefolium. 

Taufendgälden-Araut/ Centaurum minus & majus, 

Tauſendkoͤrner / Empetrum, Herniaria Millegrana, 

Tauſendſchoͤn / Amaranıhus purpureus, 

Taxt, Taxiren / ſchaͤtzen was ein Ding wehrt fey- 

Taxus, Smilax arbor, Eibenbaum / Ibeubqum / dieſer gantze Baum / 

la 


Tel Ter 1265 


a fo gar auch der Schatten deffelben fol giftig feyn / wiewol einige 
Das Gegentheilbefunden / und fagen/ daß deflen Beeren ohne Scha⸗ 
Den könnengegeflenwerden. Das Holtz ambloffen Leibe getragen / 
Dienet gegen die Zauberey. 

Telephium, v. Fabaria. . 

Tellerbaum/ Tæda. 

Tenngras / Polyganum. 

Terdinav. Valeriana. 

Tereniabin, iſt ein wilder Honig / der aus Lufft auf Kraͤuter und 
Gewaͤchs fällt. 

Termini Technici, vide Kunſt⸗Woͤrter. 

Terpentin/ Terebimthina, Refina laricca, ift ein weiches bekanntes 
Hartz / davon unterfchiedliche Sorten zu finden/ theild weiß und truͤb / 
theils gelb und dick / einiges gar fein hell und klar / welches das befte 
ift/ und aus Cypern / nein aus Benedig uͤber Tyrol / in Geiß ⸗ und Boͤck⸗ 
haͤuten fommt. Der Hollaͤndiſche und Engliſche Terpentin iſt ſehr 

emein / wie auch der Frantzoͤſiſche / wie ſie dann auch am meiſten ver» 
—— werden. Es wird ein Oleum Terebinthinæ, aus den unrei⸗ 
nen Terpentin deſtillirt / aber felten pur heraus gebracht / weil fie meh⸗ 
rentheils das Oleum Picis, das ift Pech oder Kihn/ item Tannenzapf⸗ 
fen-Del dafür bringen/ und folches fo wohlfeil geben / daß es unmiüg> 
lich) aus den Terpentin dafür zunsachen ftehet. Aus der zurüc geblie« 
benen Materia machen ſie dad Colophonium , welches fo lang gefocht 
werden muß / bis es hart wird. Das gemeine Colophonium wird in 
Ihüringen aus Pech gemacht / das von Zetpentin aber ift viel beffer 
und höner. Das gemeine Terpentin-Del wird Oleum Templinum 
geneunet/ ſiehet Schön weiß aus/ und ift gut von Geruch; der gute Ter⸗ 
pentin muß von Lerchenbaum gefanımlet werden / deren es fehr viel 
um Jaͤgerndorff in Schleſien giebet. Ed wird nad) Hamburg in Or: 
höfften bracht/ und zu ioo. Pfund verkauft. 

Terra, Erde / deren feynd vielerley Arten/ fonderlich aber ſolche Er⸗ 
den/die beydes zur Medicin als Farben dienen/ unter jenen iſt bekannt 
Die fo genannte 


Terra Antifcorbutiea, melde inNormwegen zu finden / und welche 
der TerraSigillaca an Rräfften nicht ungleich / vornemlich aber ein 
trefliches Mittel wider den Scharbock iſt / und denfelben aus dem 
Grund heilen ſoll wannman nur davon r. Dbintin in einem Anti- 
Fcorbutifchen Waffer einnimmt / und gleich hierauf ich zum Schwi- 
tzen niederleget; es iſt aber diefe Erdein Teutſchland wenig bekannt. 


Terra alba ſeu Creta, weiſſe Erde oder Kreide / wird allenthalben 
— Billa gefun⸗ 


1 DE...) BEE 
— taugt aber nicht alle zum Schneiden; die beſte fenımt bon 

oͤlln: die zur Argeney gebraucht wird/ aus Ereta und Franckreich. 
Sie muß nicht ſteinigt / fondern weiß und zart feyn/ vide Kreide. 

Terra Colonienlis, vide Umber. 

Terra Citsina, gelbe Erde / wird famt der rohten häufig umRürn- 
berg gefunden / und Centner⸗weiß verſchickt; fie muß huͤbſch trocken 
und nicht fleinigt feyn. 

Terra Catechu, feuJaponica velCymaolia, iff eine fremde braune 
Erde / welche in Japan Aalen wird; ſie muß ſchoͤn 'glat/braun und 
refinos ſeyn / bisweilen fällt fie Purpur-fhwarg/ mit weiffen Tüpffeln 
geſprenget / und grießlicht / hat anfangs einen Herben und anhaltegden/ 
—6*88 aber etwas füllen und annehmlichen Geſchmack. Einige 
vermeynen / ed fey bielmehr ein Compofitum aus füp Holtz / Calmus 
und Arcca, welches fie daher fchlieflen / weil fie in dem Waſſer zer- 
ſchmeltzet / ja ſolches ſchon thut / warn fie nur an die Zunge gehalten 
wird. Die Apotheder willen folhe Biefemund Ambra durd) Tra- 
gant und dergleichen zu Heinen Trochiftis, die wie Maͤusdreck anzu: 
ſehen / zu formiven/ welche dann / je kleinerſie feyn / jebefler fie gehal- 
gen werden / weil fie einen guten Athem machen / und das Zahnfleiſch 
reinigen. Vide Cachu. 

Terra Sigillata, iſt eine gewiſſe Art einer Erbe / oder bielmehr fet⸗ 
ten und ſchweren Thons / an weldyer man bermerdet/ daß eine medici- 
nalifche Rrafft darinnen enthalten / indem einige Arten ſich finden/ 
welche adftringiven/ und dadurch abkühlen und austreiben/ hingegen 
andere ſcharff ſeyn / und-daher erwärmen; andere wiederum feynd 
fett/ und dienen zu lindern / weswegen man aud) diefelbe einſamm⸗ 
tet / und in Zeltlein formiret / auch meiftentheild mit gewiſſen aufge: 
druͤckten Zeichen und Bildern bemercket / daher fie Terræ Sigillarz , 
item Boli genennet werden / weil ſie gleichfam einen einigen Biſſen 
oder Mund-vollausmaden. Man findet ie fo wolder Farbe als den 
Oertern nach / da ſie herkommen / ünterfchieden. Viel fommen aus 
Orient, als Arabien / Armenien / dann auch aus der Inſul Samos und 
Lemnos, item aus Ungarn von Gran / fo wird auch aus Schleſien und 
Böhmen bielgebraht. Ausder Inſul Malta hat man verſchiedene 
Sorten. In Norwegen und andern Nordiſchen Dertern findet man 
auch dergleichen Erden. Ihre Farbe ift entweder braunrohte / Leib⸗ 
—— gantz blaßroht / gelb/ Ockerfarb / braune/ ſchwartze oder weiſſe. 

en qufgedruckten Zeichen nach haben die meiſten Sorten Arabiſche 
Buchſtaben / welche alle aus Orient kommen / theils haben halbe Mon⸗ 
den / weiche ebenfals aus Rändern / fo Tuͤrckiſcher Bohtmaͤßigkeit un⸗ 
terworffen / herkommen / wiewol nicht alle. Wann ein — 

ein 


Ter 1267 


ee 
ein Schiff darauf gedrucket ift/ fo kommt die Erde bon Malcha; Ber’ 
ge mit Creutz · weis gefegten Schlüffeln / bedeuten Erde vom Gran / 
wiewol auch Boͤhmiſche unter diefem Zeichen zu finden; Ein ausge 
Fpannter Adler zeiget die Schleſiſche Erde an. Doc it zu merdten / 
Das auf Diefe Zeichen fo gewiß nicht zu bauen / weil eine Erde / fo zu 
Tocoai in Ungarn gefunden wird / eben wie der Armeniſche Bolus ger 
ichnet ift/ welches mit andern eben alfo zugehet. 

y denen Materialiſten iſt heutiges Tages bekannt Terra Sigillata 
alba, Gryfeacommunis, Gryfea ftrigenfis, rubra communis , rubra 
Turcica, fandti Pauli alba, alle diefe Erden werden vor gut gehalten/ 


wann fie wohlziehen. Die weiffe hat man in Teutfhland um Nuͤrn⸗ | 


bergherun / die Tuͤrckiſche rohte wird vor allen andern gelobet / die 
Matheſiſche wird Terra Sigillata ſancti Panli genennet/wie dann aud) 
auf der einen Seiten deffen Bildnip zu ſehen iſt. 
Terra Lemnia, kommt in kleinen Stũcken von Eonftantinopel / {fl 
ang glatt und auf Roht geneigt; wann folche aufberZungen fehr zie- 


/ und nachdem (le naß worden/ indiele Stüde zerfällt / fo wird fle . 


dor gut gehalten, ift aber var zu bekommen / weil die Türcken berbo⸗ 
ten/ folche auffer fand zu führen. Vide hiervon / und fonderlid bon 
den Ceremonien , welche die Türden bey Grabung dieſer Erden ge» 
brauchen/ deö Happ. Relat. Cur. part, 2. pag. 121, 
Terra Labacenfis, fiehet der Terra Lemnia nicht viel ungleich. 
. Terra merita, vide Curcuma. 

Terra Tripolitana, Trippelift fehr im Gebrauch / die Metaflene 
Geſchirr damit zufegen undzu reinigen ; ed iſt ein weicher zarter 
Stein / oder vielmehr Thon / der weißgrau und gelb gefanden wird. 
Er kommt über Melfchland aus Africavon Tripolis; wann er recht 
weich und zart/ auch nicht fandig iſt / ſo iſt erredht gut. Diefer Tri⸗ 
pel-Steinoder Thon wird auch don einigen Englifches Ocher- Gelb 
genennet. | 

Terra viridis , feu Viridismontani oder Chryfecolla, Berggrün/ 
kommt die befte aus Ungarn / ift öffterd von dreyerley Sorten. 

Aler Giegel-Erden wird eine anhaltende und daben den Gifft treis 
bende Rrafft zugefchrieben / daher fie von einigen gar unter den The⸗ 
riac mit genommen wird/ abfonderlic) ift das fo genannte Pulvispan- 
nonicus ruber deswegen ir Hochachtung / weil es in Flecken⸗ Fiebern 
und der rohten Ruhr groſſe Huͤlffe thut. Die Apothecker machen auch 
ein ſaͤuerlich Waſſer davon / Spiritus Terræ figillatz genannt; Ja in 
Sachſen findet man gantze Geſchirr und Becher von dieſer Erde / weil 
fiefeinen Bifft leiden/ und Von denen darein gethanen vergifftenSpei« 
fen oder Betränden zerberſten wi ii 


Terra 





; 1268 Ter 


Terra Novi Regni, eine von den Erfinder derſelben / welcher ein 
Mitglied der Königlichen Preufifchen Societät der Wiſſenſchafften iſt / 
fo benahmte leimigte aber fette weiffe Erden / welche in der Marck⸗ 
Brandenburg unweit Berlin gefunden / und darum diefen unfern 
Kauffmanns⸗Magazin inferivet wird/weil obgedachter Erfinder auch 

ugleich die Handgriffe befiget / wie aus folder Erdeneinedem OR: | 

evifden Porcellain in allen gleiche Gefaͤſſe können gemachet werden/ /⸗ 

ja esfoll gar gedachte Erde auffer dem noch etwas in ſich begreiften/ / 
welches berühmten Chymiatris zu fonderbahrer Speculation und Ver⸗ 
wunderung Anlaß gegeben / wie wir ſolches aus nachgefegten Brief 
des Hn.D. Hoffmanns zu Halle / welchen er über das Befinden diefer 
Erde / andie KRönigl. Preugifche Societätder Wiſſenſchafft abgehen 
laſſen / mit mehrern darthun wollen. Es lautet aber ſolches Schrei⸗ 
ben von Wort zu Wort / als folget: 
Was die überfandte Erde anbelanget / ſo habe diefelbe genau exami- 
niret/und befinde/ daß es gar eine fonderliche Art von Erde ſey / der- 
gleichen ich niemahls gefehen / vielweniger davon gelefen / wann «8 
anders nur eine Terra ſimplex & foſſilis, und nichteine per artiſcium 
compoſita iſt / weswegen ich will freundlichft gebeten haben / (ich dar⸗ 
über genau zu erkundigen, wie auch — Dt, wo man ſie breche; 
dann ich Habe durch das Examen Chymicum in diefer Erde gefunden/ 
was fonft durchgehends alle Phyfici & Chymici, daß eöfönnte ineinen 
Foflile & mineralienthalten feyn / vor unmüglich gehalten: id) habe 
nemlich befunden/ ald ich ein biertel Pfund davon genommen/ und in 
eine thönere Retorta gethan / folglich in offenen Feuer deftillivet / daß 
ein Phlegma oleofum volatile übergegangen welches in beykommen⸗ 
den BläsgenN. ı, enthalten ift / daraufift erfolget ein Sal volatile & 
oleum, faft wie das Olcum Cornu Cervi , welches Inden Glaͤsgen N. 
a. enthalten. Dieſes Sal volatile, wann man davaufeinen Spirirum 
acidum v.g. den Spiritum Vitrioli gieffet / fo machet es eine hefftige 
Ebullition, Ich habe ferner von diefen Oleo etliche Tropffen in Spi- 
ritu vini rectificatiſſimo folvirt / daraus eine fhöne Tinctur entſtan⸗ 
den / welche zu 40. Tropffen eingenomnten/überaus ſtarck denSchweiß 
treibet; das Caput mortuum, welches in der Retorte zurück bleibet / 
iſt eine luckere weiſſe Erde / vom Geſchmack ſehr alcaliſch / wie ein un⸗ 
geloͤſchter Kalch; Iſt alſo Verwunderns wurdig / daß ein loſſile ter- 
rem, (mo ed anders eines iſt) ein Sal volatile beyfich führe / welches 
fonft nur in regno animali allein zu finden ; ich bin dannenhero aufdie 
Gedancken gekommen / ed ſey diefe Erde eine Terra artificialis , deren 
ingredienria partes offium animalium calcinarz feynd. Was fer⸗ 
ner anbetrifftdie Frage: Ob aus diefer Erde ein Japoniſch Porcel- 
lan gemacht werden könne? ſo wird folches auf eine Probe ankom⸗ 
men/ 


* 


nn u. — m 


Ter Tef 1269 


men / und NB.mwill ich daran nicht zweiffelu/ daß aus diefer Erden ein 
Vitrum fonne gemachet werden/ dann alle partes animantium, die ein 
Sal volatile bey ſich führen/ gehen in Vitrum, wie dann das Porcellain 


ſelbſt nichts anders aldSpeeics vitri iſt / und nur darinn differivet/ daß 


es nicht wie Blas im Feuer fpringe/x. Soweit Hr. D. Hoffmann / 
welcher nach der Zeit diefe Erdein einer Difput. de Thermis Caroli- 
nis fehr loͤblich und als eines rari qvide. 3.8.1. gedendet. 

Es hat aber der Erfinder Diefer Terre Novi Regni, mit demllfu ma- 
chanico derfelben ſich nicht allein vergnüget / fondern auch ein Ufum 
medicum daraus gezogen / durch welchen viel Gelds vor die auslän- 
Difche Terra ſigillata fönnte erſparet / und hingegen aus diefer ein Er» 
trägliches alle Jahr nicht nur in augmentumararii publici , fondern 
bornemlid) zur Confervationder Gefundheit vor Arme und Reiche 
Fönnte gemachet werden. 


TerraChia ; ift eine fehr weiſſe Erde / kommt aus der Inſul Chio 
ober Scio, indem Archipelago gelegen. Gievertreibet dDieXungeln 
des Angeſichts / machet felbiges ſchoͤn glängen ; die Weiber gebrau» 
chen ſie im Bad/ die Haut damit ſchoͤn zumachen. | 

Terralluana , wann man biefe Erde mit Eitronen-Gafft bermen⸗ 
get/ gibt ſie ein treflich Mittel wider dieböfen Fieber / ſie ftillet auch 
wegen ihrer adftringirenden Kraft allerhand Blurflüffe. 

Terra Martialis, Martialifche Erde wird in den Eifen-Gruben ge: 
funden/ auch wol zur Artzeney gebraucht warn ſie nemlich erftlich im 
Schatten getrocknet / hernach pulverilivetworden. 

Teſt / wird von wohlgereinigter Holtz⸗ Aſche / mit bermengter Bein⸗ 
Aſche / in einem Pfännlein dichte geſtampffet / und hernach das Silber 
darauf gebrennet. 

Teſt⸗Bley / Plumbago Factitia. 

Teſtudo, Schildkroͤte / a teſta five operculo teſtaceo, bon der 
Schaale oder dem Schilde / damit ſie bedecket ſeynd / alſo genannt; ſie 


ſeynd ſonderlich viel bey Cochinchina, an den Fünff- Infuln / les isles 


des Tortües genannt/ zu finden ; Ihr Fleifch wird bey den Tungvi- 
nern vorein Reder-Bißleingehalten/ ja es wird in groffer Menge ein: 
gefalgen/ und in fremde Derter verfandt / eben als wie bey uns in Eu⸗ 
ropa mit dein Pöcelfleifch Handlung getrieben wird. Go feynd aud) 
die Schaalen durd) gank Alia von guten debit und Abgang/ wegen der 
vielfältigen Manufadturen / fo daraus gemacht werden. Ja es ſoll 
zwwifchen den Tungvinern und Cochinchinern desSchildpaten-Fangs 
balberofft Krieg entftehen / eben als wie zwifchen den Engelaudern 
und Holländernwegen des er wol ehe gefchehen/ — 

$ jeder 


1270 Teu 


jeder (ich den Fang derSchildpaten allein zueignen will. Vide Taver- 


nier, part, IV. Reſat. de Regn. Tungvin.p. ij. 


Teucrium ‚vide Veronica , Ehrenpreis. 
Teucrum latifolium, Chamzdrys, groß Bath-Engel. 
Teufels: Abbis/ v. Morfüs Diaboli. j 
Drecd/ vide Ma fatida. 
Flucht / v. Fiypericum, 
Klauen/Lycopodium, Mufcusterreftris. 
Kirſchen / Uva anguina, Apiaftellum, Baccæ Bryoniz. 
Miich / Tithymalus platyphyllos, Efula. 
Wurtz / Acomtum Cœruleum, Napellus. 
eutſcher Achorn / Masholder / Waldeſchern / Acer. 
Bernklau oder Berntaſch / Acanthus Germanica. 
Coſtus / Petafiles. 
groſſer Koͤrffel / Myrrhis, Cicutaria odorata. 
Syacinth / Hyacinthus, Germanicus Stellaris. 
Ingwer / Arons-Wurs/ Arum, Barba Aronis. 
pfeffer / Zingiber Caninum. 
ET Pulegium Germanicum tertium. 
Spick / Spicahortulana, vel noftra, 
Stech oder Sanddorn/Rhamnusfeu oleafter Germanicus, 
Theriacks⸗Wurtzel / Pimpinella & Valeriana. 

aufs Waaren begreifen faft alles in (id) was zu des Menſch⸗ 
lichen Lebens Nahrung und Rothdurfft erfordert wird / fo daß auch 
Zeutfchland warn eönur felbft wolte ſich nicht allein in (ich felbft / ohne 
fremde Zufuhr vergnügen/ fondern auch von feinen Uherfluß nach an⸗ 
dern Laͤndern nittheilen fönte/ dann da mangelt es ihm nicht an ret» 
chen Bold/ Silber / Kupffer / Zinn und Eifen » Bergmwerden/ an aller» 
hand Beträyd/ delicaten Weinen’ herrlichen Baum und Feld ⸗ Früch · 
ten / an Ehe Wachs / wilden und zahmen Thieren / an Holg zu 
Schiff und Haufer bauen/ an Flachs und Wolle / auch fo gar nicht am 
Seide / wann man nur felber die Muͤh ſolche zu erzielen nehmen molte/ 
die teutfchen Handwercks · Leut ſeynd uͤber dem ſcharffſinnig unberdrof- 
fen/ und reich von Erfindungen; der Poͤbel und Baursmann iſt arbeite 
fain/ alle Manufacturen (mie wenig Sorge die meiſten teutſchen Po⸗ 


ATIı TI 


1111111111 


tentaten auch nehmen / dieſelbe in Flor zu bringen /) vermehren ſich 


doch gleichſam von ſich ſelbſt / und beſchaͤmen / nebenſt der gütigen Na⸗ 
dur / welche auf und inden Teutſchen Boden ſo kraͤfftig herrſchet vieler 
Provincien Obrigkeitliche Perſonen / daß fie mit ihren heilſamen Geſe⸗ 
Gen und Verordnungen / ihnen nicht weiter zu Hülff kommen und alle 
Kindernifien ihres thums aus den Wegräumen. Es iſt aber 

vor 


7 


Ten Tha 1271 


Der teutſchen Commercium und ſonderlich der / in unſern Ländern her: 
Vor kommenden Waaren ihre Befchreibung fo leicht nicht als ande⸗ 
zer Länder ihr vor Augen geftellet / weil erſtlich Teutſchland fehr groß 
und feiner Provinzen fo viel / die darinn durch Natur und Kunft her» 
vor gebrachte Waaren noch mannigfaltiger und endlid) Die Commo- 
dität felbige zu Waffer und zu Land weit und breit zu verhandeln/über- 
aus beqbem iſt / wie wir ung deffen zu mehren Beweiß aufunfer Neu⸗ 
er oͤffnetes Manufadturen-Haus/ und aud) auf D. Becher Tradtar bon 
Auffnahm der Republigven und Länder / wollen bezogen haben. 
Allhier aber nur mit wenigen noch anführen / daß Teutſchlands Situa- 
tion, die Situation aller andern Länder (info weit man bon der Bes 
gbenslichkeit zu denen Commerciis reden will) weit übertreffe / dann 
von Oſten ftehet ihn der Orientüber Ungarn und Polen offen / und 
waͤre ed nicht wegen der vielen in Ungarn und Pohlen faft immer an» 
haltenden Kriegs: Troublen ‚fo wäre ſchon längft der Drientalifche 
Kandel mit allerhand Tuͤrckiſchen / Perſianiſchen und Indianiſchen 
Waaren / in Teutfchland in Florgeftanden Bon Mittag hat Teutſch⸗ 
land Italien / wohin es ebenfalls groffe Handlung treibet / von We⸗ 
ſten / Franckreich wiewohl die Handlung dahin / (ehe die Reformir⸗ 
ten aus Franckreich vertrieben / und bey und die Manufacturen ein⸗ 
führer worden) Teurfchland fährlih um ein groſſes Gtüd Geld ge: 
„bracht / und zwar unnüger weiß/weil man wenig anders ald zur Pracht 
and Hoffart dienende Galanterien dafur heraus befonmmen. Cnd> 
lich dat aud) Zeutfchland von Norden/ Holland und Engeland / Dän- 
nemarck und Schweden/ nach welchen Reihen undLaͤndern insgefamt 
Die Teutfchen Commercia häuffig etabliret feynd; was an natürlichen 
und auhdurd Kunft gemachten Waaren aus Teutſchland ausgehet/ 
iſt faft unzehlich / und kommt dagegen nichtö anders wieder herein / 
als Gewuͤrtz und Droguiftereyen / dann was die Hanfee-Städte aus 
‚andern Ländern zu ihrem Gebrauch ziehen / hat Teutfchland mehrene 
theils ſelbſt / wiewol nicht fo in Lberfluß/ daß ſo viel Volckreiche Staͤd⸗ 
te ohne auslaͤndiſche Huͤlffe davon ſolten koͤnnen vberſehen werden Die 
Seide und Baummollen/ welche aus Alia und Italien in das Roͤmiſche 
Reich kommt / iſt auch von der Beſchaffenheit / daß man derfelbengar 
wohl entrahten / und mit dem / was uns die Natur verliehen / ſich be⸗ 
gnuͤgen künnte. Ein mehrers von dieſer Materia beſtehe in unſerm 
Tractat (Das bey feinem Uberfluß unvergnuͤgte Teutſchland) 
genaunt. 


Taalictrum majus, Pfeudo Rhabarbarım Barba caprina minor, 
Wieſen-Raute / Heilblat; die — erweichen den Leib / erregen 
Brechen und treiben den Stein. Die Wurgel iſt gut vor dieb N 

un 








1272 Tha Zu 
und Miteffer/ Berufung der Kinder / wann nemlich ſolches Kraut 
‚ihnen in die Wiege geleget wird. 

aa flore albo, laxirt und dienet Vor die gelbe Sucht und 
Dell. 

Thalictrum canadenfe zeitiget / macht eytern / und heffet die 
Runden. 

Thara nennet man dasjenige mas man bey Verfauff einiger Waa⸗ 
ren bor dieemballage Kiften und Faͤſſer in welche die Waar gepadet/ 
item vor gut Gewicht abziehen laͤſt / und zwar gefchichet folche Thara, 
entweder eingefuͤhrte Gewohnheit nach / auf gewiſſe Waaren in ge⸗ 
wiſſen Pfunden / vor das gange Stück / Faß / Kiſte oder Sack / oder 
auch auf gewiſſe Pfunden und pro Centum welcher Abzug dann in ei⸗ 
ner jeden Handels⸗Stadt ber darinn hergebrachten Gewohnheit nach / 
fo feſt eingeführet/ daß warn nicht durch eigenen Willen des Kaͤuffers 
und Verkäufers unter ihnen davon abgegangen wird / ſolcher beſtaͤndig 
und ohne Wiederſpruch bleibet. 

Ras aber eine jede Handel-Stadt / aufdiefer oder jener Waar vor 
Thara zugeben gewohnet fen / ſolches würde allhier anzuführen viel zu 
meitläufftig feyn / wir vergnügen und dieſes Orts nur die inYambur 
gewoͤhnliche Tharaein oder anderer Maaren zu fpecificiren/ ſolche i 
nun als folget / aufı. Sad Engliſch Pfeffer 3. Tb. 1. Gad Dänifch di- 
102,16. 1. Sad Hollaͤndiſch dito 4. Tb. 1. Beutel ſchwartzen Ingber z. 
Tb. ı. Beutel gefchabten dito 2. Tb. i. Sack ſchwartzen Ingber 4. TB. 
1.Sad Meiffen dito 4.16. ı. Sad Grein 4. biös.Tb. 1. Sad Com- 
mien;.biß4. 1b. Sack Reif 3. Tb. 1. Sad Balentifhe Mandeln ;. 
16. 1. Sad Proventiſche Mandeln 4. Tb. ı. Korb Barbariſche Man⸗ 
delns. TB. 1. Sad Ballens. Tb 1. Sad Flachs 6. bis 7. Tb. 1. Sad 
Anis; bis 4. Ih. ı. Sud Nofmarien 4. biss. Tb. 1. Faß Goslarifch 
Viärilso.fb. 1. Faß Lytargirum 20. Tb. 1. Pipe Liffabonifch Del 
12,16. 1. Pipe Sebilianiſch dito 120. Tb. 1. PipeMallaga dito 130.Tb. 
1. Pipe Majorckiſch dito 130. TB. 1. Faß Breplauer Röthe 100 TB. 
groſſe Roll Breſils Tobad s. Tb. 1. Heine dito 7. Tb. 1. Kiſte Indi- 
go qvatimalo 40,1. 1. Kiftelndigo mit Riemen 42. Tb. ı. Kiſt Bru- 
nellen 3b. 1.Dofe Brunellen z- TB. 1. Sad Citronen⸗Schell s. 
big o.Tb. ı. Sad Oranien⸗Schell s. bis .Tb. 1. Tertz Terpentien zr. 
1b. 1. Oxhöfft dito 70. Tb. 1. Lägel Qpeckſilber 2.Tb. ı. Tonne Roth: 
ſcheer 49. {b. $. Tonne dito 28. IB. 1. Tonne Butter Schmalband 
42.16. 1. Tonne Butter Buckband 40. Tb. 3. Tonne Butter Schmal⸗ 
band 23. 16.4. Tonne Butter Budband zo. Ib. J. Tonne Butter 
Schmalband 4. 1b.4- Tonne Butter Buckband ı6. Tb. x. Tonne 
oder 


Tha 1273 


—— — Schmalband s. Tb. $. Tonne oder Küngen Butter Bud: 
ande. Tb. 
| Flach pro Centum haben ihr gewiſſes Thara. 

Allerhand rafinirte Zuder pr. das blaue Papier und Bindgarn r. 
proCentum, Bermudes und Martinix Zabad ı. proCentum ‚ Blaufel 
in Säfferns. pro Centum, Barbadifche und Caribiſche Zucker inZäf- 
fern ıs. proCentum Corinthen in gange und halbe Bothen 14.proCen- 
zum, Corinthen in Qpart Boten ı 5. pro Centum, Capers in Oxhöfft 
mit Eßig und KHolg zs. pro Centum, Caton in &Aden 4.pro Centum, 
Dänifcen Allaun in Tonnen 10. pro Centum, teutfche Pottafch s. pro 
Centum, Engliſch Victrilin Oxhöfften 10. pro Centum, Feigen in Fleine 
Fãßgen 10. proCentum, Rrappein Ballenı3.ä2.pro Centum, Lor⸗ 
beern ı.pro Centum, lange Roſien in Faͤßgens 10. proCentum, lange 
. Mandel in Faͤßgens 10. pro Centum, Mofeovifche Pottafchs. pro 

Centum, Del in geoffen Boten ia. proCentum, Pflaumen in Scffern 

10. pro Centum, Pollnifhe Wolle in Säden 3. pro Centum, Schmad 
3. proCentum, Gafflor in Säden z. pro Centum, Geiffein Kiften ı0. 
pro Centum, Frantz Syrop ı0.pro Centum, 
Bon der Berechnung der Thara iſt zu wiflen daß unter denen Arithme- 
ticis (welcher geftalt ſolche gefchehen folle) noch eingroffer Diſput fey/ 
einige wollen daß die Thara pro Centum allemahl nad) Art einer Ra- 
batt· Rechnung / und alfo nad) den Thara auf hundert muͤſſe berechnet 
werden / zum Exempel wann 10 pro Centum oder 14. pro Centrum 
Thara von einer Waare gegeben werden / muͤſſe man alfo zur Regel 

esen. 
ſes no- {b. —ı0,— TB. oder na. ⸗14. was? TB. 
Andere aber wollen Eur um nur dad Thara bon; hundert oder in hun 
dert gelten laffen/ und wann zum Exempel 10. oder 14, pro Centum 
Thara gegeben werden / folle und müffe man in Kegel ſetzen. 

100. [B.— ı0, Tb. — was? oder 100. Ih. — 14. — maß? 
Diefen unnöthigen Streit aber —— / giebet Herr Valentin 
Heins in feiner Arithmetiſchen Schatz-Kammer p. 236, diefe Rach⸗ 
richt / daß man zwar gar leicht berechnen könne / wie viel Thara der 
Derkäuffer entweder aufoder von hundert Pfund eigentlich geben 
koͤnne / (wann man nemlich gar gewiß weiß mas fo wohl die annoch 
einzupadende Waaren / ald auch die Faller / Boten / und Uxhöffte/ 
darinn die Waaren eingepadet werden ſollen / befonders wägen) aber 
hieraus flieft gar nicht / daß man auch gewiß fagen koͤnne / ob der 
Thara beyfolden Waaren/die ſchon eingepacket / und zu verhandeln 
ſeynd / entweder nach den fo genannten Thara , auf oder von hundert 
nothwendig herechnet werden müffe / die Urſach ift daß mau ja — 

wei 


1274 Tha 
weiß/ob der erſte Einpacker den Thara entweder nad) ben auf-oder von 
hundert geinacht habe / wie es ihm dann frey geftanden (ich fo wohl 
der einen al6andern Rechnungs · Art zu gebrauchen. 
Daun warn ex gr. eine Waare Netto 609, Pfund/ derimfchlag aber 
oder das Gefaͤſſe / darinnen diefelbe vermacyet wird 40. Pfund waͤge / 
fo Fan man beederley Thara nad) Belieben machen / als rechnete 
tan auf soo. Pfund Netto feynd 40, Pfund Thara zu ſchlagen / wie 
viel feyud auf 100, Pfund Netto zu legen / fo kommen zum Fach 63 - 
Pfund/ und diefe 53. Pfund Thara müffen allhier zu 100. Pfund Ner- 
to hinzu gethan/und deßwegen (teil 100. Pfund Netto und 53. Pfund 
Thara zuſammen kommen nad) Art der Rabart Kegul wird abgered)> 
net werden. 

1063. — 63. — 640, 1b. Thara, 


Rechnet man aber von oder in 540. Brutto feynd 40. Pfund Thara 
zu decortiren/ wie biel müffen von 100. Pfund Brutto gefürget wer» 
den / fo entftehen zum Facit 64. Pfund/ und weil diefe sz- Pfund Tha- 
ra nunin dewen 100. Pfund Brutto ftedfen / müffen feibige auch dar» 
aus berechnet und demnach allhier nur nach gemeiner Rechnungs⸗Art 
verfahren werben. 100 — 6%. — 640, Ib. 
Facit auch 40. Tb. Thara mie oben. 
Woraus dann erhellet / dag geftalten Sachen nach fo wohl die eine als 
andere Thara Berechnung pasfıren und bor billich erkannt werden 
koͤnne / und daß daman allhier einen Weg von beeden wehlen / und 
demnach gewiß gehen wolle / man vorhero willen müffe / wie der 
Thara beym Einpacen der Waare gemacht oder calculirt fey. 
Dann wie derfelbe aufoder in oo. Pfund Nero berechnet worden / 
eben fo muß er auch wieder davon abgerechnet werden / dafern fonft 
alles in der Billigkeit beftehen fol / hiebey ift aber nicht zu vermey- 
nen / daß bey ſolcher Ungewißheit beyn Kandel in Thariren/ bald vor 
den Käuffer / bald vor den Berkäuffer ein groſſes Prejudicium entſte⸗ 
hen koͤnne / diefes iſt aber —* daß der Thara von⸗oder in hundert 
allemahl an vortheilhafftigſten vor den Kaͤuffer ſey / wie gegentheils 
der Thara auf hundert den Verkaͤuffer jedes mahl am beſten favoriſi- 
ret. 
Wann demnach in pundto , des abzurechnenden Thara pro Centum 
bis daher Fein fefter StyIgefegt werden koͤnnen / ſo Läffet man die desfalls 
feden Orts bey denen Mereantiften fattfam geauthorifirte und der» 
jährte Gewohnheit billig fo lang ungebrändet / bis eine durchgehends 
gleiche/oder einerley Rechnungs: Art/ es fey entweder nad) denThara, 
auf oder von hundert / fo wohl bey erſter Einpackung / ald nachmahliger 
Berhaudelung der Waaren beliehet worden. Char» 





Gem — —— 


Tha The 1275 

Tharſien⸗Wurtz / Ferulago ‚Omeritium, Thapſia. 

Thaxthax, Papaver Sativum, 

Thee, Chia Herba, Yon den Japanern Tchaoder Cha, und bon den 
Tartarn Tai oder Tzai, in China aber Thée gegannt/ift eineArt eines 
kleinen Baͤumgens oder Bufched/ deflen Blätter Dundelgrün / und 
laͤnglicht / vorn fpigig und rund herum eingefchnitten/ die Rinde aber 
weißlicht iſt / nach Unterfchied des Landes / wo ſolches waͤchſet / 
artet es ih auch wie alle andere Früchte aus/ indem es offt feine Farb 
Geruch und Geſchmack verändert und manchmahls lieblich / bald 
Seiffen aͤhnlich / bald wie ein Brodt/ (welches mit einen Meffer damit 
man KHeringe zugerichtet Enter worden/) bald wie faul Fett/ 
unvein und (chmierig ſchmerket / fo daß auch hernach das warme Wafs 
fer den Geſchmack und Farb davon annimmt/und entweder hellgruͤn⸗ 
Lich oder braun/ oder Schwarggelb ingivet wird / doc) wird die erſte 
Art vor die befte gehalten / die Saat davon laffen die Indianer nicht 
aus ihren Land / ſondern wann (le felbige ja an einen Fremden verkauf⸗ 
fen / werffen ſie folche erſt in ein Fochendes Waſſer / um zu verhindert / 
das andere Nationes felbiges nicht ſaͤen koͤnnen / ed wird aber ſolche 
Saat innerhalb den Blumen gefunden/ welche aufden Thee-Stengel 
waͤchſet / und von auffen aus s. Blättern beftehet / innwendig aber mit 
och mehr Blättern befeget iſt. , 

Der Thee fo in unfere Länder er wird iſt gemeiniglich auf 
zweyerley Art getrucknet / ſintemahl die Japonier ihren Thee gank an» 
ders ald die Chinefer zubereiten / dann diefe pfluͤcken alle Blätter/ je 
des abfonderlich / (um die Aeften dieſes Heinen Baums nicht zu belei⸗ 
digen) ab/ worauf fie ſolche fauber in ein Körbchen legen/ nach Haufe 
tragen und in ein warm gemachte Pfannewerffen/ felbige umrühren / 
und alfo mählig trucken laflen/ hernach legen fie diefe geirucknete Blät- 
ter auf feine Matten /und rollen fein einander : Hierauf fchütten ſie 
felbige wieder in ihre Pfannen / trucknen jle abermahl / werffens alsdan 
wieder auf die Matte/ und roßen fle aufs neu zufanımen / hierauf a⸗ 
bermahl in die Pfanne bis (le * getrucknet nd / und dieſes wie⸗ 
derholen ſie oͤffters / zuletzt legen ſie dieſe getrucknete Blätter in Zin⸗ 
nerne Gefaͤſſe oder Blecherne Buͤchſen / und bewahren (le vor den An⸗ 
fall der Lufft / weil die Erfahrung ſie gelehret dag der Thee bon der 
freyen Lufft verdorben wird / und daß eben derfelbe nicht allein eine 
ſchwarhe Tinctur am ſich nehme / fondern auch einen unangeneh⸗ 
men Geſchmack der Zungen verurfache / ſolches nun zu berhindern / 
legen fie in die Mündung der Flaſche ein befondered Stüd Holtz / 
welches dieweil ed aus einen Alcali beftehet / ale Saͤure und Waffer 
an (ich ziehet und den Thee davon befreyet. Dieandere Manier wel» 
she die Japonisr haben / heſtehet darſun / daß ſie die Blätter — 

au» 


BO ———— 
fauber pflücfen/ diefelbe aber zwifchen Papier trucknen welches dann 
die Urſach ift/ warum der Japonifche Thee nicht fo fehr ald derChinen- 

‚fer ihrer in einauder gerollet if. 

Die Qralitaͤt des Thees und welches der befte fe wohl zu erkennen. 
So hat man weder auf den theuerften/welches der Chinehfche Känfer: 
Thee genennet wird/ oder auf den allzufehr zufanmen gerollten zu re- 
flectiren / fondern dielmehr auf die Couleur und deflen Geſchmack 
warn er gebrauchet wird/ ſintemahl oft ein Thee der wohlfelleinge- 
Faufft worden / und ein nicht allzufehr gerollter / fo gut ald der Foftbare 
befunden wird/ durchgehends ift der Thee nicht gut / welcher nicht 

recht trucken iſt / dap man ihm zwiſchen den Fingern zu Pulver rei- 
ben kan / er muß auch allzeit in Zinnernen gefchloffenen Flaſchen / wel» 
che oben mit einen Pfropff von Pantoffel Holtz gefchloffen und nicht in 
ꝓ̃apier / oder Gläfern aufbehalten werden / weildie Luft und Feuch⸗ 

tigkeit ein groſſer Feind dieſes Krauts iſts / und denfelben meld und 
weich machet / wordurch dann deſſen feinſte Theilgen ſich verlieren 
ind ausdünften. Die Farbe des Thees muß grün » blau feyn / und 

‘den Glantz eined Krauts haben / das langfam getrucnet worden / 
ziehet ſich die Coleur mehr nad) den rothen zu/ fo ift der The ben wei⸗ 
ten nicht fo gut / man muß auch fehenob Fein Grieß darunter ift/ und 

ob die Rollen der Blatter zu Pulver worden / welches der Anfang des 

Verderbens ift/ ferner muß man aud) den Geruch des Thees wohl un⸗ 
terfuchen/ und je frifcher folcher ift/ je mehr muß er nad) frifch getruck⸗ 
neten Heu riechen / follev anderögutfeyn. Es ift aber der Geſchmack 
das vornehmfte Kennzeichen des Thees ‚ folder nun muß bitter / ſtarck / 
lieblich / durchdringend / und in etwas zuſammen ziehend ſeyn / in die⸗ 


fen allen kan man dennod) betrogen werden ; allein der Thee mit Waſ⸗ 


fer getrunden/ Fanleicht erfennet werden /ob er gut oder. böß fey/ und 
zwar aus der Farbe die nicht gelb noch roth / fondern grün oder weiß⸗ 
icht feyn muß / ()aus den Geruch der friſch lieblich / und — 
die Raſe beruͤhret / (3) aus den Geſchmack welcher ſtarck und bitter 
iſt / wann man den Extract allein koſtet / wann er aber mit Dielen Waſ⸗ 
fern wie es ſich gehoͤret gemenget iſt / muß erfein ſubtil / nicht allzu bit⸗ 
ter / auch nicht gar zuſehr zuſammen ziehend ſeyn / und endlich (4) iſt 
diß ein guter Thee, der biel Extract giebet / und viel Koͤpffgens lie⸗ 
fert / doch iſt dieſes wohl ein profitabler Thée nicht aber allzeit der be⸗ 
fteundfeinfte. Der Einfauff des Thées geſchiehet ( aus der erften 
Hand bei) denen Oft-Jndifchen Compagnien in Engeland / Holland 
und Daͤunemarck / auch wird einige von denen Persianern und Moſco⸗ 
witern zu uns gebracht welches aber gemeiniglid Tartariſcher Thee 
der nicht fo gut als der Oſt⸗Indiſche Thee iſt / ſeither einigen Jahren 
ft der —* des Thees ſehr gefallen/ und da bor dieſen — * 

| ollaͤn⸗ 


| 


The "n7 


Holländifchen Thẽe so. bis 60. fl. verkauft wurden / kan man jetzt vor 
8. oder 10. fl. auch wohl weniger einenguten Thee erlangen / ſonder⸗ 
lich weil viel Leute auf kluger Medicorum einrathen / die Veronicam 
oder den Ehren» Preif/ item die Salvey mit ein wenig Wacholder⸗ 
Beeren und Saflafras Holtz an ftatt des Thee-Mafler zu trincken ano 
gefangen / und ſich daben beſſer als bey den koſtbahren Thec befunden 
haben / wie dann der allweife Schöpffer fo nügliche und Einheimifche 
Kräuter uns Teutfchen in unfern eigenen Vaterland gegeben/dag wir 
der Ausländifchen gar wohl entbehren koͤnnen / doch muß unfer wohl 
fortirter Kauffmann hierinn aud) der Mode folgen/ und ein jeden vor 
fein Geld geben / was ihm wohl ſchmecket. Wie dann auch beyden 
Thee feil zu haben erfordert wird / allerhand Porcellain , Kupffer / 
und Zinn aud) irrdenes Gezeug / in welchen man den Thee Fochet/ und 
deren man fi zum Trincken gebrauchet / welches mehrentheils ſonder ⸗ 
lich aber die lackirten Thee-Tifhe heutigs Tags in unſeren Teutſch⸗ 
land fo nachgefünftelt worden / daß lie faft von den wahren Oſt⸗Indi⸗ 
ſchen nicht mehr zu unterfcheidenfeynd. - | 
TheeEuropzum noflras , Myrtusexotica, chamæleagros Rhus 


Myrtifolio Poſt / Welſche Myrten/diefesrraut/Blätter und Saamen 
machet truncken und bertreibet die Peft. 


Theer / Pixfluida, pix ligvida, Eommt biel aus Schweden und Finn⸗ 
land und iſt unter allen der Gothlaͤndiſche der beſte / es wird aber der 
Theer / welcher aus den Wurtzeln des Fuͤhrnen Holtz gebrandt wird / 
in viererley Sorten eingetheilt / ald.(ı) in dunnen ber gang klar / und 
mie Oel ſo rein iſt / (2) In Ratheer der koͤrnigt iſt / (3) in geſchmeidig 
dicken / und(4.) in gantz dicken / welche Sorten insgeſammt von der 
in Schweden privilegirten Theer Compagnie müffen gekaufft 
werden. 

Theile von Menſchen / vide Sclaven. 

TheriacaAndremachi,Theriad ift das beſte Artzeney oder Schweiß⸗ 
Mittel / welchen unter Hohen oder Niedern / Reihen und Armen bes 

Eannt ift : Dieſes Compoſitum wird gleicher geflalt ald derMithris 
Dat nicht nur in Venedig / fondern auch in vielen andern Städten/von 
denen Runft-wohlerfahrnen Apotheckern und Materialiften gemacht/ 
welche einen Verlag haben zuſammen getragen/der( ch ſolches koſtba⸗ 
res Arkney: Mittel vermiſchet wird) borhero durch die darzu berord⸗ 
nete Dodtores Medicine durchgefehen / examıniret/ und viſniret wer⸗ 
den muß/ der Theriac iſt jederzeit ſchwaͤrtzer / hitziger und ſtaͤrcker / als 
der Mithridat und iſt wohl heutigs Tags faſt keine Stadt in Europa 
welche deſſen mehr als Venedig (dahero er auch den Beynahmen hat/ 
daß er der Venetianiſche genennet wird) und nechſt ihr Franckfurt am 
— Mmimm Maͤyn 


1278 The Thl 


Maͤyn verkauffet / wiewohl er auch wie ſchon gemeldt in allen wohl po- 
licirten Städten / da berühmte Apothecken ſeynd / Fan auffgeleget 


werden. 
Der verfaͤlſchte Theriac beſtehet aus faulen Birnen / Kollunder- bat⸗ 


merge / unter welche faule Aepffel vermifhet feyn / und dieſes iſt 


“nicht allein der Formale fondern auch der Materialifhe B Dor 
wenig Jahren wurde zu Drag ein Jude gehändt / welcher dergleichen 
und noch ſchlimmer Theria [ 
aus löfete/er hatte nemlich in dieBüchfen unten etwas Menſchen⸗Koth / 
und faule Birn/ oben aber darauf ein wenig guten Theriad gethan/der 
Strick aber war endlich dafür feine Belohnung. - 


Theriack⸗Wurtzel / Valeriana hortenſis major. 
Thermofcopia Wetter Glaͤſer / ſoll Cornelius Drexel bon Alckmar 
u erſt erfunden haben / heutigs Tags machen ſolche die Engelaͤnder 
—* accurat mit Qveckſilber / und mit einenZeiger / der durch Gewichte 
regieret wird / und die Gradu⸗ der Veränderung des Wetters / nad) 
ärme und Kälte andeutet. Doctor Becher gebraucht dieſe Thermo- 
fcopia noch) zu andern Gebrauch / neulich durch ihre Anzeig vermittelt 
eineö Venuils einen Chymifchen Ofen allzeit in gleicher Wärme zu re> 
gieren/und endlich eine Perpendicular· Uhr damit auffzuziehen / daß ſie 
deſtaͤndig gehe. 

Thimelæz, Mezeræum. 

Thierlein⸗Baum / Cornus. 

Thier / Vierfüßige Qyadrupedes, ſeynd entweder Solipedi oder 
ſolche / die keine geſpaſtene Fuͤſſe haben / als das Pferd / der Eſel / der Ele⸗ 
phant / oder Thiere mit geſpaltenen Klauen / und dieſe entweder wie⸗ 
derkaͤuende oder nicht wiederkduende / unter jenen iſt der Ochs / das 
Schaaff / die Ziege / (und was etwann ſonſt vor wilde Arten unter die⸗ 
ſe drey gehoͤren / unter dieſen das Schwein / ıc. man hat auch Qua- 
drupes digitati Thiere die an ſtatt der Finger Klauen haben / und die⸗ 
fe ſeynd wieder zweyerley / entweder Vivipari oder die lebendig geboh⸗ 
ven werden / als da feynd unter dem gang wilden der Loͤw / as Pau⸗ 
ther⸗ und Tieger-Thier und der Beer / unter den halb wilden der 
or der Dachs / der Biber) der Fiſch⸗Otter / der Haaſe und das 


aninichen/ unter den Zahnen feynd Hund und Kahzen / oder die aus 


den Ey gebohren werden/ als die Fröfche und Schild⸗Kroͤten. 
Thlafpi, Thlaspidium Bauren-Senff waͤchſt an den Zaͤunen und 
Waͤnden / der Saame und das Kraut eröffnen die innerliche Ge⸗ 
ſchwür / deſondern die Monath Zeit / toͤden die Frucht / und Scha⸗ 
den alſo den Schwangern/äufferlich aber reinigen ſie das Haupt durch 
ſtarckes Nieſen. 
| Thlas⸗ 


den feuten verkaufft / und groß Geld dar⸗ 


Th it. 1279 


NE I — — * 
Thlaspion von Languedock / ThlaspiNarbonenfe, Alyſſon ita- 


_lorum 7, | 

Thodler/Picus Cinersus,Sitta. 

Thomas-Zucker / Saccharum Thomzum, vide Zucker. 

Thran / ſo bon Wallfiſch und anderer See⸗Fiſchen ihren Fett ge⸗ 
macht wird/ iſt unterſchiedlicher Gattung / und unter ſolchen di — *— 
ländifche Cron⸗ Thran / (ald von welchen dee fchlechtfte ſchon ausfor- 
eiretift der befte/der Berger-Thran wird nicht fo gut als der Groͤn⸗ 
Ländifche gehalten / die Probe des beften Thrans iſt diefe / daß ein 
Tropfen davon wie eine Perl auf den Ragel ſtehet / und nicht abldufft/ 
man muß auch — daß kein Waſſer unter den Thran ſtehe / auch 
das er durchgehends in den Faͤſſern oder Tonnen huͤbſch lauter / und 
auf den Boden Feine Hefen habe / welche zwar die Seiffen-Gieder/ a⸗ 
bernicht die Weißgaͤrber zu Rugen bringen können / der meifteThram 
aus den See-Städten gehet nach Ober-Teutfchland u. | 

Thula, Thyla, arbor vitæ, Baum des Lebens. 

Thunis⸗Blum / groß und Elein/ Flos Tunctanus Major & minor, 
Flos africanus, | 


Thus,vide Weyrauch. 


ThymiamitisCortex, Weyrauch⸗Rinden / oder Thuris Cortex, 


ft eine branne ſtaubigte unanfehnlihe Kinde oder Schelffen / fo bon 
einen Indianiſchen Baum kommt / oder wie andere wollen iſt es das 
zurück gebliebene / von Auskochung des weiſſen Storax welches ſie zu⸗ 
rück legen und auftrocknen / etliche halten es vor rothen Storax ‚oder 
fhmargen Weyrauch / es wird flarck unter den Raunperck ver⸗ 
braucht / und wann ed nur guten Geruchs iſt / ſonderlich beliebet. 

Thym-Seide/Epichymum, 

Thymus Creticus, Cretiſcher / Welſcher / Xoͤmiſcher Qvendel oder 
Thym / iſt ein kleines zart und wohlriechendes Kraͤutlein / mit einer 
fchönen gelb: und leibfarben Blumen / vor diefem hat man fviche® 
SKräutlein nicht in Teutſchland — —— man muſte es ausCreta 
uber Stalien und Spanien bringen haſſen / es wird um Johannis ge⸗ 
ſanmet / und wächft gern an ſteinigten Orten: Das Thym· Kraut tan 

an ſtatt eines Gewuͤrtzes genutzt und ehraucht werden / imgleichen das 
inheimiſche Gewaͤchs auch / ſonderlich mann es ſchoͤn an Farb / und 
ſtarck von Geruch. 

Tilia foemina, Phillyrea Linde / ein bekannter Baum / die Einden- 
Bluͤh ſtaͤrckt das Haupt und dienet vor den Schwindel und Schlag / 
die Kinde iſt abſonderlich gut Vor Cachexiarn, Binden-MiftelV ifcum 
Tiliaceum iſt gut vor die fpwere Roth. 


Mmmm 4 An. 


4280 Tim if 
_"Timiana rother Storax / fo folder Hard und wohl rencht/ iſt es ein 
Anzeigen daß er noch nicht alt ift /und noch viel Saft hat / er wird auch 
fonft genennet ſchwartzer Weyrauch / vide Storar. | 
TinAuri eine Tinctur / deren giebt es ſo wohl flüßige ald trockene / 
die fluͤßige ſeynd nichts anders als ein Extradt mit ihren Menftruo, 
die trockene hingegen feynd Pulver / die ohne Verbrennung aus dem 
flieffenden Tincturen / nachdem man nenlic dad Menflruum abgejo- 
gen/ zuruͤck geblieben/ und dieſes Recht behalten allein die Mineralia ; 
man ziehet aber die Tincturen mehrentheild aus denen Vegerabilien, 
und unter folchen aus den Blumen / worzu dann unterfchiebene Men- 
Aruanach eines jeden Belieben erwehlet werden / am meiften aber die> 
net darzu das faure Phlegma vitrioli ; fo man nemlich auf blaue Blu⸗ 
men ein ſaures Phlegma , ald etwan Wein⸗Eßig giellet / fo werden 
fie davon roht; hergegen wird die Farb / woman ein Alcali , unge 
löfchten Kalck oder Weinftein darzu thut / in gruͤn berwandelt. Die 
gebräuchlichte Tindturen aus denen Mineralien feynd/ Tinctura auri, 
Argenti, Mereurii, Martis ‚ Saturni, Veneris, Antimonii , Vitrioli , 
Sulphuris, item der Ebelgefteine von Saphirund Smaragd. ° 
Aus Meer· Gewaͤchſen findet (ich Tindtura Corallorum , Corallen⸗ 
Tinctur / Succini Agtſteii. 
Aus denen Gewaͤchſen TincturaaAlkekengi ẽ Baccis Juden ⸗Kirſchen⸗ 
Tinctur / Eſſentia Croci Gaffran »Effeng / Ceraſorum nigrorum 
(warte Kirſchen / Fragorum Erdbeer / Hypericonis Johannlskraut / 
Florum Bellidis Maaplieben / Papaveris Rheados Schnellblumen / 
Peoniz Pöonien/ Rofarum, Violarum, Jalappz, Rhabarbari, Roris 
folis Sonnen:Thau/ Granorum fambuci, Ebuli, Tartari Meinftein. 
Aus den Thieren / Tindtura Fellis Tauri. 
Znſammengeſetzte Tincturen ſeynd: Anodyna Horflii, Aperitiva 
Mcœbũ, Bezoardica Mich. contra Calculum Langii, Catheretica Car- 
minativa, Citri Rofata, Diaphoretica Paracelfi, Odontalgica Pedto- 
ralis, falis Cornu Cervi, Salutis, Stomachalis Dolæi, dito Aromatica, 
Salis Tartari F. H. D. Rofarum de licata, Proprietatis, Sulphuris An- 
timonialis, Terr& folaris, Vitrioli Martis, 


Tineraria, vide Srechas Citrina. 

Tiſcher⸗Arbeit / de la Menuferie, kommt denen Kaufleuten in ih ⸗ 
ten Handel felten vor (ohne was ihren eigenen Gebrauch zu Kiften und 
Regalen betrifft in welchen fie ihre Waaren / fonderlich die feinen ein» 
paden/ und die ausgepackte ordentlich zu legen willen) oder mad etwan 
don vornehmen Leuten an Eoftbaren und uͤnſtlichen Meublen , von 
Ehen Eypreflen/ Oliven / Braſil⸗ und Andianifchen / Zucker⸗Dan⸗ 
nen- Wurgel/ Rußbaum / Mafern/ Erdern-und Königs: Holtz ben ih⸗ 

neh 


Tif Top 1281 


nen geſuchet wird / zumahlen da es der Tiſchler ihr Kunſt und Fleiß 
fo weit gebracht / daj fie Perlen⸗Mutter / Stein und Glas fünftlic) 
au fchneiden/ und in ſchoͤnes Holtz einzulegen wiſſen / wie dann bon fol« 





cher eingelegten Arbeit (da von Stein-und Perlen:Mutter / item von 


efärbten Holtz / gange Landſchafften undtreffliches Laubwerck / natürs 

iche Blumen und Früchte prafentivet werden) hin und wieder in 
Teutſchland / und bey vielen Künftlern fehr Ihöne Schreib: Contoir, 
mit öffentlichen und verborgenen Schub-Laden / rare Spiel-Tifche/ 
Gpiegel-Rahmen/ Schreib: Tifhe/ Pulten/ ıc. zu finden / ſo daß offt 
an einen dergleichen Funftlich verfertigten Schreib-Tifh ein Schlof 
und Schlüffel alle Schub-Räden eröffnet/ und das Schluͤſſel⸗Loch dar» 
an fo verborgen ift/ daß der/ dem der Vortheil er gezeiget wird / ſol⸗ 
ches ſchwerlich zu finden weiß. Alle dergleichen kuͤnſtliche Holtz⸗Ar⸗ 
beit/ welche vor dieſem allein bey den Tiſchern geſuchet worden / füh—⸗ 
ren heut zu Tag auch unſere alſo genannte Kunſt-Haͤndler und Galan- 
terieKramers / und zwar mehrentheils ſeiter der Zeit / daß die Chine⸗ 
ſiſche und Japoniſche Holg-Arbeit fo haͤuffig von denen Oſt⸗Indiſchen 
Compagnien in Europam gebracht worden / von welcher Zeit an auch 
Die Kunſt des Lackwerckens fehr hoch geftiegen / alfo daß (ie der Oſt⸗ 
Indiſchen wenig oder nichts mehr bevorgibt. 

Tiilxochtil, iſt eine lange und gang ſchwartz⸗braune Hülfe/ die aus 
Americafonımt; wann (le friſch iſt / ſiehet ſie grüunlich«gelb aus / der, 
Kern ift wie ein Honlg / aber gang ſchwartz und mit vielen kleinen Koͤr⸗ 
nern angefüllt. Ergibt einen vortrefflichen Geruch von ſich / der lan⸗ 
ge Zeit dauret/ daher fe auch bon einigen unter die Chogvelade mit 
genommen wird, 


Toback / vide Taback. 

Todten⸗Kopff / Caput mortuum. 

— Mooß / Ulnca, 

— Kraut / Ruta hortenſis,. 

—Violen / Vincaper vinca, 

Todte Neſſel / Lamiumalbum, Galiopfis, Urtica mortua, 

Toff oder Anorenfteine/ vide Steine, | 

Tolikoͤrner / Cocculi indi, & Cocculx. 

Tollkraut / Hyofciamus, Jufgvianus, 

Tolutanus, {ft ein Zumort eines Balfams/ welcher in Tola , (daher 

er auch den Nahmen führet/ gefammlet wird, 

Tonnerbare/ Sedum feuSempervivummajus, Barba Jovis, 

Tonnerbohne) Kraut / v. Fabaria, Craffulamajor, 

Tonnerrebe/Hedra Terreflris, 

Topas / Lateinif. Topafiusfeu Toparius, ein gemwiffer Sdelgeftein/ 
Mmmm z von 


1282 Top 
Le 
don unter ſchiedlich vermifchten Farben / mehrentheils aber von einer 
bleidgrünliden; wann er gelbgrün ift / fo wird er Chryfopras ge- 
naunt. Beyde Arten werden in Arabien gefunden/ und erreichen die 
fchönften darunter den halben Wehrt eines Diamants; feine Ver: 
faͤlſchung gefchiehet auf unterfchiedliche Manier man nimmt nemlich 
Dperment und Arſenici Chryftallifati, jedes ein halb Loht / salcinirt 
a8 1. Loht / alles aufdas feinefte pulverihret/ thuts in einem Tiegel/ 
und hernach auf ſolche Materie Stüden einer Ruß groß Berg-Chry- 
ftall < welche mit den Rubinen — Gewicht haben) und zwar ſo 
biel darzwiſchen kommen kan / bis der Schmeltz⸗Tiegei voll ift / als 
dann ſetzet man einen andern Schmeltz⸗ Tiegel darauf / berlutiret fol- 
hen wohl / laͤſſet aber. oben in den oͤberſten ein kleines Löchlein / und al⸗ 
les drey oder mehr Stunden in ſtarcken Feuer ſtehen / ſo wird es oben 


ſeyn / wie ein Rubin / und unten wie ein Topas. ltem, man nimmt 


Chryſtall ein halb Quintin / Bleyweiß z. Quentin/ calciniret ed / und 
laͤßt es zwey Stund mit einander flieſſen. 

Die Krafft und Sigenſchafft des Topas belangend / ſo widerſtehet 
er der Bemühtd-Traurigkeit / und wann ‘er in ſiedend⸗heiß Waſſer 


geworflen wird / ſtillet er daffelbe wunderfamer weiß / benimmt ihm. 


auch in einem Augenblick die Hige und dad Sieden / und machet / dag 
man die Hand un bigt hinein ſtecken fan / dahero er aud vor ein 
herrliches Mittel wider die aus Zorn erregte Gemuͤhts ⸗· Bewegung ge: 
Balten wird; Er widerftehet auch den Gift / und verlieret feinen 
Glanh/ wann er ſolchen in der Nähe vermercket / fo bald aber das Gifft 

inweggenommen wird / fo wird ſich auch der Glantz wieder einfinden; 

8 foll aud) der Topas an feiner Macht und Krafft mit dem Monde 
fein ab-und zunehmen offtmahls fo groß wachfen / daß man Seulen 
und Bilder Daraus verfertigen fan. 

Topff-Fägelein/ Herba Tunica, Caryophilli hortulani. 


Tophus,Pila velovaVitulina,ift ein haarigter Ballen / der bielmahls 
in der Kalber · Magen gefunden wird / zweifels ohne daher ommend/ 
daß wann die auf dem Stall erzogene Kälber einander aus Begierde 
des Futters / ober auch aus Kuͤtzel die Haut lecken / fie zugleich etliche 
Haar mit einſchlucken / die fuccesfive Inden Magen zu folder Gröffe 
wachſen / dap fie hernach davon Frand werden und ferben ; inmaffen 
Ao. 1670, ein folder Trophus in eines Kalbs: Magen in Solland ge⸗ 
funden worden / der ein neugebohrnen Kinds⸗Haupt gleich gewefen/ 
und bey 10. Loht gewogen. Mas unterfchiedlicher berühmter Leute 
ihre Meynung bon der Generation diefer Globulorum ſeÿ / folches ift 
ben dent Wiere, Schenckio inLLithogenes, D, Sachs von Röwenheim 
in feiner Gamarologia p. 272. fonderlich aber bey dem Plinio und an- 
dern Autoribus mehr zu leſen. Tora 


| 


Tor Tra 118; 


Tora / Tora major & minor, 

Torbedon, Turbith. 

Tordylium, Meum, Sefeli Creticum, 

Torff / Turfa, Cefpes Bituminofus, feu unduofts, eine dürte mit 
He yden· Wurtzeln durchwachſende Erde / welche an denen Drten/ wo 
Holt: Mangel ift/ gebrannt / dabey gekocht und gefaͤrbet wird / ſonder⸗ 
lich man deflen biel in Holland und Hamburg in dem Brehmiſchen 
und Didenburgifchen / auch fonft an andern Dertern Teutſchlands 
mehr; Er wird ben Fuhren/ Hauffen und Schiffs: Ladungen voll der- 
Faufft/und an mohrigten Dertern geftochen und aufgetrudet. 


Tormentill⸗Wurtz / Tormentillx Radix, waͤchſt an allen Orten/ 
Doch aneinem mehr ald am andern; man ſammlet ſolche des ahrs 
zweymahl. Sie hat ein ſchlecht duͤrr länglichts Kraͤutlein / kan im 
Herbftund Frühling gegraben / und gut gefunden werben / hältiich 
viele Jahr. Ste wird auch Seprifolium Rabel⸗Kraut / item Sieben⸗ 
fiuger⸗Kraut genannt / und ſehr in petechialiſchen Fiebern / item das 
Hertz zu ſtaͤrcken / und wider den Gifft gebraucht. 

Tormentilla alpina, Stellaria argentea, Argentaria Petrx ‚Alp 
Tormentill / Rohiwurtz / waͤchſt auf hohen Bebürgen und Steinfelfen ; 
das Pulver von der Wurtzel und Blüht im Ofen wohl gedörret / und 
in Die Wunde geftreuet/ flillet das Bluten. 

Tornabona, Nicotiana, vide Taback. 

Torna Solis, ve! Bezettarubra, Schminck⸗Flecklein / ſeynd zweyer⸗ 
leny Art / die feine und ſchoͤne Fort in Buͤndlein aufgerollt von Baum 

wollener zarter Leinwand / wiewol auch inwendig Falſchheit mit leinen 
Tuch mit unterläufft/ als welches nicht Halb fo viel als jenes thut. Die 
andere Sort fiehet fchlecht und liederlich aus/ wird nur von leinen Tuch 
und Lumpen eingebrucht/ welches nichtötauget. Beyde kommen aus 
Spanien und Franckreich / woſelbſt (te ſolche in einem befondern Gafft 
heliotropii tritacei eintunden / und darinnen beitzen laſſen / hernach 
auftrocknen / zuſammen vollen/ und verfenden- Ä 

Torrere, aufeiner Plate oder Pfanne bey dem euer die Mediea- 
menta ſtets rühren/ damit die Feuchtigkeit verzehret werde. 

Tota bona, bonus Henricus. 

Toxicon,da3 Gifft / mit welchen Wurff⸗Spieß / Degen und Pfei: 
fevergifftet werden. Es wird zu weilen auch vor alles Gifft genom⸗ 
men / ſo innerlich einen beygebracht worden. 

Trafigviven / handeln / Traßqye, das Gewerb / die Handlung, 
Kauffmannfchaflt. 


Munma Traͤ⸗ 








1284 Tra Tre 





en Traganth/wächft auf einen Dorn / und fällt bis- 
weilen ſchoͤn weiß zu weilen gelb-braun und ſchwart Es konnnt def 
fen viel aus Spanien/ welcher kan zu Sortimenten ausgelefen werden ; 
Der befte Traganth muß durchſichtig / füßund hart auf der Zungen 
feyn/ auch feinen Staub bey ſich führen/ vide Gummi Tragantb, 

Tragen, heißt alles Pulver/ welches ein wentg groͤblich geftoffen iſt / 
- gleich wie das gang fein zerſtoſſene Alcahol genennetwird. 

Tragium Germanicum, Garofmus, Tragium Primum, Fraxinella. 

Tragopogon, Barbahirei, Bocksbart / Joſephs⸗Blum / iſt eingut 
Leber - und Bruſt⸗Kraut. 

Tragedoften/ Tragoriganum, 

Trappgans / Biſtarda. 

Tranligiren / ſich über eine Rechnung oder ſtreitige Sache in der 
Guͤte vertragen / dahero Transadio, ein Vergleich / Vertrag. | 

Tranfıtus, der Durchgang/ in tranfitu, en paflant, im Durchgeben. 

Translativen/ aus einer Sprach in die andere überfegen. 

Translateur, ein Überfeger. 

Transmittiren/ überfenden. 

Transmutiren/ Verwechfeln/ transmutatio metallorum , die Ber: 
Anderung der Metallen aus einer Artin die andere. 

Transportiren/ übertragen von einem Ort zum andern/ item einen 
etwas auf-und übertragen / aus dem Journal in das Haupt⸗Buch 
— Transport, ein Übertrag. | 

Trafligen/ Wechfel aufeinen ziehen / dahero kommt Tratta ein ge» 
zogener Wechfel/ Trallent, derjenige/ der den Wechfel zieht. Vide 
Wechſeln. 

Trauben⸗ Kraut / Botrys, 

Traufft⸗Kraut / Peter Meylands⸗Kraut / Helxine Parietaria. 
CTreib⸗Koͤrner / Cataputiaminor, 

Treib⸗Wurtz / Cataputia minor & Lathyris, 

Treſpe / Æra lolium Zizania. 

Tribuli Aquatici, Nuces aquaticæ, MWaffer-Nüffe/ deren gibts es 
unterſchiedliche / als ſchwartze / braune und weiffe/ wiewol ſie nicht al⸗ 

ler Orten angetroffen werden / auch nicht alle Kern haben; ſie werden 
im Waſſer und auf der Erden gefunden ; die guten ſeynd hart und 
ſchwer. Diefe Frucht zermalmet den Stein/ und dienet vor die roh⸗ 
te Ruhr. 
ir Polytrichum officinar. Adianthum rubrum, Mi» 
dertod/ kommt den Kräften nach mit den Frauenhaar und Maurrau⸗ 
‚ten überein/ inſonderheit iſt Das deſtillirte Waſſer davon denen nütz⸗ 
ich / denen die Leber zu faulen beginnet, — 
I1- 


Tri Te 1285 





Trifolium,: Klee. 

Trifoliam acetofum, Acetofella, Sauerflee/ Buchampffer / ift ein 
erfrifhendes Kraut; inhigigen Fiebern / wird es gequetfcht auf dem 
Puls gelegt. 

“Trifolium acutum pratenfe, Spitzklee / gemeiner Klee / waͤchſt auf 
—— Wieſen / die Blätter dienen vor Bruſt- und Lungen-Ge⸗ 
wär. | 


Trifolium agvaticum, Antifeorbuticum , Limonium pratenfe , 
Waſſerklee / iſt ein auserwehltes bewaͤhrtes Scharbocks / Lungen⸗ und 
Leber⸗Kraut / dienet auch vor Cachexiam und Waſſer⸗Sucht. 

Trinitas, Hepatica nobilis. 

Trippel/ Tripolis Alana Terra, iſt ein weicher zarter Stein / weiß 
und grau / kommt über Welfchland / wird um die Stadt Tripolis in 
Africa gefunden; Er muß ſchoͤn weich / vein und zart feyn. Vide 
Terra Tripelitana, | 

Triffago, Chamædrys. 

Triticum, vide Waitzen. | 

Trochifei, Zältlein oder Küchlein/ beftehen aus Pulver / Säfften 
oder deftillirten Waſſern / — zu einer Maſſa gemacht / mit 

Tragant vermenget / und zu Kuͤchlein formiret werden / alſo / daß 
wann man ſie ein wenig im Munde haͤlt / ſie von ſich ſelbſt zergehen. 
Die gebraͤuchlichſten Mterir Zaͤltlein nachSchröderiBefchreibung ſind: 
Trochiſci de Abiynthio Meſuæ, Wermuht⸗Zaͤltlein / de Agno Caſto 

Keuſchbaum⸗Küchlein / Alexiterii Peſt⸗Kuͤchlein / Aliptæ mofchatee 
mit Ambra und Biſem / de Alkekengi von Juden⸗Kirſchen mit und 
ohne Opio, de Anifo Meſuæ bon Anis / Bechici albi weiſſe Bruſt-⸗Zaͤlt⸗ 
lein / dito nigri ſchwartze Huſten⸗Zaͤltleiu / dito rubri rohte aus Bolo, 
de Benzoin von Benzoe/ de Berberibuspon Reiſſelbeeren / de Cam- 
phora von Campher / Mefux de Capparibus von Cappern / de Carabe 
feu Succino Mefuz, aus Agtflein/ Cephalicz, de Confedtione Alker- 
mes, Cordiales, de Corallio Nicol, qus Corallen / Diacorall, Gall.Cy- 
phæos Damocratis,de Eupatorio, pro fumo vulgares, gemeine Käu: 
cher⸗Kuͤchlein / dit. optimi ſ. eum mofco, die beſten mit Bieſem / de Gal- 
lia moſchata, Gordonii, Hedychroi, de Violis Nicol. von Veilchen / 
delacca Mef.Ligviritia tornata, mofchardini ‚de myrrha, Rhaf, pe- 
&torales baculipe&torales, Prophyladtici mit Mithridat / Ramich. 
Mef. contra Raucedinem , Diarrhodon, Nicol, de Santalis mef. yon 
Sandel / Diafpermaton. Gall, de Spodio von gegrabenen Helffenbein/ 
pro fufficu, de Terra Sigillatamef, vou Giegel⸗Erde / de Vipera Gal, 
bon Bipern/ de Xylo Aloc Mel. yon Aloe. 

Dumms Hie⸗ 


1286 Tro 


Hieher gehören auch (1) die Augen-Zältlein / die man Sief nennet / 
(2) die Rauch⸗Kertzlein /(3) die wohlriechende Seiffen „und (4) die 
- Bifem- und Ambra⸗Aepffel. 

Purgier-Zältlein feyn de agarico Meſuæ von Lerchenſchwamm / Aga- 
ricus Trochifatus, trochifcirter Lerchenſchwamm / Alhandal, feu de 
Colocynthide don Eoloquinten / de Rhabarbaro von Rhabarberen/ 
de Violis folutivi, Solvir-Zältlein von Biolen/ Vomitorũ. 


Trochites, ColumnzJudaic&, Spangenftein / werden bon bielen 
mit den Fudenftein verglichen ; fie feynd gleich ald runde Cylınders 
oder Seulen geftaltet/ felten dicker als ein Finger / theils feynd an der 
Geite gantz glat/theild auch ald wann ſie mit Ringen und Reiffen um⸗ 
leget wären / aneinigen ſtehen die Stüde mit gantz glatten — 
auf einander/ als wann ſie zuſammen geſchliffen wären / theils ha 
zarte Strias. mit denen ſie ineinander paſſen. Die erſten Steine von 
diefer Art follen aus Judaͤa gekommen feyn/baher (fe Columna Judai- 
ex genennet werden. Teutſch heiffen fie Spangenfteine und Rä⸗ 
derfteine. Sie werden in dem Sildesheimikhen Land bey Gpan- 
genberggefunden. In derMedicin wird dad Pulver davon wider 
den Nierenftein gebraudit. 

Trödel oder Krempel⸗Marck / Frantzoͤſiſch Fripperie, iſt ein Ma- 
eszin und Vorraths· Cammer zu nennen / von alten Kleidern und 
Hausgerath abgenüsten Peinenzeug / allechand Inſtrumentis / Bü- 
chern / Schiidereyen / Zinn’ Meping/ Rupffern undEifernGefchirren/ 
bon alten Lappen / welche ben den Schneidern gefammlet werden / und 
offt fo Flein nicht ſeyn / daß ſie nicht noch ein Roc) damit zu zuftopffen (ich 
ſchicken follten / von ſolchen Troͤdel⸗Maͤrcken ift nun fonderlich der 
Pariſiſche / Bruͤßliſche und Gentiſche / der Amſterdamiſche / Wieneri⸗ 
ſche und Ruͤrnbergiſche bekandt / und findet inſonderheit auf den crften 
(odevala friperie de Paris)nod mancher ein gutes don einen Hofl-Ca- 
valier ‚entweder&chulden oder FantaftifherKoffart Halber abgelegtes 
oder auch an Cammer-Diener undLagveyen vevehrtes/oder vonGpi£- 
buben geftohlenes Kleid vor wenig Geld zu kauff / welches wann er es 
neu ſolſte machen laſſen / manchen fein halbes Kapital erfchöpffen follte/ 
indeffen Ban doch auf folche Weiß fo wohl bey Manns ald Weibs · Perſo⸗ 
nen/der Staat mit getrieben feyn / und fragt man nicht eben allezeit 
nach / wo ein Kleid Hergefommen / genug wann ed nuv erſt auf den Leib 
ſitzt / zu geſchweigen / dag mancher gar zu diefen ober jenen Ehren Adtu 
als Hochzeiten / Gaſtmahlen / item zu Divertiffementen al$ Ballsund 
Masqveraden / dergleichen Kleider auf ein oder zwey Tag gelehnt bes 
kommien / und alſo mit fremden Federn / ohne jemands Anſpruch ein 
Zeitlang ſtutzen kan / wiewohl viel Boͤpwichter ſich dieſer Commodität 

| des 


\ 


, Ze 1287 


Des Verkleidend zu Ausführung ihrer Fılouterie, und anderer böfen 

Haͤndel bedienen / auch weil theild Frippiers, und Troͤdel⸗Weiber gar 

gern mit folchen Kleider- Handel mögen zuthun haben / fo geſchiehts 

daß manche Frau / Sohn oder Tochter unwiſſend ihred Manns vder ih: 

rer Eltern Kleider verkauften oder verſetzen: / das dafur befommene 

Geld unnüplich anlegen / und ſich hernach mit groſſen Koften wieder 

neue anfchaffen müffen / welche Partitereyen denen Juden ein ge- 

soünfchtes Freſſen / als die hierinn ausgelernte Meifterd feyud/ und wo 
fie etwann ein folchen unbefonnenen Kauffmann in ihre Klauen bekom⸗ 

men / ſelbigen nicht ehe von (ich laſſen / bis er vechtfchaffen gefchoren wor» 

Den/fonften haben auch die Trödel-Märckte ihren Nutzen / daß man ſich 

darauf der Menage befleißigen/kan und weil die alte Kleider⸗Sellers / 
Trödelund Krempel⸗Frauen / wielerhand Zeug unter Handen bekom⸗ 

men / als trägt ed (ich offt zu / daß fie in gewiſſen Fällen von den Rich⸗ 

ters / zu fhägen und wardieren gewiſſer Mobilien, ſonderlich derjeni⸗ 

gen die Gerichtlich zu verkauffen ſeynd / gebrauchet werden / es mangelt 

auch in wohl policirten Staͤdten / an keiner Troͤdel ⸗ Ordnung / da nem⸗ 

lich / wer da troͤdeln will ſich bey der Obrigkeit N ſeyn / 

und in die Troͤdelzunfft ſich muß einſchreiben laſſen / auch ſich hüten 

muß / —* in Öffentlichen Ausruff / den Bürger nicht muthwillig vor 

und über biete/oder etwan gar mit demAuctionario colludire / uñ unter 
der Dede liege / vide hiervon ein mehres unter dem Wort Kleider. 


Trompeten / werden entweder aus Silber / Meßing / Kupffer oder 
Glas gemacht / and ſeynd ſonderlich die von den erſten Metall verfer⸗ 
tigte/heutige Tags an groffer Herrn Höfen / weil dero Hoff-Trompe⸗ 
ter meiftentheild Feine andere ald Silberne führen) am gebräuchlich: 
ſten / welche dann / wie auch) die Meßinge und Kupfferne Trompeten 
faß nirgends beffer ald in dev Käyferlichen freyen Reichs⸗Gtadt 
Nürnberg verfertiget werden / dahero dann auch diejenige Kaufleute 
welche diefer Stadt- Mannfadturen führen/billich zu wiſſen haben / wie 
vielerley Arten der Trompeten feynd/ nemlich teutfche oder fo genanıı= 
te ordinaire Trompeten / ferner die Frantzoͤſiſche / welche ſchon einen 
Thon höher feynd/ die Englifche/ melde die ordinaire Trompeten um 
eine gange Tertz an der Höhe des Thons übertreffen/ man findet aud) 
eine Battung von gewundenen Trompeten / dergleichen die Italid- 
nifche ſeynd / welche etzlich mahl rund herum gemunden;hicher gehören/ 
auch die Trompeten-Stöc und Streit⸗Haͤmmer / worauf man ıpie 
aufder beften Trompeten blafen und (ich tapffer Hören laſſen Fan. 
Die Pofaunen (ind ebenfalls unterfchiedliher BattungenalsDifcant/ 
Alt/ Tenor / Baß / und Dvart-Pofaunen/wann diefe beyſammen / wer⸗ 
den ſie ein Stinuuwerck genennet. Die Baß und Tenor⸗Poſaunen 


ge⸗ 





1288 Treo QTuc 


gebraucht man am meiften/ auf der Dbart:Pofaune aber pfleget 
man den Sub-Bafl, zu blafen / und gehöret eine fehr ſtarcke Perſon 
darzu. Die Wald-Hoͤrner find groß und Hein / auf mancherley 
Art gewunden / einige einfach) und dag Hauptftück derfelben im Diame- 
ter fo weit als eine zimlihe Schüffel / ſie geben / einen ſtarcken und weit 
erfchallenden Hall von ſich / andere. welche man die gedoppeltenennet/ 
find zweymahl / andere drey / bis biermahl umwunden / die Poſt ⸗ Hoͤrner 
deren ebenfalls die meiſten und beſten in Nürnberg gemachet werden / 
ſeynd ohne dem zur Genuͤge bekandt. 


Tropff-Stein/ eine weißlichte Materia fo aus den Waſſer ausfaͤh⸗ 
vet /und ſich feet, 

Tropffwurtz / Suͤßwurtz / Engelfüß Polypodium, 

Truckener Vernuͤß / Wacholder⸗Gummi Sandaracha, Gummi 
juniperinum, 

Trufchen-Afche/ Alumen foecum, 

Truten⸗ Fuß / MufcusTerreftris. 

Tubera Cervina, Fungus Cervinus ‚ Cervi boletus Hirſch⸗Bruuft / 
Hirkd- Schwamm / waͤchſt in Wäldern und wie man vorgiebt von 
der Hirſch⸗Geile / weil es je zuweilen in Form eined Hirſch Gebaͤhr 
Glieds gefunden wird / doch wachen ſolche auch an Orten dahin Feine 
Hirſche kommen / ihre Kräfte adſtringiren / trodnenund taugen zum 
Reit⸗Wolff / ſtillen das Blut und werden bornemlic von den Bar» 
bierern darzu gebraudt. 


Tuceta, hieß bei) den Alten dad Rind« Fleifch fo in Stũcken zerhauen 
und mit allerhand groben Condimentis eingebeiget wurde daß es cin 
Jahr dauren koͤnte. 


Tuch over Lacken / Pannus Frantzoͤſiſch du Drap, wird bon Wolle 
gemacht / und ift fo wohlveicher und vornehmer als geringer Leut ihre 
gewöhnliche Tracht / nur daß die feine oder Grobheit deflelben/ dar» 
innen den gröften Unterfcheidmachet. Es haben ſich aber jederzeit 

voffe Herren und DObrigkeitliche Perfonen angelegen feyu laſſen / den 
uch⸗Handel inihren Reich-uud Ländern aufzuhelffen und felbigen 
fortzupflangen/ Spanten allein ausgenommen / weldyed diefer Na- 
tion Hoffart wegen / lieber den Holländern und Engelländern feine 
fchöne Wolle will abfolgen laffen/ und die daran fabricirte Tücher 
hernachmahls zehn fach theurer wieder an ſich Fauffen ald daß es felber 
zu Haus arbeiten folte / Hingegen weiß ſich Engeland und Holland der 
Spanifchen und ihrer eigenen Wolle beffer zu bedienen, und weil diefe 
Nationes (ich vor audern aufdas Wollen Garn⸗Spinnen meifterlich 
verftehen/ als ift ed auch mit Ihren Tuch⸗Manufacturen fo ac ge⸗ 
om⸗ 





Tue 1289 


kommen / daß faſt die gantze Welt damit will bekleidet feyn / wir fagen 
faft die gange Welt / wann wir betrachten / wie fie Jährlich viel 
Schiffs⸗Ladungen / nad) der Levante und Mofcovien / item nach Oft 
und Weft:- Indien ſenden / auch theild Länder in Teutfchland noch dar- 
zu verfehen und groffe Stapels darbon hin und wieder auffrichten ; 
Denen Holl⸗ und Engeländern ahnen in der Arbeit nach die Frantzoſen / 


welche ebenfalls Spanifche Wolle bey ihrer eigenen Landes-Wolle 


gebrauchen) und zu Sedan, Rouan, Rheims, Chalons, Paris undandern 
Orten mehr / ſtattliche Tücher daraus berfertigen, unſere teutfche Tü- 
cher betreffend / fehlt es aunmehro nicht viel / daß wir an Menge der 
Zub: Macereyenden Holländern überlegen / denen Engelländern 
auch faft gleich feyn/ ja noch wohl folche bey uns gemachte Tücher auf: 
meifen koͤnnen / die den Ihrigen gleich/und die ein ehrlicher Mann noch 
wohl zu feiner Kleidung gebrauchen fan / wie dann hierzu die Schlefi- 
ſchen / und nad) diefen die Saͤchſiſche / Meifnifche , item die indens. 
Städten (als zu Zittau / Lauben/ Bauten / Goͤrlitz / Luben/ item zu 
Ehemnip/ /groflen Hayn / Freyberg und Torgau/zc. verfertigte Tit- 
cher / die beghemſten. In den Brandenburgifchen Ländern werden 
ebenfalls durch die Pfaͤltzer / Schweiger und rekormirte Franhoſen fo 
pielerhand Tücher / und anderer Wollene Etaffen gemacht / welche den 
Englifchen und Frantzoͤſiſchen nichts nachgeben / ja es habens einige in 
Zubereitung und Sortirung der Wolle fo weit gebracht / daß man der 
Spaniſchen Wolle gar ————— kan. 

Die Dvalität eines guten Tuchs beſtehet (1.) in feiner Farb / ( 2.) 
innerlihen Güte / (3.) Länge und (4.) Breite/ und zwar ſſt die erſte 
entweder eine melirte oder eintzele ſchlecht Simple,eine hohe und koſtba⸗ 
ve als Nacra und Cramoſin, oder eine ſchlechte und gemeine Farb / 
als braun und grau ferner eine Alamode und neuerfundene/ oder eine 
ſchlechte und alt gewöhnliche / eine leicht verſchteſſende / und fledfende/ 
oder eine inallechand Unwetter / item gegen Wein / Oel / Cpig/Urin/ 
und Koth beftändige und unberänderliche Farbe/ welches dann daser- 


fte ift/fo ein Tuch hoch oder niedrig in Preiß feget/ und entweder an ih 


rer viel oder nur an wenige verfäufflich machet. 

Die andere Qvalität eines guten Tuchs / beftehet in feiner innerlichen 
theils Ächtbahren theils unſichtbaren Guͤte / nad) jener hat das Tuch 
entweder einen feinen oder groben Drat oder Faden / es iſt wohl ge⸗ 
färbt/ gewalckt / gepreſt / oder es iſt ausgedehnt / und durch dag viele 
Ausreden ſchwach / in Färben und Preſſen verbrandt oder fonft verfe- 
hen worden/ es hat ſchon lang gelegen/ift von dem Würmern angefrefs 
fen/ oder auf falſchen Grund gefärbet / welches alles Betrachtungen 
ſeynd / die Bonität eined Tuchs angehende. 

Die Länge der Tücher iſt nicht einerley / theils Sächfifche — 
e 


1290 Thuͤc Tür 


fche Tücher feynd von 20. bis 30. Eilen lang / die Holländifche von so. 
- und mehr Ellen/ was der Englifhen Tücher ihre jufte Länge ſeyn müſ⸗ 
fe / folches beiiche in dem Reueroͤffneten Manufadturen » Zaus/ p. 
128. als woſelbſt ausführlich von den Englifchen Tuͤchern gehandelt 


wird. 
Endlich kommt aud) die Breite bey einen Tuch zu betrachten vor / wel · 
che theils 23. Brabander Ellen oder "2. anden Holländifchen/ an un. 
fern teutfchen Tüchern aberfaum Z-i/darnad) nun das Tuch fein / 
oder grob / breit oder ſchmal / das Gtüd lang oder furk don Ellen / 
fchön oder fchlecht gefärbt / darnad if der Preiß hoch oder niedrig/ 
unſere teutfhe Tuhhandlers oder Gewandſchneiders kauften ihre 
meifte teutfche Tücher/in den Leipziger Meſſen / itcm zu Frandfurt an 
der Oder ein/an beyden Orten finden fle einen genugfamen Vorrath / 
an Schleſiſchen / Saͤchſiſchen / Meißniſchen und Märdifhen Tůchern / 
dieſe letztere ſonderlich die Ruppiner / und Witſtocker / werden auch 
piel weiß oder noch rohe eingekaufft und hernach in Hamburg und kLü⸗ 
beck erſt gefaͤrbt / gepreft und — ſonderlich aufdieCouleuren/ 

welche in Moſcau / Chur⸗ und Lieffland abgaͤnglich ſeyn / die Hollaͤndiſche 
Tücher kaufft man entweder in Leipziger oder Franckfurter Meſſen / 
von denen dahin kommenden Hollaͤndern / oder man verſchreibt fie ſelbſt 
aus Holland / und belohnet es noch wohl die Muͤh / daß ein wohl Crablir- 
ter Tuchhaͤndler feinen eigenenCorreſpondenten in Holland und Ham⸗ 
burg habe / und ſonderlich an diefen letztern Ort / die Eugliſche Tuͤcher 
(mann er ſolche anders nicht redta aus Engeland felbft verſchreibet ) 
don der Englifchen Compagnie einfauffen laſſe. 

Tuch-$Ende/Mergus. 
Tulipan / Tulipa, Lilio Narciffus, 

- "Tunica, Caryophill, hortens, 


Thrcfis/Turchois Lapis iſt ein gar harter Stein / nicht durchſich⸗ 
tig / aber doch voller Schönheit / als der da feine — Geſtalt / 
in einer Himmelblauen / aus der grünen Farbe herfür giebt / in welcher 
man eine kleine Milchweiſſe Vermengung ſpuͤhret. Ein ſchoͤner In⸗ 
digo fan feine Farbe bollkommlich vorſtellen / und Brünfpan ſiehet gar 
eigentlich an der Farbe alſo aus / eine helle Himelblaue Farbe die ohne 
Wolcen ift / zeiget und am fuͤrtrefflichſten Die Schönheit desTürdis. 
Die nicht durchſichtigen Steine und die gang Schatten dunckele Edel · 
gefteine laſſen feine Folie zu / und darum iſt auch unnöthig hiervon et» 
"waszufagen. Der Türdis ift durch und durch gleicher Schoͤnheit / 
fo wohl innerlich als äufferlih. Er hat nicht nöchig daß man ihm an 
der Farb und Lieblichfeit etwas erhöhe/ die Beſtaͤndigkeit feiner eiges 
nen Schönheit / kan ihm ohne alle aͤuſſerliche Hülffe genugfam ſeyn / 

Ä und 








25. 2 


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Tür | 1291 | 


und ihm wieder alle Mangel verthädigen ; Er if einfürtvefflicher 
Gtein meift eines einfachen Weſens / in jedweden Theil gleihförmig/ 
einer gar reinen Farbe und ohne Flecken. | 
Geine Nachkuͤnſtelung gefch in Benedig mit Benetianifchen 
Glas welches mit einer fonderbahren darzu dienlichen Hinmelblauen 
Farbe zubereitet wird / zumellen trägt es (ich auch zu / daß die Farb an 
den Tuͤrckis ſich einiger maſſen verlieret / da ſie dann kan wieder zu⸗ 
recht gebracht werden / wann man den Stein mit Vitriol reibet. 
Man theilet aber inögemein die Türdiffe ein/in zweyerley Geſchlecht / 
als in Orientaliſche und in Spaniſche / jene neigen ſich mehr nad) der 
KHimmelblauen Farb / ald nach der grünen / die Spanifche feynd von 


einer Dundelgrünen Farb/ eines unangenehmen Anfehens und felten . 


ohne Fleckenoder Adern/ der Orientali je wird aus Perfien und aus 
der Zurden gebracht, ſie feynd feltengröffer als eine Haſelnuß und gar 
felten fo groß als eine welſche Ruß / in der Florentiniſchen Kunft- 
Kammer fol ſich ein ſolcher befinden/ auf welchen des Käyfers Julii 


Cxfaris Bildniß fehr kuͤnſtlich gefchnitten/ man fagt daß einige Orien⸗ 


taliffe Tuͤrckiſche ıhre Farbeallzeit behalten / und diefe werden Tür- 
ckiſſe von den alten Felſen genennet/ etliche aber follen ihre Farbe nach 
und nad) berliern / und grünlicht werden / uud diefe nennet man 
Zürdiffe von dem neuen Zelfen. 


Es feynd auch etliche Occidenralifhe Tuͤrckiſſe / welche mehr grün ials 
gewoͤhnlich feyndy etliche feynd mehr weißfärbig / als «6 ſich geziemet/ 


= biefe findet man in Spanien / Teutſchland / Böhmen und Schle⸗ 
en. 

Die Ratur und Eigenfchafften des Tuͤrckis belangend/ fo werden bie- 
fe unglaubliche Dinge von denfelben ausgegeben) als Daß er wann er 
in einen guldnen Ring getragen wird /den Menfchen vor Fallen /und 
Daher rührender Zerffung bewahre / fo daß er den Schaden / welcher 
fonft der Perfon begegnen koͤnte / auf fich nehme. FJedoch foll der 
Stein er Zugend nicht haben / wo er nicht durch Geſchenck erhal: 
ten worden. | | 

Gleicher Geftalt fagt man auch von ihm daß er alle Feindfchafft weg 
nehme / und Mann und Weib verſoͤhne. Ein gewiſſer Auchor ſchrei⸗ 
bet daß er einen Tuͤrckts geſehen / weicher aufer Igten Todt ſeines Her · 


ven alle feine Schönheit verlohren / und einen Riß befommen/ welcher 


wieder vergangen / als ihn ein andrer Mann hernach um einen gerin⸗ 
gen Preiß an ſich gekaufft / gleichſam als wann der Stein verſtanden 
haͤtte / daß er einen neuen Herrn angetroffen / gemeldter Author ſchreibt 
auch von den Tuͤrckis / daß er ſich veraͤndere / bleich gelbe werde / und 
feine natürliche Farbe verliere / wann derjenige der ihm an Finger 
traͤgt / krand und ſchwach werde / bey wieder erlangter Gefundheit a⸗ 

| er 






1292 0° Tuͤr 


ber ſeines Herrn bekomme er auch ſeine liebliche Schoͤnheit wieder / 
welche von den Temperament feiner eigenen natürlichen Warme 
entfteher / alfo dafi er wieder blau wie ein heller Himmel wird / es 
iſt aber dieſer Stein den Augen fehr angenehm / und wird dafür ge- 
halten daß er das Geht merdlid) ftärde / weil er wegen feines nicht 
allzu vielen Glantzes / die Kräffte des Geſichts nicht zerſtreuet / noch 
durch feine allzugroſſe Dunckelheit / dad fehende Vermögen zubiel ein- 


iehet. 

— feinen Anmerckungen ſchreibet / daß eine Art Tuͤrckis wie 
ein Hark’ aus einen ſchwartzen Steine in Perſta heraus tröpffle / wel⸗ 
chen die Indianer Perofe nennen/ der rechte Tuͤrcis wird an der Ver⸗ 
— feiner Farb erkennet / bey Tag iſt er fürtrefilidh Blau oder 
Himmelblau / des Nachts aber ſieht er bey einen Licht grün aus. 

Ein anderer Weg ihm zu probiren ift dieſer: DerUntertheil ift biswei⸗ 
len ſchwartz / von welchen Kleinen Yederlein entfpringen / welche bis an 
das Obertheil fich in ihm erſtrecken. Item laß Rald in Waller zerge⸗ 
hen, und beftreich das Obertheil des Steins damit/ oder tröpffele ein 
wenig von diefen Kalckwaſſer oben davauf/ und fo Hierauf der Kald 
von den Stein gefärbet wird / fo zeiget ſolches an / daß der Stein ein 
vechter fürtreffliher Tuͤrckis fey/ der Preiß eines Tuͤrckis richtet ſich 
nach feiner Himmelblauen Farb / und nad) der Breite oder Gröffe 
des Steind/fo daß wohl ch ein Tuͤrckis der einer Haſelnuß groß gewefen 
vor 200, Reichsthaler verkaufft worden. 


Tuͤrckiſches Papier wird folgender Beftalt gemacht / nimm Fluß 
oder Regenwaſſer / thuedarein einen guten Theil Gummi Tragant, 
rühre ed unterweilen um / und gieß mehr Wafler daran / bis das 
Guümmi zergangen/ alddann Elopfte es wohl / und gieß es offt aus ei⸗ 
nem Geſchirr ins andere/laf es durch ein zimliches grobes Tuch gehen/ 
wann ed 2. oder;. Stunden geftanden/ fo ſchuͤtte es in den darzu berei> 
teten Kaſten / welcher die Bröffe eined Bogen Papiers haben muß / und 
von Holtz gepicht / oder gar von Blech oder Bley 2. oderz. Finger hoch 
iſt / alsdann ſpruͤtze die Farben darauf / mit einen — klei⸗ 

nen Buͤrſt⸗Pinſel / die Farben muͤſſen aber wohl gerieben / und in Rei⸗ 
ben 2. oder 3.Tropffen / s. tägiger Ochſen · Galle / die ſchoͤn grün/und ja 
nicht fett ift/ / darein gethan werden/ imEinfprügen muft du acht geben/ 
daß die Tropffen nicht gröffer werden / oder zufehr von einander fal- 
len / wo das geſchehe / muͤſte mehr Galle unter die Farb gethan werden/ 
und fo dDiefed Maffer die Galle zu fehr von ich tviebe/miüfte man mehr 
Waſſer zu der Galle thun / und alfo auch in Gegentheil wann es (id) 
nicht ie zertheilen wolte mehr Galle / N. merde aber/ zuviel Bal- _ 
le macht die Farb bleich / die ſchoͤnſte Farb muß man allezeit re 
\ 1: 





— — — — — 


Tür Tur 1293 

a ne m ge a 

Binein thun/infonberheit das Gold / die Wellen oder Striemen zuge: 

benift das gemeinfte mit einen Kamm / aber hier muß es mit einer 
Gtefften oder Blaßbalg gefchehen. 

Tuͤrckiſcher Beyfuß / Schabenund Krotten⸗ Kraut / Botrys, 

— Bohnen / Wicken / Lupini. 

— Cucumern / Melopepones, Cucumeres Turcici, 

— Sahnenfuß /Ranunculus Turcicus. 

— Sanff / Cataputia major. Ricinus. 

Tuͤrckiſches Garn / wird biel von denen nach der Levante handlen⸗ 
den Kauff⸗Leuten heraus gebracht uud zu einigen Manufadturen em- 
ploytt. 

Tuͤrckiſches Korn / Weigen/Frumentum Tureicum, 

Tuͤrckiſche Kreſſen / Naſturtium Babilonicum, ſ. indicum, Da. 
bra, Draba. 

Tuͤrckiſche Meliffen / Meliſſa Turcica, 

Tuͤrckiſche Rauten / Harmala,feu Ruta Tureica, Molii Cappa- 
docium, 
CTuͤrckiſcher Storchſchnabel / Geranicum Tureicum decimum; 

— Wegwarten / Cichorium Turcicum;fecundum, 

— Veil / Lupinus, Acortinus, 

Turcio, Tariones feynd die dünne zarte Spitzlein der Baͤume / die 
zarten Tolder-Schoffe oder jungen Zweige. 

‚ Turpethi Radix, .. / ifteine fehr ſtarcke purgivende Wur⸗ 
tzel / fo einige vor ein · Geſchlecht der groffen Wolfantic halten; die 
wahre Zurbith kommt aus Indien / hat Blätter wie der Eibifch /und 
ift Hölgigt/ Hat auch einen ſtarcken Kern / deralfodürr und grün auße 
genommen wird / welcher ſchoͤn hartzigt / der iſt am beſtenß Aufferlich ift 
ſie grau / und inwendig weißlicht / eines ſcharffen und eckelhafften Ge⸗ 
ſchmacks / Lateiniſch wird ſie Turpethum vegetabile genannt/ um ſol⸗ 
che dadurch von den Mineraliſchen Turbith / welcher aus dem Mercu- 
rio bereitet wird / zuugterfcheiden. Die Materialiften führen dieſer 
Wurgel zweyerley Gorten/ die eine wird Turpethum finum oder die 
befte / Die andere Medium oder die graue genennet / welche nichts an⸗ 
ders alödie Thapfıen oder Fenchelgart ⸗Wurtzel iſt / die aus Sieiften 
kommt / und bon betrüglichen Leuten unter die Turpith genienget wird, 
Die rechte Turbith iſt ausmendig roͤhtlich⸗grau / inwenoig gan grau⸗ 
licht / zimlich ſchwer und zaͤhe / daß ſie nicht leichtlich zu zerbrechen 
Die Thaplien· Wurtzel hingegen iſt leicht / runhlicht / und bon auffen 
Gilderfärbigtegrau / eines fo ſcharffen und brennenden Geſchmacks/ 
daß fie Blafen am Munde ziehen/ voraus / wann fle frifch iſt. Damit 
aber auch bey der vechten Zurbith die pr toohl getroffen werde / ß 

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S. p 
A. 
was 


“rechte Sinelitche ſchoͤn glängend/ ſchwartz und in Fingers dien Stü- 


1294 _ Zur Zur 


— — — — — — —— — 


iſt in acht zu nehmen / daß fie ſauber von einander geſpalten / und dad 
holtzige Hart heraus genommen fey; ſie muß auch nicht wurmftechig/ 
fondern durchaus harhigt feyn/ diejenige aber / fonur an den Enden 
hartzig ſcheinet / iſt entweder in Hark eingetaucht/ oder von den In⸗ 
dianern geroſtet worden/ wodurch (ich das Hark an die Enden treibet/ 
welches aber nicht tauget / ſonderlich / wann die Wurgel noch darzu 


deiß/ieicht und zerbrechlich ift; Es fennd auch die enger sm 
eben 


Stüce beffer als diegroffen. Die Kräffte diefer Wurgel be 

darinn/ dap ſie den Schleim aus den Gedärnen führen/ und mächtig 
purgiven/ ſo daß auch die Medici ein Sprichwort haben: Was der 
Agaricus nicht durchtreibet/ das greiffet Die Turbich an /und was die⸗ 
fenichtthut / das thun doc) Die Eoloquinten ; ſonderlich aber iſt diefe 
Wurktzel gut vor die Wuͤrmer / und faſt nechſt dem Quickſilber das be⸗ 


ſte Mittel darbor. 


h 


Tuſch / Atramentum ſiniticum oder Chinenſe, wird einiger Mey⸗ 
nung nach / aus einer fhmwark-hargigen Erde / oder aus dem Ruß oder 
Rauch von Baum-Delverfertiget/ und zu laͤnglichen ſchmalen Taͤfe⸗ 
fein/ mit Ohinenſiſchen Characteren bezeichnet formiret. Die Hol⸗ 
fänder machen fie heut zu Tag nach / aber bey weiten fo gut nicht / und 


AR der Unterfcheid Daran zu erkennen / dag die Holländifche graulicht 


ſchwartz ausſiehet / und aus platten Stüden beftehet / da hergegen bie 


gen heraus gebracht wird. 


Tuffilago, Hb. S. Quirini ungula Caballina, Farfara, Farfarella, 
Hufflattich / Roßhuff / die Blumen heiſſen Mergen-Blumen/Filius an- 
te patrem waͤchſt an den Quellbrunnen / iſt gut vor die Lungen⸗Ge⸗ 
ſchwuͤr / Keuchen und Huſten. 


Tuten / werden in Schmeltz⸗Hütten die gebrannten Tiegel geheiſ⸗ 
ſen / welche unten eng und oben weit ſeynd / und in welchen man Kupffer / 
Eiſen und Bley⸗ Proben anſiedet. 


Tutia Alexandrina, Pompholix, Spodium minerale, dieſe als die 
befte/ fommt aus Alexandria und andern Orten wird in Brenn-und 
Schmelg-Defen gefunden / in welchenviel Metalla gefchmelget wer> 
den/ wofelbft ich Diefe Materia wie ein Rauch anhänget/ und fehr hart 
und gang grau wird Sonſt wird aud) die Tutia Cadmia faltitia, 
und nachdem fie äufferlich eine Traube/ Schnecke oder Mufchel pre- 
fentirt/ Cadmia Borritis,Oftracitis oder Placitis genannt / dabon die 


- erfte und befte in der mitten / die zweyte gank unten / und die dritte 


oben in denen Schmels-Defen geſammlet wird ;_ Es wird aber dieje⸗ 
nige Tutia vor die befte gehalten / welche aus [hönen dicken — 
eſte⸗ 


m — — 


DR 12g5 
beftehet/ fo inwenig bleich-gelb / auswendig maußfahligt granuliret / 
nicht leicht zerbrechlich/ oder in vielen kleinen Stüden / viel weniger 
— Unreinigkeit iſt. Die allerbeſte iſt die / welche bon Orleans 


Tylipteris, v. Filix. 
von nigra, Myrtillus, 
Valeriana, Fhu officinarum,, gemeiner Baldrian / Katzenkraut / 
iſt ſehr gut vor verſtopffte Leber / gelbe Sucht Harn-Winde/ sc. 


Valeriana ſylveſtris Phu minus, hat mit dem erſten gleiche Wuͤr⸗ 
ckung. | 

— hortenfis,Phu magnum verum, Nardus agreſtis, Carpe- 
ſium, Garten-Baldrian/ Theriacks⸗Kraut. 


Valeur, Valuta, den Wehrt eines Dinges / als der Belauff einer ges 
kaufften Waar / oder auf Wechſel genommenen Geldes / dahero gemet« 
niglich in den Wechſel · Briefen geſetzet wird: Den Wehrt oder die 
Valuta habe empfangen. 

Variolatus Lapis, vide Pockenſtein. 

Uberbrannt / wird auf Schmelg-Hütten geſagt / wann der Gil. 
ber⸗Brenner die Silber ſo reich als 15. Loht;ʒ. OQobeñt. und 2. h. Gewitcht 
brennet / da fie doch nur ı5. Lohtz. Dvent. haben fölten. 


Uchtblum / Herbſt · Blum / Morten Blum / nackende Ayry 
Colchicum. | 
Vectigal, vide Zoll. ar 
Vegetabilia, feynd allerhand Gewaͤchſe / oder auch ſolche Dinge/ 
welche durch den in ihnen wuͤrckenden Welt⸗Geiſt (denn einige den 
Archzum, viel beſſer aber die würdende Natur nennen) täglich wach⸗ 
* oder doch die Macht und den Gig des lebendigen Wachsthunms 
ey und in fich tragen; dergleichen feynd eigentiid und in genauen 
Verſtand genommen/ alle Pflangen/ Bäume und Krduter/ deren grös- 
ſte Erkaͤnntniß unter allen ſterblichen Menfchen niemand beffer als 
Adam / und nach ihm Salomo gehabt, ſintemahl jener allen lebendigen 
Thieren / und vermuhtlich unter ſolchen auch denen Gewaͤchſen/ ihren 
Rahmen gegeben / dieſer aber zooo. Spruͤche von den Kräutern und 
deren argeneylichen Gebrauch hervor gebracht / wieim:. Buch der 
Könige am 4. Cap von 32. verf, bis ans Ende zuerfehen. Mach dies 
ſem haben die Heyden / und unter folchen vornemlich Pythagoras die 
Kräuter Erfindung dem Apollini, Aſculapio und in Summa gaͤntzlich 
den unfterblichen Goͤttern zugeſchrieben. Endlich haben (ich unter 
ſchie dliche ald Auchores und Rn diefes oder jenes Krauts ſei⸗ 
nun e ner 


— — 
1296 Veh Wen 


— — —— ——— — — — — — 
ner Tugend und Würckung angegeben / wie wir ſolches unter dent 
Wort Aräurer mit mehren angeführet. Die heutige Raturkündi- 
ger / fonderlich aber die Herren Medici , theilen die Gewächö-Lehre 
in 4. Claffes ein/ deren die erfte die Alterantia primaria , ald da ſeynd 
die Gewaͤchſe und deren Bliederi; die andere die Alterantia feı unda- 
ria, als die Saͤffte / Del/ Hartz Gınumt/ Refinen ; die dritte die er» 
fie und vornehmfte et und die vierdte die minder er⸗ 
ſte oder andere Purgier-Mittel in ſich begreifft / und ſolches zwar me- 
‚thodice, (1) ihrer gebräuchlichen Art nach / wodurch (fe von andern un- 
terſchie den werden, (2) ihren Titul und Rahmen nach / wie fle von de> 
nen berühmteften Authoribus genennet worden / (3) nad) der Zeit und 
ihren Geburts⸗ Ort / (4) die rechte Ausleſung derfelben/ (5) die natür> 
chen Apotheder-Stüde/ das ift / mas bon jeder Art roh in denen Apo⸗ 
thecen zu finden iſt / (s) ihre Rräffte/und (7) die daraus, gebraͤuchlichſt 
bereitete Stüde. — a | 
Vehediftel/ Carduus Mari, 
Veilblum / Violæ martiales, 
— Reraut / Viola purpurea, violaria. 
— Oeloder Reben / Jafminum, Gelfeminum, 
— Saamen / Semen violarum. 
— Wurtz / Ixis radix. 
— braune Welſche Violen / Leucojum, Violaceum tertium, 
Veltliner⸗Wein / Rhzticum, waͤchſt in der Graubünder Gebiet 
im Veltliner: Thal/ wird faſt fo Hoch als der Falerner gehalten. 


Vena, eine Ader/ Venz die Aederlein / die in den Blättern der Ger 
wächfe erfcheinen. 

Venalis, feil/ zu kauff / merx vendibiliseine berfäufflihe Waar / vi- 
no vendibili non opus eſt fufpenfa hedera , bey guten Wein darff 
man Fein Zeichen aushängen / item, bona merx facile emptorem 
reperit,tamerfi in obfcuro ſita ſit. Eine gute Waar fiuder wol ih⸗ 
von Kaͤuffer / ob ſie gleich nicht oͤffentlich zur Schau liegt. 

Venditor, ein Kaͤuffer. 

Venediſcher oder Roͤmiſcher Kuͤmmel / Cuminum, Cyminum 

— pappeln oder Röffel/ Alcea Veneta, Malva Venetiana. 

— Roſen / Fœonia, Roſa Regia. 

Venediſche Waaren / vide Italiaͤniſche. | | 

Venter egvinus, iſt bey denen Chymicis die Waͤrme des Pferds 
Miſts / in weicher fie (weil folche Hitze fehr gelind) ihre Tincturen und 

Eflfengen extrahiten. 

Venushaar/Adianshum nigrum, Ruta muraria,Capillus veneris. 


Venus⸗ 


LE = Zu 


- ma Ka 


x 
Ber 1297 

Venusſtrehl / Hechelkamm / Nadel und Schnabel · Koͤrffel / 
Pecten veneris. 

Veratum, Helleborus. | 

Verbafcum Tapfıs barbatus, Candela regis Lanaria, Mullfrant/ 
Königs:oder Unholden · Kertzen / Bären-Kraut'/ dienet vor die Eng» 
brüftigfeit und Huſten; Es follen fich auch die vermundere Bären mit 
dieſem Kraut zu heilen pflegen. 

Verbafcum album fomina ‚ Wullkraut Weiblein / iſt ein gewiſſes 
Amuktum por die Fluͤſſe wann mans am Hals träget. 


Verbena Periftereum, Eifenfraut/ Taubenkraut / dienet vor Sie - 
ber und Ausſatz. 

Verbena, Verbenaca fupina, Eifenfraut/ hatgleiche Tugend. 

Verbotene Wasren / feynd alle diejenige / welche entwederdie - 
Natur, oder das Völder-Recht / oder die Sitten /. Gemwohnheitund 
Geſehze einer Stadt/ auffer dem Commercio gefeket / und inmelchen 
folglich kein Berkauff gefchehen kan ; dieſem nach kommen lebendige 
Menſchen oder Sclaben nicht unter die Benennung der zugelaffenen 
Waaren / weil die Ratur durchgehends ihre Früchte/Baben und Gü⸗ 
ter dem Menfchen zum beften hervor bringet / 1.207. ff.deV.S. Am 
wenigften Fönnen freye Menfchen verfauffet werden / weil ohne dem ein 
menschlicher freyer Leibunfchägbar ift/ juxtal.z. E. fi qvadr. pauper 
1.1.8. ſed cum liber homo. So beſtehet auch nicht die Kauffmann⸗ 
ſchafft in Sachen / die zur Kirch oder dem gemeinen Weſen gehören/ 
dahero dann diejenige/ die ſolche verduffern / Des Laſters der verleh⸗ 
ten Religion ſchuldig werden/ 1.r.C, de Sepulehr. violar, Bor die 
ſem duͤrffte auch Fein Purpur / womitdie Kaͤyſerl. Majeft. befleidet 
war / verkaufft werden / wie dann alle Purpur-Rrämeren durch viel- 
fältige Kaͤhſerl. Conſtitutiones verboten geweſen / I. ult. C. de veft, ho- 
loſer. & aurat, So darff man auch (wie unter den contrabanden 
Waaren allbereit gemeldt worden) fein Korn / Gewehr / Munition, 
oder Victualien den Feind zufuͤhren / auch fo gar in Friedens⸗Zeiten 
ohne ſonderbahre Permiflion der Obrigfeit/kein Korn oder Mehl aus⸗ 
ſchiffen / ſonderlich wann Die Land ⸗Magazins und Kornhaͤufer ſchlecht 
damit verſehen / und eine Theurung zu vermuhten / oder etwan der 
Landsherr ſolches zu Proviantirung feiner Milice felbft nöhtig hat. 
Gold und Gilber aus dem Lande zu führen / iſt auch in etlichen Rei⸗ 
chen und Ländern fehr hart verboten ; imgleichen der Handel mit 
mörderifchen Gewehr / welches vieler Orten auf allerhand Maffen/ 
ja fo gar auf ſpihige Brod- Meffer/ damit man einen verlegen kan cx- 


tendiret wird. So darff auch Bein Gifft öffentlich ohne Unterfcheib 


von jedermann geführet/ oder an jeden/ wer 
Nnaun 


ſolchen fordert / verkauf: 
3 fet 


1298 Ver 
fer werden / peri:35. 8. 2. ff. de contrah. emt. item der Stadt Luͤbeck 
Apotecker Ordnung / de Ao.1606,cap. 4. Art. i. folgendes Inhalts: 
Gifftige Argeney und treibende gefährliche Kräuter, follen nicht gleich 
andern Materialien öffentlich / fondern an einen befondern Ort in der 
Apothecken wohl verwahret / und allein durch den Apothecker felbft 
oder feinen Haupt⸗ Geſellen wehlbefannten / ehrlichen / unverdaͤchti⸗ 
gen Leuten) freniden und unbekannten aber auf Caution verfauffet und 
gereichet/ undalfobald in ein befonder Buch / was eöfür Art Giffts 
* item des Kaͤuffers Nahme / ſamt den Tag und Zeit ange: 
hrieben werden, Zu welchen Bifften auch fonderlihe Waagſchaalen 
und Inftrumenta, damtit man fle eradtivet / gebrauchet werden ſollen / 
welchen Verordnungen gemäß ſich die Materialiften im Verkauff der 
Gifften und dergleichen ſchaͤdlichen Waaren zu verhalten ſchuldig 
feyn. Den Wursel»und Kraͤuter⸗Weibern ift auch bey harter 
Straffe verboten/ Nieſewurtz / Seidelbaſt Treibwurg / Seaelbaum 
und andere treibende gefährliche Stuͤcke zu verkauffen. Endlich ſo iſt 
auch die Einfuhr aller zum Pracht und Verſchwendung dienender 
Waaren berboten / dergleichen (wie ſolche Gryphiander. de inful. e. 
25.n.87.& ſeqq. item AhafverusFritfch de jure & immunit. Nundin, 
cap. 6,0, 23. befchreibet) feynd koſtbare Pelgereyen/ theure und wenig · 
nügende Parfums und Gerürge / Eoftbare ausländifche Stoffen und 
Spvbeiſen. Allerhand gottlofe/ ketzeriſche / aͤrgerliche / unzüchtige und 
zauberiſche Buͤcher / ꝛtc | 
Man läffet auch in wohlbeftalten und mit guten Policey-DOrdnungen, 
verſehenen Städten zugewiffen Zeiten nicht zu die Einfuhr gewiſſer 
Vi&tualien, fonderlich der Fiſch⸗Waaren / welche man bermuhtet / dag 
fie noch nicht lang genug in Salt er oder allbereit ſtinckend wor⸗ 
den / dahero offt gantze Wagens⸗voll ſchaͤdliches Odſtes und ſtiucken⸗ 
der Fiſche oder anderer (eine infection nach ſich ziehender ) Sachen / 
in dem Strohm geworffen / und ihren Eigenthuͤmer noch wol unter ei⸗ 
ner dictirten Geld⸗Strafft.abgenommen werden. 
Im Koͤnigreich Schweden iſt heutiges Tags eine groſſe Anzahl vor 
dieſem dahin gegangener Manufadturen ıfonderlic von Seide / Lei⸗ 
nen und Wollen) weil felbige nunmehro alle in Stockholm ſelba fabrı- 
civet werden / beh Straffe der Confilcation einzuführen verboten / wie 
dann hierbon ein ganger Catalogus in unfern Schwedifhen Kauf: 
mann zu erfehen. . | 
Endlich möchte man auch unter die verbotene Waaren rechnen diejeni- 
e/ welche gewiſſer Städte ihren Statutis nad) Fremde an Fremde ver⸗ 
auffen/ oder auch fremde Liegers / den Kramer Junungen zu wider/ 
heimlich aushoͤckern / und bey Kleinigkeiten verfauffen / daruͤber aber 
manchmahl ihrer Waaren veriuftig gehen / und felbige confifciret 
merden. I Ver⸗ 


2 . 


Per 1299 
VerdorbeneWaaren / nennet man alle diejenige / welche gung 
oder zum Theil unbrauchbar / oder doch) ſchlechter vonQvalität / Ge⸗ 
ruch / Gewicht / Geſicht / Geſchmack / Angriff und dergleichen geworden / 
ãtem diejenige welche brandigt / ſproͤde / eingeſchrumpffen / berdorret / 
zaͤhe / holtzigt / erſtickt / Schimmlich und unkraͤfftig ſeyn / und dieſes 
zwar weil ie zu warm oder trucken / zu feucht oder zu kalt gelegen / wel⸗ 
che theils die Zeit / theils das Wetter in ſchlechten Stand geſetzet / und 
manchmahl don Menſchen nicht hat konnen verhindert werden / theils 
auch nachlaͤßig / und unberſtaͤndiger Weiſe verſaͤumet worden / als 
wann etwann Fuhr⸗Leut / die ihnen aufgegebene Waaren / hor Re» 
gen und Schnee nicht wohl bewahren / ohne Noth / Vorſorg und Be⸗ 
dacht / durch auffgelauffene Waſſer⸗Stroͤme fahren / und die Waaren 
naß werden laſſen / oder wann die Schiffer ein leckes und undichtes 
Schiff haben / die Waaren nicht wohl zu flauen / zu rangiren oder zu 
legen willen/ wann jte beym Einfchiffen ſolcher Waaren nicht felbft da- 
ber feynd / fondern ed auf die gemeineStauers und Arbeitd-Leut an⸗ 
kommen laffen / welche offt das ſchwere But auf das leichte / das un: 
zerbrechliche auf das zerbrechliche / das naſſe auf das truckne und der- 
gleichen legen/ von welchen hernach das unterfte zerdrückt / naß gema⸗ 
et und verdorben wird / wovon dann die ſchaͤdliche und vielfältige 
Havereyen / undandere Repartitions Koften herkommen / die denen 


Kauffleuten zimlichen Schaden/ denen Notariis und Depecheurs aber 


viel Attellirens / Schreibens und Calculivend machen / es wird aud) 
ferner manches Schiffbrüchiges / und über Bord geworffenes oder 
nn. Gut / welches hernachmahls wieder aufgefifchet und ge- 
orgen worden/) durch ſolche Unglücs- Fälle Schadhafft/ ja wie viel 
Kauffmanns⸗Waaren verderben nicht Durch diefe und andere derglei- 
chen Zufälle/ daß ſie hernach nicht den dritten oder bierdten Theil ihres 
Einkauffs⸗Koſten / gefchweige einigen Profit holen Eönnen/ offtmahls 
ſeynd auch die Kauffleut ſelbſt / oft Die Haudwercksleut Urſach an deit 
Verderb folder Waaren / jene wann fie folche nicht mit gebührlicher 
Pflege/ Auffiihtund Wartung ehren / felbige nicht zu rechter Zeit/ 
und an den rechten Drt zu verwahren / eingubinden/ zu zu packen / zu 
ſortiren / auffzupugen / und den anfegenden Übel /durd) fchleunige 
Huͤlffs⸗Mittel (eh folches weiter um ſich frißt) zu remediren wiſſen / 
wie dann zu Abwendung der elften folder Accidentien Rath und 
Huͤlffe ift/die aber wohl zuvor erleknet / und fchleunig angewandt feyn 
will / und zwar nach einer jeden Waar ihrer Art / alſo darff kein Kauff⸗ 
mann fein Korn Jahr und Tag unbefichtiget auf den Boden llegen laf- 
fen / ohne ſolches umzuwerſſeg Aund denfelben Lufft zu geben/ warn 
er nicht will daß es muchlicht/ WO voller, Wurmer werden fol / ſo kom⸗ 
men aud die Weine in Kellegin die Arbeit/ und erfordern als danu 
f 4 7 









1300 | Ber 


fleißige Auffſicht die Bänder oder Keiffen an den Fäflern ver ſchi m⸗ 
meln/ die Fäfler felbft werden leck / der Taback ftedit (ich leicht inmrwen- 
dig vor Hitze an/ und verfault / (fonderlicd wann er lang eingepactt 
und an dumpfithten und feuchten Orten fteht) alamode Zeug / reaım 
fie nicht bey Zeiten an Mann gebracht werden / bleiben bernacdh beie- 
en / und haben feine Nachfrag / der Kaͤß verdirbt / und wird von Den 
ieten gefreſſen / alte Butter befommt einen übeln Geruch, und Se⸗ 
ſchmack / die Eitronen verfaulen / dad Delwird vangigt / derSpect 
elb und ſchimmlich / Seiden Zeug mürb und verlegen aud) an Der 
Sarh verſchoſſen und fledigt/und was dergleichen Zufälle mehr ſeyn &/ 
mit welchen die gute Rauffmannfchafft “ als zuviel verieret wird/ 
endlich kommt noch der Menſchen Untreu und Unverftand felbft Darzas/ 
als wann in dem erften Fall/ die Schiffer und Fubrleut das qute Ge- 
trönd anzapffen / und Waſſer wieder an die Stelle gieſſen / oder auch 
fonft eine Waar in der erſten / andern/ dritten und bierdten Hand der⸗ 
malen corrumpirt und verderbetwird / daß fle in die fünfte Hand 
kommende / in welcher fiefoll verbraudt werden / alödann uber die 
Helffte ſchlechter an Malitaͤt ift als le von Natur oder Anfang gewe⸗ 
fen/ alfo langen und kochen die Indianer unterfhiedlihes Gewürtz / 
Kräuter und Saamen erſt aus/ und ſchicken uns hernach das überbiie« 
bene und von feiner beften Krafft entblöfte Reiduum heraus. Waaren 
die aus Unverftand oder Unfleiß berdorben werden / ſeynd / wann 
ein Handwercksmann ein rohes Materiale von ſeinen Kauffmaun / Ber: 
leger oder Principal bekommt / und dasjenige was er daraus machen 
fol / nicht recht zu machen verftehet / wodurch hernad) die Arbeit ver» 
dirbt / ſo daß weder ihn noch dem Kauffmann damit gedienet ift / wo⸗ 
für er aber den Schaden hat / daß er hernach eine ſolche durch feinelin- 
wiſſenheit oder Unfleifi verdorbene Waar bezahlenmuß. Vid. Brun- 
nemannum adl, 28, I. de locationibus.- f : 

Unter allen Waaren aber / welche dem Verderben offt ehe als es ver⸗ 

muhtet wird/unterworffen feyn / feynd die Droguiftereyen und Apo⸗ 

thecler⸗Waaren / ald welche eine ungemeine Wartung und Auflicht er⸗ 
fordern; dann demüffen erſtlich die | 

Eßig / fo infundiret feyn/ allein Jahr verändert / oder mit neuen Ef 
(ig und Materialien erneuret werden. 

Deftillitee Waſſer / warn ſie phlegmatiſch feyn/ beraͤndert und erneu- 
ret man alle De: es iſt aber diefed eine Erneuerung zu nennen / . 
warn das Waſſer an neue Gewaͤchs gegoflen und deftillivet wird; 
geiftige Waſſer kan man länger behalten. 

Balſamiſche und Aromatifche Sachen bleiben 2. bis 3. Jahr gut. 

Die Cerota oder gelinde Pflafter dauren kaum ein Jahr. 


‚Collyria ‚trodene Augen-Argeneyen ſtimmen mit denen Trochifcis 
überein. Er Con- 








"Huskaneil 


7 
“ 


m cr mi 
- ME ea; 


Der 1301 


Condita, eingemachte Früchte bleiben z. Jahr. 

Confedt dauret / weil es mit Zucker gang eingeſchloſſen worden / laͤn⸗ 
ger dann die natürliche Sachen. | 

Conferven behält.man etwan gut. Jahr / die Latwergen kaum fo lang / 
infonderheit/ wann fie weichlich und angenehm feyn. 

Das Elixir dauret / weil ed geiftig iſt / viel Jahre wann ed anders recht 
verwahret iſt / daß es nicht ausrauche. | 

Die Pflofter dauren kaum einhalb Jahr / ed wäre dann / daß fie recht 
trocken wären. | | 

Harte Extraöten dauren viel Jahr / und leiden auffer der Dürre nicht 
leichlich einen andern Schaden. | 

Die Foeculz der Bemächfe müffen alle Jahr berneuret werden/ jedoch 
bleiben ſte manchmahl ein paar Fahr gut und darüber. 

Die Flores variiren nach Unterfcheid des Zeuges/ woraus ſie fublimi- 
vet worden. | 

Julep werden nach der Berfchreibung bon neuen gemacht / dann der 
Roſen⸗ und Violen⸗Julep wird inConfifteng eined Syrups auf: 





gehoben. 

Lohoch oder Eclegmata, Bruft:und ungen -Latwerge/ die aus Man» 
deln/ Pimpernüßlein und den kalten Saamen / als welche leicht ver- 
derben / gemachtfeyn/ dauren Baum ein Jahr / die andern aufs hoͤch⸗ 

e2. Jahr 


Magifteria, die durch die Niederfehlagung bereitet worden / koͤnnen / 
weil ſie aus harten Sachen herftammen nicht leicht verderben. 
Die Morfellen halten ſich zwar auch lang / doch ift es beſſer / man ge- 
brauche frifche/ befonders/ warın fi aus einfachen Stücken /.die 
leicht ſchimmeln / beveitet worden. ' 
Ausgedrückte Oel / wann ſie gemäßigetfeyn/ ald Mandeln / Seſam⸗ 
Oel / und von Pimpernuͤßlein / beſonders die zum Einnehmen tau⸗ 
gen / dauren kaum uͤber ein Monat / kalte Oel 1. Jahr / warme z. 
oder 3. Jahr / die aber/ die aus wohltiechenden Früchten ausgepreft 
werden / z. ausden Mufcaten / Fan manein halbes Jahr behal- 
ten, DefillirteDelbleibey länger; diean der Sonnen macerivet 
werden/derändert man alle halbe Jahr. \ | 
Die Pilulen dauren wegen ihrer Hartigkeit und wegen des Aloes / * 
bald zu allen kommt / 2. bis3. Jahr / beſonders / wann ſie kein Opiwi 
in ſich begreiffen. | 


Friſche Pulver ſeynd ambeften zu gebrauchen. 


Die Rob-Säge oder dicke Gäffte verändert man alle Jahr, 
Zaͤltlein macht manzu jeder Zeit. 
Die Saltze / ſonderlich wann ſolche chryſtalliliret worden/ dauren et⸗ 
liche Jahr. | 
nun s Aroma- 


1302 > Der 

Aromatifche Species werden alle Fahr erneuret. 

Die Spiritus bleiben ſehr lange / ſonderlich wann man fie verwahret/ 
daß fie nicht berrauchen. Ä 
Saͤffte / die flieſſend ſeynd / werden jährlich/die aber etwas hart feynd/ 

in 2. oderz. Jahren verändert. 

Cinfahe Syrup bleiben ein Jahr/ zuſammengeſetzte und Aromati- 

ſche aber z. Jahr. | 

Die Tincturen in Pulderdauren etliche Fahre / die flieffende ſeynd 
gleichfalls nach Unterfcheid des Menftrui daurhafft. | 

Die Trochifei und trockene Augen Mittel bleiben ein Jahr / doch wer: 
den diejenige ausgenommen / in welchen dad Opium oder leicht ver⸗ 

derbliche Sachen kommen / da die erſtens. Jahr / dieandern aber 
kaum ein Halb Jahr bleiben. 

Die Salben halten ſich faſt ein Jahr. 
Es iſt aber auch wegen der Conſervation dieſer Waaren biel an dem 
Ort gelegen / wo ſie aufbehalten werden / ob ſolcher trucken oder feucht / 
nad) Oſten / Suͤden / Norden oder Weſten gelegen / weil ſolches ein 
groſſes zur Conſervation oder Deterioxirung einer Waar betraͤgt / wie 
wir allbereit unter dem Wort Magazin mit mehren angeführet. Von 
der Material-Maaren ihrer Confervation allhier noch etwas zu ge- 
denden/ fo erhält man die Mineralia gemeiniglih in Schachteln oder 
bölgern Buͤchſen. 

DiesSalia in Holg oder Glad an trucknen Dertern. 

Waͤſſerichte Sachen in Bläfer oder Krügen. 

Gewaͤchſe trucknet man im Schatten;/ und verwahret (fe / wann ed 
wohlriechende feynd/ in Buchen von Lindenholg / oder in Glaͤſern / 
die ein enged Mundloch haben / und mit einer zinnern Schraube 
verwahret feyn. 

Die Aräurer trocknet man in Schatten / wann ſie aber dick und gar 
zu feuchte Blätter haben / fo daß ſie gerne faulen / fo müffen ſie bey 
einer gröffern Kite in der Sonnen trucknen / alsdann thut man fie 
in einhölgernes Lädlein/ damit ſie nicht ſtaͤnbicht werden. 

Den Saamen behält mar aneinentrocdenen Ort in hölgernen oder 
gläfern Geſchirren / wie auch in Papier/ damit fie deſto länger dau⸗ 
ten und rein bleiben. — — 

Die Fruͤchte hält man in Schachteln / Büchfen oder Koͤrben. 

Die Wurtzeln in trockner Lufft / die kleinere / duͤnnere (und deren 
Kraͤffte durch die Wärme der Sonnen und des Waſſers leichtlich 
meggehen) muß man im Schatten und Wind trodenen / als da 
ſeynd Eppich/ Fenchelwurtz / ıc. diegröbere werden beym Feuer/ 
an der Sonnen/ oder dem Wind getrocknet / als da ſeynd Ensian/ 
Alvaun/ x. \ 

Die 


> 


— —— 


Der 0 


‚Die Rinden behaͤlt man in hölgern Buͤchſen an emen trocknen Orr. 
Gummi und trodene Haͤrtze ſchlieſſet man an einen trockenen Ort in 
bdoͤltzerne Gefaͤſſe / die fluͤßige aber in Krüge ein. 

Die Chiereundderen trodene Theile thut man inhölgerne Büchfen/ 
ihre Fettigkeit und Marck aber in Krüge / undftellts an Ealte tro» 
ckene Derter. , | 

Die Balfame in zinnernen Büchfen / oder wohlberwahrten Bläfern. 

Die Cerara herwahret man wie die Pflafter. 

a Suchen erfordern vielmehr irrdene als zinnerne 

efäffe. | 

Die mit Zucker uͤberzogene Confedt Hält man in hoͤltzern Büchfen. 

Die Conferven, Eclegmata, Aatwergen/ in irrdenen Gefäffen beffer 
als in Zinn. F 

Die Pflaſter und Cerata werden mit einer Blaſen oder Papier / das 
in — getuncket worden / umwunden und in trockenen Buͤchſen 
verwahrt. ö 

Die Extradte thut man in irrdene oder gläferne Geſchirr / mit einem 
weiten Mundloch / dap man davon mit einer Spatel heraus neh⸗ 
men kan / ſeynd ſie aber trocken / fo behalt ınan fie wie Die Pitullen. 

Die Fœculæ und Flores werden in Glaͤſern nad Geſtalt der Sachen 
aufgehoben. | 

Die Morfellen wie Confectiones. 

Die Oele ingläfern oder irrdenen glaſurten Geſchirren. 

Die Pilulen widelt man in eine Blafen / oder (durch Wachs gezoge- 
nes) Papier/ und legt fteinhölgerne oder-zinnerne Büchfen an et 
nen trucknen Ort. 

Die Praparara ſtellt man in Glaͤſer an einen trockenen Ort. 

Die Zaͤltlein in hoͤlherne Buͤchſen an einem trockenen Ort. 

Die Saltz imgleichen / aber in Glaͤſern. 

Die Aromatiſche Species in ledern wohl berwahrten Saͤcken. 

Die „piritus in wohlvermachten Glaͤſern mit engen Mundloͤchern. 

Die ftieſſende Saͤffte gleicher geſtalt / und gieſſet mamein wenig 
Mandel⸗oder Oliben⸗Oel darauf / daß fie nicht verderben. 

Die dicken Saͤffte kommen mit den Extracten überein, | 

Die Syrup halten ich ambeften interdenen verglafürten Befäffen, 

Die Trochifei in hölgernen Büchfen. . 

Die Weine in irrdenen oder gläfern Befchirren. 

Die Salben und Linimenten in irrdenen Befäffen/ zum theil aud) in 
zinnern Büchfen/ die wohl verfchloffen feyn. 

Eine befondere Anmerdung zur Confervation folder Maaren/ iſt 

auch diefe / er man die Blamen verwahret / nachdem fie bon ihren 

Stengeln und Fräuterichten Blättern gereiniget ſeyn / wann fie * 

| | | | gro 


* / 
1304 Ver 
groß ſeynd / werden fie von ihren Stengeln abgeriſſen / und vermah- 
vet / haben ſie aber nur Fleine Stengel / fo behält man ſie mit / und 
fchneidernicht einmahl die Blumen davon ab. 
‚Einige Wurgeln behält man gantz / ald Holwurtzel / Entzian / andere 
ſchneidet man inrunde Stüdlein / als die Stickwurtz / Mantwarg/ 
imgleichen nimmt man etlichen die Hölgerne Mutter aus/ als denen» 
chel/ Peterſilien⸗Wurtz. | 
Die Fruͤchte / ſonderlich das Obſt / gt man / daß die Stiele unter/bie 
Butzzen aber über ſich ſehen / wann es aber auf Gaͤrſten geleget wird/ fo 
dauret ed langer. 
Die fleiſchliche Theile der Chiere werden anfangs nach Belichen 
gerafchen mit Wein oder einen tauglichen Decocto, hernach im Dfen 
gedoͤrret / in gewiſſen Blättern / z. E. von Wermuht / damit es nicht 
faule / eingewickelt verwahret. ES: 
Fett und Shligeen Sachen wäfht man etliche mahl in Waſſer / bis fie 
genug gereiniget feyn/ hernach läßt mans bey gelindem Feuer fchmel- 
ken/colirtfle/und gieflets in etwas kaltes / daß die Unreinigkeiten zu 
Boden fallen/ oder in Schaum gehen/ dann fepet man fie aneinen kal⸗ 
ten Ort / I auch wol ein wenig Saltz bey / dag ſie nicht verderben. 
Die berdorbene Waaren wieder zurecht zubringen / iſt mehrentheils 
beyihrer fonderbahren Benennung angeführet., 
Veredelter Bang/ wird auf Bergwerden derjenige genanm det 
gut Ertz giebet / verunedelter hingegen, wann eine Kluft zum Gang 
rommt / ünd das gute Ertz verfchiebet. 
Verfaͤlſchte Waaren / ſeynd entweder ihrer seen ang / und inner⸗ 
lichen Ovalität oder auch ihrer Form / Gewicht und Farb nad) verfaͤl⸗ 
fchet/ und zwar ift diefer Betrug in Geld-⸗Muͤntzen und Maaren- Vers 
handeln/ fo mannichfaltig / daß er mit Feiner Feder genugſam zu'be» 
fehreiben / viel weniger der üblen Confegveng halber (indem ſich die 
Betrüger nur diefer Entdeckung bedienen möchten) ausführlich darff 
befchrieben werden / jedoch nur etwas weniges darbon anzuführen/ we⸗ 
gen des übrigen aber/ den geneigten Lefer/ auf fo viel Zeugniffe dieſes 
Buchs / wie nemlich dieſe oder jene Waar verfälfchet werde / zu ber⸗ 
weifen/ fö ſeynd ja heutiged Tages gar wenig Waaren zu finden,/ wel⸗ 
che nicht/ (ſonderlich wann ſie eigennügigen und Geminnfüchtigenfeus 
ten unter Handen kommen) einer Berfälfhung folten unterworffen 
feyn/da wird unter dad Wachs Unſchlitt oder Talch / unter den Wein 
Maffer/ zu Gewürk und Droguiftereyen / allerleyandere den wahren 
Aromatibus gleich fcheinende/nichtd würdige Dinge genommen / wel⸗ 
cher Betrug den Rechten nach zweyfach folte erfeget/und dazu noch mit 
der LandsVerweiſung beftvaffet werden. Die Luͤbeckiſche Kauf: 
| mauns⸗ 


Der 1305 _ 


manns⸗Ordnung de Anno 1607, und aud) die Statuta dafelbft beſtraf⸗ 
fea dergleichen Waaren Faͤlſcherey jedes mahl/da fiebey einen Hand 
wercks oder Kauffmann befunden wird mıt s. Reichsſsthaler Straffe und 
muß darzu die falfche Waare noch verbrandt werden / ja ein Hand⸗ 
wercksmann verliert darüber wohl gar ſein Amt / und Fan derienige der 
befunden wird die Waaren und Guter verfälfcht zu haben / aud) fo 
gar mit Leibes⸗Straff beleget werden / vid. Mevi in Comm, ad'jus 
Lub. part. 4. tit.ız, art, 2. & 3. Es werden aber die Waaren nicht 
allein auf oberzehlte Weife verfälfchet/ fondern/ der aud) diefelbe der⸗ 
geftaltverbindet / leget und einwickelt daß oben und von auffen gute 
Maar erfcheine / innwendig aber fchlechtere verftecfet ſey / ift auffer or» 
dentlicher Weiſe zu beftraften / und faft eben fo wie Diejenigen/ welche 
Spreu oder Haber mit Gerften/ und Roden nit Weißen vermengen / 
6. ſi qvis merces ff. de crimine ftellionatus ‚fo ift auch verboten Die 
Waaren an ſolchen Drten zu weifen/an welchen das Licht ihnen fo vor- 
theilhafftig / dag ſie dadurch fchöner ſcheinen als ein der That ſeynd / 
ſo auch jemand falſche Siegel an die Tücher hänget/ oder eine unechte 
Farb vor eine gute verkaufft / der wird als ein’ Berfälfcher beftraffet 
und darzu die falfche Waar verbrandt/was aber falfche Farben an den 
Wollnen Zeugen und Tüchern feyn / und was vor Farb Materialia 
zum Farben der Tücher follen genommen / auch welche auögelaffen/ und 
sie endlich die Tücher durch Abfieden follen probieret werden / ſolches 
iſt in unfern Neueröfineten Manufacturen⸗Haus cap. 9. ausführlich zu 
erſchen. Wegen des Bewürges ift in der Policey- Ordnung zu Augs- 
burg Anno 1548. geordnet / daß hinführo fein berg allein 
weiſſer und ungefärbter Ingwer / im Reich feil gehabt oder verfaufft/ 
noch aud) dem Zucer / Pfefter / Saffran oder andern Gewürg oder 
Specerey⸗ Waaren / andere Materialia follen beygemifchet werden/ / 
und ſolches zwar * Poen derofelben Verwirckung und Confifcation; 

damit aber ſolchen Betrug in der Specerey oder Bewürg deſto beffer 
borgebauet werden möge / fo follen auseinen jeden Kreyß /oder 
Gebiet von den Landd-Ständen egliche verordnet werden / welche auf 
‚alle Specereyen und Gewuͤrtze ein Aufffehen haben/und wann fie eini⸗ 
gen Betrug darinn befinden / felbigen der Obrigkeit bezeigen follen. 
on der Verfälfhung des Weins / haben wir den Reichs⸗Abſchled von 
Anno 1497. welcher verordnet / daß man die Weine nicht ſchmieren / 
oder die Faͤſſer mehr ald einmahl Schweffeln foll / und, zwar nur ge⸗ 
mäffig/ wer darwider handelt / fol in 00. Reichsthaler Straff oder 
mer gar die Weine mit Waſſer oder Kalch vermifchet/ an Leid und Eh⸗ 
ren geſtraffet / die Weine aber ausgegoffen werden. Was wegen des 
Moll und Tuch⸗Handels berordnet worden / ift indenen Reichs⸗Ab⸗ 
fhieden yon Anno 1548, 1331, und 577. zu erſehen. Es gehen ” die: 
eni⸗ 


1306 . er 
jenige nicht allerdings ohn Straffe aus / welche / es ſeyn gleich feine o⸗ 
der grobe Waaren mit Fleiß an feuchte Oerter legen / oder ſelbige mit 
Waſſer beſprengen / nur damit ſolche dadurch am Gewicht deſto ſchwe⸗ 
rer werden moͤchten / wiewohl dieſer Vortheil / (ob er zwar an ſich 
ſelbſt unrecht /) heutigs Tags doch unter Kaufleuten faſt fuͤr eine Ge⸗ 
wohn heit will gerechnet werden / inſon derheit wann das Legen an feuch⸗ 
te Oerter mit der WaarenQvalität uͤberein kommt. Endlich wollen 
auch die Rechte / daß ein Berkäuffer gehalten feyn foll/ Die Krauckheit 
oder Fehler eines lebendigen Viehes / welche ed etwann an fich haben. 
möchte/ anzuzeigen/ weil aber wie Cioero lib. 111, Oficiorum meldet/- 
derjenige ein Rarr feyn würde der folches thäte / ald macht man billich 
Diefen Unterfcheid / daß ein Verkaͤuffer / die unfichtbahre Fehler eines 
lebendigen Viehes ver pr fchuldig fey / nicht aber die ſichtbahre / 
fonderlich an Naßweiſe Kaͤuffers / welche ſich vor groffe Kenners aus» 
geben/ weile bey ihnen in folchen Fall heiſt wer die Augen nicht auf: 
thut mag den Beutel auffthun / am wenigſten aber hatein Käufer zu 
klagen / wann ihm der Schade erſt gewieſen worden/ under deffen un» 
geacht den Kauff angetreten Hätte/in welchen Fall das gemeine Sprich. 
wort erſt vechtfchaffen erfüllet wird/wann die Rarren zu Marck gehen/ 
fo löfen die Kramers Geld / nihil enim magis flultitiam Domino ex- 
probrare videtur, qvam mala emtio, quæ femper ingrata frefbtPli- 
nius fehr wohl in einer feiner Epifteln/welches fo viel zu fagen / fo oft 
derjenige der einen thörigten und ſchaͤdlichen Kauff gethan/ das ge⸗ 
kaufte Ding anjlehet/ fo oft mag er lich einbilden/daper ein Narr ge⸗ 
mefen fey/ zu wuͤnſchen wärees/ daß underftändigen einfältigen Känf- 
fern die Verkaͤuffer mit auffrichtigen Rath und Vorſicht zu Hülffe 
kaͤmen / und alfo denjenigen ein Genügen leifteten / was an berCa-- 
thedral-Kivch zu Lucca in talien folgendes Junhalts zu lefen ift. 
ADVENIENS qvisgvam Scripturam relegat iflam. 
Degvaconfidat,& Sibi nil Timeat. 
Cambiatores & Speciarii Tempore Rangerii Epifcopi. 
A, MCXI, 

Jurant, qvod abillahora, in antea , nec furtum faciens ,nec Trec- 
camentum, nec falfıtatem infra Curtem $. Martini ut omnesHomines 
posſint cum fiducia cambire, vendere & emere, ad memoriam haben- 
dam, juſtitiam retinendam, Curtis Eccleſiæ-S. Martini ſcribimus 
juramentum, qvod Cambiatores do Speciarii omaes, iſtius Curtis, 
tempore Rangerii Epifcopi, fecerunt „ utomnesHomines poflint 
cum fiduciacambire, vendere & emere, juraverunt omnes Cambıa- 
cores & Speciarii,qvodab illa hora in antaa,nec furtum facient, nec 
Treccamentum, 


Per 1207 


Nec falfitatem infra Curtem S. Martini , nec in Domibus illis,in qvi- 
bushomineshofpitantur , hoc juramentum faciunt, qviibi adCam- 
bium,autad Species flare voluerint , funt etiam infuper qvi ſem- 
per Curtem iftam fultodiunt, & qvod male factum fuerit, emeg- 
dare faciunt, 


Welches in unferer teutſchen Sprach alfo lautet: 
Die Wechßler und Gewuͤrtz⸗ Haͤndler ſchwuren zur Zeit des 
Biſchoffs Rangerii. 
| A,C, MCXI. 
Daß fie von folder Stund an diejenige / die mit ihnen Aauff- 
Schlagen oder Wechſel ſchlieſſen wollen / nicht übervortheiien 
oder berriegen wollen; alſo daß alle Menſchen auf dem Sanct 
Martins Platzʒ follen mie der hoͤchſten Zuverſicht ohne Furcht 
daſelbſt wechſeln / Eauffen uud verfauffen Eönnen/zu welchem 
Ende / und um die Gerechtigkeit auf gedachten Plag bey zu be⸗ 
halten / ſchreiben wir zur ewigen Gedaͤchtniß nochmahils Dies 
ſem Eyd öffentlich an / und confirmiren hiomit / Daß weder auf 
dem Sanct Martins Platz / noch in denen oͤffentlichen Buͤrger 
und Wirths⸗Haͤuſern / einige Falſchheit in Wechſeln und Kauff⸗ 
Handel mehr vorgehen ſoll / ſondern es ſollen vielmehr ſolche 
Anffſeher bꝛſtellet werden / welche allezeit dieſen Pla bewah⸗ 


ren / und was Ubels darauf wird gethan ſeyn / verbeſſern und 
buͤſſen laſſen ſollen. 7 ” 


Vergiß mei nicht / Chamzdrys &Chamzpithys.. 

Vergiß mein nicht/ 2. Leontopodium, Rapejon Plinii. 

Veridello ‚ein grünlihterGtein/ dem die Jtalläner um das Metall 
zu probieren gebrauchen. 

Verlohrne und verlohren geſchaͤtzte Sachen /Respro dereli- 
&o habitæ fepnd diejenigen Sachen / welche jemand nicht mehr vor fein 
eigen haben will / fondern von ſich ſtoͤſt / und ſich ihrer ‚nicht mehr ans 
nimmt/da dann ein folcher fo gleich ſein Recht daran verlievet/und der- 
felbe der fie auffnimmt oder occupirt das Eigenthum davan erlanget/ 
wann and fhon die Sad) ineinen fremden Haus wäre occupirt und 
genonmen worden/inmaffen der Herr des Hauſes / wann keine. Oc- 
cupatio dazu gefommen / deftalls feinen Vorzug hat/ Carpz. 8.3. ;r, 
17. nehme aber jemand eine ſolche pro dereliätogelaffene Sache / in 
der Intention auff/ daß er ſie entwenden wolte/ fo kan er als ein Dieb 
belanget werden. Idem in Crim. qvaft 86.n. 14.gleicher Beftalt wäre 
der auch ſtraͤfflich der diejenige Maaren und Güter welche in See 
Gefahr zur Erleichterung des Schiffes ausgeworffen wären / wann 
er folche and Ufer getrieben fünde/ qls pro derelictis gehaltene achten/ 

und 


1308 Ber 
and dannenhero zu ſich nehmen wollte / da fie doc) der Eigenthümer 
gern behalten haͤtte wann ihm die ungeſtuͤhme See folche nur hätte laf- 
fen wollen/vid. Conftit, imperat. Friderici in auth. navigia,C, de fur- 
tis, wie dann auch Käyfer Carolus V. in ſeiner P. H. G. O. folches fehr 
ſcharff verboten/ und das Strand oder Grund⸗ Ruhr⸗Recht gaͤntzlich 
abgefchafft / wiewohl es noch in einigen Bändern Europäeglicher maf- 
gen in Obfervangbleibet. 

Vermeynte Hirſch⸗ Zung / HermionidisDiofcoridis, 

— peterlein aus Alexandria / Smyrnium, 

— Schwartze Nießwurtzel / Pſeudo Helleborus, Hell. Fe- 


zul. The. 


Vermeynte weiſſe Nießwurtz / Elleborine. 

— Zuͤrgelbaum / Neudolotus Matth. | 
Vermicelli oder Maccaroni, hierzu wird aus Krafft- und andern 
Meelen ein Teigeben wie zuden Nudeln gemacht / und durch eine 
mit vielen Löchlein unten durchbohrte Spite durchgetrieben / hierauf 
getrocknet / und zum G⸗hrauch auf bewahret / es führen folche gemei⸗ 
niglich die Italiaͤner / wiewohl man ſie in Teutſchland fo gut und beſſer 
als in Italien zu machen weiß. | 

Vermicularis, Sedum minus, Semper vivum , minimum illecebra, 
Portulaca tertia, Mauer-Pfeffer/Heine Hauswurtz / iſt ein gut Amulc- 
tum vor das Fieber. 


Vermiculas oder Srünfpan/ift dem Kupffer⸗Blumen gleich / ſolchem 
zu machen / ſo nimm ein Theil weiſſen Wein-Eßig / und e. Theil ſtin⸗ 
enden Harn / gieß es in ein Kupffern Becken / und rühr ed wohl um 
mit einen Kupffern Stempel / bis es did wird / alsdann thue den 24. 
ſten Theil Saltz und Allaun dazu / ſetze es an die Sonne bis es zuſam⸗ 
men riunet / und trocken wird / fo wird es werden an Geſtalt wie klei⸗ 
ne Wuͤrmlein / davon die Farbe dieſen Rahmen bekommen. 

Vermillon, ſiehe Zinober. 

Vermiſchung / Mixtio, Miſtio, Mixtura, eine Vermengung bie: 
(ev Dinge / daß endlich einCompofitum,oder zuſammen geſetztes Werck 
Daraus werde / es geſchiehet etwann von einen Kauffmann allein / in ſei⸗ 
nen eigenen Waaren oder von zweyen unterfchiedenen Perfonen / mit 
beyderfeits guten Willen / jeder mit feinen eigenen Materien / da dann 
die alfo zufammen gegoffene beyden gemein / und das daraus formirte 
Werck auch gemein ift/ feyndaber beyde Materien unverfeheng zu- 
ſammen gekommen / und eöiftein Werd daraus verfertigt worden/ 
welches in die borige Materia nicht an wieder verwandelt werden/ 
fo ift folches lormirte Werck desjenigen / der es verfertiget/ dem an- 

R | dern 


I} 


Ber 1309 


dern aber muß er feine Materiam den Werth nach bezahlen / gleicher 
geftalt wann —* Materien als Getreyd / ſo zweyen Eigenthums 
Derrn zuſtehet mit beyder Willen untereinander gemenget wird/fo ift 
der vermengte Hauffbeyden — es aber nicht mit beyder Wil- 
len gefchieht / wird der Hauff nicht gemein, weil ein jedes in feinen bo⸗ 

rigen Weſen und Natur berbleibet / gleichwie fo unterfchiedlich Vieh 

"untereinander vermenget wird / wann abereiner den gantzen Hauffen 
ben ich behält / Fan der ander feinen Antheil vindiciren / und ftehet 
bey des Richters Ermeſſen welchesGetreydig beſſer als des andern 
geweſen ſey / worauff er dann / denjenigen deſſen Getreyde beſſer ges 
ir /einen Bortheil zu geben ſchuldig / $. 2. juft.de Rer. Div. vide 
Accelfo. 

Vernaser /Vernacium don den rothen Berg Vulnetia oder Ver- 
nacia {m Genuefer Gebiet alfo genannt / ift feiner delieatelſe halber / 
um fo — — zitimiven/ als hart und mager die Weinber afeynd/ 
in welchem er waͤchſt. Ze Ä 

Veronica Mas ‚ Teucrium ‚Betonica alba Chren-Preif Maͤnn⸗ 

lein / Heil aller Welt / ein fehr Herrlich und wohlbefandtes Kraut / 
waͤchſt gern an ungebauten Sandigen / uud an der Sonn gelegenen 
Dertern/dasjenige weldes um die Eichen⸗Baͤume herum waͤchſt / haͤn 
man vor das beſte. Das Kraut fanıtden Blumen treibet den Schweiß / 
dienet der Bruft und ift gut vor Wunden / Geſchwur und Schwind» 
ſucht / Rräge und andere Unteinigkeit des Geblütd / dahero es auch 
der Europäifche Thee genanntwird. Herr D. Franck von Frances 
nau Wevl. König. Daniſcher Leib⸗Medicus recommenditt eg mider 
alle Krandheiten/ und hateinen gangen Tractat dabon gefchrieben. 
Veronica Theezans genannt / in welchen er dieſes Kraͤutleins Tugend 
und Kräfte nicht genugfam ruhmen Fan. 
Veronica foemina, alfıne palufleis Ehren Preif Weiblein / dies 
net vor die rothe Ruhr und aud) aͤuſſerlich vor die Wunden. 
Verordnungen / die von Königen / Fuͤrſten und Magiftraten 
pielfältig der Commercien halber. gemachet werden /.und mehren⸗ 
theils auch die freye Ab-und Zufuhr gewiſſer zugelaffener Waaren/ 
o der auch die Specıfication der verbotenen / (und zu Krieges-Zeiten 
vor Contrabande erklärter) Waaren in (ich halten/ feynd fo mancher« 
ey das faft‘Fein Land oder Stadtzu finden / welche nicht einige fon⸗ 
derbahre desfalls auffzumweifen hätte / welche doch alle fo eingerichtet 
als es die Conftirution der Commercien felbiges Lands erfordert/ 
dergleichen feynd in dem Römifchen Reich die Policey- Ordnungen / 
welche Die Berfälfchungdes Getraͤncks / Gewürtzes und anderer Waa⸗ 
ven bey hohes Straff verbieten / — die Kaͤyſerl. Mandara mas vor 
000 Rage 


zo [Be | 
Waaren vor Contrabande bey den Sransöflfcen Krieg zu erklären 
feyn oder nicht / Engeland hat feine fonderliche Statuta und Verord⸗ 
nungen wegen des Tuchmachens / wie lang und breit eine jede Art der 
Tircher feyn foll/und was dero Beilegelung und Öffentlichen Verkauff 
betrifft. y Franckreich haben die Seiden und Wollen⸗Faͤrbers ci» 
ne Königl. Verordnung / was (le vor Farben zu Geiden und Wollen⸗ 
Zeug nehmen / und welche hergegen vor ungültig und falfch follen ge⸗ 
halten werden, , 
Die Käyferliche freye Reichs⸗Stadt Nürnberg / hat wegen des in 
ihr befindlichen Collegii Medici ‚item wegen der Apothecker und 
Materialiften folgende Berordnuug : Wir Bürgermeifter und Rath 
der Stadt Rürnberg thun Fund hiemit jedermaͤnniglich / nachde wir 
dns mit ſonderbahren Fleiß zuGemuͤth geführet / die vielfältige Un⸗ 
ordnungen ſo ein zeithero nicht ohne ſondere Beſchwerung unferer 
Bürgerfchafft beydes in Applicirung und Aræporirung der Artzneyen / 
haufig eingeriſſen / indem etliche unerfahrne Leut von Manns-und 
reibs-Perfonen / fo wohl Innwohner als Auslaͤndiſche Empirici 
ohne Scheu ſich unterftanden / allbier in diefer Stadt den Leuten al⸗ 
ferien Argneyen beyzubringen / diefelben auch ihtes Gefallens / (un⸗ 
gtacht (le Medicinam niemahls Audirt und gelernet) zu præpariren / 
und öffentlich zuberfauffen / auch hielmahls einerley Artzney für mans 
cherley Krankheiten zu gebrauchen / dardurd denn der gemeine 
Mannnicht allein um das Geld/fondern auch um die Gefundheit zu 
feinen unwieberbringlichen Schaden gehracht worden. Damit aber 
folcheund dergleichen mehrere eingeriffene Mißbraͤuch abseſtellt / 
und gute heilfame Ordnungen gemeiner Bür erfchafft / und fonften 
männiglich zum beften/fonderli —— unge /aud) 
die Barbierer / Wund⸗ und Augen-Aergt/Steinfhneider und Bader 
ihres Beruffs / und was ihnen zu thun De laffen oblieget / erinnert / 
und über folhen Ordnungen fteiff und feft gehalten werden möchte. 
Als haben wir aus diefen jegtangebeuteten/fo wohl auch andern beweg⸗ 
tichen Urfachen mehr / das hiebe bor wohlverordnnete Collegium Me- 
dicum mit heilfamen und verpdenten Gefegen / folgender geftalt be» 
träfftigt / ernfllich befehlend/das nicht allein diejenigen / fo diefemCol- 
Iegio incorporitt und untergeben / fondern aud) insgemein alle Bür⸗ 
ger und Einwohner / und fouften maͤnniglich / fo allhie handeln und 
wandeln wird / ſolchen unfern TrenhergigenDrdnungen und Geſttzen / 
gebührlichen m leiſte / damit gegen den muthwilligen Berbre» 
chern unfer ernſtliches Miß ſallen zu en / nicht verurfachet werden. 
Soviel nun erftlichen die Beftellung ſolches Collegii Medici belanget/ 
ſollen demfelben alle von und angenommene Doctores ber Artzney 
(welche Jaͤhrlichen die gewöhnliche Pflicht (eiften ) incorporirt = 
Ä ein» 


- 
— — — — * 


Ver 1311 


eingeſchrieben werden. Da auch in kuͤnfftig andere / welche auff bekand⸗ 
ten Univerfitäten Teutſchlandes ober anderer Orten ibreStudia abfol- 
virt/ daſelbſten wiegebräuchlid promovirt / undindostrina vete. 
rum Hipocratica & Galenica und derfelben Praxin wohl geübt/ deſſen 
auch ein Publicum tefliimonium — haben / von uns zu dem 
pradticiren würden angenommen / diefelben follen gleichfalls diefen 
- Collegio Medico einberleibet werden : Wie au) Die Medici der U- 
niverhität Altorff / da ſte erfordert würden/von diefemCollegio nicht 
follen auffgefchloffen feyn. Aber andere Doctores hullati oderEmpi«- 
rici und Windel-ergt/fo an Verdächtigen und unbefandten Orten ich 
auffhalten / und des Tituls fälfchlich gebrauchen, follen in diefeimColle- 
gio nicht begriffen feyn. 
Aus diefem dem CollegioMedico incorporirtenDo&toribus ſoll Jaͤhr⸗ 
lich ums neue Fahr ein Decanus auf unfere Ratification erwehlet / 
und ihme alöbald denSigillum & liber Adtorum Collegii Medici its 
berantwortet werden/ deffen Ant und Verrichtung foll feyn / das Si- 
gillum Collegii zu verwahren / und wo eö die Rothdurfft erfordert/ 
zugebrauchen / in librum Adtorum aber Jaͤhrlichen / mas facultatem 
Medicam betrifft / det Pofterität zur Nachricht Neifigguber eichnen. 
Er ſoll auch dem Collegio Medico mit getreuen Fleiß und mag zu 
Auffnehmung deffelben dienen möchte / vorſtehen / und da ſich Man « 
el eräugnen/ oder fonften etwas nothwendiges fürfallen/oder ba eine 
Fimmtlice Berathihlagung erfordert mürde/ feine Collegas zuſam⸗ 
men beruffen / und von fürfallenden Sachen mit ihnen fleifig und 
freundlich ſich unterreden / dann von einen weifen Mann vecht geſagt 
iſt : Converfatio peperit artes. Da aber der Decanus feiuer oblie» 
enden Geſchaͤfft halben nicht anheim / oder fonftenzu erfcheinen ver⸗ 
indert wuͤrde / foll er einen aus feinen Collegiserbitten/der in feinen 
bweſen feineStelle vertrete. Solchem — Medico wollen 
wir zwey Raths · Perſonen zugeben / mit welcher Kath und Beyſtand 
in fuͤrfallenden Sachen jedesmahl gehandelt / oder da dieſelben Sa⸗ 
chen wichtig und zweiffelhafftig/bey und angebracht werden möchten. 
Dem allen nach / wollen wir und zu denenDoctoribus gänglich berfehen/ 
diefelbe auch hiemit bey ihren Pflichten mit Fleiß erinnert haben / 
daß fie ſolch nuͤtzlich Werd mit allem Ernſt beſtaͤndiglich erhalten / auch 
mit vertraulicher Freundfchafftt und Communicatıon ( damit fonder» 
lich denen Patienten wohl geholfen feyn wird ) zuſammen fegen/ ihres 
Berufs und Amts getreulich und fleifig abwarten / und fo wol Armen 
als Reichen ſo ihres Raths undHuͤlff bedörfftig feyn/ allen müglichen 
Beyftand getveulich leiften und erzeigen werden. - 
Wie dann hiergegen alle diejenigen fo ihrer bedörfftig feyn/ und ihres 
Raths gebrauchen / ihrem Stand = Vermoͤgen nach / für ihr biel⸗ 
000 2 


faͤltig, 


132 Ver— | 
fältige Mühe und Arbeit mit dandbahrlider fchleuniger Wieberber- 
geltung ſich zu erzeigen/ [huldig und pflichtig feyn ſollen. Und damit in 
diefen Fall maͤnniglich eine Nachrichtung haben möchte / ordnen wir 
daß in gemeinen Rrandheiten einen Medico für feine Mühe den erften 
Gang ein Gulden Grofchen/ von den andern folgendenBängen / jeden 
ein Ort einesßülden Groſchen gereicht werden foll. In gefährlichen 
contagiofen Rrandheiten follen die Medicifleipig mit einander con- 
keriren / und nichts was zu Wollfarth und — ———— des Pa⸗ 
tienten Geſundheit dienlich ſeyn kan / einander verhalten. Welche 
aber von gemeldten Confultationibus ohne erhebliche Urſachen für- 
fetslich ſich abfentiven / gegen denfelben wollen wir mit gebührlichen 
Ginfehen verfahren. 
Wann auch etwan ber, Entleibungen / gefährlichen Verwundungen / 
ern oder dergleichen 5a llen / Beſichtigung der Entleibeten/oder 
gefaͤhrlich Beſchaͤdigten / und Erforſchungen der Wunden und Schlaͤ⸗ 
gen und dergleichen/ ein Medicus begehret würde/ fo ſoll folder darzu 
verordnete und begehrte Medicus fleißig nachfragen /und gewiſſen 
Bericht einnehmen/ qro teli genere utrum uno vel pluribus idtibus, 
von einer oder mehr Perfonen / und was Ben Umftände mehr 
feyn/ die Verlegung gefchehen / fürterft den Schaden fleißig beſichti⸗ 
gen / und alle befundene Qualitäten mit Beyftand feiner zugegebenen 
geſchwornen MWund-Aerge in der Cantzeley anzeigen / und ad adta 
bringen. Und foll alfo allein denen verpflichteten und diefem Colle- 
gio zugethanen Doktoribus, fonften aber niemands in diefer Stadtzu 
practiciren zugelaſſen ſeyn Aus denen Empiricis, als —— 
mern / Zahnbrechern / Alchymiſten / Deſtillatoren / verdorbenen Hand⸗ 
werckern / Juden / Schwartzkunſtlern und alten Weibern / ſo derKran⸗ 
‚den zuwarten / und ſich zu ruͤhmen pflegen / als hätten (le der Doctorn 
Kunſt und Artzney erlernet / und dergleichen Perſonen mehr / heimlich 
und oͤffentlich / ohne unfere ſonderbare Erlaubniß / die Leute zu curi- 
ren / und ihnen Artzeneyen beyzubringen / den Fremden bey Straffe der 
Relegation , den Einwohnern aber bey Straffe io. Gülden verboten 
‘feyn. Dann weildadPradliciren bey dergleichen Perfonen fehrge- 
fährlich/ wie der.alteScribent Plinius recht ſagt: Nulli magis qvam 
fe Medicum profitendi creditur , cumtamen in nullomendacio ſit 
periculum majus, daß iſt: Man glauber Feinen mehr/ Dann dem / 
der fich für einen ar ausgibt / Da doch Fein Augen gefährli- 
cher ift/ als dieſe; Alfo gebühret ſich auch / ein ernftliches Einfehen 
‚bierinnen zu thun / und follenalfobalden dergleichen Landfahrer / da ſie 
fund gemacht worden / durch die verordnete Rahts⸗ Perſonen mit Ernft 
‚abgefchaffer werden. 
Es follen ſich auch alle Bürger / Wirth und Baftgeber/ ſonderlich * 
ie 





Der 1313 


Die Barbierer und Bader / vermoͤg hierbor publicirter Edicten/ bey 
Der darinnen dietirten Straffeder 10. Gülden gaͤntzlich enthalten/ der- 
gleichen fremde und unbefanntefandfuhrer/Empiricos und vermennte 
Alchymiften/welde ohne Erlaubniß zu practiciren fi) unterfangen/ zu 
beherbergen / oder denselben heimlicher weife Unterfchleiff oder Bor- 
fchub zugeben. unfall aber jemand von feinen Eltern oder andern 
erblich/ auch fonft Durch GOttes Segen und fleifige Rachforfchung zu 
einer oder mehr Kranckheiten / befondere bewährte Artzeney und Mit⸗ 
tel haben wuͤrde / und ſolches mit glaubwürdigen Urkunden zu belegen 
hätte/ demfoll auf zuvorhergehende unſere Erlaubniß / und Gutachten 
Des Collegii Medici ſich allhier aufzuhalten / und eine beſtimmte Zeit / 
den Leuten um billige Belohnung zu dienen / vergünftiget werden/ je» 
Doch ſoll er den verordneten Herren an Endes ſtatt angeloben / daß er 
das jenige / fo ihme bewuft/ und das er ſich zu leiften erboten/ getreulich 
und aufrichtig verrichten niemands übernehmen / oder vor der Zeit 
feine Belohnung fordern/ auch Feine andere Kranckheit / derer er nicht 
erfahren/ und davon er infeinem Anbringen Feine Meldung gethan/ 
zu curiren ſich unterftehen wolle. Darauf dann diejenigen, fo es be> 
fohlen/ fonderlich Achtung geben/ und die Verbrecher amgebührenden 
Drten fürbringen follen. 
Weil auch ein Zeitherv ein befchwerlicher und krancken Perfonen ſehr 
gefährlicher Mißbrauch bey etlichen Medicis eingeriffen/ daß ſie durch 
Befehung der Urinen / ohne fernere gründliche Erfündigung des Pa- 
tienten Zuftands/ fo glei) ihr Kecept ausgefertiget/ da doch ex infpe- 
&ioneurinz nichts gewiſſes bon des Patienten Krandheit und Zufäl« 
fen Fan gefchloffen werden ; alſo follen die Herren Medici hiermit erin⸗ 
nert feyn/ warın ihnen Urine gebracht werden / daß lie zuforderfl des 
Kranden Zuftand und Gelegenheit nach Nohtdurff / und mit allen- 
Umftänden von der Perfon/ fo den Urinam bringt/ erfahren/ ehe dann- 
fie eine Purgans oder fonften ein ſchweres Recept verfchreiben. 
Denverftändigen und gefchwornen Weibern allhier fol unverboten 
ſeyn / den Kindbetterinnen und jungen Kindern unfchädliche Mittelzu 
ebrauchen / aud) in der Apothecken machen zu laffen / jedoch foulen ſie 
Sean behutſam handeln/ und lich in andern Fällen / fonder'ich des 
2. und anderer innerlicher Argeneyen enthalten. 
Die Apothecken betreffend / ift fürnehmlich vonnöhten / daß ſich die 
Apotheker mit tüglichen/veinlichen und fleißigen Geſellen verfche/mel«. 
che gute Teftimonia aufzumeifen haben / dag ſie bey andern erfahrnen 
Apotheckern ſerviret / und fich ehrlich und wohl verhalten haben/ dero- 
wegen follen die Apothecker auch nicht allein ihre Geſellen / fondern 
auch ihre Difcipulos dem Decano Collegii Medici præſentiren / damit 
er ein Examen morum & profe&tuum in arte ipforum anftelle / wie lie 
Oooo 3 | ich 


1314 Der 


—— — — — — — — — — — — — — 
ſich verhalten, und ob ſie tüchtig zu ferviren und zu lernen feyn; Auch 
ob ihre Nomina in Adta Medica (um ihnen auferheifchend Nohtdurfft 
künfftig ihres Wohlverhaltens / Teftimonia daraus mitzutheilen zu 
Können) eingebracht / und fie auf borher gegangene Vermahnung in 
Pflicht genommen werden. | 
Die ungen und Difcipuli, welche von den Apotheckern angenommen 
werden / follen eines zimlichen Alters / aud) in Rateinifcher Sprache / 
als Hiel ihnen vonnöhten ift/ erfahren feyn / und deventhalben zuvoͤr⸗ 
derſt examiniretwerden. Es ſollen fie aber die Apotheder getreulich 
änftruiren/ und keinesweges geftatten/ daß (te in Zeit ihrer Lehr» Fahr 
einig Medicamentum, Purganssder Opiatum und dergleichen/ ohne 
Vorwiſſen aus der Apotheden geben/ vielweniger / daß Ile es prapari - 
ren / es wäre dann der Apothecker oder ein erfahrner Gefell/ oder aber 
der Medicus felbft mit dabey/ der ihnen zufehe und unterweife; Alles 
bey Straffe der s. Gülden. 
Die Apothecker aber follen ihrer Pflicht/ die fie jährlichen leiten‘ / mit 
Fleiß erimert feyn/ dag ſie ihres Amts und Berufs getreulid) abwar- 
ten/ dem Collegio Medico und einem jeden der Doctoren in allen ge⸗ 
buͤhrlichen Sachen / und fo viel die ecken belanget / billigen Ge» 
horſam leiften/ und fich gegen denfelben befcheidentlich und freundlich 
erzeigen/ auch (ich ihnen nicht widerfegen wollen. Und follen die Apo- 
thecker bey Straffe 10. Pf.Novi ſchuldig ſeyn / die Verordnung zu thun / 
daß bey Tag und Nacht entweder fie ſelbſten / oder ihre Geſellen / in 
and bey der Apothechen gefunden werden / damit man (ich ihrer auf 
dem Rohtfall habe zu gebrauchen. Es follen aud die Apotheckers 
miteinander friedlich und einig feyn/Feiner dem andern faͤlſchlich ver⸗ 
kleinern / und da ſie ihrer Handthierung halben mit einander in Ir⸗ 
rung und Zwietracht geriehten/ "> borund oder den berordneten 
Herrenaustragen. Giefollen auch gleihmäßige Tax halten / ver: 
mög der Tax-Drdnung/ und nicht einander zu wider etwas wohlfeiler 
ober theurer geben. ne : 
Darneben foll auch den Apotheckern und ihren Befellen heimlich oder 
Öffentlich zu pradticiren/ bei, Straffe 10. Gulden verboten ſeyn / aud) 
follen fie die Do&torn Recept nicht tadeln/oder ben andern verkleinern/ 
vielweniger für ſich felbſten darinnen etwas ändern/ oder da ihnen an 
den Ingredientien etwas mangeln würde / ohne des Medici Vorwiſſen 
Fein anders fubktituiren / oder wol gar den Kranden zu gebrauchen 
widerrahten. Imfall aber ſie an den gefchriebenen Recepten Beden⸗ 
eu hätten / oder diefelben nicht vecht verftehen können / follen ſie mit 
dem Dotore, der eögefchrieben/ oder imfall der Roht mit dem Deca- 
nn velSeniore, oder denen / fozu der Infpedtion der Apothecken ver: 
ordnet ſeyn / zubor/ und ehe man ed præparire / veden / und a ne 
ei 


— — — — 


| Per 125 
ſcheids erholen. Die Apothecker ſollen auch die Recept , welche bon 
den Doctoribus in befondere Bücher (deren eines ſie in jeglicher Apo⸗ 
thecken pflegen zu haben) verzeichnet werden/ für ſich felber behalten/ 
und niemand anders / ald dem esgebühret/ fürlegen / au) da etwas 
Darangelegen / ohne Bormiflen des Medici , ſo es gefchrieben / nicht 
aus der Apothecken geben/ oder berteutfcht andern Leuten / die damit 
nicht wiffen umzugehen/ zuftellen. Dann die Erfahrung zu erkennen 
gegeben / daß hiedurch groſſer Wifbrauchund viel ungereimtes von 
der Zeit / und noch bishieherunderantwortlicher weite ift begangen 
worden. Jedoch / da ein Patient aut Bezahlung des Apotheckers fei- 
ne Recepte fordern würde / foller ihme die folge zu laſſen ſchuldig 
ſeyn / dergeſtalt / daß deren Copia in den Apothecken behalten werde. 
Imfall aüch den Apotheckern unformliche Recepte zu machen / bon de⸗ 
nen Leuten / fo kiinen Verſtand davon haben / gebracht und geſchrieben 
werden / ſollen ſie dieſelbigen alſobald dem Decano zu beſehen überlie- 
fern/ damit die Authores, es ſeyn Barbierer / Bader / Landlaͤuffer oder 
Welher / darum zu Rede geſetzt / und der daraus entſteheude Scha⸗ 
den verhuͤtet werden möge. och vielweniger aber. ſollen ſie weder 
ſelbſten noch ihre Geſellen / einiges Medicamentum, Alterans, Corro- 
burans, Purgans, oder wie es Rahmen haben moͤge / fo von den Medi- 
cis vor ber Zeit verordnet worden/ ohne derfelben Willen und Willen 
aus ihren Recepr- Büchern’ weder fuͤr borige Patienten felbfl/oder an» 
dere Leut/ oder Barbirer / Bader/ geſchworne Frauen / nachmachen 
und repetiren. 
Gleich wie aber die Do&tores Feinen aus den Apotheckern vor dem an⸗ 
dern aus Gunft oder Ungunft fördernoder hindern follen/ fondern eis 
nen ald den andern ihnen laflen befohlen feyn / und ihren Rus und 
Frommen allzeit bedencken / oder. da aneinen Mangel erichienen/ fel- 
bigeö dem Decano oder den zweyen Verordneten Raͤhts⸗Perſonen aus 
zeigen; Alſo auch hergegen follen Die Apothederum Freundfchafft / 
Bepim oder anders wegen keinem Doctorem por demandern for- 
dern / fondern allzeit dem Rranden und feiner Freundſchafft Heinftel- 
len zu gebrauchen, wer ihnen annehmilich feyn wird. 
Es ſollen auch die Apotheker jederzeit mit guten / gerechten uud fri- 
ſchen Materialien nach der Nohtdurfft berfchen feyn / damit männig- 
5* um gebuͤhrliche Bezahlung ein Genuͤge geſchehe. Dieſelben 
ſollen ſie zugebührlicher Zeit colligivenund einkauffen / und uͤberall / 
ſowol an die Saͤfft und gebrannte Waſſer / den Tag / Monat und Jahr 
verzeichnen / an welchem ſolche Sachen colligirt / præpariret und de- 
Nıllırt worden ſeyn / bey Straff 10. Pfund Novi. 
Damitaber die Artzneyen in allen Apothecken allhier gleichfoͤrmig / 
und mit moͤglichſten Fleiß mögen — und die Medicı in ihren 
80064 4 Curi- 


Ä 


1316 Ber en 
curiren deſto gewiſſer / die Patientenaber defto 5* / auch den 
Apotheckern ein gut Vertrauen gemacht werden; Als wollen wir ins- 
Fünfftig jedesmahl zween Do&toresberordnen/aus welchen zum wenig⸗ 
flen einer allzeit hey der Prxparation der Argneyen/ an weichen viel 
gelegen/ und der Compofiten / es ſeyn gleich Laxariva, Opiata oder 
Contortantia, ſich finden laffe/ und fleifige Achtung gebe / damit alle 
ingredientia und zugehörige Stüc frifch und gerecht feyn / auch ihr 
rechtes Gewicht haben / und an der Preparation nicht geirret werde. 
Derentwegen ſoll den Apoteckern beyStraffe s. Guͤlden verboten ſeyn / 
dergleichen Artzneyen oder Compoſita nicht zu pr&pariven / fie haben 
dann zuförderft die Ingredientiaaugerlefen / und nach ihren Gewicht 
ordentlich gelegt / und denen beyden oder einen der verordneten Do- 
&toren zu Examinirung fürgemiefen / und in ihrem Beyfeyn mifcirt/ 
wann dann ſolcher geftalt diefe Compofita prespariret worden / follen 
der berordueten zween Dodtoren einer diefelben nicht allein in ein be- 
fonder Bud) einfhreiben / fondern auch an die Büchfen oder Gefäh / 
den Tag / Monatund Jahr niit eigenen Händen verzeichnen. Cbe- 
nermaſſen und beyobbemeldter Straff / fol eö mit der Bereitung und 
Abreibung der Edelgefteinenund Perlen gehalten werden. 
Damit auch) die Armen zu Erholung ihrer Gefundheit/ mit purgiren⸗ 
- den Sachen möchten verfehen feyn / haben die Doctores Befehl / der: 
gleichen Pulver/ Zuder und Latwergen zu berordnen / welche die Apo⸗ 
thecker um ein liederlichs und geringes Beld / den Armen zu reichen 
ſchuldig feyn follen. Es folle au den Apotheckern alten Serkfommen 
nach unbenommen feyn/ fremden Selıten allerley Compofira ‚fo oders 
— maſſen præpariret worden ſeyn / zu verkauffen und hinaus zu 
eben. Ä 
olche Compofıra, fo mol auch die Simplicia, follen die Apotheder/ fo 
lange jede Argney ihrer Art nach dauren mag/ mit Fleiß reinlich und 
in faubern und tüglichen Gefaͤſſen erhalten/ auch die Decodta und In- 
fuhones in bequem Befchirsen præpariren / und die Materialia zu ge⸗ 
büßvenden Zeiten verneuen und frifch machen/ derentwegen dann die 
beyde verordnete lnſpectores ihr fleiß iges Aufſehen haben follen. 
Demnach follen Die Apothecker nichtd Verlegenes / Verdorbenes und 
Mangelhafftes für gut und gerecht verkauffen / oder in Die Arkneyen 
heimlicher Meife untermengen / oderaber/ da lie etwas nicht haͤtten / 
eines für das andere denen Leuten geben : und follden Dodoren ſann⸗ 
lich bey ihren Pflichten hiemit eingebunden feyn/ ihre fleißige Achtung 
daraufzu haben/ auch Die Materiahaofft zu revidıren/ und da ſie etwas 
befunden / ſolches fo gleich denen verordneten zweyen Infpe&toribus , 
oder den Kabts-Perfonen anzeigen / und hierinnen niemand a Der» 
ſchonen / damit jedesmahl die Gebühr borgenommen werden m en 
* eben 


— — — — — — — — 


Ver 1317 


Reben ſolchen allem wollen wir den beyden Rahts-Perfonien befohlen 
haben / im Fahr ein⸗oder zweymahl / wie alten Herkommens / die or: 
dentliche Viſitationes mit allem Fleiß anzuſtellen / und die fuͤrfallende 
MWaͤngel ſo biel möglich zu andern und abzuſchaffen. 

Die Apothecker ſollen die gifftigen und gekaͤhrlichen Artzneyen / da⸗ 


durch den Menſchen an ſeiner Geſundheit Schaden zugefügt/ oder ei⸗ 


ne empfangene Frucht abgetrieben und verderbet werden kan / an be⸗ 
ſondere und verwahrte Oerter ſetzen / damit darzu nicht jedermann 
kommen koͤnne. Sie ſollen auch ſonderliche Waagſchaalen und In- 
ſtrumenta darzu gebrauchen / darinnen ſonſten nichts gewogen oder 
præpariret wird; und da jemands dergleichen Artzneyen begehren 
wird / ſoll bey ernftliher Straff niemand nichts hinaus geben / fon- 
dern zuforderft befragt werden / worzu man es wolle gebrauchen/ und 
da diefelben Perfonen/ fo das Gifft oder Artzney begehren/ unverdaͤch⸗ 
tig/ mögen die Apothecker ſolche veichen/ jedoch zuvorn derfelben Rah⸗ 
men und Zunahmen/ item was ed für Gifft ſey und worzu man das zu 
gebrauchen fürgeben habe auch den Datum und Zeit / zu welchen eö 
hinaus gegeben worven / mitallem Fleiß aufzeichnen / damit man in 
Fünfftiger Zeit/ fo Vergleichen Anzeigung bedürfftig/ ſattſame Nach⸗ 
richt davon haben moͤge. 


Weil auch die Leute / wann ſie Medicamenta venenata oder dergleichen 


in den Apothecken nicht bekommen koͤnnen / und ihnen ſolches abgeſchla⸗ 
gen wird / zu den Miterialiften lauffen / und ſolche Sachen ihnen ohne 
weitere Nachfrage abgefolget werden/ als follen nicht allein die Apo— 
theder / ſondern auch die Materialiften diefem Gefet gemäß ſich zu 
verhalten fhuldig feyn. 

Betreffend die Difpenfatoria, damit man ſich darnach zu richten wiſſe / 
fo iſt des Cordi Difpenfatorium fleißig an dem Collegio Medico, 
emendirt / und mit üfthrern nüglichen Medicamentis gebeffert wor⸗ 
den/ demfelben gemãß dann auch die Apothecker ſich verhalten follen. 
ie wir dann auch gemeiner Bürgerfchafft zum beften / durch unfere 
beftellte Doctoresfitgb-Apothecfer / ein gem.ffen Tax aller Arbnenen/ 
damit ich maͤnniglich darnach zu richten habe / haben machen / und im 
Drud publiciven laſſen. 

Damit aber die Apotheder bey dein geordneten Tax ohne Schaden 


und Rachtheil bleiben und ihnen an ihrer Wahrung und Handthie 


— rung fein Eintrag befchehen möge; als foll erſtlich den Dostoribus 


beyihren Pflichten verboten feyn / einige Medicamenta für ihre Pa- 
tienten allhie in ihren Häufern zu prepariren / und in diefer Stadt zu 
berkauffen / eöwäre dann ihnen Don uns oder den beyden verordneten 
Rahts⸗Perſonen fonderlich erlaubt. 

Herner follen bey ernftlicher Straff die Materialiften und andere * 





1318 Mer 


— — — — — — — — — — — 
gleichen Händler / von pugirenden und andern treibenden Materia- 
Jien (deren Handkauff von Alters her allein den Apothedern ebörig 

efen) unter einem Viertel eined Pfundes forthin nicht verkauffen / 
auch weder (ie noch ihre Diener einige Compofita, Purgantia, wie die 
such Rahmen haben mögen/ nicht prapariven noch verkauften. Viel⸗ 
weniger follen Die Gewürp- Krämer mit denen zu der Artznen gehörigen 
Materialien, als Rhabarbarum, GSeneöblättern/ Coloquinten / Efula, 
Turbit, &c. Item mit dem guten Theriack und Mithribat / welche 
Hon vielen Fahren Hero den ÄApotheckern allein zugehövet haben / in die⸗ 
fer Stadt einige Handthierung treiben. Es follen aud weder (ie 
nochandere ihre Kräuter oder dergleichen Sachen / mitabergläubi- 
fchen oder mit noch drgern und berbotenen Mitteln den Leuten ber: 
Fauffen oder beyhringen/ bey ernſtlicher Straffe. 
Kerner follen auch die Confeck⸗Becker und andere gemeine MWürgfrä- 
mer/ bey ihren Thun und Handthierung bleiben, und id) bey Straff 
10. Sülden (alle purgirendeoder andere vermiſchte Staͤrck⸗Artzneyen / 
von Zälten oder Säfften/ deren Deferiptiones, dem Difpenfatorio ein⸗ 
perleibt/ und den Apotheckern allein bekannt feyn/ zu prapariven/ und 
heimlich oder Öffentlich zu berfauffen) gänglichenthalten. Bey eben- 
mäßiger Straffe follaud) denen Deftillatoribus (welchen wir das De⸗ 
ſtilliren verwilligt) alle purgivendeoder andere Artzeneyen / die den A⸗ 
potheckern allein zu pr=pariten gebühren/ zu verkaufen verboten feyn. 
Nachdem auch nicht geringe Klagen uber etliche Windel-Apothedien 
fürgebvacht worden / in denenman deſtillirte Del / Agva virz, ſoal⸗ 
fein in die Apothecken gehörig / item purgivende Gäffte / Latwergen / 
Teifaneth und andere dergleichen treibende purgivende Sachen / ohne 
Derſtand preparirt / und maͤnniglich / es ſen gleich nugober ſchaͤdli 
gemefen/ gegeben und verlaufft; als wollen wir dieſelben hiemit au 
abgefchafft/ und bey Straf ro. Bülden (weiche diejenigen / die ohne 
anſere Borwiſſen dergleichen Argneyen verkaufſen werden / unnad)> 
laßig bezahlen follen) verboten haben. 
Ale Barbirer/ Bader und Wund-Aergt in dieſer Stadt/ follen ihres 
Beruffs beyden Pflichten / die ſie jährlich vor dem Amt ⸗Buch leiften/ 
mitgetveuen Fleiß abwarten / und ſowol Armen ald Reichen (infon: 
it den Berwundeten) fo bey Tag oder Nacht ihrer Huͤlfſe begeh⸗ 
zen/ mit Berbinden/ Aderlaſſen und allen dem / was ihrem Amt au⸗ 
hängig/ alle mögliche Huͤlffe und Beyſtand leiften/ und niemand ver» 
Fürhen oder verwahrloſen / infonberheit aber ingefährlichen Berwun« 
dunaen/iedesmahls ben guter Zeit einem verpflichtetenDoetorem, und 
die Gefhmorne ihres Handwercks / zu den Verbinden gebrauden/ 
alles ben ernfter Straffe. 
Darneben follen auch die Barbirer / Bäder end Wund · Aertt ſich 
ging 


Mer 1319 


gantzlich· und bey Straff 10. Gülden enthalten, den Leuten einige Pur- 
Zation, ſtarcke Cliſtier / oder andere treibende Betränd/die zu der Cur 
Des Menfchen inwendig in dem Leibgehören/ beyzubringen/ inſon⸗ 
Derheit aber foll ihnen bey ihren Pflichten verboten feyn / die ſtarcken 
und gefährliche Mineralifcye/ Paracelhifhe Stücke / ald Antimonium, 
Ladanum, Turbit minerale , Mercurium przcipitatum five aurum 
witz, und dergleichen mehr zu gebrauchen. Dann da jemand ange⸗ 
eben werden folte/ der wider folch unfer Geſetz muhtwilliger und ge⸗ 
ehrlicher weiſe gehandelt/ derfelbe foll nad) Gelegenheit des Verbre⸗ 
chens auch am Leibe geftrafft werden. , 
Jedoch fol ihnen vergoͤnnt und zugelaffen feyn/ in Frantzoͤſiſchen Schaͤ⸗ 
Den/ Berwundungen und andern Gebrechen/ zu Abheilung der Schaͤ- 
den / Wunden und Stich / auch Austreibung der Befchwer und Ben⸗ 
len / nohtwendige Wund⸗Getraͤnck und dergleichen/ zu berorbnen und 
gebrauchen/ jedoch/ da die Schäden gefährlich und boͤs / ſollen ſie / 
rc Meibö:Perfonen/ mit Raht eines gefhwornen Dodto- 
ris handeln. | 
Da auch zu Zeiten die Barbierer und Bader / neben den Dottoribus 
zu Rranden und Schadhafftenfeuten gefordert werden/follen ſie fren- 


dersachen die ihred Berufs nicht feyn/fichenthalten/ der Dodtorn, 


Rath und Gutachten nicht verkleinern / fondern ſich aller Befcheiden- 
beit gebrauchen. Und gleichwie ſie bey den PatientenkeineuDoctorn 
den andern follen vorziehen / alfo follen hinwieder die Doctores 
Den Patienten wider feinen Willen feinen Balbierer mit Gewalt auf- 
dringen/ dergleichen follen die Bader bey den Gebänden gegen den 
Barbierern / die ihnen zugegeben feynd / ſich gebuhrlich und beſchei⸗ 
dentlich verhalten / und mehr des Patienten Nus als ihre Affection 
bedenden. Es follenaud die Barbierer/ Bader und Wund Aertzt 
ihre Patienten nicht übernehmen/ fondern ſich bevorab gegen den Ars 
men an billiger und leydenlicher Bezahlung begnügen laſſen / da ſich⸗ 
aber jemand gegen einen Barbierer oder Bader einer übermäßigen 
Anforderung befchweren würde / der foll mit Vorwiſſen des Herrn 
Bürgermeiſters / wie bon Alters Herkommen / der geſchwornen Bar- 
bierer uud Bader Erkaãuntnis leyden. Würde ſich aber jemand bekla⸗ 
gen / das er bon einem Barbierer oder Bader wire berwahrloßt wor» 
den / der ſoll ſich von den geſchwornen Wund-Aergttten entfcheiden laſ⸗ 
ſen / und da ſich Die Berwahrlofung befinden würde / ſoll es für uns 
gebracht werden / damit man gegen demſelben Wund⸗Artzt die gebuͤhr⸗ 
liche Straff fuͤrnehmen möchte. Die Steinfchneider/ Oculiſten und 
dirgleichen/ fo inden Bürger Rechten allhier ſeynd / fo wol auch die 
wit unferer Bergunftigung auf zubor beſchehene Craminirung des 
Collegii Mediciein Zeitlang ihre Kunſt in diefer Stabt — 
en 


1320 Der 
follen allein bey ihrer Profeflion bleiben/ und ſich die Urinas zu beſe⸗ 
hen / die Leute zu curiren / Verwundungen und Schäden zu heilen / bey 
Gtraff 10. Gulden enthalten. 
Da aber in diefer Stadt andere Bruchſchneider / Thyriads-Krämer/ 
Zahnbrecher / Galben-Rrämer und andere Landfahrer fo. das Perro- 
leum und andere Salben und Del / für mancherley Krauckheiten und 
Shädenbetrüglicher Weiß feil tragen / fich ohne ausdrückliche unfes 
re Erlaubniß eindringen/ und heimlich oder öffentlich aufhalten wür:. 
den / deren Waaren follen alsbalden verfallen / und ihnen darzu diefe 
‘ Stadt / undunfer Gebiet verbeten feyn. Den Wurbeloder Kräu- 
ter« Weibern foll bey Leibes-Straff verboten feyn / Riefwurg / Cei- 
delbaſt / Treibwurg/ Gegelbaum / und andere purgierende / treiben: 
de/ gefährliche Stück zu verkauffen / ıc. 
Mas von Römifher Käyferlicher Majeft. und denen ſaͤmmtlichen 
Reih3-Ständen in unterſchiedlichen Policey- Ordnungen / vor ein 
ſcharffes Verbot ergangen dem Indigo, als eine corrofive Farb nicht 
einzuführen/fondern fi an deſſen Stelle des Weyds zu gebrauchen/ 
folches ift unter dem Wort Indigo zu lefen. 

Verrucaria, Heliotropium maj. Zazyntha, 1 

Verſetzte Waaren / finden ich fehr viel aus:und eingehend/ adti- 
ve & paflive in manden Kauffmanns » Magazin , indem mancher 
Kauffmann der ſich mit Waaren überladen / und bey Verfall Zeit der 
Wechſel⸗Brieff / ſolche noch nicht zu Geld gemacht hat / gezwungen 
iſi fo er anders Ehr und Credit erhalten will / felbige heimlich zu ver: 
ſetzen daer dann kaum die Helffte oder hoͤchſt zwey Drittel des Werths 
darauf bekommt / unterdeſſen aber (ich dillortirt / und hernachmahis 
doch) ein Capital baar haben muß / ſelbige wieder etnzulöfen/oder auch 
folche feinen Creditori (tonderlich warn folder bey Verfall Zeit auf 
die Wiederbezahlung des daraufgelichenen Geldes dringt) vor Die 
Helffte erlaflen / dabey er ih dann noch glücklich ſchaͤzen muß wann 
er nicht noch Geld dazu heraus geben darff / und mit Zurücknehmung 
feiner Obligation frey kommen kan / welches eben der Wucherer ih⸗ 
vevechte Striche / der ſchlecht in Caſſa verwahrten Kauffleut aber ihre 
erſte Fallſtricke feynd/ durch welche (ie mit der Zeit ind Verderben ge⸗ 
zogen werden / weil ed fo gar fcheinet daß ein fonderbahrer Fluch auf 
dem Derfegen/ fonderlich das bey Juden geſchiehet / hanaet/ indem 
derjenige der einmahl diefes elende Mittel ergriffen/ Gifft an ftattAr- 
Geneyeinnimmt/ an dem er bald hernach crepiven muß. Ein mehres 
vide unter dem Wort Pfand. 

Verſich / Berberis, 

Veficaria nigra, Caput monachj,Halicacabum peregrinumßlafen/ 

Erb⸗ 


Ber Uhr 1321 


Erbſen / welſche Schoten / fremde Juden Kirſchen / nachdem dis Ge⸗ 
waͤchs Anfangs aus Indien gebracht / wird es nunmehro in Teutfch- 
land und andern Orten in Garten unterhalten / dev Saanıe welcher 
mit weißlichten Flecken / fo ein Hertz abbilden bezeichnet ift/ purgiret 
und fuͤhret durch den Stuhlgang den Schleimaus den Gebärmen ab / 
treiber die Würmer aus/ wird aͤuch wegen der Signacur gegen alle Ge⸗ 
brechen des Hertzens nuͤhlich geachtet, 

Veſicatorium {ff ein Blaſenziehend Plaſter / oder alles dasjenige 
was nur vermoͤgend ift/ aufder Haut kleine oder grofle Blafen zu zie- 
ben/ doch wird in der Chyrurgie durch ein Veficarorium berftanden/ 
eine bon abgebörreten Spanifchen Fliegen (fo zu Pulver geftoffen mit 
Zerpentin/ Sauerteig/ und andern Dingen mehr vermiſchte Artzney / 
um durch ihr Aetzen eine Blaſe ziehen / man ſetzt allenthalben Veli- 
<atoria, mo man Flüſſe und überflüßige Feuchtigfeiten abzuführen 
hat. Es iſt aber zu merden/ das aufden Theilmo Veficatoria follen 
geſetzt werden / zubor Frictiones gefchehen müffen/ damit fle defto ehr 
operiten. 

Vertura Voiciure, eine Befrachtung der Schiffer oder Fuhrleut / 
Letre de Voicture Fracht⸗Brieff fo den Zuhrleuten ertheilet wird. 


Uhren und Uhrwercke / ſeynd vielerley Arten / als Kirchen und 
Gtadt:Uhren / Haus-und Sack⸗Uhren / Shlag:und Zeig-Uhren/ 
von den Zaus-und Gad-Uhren ald beweglicher foll diefes Orts allein 
unfere Unterfuchung * weil ſonderlich die Kauffleut offtmahls Ge— 
legenheit haben / dieſelben in ihrer Handlung zu führen, fonderlich die 
Fünftlihe Haus⸗ und Cabinets-Uhren/ von melden man die erften im 
Haus auffzuhängen/die andere aber in denen Cabinetten und Bemä- 
chern bor (ich * Tiſch zu ſtellen — weil ſolche Uhren gemei⸗ 
niglich fo kunſtlich gearbeitet / daß ſie neben den Stunden auch des 

ondes Ab · und Zunehmen / den Tag des Monats / einen ordentlichen 
Calender und die darinn fürfallende vornehmſte Zefte/ ic. vorſtellen / 
dergleichen kuͤnſtliche Uhren / die Engelaͤnder und Au ſpurger fehr 
viel berfertigen / und abfonderlich dieſe letztere dergleichen unter an- 
dem Koftbarkeiten / häuffig in die Leipziger Mep mit bringen/melchen 
man noch zugehlen möchte / die mit Uhrwerck Eünftlich innwendig ver⸗ 
ſetzeten ‚Figuren als eines Mohren oder Affens / welcher auf derkrum— 
mel ſchlaͤget / die Augen verkehret / und was dergleichen Inventiones 
mehr ſeynd / welche vor diefen fehr viel nach Mofcau geführet/ und das 
felbft mit ziemlichen Rugen verkauffet worden/ fonderlich aber pflegen 
Ehriftliche/ nach Barbariſchen Dertern reifendeAbgefandte/viel ders 

leichen mit ſich zu führen um (ich Unterwegs / diefes oder jenes Bar- 
rischen Amtmanns oder Stadthalters Gunft/und eine defto freyere 
| - Reis 


1322 Uhr 


Reife dadurch zu wege zubringen/ vor einigen Jahren wurde inRürtt» 
berg eineganpe Eleine in Reuterey und Fuß: Bold beſtehende Silber⸗ 
ne Armee dor einen gewiſſen jungen Pringen verfertigt / welche (ich 
Rechts und Lincks Fehren / die Glieder verdoppeln / und vielerhaub 
Exercitia, auch fogar Feuer zu geben/ vermittelſt des verborgenen 
Uhrwercks machen koͤnte. | 
Die Sad Uhren belangend deren Gebrauch heutigs Tags faſt all« 
gemein worden / fo werden deren faft hin undwieder in gang Europa 
gemacht / alfo daß nicht leichtlich eine Stadt iſt / in welcher ſich nicht ein 
oder mehr Uhrmachers befinden follten / unter allen aber hält man die 
Englifche Uhren vor die beften / fonderlich Die neulich erft auffgefom: 
mene fo genannte Repetir oder Bändlein Uhren / welche fo küuſtlich 
eingerichtet / daß ſie nicht allein von ſich felbft ſchlagen / fondern warın 
nur das Bändgen angezogen wird / ſo wohl die viertel ald die gangen 
Stunden fo wie es an der Zeit ift/ bemerden/ und diefesıo ja zo. und 
mehrmahl in einer Stund/ fo offt fie nemlich angezogen werden / fo 
gar daß man auch nicht nöthig hat / diefelbe aus den Sad hervor zu 
langen / fondern felbige nur darinn mit der Hand anzichen darf. 
Rechſt den Englifhen Uhren ſeynd die Frantoͤſiſche / — 
Rüuͤrnberger /und Ulmer-Ubren berühmt/die Genffer Uhren kommen 
darum in Confideration ‚ weilite wohlfeil zu haben / wie ſie dann au 
fo haͤuffig dafelbft geinachet werden/ daß man ſie in Mantitaͤt einkauf⸗ 
fen/ und wie viel Benffer Kauflleut thun / foldye Hin und wieder in der 
Welt verhandeln Fan. " 
Letzlich fo finden fich auch die fo genannten Sand» Uhren, die in Nuͤrn⸗ 
bergfehr Häufig gemachet werden / entweder von vier) —— ein⸗ 
fachen gedoppelten Glaͤſern / mit rothen oder weiſſen Sand angefüle 
iet / und fo wohl nach der Groͤſſe der Glaͤſer / als den Sand und den Ge⸗ 
äus mercklich unterſchieden. 

ie Groͤſſe belangend / findet man einige kaum eines Fingers lang / 
die jedoch eine ganhe Stund lauffen / einige ſeynd wohl einer halben 
Ellen hoch die man erſt nach etlichen Stunden umwenden darff / die 
Gehaͤus zu ſolchen Uhren ſeynd von Holtz oder Meßing / auch wohl von 
Silber. Es wird auch in einigen ſolchen Uhren Zinn oder Bley · Sand 
gethan / als welche Metalla ebenfalls zu einen Sand koͤnnen gemachet 
werden / heutigs Tags werden die meiſten ſolcher Uhren in Rürn⸗ 
berg gemachet/ und nach den Gulden Werck verkauffet. 
‚Sin Stüd des Uhren⸗Handels treiben auch diejenige / welche nicht 
mit gangen Uhren / fondern entweder mit den Gtunden-und Zeiger: 
Scheiben / Ketten / Uhr⸗Gehauſſen / geſchliſſenen Ehryflallen- Dedeln/ 


und offtmahls mit ſo vielen / zu Verfertigung einer Uhre erforderten 


Particulis handeln / daß ein Uhrmacher nur ſolche in Vorrath je 
n 


| 


— — — — - — 


Vib Vil 1323 
fen und in gefchwinder Eil eine Uhr davon zufammen ſetzen kan. Zu 
bewundern ift / wie auch fonften die Kunſt in den Uhrmachen felbft von 
Tag zu Tag fo hoch fleiget / daß die Mannigfältige Inventiones dar» 
inn faſt unbefchreiblid feyn. Dann da ift der Fleiß der Künftler 
ſchon fo weit gekommen / daß ihren gefunden werden / die ein gantzes 
Jahr an einander lauffen / wiealfe die neuberfertigte Uhr auff der 
St, Pauli Kirch zu Londen thun fol. So iſt aud) eine nicht geringe 
Grfindung des Perpendicul, durch welchen vornemlich die Bewegung 
der Uhren gang gleich und accnrar gemacht wird. Ging: Uhren / nen» 
net man diejenige / welche zu gene Zeiten auf darnach geſtimmten 
Glocken allerhand Lieder ſpielen. Es geſchiehet aber ſolches ya 
eine grofle mit polirten Eiſen überzogene Welle / auf weicher na 
der Abtheilung des Tadts in gemiffen Liedern Eifernel Zapffen ausge> 
theilet find. Diefe wird ale Stunden / halbe Stunden und viertel 
Gtunden bon der Uhr umgedrehet / da denn die Zapffen Diedarunter 
nn Elavier aufheben / welche zugleich u einen Drat die 
Haͤmmer aufheben/ aufdie darüber gehängete Glocken ſchlagen / und 
dadurch ein Lied heraus bringen. In allen Holländifchen Städten 
werden dergleichen gefunden / wie auch in Hamburg auf St. Peters 
Thurm / weiches bey einer jeder: gangen und halben Stunde ein Verf 
bon einen Beiftlichen Ried fpielet. 

Viburnum, Spirza Theophrafti, Schling-Baum/ Mehl⸗Baum / 
waͤchſt gern an leimigten Orten bey Heden und Dorn⸗Büſchen / die 
Blätter und Beeren dienen mit einen fauven Wein zu einen Mund und 
Bürgel-Wafler. 

Vicia, Ersum Wicken / Roß⸗Wicken / ſeynd bekandt / das Mehl hier⸗ 
bon in Wein geſotten iſt gut vor gifftige Hund und Schlangen: Bif. 

Vi&torialis Rotunda Radix allium montanum runde Allermanne 
Harniſch⸗Wurtzel / welche vor das Weiblein gehalten / und auf harten 
Erdreich wachſend gefunden wird / hat nur einen Stengel und wird 
des Jahrs zweymahl gegraben. 

Victorialis longa Mas, lange Allermanns Harniſch⸗Wurtz / iſt das 
Maͤnnlein / ſie muß ſchoͤn lang / hart / und gang/babey groß feyn/kommt 
aus den Alp · Gebürgen. 

Vidtriol,vide Vitriol. 

Vidualien, allerhand Lebend-Mittel/ ER-und Trind-Waaren/dar 
mit die Fett-Rramer /Höcder$undMargvetenders handeln, 

Vierblaͤtterichter Stein⸗Klee / Lotus qvadrifolia, 

Vilacqves,fennd fehr berühmte Steine in Potofi inAmerica, weil ſie 
einen groffen Uberflug an Silber bey ſich führen/ es heiſt aber Vila in 


Peru 





\ 


1324 Din Rio 


Peru fo viel ald Blut/und wegen der rothen Striche die dieſe Steine in 
ſich haben / werden fie Vılaciqves genannt. 

Vinacea, vitisvinifera, 

Vinca pervinca , Sinngrün/ zodten Violen / wachſen an fchattigen 
Orten / die Blätter dienen vor die Bauch und Blut-Flüffe. 

Vincetoxium Hirundinaria , Gifft⸗Wurtz / Schwalben Wurtz wi⸗ 
derftchet den Gifft / Peſt / undgifftiger Thiere⸗Biß. 

Violen blau zu färben’ und zwar erftlich auf Seide. 
Hierzu muſt du deine Geide abfleden und Alaunen / als wie beyden 
Krapproth gefchicht / thue alödann vein Waſſer in den Keffel/ und 
nimm zu jeden Pfund Geiden eine Unge Balles / anderthalb UntzeCo⸗ 
chenille gar klein geftoffen/eine Unge Gummt/laf ed zufammen ſie den 
wie das Carmenſin ⸗ Roth und daruach auch eine Nacht darein gelegt/ 
alödann ausgefpühlet/fo haft du gat Purpur. Gols aber Violcı feyn. 
Go muft dues über die blau Kippe ziehen / fo offt dirs geliebet / und 
nachdem du es licht oder dundel haben wilt/ alödann gefpühlet und ge: 
trucknet / ſie faͤllt ſehr fchön. 

Zu Violers Nimm zu jeden Pfund Seiden:. Pfund Provens-Holtz / 
ſolches auffgeſotten und darinn gekehret / gleichwie das Roth / thue 
in * legten Suppe ein wenig alte Galle / alsdann geſpuͤhlet und ge: 
trudnet. . | 
Vaft Violet auffein Bewichtzufärben. 
So thut hiemit eben wie mit dem Vaſt⸗Tannet / Vaſt⸗ Grau / undEar: 
menſin Rehfarb / aber zu dieſen Violet thuft du. Pfund Ball und. 
Pfund blau Holtz zu einen jeden Pfund Geiden / ſo muß es auch etwas 
kalter eingefepet werden / dann je Falter es eingefegt wird/ je blauer es 
wird / ſintemahl das Violet auch blauer ald das Tannet feyn muß / 
wanh ed dann nun eineNacht in derFarbe gelegen/fo wird es des Mor · 
gens ausgefpühlt und aufgehangen zutrudnen. 
- Viol⸗ Braun. 
Alaun erft wie das Zannet / ald dann nimm aufein Pfund Geiden z. 
Pfund Provingifch Holtz / Foche es in einen Beutel eine groffe Stunde 
lang/ thue den Beutel heraus / laß es laue Falt werden/ wie oben/ laß e3 
eine Stundeftehen/thue es heraus/und den Beutel mit den Holtz wie⸗ 
der drein / doch wann ed zubor trucken geweſen / mache alsdann einelau> 
ge und ſpüͤhle es darinn gewaltig aus / darnach in flieſſend Waſſer. 
Ut ſupra. 
NP, Die VioletColumbinen und andere Purpur⸗Farben / welche man 
— oder Braſilien⸗Holtz / oder mit Weyd und Breſi⸗ 
lie zu färben pfleget / darzu ſoll die Weyd-Farbe nahGeftalt ihrer Ver⸗ 
miſchungen / entweder mit Weyde und Indigd / oder mit Wau und 
Ä ndigo 


* 


| 


Bio 1325 
Indigo gegeben / und ſie hernacher mit Weinſtein gekochet werden / und 
zwar die grauen halb ſo lang als die andern / worauf ihuen mit den ge⸗ 
ringen wilden oder eld-Cochenille die Cochenill-Farhe gegeben 
wird. : Daferne man aber ben Preyß derfelben noch geringer machen 
will/fo Eöngen folche noch um einen Grund mit dev Roͤthe in einem D) 
groſſen Sud als es die Farben leyden wollen/verftärdet werden, 


Schön Violet anf Wolle zu färben. 
So waͤrmet erſtlich ein fanber Regenwaſſer auf / und alaunt als daun 
euer Gut zu 4. Pfund Waaren / ein halb Pfund Alaun / 4. Loch 
Weinſtein / und eine Hand voll Krappy / ruͤhrets wohl untereinander/und 
wauns gefchmolgen/fo ed anfängt zu kochen / fo thut euer Werck hinein, 
laßt es eine halbe Stund ſieden / alsdenn nehmets heraus / verkuͤhlis 
ſanffte / und ſpüͤhlets aus. Thut wieder rein Waſſer in einen Keffel/ 
und darein eiu viertel Pfund hraun Holtz in einen reinen Sack / laß dag 
anderthalb Stunden fleden / und thut alödann eure Merde binein/ 
und anderthalb Stunde zuſammen (teden laſſen / hierauf heraus ge- 
than fernerin bie heiſſe Flotte ein viertel Pfund Spangrün / der erft 
in warm Waſſer zerdruckt / gethan/ rührt es wohlum / alödenn euer 
Werd hinein gelegt / und eine Viertel Stund handthieret / big es ing 
fieden kommt / hierauf heraus genommen / gekühltund gefpühlet / eg 
ibt ein ſchoͤn Biolet. Item alaunet euer Werck / ald gebräuchlich mit 
hi Krafft⸗Waſſer / auf jedes Pfund 4. Loth Aaun und z.LothMein- 
ein/ laſts zuſammen eine Stunde fieden / darauf ander fauber Waſ⸗ 
13 übergebaugen und wann ed warın ift/aufı. Pfund Waare s. Loth 
raſilten⸗Spaͤne / mit einer guten Bohnen groß/Pottafche;Solches.ein 
viertel Stand zufammen fleden laffen / und darauf die Waare drein 
gethan / bis fie Schön genug / hernach gefühlt und ausgefpühlt. | 
Violen braunen Trieb beftändigzu färben. 
So nimm auf ıs. Ellen drey viertel Pfund Allaun / ein halb Pfund 
Meinftein/ı. Loth Salmiasund ſolches zuſammen 2. Stunden lang ges 
forten/ letzlich nach den ſie den in frifchen Waffer geſpuͤhlet / und trůcken 
werden laffen/ hierauf aus den Weyd oder Indigo blau geriet und 
damit es ferner Violbrauu werde / fonchmt ein Pfund Brafilien/ (les 
det ſolche ab in einen groflen Hafen / darnach theilet den abgefotte« 
nen Fernebock in vier Theil / den erften vorn / daß ihr den Triep 
darinnen naß machen Fönnet / alödenn menget ein Obentlein Galpes 
tev/ ı. Qbentlein Salmiac zerftoffen darunter / denZricpgleich auffge⸗ 
zogen und augetrieben/auc) wieder trucken werden laffen / denandern 
Gap oder, Theil von demabgefottenen Fernebock / ſammt ein halb Loth 
Galles / zerftoffen darunter gethan / und wiederum daraus gezogen/ 
und allewege wieder truden werden u zum&nde, Zum > 
e ppp aß 


1226 Bio Bif 
Sat brauche eine veine ſcharffe Laugen / und ein Qventlein gebrannte 
Aſchen / item i. biertel Pfund Fernebock niit darunter zu «.oder er nd 
2. Züge Galles / werden auch ſchoͤn / aber nicht fo beſtaͤndig / auch 
ihr ſie aus dem Indigo und dem braunen Holtz ruachen/leglicden mit dem 
Sernebock abgebranut. 2 
Viola agrefis, Saponaria, 
Viola coloria , viola flammea,jJacea,' . 
Viola humida, Pingvicula ‚lutea, Leucojum luteum, paluflris 
'Pingvicula, violatricolor,viola TrinitatisJacea, | 
Violarum Purpurearum Flores blaue Biolen-Blumen werden 
au unter den Materialien —** und verkaufft / fie müflen aber 
ſchnell aufgedörrt und vor der Lufft wohl verwahret werden / fonft fal⸗ 
fen fie in etlichen Monaten ab. — 


Violarum Semen, wird imjunio eingeſammlet und aufgedoͤrret / iſt 
aber nur ſparſam zu bekommen. 

Violen⸗Wurtʒel / vide Leos ſorentinæ Radix , ſie muß In feinen 
groſſen Stüden did und dicht wohl ausgetrocknet / weiß und ſauber / 
und bon guten Geruͤch / nicht aber dünn/ ruutzlicht / mager und Wurm⸗ 
ſtichig ſeyn. 

Viperaria Scorzonera. 

Vipern / Branntſchlang / Natter / Otter / Vipera,Alphe,Thirus, 
vide Schlangen. 

Vipern⸗Schmaltz / Viperæ Pinguedo. | 
Ä — — rer nach —— Art — 
riret / aber offtmahls mit gefeilten Hirſchhorn / Helffenbein / gewiſſen 
Holtz und Wurtzeln verfaͤlſcht. 
—* aurea ſerrata anguſtifolia, Solidago vel Conſolida ſaraceni- 

ca, Herba Doria, fhmalblätterig Heidniſch Wund⸗Kraut / Machtheil / 
wird an naſſen Orten gefunden / dienet vor die Verſtopffung der Miltz 
und Leber / item innen und aͤuſſerlich vor friſche und aite Wunden. 


Virga aurea ſerrata latifolia, breit-blättrigt Guͤlden · Wundkraut / 
bricht den Stein / iſt auch gut vor den Durchlauff und rohte Ruhr. 

Virga Paſtoris Dipſacus. | 

Viride zris, Spangrün. 

Vifcum feu vifcus, iſt eine heſondere Staude/ die an den Aeſten et» 
licher Bäume waͤchſet / und immer grün bleibe. - 


Viſeus Qyercinus, Eihenmiftel / wird vielfältig gebraucht / und 
häuffig von Denen Materialiften verfaufft/ die befte fällt in Böhmen. 

VifcusCorylinus, Haſelmiſtel / iſt etwas felgamer als der erfte/ und 
wird dannenhero hochgehalten. Vifi- 


u mn 


Viſ 1327 
Viſiren / Franhoͤſiſ. Jauger; Heißt die Wein-oder Bier⸗Faͤſſer /oder 
auch andere, länglicht oder Cylinder runde / item gedierte Gefäffe 
oder Käften/ in welchen Liqvides oder fluͤßige Sachen / ald Getraͤnck / 
Oel / Wafler / und dergleichen verwahret werden / item gang groffe 
Coͤrper / ald Schiffe und Prahmen / ıc. jene mit der Vihr-Ruhte/ Diefe 
mit dem Maad-Stab/ Fuß ⸗ und Ellen⸗-Maaß ausmeflen / und ihren 
eörperlichen Juhalt und Capacität dadurch erforſchen / weil es aber 
Bieruntet auf eine accurate Viſir·Ruhte / ſonderlich beydenen Wein⸗ 
und Bier-Fäflern ankommit / und ſolche die Kauffleute in ihren Kellern 
und Pack⸗Raͤumen bey dergleichen flüßigen Waaren ſehr offt gebrau⸗ 
hen / vornehmlich wann ſie (wie wir unter den Woͤrtern Wein und 
Branneweingemeldet) die ditferenten Futailles oder Gefäß Form/ 
ihren Gehalt genau unterſcheiden wollen / ald wollen wir allhier die Zu⸗ 
bereitung folder Viſir⸗Ruhten / wie felbige der weyland berühmte 
Saͤchſiſche Ranft-Rämmerer und Mathematieus, Tobias Beutel) in 
feiner Arichmetica befchrieben/ Fürglid vor Augen — / und zwar 
erſt die auf laͤnglicht runde oder Cylindrifche Gefaͤſſe gerichtete Vilir. 
Ruhte / welche durch Ausziehung der Quadrat · Wurtzel folgender ge⸗ 
ſtalt zubereitet wird: 
Nimm ein recht gebiertes Gefaͤß oder Kaſten / der wohl zugerichtet / 
hobelt / und fein gleich und dichte an einander gefüget ift/ daß er 
ſſer Halten kan / in ſolchen Kaſten gieß mit einer-Vihr-Ranne einen 
Eymer / das iſt ca. Leipziger Vılier-Kannen Waſſer / hierauf nimm 
ein Staͤblein / Elle oder andere Maaß / theile es in etliche gerade Theil / 
als ich ſetze in io. Theil / da jeder Theil einen Daumen gelte/ und jeden 
Theil oder Daumen theile wieder in ıo. Theil / mit ſolchem Maag miß 
die Tieffe des Waſſers / die ſey hier z. E. 12. Daumen / miſſe auch die 
Länge des Kaſtens / die ſey 13, imgleichen die Breite / diefey z. C.ıe, 
Daumen ; diefe Tieffe ı2. Die Länge i8. und die. Breite 16. multipli- 
cire in einander / fo koͤmmt der Eubifche Inhalt des Waſſers indem 
Kaſten / nemlich 3455. Eubifche Daumen. 
Beil diefesnun ein gebiertes Gefäß / und aber die Vier Kubte auf 
Cylindriſche Faß gemacht werden foll/fo Veriwandele diefen Eubifchen 
Inhalt deögebierten Gefaͤſſes in einen Eylinder / an ſolchen laß dem 
-Diameter des Bodens fo viel Daumen deined Maaßſtabs lang feyn/ 
als dir beliebtsals ich will fegen:er fol 14. Daumen gelten/fo ſpreche ich 
nach der Regul des Archimedis, 7. Daumen Diametri geben 22, Cir- 
cumfereng was 14. Daumen) Facit 44, circumfereng/ dem Diameter 
14. mit Z. Circumfereng/ nemlich mit multiplicirt / gibt den fuper- 
ficial Inhalt des Bodens an Eylinder / nemlich 1s4. Duadrat-Dap» 
men / mit dieſen i54. ee dividiye obgemeldten ah 
ppp > en 


— 


1328 0 Bif 
ſchen Inhalt der za56. Cubiſchen Daumen / fo kommt / wann man Nul- 
Idaran ſetzt / und nach der Decimal- Rechnung dividirt / 22'000 
Daumen vor die Länge des Cylinders. = 
Hier durch feynd alfo die 3456. Eubifche Danmen in einen Eylinder 
verwandel / maffen der Eylinder/ manner dieſe Länge z2 A. Dau · 
men/ und an Diameter des Bodens 14. Daumen hat / bey nah ſo viel 
in ſich halten wird; ſeynd alſo dieſe 223'%00- Daumen / bie lange 
Maas eines Eymers. Weilaber die Viher-Rupten anfeingele Kan: 
nen follen zubereitet werden/ fo muß man dieſe 227 Daumen durch 
A als die Zahl der Rannen eines Eymers dividiven / Fommt o 000 
Daumen/ vor die lange Maag einer Viher-Ranne/ die man mit dem 
Eirdel von are — abnimmt / und zur langen Maaf 
auf den Viſier⸗Stab gebraucht. 
Die Birler-Rupte nun vollends Hieraus zu bereiten/ fo kan man zubor 
beym tor darzu einen langen bieredigten Stab von harten Holtz/ 
ungefehr eined Fingers dicw / und.drittehalb oder 3. Eilen laug machen/ 
nin 2.0der 3. Theilzertheilen/ und ſolche Theil durch Meßinge 
oder BieherneHälfen/um der Bequemlichkeit willen/ aus einander 38 
nehmen/ bey ich zu tragen/ aneinander fügen laflen. | 
Aufdiefem Stab wird aufder einen Geite von unten an / bi zu Ende 
deffelben/ erfi dielange Maaß nach einander aufgetragen/ welche ver- 
mögeunfererallhier —— Rechnung 0:00. · Daumen gewe⸗ 
fen/ und koͤnnen dieſe lange Maaß auf dem Stab / wo nicht in 10. doch 
jede zum wenigſten wieder ins. Theil getheilet werden. 
Fun iſt noch übrig / daß auf einer Seiten der Stabs auch die Qua⸗ 
Drat- Maaf getragen werde; darzu muß man ſich nun eine ſonderliche 
Scalamoder Quadrat ⸗· Maaßſtab aus dem genommenen Diamerro der 
14. Daumen bereiten / welches alfo geſchicht: Man theilet die 14. 
Bauen in ıo. gleiche Theile/ aufeinen glatten Brett / Pergament 
oder ſtarcken Papier / und läflet jeden Theil 100. geie Theil geiten/ 
daran theilt man unten einen folchen zehenden Theil. wieder in 10. 
Theil / und miteiner Zwerg⸗Linie noch einmahl / fo iſt die Scala oder 
der Quadrat: Maapftab zubereitet/ deſſen gange Länge trage auf die 
eine Seite des Viſier⸗Stabs fo offt du Fanft / hernach nimm eine Ta- 
bellam vor dich / in welcher Die Quadrat-Wurgel bis auf etliche hun⸗ 
dertimahl nad) einander auögezogen ift / trage aus dem Quadrat⸗ 
Maaß · Stab erſt die Wurgel aus rc- und allen folgenden Zahlen 
zum wenigften dreymahl ausgezogen/ nacheinander in ihrer Ordnung 
auf’ fo lang der Viſier⸗Stab zureicht / ſo iſt als dannn eine Eylindri- 
(che Biſier⸗Ruhte verfertiget. Deren ihr Gebrauch IR als — 
an 


— — ——— * 1 


| Bif | 1329 
BEER, Vase — — — — VE. A 
Man miſſet mit den langen Maaß beyder Böden Höhe / bis an das 
Innere der Faß⸗ Tauben /addirt ſolche beyde Höhen zuſammen / das 
Kommende medirtoder halbirt / hierzu des Faſſes Tieffe/ in der mit: 
ten zum Spund hinein genommen / addirt / was kommt / wieder hal- 
birt / und hernach befehen/ wieviel man lange Maaß bekommen; diefe 
lange Maaß am Viſier ⸗Stab beſehen / und an der andern Geiten 
nacaefucht / wie viel ſolche gleich überficehende Duadrat-Maap an- 
weiſen / ſolche Duadrat-Maaffen werden gemercket und behalten | 
Ferner miflet man des Faſſes Länge bis an die Zorgen und Böden/wel- 
he vonfolcher Länge muͤſſen abgezogen werden / und multiplicirt als⸗ 
dann ſolche Länge/ beftehend in der langen Maaß mit obigen Quadrat» 
Maaflen/ fo kommt des gangen Faſſes Inhalt an Rannen. 
Eine Eubifche Veſter⸗Ruhte wird durch Ausztehung und Gebrauch 
der Cubic⸗ Wurtzel verfertiget / und zwar folgender geftalt: Wann 
vorhergehende Eylindrifche Ruhteverfertiget worden / fo viſtri oder 
eicht man ein wohl-proportionirtan damit richtig ab/und merckt ſei⸗ 
nen Inhalt/ hierauf ſtoͤßt man die erſtgemeldte Viſier ⸗· Ruhte oben zum 
Spund des Faſſes / auf beyden Seiten ſchieff hinein bis zum unterften 
End eines jeden Boͤdens / beflehet wie viel ſoiche ſchleffe Meſſung am 
Diller-Staby bis zu jedem Boden lange Maaß halie / ſolche beyde ad- 
dirt/haldirt/ und das Medium oder Mittel behalten. 
Dies behaltene Medium der fhiffen Tieffe / mit derjenigen Cylin⸗ 
drifchen Tieffe einer Kanne / welche zuvor gefunden worden / (und bey 
borgehender Eylindrifchen Ruhte :5o6-.geimefen ) multipliciret 
was fonımtcubice multiplieiret diefe Cubie-Zahl durch die Zah 
ber Kannen/ welche ich eingangs diefer Ruhten zu fuchen angezeigt/ 
dividirt/ aus dem Produdt die Cubic-MWurgel extrahiret / bringt die 
Länge der Cubic- Maaß auf Kannen / welche Laͤnge man / wie dieldte> 
felbeDaumen und Theileeines Daumens ſey / mit den Circkel auf den 
alleverft gebrauchten Maaß⸗Stab bey der Eylindrifchen Ruhten ab» 
— ——— offt auf einer Seite an der Viſier⸗Ruhte auftraͤgt / als 
es mũg 
Hernach nimmt man dleſe Ränge noch beſonders / thut ſolche auch erſt 
lich in 10. gleiche Theil / deren jeder 100. gelten / den einen Theil wie⸗ 
derum inıo. und fofort an. / wiebender Eylindrifchen Ruhte / und 
trägt daraus die Rannen von dem erften Punct an / foallbereitneben . 
andern auf der Ruhtegezeichnet/ bis oben, zu Ende derfelben. Dies 
Auftragen aber muß aus einer Cubiſchen Tabella , da die Cubifche 
Wurgel von ı. bis auf etliche 100, und mehr Zahlen nach einander aus⸗ 
gezogen ſeynd / verrichtet werden/ da man nemiich erſtlich die Wurgel 


aus. welche . iſt hernach aus 2. fo 3. mahl genommen / 1,006 hut / 
| Pppp; dann 


> EEE.) | ER 
dann aus 3.undfo weiter in Ordnung nimmt / undzwarnur beufte: 
hende Brüche/weil das gantze fchon aufgetragen. 
Endlich ift auch zu erinnern daß wann die Puncta der Kannen (wie 
dann auf diefer Ruhtejede Wurgel eine Ranne bedeut) oben zu enge 
und dichte kommen / daß man hernach allzeitetne / zwey oder mehr 
fen fehlen/ und etliche Rannen auslaffen Fan / womit alfo auch die 
Cubiſche Viſier⸗Ruhte deutlich befchrieben und angewieſen iſt 
Der Gebrauch dieſer Cubiſchen Viſier⸗Ruhten iſt ſehr leicht / Dann 
man ſtoͤßt den Bifter-Stab nur ſchieff ind Faß zum Spundloch hin- 
ein/ bis an die unterffe Ende der Boͤden / und wann ed zu einen Boden 
weiter ald zumandern / fo medirt manbeydefchieff genommene Laͤn⸗ 
en fo ie ſich det Kannen Inhalt ohne alles Rechnen fchon ouf dem 
ifter-GStab. . 
Zu Eck⸗Gefaͤſſen müflen andere Viſier⸗Ruhten ſeyn / und zwar füllt 
man erſtlich eingleich gemachtes viereckigtes Gefaͤß / mit einoder 
mehr Eymer Waſſer an/ nimmt darauf einen Stab/ welcher in etliche 
gleiche Theil / und jeder Theil wieder in dergleichen eingetheilt iſt / da- 
mit miffet man des Waſſers Tieffe/ des Kaſtens Ränge / und deffelben 
Breite/ multiplicret ſolche drey ineinander / und behält die hieraus: 
kommende Zahl zu einer Regul bey allen Eck⸗Gefäſſen / nebenft Diefem 
Viſter⸗Stab (welcher alfo Khon fertig ift) zu gebrauchen / und zwar 
folgender geftalt: 
Man miffet damit der gebierdten Gefäß Tieffe / Ränge und Breite/ 
multiplicirtö alles dreyes in einander/ und ſpricht daraufalfo: Oben: 
‚ gefundene Zahl der Tieffe/ Länge und Breite gibt fo viel Rannen oder 
Eymer / mie viel derfelben geweſen; was gibt diefe legt-gefundene 
Zahl der Tieffe/ aͤnge und Breite? fo bekoͤmmt man den Jnhalt. 
Andere Eck⸗Gefaͤß koͤnnen hiemit nun zwar auch viſirt werden / allein 
es bedarff darzu mehr Information und Wiſſenſchafft der Geomerriz, 
und fonderlich der Triangel⸗Rechnung. 
Gin Vifer-Schnur zuzubereiten / ift unter dem Wort Faͤſſer ange 
wiefen. Dbgemeldter Author gibt hierzufolgende Methode: Man 
nimmt ein wohl-proportionirt Faß / jegröffer je beſſer / füllt es mit 
Waſſer an/ und fiehet/ wieviel Kannen darinn gehen / hernach nimmt 
man eine Schnur/ miffet damit die Tircumfereng beyder Böden/ das 
kommende medirt oder halbirt / hernach aud) die Circumferenf des 
Bauchs umden Spund genommen / zum Boͤden medio addirt / daß 
kommende wieder halbirt/ und hierzu auch des Faſſes Länge bis andie 
Zargen genonmen/ fo ift die Länge zur Biller-Schnur auf fo viel Ey⸗ 
mer/ ald das Faß haͤlt / gemachet. 
Dieſe Schnur / welche am bequemſten von Pergament gemacht wird / 
theile in etliche gerade (als 10. 20. oder mehr) Theile / nimm die se 
Ä ev 


Viſ Dit 1331 
Der Rannen des Faſſes / zeuch daraus die Eubic-WBurgel/ mit folder 
Wurtzel dividire die Theile der Schnuren / fo kommt daraus die Län- 

e der Theile / fo in gleicher Groͤſſe mit dem Circkel nad) einander auf 
Bie Schnur getragen werden / fomweit ald ed muͤglich iſt. Hernach 
nimm eine folche Länge befonders / mache daraus einen Eubifchen 
Maaßſtab /wieobendben der Eubic-Ruhten / undtrage daraus die 
Kannen vermittelt der Cubit ⸗Wurtzeln nach einander auf / foift die 
Schnur fertig. Hierauf miſſet man die Circumfereng beyder Boͤ⸗ 
Den/ medirt ſolche / addirt darzu die Circumferenß des Bauchs / das 
Eommende wieder halbirt / darzu des Faſſes Länge bis an dieZargen 
genonimen/ zeiget des Faſſes Inhalt. 

Waͤre die Schnur bey einem Faß zu kurtz / fo nimm eine andere ge- 
meine Schnur/ mißt damit aufborige Art ; nimm ein biertel/ dritel 
oder halbes Theil folder gemeinen Schnur / ſiehe wie weit folcher Theil 
on der Viſſer⸗Schnur Beet, was dafelbft vor Kannen fiehen/ die mul- 
tiplicire mit dem Cubo des Theils der Schnuren/fo Haft du den Inhalt. 


Viſta, Viſta, à Veüe, Aufſicht / id ent auf Anficht dieſes Wechſels 
oder dieſer Aflignation, iſtlein Wort / fo in den Wechſel-Briefen viel 
gebraucht wird/ daß nemlich derienige/an dem dev Wechſel lautet / fol 
chen gleich / nachdem er preſentiret worden/ bezahlen moͤge. 

Vitex, ſiehe Agrus Cal, 

Vitis, alba Bryonia, 

Vitisidasa nigra, Myrtillus. 

Vitis vinifera, Weinrebe / Weinſtock / die Blätter ziehen zufammen/ 
dienen vor Erbrechen / Sasse und unnatürliche Luft der ſchwan⸗ 

ern Weibern ; dev aus den abgefchnittenen Reben im Frühling trif⸗ 

ende Safft/ Succus, Agva, Lacryma vitis, dienet hor dem Stein / bloͤ⸗ 
de und rohte Augen; die unreiffe Trauben oder Ißeinbeeren uvæ im- 
maturæ feu agreſtæ, dienen in higigen Flebern und verlohrnen Apetit, 
die gebadene oder ander Sonnen getrocknete Weinbeere/ uvx paſſæ 
ſeu paflulx , Die Zibeben paſſulæ maximæ Damafcenz Zibebæ, die 
Roſinle in paſfulæ majores, und fleineKofinlein minores feu Corinthia- 
cx, erweichen den Bauch / nügen den Magen/ Leber und Lungen / die: 
nen vor Huften und Durft ; die Wein-Hulfen vinacea feynd äufferlich 
inder Gicht gut; der Gafft von unveiffen Trauben / omphacium ge- 
nannt / dienet vor hisige Schmertzen der Seiten und Diagenbren- 
nen / der Wein felbit erwaͤrmet / ſtaͤrcket das Hertz / erfriſchet Die Le⸗ 
bens⸗Geiſter. 

Vitraria, Parietaria Herba. 

Vitriol / Vitriolum, Atramentum ſutorium, Calcantum, Vitriol / 
ein mineraliſch Saltz / iſt unterſchiedlicher Arten / als Vitriolum al- 

Popp 4 bum 


1332 -.. 8° 


bum weiffer Bitriol/ wird in Bergwerden / zuweilen auch aus foldyen 
Brunnen bereitet / und in geoffen weiſſen Stüden zu uns gebradt; 
wann er lüfftig liegt/ zerfällt er und wird gelblicht, Im Reich finder 

man deffen an anterfchiedenen Orten. 

VitrioamdeCypro , blau Cypriſcher Vitriol / kommt aus Enge: 
land / wird. aber auch in Teutſchland eben fo ſchoͤn gemacht. Man fin- 
det ferner Vitriolum Ungaricum, Salisbargenfe, Goslarienfe, Bohe- 
mienfe, und fehen ſolche / wie.auch alle Bitriol grünlich aus / ſeynd da- 
bey feucht und fehwer / darunter ift der Ungarifche und Salgburger 
der befte/ die andern folgeti hernach. Zuerkennen/ob ein Bitriol von 
Eifen oder Kupffer herruͤhre / fo ſtreicht man denfelben an eine mit 
Speichel genegte Mefler- Klinge / wird dieſe nicht u oder 
roͤhtlicht / fo iſt ed ein Zeichen / daß der Vitriol aus dem Kupffer-Cr$ 
berrühre / wieder Kömifche und Englifche / wird aber das Meſſer 
roͤhtlicht / fo ift es ein martialifcher Bitriol / wieder blaue Eyprifche 
‚ und Goßlariſche. Unter allen Victrilen iſt der Römifche derrarfte 
und theuerſte; Er iſt in groffen Stüden/ und grünen Cryſtallen / wo⸗ 
durch er don dem Englifchen / ald welcher viel Eleineve Stücken hat; 
unterfchieden wird; Er wird fehr zudem PulvereSympathetico und 
dem Unguento armario oder Wa en-Galde efuchet/ ald welche bey- 
de ausden an der Sonnen calcinirten Römifchen Vitriol gemachet 
werben. Nechſt diefem kommt noch ein ander Kupfſer⸗Waſſer von 
Pifa aus Italien / welches den Roͤmiſchen an der Farb fat gleich iſt / 
auffer daß es gruͤner und kleiner / aber auch wohlfeilerift / weswegen 
es von den Schwarg-Färbern und Hutmachern mehr gefuchet und 
verbrauchet wird. Der Englifche Vitriol / welches aus einem gelben 
Ertz in Engeland zubereitet wird / muß fhön Har und durdylichtig 
gruͤn / auch recht trucken feyn/ und Feine Kleine weiſſe Stüdlein haben. 
Unter den blauen Kupffer-Waſſern ift das Cypriſche das befte und 
theureſte / davon 2. Sorten bey) den Matcrial:ften zu Anden / eines in 
groffen Stücen / welches Enprifcher Vitriol von der Compagnie ge- 
nennet wird / weil die Indianiſche Compagnie ſolchen verhandelt ; 
die andere der Geſchnittene / welcher in Heinen Stücken / fo wie Dia» 
manten fpigig außgefchnitten ſeynd / Eormmet; beyde müffen vecht Him⸗ 

- melblau ir abfonderlich wann fie zerbrochen werden / indem ſie / wie 

ſchon gemeldt/ gar leicht von anffen mit einen gelben Roft/ weicher doch 

leicht wieder abzumwifchen / übergogenwerden. Mit diefem Cypri⸗ 
ſchen Bitriol kommt der Ungarifche / Schwebifche und er 
überein/ item der Goslariſche / welcher am wohlfeilften und gebräuch« 
lichſten / auch blaugrün/ Hell und durchſichtig ift / und in fchönen grof- 
fen klaren und durchſichtigen Ernftallen beftehet. Mau machet hier» 
aus das Vitriolum album oder Galitzenſtein / welcher flärder calcini- 
Ä ret / 


——— — — — — — * -—— 


Bit 133 _ 


ret / hernachmahls wieder in Waſſer folviret/ coaguliret/und zu groſ⸗ 
fen Kuchen von 40. bis o. Pfunden formiret/ und alfo denen Materia- 
Iiften überfchichet raivd. Er muß fehön weiß mie Zucker / feft und dicht 
feyn/ und nicht an der frenen Lufft gehalten werden / weiler fonft gi 
wird ; man braucht ihm fo wol vor Menfchen ald Vieh in. die böfe Au» 
gen/ abſonderlich mann man zwey Theil veinen Zucker zu einen Theil 
weiſſen Vitriol thut. Er wird auch zu dee Schreib-Dinte oder den 
Dinten-Pulver gebrancht / und nimmt man zu einer guten Dinte s. 
Loht Bier / 2. Loht Gallaͤpffel / 1. Loht Gummi Arabici, undi. Ouint⸗ 
tein Bitriol. ’ 
Einige Alchimiften halten dafür / daß die.verborgene Tugenden des 
GStemsderWeifen/in den Virriol begriffen waͤre / welches ſie Dam vor 
nemlich aus folgenden Spruch / (vet welchen jedes Worts Anfangs 
Buchſtab / das Wort Virriolum heraus bringt/ ) gemuthmaſſet Vih- 
tabis Interiora Terræ Redificando Inveniesl.apidemVersm Medici- 
nam.Keymundus fagt/ daß der Vitriol dem Bold gar nah verwandt 
ſey / und eineriey Urſprung und Anfang mit demſelben habe / er wird 
gemeiniglich bey den Kupffer gefunden / und zwar in groſſen Uberfluß 
mit deut ſchwartzen Metall / welches * auch viel mit ſich fuhret/und 
Dahero den üblen Geruch nimmt den es in der Arbeit bat. 
Mann der Vitriol mit dem Alaun vermengt gefunden wird/ fo braucht 
man folche von einander zu fepariven folgende Methede , mangieft Die 
Lauge von den Stein oder Erde / die das Mineral in ſich hält in ſie den⸗ 
den Urin / fowird ih der Vitriol von den Alaun ſcheiden / und 
zu Grund fallen/ der Alaun aber zurüc bleiben /und oben auf ſchwim⸗ 
men. — 
Die beſte Gattung des Vitriols nennen die Spanier Copa gviras, 
und Piedro Lipas , man findet auch weillen und gelben Vitriol den die 
Mahler gebrauchen / welche unterfchiedliche Farben dann aud) verur⸗ 
ſachet daß dem Bıtriol unterfchiedliche Rahmen ald Myfi ,Suri ‚Cal- 
chitis, und Melanteria gegeben worden. Diegröfte Würdung deö 
Vitriols ſiehet man in den Aqvaforr, oder Scheidewaſſer / in welchen 
alle Meralla sie ein Saltz zerftieffen und zuMaffer werden / welches 
ja zu einen Augenfcheinlichen Beweiß (der Möglichkeit die Metallen 
eines in das andere zu verwandeln) dienet / dann mit Bitriol fo in A- 
avafort folviret worden / wirdohne alle andere Kunſt / Eiſen / Bley und 
Zinn/ zu feinen Kupffer / fo verliert auch das Silber feinen Halt / und 
wird gleichfattsin Kupffer verwandelt / mit geringerHülff / eines au⸗ 
dern Metalls welches Leichtlich zu erlangen iſt. 
Durch die Gewalt einer fehr Hefftigen Hin wird einDel aus dem Vitriol 
gezogen, welches von wunderbahrer Tugend iſt. 
Es werden zweyerley Arten des — Vitriols gemacht / en 
| ppp⸗ un 


1334 Viv Ult 


und geün/ duch Vermiſchung Eifen / Kupffer undSchweffels / wann 
folche zufammen ins Feuer gefeet werden / woraus erhellet / daß des 
Vitriols Anfang von den Schweflel ſey. 

Die Bereitung des Vitriols beftehet in der Reinigung / Calcination 
Deftillation , Sublimation ‚ Precipitation, und Extradtion, Die nad) 
obiger Bereitung alsdann ferner praparirte Stüde aus den Bi» 
triol feynd / Pulvis Sympathecius deffen Compofition unter dem 
ort Pulver zu erfehen/ Vitriolum album Vomitivum, Coagulura 

Vitrioli, Sal vitrioli Nitratum, Ros Vitriöli, das faure Phlegma, der 
flüchtige Spiritus, daß füfle Del daraus / itemSpir. VitrioliPhilofopbi- 

cus fonft Cohobium Antimonii genannt / Blumen aus der VitriolEr⸗ 
den / feu Subftantia cuprea vitrioli, dito aus dem Vitriol⸗Schweffel / 
Terra Vitrioli ochera , Bitriol Saltz / Tindur ‚Fffeng / Extrad, 
Magifterium fammt andern Stücen mehr / deren Compofition in 
des Schröderi vollſtaͤndigen Apotheck lib, 3. Cap. z7. weitläufftigzu 


erſehen 

Deu Vitr!ol kan mit einerBehändigkeit feine blaue oder Purpur⸗Far⸗ 
be Geele benonimen werden / worauf man ihn wieder anfchieflen Läft 
zum Verkaufen / wer aber hernach folgen kaufft / der findet (ich betro> 
gen/ und erlanget nicht was er geſucht / deromegen iſts rathſam / daß 
derjenige der Bitrtol Faufft / und an deſſen Tugend zweifelt / etwas 
von einen Regulo Antimonii, welcher mit Eiſen gemachet worden / 
nehme / felbigen ſtoſſe / und giefle hernach in, einen Kolben darüber 
von ſolchen im Waſſer auffgelöften Viätriol, wird alsdann der Re- 
gulus wie ein Kupffer / fo if der Victriol gut / wo nicht ſo iſt er. falſch. 

Vivres allerhand Lebens⸗Mittel / Eß ⸗Waaren / Vidualien. 

Ulmaria, Regina prati, Barba caprina Geiß-Bart / Wurm⸗ 
Kraut / Johannes⸗Wedel / die Blaͤtter / Blumen und Wurtzel wi⸗ 
derſtehen den Gifft / dienen vor die rothe Ruhr / und aͤuſſerlich vor fau⸗ 
le Schaͤden. 

Ulmer⸗Roſen / Roſæ incarnatæ, purpureæ & rubræ. 

Ulmer⸗Gerſten / werden die feine Perlen Graupen genennet / weil 
ſolche ſonderlich ſauber in Ulm gemachet werden, 

Ulmer Brodt / wird faſt auf die Art wie die feinen Zweyback geba⸗ 
cken / nur daß etwas mehr Zucker darzu genommen / und Aniß darein 
gebacken wird. 

Ulmus Ptelea Ulmen·Baum. 

Ultramarin, iſt eine ſchoͤne und wegen ihrer ſehr muͤhſamen Zube⸗ 
reitung gar theure blaue Farb / welche von den fafır-Gtein gemachet 
und Ultramarin genennet wird / entweder weil fie erſtlich übers Meer / 
in der Inſul Cyprus, oder Engeland erfunden worden / oder — 

die 


u 


ult 1335 


— — — 


Dieſe Farb viel blauer als das Meer ſcheinet / bey den Einkanffderfel- 
ben muß man zu ſehen / daß fie hoch an der Farb / wohl geſtoſſen und præ· 
Pariret ſey / welches leicht zu ſehen / wann man etwas davon unter die 
Zaͤhne nimmt und verſuchet ob es fandicht ſey oder nicht / die beſte Prob 


geſchieht durch das — welchen der Orientaliſche Laſur ſeine ſchoͤ⸗ 


sie blaue Farbe behaͤlt / md derowegen Fixus genennet wird / der Occi- 
dentaliſche hingegen wird gruͤnlich / und non ſixus genannt/ wie dann 
auch) nur aus diefen letzteren dad Afurblan / welches aber wie das Berg ⸗ 
blau mit der Zeit gruͤn wird / gemachet wird / wiewohl es die Mab- 
ler ofitmahld mit den guten Ultramarin zu vermifchen pflegen / man 
Bat auch noch eine andere aus einen gewillen Stein zubereitete blaue 
Farb Eſchblau genannt/ welches fchön zart / hoch an Coulenr und eben. 
falls recht trucken feyn muß / warn (te zur Mahlercr dienen foll/ einige 
machen den Ultramarin auf folgende Weiß / fie nehmen ein Gefaͤß voll 
ſcharffen Wein⸗Eßig / in welchen ein wenig Salarmoniac folviret iſt / 
mit reinen Silber Blächlein fo mit Qpeckſilber beftrichen und voller 
Bleiner Löcher ſeynd / fegen ſolches in einen heiſſen Miſt / und wann es 
20. Zage lang geftanden / fo ſchaben ſie die Laſur-Farb davon ab und 
bewahrens zuihren Gebraud). ; | 
Item nimm den Lafur Stein laß ihn glüen ineinen Schmeltz ⸗ Tiegel / 
yud fehütte ihn 2. oder 3. mahl in einen guten Eßig / fo wirft du ihn 
Leichtlich hernach in einen Mörfel zerſtoſſen koͤnnen / alsdann veib ihn 
auf einen Marmorflein mit Del und Spiritu Vini, jedesgleich viel / 
und zwar muß ſolches zuvor in einer Kolbe auf Afche geftanden haben / 
man muß ed auch vorher ſtarck untereinander ſchuͤtteln / eh mans auf die 
Materiam die da foll —— werden / gieſſen kan / wann nun hierauf 
alles zu einen unbegreifflichen Pulver gerieben / fo vermenget es mit 
folgenden Cement. 
Nehmet Lein-Del / Terpentin/ Maſtir / Zeuffeld-Dred / Colopho- 
nium , und auch fo ſchwer Wachs 2. Ungen / fichten Hark 3. Untzen / 
laß dieſes alles in einen glafürten Topff eine viertel Stund Fochen/ 
hernach drückt es durch ein Leinen Tuch und laflet es in rein Waſſer 
fallen / diefes iſt ein Cement, davon nehmet einen Theil / und fo viel 
don euren Stein / reibet und vermengt es wohl zufammen in einer gla⸗ 
fürten Schale / hernach gieflet klar und ſauber Waſſer daruͤber / und laf: 
fet es eine viertel Stunde fill ſtehen / folgends ruͤhret eure Materiam 
mit einen Holtzern Spatel wohl untereinander / ſo werdet ihr in einer 
viertel Stund ein gantzes Laſurblaues Waſſer haben / dieſes gieſſet ab 
in eine andere Schale/gieflet ander warm Waſſer auf die Materiam / 
fahret weiter fort mit den Umrühren/ und Beränderung des Waſſers / 
bis es ſich nicht mehr färbe / und endlich laſſet alles Waſſer abrau⸗ 
chen / fowird euch das vechte Ulttamarin a. Unhen von einen Pfund 
zu⸗ 


1336 Umb J 


— bleiben / und faſt alles das übrige wie eine Laſurblaue Aſche 
yn. or 

7 Kinenguten Laſur zu machen. 

So nimm z Roth Silber mit Aqvafort caleinirt/3.Obentlein Salye⸗ 
ter oder Salmiac und Eßig fo biel deſſen genug ift / miſche es unter⸗ 
einander und laß es fehen dis die MRateria niederiindet/wann dann der 
Eßig oben ſchwimmet fo nimm ihn allmaͤhlig weg / thuedie Materiam 
die auf den Boden bleibet / in ein glaͤſernes Koͤlbiein / bermache es 
rer „ ed 25. Tage in Pferd Mift vergraben ftehen ; fo wird «8 
recht ſchoͤn ſeyn. 

Item nimm gemeinen Laſur / reibe ihn wohl mit Eßig / ſchmiere mit den⸗ 
ſelben ein dünnes Blech an von guten Silber / thue ed hernach über ein 
mit Harn oder Urin gefuͤlltes Faß / und legs uber Aſch und Kohlen / bis 
ein guter Lafur dabon wird. 

Die befte Art Ulltramarin zu machen / iſt daß man denLaſur⸗Stein mit 
einer warnen auge die Fettigkelt abwaſche / hernach die Salinität 
wieder benehme / folgend ihm feine blane Tinctur mit einen gedeftillir- 
ten Eßig ausziehe/und das Pulver abſüſſe. 

Den Ultramarin zu erkennen ob er gut fen oder nicht / ſo wirff ein wenig 
davon auf glüend Eifen / wann er nicht verbrennet fo iſt er gut / ber» 
brennet er aber fo ift es fein Ultramarin ‚ aud) wann du Steinlein oder 
dergleichen darinn findeft/ fo iſt er gleichfalls nicht gut. 


Umbella ſeynd die obern Neftlein egliche Kräuter / wie an Fenchel 
und Anis zu fehen/fo einen Bogel-Weft ähnlich. 
Umbilicus marinus, wenn diefe nicht fo gemein waͤren würde man 
ewißlich noch mehr Wunder davon machen. Wiewohl man nod zur 
Stunde nicht weiß /ob man flezu den Steinen oder Mufcheln rechnen 
fol. Sie ind überaus hart/aber mehr wie ein Bein ald wie ein Gtein 
geartet. Man findet ſie nirgend als am Geeftvand / dahero viel in 
der wahrfcheinlichen Meynung ſtehen / ed feyn Deckel aufetner gewiſ⸗ 
fen Art Schneden eben wie man fiehet / daß die gemeinen Schnecken 
die ben uns an den Zaͤunen liegen’ den Winter über mit Deckeln verſe⸗ 
hen (ind, es finden fich aber zweyerley Sorten folder Meer-Böhnen. 
Die eine ift ein / und niemahls länger als ein Daumen / auf einer 
Geite gantz platt und wie mit einer braunen Haut uberjogen/ darauf 
allezeit eine Schnecken⸗Linie gantz deutlich zu fehen iſt / die andere Sei⸗ 
te iſt erhoben / in der Mitte wieder bertieffet / und in dieſer Tieffun 
wiederum erhoben / alſo daß ein Rabel nicht uneben dadurch vorgebil⸗ 
det wird Sie iſt weiß und glatt als PForrcelain, wiewohl mit roth 
vermenget / dieandere Art wird in Indien gefunden / und tft viel 
guöffer / die platte Geite ſiehet fonft eben fo aus / wie bey der 
ie 


Umb Ung 1337 


— — — — — 0 — — — — 
die andere Seite hingegen iſt hoch rund erhoben / und gantz weiß / die 
erſte Art wird haͤuffig an den Italiaͤniſchen See · Kuͤften gefunden / 
Das Weibs ⸗ Volck ofleget de fon in Silber gefaffet / als ein Amule- 

tum am Halſe zu tragen/ weil es nicht nur wider die Weibliche 
Krandheit dienet/ fondern auch gut feyn foll bey dem Mannes⸗Voick 

beliebt zu machen / biel andereAberglauben die man von diefem Stein 
hat / zu geſchweigen / dieſes aber iſt gewiß / daß eine fonderliche Krafft 
das Blut zu ſtillen / darinnen enthalten fey. | | 

Umbilicus Veneris, Cotyledon , Acetabulum majus $rauen> 

‚Babel / Donner-Rraut/dienet vor den Stein und Waſſerſucht. 

;_ Umbra oder Terra ‚fen Creta Umbriæ genennet / ift auß einer 
Landſchafft in Italien dieſes Nahmens fo jeht Ducatus Spolctanus 
heiſſet / gebracht worden. Die beſte ift in groſſen Städen ſchoͤn zart / 
und hon einer veht braunen Couleur, ſie wird zur Mahlerey ge⸗ 
braucht / zu vor aber gebrannt ch fie Fan mit Oel angemacht oder 
auch zu den Handſchu färben gebraucht werden / man hat fihaber 
por den Dunftoder Rauch zu Hüten / weil folcher fehr ſtinckend und 
ſchaͤdlich iſt / mit dieſer Umbra Erde / hat die Eölintfhe Erd oder 
Tersa Colonienfis eine groſſe Gleichheit / wiewohl diefe viel Dunckel⸗ 
brauner ift als jene / fie muß zart / zerreiblic und fo viel moͤglich / 
vein und nicht mit feinen Unrath vermiſchet feyn. a 

Unicia,einellng/ift einMedicinalifh@ewicht deren ız. auf ı.Pfund/ 
bey andern Kauffmannſchafften aber ıs. aufı. Pfund gehen/ wirdun 
ber u Zeichen Zj. in den Recepten gefchrieben / hält 2. Loth 


Ungariſche Bath⸗Engel / Teverium Pannonicum, 

— Blaue Wald-Reben/CiematisCorrulea, Pannonica. 
Creutzbeern oder Wegdoru/Spina infectoria Pannonica, 
Feld⸗Zwiebel / Ornithogallum,, Secundum Pannoricum, 
Feilwurs/ Iris Pannonica4. Cluſii. 

Ginfter/ Genifta Pannonica. 

GOvetſchken / Prunallo garica, 

Scorzoner/ ScorzoneraPannonica,anguflifolia 
Spindelbaum/ / Hanhoͤdlein / EvonymusPannonicus. 
Wilder Flachs / Linum Sylveflre,PannonicumPrimum, 
Zeirlofen/Colchicum album Pannonictm. 

Ungariſche Waaren / ſeynd bornemlich Gold / Silber und Kupf⸗ 
fer/ ſammt einigen andern Metallen und Mineralien mehr / weiche 
die Inden Königreich Ungarn häuffig anzutreffende reihe Bergwer: 
de auszugeben Peer / und zwar dad Bold in ſolcher Purität/daf es 
auch nechſt den Arabiſchen geflhäget wird/ dahero a deine 

en 


111111144 


1338 - Ang 


ten vor andern beliebet werden/ ja es ſoll die gütige Natur dieſem Koͤ⸗ 
nigreich Ungarn / fo viel unter irrdiſche Schäge mit getheilet haben/ 
daß manchmahl in den Unpflügen der Aecker / mit der Pflug-Schaar 
ange Stuͤck gediegenes Goldes aufgeworfien/ oder gar an Den Wein⸗ 
ocken güldene Trauben gefunden werden / nechſt diefen koͤſtlichen Me⸗ 
tallen/ Bat auch üngern viel Stein-Galk / einen groſſen Korn und 
Wein⸗Bau / unser welchen legtern der Todeyer Wein ſonderlich in 
Sochachtung fomnıet weil heutigs Tags faft aller angrängenden 
| otentaten Taffeln / ſonderlich aber der Pollniſchen Maganten mit 
olchen Tocke her Weln überflüßig wollen verfehen ſeyn / wiewohl es ih⸗ 
nen damit wie den Oberlaͤndern intt dem Würtzbuͤrger Stein⸗Wein 
gehet/ daß nemlich viel ioo. Fuder Francken Wein / unter dem Rah⸗ 
men Stein⸗Weins / und alſo auch viel Oeſterreicher und gemeine Un» 
gariſche Weine unter demRahnıen Todeyer Wein verkauffet werden / 
welcher dann allerdings der Vernunfft Gemaͤß / weil der Heine Di- 
ftrid, wo in Ungarn dev Todäyer Wein um die Stadt Today/ und 
in Francken der Stein- Wein um die Stadt Würkberg waͤchſt / nicht 
foiel 1000. Fuber Weins fourniven fönnen/als vor fo viel lecker Mãu⸗ 
fer die gernfolche Weine trincken / erfordert wird / zudem fo nimmt 
der Känferliche Hoff · Keller die beften Tockeyer Wein am erften nad) 
ſich / und alſo thut auch der Wuͤrtzburgiſche mit den Stein⸗Wein / daß 
alſo diejenige welche manchmahl in zimlicher Proſuſion, Ungariſchen 
Xodäyer Wein auf ihren Taffeln zu haben pratendiven / ſich nur die 
mare Rechnung machen mögen / daß niemahls ein Tropffen davon auf 
dem Todener Feld gewachſen / fondern daß cd entweder ein anderer 
guter Ungarifcher/oder auch ein durch Kunſt nahgemachter Wein fey/ 
(welches dann aus einen ſchlechten XerehfhenGect/ und alten ſtarcken 
Krang Wein gavleicht geichehen Fan) ferner fommet aud) auslingarn/ 
diel chſen⸗ Leder / welches fehr ſchwer und tre ffliches Gohl-Teder gie: 
bet,dannenhero auch bey gangen Wagens voll nach dem Reich 4. 
det / und conſiderable Handlung damit getrieben wird / vide hiervon 
ein mehrers unter dem Wort Keder / und Orientaliſche Compagnie. 
Das Commercium in Ungarn felbft betreffend / wird ſolches mehren · 
theild von den Teutſchen Einwohnern / die ſich hin und wieder in denen 
Ungatiſchen Frey⸗Berg⸗ und andern Städten niedergelaſſen / item von 
den Wieneriſchen Nie derlags Verwandten getrieben / weil die einge⸗ 
bohene Ungarn / mehr den Krieg / als derKauffmannſchafft obzu liegen 
Belieben iragen / ſolches auch wegen der ſchon von ſo vielen Jahren 
her in dieſem Königreich anhaltenden Kriegs⸗ Iroublen nicht wohl 
anders thun koͤnnen. 
Die gangbarſten Mungen in dem Königreich Ungarn ſeynd unter: 
fchiedtichy al in Nieder · Ungarn gilt mehrentheils Kaͤyſer u in 
tr⸗ 


Ung Unf 1339 


Dber-Ungarn / abfonderlid um die 13. Königliche Saͤdte gelten alte 
Käyferlicge und Pollniſche Müngen unter einander / und ift wenig 
Bon den altenlingarifhen Müug-Sorten noch üͤbrig. Man findet 
‚auch die fo genannte Eremniger Pfennige mit einen Marien-Bilde/ 
undden Ungarifchen Wapen bezeichnet / deren s. einen Räyfer-Gro- 
Ichen austragen. Ingleichen eine Art von Groſchen welche Bethlem 
‚Gabor ſchlagen laſſen / aufeiner Seiten fehet fein Bildniß / auf der 
andern fein Bapen nebft den bekannten Herh⸗Schildlein / in welchen 
zwey — an einen Pfeil / die Gabor einſt Pie gefchoffen/ und 
in fein Wapen zum Angedenden fegen laſſen / zu fehen feyn/diefe Sort 
‚gilt ohngeicht nad anferer Münger. Groſchen | 

Unguentaria, Glans Balanus Myrepfica, 

Uaguentum, vide Salben. 

Ungula eine Klaue / Ungula alcis Elends-Klau, 

Ungula caballina , Tusfilago. . — 


en. 


Unholden Kertzen / Verbaſcum. 
Unholden Kraut / Oleander Laurus roſaa, Nerium Oleander. 
Unicornu fosfile,& verum vide Einhorn. | 

Unifolium Monophylion , gramen Paradifi ‚ ophris unifolia, 
Einblatt / Parnaf-Gras/ift gut bor Bifft und Peſt. 

Unkraut / Dort / Æra, lolium, Zizania, & Zizunium. 

Unnuͤtze Sorgen) je länger je lieber / Steben Farben⸗Blumen 
Jacca, 

Unrechtmaͤßige Waaren / feynd vornemlich diejenige / welche ei⸗ 
ner nicht juſto Titulo an ſich gebracht / oder die er nicht zu fuͤhren be⸗ 
rechtiget ift/ item diejenige die an Qvalität Maaß ugd Form nicht 
auffrichtig /ober zu welchen der arme Nechfte feinen fauren Schweiß 
und Blut ohne Entgeld hergeben müflen / wie auch diejenige die durch 
falſchen Recht⸗Spruch / und Gewiſſenloſes procediven/ Wittwen / 
Wärfen und Norhdürfftigen Leuten abgedrungen worden / die verfaͤl⸗ 
ſchet oder in Tpeurungs-Seit/der Armuth zur Laſt Hinterhalten/ durch 
ein ſchaͤndliches Monopolium gefteigert/ und per nefas erworbenmwor- 
den. Diefe alle freſſen offtmahis Das gerechte Gut neben ſich hinweg / 
— der dadurch erworbene Reichthum felten auf den driten Er- 

en fommt. 


Unſchlit oder Talch / wirdin Seifen und Licht⸗Talch abgetheilet / 
jenes iſt alt / und laufft ab / wann man Licht daraus ziehet / i auch 
leichtlich von den frifchen zu unterfcheiden / weiles nemlich gelb und 
wie alt Fett ausſiehet / auch biel weicher / ald das neue und frifche Un⸗ 
Mlit iſt / welches Hart anzugreiffen/ und weiß Yon Couleur feyn muß. 
Der Betrug / welcher im Talch · Kandel vorgehet / heſtehet darinnen / 

daß 


1340 Unf Bol 


daß fie Stein oder Mehl in das Unſchlit ein · oder mit unterſchmelhen / 
weiches aber bald erkaunt wird / wann man ein ſolch verfalſchtes Un 
ſchiſet amſchmelhet / da es dann wann Mehl darunter iſt / nicht fiiig 
werdenmwill / ſondern immer dick bleibet. Heutiges Tages Fommt 
das meiſte Talch aus Moſcowien / Lieflaud und Churlaud bey ganhen 
Tonnen boll / and wird in den See · Stadten bey Schiff· Pfunden zu 
18, bio zo. Xthlr. —— oder mehr verkaufft. Der Schiffbau / die 
Seefahrt, fondertich aber die Bergleute und Geiffenjieder confumi- 
ver bie Talch / theils zu Litern / theils zu verſchmieren und zu ber⸗ 
arbeiten. 
Ungerer lieben Frauen Balfam oder Muͤntz / Ment=ı Romana 
feu Saracenica 
Unferer I. Frauen Bettſtroh / Gallium velSchananthum, 
Diftel/ Carduus Mariz ‚Silybum, * 
Eis / GlaciesMariz, Lapisfpecularis, 
Flachs / Linaria, linumS$. Mariæ, Oſyris. 
Zandſchu / Baccharis, ChirothecaS. Maris, 
Lilien / Anemone. 
Mantel / groſſer Sanickel / Sinau / Alchimilla, 
Schuͤhlein / Melilotusgermanorum, 
— Wegſtroh / Wallſtroh / Kabkraut / Gallium, 
Unterſcheid / fo zwiſchen den Nußlern und Nuß ⸗Sattel iſt / Diffe- 
pimentum Nucum. 
Unzeitige Feigen / Groſſi. 
Naãgelein / Antophylli. 
— pfeffer / Piper album, Piper immaturum, 
— Trauben⸗Safft / Omphacium, Succus Agreſtæ. 
Vogelbeer / Sorbum ſylveſtre. 
—Sergzlein / Anacardium. 
— Reraut / Aline, Anagallis. 
—  Yeft/ Paltinaca ſylveſt. 
— — — Semen Fraxini. 
Vogelneſter / werden in Indien gefochet und berfpe 
Volatile, alles mas flüchtig iſt und fliegen kan / ler hntpmeifeheiit 
in der Chymie dasjenige volarile, welches / wann es in der freyen Luflt 
ſtehet / und nicht wohl vermachet iſt / berraucet und verſchwindet / al⸗ 
fo ſeynd die Volatilia Salia, SalC.C. Eboris, Succini, die Volatiles 
Spiritus, Spititus xci. C.C.Viperarum, Sanguinishuman. &c. dieſe 
und dergleichen, wann ſie nicht wohl verwahret ſeyn / verrauchen bald. 
Ionen m. gest ne Salia fixa, beſtaͤndige Galge / ſolche 
en nun vet oder offenſtehen / jo verfleu | 
ala das Sal, Abſynth. Cent, ee a — = — 





Fried 


Vola- 


Bol Urn 1341 


"Velatilifare, flüchtig machen. 

Volucrum majus, Caprifölium. 

Vomitoria, ſehnd Arpeneyen / die das Brechen erwecken / ſeynd 
ſchaͤrffer als die Pargantia, die don unten ausführen / die aber bon o⸗ 
ben / foldye feynd Tart. Emetic, ð vita, Turbithmineral , Vitriolum 
album depurat.Infuf, flor, antimon, Syrup emeticus, Angl. Syrup 
zub, idzi emetic, | 

Vorkauff / vide Monopolium. 

Vorſtoß / Bienhartz / Stopffwachs / Cera Virginea, Propolis. 

Urceolaris, Parietaria. 

Urinatores, Taͤucher / Duͤcker / die unter das Waſſer ſich mit einer 
gewiſſen Machine, oder bielmehr luſtrument, ſo als eine Glocke for⸗ 
mirt / und von Bley oder Glas iſt / hinunter laſſen / und die geſunckene 
Schiffe und Güter damit aus dem Grund der See heraus holen. Die⸗ 
fe Urinatores feynd den Kauffleuten / die zur See handeln, fehr nüp/ 
indem fie dadurch etlichermaffen zu ihren verlohren-gefchägten@ütern 
wiederlommen können. In Schweden war vor dieſem eine eigene 
Compagnie ſolcher Täucher aufgerichtet / welcher ein gewiſſer Obri⸗ 
ffer / Rahmens Treuleben / commandirte und exercirte / da ſie ſich 
denn ſonderlich gewoͤhnen müften / den Athem in der Glocke lange zu 

lten / worüber fonft gemeiniglid) den Leuten durch die Compresfion 

r Lufft das Blut zu Raſen und Ohren heraus gehet. Merdiwürdig 
iſt es auch / was bon einem Sicilianer / Pifeicula genannt / gemeldet 
wird / dag er habe koͤnnen durch dad Meer ſchwimmen und gehen / auch 
lange Zeit wie ein Animal amphibium unter dem Wahr bleiben. - 
Die Anatomici geben diefe Urfache/ daß wann man in des Tugend ei⸗ 
nem neu=gebohrnen Rinde öfters Maulund Rafen zubalte/ fo eröffne 
fich Dadurch ein Weg in der Bruftzum Refpiriven / ohne von auffen 
Athem zu holen. Cinigenehmen Del in dem Mund / welches eben 
fo wol den Schwimmernlange Zeit giebet / unter dem Waſſer zu blei⸗ 
ben. Was die Indianiſche Perlen:und Eorallen-Zifchers in der 
Taucher Kunft preftiven/ ift unter dem Wort Perlen und Corallen 
zu erfeben. 

Urnz, Gefäffe der alten Römer/in welchen (fe der berbrennten Tod⸗ 
ten Leichnam ihre Afche aufzubehulten pflegten; ſolche Urnz waren 
von allerhand Beftalt/ Groͤſſe und Materia, dann man machte le ent» 
weder bon Thon oder von Stein/ von groben Glas / Metall / Gilber/ 
Gold / Porphyr oder Cryſtall: insgemein befinden ſich darinn Aſchen / 
Kohlen / kleine Knochen / und Stüdlein von Metall / welche alle von 
den verbrannten Cörpern und denenfelben angehängten Zierrahten 
herkommen / zu weilen findet man 5 mit vermenget / ob ſie — 

qqq m 


} 


\ 


2342 Urt Vul 
- mit Deeteln verſchloſſen feynd. Man findet auch einige mit engen 


Sälfen/ unten gang ſpitzig und mit Handhaben/ noch andere wie Fla⸗ 
ſchen / oben mit einem engen Loch / und mit ſpitzigen Deckeln berfchlof 
fen. Rechſt dieſen Urnen pflegten die alten Römer auch Sefaͤſſe zu 
ſehen / in welchen die bey der Leiche (fowol von denen Anderwandten/ 


_ alövon dazu gemiehteten Weibern) vergoſſene Thränen geſammlet 


wurden. Es ſeynd aber inägemeinfolde Urne gang ſchmal und 
fang mit engen Hälfen/ fowol von Glas ald Thon gemadt. Das ge: 
nieine Bol unter den Römern blieb meiftentheilö bey dev alten Ge⸗ 
wohnheit / die Coͤrper gantz zu verbrennen. Endlich wurden auch 
bey den Coͤryern glaͤſerne Gefaͤſſe mit Balſam geſetzet / welche mit den 
Lrnisan Geſtalt zimlich überein kamen. 

Urtica mortua, Galiopſis. 

Vrtrtica noftralisfemen, Brenn:Reffel-Saamen/wird mehrentheils 
bon den kleinen Neffen abgeſchnitten / als welches die ſchaͤrffſte unter 
allen Neſſeln ift. 

 Urtiex Romanz femen, Welſcher oder Roͤmiſcher Neſſel Saa⸗ 
men / iſt glatt / ar und ſchwartz /und gleichet gant nicht den ein⸗ 
heimischen Reſſel⸗Saamen / kommt meiftentheild aus Welſchland. 
Yıle Brenn Reſſeln eröffnen und weichen/ brechen den Stein/ und wi⸗ 
derftehen den Schirling / Bilſen⸗Kraut und gifftigen Shwämnen. 

Ufnea mufcus Cranii, Mooß ſowol an Baͤumen / ald auf gehängter 
Menfchen-Köpffen. 

Ufus, Ufo, Ufanee, Gebrauch / item in den Wechfel- Briefen eine 
Zeit von 14. Tagen oder 4. Wochen. 

Uvæ paſſæ, Pallule majores & minores, groffe und kleine Roͤſinlein. 

Uvafpina, groffularia, Stachelbeer / Groſſelbeer / dienen vor dem 
Durſt und Bauchfluͤſſe. 

Uva verſa, Parisherba, Uvaurfi, Ribes, Uva Vulpina. 

Vulneraria, Wund-oder Heil-Mittel/ feynd Pflafter ald auch an» 
dere Artzneyen / die in Verwundungen ſowol in-als aͤuſſerlich applici- 
vet werden; ſolche ſeynd nununterfchledener Arten/ und zwar nach des 
nen unterfcheidlichen Zufälen / welche bey den Wunden zu beobach⸗ 
ten vorkoinmen / dann weil Feine Wunde ohne Verlegung und Son 
derung dergangen Theile iſt / als müſſen (r) darzu Confolidantia und 
Balfamica oder zuſammenheilende Mittel feyn/ die aud) eine balſami⸗ 
fche Kraft an fich Haben, als da feynd Gummi Tragacanth, refin. alb, 
Carann, tacamahac, Succifa, Sideritis, Confolid, maj.(z) den Blute 
Fluß zu ſtillen / hat man Adftringentia, anhaltende Mittel / aldGum- 


mi anim, maftich, lap, hamatit, alumen Vitrielum, mufc. arborum, 


Rad, tormentill, biſtort. (3) wegen des Schmerhens hraucht man 
' . Ano- 


Vul Waa 1343 | 


| 


Anodyna, als Croc. il. alb, hyperic. hyoſc. Carann. (4) wegen det 
Inflammation und Geſchwulſt / Refrigerantia oder Difcutientia. kuͤh⸗ 
lende und zertheilende / als Ol. lil. alb. flor. Sulphuris, Gummi Juni- 
peri, Bdell.Copal, Minium, Lithargyr, Ceruſſa. Aus dieſen und der⸗ 

leichen kan ein jeder nad) feinen Belieben nnd Gutdünden ein Bund» 
Pflafer bereiten. | 


Vulvaria , Arriplex fotida, Tragium Germanicum Garoſmus, 
—— / ftindende Melte / dienet wider das Auffteigen der 

utter. 

Uuftchima,mird von Wormio beſchrieben / daß es fen eine America⸗ 
niſche Frucht / ald ein Finger dick / mit vauher Haut und Eurger Mode 
umgeben. 

Uvularia, fonft aud) Campanula vulgatior foliis Urticæ, Hals⸗oder 
Zaͤpfflein⸗ Kraut / deſſen gibts zweyerley Geſchlecht / eines trägt Frucht 
wie das andere / nur daß jenes / welches nicht feh r gehraͤuchuch/ feine 
Frucht als ein rohtes Beerlein auf dem Blat / das andere aber feine 
Beer aufeinem Gtiel unter dem Blat träget. Sie waͤchſt in Ungarn. 
und Oeſterreich / imgleichen wird ste viel aus Franckreich und Genug 

efandt; Sie muß fon grün / gebunden / und nichtverftodt oder 
— ſeyn. | 


* 


W. 

ag und Gewicht / mit welchen man wieget / werden entweber 
aus Eiſen / Silber / Meßing oder Kupffer / gemeiniglich aber 
an den groſſen Waagen die fo genannte Wagg · Balcken aus Eiſen ger 
macht / deven jährlich eine grofle Menge in Schweden fabricivet / und 
von dar in andere Länder derführet wird. _ Der Eleinen Waagen hale 
ber ift fonderlich die Stadt Nürnberg beruhmt/ als in welcher unter» 
fchiedliche/ zum theil fehr fubtile und accurate Waagen / und zwar von 

diverfe Sorten gemacht werden/ ald 

1. Gemeine fo genannte Coͤllniſche Waagen / mitrunden oder ges 
ſenckten Dertern/ deven fich die Kauffleute bedienen/ um ihre Güter 

Centner⸗weiß daraufabzumägen. 

2.Bebogene und gefhloffene Kraͤmer · nnd Gewärg- Waagen / 

mit Meßingen oder Kupffernen Waagſchaalen. 

3. Lichtwaagen / mit einer runden und einer flachen Schaale / aus 
Blech gemacht / in welcher in der einen Schaalen die Gewichter / in 
der andern aber die Lichter und Kertzen geleget werden. 

4. Gute Coͤllniſche Seiden⸗ waagen / deren Schaalen flach / doch 
etwas weniges aufgebogen ſeynd. | 
. Goldwaagen / um̃ allerley BT Müngedamit PURE 

| | Inf aa Son 


4 —Waa——— 
ob folche gerecht ſeynd / zu probiven / weiche mehrentheils anfzie- 
hend gemacht werden / die darzu gehörige Gewichte aber in einer 
gleich Darunter befindlichen Zug-Laden/ oder aber beydes zugleid/ 
alö nemlich die Woagfchaale und das Gewicht in einen —2 — 
beyſammen zu ſinden ſeynd. 

6. Kleine Schnellwaagen / allerley anzuhängende Saden damit 
aufzuziehen und zu probiren. ey 

7. Perxlen-und Dismanten-wäglein / um dadurch biefer Edelge- 
feine ihre Schwere / Wehrtund Roftbarkeit auszufinden. 

8. Ben por die Wardeins / Müng-Meifters / Probi⸗ 
ver und Berg-Leute / worzu wir auch nod) 

o diejenige Wäglein zählen / welche an dem Waag-Balden einen 
Heinen und richtig abgetheilten Quadranten haben / um Die Schwe⸗ 
ve der Rufft dadurch zu erforſchen / und als Notiometra gebrauchet 
zu werden. Welche curieuſe Invention einen Jeſuiten / Nahmens 
Lana zugeſchrieben wird. | 

Endlich findet ich auch noch eine befondere Art ans Stahl gemachte 

nen«erfundene Maagen ober Balanccs, weiche ohne Schaalen und Ge: 

wicht vermittelt einer Drat· Fe der die Schwere eines Dinged anzei⸗ 
gen / wann nenilich ſolches an des inftruments Unterhaden angehän- 
et wird, fo ziehet ich oben nach Proportion der 6 e des ange» 

Kingten Corporis ein eifernes Stänglein heraus/ auf welchen die 

Pfund der Schwere des Angehändtenzu bemercken ſeynd. Vidc hies 

bon eine weitere Befhreibung in denen Ephemeridibus der Kaͤy 

Leopoldinifchen Acad. Natur, Curiof, Decad, Il. An, VII, obferv. 135. 

Die Gewichts Eintheilung / wie ſolche bey Kauffleuten geſchehe / iſt 

allbereit unter dem Wort Maaß und Gewicht ſpecißciret. Von ber. 
oem/ Materia und Proportion folder Gewichte nur noch etwas we⸗ 

nigeö zu gedencken / fofeynd eini ederfelben von Meßing / Kupffer/ 

Eiſen / Stein oder Bley / —— oben mit einer Handhebe / an 

weicher man ſolche ordentlich und — in groſſen Kauff⸗ Haͤuſern 

and die Schaalen auf-und wieder abheben Fan/und waͤgen etliche der- 
felbengange Schiffpfund / andere gantze halbe oder viertels Cent⸗ 
nerd/ andere ein oder mehr Liß⸗Pfund / Stein oder Pfund. Ju den 

Kraͤladen und Haushaliungen hat man das ein eſetzte MeßingeGe · 

wicht/ von ein oder mehr Pfunden / bis auf ein Qbentin herunter ge> 

bend/ und immer abnehmend; dergleihen Gewicht werden fehr viel 
in Nürnberg gemacht/ und gemeiniglich das Pfund 30. Ereuger oder 
einenhalben Reichsgulden berkaufft. Rechſt die ſem Einſatz⸗ Gewicht 
hat man auch ein wohlabgezogenes und netto adjouftirted Gold «und 
Silber· Gewicht / nad) Ducaten und Kronen / item nach dem Marck⸗ 
Sewicht eingerichtet. Ju Perlen⸗ und Diamanten· Gewicht ie 
t 


— — — — - — 


Hat - 1345 


—  —— | — — — — — 
Die Grain und Caratten derſelben wohl zu bemercken. Ju Probier · Ge⸗ 
wichte die Pfenninge und Centner nad) verjüngter Proportion zu wiſ⸗ 
ſen / wie biel nemlich nach der Flein genommenen Probe der bollkomme⸗ 
ne Centner der Berg-Arten gut und feines Metall halte. Apotheder- 
Gewicht beftehet in 24. Roht Haltenden Pfunden / Unten / Drachmis, 
Serupelnund Granen. 
Wacholder⸗Baum und Beeren / item Oel / Holtz und Saltz / 
von ſolchen insgeſamt und deren Würdung/ Krafft und Tugend ſeynd 
antze Tractater⸗voll beſchrieben wie dann auch dieſer Baum und 
Frucht obneden genugfanı befannt/ dag wir und alfo dieſes Orts nicht 
fang damit aufzuhaltenhaben. Die Materialıften führen allein die 
— — und das Oel / welches letztere bey ihnen zimlich weg⸗ 
eſucht wird / und ſo leicht nicht allemahl wieder zu bekommen. Man 
auch Wacholder⸗Saltz / wornach aber Feine groſſe Nachfrage. Der 
acholder⸗Branntwein (welcher in theils See⸗ Laͤndern / ſonderlich in 
Holland und Braband / Genevre genannt wird) gehet am beſten und 
bey gantzen Tonnen⸗voll ab / ſonderlich bey neblichten und ungefunden 
Wetter / da man ſolchen vor ein fouveraines Mittel dor die böfe Lufft 
halt. Zumeilen werden auch an den Wacholder: Bdumen Schwaͤm⸗ 
me und ein Gummi ſo truckner Firniß / Vernix ficcus, Lachryma ju- 
niperi, Gummi juniperinum heiffet / gefunden. Der Wacholder⸗ 
Spiritus ſtaͤrcket das Haupt und die Raͤrben. Der Safft von Wa⸗ 
cholder / welcher Rob oder Theriaca Germanica genannt wird / dienet 
in der Taubheit / Zitternund andern Kranckheiten: dasElixir aber 
faft zu allen Sebrechen des menſchlichen Reibes / ſonderlich iſt es gut 
dor dem Stein und verborbenen Magen. Wann man ein Theil 
. Wacholder: Beeren nimmt / und darüber fo viel Branutwein gießt/ 
daß die Beeren bedeckt werden/ hierauf das Gefaͤß zumacht / ſolches 4. 
Tage ſtehen läßt / alsdann den gebrannten Brauntwein davon abſei⸗ 
get und ihn wohl ausdrucket / ſelbigen hernach wiederum uͤber andere 
friſche Beeren gieſſet / und ſolches zum drittenmahl wiederholet / ſo 
bekomt man einen Wein / von dem z. Löffel voll genonien/ und ſich hier⸗ 
auf in ein warmes Wannen⸗Bad geſetzet / den Stein und die Waſſer⸗ 
ſucht euriren. | | 
Wachs / fo von den Bienen gemachet wird / iſt eine fehr bekannte 
Maar / indeſſen aber vieleriey Sorten und Von fonderbahrer Zube: 
reitung/ fonderlich gefchiehet an denjenigen / welches foll weiß geblei- 
het werden/ viel Arbeit; dann erftlich wird don den Wachs⸗Blei⸗ 
ern das gelbe Guß⸗Wachs in Rupfferne Keffel eingetragen / darins 


nen geſchmeltzet / geläutert/ gegoflen/ gekräufßt/ ausgetaft/ und in die 


Sonne aufdarzu angerichtete Bühnen oder Brücken getragen/dafelbft 
2q4q;3 aus» 


. 


1346 Mac 


— — — — — — — — — 
es bearbeitet / auch nad) Erforderung der Zeit und des Gewitters / 
bald des Tages / bald des Nachtes abgearbeitet / geſpruͤhet / gereiniget / 
zu gewiſſen Zeiten geſchmoltzen / purgiret/ und endlich / wann es 
weiß und klar / wieder um and in weille Guͤſſe geseiten, 
Tach der Hand wird dasalfo rein und weiß gebleichte Wachs bon des 
‚nen Lebzeltern und Wachö-Arbeitern in allerhand Sorten bon weiſſen 
Kirchen⸗ und Tafel ·Kertzen / Wachs⸗Stoͤcken / Bildern / künſtlichen 
Figuren und andern Stuͤcken mehr verarbeitet und verkaufft / theils 
aber / und zwar die groͤſte Parteyen / werden an weiſſen Gußwachs für 
Kauffmanns⸗Gut añ weit ag Derter verfchicet / undan andere 
— rg » Arbeiter / Wachs: Pofiver und Handels » Leute 
verhandelt. | 
Die Sinefer follen dad Wachs überaus wohl zu reinigen wiffen / und 
zwar nicht allein Dasjenige/ fo von denen Bienen komnit / fondern auch 
eine andere Art von Wachs / welches gewiſſe Wuͤrmlein in holen Büu- 
menarbeiten/ item noch eine dritte Gattung / fo von den Früchten ei» 
niger Pflangen ausgedrucket wird / welches aber etwas geringer ift/ 
als die vorige beyde. Vide Dan, Bartolum part.:, Hiſt. Aſiat. Ei. 
In Teutſchland iſt heutiges Tags wol die vornehmfte Wachs-⸗Sleiche 
in Augſpurg / welche ihrer ungemeinen Curieubität halber unter die 
Gehens-wurdige Pläge ſelbiger Stadt gerechnet wird. Einige 
Wachs⸗Kuͤnſtler vermeynen dem Wachs eine noch fhönere weiſſe 
Farbe zu geben / wann ſie ſolches ſchmeltzen / hernach zerriebenen le⸗ 
bendigen Schwefel darunter wiengen / und alsdann das Wachs in 
Milch gieflen. 
Rohr Wachs wird gemacht / wann man unter ein Pfund gefchmol- 
gen Wachs. Loht wohlgeriebenen Zinober/ ein Halb Loht Terpentin/ 
und eine Nußſchaal⸗voll Honig thut/ alles wohl unter einander geruͤh⸗ 
ret/ und ed alödannin ein lauteres Waſſer gieflet. 
Zu grün Wachs nimmt man anftatt des Zinoberd Srünfpan / und 
wann es wohl unter einander gerühret/fo gießt mans in ſcharffen Eßig. 
Schwarz Wachs zumaden / nimmt man Kienruß und ein wenig 
Lein⸗Oel / verſchmeltzt es mit den gefchmolgenen Wachs / und macht 
Kugeln daraus. 
Wann man zu ein Loht Wachs anderthalb Loht Colophonium, ein 
Queutin ſchwartz Schuſter⸗Pech / und 2. Qbentin Ringelroht nimmt / 
und ſolches wohl unter einander ſchmeltzet fo befommt man ein gutes 
Wachs / daß fich ſauber gieffen laͤſt. 
Zu Pofier-wachs nimm 4. Loht weiß und ein Loht gelb Wachs / einen 
halben Gran Bleyweiß / einen Gran rohter Menge/ und ſchmeltze fol« 
ches in einen neuen Topff wohl zuſammen. 
Von den fo genannten Spaniſchen Wachs und Siegel · wachs 9 
(wei 


— — — =. 


— — Wake 0 0 0 19 
(weil darzu kein gemeines Wachs kommt / unter der Rubric yon Sier 
el⸗Wachs befonderögehandelt worden. 
fe couranteffen Manufadturen / welche bon Wachs gemachet wer» 
den / feynd die fo genannte Wachs⸗Kertzen / welche fehr haͤuffig in des 
nen Kirchen / fonderli an Eatholifchen Orten verbraucht werden. 
Bey welden Handel — obſerviren / ob ſolche vom reinen Wachs ge⸗ 
oſſen / oder ein viertel Theil Unſchlitt darunter gemenget ſey / welches 
—9* geſtalt geſchiehet: Man nimmt ungeloͤſchten Kalch / macht ihm 
zu Pulver/ thut ihm in das Talch oder Unſchlit / wann es kochet / fo fälle 
er Kalch zu Boden / und der Talch bleibet oben flehen ; von dieſem 
Talch thueein viertel unter dreyviertel Pfund Wachs / fo gehet alles 
für Wachs mit. ee | 
Sonſten wird vor das beſte Wachs gehalten dasienige/ welches gelb» 
roht / feift/ ſchoͤn und lauter iſt / und einen füffen Geruch hat; je neuer 
Das Wachs iſt / je fchöner und lieblicher ed veucht / je beſſer es auch iſt. 
Ariftoteles ſchreibet daß das Wachs im Lentzen gemacht / das beſte fen. 
Die Materialiften nennenjetliches Wachs Ceram albamNativam, fü / 
von Natur weiß ift / und Jungfern⸗Wachs genennet wird / Ceram 
albam factitiam gebleicht Wahp, Geram Ponticam „ fo inder Inſul 
Ponto gemacht wird/ Ceram Atticam', welches man ber das befte 
t. Heutiges Tags kommt das meiſte Wachs aus Pohlen und Mo⸗ 
cow / wegen der vielen Wildniſſen / in welchen die Bienen in die holen 
Baͤume ihr Honig machen / ſolches und auch das einlaͤndiſche Wachs / 
wann es zu Marck kommt / wird entweder bey Pfunden oder bey Cent⸗ 
ner berkaufft; wegen des Betrugs hat man ſich vorzuſehen / daß in ei⸗ 
nen gegoſſenen Wachs ⸗Boden nicht etwan inwendig Stein oder alt 
Eiſen / um ſolches ſchwer zu machen / mit eingegoſſen ſey / weswegen 
man vielmahls / um deſto ſicherer zu gehen / dey der Waag einen ſolchen 
Wachs ⸗Boden entzwey ſchlaͤgt die innere Qualität des Wache da⸗ 
durch recht zu beſchauen. 
Wasdas fo genannte Wachs⸗Tuch anbelangt / welches heutiges 
Tags eine herrliche Manufadtur iſt / weil deſſen inſonderheit viel/ die 
Gutſchen zu beziehen / gebraucht wird / fo wollen wir dem geneigten 
Leſer die wahre Defeription folche zu verfertigen / mittheilen: Man 
nninmterftlich feinoder grob ungebleiht Leinwand / ſpannet folches 
Horizontal der Ränge nad) aus / und beftreichet ed mit einem in Lauge 
gefochten Kleifter oder Mehl⸗Papp / laſſet ſelbiges trucken werden/ 
und kocht indeflen von s. Pfund Lein-Del und ein Pfund Gilberglätt 
einen Firniß / in welchen man geriebenen Kienruß vermenget/ und 
mit folchen das Leinwand über und über beftveichet / alödann wird es 
unit weiſſen Bleyweiß / fo man darauf fprüget/ marmoriret/und warn 
endlich alles trucken fo wird ihm mit — der Glantz ee 
ll, | 77 4 ie 


1348 Mag Waf 


Die aus Wach poshrte Figuren betveffend/ feynd felbige / wann fie 
bon rechten Kuͤnſtlern gemachet werden / und entweber Hiſtorien / 
Landſchafften Heiligen Bildern/Statuen odergar ähnlich fehende Por- 
traits vorſtellen / gerißlich hoch zu <ftimiren / und gar der Mahlerey 
— — ſolcher noch lange die Kunſt fo ſehr nicht herrſchet / 
6 bey einem don Bachs erhoben undin profil eher — * 
troffenen Contrefait. welches offtmahls dergleichen Lebhafftigkeit in ſich 
begreiffet / da man nichts mehr als die Sprach dran zu deſideriren hat. 
Zu dieſen unſern Zeiten hat ſich ein gewiſſer Rünftler und Virtuofus, 
Nahmens Johann von Cuben / in Jtalien md Franckreich und faſt an 
den meiſten Teutſchen Hoͤfen / darinn beruͤhmt ge macht / in dem er nicht 
ſowol in basſi zelievi, als Buſti und gang voͤllig auspo⸗ſirten Figuren 
und Statuen unbergleichl. Arbeit berfertiget / wie deſſen fein überaus 
rares Kunſt⸗Cabinet, und die darinn befindliche Copien der beruhm- 
teften Römifchen Statuen un® Antichen, (wodurch ed dem Aufchauen 
undder Beſuchung fo vieler vornehmer Herren und Kunft-verftändt- 
ige gemacht wird) Zeugniß abflatten kan. 
die gegoffene Machs-Arbeiry oder die nad) dem Leben geform- 
teStücke / danemlich dasjenige was man borftellen und abformen 
will / nur bloß mit naffen Gyps begoſſen / ober darein gebrüdet/ und 
hernach niit Wachs ausgegoſſen / ein wenig fauber nachgeſtrichen / und 
emahlet wird / ſo iſt ſolches von fo ſchlechter lwportantz / daß es heutigs 
ags meiftentheils in Frauenzimmer Hände verfallen / die zur Yus- 
zierung ihres Cabinets / ſich ſolche Figuren oder Früchte abdrucken / 
und hernach in Wachs boͤlli 8* / daß auch ſo gar das For⸗ 
ich über die Sefichter /meht ein Handwerck ald Kunft mag genennet 
en. ° 
Wachtel / Coturnix. 
—  $eet/CotumicisPingvedo, 
— Fleiſch / Coturnicis Taro. 
—  Pfeiffe/ werden gar ſonderlich accurat hon den Wildruff⸗ 
Drehern in Ruͤrnberg gemacht. 

Wacke / iſt auf Bergwercken / ein feſtes / tundes Geſteine mit einer 
feſten Haut / wie mit einen Harniſch umgeben. 

Waffen / vide Schieß⸗Gewehr / item Degen. 

Waffen-Salbe / wird folgeuder Geſtalt preparirt/nimm Eber⸗ 
Schmalzz und Biren-Schmalg gleich viel / zerlaß es auf einen gelin- 
ven Feur / gieß es hernach auf kalt Waſſer / fo fällt das Saltz zu Bo⸗ 
den / und das Schmaltz bleibt oben / dieſes nimm ab / und warn es ge: 
ſchehen / ſo nimm eine ee thue fie in einen neuen 
Zopfi darein zubor etwas Sund und Miſt gefchüttet worden / daß jie 1 


t 


Waf Way 1349 
dadurch reinigen / decke es mit einer Stürte wohl zu/ fege den Topff in 
einen Bad-Dten/ wann erfilich. dad Brodt heraus gezogen worden / 
und doͤrre ſie / doch alfo day ſie nicht verbrennen / hierauf reib fie Elein 
und nimm deffelben Pulvers ein halbe Eyer⸗Schaale vboll / guten wohle 
gereinigten und zu kleinen Pulver gemachten Sandel und Blurflein / 
jedes ein Loth / dieſes alles wohl gerieben und mit den Saltzen vermifdht 
fo iftes fertig/alsdann thut man es in ein fauber wohlberwahrtes Ge⸗ 
faͤß bis zum Gebrauch / welcher auf folgende Weiß gefchicht/wann man 
Das Gewehr mit welchen jemand verwundet worden/ befommen hat 
und wiſſen will / ob der Berwundete lebendig bleiben wird / fo nimmt 
man Sandel und Blutftein ——— machet ed zu feinen Pulver/ 

Läffet dad Gewehr an einen gelinden Feur warın werden / alfo daß man 
es mitder Hand erleyden kan, alsdann das "Pulver auf die Klinge o⸗ 
Der Gewehr gefchüttet/fo nun das Gewehr Blut ſchwitzet fo ſtirbt er / 
wo aber nicht / fo bleibt er leben / man foll auch darauff acht haben/ 
daß man ihn fo viel als — das Blut ſtille / welches nicht beſſer ge» 
ſchehen Fan / als mit der Salbe damit man dad Gewehr ſchmieret / 
und fo (ich der Patient nicht recht gebührend daben verhält/fofan nıan 
es gleich mercken / wann auf den ehr Flecken erſcheinen / wo aber 
Das nichtgefchieht/fohälter ſich recht. beym Schmieren des Gewehrs iſt 
ferner zu obſerviren / daß man vornemlich wiſſen muß / ob die Wunde 
gehauen oder geſtochen / auch wie tieff ſie in das Fleiſch oder denLeib ge⸗ 

angen / iſt es geſtochen ſo muß das Gewehr von der Spitze nach den 
reutz zu / iſt es aber gehauen / ſo muß es von der Schneide nad) den Ru⸗ 
cken zu geſchmieret werden. | 
Mann man nicht gewiß weiß/ wie tieff ed in demke ib gegangen/fo muß 
man ed gank über und über fchmieren/ fonft aber iſt es genug/daf man 
es nur ſo tieff ſchmiere ald es hinein gedrungen / jedoch allzeit in der 
Warme und an reiner Stelle da kein Staub fällt/dieSalbung des Ge⸗ 
wehrs darff nicht eben alle Tag / ſondern nur den andern / dritten/ oder 
vierdten erſt geſchehen / auch muß man den Tag wann man ſchmieret 
mit keiner Frauens⸗Perſon zu thun gehabt haben. Endlich iſt auch zu 
mercken / daß fo bald man das Gewehr in die Kaͤlte bringt/der Patient 
Schmertzen befomme / bringt mans aber in die Wärme/ fohören die 
Schmerhen wieder auff / doc) muß ed auch nicht zu warm liegen. | 
Magens / Rutſchen und Chaifen, ob wohl diefe in des Kauff⸗ 
mannd»Magazin, fonderlich bey feinen Waaren felten anzutreffen / fo 
feynd ſie darum doch aus den Handel nicht ausgefchloffen / es fen daf 
man biefelbe gang fertig confıderire / und wie ſolche ein Kauffmann 
(auf groffer Seren Befehl / fonderlich derjenigen die mit der Thorbeit 
angeftecet feynd / daß (ich auf einen Teutfchen Magen nicht fo gut als 
auf einen der zu Paris verfertiget ._. fahren laffe/ ) —** 
qqq⸗ mu 


1350. Mag Wah | 

muß / oder daper die zueinen folhen Wagen benöthigte Stuͤcke und 
Yuszierungen / des Rachfragens halber in feinen Laden führet/ als die 
um Befchlag behörige Ragels und das zu den äufferlichen Liberzug 
nöthigte Leder / oder Wachd- Tuch/zu den innerlichen aber aller Hand 
Couleur Sammet/Plüß/Seidene und WolleneTriep/ Dammaften/ 
vacken / oder andere Eroficn ‚ferner zu den Rutfchen-Gläfern das Fofl- 
bare Benetianifche Spiegel⸗Glas / und was etwann mehr dergleichen 
Regvifita feyn/ welche zu einen Staats⸗ und Parade Magen erfordert 
werden / gemeiniglich kommen heut zu Tag die Berliner Chaifen und 
Dangiger Caleflen in Rachfrag / wiewohl man auch baben geftchen 
mus/ daß eöfaft nirgends in Zeutfchland an gutenStell und Wagen⸗ 
machern/viel weniger an guten Riemern fehle / wer nicht allzu curiöf 
und lieber feinen Einheimifchen Mitt-Bürgern als Fremden fein 
Geld aönnet/ der wird inden Vaterland fon findeu / was ex aufler 
demnfelben offt nicht fo gut/ und dabey noch mit geöffern Koften an⸗ 


trifft. 

Wahrer Hermodadtylus, Hermodadtylus verus. 

Wahre Mauß /⸗Oerlein / Auricula Muris, CœruleaDioſc. 

Waaren / Bateintfch Merces werden abgetheilt (1) in Ratürliche 
und durch Fleiß und Kunft gemachte (2) in nothwendige und leicht 
entbehrliche/ (3) in zugelaffene und verbotene / (Hin rohe und verar⸗ 
beitete / (s) in känntliche und unfänntliche/ (6) intheure und wohlfei- 
fe / (7) ingrobeund feine / and endlich (s) in verderblihe und uns 
perberbliche/ auch wohl in auffrichtige und verfälfgte Waaren. 
Ylarörlicye Waaren feynd alle diejenige / welche die Natur entweder 
aus der Erden / als Korn / Flachs / Wein / Oel / Gold und Gilber/oder 
bon dem Vieh als ihre Haͤute Haar und Wolle/ac. oder aus der See 
ats Aufiern / Fiſche / Perlen/ x. und Menſchen zu unferer Leibes-Nah- 
rung zu kommen läft- 
Yldsıhwendige Waaren feynddiejenige/ welche der Menfch zu feiner 
Hülle und Fülle Nahrung und Kleidung inund um den Leib auch über 
it hat / als da ſeynd Eß⸗ und Trinck⸗Waaren / Kleider 
und Waffen. a 
senebehrliche Waaren feynd alle dieienige / welche denlüberflug in ein 
Land oder Stadt einführen. 
Zugelaſſene Waaren ſeynd / welche wie obgemeldt / zu des Menid: 
lichen Leibes / Nahrung und Nothdurfft / aud) zu dergönnter Luſt und 
Ergelichkeitdeflelben/vornemlich zum Preiß des Schoͤpffers / Erhal⸗ 
tung der Geſundheit / Beſchuͤtzung der Voͤlcker und Republigven,zum 
Unterfcheid ded Standes / der Dignitäten und Ordnungen unentbehr- 
Lich feyn / dergleichen feynd alle Art Speifen / Kleider/ Bau: Mate: 
rialien / Artzney und Gewehr. Hingegen feynd verbotene / alle Die. 


— Mh — 35 
deriſche Waffen / ſchaͤdliche Speifen und Getraͤnck / Schandloſe Bü» 
cher / üppige Kleider / und was etwann ſonſt denen Einwohnern an 
ihrer zeitlichen und leiblichen / auch wohl ewigen Wollfarth zu Scha⸗ 
den gereichen/ den Feinden vortheilhafftig / den Bürgern aber (infons 
derheit anihrer Rahrung) nachtheilig feyn kan / vide hiervon ein meh⸗ 
res unter den Tituln Comtrabande und verbotene Waaren. 
Rohe Waaren feynd welche eh (ie zum Menſchlichen Gebrauch) ange 
wandt werden / erftlich Menſchen⸗Haͤnde erfordern/ ſolche dazu zu be» 
zeiten und geſchickt zu machen. 

Verarbeitete Waaren / ſeynd hingegen diejenige / die aus rohen 
Waaren zum Menſchlichen Gebrauch tüchtig und gefchicht gemächt 
worden / als da ſeynd alle Manufacturen / auch fo gar Bier und Brodt. 
Kaͤnntliche oder kundbahre Waaren / nennet man / welche entweder 
allen Kauffleuten / und aud) andere bernünfftige Menſchen / oder auch 
nur denen inſonderheit / welche lang dabey umgegangen / ihren Ur⸗ 
fprung/Confervation , Preiß und Gebrauch nad) ) wohl befandt feyn/ 
dergleichen die Specereyen denen Materialilten,dje Geiden und Wol⸗ 
len Manufaäturen den Kramern/ oder denen jenigen welche folche ſelbſt 
fabriciten laffen. Ä | 
Unkaͤnntliche Waaren ſeynd / welche bor dieſen nicht ind Land ger 
führet und gebraucht/ oder auch neu inventirt/ mit Fleiß oder durch 
Zufall zum beffern oder fchlimmern unkaͤnntlich gemachet worden / 
wobey jedoch einem Kauffmann allerdings oblieget / die Waaren mit 
welcher er umgehet/aus den Grund zu verſtehen / und nicht leichtlich (ich 
mit einer ſolchen zu bemengen/mwelche ihm vormahls wenigoder nichts 
befandt geweſen. J | 
Theure Waaren / feynd alledie aus fernen Landen zu und gebracht 
werden. Es machet aud) der Mißwachs / Feindes⸗Gefahr / allzu 
grofler Abgang / ungemäßigte Abfuhr/und Verſchwendung / item der 
=. der Kauffleut / und die Reugierigkeit der Käuffer/die Waa⸗ 
ven theur. 
MWohifeilhingegen die Waaren / warn fie in Überflug zu haben / 
nicht wohl abgehen /oder auch nicht Fönnen verführet werden / item 
wann theild Kauffleute um baar Geld zu erlangen / ihre Waaren aus 
Noth verfauffen / oder folche durch Öffentliche Audtiones loß ſchlagen. 
Dergleichen Verkauff aber einem andern ehrlichen Kauffmann mit fei- 
nen Waaren/ dem Marc nicht ſetzen Fan. — 
Grobe Waaren ſeynd / welche bey gantzen Fracht: Migen und 
Schiffs⸗Ladung voll zugefuͤhret werden / dergleichen ſeynd / Speck / 
Theer / Thran / Eiſen / Henff / Lein⸗Saat / Pottaſchen / Talch / rohLeder / 
und dergleichen. Dieſe Waaren zuverfuhren / gebraucht man ſich 
gemeiniglich der Stroͤme und Seen / weil der darauf ———— 
(a 


’ 


362 Wah | 


— — — 


Gewinn / die hohe Land ⸗Frachten nicht abtragen kan / ſolche Waaren 
sehe * Tonnen / Laſten / Centnern / undSchiff ⸗ Pfunden verkaufft / 
dahin gegen. 
Seine Waaren / als Gewuͤrtz Caton, zarteLeinwath / Seiden · Wae⸗ 
ren / Gold⸗ und Silber⸗Drat / weiſſe Spitzen / und dergleichen bey Ci- 
lea / Lothen / Pfunden / und Stüden verkaufft / und vor eine zim- 
lche Summaðeldes in einen kleinen Raum kan eingepacket werden. 
Verderbliche Waaren / ſeynd alle diejenige / welche durch die Länge 
der Zeit / oder das feuchte und truckene Wetter leichtlich zu Scha⸗ 
den kommen / dahero einen jeden Kauffmann der mit‘Waaren hau⸗ 
delt oblieget / auf ihre Confervation bedacht zu ſeyn / welche Jahrs· 
Zeit vor die Waaren die beſte / oder die efaͤhrlichſte / was fürDerter 
zu ihrer Behaltniß zu gebrauchen / ob ſolche feucht oder trucken / licht 
oder dunkel / warm oder falt ſeyn müffen. Ä 
Unverderblihe Waaren / feynd auffer Stein und Metallen wen 
diewohl auch diefe der Zeit ihren verzehrenden Zähnen, follte ed au 
nur durch die Lufft und den —— / unterworffen ſeyn. Ein 
vorſichtiger Kauffmann hat durch lange Praxin gelernet / dieſen allen 
durch gute Wartung ſeiner Waaren vorzukommen / und fo ja einig 
Merderben bey ſolchen anfegen will / ſelbiges durch Kunſt und Zleiflgt 
ſchwind zu verhindern. 
Bon denen Waaren insgeſannnt welche in die Kauffmannſchafft kom · 
men / und das Jahr über in die Niederlande aus allen 4. Welt⸗ 
Theilen eingefuͤhret werden / iſt zu leſen Gvicciard, in defcript, 
Antwerpiz p. m. 230. cum fegg. item bon denen koſtbaren Waa⸗ 
ven / welche ehmahls von unterfchieblichen Voͤlckern / in die Stadt 
Tyrus geführetworden / Amand. Polan in Analyfic, 27.Ezech, p. 
519. Ber) dem Stypmanno de re nautica,p 3. Cap. 6.n,46.& ſeq. ift 
ein Berzeichniß derjenigen Waaren zu erfehen/mit welchem nach dem 
jure Civili dor diefen die Schiffe pflegten beladen zu wer den / was für 
Waaren die Flotte des Königs Salomons, welche nad) Tharlıs ande» 
ve fagen nach Ophir (daher auch dad Gold Ophirizum vel obrizum, 
Hiob am 28. p. 16. genennet wird) gefchiffet / mit ſich zurück nach Pa- 
keftina gebracht / ift zu lefen bey den Menochio de Rep, Hebræorom 
l 7. cap. i0. n. 4. & 5. | ion 
Den Preiß der Waarenbelangend / ift folder mehrentheils unbe» 
me dann ob etwann ein oder die andere Waar / vornemlich das 
liebe Brod und Getränd in einer wohl policirten Stadt allezeit bey ei⸗ 
nen Preiß bleiben möchten / fo wird doch nachdem der Rocken / Gaͤr⸗ 
ften oder Maltz ſteiget / oder den Bedern und Brauern eine neue Ac- 
ciß auffgeleget wird/ auch nach Proportion der ſelben / das Brodt klei⸗ 
und das Betränd ſchlechter gemacht / gefchiehet auch felten/ he 


— 


Wah 1353 


doc gar langſam daß ed wieder verbeflert werde / obgleich gedachte 
Materialia in Preiß wieder abſchlagen / weil die Gewinnſucht den Bo⸗ 
‚fen mehr als den Guten anhaͤnget / alle übrige Waaren / welche bey ih⸗ 
rer gewöhnliche Subftang verbleiben / varüren hingegen Jaͤhrlich / Mo⸗ 
natlich oder auch Poſttaͤglich in Preiß und zwar um folgender Urſachen 
willen: Weil entweder die Recolte oder Erudte in Fruͤchten / Ges 
wuͤrtz / zc. nicht wohl gelungen 7 unfeuchtbare / nafle / truckene / oder 
Kriegs-Zeit eingefallen/ da der Feind viel Schiffe weggenommen / 
die Plantagien ruiniret oder verbrannt / Die Arbeits oder Handwercks⸗ 
Leut durch ihm erfchlagen/ gefangen weggefuhret / verjagt / oder auch 
durch Peftileus und unzeitigen Religions⸗Eyffer / wie in Schleſien 
und Frandreich gefchehen/ item aus Hungers⸗Roth / gottlofer Beam» 
ten/ und fd,veren Aufflagen halber gezwungen worden / dad Land zu 
gvitiren/ offtmahls kan auch eine falfche Zeitung / item der groſſe Ab⸗ 
gang und Nachfrag in einer Waar / die zum Verderb der Handlung 
entflehende Monopolia und Propolia, dad Sterben der Geiden: 
Wuͤrmer / der Schaaffe undanderer Thiere welche zu des Menfchen 
Nahrung und Kleidung das Irige hergeben müflen / der fchlechte 
Fiſch⸗Fang und dergleichen / eine Waare merdlid) ſteigern / zu wels 
chen Ende die fo genannten Preiß-Couranten / welche Wöchentlich in 
vornehmen Handeld-Städten / von den Aelteften gefchwornen Maͤck⸗ 
lern gedruckt ausgegeben werden, einen Handels⸗Mann fleifig zu le» 
fen/fehr nothwendig feyn/ und gewiß lieget demfelben / deö Ein⸗ und 
Verkauffs feiner Waaren halber item an der Speculation ſo er über» 
all das jenige / was vorher gefagt worden / machen muß / ein gar groffes 
daran. Ob aber einen Kaufl-und Handelsmann fo ſchlechter Dings 
frey ſtehe / ſeine Waaren nach ſeinen Gefallen zu ſteigen / und ſo hohen 
Preiß als ihm beliebet darauf zu fegen / (ſonderlich / wann etwann eine 
Waar deren er einen guten Boysath hat / über Vermuthen geftiegen/ 
oder übel gerathen) dabon ift des groſſen Theologi des Herrn Nico- 
kai Fern —— Bedencken ſehr wohl zu leſen / kuͤrtzlich fol⸗ 
en uhalts. 
Daß ob zwar auſſer allen Zweiffel ſey / daß die Kauffmannſchafft eine 
von GOtt zulaͤßige Nahrung darinn ein frommer Chriſt mit guten 
Gewiſſen und ohn einiges Bedencken wohl und ſicher leben / auch ein 
Kauffmann feine Waaren theurer verkaufſen und anſetzen koͤnne / als 
er ſelbige eingekaufft und bezahlet hat / ſo koͤnne er doc) auch in Ver⸗ 
te: derfelben zumeit greiffen / ehe ihm auch Feines wegs frey/ 
diefelbe fo theuer zu verkauften, als es ihm gelüftet/oder als er ſie in ge⸗ 
wiſſen Fällen wohl vermöchte auszubringen / indem der Apoftel, in 
der Ep. ı. Thefl.4. v. 6. ausdrudlich berbeut / das niemand zu weit 
greiffen/oder feinen Bruder in Handel perbortbeilen folle / a 
er 


= — 
der HErr ein Richter über das alles ſeyn werde/und in z. B. Moſ. am er. 
ſtehet; Wann on erwas deinen Nechſten verfauffeft/ oder ihme 
etwas abEauffeft/ follEeiner feinen Bruder vervortheilen / item 
beym Ezechicle am zz. verf. ız, Elagte GOtt alfo über fein Vold. 
Sie wuchern und uͤberſetzen einsnder/ und treiben ihren Geitz 
wider ihren Nechſten / und thun einander Gewalt / und vergeſ⸗ 
ſen mein alſo: Spricht der HErr! HErr! und im Syrach im: sten 
Tapitel am 2. und:ten Verß waͤren ſehr merdwürdig folgende Wort 
zu leſen: Folge deinen Muthwillen nicht / ob du es gleich ver⸗ 
magſt und thue nicht was dich geluͤſtet / und dencke nicht wer 
will mirs wehren / denn der Etrr der oberſte Richter wird raͤ⸗ 
chen/ zc. 
Es gebe es auch die natürliche Geſetz⸗Regel / welche von dem HErrn 
Ehrifto beym Matthæo am 9. verf, 12. in dieſen Worten und borge · 
halten worden / was ihr nicht wollet / das euch die Leute thun follen/ das 
thut ihr ihnen auch nicht/ nun würde ja kein Kauffmann gefunden wer» 
den/ der gerne haben wollte daß man ihm überfegen follte / fo müfle ew 
es derohalbenandern auch nicht thun. Die Wiedertäuffer oder Meno- 
niften gingen und in diefen Stud mit fehr guten Exempeln vor / in⸗ 
: densnan (dad den Kramern fo gewöhnliche Schweren / (wordurch 
mancher offt feine Seele nad) der Hellen ſchweret / bloß etzliche Schil⸗ 
ling oder Groſchen / mehr auf eine Elle oder Pfund zu erhalten/) bey 
ihnen nicht hoͤrte fondern ihre Wort wären Fa! Ja! Rein! Nein! Sie 
übervortheilten auch niemand in Kandel, fondern Lieffen ſich miteinen 
teydlichen Gewinn begnügen / Ja? Wann etwann einStück Tuch in» 
wendig einen Riß / Schaden oder Flecken Hatte, fo legten ſie fo bielGeld 
darzu als ihren Bermuthennad) der Schaden austragen koͤnte. 
. folgte auch ferner daraus, mann die Kauffleut fo ungefcheut ihre e Waa⸗ 
ren fteigerten/ daß alle andere Bürgerliche Profestiones, Gelehrte und 
— uten Fug hätten / mit ihrer Hand und Kopff-Arbeit eben⸗ 
falls auff zuſchlagen / und sich folche befler bezahlen zu laſſen / indem die 
Kauffleute vor ihnen Fein Privilegium hätten/ allein waswürde end» 
lich vor Unordnung daraus werden/ die befte Richtſchnur hierinn vor 
einen Kauffmann um den Mittels Weg zutreffen /wäre eö feine Natur 
und eigenes Gewiſſen und dann auch GOttes Wort oder die heilige 
Schrifft / jenes dictirt ihn / daß es der natuͤrlichen Billigkeit Gemäf 
ſeymit den Nechſten zu handeln / o wie man gerne wolte / daß er an uns 
wieder handeln ſollte / dieſe aber / weil man den Willen und das Ge⸗ 
bot GOttes vor ſich hat / nach den Marckgang / und Couranten⸗Preiß 
feine Waaren auszubringen / waͤre nicht unbillig / wohl aber wann er 
fie ohne Roth und erhebliche Urſachen Monopotifcher Weiſe / und weil 
etwann Fein groffer Vorrath davon berhanden / ober der Rechſte fon« 
der⸗ 


Wah 1355 


derlich die Armuth in Theurungs⸗Zeit des lieben Korns hoch benoͤthi⸗ 
get märe/ ſolches ſteigerte wogegen zwar die Kauffleut einwendeten / 
hre Profesſion wäre groſſen Schaden und Gefahr unterworffen / 
warum ſie ſich danu deſſen / durch die Handlung nicht wieder erholen 
ſollten / allein er antwortet hlerauf / es folge durchaus nicht / man habe 
groſſen Schaden erlitten / ergo ſo müſſe man durch Verbortheilung 
und Uberſetzung / ſolchen wieder nachholen / es koͤnte doch mit der Zeit 
bey einen billigten und gemäßigten Gewinn / auch geſchehen / und 
GOtt hätse darum ſchon andere Mittel und Wege durch welche er ſei⸗ 
nen Seegen bezeigen fönte/daf mans eben durch OBuchern und Schin- 
den nicht fuchen durfte / ja es ware auch fündlich / und — eine 
Waare über Gebühr zu uͤberſetzen / wann auch gleich der Käufer ſolches 
genehm/ oder gar vor ein Beneficium hielte / daß man ihm ſolche Waar / 
von welcher er or wohlmwäfte/ daß fie über die Gebühr überfeget/ nur 
zukommen liefle/ weil es nur eine durch die Roth gezwungene Einwilli⸗ 
gu welche man zur andern Zeit nicht würde eingegangen haben/ ac, 
is hieher bemeldter Author, 
Wie aber dieſe oberzehlte Eigennügige Handels⸗Leute und Koru⸗Ju⸗ 
den in exceflu fehlen / alſo pecciren —— in delectu, diejenige / 
welche mit den Waaren alzubiel chleudern / und ſelbige unter den Preiß 
als (ie bielmahls ihnen felbft gekoſtet / hingeben / worzu dann die an⸗ 
treibende Urſachen bielerhand feyn/ als erſtlich der Geld⸗Mangel / 
welcher (ich in manches Kauffmanns feiner Cafla erreget / da indeſ⸗ 
fen die verfallne Paflıv-Schulden und acceptirte Wechſel⸗Brieff be⸗ 
geht feyn wollen/ in welchen Fall freylich manchmahlaus der Roth eine 
ugend zu machen/und der Marckgang mit den Waaren nicht kan ah⸗ 
gewartetiwerden. Wie dann auch faft in allen Handeld-Städten ohn 
fehlbar ein dritter Theil der Kauff-Leut ſich finden wird/ welcher fet- 
ne Handlung Credis, und Anfehen anders nicht zu mainteniren weiß/ 
als daß er hier ein Loch zuſtopffe / und dort eines wieder auffmache. 
Es ift ein perpetuirlicher Giro der ſolcher Beftalt/ welches zu verwun⸗ 
dern iſt eines Handelsmanns feine gante Lebens⸗Zeit über kan ger 
trieben werden/und weiß ich faſt felber nicht ob folches eine glückliche 
Faralitat die der Handlung beymwohnet / oder eine fluge Ditpolition 
einesliftigen Handelsmann zu nennen fey/ gewiß ifts/ daß das letztere 
auch biel darbey thut/ weil wo ſolche einmahl aufhöret/ die Handlung 
mit eind erſtirbet / gleich einer Lampe welche aus Mangel von Delaus- 
loͤſchen muß. Die andere llrſache daß die Waaren verfchleudert wer: 
den/ iſt der Hochmuth / daß ein folder Kauffmann dadurch vor andern 
als einerder groffe Dinge thut/ und viel umſetzet / will angefehen feyn/ 
ed mag hernach a Conto tourniren wie es immermehr wolle / manch⸗ 
mahl geſchiehet es auch) ſonderlich von groffen Capicaliften/ daß — 
aa⸗ 


1356 Wah | 


Waaren mit wenigoder gar feinen Profit,offtmahlsd auch mit Schaden 
weg Schlagen / welches ſie je doch ihrer guten Mittel halber nicht fon 
derlichdrücket/umnur anderejunge und ſchwache Anfänger dadurch 
auf einmahl nie derzuſchlagen / daß ſie einandermahl nicht wieder an» 
beiffen/ oder die Handlung continuiren können / ſondern ihnen folde 
allein überlaffen muͤſſen / weiches aber unchriftlich / und der Liebe des 
Nechſten zu wider if. 2 

So bringen aud die Commislionairen oder Fa&ors vielmahls den 
geringen Preis auf eine Baar / fonderlich auf die Manufadturen/ 

dann fie die armen Haudwercks⸗ Leute bis auf dad Blut aus 
und ihnen kaum ſo viel Gewinn aufder Arbeit gönnen / ald zu ihr und 
ber Ihrigen Unterhalt nöhtig iſt; dabey ſie daun um andern Leuten 
die Chalandife abzufpannen/ an allen Orten und Enden herun ſchrei⸗ 
ben/ und denen Committenten die Waare wohlfeiler anbieten / als ſie 
ſolche etwan vor diefem noch gehabt haben / wodurch aber —— 
Oris Handlung / ſonderlich den armen Handwercks⸗ Leuten ein groſſer 
Abbruch geſchicht / der ſich hernach fo leicht nicht wieder redre ſiren 
laͤßt / vielweniger / wie wir ſchon anderwaͤrts gemeldet / den Preis der 
Waaren ſo leicht wieder empor bringen laͤßt / als er erſtlich herunter 

ebracht worden. 

der Kaͤnntniß der Waaren / daß man wiſſe / welches die beſte und 
abgänglichfte Sorten berſelben / gehoͤret nicht allein eine lange Praxin 
und Umgang/ fondern/ wann mir erlaubt iſt / fo zu veden/ faft der Ge: 
brauch) ders. Sinnen als des Geruchs / Geſchmacks / Gehoͤr / Geſicht / 
und des Anfühlens. Den erſten / nemlich den Geruch belangend / fo 
dommen einen Kauffmann bor / angenehme / ſtarcke und wohlriechende 
Dinge / als Biſam / Ambra / Zibeht und die von ſolchen zubereitete 
Sadın/ fo gar / daß viel Waaren ſich befinden / die ob ſie bon guter 
Qualität ſeyn / auch aus dem Geruch ſich beurtheilen laſſen; alſo hat 
der Rheiniſche Wein einen ſchoͤnen und friſchen Geruch und liebliche 
Goͤhr / dadurch er gleich von andern Weinen kan unterſchieden wer: 
den. In vielenWWBaaren wird ich ihre Qualität durch den Geruch aͤuſ⸗ 
ſern / ob ſelbiger gewöhnlich oder verändert / angenehm oder ſchimm · 
ücht / rantzigtoder verfault ſey alfo map der Braſilien⸗Taback einen 
SH, wie fchöne trockene Pflaumen / der Blätter-Tabad wie 
Rarciſſen / das Korn wie einreinedund frifches Mehl haben. Die 
jenige Waaren hingegen’ weiche eines befchwerlichen ſcharffen / bit- 
tecn/ herben/ ſaur en / ſtinckend / übelriechenden Geruchs ſeyn ſollen / 
muͤſſen ſolchen auch nicht verlohren haben / oder zu einen andern dege- 
nerivetfeyn. Der Geſchmack an den Waaren iſt entweder ſcharff / 
deme unterworffen iſt der Aromatiſche beiſſende Arſenicaliſche Ge⸗ 
ſchmack / oder er iſt herb / und gehoͤren hieher der anziehende / ſaure 
(wie 


3 


Wah 357 


— — — 


(wie bey unzeitigen Fruͤchten) und alauniſche Geſchmack. Dem ſau⸗ 
ven wird zugezehlt der ſaure / leichte und armoniacaliſche. Unter den 
bittern gehoͤren die Wermuht⸗bittere / Aloetiſche / gallichte / ſaltzigte. 
Unter die herben der anziehende vitrioliſche Geſchmack. Suß begreifft 
unter ſich die fette / zuckerigte / honigte. Geſaltzen die ſeroſe ſalpe⸗ 
trichte; welchen man noch zufügen koͤnnte den unſchmackhafften Ge⸗ 
ſchmack / in welchen eine ungeſchmackte geſpuͤhret wird; ferner die 
weinichten und milchigten / wiewol der erſte / eigentlich zu reden / kein 
Geſchmack / die andern aber ſeynd nicht einfach/fondern zu ſammen ges 
ſetzt / der weinichte iſt herb / ſuͤß und angenehm / der milchichte ſuͤß / Pie 
undangenehm. Was das Gefiht anbelangt/ fo feynd die natürliche 
und durch Kunft einer Waar gegebene Farben bekannt / fo bald dies 
felbe nun von ihren ordinaiven Weg abweichen / daß fie entweder zu 
niedrig oderzu hoc) / fo zeiget ſolches gleich einen Fehler Alter’ Ver⸗ 
legenheit/ Zufall des Gewitted/ neues Anfärben/ Berfälfchen und der» 
gleichen Abnahnı in der Qualitaͤt an. Es beurtheilt auch das Geſicht 
die ſonſt gewöhnliche Gröffe / Proportion, Länge und Breite / Dicke / 
Schmäle und Fläche / ſamt den cörperlichen Inhalt. Das Gehör 
urtheilt von der Güte und Vollkommenheit einiger Manufadturen/ 
als derer von Glas Ihon und Erde / ob foldhe ohne Spalten und Ri» 
gen/ wohl ausgebrannt/ heil oder dumpffigt Flingend/ ob das ange- 
griffene beder / als Juchten / Corduan / knirſche und berfte/ und dadurch 
ein Zeichen / daß es nicht genug gearbeitet/ bon flegebe. In dem Ge⸗ 
fühl Hat man einer Waar ihre Grob⸗ und Gubtilheit/ ob ſich ſolche hart 
oder fanfit angreiffen/ übel zerreiben und in fubtile Theile bringen laſ⸗ 
fe/ zu beurtheilen ; dicht und compa&t wird genennet / was gar Feine 
Lufftloͤchlein hat ; lucker hingegen / was viel dergleichen hat. Die 
Härtigkeit widerftehet den Griff/ die Meichigkeit hingegen gibt nad). 
Die Schwere und Leichte beurtheilet ſich durchs Waͤgen und Aufhe⸗ 
ben. Die Belind-oder Schläpfferichkeit / welche leimicht iſt / hat zu 
ihren Gegentheil die Trodene und Duͤrre. Rauh heißt man / in 
welchen die Theil ungleich gelegen ſeyn / zottigte und wincklichte Flä- 
chen haben; dahingegen/ was eben und glatt auch glatte Flächen hat. 
Endlich fommen aud) in dieſe Clafs diejenige Difpofitiones , dadurch 
eine Waar verändert wird/ indem ſie entweder verbrennbar oder uns 
verbrennbar / zufammen oder nicht zuſammen wachfend ift ; item , 
wird auch betrachtet/ ob ſie fich dick oder nicht dick machen / haͤmmem / 
ziehen, fpalten/ brennen/ brechen/ zerreiben / Eneten; / gieſſen / befeuch⸗ 
ref 75 weich machen/ zufammen druͤcken / oder Feineöbon die⸗ 
en thun laſſe. 
Waaid / eine blaue Farb / waͤchſet aus einen faſt den Gaͤrſten ⸗Korn 
gleichen Saamen / welcher pon auſſen * ſchwartz⸗blaue Farb / inwen⸗ 
| Rrrr dig 


138 ___ Wa 
dig aber ein gelbes Koͤrnlein hat / und einen guten Acker erfordert / da 
es dann/ wann ed aufgewachſen / und faſt eine Geſtalt wieder Klee ge⸗ 
wennen/ dag Kraut dreymahl des Jahrs von der Wurgel abgefchnit- 
ten/ vein garden wieder etwas truden gemacht / undalödann auf 
der Mühl gemahlen und zerknirſchet wird / daß man es wie Schnet⸗ 
Ballen zuſammen druͤcken / und ſolcher geſtalt zu Marck führen kan. 
Und wird derjenige Waid / weldher am meiften mitder dunckel⸗ 
blauen Farb correfpondiret/ beffer gehalten/ und allzeit theuer als der 
fhwartgrüne verkaufft ; Ex ift aber/ fo zu Marck geführet/ noch nicht 
tüchtig/ Wollenzeuch oder Ihder damit zu färben fondern da müflen 
erftlich folche von den Bauren g kaufte Waid: Ballen aufdem Boden 
Höllig ausgetrucknet werden / alfo / daß ſie fo hart ald wie ein Gtein/ 
und nur halb fo groß bleiben / als ſie anfangs gewefen ; diefe werden 
hernach wieder mit einen bölgernen Hammern zu Keinen Stüdlein 
gefchlagen/ ferner mit Waſſer begoffen / und wann er ſich Dadurch fo 
av erhibet/ daß er einen Dampff / wie ungelöfchter Kald bon ſich gie: 
Ber und fchwerlich die Hand darinn kan erlitten werden / fo wirder 
Asdann aufeinen Hauffen geworffen / bis er dad aufgefchüttete Waſ⸗ 
fer verzehret / und —** gang trucken worden / und ſolches Begieſ⸗ 
fen und Auftrucken geſchiehet = dreyenmahlen ; dabey fich auch (wie 
Colerus , der dieſes weltlau ' in feinem Haus-Bud) befchrieben / 
meldet) zu verwundern iſt / daß der alſo zugerichtete Waid in drey⸗ 
mahlen / daß er begoſſen wor den mehr au Waſſer verzehret / als die 
Quantität des Waids an (ich felber gewefen: wann hernach ſolcher 
Waid von den Färbern in den Wind-Kübel oder Faß eingefchüttet 
wirdy fo fenndgemifle Zeiten und Stundenzu obferviven / wann ed 
Zeit feyn will, ſoichen zum Färben des Wollen⸗Zeuchs zu gebrauchen/ 
und weiler gemeiniglich wie ein friſches Bier g — und einen 
Schaum aufwirfft / welches etwas dundel-blau anzufehen / fonennen 
folches die Faͤrber Waid-Blumen / oder die Fräfftigfte Subftang von 
den Wan / welche dann auch von ihnen vor andern in Ehren und 
Wehrt gehalten wird. 
Gine andere Befchreibung des Wald-Baues / deſſen Einfammlung/ 
Zubereitung und damit getviebenen Handels / fanıt vielen fehr nügli» 
chen Anmerckungen uber diefe Waar / ſtellet uns der Frantzoͤſiſche Au- 
tbor der gründlichen Anweiſung zur Faͤrb⸗Kunſt in folgenden Wor⸗ 
ten vor Augen: Die Waide / fpricht er / kommt bon einen Saamen/fo 
man alle Jahr im Anfang des Märgen füet ; das davon aufgefchoffene 
Kraut hat viel Blätter/ den Wegreich nicht viel undhnlic); es woͤchſt 
ſonderlich in der Provinth Languedoc, indem Gebiet von Touloufe , 
$, Papoul, Mirepoix, Lavaut und Alby, und wird 4. mahl des Jahrs 
eingefanmlet/ wiewol die erſte Ciaſammlung zum öfftern beffee ih 
4 


— 


Wai J 1359 


als die andere / und dieandere beſſer als die dritte / die dritte aber beſ⸗ 
fer ais die bierdte / fo begegnet doch offtmahls das Gegentheil / nad» 
dem entweder der Frühling oder die Zeit / wann der Waid eingefamme 
let wird / feucht oder trucken iſt dadann allzugroſſe Feuchtigkeit Die 
Blätter der Waide zwar viel groͤſſer und dicker macht / hingegen auch 
dieKraͤffte derfelben um ein merdlicheö vermindert. Über obige vier 
gute Einfammlungen der Waide / wird von einigen Baueröleuten 
auch noch die fünffte undiwol gar die fechfte gehalten / welche ſie Marou- 
chin nennen es iſt aber diefe legtere wenig oder nichtö zu brauchen/ 
weil zu felbiger Zeit albereit die Sonne fehr niedrig gar / und die 
Blätter der Waide nicht vecht zeitigen/ oder ihnen die nöhtige Kräfte 
gebenkan: die fünffte aber ift noch manchmahl paflable , ſonderlich 
wann der Herbft warm und truden geweſen / wie (le dann auch nicht 
eher zu der Einfammlung fehreiten / bis die Blätter wohl zeitig wor⸗ 
den / unddadurd) einen Theilihres öhligten Saffts / weicher ihrer 
Güte ſchaden fönnte/ verlohren haben. Man läffet auch die Walde / 
nachdem ſie geſtoſſen und — worden / ein Tags. oder 10. in dent 
Stoß: Trog liegen / in welchen fo dann alle Spalten und Ritzen / ſo taͤg⸗ 
lich darinnen gemacht werden / um dadurch den Reſt der übrigen 
Seuchtigkeitvon der Waide auströpffeln zu laffen / wohl verftopffet 
werden. Nach diefem macht man Fleine Ballen/ fo man Cocs nennet/ 
daraus / und legt folche aufdie Flechten / welche über einen jeden Stoß⸗ 
Trog eben zu diefem Ende gemachet feyn/ in Schatten zu trocken / ver⸗ 
wahret hernach folche wohl in truckenen Kammern / bis ſie endlich im 
Januario, Februario oder Martio zu Pulver geftoffen werden. Hier⸗ 
auf feuchtet man es ferner mit ſtillſtehenden Waſſer an / als welches / 
wann es nur nicht unvein oder fett iſt / allezeit Hierzu vor das befte ge» 
halten wird/ ruͤhrt es hierauf 4. Monatlang/ und in ſolcher Zeit zum 
wenigften 30. oder 40. mahl um / damit es ſich nicht erwaͤrme / und das 
FRaffer überall gleich hindurch dringen koͤnne; wann ſolches gefche- 
hen / fo ift fie fertig Ballen daraus zu machen/ und zum Farben zu ges 
brauchen / wiewol es befler ware / wann man ſie etwasälter werden 
lieſſe eheman ſie brauchte ; dann was gute Waide ift / dieninmt an 
Kräften ſtets zu/ alfo daß ſie s.7. aud) wolıo. Fahr lang/ wann ſie von 
der beften Art iſt / gut verbleibet. Die Mittel/ durch welche eing gu⸗ 
te Waide kan zu wege gebracht werden/ feynd/ auffer den Wetter und 
ber Dabei fo nohtwendig hierzu erfordert werden/ und gut fehn 
muͤſſen / diefe: Daß die Erde wohl gebauet/ gejähtet/ und die Watde 
bon allent fremden Kraute wohlgereiniget werde, Die leichte Erde 
dienet gar nicht zu der Waid / diefettere und mittelmäßine Erdeiftdie 
befte/ die erſte als nemlich Die fette/ gibt eine gröflere Menge Waide / 
hingegen aber die mittelmaͤßige | viel kräfftigere und — 
ri’ ? said 





1360 Wai 


Waide / die Vermiſchung aber aller beyden trifft am beſten ein. Man 
kan feine gute Waide zu wegebringen / wann man nicht guten Saa—⸗ 
menhat: damit man aber den beſten bekomme / fo muß mar wiſſen / 
daß es zweyerley Art der Walde gibt/ derer Saamen beyde einander 
ähnlich feyn/ aber nicht die Blätter ; die gute Waide hat dichte Blät- 
ter und ohne Haare / dieböfeaber oder falfehe / fo Baftelbourg oder 
Bourda:gne auf rangöfifc genannt wird/ hathärichte Blätter / wes · 
wegen man denn/ um einen guten Saamen zu bekommen / be dacht ſeyn 
muß / daß / wann man das bofe Kraut heraus jähtet/ man auch zugleich 
und mit einer Arbeit die falfche Waide ausreiffe und. hinweg thue/ von 
deme / was man behalten will / damit man einen veinen Saamen be: 
komme / welcher / foer auf diefe NBeife gefammlet worden / gantz un⸗ 
verfälfcherfeyn wird. Daferne aber das Regenwaſſer machen folte/ 
daß auch die gute Waide in falfche umſchluge / gleich wie das Korn in 
Unkraut / alfo muß man / indem man das böfeoder fremde Kraut von 
der Waide i che folche eingeſamnilet wird) abfondert/ zugleich auch die 
böfe oder falfche Waide ausreiflen/ ald welche das Weſen und Krafft 
der guten hinweg friffet / und (ich auf ihren haarichten Blättern mit 
Erden anfuͤllet / welches der Büte in der rechten Waide hoͤchſtſchaͤdlich 
iſt. Man muß auch wohl Acht haben / daß man die Waide nicht mit 
dem Thau einſammle / oder einige fremde Kraͤuter unter ihren Blaͤt⸗ 
tern mitnehme / weil ihr dergleichen hoͤchſtſchaͤdlich und zu wider iſt / 
und die fremden Blätter feine Farbe geben / fondern bielmehr das 
Weſen und die Krafft der guten Waide um ein zimliches hinweg fref- 
ſen und verzehren. Und ob wol die 3. erften Einfanmlungen msge⸗ 
mein die beften ſeyn / und auch die Waide / ſo von diefen 3. Einſamm⸗ 
lungen zuſammen gemiſchet wird / jederzeit vor die beſte gehalten wor» 
den /ſo iſt doch nichts deſtoweniger noͤhtig / daß man denjenigen / welche 
ſolche bielmahl einſammlen / vergoͤnne / daß ſie alle ihre 4. Einſammlun · 
en mögen zuſammen miſchen / aus Urſachen / weil ſie die vierte Ein⸗ 
ſammlung alleine nicht wohl würden bereiten können / indem ſie nicht 
Waide genug haben würden / um einen abfonderlihen Gtoß-Irog 
damit anzufüllen/ und derfelben genugfame Hitezugeben. Diejeni- 
en aber/ die ſolche (wann ihnen das Wetter darzu dienet) des Jahrs 
uͤnffmahl einſammlen / follen dahin bedacht feyn/ daß ſie einen abfon- 
derlichen Stoßtrog zu der vierdten und fünfften Einfammlung fertig 
haben / welche fo danıt ald geringe Waide zu verkauften / und nicht zu= 
zulaffen ift / daß folche unter die Ballen der Waide / fo man von den;. 
erften Einfammlungen — vermiſchet werde / damit ſolche der 
Faͤrber feinen Gutduͤncken nach entweder abſonderlich / oder zuſam⸗ 
men gebrauchen koͤnne / und alſo im Einkauffen nicht damit betrogen 
werde; was aber die ſechſte Einſammlung betrifft/fo muß ſolche Cie 
fi 


Wai 1261 


lid verboten werden / in Anfehung felbige Waide der andern hoͤchſt⸗ 
ſchaͤdlich ſeyn würde. Aldieweilaber der gar fchlechte Vertrieb die 
eintzige Urfache geweſen / wodurch die Zielung der Waide gank ab» 
kommen und eingegangen ifl/ und dahero die Leute der obernannten 
Derter ihre Erdezu der groben Hirſen und dem Tabak angewandt 
haben; auch alfo dieſe zwey Pflangen/ fo groſſe Stengeln haben / und 
groben Saamenund Blätter tragen/ den beften Safft und Krafft der 
Erden fo gar ausgeſchoͤpfft haben; als ift felbige heut zu Tage zu 
ſchwach / der Waide ihre behörlicheund nöhtige Kräffte zu geben / damit 
ſelbige jo Farb⸗reich werde / als wie ſie vor dieſem zu feyn pflegte / da 
die Erde ihres Saffts durch vorgedachte z. Pflantzen noch nicht berau- 
bet war ; welches man dann gar eigentlich am Getraide / fo fie hervor 
bringet/ abnehmen kan / indem ſolches gar duͤnne und mager iſt / fo hin⸗ 
gegen von der Waide nicht geſchiehet / durch derer guten Zielung die 
Erde / allwo ſelbe gebauet worden / allzeit viel fruchtbarer wird / alſo 
daß deswegen auch die Erde um Languedoc vor die fruchtbarſte uud 
undbefte inder Welt gehalten worden. Daß aber hentiges Tags 
Die Waide von fo geringen Kräfften befunden wird / kommet her J 
lich von deren Mangel der Zielung und nachlaͤßigen Bereitung derſel⸗ 
bigen; zumandern / daß man Die Blätter der falfchen und anderer 
Kräuter von felbiger nicht fleißig genugabfondert: drittens / weiln 
mangangunbedachtfaner weife und ohne Unterfcheid die erften Ein⸗ 
ſammlungen mit den legtern zufanımen mifchet; viertens / weilman 
Die Waide in eine Erde / foborher Hirfenund Tabad getragen hat/ 
ſaͤet; fünfftend / weiln der Waide (ſo ein jeder nad) feiner eigenen 
Phantafey bereitet) gar wenig gemacht wird/ und die Stampffen der» 
felben/ um die Hitze zu faſſen und zu erhalten, gar zu klein ift/ dadurch 
dann die Waide erkältet und austrucknet / und alfo viel ihrer Kräfften 
verlieret; fechftens/ weil manaus Mangel der groffen Mühlen oder 
Stoß⸗Troͤgen unterlaffen hat Die Proben zu machen / dadurch man 
ihre Güte oder Beringigfeit erkennen koͤnne. 
Auſſer denen jegt- gedachten Mängeln befindet ſich auch noch dieſer / daß 
Die Faͤrber / wann fie vor einen Kauffmann die Waide probiren follen/ 
demſelben gar felten die Wahrheit gefagt/ wie tie ſolche befunden / das 
durch aber hernach der Kauffmann in den Einkauf hintergangen / 
und der Landmann / welcher die Waide zu verkauffen gehabt/ in feiner 
Bosheit / ſolche zu verfälfchen/ geſtaͤrcket worden/ weil er mit denigire 
bern/ ald diegerne den Waid-Handel mit Ausfchlieflung der Kauff- 
Leute vor ich allein haben wollten/unter dev Dede gelegen / und fchon 
gemuft/ das ſie feinen Waid / wie fchlecht er auch an fich felbften waͤre / 
nicht verruffen würden/ da er ſie doch hernachmahls / wann ſie folchen 
den Kauffleuten wieder abkauffen a / fo fpottlich darauf geboten/ 
zrrr3 daß 





zß3 Waii — 
daß ſie groſſen Verluſt bey ſolcher Handlung befunden haben. Die⸗ 
ſem Unheil nun abzuhelffen / wäre wol nöhtig/ daß an denen Orten / mo 
der Waid gezielet wird / eine rechte Schau-oder Waid-Rammer auf- 
gerichtet wuͤrde / in welcher einige des Waids-verfländige Land-und 
Kauffleute/ auch etwan ein paar deputirte Schönfärber ſihen / und den 
von den Baurenzu Marctegebrachten Waid ſchaͤten und probiren / 
auch ein gewiſſes Zeichen fegen Eönnten/ mit welchen ein je dwe der Bal- 
len Waide / nad) Yrt feiner Einſammlung und Qualttät des Guts mũ⸗ 
fie bezeichnet werden. Eben diefed Collegium müfte auch in denen 
Aemtern auf den Lande ihre Untervöigte und Auffeheröhaben/ welche 
don einer jeden Cinfammlung der Waide/ ald auch von derjenigen/ fo 
in allen denfelbigen Dorfffchafften zu Pulver gemacht und vertauffet 
wird/ ein Regifter halten / und ſolches denen Herren des Waid-Col- 
legii jedes Yahı zu Anfang des Decembris vorzeigen müften. 
Serner wäre ed auch nöhtig/ daß fo wol die eigenthumliche Herren des 
Waids / ald auch die Müller ein richtiges Regiſter hielten / von der 
Anzahl der Waide-Ballen / foein jedweder bekommt aus den Blaͤt⸗ 
tern / welche in ihrer Mühle gemahlen worden/ und zwar von einer je⸗ 
den Einſammlung abfonderlih. Gleiches muften auch die ge ſchwor⸗ 
nie Färber thun/ und ein Regiſter halten von allen Proben der Waide/ 
welche ſowol ſie / ald aud) die andern Färber gemacht ; in welchen Re⸗ 
gifter auch fönnte verzeichnet werden/ der Tag / des Monats / waun fie 
die Waide empfangen / went die Waide zugehöret / und bon was 
vor Eigenfchafft oder Güte ſie diefelbeim Probiven befunden. 
Mann aud) Vie Waag · Meiſters und Waide⸗Packers uber die Waide / 
welche ihnen zu packen und abzuwaͤgen unter Händen gekommen / ein 
ordentliches Regiſter hielten / und in folchen den Zag/ des Monats / 
und den Rahmen des Käufers und Verkaͤuffers / auch von was für&i- 
genfchafften dev Ballen Waide gewefen/ item was für Zeichen ein jed⸗ 
weder Ballen gehabt/ und an was Ort derfelbe eingepacket und gewo⸗ 
gen worden/ fleißig notirten/ und denen Deputirten zur Waid · Kam⸗ 
mer jährlich überveichten/ würde ſolches ebenfalls den Waid-Handel 
um ein groffed verbeſſern. Da allernöhtigfte aber würde das ſehr 
eſchaͤrffte und zu jedermanns Nachricht publisirte Verbot von Ein⸗ 
Fihrung oder Gebrauch des Indigo feyn / und daß aufs hoͤchſte s. Pf. 
Indigo aufeinen Ballen Waid zu gebrauchen / nur folte zugelaflen 
ſenn. Indeſſen mufte man auch auf dem Lande felbft den Bauren 
auferlegen/ wo es des Orts Gelegenheit zulieffe/ jährlich ein gewiſſes 
anWaıdezu pflangen/ auf welche Weiſe ein groſſes Geld könnte in dem 
Lande behalten werden/ welches bi anhero vor dem ausländifchen In- 
digo hat muͤſſen bezahlet werden, 
Waid⸗Aſche / Cinısinfedtorius, alumen Catinum, ift eine calci- 
nirte 


1 


| Mal 1363 
nirte Weinhaͤfen / welche (ich die Waid⸗Faͤrber fehr bedienen ; Sie 
Fömmt aus Franckreich / muß in fhönen groffen Stüden und friſch 
— ſey / eine gruͤnlicht weiſſe Farb / und einen ſaltzig bittern Ge⸗ 

chmack haben / wann ſie vor gut pasſiren ſoll. Sie muß ferner aus 
Weinhefe zubereitet / und nicht von den Bier⸗Eßig⸗Machern gekaufft 
worden ſeyn. Ihren Gebrauch betreffend / ſo iſt fie zu den Waid⸗Kuͤpen / 
Die Lauge damit zu bereiten / ſehr noͤhtig, man ſchaͤrffet auch den In- 
digo damit / weil fie die Farbe anfällig machet / und für Flecken be» 
spahret. Siewird auch zuder grünen Seiffe gebraucht / in der Me- 
dicin aber wenig geſucht. Vide Pottaſche. 

Walchtreſpe / Walchwaitzen / Durt / Lolch / Lulch / Æra lo · 
lium Zizania. 

Wald oder Walch⸗Muͤhl / werden hin und wieder bey Han⸗ 
deld-und Manufadtur- Städten angeleget/ um das Wollen⸗ Zeuch dar» 
auf zu walcken. 

Wald⸗Bart / Barba Sylvatica, Plantago agvatica Drymopogon. 

— Bintzen / Juncus Sylvaticus. — 

— Blume / Engel⸗Kraut / Lucians ⸗Kraut / Langenkraut / 
ıim3, 

Wald⸗ Buchsbaum / Chamæepyxos. 

Cypreſſen / Chamæcypariſſus. 
Diſtel / Stechapffel / Stechbaum / Agrifolium, aquifolium. 
Doſten / Waſſerdoſten / Hirtzklee / Eupatorium Avicennæ. 
Schern / Maßholder / Teutſcher Ahorn / acer. 
Eſel / Onager. 
Fahren / Filix,Ofmundula. 
Fenchel / Fœniculum erraticum vel Sylveſtre. 
Fuͤnff Fingerkraut / Qvingvefolium Sylvaticamg, 
Geißbart / oder Geißblatt / Barba Caprina, Ulmaria. 
Gloͤcklein / Digitalis. 
Gras / GramenSylvaticum- | 
Hirſchen / Milium Sylvaticum. Ä 
Hoff / Teuffels⸗Flug / Johannis⸗Ktaut / Hypericum. 
Holder oder hollunder / Sambucuscervina montana & 
Sylveftris, 
Wald⸗Iſop / Aurina alba, gratiola, 
— Rirſchen / ſchwartze Ceraſa actia, Ceraſa nigra Sylveſtria, 
— Bnoblaud / Beeron⸗Knoblauch / Ramſern / Allium ur- 
mum. 
Wald⸗RKoͤhl / Waldmanngold / Beta Sylveſtris, Pyrola, Confo- 
lida pyrifolia, | 

Wald⸗Korn ⸗Blum / Cyanus montanus. 

Rrrr 4 Wald⸗ 


—D——— 





364 — Wal 
Wald-raut / Farn⸗Kraut / Filix. 
— Lattich / Lactuea Sylvatica. 
— Leber⸗Kraut / Waldmaͤnnlein / Waldmeiſter / Empati- 

ca ſtellata. 

Wald⸗Lilien / Caprifolium, lilium Caprinum. 

— Nachtſchatten / Solanum majus, feu Bacca nigra Ceraſi 
fimilis, | 

Wald⸗Neſſel /Urtica qvinta Herculea. 

Ochſen⸗Zung groß/ Lycopſis. 

Dito klein Cirſion, Circion minus. 

Poley / Pulegium montanum, Clinopodium. 

Reben oder Leinen / ClematisDiofcor.;, 

Rapuntzel / Rapunculus nemoroſus. 

Rohr / Juncus Sylveſtris. 

Roßſchwantz / Weldfhaffeenden/Egvifetum fylvaticum, 

Ruͤben / Erd⸗Aepffel / Erdſcheiben / Saͤu⸗Brodt / Artha- 

nita, Cyelamen Malum terræ, Panis porcinus. 

Wald Seven⸗Baum /SabinaSylveftris. 
* Stroh / Waldweg⸗ Stroh / Leb · Kraut⸗Meger⸗Kraut⸗ 

Gallium, | 

Waldwinde / Zaun⸗Lilien / Geißblat / Caprifolium. 
— Wolffs-Milch / Tithymalus ſylvatica ſeu ſylvana. 
Waldenſer Thora /ThoraValdenfis, 
Wallen ⸗Diſtel / Bracken / oder Raden⸗Diſtel / Eryngium & 

Iringium. | 
Wallfiſch / Balena,Cete & Cetus,biefer ungehaͤure Fiſch wird meh: 

rentheild unter Brönland/ bey Nova Zemla und den Spigbergen ge: 

fangen/ wofelbft Hin die Hollaͤndiſche / Engelaͤndiſche / Franhoͤſiſche und 

HamburgiſcheSchiffe des Sommers über (ich begeben/ und den Wall⸗ 

fifch- Fang obliegen/ auch theils Schiffer die glücklich auf folden Fang 

ſeyn / ſo wohl daben fahren/ daß ſie offt mit i. 2. 3. bis 10. 12. und mehr 

Fiſchen zu Haus kommen / welches dann die gethaneAusrüſtung nicht 

allein wohl bezahlet / fondern auch noch ein ehrliches Capital zum Ge: 

winn uͤberlaͤſt / in Anſehung dag ein einiger Wallfiſch capable iſt / alle 
gethane Unkoſten zu erſetzen / zu geſchweigen was dann die Musreber 
eines ſolchen Schiffes / welches das Fett don 10. und mehr Fifchen 
mit nah) Haus bringet / vor Rutzen haben müffen / der Waufid: 
ang. an ſich ſelbſt wird folgender geſtalt verrichtet : fo bald Die in der 

Nord⸗GSee an obbemeldten Srönländifhen Küften angekommene 

Schiffe vermercken / daß ein Fiſch ich ohnfern von einen derfelben 

Schiffe fehen laͤſt / welches fie gleich (aus den Schäumen und Braufen 

des Waſſers / und aus den Fiſch felbft/der feinen Schwang und Rüden 

über 





BEBEEEE 


nn — — = 


Mat Waf 1365 


über dad Waſſer heraus raget / item aus feinen beyben Naß⸗Löchern 
biel Waſſers von fich fpeyet) verfpüren Eönnen / fofallen die zu feinen 
Fang deftinirte in eine bey ven Schiffliegeude Chaloupe rudern mit 
folcher auf den Wallfiſch zu / und warn fie ihm nun zimlich nachgekom⸗ 
men / ſo wirfft der vorn inder Chaloupe ſtehende Harpunier einen fo 
genannten Harponen/das ift wieder hadigten Wurff⸗Pfeil / der Beſtia 
in den Leib / welcher Pfeil gleich eine fo tieffe Munde verurfachet / daß 
das ganze Waſſer von dem daraus flieflenden Blut gefärbet wird/ man 
ſich nun hierauf der alfo berwundete Wallfiſch in die Tieffe und auf die 
Flucht mit feinen im Leib ſteckenden Pfeil begiebet / fo folger ihm die 
Chaloupe immer nady/weil nemlid) dieHarpone mit einen langen Seil 
in der Chaloupe feft gemachet ift/ und ſie alfo der Spur nicht verfehlen 
koͤnnen / bis endlich das Thier von fo vielen Blut Bergieffen ganz ermü⸗ 
det un machtloß / bey abnehmenden Kraͤfften oben auf dem Waſſer treibt 
und endlich ſtirbt / da es dann völlig an das Schiff gezogen / und fein 
Fett oder Speck abgeſchnitten / und inäffer fo manQvartcelen nennet 
gepacket / aus ſolchen Speck aber bey der Zuhauskunfft der Thran oder 
das Fiſch⸗Schmaltz gekochet wird. 
Wallnuß / Nux juglans ſeu Regia. 
Wallraun / Wallſtaͤtt / Wallroth / Sperma Ceti. 
Wallſtein / Beinbruch / Bruchſtein / Beinwell / Sandſtein 
Oſtiocolla. 
Wallſtroh Gallium. 
Wallwurtz / Schwartzwurtz / Beinwellen / Schmeerwurtz 
Symphytum. 
Wandkraut / Tag und Nacht oder St Peterskraut Parietaria. 
— LKaus Cimex, Cimices, Ledtularii, 
— CKauskraut / Spatula foetida, Xyris. 
Mannenmwehr/ ein Bogel/ Cenchrus, Tinnuneulus, 
Wantzendill / WBandläus/Colisnder/Coriander Coriandrum, 
— Kraut / Yonig:Blum/ Citronen⸗Kraut Meliffa, 
Wardein / ein geſchworner Müng-Probirer/ der den Behalteiner 
Mung oder Erged erforfhen muß / und daber kommt Wardiven/den 
Wehrt nach ſchaͤhen. 
Wartzʒenkraut / Heliotropium, Solfegvium, Verrucaria. 
— Wegwarten / Wartzen⸗Hindlaͤufften / Cichorium verru- 
carıum. 
Waſſer⸗Ampffer Rumex Agvaticus, 2 
— Angelic Angelica minor agvatica. 
—  Yepr/ Eppich / Morellen Apium paluflre, 
— Baſilien Ocimum agvaticum, Herba lactis. 
— Bathengel / Chamaͤnderlein oder Knoblauch Scordium, 
| Rrrr Waſſer⸗ 





— 


Waſ 


— — — — — 


Waſſer⸗Benedicten / Caryophyllata agvatica, 


FRERLLITIEERLEL ER I 


luftre, 


Bethonien Berhonica agvatica, 

Bintʒen Juncus agvaticus feu paluftris. 

Bung / Bauchheil Anagallisaqvatica, Sium aqvaticum, 
Deumenthen Mentha aqvatica, Sifymbrium, 

Doften/ Walddoſten / Hirtzklee Eupatorium Avitennz. 
$Eybifch Althea paluftris, Bifmalva, ibifcus, 

Senchel/ Waſſergarb Faeniculum & Millefolium aqvatic, 
$ilipendel Filipendula paluftris, Saxifraga aqvatica, | 
Sönfffinger-Araut Qvingvefolium paluftreız, 
GallCataputia minor. 

BamänderleinScordium noflt. | 
Zanenfuß oder Ept / Apius rifus, Scardonia herba, 
Hanenfuß Ranunculus agvaticus. 

Hederich Rapifisum agvaticum, 

AelmEraut Millefolium aqvaticum galericulatum. 

Kieß / Marcaſich oder Wißmuth Marcafıta argentca, 
Anoblauch/Alliumurfinum & Scordium noftr, 
Kolben/Typhaagvatica feu minor vel Typhula, 

Keeffen/ Nafturtiumagqvaticum , Cardaminc, 

Cavendel Lavendulaalba, 

S.rberblämlein Ranunculus fluviatilis,Polyanthemum pa: 


Waſſer⸗Lilien / Waſſer⸗Meichen / Waffer-Mahen Nym- 
phz parvaalba, 

Woffer-Kinfen Lens paluftris, Lenticularis, 

— Wärgen/ Bungen/ GauchheilAnagallisaqvatica, 


MERRESBLENDEND 


Marck / Morellen / Eppich Apium palußire, 

Maͤrck / Morellen Paltina aquatica, Sium anguftifol, 
Mooß Lentigo, Lens lacuſtris, muſeus paluſtris. 

Muñntʒ Mentha aqvatica, Siſymbrium, Calamintha agratica, 
Rauhten Ruta paluftris, Saxifraga aqvatica, 

Rettich Raphanusagvaticus tertius. 

Rohr Arundo paluftris, Calamus, 

Saamkraut Potamogeton, Spicata. 

Schierling Cicutaria paluflris. 

SchlangeEchidua, Hydra & Hydrus. 

Schlangenkraut Draeunculus agvatieus, feu paluftris, 
Schwertel Acorus vulgaris, Iris lutea. 
Senff Erucaagvatica, 

Spargen Afparagus paluftris. 
Sternkrau oder Wundkraut Hepatorium agvatile ver- 


\ 


bena fupina, Waſſer⸗ 


= = — en — — = ⸗ 


Waſ 1267 


Waſſer· Tannen oder Fenchel Millefolium aquaticum. 

— Veil Millefolium aquaticum alterum, & Viola aqvatilis, Su- 
percilium veneris Dioſcorid. 

Waſſer⸗widerſtoß / Ocymaſtrum, Ocymoides. 

Waſſer / die wohl riechen / und theils zur Geſundheit und Schmiuck 
dienen / ſeynd folgende die bekañteſten / als Raude la Reine d' hongrie, 
* Waſſer / von einer Koͤniginn von Ungern / welche die Com- 
polition deſſelben erfunden/ alſo genaunt / vide Eau de La Reine d 
Hongric. | 
Eau d’ange oder ee wird gemacht / wañ man zu 
1. Loth Angeliqven-Murggl/ 1. Loth Zimmet / ein halbboth Nägelein 
eben fo vielRufeaten-Blüh/Eoriander/frifchenAnis/und ein Halb Loth 
Eedern-Holk nimmt / alled zuſammen in einen Mörfer zerftöffet / in 
einer Maaß Brandtwein eine Racht weichen laͤſſet ded Morgens in 
BalneoMariz deftillirt/ und wann mand hernach brauchen will/z.oder 
s. Loth dabon mit etwas Ambraund Mufcus auf einen Pott Brandt: 
weinthut. Item nimm friſche Citronen von Genua oder ſonſt von 
der beften Art 1. oder 2.Stüd / ſchneide ſie Ina. Stuͤcken mitSchaalen 
und Kernen/ thue dieſe Stück In ohngefehr einen Pott Roſen⸗waſſer 
und einwenig Ambra dazu / ſetze ed eglihe Stunden an die Sonne zu . 
beigen/alödann thue es in ein Balneum Mariæ, lege. Bogen Loͤſch⸗ 
Papier zwifchen den Kolben und Helm / und zwifchen dieſe 2. Bögen 
Pomerangen:Blüh/ Tuberofa, oder was du fonft vor einen Geruch 
haben wilt / und deftillive edalfo über / ed wird ein Waſſer von grofler 
Krafft ſeyn. Item kim Benzoe 4. Ungen/ Stovar 2. Ungen/ gelben 
Gandel / 1.Unge Sewürg-Nägelein ꝛ. Quentin / 2.0der 3.Stüd Bio» 
len⸗wurtz / die halbe Schaale von einer Citronen / 2. Mufcaten-Nuffe/ 
. Loth Zimmet/und ohngefehr 2. Pint Roſen⸗ waſſer / thue alles in einen 
neuen irrdenen Keſſel / und laß eö einen viertel Theil einſieden / hernach 
nimm ungefehr s. Gran Biſem / mad) ihn zu Pulver mit einer Haſel⸗ 
Nuß groß Zucer / zerreib es ein wenig mit befagten Waſſer / mifche 
hierauff alles zufammen und feige ed durch / das Reliduum oder nad,s 
bleibende mug man aufheben und trocknen laflen / ein Pulver daraus 
machen/und ſich deffen zum Räuchern bedienen. 

aͤyſerlich Violen⸗waſſer wird folgender maſſen gemacht / nehmt ein 
Noͤſſel voll guten Roſenwaſſers ein halb viertel Mertzen-⸗Violen / thut 
alles in eine Glaͤſerne wohl vermachte Flaſche / darinn 2. Roͤſſel gehen / 
die Biolenmüflen aber abgeblaͤttert und das Weiſſe davon geſchnitten 
feyn/fo muß man auch deren fo viel hinein thun / als man hinein bringen 
kan / und fo lang an die Sonne fegen / bis die Blätter weiß werden/ 
hierauf durchfeigen/ und wieder ohngefehr 14. Tag oder 3. Wochen am 
die Sonne fegen/ alle Abend aber wieder wegnehmen / hierauf thut da⸗ 
zu 


1368 Waſ 


zu ein Pfund pulverifirten feinen Zucker / und (affet ihn dariun zerge⸗ 
hen/ weiter eine Untz gute zerſtoſſene Zimmet-Rinde/ diefe laft bey z4. 
Stunden darinn/ damit es alle Krafft an ſich nehme / hernach feiget es 
durch und verftopfft ed gar wohl / fo iſts fertig und fehr gut in Mutter⸗ 
Beſchwerung / Kinds-Nöthen und Colic. 
Ein gut Magen⸗ waſſer zu machen/fo nimm; Maaß Brandtwein / bei⸗ 
Ge darinn etwann 2. oder z Tagelang ein Pfund reinen Auis / alsdann 
deNillive den Brandtwein davon ab / und thue hernachmahls im denſel⸗ 
ben die Schaalen / von 10. oder 12. der beſten Pomerantzen / 2. oder; 
Loch Muſcaten⸗NRüß / ein Halb Loth Nägelein/ alles groͤblich zerſtoſſen / 
item ein Pfund Zuckerkandi / laß dieſes alles in den Brandtwein z. 
Tag weichen / alsdann wieder wie zuvor übergezogen/und waun es nicht 
fü genug / fo fan man ihn noch bey dieſen lehtern Brand fo vielZucker 
als man will zufegen. Ä | 
Eau Ciairerte zu machen / nimmt man s. Pfund zeitige Schöne Kirſchen / 
.2. Pfund gute Binde Beeren / und eben fo viel Johanned--Beeren/ zer» 
knirſcht alles zufanımen und treibets durch ein Sieb / in eine irrdene 
Schuͤſſel / hernach nehmt zu einer Maaß vieles Saflts / ein Mao 
Brandtwein / (eben viertel Pfund Zuder / s. Nägelein/ 8. Pfef⸗ 
fer Rörner/2. Blätter Mufcaten-Blühyein wenigCoriander/alles Hein 
zerftoffen / fülletö zuſammen in einen wohlvermachten Krug fchütteld 
oft herum / laſſets drey Tag ſtehen / und feyhe ed heruach durch ein 
wollen Tuch. 
Otangen-woaffer zu machen fo man friſch weg trincken kan / fo nimmt 
man auf2.Maap Waſſer / ein Biertel Pfund Orange⸗Blüh / eo. Loth Zu⸗ 
cker / laſt es 3. oder 4. Stund in einen irrdenen Gefäß ſtehen / und ſiebt 
oder ſeyhet es hernach durch / fo iſt es trinckbar / gleicher geſtalt Fan 
mans mit andern Blumen als Violen / Jon qvillen , Jasmin und der» 
gleichen auch machen⸗ u 
Zu Erdbeerenswaffer/ nim̃t nian zu einen Maaß Waſſer / einPfund 
Erdbeern / die man in den Waſſer zerknirſcht / hernach ein viertel Pfund 
Zucker und den Safft von einer Citron / wann es einige Stund geſtan⸗ 
den / fo ſeyhet mans durch / und gibts zu trincken / gleicher geſtalt macht 
man das Johannisbeeren / Hindbeeren / und andere Waſſer. 
Coriander⸗ waſſer zu machen / nimmt man auf ein Maaß ſie dend Waſ⸗ 
fer fo ſchon etwas laulicht / Loth Coriander / laͤſt es darinn weichen / und 
Faltsverden/ und thut hernach ein viertel pfundZucker darzu. 
Zorbee de Levant wird genannt/ wann man alle obige Waſſer doppelt 
ſtarck von Blumen oder Früchten und Zucker macht / auch ein wenig 
Mufcus und Ambra dazu thut. Man Fan auch alle diefe Waſſer Eiß 
kalt machen / warn man zerftoffen Eiß herum legt/ und foldes falget / 
es gehöret aber Vorſichtigkeit dazu/ daß das gefalgne Eiß / ſouderlich 
watn 


MWaf . 1369 
wann es fchmelget nicht in Die Gefäß läuffe/ da die Ligvors eingegoffen 
feynd/ alfo kan man auch in Sommer allerhand mit Eiß überzogene 
Früchte und Blumen prefentiven. | 
Verdea-waffer zu machen/nimm ein halb’ PfundZucher/und ein wenig 
Gandel/ Wein und Wafler jedes eine Maaß / das Waſſer fege in einer 
Pfanne übers Feur / undthueden Zucer darein/ und laß ed eine gute 
halbe Stund mit einander ſieden / unter deſſen mache den Eyer · Schaum / 
fchlage nemlich 2. Eyer in eine Schuͤſſel voll Waſſer / ſchaͤume esüber 
einen HolgFeur/thue/wann ſolches geſchehen maͤhiglich in das fieden> 
de Wulfer/Sandel-Pulver/ und gieß diefes Waſſers alfobald in den 
Wein / darinn zwey Flaſchen halbirt bey der Hand flehen mup /her⸗ 
nad) filtrive ed wohl und festes in einen Keller / es kan ſich lang halten. 
Zu Limonade oder Citronenwaſſer / nimm die Schaalen von 3. fri⸗ 
ſchen Citronen fchäle ſie klein / laß ʒ. Maaß friſch Waſſer Eochen/thue ein» 
wenig Zucker darein / wann das Waſſer ſiedend heiß kochet ſo thue die 
Citronen⸗Schaalen hinein / decke es wohl zu / laß es uͤber Nacht imKeller 
ſtehen / will man es ſaͤurlich haben / laͤſt man etzliche Tropffen Vitrioli 
oder Salis Spiritus hinein fallen / man nimmt auch ſonſten den Safft von 
Citronen / es wird aber das Waſſer trüb davon. 

Ein abfühlender Julep im Sommer wird gemacht / wann man nimmt 
Violen⸗Syrup 4.Loth / gieft ihn in ein halb Maaß frifh Brunnenwaf> 
fer/mengt ed wohl untereinander/thut alsdann egliheTropffenSpiritus 
Vitrioli und den Safft von einer frifchen Eitvonen hinein / und fchüttet 
alles wohl untereinander. | 
Sorbett j machen/fo nimm von 2.Eyern das Weiſſe / von zwo Citronen 
den Safft / zwey Pfund Zucker / ein halb Maaß Brunnenwaſſer / ein halb 
Qventin Mufcus, [aß alles eine kleine Weil bey gelinden Feuer kochen / 
Dann nimm es ab/ und gieß fo viel Brunnenwafler dazu / daß 2.Maap 
Boll werden /und laß es dann durch ein Tuch Lauffen. 
Aller Blumen⸗Waſſer wird folgender geftalt gemacht / nehmet Kuͤh⸗ 
Miſt drey Hand voll / Blumen von Scabioſen⸗Kraut / von Lungen⸗ 
Kraut / von Ehren⸗Preiß jedes eine Hand voll / Wegreich / Geißbart / 
Taͤſchel⸗Kraut / Bibernelle / Ochfen:-Zung/ Fenchel / jedes eine Hand 
voll / item zwey zerknirſchte Bach⸗Krebs / deflillivet alles zuſammen 
in Balneo Mariæ, die Doſis iſt alle Morgen 4. Untzen. 
Saurbrunnen⸗waſſer zu machen / nimmt man auserleſenes Anti- 
monium und Vitriol , item des beiten Schweffels jedes ein Pfand / 
treibt es durch eine Retorte in eine Borlag darinnen ein Theil Waſſers 
vorgefchlagen iſt / trägt die Materiam allgemählig nad) und nad) hin» 
ein und verſtopfft Die Röhre alfo fort/ alddann nimmt man was über» 
gegangen iſt ſammt den Wafler / welches mit denen Spiritibus im- 
pregnitet ift/ausder Vorlage heraus / und ziehet in Balneo Mariæ die 
Phle- 





Bf Wehßh— — 

vhlegma dabon ab / die Doſis iſt ein Scrupel bis zu einen halben Qwen· 
tin / in reineu Brunnen⸗waſſer oder FleiſchBruͤh. Item, fülle einen 
Schwalbacher Krug mit Brunnenwaſſer / thue darein eine glüende 
Gtahl-Stange / die aber nicht ſo lang als der Krug tieff ift / wann fie 
nun abgekühlt fo nimm die Stang heraus / und fege den Krug wohl 
vermacht im Keller/fo wird das Waffer fäurlich wie ein Saur-Brun- 
nen werben. 

Waſſer⸗Waage / ift ein Inſtrument fo mangebrauchet die Waſ⸗ 
fer: Zölle zu erforfchen/mwie vielnemlic) an einen Ort das Waſſer höher 
oder tieffer liege ald an den andern / um dadurch zu erfahren ob man 
ed aufſchuͤtzen / und Mühlen oder Waſſer⸗Kunſt damit treiben koͤnne / 
item ob ein Boden / auf welchen etwa ein Gebaͤu oder Garten ſoll an⸗ 
geleget werden / recht gleich ſey oder einen Abhang habe. Dbnunmoht 
Die Mthematici bisanhero biel Muͤhe angewandt / ein ſolches Inſtru⸗ 
ment zu erfinden / welches gan accarat,und zugleich zu feinen Endzweck 
beqvem genug wäre / fo haben ſie doch damit nit böllig zum Zweck 
kommen konnen. 

Mebers/ Textores Franhoͤſiſch Tifferants feynd entweder Mol: 
len / Seiden :Leinen:oder auch ſolche Weber die Seide und Wolle / 
oder Wollen und Leinen⸗Garn / item Cameel⸗Haar / Gold:und Sil⸗ 
ber-Drat/ und dergleichen untereinander mengen / und alfo einen ver- 

miſchten Stoffherausbringen. Von der dielerleyArt des gemebeten 
Wollen⸗Zeugs werden ſie Tuch / Zeuch / Raſch-⸗ und Strümpff: webers 
genannt. Die in Seide arbeiten / heiffenSammit-weber/ Pofementi- 
ver oder Bortenwircker / Seidene Stoffen⸗weber und dergleichen / end⸗ 
lich ſeynd auch die Leinenweber / welche wegen vielen Gebrauch desLein⸗ 
wands die meiſten / und nicht fo wohl in den Staͤdten / als hin und wie⸗ 
der auf den Doͤrffern in groſſer Anzahl zu finden / ſonderlich aber in 
Schleſien / Schwaben und Weſtphalen / da ſehr bvielbeinwand aufden 
Kauff⸗ und in auswaͤrtige Länder zu berſenden / gemachet wird. Vor⸗ 
bemeldtes Schleſien / wie auch Sachſen und Thüringen / ſammt der 
Marck-⸗Brandenburg / prangen zwar ſehr mit ihrer Tuchmacherey / 
am meiſten aber Holland und Engeland / als welche faſt gautz Euroya 
mit ihren feinen Tuͤchern verſehen. In Hamburg hat es vielSanımet- 
weber. In Itallen floriret das Tafft und Atlasweben. Eben dafelbft/ 
sie auch in Franckreich und Holland das Seidene Stoffen⸗ weben / und 
was muß Oſt⸗Indien nicht wohl vor biele Weber⸗Stuͤhle haben / weil 
ſolches uns Jaͤhrlich fo Bielıooo. Gtüd Coton, Atlas, und andere 
Geidene Stoffen / bey gangen Schiffs-Ladungen voll heraus ſchicket. 
Die MWürdigkeit der Weber⸗Kunſt und Zunfft ift an etlichen Orten fo 
groß / daß ſie auch mit in den Rath gezogen/ und als fonderbahre noth⸗ 
| men: 





Web 1371 


vendige Blieder in der Republic angefehen werden. Wie und deflen 
in Zeugnis feyn kan / die Barchent-weber-Zunfft in Augſpurg / und die 
-uchmader-Zunfft an ſolchen Qrten deren ihr Wohlfenn / Nahrung 
ndAuffnehmen auf dergleichen Webereyen beftehen. Wann aber eini- 
elBebers / fonderlich die mit Leinen umgehen/in Verdacht offtmahls 
ider ihr Berfchulden ftehen / als ob ſie nicht allzu auffrichtig mit den 
zarn / ſo ihnen zu verweben gebracht wird / umgingen/ als * def» 
ills / fonderlih uber das Leinenweben gange kleine Traktaten in 
ind gekommen / wie mar ſich vor den Betrug der Weber wohl bor⸗ 
hen / und das Garn genau ausrechnen koͤnne / ob es alled zu den begeht» 
en Stück Leinwand gekommen oder nicht. Was die Tuchmacher in 
"eutfchland anbetrifft / hat es damit Fein fo groſſesBemühen / indem 
ieſelbe meiſtentheils die Wolle von den Kauffleuten / Edelleuten / Pen- 
onariis oder Schaͤffern kauffen / und hernach ihre daraus gemachte 
Tücher denen Kauffleuten wieder verhandeln / welche ſchon wiſſen / wie 
iel an Materia und Arbeits⸗Lohn ein dergleichen Tuch werth ſey / hin⸗ 
egen iſt es nicht alſo mit der Seidenweberey / als in welcher die Sei⸗ 
en-Stoffenwebers viel —— wann ſie nicht ehrlich Handeln wol⸗ 
en/ausüben können / wie wir folches in unfern NeueräffnetenManufa- 
turen⸗Haus / und auch zum Theil in diefen Werd / unter dem Wort 
Zetde vorgeftellet. Eines curieufen Weber⸗Stuͤhls gedendetD. Ber 
er in feiner Raͤrriſchen Weißheit auf welchen 2.’Perfonen in einen Tag 
oo. Ellen Tuch follen weben koͤnnen / feineFacon fol bald ſeyn / wie der 
Zarlemiſchen Seiden⸗Band Mühlen/ jedoch mit diefen Unterſcheid / 
aß dieſer Tuch ⸗Web⸗Stuhl / fo breit Packen webet ald man will/ und 
och darzu viel gleicher ald mit Händen gefchehen kan / beſagter Auchor 


uͤhmet ſich aud) ein Hölgern Inſtrument zum Strümpff-Striden er⸗ 


unden zu haben / welches nicht mehr als zo. Reichsthaler zu verfertigen 
und auf welchen alle Tag ein paar Struͤmpff kan gemachet 
yerden. 

Meber-Diftel/Acanthium. | 

Weber⸗Carten / Diſtel / Dipſacus Sativus, labrumVeneris, 

Wechſeln / Cambiare, Changer, dahero Wechſel⸗Brieff Literæ 
ambiales, lettres de Changes lettere, di Cambio, iſt ein nothwendi⸗ 
eöRegvifitum bey der Kauffmannſchafft ohne welche die ſelbe in fremde 
änder nicht würde können getrieben werden / die Erfinder deſſelben / 
ollen die Jtaliäner / vornemlich aber einige von der Gibellinifapen 
action gemwefen feyn / diefe als (fe von den Guelphen aus Franck⸗ 
eich vertrieben worden / gebrauchten ſich dieſes Mittels der Wech⸗ 
el⸗Brieſfe / um ihre in Italien hinterlaffene Gelder / durch ſolch An- 
nd sy deftofüglicher heraus/ und nah Holland zu 
tehen/wofelbft tie lich wohnhafftig niedergelaffen hatten/ wie nun d.efe 


Inven- 





1372 ec 


Invention der Handlung fehr vorträglic / ja gleihfam ihr wahres 
Element / aus welchen ie Geiſt und Leben empfangen müfte/zu feyn be⸗ 
funden worden/ als wurde endlich das Wechſeln / und Geld Durch Bed) 
fel uberzumachen oder einzuziehen/ allenthalben eingeführet/ und ges 
wißlich / was Fan wohl beqveniers feyn/als da ich InYamburg wohnen: 
de / Geld vor meine Rechnung in Paris ftehend hätte/fo ich gern heraus 
haben / einanderer meiner Mittbürger aber / gern dahin Geld über» 
macht haben / und folches zu dieſen Ende in Hamburg abgeben mwolte/ 
wuͤrde und auf folchen Fall nicht allen beyden geholffen ſeyn? Ihme / 
daß er ſein Geld bloß durch einen klenen Zettel in Paris bekaͤme / ich / daß 
ich ſolcher geftalt/ mein in Paris ſtehendes Geld ebenfalls in Hamburg 
in meine Callam einzöge/ohne daß es mir. oder ihtr/einigelinkoften oder 
Ritigo (welche beyderſeits zu beforgen gemwefen wären / wann er die 
Geinige baar hätte müffen uͤberſchicken / oder ich die Meinige baar 
heraus kommen laffen) verurfachen kan. Es geſchiehet aber ein fol- 
ches Mechfeln oder Cambio Reale über Land unter vier Perfonen / des 
ven zwey / in denDrt wo der Ibechfel-Brieff ausgegeben wird / gegen» 
mwärtig/2. andere aber an dem Ort wo ſolcher Miechfel bezahlt werden 
foll wohnen/der nun den Wechſel⸗Brieff gibt/wird Traſſent, Trahens, 
Trecker / Zieher oder Nehmer / der andere aber der den Wechſel em: 
pfängt/und an ſich Faufft Remittene,Ubermacher/oder@eber/ der drite 
te/ der ſolchen an den fremden Ort bezahlen foll Acceptant, und der/ an 
dem er bezahlet werden foll Porteur, — oder Præſentant ge⸗ 
nennet / zum Exempel / Titius in Hamburg hätte unter Cajo ın 
Paris 1000, Reichsthaler ſtehend / Mevius hingegen in Hamburg 
wäre dem Sempronio in Paris 1000. Reichsthaler zu bezahlen ſchul⸗ 
dig / ſo wuͤrde er / Mevius, dem Titium anſprechen / daß er ihm einen 
Wechſel⸗Zettel auf Cajum geben follte/ damit er Mevius, ſolchen Wech⸗ 
ſel⸗Brieff / dem Sempronio zu fenden/und folder aufBorzeigung deſ⸗ 
felben von Cajo die 1000. Reichsthaler bekommen könte / vor ſolchen 
Wechſel⸗Zettel gibt nun Mevius dem Titio in Hamburg 1000. Reichs⸗ 
thaler baarGeld / das iſt eben fo biel / als Titius in Paris wieder bezah⸗ 
len laͤſt / und ſolches heiſt alsdann Wechſeln Alpari, au pair, oder Geld 
umGeld / da weder der Traflerit nach Kemittent nichts bey verlieret / 
ſondern ſein ausgelegtes Geld wieder bekommt / ſo bald aber Mevius 
den auf 1000, Reichsthaler geſtellten Wechſel Höher als mit 1000. 
Retchsthaler bezahlt / wanns auch nuvein einiger Iha'erwäre /fo iſt es 
über Pari, und vor den Geber des Gelds den Mevium Verluſt / vor den 
RNehmer aber den Titium Gewinn / gibt aber Mevius unter 1000. 
re fo ift es unter Pari, und vor ihn Gewinn / vor Tidoaber 
erluft. 

Zuwe ilen gefchiehet auch ein Wechſel nur unter drey Perfonen/ wanu 
uem⸗ 


Mer 1373 


jemlich der Traffent zugleich Remittent ift/ al$ Titius hätte unter Ca- 
o in Parig 1000. Reichsthaler ſtehen / und fchichte darüber dem Sem- 
onio der auch in Paris wohnet / einen Wechſel oder eigentliche As- 
ignation zu auf Cajum,daß er Sempronius die 1000. Reichsthaler von 
>ajo einziehen follte/in welchen Fall Titius in Reſpectu Caji Traflent, 
tefpeltu Semproniiaber Remittent wird. 

Inter zwey Perfonen pashıren offt Mechfelö/wann ein Kaͤuffer auf Zeit 
der ein Geld» Entlehner / dem der ihmereditiret einen Wechfel zur 
Berficherung ausftellet / daß er ihmoder an feine Ordre zur gewiſſen 
zeit / und an gewiſſen Ort / die beſtimmte und in den Wechſel benannte 
Summa richtig bezahlen wolle / folcher Wechfel/ob er wohl nicht aller 
Irten gültig/fo halte ich ihm doc) bündiger und Eräfftiger als eine Ob- 
igation , fonderlic wann ‚deflelben Orts Statuta zu laffen / dag man 
;xecutive darauf klagen Fan /offt wird auch nur ein ſolcher Interims 
Mechfel-Schein ausgeftellet / und in ſolchen verfprochen / daß gegen 
en heran nahenden Zahl-Termin , man einen ordentlichen Wechfel 
uöftellen wolle / in dein Dieferzeit ev vevAusgeber des Wechſels oder 


‚er Debitor noch nicht gewiß willen koͤnne / auf wen er gegen die Ver⸗ 


allzeit ven Wechfel am füglichften werde ſtellen koͤnne. 
‚ndosfigen nennet man / wann derjenige/den der Wechſel zu gut geftel- 
t iſt / ſolchen an einenandern bezahlen laͤſt und zu diefem End / die 
Ibermeifung mit diefen Worten auf des Werfelö Rücken fchreibet: 
sine mich bezahle dev Herr die Einhalt dieſes Wechſels an N.N. es foll 
ıte valediren. So bald nun einen Kauffmann ein Wechſel von fremden 
Irten zugeſchicket wird/ fo verfaumt er noch vorAbgang derſelben Poſt 
ie ihm den Wechfel gebracht/FeinenMoment, gedachten Wechfel deme 
uf welchen ergeftellet zu praefentiven/und Acceptation dabon zu pro- 
uriren/ verweigert (ich derfelbe folches zu thun / ſo muß gleich gegen 
yenfelben vor allen aus der nicht Acceptation zu beforgenden & a⸗ 
en und Unkoſten proteſtiret / und folder Proteſt den Remittenten zus 
efandt werden / welcher folchen denTrallenten fanımt den Notariats 
roteft prefentivet / und die ausgegebene Valuta ſammt allen auf dem 
rotelt ergangenenlinkoften/Schaden und Interefle wieder pratendi- 
et/welche auch der andere / wann er nicht von den Richter will darzu ges 
vungen oder vor Bangverot erkläret werden / Augenbliclich wieder 
ezahlen muß. in jeder dev Wechſel fchlieflen will / ſiehet zufor⸗ 
erſt / daß er an ſolche Leute Eoınme/derer ihre Wechſel acceptiret wer⸗ 
en / oder im Fall ſolche mit Protelt zuruck kommen / doch ihre Cafla fg 
ıfhfant ſey / daß der Rimbourfo der Valuta, Untoſten undRuͤck · Wech⸗ 
18 fo gleich wieder geſchehen koͤnne / iſt es alſo vornemlich in Wechſel⸗ 
hlieſſen / da der Kauffwanns Credi, Zeichen und Wunder thun muß / 
uſt würde wol derjenige / dev bon —— Ortt Gelder nn > 
en 


1374 Mec 


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ziehen hat/felbige baar müffen uͤberkommen laffen/oder es würde heif- 
fen/der Herr gebe erſt feinen Wechfel / und wanner dass an ben be⸗ 
nahmtenDrt acceptivet/und bezahlt iſt / ſo ſoll die Valuta allhier daber 
erfolgenund dieſes zwar nicht mehr als billich dann wann ein jeder 
Kauffmann ohne Unterfcheid / dem ber Wechſel zu vernegotüiren hät- 
te/Beld dafür geben wollte / würde er fehr zu kurs fommen/und manch⸗ 
mahl weder der Nehmer/hier/ noch der auf dem der Wechſel gezogen/ 

Hort an jenen Ort wieder zu finden ſeyn / fo haben auch dfe 

Waaren verſchrelben / ſich wohl in acht zu nehmen / daß ſie den Factor 

wann ie ihm nicht wohl kennen / nicht ogleich auf feine gefandte Rech 

nung Wechfel acceptiven/ da pielleicht die Waare noch niemahls einge» 

Fauffet oder zum wenigften noch nicht derladen worden / von welchen 

Cafu Savary in feinen volllommenen Handelsmann / ein artig Exemyel 
folgendes Innhalts er zehlet. 

Gin Kaufmann in Paris hatte feinen Factor in Londen committi- 
vet u Paaren vor ihm einzukaufen / diefer welcher ein betrieg- 
liches Abfehen hatte / fändte bald hierauf eine falfche Rechnung als 
wann die begehrte Waaren richtig wären eingefauffet / und allbereit 
eingeſchiffet worden feraflirte zugleich einen: Wechſel von 3. bis 4000. 
fl.vor den Werth von einen andern a Ufo einen Kauffmann zu Paris 
oder feiner Ordre zahlbar ; diefer Brief wurde von den Commnitten- 
ten acceptivet / kurh davaufaber kam Nachricht / dap der Factor und 
Traffent fallivet/ auch die in der Factura enthaltene Waaren nicht ge⸗ 
faden hätte/ weswegen er bey den Gerichten, um ben der Acceptation 
befveyet zu werden befchriebeu anbielte/fo er auch gewiſſer angeführter 

‚Urfachen halber / welche bey bemeldten Authore derfänge — enthal⸗ 
ten werden / erhalten; wiewol ic) nicht ſehen kan qvo jure das KRauf- 
mannd-Gericht ſolches Habe thun koͤnnen / indem Contra&tus Cambii 
ftridtisfimi juris iſt / und folcher geftalt einjeder / der einmahl acceptirt / 
warın er hernach von den Traffenten übele Zeitung befäme / (ih mit 

der Acceptation würde ſuchen loß zu winden / und fremden unſchuldi⸗ 

‚gen Leuten den Schaden aufzuburben. Es bleibet dabey chi accetız, 
paga , Mer acceptitt hat/ muß bezahlen/ und je weniger Chicanen tie 

ne Obrigkeit in dergleichen Wechſel⸗Sachen zulaflen wird / je beflere 
Ordnung die Kauffmannſchafft dadurch wird zugewarten Haben ; wor: 

- der) wie vor die KRauffleute / die Waaren anf t erkauffen / noch dieſe 
Leͤr hinzuzufügen haben / dapflevor ſolche Waaren Schulden nicht 
gieich Wechfel unterzeichen/ und (Ich heimlich flattiven/ obwürbenge- 

“gen die Verfall⸗Zeit die Waaren fchon verkauft / und die Gelder da⸗ 

vor zur Bezahlung der Wechſel eingegangen ſeyn / ſolches betrieget/ 
und hat viel Kaufleute in ge Schaden und Unordnung geſe⸗ 

- feet, Eöwerden aber alle Wechfel aufgleihe oder ungleiche / 

wu und 


— — 


Wec 78° 
m 575 
und zu gemwiffen und uugewiſſen Preifen/ weiches man Medfel-Cours 
nennet / geſchloſſen. Gleiche Gelder nennen wir / wann Augfpurg 
auf Rürnderg/ Leipzig auf Berlin/ Lübeck auf Hamburg trasfıret/ da 
die beyden erften Reichsfl. Groſchen und Ereuger haben/ die mittlern 

ler und gute Brofchen/ die letztern Mard-und Schill, Lübiſ. 

‚unter ſich gemein haben ; hingegen hat Hamburg und Amferdam uns 
ter (ih ditferente Gelder / alg das eine Mark und Schilling Lübiſch / 
das andere Hollandiſche Gulden und Stüber. Hier millnm ern 
die Redudtion nnd Dergleichung des einen Geldes gegen das andere 
erlernet feyn/ — —— man Pari nennet / und das vor⸗ 
nehmſte und erfte Stück in der > echſel⸗Rechnung iſt / nad) welchen 
der Gewinn oder Berluft aufeinen Wechſel / der auf freinde £änder 
geſchiehet / gar leicht kan gefunden werden. Dann zum Exempel id) 
mwüfte/ daß 333. ß. Flaͤmiſch / die ich in Hamburg geben müfte/pari oder 
gleihgültig mit einem Pfund Sterlings in Londen wären/ fo Eönnt id 
Saleipturtheilen/ daß wann ich ar. B. Flämifch vor ein Pfund Sterl. 
fo ich auf Eonden auf Wechfel haben wolte/ in Hamburg bezahlenmü- 
ſte / daß ichız- Flaͤmiſch / oder 16. B. Luͤblſch ſolcher gefkalt berlieren 
würde. Itemauf Franckreich iſt der Pari bon ao. j hegen ein Rthlr. 
bon so. Sols. und ich dũrffte in Hamburg nur 40. $. um einen voilen 
Frantzͤſiſchen Thaler wieder zu haben / dezahlen / fowürde ja folgen / 

daß ichs. B. Lübifch —— oder auf 00. Xthlr 100. avanciret haͤt⸗ 
te / indem ich soo. Rthlr. in Franckreich zu vol bekomme / undnur 
soo. dabor auszahlen darff. | 
In ip Wechfel-Preffen beſtehet nun das Capituliren zwiſchen 
den Beber und Nehmer / daß auf gewiſſe Orter (als bieroben auf Lon⸗ 
den) der Hamburger Geber des ds / warn der Wechſel über alpari 


muß geſchloſſen werden/ nicht gern zu biel über 333 Flaͤmiſch geben 
wolte / der Rehmer hingegen möchte (ich gern biel darüber bedingen/ 
auf Franckreich ſucht der Geber / fo viel als möglich unter Pari zu ge⸗ 
ben/ ber Rehmer aber ſolches zu decliniren. Aus Danzig und« . 
sıigöberg.' da der Paris. Xthlr. in Hamburg gegen oo. Pohlniſche Gro⸗ 
ſchen in Dantzig iſt / anjetzo aber wegen — Pohluiſchen Gel⸗ 
des wol uo. und mehr Groſchenmůſſen accordivet werben / füchet der 
Hamburger Geber fich viel Brofchen über 90. zu bedingen, der Neh⸗ 
mer hingegen wenig zugeben / und fo fortan auch bey andern 

ein; welches dann gutentheild aut die Mechfel-Mäclers mit ans 
kommt / welchen desfals eineeigene Ordnung in vornehmen Handels» 
Städten / ſowol was fie wegen Schlieffung der Wechfei zwiſchen bey» 
den P en / als auch der Courtagio wegen zu oblerviren haben / 
vorgeſchrieben worden. In einem En chſel muß vors erſte Da- 


ff a tum 


* 


1376 Wec Wei 


tum und Tag / wann folcher zwifchen den Contrahenten gefchloffen 
worden / (2) die Zeit/ wann der/ auf dem der Wechfel gezogen ift/ fol 
chen bezahlen/ auch an wen und wie biel / und in was vor Geld foldhes 
geſchehen ſoll / gefeget werden. Ferner inferivet man den Wechſel⸗ 
Brief/ von wem man die Valuta, auch worinn man ſolche enipfangen/ 
ob es in baaven Geld/ Waaren/ andern Wechfeln / Asfıgnation oder 
Abrechnung gegen andere Schuld gefchehen fey; zu le&t/ fo notifici- 
tet man dem/ auf welchen man zieht/ auf was vor Rechnung er die be 
zahlte NBechfel:Summam ftellen foll / endlich folget die Unterfchrifft 
des Traffentend / und Die Addxefle ober Rahme desjenigen / auf wel⸗ 
chen man den Wechfelziehet. Vide uuterſchiedliche Formularia da⸗ 
von in unfern allzeitfertigen Sandelö- Correfpondenten, 

Wegdiftel/ Carduus Mari, | 
 —  Sterndiftel Carduus Stellatus, 
Dorn Spina infeltoria, Spina cervina, Rhamnus cataratlicus 
Gras / Polygonum centinodium, 
Zolder Juniperus, 
Kreſſen / Iberis Nafturtium fylveltre, 
Senff Eryfimon, Thlafpi, Verbena ſœmina. 
Warten / Cichor. fylveftre. 
Zabichtskraut Hieracium intibaceum, 
— Stroh Gallium, _ 

Wegerich Plantago major & minor, 

Npeiberfift Crepitus lupi, Fungus Chyrurgorum. 
Weiche Ambra / Ambraligvida velnigra. 
Weicher Andorn Marrubium paluſtre. 
Weicherwinden / Volubilis minor HederaCilicia. 

—— Lyſimachia, Salicaria. 
eidaſch / alumen Catinum, ſal alcali, Cineres cali ſeu clavellati 
— Recraut / Maus ſativus & ſylveſttis. 

— Blau / Glaftum, Guadum, 


Wein / Vinum, $r.du Vin, das alleredelſte / beſte und kraͤfftigſte 
Getraͤnck / ſo uns die Natur aus der Erden herbor bringt / iſt nach de⸗ 
nen vberſchiedenen Landſchafften / darinn ev gebauet wird / unterſchied⸗ 
licher Art / Couleur, Geſchmack und Geruchs. Der Europaͤiſchen 
Weine am erſten zu gedencken / fo ſeynd unter denfelben die berühm⸗ 
flen jederzeit geweſen der Mitylenifche/ dev Maronaͤiſche / welcher in 
der Thracifchen Halb⸗ Fnful gebauet wurde / und nad) Plinii Zeugnif 
über 200. Jahr währen Eunte/ der Arcadifche / welches ein getruckne⸗ 
ter Wein war / dann die Leute hingen ihn in Schläuhen an das Feur/ 
und, dörreten ihn wie Saltz. Es wird auch gelobet der Cohfche ee. / 

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arerSE 


— — Wei 1377 
der Andriſche / fo in der Inſul Andrus gewachſen; der Argiſche / det 
esbiſche / der Thaſiſche / dieſer war zweyerley / dann der eine machte 
chlaͤffrig und der andere munter: der Theflahfche war lieblich / der 
Sorinthifhe herbe/ und derRhodifchetrübe. Auch mar berühint der 
Bein aus Chio, der Candifche oder Crerifche/ unter welchen der Male 
yarter annoch der befte und allerberühmtefte iſt; diefer ift abermahl 
weyerley / dann ein Iheil wird gemacht von den beften Pufcateller- 
Trauben / und ift Bold-färbig/der andere aber wird aus herben Trau⸗ 
yengepreffet. Jener wurdevor diefem allein an die principa'ften 
Benetianifchen Edelleute verſchicket / jetzo aber/ da die Tuͤrcken Herrn 
von Candia feyn / achten ſie diefer / wie auch der andern Weine gar 
venig/da doch vor ihrer Ankunfft in Candienjährlich bey 200000. 
Säffer mit beyderley Malvafier in Europa verfandt worden. Der: 
enige Wein/ den man in Teutfhland vor den Gandianifhen Malva- 
jer ausgibt und verkauft / folleingemachter Wein feyn / und lehret 
zuarinon confil. 216. wie man denfelben bereiten fol. Bekannt ift 
‚uch der Corfuiſche / Zantifche und der Cephalonifche füfe Mein/ der 
Malvaſier von Rapoli/ einer Tuͤrckiſchen Stadt in Morea, Napoli di 
Aalvahıa genannt/ item diejenigen herrlichen Weine / fo in denen In⸗ 
uln des Archipelagi wachſen / welche meiftentheild fehr gut find/ und 
en Candianiſchen Malvafier wenig nachgeben. | 
Die Italiaͤniſche Weine feynd eigentlich zweyerley / nemlich diejeni⸗ 
e / fo vor Alters berühmt geweſen / und dann die / welche man anitzo 
och preifet. Linter den alten Weinen hat man jederzeit den Falerni- 
chen vor den edelften/gefundeften und beften gehalten. Es hat fol- 
her den Rahmen befonnnen bon dem Berge Falerno in den Reapoli⸗ 
anifchen Gebiete." Horatius preifet den Formianifchen Wein / wel⸗ 
hem an Büte faft zu vergleichen gewefen der Fundifche und Amiclei- 
che ; aber diefe beyden Derter werden heut zu Tage wenig gebauet/ 
zegen der fletigen Raͤubereyen der Banditen und See-Räuber / die 
ich in diefer Gegend häufig aufhalten Sonften waren beyden Al- 
en auch bekannt der Getinifche Wein / welchen Auguftus allen andern 
selfchen Weinenborgezogen; der Tarantinifche/ der Adriatifche bey 
er Stadt Adria, der Trebellifche und der Beneventifche, 

Bon den heutigen Weinen feynd in Italien folgende berühmt: Vin’ 
sraeco de Somma, foan dem brennenden Berge Veſuxio waͤchſet / und 
on deffen warme Afche eine fonderbare Kraft erlanget ; er mird 
ber mehrentheils bon den Neapolitanern verfälfchet. Der Pompe⸗ 
anifche Wein/ alfo genannt, weilen er bey den Ruinen der Stadt 
’ompsjopolis wichfet/ der Wein von der InfulJechia, fo gegen Nea⸗ 
olis über gelegen; Vinum Græcum de Torre, und de Nola, Der 
Mangiaguerra wächfet in den Thälern bey dem Berge Vefuvio , iſt 

Sſſſ3 zweyer⸗ 


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| 1378 Wei 


zweyerley Arten/ nemlich der dicke und Pech⸗ſchwartze / melden man 
tnsgemein Verracianennet / und der / fo infonderheit den Rahmen 
Mangiaguerra behält/ und etwas dünner and gelinder iſt / als der do» 
cige. Lacruma waͤchſet an dem Fluß des Veſurii, wird auf 
wol Virgineum oder Jungfern ⸗ wein genannt/ weil er/che er unter die 
üffe des Keller⸗Treters kommt / bon ſich felber aus den fetten Trau⸗ 
nrinnet. Der Amineifche/ welcher faft allein vonden alten Wei⸗ 
nen noch übrig ift / waͤchſet andem berühmten Berge Paufilippo in 
Campanien ; der Mufcateller und Surrentiſche / welchen die Italia · 
niſche Medici vor den allergefundeften halten; der Salernitanifche/der 
Chiarello oder Elaret:wein / iſt zu Rom fehr gebräuchlich / und wird 
dafelbft vor einen der beften Weine geachtet 
Unter den Sieilianifhen Weinen behalten den Preis der Catanei- 
ſche / welcher vön der Aſche aus dem Berge Ætna fehr fett gemacht 
wird; der Panormitaniſche / Meſſineſiſche und Syracuſiſche / welchen 
die Maltheſer Ritter am hoͤchſten halten. 
pn der Inſul Corſica hat man auch ſehr koͤſtliche Weine / welche gar 
haͤuffig nach Rom verführet werden; die groſſe Anzahl der warmen 
Brunnen machet fie fogut. 


- Unter deö Papfted Gebieht ſind die bekannteſten Weine der Nomenti- 


ſche / nahe bey Rom / der aber mehr wegen feined großen Uberfluſſes 
ald Güte geprieſen wird / der vohte und weiſſe Monteranifche / der 
Romaniſche / il Romanefco , weldher dor S.Pancratii Thor und auf 
Montemalo wädjfet/ der aber bey Arıtia fället/ gehöret auf des ; 
Zafel. Kerner findet der Velitrinifche/ Preneltifche / Tyburtifche / 
uR der fo bey de GrottaFerrata waͤchſet / der Albaniſche / welcher nach der 
Stadt Alba genannt / und vor den koͤſtlichſten Wein bon langer Zeit 
ber gehalten worden ; der Vindi Montefiafcone, diefer Wein ift über: 
aus delicat , fo daß ſich einsmahls ein Roͤmiſcher Pfaff daran zu tode 
gefoffen/ weichem fein Diener folgende Grabſchrifft aufgefeget : 
PropterEll, ER,Dominus meus mortuuselt, 

In Tofcana oder dem Florentinifhen Gebiehte findet man den Ire- 
biniſchen Wein/ welcher fehr hoch gehalten wird / den Senenſiſchen/ 
abfonderlic) der um Porto Hercule waͤchſet; den Trebulanifchen ben 
dem Fleden St. Johannis / welder viel nad) Franckreich feines Herr- 
lichen Geſchmacks und Tugend wegen verführet wird; den Verdei— 
fcheg/ und endlich den Luccenſiſchen Wein. 

In den Venetianer Bebieht gibtö ebenfalls allevhand herrliche Wei⸗ 
ne/ als indem Brefetanifchen ift dev Sclaviſche / in dem Veronenſi⸗ 
fchender Vinaciola berühmt. Um Padua und Vincenza wachen aud) 
gute Weine / unter welchen fonderlich bekannt der Puciniſche und No» 
ſatzer / welcher ohnweit Agvilegia gebquet wird. — 

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——- =—— 


ei 1379 


Bas die Lombardifchen Weine anlanget/ fo werben darunter am mei» 
ten gepriefen der Placentinifche/ und der fo am Garder⸗GSee waͤchſet / 
er Piccante, welcher bey Pabla / undder fo aufden Berge Brianza 
‚ebauet wird. Im Parmeſaniſchen ift bekannt der Zumellinifhe und 
Oiemontiſche Wein. Dieubrigen welfhen Weine (ind der Beltlie 
er in Graubunden / welcher faft allen andern welfchen Weinen vorger 
ogen wird. dem Benuefifhen Landſtrich fällt der gute Verna- 
er Wein / welcher in Jtalien/ Franckreich / Teutſch- und Engeland gu- 
en Abgang findet ; Er wachſet auf dem überaus hoben / ſteilen und 
aagern fellichten Berge Vernacia, daß man ſich billig zu berwundern 
‚at / wiedod ein fo edler Wein aus — magern Grunde und 
leichſam verdorreten Reben koͤnne herfür gebracht werden. Inder 
anhen Genueſiſchen Revier di Levante oder öftlichen Landſchafft / iſt 
ein befferer/ als den man Vin Amabile nennet / welcher bey denen fo 
enannten fünff Dörffern oder Cingve Terre waͤchſet. Zwiſchen Nie 
a und Sabvona waͤchſet der vortvefflihe Mufcatellev- wein / welder 
em Eandifchenund Falernifchen nicht ein Haar⸗breit weichet. Zu⸗ 
etzt kommt auch der Racenfer Wein / Razzele , in derfelben Gegend 
n nicht geringe Confideration, | 
dieSpanifhye Weine betreffend/fo feynd unter folchen die berühinte- 
ten dev Tarraconifche/ der Altcanten Wein / der fo genannte Baftart/ 
yelcher alle —— übertrifft/ weil ein Faß / fo da⸗ 
nit angefullet/ / im Waſſer zu Grunde findet/ der Gect alfo genannt, 
veil man ihn in Spanien in Süden oder Ledernen Schlaͤnchen ver⸗ 
ühret ; der Peter Semens, wobon dev befte bey der Stadt Guadalca- 
ar wächfet ser bat feinen Rahmen von einen Zeutfchen / Peter Si⸗ 
nond-Sohn genannt / welcher vor etiwa 200. Jahren erliche Teutſche 
Bein-Reben mit ſich in Spagien gebracht / und daſelbſt gepflanget/ 
us denen hernach Diefer edle Wein gewachſen; der Salamanckiſche / 
ev Wein de Toro, welcher den Tieul des Könige dev Weine führe; 
er bey CıvitadReal iſt fehr gefund /und wird viel auf der Königlichen 
Spanifchen Zafelgebrauchet ; der Malagifche / Cordubiſche / Galli⸗ 
ifche/ item der in Andaluſia bey der Stadt Ceres de la Frontera mich: 
et/ und zwar fohäuffig / daß man jährlich so. bis 80000. Faß davon 
inärndten kan / ſaß Fap zus. Ohmen Rheinifher Maaß gerechnet. 
in — iſt der Portiſche Wein der beruͤhmteſte; in Algarben 
vächfet auch ein guter Wein. Go weiß man auch allenthalben von 
ven herrlichen Canarien⸗wein und Sect zu ſagen / welcher in dene der 
iron Spanien unterworffenen Eanarien-Fnfuln wähle. Es if 
uch die Juſul Madera überaus Mein-veich/alfo dag der König jähr- 
ich io. bi 12000, Pipen Weins nur allein an ſtatt ded Zehenden erhe⸗ 
et, In den übrigen Spaniſchen — als Cantabria, — 
14 et 


1380 Wei 
fet fein Trauben wein ; hingegen machen die Einwohner einen Trauck 
aus wilden Aepffein/ denfieSagardava nennen. Wir gehen von den 
Gpanifchen zu den 
Frantzoͤſiſchen Weinen’ deren eine folche Menge von allerhand gu- 
ten und Eöftlichen Weinen in Franckreich gebauet wird/ daß es ſchwer⸗ 
lich zu glauben; dann wer wolte alle Oxhöffte zehlen / welche nurjähr- 
(ich von der Garrone, Loyre und andern Ströhmen/ item, von fo vie⸗ 
fen Seehäfen nad) andern Rändern geführet werden. Die Stadt Bour⸗ 
deaux allein liefert jährlich über 100000. Orhöffte aus. Kodinus de 
Republ, 1,6. c, 2. erzehlet/ da Anno 1778. Lauda , ejn Kauffmann zu 
Camerich / allein 33000, ſolcher Fäffer mit Wein über fand nach den 
Niederlanden verführet habe. infonderheit (ind in Franckreich bes 
rühmt der Burgundifche / und zwar am allermeiften der zu Beaune 
wächfet / der Champagne Mein / der Wein/ welcher unweit Paris 
gebauetwird/ der Orleaniſche / fo wol der rohte ald weiſſe der Wein 
bon Anjou, Poistou, Von Blois. ben Charite in Nivernois, der / foauf 
dent Gebürge/ welches Faux Montagne heiffet/ wächfet / der in Au- 
vergne, zu Grenoble und bey Ville Neuffohnmeit Avignon, der Mar⸗ 
ſtliſche Ranguedocifche / als welches Land die beften Weine ingang 
Franckreich ziehet/darunter am meisten gepriefen werden le Mufcat.de 
Frontignac , etwa 3. Meil von Montpellier an der Mittelländifchen 
Geebelegen. Diefer Wein wird gar häuffig nad) Bourdeaur/ und 
von dannen in andere Länder berführet; Er it fehr Eoftbar / ſchmeckt 
als ein gewürgter Wein / und ift weiß wie der andere/ ber Mufcat 
de Lion genannt wird /weilman ihn meiftentheild nad) Lion verfüh⸗ 
tet; der Guiennifche/ worunter der fo genannte Vin de Grave, Claret 
oder bleihrohte Meine/ der ohnmweit Bourdeaux auf einen fandigten 
duͤrren Boden wächfet/ dahero man auch denfelben Vin de Grave oder 
bon Sand nennet. In Normandie und Picardie bauen die Einwoh⸗ 
ner feinen Wein / wiewol dad Land tüchtig genug darzu wäre/ fendern 
jene behelffen ſich mit Yepffel-wein / diefe aber miteinem Getrand‘/ 
welches aus Waſſer und Kleyen gekocht / und Bouillon genannt wird. 
Die Teutſche Weine feynd bey unfern Borfahren/ wann wir anders 
deimJulio Cxfaril. 4. 6,1. de Belto Gallico, Glauben beymeſſen follen/ 
nicht fonderlich geachtet worden/ weil ſie fich eingebildet / eintapfferer 
Zeutfcher würde durch den Wein zur Arbeit geſchwaͤchet / und weibiſch 
gemacht. Dahero fhreibt Eutropius Breviar. Hiftor.!. 9. mie auch 
Lehmannns in Chronic. Spir. |. 1, c. 24. der Römifche Kayſer Aurelivs 
Probushabe erft ums JahrChriſti 230. denen Teutfchen undBalliern 
den Wein-Bau gelehret/ fo daß erft bon der Zeit an in denen Mittägi- 
en ProbingenZentfchlandes verfchiedene Sorten von Weinen ange⸗ 
auet worden ; unter denen bidaufden heutigen Tag bekannt re 
en 


‘ 


Mei 1381 
ben ver Rheiniſche Wein / welchen jedermann wegen feiner durch: 
dringenden guten Krafft und heroifchen Geſchmacks / vor den aller: 
edelften unter allen Weinen dev MWeltachtet ; doch ift auch ein Unter: 
fcheid unter den Rheinifchen Weinen/und (ind von demſelben die aller» 
beften die Bacheracher / Hambacher / Pfeddersheimer / Hochheimer / 
Riedeberger und Rheingauer / abſonderlich der Ruddersheimer bey 
Bingen / welche alle in groſſer Menge den Rhein hinab nach Holland / 
und von dannen in weit entlegene Länder verfübret werden. Derie— 
nige Rheinifche Wein / den man den Bänfefüffer nennet/ wird vor den 

efundeftengeachtet. Deranderegute Mein wächfet am Necar: 
—— worunter der Heydelberger und Würtenberger die berühm⸗ 
teſten find. Inſonderbeit wachſet bey der Fuͤrſtl. Reſidentz⸗Stadt 
Stuttgard fo viel herrlicher Wein / daß / nad) dem Bericht Laoſu in 
ſeiner — pro Germ, die Frantzoſen folgendes Sprichwort darauf 
emachet: 
— Si on ne cueilloit, de Stutgard le Raiſin 
La ville ſe noyeroit dansle vin. 
Wenn man zu Stutgart niche einfanmmlere den Wein/ 
So wuͤrde bald die Stadt von Weinerfäuffer ſeyn. 
Unter den Elfaffer Weinen behalten diejenige den Preis / welche zu 


Reichefeld / Lippelfperg/ Blienesweiler/ Rappersweil/ Reichensweil / 


Thaun / Seringen / Gebweiler / Katzenthal / Ammersweil / Dambach / 
und in Brisgau wachſen. Nechſt den Rheiniſchen Weinen ſeynd die 
Moſeler und Francken-Wein / und unter dieſen der Klinckenberger 


am Mayn und Wuͤrtzberger am Stein die beruͤhmteſten / doch kom⸗ 


men (le ander Güte und Geſchmack dem Rheiniſchen nicht glei) / das 

hero man zu fagen pfleget: 
Francken⸗wein / Krancken⸗wein / 
Neckar⸗wein / ſchlechter Wein / wiewol auch lecker Wein / 
Rhein wein / fein Wein, 


4 


Der Zyroler Weln/ infonderheit der/ fo an der Etfch bey Brixen und 


Goͤrtz fället/ iſt auch nicht zu verachten. Der Defterreicher ift lieb: 
lich / aber infonderheit einen Fremden nicht gar gefund. Bey dem 
Defterreichifchen Klofter Neuburg waͤchſet der Mein in folcher Men: 
ge/ daß man fagt/ es habe diefes Klofter einen rinnenden Zapffen/ oder 
es habe Weins genug / wann gleich Jahr aus Fahr ein derfelbe aus 
einen offenen Zapffen weglieff. Der Böhmifche Wein / infondegheit 
der um Prag/ Leutmeritz / Mießuick / Rauıta/ Uſca und Crudim fällt/ 
ift zwar gut am Geſchmack / doc) find alle diefe / wie audıdie Maͤhri⸗ 
fche Weine nicht gar gefund/ fonden mit Kalck fehr verdorben. Unter 
die ſchlechten Teutſchen Weine / weil ſie ſchon hoc) gegen Norden wach» 
fen/ werden gezehlet die Thüͤringer / ra Laupniger und —* 

en⸗ 


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1292 Wei 


— — — 


denburger. Der Schweiger-Wein/ welcher bey Schaaffshauſen / Bã⸗ 
den / Zuͤrch und Baſel waͤchſet / iſt zwar trinckbar / haͤlt ſich aber nicht 
lang / und wird bald faur. Die legten unter denen Euvopäifchen 
Keinen feynd die Ungarifchen/ weiche fehr hitzig / ſtarck und doch Lieb» 
lich ſeyn. In Ober-Ungarn ift dev Tockeyer der berühmteſte / und 
zwar infonderheit derfenige/welde man den Ausbruch nennet. In 
Nieder⸗ Ungarn wird der Dedenbuuger/ Neuſtedler / Goldberger und 
St. Georger am meiſten geprieſen / doch ſoll (ich ein Podagriſcher der 
Ungariſchen Weine enthalten. 
Unter den Aliatiſchen Weinen ſeynd jeder Zeit berühmet geweſen der 
Phanicifhe/Mpfifche/fampfakifhe/ Judaͤiſche / Samaritaniſche und 
dergleichen / nachdem aber die meiſten von dieſen Ländern Mahomets 
Lehre angenonmen/ fo hat der Weinbau aufgehöret / weil Mahomet 
folchen Hoch verboten/ als der wol mußte / * feine Glaubens⸗Genoſ⸗ 
ſen / die fi bemühen ſolten / ein groſſes Reich oder Monarchie aufzu- 
eichten/ durch die Lieblichkeit des Weins bald Eönnten geſchwaͤchet / zu 
den Waffen untüchtig gemacht / und vom Feinde in der Voͤllerey über» 
fallen werden ; woben er ohne Zweifelan die Weife der alten Teut⸗ 
fchen gedacht/ und ſich erinnert der Exempel Hannibald und Alexan- 
dri Magni , bon welchen jener eben fo groflen Schaden / da er ſich in 
Capuatäglich mit feinem Bold in dem lieblichen Rebenfafft berauſch⸗ 
te, ald die Römer Inder Schlacht bei) Camas erlitten/Alerander ward 
auch durch den Wein überwunden/ den gang Aften nicht hatte bezwin- 
gen Eönnen ; folhem nad) hat Mahomet demjenigen / welcher bein 
feinen würde/so.Gtreidye zur Straffe auferlegt / welche Gewohnheit 
der Tuͤrckiſche Kayſer noch ſtreng unterhalten / wiewol ſich auch viele 
unter den Tuͤrcken finden / welche fagen : Nitimur in vetitum fem- 
per cupimusgve negata, 
Dapero fie chim Mein vielmahl ob wohl heimlich toll und voll ſauf⸗ 
fen / ja der Räyfer Amurarh ſelbſt der An. 1640. geftorben / iſt von 
dem bielfältigen Weinſauffen ums Leben fommen.Lächerlic ift es / 
mas Busbegvius von einen Tuͤrcken zu Eonftantinopel erzehlet / wel⸗ 
cher / als er Luft befam/ einen guten Trunck Weins einzuziehen / mit 
‚Karcher Stimme feiner Geelen zugeruffen / ſie folte ſich fo lang in ei» 
nen Windel verkriechen / damit ſie von dem Wein nit berunreinie 
getwürde / weil die Türden alle der Meynung feyn/daß das Wein⸗ 
trinken eine groſſe Sünde ſey / inmittelft werden doch bon denen un: 
ter ſom tebenden Chriften fehr viel Wein Berge gebauet / wovon die 
Tuͤrcken die Trauben und Rolinen/dicChriften aber den Wein gebrau- 
chen/jedoc) ift auch anftatt der Artzney den Tuͤrcken bergönnet zumeilen 
Mein zu trinden. | 
» Die Perſianer lehen dieſem Gefege Mahomets fo ſtrenge nicht nach / 
und 


— —— — —- — — — ——srü— 


Wei 1383 
und vermennen/demfelben fhon ein Genuͤgen zu thun / wenn (le nur 
den Weinſtock felber nicht bauen, fondern diefe Arbeit / denArmeni- 
fchen und Georgianifchen Ehriften überlaffen / von denen (le alödann 
den Wein in guter Dvantität kauffen / und nad) Belieben davon trin- 
cken / wiedannder Armenifhe Wein fo zu Tocat waͤchſet / fonderlich 
gerühmet wird/ noch mehr aber derjenige der bei) die Stadt Schiras 
wächfet/mie er dann auch über des Schachs Taffel getrunden wird. 
Man findet auch noch wohl in andern Bandfchafften Aſiens gute Bein» 
Berge/aber doch nirgends in folder Menge / daß man einen Wein⸗ 
Handel darmit anfangen könte / ſintemahl die Afiatifhen Weichlinge 
viel zärtere Betrände aus Zuder ald der Wein ift/ zubereiten wiſſen / 
die Wein-Zrauben Hergegen behalten ſie nur zum Eſſen oder doͤrren ſie 
und machen Roſinen daraus / wie in China durchgehends im Gebrauch 
iſt wofelbfi man den Wein / der aus Reiß gekochet wird / viel edler 
und ſchmackhaffter achtet / als den Reben⸗wein ſelbſt. Vid. Neuhoffs 
Chinchfche Geſandſchafft. — 
Unter den Africaniſchen Weinen iſt der Alexandriniſche der beruͤhm⸗ 
tefte/wiersohl man jego'nur wenig Neben mehr daſelbſt findet. Son» 
fen wird in den übrigen Theil Africa durdhgehendärkein Bein gebau⸗ 
et/ ohne in der Barbarey/und zwar in dem Königreid) Fez und Ma- 
rocco, wie auch in der Algierifhen Gegend / woſelbſt fehr viel Wein 
gebauet wird/dann als die Mohren aus dem Spanifhen Königreich 

Granada in diefe Länder vertrieben worden / haben fie Wein dafelbft 
epflanget/ welcher derniaffen wohl gerathen / dag man anitzo Wein⸗ 
ide findet, dabon ein Stamm von z. 3. ja 4. Männern nicht mag um⸗ 
klafftert werden / diefe tragen Trauben bon ein bis 2. Ellen lang/ und 
die Weinbeeren gleichen an etlichen Orten den Mittelmaͤßigen Aepffeln. 
Um die Stadt Fez wird infonderheit viel Wein gebauet/ wie auch um 
Algiers / als bey welcher man über 18000, groffe LuR-KHöfe / und herr⸗ 
liche Gaͤrten zehlet / welche die arme Ehriften Sclaven täglich bearbei- 
ren / die Wein⸗Keller in Algiers und ſonſten in der Barbarey bedienen / 
und den Wein bereiten / zapffen / verkauffen und handthieren muͤſſen / 
weil dieſe Arbeit den Mahometauern verboten / doch thun fie noch 
manchmahl einen guten Trunck mit / das meiſte aber wird von den 
Chriſtlichen Kauffleuten und Sclaben / wie auch von denen Juden ge⸗ 
truncken / diejenige Mohten fo am Gebirge wohnen / meynen / ſie thun 
den Alcoran ein Genuͤgen / wann ſie den ausgepreſten Trauben⸗Woſt 
a dem deut kochen / in Schläuchen verwahren / und einen andern 
Nahmen geben i 
inAmerica hat man vor derSpanier Ankunfftbon feinen Wein gemuft/ 
bis deren etliche hernad) in Peru und Chili gepflanget worden / welche 
fehr wohl befonmen/dabero man in Peru itzo eine gute Qbantität' W eins 
in 


I nn Bl nn. 5 
in dembande hin und wieder zufauff herum führet. EineTranbe inPe- 
ru gibt fo viel Weins als 2.oderz.Europaifche thun/ in Neu⸗ Spanien 
hat man auch Wein⸗Trauben gepflanget / welche zwar gute Trauben 
hervor bringen / die aber nicht zeitig werden / und Diejenigen Die man 
auf der Inſul gepflangetlieffern gar kleine Trauben / eines herben Ge⸗ 
ſchmacks / im übrigen findet man an feinen Orten in America (weder 
aufden feftenfande/nod) in den Inſuln) andern Wein/alsd der aus Eu» 
ropa dahin gebracht wird / dann Die Spanter haben es verboten, keine 
Weinberge in diefen Ländern mehr anzulegen / damit ihnen derZoll / 
den fie von den eingeführten fremden Weinen in felbiger Gegend erhe- 
ben,nicht entgehe ; Solchen nad) ift der Spanifche Wein in America 
ſehr theuer / und Fan man daſelbſt ein Flafchen- Futter mit 12. oder ı6. 
Flaſchen / (welche zufanımen etwa fo viel Rheinifher Maap betragen ) 
vor so. 60. bid ze. Reichsthaler verkauffen / da ed doch in/Spanien 
umı oder 2.Reichöthaler eingefauffet wird. 
In Palzltina nicht fern von Berge Libanon findet ficheine gemiffe Ge⸗ 
gend/ wo man das Tahr uber don einer Neben dreyerley Wein / oder 
Vielmehr in einen Tahr 3. Herbſte machet / dann warn in Mergen der 
Weinſtock feine gewöhnliche Trauben ausftöffet / ſo fchneiden (fe das 
Holtz ab/ fo weit ed die Trauben hat/und verpflangen eö/hierauf wach⸗ 
fen im Aprill andere Reb-Reifer aufetn neues heraus die auch Trau⸗ 
‚ben bringen/ dann thut man wieder wie zubor/ woraufdie abermahl 
geftünmelte Reben noch einmahl ausfchlägt und im Majo zum dritten 
mahl neue Trauben bringet / die man Spätlinge nennet ; Solcher ge» 
ftalt gefchicht es / daß die Merg-Trauben im Augufto zeitig werden / 
undeinen Herbft machen / die anderen welche im Aprill verblühet/ lie 
fet man ab im Herbft und die dritten im Mein-Monath auf welche 
Weiſe man infelbiger Landes Gegend von St.Johannis Zag bis auf 
Martint/immer seige Trauben haben kan | 
Den Einkauff des Weins belangend/fo wird ſolchen einen je den Kauf⸗ 
mann ſeines Orts Gelegenheit ſelber an die Hand geben / die Syaniſche 
Meine undSecten/werde in Hamburg / Luͤbeck und Amſterdam einge⸗ 
kaufft / an den Rheinſtrom treiben Pfaffen und Juden einen gro 
Wein⸗Handel / welche gemeiniglichden armen LandmannGeld darauf 
vorſchieſſen und ihm den Wein / wann er noch am Stock iſt abfauffen; 
das gröfte und vornehmſte / welches beym Wein⸗Handel in Obacht zu 
nehrien / iſt / daß man denfelben wohl zu unterfcheiden/ zu bereiten/und 
zu conſer viren wiſſe / beydes erfordert einen langen Umgang bey Diefen 
Handel / dann wie leichtlich kan ein folcher der fich nicht darauf verſte⸗ 
het/im Ausproben und Kauffen betrogen werden / worzu die Herrn 
Mein: Händler meiſterlich dfe Manier willen / jener recommandirte 
den Wein daß es Colorem,Odorem,&Saporem das ift Farb / Geruch 
= und 


| | 


Dei 1385 


und Geſchmack haben müfte/wierohl auch dieſes feine Exception ley⸗ 
det und nit eben die Weine die am höchften im Glas feheinen / oder 
den leiblihften Geſchmack haben die beften feyn / weil viel Verfaͤl⸗ 
ſchung mit unterlaufft / unter denen mit Kräutern 'angemachten Wei⸗ 
nen feyn die befannteften der Alant , Wermuth / Salbeyen / Kirſch und 
Beer: Weiner Schlöhen/Cardobenedidten , Roßmarien / und Hin⸗ 
beeren⸗Wein / ſammt vielerley anderen Kräuter: Beinen mehr / wel 
che von denen Kräutern mit welden man fie anfehet / ihren Nahmen 
empfangen/ und gemeiniglich des Morgens vor die böfe Lufft/oder des 
Früh⸗Jahrs / an ſtatt einer gelinden Purgation getrunden werden/ 
etliche Leute nach dem ſie die Kraͤuter zu rechter —8 geſammlet 
und was es vor welche ſeyn ſollen / ſich durch einen guten Medieum 
oder Apotecker vorſchreiben laſſen / haͤngen dieſelbe entweder in den 
Wein in einen Sädlein hinein / oder ziehen aud) ihren Qyintam&ifen- 
tiam Durch, den Bren- Kolben heraus / und verfertigen alfo eine Tinctur. 
von welchen etliche Löffel oder Tropffen ſtarck genug feyn/ eine groffe 
Dvantität puren Weins / ihre Krafft und Geſchmack mitzutheilen/ 
wer mit den Deltilliven nicht umgeben Fan / Reg die Kräuter in ſtarcken 
Brandtwein / laſſe ſie in foldhen an der Sonnen / oder einen warmen 
Ort / die Krafft extrahiren / und gieſſe hernachmahls von ſolchen Brandte 
wein etzliche Tropffen / unter den Wein welches dann auch gute Wir⸗ 
ung hat / wer gewuͤrtzten Wein haben will / nimmt an ſtatt der Kraͤu⸗ 
ter allerhand gute Aromata oder Gewuͤrtze / und berfaͤhret damit wie 
oben gelehrt / warn der neue Wein erftlich gefaffet wird / fo gehrt ev 
bis etwann Martini/ da er zu Wein wird / alsdann muß er fleißig ge> 
wartet und ein oder mehrmahlen aufreine Fäffer abgezogen und wohl 
mit Schweffel verwahrt / und gewartet werden / wiefolches alles / denen 
1% genannten Mein-Küpern/fa faftieden Haus-VBater in den Wein» 
ändern bekandt / dahero auch unnüuglich allhier zu wiederholen / inſon⸗ 
derheit / weil gange Bücher davon in öffentlichen Druck liegen. 
Die Maß und Viſir des Weins betreffend / ift folche nadyUnterfcheid 
der Derter auch different , in Rieder⸗Sachſen hält 
1. a m. 6. Ahm / oder 240.Stübgen oder »60.Dbart oder 1920. 


el. 

1. Ahm hat 40. Stübgen oder 160, Dbart/ oder z20. Roͤſſel. 

1. Stübgen hat 4. Qvart / oder s. Röffel und Dart » Nöffel. 

In Sachen ift ein Zuder Wein 12. Eymer / ein Eymer Dreiiner 
Gtadt-Maap hält 72. Kannen / Schloß oder Hoff-Maaß aber 74. 
— Eymer zu Leipzig hält 54. Viſier · Kannen oder 5. Schenck⸗ 

amnen. 


In Amſterdam wird die Ahm Wein zus. Steckan / oder ꝛo Viertels / 
ober auch bor das ſechſte Theil eines Faſſes bon e. Pipen ge von 
. 4. Frau— 


1386 Mei 


vv — — — — — — — — — — 
4. Frantzoͤſiſchen Oxhoͤfften gerechnet / welches ſechſte Theil inBour- 
deaux ein Tierſon genennet wird / weils. folder Tierſons eine Pi- 
peoder 2. Orhöfft/und s. Tierſon ein Faß machen. 

Die Steckan iſt von 16. Mingles oder Mengelan, oder bon 32. Pinten / 
.Mingel bon 2. Pinten. 

La Verge oder bad Viertel / iſt in Anſehung der Rhein und Moßler 
Wein von 6. Mingles, in Brandtwein aber Von 63. Mingles. 

Ferner wird die Ahm abgetheilt in 4. Auckers / und der Ancker in z. 
Steckans / oderze2. Mingles. | 

Manchmahl wird der Ander auch genommen bor 32. eines Faſſes / 

von 4. Oxhoͤfften / auf welchen Fuß das Bourdeauxiſche Oxhoͤfft / zu 

Amſterdam nach der wahren Viehr Maaß halten muß ı23- Steckan 

oder 200, Mingles, Wein und Häfen/ oder 12. Stedan / oder ı9. 

Mingles, rein ohne Hefen / daß alſo ein Bourdeauxiſches Taf Wein 

hält so. Steckan / oder 800, Mingles Wein und Hefen zugleich / oder 

as. Gtedan/ oder 753.Mingles reinen Wein ohne Mutter oder Hefen. 

Der eingehende Zoll vom einem Faß bon as. Steckan / iſt zu Amfter- 

damsı. Stüber /und ein Ander Wein / welchen man be einen Kauff- 

mann kaufft / und nad) Haus bringen läft/ Foftets. Hollaͤndiſche Gulden 

10, Stüber s. Pfenning/ fo man ſolchen aber zur Stadt hinaus ſchichkt / 

fo koftet 6. fl. 12. Sols, und über dem noch 12.Sols oder&tüber de port, 

poreinem Bürger/und s.Stübervoreinen Fremden. 

Die Rariqves, Hxhoͤfft oder Poingons bon Nantes,und anderer an der 

Loire in Franckreich liegenden Städte / feynd von ı2. Amfterdamer 

Gtedans / dad a Mein von Rochelle, Cognac, Charente und der 

Inſul de Rhe iſt gar wenig unterſchieden von den Bourdcausi- 

fchen Zap und faft gleich / das Faß Chalofler Wein / item bon Bayon- 

ne und andern umliegenden Dertern / wird auf 240. Steckans / und 
das Oxhöfft auf so. Steckans Amfterdamer Maaß gehalten. 

In Engeland und fonderlic r Londen / vechnet man dad Faß auf zrz. 

Gallons, und das Oxhöfft aufsz. Gallons, weiche unlauter 110, Pors, 

abgeflochen aber oder Klinckſchon / 100. Bourdeauxifche Pors oder ız, 

Stefan Amfterdamer Maaß machen / eö wiegt aber ein EnglifchGal- 

ton 7&.Londifche Pfund / und folglich 5. Gallons oder ein Oxhoͤfft 

4722. Pfund / das Zap aber 1390. Pfund/und ein wenig darüber Lon⸗ 

diſch Gewicht. Man rechnet auch das Gallon zu 4. Parıfifche Pintes 

Insgemein wieget ein Faß Bein zu Bourdeaux mit dem Holtz oder. 

Futaille 2000, Tb. weßwegen nachder Art zu reden von Schiffs ⸗ Frach · 

ten/ man unter einen Sn oder Tonneau 2000, Tb. ſchwer / und vor 

ein Oxhöfft soo. Tb. verftehet. 

Der Verkauff der Weine und auch anderer Waaren / gefchichet in 

Anı- 


14 


J | Wei 1997 


Amfterdam/ fo wohl don einwohnenden ald fremden Kauffleuten/ die 
gern ihre Wein alfobald verfauffen / und ſolche nicht einkellern wollen/ 
Durch den Verkauff ins Becken / da dann in einen gene hierzu er⸗ 
wehlten Wirths · oder andern Bürgerlichen Haus / bey den Schlag an 
ein Kuͤpffernes oder Meßinges Becken / die gedachte Wein ode» 
Waar / dem meiſtbietenden zugeſchlegen und überlaflen/denenAuffbie- 
tenden aber einige A vantage gegeben wird / zu dieſem Ende nun/legt 
man die Mein oder Waare welche verkaufft werden foll/ aufden Liber» 
deck eines groffen platten Schiffeß/ damit jederinann der Luft zu kauf 
fen hat/vorher hingehen / folche Koſten und befehen könne / und zwar 
feynd ſolche Weine — Weiß ſortirt / und eingetheilt/als etwann 
von 2. Fäffern oder 8. Oxhoͤſſten / oder 8. Poingons , oder 4. Pipen 
oder Botten wobey man dann gedruckte Zettelsin der Stadt anſchlaͤ⸗ 
get/und auch unter die Wein-Händlers austheilet/in welchen der Tag / 
die Stund/und derOrt / aud) die Dvalitdt und Qbantität der Waar 
die alfo verkauft werden foll/benennet iſt wann nun der Verkauff ge 
fchehen/fo hat die Stadt 13- pro Centum dapon vor ihre Zoll⸗Gerech · 
tigkeit / oder auch vor die Armen / welches der Verkaͤuffer vonder 
verkauften Summa bezahlen muß / wie auch die Haur oder Miete 
des Prams ober platten Schiffeß/ item das Zettel drucken / die Helffte 
Courtage und die Unkoften die in Becken gefchehen/ da dann manch⸗ 
mahl bey dergleichen Verkauff Schade / manchmahl auch Profit ſich be⸗ 
findet / etzliche mahl wird auch gar nichts verkauffty und hat derjenige 
ee — oder Waar zu verkauffen ausgeſtellt / die Unkoſten um⸗ 
ſonſt gethan. 

Die Spaniſche und Portugieſiſchen Wein⸗Pipen / und Botten, bon 
Sevillien, Malaga, Alicanten, Lisbon, Port à Port, Camariſchen und 
Flandriſchen Infuln/feynd von unterſchiedlicher Groͤſſe / iſier und Ge · 
halt / dann ein Faß Wein von Malaga,fo zwey Botten oder Pipen hält/ 
und welcher Wein Perer Sımenes genennet wird / halt nur 36. bis37. 
Gtedan/da ER en die Pipen oder Botten bon andern Plaben z;. 
bis 25, Stedan halten. 


Des Weins Aussen und Schaden belangend / fo beftehet fener 
darinnen / daß wann der Wein rechtmäßig genupet wird/er nicht allein 
Du die Speife verdauen / fondern wegen feiner fubtilen. Waͤrme 

tefelbe in alle lieder austheilet / er ift der Natur angenehmex als 
alles andere Getraͤnck / er ergbidet fehr fchnell die Lebens⸗Geiſter / ver⸗ 
zehret die boͤſe Feuchtigkeiten / dringet ducch/öffnet und machet froͤlich / 
hingegen verwirret der unmaͤßig genoſſene Wein den Verſtand / faͤllt 
‚anf die Rerben / machet zittereude Haͤnde / berurſacht die Schwindſucht 
und Leber Entzundung/und was etwaun dergleichen — 

mehr P 


i en zn B 4 
1388 Wei 
mehr feyn möchten) deren ich die unmaͤßige Trundenbold zu befürd: 
ten haben / ſonderlich dieienige die Scythiciven / und nad) die ſer Bar⸗ 
baren ihrer Gewohnheit den ſtaͤrckſten Mein den fie bekommen können 

in ſich fauffen/und lauter puren Wein / welcher dahero Merum item 

potio Scythica genannt worden / haben wollen. 

Die Beurtheilung der Bonität undTugend einesWMeins) geſchichi 

1. Abejus ellentia, ob es Vinum Simplex, Merum Meracum aut pu- 

rum putum, oder Vinumcompofitum , vel medicatum ein aus 
Kräutern/Bewürk und Zuder zufanımen gefegter Wein/ oder auch 
ein Dilutum mit Waſſer vermengter fey. 

2, AColore ausder Farb / wiewohl diefes Urtheil ungewiß / in deſſen 
ſoll nad) ſolcher ein weiſſer Wein / Waſſer bey (ic führen / Vina 
Flavefcentia die gelblichte ald die Rheinische und alte Frantzwein 
die Geifter mehren / und nicht ftecfeu bleiben / Flava five aurca 
die Boldgelbe hitzig feyn/und denen Phlegmatifchen dienen/ Rubra 
die Lichtrothen wie die weiffen leicht durchgehen/und denen Chole- 
rifchen dienen / Nigricantia die Dundelvorhen oder ſchwartzen wie 
der Alicant und Portugieſiſche Wein ſtarcke Nahrung geben/ jedoch 
aber auch dabey das Geblüt dick machen und verftopffen 
Ab odore von Berudy/alfo Fan vinum fragans die Schwachen blog 
mit feinem Geruch erqpicken / und die Lebens: Beifter färden / da 
hingehen vinum inodorum Feine ſolche Zugend hat / vinum alieni 
odoris ift gar zu berwerffen. - 

. ASapore von Geſchmack / nach melden vina dulcia die füfle Wein 
den Mund der Bruft und den Magen angenehm / weil fie aber et: 
was dich und leicht zur Galle werden/fo dienen fie denen nicht die ei⸗ 
ne hitige und verſtopffte Reber haben / hingegen feynd vina auflera 
der Bruft undLungen ſchaͤdlich / Vina mediaaber die nicht zu ſuß noch 
zu faur die beften. 

. AVirtutefeu viribus , bon der Krafft und Stärde / alſo ſeynd Vina 
vinofa feu Polyphora ſtarcke und hihige Wein / dergleichen die 
Briechifhe und Staliänifche/ welche viel Waſſer ertragen fönnen/ 

dabey auch Nahrung und Stärde denteib reihen/Vina tenuia hin» 
gegen oder oligophora feynd nur mäßig warm / und nehren weni 
können auchnicht viel Waſſers vertragen / indeſſen befördern ſie 
doch den Urin/ und dienen in hitzigenZufaͤllen beffer als die ſtarcken. 

xConſiſſentia ſeu modo fubftantuia,nach welcher die Dicke gute Rah: 
rung geben/aber leicht verſtopffen / die dünnen hingegen bald durch⸗ 
gehen/und den Schweiß treiben. 

. Ab xtate,don dent Alter /nach welchen der neue oder heurige Wein/ 
weil er noch etwas unveines bey ſich hat / nicht fo gefund iſt als der ü- 
laͤhrige / im Gegentheil nehmen die alte und ſtarcke Firne — be 

op 





. 
* 


> 


a) 


— 


A 


Wei ER 1389. 


— nd 
Kopfi ein/fallen aufdie Span-Adern und erhigen die Nerben / dag 
alfo hierinn dad Mittel abermahl dasbefte / endlich wird aud der 
Bein beurtheilet. _ j 

3. AParria fcu loco Natali von dem Ort mo er gewachſen / da dann im⸗ 
mer eined Landes Wein in dieſer / des andern feiner in ienerQvalitär 
den Vorzug hat / weiches Diecxprofelfo mit Wein paheln/oder ihr 
Tag viel getruncken / am beften zu beurtheilen wiffen, 

- JBein-Grön/Vinca per Vinca. 
—  ÖBatten-Grön/ Mercurialis, 
— Naͤgelein / Berberes. 
— Fahren / Tanacetum. 
— Rauten / Ruta Hortenſis, vide Rasa, 
— Recben / Vitisvinifera, 


Weinſtein / Tartarus, iſt in der Pathologie ein Ding das ſich in ei⸗ 
nen Stein coaguliren kan / oder ſchon coaguiret iſt / beſonders aber be⸗ 
deutet es einen zaͤhen klebrichten Schleim / der ſich noch nicht in die Har⸗ 
tigkeit eined Steins verwandelt hat / von day kam er auch in die Apo= 
thecken / und bedeutet ein Itrdiſches aus den Gewaͤchſen entweder vor 
ſich ſelbſt / oder durch die Kunſt abgeſondertes Saltz / es wird aber der 
Weinſtein als Weinftein auf zweyerley Art genommen / entweder ge- 
neraliter pro omni acido vinofo , und dieſes variiret fo fehr als der 
Wein varirt. Dann jezeitiger die Meine ſeynd / je flüchtiger ift auch 
derſelben Weinftein/ alfogibt der Spaniſche wenig/ der Kheinif 
mehr / der Srangwein aber gar wenig Weinftein/dieBeinefo inMähe 
ren wachſen / ſeynd fo Zartarifch / daß man es Augenfcheinlic mercfen 
kan / als zum Exempel fo man ein Eyin den Wein die Racht über —* 
fo iſt es folgenden Morgens fo überzogen / als ob es candiſiret ware, 
Der befte Weinſtein ift / der ſich an den Wänden der Zäffer angehäns 

t/ fhmwery hart / und nicht loͤchericht / oder mit trockenen Hefen anges 
—* iſt /fondern der an der Seite / mo er den Wein beruͤhret / viel 
Spiglein wie Diamanten dat. Diefe Zeichen befiget meiftens der 
Rheiniſche / und Ungariſche / welcher letztere fehr dünn faͤllt und vor den 
beſten gehalten wird / die andere Arten des Weinſteins kommen bon 
allen Orten her wo viel Wein waͤchſt / und iſt entweder roth oder weif⸗ 
fer —— der Wein von welchen ſolcher genommen / roih oder weiß 

eweſen. 
Die Bereitungen bed Tartari feyn / (1) die. Reinigung (29 die 
Deflillation ‚und (}die Saltzmachung / die befte Weiß aber denTar- 
tarum zur wafchen iſt / nann man felbigen gröblich — oͤfftern 
mit kalten Waſſer waͤſchet / dieStüdlein mit den Haͤnden reibet / und 
das unreine Waſſer abgieſſet / his keine ——— mehr davon F— 





1390 | Wei 
gehet. Aus der Aufflöfungund Coagulirung/ entſtehet das Acidum 
Tartari, der Cremor und die Chryſtallen. Aus der Deltillation entfte- 
het der Spiritus und das Del;die Salifieation gibt erftlich das Tartari⸗ 
fche Salt / dad Oleum Tartari per deligvium, MagifleriumTartarı, 
oder Tartargm alcoholifarum , Magifterium Tartarı purgans, 
die Tindurgier Schweffel des Tartari , den Tartarum Vidtriola- 
tum, dito ChryPallifatum , Sal Tartari Volatilifatum ,„ Cofmetieum 
Tartari , liqvorem Tartari Spleneticum , oleum Tartari Splencti- 
cum, &c, | | 
Den Weinftein zu caleiniren / nimmt man veinen Galpeter gleich 
viel, ſtoͤſſet jedeö befonder / und mifchet ſie zuſammen / thut es in einen 
neuen Topf überein Kohlfeur / fo wird der Galpeter ſchwitzen / hierauf 
ruhretman es um mit einen Stecken / bißes ein Salt; wird / zündet es 
hernach an, fo wird es ſchmeltzen / und der Weinſtein calciniret ſeyn / 
ift er nicht weiß genug / ſo thut mehr Salpeter darzu. 
Das vWheinſtein⸗ Del zu machen / fo ſetzt man ed nur im Keller fo wird. 
eö ſich in Delverwandeln, 
Weiß Gälden Ertz / iſt eine Art von guten Ertz /und hält gemeie 
niglich den dritten Theil Silber. — 
Weiß Acker Schnabel⸗Kraut / Geranium arvenſe album. 
—  Alber-Baum/ Papel⸗ Baum / Populusalb. 
Andorn / Marrubium album, Praſſium album. 
Aphodillenwurtz / Asphodelus tertius albus. 
Arant / Antirrhinon album ſecundum. 
Arſenick / Arſenicum album. 
Aug oder Agtſtein  Succinum album, 
Aurin / Aurinaalba,Gratiola feu GratiaDei, 
Barhengel/ weiffe Bethonien / Bethonica alb. & Pri- 
mula Veris. 
Weiß Been / Been album. 
- Bergpiftel/ Spina alb. | 
Berhonien/ Primula Veris, Herba Paralyfeos, 
Beyfuß / Arthemilia alb, fcu minor. 
Bilſam ⸗ Kraut / Hyofcyamus albus, 
Blex / Plumbum album, Stannum. 
Bleyweiß / Ceruſa ſeu Ceruſſa. 
Bohnen / Fabæ albæ. | 
Bohnen von America,Phafeolus albus Americanus. 
Brunet Rößlein/ Anemone major alb, prima, 
Bruftbeerlein / Pfeudo Syncomorus, 
Buch) weiffer Beyfuß / Archeriha alb. 


1111141 


| 


III TATITH 


Ealigel: 


— — — — 


_ Wei 139t 
Weiß Calitzelſtein / weiß Aupfferwaffer / Viäril, Vitriolum, 


album, 
Weiſſer Calmus, Calamus aromaticus,Verus, 

Candis · ucker / Saccharum Candum album, 

Crantz Hanenfuß / Ranunculus multiflorus, 

Creutz⸗Blum / Polygala alba Septima. | 

‚Diptam und Eſcherwurtz / Dictamnus albus, Fraxinella, 

Eberwurtz / Chamæleon ſeu Cartina alb. 

Eberwurtz mit Stengeln / Carlinaalb, cauleſcens. 

Epheu / Hedera alb. 

Endivien / Seris ſeu Endivia alb, - 

Engel⸗Blum / Gnaphalium ſextum, montanum album. 

Engliſcher wilder Balſam / Menthaſtrum anglicum 


EIER 


nıveum, 
| TBeifjür entzian/ weiſſe Hirſchwurtz / Gentiana alb, Cer- 
vına alba, 
Weiſſe Erdbeer /Fraga alb, a 
Erdrauch / weiſſer Cauben⸗ Kropff / Fumaria 2.forealbo, 
— Feld⸗Zwiebel / Bulbus Solfegvius, = 
— Weiſſe Flocken⸗Blum / Jacea alb, 
— Fluth⸗-SGras / Gramen Auviatile album. 
— Fuͤnff Fingerkraut / Pentaphylion (Theophr.) album; 
— Gartendieſtel / Carduus hortenfis albus. 
Sarten Scariol oder Endivien/Scariola alb,- Intybum · 


| 


minus album, 
Weiſſer Garten⸗Senff / Eruca Sativaalb. 
— Sarten⸗Saffran / Croeus hortulanus albus. R 
— Gefüllte Herbſt· Roſon / Malvaarborea alb, multiflora; 
— Gefüllte Maßlieben / Bellishortenfis multiplex flore albo, 
—  Öefällte Negelein / Caryophylius multiplex albus, 
— , Sefuͤllte Poͤonien Roſen / Paonia fœmina, Polyanthos 
Nore albo. - 

Weiſſer Hals⸗Kraut / Cervicariaalb, qvarta, 

nenfuß / Ranunculus albus, 

Haaſonkoͤhl / Sonchus niveus. 
Heuhechel / Ononis,⸗. flore albo. 
Hirſchwurtz / Sefeli Ethiopum vulgare 
Weiſſer Entzian / Cervina alb. gentiana alb, 
Hornungs⸗Blum / Leucojum Theoph, 
Huͤtten⸗Rnauch / weiſſer Arſenick / Arſenicum album, 
Indianiſcher Balſam / Balfamum Indicum album, 
Ingber / Teutſcher Ingber / Arum, — 
Attt a | 30 


111116111 


= ” 
\ 


1292 


Mei | 


4 


ABeıffe Iohanuis · Traublein / UvzJohannis £, Groffulariz 


albæ. 


Weiſſer Katzen⸗Klee / Lagopodium flore albo. 


D—— 


Und Heiner Wintergruͤn / Pyrola pratenſu alb, 
Roͤhl / Brasſica alb. 
Lilien / Lilium album ſeu candidum. 

Magſaamen oder weiſſer Mohn / Papaver album, 
WManngold / Beta alb. jur 
Marien⸗Gloͤcklein / Viola mariana 

Maulbeer / Mora alb. 
Maulbeer⸗ Baum / Morus alb. 

Mertzʒen⸗ Viole / Viola martia alba multiplex. 
Meyer / Blitum album majus. 

Mielten / Atriplex Sylveſtris. 

Moͤhren / weiſſe Paſtinacken / weiſſeRuͤben / Paſtinaea al- 


ba,Staphylinus albus. 
Weiſſer Nachtſchatten / Betonica aqvatica,ClymenonTurnerii, 
arciſſen⸗Roͤßlein / Narciſſus quintus albus. | 


“ — 


Nicht / Nihilum album, Pompholyx. 

Nießwurtz / Helleborus albus, Veratrum album; 
Gleander / Neriumfloribus albis. | 

Pappeln· Baum / Pappelwinden / weiſſet Alber · Baum / 


Populus alb. 
Weiſſer Paſtinacken / weiſſe Moͤhren / weiſſe Ruͤben / Paſtinaca 
alb Staphylinus albus. 

WeiſſerPfeffer / Piper album, Leuco Piper. 


DErESSISEN 


pᷣflaumen · Naͤgelein / Caryophyllus ſylveſt. plumarius alb. 
Prunellen Prunellaalb, 2. 
Quendel / Serpillum alb. qvartum, 

Rapuntzel wilde / Rapunculusfylv. 4, flore alb. 

Rebe Vitisalb, Bryonia alb. | 

Rertig Raphanus albus. . 

Rhabarbar / Indianiſcheaun⸗Ruͤbe Mechoacanna alba, 
Rheinfahrn / Achillea, Millefolium nobile, Tanacetum alb. 
Roſen Koſa alb. feu Candida. 

Roßfenchel Fœniculum Erraticum album. 


Ruͤben / weiſſe Moͤhren / weiſſe Paſtinack en Pallinaca 


alb. Staphyllinus albus. 
Weiſſer Santel / Santalum album, 


— 


Schabenkraut Blattaria alb. 
Schadheil 8Symphytum petrzum;, flore alb; 
Scharlach / Sclarea Sylvaltris alb, 
Weiſſer 


1 
Wei 1393 
Weiſſer Schwertel / Iris flore alb. 
— Seeblum / weiſſe Waſſer⸗Lilien Nymphza alb. 
— GenffErucaalb. Raucken / Rucula marina maj. 

— Seiffen⸗Erde / Cimolia Terra, Terra modicè pinguis, feu 
Terra Saponaria, alb. candida mollis, rara, aut in candido purpurea, 
Weiſſer ſpitziger Rheinfahrn / Tanacetum album acutum. 

— Steinbrech / Saxifraga alb. 
Tannen Abies alb. 
Taubenkropff oder Erdrauch Fumaria 2. flore albo. 
Thym / Thymus Creticus, Thymum album. 
Traubel Hyacinth Hyacinthus Botryoides lacteus is. 
Turbith Turbethum album. 
Violen / Viola Martia alb.multiplex. 

weiſſer und kleiner Wintergruͤn / Pyrola pratenſis alb. 

weiß Wachs / Ceraalb, 

weiſſe Wallwurtz / Symphytnm album, majus ſeu flore albo. 

— Wegdiſtel / Frauen oder Vehediſtel Carduus Mariæ. 

— wWermuht Abſinthium album. 

— Wiederthan Adianthum album. 

— Wieſenklee Trifolium pratenſe album, 

— wilde Feder oder Pflaum⸗Naͤgelein / Cayrophyllus fyl- 
veſtris plumaris albus, Spiuaalb. fylveftris, 

— wilde Stein-Frägelein Caryophyllus montanus albus z. 

— Winden Campanula ciſſampelos major, 

— Winter-⸗Viole / Violahyemalisflore albo, 

— Wolle Gnaphalium Lara pratentenlis, 

weiffes Wullkraut Verbafcum fecundum, fore albo. 

Weißwurtʒ Polygonatum, heillum Salomonis, 

weiſſe Zwiebel / Cepa alb. 

———— Zeopyrum, Zea, fommt nicht in allen Landen 


Weitzen⸗walch / Ara, Lolium, Zizania & Zizanium. 
Weiten / Triticum Frumentum , Robus, Pyros , eine befannte 
Frucht / mit welchen geoffer Handel unter den Landleuten gefchichet / 
nnd von welchen das fhöne weiſſe Brod gebaden wird. Das aus 
Mailen gemachte Krafft-Mehloder Amylum gehet auch häufig ab/ 
und wird an theils Orten zur Speife / theild auch das Reinen-Zeuß da» 
mit zu flärden / und die Haare damit zu pudern / gebraucht. In der 
. Argeneybienet das Walser: Mehl und deſſen Kleyen vor die Flüfle/ 
Engundung der Augen / und die Geſchwulſten damit zu ermweichen ; 
es ſollen auch des Podagra Schniergen und die Mafferfucht dadurch 
dertrieben werden/ wann (Ich — ein damit behaffter Patient in 
ttt 3 u 


einre 





1ııı 


..° 


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1394 Wei Wel 


einen Mehlhauffen feet. Das über Weitzen Mehl gegoffene Waſ⸗ 
fer/ wann es den Rindern eingegeben wird/ foll die Spulmürme ver- 


treiben. Je grob⸗koͤrniger / vein und (don gelb von Coutcur, aud ie 


tev allen Weisen der Pohlnifche in den Geeftädten vor den beften 
gehalten/ wie er dann auch allzeit s, bis s, Rthlr. die Laſt mehr als an 
derer Weinen gilt/ die Urſach deſſen iſt / weil er wohl geſchloſſen / Feine 
groſſe Kärben oder Spaltung hat / auch Feine Brannt: Körner darun⸗ 
tergefundenmerden / welche Branntkörrer lich häufig bey vielen an- 
dern Arten Weinen findens wiewol auchnicht zu läugnen / daß nicht 
ein und ander Sand und Probing fo guten Weisen ald dev Pohlniſche 
ausgebe / welches alles aufeine gute fruchtbare Erde anfommt. Geine 
Aus ſaat geſchicht im Frühling / und mit ausgehenden Sommer iſt er 
reif, Trauben⸗weitzen / Triticumfpica multiplici, beißt derienige/ 
der aufeinen Halm s, 8. oder mehr Achren hat. | 
Weixel⸗Hartz / Gummi Ceraforum, 
— Rirſchen / Gerafa Acida. 
Weixen Ochſenbrech / Heuheckel / Anonisononis, 
Wollſaamen Accipitrinz, feu Sophiæ ſemen. 
Mels/Silurus, ein groſſer Jiſch dieſes Rahmens / wird haͤuffig in 
der Donau und Oderfluß gefangen. 
Welſther Baldrian Phu ponticum, Valeriana major: 
- - Bärenklau/ Acanthus, Branca urfina ltalica. 
Pimpinell/ Pimpinella Italica, ö 
Bingelkraut Mfännlein/ Phyllum Mafculinum, 
Bingelkraut Weiblein/ Phyllum femininum, 
Bohnen Dolichus, 
Bohnenbaum / Faba Græca Agrifolium, 
Burdorn / Lycinum Italicum, 
Diſtel / CarduusScolymus, Articocalus. 
Eichen⸗Caub / Rotrys. 
Giſenkraut / Verbenaca vel Columbina ſupina. 
Fenchel / Foeniculum ltalicum dulce. 
Floͤhkraut / hſyllium herba pulicaris. 
Harnkraut / Cepæa. 
Heydelbeer Myrailli ltalici. 
Heydelboer⸗ Staude / Myrſine, ſeu Myrtus Italic. 
— Sirſchen / Milium indieum. 
alt Kirfthen / Corna, Kirbeeven / Divrligen / Harlitzen und 
eſerl. 
Welſch Roͤrffol / Myrrhis. 
— Rorn FFrumentum Aſiatieum, Indicum ſeu Saracenicum. 


Welſch 


— der Weitzen iſt / je lieber wird ſolcher gekaufft. Es wird aber 
n 


1 4 
— 


Wel3395 


TEEN 
Welſch Krebs⸗Blum / Heliotropium tricoccum Plinii. 

Kuummel Stœehas Arabica, 

Lauge / Hohlwurtzʒel Ariſtolochia longa vera. 

Liebſtoͤckel Lerifticum ltalicum. 

Linſen Colutea, oder Welſcher Linſen-Baum. 

Mo hnkraut / welſch Naͤgelkraut Lunaria Italica Neura. 

Neſſel oder Roͤmiſche Neſſel Urtica Komana. 

Nießwurtz / Elleborus albus, Veratrum album. 

Nußbaum oder Wallnůuͤß / Nuces Juglandes ſeu Regiz, 

Ochſenzungen / Bugloſſum ltalicum, Cirſium ſ. Echium. 

Oſt erlutʒey ariſto lochia longa vera, Daätylitis. 

Pimpernuͤßlein / biſtaceæ & Piflaciz, 

Pimpinellenoder Bibinellen Pimpinella Italica. 

——— Fuͤnfffinger⸗Kraut / Pentaphylion purp: 

rect. Ital. 

Welſch Ou endel / Thymum & Thymus, Serpillum hortenſe. 

Scharlach Horminum ſeu Sclarealtalica. 

Schlutten / Halicacabus peregrimis. 

SemesbiätrerSenafeuSennaitalic.. 

Seidelbaſt / Zeyland Almezereon, Chamæla. 

Stabwurtz Abrotanum odoratum. 

SieinbrechSaxifraga Italica feu major, Siler montanum. 

Stoͤchas⸗Kraut / Stoschas Arabica, 

Silber-Araut Argentina Mompeliaca, 

— Thymian / Römifher Quendel Thymum &Thymus,Ser- 
pillum Romanum, | 

— Veil / Viola matronalis, 

— Veilvwurtz / Iris Florentina. 

— Wegerich / Alifma ,Damafonium. 

— weiß Fuͤnfffinger⸗Kraut / Pentaphylion album rectum. : 

— Wermuht / Abſinthium Ponticum feu Romanum, 

— Zeyland oder Seidelbaſt / Almezereon, Chamælea, Ra- 

piens vitam. 

Wendewurtzel / ſchwartze Nieß · oder Chriſtwurtz / Hellebo⸗ 
sus niger. 

Wendiſcher Bröranch oder Taubenkropff / Fumaria illyriea 
Wendwurtzel / Ratzen⸗· oder Augenwurtzel / Valeriana. 
Weniggruͤn / Singruͤn / Maͤgdpalmen / Vinca per Vinea.ꝰ 
Werbeldoſt / Pulegium montanum. 

Wermuht / Abſinthium vulgare. 
Weſt⸗ Frießland oder Nord⸗Holland / ein Theil bon den 7. 
vereinigten Niederlaͤndiſchen ne mehrentheils lauter gu» 
j ttt 4 te 


_ 


DESSNLISBEBE 


Yzzese 


v 





3106. 2:2 


te Handeld-Städte als Enckhuyſen / Hoorn / Aldmer / Edam / Mündt- 
dam; Purmerent / Medenblyck / dieſe Staͤdte ob ſie wohl alle in einen 
Diſtrici zuſammen liegen / fo erſetzen doch ihre Gee⸗Commercia un 
Manufacturen / maß ihnen zu ihren Unterhalt und zur Erwerbung gtoſ 
fen Reichthums noͤthig ift/und wovon fo vieltaufend ihrer Einwohner 
alle fehr reichlich koͤnnen unterhaltenwerben / daß glſo Scaliger mit 
guten Zug / an).Doufa bon der Probing Holland ihrer groffen Kan: 
dels Gluͤckſeligkeit folgendes Gedicht hat abfchichen Fdunen, 
Ignorata tue , referam miracula Terra, 
Doufa,peregrinis non habitura fidem. 
‚Omnia lasiciolafJät textrina Minerba. 
Lanigeros tamen hinc ſctimus abeſſe greges. 
Non capiunt operas fabriles oppida Seflra, 
Nulla fabris tamen hic ligna miniflrat humus, = 
Horrea triticee rumpunt hic frugis acerfi. 
Paſcuus hic tamen ef non Cerealis ager, 
Hic numerofa meri flipantur dolia Cellis, 
2b Vineta Colat, nulla putator habet, 
Hic nulla , aut certe feges efl rarisfıma lini. 
Linifici tamen ef} copia major ubi? 
Hic mediis habitamus agfis , gbis credereposfu? 
Et tamen hic nulla,Doufa ‚cibuntur ag6a. 


Weft:Indianifche Compagnie, diefe war por dieſem weit mäd> 
tiger/ als die Oſt⸗Indiſche fonderlich da fie noch Brafilien und die 
Frantzoͤſiſchen Inſuln um America in Bells hatte, feiter aber dag ſie 
beyde Theil ver lohren / Fam ſie fo gar herunter / daß / wann die Herren 
Staaten nicht geweſen wären / ſelbige gaͤntzlich wurde feyn ruini- 
vet worden; Dann als ſolche ſahen / daß der Uberreſt derCompagnie 
ihres Capitals nicht genug war / die auf Permishion gedachter Herren 
Gen, Staaten Anno 1621, angefangene Weſt⸗Indianiſche Handlung 
fortzufegen/fanden fle gut / eine neue Compagnie zu formiren / um da⸗ 
Durch zu erhalten/ was ihnen fo wohl in Africa ald America übrig war, 
Zu diefem Ende accordirten fie mit denen Participanten und Credirori- 
bus oder denenjenigen / welche ihr Beld aufdepofitoder Compagnie 
gegeben hatten / daß ſolche Participanten s.Bulden@apital in der new 
en —— haben ſollten / an ftatt der 100. Gulden / die fie in der 
alteıfgehabt. Die Depofitarii follten vor 100. Gulden / welche ſie der 
alten Sompagnie gelehnet 30. Gulden / und die andere Creditores 100. 
Bulden von dem Eapital/ welches man ihnen fchuldig war / haben/und 
damit der neuen Compagnie Commercium defto befler möchte erabi- 
ret werden/ folite einjeder Participant Yor jede 100, Gulden alt um 

: N 


4 





Werl 1397 


tal / a Gulden / und jeder Depofirarius dor jede 106. Gulden / die man 
ihm ſchuldig war / 5. Gulden zu ſchieſſen / daß alſo beme ldte Compagne 
in den Fahr 16075. hundert und zwantzig tauſend Gulden baares Geld 
empfangen / welches mit dem / was die Participanten / Depofitarii und 
andere Creditores haben ſollten / ein Capital bon ſechsmahl hundert 
taufend Gulden ausgemacht / an welchen folgende Städte und Pro- 
vincien partieipirten/ald:Amfterdam vor 3. Seeland vor 3.dieMaap 
vor 5. Weſt⸗Frießland vor 3. und Bröningen bor 5. 
Die General⸗Verſammlung dieſer Compagnie / iſt ſechs Jahr nach ein⸗ 
ander in der Stadt Amſterdam / heruach z. Jahr zu Middelburg / und 
folglich eben fo lang in den andern Plägen/ bey welcher Verſammlung 
alle Angelegenheiten der Compagnie von zehen Directoribus oder De» 
putirten erörtert werden) und zwar feynd wegen der Cammer zu Am⸗ 
fterdam 4. Diredtores ‚von jeder dev andern Cammern aber nur einer. 
Diefe insgeſammt halten fehr fteiff darüber / dag niemand aufer ihrer 
Eompagnie nad) denen Africanifchen Küften handeln möge / fondern 
nur allein nah America/Surinam und Curacao, wobor ſie dochnochz. 
Gulden vor die Laſt derjenigen Schiffe/ fo nach Surinam gehen / und 
25.procentum por den Werth der Waaren / welde nad) Curacao 
gefandt werden / oder bon dannen herkommen / der Compagnie be> 
hlen müffen. | 
Die Adtien von diefer Compagnie feynd von sooo. Gulden Capital / 
welche An. 1703, den i6. Augufli 73. procentum „por dieſem aber so, 
big 95. procentum auf die Amſterdamiſche Cammer gegolten haben/ 
feiter dem aber nur ss. bis 60. procentum auf die andern Tammern. 
Die Repartitiones , welche die Compagnie feiter An. 1679. big 1693, 
gematht / ſo wohl in baaren Beld ald Obligationibus belleffen ſich auf 
44. procentum, DieObligariones aber ſeynd zurLaſt derCompagnit / 
welche davon Jaͤhrlich 4. procentum Interesfe bezahlen / und feineRe- 
partition thut / ehe die Obligationes eingelöfet ſeyn. 

Weſtphaͤliſche Waaren ſeynd Leinen Garn und allerhand Sor⸗ 
ten Leiuwath / welches zu und um Herford und Bilefeld viel gemachet 
wird/fein and grob / gebleicht und ungebleicht / das meifte davon 
geht nach Holland und ee und fo ferner nad) Spanien und 
Engeland/ die Saat zu den Flachs bekommen die Weftphälinger meh⸗ 
ventheils and Luͤbeck / welches ſolchen von Riga/ Königsberg und Chur⸗ 
fand verfhreibet/und mit ihren eigenenSchiffen über die Oft ⸗ See kom⸗ 
men laͤſt / von Lůbeck wird er pr. Hamburg verladen/ und fo ferner nach 
MWeftphalen fortgefchafft/es Eourmit auch viel aus Bremen / welche ebene 
ſalls ihre Schiffe nad) der Oſt-See ſchicken / nechſt den Peinwath und 
Leinen⸗Garn / hat auch Weſtphalen gut Korn / und fette Arne 
je Zetts da⸗ 


v 


1398 Mer Wey 


dahero die Weſtphaͤliſchen Schinden weit und breit befandt /i 
mein glüctied den Weſtphaͤlingern / dag ſie in der Fremde undau 
ihren Vaterland grofle/ reiche und bornehme Leute werden/ wie def 
fo viel vornehme Familten in Hamburg / Lübeck und Amſterdam / und 
die von ihnen ad piascaufas hinterlaffene Stifftungen ein Zeugniß ab» 
ftatten fönnen. 
Maaß und Gewicht in Weftphalen betreffend / fowird die Ofna⸗ 
brüger Ellen der Parifer gleich gehalten/und thun alfo 4. Oßnabrüget 
Gtlen >. Amfterdamer / eögilt auch gegen alle die übrige differente 
Gllen⸗Maaß / diefelbe Redudtion, die bey der Frantzoͤſiſchen gebras- 
chet wird / 100. Amfterdamer thun ‚33. oder so, Ellen Ofnabrüger/ 
Diefe hingegen wieder 171. oder 1563- Amſterdamer / die Oßnabrüger 
Reinwath halten gemeiniglich So. bis ss. Oßnabruͤger Ellen/ und mer- 
den hernac in Amſterdam bey 100: Ellen vor fo und fo viel Reichstha⸗ 
ler zuso. Stüber Eourant verkauft. 

Wetter⸗Roͤßlein / Alcea, Malva Venetiana, Hypecoum Matih, 
Wenyd / ein Kraut dafnit man blau färbt/vide Waid. 

Wepyd⸗Aſche / Gatrinum, feu CinisClavellatus, 

Meyden Felbinger / Salix. 

Weyenfuß / Weingartenfuß / Pes Milvinus, Ranunculus repen⸗ 
dulcis. 

Weyr oder Wiegen-Aranı/ Wermurh/ Abfinthium vulgare. 

Ieyer-Aolben/ Typha , Typha agvatica. 

— Yu / Tribulus aquaticus, lacuftris feu paluftris. 

— Ppeterlein / Paflinaca aqvatica media, 

— Rofen/ See⸗Blum / Waffer-Ztlien/ Nymphea, Nenu- 

haria. ’ | ’ 

R hey: Bras/ Meg: Gras /Centum nodia & Polygonum, 
Weyſel⸗Stein / iſt ein durch einen Berg⸗Schwaden / oder Arfeni- 
caliſchen Dunſt coagulirtes und gefaͤrbtes Waſſer / welches durch 
Kunſt mit Sand oder Kieß / Salpeter / Borras und gelb Arfenicum 
nachgemacht wird. 

Wepyrauch / Olibanum ſeu Thus incenfum ‚ift ein Gummi / mel» 
cher in Arabien wächft/ und ſonderlich an denen Orten / wo die Myrr» 
hen häuffig zu finden/ ed laffen aber die Einwohner nicht gern an frem> 
de Reifende die Art ſolcher Weyrauch⸗Baͤume befchauen/ dannenhero 
man auch nichts gewiſſes davon fagen Fan ; ſo viel aber weiß man, daß 
der Weyrauch des Jahrs zweymahl / als im Majo und Julio, um wel- 
he Zeit er ſich am meiſten fpührenläft / / geſammlet werde / und zwar 
folgender geftalt: Es wird nemlich erftlich die Rinde ded Baums zer» 
hacket / und unten herum auf die Erde werden Matten geleget / damit 

: der 


5 


x 


— —Weyr Wil 139 
Der herunter fallende Meyrauch auf ſolchen möge rein und fauber be: 
"halten werden/ dann ſolte er an die bloffe Erde fallen / würde er da’ 
Durch unrein werden ; der am Baum behängen bleibt/ ift der allerbe⸗ 
fte/ und wird dag Männleingenannt ; Es iſt auch der im Sommer 
fällt/ den andern an Büte,überlegen ; der beſte und ſchoͤnſte Weyrauch 
mus in reinen groben Körnern feyn/ und dabey wenig oder nichts Yon 
Staub beı) ſich Haben. j 

Weyrauch⸗Kraut / Kafenöhrlein/ milder Nardus / Haſelwurtz / 
Alarum Azarum, 
Weyrauch⸗Rinden / ſchwartzer Thymian / Cortex Thuris, 

Weyrauchwurtz / Libanotis ferulacea, Rorismarinus. 

Wickfeige oder Wolffsaſch⸗Bohnen / Lupinus. 

Wicken / zahme Wicken / Vicıa, 

Widerſtoß / Oeimaſtrum ocimoides. 

Widerthon / Widertodt oder Abthun / Steinfeder / Polytri: 
öhon Trichomanes, 

Miegen-Aranı/ Abfınthium vulgare, 

Wieſen · Bethonien / Berhonica Serratufa, Vetonica pratenſis. 
— Blum Naſturtium pratenfe, 

Aöhl/ Branca urfina Italica. 

Areß Nalturtium agrefte feupratenfe, Flos Cuculi. 

Ruͤmmiel Caros, Carvum & Carum. 

Lattich / Hunds· oder Kuhblum / DensLeonis, Taraxacum, 

Mangold Keta ſylveſtris. 

Rauten Thalictrum majus, 

Staͤndelwurtz / groß und klein / Orchis palmata pratenfis an- 

guſtifolia major & minor. 
teren Zeitloſen / Nackende Huren / Bulbus agreſtis, Colchicum, 
Wießmuht / Marcaflt/ Bißmuht / Bismutum Marcaſita. 
Wilder Ampffer / Mangold / Lendenkraut / Lapaihnm acutum. 
— Angelick Angelica Iylveflsisminor, 

Aurxin / Gratiela, Limnelion Cordi, Centauroides gratia Dei, 

Balſam / Menthafylveftris, Menthaftrum. 

Bafilien/ Ocimaftrum, ocimoides, & Lychnis fylveftris, 
Bingelkraut / Männlein und Weiblein / Cynecrambe mas 
& formina. 2* 

Wilde Bohne / Faba ſylveſtris. — 

— Bortzelkraut / Cepæa. | 

Bruſtbeerlein / Jujubæ fylveftres, 
Calmus / Valeriana. 

Cappern / Cappares. fyIveft, 
Cucumern / Cucumis Afıninus, 


Cypreſ⸗ 


⁊ 








1400 Bil» 


25. ce EEE 
Wilde Cppreſſen / Porſt / Tamarifen/ Tamarifcus, Tamarix, 
— Dill / Anethum hlveſtre, Meum. 

Dinckel / Taubkorn / Maͤusgaͤrſten / Lolium, Phoenix 

Diſtel / Dipfacus,Spina feleniüs, Diofeoridis. 

,  Doften Origanum fylveftre. 
Durchwachs Ophris fen Bifolium. 
Endivien / Cicerbita, Endivia ſylveſt. 
Eppich / Apium ruſticum ſen hlveſtre. 
Fahrn / Waldfarn / Farnkraut / Filix, 
Feld⸗Saffran / Carthamus Hlveftris 
Fenig / Pfenig oder wilder Fuchsſchwantz / Panicumfiveft, 
Feigbohne / Lupinus ſylv. 
Fichten / Pinusfylv. 
Flachs Leinkraut / Linaria, 
Flachs / mit gelben Blumen / Linum ſylveſtre flore luteo. 

Dito mit Himmel blauen e +  floreCaruleo, 
Feenum græcum, Lotus Campeflris, Lotus trifolia, 
Freyſemkraut / Jacea (ylveft, 
Juchsſchwantz / Panicum hlveſt. 
Salgant / runde Cyperwurtz / Ciperus rotundus. 
Galgengras / Gramen Ciperoides, 
GSarben/ Erd:Eicheln/ rohter Steinbrech / Filipendula, 

Garten Saffran / Crecushortulanus. 
Gehoͤrnter Magſaamen oder Mohn / Papaver Cornutum · 
Goldblum Heliochryfum. Dioſc. 
Dabern / Avena Græca, Feſtuca. 
Zaſenklee oder Kohl / Sonchus levis ſeu hlveſt. 
auswurtz / Portulaca fylveftris, Vermicularis minor. 
Zirſchhorn / Kraͤhenfuß / Coronopus fylv, fecundus, 
Zollunder/ Sebulus, Sambueus montana & humilis. 
Zopffenkraut / Onobrichis. 
RKartendiſtel / Dipſacus ſylveſt. 
Ratzenſchmaltz / Cati (ylveltris Pinguedo. 
Kirſchen / Chamæceraſa. 
Kleẽ / Wieſenklee / Trifolium pratenfe, 
RKnoblauch / Allium urſinum. 

© KRärffel/ Cicutaria, Myrrbis, 
Kreſſen / Iberis, Nafturtium agreffe. 
Kuͤmmel / Cuminum ſylveſtre. 
Ruͤrbes / Colocynthis, Cucurbita fylveſtris. 
Cattich / Lactuca Sylveſſtis. 


Wilder 


Wil 1401 


Wilder Lauch / Porrum ſylveſtre. 

— Lorbeer⸗Baum / Laurus (ylveltris, Tinus prima, 
Mangold / wilder Ampffer / Lenden⸗kraut / Lapathum acutum, 
Meel⸗Baum / Sorbus ſylveſtris. 
Meerhirſchen / Lithospermum ſylveſtre. 

Meerettig / Armoracia. 

Meliſſen / Meliſſophyllum. 

Melten / Atriplex ſylveſtris. 

Metram / Matricaria lutea fylveftris. 

R ale oder Maͤyer / Blitum ſylveſtre. | 
Moͤhren / Paſtinaͤcken / Daucus feu Paftinaca ſylveſtris. 

WMorellen / Elaphobofum ſylyeſtre. 

Maͤntz / Mentha agnina, Menthaſtrum. 
Mutter⸗Kraut / Calamintha montana. 
Klardus / Haaſen⸗Oehrlein / Aſarum. = 
Ochfen-Zunge / Bugloflum fylvefre,Echium vulgare) 
Dito mit weiſſen Blumen / Echium floribus albis. 
Oel⸗Baum / Oleaſter, Olea ſylveſfris. 
Oel⸗Baums Bummi / Gummi Elemi. 
Pfenig / Fuchs-⸗Schwantz / Panieum ſylveſtre. 
Pimper⸗Nůüßlein / Staphylodendron, | 
Poley/ Calamintha agreflisfeu vulgaris, Serpillum. 

orxtugaliſcher Lorbeer⸗Baum / TinusLufitanica, 
ucken / Eruca ſylveſtris. 

Rauten / Ruta ſylveſtris ſeu Harmula & Fumaria. 
Roſen / Roſa ſylveſtris, & papaver erraticum. 

Roßmarin / Rosmarinns ſylveſtris & Polium campeſtre. 
Roͤthe / Rubia ſylveſtris. | 
Ruͤben / Rapum fylveltre. 

Runder Galgant / Cyperus rotundus. 

Saffran / Carthamus ſeu Cnicusyel Cnecus)- 

Salbey/ Gallitrichon, Salviafylveftris, 

St. Johannis Brode/Siligva fylvefris, 

Scharlach / Horminum ſylveſtre, Gallitrichon ſylveſtre. 
Schwartzer Coriander / Melanthium ſylveſtre. 
Schwein / Aper. 

Schwein⸗Schmaltz / Apri pingvedo. 
Schweins⸗ Zaͤhne / Denges Apri, DentesSuisferi, 
Senff / Eryfimon, Sinapi ſylveſtee. 
Siſymber / Siſymbrium fylveftre, feu Mentha aqvatica. 
Spargen / Corruda Asparagus hlveſtris. 
Sperber⸗Baum / Sorbustorminalis, | 

| Milder 


, 


1401 Wil oh 
Wilder fpigiger nfahren/ Tanacetum acutum fziveflre, 
CTaſchel · Kraut / Bauren · Seuff / —— 

Vehediſtel / Spina alb. Hlyeſtris | 
Veil oder Vielwurtz / Iris Sylveltris, 
Wacholder / Chamzplatanus. | 
Weinſtock / Labrufca Lambruſea Vitis$, 
Weyden oder wilder Weyd / llatis 8. 
Weiſſer Senff / Eruca Sylveſtris alb. 
Wicken / Aphaca & Aphace, Vicia ſ. 
Firnen⸗Baum / Pinafter. 
Ziſer⸗Erbſen / Ciceres$, 
Wilder Zitwer / Bryonia alb, Vitis alb. an 
Wiigen / Welgen / Weiden, Felbinger / Seidelweiden / Salix. 
Winden ⸗Kraut / Convolvulus, Voſubilis, Numularia, 
Winde / Windig / Convolvulus, Volubilis, 
indiſcher Storch · Schnabel / Geranium tuberoſum. 
Minde Roͤßlein / Anemone. 
TWinter-Blum/Stachas citrina & Colchicum, 
inter: Borras / horrago hyemalis,BugloffumHifpanicum. 
—— / Mercurialis, Pyrola, ” 
Mminter Iſop / Ropd + Iſop / Zwiebel⸗Iſop / Satureja. 
winter · Kirſchen / Juden⸗ Kirſchen / Boborellen / Alkekengi. 
Winter⸗Koͤnig / Maͤuß⸗Koͤnig / Thurn⸗Koͤnig / Zaun⸗Koͤnig / 
Paſſer troglotites. 
— Winer-Pplannen/ MWintergrün / Holtz und Waldmangold / 
yrola. 
Winter⸗Roſen / Hals und Herbſt ⸗Roſen / Malvaarborca, 
winter⸗Veigel oder Viole/ Viola Matronalis. 
wirbel / ein Wurm / Curculio, ee 
Wißmuth / Bißmuth / Marchaſith / Rismuthum, v. Marcaſta. 
Wohlgemuth oder Doſten / Origanum ofſicinarum ſ. vulgare, 
Wohlriechender Aſant / Ala ſeuaſſa dulcis, Gummi Benzoin, 
—Calmuß / Acorus verus, Calamusaromaticus, | 
Filtz⸗Kraut / Epithymum, 
Als / Siebengezeit / Teifolium odoratum, 
Naͤgelein / Großblum / Caryophyllus hortenfis, Flos Tunicæ. 
© ur: Sarb, Harn-Rraut/Ofprisodoratapurpurea, 
Shläml-Blum/ Auricula muris. 
Spict᷑ / Nardus indica, Saliunca Gallina, 
Thymiam / Thymiama, Cortex Thuris. 
Wollkraut / Verbafcum odoratum , Primula Veris. 

5 Wohlverley/ Wouperiey/ Muttertvurk / Arnica , Caltha alpina 

sen, | Wolffs / 


— — — — — — —— — — 


| Bol 1403 
Wolffs/ Aſch⸗Bohne / Wolffs · Bohne / Feig-Bohne/ Lupinus. 


— Beer / Baccæ, Paridis, uva lupinæ. 
Daͤrmer / Inteflina Lupi. 
Fiſt / Buben oder Weiber⸗Fiſt / Fungus Chyrurgorum, 
Fuß / Wolffs⸗Tapp/ Cardiaca Pes Lupi, 
Gifft / Wolffs⸗Kraut / Wolffswurtz / Aconitum Lyceftonum, 
ffs⸗Milchwurtz / Eſulæ Radix, davon werden 3. Geſchlecht 
gefunden / nemlich die groſſe / kleine und runde / bon jeder haben wir 
nur die Wurtzeln / welche im Frühling ausgegraben werden / die ande. 
ve Geſchlecht / deren von den Gelehrten (ebenerley gezehlet worden / 
ſeyn nicht gebraͤuchlich / derowegen laͤſt man fie auch ber derben / diefe 
Wurtzeln werden von ihren Kern abgeſchaͤlt / und nur die Schelffen 
auffgetrocknet. | 
MWolffs-Schaden/ Thermus, Lupinus fativus, 
— Schmaltz / Lupi pingvedo. | 
— Streel / Dipfacus ,labrum Veneris, 
— Wurz/ Wolffs⸗Gifft / Wolfis »Kraut / Aconitum Ly- 
eodtonum. | 


Wolffs-3ahn /DensLupi, 


Wolle/ Lana , Ftangöfifch de la Laine iſt unterfchiedlicher Arten, 
als Schaaff- wolle / Baumwolle / und Wolle die von den Cameei. 
Thieren in den Morgenländifchen Dertern abgeſchoren / aud) eine 
Wolle welche von gewiſſen Kräutern und Straͤuchen auf den Feld ge: 
fammlet wird/und welde einigen Nationen zur DBerfertigung gemwif- 
fer Manufadturen dienet / von diefen Orten der Wolle (mögefamumt 
iſt albereit unter ihrer eigenen Benennung Meldung gefchehen / hier 

oll nur bloß allein von dev Schaaff- wolle / den damit geführten Han⸗ 
del / und Daraus Verfertigten Manufadturen gehandelt werden / ſolche 
Schaaff⸗wolle nun / nachdem ſie an dieſen oder jenen Ort fällt / nach⸗ 
dem iſt auch eine ſchlechter oder beſſer als die andere / und wird ins» 
gemein die Spaniſche Wolle vor die feinſte und —* — / wel« 
cher hernach die andere Arten / als Englifche/ Braband.fche/Böhmi- 
fche/ Pollniſche und Zeutfche folgen/ jintemahl nachdem die Schaaffe 
gute Wende haben / nachdem tragen dieſelbe auch gute Wolle / wie 
etwann die Geyden-würmer befiere Geyde geben / welche von weife 
fen al die don ſchwartzen Maulbeer-Baum Blättern gefpeifet gr: 
den, Bisweilen ift auch indem beften Rande ein Streich Erdreichs 
bor den andern begbem gute Wolle zu zielen / heutiges Tags pranget 
unfer liebes Teutſchland / wegen der in Ihüringen/ Ober-und Nies 
der⸗Sachſen / Böhmen / Mähren und Oeſterreſch fonderlich aber in 
Pommern und.dem Braunfdweiger Lande eingeführten hau igen 


Hif- 


1404 Wol 
Schaͤffereyen mit allerhand Sorten bon Wolle grober und klaret / 
ein und zwey ſchuͤriger / langer und kurtzer / und zwar in ſolchen U⸗ 
berfluß / daß feine Sorte wuͤllner Manutadtur kan erdacht werben/ 
weorzu eine oder die. andere Art von Wolle nicht dienlich feyn ſollte. » 
der Menschen Fleiß hat auch die Kunft erfunden / die Wolle wann 
och auf den Schaaffen ſitzet / durch fleißiges Wafchen mit einer ge: 
wiffen Lauge / und durch gute Wartung der Schaaffe zu verbeffern/ 
and follen diejenige Schaaffe/ welche ın Spanien fo ſchöͤne Wolle 
tragen / und bon welchen hernach die beften Heerden gezogen worben/ 
erftlich aus Engeland dahin gekommen feyn. Die beſte Gpanife 
Wolle ift die von Segovia , man Faufft diefelben gemeiniglich aſſortitt 
in s. Saͤtzen / in welchen dreyerley Gattung Wolle enthalten / alsin 
drey Sacken von der erſten Gattung / die feinſte in zwey Gäden 
vonder andern / die Mittelmaͤßige / und in einen Sad don der drit- 
ten Gattung / die geringfte. Dev Sad wieget gemeiniglich 7.Arobes 
welches 177. Pfund iſt. Ein Arobe Hält zs. Pfund. 
Was den Preiß der Spanlſchen Wolle belanget/ift derſelbe nach den 
Fuff der Zeit bißweilen hoch bißweilen auch gering / gemeiniglid 
aber feyndeinige Jahre / in welchen dev Sad aflortierter Wolle (das 
it s. eingepackte Sädemit allen Unfoften in Segovie abzugeben be: 
reit / gelieffertyeiner in den andern 1212. Reale de billon (>7. Reale 
für eine Frantzoͤſiſche Pitole gerechnet / welches 15. und 3. vierteltheil 
einer Pittolen machet / jedePiftol zun. Francken wie ſolche in Franck⸗ 
reich gelten) und alſo zuſammen 173. Francken s. ß. koſtet / und iftScgo- 
via der Ort / wohin man die Wolle von den Land herein am 
zu lieffern pfleget/da ed dann alle zeit vortheilhafftiger iſt / von deußand» 
Leuten und Bauren und alfo aus der erſten Hand / als von deuSpaui⸗ 
fhen Kauffleuten zu kauffen / vor einen jeden Sack Wolle obigen Ge- 
wichts / wird von Segovia bis Bilbao welches ein See⸗Haven InBilca- 
jen, ift/ von welchen man die Wolle nach Holland/Frandreid und En- 
geland zu verladen pfleget / in Circa 4. Reichsthaler / und bon den 
ausgehenden Zoll zu Segovia bey s. Reichslhaler / in Bilbao aber faft «- 
ben fo viel bezahlet / welches benebenft der darauf gehenden Fracht 
denen Negocianten wohl zu calculiven und einen richtigen Uberſchlag 
zu machen/wie hoch ihnen die Waare bis ihres Orts zu Reben Eonnnen/ 
allerdings noͤthig iſt. In Engeland hat der Woll-Handel von An- 
ng1300. her feinen Anfang genomnten/ und zwar durch die verderb⸗ 
fiche Auffrichtung der Handwercks⸗ Zunffte in Flandern und durch dit 
neue Accifen auf Brodt / Bier / Fleiſch und andern Nahrungs: 
Mittel / wie nicht weniger durch den Krieg wider Franckreich /weldes 
die Wollen⸗weber auffvührifch gemacht / daß ihrer viel nach Holland 
und Engeland ſich begeben/ und dafelbft die Manufadturen eingefüb- 
vet) 








m — — 


Bol 1495 


— — — —— SE 
ret / Die ſich hernach bey der unbeſonnenen und Tyranniſchen Regie⸗ 

zung des Duc d’Alba noch ferner bermehret / und Engeland an Manu- 

facturen reich / die Spaniſche Niederlanden hingegen arm geniacht/ e& | 
iſt aber der daſelbſt introducirte Woll⸗ und Moanufacturen⸗Haudel 

nicht allein bon unterſchiedlichen Koͤnigen / inſonderheit zu der Eli | 
fabecha Zeiten / mit herrlichen-Privilegiis begnaͤdiget / ſondern auch | 
durch die heilfame Geſete / welche zu Vermehrung des Land-Baues / | 
und der Schaaff. Zucht gegeben / item durch den Handel in fremde | 
Bänder / welchen die Engliſche Ration mit ihren Tücern zu treiben | 
angefangen/ dermaffen erweitert worden / daß heutigd Tages die En⸗ | 
gliſchen —— das Monopolium in der Lebante mit ihren Tüchern | 
allein führen / welches vor biefen bie Benetianer gehabt / die aber bey | 
weiten den Preißnicht geben koͤnnen / den eine Nation geben kan/ weis 

he die Waaren felbft fabricivet / undaus der erften Sand bat/ und  " 
welche — wie Engeland Anno 1661. gethan / die Ausfuhr der Wolle | 
und des Wollen Garns ja fo gar der Englifchen Füll-Erden / mit wein 

chen die Tücher gewaldet und gefäubert werden / berboten/aud) gar | 
einen eigenen Stapel in Teutſchland nenlich zu Hamburg auffgerich | 
tet / und ich bis hieher wohl daben befunden, | 

In Holland wird gleichfalls Jaͤhrlich ein groffer Handel mit Wolle | 
getrieben/ und zwar um fo viel ärder / ald das ganhe Band mit dief 

taufend Haudwercks⸗ Leuten befeget / welche in einem fo engen Raum 

Bein ander Mittel jich zuernehrenhaben / als durch die Manufacturen / | 
zu welchen aber alle Macerialia und darunter auch die Wolle von an⸗ | 
dern Orten muß hergebracht werden/welche die Holländer fo wohl zu | 
tractiren —— in | * rg en die aus ihrer 
Wolle gemachte Tücher begierig wieder. an (ich handeln / und dadurch 
dieſe —**8* Ration in ſtetemFlor erhalten. | 
Don unfern Teutſchen Woll⸗Handel / werden diejenigen / welche in den 
Schon bemeldten Ober-und Nieder⸗ Sachſen / in Schleilen / Böhmen/ 
Mähren’ und Defterreich gereiitreinekipäigen, Braunſchweiger und 
Srandfurter Meß ander Oder en eugen koͤnnen / was bor 
Shäffereyen und Vorrath an Wolle (ie bin und wieder geſehen / 
welch ein Handel in obbefagten Meffen damit getrieben / und wel 
eine Ovantität hin und wieder zu Manufadturen verwandt werde. 
Wie groß aber auch diefe lehtere immer hin feyn mag / fo fommt ſie 
doch faſt in Feine Bergleichung mit dem / was Jaͤhrlich an roher Mol⸗ 
e und gefponnenen Garn den Ausländern überlaffen wird / weiche 
ſolche hernachmahls zum Bortheil ihrer Lands⸗ Leute berarbeiten/ und 
und die fertigeManufadtur wieder ind Land führen/ja vor einen Reichs⸗ 
thaler welchen fie vor die Wolle bezuhlt / 10, und mehr Re öthaler / | 
nachdem felbige. Durch (le verarbeitet worden / wieder aus dem Rand | 

| Huvu | ziehen / 


d 





* 


a I 
1406 Wol 


ziehen / wie wir ſolches weitlaͤufftig durch Exempel in unſer Neneröf 
deten Vanufacturen⸗Haus pag. 112. bewieſen / woſelbſt wir auch von der 
Wolle ihre Zubereitung und zwar von der Zeit an / daß ſie Don den 
Schaaffen abgefchoren worden / bis fledie Weber / T und 
Stricker verarbeiten können : item von denen daraus verfertigten 
Manufadturen/ als da feynd aller hand Tücher / Stoffen/ Boyen/ 
Tapeten’ Strümpffe / Hüten und vielerlay andern / zu des Menſchen 
Kleidung dienenden Arten mehr / weitläufftig gehandelt ; Die Wolle 
wird entweder nach Eentner oder auch nad) Steinen ffet/ 
wohl nach Pfund/als wiedie Pollnifde Lamm · Wolle / und hat darin 
jede Stadt in Teutfchland / ihre fonderbahre Art des Woll⸗Kauffes 
und die Benennung der Derter und Provinzien, mo fie ſolche her 
befommen / und welche Art Wolle / ſie ambeften zuihren Manufadtu- 
* —— — dann die Erfahrung die beſte Lehrmei⸗ 
nn ſeyn muß. 
Von der Spaniſchen Wolle noch etwas zu bemercken / fo meldet bon 
ſolcher D. Becher in feinen Politiſchen Diſcours von Auffnahm der 
Städte / daß die Schaaſſe in Spanien des Jahrs nur einmahl 
ſchoren werden / und zwar geſchehe ſolches in den Anfang bes Di 
nats Augufi,da eine Schäfferen zufammen geführet/unb die Schaaf. 
—** auf den Rücen/ dann auf der Seiten / (woſelbſt fie die meiſte 
Wolle geben / geſchoren werden / dieſe Wolle wirdPrima,die bon den 
Bauch Secunda , und die vomHauyt / Beinen / ud Schweiff Tertia 
genannt / wie dann auch alle drey Sorten / jedebefonderd gewaſchen / 
net/ und hernach in kleine Saͤcklein eingenaͤhet / und 
men gepreſſet werden / nur wird die Segovifche Wolle alſo / 
wie fie bon der Waͤſcherey konnnt / dannenhero ſie auch noch viel un⸗ 
reines bey fich behält/ und wann fie noch einmahl in Holland 
wird / wohl zo. pro Centum,an den gemeinen Sorten aber nad) Adve- 
nant verlohren wird / die Summa aller Wolle welche etwan des Jahrs 
in Spanien geſchoren und gewaſchen wird / möchte ſich ungefehr bis 
4000, Ballen betragen/ davon um Segovia herum allein das dritte 
Theil von folcher Summa gefanmlet wird / bon folden 24000. Ballen 
gehen nach obbemeldten Authoris Bericht allein ıs000. Ballen nad) 
Holland ald welches zu den feinen Tuͤchern viel Spanifche Wolle con- 
famiret / Franckreich undEngeland möchten etwann zuſammen 3000, 
Baken/Braband und Flandern 2500. und den Reſt Ttalien verbrau⸗ 
chen, Die Einfchiffung obbemeldter Wolle gefchlehet wie zuvor ſchon 
emeldt zu Bilbao und St. Sebaftian ‚mofelbft aber die Zoͤllner (ich gern 
Befchen laſſen / und zu den heimlichen Ausbringen der Wolle / durch 
die Finger fehen / weßwegen befagter Doctor © her den Rath gege⸗ 
hen/dap der Köntg in Spanten / ein WWoll-Collegium’oder ar use 
a Hu u om ⸗ 


m — — 


Wol Wuͤn 1407 


Eompagnie auffrichten / ober wol gar dieſen Handel an die Holan- 
der verpachten ſollte / denen jeder Spanifcher Unterthan/ feine Rolle 
zu einen gewiſſen von ben Land beliebten Preiß zufchlagen müfte / in 
folchen Fall / würde erſtlich alle Woll⸗Verfiſchuug / heimliches Aus⸗ 
führen und Defraudiren derZölle koͤnnen abgeſchaffet / Jaͤhrlich eine ge⸗ 
wiſſe Summa baares Gelds in die Königliche Caflam gelieffert wer 
den/ und der König erfpahrte Darüber das Salariren der vielen Zoil- 
Bedienten/ald weiche Hinführo Die Compagnie auf ihre Koften unter- 
halten müfte/überdem/fo würden die Spanifchen Unterthanen hinfüh⸗ 
ro von der Compagine baar Geld vor ihre Wolle bekommen koͤnnen / 
da ſie jetzt allerhand Waaren / ſonderlich aber Gewuͤrt / wieder da» 
vor und zwar zimlich hoc) annehmen muͤſſen. Endlich und weiches 
das vornehmfte /würde der Rönigl.SpanifcheCredit dadurd) in Spa⸗ 
nien ſteigen / und felbigen in Fall der Rorh einen Vorſchuß auf dieſes 
Boll-Negorium zu thun nicht berfaget werben 6 — wie 
ſich hierauf die Hollaͤndiſche Schiffe um fo diel häufiger einfinden / 
und das gante Spanifche Commercium Florifant machen würde, 
Wolligte Creutzwurtz / Senecio Tormentofa Tertia. 
— Fremde Zwiefel / Bulbus,Eriophorus, 
Araut/ Verbafcum. j 
Blum / Lenotopodium , Rapejon linii , Verbafei flog, 
Wund⸗Holtz /Fraxinus. 
—  Glöckisin/ Sanicula alpina, 
Wunderbaum / Ricinus vulgaris, Cataputia maj. PalmaChrifti, 
Wurnd⸗raut / Conſolida aurea, vel farracenica, Nicotiana. 
— Larttich / Conſolida lactucina, Pulmonaria aurea. 
Raute / Ruta pratenſis, Ruta vulneraria, 
Schierling / Wüteridy/ Amauroſis, Cicuta, 
Wurtz / Vaſeriana ſylveſtris major. | 
Zyfehe/ Sideritis,Heraclia, Diofcoridis, 
Wuͤnſchel⸗Ruht / Virguladevinatoria, Fr. Baguettedevinatoire, _ 
wird dafür gehalten / daß ſie ſey ein Bild oder Ruhte deö Mercurii', 
und daß ſie daher ihren Rahmen habe. Es iſt aber eine ſoiche Gluͤcks 
und Wuͤnſchel⸗Ruhte nichts anders / als eine: Kubteoder Stöclein 
von Hafteln/ Tannen oder andern Holtze / welche ein Kuhtengänger 
abzufchneiden pflegt/ nachden er etwa Silber / Kupfler - oder Bley⸗ 
geauögehen will. Dieſe Ruhte wird ein Gluͤcks· Ruhte genku⸗ 
net/ weil damit bey Bergwercken groſſes Gluͤck gefuchet / und auch 
offt erhalten wird. Sie wird auch eine Wicke · Ruhi⸗ odereine Ruh⸗ 
te der Wahrſager oder Wicker genennet / ſintemahl das alte Teutſche 
Wort Wicken viel iſt / als vorher verfündigen oder wahrſagen / bon 
dem / was etwan zu gewarten oder — iſt / daher folde — 
| Uuu 2 au 


4 Win Bu 2 3 — 
auch im Bateinifchen Virguladivina oder Diyinatoria genennet wird. 
Dbnun wol viel fromme Chriſtliche Leute vor dergle Wuͤnſchel⸗ 
Kupten einen Abſcheu befommen/ und dieſelden verworffen/ fo it bed 
der einfältige Gebrauch der Wünſchel⸗Ruhten bey dem Berg: Bold) 
die Gänge damit auszurichten/ noch immer beybehalten worden. Die 
fen nach / wannein Ruhten ⸗ Gaͤnger beym Bergwerd einen Schat 
fuchen oder Bänge ausgehen will / fo faflet er die Wuͤnſchel⸗Ruhte in 
beyde Hände/ und gehet mit derfelben fort; wann er nun an einem 
Drt tommt / da ein Schatz verborgen liegt/ fo gt die Ruhte mit ihrem 
Niederbeugen deſſen eine Anzeigung. Eine Glücks oder Wüuſchel⸗ 
Kupte mup auch eine Zwiefel oder Gabel haben/ welche an beyden Gr- 
den von dem Ruhten Gaͤnger in die Hände gefaßt werden / alfo/ duf 
Has Mitteltheil über ich in die Hoͤhe ſtehe und wann man einen Gang 
damit antrifft / unter ich ſchlage. Die Ruhte ſchlaͤgt aufSaͤnge / aber 
nicht alleimaufgültige fünbige/ bie Gold, Silber und andere Metal» 
fen halten/ fondern auch wol auf taube Gaͤnge / ja / wie berichtet wird/ 
auf Waſſer / alte Gebäude und Zinimer in der Erden. CS fchlägt 
auch eine Ruhte nicht/ wänn (te aufdem Stanıme fteher / oder fouften 
an einem Ortohne Gebrauch hingelegt wird / fondern waan fie ſich 
senden, beugen oder ſchlagen / und eine Anzeigung eined verborgenen 
hahes oder Ertz · Ganges thun fol / fo muß ein gen ie 
in die Hände nehmen / und lich hierauf dahin verfügen / wo die Ruhtt 
ihre Verrichtun ausüben und volbringen Fan. 
SH ift aber die Wirckung diefer Ruhten ein Wunder der Natur / und 
Bid onhero noch verborgene Sache / deren Urſache man fo wenig er» 
Eundigenkan/ als warum dev Magnet das Eifen / der Agtftein das 
Siroh / der Serpentin oder Schlangenftein die Schlangen nad) ih 
ztehe/ und was etwan dergleichen natürliche Wunder⸗Dinge mekt 
1. Sobald die Ruhte an einem Orte geſchlagen / und bie gebü 
rende Anzeigung gethan / daß daſelbſt ein Bergwerck oder Schaf 
haben wird gleich daraufangefangen zu arbeiten / und ruhet 
manche nicht, bis man den Gang ge ffnet und entblöffer hat. 

Wuͤrbeldoſt / Clinopodium majus, Pulegium montanum, 

Wörmtraus/ Wuͤrm⸗ Saamen / Semen Zynz, Santonicum 
Tanacetum, Zedoariz. 

Xöurmwwurs/ Biltorta, Sanguiforba, Scrophularia, 

Woͤrſie / feynd bey den Alten unterſchiedliche Arten geweſen / ats 
Lucanicz Botuli, Falifcı, Hile, Tomacula, Apexabones, Longane- 
nes,Silicernia ; Die heutiged Tages bei) und befanntefte / fennd bie 
Bratwürfte und fo genannte Saucifgen, welches eine Art kleiner Brat · 
pürfteift; Die Knatwuͤrſte / welche mit den Bratwürften — 

om ⸗ 


Mur | 1409 


un nn —ẽ 
kommen / nur daß fie ſtaͤrcker mit Salt und Gewürtz berwahret; die 
Leberwürſte Tomacula, die Blutwuͤrſte Apexabones, und die ſo ge⸗ 
nannten und der gemeinen Rede nach aus Eſels-⸗Fleiſch zubereitete 
— de Bologne, dabon unter ihrer eigenen Benennung ein 
mehres. 

Wurtzeln / Radices, unter ſolchen ſeynd die vbornehmſten / diebon 
den Materialiſten geführet werden: Radix Althex Eybiſch⸗Wurtz / 
Radix Angelicæ Angelickenwurtz / Rad. Anthoræ Gifftheil⸗Wurtz / 
Apũ· Waſſer / Eppichwurtz / Ariſtolochiæ cavz Hohlwurtz / Fabaceæ 
Bunges Holtzwurtz / runde kleine Oſter⸗Lucey / Radix Ariſtolochiæ 
longæ vulgaris gemeine lange Oſter⸗Lucey⸗Wurtz / Rotundæ Veræ 


rechte runde Oſter⸗Lucey⸗Wurtz / Radix Aronis Aaron / Teutſcher 


Ingber / Afari Haſelwurt / Aſparagi Spargenwurtz / Aſphodeli Affo⸗ 
dilloder Goldwurtz / Ben albi weiſſer Behn / Ben rubrirohter Behn⸗ 
ober Wiederſtoß⸗Wurtz / Biſtortæ rohte Natterwurtz / BeletiCervini 
Hirſchbrunſt / Bruſci Maͤusdorn · Wurtz / Bryoniæ Zaunrüben / Cala- 
mi aromatici Calmuſwurtz / Cardopatii fivg Carlinæ Eberwurtz / Ca- 
ryophyllatæ Benedictenwurtz / Cervicariæ Hirſchwurtz / Chiaæ Chi⸗ 
nawurtz /Cichorii Wegwarten / Conſolida majoris Schwartz⸗ oder 
Wellwurtz / Contrajervz Gifftwurtz / Coſti amari bitter Coſtenwurtz / 
Arabici Veri Arabiſche Coſtenwurtz / Dulcis füß Coſtenwurtz / Radix 
Cucumeris Aſini Eſels⸗Kürbis / Curcume gelber Ingwer / Gelb⸗ 
wurtz / Curcumæ in pulvere, geſtoſſen Eureuma / Cyclaminis 
Schweinsbrod⸗Wurtz / Radix Cyprilongi lange Cypernwurtz / Cy- 
perirotundi runde Cypernwurtz / Radix Dentarix Zahnmwurgel Di- 
&amni albi weiffer Diptanıwur / Doronici Gemſenwurtz / Enulæ 
Alantwurtz / Eringii Mannötreb / Farfare Hufflattigwurtz / Filicis 
Karnfraut-WBurg/ Filipendulz roht Steinbred Wurk/ Radix Foehi- 
culi Fenchelwurtz Gentianz Entianwurg/ alba weiter Entian / in 
pulvere geftöffener Entian / Graminis Queckengras⸗Wurtz / Helle- 
barialbi weiffe Nießwurtz / nigri ſchwartze Nieß⸗Chriſtwurtz / Radix 
Hermodadtyli Zeitlofen oder Hermodattel⸗Wurtz / Hirundinarix feu 
Vineetoxici Schwalbenwurg / Jalappæ Jalappa oder ſchwartze Rha⸗ 


- barbara/ Radix Imperatoriz feu Oftrurii Meifterwurg / Iridis Flo- - 


rentine Florentiniſche Veilwurtz / detto in pulvere geftoffen Viol⸗ 
wurtz / Leviftici Liebſtoͤckelwurtz Liliorumalborum weiß Lilienwurtz / 
Ligviritie Guͤpholtz / Mechoacannæ weiſſe Rhabarbara / Meu Beer⸗ 
wurtz / Morſus Diaboli Teufels-⸗Abbiß / Ononidis Heuhechelwurtz / 
Petafitis Peſtilentz⸗Wurtz / Pentaphy!li Fünfffingerkraut⸗Wurtz / Peu⸗ 
cedani Haaſprungwurtz / Rad, Phu Pontici groß Baldrianwurtz / Pim- 
pinellæ Pintpinellen-SteinPeterleinwurt; / Poniæ Poͤonienwurtz / 
Polipodi Engelfüß/ Pyrethri Bertramwurtz / Rhabarbari de Levan- 

| Uuun ; te 


1410 Wur Xyl 
te Lebantiſche Rhabarbara / Rhabarbari Monaohorum Mönch-Rha⸗ 
barbara/ Mo covitici Mofeowitifche Rhabarbara/ Rhaponticı ha 
pontica/ Rhodiæ Rofenwurg, Kubiæ Tindtorum Färberröht: IRurs 
Sanicule Ganidelwurg / Sarfzparille Garfaparill- burg / Satyrıi 
Stendel⸗oder Rnabenwurg / Saxifragix alba weiß Steinbredywurg/ 
Scorzonerz, Scorzonera oder Schlangenmord>IBur& / Scrophula- 
riæ Braunwurtz / Scyllæ Crudæ Meerzwiebel / Scyllæ praparata zu. 
bereitete oder gebackene Meerzwiebel / Sigilli Salomonis PKeifwarg/ 
Tormentille Tormentillwurtz / Turpethi Turbith / Victorialis longz 
long — Victorialis rotundæ runde Allermianus⸗ 
arniſch. 

Obbemeldter Wurtzeln insgeſamt ihre Einſammlung geſchiehet zu al⸗ 
len Jahres · Zeiten ausgenommen im Winter nicht; einige werden 
geſammlet / ehe ie Stengel haben / nemlich um das Ende des Marti, 
andere ſammlen ſolche im Herbſt / wann die Blätter abgefallen / und 
die Kraͤffte wieder in die Wurtzeln gegangen ; noch andere im Anfang 
des Fruͤhlings / ehe fie in Blätter und Stengel ausgebrochen ; wieber- 
um andere/ warın dad Geächs in der gröften Zeitigung iſt / davor 
—— daß alsdann die Wurtzel mit dem gantzen Kraut befräfftiget 
werde. 

Wurtzkraut / Gariofilat und Caraffelkraut / Caryophyllata. 

Wurtz⸗Naͤgelein / Caryophylli aromatici, 

Wurtzried / Calamus aromaticus, 

Wuͤtterich / Cicuta, Cicutaria. 


X. 
Anthium, Bardana minor, S chwertel. 
Xnticum, Crocus, Saffran. 
Xaumich Nigella, fhwarger Kümmel. 
Xenechton, Xenechtum, und Zenexton ober Anhängfel gegen das 
Gifft / Xenechton & Xenechtum, 
Xylo.aloe, Agallochum, lign. Aloes, Paradis-⸗Holtz. 
Xylo aloe folida, Rhodium lign. 
Xylo balfamum, ift ein gewiſſer Baum / welcher einen Balſam von 
fich flieffen laͤßt Opo balfamum genannt. 
Xylo Caslıa, Casfıa lignea, Mutter-Zimmet. 
Xylocaradte, 
%yloarata, f ſiliqua dulcis, Johannis Soodenbrod. 
ylocerata, | 
X ylon, Bombax, Baummollen. 


Ybifeu 


—— —— — 


Pi 2 u 


— — —— 


Y. 
Bifeus, Ibifcus, Althæa, Eibiſch. 
Ycorion, Endivia, Endibien. 
Vdro, argentum vivum, Queckſilber. 

Nfenblar/ Imbenblat / Meliſſa. 
Vpoqviſtos, Salvia, Salbey. 
Yſop / Iſop / Hyſſopum & Hyſſopus. 
Vſiteus Mofchus, Bieſam. 


a viride zris, Grünfpan. 
Yu, eine edle Pflantze in Sina, in der Probing Quangſi, aus wel⸗ 


her die Einwohner ein Föftlich Zeug zu weben wiſſen / welches fürtreff« 
re me höher iſt / als die Seide. — 


Abalegum, Maſtix. 
Zabethum, Zibetum, vide Zibeth. 

Zacharias⸗Baum / Flos Zachariz, Cyanus & Blaveola, 
Faffera / Saflra, Zofleer, iſt ein blaulicht mineraliſcher Gtein / mo⸗ 
mit dem Glas und ſo genannten gemeinen Porcellein die blaue Farbe 

egeben wird / deswegen ihn die Hollaͤnder ſehr aufſuchen / welche ihn 
alsdann weiter in Engeland / Franckreich und anders wohin verſchi⸗ 
en. Seinen Rahmen führet er von den Saphier / ald mit dem er 
der biauen Farbe halber uͤbereinkommt. Der berühmte Teutfche 
Laborant Rundel/ in feiner volllommenen Glasmacher⸗Kunſt / p. 57. 
meldet/ daß die Zaffsa aus dem giffligen Eobold gemachet werde ; man 
findet aber der Zaffra oder Zepher⸗Farb zweyerley Sorten / als die 
gange und zu Pulver geftoflene/ von welchen jene die feine / diefe aber 
die gemeine genennet wird / weil ſie ohne Zweifel mit noch mehren 
Sand vermenget/ und dahero ſchwerer als die gantze iſt; Sie müffen 
beyde eine fchöne blaue Couleur haben / andersift feine Probe davon. 
Mit der Zaftera hat auch zum Glasmahlen faft eineriey Nugen die 
Magnefia, welche nichtö anders als ein ſchwartzliches Ertz dem & nicht 
ungleich / aber viel murberund mit kleinen Streiffen begabet iſt. Sie 
konunt aus Piemont in Stüden/ von unterſchiedlicher Groͤſſe / und 
- zwar in zweyerley Sorten / deren eine grau/ welche fehr rar / die an: 

dere aber ſchwaͤrtzlicht / wieein Magnetftein anzufehen tft; (ig muß 
ſchoͤn glängend und zart feynd/ und wenig einiges in ſich haben warın 
fie gut feyn foll/ / vid. Braunſtein. Die Zafferam vecht zu bereiten / 
fo fetze fie in ſtarckes Feuer s. oder ıo. Stunden laug / löfche fie hernach 
in Urin ab/fo iſt ſie beveitet/und thut einwenig dieſes Pulbers fehr viel 
MWärdungd. | 
Uuuu 4 Zei⸗ 


14 5, Be 


Zeichnen / Lateiniſ. Signare, Frangöfif. Margqver „ fätlt bey den 
Kaufleuten fehr offt ihrer Waaren halber vor ; Es iſt einfolches Be 
zeichnen aber unterfchieblich/ als da werben erſtlich bie Fäſſer / Ballen 
Kiften oder aufandere Art emballirte Güter mit gewiſſen Numeris, 
und der Kauffleuten ihren gewöhnlichen Handeld-Marqven ‘entweber 
Desjenigen feinen, der ſie abfender/ oder deflen/ der fie empfanget) ge: 
merdet/ und zwar entweder mit fhwarger Farbe von Kienruß und 
Leimmafler oder dünnen Bier angerühret / oder es wird auch folches 
Marc den Fäflern und Kiften eingefchnitten oder. eingebrannt : me: 
bey dann zu beobachten / daß alle gebrechliche Waaren ald Spiegel / 
Porcellain und. Steinen-Zeug / Bläfer / und mad mehr dergleichen 

- Subtilitäten feynd/ fo gemargviret werden/ daß an der Geite der Ki- 
ſte / welche oben ſtehen dimd entweder ein Trinck⸗ Glas oder Boutel⸗ 
lie, auch wol eine Hand / Spiegel oder Kron mahlet/ anzuzeigen / daß 
Die Fuhr ⸗ und Arbeitd-Leute behände damit umgehen / und die eine 
‚Seite allzeit oben follen fehen laflen / item daß die mit der Rronbe« 
zeichnete Güter etwan einen Fürften oder groffen Herrn zugebören/ 
amd dannenhero der gebühfenden Freyheit genieflen möchten- 

Das andere Margviten der Waaren gefchieht / wann dieſelbe ſchon in 
dem Magazin oder Windel ſeyn / daß man nemlich in verborgener 
Schrifft / oder mit fingirten Zahlen ihren Einkauffs-Roften / und wie 
fie nach darauf gefchlagenen Unfoften / und vorgefetten Gewinn zu 
berfauffen ſtehen / den Laden: Dienern zu ihrer Nachricht befannt ma: 
che / und dieſes nennet man Numeriren / davon allbereit unter folchem 
Wort ausführliche Meldung. nefchehen. Die andere Art dieſer 
MB aaren-Bezeihnung gefchiehet ber eigenen Manufadturen / da man 
ein gewiſſes Sinnbild/ Margve oder Numero auffeinen Waaren füh · 

„ vet/ entweder aufden Papier / nebenft den Rahmen in Rupffer gefto- 

‚chen oder gedruckt / oder auch in das Holtz mit einen glüenden Eiſen ein» 

gebrennet/ oder gar mit dem Hammer eingefchlagen/ wie die erfte als 
Die gebräuchlichfte in denen Seiden und Wollen/ und bey unzehlich an» 
dern Manufadturen/ aud) fogar bey denen Tabadd-Gpinnern / um 
ihre Waare dadurch befler zu recommendiren / gebraͤuchlich. Die 
andere Art/ nenilich das Holtz zu zeichnen / gefchichet an denen Spuh⸗ 
len / worauf Stiber/ Meping-oder Eſſen⸗ Drat / item die Seide / die 
man den Webern zumwieget/ gewundenift. Auch merdet man folder 
aeftalgbie Bier-und Weinfäffer ; die Tonnen / in welchen Tran oder 
Hering und dergleichen fette Waar zu finden. Das Bezeichnen durch 
den Haͤmmern gefchiehet an Gold / Silber und Zinnern Befäffen / au 
Meſſern / Scheermeflern und Degen: Klingen / Sthreren und vielen 
andern Eiſen⸗Waaren. % 

Bey allen diefen Arten des Zeichnend, ber Waaren / ift nur dieſes zu 


obfer- 


[4 


.,Bab Zap 1413 


ö— — —— nn — 


obſerviren / daß viel Verkaͤuffer / die etwan ſchlechte Waaren haben / 
den betrieglichen Griff gebrauchen / das ſie einer andern Fabricher 
rũhmtes Zeichen offtmahls faͤlſchlich nachſtechen laſſen / ſolches auf i hre 
ſchlechte Waaren hefften / und ſelbige dadurch für Waare von einer gu: 
ten Fabric ausgeben/ ja gar ihren eigenen Fabrigven dergleichen fal- 
fche Kennzeichen einwuͤrcken oder einftechen laſſen / damit ſte ſolche nur 
dadurch Höher vertauffen und am Mann bringen mögen, 
Zahme Endivien/Endiviadomellica feu fativa, 
— Feigbohnen / Lupinus ſativus. 
— Gartendiſtel / Carduus hortenſis. 
— Gartenoder zahmer Steinklee / Trifolium odoratum. 
— Sindlaͤufften / Wegwart / We weiß/Cichorium ſativum. 
— Rartendiſtel / Dipſacus hortenfis ſeu iativu⸗. 
— Muͤntz / Krauſe Muͤntz / Muͤntz⸗Balſam / MenthaCri- 
alativa. 
Zahme Naͤgelein / Gariophylli domeſtici feu hortenſes. 
— "en/ Eruca fativa, 
Rauten / Weinrauten/ Toden⸗Rxraut / Ruta hortenſis. 
Roſen / Roſa domeſtica ſeu hortenfis, 
Siſymber / Siſy mbrium domeſticum ſeu Mentha criſpa. 
Spargen / Aſparagus hortenſis Regius. 
Sperberbaum / Sorbus hortenſis ſeu ſativus. 
Sperberberren / Sorba domeſſica feu ſativa. 
Weyd / lſatis, Ghaſtum. 
— wWicken / Vicia. 
Zahn oder Zain, iſt ein langes Stuͤcklein Silber / welches geglüet/ 
und hernach zu Drat gezogen wird. £ 
Zahnkraut / Dentaria, Confolida dentaria, Sqvamatica, 
— Schneckenſtein / Dentalium. 
— Gticdyerfraur/ Bisnaga, Visnaga, Dentifcal, 
— Viole / Viola dentaria, | 
— Wurtz / Dentaria & Pyrethrum. 
Zain, vide Zahn / item Zein. 
Zambach / lſaſminum. 
Zancken und Zaucken / Maͤyenbluͤmlein / Lilium convallium. 
— — Er — 5 Sit a —— der ſehr — 
n der Oder gefangen wird / fein Kopffgleicht dem Hechts⸗Ko er 
Leib aber den Barſch. * * nid 
Zapffenholtz / Faulbaum / Alnus nigra, Arbor fœtida &Fran gula 
— Rorn / Clavis ſiliginis. 
Zaͤpfflein⸗Kraut / KRehlkraut / Hippogloſſum ‚Uvularia lingua 
pagana, Daphne Alexandrina, Laurus Alexandrinz, Bonifacia. 
YHuuu ; Zar- 


BEsern 


1414 Zar Zu ’ 

Zarlaparillen, Sarfaparillen/ Smilax afpera Peruviana feu Radix 
Salfaparille. 

Zaͤunling / Spedlilien/ Rofen von Jericho / Caprifolium, 

Ʒaunglocke / Campanulaconvolvulus, Volubilis major. 

—  Rönig/ Winterkoͤnig / Paller Troglotites. 

— Rüben/ Bryonia, 

— Winden / Convolvulusfeu volubilisminor, 

Zecchini, Benetianifche Ducati, vide Italiaͤniſche Waaren. 

Zeche / iſt in — — fo viel Feld / als eine Gewerckſchafft in 
Belehnung hat zu einer Fund⸗Grube. 

Zeckenkoͤrner / Cataputia major, Ricinus, Korva. 

Zedoaria, vide Zittwer. | 

Zehrgras / Centinodia. | 

— Wurz/ Aronwurtz / Teutſcher Ingber / Kalbsfuß: 
wurtz / Arum.- 

Zeig · oder Feigbohnen / Wolffsaſchbohnen / Lupinus. 

Zeilsnd/ Zebaſt / Zeidelbaſt / Cocognidium Lauteola, Meze- 
reon, Grana gnidii. 

Zein, Zain oder Zahn / iſt eine Art eined Merallifhen Gteind/ wel⸗ 
cher aus Eguptenfommt / und dem Kupffer eine fhöne gelbe Farbe 
gibt/ald wann es niit Gallmey gemacht wäre; Er ſieht hald aus / wie 
RegulusAntimonii,meil er aber theuer iſt / wird er nicht viel gebraucht. 

Zeiſig oder Zinſigkraut / Sideritis vulgaris, Heraclia Diofe. 

Seirlofen/ Margarethen⸗Bluͤmlein / Maßlieben / Bellis. 

Jeitloſen auf Wiefen/ Colchicum, Bulbus agreflis, 

Zellerie/ Apium,Selinum. 

Ferte/ Zerta, Capito anadromus, Aldrovandi, ein gewiffer fetter 
Fiſch dieſes Nahmens / der zur Herbſtzeiten haͤuffig in der Oder gefan- 

en/gebraten/ und wie die Reunaugen in Eßig eingeleget / und fo in 
feinen Faͤßlein verſandt wird. 


Seuche oderEtoffen bonWolle / ſeynd bielerley / und bekommen ge: 
meiniglich nach den Ländern und Städten mo ſie fabricivet werben/ 
jtem nach der Materia woraus fle os ihren Nahmen / als da feynd 
von dem Frangöfifchen Zeuchen/ die Sarges de Nimes, Chalons,Ber- 
ry,Saint Lo, Cain, Frene, Conde., Seignalay der breite wollichte 
Sarge weiß und grau von Bauvais und Sedan, der mittelmäpige Sarge 
bon Mouy, Merlou, ‚Mezieres, Donchery, Tricot, Nantes, Haute- 
pine, der Sarge don Amiers facon d’ Ascot ‚, der Sarge nad) Art der 
Sarges deChartres, fonft Sarge ala Reine genannt/item derSarge bon 
Ypern und Afcot, Sarge facon de Seigneur, Ras faconde Chalons, 
Eiamines insgemein Sarges de Rome genaunt / Raſchen deColles, oder 

I facon 





4 


Bid Zie 1415 


facond’ Aumale, die fo genannte Dauphines, indiennes, Callägnettes, 
undFrocs, welche zu Lilieux und Bernay in der Normandie gemacht 
werden / die Sargesbon Aumale und Creve Coeur ‚die weiſſe / graue / 
vermengte / glatte und geftreiffelte Droguet<, die weiſſen und grauen 
ſo genanuten Tireraines, don Wollen und Zwirn gemacht / die — 
len Sarges de Roye. 
In Engeland die Sarges de Londres, Eron:Rafchen / und vielerley 
andre Arten mehr. " 
In Holland die leydiſche Sarges, und fo diel Barracans oder Came- 
lots, Haͤren Soy, Polomiten/zc. 

u Teutſchland die taſt einer jeden Stadt ſonderbahr gemeine Land⸗ 

g / ferner Die in Handel und Wandel häufig vorkoinmende Col⸗ 
berger / Hamburger / Bremer /Langenfalger / Erfurter und andre 
Raſchen / der Boyen und riefen / die hin und wieder in Sachſen / 
Brandenbarg/ und vornenilic in Vogtland / zu Gera, item zu Ruͤrn⸗ 
berg die fo genannten Schwaben » Weberzeudy/ entweder von purer 
Rolle / oder mituntermengten Zwirn / anderer Orten aber mit un- 

ten Cameel · Haar / oder Seiden / deren Battungen alle fo biel 
ſeynd / Daß Teutſchland (ic) ſonderbahr erfreuen / daß dadurch Jaͤhr⸗ 
lich viel Tonnen Goldes / im Laud behalten werden / welche ſonſt vor 
Crepon, und andre Wollen Stoffen / müffen ausgeſandt werden. 
. Sibeben/ groffe blaue Roſinen / Uvz pallz, (cu Paſſulæ majores. 

Zibech / ift ein fonderlicher Parfum , welder von der fo genannten 
Ziberh-Kak genommen wird / und werden folche Zibeth⸗Katzen / die 
auch hiefiger Landen bey und können lebendig erhalten werden / aus 
Gvinea von Capo Corſo gebracht / zwar feynd einige in dev ungegrün: 
deten Meynung / als könten dieſe Thiere nicht zahın gemachet wer- 
den / deſſen Wieberfpiel aber Herr Olearius in Beſchreibung der 
- Gottorflifhen Kunft: Kammer —— / wiewohl fie ihre Zamheit 

im Alter wiederum verlieren. Ferner fchreibet gedachter HerrOlearius 
von denen zu Bottorff gezogenen folgendes : Gie haben unter den Hin⸗ 
terften über den Pudendis ein ſchlammigt faftald ein Hüner-Ey di- 
cker Beutel/ in welchem derZiberh waͤchſet / welcher wöchentlich zwey⸗ 
mahl mit einem FleinenZinnernen Löffel als eineZürdifche Bohne gro 
mit groflen Zwang mufte abgenommen werden / fonft fie folchen ſelbſt 
an die Wände ausfprigen. DevbefteZiberh muß an der Farb weiß / 
am Geſchmack bitter / am Gerud) wiederwartig ſeyn / wiewohl der 
gute auch braun / und der falfche weiß wird / Fan man alfo)die Prob 
am beften von dem Geruch nehmen / wann man des Zibets zu viel nim̃t / 
fo riecht er übel/ gemäßigt aber ift er fehr angenehm. 

Zittwervwurtʒ / Zadar,Zadur,Zedoaria,vid, Zittwer. 

Ziedern / Ægilops, Panis Leporis. 





Ziege 


1416 3ie Zim 
Ziege / Beiß/ Capella,Capra Hirci foemina, 
— Fell / Pellis Caprina. 
— Torduwan / wird fomohl bon den Schuſtern zu Schren / 
als von den Buchbindern die Bücher damit einzubinden gebrauqt. 
Ziegen Bocks Blut / SangvisHirci, 
—  Unfäplice / Sevum Hircinum, 
Zieferlein/Kicbeeren/ Corna. 
Ziefer Nuͤßlein / Pinea, Ä 
Zigeuner-Arauı/Rindswutg/ Bilem-Aranı / Hyolciamus, 
Simmer/ ift eine Zahl die in Peltzwerck mehrentheild gebr 
wird / und bedeutet fo viel ald 40. Stück. | 
Zimmer oder Ruthe / Cauda,Hafla, Membrum genitale Mentu- 
la, Penis, Priapus & Virga. 
ZƷZimmer⸗Holtz / vide Holt. 
Zimmet / Cinamomum, $ranpöflfd) de la Canelle,ift die Rinde ei> 
nes Baums / welcher gewöhnlich Caneel genannt / und in Oſt⸗Indien 
efunden wird/ fonderlich in der Inſul Ceylon welche den rechten war⸗ 
# tigen Zimmet alleine giebet. In Weſt⸗ ndien findet man auch 
dergleichen Bäume / können aber mit den Coyloniſchen nicht vergli⸗ 
chen werden / es kan auch diefer Baum in feinen andern Band alfo zur 
Zeitung gebracht werden / als in Ceylon, doch kan er einiger Maſſen in 
Orangerien erhalten werden / wiewohler in gar wenigen anzutreffen. 
Die duffere Rinde diefed Baums riechet zwar und fümedet einiger 
Maffen nach Zimmet / doch ift die innerfte Rinpe eigentlich die jenige/ 
die wir vor Gemürg brauchen. Es waͤchſet der Zimmet-Bauım mit 
fchönen geraden Aften fo hoch und ſtarck ald ein Eitron oder Del- 
Baum / die Blätter kommen der Geftalt nach / den Citronen / derFar⸗ 
be aber nach / den Lorbeer Blättern ähnlich, die Blute it Schneeweif/ 
und riechet ſehr wohl / die Frucht beftehet in fchwargen Beeren / fo 
roß und faft geftaltet ift ald Oliblen /wird aber wenig geachtet. Son⸗ 
cn iſt der Unterfcheid mercklich / denn der fehlechte faft die Helffte weni: 
er alöder beſte verkaufft wird. Er wird mit dicken leinen und 
— Fellen umwunden / ſo man Fardel nennet / zu uns gebracht; 
DieT hara iſt von einfachen Fardel r. W. wird mit 3. 9. Rabbat der» 
raufft Zu verwundern iſt / daß ein ſolcher abgeſcheelter etbaumin 
anderthalb Fahren wieder eine feifche Rinde feget/ und kan man 
faft Mügenfcheinlich fehen / wie der Safft des Baumes durch die fleinen 
Poros wieder heraus dringet / und ſich auffs neu condenfiret/alfo daf 
man thn einig Jahr hernach wieder als eine Rinde abnehmen kan / 
aber folcheXinde fo eingekruͤmmet iſt / kommt daher / weil mann ſte 
von Baum geſcheelet woͤrden / die Sonne ſie hernach alſo eintrocknet und 
sufannmen kruͤmmet. Die befte Zimmet-Ninde muß lang / = der 
Ä unge 


Zin 1417 
Zunge ſcharff und doc) ſüß / an der Farb roth / und nicht weiß oder 
ſchwartz / und dünn von Röhren feyn. | 
Zimmer Wapfer zu deftilliven / nimmt man ein halb Pfund Zimmer 
ſtoͤſt ſolches in Dörfer Hein / gieſt hernach ſechs Maaß Elared Brun 
nnen-waller darauf / ſetzet es eine Nacht in heiſſe Aſche und deſtillirt 
des andern Tags / ſo wird man ohngefehr 4. Maaß eines guten Li. 
qveursmieder befommen. Item nehmt ʒ Maaß ſiedend Waͤſſer / ein 
Halb RoͤſſelgimmetEſſentz / thut dazu drey Noͤſſel guten Brandtwein, 
mit einer Maaß gelaͤuterten Zucker / und ñiltriris ſo iſt es fertig. Item ' 
nehmt ein Maaß ſiedend Waſſer thut darein ein Loch Zimmet und 2.0 
der z. Naͤgelein / gieſt es zuſammen in eine glaͤſerne Bouteille’und [a 
es kalt werben / wann es kalt iſt thut noch eine Maaß ander kalt Iaf- 
ſer ba fammt ein viertel Pfund Zucker / fo if ed annehmlid zu 
trincken. 
Zimmet Elſentz in der Confiflan eines Extracts wird gemacht / wann 
man nimmt Muſcaten · Oel / ſetzt es i Sommer an die Sonne/um ihm 
ſeinen Geruchzu benehmen / thut hernach gu bald viertel Zimmet-Del 
dazu / und bringt es zur Confifteng eines Extradts. 
Der Einkauff des Zimmers iſt heutigs Tags bey den Oſt· Indiſchen 
Compagnien in Holland und Engeland. 

Zinct᷑ / Marcaſita aurea ſeu metallica, Zinkum, fonft aud) Spiauter 
genannt / kommt in biereckigten dicken Kuchen / worzuer warınergerei» 
niget worden / in einer Form gegoſſen wird / eigentlich iſt es eine Art / 
Bley⸗Ertzes / aber vielhaͤrter / weiſſer und g ender als das ge- 
meine / das beſte ſo von Goßlar kommet / ift weiß / in groſſen 
Stůcken und nicht leichtbrüchig / je länger es tm Feuer geweſen / je 
ſchoͤner es iſt / welches an den Keinen Sternlein darauf zu erſehen/ 
mann ed wieder umgegoſſen und zu kleinen Stuͤcklein formiret wird/ 
die Kannengieſſer verbrauchen eine groſſe Mantitaͤt dieſes Metalls/ 
weil fie in acht genommen, daß das Zinn biel beffer en von feinen 
Unflath als durch den Feıl-Staub der Nadelmacer zu fäubern fey/ 
indem der Zind das Zinn alfoveiniget/wie das Bley das Bold, Gif- 
beroder Kupffer thut/ ia ſie wollen gar daß der Zind das Gewicht des 
Zinns hermehre / wiewohl man es nicht alfo in der That befunden/ 
fonft gibt auch der Zind dem Kupffer eine Bold-Karbe / abfondertich 
mann man etwas Curcuma dazu thut / er zwingt auch das Kupffer eben 
ie der Arfenicum ‚ warın man weiflen Rupffev machen will / odPr mie 
der Gallmey das Kupffer in Meßing verändert/und derlUngarifche Qt: 
triol das Eifen in Kupffer tingiret. 

Zingiber, Zinziber, Jugber wird getheilt (1) in Zingiber mas,An- 
choa Monnlein und feminafeu Chilli Weiblein / (2) in guten weif- 

fen 


1418 — no un 
fen Thron Ingwer Zingiber finum album, Belletinum , und grauen 
Ingwer Zingiber nigrum, vid. Ingwer. 

Zinn / X. Stannum de P E’rain, iſt eines von den geringern und 
weichern Metallen / jedoch edler als das Bley / und beſtehet aus cl 
nem etwas reinen und feinenMercurio , mit beygemiſchtem ſcharffen 
und ungeitigen Schweffel ; ed wird darum unter die geringere und 
weichere Metalle gerechnet / in Anfehung des Gold und Silbery/ at 
welche viel Dichter / und Daher auch nicht fo gar bald zu ſchmeltzen ſeyn 
Daß es aus einem guten Mercuriv beftebe / giebt deſſen Schwere zu 
erkennen / wiewohl je leichter und gefchmeidiger es iſt / je beſſer es ge⸗ 
halten wird; Dap aber felbiger etwas vein-und feiner ſey als in dem 
Bley / exhellet daraus / weil es nicht fogar bald ſchmeltzet wie Das Bley / 
daher dann der Mercurius in dem Zinn etwas firer iſt / ob ſchon nicht 
ſo vollkommen figivet/ wie in Gold und Gilber/ zu geſchweigen / dal 
man allein durchs kochen einen lebendigenMercurium aus bloffenzinn 
gebracht habe / wiewohl durch obigen Mercurium ‚der gemeineMer- 
eurius eben nicht verſtanden wird ; daß es einen unzeitigen Schweffel 
bey fich habe, erſiehet man aus der Deililfation der fo genannten But- 
ter des Antimonii und Spieß⸗Glaſſes / in welcher dieſer Schwefel wie 
die ſchoͤnſte Gold-Blätgen auffzufteigen pfleget / und fo man Zim 
und Kupffer zuſammen feet / und in Feuer beederuͤhret / fangen ſie an 
zubrennen / auch ſoll das Zinn / wann es mit Salpeter und einen Al- 
ccali vermiſchet und erhitzet wird;/ gleich denn Schieß⸗Pulver bligen. 
So hat auch das Zinn feine blaue Farb von dep Schweffel und wird 
nicht leichtlich eine Art des Zinnd gefunden werden / das nicht etwas 
Bold halte/dahingegen gemeiniglic das Bley etwas Silber mit (ich 
führe. Das beite Zinn ift das Engelländifche / und Japaniſche / fo 
dann in Böhmen dasSchlackenwaldiſche / Krupiniſche / Lauterbach und 
Schoͤnfeldiſche / und das ſo zu Geyersberg in Meiſſen gebrochen wird. 
Es iſt aber das Finn und deſſen Gebrauch / vor ſehr alt und langer Zeit 
bekandt geweſen / dann die Kinder Iſrael raubten ſchon zu den Zei⸗ 
ten Bileams / da ſie ſelbige ſammt den Midianitern erſchlagen hat⸗ 
ten / alles ihr Gold / Silber/ Ertz Zinn und Bley/Num. z. v.z2. ſo 

at man auch) aurden Mardt zu Tyrus allerley Waaren/ Gilber/ Ci» 
Zinn und Bley gebracht / wie bey den Propheten Ezech. Cap. 

27, v. 12. zulefen. 

Das Englifche Zinn / welches wie ſchon gemeldt / heutigs Tags vor 
das beſte gehalten wird / iſt abermahl verſchie dener Sorten / alö das 
rechte pure / wie es aus den Zinn Gruben konunt / und von den Frantzo⸗ 

fen !’ Etain plane oder das glatte Zinn genennet wird / nach denſel⸗ 

ben iſt das Flingende Zinn zu feßen / welches doch ſchon mit Bißmuch / 
Zinck / Kupffer und dergleichen vermiſchet iſt / als welche a 
H 


‘ 


ag Zin h 


1419 
ö— r ——— — —— — — — —— — —— ———— 
felbenden Klang geben, endlich iſt die gemeine und mit Bley gemiſchte 
Art noch übrig ; bon allen dreyen Ban man Die Probe nehmen, warın 
man jede Art Zinns in eine Kugel⸗Form gieffet / davon hernach die 


leichteſte vor die befte gehalten wird / die Rannengieffer probiren eö 
mit den Zähnen / ob es Erache oder nicht. —— Gert 









t nn fo s oloratum genennet wird/ 
TR an t / und wo ut tt 

je / Zinn —— Stans; ce ni ‚feynd ni 1 aubers 
nie fed Inn / oder — Pulver deſſen ſich die Töpfer 

Irengebraudhen. BDieubrige aus Zinn 

ſeynd entweder Trind-Befhirr/mander- 
ley T g / Apothecker und Barbierer — und was ſie et⸗ 
wann mehr zu ihrer Profeflion nöthig haben möchten. 
Der Handelmit den Zinn geſchiehet entweder auf unverarbeitetes 
Zinn/unter welchen wie ſchon gemeldetdaß das Engliſche weiches in der 
Proving Cornuvall gegraben wird / das beſte ſey / oder in verarbeiteten 
Zinnernen Manufadturen/deren abfonderlich die Ruͤrnberger vieler: 
ley Arten haben / die zum Theil nach den Geſicht / theils auch nad) 
den Gewicht / etwann auch nach gemiffen Gulden oder Thalerwerd? 
verkauffet werden / jedoch behalten unter den Zinnernen Gefaͤſſen die 
Engliſchen vor allen andern den Borzug/ald welche wie an den Schuͤſ⸗ 
ſeln — zu erſehen / mehrentheils mit den Hammer zu berel⸗ 
tet wer 


Weil auch mit den Zinn / wie mit den Silber eingroffer Betrug borge⸗ 
hen kan / als wird nicht nur an denen meiſten Oeriern in Teutfchland/ 
voraus in denen Reichs · Staͤdten / deßwegen öffentliche Gchau-und 
Auffſicht gehalten, fondern auch noch über dieſes das Stadt oderfan: 
des Zürftlihe Wapen zum Zeichen richtiger Probe darauf gefchlagen. 
Das Englifche Zinn welches zu Rouan fu Franckreich ankommi / wird 
rckt mit der Roſe und mit dem Ring / jenes Zeichen hat es ſchon in 
ngelaud empfangen / dieſes wird in Rouan erſt drauff geſchlagen / und 
dadurch das beſte und reinſte Zinn ſo im Schmeltzen zu erſt oben abge⸗ 
nommen worden Darunter verſtanden. Mit den Verzinnen des Eiſen⸗ 
und Kupfferwercks damit jenes nicht roſtig / dieſes aber nichbboi⸗ 
fer Grünfpan werde / gehet es alſo 7 : Das Eiſen wird erſtlich ge: 
beiget/fodann ausgeſcheuert und auf das beſte gefäubert/dann wo nur 
das aller geringfte hangen bleibet / ſetzet (ich daſelbſt Feinzinn an/ es 
muß aber folhes Zinn fo darzu gebraucht wird / wohl geläutert/ und 
in Fluß gebracht werden / worzu aber ein befonderer — und 
dand⸗ 


* 


en 
des Zinus wird der Stanniol oder Stannum foliatum lagen / 
— teln berfauffet wird / deren jede ein@r 
5 ıt fol 1 man bet es nicht allein weiß fon- 
5 „co 


1 


u 


i42 —Sinnn — 
Handgriff gehoͤret / damit ſich ſelbiges wohl anſetze / und das Eiſen das 
Zinn auch gerne annehme. | 

Zinn⸗Graupen iſt ein gan reiner frifcher Zinn-Stein/ der über die 
Helffte Zinn hält, 


Zinn⸗Kraut / RKannen · Kraut / Katzen⸗Schwantz / Eqvifetum. 
Zinnober / wird in Cinnabar, factitiam, das iſt ein durch die Kunſt « 
machten / & in Cinnabar. Nativam natürlicyen oder Berg⸗Zino⸗ 
ev eingetheilet / jener wird zu Venedig item in Engeland und zu Am⸗ 
ſterdam / voneinem Theil Schwefel und theild Weckſilber gemacht 
und fublimirt / er kommt gang und gerieben aus dem Land / wiewohl 
man in Teutfchland auch an den geriebenen Zinober / um ibn zuder 
Schönheit wie er aus Italien kommt zubringen/ arbeitet / ſo aber meh⸗ 
rentheils mißlinget/ alſo daß er durch das viele Künftlen / vielmehr 
verdorben und verfälfchet wird / er wird aufeinen glüenden Eiferuen 
Blech probiret/ allein dieſe Prob iſt nicht Viel zu achten / ſintemahl er ei⸗ 
nen Rauch eben wie der falſche von fich giebt. Cinnabrium. Nativum 
Berg-Zinober/ davon iſt eine Art gar fein/und beftehet in lauter Gra- 
nis oder Koͤrnlein / hat auch de inen Qvarg / da hingegen der andere ſei⸗ 
nen Qvark und Kiß noch ben ſich führet / einjeder gewachfener Berg: 
Zinober fällt nad) der Art feines Landes offt fo ſchoͤn roth / daß man 
me nicht fchöner wuͤnſchet · Es kommt auch ein Zinober aus Indien / der 
dor dieſen der beſte geweſen / dieſer Zeit aber finden wir ihn eben fo gut 
in Siebenbürgenund Ungarn / den allerbeſten aber in dem Hertzog ⸗ 
thumCrain ; den Sinober pflegtman an einigen Orten vermittelt 
zweyer Töpffe / das Dvediliber pr. Defcenfunt zu deftilliven; ob man 
aber den Zinober auch jicher zur Artzney gebrauchen koͤnne daran mol« 
fen ihrer viele zweiffeln zum wenigſten foll man in den Recepten kei⸗ 
ne Salia darzu koinmen laſſen / alöwelche denfelben fchärffen / und 
gleichfam einen Mercurium Sublimatum daraus machen. 
Rechſt den ganhen Zinober welchen und die Holländer in groffenStüs 
en ſchicken / kommt aud) der von ihnen zerftöffene/ und entweder mit 
Urin oderSpiritn Vini praparirte Vermillon,deffen die Hollaͤnder zwey 
Sorten machen / nemlich die rothe oder bleiche / welcher Unterſcheid 
nur don den zerſtoſſen herruͤhret / dann je mehr er geſtoſſen wird / je biete 
cher und beſſer er iſt / abſonderlich vor diejenige / ſo das Siegel⸗Lack o⸗ 
der Spaniſch Wachs damit färben / fonften aber wird der preparirte 
Zinoker vor den beften gehalten/ welcher gang fubtil/ trucken und nicht 
fandigt iſt / nach welcher Dvalität ihn die Holländer vor andern wohl zu 
præperiren wiſſen / etwann daß ſie fonderliche Handgriff darzu haben/ 
oder auch etwas darunter miſchen / weil ihr Vermillon fo gar bald truck⸗ 
net/ da hergegen der rohe Zinober / wann et geftoflen und angefeucht 
wird / langſam und befhwerlich trucknen will, Der Gebrauch — 
wa 


[2 


— -- — — — er. r 


Bin Bit 1421 
machten Zinobers / fo wohl des ganhen als des praparirten / Pomnır 
hauptfählich denen Mahlern und denienigen / fo das Granit 
Wahs/Oblaten/und dergleichen damit färben/zu/bisweilen unterſte⸗ 
Het ſich auch wohl das Frauen · Volck rothe Baden Damit zu machen/ 
welches aber gar eine gefaͤhrliche Schmincke wegen des & if / und 


” möchten ſolche che daS Vermillion d’ Espagne brauchen / welches von 





Drientalifhen Saffran gemacht wird. In der Medicin wird der ars 
machte 2inohi innerlich nicht gebrauchet / den Pferden aber — 
Pillen davon gemachet / aͤuſſerlich braucht man ihm zum Käuchern/ in 
der Spey-Eur/die Chymici reſuſeitiren mit Feil / Staub und Kalck 
den 3 daraus / welcher ſchoͤn weiß und flüßig feyn muß. Der Zinober 
wird verfaͤlſcht / wann die Betrüger Minium unter den geftoffenen mf= 
ſchen / dahero es allezeit rathſamer / demfelben gang als zerftoffen zu 
kauffen / oder ſo man ja ſolchen gekaufft und probiren will / ſo nehme man 
ein halb Pfund davon / vermeng ihn mit ein Pfund Eiſen feilig und 
treib ihn in einer Retorte über / ſo wird er leicht an der Ovantität des 
hecüber gefliegenen Mercurii fehen / ob der Zinober juft oder ver 
faͤlſcht ſey. 
Zinziber vel Zingiber ‚vide Ingwer. 
- Zipperiein-Araue / Egopedium Podagraria, 

Zirmer / Sefeli Masſilioticum, Siler montanum , Saxifraga 
major. — 

Ziſer⸗Erbſen / Ciceresrubri. 

Ziſerlein / Kirbeeren / Doͤrlitzen / Harlitzen / Corna. 

—  Bpeyerling/ Sparbieren / Sorbadomellica, 

Zitter⸗Ruͤben / Zaun⸗Ruͤben / Stuͤckwurtz / Bryonia, Vitis 
ſylveſtris. | 

Zitterwurtz / Lapathum acutum, 

Zittwer oder Wurm⸗Saamen / SemenSanctum. Zedoariæ velCi- 
nz, bon ehlichen Santonicum genennet / iſt ein Geſchlecht des Wer⸗ 
muths / waͤchſt in Indien / wiewohl der Saame wohlfeil zu haben / es 
kommt auch viel diefed Saamens uber Venedig aus Alexandria/ wel⸗ 
her gröber/ reiner und beffer als der andere iſt insgemein muß er 
grün / nicht ſtenglicht und groß / aud) ſtarcken Geruchs und fehr bit- 
terfeyn. Die Materialiften theilen fonft auch den Zittwer in viererley 
Arten / ald (ı) in —— Zedoaria fina oder longa genannt P (2) 
in runden oder Block⸗Zittwer Zedoariam rotundam , (3) inZedoa- 
riam tuberofam und (4) in Geidar Zittwer / wiewohl fie alle Theile 
feynd einer einigen Wurtzel / und nur der äufferlichen Form nach von 
einander unterfchieden. Die — * Zittwers iſt den a 

" kh u» 


* 








1422 Ziz Zoͤt 


ähnlich / ſiehet jedoch groͤſſer/ anger und breiter aus / ft auch wohl 

siechender / bitterer/und nicht fo ſcharff an Gefhmad / waͤchſt in Chi- 

na und Malavar , aliwo er theild gepflangt / theilswilb wächft/ er zer» 
— die Winde / wider ſtehet den Gifft und dienet vor den ſchwa⸗ 

en Magen/x. 

GC fol aud) ‚ein Zittwer (welcher mie Campher riechet/ und Dannen- 
hero ZedoariaCeylonica, Campboram redolens genennet wird) zu⸗ 
finden feyn / insgemein gehet bie Zittwerwurtzel wenidab / dannenhe⸗ 
ro ſich mit groſſen Wanitaten nicht zu belegen / ſonderlich weil fie bald 
wurmfichig wird / man macht aud) einen Extraöt babon / welcher mit 
— dulci vermiſchet / die Wuͤrmer der Heinen Rinder 
| 

Zizania, Zizanium ‚UÜnfraut/ fold.- 

Zizipha, Us, jujubæ, vothe Bruſt⸗Beer. 

FJobein / ein koſtbares Peltzwerck / kommt aus Moſcau / und werben 
dieſe Thier / welche etwann in der Groͤſſe eines Marders ſeyn / in Sibe⸗ 
rien gefangen / die Zobel⸗ Fell mſſen ſchoͤn ſchwartzbraun / rein und lang 
von Haaren / und unbeſchaͤdigt ſeyn / fo kan das ‘Paar 10. zo. bis 100. 
Reichsthaler gelten / vide Peltʒwerck. 

Zou / eine gewiſſe Maaß eines Daumens breit / beym Bergwercken 
iRöder softe Theil eines Berglachters von ĩ. Ellen. 

Zoͤlle auf Waaren / Velligalia, Frantzoͤſiſch La Douane (weil 
nemlich das Kauff⸗ und Zoll⸗Haus vor —— genommen wird) 
Italianiſch il Dario genannt/ ſeynd gegründet und authoriſiret in hei⸗ 
liger Schrifft / da nemlih GOTT ſelbſt zu den Juden die ihn mit der 
Zinfe-Münge in Verſuchung führen wollten / fagte : Beber den Kaͤy⸗ 
fer was des Adyfers ift/und SOtt was GÖdtres ift/und Paulus 
zum Roͤmern anınz. IM 7. BVerß fpricht: So geber nun jedermann 
woss ihr ſchuldig ſeyd / Schoß) dem der Schoß gebührer/3oll/ 
dem der Zollgebührer / Furcht dem die gurcht gebührer/zc glei» 
cher Geſtalt net der Apoftel Petrus in den 2. Eapitel feiner erften 
Epiftel im 1. Verf: Unserehanaller menſchlichen Ordnung / 
(und alſo auch den aufer egtenZollwefen) um des HErrn Willen; Ha⸗ 
hen alfo die Könige/Fürften und Herrn / ein wohlhergebrachtes Recht 
den Zoll zu fordern, zwar mit det Limitation , die der Heyland felber 
hey Matthxo aut ı7, Cap. im 26. Verf gemacht/ daß die Rinder ı Das 
iſt die eingebohrne Burger im Land) davon follten frey ſeyn / und dieſe 
Laft den Fremden allein follte auffgeburdet werden / weil aber nad) 
eben des Heylands Morten leichtlich Aergerntß daraus entftehen 
moͤchte / als bleiben auch die Burger und Einheimifche den Zoll — 

Bert: 





Bl 1423 
worffen / wann ed nur dabey heiſſen möchte / Boni paftoris eft tonderc 
pecus nondeglubere, fo aber will heutigs Tags faft ein jeder Souve- 
rainer Landes⸗Herr / fein Erarium durd) die imponirte Zölle berei> 
chern / und daher feynd die unproportionirliche ʒoll⸗Taxen entftanden/ 
mit welchen ſo — als importanda heſchweret und beleget 
werden; ja ed haben wol gar einige dem Roͤmiſchen Reich immediate 
unterworflene Stände/ denen der Ränferlichen Majeftät allein zufons 
menden Juribus zu wider / fich angemaffet/ ungemaͤßigte Zoͤlle / auf die 
vorbengehende und fahrende Schiffe / und Büter- Wagens zu legen/ 
welche zwar bald wieder abgefchaffet worden / jedoch ift allezeit noch 
fo viel nachgeblieben/daß noch bis dieſen Tag Handel und Wandel mit 
unerträglidhen Laften beſchweret / und dadurch nicht umein geringes 

hem̃et wird / zwar fan jure Territorati ein Lands⸗Herr hierin nad) 
inen Belieben in feinem Land verordnen und gebieten/was ihm gut 
duͤncket und gefällig iſt / ob es aber der Handlung e/laffen wir da⸗ 
hin geftellet feyn. Ein verſtaͤndiger Sammer oder Commercien Rath 
hätte hier billich zu remonſtriren / daß alle zum Luxu dienende / item 
leicht entbehrtiche Waaren / ſonderlich dieienige/weiche in einem Land 
ſeldſt können fabriciret werben / und worzu das Land reichlich die 
Materialia fourniret/mit höhern Zoll muͤſten beleget / die unentbehrli⸗ 
che und aus der Fremde allein zu erwartende Waaren hingegen damit 
verſchonet werden / allein wer bat diefe Conſider ation, iſt alfo vor un⸗ 
fern trafigvirenden Kauffmann nichts übrig als die liebe Gedult / und 
daß er ſich in die Seihihide/ dabey ihme dann fonderlich will oblie: 
gen/ daß erdurd) Negligirung oder Defraudirung folder Zölle (ih 
nicht ſelbſt in Unglüd ſtuͤrtze / und ſich dadurch die Gefahr über den 
Hals ziehe / daß fein Schiff / Wagen oder But confifciret werde/ wel⸗ 
ches ihrer mehr ald zu viel mit ihren hoͤchſten Schaden wiederfahren/ 
denen reiche und viel tauſend importirende Schiffs oder Wagen⸗La⸗ 
dungen / um etzliche wenige pro Centum Zoll⸗Gelder / die fie haben er: 
fparen wollen / weg genommen worden/ exempla funt odiofa, fonften 
wir deren einen groflen Numerum anführen fonten. Es werden aber 
die Zölle an eplihen Orten nad) gewiſſen pro Centum, an andern nad) 
Stüdweiß angefebet / in bielen Rönfgreichen und Provincıen findet 
man gene edruckte Zoll Tariffs von 10, ı2, und mehr Bogen * 
in welchen eine jede Waar mit Nahmen benennet wird / was fie ihren 
Werth / Stück / Ellen oder Pfund nad) geben muß / an einem Ort heif: 
fen die Zölle Faß und Loft Geld / an andern Licent und Confumption 
Gebühr/ dafeynd auf die Schifft / Haben / Convoy ‚ Admiralitäts und 
Piloten-Belder ; auf die Wagens Brüden / Pallage , uud Gtüd 
Zöllegeleget/ und was der —2** mehr ſeynd / die ſich = 
xxx2 19 


l 


124 _ 3ub Zu 00 — 

ſo gar aufder Paflagiers ihre Hardes und bey (ih habenden Cotires 

erffceden, welche alle der Viſitation und genauen Examinı unterwort: 

fen’ dadurch aber fo viel Meyneidige Vifitarores, undCorruptibles 
Zoͤllners / (aufderen Befoldung doc) offt dad dritte Theil der einge: 
henden Zoll » Gelder muß verwendet werden) an der Kauffleut und 
Schiffer Seiten aber fo vielerhand Intriguen, dur) heimliches Ein- 
fehleichen/fraudulentesAngeben/Corrumpirun der Zoll⸗Bedientẽ / tc. 
gemachet werden / daß die vielfältig daraus entflehende Inconvenien- 
zien nicht alle genugfam zu erzehlen ſeyn. Unfer Kauffmann bemerde 
nur dieſes / daß um zeitlichen Gewinns willen / dad Gewiſſen warn ſich 
ſolches dabey engagiret befindet) nicht an den Ragel zu haͤngen / zu⸗ 
mahl da es ihme hernach doch frey ſtehet / den ausgegehenen Zoll wie⸗ 
der auf die Waaren zu ſchlagen / wobey er dann auch noch bie Con- 
folation hat / dafi er feine eingeführte Waaren jedermann Frey vor 
Yugen legen / und fich keiner / offt uber — kurtz (fonderlich wann 
er feine eingelöfte Zollzettel fleißig beyleget und bewahret /) vor⸗ 
fallenden Ingvifinon , oder wie ed an gewiſſen Orten genennet 
wird/angeftellter Obfervation zu befürchten hat. | 


Zubuß / iſt was die Bergwercks Gewaͤrcke quartaliter auf einen 
Kur geben muͤſſen / es wird auch dieſes Wort bor allen Beytrag / den man 
zu Unkoſten / oder Fortſetzung eines Wercks / oder Reparirung 
eines erlittenen Schadens pro rata thun muß gebraucht. Bey vielen 
Bergwercken iſt leyder diesubuß mehrentheils groͤſſer als die Einnahm 
oder Ausbeute, Wann auch die Kauffleute von Zubüffen fpredyen/ 
fo muß es fchlecht umden Gewinnſt in der Schluß Bilang ſtehen. 

Zucker / Saccharum, Frantzoͤſiſch du Sucre,ift vielerley Arten! 
und laͤſt ſich fonderlich wohl eintheilen In Saccharum Veterum , qvo 
erat Spontaneum feu Nativum gebiegen Zucker / (auffer welchem dit 
Alten fonft von Feinen andern gewuſt /) & in Saccharum Noftrum,# 
der indie vielerhand rafinirte Zuger / die heutigd Tags bey und ge 
bräuchlich ſeyn / dieſes Saccharum Noftrum iſt vel Sicum,velligvidum 
ex refinatione, 

Saccharum Sicum iſt) wieder vel forma metz , feu pyramidis 
als ein Kegel geftaltet / (welches wie Hut⸗Zucker nennen/ und dieſer 
beftchetentweder/ in groſſen oder groben / kleinen oder feinen Lum⸗ 
pen / in geplackten oder geftreifften / Kleinen oder Netto Meliffen / in 
ordinaıre fein oder fehlecht Canarien, in fein fein Canarien,und in fein/ 
fein/ fein oderCandiß Broden.) 
Dver forma glebz feu grumorum, bröderfgt / und alsdanu iſt es 
entweder Cryitallinum feu candum ‚album, weiß Zuckerkand / feuru- 
brum 


[4 


Zud 1415 


brum braun 3uderfand/oder auch Pfann-Zucer/zu welchen man noch 
zehlen könte / Saccharum caudatum den Stert » Zuder. 


Oder er ift aud) forma pulveris , roher Poudre Zucker / dergleichen 
ſeynd der Thomas Zucker / der Barbados, Pannelen/Mascovade,meif 
Farin und roth Stert⸗ Zucker / der durch Kunſt alfo gefärbet if. Man 
findet auch einen gewundenen Zucker Penidium five tractum Saccha- 
rum, forma Cochlex ‚item Saccharum Nivis Schnee-Zuder/ der aber 
unter dad Conlect gereihnet wird, 
Saccharum ligvidum ex refinatione,ift vel prima ein ſchwartzer gro» 
ber Syrop/did und brandig/Mellazzo genannt/ oder Secunda , Ba⸗ 
ftart Syrop/der Härer ald der erſte und endlid) Tertia Candiß⸗Sy⸗ 
rop / der Flärfte und fchönfte von allen. 
Die Kunſt den Zucker zu raffiniren oder zu laͤutern / haben die Alten 
nicht gewuſt / ſondern (ich mit ihren Saccharo Nativo, gediegenen 
Zucker / be 9* müffen/ welcher aus dem Ritzen des Alten und Safft 
bollen Zucker Rohrs / gleichwie eine Lachryma aus einem Baum heraus 
gbillet / und ſich wie Körner In der Groͤſſe einer Erbs / oder zumellen 
gar als eine Haſel⸗NRuß anfepet ; diefe von der Sonnen alfo getruck⸗ 
nete Körner / wurden damahls in Indien gefammlet / und weit und 
breit verführet/ dahero aud) Diofcorides ‚ Plinius,Galenus , undAvi- 
cenna ſolches Salem Indum, oder Judianiſches Saltz / item Mel A. 
rundinis Rohr Honig genennet. Es ift aber mehr als ein Geſchlecht des 
Rohrs / welches einen Zuder-Gafft in ſich hält zu finden / als da find . 
Das groffe Mambu oder Bambus, das Rotang oder Rotting Mit der 
runden Frucht / deſſen Wurgel knotig ift/ wie unfere gemeineSchilff⸗ 
Rohr / wiewohl dabey nicht fo holgigt / fondern doll fülfes Gaffts. 
Aus diefer Wurtzel nun / wachen hierauf die Rohr-Stangen / ſechs 
oder fteben Fuß hoch / und zwey Daumen Did / voller Gelende/ und 
eine gute Hand breit von einander / innwendigmit einen weißligten 
ſchwammigten Mard / welches fehr ſuͤß / und fafftig ausgeftopfft; die 
Blätter feynd wie an unfern gemeinen Rohr / aud) dabey ſcharff / daß 
fie imAbbrechen die Hände leicht verletzen / ed wächft nahe bey Mo: 
väften / fo wohl in Oft als Weſt⸗Indien / ſonderlich aber auf den Ca- 
narifchen Eylanden. 
Diefes Rohr wann es nun reiff iſt / wird abgeſchnitten / und in den Zu- 
cker⸗Muͤhlen / welche entweder die Pferde oder auch Mohren ⸗Scla⸗ 
ven umdrehen müffen/ ausgepreſſet / der daraus kommende Safft wird 
in Steinerne Krüge gefaſſet / und wie Saltz geſotten / hernach in Ke⸗ 
get formigte Gefäß gefchüttet/ oben Afche oder geftoflen Kreydedar- 
auf geſtreuet / damit ſich Die — reinigen und weiß * 
XXX 3 moͤ⸗ 


| 

1430 — ßut — 

maoͤgen / was bon den Rohr überbleibet / damit werben die Schweine 
fett gemachet / wann nun folder geſtalt der Zucker gereiniget / undiett 
nad) Europa ſoll verfandt werden / fo wird er aus den Formen — | 

machet/ in hölgerne Kiften geleget/ bafelbft in Eleine Stüden zerſchla⸗ 
gen / und feft eingeſtampfft / eine jede folder Kifte wiegt zo. bis;o. 

Arrobas, jede Arroba zu 32. Hollaͤndiſche Pfund gerechnet. Es Eommit 

aber in den Kochen und Läutern des Zuckers auf des Meiſters Erfah⸗ 

renheit und Glüd viel an / daß der Zucker gut oder ſchlecht werde / fo 
ag En RAINER des Erdreichs biel zu der Qbalttät des 

Zuckers. 

Die meiſten Zucker Rafinerien, in welchen der aus Oft: oder Weſt⸗In⸗ 

Dien/ über Portugal / Spanien / Engeland/ Franckreich oder Holland / 

in groſſen langen Kiften gefommene Poudre Zuder oder Mafcovade, 

- aufis neue geldutert/ erſt vecht von feiner Unveinigkeit gefäubert / 

und zu den oberzehlten Art Zuckern / als Lumpen / Melis, fein fein / und 

Candiß⸗Zucker / c. gemachet wird / feynd heutigs Tags in Engeland / 

Franckreich / Holland und Hamburg zu finden / welche beyde letztere 

gaug Teutſchland mitZuder verfehen/ er wird mehrentheils bey Grot 

Flaͤmiſch oder fo und fo viel Seyling pr. Pfund mit sz- pro Centum 

Rabbat vor 13. oder 43. pro Centum vor 7. Monath-Zeit eingekanfft / 

und hernad) Contant in Banco bezahlt ; in Ober-Teutfhland aber ge» 

fhiehet der Verkauf nad) Eentnern / zu fo und fo viel Thaler pro 

Centum, e 

Die Sattungen der Zucer/ welche nad) Hamburg gebracht werben, 

feynd folgende: 
I. Über Engeland. 

Cernaam Suder in Führen Hol —— | 

, Samaicifche Zuder und Barbadifche Zucker / kommen in Stüd- 

Faͤſſern fo über 1000, Pfund wiegen. Geben ıs.pro Centum Tha- 
ra, dito von soo. Pfund geben ı8. pro Centum, 2.biß300, Pfund / a⸗ 
ber 20. pro Centum and 3.15. gut Gewicht. 

, Englifch weiß Puder / kommt wie vorſtehendes and; in gleichen Ge⸗ 
fäffen/gibt auch gleiche Thara, NB, ed ereignet fich zwar bey Diefer 
Thara einiger Bortheil / weiln aber der Zuder unten in den Faͤſ⸗ 
fern fehr feuchte / welches allen Vortheil wiederum zernichtet. 


I, Uber Portugall. 


, Permambock Puder / kommt in langen Küften/ welche nad) de» 
ven Ausleerung tharirt werden / geben 12, Pfund Befen fchön/di- 
to 


ws 


— 


‘ 


zud Zwi 1427 


ro kurhe Küften Thara was ſie waͤgen /und ro. Pfund Befen (hön/ 
gut Gewicht 3 proCentum,. | 

z, ſſen Böden wie Wachs / wird Brodt-Zuder genannt / waͤ 
Pfund / kommen aber ſelten. — 

3. Temels Zucker ebenfalls in Platen auch gar ſelten. 


I, Uber Franckreich. 


Garibifcie Zucker in Heinen Zäfern von 4. a500. Pfund 
2 Pay ——— 14.3500, DIAnd/ Geben Thara 


Sucerwurgel/ Gierlein / Börlein/Alingel-Räben/Rapuncu- 
lus hortenſis, Siſar, Siſarum, Siſer. 
Zumpen⸗Kraut / Craſſula Major, Telephium, 
Zungen / Solea vide Fiſche. haitig geräuihert 
Zungen von Ochfen/werben bielfältig geraͤuchert und au . 
| falgen/ aus fremden Orten verfchrieben. „ heinge 


Zungen ⸗Blatt / Zaͤpffleins⸗Kraut / Hippogloflum,lingv@paga- 
na, Uvularia, 

ungen⸗Kraut / —— | : | 

ZuphvelZupha , ein gewiſſes Kraut oder Pflange/ die in d 
er Meer wächft/ und nicht allein gut zu eflen iſt / ſondern auch Bin 
fhöne Scharlach Farhgiebet. 

Zuͤrgel ⸗Baum / Lotus Africana, 

Zuwachs / vide Accesfro, 

Zwetſchken / vide Pflaumen. 

Zweyblatt / Bifolium, Perfoliata ſylveſtris. Ä 

Zwiebel oder Zwieffel / ſeynd unterfchiedlicher Arten . 
der Zeld-Zwiebel Bulbus efculentus & — us. als Ader o⸗ 

Zwiebel oder Aſcalon, Cepa Aſcalonica. 

Cangʒ ewiebel / Cepa longa. 

Meer-Zwiebel / Seilla, Seylla, Sqvilla, Bulbus ex hi- 
fpania, - 

Schnitt⸗Zwiebel / Cepa ſectilis. 

Gemeine Zwiebel / Cepa,Cepa eapitata. 

Zwibel⸗ Iſop / Winter⸗Iſop / Satureja. 


Zwirn / iſt entweder weiß gebleichter oder gefärbten / feiner oder 
| | gro⸗ 


1428 Zwi 
ber / Naͤh oder Knuͤppel Zwirn zu den weiſſen Spitzen / in Teulfhlaud 
oder Holland gemachter / da dann dieſer letztere offt ſo ſauber / cgaund 
fein iſt / * das Pfund ız. bis m. Reichsthaler und mehr verkaufe 
wird / wobey dann nur dieſes hoͤchlich zu bewundern / daß der mei⸗ 
ſte Hollaͤndiſche Zwirn aus Schleſiſchen und Weſtphaͤliſchen Gau 
gemachet / und alſo unſere eigene Waare (nahdeitt Die Audlir 
der das meiſte daran gewinnen) und theur wieder verkauffet wirt. 
wie etwann alſo die Spanier den Holändern ihre fchöne Wolle verr\ 
kauffen / und hernach die daraus’ Gerfertigte Tücher / (mol’ıo. 
u — als die darzu gekommene Wolle gekoffet /) wiedet an 
auffen. er 








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